Die Abenteuer von Bobcat Jane

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 1.654 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (17. Juli 2026 um 21:01) ist von Feron.

  • Mein Lieblings-Beta Leser hat mich praktisch herausgefordert das zu schreiben. Es ist ein "Low-Fantasy-Western mit Tiermenschen".


    *Die Geschichte geht weiter einen Post unten los, weil die alte Version nicht mehr aktuell genug ist*


    Alte Version des Intros:

    Spoiler anzeigen

    Die Prärie zwischen Silverstream und dem Rest der Welt hatte die Angewohnheit, Dinge zu verschlucken, wenn sie aufhörten, sich zu bewegen: Felsen, Sträucher, Planwagen und die Körper von Leuten, die aufgegeben hatten. Holz war selten und Wasser noch knapper. Aber eine Stadt an der Kreuzung zwischen Ost, West, Schicksal und Sturheit hatte noch beides.

    Ein klarer Fluss rann zwischen ihren Häusern entlang. Manchmal glitzerte tatsächlich Silber im Schlamm, aber nicht mehr genug, dass sich das Sieben darin lohnte.

    Die Horden von Glücksrittern auf der Suche nach schnellem Reichtum hatten Gebäude errichtet, aber kein Zuhause. Mit der Zeit hatte sich der Ort gesundgeschrumpft. Die Bretter und Nägel aus den verlassenen Häusern waren nach und nach von fleißigen Pfoten in die Ortsmitte geschleppt worden, um höhere und stabilere Wände für jene zu bauen, die noch hier waren. Silverstream war … genug. Die Farmen warfen nicht genug ab, um zu gedeihen, aber immer gerade so viel, dass die Bewohner für ein Jahr weitermachen konnten.

    Sheriff Asra, ein Fennek, drehte sich im Sattel um und rollte eine Strickleiter auf, die von seinem Sattel aus bis auf die Straße reichte. Er sprang meistens einfach ab, aber er hatte am Morgen verschlafen und seine Patrouille in der Mittagshitze machen müssen. Seine Beine fühlten sich an wie vertrocknete Äste, und er hatte das Gefühl, sie könnten brechen, wenn er noch einen falschen Schritt machte. Er führte seinen Hengst an die Tränke und warf sich selbst ein paar armselige Tropfen Wasser auf die Ohren. Die Feuchtigkeit in seinem Fell verdunstete so schnell, dass er sie kaum spürte.

    Ein quietschendes Holzschild, das über ihm in der Brise schaukelte, versprach Erlösung. Er stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Doppeltür des „Rabbit Haven“ und verschaffte sich Zutritt.

    Das Innere des Etablissements war lebhaft und laut wie immer. Ein riesiger Kronleuchter aus abgefallenen Hirschgeweihen spendete Licht. Weißwedelhirsche wie Mister Sturnhoof und seine Söhne verloren jedes Jahr zwei, also hatten sie gesammelt und das Stück der Dame des Hauses, Madame Elaine, zum zwanzigjährigen Jubiläum geschenkt.

    Mister Dragger, ein dunkler Maultierhengst mit nur noch einem Auge, und dessen Gehilfe, ein Amarillo, den die Säufer nur Wisper nannten, schenkten Whiskey und Bier aus. Sheriff Asra hob die Hand, und sobald er Draggers Aufmerksamkeit hatte, deutete er auf das große dunkle Fass ganz links. Während der Barkeeper ein Glas putzte, zog sich der Fennek an einen Hocker hoch und nahm seinen weißen Hut ab. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm. Zum ersten Mal seit vielen Stunden konnte er die Hitze aus seinen Lungen lassen, ohne sie sofort wieder hineinziehen zu müssen.

    Wisper war blind. Der schuppige Geselle roch an den Flaschen, ehe er einschenkte, und beugte sich vor, um am Geräusch des Gebräus zu hören, wann das Glas voll war. Es hatte nicht immer so gut funktioniert wie jetzt, aber Wisper hatte es lernen wollen.

    „Ihr Cactus Bite, Sir“, murmelte er und schob ihm mit den Spitzen seiner langen Krallen den Drink zu.

    Asra nickte und war für einen Moment hypnotisiert von dem Schleier aus winzigen Blasen, der vom Boden des Humpens aufstieg.

    „Du hast mir das Leben gerettet, mein schuppiger Freund.“

    Der Amarillo hob die Hand. Seine lange pinke Zunge zuckte ein paar Mal nervös über seine Schnauze. „Sheriff, Asra, auf Ihrem Deckel ist nicht mehr viel Platz. Wann gedenken Sie zu bezahlen?“

    Der Sheriff ignorierte ihn für einen kurzen Moment, seinen Moment. Er legte den Kopf in den Nacken, und das Getränk aus Chili-Bitters und Kaktusfeigen-Sirup legte sich über seine Kehle wie Gewitterwolken über den klaren Himmel. Er würde an dem Tag, an dem dieses Fass leer war, vermutlich an gebrochenem Herzen sterben.

    Er griff in seine linke Hosentasche. Als er seine Pfote wieder herauszog, glitzerte darin eine goldene Taschenuhr von der anderen Seite der Welt. Sie war stehen geblieben. Eine der Federn hatte sich verzogen. Asra hatte sich immer eingeredet, dass er irgendwann das passende Ersatzteil finden und sie reparieren würde, aber dieses Irgendwann kam nie. Er schob die Uhr über den Tresen und zog seine Pfote dann zurück. Er war der Sheriff des Westens und nicht länger Teil der alten Welt. Die Sonne war seine Uhr und der Rabbit Haven war sein Saloon.

    Simon, ein Schwarzbär in einem grün-karierten Anzug, schleppte sich zum Klavier und stemmte das Verdeck über den Tasten hoch.

    „Wenn ihr Idioten dann mal fünf Minuten die Fressen halten könntet!?“, brummte er. „Die Damen möchten anfangen. Lasst eure Griffel bei euch! Gucken ist umsonst, Anfassen ist Verhandlungssache.“

    Asras Schweif wischte aufgeregt von einer Seite zur anderen, als er über sein Glas hinweg zur Bühne schaute. Der rote Vorhang wurde beiseitegeschoben, und ein einzelner Scheinwerfer leuchtete in den Ausschnitt einer kleinen weißen Frettchendame mit einer viel zu großen weißen Bluse, die locker auf ihren Schultern hing. Sie trug eine Lederhose, hohe Stiefel und einen beigen Cowboyhut mit Einschusslöchern darin. Ein abenteuerlicher Anblick in mehr als einer Hinsicht.

    „Dies ist die Ballade von Bobcat Jane!“, begann Simon und ließ seine Krallen über die Tasten tanzen.

    Das Ferret-Mädchen, Melody war ihr Name, ließ sich von einem Bühnenarbeiter ein Lasso zuwerfen und schwang es über ihre kleinen runden Ohren hinweg. Der Luftstrom zerrte an der weißen Wolle und ließ es so wirken, als könnte man jederzeit etwas Verbotenes sehen, während das weiche Leder ihre Schenkel und ihren Po genau richtig umarmte. Einige der Kojoten und Hunde auf den Plätzen ganz vorne jaulten begeistert auf und machten sich bereits daran, ihr Trinkgeldglas zu füllen – natürlich immer nur dann, wenn sie gerade hinsah und die Großzügigkeit direkt würdigen konnte. Ein Luftkuss hier, ein Lächeln da, ein Antippen mit ihren pinken Pfotenballen für besonders freigiebige Gäste. Immer selbstsicher und immer direkt – schließlich spielte sie eine legendäre Revolverheldin.

    Der Schwarzbär setzte sein Lied fort. „Eines Tages, höchstwahrscheinlich nach ein paar Flaschen Wein, hatten das Glück und der Westwind ein Baby. Sie nannten ihre Tochter Bobcat Jane.“

    Asra wippte im Rhythmus des Volksliedes mit seinem Fuß mit. Er konnte jedes Wort mitsprechen, aber gerade die Vertrautheit machte die Vorstellung schön. Er konnte die Feinheiten in Melodys Vorführung sehen und auch, dass sie immer besser tanzte. Wenn sie gute Laune hatte, so wie an diesem Tag, waren die Bewegungen ihrer Hüfte besonders ungezwungen und schön.

    „Manche sagen, das sei Unsinn und dass Bobcat Jane wie wir alle normale sterbliche Eltern hat, aber ich sag euch: Die haben unsere Jane nie getroffen. Sie war die Verkörperung von Freiheit. Sie liebte die Prärie und sie liebte Silverstream. Sie liebte die Männer, die Frauen und alle dazwischen.“

    Von der rechten und linken Seite aus betraten weitere leicht bekleidete Mädchen die Bühne und auch Robert, ein junger grauer Kaninchenbock mit einer weißen Schnauze, weißen Pfoten und einem kleinen Schweif, so flauschig wie eine Baumwollbolle.

    Ganz wie es der Erzähler verkündete, küsste „Jane“ jedes Paar Lippen, das ihr gefiel. Robert ließ seine Pfoten langsam ihre Schultern hinuntergleiten und zog die Bluse nach und nach herunter, während sie ihre Lefzen in einem innigen Zungenkuss zusammendrückten. Raubtiere und Pflanzenfresser zusammen war ein beliebtes Gimmick.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

    3 Mal editiert, zuletzt von Feron (17. Juli 2026 um 20:53) aus folgendem Grund: Schriftgröße

  • Ich tue mir gerade mit der Fortsetzung von meinem letzten Buch etwas schwer und hab entschieden aus Marketing Gründen ein oder zwei kurze Novellas dazwischen zu schieben. Ich würde es gerne nochmal mit meinem Low-Fantasy Western versuchen, wenn jemand Interesse hat. Ich denke das ich inzwischen eine grobe Ahnung habe was ich tue.

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    Die Ballade von Bobcat Jane

    Die Prärie zwischen Silverstream und dem Rest der Welt verschluckte Dinge, wenn sie aufhörten, sich zu bewegen. Planwagen, Tiere und Leute, sanft beerdigt, unter ihrer Decke aus Staub und Sand.

