Das Singen der heiligen Flamme

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  • Hallo allerseits. Anbei noch einmal mein Beitrag zum Schreibwettbewerb mit dem Thema "Die Kellertreppe"


    Die Geschichte ist eine Verbeugung zu den Großen der dunklen Literatur wie Lovecraft und Clark Ashton Smith. Insbesondere letzterer hat mich stark zu dieser Geschichte inspiriert. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Stadt_der_singenden_Flamme


    Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass ich mit dieser Geschichte nicht gewinnen würde :hmm:. Diese Aussage mag etwas seltsam klingen. Aber aus meiner Sicht, ist es eine der besten Kurzgeschichten aus meiner Feder. Da muss ich erstmal meine Wunden lecken und es neu einordnen.



    Das Singen der heiligen Flamme


    Lieber Freund,

    Wenn du diesen Brief in Händen hältst, dann hat mich meine Neugier endgültig an einen Ort geführt, der den Menschen meist verborgen bleibt. Denn er liegt hinter dem dünnen Vorhang, der die Welt der Mythen und Albträume von dem trennt, welches wir gemeinhin als Realität bezeichnen.

    Wir beide lieben und den respektieren das Alte und Ehrwürdige. Daher kannst du meine Freude sicher verstehen, als die betagte Villa am Stadtwald endlich zum Verkauf angeboten wurde. Nachdem Fenster und Dach gerichtet sowie die Böden geschliffen und neu versiegelt waren, zog ich zunächst in das geräumige Kaminzimmer ein.

    Ich begann voller Elan mit der Arbeit an dem neuen Manuskript. Das leise Summen appellierte am dritten oder vierten Tag der in Besitznahme des Herrenhauses erstmals an mein Bewusstsein. Es drängte an die Oberfläche und überraschte mich als kaum wahrnehmbare, aber eindringliche Melodie. Ich folgte dem Klang und fand eine schmale Tür, die ich stets für den Zugang zu einer Abstellkammer gehalten hatte. Als ich die Hand auf den Knauf legte, sprang die Tür auf und gab eine steinerne Treppe frei. Diese machte nach wenigen Stufen eine scharfe Kurve und schien in den Keller zu führen. Erst schrak ich vor der abgrundtiefen Finsternis des Ganges zurück, aber die Melodie drang nun deutlich von den unergründlichen Untiefen zu mir hinauf und lockte mich. Mir wurde klar, dass die Musik keinem von Menschen ersonnenen Instrument entsprang, das was ich hörte, entstammte einer anderen Quelle. Diese Melodie war engelsgleicher Gesang.

    Unsicheren Fußes betrat ich den schmalen Steig. Meine Finger strichen in der Dunkelheit über grob behauenen Stein. Tastend schritt ich vorwärts, dabei ging es in einer engen Spirale immer weiter hinab und hinab, bis ich einen sanften Schimmer wahrnahm. Unweit zeichnete sich der Schatten eines Felsens ab und dahinter glimmte ein Licht. Mit schnellen Schritten verließ ich Treppe und Gang.

    Unmittelbar stand ich vor einer atemberaubenden Landschaft. Ich befand mich auf einem sanften Hügel, grasartige violette Vegetation wiegte sich im warmen Wind. In der Ferne zeichneten sich titanenhafte Bäume ab. Zahlreiche ovale, rötlich schimmernde Blattgebilde streckten sich von regelmäßig angeordneten Ästen zum bernsteinfarbenen Himmel. Keine Sonne stand am Firmament, dennoch ging von ihm ein matter Glanz aus, der die Welt in ein fahles, überweltliches Licht tauchte. Dahinter glitzerten unbekannte Sterne. Meine Gedanken schwanken zwischen Faszination und blankem Entsetzen. Voller Panik eilte ich zurück, das Pochen meines Herzens verlangsamte sich, als ich die Stufen erreichte, die in die bekannte Welt führten. Der Weg war nicht verstellt, ich konnte jederzeit zurückkehren. Der rationale Mensch in mir versuchte nun, die Dinge einzuordnen und in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Lag unter dem Haus seit jeher ein Spalt in der Raumzeit? Oder hatte der Vorbesitzer ein verborgenes Prinzip entdeckt und einen Durchgang erschaffen, der die Erde mit der fernen Welt verband, auf deren Boden meine Füße nun standen?

