Oktober und seine Geister

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 430 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag () ist von kalkwiese.

  • Im James Joyce, an einem Neunzehnten

    während Oktobers Geister tanzen,

    gibt es Studenten und Bier

    und dich und mich.


    Zeit blüht in Gesprächen.

    Ich suche dich in den Nebensächlichkeiten,

    Labyrinthe aus Förden, S-Bahnen, Bleistiftlinien,

    voller akustischem Schwermetall.


    Und wer weiß.

    Vielleicht suchst du mich auch?

    Und vielleicht ...

    Vielleicht wird‘s wieder Zeit.


    Oktober fährt in mich.

    Darf ich dich küssen?

    Die Geister tanzen ums Feuer.

    Sie fachen uns an.


    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    Einmal editiert, zuletzt von kalkwiese ()

  • Heyho kalkwiese


    Passiert mir je eher selten, aber hier muß ich zugeben, daß ich gerade keinen Zugang finde. Irgendwie habe ich nicht den richtigen Blickwinkel...

    Der Song gefällt mir gut, trotzdem kann ich zwischen ihm und Deinen Zeilen keine Verbindung finden - ist aber nichht wirklich schlimm und braucht auch keine Erklärung. Manchmal dauerts vielleicht ein wenig länger, bis der Groschen fällt - und wenn er's nicht tut...naja.

    Ich warte mal, was andere hier damit anfangen.

    Weil...interessant finde ich Dein Gedicht allemal (so als am 19.Oktober geborener...).

  • Hey, kalkwiese

    Passiert mir je eher selten, aber hier muß ich zugeben, daß ich gerade keinen Zugang finde. Irgendwie habe ich nicht den richtigen Blickwinkel...

    Geht mir genauso. Tut mir leid. :/ Ich hab keinen Schimmer, was du mir damit sagen willst. Und zu dem Lied kann ich auch keinen Zusammenhang herstellen. Vielleicht gehöre ich ja nicht zur Zielgruppe dieser Art Poesie ...

    Aber du hast schöne Bilder verwendet! :thumbup:

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


    ___________________

  • Hey Der Wanderer

    was für ein Zufall, dass das auch noch dein Geburtstag ist. :) Grundsätzlich bin ich für alle am Text belegten Interpretationen offen, falls dir doch noch etwas dazu einfällt. Ansonsten muss man ein Gedicht auch nicht verstehen mMn. solange die Sprache gute Bilder hergibt etc. und es eine Stimmung einfängt.

    Falls jemand trotzdem wissen möchte, was ungefähr der Hintergrund ist, gibt's das hier im Spoiler:

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Auch wenn ich mich jetzt als "irgendwie verschroben" outen sollte: MIR gefallen Deine Zeilen, kalkwiese , ausnehmend gut.

    Auch ohne Deine Erklärung habe ich darin "eine Begegnung" gelesen, ein erstes Mal, sozusagen. (Ich konnte nur ehrlicherweise mit der ersten Zeitangabe

    Im James Joyce, an einem Neunzehnten

    jetzt nich soooo dolle was anfangen. Ist das ein Insider?)

    Der Unterschied zwischen dem, was Du bist und dem, was Du sein möchtest, liegt in dem, was Du tust.
    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Was würdest Du tun, wenn Du keine Angst hättest?

  • Auch wenn ich mich jetzt als "irgendwie verschroben" outen sollte: MIR gefallen Deine Zeilen, kalkwiese , ausnehmend gut.

    Auch ohne Deine Erklärung habe ich darin "eine Begegnung" gelesen, ein erstes Mal, sozusagen. (Ich konnte nur ehrlicherweise mit der ersten Zeitangabe

    Im James Joyce, an einem Neunzehnten

    jetzt nich soooo dolle was anfangen. Ist das ein Insider?)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Hey, kalkwiese , mir gefällt das Gedicht sehr gut. Bei der Kombination Schwermetall und Oktober denke ich unweigerlich an October Rust von Type O Negative, auch wenn das gar nicht so dazu passt :hmm:

    Mir gefällt die Leichtigkeit, die das Gedicht vermittelt und damit auch die Stimmung des (von dir vermutlich) erlebten Augenblicks gut einfängt.

    Und so viele schöne Formulierungen: während Oktobers Geister tanzen, Zeit blüht in Gesprächen. Ich find's auch schön, wie neben der Leichtigkeit noch diese Spannung zwischen dem lyrischen Ich und dem imaginär angesprochenen (?) Du hervorkommt und dieses vorsichtige Verlangen nach dem "Darf ich dich küssen".

    Das Gedicht ist dir echt gut gelungen! Mir gefällt's! <3

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Im James Joyce, an einem Neunzehnten

    während Oktobers Geister tanzen,

    Ok. Das James Joyce scheint ein Ort zu sein. Nach einem Schriftsteller benannt. Der Oktober ist ein melancholischer Monat mit vielen Möglichkeiten. Zum Guten wie zum Schlechten.


    gibt es Studenten und Bier

    und dich und mich.

