Der Gehilfe des Köhlers

Es gibt 33 Antworten in diesem Thema, welches 3.772 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (13. Oktober 2025 um 21:27) ist von 20thcenturyman.

  • Ich möchte euch mal wieder eine meiner etwas längeren Erzählungen vorstellen. Einige kursiv gedruckte Namen, die darin vorkommen, sind der Welt, in der auch meine Romane spielen, entnommen, aber man muss sie nicht kennen, um dieser Geschichte folgen zu können. Ebenso gut hätt ich sie erfunden haben können. Daher habe ich diese Erzählung auch nicht unter "Fan Fiction" gepostet sondern hier.

    Möglicherweise findet ihr den Protagonisten (der erst ab Kapitel zwei in Erscheinung tritt) zu gut um wahr zu sein. Das mag durchaus sein und war sogar Absicht, aber ich hatte einfach Lust auf eine solch märchenhafte Geschichte.

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    Der Gehilfe des Köhlers

    eins

    Ich hätte Nein sagen sollen.

    Welcher Dämon hatte mich bloß geritten, zuzustimmen, als dieser Jomlor aus dem Dorf zu mir kam und mir die Frage stellte, ob ich seinen Sohn als Gehilfen annehmen wollte? Dabei hatte sich zunächst alles recht gut angelassen…

    „Hollgrim, bist du da?“

    Ich hätte Nein sagen sollen. „Ja, hier“, knurrte ich. Ich mochte es nicht, wenn man mich bei der Arbeit störte. Aber da ich vom Verkauf meiner Holzkohle lebte, blieb mir keine andere Wahl, als mit meinen Kunden hin und wieder ein paar Worte zu wechseln.

    Ein hochgewachsener Mann kam um die Ecke, und ich erkannte Jomlor, der lächelnd auf mich zukam. „Guten Morgen, Hollgrim. Kann ich dich mal eben etwas fragen?“

    „Nun bist du eh schon hier“, brummte ich unfreundlich und erwiderte sein Lächeln nicht. „Was willst du?“

    „Können wir uns kurz setzen?“

    Ein Besucher, der sich selbst einlud? Wie dreist! „Wenn’s sein muss“, murmelte ich und ging ihm voran zu meiner bescheidenen Hütte, in der ich, seit ich denken konnte, allein lebte, nachdem mein Vorgänger gestorben war. Dort ließ ich mich auf einen Hocker plumpsen und wiederholte meine Frage ohne abzuwarten, bis Jomlor sich ebenfalls gesetzt hatte und ohne ihm etwas anzubieten. „Was gibt’s also so Wichtiges?“

    Jomlor zog sich einen Hocker heran und nahm mir gegenüber Platz. „Ich wollte dich fragen, ob du meinen Sohn als Gehilfen annimmst.“

    „Was?“ Seit wann brauchte ich einen Gehilfen? Wohl plagte mich ab und zu das Gliederreißen, und die Arbeit ging mir nicht mehr so schnell von der Hand wie früher, aber einen Gehilfen annehmen? Einen jungen Kerl, der hier herumlungerte und mir Tag und Nacht mit Geschwätz, Fragen oder gar mit Widerworten auf die Nerven gehen würde? Niemals!

    „Nee“, knurrte ich also, „vergiss es.“

    „Du müsstest ihm nichts bezahlen“, lockte Jomlor. „Es genügt, wenn du ihn mit verköstigst und hier wohnen lässt. Der Junge braucht eine Arbeit, und du brauchst Unterstützung. Euch beiden wäre gedient.“

    „Bin ich die Wohlfahrt? Ich brauche niemanden“, grollte ich.

    „Da habe ich aber etwas ganz anderes gehört.“

    „Ja? Von wem denn, bitteschön?“

    „Vom Schmied.“

    Ach du Schande! Ja, ich erinnerte mich. Ich hatte den Schmied vor einigen Wochen in einer Taverne getroffen und einen oder auch mehrere mit ihm gehoben. Der Alkohol musste mir die Zunge gelockert haben, denn ich hatte mich ihm gegenüber beklagt, wie anstrengend meine Arbeit doch war. Vermaledeit, hätte ich doch bloß meinen Mund gehalten!