    Langsam begriff ich, welche Gelegenheit für ungeheure Entdeckungen sich mir hier bot. Zudem lockte mich die fremdartige Musik. Vorsichtig ging ich den Hang hinab. Monolithische Felsen ragten wie Wegmarken auf und markierten einen Pfad hinunter in den bizarren Wald. Die süße Melodie rief unaufhörlich, wie von Halluzinogenen übermannt schritt ich voran. Mir blieb der drogengleiche Einfluss der Klänge auf meine Gedanken und Wünsche nicht verborgen, diese Wirkung beseelte mich und ängstigte mich zugleich. In einem wacheren Moment holte ich ein Papiertaschentuch hervor. Ich zerriss es in zwei Teile und formte Keile, mit denen ich mir die Ohren verstopfte. Die Musik verstummte nicht ganz, rief jedoch weniger dringlich und ich konnte wieder klarer denken. Der Weg mündete in eine weit größere Straße, die mit meterlangen quadratischen Steinen gepflastert war. Ich bemerkte die drei Flügelwesen erst recht spät. Ohne von meiner Anwesenheit irritiert oder verwundert zu sein, schritten sie an mir vorbei und lächelten freundlich. Voller Erstaunen sah ich den schönen Gestalten nach, deren schmetterlingshaften Flügel in hellem Orange und Blau schimmerten. Ihr Erscheinungsbild war trotz der Fremdheit unerwartet menschlich. Die beiden größeren Wesen waren offensichtlich männlichen Geschlechts, während das grazilere in der Mitte eine junge Frau darstellte. Ich beschloss, den friedlichen Geschöpfen eine Weile zu folgen, wobei ich einige Meter Abstand hielt, um die Reisenden nicht zu verschrecken. Das Weibchen wandte sich kurz um und schenkte mir ein ermunterndes Lächeln. Die Nähe der Schmetterlingsmenschen gab mir frischen Mut.

    Umso mehr erschütterte mich der Anblick der Stadt, die vor uns aufragte, als wir eine weite Ebene erreichten. Die Metropolis schien von wahren Riesen erbaut und das Zentrum eines sagenhaften Reiches zu bilden, denn von allen Richtungen strömte Volk der gewaltigen Stadtmauer entgegen. Ich sah krebsartige Lebewesen und durchscheinende metergroße Quallengeschöpfe, die über uns schwebten und sich an den Tentakeln hielten. Die Vielfalt an Formen und Spielarten des Lebens beschäftigte meinen Geist, sodass ich die lauter werdende Musik erst wieder bemerkte, als die Prozession das Stadttor erreichte. Die Wachen, die uns gelangweilt durchwinkten, gehörten wohl der einheimischen Spezies an. Sie besaßen eine auberginenfarbene ledrige Haut, hatten Mund und Nase, sowie kreisrunde dunkle Augen. Ich fand die Flügelwesen grade noch in der Menge wieder und folgte ihnen rasch. Zu meiner Freude warteten sie, bis ich mich angenähert hatte. Wir kamen an einer gläsernen Röhre vorbei, durch die eine grünlich leuchtende gasförmige Substanz geleitet wurde. Sie mündete in einen Brunnen, in dem warmes Wasser dampfte. Waren die Röhren Teil der Energieversorgung der Metropole?

    Auf dem Weg trafen wir immer wieder auf die Leitungen, sie schienen ein weitverzweigtes Netz zu bilden, das in jedes Haus und jede Wohnung führte. Dann sah ich das Ziel unseres Weges. Der Tempel war von monumentalen Ausmaßen, gewaltige weiße Säulen hielten die ersten Stockwerke, darüber wuchs das Gebäude in Form einer spitz zulaufenden Pyramide bis in den Himmel. Dorthin strömten die Pilger, den nichts anderes waren wir, Pilger auf dem Weg zum inneren Heiligtum der Welt und die freundlichen Bewohner der Stadt hüteten es. Meine Begleiter duldeten mich nun in ihrer Mitte, gemeinsam gingen wir die breite Treppe hinauf, dem Gesang entgegen. Die geöffneten Tore führten in eine weite, hohe Halle. Dort tanzte sie, die Quelle der himmlischen Melodie.

    Die grüne Flamme entsprang einem kreisrunden Loch in der Mitte des Raumes und flackerte mal flach und mal hoch hinauf. Keiner der Pilger sprach und doch fühlten alle das Gewicht des hehren Moments. Ich sah Wesen kniend oder das Haupt neigend vor der heiligen Flamme. Jeder betete auf seine eigene Weise und ich selbst fiel seufzend auf die Knie. Meine Gefährten hoben den Kopf zum Himmel und streckten die Arme empor. Die Melodie steigerte sich zu einer intensiven Kadenz von verführerischen, ja fordernden Tönen. Der Gesang versprach süße Erfüllung, ungezügelte Freiheit und unendliche Liebe. Lockend flackerten die Feuerzungen ihren hypnotischen Tanz. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, mich mit der Flamme zu vereinen. Die vage Idee wuchs zu heiligem Verlangen. Zugleich geriet über uns der Schwarm von Quallenwesen in Bewegung. Sie schwebten auf das grüne Licht zu. Ich hielt den Atem an. Ein stilles Raunen ging durch den Saal, als die erste von dem Feuer berührt wurde und in einer Stichflamme verging. Die anderen folgten in schneller Abfolge. Wie ich sie beneidete. Eine große Unruhe erfasste die gesamte Pilgerschaft, zwei meiner Schmetterlingskameraden flogen auf. Immer mehr Pilger stürzten sich in das grüne Licht und auch die beiden Flügelwesen verglühten in der heiligen Flamme. Die Hallendecke füllte sich mit jenem Gas, das ich in den gläsernen Röhren bemerkt hatte, gleichzeitig nährte der Opfertod den Gesang. Sie rief mich zu sich.