    Hier scheint es viel Lärm in der Umgebung zu geben, aber zwei Zugeneigten ist das egal.


    Zeit blüht in Gesprächen.

    Ich suche dich in den Nebensächlichkeiten,

    Labyrinthe aus Förden, S-Bahnen, Bleistiftlinien,

    voller akustischem Schwermetall.

    Die Musik scheint recht laut zu sein und die Zugeneigten (verlegen) suchen nach Gemeinsamkeiten.


    Und wer weiß.

    Vielleicht suchst du mich auch?

    Und vielleicht ...

    Vielleicht wird‘s wieder Zeit.

    Bei all der Suche wird es Zeit für eine Entscheidung, sonst geht der Augenblick vorbei und bleibt ungenutzt.


    Oktober fährt in mich.

    Darf ich dich küssen?

    Die Geister tanzen ums Feuer.

    Sie feuern uns an.

    Oha. Der Oktober macht Dampf. Go for it!

  • Heyho kalkwiese

    In dem Text steckt der Abend drin, an dem meine Freundin und ich uns das erste Mal geküsst haben.

    Wie ich sagte: Kaum ist mein Blickwinkel verändert, schon macht alles Sinn.

    Das ich's erst nicht begriffen habe, hat, glaube ich, mit dem sehr persönlichen Inhalt zu tun. Auch wenn "...und Dich und mich." kaum deutlicher sein konnte.

    Aber es wäre auch nicht schlimm gewesen, hätte ich den Hinweis nicht bekommen. Schreiben tut man ja bekanntlich erst mal nur für sich.

    Meine Lieblingszeile jedoch war bereits gestern und ist auch heute "...während Oktobers Geister tanzen."

    Das löst was aus bei mir...ich weiß nur noch nicht so genau, was. Macht aber nichts, das Gefühl ist hier erst mal wichtig.


    Ich danke!

  • Hey nochmal,

    ich denke noch immer über dieses Gedicht nach und über eine mögliche Änderung, möchte aber nichts verschlimmbessern, darum frage ich vielleicht lieber mal, was ihr davon haltet. :hmm:

    Das betrifft vor allem die letzten Zeilen der letzten Strophe.

    Zitat

    Die Geister tanzen ums Feuer.

    Sie feuern uns an.

    Meine Gedanken dazu sind folgende:

    Ja, die Geister tanzen ums Feuer, aber welches Feuer? Die Geister feuern etwas an. Das meine ich mehrdeutig, denn einmal kann man jemanden ermutigen, aber ein Lagerfeuer feuert man auch an, indem man es entzündet. Damit wird dieses Paar zu dem Feuer, um das getanzt wird.

    Diese Doppeldeutigkeit gefällt mir noch immer sehr, aber ich fürchte, dass sie vielleicht etwas zu subtil ist und man nur die erste Bedeutung versteht - und in dem Fall wäre diese Zeile einfach lahm, in meinen Augen.


    Meine Alternative wäre drastischer: "Sie setzen uns in Brand", oder ähnliches.

    Das besitzt überhaupt keine Doppeldeutigkeit und Liebe mit Feuer zu vergleichen ist auch ein sehr ausgetretener Pfad, macht als Schlusszeile aber durchaus was her. :hmm:

    Vielleicht hat ja jemand ein, zwei Gedanken dazu.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich versuche mal was dazu zu sagen. Lieber kalkwiese


    Oktober fährt in mich.

    Darf ich dich küssen?

    Die Geister tanzen ums Feuer.

    Sie feuern uns an. (Diese Zeile habe ich in erster Linie im Sinne von "ermutigen" verstanden)


    Sie setzen uns in Brand

    (Diese Zeile würde für mich eher für Leidenschaft stehen und weniger für das Ermutigen. Das "In Brand setzten" könnte aber auch etwas unterschwellig bedrohliches sein)


    Die Geister tanzen ums Feuer (Hier brennt das Feuer ja schon)

    Sie setzen uns in Brand (Hier wird es erst entzündet)

    Sie feuern uns an. (Hier wird das brennende Feuer verstärkt (ermutigt). Ich habe es nicht so wie in deiner Lagerfeueranalogie verstanden, dass das Feuer erst entzündet wird)


    "Sie setzten uns in Brand" finde ich direkter/härter. Gefällt mir.

  • Sensenbach Danke, das hat mir wirklich weitergeholfen! Ich weiß noch nicht, ob ich meine Idee jetzt genau so umsetze, aber besonders die genaueren Ausführungen zu den einzelnen möglichen Sätzen hat mich auf eine Idee gebracht, die mir vielleicht noch besser gefällt. :)

    Direkter sollte es definitiv werden. Statt "in Brand setzen" wäre aber vielleicht "anfachen" eine Überlegung wert. Warum soll das Feuer erst entzündet werden, wenn es doch schon seit dem Pubbesuch vor sich hin schwelt? :D

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]