    Wo es noch Gras gab, verwandelte die Sonne es in Zunder, der auf einen Funken wartete. Holz war selten und Wasser noch knapper. Aber eine einzelne Stadt an der Kreuzung zwischen Ost und West hatte noch beides. Die Horden von Glücksrittern auf der Suche nach schnellem Reichtum hatten viele Gebäude errichtet, aber kein Zuhause. Die Ortschaft hatte sich gesundgeschrumpft. Die Bretter und Nägel aus den verlassenen Höfen waren nach und nach von fleißigen Pfoten in die Ortsmitte geschleppt worden, um höhere und stabilere Wände für jene zu bauen, die noch hier waren. Die Farmer rangen der Erde genug Getreide ab um weiter machen zu können, selten mehr. Silverstream klammerte sich ans Leben. Auf die eine oder andere Weise warteten auch sie auf einen Funken. Einen Wink des Schicksals, um alle ihre Mühen rückwirkend zu rechtfertigen.

    Sheriff Asra Prince, ein Fennek mit tiefen Kerben in seinen Ohren, ritt allein die gähnend leere Hauptstraße entlang. Es war für den dritten Monat in Folge so heiß, dass die Luft auf den Dächern flimmerte und der Teer unter den Dachschindeln schmolz und auf die Straße tropfte. Der scharfe. Ölige Geruch verbiss sich in seinen Nasenflügeln. Er stoppte seine Reitechse an einem Anbinde-Pfosten vor dem Rabbit-Heaven-Saloon und löste eine Strickleiter vom Sattelknauf. An guten Tagen sprang er einfach ab, aber heute fühlten sich seine Beine an wie vertrocknete Äste, die brechen würden, wenn er noch einen falschen Schritt tat.

    Er beugte sich neben seinem Reittier über die Tränke und warf sich selbst ein paar armselige Tropfen Wasser auf die Ohren. Die Feuchtigkeit in seinem Fell verdunstete so schnell, dass er sie kaum spürte. Ein quietschendes Holzschild mit einem springenden, blauen Hasen schaukelte über ihm in der Brise. Asra stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Schwing-Tür und entkam endlich der sengenden Einöde.

    Die dicken, grauen Vorhänge waren seit Monaten nicht mehr aufgezogen worden, aber ein riesiger Kronleuchter aus gespendeten Hirschgeweihen sorgte für Licht.

    Mister Dragger, ein dunkler Maultierhengst mit nur noch einem Auge, und sein Gürteltier-Gehilfe, Wisper schenkten Whiskey und Bier hier aus.

    Sheriff Asra hob die Hand, und sobald er Draggers Aufmerksamkeit hatte. Er deutete wortlos auf das große Fass ganz rechts. Der Barkeeper nickte.

    Währenddessen zog sich der winzige Fennek an einen Barhocker hoch. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm. Zum ersten Mal seit vielen Stunden konnte er die Hitze aus seinen Lungen lassen, ohne sie sofort wieder hineinziehen zu müssen.

    Wisper war blind. Der schuppige Geselle roch an den Flaschen, ehe er einschenkte, und beugte sich vor, um am Geräusch zu erkennen, wann das Glas voll war. Es hatte nicht immer so gut funktioniert wie jetzt, aber jetzt war alles routiniert und reibungslos.

    „Ihr Cactus Bite, Sir“, sagte der Armadillo und schob Asra mit den Spitzen seiner langen Krallen den Drink zu. Der Fennek nickte und war für einen Moment hypnotisiert von dem Schleier aus winzigen Luftblasen, der vom Boden des Humpens aufstieg.

    „Du hast mir das Leben gerettet, mein Freund.“

    Der Armadillo hob die Hand. Seine lange pinke Zunge zuckte ein paar Mal nervös über seine Schnauze. „Sheriff Asra, auf Ihrem Deckel ist nicht mehr viel Platz. Wann gedenken Sie zu bezahlen?“

    Asra ignorierte ihn für einen kurzen Moment: seinen Moment. Er legte den Kopf in den Nacken, und das Getränk aus Chili-Bitters, Kaktusfeigen-Sirup und Rum legte sich über seinen Rachen. Er würde an dem Tag, an dem dieses Fass leer war, an gebrochenem Herzen sterben.

    Er griff in seine linke Brusttasche. Als er seine Pfote wieder herauszog, glitzerte darin eine goldene Taschenuhr von der anderen Seite der Welt. Sie war stehen geblieben. Eine der Federn hatte sich verzogen. Asra hatte sich immer eingeredet, dass er irgendwann das passende Ersatzteil finden und sie reparieren würde, aber dieses Irgendwann kam nie. Er schob die Uhr über den Tresen und zog seine Pfote dann zurück. Die Sonne war seine Uhr und der Rabbit-Heaven war sein Saloon.

    Draggers Ohren zuckten plötzlich und richteten sich auf die Bühne aus. Als der Sherif dem Blick seines Freundes folgte schleppte sich Simon, ein junger Schwarzbär zum Klavier in der Ecke und stemmte das Verdeckt über den Tasten hoch.


    „Wenn ihr Idioten dann mal fünf Minuten die Fressen halten könntet!“, brüllte er und klopfte dabei gegen eine der hölzernen Säulen. Staub und Sand rieselten aus der Decke. „Die Damen möchten anfangen. Lasst eure Griffel bei euch! Gucken ist umsonst, Anfassen ist Verhandlungssache.“

    Asras Schweif wischte hektisch von einer Seite zur anderen. Der schwere rote Vorhang wurde von Bühnenhelfern beiseitegeschoben und aus den Schatten trat eine kleine, helle Frettchen-Dame. Sie trug eine viel zu große, weiße Bluse, die lose auf ihren Schultern hing und eine Hose aus dunklem Leder. Ein beiger Cowboyhut mit künstlichen Einschusslöchern ruhte auf ihren Ohren. Die Stiefel in denen sie tanzte hatten die höchsten Absätze, die ein Schuhmacher anbringen konnte und rot lackierten Solen. Ein abenteuerlicher Anblick in mehr als einer Hinsicht.

    „Dies ist die Ballade von Bobcat Jane!“, begann Simon und ließ seine Krallen über die Tasten tanzen. Das Frettchen-Frau – Melody war ihr Name – ließ sich von einer Kollegin ein Lasso zuwerfen und wiebelte es geschickt über ihrem Kopf. Der Luftstrom zerrte an der weißen Wolle, sodass man glauben konnte jeden Moment etwas Verbotenen zu sehen.

    Melodie setzte die Spitze ihres Stiefels auf das Trinkgeld-Glas, das am Rand der Bühne platziert war, und schob es näher an eine Gruppe Kojoten, die in der ersten Reihe hockten. Begeistertes Jaulen folgte jeder Geste und jedem Tanzschritt. Die junge Tänzerin zog ihren Schweif unter dem Kin eines Pumas entlang. Sherif Asra schluckte ohne es zu merken. Der Raubkatzen-Mann war dreimal so groß wie sie. Die weichen Pfoten-Ballen von Katzen verbargen immer Krallen, wie angeborene Klappmesser. Der Puma schnurrte und griff ihren Schweif, aber nur sachte, sodass sie ihn eine Drehung später wieder aus seinem Griff gezogen hatte. Sie behielt ihr Glas im Auge, immer, nicht weil sie fürchten musste bestohlen zu werden sondern weil ihre Zuschauer großzügiger waren, wenn sie sehen konnte von welchen Plätzen die Spende kam. Ein Luftkuss hier, ein Lächeln da, ein Blinzeln für besonders großzügigen Bewunderer. Eine Aura aus Selbstverständlichkeit und innerer Größe umgab sie. Sie war perfekt für die Rolle der legendären Heldin, nur ein Tölpel hätte das abgestritten.

    Der Schwarzbär setzte sein Lied mit tiefer gestellter Stimme fort. „Eines Tages, höchstwahrscheinlich nach ein paar Flaschen Catus Bite, hatten eine Luchsin und der Westwind ein Baby. Und sie nannten ihre Tochter Bobcat Jane.“

    Asra wippte den Rhythmus des Volksliedes mit seinem Fuß mit. Er konnte jedes Wort mitsprechen, aber gerade die Vertrautheit machte die Vorstellung schön. Er konnte die Feinheiten in Melodys Vorführung sehen und auch, dass ihr Tanzt sich mit der Zeit verändert hatte und immer besser geworden war.

    Wenn sie gute Laune hatte, so wie an diesem Tag, baute sie hier und dort einen Rückwärtssalto ein oder ließ ihren Körper lasziv am Vorhang herunterrutschen.

    „Viele sagen, das sei Unsinn und dass Bobcat Janes Vater einfach das Weite gesucht hat, aber diese komischen Leute von außerhalb kennen Jane nicht. Sie war die Verkörperung von Freiheit. Sie liebte die Prärie, und sie liebte Silverstream. Sie liebte die Männer, die Frauen und alle dazwischen. Sie kannte harte Arbeit, liebte das Leben und flirtete mit dem Tod.“

    Von der rechten und linken Seite aus betraten weitere Tänzerinnen und Tänzer die Bühne. Ganz wie es der Erzähler verkündet hatte, küsste „Jane“ jedes Paar Lippen, das ihr gefiel. Melodie schenkte dabei einem Kaninchen-Bock mit einer schwarzen Krawatte besonders viel Aufmerksamkeit. Raubtiere und Pflanzenfresser zusammen waren sehr beliebt.

    Die Bärenpranken schlugen plötzlich in einem dramatischen Crescendo auf die Tasten. Ein großer Ziegenbock mit schwarz gefärbtem Fell, betrat die Bühne, und dann stoppte die Musik.

    Simon hob den Kopf und ließ seinen allerfinstersten Sprechgesang hören. Es war Asras Lieblingsstelle.

    „Aber ihre Wildheit und Schönheit zogen das Auge des Teufels selbst auf sie. Er erschien in der Mitte einer Hängebrücke und stellte sich ihr in den Weg, sodass sie nicht passieren konnte.“ Zu Melodys Seiten wurden lange blaue Stoffstreifen niedergelegt, um einen Fluss anzudeuten, den sie nur an einer Stelle überqueren konnte, ein simples Holzbrett direkt unter den Hufen des Schauspielers.

    „Bobcat Jane“, brüllte der Ziegenbock und streckte theatralisch seine Hand nach dem Frettchen mit dem beigen Hut aus. „Keinen Tag länger kann ich ertragen, dich in den Armen anderer Frauen oder Männer zu sehen. Wähle mich! Werde meine Königin! Ich muss dich haben!“

    Melody zog ihre verrutschte Bluse gerade und erntete dafür Buh-Rufe aus von den Hunden und Kojoten im Publikum. Aber die Menge war auf einmal nicht mehr von Bedeutung. Ihr Kollege auf der Brücke hatte ihre ganze Aufmerksamkeit. So klein sie auch war – wenn sie ihren Rücken durchstreckte und ihr Kinn hob, war Melody wahrhaft glorreich. Da war ein Funkeln in ihren großen violetten Augen. Wenn sie dort stand und Bobcat Jane spielte, wurde sie eins mit ihrer Rolle. Sie war die Legende, die Tochter des Westwindes, die immer Rückenwind hatte. Hinter dem Vorhang bewegten Helfer einige große Fächer, sodass ihr Haar sich löste und wild vor ihrem Gesicht wehte.