    Ich stand auf und wollte nähertreten und endlich eins werden mit der Melodie der Welt, die das Universum zusammenhielt. Doch ein fester Griff hielt mich zurück. Es war das Schmetterlingsmädchen, sie starrte in die Flamme und sah mir dann direkt in die Augen. Tränen rannen ihre Wangen hinab. Erst verstand ich nicht. War sie verzückt? War sie traurig? Sie nahm meine Hand und führte mich aus dem Tempel der singenden Flamme. Wir hasteten durch die monumentale Stadt. Niemand hielt uns auf.

    Schließlich standen wir auf dem Hügel neben dem grauen Felsen, hinter dem sich die Treppe in die Welt der Menschen verbarg. Sie löste sich nur widerstrebend von mir und hauchte einen schüchternen Kuss auf meine Wange. Zögernd ging sie auf den Wald zu, dann breitete sie die herrlichen Flügel aus und verschwand über den Wipfeln der Bäume. Ich blieb allein zurück. Eine Weile starrte ich in den fremden Himmel und die unbekannten Sternenbilder. Die Musik rief weiterhin sehnsuchtsvoll nach mir, aber ich wandte mich ab. Ich erklomm die Treppe in die bekannte Welt und schloss die Kellertüre hinter mir.


    Lieber Freund. Du magst nachempfinden, dass ich am nächsten Tag, als ich zur Mittagszeit in meinem Bett erwachte, die Ereignisse als bloßes Traumgebilde abtat. Mir gelang es gar für einige Zeit, dem gewohnten Tagwerk nachzugehen, dann stahlen sich mehr und mehr Bilder und Eindrücke des Ausfluges in jene fremde Welt in mein Bewusstsein. Immer wieder erschien mir die Flamme in den Träumen. An den Kuss des Schmetterlingsmädchens, dachte ich selbst am Tage. Der Mond stand hell und voll am Himmel, als ich die lockende Melodie erneut vernahm. Ich wusste, ich sollte rennen oder den Zugang in jenes ferne Reich verschließen. Aber ich konnte es nicht tun. Was, wenn der junge Schmetterling den Ruf der grünen Flamme ebenso hörte wie ich? Sie hatte mich gerettet. War es nicht an der Zeit, ebengleiches für sie zu tun? Sie zu retten, oder gemeinsam mit ihr im Licht der heiligen Flamme Erlösung zu suchen?

    Ich werde jetzt gehen.

  • Hey Sensenbach

    Warum die Geschichte nicht gewonnen hat, wage ich nicht zu beurteilen, denn gut ist die mMn definitiv :) Und, ich meinte das ja schon im Wettbewerbs-Thread, eine originelle Umsetzung des Themas mMn.


    Was mich etwas stutzig gemacht hat, war, wie bereitwillig der Protagonist plötzlich diesen Ort untersucht und dann auch zurück geht. Beides schiebe ich auch auf den Einfluss der Flamme, neben der Faszination für diesen fremden Ort. :hmm: Also ich meine ganz spezifisch jetzt 1) dass der Protagonist sich so weit von der Treppe entfernt, denn ich würde wahrscheinlich nicht riskieren wollen, mich zu verlaufen, und 2) dass er so sehr dieser Frau helfen möchte, die er kaum kennt, an einem Ort, den er auch kaum kennt, und ohne einen Plan, wie er sie finden könnte. Beides ergibt sehr viel Sinn, wenn er dabei immer unter dem Einfluss der Flamme stand. :hmm: Und diese Verklärung, "im Licht der Flamme Erlösung zu suchen", spätestens da ist es für mich eindeutig und spüre ich diesen Schauer der Machtlosigkeit ...

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Heyho Sensenbach


    Die Geschichte ist eine Verbeugung zu den Großen der dunklen Literatur wie Lovecraft und Clark Ashton Smith. Insbesondere letzterer hat mich stark zu dieser Geschichte inspiriert.

    Hier möchte ich vorausschicken:

    Ich habe so gut wie alles von H.P.Lovecraft gelesen, jedoch bisher kein einziges Wort von C.A.Smith. Insofern habe ich keinen Vergleich zwischen dem Stil der beiden.