    „Du hättest jemanden, der dir die Botengänge abnimmt“, verhieß mir Jomlor. „Und der dir hier zur Hand geht.“

    „Wieso will dein Sohn denn ausgerechnet das Köhlerhandwerk erlernen?“ Nun war ich doch neugierig geworden. Für gewöhnlich war der meine nicht gerade ein geachteter Beruf.

    „Das will er gar nicht. Der Junge hat Flausen im Kopf und will nach Elteran gehen. Ein Magier will er werden. Man stelle sich das bloß einmal vor!“ Kopfschüttelnd saß mir der Bittsteller gegenüber.

    „Dann lass ihn doch da hin“, schlug ich vor. Alles war besser als einen Lehrling aufnehmen zu müssen.

    „Auf gar keinen Fall!“, brauste er auf. „Ich will, dass er hier in der Heimat bleibt. Und damit er nicht auf dumme Gedanken kommt, halte ich eine Arbeit bei dir, tief im Wald und abseits von irgendwelchen Reisenden, die ihm Flöhe ins Ohr setzen, für das Beste, was ihm passieren kann.“

    „Nee“, wiederholte ich meine Ablehnung. Ich wollte keinen Lehrling, der eigentlich etwas ganz anderes wünschte als ein Köhler zu werden. Schon gar keinen, der nach „Höherem“ strebte. Ein Magier, also wirklich! Was für ein Mumpitz!

    „Warum denn nicht?“, wollte Jomlor wissen.

    Ich hätte mein Nein nicht begründen müssen. Aber ich hoffte, ihn mit meinem Argument loszuwerden. „Ich will einen Lehrling, der Köhler sein will und nichts anderes. Die Lehrzeit dauert drei Jahre. Und ich will nicht ein einziges Mal so was wie ‚Ich wollte eigentlich viel lieber was anderes‘ von meinem Köhlergehilfen hören!“

    „Das wirst du nicht, mein Wort darauf. Dafür sorge ich. Also abgemacht?“ Er streckte mir seine Hand entgegen.

    Ich dachte nicht daran, einzuschlagen. „Wie alt ist der Knabe überhaupt? Kann er anpacken? Ist er gehorsam?“

    „Er wird siebzehn. Besonders kräftig ist er nicht, aber zäh und ausdauernd. Und gehorsam ist er im Grunde auch. Im Übrigen kann er lesen, schreiben und rechnen. Das ist dir doch gewiss von Nutzen.“

    Auch das noch, ein Bücherwurm! Kein Wunder, träumte er von einer Ausbildung in der Hauptstadt. Und schon so alt. Für gewöhnlich hätte er längst selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen müssen. Aber vielleicht hatte Jomlor Recht? Mehr als einmal hatten mich Kunden beim Bezahlen übers Ohr gehauen, weil ich nicht so fix mit den Ziffern war.

    Jomlor unterbrach mein Grübeln. „Bist du einverstanden? Ich sage dir, du wirst es nicht bereuen. Ich bringe dir den Jungen am kommenden Göttertag her. Ja?“

    Ich könnte es ja immerhin mit ihm versuchen, dachte ich, halb überzeugt, halb überrumpelt.

    „Ja?“, wiederholte Jomlor.

    „Also gut“, seufzte ich, schüttelte seine Hand und bot ihm nun doch einen Olganschnaps an.

    Er stürzte ihn mit Todesverachtung hinunter, grinste mich an und verabschiedete sich mit einem fröhlichen „Also dann, bis zum Göttertag.“

    Ich gönnte mir noch einen Schnaps und blickte ihm sinnend hinterher. Was bei allen Dämonen hatte ich getan? Ich hätte Nein sagen sollen.