    „Danke. Aber nein danke“, sprach sie schnippisch und deutete dem Teufel mit einer Handgeste, dass er ihr den Weg freimachen solle. „Ich bin wählerisch, und du bist viel zu klein!“

    „Zu klein!?“ Der Ziegenbock verschränkte die Arme und lachte. „Du hast keine Ahnung, mit wem du es zu tun hast!“

    Eine Rauchbombe wurde gezündet, und für einen Augenblick rollte schwarzer Qualm über die Bühne. Die Zuschauer starrten wie gebannt hin und schwiegen. Unter dem Sichtschutz tauschte der Ziegenbock seinen Platz mit einem stattlichen Hirsch. Auch sein Fell war schwarz bemalt, um deutlich zu machen, dass es sich immer noch um dieselbe Figur handelte. Der Teufel konnte schließlich seine Form nach Belieben wechseln.

    „Nun, Jane? Groß genug?“, fragte der Hirschbock. Spannte seine Muskeln an und scharrte mit den Hufen. Aber seine Kontrahentin schüttelte den Kopf. „Nicht annähernd!“, sprach sie und tat, als würde sie gähnen.

    Wieder zog Rauch auf, und erneut wechselte der Darsteller. Dieses Mal stand ein dunkler Hengst auf der imaginären Brücke. Jeder hier wusste, wie die Geschichte endete. Der Teufel verwandelte sich immer wieder, aber jedes Mal bemängelte Bobcat Jane seine Größe. Schließlich gaben die alten Balken unter dem tonnenschweren Gewicht eines Bison-Bullen nach, und der lüsterne Teufel stürzte schreiend und fluchend in die Tiefe. Der Schauspieler ließ sich dramatisch vom Rand der Bühne fallen. Der Saal bebte ein wenig unter seinem Gewicht.

    Melody in ihrem Bobcat-Jane-Kostüm lehnte sich über den Rand und sah triumphierend auf ihren besiegten Gegner herab. „Der Teil von dir, der zu klein ist, ist dein Herz!“

    Ein heroisches Klavierstück spielte, als Jane das Loch in der Brücke übersprang und ihren Weg zu neuen Abenteuern fortsetzte.

    Es gab keine Warnung vor dem Ruck der durch die Stadt ging. Die Wände des Salons begannen zu beben. Einige Flaschen wurden aus dem Regal geschüttelt und verfehlten Wisper nur knapp ehe sie am Boden zerschellten. Der Armadillo sprang aus dem Weg und rollte sich zu einem schuppigen Ball zusammen, während sich Dragger an den Bartresen klammerte. Staub rieselte von der Decke, und das Lachen und Grölen verstummte. Simon, die Tänzer und die Zuschauer standen wie in Schockstarre da.

    „Alle raus!“, entschied Asra. Er sprang auf den Bartresen und gestikulierte zur Tür.

    Die Ersten, die reagierten, waren ein altes Rinder-Pärchen, aber sie kamen nicht weit. Unter den Hufen des betagten Gentlemans gaben die Bodenbretter nach, und ein riesiges Loch klaffte mitten im Schankraum auf. Dreck und Holzsplitter wurden in die Luft geschleudert. Zwei metallische Ungetüme kämpften sich an die Oberfläche.

    Es waren kleine, rundliche Gestalten mit provisorischen Rüstungen aus Spatenblättern, platt gehämmerten Eisenrohren und jeder Art Schrott, den die Müllkippe hergab. Ihre Gesichter waren mit Visieren verdeckt und ihre Hände von Metzgerhandschuhen geschützt. Kein einziges Haar an ihren Körpern war zu sehen, nur kaltes, unnachgiebiges Eisen.

    „Die Mole-Brüder …“, knurrte Sheriff Asra. Seine Augen wurden enge Schlitze, und seine Ohren standen fast horizontal zu den Seiten ab. Die beiden Eindringlinge zogen Gewehre und luden sie mit einem lauten Klacken durch. Panik machte sich breit, aber sie alle wussten nur zu gut, dass niemand schneller rennen konnte als Schrot.

    „Sehr schön, sehr schön …“, hallte es unter einem der Helme, und der Größere der beiden schritt am Rand des Lochs entlang. Er reichte den meisten Leuten nicht einmal bis zur Brust, aber Waffengewalt machte wie immer alle gleich. Seine Rüstung schepperte bei jedem Schritt, und er ließ es sich nicht nehmen, den Lauf seiner Waffe an das eine oder andere Kinn zu halten. Der kleinere der beiden Maulwürfe kicherte und fuhr für seinen Bruder fort: „Wir sammeln heute etwas Geld zur Förderung von Innovation in Silverstream, und ihr dürft euch alle beteiligen! Schmuck und Bargeld in das Loch!“ Er deutete auf den klaffenden Schlund, der sich mitten im Raum aufgetan hatte.

    „Los, los! Das ist auch nicht anders als das, was ihr normalerweise mit euren Steuern macht!“

    Peng.

    Ein Schuss löste sich und traf die Brustplatte des größeren Banditen. Aber die Kugel prallte in einem engen Winkel ab, zischte an Melodys Ohr vorbei und blieb in einem der Stützpfeiler stecken. Alle Blicke wandten sich um. Es war Asra, der geschossen hatte. Der Revolver in seinen Pfoten rauchte noch.

    „Ja, sicher. Als ob wir damit nicht rechnen, kleiner Fuchs“, raunte der kleine Bruder und kam in seinen kurzen, schweren Schritten auf die Bar zu. Seine Augen waren durch das Metall nicht zu sehen, aber in seiner Stimme triefte vor Hohn.

    Er legte seine Hand zwischen die großen Ohren des Sheriffs und streichelte seinen Kopf wie den eines Haustiers. „Ich sollte irgendetwas zerschießen, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen, oder?“ Er richtete seine Flinte auf Dragger, den Maultier-Hengst, der in Erwartung seines Todes die Ohren anlegte und seine Augen fest schloss. Aber der Maulwurf schwenkte seine Waffe nach links.

    Schrottkugeln flogen durch die Bar, knapp über Wispers Rücken hinweg. Das Fass mit dem Kaktus-Bite explodierte in tausend Splitter, und der scharfe Alkoholgeruch überschwemmte sie alle.

    „Weiß jetzt jeder, welches Theaterstück heute gespielt wird?“, spottete der Bandit und deutete erneut auf das Loch. Die Damen im Saloon begannen damit, ihre Halsketten und Eheringe abzunehmen, und die Herren fummelten an den Verschlüssen ihrer Uhren.

    Aber der Vorhang war für heute noch nicht gefallen. Eine Brise ging durch den Raum und strich sanft über die roten Vorhänge und die kleinen Flammen auf dem Kronleuchter. Die Mole-Brüder hoben ihren Blick, als ob sie spürten, dass sich etwas verändert hatte. Eine Frauenstimme erklang von oberen Etagen aus.

    „Ich wollte die Vorstellung sehen“, flüsterte sie, aber ein Flüstern, wie sie es tat, war deutlicher als ein Blitzschlag. Am Geländer lehnte eine lohfarbene Luchsin. Sie trug hohe Stiefel und einen weißen Hut, der einen Schatten über ihr Gesicht warf. Das goldene Funkeln ihrer Augen drang nur kurz durch die Dunkelheit, wie eine Sternschnuppe am Nachthimmel.

    Sie hatte Rückenwind, obwohl alle Fenster geschlossen waren. Gewellte, dunkle Haarsträhnen tanzten im Takt ihrer Schritte um ihren Hals und ihre Schultern. An ihrer breiten Hüfte glänzte „La Llorona“, die legendäre Pistole, geschmiedet aus einer Handvoll Sargnägeln.

    Eine Whiskeyflasche wippte locker in ihrer rechten Pranke. Jane nippte daran als sie das Ende der Stufen erreicht hatte. Die weißen Schnurrhaare zuckten kaum merklich.

    Die Mole-Brüder rückten dicht zusammen und folgten ihr mit den Läufen ihrer Waffen. „Du kannst uns nicht stoppen, Jane. Unsere Rüstungen sind kugelsicher.“

    Sie ignorierte die Männer und wandte sich kurz zur Bühne um Melody einen Luftkuss zu zu werfen. Die weiße Frettchen-Lady errötete und tat so, als würde sie den Kuss fangen und an ihr Herz drücken. Ihre verängstige Mine wich einem zarten Lächeln. Es würde alles gut werden.

    Dann wandte sich Jane schließlich zu den Banditen. Sie hob ihr Kinn, sodass sie ihr unter dem Hut hindurch genau in die Augen sehen konnten. „Ich brauche keine Kugeln. Ihr habt euch selbst besiegt, bevor ihr hergekommen seid.“ Sie zog erneut den Korken von ihrer Flasche.

    „Du bist nicht echt…“, wetterte der größere der Brüder. „Nur eine weitere Hure in einem Bobcat-Jane-Kostüm!“

    Die spitzen Ohren mit den schwarzen Haarpinseln an den Spitzen drehten sich zu ihnen, und Jane zog ihre Lefzen auf einer Seite hoch, um ihre Zähne zu zeigen.

    „Oh, ich bin die Echte.“ Sie vollführte die alberne Imitation einer Verbeugung. „Die Hauptdarstellerin in Alpträumen.“

    Sie setzte die Whiskeyflasche an und nahm einen tiefen Schluck. Die Luchsin legte den Kopf in den Nacken und spuckte einen Sprühregen aus Alkohol hinauf in den Kronleuchter.

    Licht und Hitze explodierten aus den hölzernen Ramen.

    Das Gebilde aus Hirschgeweihen ging in Flammen auf, und ein Regen aus heißem Wachs und brennendem Whiskey ging auf die Banditen nieder. Beides sickerte in die Nischen und Ritzen der undurchdringlichen Rüstungen.

    Die Brüder schrien vor Schmerzen auf, griffen die Laschen an ihren Schultern und Hüften und mühten sich ab, das heiße Metall so schnell sie konnten von ihren Körpern zu reißen.