    Und kann daher jetzt nur sagen:

    Wenn Du mit dieser Erzählung Lovecraft Ehre erweisen wolltest, bist völlig am Ziel vorbeigeschossen.

    Laß mich das bitte erklären, so ich's kann:

    Mich hat der Schreibstil völlig weggeblasen. Das ist meiner Meinung nach ganz weit oben. Und ganz vorne. Und JA , er hat ganz sicher was von Lovecraft, die Erhabenheit in der Wortwahl, den Aufbau der Sätze.

    Da ist für mich beim Lesen ein Sog entstanden, den ich genossen habe und der nur selten zu lesen ist.

    Was jedoch darin für mich gänzlich fehlte, war auch nur der kleinste Ansatz des Bedrohlichen, wie es bei Lovecraft spätestens in dem Moment durchgeschimmert hätte, als sich die ersten Pilger in die Flamme zu stürzen beginnen, gebannt vom Gesang aus einer anderen Welt.

    Vielmehr hast Du es fertig gebracht einen doch ziemlich umfangreichen Text mit durchweg positiven Bildern zu füllen. Sowas in dieser Länge durchzuhalten ist - ich weiß es - extrem schwierig.

    (Ich könnte es wohl eher nicht...)

    Das war ein Grund für meine Entscheidung, dem "Singen der heiligen Flamme" meine Stimme zu geben.


    Der andere, und den halte ich für wichtiger, war der Umstand, daß Dein Protagonist in jedem Augenblick eher einer von vielen war, ohne in der Gesamtheit eine besondere Rolle zu spielen. Dabei, wohlgemerkt, nicht Erleidender, sondern vielmehr aktiv Beteiligter mit jeder Möglichkeit, jederzeit eine Entscheidung zu treffen.


    Es gibt nicht den geringsten Grund, irgendwelche Wunden zu lecken. Es sei denn, sie wurden von verletzter Eitelkeit geschlagen - da hast Du dann aber was zu tun... :D


    Ansonsten:

    Darüber hinaus, wie's der Niederländer sagt: "Dank je de Koekoek!!!"

    Jetzt muß ich in die nächste Buchhandlung rennen, um meine Bildungslücke zu Clark Ashton Smith zu schliessen...

  • Mich hat der Schreibstil völlig weggeblasen. Das ist meiner Meinung nach ganz weit oben. Und ganz vorne. Und JA , er hat ganz sicher was von Lovecraft, die Erhabenheit in der Wortwahl, den Aufbau der Sätze.

    Da ist für mich beim Lesen ein Sog entstanden, den ich genossen habe und der nur selten zu lesen ist.

    Was jedoch darin für mich gänzlich fehlte, war auch nur der kleinste Ansatz des Bedrohlichen,

    Das unterschreibe ich so.

    Es ist ein wunderschöner Text mit tollen Bildern. Aber die Motivation, die den Prota antreibt, ist über weite Strecken eigentlich "nur" Neugier und Freude am Entdecken. Es fehlt das klare drängende und gleichzeitig bedrohliche Ziel. Daher fiebere ich nicht richtig mit.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Aber die Motivation, die den Prota antreibt, ist über weite Strecken eigentlich "nur" Neugier und Freude am Entdecken. Es fehlt das klare drängende und gleichzeitig bedrohliche Ziel. Daher fiebere ich nicht richtig mit.

    Da muss ich nachhaken, weil ich es nicht nachvollziehen kann.


    Die süße Melodie rief unaufhörlich, wie von Halluzinogenen übermannt schritt ich voran. Mir blieb der drogengleiche Einfluss der Klänge auf meine Gedanken und Wünsche nicht verborgen, diese Wirkung beseelte mich und ängstigte mich zugleich. In einem wacheren Moment holte ich ein Papiertaschentuch hervor. Ich zerriss es in zwei Teile und formte Keile, mit denen ich mir die Ohren verstopfte.

    Die Melodie steigerte sich zu einer intensiven Kadenz von verführerischen, ja fordernden Tönen. Der Gesang versprach süße Erfüllung, ungezügelte Freiheit und unendliche Liebe. Lockend flackerten die Feuerzungen ihren hypnotischen Tanz. Ich ertappte mich bei dem Gedanken, wie es wohl wäre, mich mit der Flamme zu vereinen.

    Das die Melodie, die Pilger ins Verderben lockt wird zum Beispiel hier angedeutet. Wenn das nicht rüberkommt funktioniert die Geschichte natürlich nicht.

  • Zitat

    diese Wirkung beseelte mich und ängstigte mich zugleich. In einem wacheren Moment holte ich ein Papiertaschentuch hervor.

