Mein Lieblings-Beta Leser hat mich praktisch herausgefordert das zu schreiben. Es ist ein "Low-Fantasy-Western mit Tiermenschen".
*Die Geschichte geht weiter einen Post unten los, weil die alte Version nicht mehr aktuell genug ist*
Alte Version des Intros:
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Die Prärie zwischen Silverstream und dem Rest der Welt hatte die Angewohnheit, Dinge zu verschlucken, wenn sie aufhörten, sich zu bewegen: Felsen, Sträucher, Planwagen und die Körper von Leuten, die aufgegeben hatten. Holz war selten und Wasser noch knapper. Aber eine Stadt an der Kreuzung zwischen Ost, West, Schicksal und Sturheit hatte noch beides.
Ein klarer Fluss rann zwischen ihren Häusern entlang. Manchmal glitzerte tatsächlich Silber im Schlamm, aber nicht mehr genug, dass sich das Sieben darin lohnte.
Die Horden von Glücksrittern auf der Suche nach schnellem Reichtum hatten Gebäude errichtet, aber kein Zuhause. Mit der Zeit hatte sich der Ort gesundgeschrumpft. Die Bretter und Nägel aus den verlassenen Häusern waren nach und nach von fleißigen Pfoten in die Ortsmitte geschleppt worden, um höhere und stabilere Wände für jene zu bauen, die noch hier waren. Silverstream war … genug. Die Farmen warfen nicht genug ab, um zu gedeihen, aber immer gerade so viel, dass die Bewohner für ein Jahr weitermachen konnten.
Sheriff Asra, ein Fennek, drehte sich im Sattel um und rollte eine Strickleiter auf, die von seinem Sattel aus bis auf die Straße reichte. Er sprang meistens einfach ab, aber er hatte am Morgen verschlafen und seine Patrouille in der Mittagshitze machen müssen. Seine Beine fühlten sich an wie vertrocknete Äste, und er hatte das Gefühl, sie könnten brechen, wenn er noch einen falschen Schritt machte. Er führte seinen Hengst an die Tränke und warf sich selbst ein paar armselige Tropfen Wasser auf die Ohren. Die Feuchtigkeit in seinem Fell verdunstete so schnell, dass er sie kaum spürte.
Ein quietschendes Holzschild, das über ihm in der Brise schaukelte, versprach Erlösung. Er stemmte sich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Doppeltür des „Rabbit Haven“ und verschaffte sich Zutritt.
Das Innere des Etablissements war lebhaft und laut wie immer. Ein riesiger Kronleuchter aus abgefallenen Hirschgeweihen spendete Licht. Weißwedelhirsche wie Mister Sturnhoof und seine Söhne verloren jedes Jahr zwei, also hatten sie gesammelt und das Stück der Dame des Hauses, Madame Elaine, zum zwanzigjährigen Jubiläum geschenkt.
Mister Dragger, ein dunkler Maultierhengst mit nur noch einem Auge, und dessen Gehilfe, ein Amarillo, den die Säufer nur Wisper nannten, schenkten Whiskey und Bier aus. Sheriff Asra hob die Hand, und sobald er Draggers Aufmerksamkeit hatte, deutete er auf das große dunkle Fass ganz links. Während der Barkeeper ein Glas putzte, zog sich der Fennek an einen Hocker hoch und nahm seinen weißen Hut ab. Ein tiefer Seufzer entfuhr ihm. Zum ersten Mal seit vielen Stunden konnte er die Hitze aus seinen Lungen lassen, ohne sie sofort wieder hineinziehen zu müssen.
Wisper war blind. Der schuppige Geselle roch an den Flaschen, ehe er einschenkte, und beugte sich vor, um am Geräusch des Gebräus zu hören, wann das Glas voll war. Es hatte nicht immer so gut funktioniert wie jetzt, aber Wisper hatte es lernen wollen.
„Ihr Cactus Bite, Sir“, murmelte er und schob ihm mit den Spitzen seiner langen Krallen den Drink zu.
Asra nickte und war für einen Moment hypnotisiert von dem Schleier aus winzigen Blasen, der vom Boden des Humpens aufstieg.
„Du hast mir das Leben gerettet, mein schuppiger Freund.“
Der Amarillo hob die Hand. Seine lange pinke Zunge zuckte ein paar Mal nervös über seine Schnauze. „Sheriff, Asra, auf Ihrem Deckel ist nicht mehr viel Platz. Wann gedenken Sie zu bezahlen?“
Der Sheriff ignorierte ihn für einen kurzen Moment, seinen Moment. Er legte den Kopf in den Nacken, und das Getränk aus Chili-Bitters und Kaktusfeigen-Sirup legte sich über seine Kehle wie Gewitterwolken über den klaren Himmel. Er würde an dem Tag, an dem dieses Fass leer war, vermutlich an gebrochenem Herzen sterben.