    Als sie fertig waren standen beide in ihrer Unterwäsche mitten in der Menge.

    Die Hämmer mehrerer Handfeuerwaffen klickten. Fast jeder im Saloon hatte eine Waffe. Die beiden halbnackten Maulwürfe sahen sich um und hoben schließlich widerwillig ihre zitternden Pfoten.

    Sheriff Asra trat vor. „Sie haben das Recht zu schweigen … im Ernst, schweigt! Von euren quietschigen Stimmen bekomme ich Migräne.“

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

    2 Mal editiert, zuletzt von Feron (18. Juli 2026 um 10:25)

  • Die Thematik kommt mir sehr bekannt vor.
    Mein innerer Clown scharrt schon mit dem übergroßen Hufen.

    An ihrer breiten Hüfte glänzte „La Llorona“, die legendäre Pistole, geschmiedet aus einer Handvoll Sarg-Nägeln.

    Die Luchsin lehnte den Kopf in den Nacken und spuckte einen Sprühregen aus Alkohol hinauf in den Kronleuchter. Das Gebilde aus Hirschgeweihen ging in Flammen auf, und ein Regen aus brennendem Whisky ging wie das Jüngste Gericht auf die Banditen nieder.

    Die Mole-Brothers

    Bitte mehr davon. Mehr, mehr mehr!
    Für eine Handvoll Sargnägel.
    und
    für ein paar Sargnägel mehr!

    -------------------
    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Zitat

    Die Thematik kommt mir sehr bekannt vor.

    Ich bin mir unsicher was du meinst. Das sind alles häufige Western-Tropes mit dem Dungen and Dragons "Heat Metal"-Exploid. Und ja ich hab "Rango" gesehen, aber die Novella ist keine Komödie.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

  • Der kleine Fennek mit dem Sheriffstern an seiner Brust wandte sich zur Seite und nickte einer Stachelschwein-Lady und einem großen Weißwedelhirsch zu. Ihre Stacheln und seine Geweihenden schützten diese beiden vor Hieben und Tritten. Genau das, was er brauchte. „Ihr beide! Ich erkläre euch hiermit zu Hilfssheriffs. Helft mir, die beiden zu fesseln und in eine Zelle zu bringen.“

    Die Handschellen klickten. Die beiden Maulwürfe wurden unter den Jubelrufen der Stammkunden abgeführt. Ein Präriehund griff sich eine halbe Süßkartoffel vom einem der Tische und holte aus um sie nach den Mole-Brüdern zu werfen, aber Asra wirbelte herum und starrte ihn an, bis der Mann wegschaute und sein Wurfgeschoss langsam zurück auf den Teller sinken ließ. Der Sheriff zog seinen Hut. „Entschuldigen sie die Störung. Genießen sie ihre Mahlzeit, Sir.“ Danach verließ er mit seinen Helfern den Saloon, und die Doppeltür fiel hinter ihm zu. Dragger ging von einem Anwesenden zum anderen und versicherte sich, dass niemand verletzt war. Dann trat er an Jane heran und nickte ihr dankbar zu.

    „Danke, Miss Jane. Sie haben sich das Kopfgeld redlich verdient.“

    Die Luchsin griff in ihr Dekolleté nach einem Tabakbeutel und fing an, sich eine Zigarette zu drehen, während die Menge jeden ihrer Handgriffe in sich aufzog. „Es gab derzeit kein Kopfgeld“, brummte sie. „Die waren legal draußen. Wie auch immer das passiert ist.“

    Die ältere Rinder-Dame und ihr Ehemann nahmen erneut ihre Wertsachen ab und hielten sie Jane mit ausgestreckten Armen hin. Aber die Tochter des Westwindes hob abwehrend die Pfote und schüttelte demonstrativ ihre Flasche.

    „Ich hätte nur gerne mehr Whiskey. In meiner Flasche ist Asche drin.“

    „Schon dran!“, rief Wisper von der Bar aus und fing an, ihr ein Glas zu putzen.

    Ein gefleckter Hase drängte sich nach vorne und sah mit hängenden Ohren zu ihr hoch. Seine Stimme klang flehend, aber nicht mehr ängstlich.

    „Es ist dieser Großstadtanwalt, Miss Jane! Mitchel Darrow. Er hat sich Verfahrensfehler ausgedacht, die Sheriff Asra angeblich begangen hat. Der Sheriff wurde gezwungen, die Mole-Brüder wieder freizulassen.“

    Eine Hirschkuh in einem blauen Kleid hob ihre Hand und rief ihre Schimpftirade laut in den Raum: „Zwei Pelzhändler von außerhalb haben den Mole-Brüdern ein Alibi für die Explosion an den Gleisen gegeben! Die stecken alle unter einer Decke!“

    Unruhe machte sich im Saal breit, als immer mehr Bewohner von Silverstream ihrer Frustration Luft machten. „Macht einen Sattel aus seiner Haut! Damit er endlich was zur Gesellschaft beiträgt!“, jaulte eine Kojotin und bekam Beifall von ihrem gesamten Rudel.

    Die Leute gaben einen Pfad für Wisper frei, damit er Jane ihren Drink bringen konnte, ohne aus Versehen jemanden anzurempeln. Bobcat Jane hob ihre Hand. Der Saloon verstummte, während alle darauf warteten zu hören, was sie sagen wollte. Aber zuerst trank sie.

    „Danke, Wisper. Perfekt wie immer.“ Sie leerte das Glas in zwei langen Zügen und gab es zurück. „Ich werde mit diesem Mitchel Darrow sprechen, aber ich muss eure Erwartungen etwas zügeln. Ich kann ihn nicht einfach erschießen. Gesetz ist Gesetz. Wenn es zu viele Schlupflöcher gibt, die dieser Mistkerl ausnutzen kann, dann müsst ihr das selbst regeln. Behaltet euer Geld, sammelt eine Weile und dann ruft euch einen eigenen Anwalt, einen von der Sorte, die ohne Bestechung in den Himmel kommen. Ich helfe, aber nicht hinter Sheriff Asras Rücken.“ Jane zog eine Streichholzschachtel hervor. Sie schüttelte das Päckchen und ein letztes einsames Streichholz kam zum Vorschein. Sie zündete ihre Zigarette an damit an.

    Der Bulle nickte und legte seiner Frau ihre Halskette wieder um. „Wir verstehen, Miss. Lasst Darrow einfach wissen, was wir von ihm halten. Eventuell ist das schon genug, damit er weiterzieht.“

    ***

    Auf der anderen Straßenseite ging Asra der üblichen Routine nach: Rechte vorlesen und auf den Anwalt warten, während er am Schreibtisch seinen Bericht schrieb. Es war langweilig, aber er hätte sich lieber seinen Schweif abgeschossen, als es anders zu machen. Dieses dünne Stück Papier machte den Unterschied zwischen einem Diener des Volkes und einem Tyrannen.

    Als er fertig war, teilte er eine Schüssel mit gebackenen Bohnen, die eigentlich für ihn selbst bestimmt gewesen war, in zwei Portionen und schob sie zusammen mit einer Flasche Wasser durch die Gitter.

    „Hey, Mole-Brüder? Wenn ich eurem Tunnel folge, wo komme ich dann raus?“, fragte er beiläufig und kräuselte das helle Fell auf seinem Naserücken.

    Der jüngere der beiden krallte sich die Schüssel und ließ sich damit auf der Pritsche nieder. „Im Haus deiner Mutter“, jaulte der Maulwurf und fing an, sich Essen ins Maul zu schaufeln.

    „Haha, der war gut“, stimmte der andere ein. „Sheriff Asra, der kurze Schwanz des Gesetzes.“

    Asra setzte seinen Hut wieder auf und ging. Das hier führte zu nichts. Er würde später Freiwillige suchen müssen, um dem Schacht bis ans Ende zu folgen. Und wenn er damit fertig war, begannen die Planungen, wie man das verdammte Ding zuschütten konnte, ohne dass sich überall Sinklöcher bildeten. Es dauerte Jahre, eine Stadt wie diese aufzubauen, und wenn er nicht wachsam war, nur Tage, um alles wieder einzureißen.

    Zurück im Saloon sank sein Schweif bis auf den Boden, als die Erinnerung an das zerstörte Fass zu ihm zurückkehrte. Dragger war immer noch mit dem Aufräumen beschäftigt. Der Fennek strich mit seiner Hand über das nasse Holz und führte die Finger an seine Schnauze, um ein allerletztes Mal den Geruch von Kaktus-Bite zu genießen, bevor alles davon endgültig verdunstet war. Der Maultier-Barkeeper beobachtete ihn für eine Weile schweigend, konnte den armseligen Anblick aber schließlich nicht mehr ertragen.

    „Ich finde heraus, was das war und wie ich mehr davon bekomme“, versicherte er, aber der Sheriff winkte ab. Sie wussten beide, dass es sinnlos war. Das Etikett war unlesbar und niemand hier wusste, woher das Fass ursprünglich kam.

    „Warum? Du bist Barkeeper oder nicht!?“, wetterte Asra. „Wenn kein Kaktus-Bite mehr da ist, dann misch mir eben etwas anderes. Du kennst mich. Finde etwas, das ich mag!“

    Dragger lächelte. „Ja, ich kenne dich. Du hast es wenn deine Routine gestört wird.“

    Der Sheriff zog sich auf den Barhocker und klopfte albern auf den Tresen, als ob er die Aufmerksamkeit seines Freundes erst gewinnen musste. „Solange mein Lieblingsschankwirt hier ist, ist alles gut. Wenn du ein Rezept hast, dass du schon immer ausprobieren wolltest, ist jetzt der goldene Zeitpunkt dafür!“

    Der Maultier-Hengst blähte seine Nüstern auf, griff unter den Tresen und präsentierte ein staubiges altes Rezeptbuch, so dick wie ein Ziegelstein. „Ich mag Herausforderungen“, schnaubte er und schlug es auf. Hunderte Zeichnungen und Rezepte flatterten auf den vergilbten Seiten. Das Wissen die Erfahrung und die Kreativität von Generationen von Barkeepern füllten die Zeilen. Wisper setzte sich dazu und spitzte die Ohren, als Dragger mit demselben Elan vorlas, wie ein Priester aus dem heiligen Buch. „Nummer dreiundzwanzig: Schmoky Windsor Sour“. Die Suche nach Asra Princes neuem Lieblingsdrink begann.