    Ich glaube, ich verstehe, was Kirisha meint: Das Zitat ist der einzige Teil, in dem konkret das Wort "ängstigt" auftaucht. Aber es ist in meiner Vorstellung nicht bedrohlich genug. Als ich vor zwei Jahren nach gefühlt hundert Jahren wiedermal auf einem Motorrad saß, war ich auch ängstlich. Aber es war nicht bedrohlich, im Gegenteil. Der größere Teil meiner Empfindungen gehörte einer Monsterportion Vorfreude und diese Ängstlichkeit gehörte einfach nur irgendwie dazu.

    Dein Prota lässt mich nicht an Gedanken teilhaben, was mit ihm geschehen könnte, wenn er dem Ruf folgt. Ja, er denkt an Erfüllung, Freiheit und Liebe. Aber das ist mMn nichts Bedrohliches. Rechnet er damit, wieder zurückkehren zu können? Wenn nicht - würde ihm das nichts ausmachen?

    So wie sich das für mich liest, ist er berauscht und nicht Herr seiner Gedanken. Kein kurzes sorgenvolles Aufblitzen, dass er nie zurückkommen kann. Korrigier mich gern, wenn ich das falsch herausgelesen habe. :)

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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  • Das die Melodie, die Pilger ins Verderben lockt wird zum Beispiel hier angedeutet. Wenn das nicht rüberkommt funktioniert die Geschichte natürlich nicht.

    Ich denke, deine Absicht war zu zeigen, dass der Protagonist so berauscht ist, dass er nicht realisiert, dass er in seinen Untergang geht. Gleichzeitig machst du dem Leser deutlich, dass es etwas Verderbliches sein dürfte. (Das habe ich schon verstanden)

    Hm, warum funktioniert das für mich dann trotzdem nicht? Ich glaube, es liegt daran, dass

    1 - der Prota kein heiliges Ziel verfolgt, sondern einfach mal aus Neugier und Faszination etwas testet. Bei so viel Naivität und auch Egoismus (wir mögen ja lieber, wenn einer es macht, weil er jemanden retten muss oder weil er total von etwas fasziniert ist (z.B. weil es ein Hobby ist, ein Interesse, sein Job, Liebe zu einer Person), oder weil ihn irgendwelche externen Dinge zwingen, hält sich ja das Mitleid schon mal in Grenzen.

    Ich finde auch einen Drogenrausch jetzt nicht so spannend, dass ich mal einen erleben möchte. Das heißt, ich bin auf Distanz zu dem Protagonisten.

    Ich sehe quasi einen Drogensüchtigen durch eine verzauberte Welt gehen. Es gibt keinen richtigen Grund, warum er geht, er weiß auch nicht, wohin er will, oder das erschließt sich erst beim Gehen. Sobald du dem Prota ein Ziel geben würdest - er folgt dem Pfad, weil er Erkenntnis sucht oder den Heiligen Gral oder irgendwas sonst - wäre es schon ganz was anderes. So habe ich irgendwie nichts, worauf ich hinfiebern könnte. Weil ich nicht weiß, was er will. Ich lerne ihn auf dem Weg nicht kennen. Es ist dann quasi auch egal, wenn er dabei stirbt, weil er das ja eh billigend in Kauf genommen hat.


    2 - Es wird angedeutet, dass ein "Verderben" wartet, aber auch das wirkt nicht so bedrohlich, es ist ja umgeben von Herrlichkeiten. Es ist also keine Hölle, kein Grab, keine Folter. Darum fürchte ich nicht vor dem Erreichen dieses Punktes. Es wäre auch möglich, dass auch das Verderben noch wieder "spannend" sein könnte und gar nicht schlimm.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Huhu :)


    die Geschichte hat mir gut gefallen und die Inspiration durch Lovecraft war für mich erkennbar. Ich finde, dass die Parallelen für eine Lovecraft Hommage ausreichen. Die Unterschiede machen es dabei zu etwas eigenem. (Wobei ich die Original-Geschichte, die ja laut Wikipedia sehr sehr nah dran ist, vorher nicht kannte.)


    Für meinen persönlichen Geschmack hat bei dem Text aber etwas Bedrohlichkeit gefehlt. Es fehlten (für mich) außerdem die Stellen des Innehaltens und langsamer Erzählens. Das ist natürlich ein Problem der begrenzten Zeichenanzahl für den Wettbewerb. Vielleicht war die Geschichte zu groß für diese Vorgaben.

    Ein Beispiel: Dass er etwa die Musik vom Ende der finsteren Treppe hört und trotzdem ohne wirklich zu zögern hinuntergeht. Hier lese ich: er schrickt zurück. Dann merkt er, dass die Musik nicht menschlich ist und geht runter.

    Auch wenn sie engelsgleich ist, ist das bestimmt eine befremdliche und verstörende Situation. Deswegen war ich beim Lesen an der Stelle überrascht. Hier hätte vielleicht schon mal ein Locken oder ein Gezogen-werden beschrieben werden können (auch um den gruseligen Einfluss frühest möglich anzudeuten). Die von dir im Vor-Post zitieren Stellen kommen da zu spät. Soweit ich das überblicke kommt vorher als Motiv nur Neugier und „Zudem lockte mich die Musik“.