Er griff in seine linke Hosentasche. Als er seine Pfote wieder herauszog, glitzerte darin eine goldene Taschenuhr von der anderen Seite der Welt. Sie war stehen geblieben. Eine der Federn hatte sich verzogen. Asra hatte sich immer eingeredet, dass er irgendwann das passende Ersatzteil finden und sie reparieren würde, aber dieses Irgendwann kam nie. Er schob die Uhr über den Tresen und zog seine Pfote dann zurück. Er war der Sheriff des Westens und nicht länger Teil der alten Welt. Die Sonne war seine Uhr und der Rabbit Haven war sein Saloon.
Simon, ein Schwarzbär in einem grün-karierten Anzug, schleppte sich zum Klavier und stemmte das Verdeck über den Tasten hoch.
„Wenn ihr Idioten dann mal fünf Minuten die Fressen halten könntet!?“, brummte er. „Die Damen möchten anfangen. Lasst eure Griffel bei euch! Gucken ist umsonst, Anfassen ist Verhandlungssache.“
Asras Schweif wischte aufgeregt von einer Seite zur anderen, als er über sein Glas hinweg zur Bühne schaute. Der rote Vorhang wurde beiseitegeschoben, und ein einzelner Scheinwerfer leuchtete in den Ausschnitt einer kleinen weißen Frettchendame mit einer viel zu großen weißen Bluse, die locker auf ihren Schultern hing. Sie trug eine Lederhose, hohe Stiefel und einen beigen Cowboyhut mit Einschusslöchern darin. Ein abenteuerlicher Anblick in mehr als einer Hinsicht.
„Dies ist die Ballade von Bobcat Jane!“, begann Simon und ließ seine Krallen über die Tasten tanzen.
Das Ferret-Mädchen, Melody war ihr Name, ließ sich von einem Bühnenarbeiter ein Lasso zuwerfen und schwang es über ihre kleinen runden Ohren hinweg. Der Luftstrom zerrte an der weißen Wolle und ließ es so wirken, als könnte man jederzeit etwas Verbotenes sehen, während das weiche Leder ihre Schenkel und ihren Po genau richtig umarmte. Einige der Kojoten und Hunde auf den Plätzen ganz vorne jaulten begeistert auf und machten sich bereits daran, ihr Trinkgeldglas zu füllen – natürlich immer nur dann, wenn sie gerade hinsah und die Großzügigkeit direkt würdigen konnte. Ein Luftkuss hier, ein Lächeln da, ein Antippen mit ihren pinken Pfotenballen für besonders freigiebige Gäste. Immer selbstsicher und immer direkt – schließlich spielte sie eine legendäre Revolverheldin.
Der Schwarzbär setzte sein Lied fort. „Eines Tages, höchstwahrscheinlich nach ein paar Flaschen Wein, hatten das Glück und der Westwind ein Baby. Sie nannten ihre Tochter Bobcat Jane.“
Asra wippte im Rhythmus des Volksliedes mit seinem Fuß mit. Er konnte jedes Wort mitsprechen, aber gerade die Vertrautheit machte die Vorstellung schön. Er konnte die Feinheiten in Melodys Vorführung sehen und auch, dass sie immer besser tanzte. Wenn sie gute Laune hatte, so wie an diesem Tag, waren die Bewegungen ihrer Hüfte besonders ungezwungen und schön.
„Manche sagen, das sei Unsinn und dass Bobcat Jane wie wir alle normale sterbliche Eltern hat, aber ich sag euch: Die haben unsere Jane nie getroffen. Sie war die Verkörperung von Freiheit. Sie liebte die Prärie und sie liebte Silverstream. Sie liebte die Männer, die Frauen und alle dazwischen.“
Von der rechten und linken Seite aus betraten weitere leicht bekleidete Mädchen die Bühne und auch Robert, ein junger grauer Kaninchenbock mit einer weißen Schnauze, weißen Pfoten und einem kleinen Schweif, so flauschig wie eine Baumwollbolle.
Ganz wie es der Erzähler verkündete, küsste „Jane“ jedes Paar Lippen, das ihr gefiel. Robert ließ seine Pfoten langsam ihre Schultern hinuntergleiten und zog die Bluse nach und nach herunter, während sie ihre Lefzen in einem innigen Zungenkuss zusammendrückten. Raubtiere und Pflanzenfresser zusammen war ein beliebtes Gimmick.