    **

    Die Sonne war fertig damit, das Land zu verbrennen. Der wolkenlose blaue Himmel wurde rot, und die Hitze-Miragen gingen nach Hause. Die Stadt wirkte wie so oft gähnend leer. Nur Bobcat Jane stand am Flussufer und starrte an ihrem Spiegelbild vorbei auf den Grund. Eine andere Art von Silber hatte ihre volle Aufmerksamkeit: ein Kanal-Wels, so lang wie ihr Unterarm. Der Fisch suchte zwischen den Kieseln nach Würmern und Muscheln. Sie schlich sich entgegen der Sonne an, damit ihr Schatten nicht auf das flache Wasser fiel. Ihre großen, weichen Pfoten dämpften die Erschütterung ihrer Schritte, und die Pupillen in ihren goldenen Augen weiteten sich. Ihre Muskeln erinnerten sich an hunderte solcher Fänge. Sie fuhr ihre Krallen aus und sprang.

    Dieses Mal war ihre Jagd erfolgreich.

    Mit dem zappelnden Wels in ihrer linken Hand kämpfte sie sich die schlammige Böschung hinauf und schüttelte ihre nasse Mähne. „Danke für dein Opfer, mein Freund“, flüsterte sie zu dem Fisch, zog das Jagdmesser von ihrem Gürtel und tötete ihre Beute mit einem Stich zwischen die Kiemen, direkt ins Hirn.

    Ihr Feuer knisterte ein Stück entfernt im Schatten einer Gruppe Saguaro-Kakteen. Sie ließ die Flammen weit herunterbrennen und hielt ihren Fang an einem Stock über die Glut. Fetttropfen rannen über die schimmernden Schuppen und zischten, wann immer sie auf die heißen Kohlen trafen. Jane zog Luft durch ihre Nüstern und genoss den Geruch.

    Als sie gerade den ersten Bissen nehmen wollte, bewegte sich etwas in ihrem Augenwinkel. Ihre linke Hand rutschte wie von selbst über den Griff von La Llorona.

    „Jane? Können wir reden?“

    Sie legte ihren Fisch neben sich ins Gras. Hinter ihrer rechten Schulter stand ein junger, dreifarbiger Kater mit einem weißen Kragen. Ein goldenes Kreuz ruhte auf seiner Brust. Es war Luke, der Pfarrer von Silverstream.

    „Immer“, schnurrte sie und rückte ein Stück beiseite, damit Luke im Schatten neben ihr Platz nehmen konnte. Der Geistliche nahm ihr Angebot an und ließ sich nieder.

    „Verheilt es gut?“, fragte er und deutete auf ihre rechte Seite. Der Schweifhieb einer wilden Reitechse hatte dort vor drei Tagen eine Rippe gebrochen, vielleicht auch zwei.

    Man hatte ihr in der Apotheke von Madame Mao ein Schmerzmittel gegeben, aber es war zu schwach. Sie hatte mehr davon genommen, als sie sollte, und die Flasche war bereits leer.

    „Ich fühle es nur noch beim Reiten“, log sie und lächelte warm. „Willst du etwas abhaben? Fisch ist während der Fastenzeit erlaubt, soviel ich weiß.“ Sie nickte zu dem Fang, der langsam neben ihr abkühlte.

    Luke schüttelte den Kopf. „Ganz deins, Jane.“ Er richtete seinen Kragen und sah zurück zur Stadt. Seine Ohren sanken nach hinten, und seine Schnurrhaare lagen ungewöhnlich dicht an der Schnautze an.

    „Ich bin wegen einer anonymen Leiche hier. Der Mann wurde an der Straße ein Stück nördlich gefunden, aber niemand in Silverstream kennt ihn. Du kommst mehr herum als die meisten. Kannst du ihn dir ansehen? Ich versuche, die Familie zu finden, wenn es eine gibt. Ich will das sie die Wahrheit erfahren, anstatt für immer auf seine Rückkehr zu warten. “

    Jane aß endlich ihren Fisch. Sie konnte geradezu fühlen, wie ihre Knochen, ihre Organe und ihr Fell die Öle und Fette aufzogen und Reserven auffüllten, die seit Tagen verbraucht waren.

    „Ich wollte Darrow abfangen, ehe er sich in seinem Haus verschanzen kann“, fuhr Jane fort. „Wenn ich jetzt gehe, verpasse ich ihn.“

    Der Priester fuhr sich mit den Krallen über seine Mähne und seufzte tieft. „Da ist etwas, das ich dir nicht gesagt habe. Die Leiche hat Grillstreifen an ihren Seiten, und jemand hat Stücke herausgeschnitten.“

    Bobcat Jane hielt inne und starrte auf den halb aufgegessenen Fisch in ihren Pfoten.

    „Dann kann Darrow warten. Ich esse das hier unterwegs. Zeig mir deinen anonymen Toten, und ich sehe, was ich über ihn herausfinden kann.“

    ***

    Unter dem Dach der alten Kapelle blickte eine Holzschnitzerei des heiligen Lammes direkt auf die Leiche eines Rattenmannes. Luke zog die Leinenabdeckung beiseite. Die beiden anwesenden Schwestern, eine Elch-Nonne und ein Opossum mit einer schwarzen Haube, drehten sich weg, um sich den Anblick zu ersparen. Die Elch-Kuh murmelte immer und immer wieder dasselbe Gebet vor sich hin: „Heiliges Lamm, das für die Herde ging, führe unsere Schritte auf sicheren Pfaden. Wenn die Nacht kalt ist und das Böse nahe ist, bleibe bei uns.“

    Jane konnte die Angst der beiden Lammesdienerinnen riechen. Sie kniete sich neben den Toten und betrachtete die sterblichen Überreste aufmerksam. Eine Seite seines Torsos fehlte. Die Rippen waren sauber herausgelöst, und auf der anderen Seite war sein Fell verbrannt, mit feinen, dunklen Streifen, wie sie ein Grillrost hinterließ.

    „Slaughter-Jack…“, murmelte die Luchsin. „Der arme Kerl wurde gekocht und gefressen.“ Das Gebet in ihrem Rücken wurde lauter, und die Opossum-Dame stürzte in Schockstarre zu Boden, wie es ihre Art oft tat, wenn sie mit Gefahr konfrontiert war. Die Elch-Schwester nahm ein Kissen von einer der Bänke und schob es ihrer Schwester unter den Kopf, damit sie zumindest weich lag. „Oh, Darthia, du Arme“, wimmerte sie.

    Lukes Schweif zuckte nervös von einer Seite auf die andere. „Das ist nicht gut. Das wird für Panik sorgen, gerade unter den kleinen Leuten und denen, die ihre Farmen weiter draußen haben.“

    Bobcat Jane fasste in das Gesicht des Toten und zog dessen Lefzen hoch. Der Rachen und die Zunge waren blass, aber man konnte Entzündungen und einen schwarzen Rand entlang des Zahnfleisches erkennen.

    „Dein anonymer Toter hatte Blei-Vergiftung, Luke.“

    Der bunte Kater legte sich ein Taschentuch über die Schnautze und beugte sich herunter, um ebenfalls das Gebiss zu begutachten. Jane fuhr fort:

    „Unser Freund war ein Minenarbeiter.“

    Luke richtete sich wieder auf und holte den Atemzug nach, den er bis eben angehalten hatte. Seine Brauen wölbten sich verunsichert. „Die Silbermine, der Vulture-Companie ist seit über zehn Jahren geschlossen. Da sollte niemand mehr arbeiten.“

    Jane fuhr mit ihren Fingerspitzen über das Gesicht des getöteten Mannes, schloss seine Augen und deckte ihn wieder mit dem Leinentuch zu.

    „Die Silberadern sind erschöpft, das stimmt. Das Schürfen lohnt sich für eine große Firma wie die Vulture-Companie nicht mehr, aber einzelne Stollenarbeiter wie dieser hier suchen oft auf eigene Faust nach Resten. Das ist, wie Slaughter-Jack ihn erwischt hat. Der Bastard versteckt sich in den Stollen der alten Mine.“

    Sie richtete sich auf, griff in ihre Gürteltasche und begann damit, Kugeln in das Magazin ihres Revolvers zu legen. Sie hatte sie im Saloon nicht gebraucht, aber Jack spielte in einer ganz anderen Liga als die Mole-Brüder.

    „Luke, du musst Asra Bescheid geben. Warnt die Leute das ein Serienmörder in der Nähe ist. Macht es ihm so schwer wie möglich neue Ziele zu finden.“

    Luke legte die Ohren an, fuhr seine Krallen aus und stellte sich ihr in den Weg, als sie versuchte, die Kapelle zu verlassen.

    „Du kannst auch einfach auf den Sheriff warten.“

    Sie schüttelte den Kopf und sah ihm direkt in die Augen. „Jack ist triebhaft. Er hat vermutlich schon das nächste Opfer in seinem Versteck. Ich muss dort sein, bevor er es schlachtet. Tue das was ich nicht kann! Finde die Familie und gib ihnen den Beistand den sie brauchen.“

    Luke zögerte. Die scharfen Klauen verschwanden wieder in seinen Pfoten, und er ließ sie an sich vorbeigehen. „Möge das Lamm mit dir sein… Bobcat Jane“, flüsterte er ihr zu und drückte seine Stirn an ihre Wange um ein letztes Mal ihre beiden Gerüche zu vermischen ehe sie aufbrach.

    Draußen auf der Schwelle streckte die Luchsin Daumen und Zeigefinger in ihre Mundwinkel, und ein schriller Pfiff hallte durch die nächtliche Prärie. Eine hellgraue Reitechse mit einem roten Federkamm erwachte aus ihrem Schlummer und folgte dem Ruf. Ihre kraftvollen Klauen rutschten durch den losen Sand, bis sie vor Jane zum Stehen kam. Das prächtige Tier trug keinen Sattel, nur eine bunte Decke aus Wolle und eine Seilschlaufe um den langen Hals.

    Die Tochter des Westwindes schwang sich auf ihren Rücken und klopfte lobend gegen die Schulter der Echse. „Wir haben einen Job zu erledigen, Silvia.“ Jane drückte ihre Schenkel zusammen und trieb ihr Reittier an, immer auf die Berge zu, dorthin, wo die Stollen der stillgelegten Mine begannen.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

    Einmal editiert, zuletzt von Feron (17. Juli 2026 um 20:57)

  • Hello Feron

    deine Geschichte gefällt mir bisher sehr gut, auch wenn ich mich hier auf absolutem Neuland bewege. Aber ich bin super reingekommen, sie ist flüssig und amüsant geschrieben.