    Die atemberaubende Welt hätte für meinen Geschmack auch noch erschlagender beschrieben werden können. Das ist immerhin der erste Eindruck der neuen Welt.

    Nach meiner Einschätzung hört man bei Lovecraft da intensivere Beschreibungen; auch mit Worten wie: fremdartig, unwohl, bedrückend, Vergleiche zwischen Pflanzen und Lebewesen uä. Das Lila der Pflanzen und die Größe der Bäume hätte ich zB gern krasser/mitreißender beschrieben gehört.


    Der Moment, in dem er sich die Ohren verstopft, ist für den Ausgang (der Original-Geschichte) zentral. Deswegen hätte er mehr als den kleinen Satz verdient. Finde ich. Ob sich die verstopften Ohren bei deiner Version auswirken ist mir nicht ganz klar geworden.

    Offen blieb für mich auch die Frage, warum das Schmetterlingsmädchen der Flamme widerstehen kann. Und warum sie von allen den Prota rettet. Die Anziehung, die zwischen diesen beiden herrscht, ist mir auch etwas fremd geblieben. Wenn er sie gleich anziehend fand, hätte er vielleicht mehr von ihrer ersten Erscheinung (auch im Verhältnis zur Beschreibung ihrer Reisegefährten) erzählt. Wenn sie ihn am Ende küsst, hätte ich am Anfang auch von ihr einen intensiveren, musternderen oä Blick erwartet und nicht nur ermunternd.


    Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass ich mit dieser Geschichte nicht gewinnen würde :hmm: . Diese Aussage mag etwas seltsam klingen. Aber aus meiner Sicht, ist es eine der besten Kurzgeschichten aus meiner Feder. Da muss ich erstmal meine Wunden lecken und es neu einordnen.

    Hehe. Das kann ich super gut nachvollziehen! Ich finde es (auch) lustiger, sich voller Vorfreude zu freuen und danach die Wunden zu lecken, als die ganze Zeit einfach nur gemäßigte Gefühle zu fühlen. 😃


    Liebe Grüße

    M.

  • Heyho Sensenbach

    Das die Melodie, die Pilger ins Verderben lockt wird zum Beispiel hier angedeutet. Wenn das nicht rüberkommt funktioniert die Geschichte natürlich nicht.

    Au contraire!


    Aber ich bitte darum, mir die Gelegenheit zu geben, das zu erklären.

    Was war unser aller Ausgangspunkt? Das vorgegebene Thema:


    "Die Treppe zum Keller"


    Was hat jeder von uns damit assoziiert? Angst natürlich.

    Das eine Treppe in einen Keller immer etwas bedrohliches hat. Es geht nach unten, unten ist es dunkel...und im Dunkel lauert stets etwas, daß uns Angst macht.

    Das ist unsere Konditionierung bezüglich dessen, was wir mit einem Keller verbinden, seit Kindertagen. Ich bin früher nur pfeifend in den Keller gegangen oder hab' mir was vorgesungen, weil das Licht im Keller immer gerade zuwenig war, um in die letzten Ecken zu leuchten.

    Dort war nichts, das sagte mir die Rationalität - andererseits könnte gerade, weil ich es nicht sehen konnte, etwas sein. Das sagte mir meine Phantasie.

    Wen wundert's daher, daß vier von fünf Beiträgen darauf abzielten, eine Geschichte zu erschaffen, die von unserer Angst vor dem handelt, daß sich im Dunkel eines Kellers verbergen mag?

    Und das die Kommentare hier genau das widerspiegeln, ob wir's mögen oder nicht?


    Als ich die Hand auf den Knauf legte, sprang die Tür auf und gab eine steinerne Treppe frei. Diese machte nach wenigen Stufen eine scharfe Kurve und schien in den Keller zu führen. Erst schrak ich vor der abgrundtiefen Finsternis des Ganges zurück, aber die Melodie drang nun deutlich von den unergründlichen Untiefen zu mir hinauf und lockte mich.

    Hier, mein lieber Sensenbach, und ausschließlich hier kann ich etwas von Lovecraft und seiner immer vagen Dunkelheit spüren.

    Dahinter glitzerten unbekannte Sterne. Meine Gedanken schwanken zwischen Faszination und blankem Entsetzen. Voller Panik eilte ich zurück, das Pochen meines Herzens verlangsamte sich, als ich die Stufen erreichte, die in die bekannte Welt führten. Der Weg war nicht verstellt, ich konnte jederzeit zurückkehren.