    Mir sind zwei kleine Dinge aufgefallen, die ich mit dir teilen wollte:

    Ich finde, es liegt eine mehr oder weniger starke Betonung auf "Halbbruder", aber vielleicht ist das auch so von dir gewollt. Es kommt bei mir nur so an, als würde Jane [:D eine meiner Protagonistinnen heißt auch so, Alter Ego sozusagen] ihn nicht als, wie soll ich sagen, "richtigen" Bruder ansehen.

    Fast jeder im Saloon hatte eine Waffe, sogar die meisten Frauen

    Ist vielleicht ein bisschen kleinlich, aber ich frage mich hier: Warum "sogar"? :P

    Gerne mehr davon!

    ~ Jane

    Reden ist Bronze. Schweigen ist Silber. Schreiben ist Gold.

  • Hallo, MissJanewrites ! ^^

    Danke fürs Lesen. Es ist noch ein früher Entwurf.

    Zitat

    Ich finde, es liegt eine mehr oder weniger starke Betonung auf "Halbbruder", aber vielleicht ist das auch so von dir gewollt.

    Ja. Hier beißt mir mein Wordbuilding in den Hintern. Ich wollte das die Geschichte über Janes Vater stimmt oder zumindest nicht von der Narrativen widerlegt wird. Wenn Luke und sie dieselben Eltern hätten müsste er aber auch immer Rückenwind haben.

    Zitat

    Ist vielleicht ein bisschen kleinlich, aber ich frage mich hier: Warum "sogar"? :P

    Western arbeitet sehr viel mit etablierten Charakteren und Situationen, die Lesern geläufig sind. Ich will das Frauen und Männer in dieser Welt ungefähr gleich gut arbeiten und kämpfen können, aber ich denke das ich das im Text etablieren muss, da es in klassischen Western sehr untypisch wäre.

    --

    Die Steppe lag dunkel und still vor ihnen. Auch Luchsaugen brauchten Licht, um zu sehen, aber der Schein des Mondes war gerade genug.
    Tiefe Risse zogen sich durch den ausgedörrten Boden, und Staubwirbel tanzten zwischen Wüstenmalven und Mesquite-Büschen. Kaum ein Flecken Erde prüfte seine Bewohner mehr als dieser. Dennoch gab es Spuren von Leben: Löcher in den Stämmen von Kakteen, die Eingänge von Bauen tief unter der Erde und Krallenabdrücke im getrockneten Schlamm. Am Horizont sammelten sich bereits Wolken. Diese wenigen würden noch verdunsten, ehe sie Silverstream erreichten. Aber der grausame Himmel versprach Gnade. Die Dürre würde bald enden. Nur noch ein paar weitere Tage.

    Sie ließ die Farmlande hinter sich und ritt zwischen den rotbraunen Mesas nach Norden.
    Die bunten Felsen waren eigensinnige Amalgame aus Sandstein und Granit. Regen und Stürme hatten alles, was weich gewesen war, davongespült und den Rest in allen möglichen skurrilen Formen zurückgelassen.
    Eine davon sah aus wie zwei gigantische Bären, die einander die Hände schüttelten. Jane sah daran empor und nickte zufrieden. Dies war noch immer der richtigen Weg.

    Sie lenkte ihre Reitechse zwischen den Steinbären hindurch. Von hier aus konnte sie den Resten alter Bahngleise folgen. Silvia hielt ihren Kopf tief und kämpfte sich die Steigung empor. Hin und wieder stieß sie dabei Klagelaute aus und stelle die Federn auf, die ihren Kopf und Schweif bedeckten.

    „Oh, sei nicht so dramatisch“, wetterte Jane und zog eine Handvoll getrockneter Heuschrecken aus einem Beutel nahe ihrem Revolver. Silvia leckte die Delikatesse vorsichtig aus ihrer Hand und ließ sich überzeugen, den Ritt noch eine Weile zu tolerieren.

    Das Gespann passierte einen alten Telegrafenmast, aber als sie die andere Seite erreicht hatten, waren sie nicht mehr allein.

    Ein Reiter war genau neben ihnen aufgetaucht. Seine Echse war aschengrau mit orangenen Federn und einem breiten Brustband, verziert mit Knochen und roten Glasperlen. Eine rostige Laterne baumelte von dem schwarzen Sattel. Das Licht erhellte den Pfad, warf aber zugleich bedrohliche Schatten in alle Richtungen.

    Der Ziegenbock, welcher die Zügel hielt, hatte seinen dunklen Hut tief ins Gesicht gezogen. Sein Fell hatte die Farbe von Teer und seine Augen die von glühenden Kohlen. Janes Nackenfell stellte sich auf. Sie roch Schwefel, wenn auch nur schwach.

    Die Luchsin versuchte schneller zu reiten und dem Fremden zu entkommen, er aber blieb dicht an ihrer Seite, obwohl sein Reittier sich nur in einem gemütlichen Trott bewegte.

    Die Stimme des Ziegenbocks war monoton in Höhe und Rhythmus. Jedes Wort, das er äußerte, war wie eine Kette, die sich um ihren Geist zu legen drohte.
    „Du rennst ständig, Tochter des Westwindes. Aber wirst du niemals müde?“

    Sie gab ihre Flucht auf und ließ Silvia in einen bequemen Trott zurückfallen.
    „Ich bin dieser Unterhaltung müde, Lucian. Aber solange ich dich in meinem Sichtfeld habe, kann ich wenigstens garantieren, dass der Rest der Welt sicher vor dir ist.“

    Der Ziegenbock lachte trocken, und ein zahniges Lächeln verzerrte sein Gesicht. Hitze flimmerte über seinen Schultern und seinen Hörnern. Er streckte seinen Arm aus und hielt ihr etwas entgegen. In seiner Handfläche lagen kleine braune Kugeln, die Opium-Medizin von Madame Mao.
    „Sie hätte dir die richtige Dosis gegeben, wenn du sie nicht über die Stärke der Schmerzen belogen hättest. Dein Leid füttert nur deinen Stolz.“

    Die Hitze, die von Lucian ausging, verstärkte den süßen Geruch der Arznei. Diese Pillen waren wie exotische Magie. Sie konnten Schmerzen, Hunger und Müdigkeit zurückdrängen. Jane sehnte sich mehr danach, als sie zugeben wollte, riss ihren Blick aber schließlich doch davon weg.

    „Ich brauche das nicht“, knurrte sie. „Nimm es weg.“

    Lucian schloss seine Hand. Die Medizin ging in Asche auf und verschwand so plötzlich, wie sie erschienen war. Er strich durch seinen Bart und sah in Richtung der Mine, als ob er nachdenken würde. „Slaughter-Jack wird dich töten, wenn du dich ihm verwundet stellst. Ich kann dich stärker machen und garantieren das du gewinnt.“

    Jane lehnte sich zur Seite und versuchte mit Sylvia die dunkle Reitechse neben ihnen zu rammen, aber das Reptil bleib auf seinem Pfad wie ein Zug auf seinem Gleis. „Ich kenne Leute die dich um Hilfe gebeten haben, Lucian. Niemals werde ich so tief sinken.“

    „Ich verstehe“, murmelte die finstere Gestalt. Und wenn du den Heldentod bekommen hast, den du wolltest, wer schützt danach deine Freunde? Sheriff Asra? Melody? Luke? Sie haben kein Schutzgeld für Banditen übrig und auch nichts womit sie Söldner anheuern könnten.“

    Erneut öffnete der schwarze Ziegenbock seine Hand. Dieses Mal funkelten Diamanten, Gold und Edelsteine darin. Rubine und gleißend helle Ringe aus reinem Silber.

    Sie schüttelte den Kopf, schloss seine Finger und schob die ausgestreckte Hand von sich weg.
    „Ich drehe nicht um! Wenn ich Slaughter-Jack nicht aufhalte ist nichts für Räuber und korrupte Beschützer übrig.“

    Sie passierten einen alten Wasserturm. Der Bergpfad vor ihnen wurde enger, und sie erreichten ein Nadelöhr, das zu klein war, um es nebeneinander zu passieren. Sie hielt Silvia an und ließ den Ziegenbock an sich vorbeiziehen. Der finstere Reiter verschwand hinter der Kurve, aber im selben Moment, in dem er aus Janes Sichtfeld verschwunden war, kroch eine dunkler Viper mit roten Augen vor ihr aus dem Sand. Das kleine Wesen sprach mit genau derselben Stimme weiter zu ihr, aber seine Frustration wuchs.

    „Ich muss nicht betteln, weißt du!?“, zischte er und schnappte nach Sylvias Beinen, als die Echse versuchte sich an ihm vorbei zu schieben.

    „Warum tust du es dann?“, fragte sie und lenkte ihre Echse mit einem Zunge-Schnalzen scharf nach Links. Sylvia stieß sich mit ihren mächtigen Hinterbeinen vom Boden ab und nahm den Schwung mit um ein paar Schritte an der senkrechten Felswand entlang zu laufen und die Schlange so zu umgehen.

    Das Zischen wurde lauter, bis Jane glaubte ihre Trommelfelle würden reißen. Das Geräusch kam nicht mehr von hinten, sondern aus dem Himmel über ihr. Die Berge wurden rot. Ein faustgroßer Feuerball fiel aus dem Firmament und schlug ein paar Schritte vor ihnen ein. Kiesel und Sand wurden wie Schrapnell in alle Richtungen geschleudert. „Achtung!“, Jane packte die Federn in Silvias Nacken und zog ihrem zur Seite um ihre Augen zu schützen.

    Die Reitechse schnatterte panisch und kam vom Weg ab, ihre Kralle streifte den Rand der Schlucht, aber Bobcat Jane gewann die Kontrolle zurück und trieb sie vorwärts. Die rotäugige Viper war noch immer dicht hinter ihnen.

    „Ich könnte eure Steppe mit meiner Spucke verbrennen!“, heulte sie so laut, dass es das Gebirge schüttelte. Steine und Geröll fielen herab. Jane lehnte sich zurück, zerrte an Silvias Halsreif und stoppte sie eine Hand breit vor einem gewaltigen Felsbrocken, der sie sonst beide zerschmettert hätte. Ihre Pfoten glitten an den Perlmutt-Griff von La Llorona. Sie zielte auf den Teufel, aber als sie der Schuss löste, zerfiel seine Form in einen Schwarm schwarzer Aasfliegen, so dicht, dass er Jane die Sicht raubte. Sie zog ihr Halstuch über Mund dund Nase und legte die Ohren an. Das Surren übertönte das Feuer und den Steinschlag, aber sie hörte noch immer seine Stimme.

    „Ich könnte eure Häuser unter meinen Hufen zertreten, wenn ich wollte!“

    Die Insekten fielen über sie her, krochen in ihre Kleidung und ihr Fell und verbissen sich in jedem Flecken Haut, den sie erreichen konnten. Die hellgraue Reitechse ließ sich auf die Seite fallen und rollte verzweifelt im Staub. Bobcat Jane fiel und schlug mit dem Kopf auf das Gleis auf.

    Für einen Moment verschwamm alles. Blut sammelte sich auf ihrer Zunge und ihre Lungen zogen keine Luft mehr ein, sondern nur noch Asche und Rauch. Das Surren verschwand. Der Berg und alle Vegetation darauf standen in Flammen. Ruß regnete auf sie herab. Ihre Kralle legte sich um den Abzug ihrer Waffe. Sie zog ihre Letzten hoch, als sie sich aufraffte und die Umgebung nach ihrem Gegner absuchte. Er würde niemals aufgeben. Sie musste kämpfen.

    „Trotzdem…“, kam es von einem Vorsprung über ihr. Sie wirbelte herum und zielte dorthin wo sie die Stirn vermutete. Doch was sie sah war nicht Lucian. Vor ihr stand eine lohfarbene Luchsin, ihr Spiegelbild obwohl sie fünf Jahre jünger erschien. In den Armen des Trugbildes hing der leblose Körper einer Füchsin.

    „Hör auf!“, brüllte Jane und korrigierte ihren Stand. Sie senkte ihre Waffe und zielte auf die Stirn ihrer Spiegelung, brachte es aber nicht fertig den Abzug zu drücken. Tränen füllten die Augen der Spiegelung und sie viel mit dem toten Körper den sie hielt auf die Knie.


    Sie sprach. Nicht länger mit der Stimme des Teufels, sondern mit ihrer eigenen.

    „Ich will, dass du mit mir kommst. Du verdienst nichts anderes.“ Die Kopie blickte auf. Asche sammelte sich auf ihren Ohren und Schultern wie ein graues Leichentuch. „Ich will, dass Silverstream die eitle, fehlbare Frau sieht, die du wirklich bist.“

    Die goldenen Augen der echten Luchsin verengten sich. Das Feuer schimmerte in den Konturen ihrer Waffe. Eine Briese kam auf. Rückenwind, der den Ruß aus ihren Augen hielt und die unerträgliche Hitze des Buchfeuers erträglich machte. Bobcat Janes Kralle zog den Abzug. Der Hammer der legendären Pistole traf auf die Kugeln in der Trommel, und die Welt stand still.

    Peng.

    Ein Loch klaffte in der Stirn des Trugbildes, aber sie blutete nicht. Die beiden toten Körper zerfielen vor ihren Augen zu feinen grauem Staub, den der Westwind aufhob und davontrug.

    Jane pfiff und rannte vorwärts. Silvia schloss zu ihr auf und beugte sich auf die Seite, damit sie auf ihren Rücken springen konnte. Die Morgensonne schleppte sich gerade über die Gipfel, und ihre Strahlen wärmten Janes Fell. Sie sah sich gehetzt um, aber von Lucian fehlte jede Spur.

    „Nichts wie weg hier“, flüsterte sie ihrer Reitechse zu und folgte dem gewundenen Weg, immer den Gleisen entlang.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

    Einmal editiert, zuletzt von Feron (17. Juli 2026 um 20:58)

  • Hello Feron

    danke für diesen weiteren klasse Teil der Geschichte! Wie du am Anfang die Landschaft beschreibst, gefällt mir super.

    Ein paar kleine Kleinigkeiten, die mir beim Lesen einfach aufgefallen sind - Reihenfolge ist vielleicht nicht ganz korrekt wie im Text ...

    Spoiler anzeigen

    Janes Nase brannte unangenehm, und ihr Nackenfell stellte sich auf. Sie roch Schwefel, wenn auch nur schwach.

    Idee: die beiden Sätze vertauschen, damit gleich klar ist, warum ihre Nase brennt: "Ein schwacher Geruch nach Schwefel ging von ihm aus. Er brannte so unangenehm in Janes Nase, dass sich ihr Nackenfell aufstellte"

    und dem Fremden

    statt und würde ich um schreiben. Und für Jane ist er ja eigentlich kein Fremder in dem Sinne mehr, oder?

    Das Bleichgeschoss schlug in eine Schraube

    Bleigeschoss?

    Sie zog ihre Letzten hoch und fletschte ihre scharfen Zähne

    Ist Lefzen hochziehen und Zähne fletschen nicht dasselbe?:/

    „Ich muss nicht betteln, weißt du!?“, knurrte er.

    Ich habe mich hier tatsächlich gefragt, worum er eigentlich bettelt. ^^ Ich weiß, dass der Teufel in Jane verliebt ist, weil du das ganz oben zur Einleitung in deine Geschichte geschrieben hast. Zwar wird das auch im "Rabbit Haven" gespielt, aber da könnte man denken, dass es nur eine komödiantische Darstellung des Teufels ist. Liege ich richtig, dass der Teufel Jane zu einer Sünde verführen will, damit sie in die Hölle (und zu ihm) kommt?

    Die Berge wurden rot. Ein Feuerball fiel aus dem Firmament und schlug ein paar Schritte entfernt von Jane und Silvia in die Felswand. Die Reitechse schnatterte panisch und wich zurück, ihre Kralle streifte den Rand einer Schlucht, aber Bobcat Jane gewann die Kontrolle zurück und trieb sie vorwärts. Der Schakal rammte dicht hinter ihnen und biss nach den Beinen der Echse.

    Beim ersten Mal lesen war mir hier nicht klar, dass die Berge rot werden, weil der Teufel wütend ist. Im letzten Satz dachtest du vielleicht an den Ziegenbock, der etwas mit seinen Hörnern rammt? Bei einem Schakal kann ich mir das nicht ganz vorstellen.

    Sie schüttelte den Kopf, schloss seine Finger und schob die ausgestreckte Hand von sich weg.

    Kann Jane den Teufel berühren ohne sich zu verbrennen?

    **

    Keine Kritik, nur subjektives Empfinden meinerseits: Mir ist aufgefallen, dass du die Geschichte eher distanziert schreibst (siehe "narrative Distanz" von Chaos Rising). Daher ist es mir nicht ganz klar, wie Jane zum Teufel steht, gefühlsmäßig. Ich frage mich, wie hier der Spice reinkommt? Lasse mich gerne überraschen :D

    ~ Jane

    Reden ist Bronze. Schweigen ist Silber. Schreiben ist Gold.

  • Zitat

    Janes Nase brannte unangenehm, und ihr Nackenfell stellte sich auf. Sie roch Schwefel, wenn auch nur schwach.

    Idee: die beiden Sätze vertauschen, damit gleich klar ist, warum ihre Nase brennt: "Ein schwacher Geruch nach Schwefel ging von ihm aus. Er brannte so unangenehm in Janes Nase, dass sich ihr Nackenfell aufstellte"

    Ich denke das beides gehen würde. Es ist praktisch: „Schwefel, igitt!“ oder „Igitt, Schwefel.“ Aber ich sehe jetzt da du es erwähnst, dass das Wort „unangenehm“ keinen Sinn macht, weil brennen in der Nase das schon impliziert. Da muss ich nochmal drüber gehen.

    Zitat

    und dem Fremden

    statt und würde ich um schreiben. Und für Jane ist er ja eigentlich kein Fremder in dem Sinne mehr, oder?

    Ja. Stimmt die kennen sich. Ich bin noch nicht sicher was ich da machen. Es ist mir wichtig dem Leser die Spannung zu lassen, auch wenn Jane weiß wer das ist und was er will.

    Zitat

    Das Bleichgeschoss schlug in eine Schraube

    Bleigeschoss?

    Ja. „Bleigeschoss“ ^^ Autorkorrektur, sorry.


    Zitat

    Sie zog ihre Letzten hoch und fletschte ihre scharfen Zähne

    Ist Lefzen hochziehen und Zähne fletschen nicht dasselbe?:/

    Ja schon irgendwie. Vielleicht streiche ich die Lefzen und gehe mehr darauf ein wie es klingt wenn sie knurrt.

    Zitat

    „Ich muss nicht betteln, weißt du!?“, knurrte er.

    Ich habe mich hier tatsächlich gefragt, worum er eigentlich bettelt. ^^ Ich weiß, dass der Teufel in Jane verliebt ist, weil du das ganz oben zur Einleitung in deine Geschichte geschrieben hast. Zwar wird das auch im "Rabbit Haven" gespielt, aber da könnte man denken, dass es nur eine komödiantische Darstellung des Teufels ist. Liege ich richtig, dass der Teufel Jane zu einer Sünde verführen will, damit sie in die Hölle (und zu ihm) kommt?

    Ich hatte die Idee das dem Leser am Anfang diese irre Story darüber erzählt wird wer Bobcat Jane ist, mit der Andeutung das die Saloon-Ladys wahrscheinlich übertreiben. Die Novelle soll dann aber nach und nach offen legen das, dass tatsächlich alles stimmt. Mein Ziehl ist so ein „WTF!? Der Teufel ist echt!?“-Moment.

    Lucian ist naturgemäß ein Gestaltwandel. Er kann theoretisch Leute töten, aber er bekommt dann die Seele nicht. Die müsste ihm willentlich verkauft werden. Meine Idee war das er Jane liebt und das Ziel hat sie zu verderben, damit sie nach ihrem Tod bei ihm einziehen muss. Das ist ihr aber eigentlich ganz Recht, den solange er ihr nachstellt kann er niemand anderem schaden. Das dient dazu ihr ein Hindernis zu geben das sie nicht sie nicht (dauerhaft) erschießen kann.

    Zitat

    Die Berge wurden rot. Ein Feuerball fiel aus dem Firmament und schlug ein paar Schritte entfernt von Jane und Silvia in die Felswand. Die Reitechse schnatterte panisch und wich zurück, ihre Kralle streifte den Rand einer Schlucht, aber Bobcat Jane gewann die Kontrolle zurück und trieb sie vorwärts. Der Schakal rammte dicht hinter ihnen und biss nach den Beinen der Echse.