    Die wissend jedoch schreitet der Leser nicht weiter hinab ins Dunkel. Vielmehr wieder hinauf. In etwas Fremdes, Neues. Aber ganz sichern nicht in etwas, vor dem er sich fürchten muß. Im Gegenteil. Was dann beschrieben wird, ist einfach nur schön. Das wurde aber nicht erwartet:

    Es fehlt das klare drängende und gleichzeitig bedrohliche Ziel.

    Aber es ist in meiner Vorstellung nicht bedrohlich genug.

    Für meinen persönlichen Geschmack hat bei dem Text aber etwas Bedrohlichkeit gefehlt.

    Kellertreppe. Dunkel, hhmmhm. Ich finde diese Aussagen, völlig unabhängig voneinander getroffen, ziemlich bezeichnend für die Richtigkeit meiner Idee unserer Konditionierung, sei sie nun frühkindlich oder aber auch später zutreffend.


    Darüber hinaus sehe ich einen simplen Weg, die Geschichte (die ich so, wie sie ist großartig finde), dem Dunkel zuzuwenden:

    Einach den Titel in:


    "Das Singen der unheiligen Flamme"


    abändern.


    Oha.


    Nuff said.

  • Ich haette auch noch 2 Cent beizutragen.


    Die Verbeugung vor Lovecraft unterschreibe ich sofort, der Stil ist gut getroffen und ich hatte schon auf den ersten Zeilen das Gefuehl von Lovecraft.


    Thematisch ist sie subtil - es sind erst so Andeutungen die ueber das wahre Geschehen Auskunft geben - wie z.B. die Rolle der Rohre. Man kann, wenn man mit lesen fertig ist, durchaus mit Gewinn betrachten was man da gelesen hat.


    Vom Eindruck geht's mir dann (leider) auch wie mit manchen von HPLs Geschichten - ich lese, warte auf 'den Punkt' oder 'das Geschehen' das oft in seinen Geschichten kommt - und dann endet die Sache. Der Punkt war zu subtil um ihn beim ersten Mal zu raffen.


    Ich versuch' mal zu erklaeren wie das passiert: Die Geschichte driftet ja schnell in 'sehr phantastisch' ab. Wenn eine Kellertreppe in eine atemberaubende Landschaft fuehren kann - was sind dann die Regeln dieser Welt? Was kann oder kann nicht passieren? Als Leser gehe ich da in einen erwartungslosen Zustand des Hinnehmens in dem es schwer ist mich zu ueberraschen - und dazu kommt dass der Protagonist ebenso noch das phantastischste Geschehen hinnimmt und einfach weitergeht. In diesem Lesezustand ist es schwer Spannung zu empfinden oder Hinweise zu lesen - was ist signifikant, was nicht? Was bedeutet eigentlich was - und was verschwindet genauso wenn sich hinter einer Tuer die naechste Welt auftut?


    Und so kann ich als Leser alles eben nur im Rueckblick deuten - erst nachdem ich mit der Geschichte fertig bin, habe ich die Anleitung wie ich sie haette lesen sollen. Ein Gefuehl dafuer was passieren kann und was nicht dass Spannung erst ermoeglicht. Will sagen, das erste Mal Lesen wird dadurch nicht immer so fesselnd wie es sein koennte.


    In den Geschichten die fuer mich gut wirken loest Lovecraft das alles durch Vorbereitung - es gibt alte Geruechte, lokale Legenden, die Geschichte eines Hauses die eben am Anfang erzaehlt wird - und der Leser hat dann schon die richtige Erwartungshaltung um die phantastische Geschichte die dann kommt zu deuten. Bei Dir felt das - ausser dass es eine alte Villa ist in der die Geschichte beginnt erfahren wir z.B. nichts.


    Ich denke dass so ein Hinweis am Anfang der Geschichte sehr gut tun koennte - weil das dem Leser frueh einen Schluessel in die Hand gibt wie er sie lesen muss.

  • Was hat es mit den Rohren auf sich, durch die grünes Gas fließt? 4

    1. Das ist ein Teil der Umgebungsbeschreibung, wie Bäume und Häuser. (0) 0%
    2. Die Rohre sind Teil der Energieversorgung der Stadt. (1) 25%
    3. Das Gas in den Rohren speist sich aus den verbrannten Pilgern und versorgt die Stadt mit Energie. (3) 75%

    Vielen Dank an all die Rückmeldenden, das ist sehr interessant und hilft mir weiter.


  • Ich muss zugeben, dass ich den ersten Entwurf, um die Hälfte eingekürzt habe. Der Kürzung sind auch die Aspekte zum Opfer gefallen, die du angesprochen hast. Der "Haunted House" Effekt und die Tatsache, dass der letzte Besitzer des Hauses ein verrückter Physiker war, der zum okkulten abgedriftet ist. Trotzdem müsste es grundsätzlich auch in der kürzeres Fassung funktionieren. Wie du sagst: Grade am Anfang fehlte etwas, das den Leser vorbereitet.

    Ich finde das Kürzen einer Geschichte lohnenswert, aber immer schwierig. Persönlich finde ich, dass ich dann immer aufpassen muss, dass ich nicht zu sehr am Rest der Geschichte hänge, sondern dort auch noch mal kräftig anpasse.

    Bei deinem Text: Mit dem Hintergrundwissen über den ehemaligen Besitzer ergeben die Gedanken des Prota über einen geöffneten Spalt durch den Vorbesitzer für mich jetzt mehr Sinn. Das hat in der Geschichte auf mich etwas herbeigezogen gewirkt. Das würde ich persönlich streichen.


    Und was das funktionieren angeht. Ich finde, der Plot ist durchweg verständlich.

  • Was hat es mit den Rohren auf sich, durch die grünes Gas fließt?

    Das fällt beim Lesen auf und ich dachte schon, dass etwas dahintersteckt und dass die Erklärung des Erzählers (Energie für die Stadt) vermutlich zu kurz gegriffen ist.

    Allerdings bin ich nicht der Typ Leser, der subtile Andeutungen gescheit ausdeutet ... hab mir also gedacht, ja vielleicht kommt da noch irgendwann eine andere Erklärung.

    Wo du jetzt etwas davon schreibst, dass die Pilger selbst die Spender sein könnten, die die Energie generieren, vermute ich, dass du es so gemeint hast. Aber ohne diesen Tipp mit dem Zaunpfahl wäre mir das nicht eingefallen. Ich denke allerdings, dass andere Leser sicherlich darauf kommen.

    Meine Geschichten: * Meermädchen * Kriegerkönigin * Dark Prince

  • Zum Abschluss möchte ich euch das Original nicht vorenthalten.


    Erschienen auf Deutsch im Festa Verlag.


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  • Sensenbach


    Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dass ich mit dieser Geschichte nicht gewinnen würde :hmm: . Diese Aussage mag etwas seltsam klingen. Aber aus meiner Sicht, ist es eine der besten Kurzgeschichten aus meiner Feder. Da muss ich erstmal meine Wunden lecken und es neu einordnen.


    Ohja, diesen Schmerz kennen wir glaube ich alle nur zu gut. Aber sieh es doch mal so; du hast etwas erschaffen, auf das du stolz bist. Das ist eine wunderbare Sache. Oder wie heißt es so schön? Wer Liebe und Lob will, sollte nicht zur Feder greifen. Wir Schreiberlinge müssen ziemlich viel einstecken können. Hauptsache, man lässt sich nicht entmutigen :)


    Mir wurde klar, dass die Musik keinem von Menschen ersonnenen Instrument entsprang, das was ich hörte, entstammte einer anderen Quelle. Diese Melodie war engelsgleicher Gesang.

    Diese Stelle gefällt mir unglaublich gut. Eine weitere, die ich fantastisch fand:


    Ich stand auf und wollte nähertreten und endlich eins werden mit der Melodie der Welt, die das Universum zusammenhielt.

    Wow. Wirklich. Ein Satz, der unter die Haut geht. Er rundet diese sonderbare, aber einen auch tiefsitzend beunruhigende Stimmung ab. Deutlicher hätte man nicht formulieren können, dass etwas den Verstand zu vernebeln scheint.


    Generell schließe ich mich meinem Vorredner Thorsten an. Du hast in deinem Text die Stimmung, die Verbeugung vor Lovecraft sehr gut getroffen. In meinen Augen ein wenig zu gut, wie ich persönlich finde. Es hat sich gelesen, als wäre der Text 1:1 aus einem seiner Werke. Ein hohes Lob von einem Fan an einen Fan, aber auch ein kleiner Gedankenanstoß.


    Ich persönlich vermisse irgendwie in dem als Brief formulierten Text die Stimme des Verfassers. Der Text liest sich nicht wie ein Brief, sondern wirklich wie ein Ausschnitt aus einem Lovecraft-Werk.


    Wenn das dein Ziel war, sehr gut. Ich persönlich hätte es noch eindrücklicher gefunden, wenn sich der Brief mehr wie ein echter Brief gelesen hätte. Mit mehr fühlbarer Verwirrung. Mehr Emotionen. Mehr Wahnsinn. Vieles wird sehr ausführlich beschrieben, was sehr zur Stimmung beiträgt, die übrigens wirklich gelungen ist, sich aber auch an manchen Stellen sehr in die Länge zieht.


    Jedoch macht der letzte Satz klar, dass der Verfasser des Briefs vermutlich gar kein Mensch mehr, sondern längst in die Falle getreten ist. Der Verstand ist nicht wirklich mehr sein eigener.


    Ich werde jetzt gehen.


    Denn DIESER letzte Satz hat mir nochmal richtig schön Gänsehaut beschert. Gelungener Abschluss.