    Beim ersten Mal lesen war mir hier nicht klar, dass die Berge rot werden, weil der Teufel wütend ist. Im letzten Satz dachtest du vielleicht an den Ziegenbock, der etwas mit seinen Hörnern rammt? Bei einem Schakal kann ich mir das nicht ganz vorstellen.

    Das sollte „rannte“ heißen. Sorry. Ich habe noch nicht so viel an der Rechtschreibung gearbeitet wie ich müsste.

    Das Magiesystem beruht Animismus. Die Welt und deren Bestandteile haben Seelen und einen eigenen Willen. Der Westwind ist Janes Vater und das Feuer ist ein enger Freund von Lucian, deswegen kann er Feuerbälle beschwören, wenn er sie braucht. Das ist für ihn einfach ein Kumpel der ihm unter die Arme greift.

    Ich denke ich ändere die Verwandlungen noch und lasse ihn nur Formen von Insekten annehmen. Normale Tiere und Tier-Menschen im selben Buch zu haben ist vielleicht zu verwirrend.


    Zitat

    Sie schüttelte den Kopf, schloss seine Finger und schob die ausgestreckte Hand von sich weg

    Kann Jane den Teufel berühren ohne sich zu verbrennen?

    Er ist nicht so heiß, dass er nicht mehr mit der Umgebung interagieren kann. Das Hitzeflimmern soll nur andeuten das er gerade aus der Hölle aufgestiegen ist.

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    Keine Kritik, nur subjektives Empfinden meinerseits: Mir ist aufgefallen, dass du die Geschichte eher distanziert schreibst (siehe "narrative Distanz" von Chaos Rising). Daher ist es mir nicht ganz klar, wie Jane zum Teufel steht, gefühlsmäßig. Ich frage mich, wie hier der Spice reinkommt? Lasse mich gerne überraschen :D

    Das ist ne Stil-Sache. Ich habe vor ein paar Wochen ein 80.000 Worte Dark Fantasy-Drama veröffentlicht, das immer sehr nahe an den Emotionen der Charaktere war und fühl mich in der Richtung einfach gerade etwas ausgebrannt. ^^

    Ich denke das ein Western das Genre ist das Distanz am besten verträgt. Harte, Stoische Figuren gehören hier irgendwie dazu. Ich gehe später noch mehr auf Janes Gedankenwelt ein, ich will nur nicht das es zu früh kommt. Sie soll erst als kompetent und entschlossen etabliert sein, ehe menschliche Schwächen sichtbar werden.

    Danke für das Feedback MissJanewrites in jedem Fall. Das sind alles sehr hilfreiche Beobachtungen.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

  • Zur Einordnung. Ich habe die Abschnitte die ich schon gepostet hatte editiert, weil ich viel daran gearbeitet habe. „Rattle-Jack“ ist jetzt „Slaughter-Jack“. Das Wordbuilding war zu kompliziert, daher habe ich entschieden das nur Säugetiere Personen sind und Insekten, Vögel und Reptilien eben nicht, damit diese die Nische von Tieren in dieser Welt besetzen können.

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    Im Herzen von Silverstream, eingeklemmt zwischen der Apotheke von Madame Mao und dem Büchsenmacher stand ein Haus aus Lehmziegeln und ausgeblichenem Holz. Sand füllte seine Regenrinne, leere Flaschen seine Veranda und Disteln seinen Garten. Das Fundament war zu schwach für einen zweiten Stock, daher blieb es im Schatten der anderen Gebäude und heizte sich am Morgen später auf.

    Im Schlafzimmer sickerte die Mitttagsonne durch aschgraue Vorhänge auf Asra und Melody. Beide lagen eng aneinandergeklammert auf einem Viertel der Matratze. Der Sheriff erinnerte sich nur noch vage an Dragger und die Drinks aus dem verstaubten Rezeptbuch. Aber was auch immer die betrunkene Version von ihm getan hatte: es war gut gewesen.

    Er zwang seine verkrusteten Augenlieder auseinander und blickte auf die schlafende Frettchen-Frau, die neben ihm auf dem Kissen lag. Ihr Parfüm roch nach Heu und Oragenblüten, etwas unerhört Exotisches und völlig bodenständig zugleich, genau wie sie.

    Dann wanderte sein Blick hinüber zu dem Nachttisch. Sein Waffengürtel und sein Sheriffstern warteten auf ihn. Der Fennek machte einen tiefen, bewussten Atemzug und ließ sich zurück ins Bett sinken. Es war weich, gemütlich und ruhig. Und die Sirene an seiner Seite sang ohne einen Laut. Er versuchte wieder ein zu schlafen, aber er fand nicht zum Frieden des vorherigen Tages zurück.

    „Guten, Morgen, Quelle meiner Laster“, säuselte er schließlich und küsste sachte Melodies Stirn. Ihr Näschen begann zu zuckten und sie lächelte. Ein natürliches, zerknautschtes Lächeln, völlig anders als auf der Bühne. Sie drückte ihren Oberkörper hoch und schaute sich um, als hätte sie vergessen wo sie war. Ihr langes, loses Haar viel über ihr Gesicht und ihre Schultern.

    „Ist schon morgen?“ Sie streckte sich und schüttelte ein paar lose Federn von ihren Ohren.

    Asra rutschte aus dem Bett und machte sich auf die Suche nach seiner Kleidung. Die weiße, schulterfreie Bluse, die Melodie getragen hatte, drehte sich über ihnen an einem Flügel des Deckenventilators. Er sprang hoch, griff sich den Stoff und reichte ihn ihr mit beiden Händen zurück.

    „Musst du heute arbeiten?“, fragte er und kroch unter das Bett, wo er seine Stiefel und seine Hose vermutete. „Wenn du möchtest komme ich mit und erkläre Simon, dass es meine Schuld war das du verschlafen hast“, bot er ihr an. Seine Finger tasteten im Dunkeln bis er etwas fand. Es war nicht die Hose die er gesucht hatte, aber gut genug um in Silversteam vor die Tür zu gehen. Er klopfte den Staub ab und schlüpfte hinein.

    „Ich habe noch bis Sonnenuntergang frei, aber ich weiß zu schätzen das du fragst.“ Melodie ließ sich von der Bettkante rutschen und begann sich zu strecken. Zuerst den Rücken, dann die Schultern, dann ihre Beine. Danach setzte sie sich an den kleinen Seitentisch mit dem Spiegel, kämmte sich und entfernte vorsichtig das alte Makeup vom Vortag, alles noch bevor sie sich anzog. Asra starrte stumm. Ihr Fell war unter den Pudern und Cremes nicht völlig weiß. Es hatte graue und schwarze Tupfen und einige Kratzer hier und dort. Aber Scharm war ein Joch das andere trugen. Was er in ihr sah war Liebe für diesen verlorenen Körper, der hier Gesindel wie ihm festsaß.

    Asra trat neben sie und zog eine Schublade auf. Seine Finger tasteten nach einer Vertiefung und er zog den doppelten Boden heraus. Es war in Ordnung das sie es sah. Er vertraute ihr. Geldscheine rasselten. Als er das Gehalt einer normalen Dirne erreicht hatte zählte er weiter. Ein nicht zähes Echsen-Steak und ein Bier, ging es ihm durch den Kopf. Vielleicht brauchte sie Seife oder etwas Neues zum Anziehen. Er wollte mehr hergeben, aber er stoppte sich. Dragger wartete ebenfalls auf Geld.

    „Hier“, er sah sie an und schob die zerknitterten Scheine zu ihr. Sie ließ die Bürste mit der sie gerade das Fell auf ihrer Brust gebändigt hatte sinken und ihr Blick traf ihn wie ein Stein. Ihr Körper erstarrte. Ihr Nasenrücken kräuselte sich und ihre Lippen formten stumme Flüche. Dann sanken ihre Ohren und ihr Schweif langsam hinter sie.

    „Vergiss es. Alles in Ordnung.“ Sie legte ihre kleine Pfote auf dem Geld und schob es zurück. Dann sprang sie vom Hocker herunter und zog sich zügig an.

    Asra starrte auf den Geldbetrag, dann zurück auf sie wie sie durch den Raum huschte und alles einsammelte was ihr gehörte. Nur ihn nicht.

    „Ich wollte…“ Sie hörte das Ende der Frage nicht mehr. Ehe er sich erklären konnte verschwand sie und schlug die Tür hinter sich zu.

    Verdammt.

    Er streckte die Hand nach dem Türgriff aus und folgte ihr. Sie hatte sie Straße schon überquert und war auf dem Weg zurück zum Rabbit-Heaven, wo sie ihr Zimmer hatte. Er holte sie ein und hielt sie an ihrer flauschigen Schwanzspitze fest.

    „Bitte die Ware nicht berühren!“ fauchte sie und schlug seine Hand weg. Ware? Oh, nein! Er ließ los und überholte sie mit einem flinken Sprung, um sich ihr kurz vor dem Eingang des Saloons in den Weg zu stellen.

    „Stop!“, rief er. „Bitte. Es tut mir leid. Ich habe es jetzt verstanden.“

    „Simon!“, rief sie laut. Irgendwo im Inneren schabte in Stuhl über den Boden. Die schweren Schritte des Schwarzbären näherten sich. Asra wollte ihre Hände greifen aber er stoppte, als er sah das sie ihre eigenen zurückzog.

    „Das letzte Nacht war keine Arbeit für dich.“

    Sie nickte. Ihre Augen glänzten nass und ihre Ohren waren angelegt. „Ich brauche dich nicht. Ich wollte dich“, sprach sie leise und schaute weg. „Aber du fühlst nicht dasselbe“.

    Die Tür quietschte und Asra roch den dunklen Pelz von Simon hinter sich. Eine schwere schwarze Pranke wurde auf seine Schulter gelegt. „Die Show ist vorbei, Romeo“, brummte der Saloon-Besitzer.

    „Warte noch!“, schrie Asra und wand sich aus seinem Griff. „Es tut mir leid, Melodie! Ich konnte mir nicht vorstellen das du…“ Simon packte seinen Kragen und hob ihn hoch. Wie ein Möbelstück räumte er Asra zur Seite und ließ Melodie passieren.

    „Keine Ausnahmen“, Stelle der Schwarzbär klar. „Entweder die Lady hat Lust auf dich oder nicht“. Die Frettchen-Dame sah ein letztes Mal über ihre Schulter zu ihm und verschwand dann.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!