    Einmal editiert, zuletzt von Amafiori (23. August 2025 um 16:03) aus folgendem Grund: Änderung aufgrund eines Verbesserungsvorschlags - Dankeschön!

  • Gefällt mir gut, dieser Anfang. Das sind interessante Charaktere, die du hier vorstellst, und in dem Köhler haben wir einen schon kennenlernen dürfen. Ich würde gern hier weiterlesen. :thumbup:

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Dankeschön für euer Interesse. Weiter geht's:


    zwei

    Ich verdrängte den Gedanken an meinen zukünftigen Gehilfen, bis der Göttertag anbrach. Schlecht gelaunt wachte ich auf. Heute würde es mit meiner Ruhe ein für alle Male vorüber sein. Zumindest für die nächsten drei Jahre. Oder bis ich den Burschen heimschicken würde. Das zumindest wollte ich mir vorbehalten. Wenn er faul war oder nichts taugte, wenn er frech war und ständig Widerworte gab oder wenn er mich belog, würde ich ihn zu Jomlor zurückschicken.

    Bis zu diesem Morgen hatte ich mir keine Gedanken gemacht, wo ich Jomlors Sohn unterbringen würde. Auf keinen Fall wollte ich ihn bei mir im Haus haben! Schlimm genug, wenn er mir tagsüber auf die Nerven ging. Am Abend und des Nachts wollte ich meine Ruhe! Also blieb nur die Scheune. Sie beherbergte den Stall, einen besseren Holzverschlag, wo meine zwei Ziegen untergebracht waren, und nebenan in einer Art Anbau die Hühner. Außerdem gab es einen winzigen Raum, wo ich mein Werkzeug aufbewahrte und ein Abteil, wo ich die Strohballen sammelte.

    Lustlos schlurfte ich hinüber und öffnete die Tür. Es stank zum Himmel. Hier müsste auch mal wieder ausgemistet werden. Ich kicherte in mich hinein. Das wäre schon gleich der erste Auftrag an meinen neuen Lehrling. Außerdem konnte er sich in Zukunft überhaupt um die Viecher kümmern.

    Die Werkzeugkammer hatte ein winziges Fenster, durch das die Sonne herein schien und den Staub, den ich aufgewirbelt hatte, in der Luft glitzern ließ. An der Wand war ein Regal angebracht, das ich jetzt entschlossen leer räumte. Ich trug meine Habe hinüber zu meiner Hütte und warf alles auf einen Haufen. Aufräumen würde ich später. Oder aufräumen lassen, haha! Dann packte ich eine alte Holzkiste und drei Strohballen und schaffte sie in die ehemalige Werkzeugkammer. Fertig war die Wohnung meines Gehilfen. Ein Bett, eine Truhe, ein Regal. Wenn er mehr wollte, würde er sich die Dinge selbst beschaffen müssen. Und wenn es ihm nicht passte, konnte er ja gleich mit seinem Vater wieder kehrt machen. Der Gedanke, ich könnte ihn womöglich dazu bringen, freiwillig wieder zu gehen, begann in meinem Kopf Gestalt anzunehmen und mir mehr und mehr zu gefallen.

    Es war früher Nachmittag, als ich Schritte herannahen hörte. Ich hatte es mir vor meiner Hütte gemütlich gemacht. An Göttertagen pflegte ich nicht zu arbeiten, wenn es sich irgendwie vermeiden ließ. Da ich mir die Zeit für das Errichten des neuen Meilers noch frei einteilen konnte, hatte ich mir einen freien Tag gegönnt, saß dösend in der Sonne und wartete verdrießlich auf das unvermeidliche Ende meiner Muße.

    „Sei gegrüßt, Hollgrim, da sind wir.“

    Ich öffnete die Augen, brummte eine kaum verständliche Antwort und nahm meinen neuen Gehilfen in Augenschein. Jomlors Sohn war nicht so groß wie sein Vater und schlank, ja beinahe schon schmächtig, und schlicht gekleidet. Sein dunkles, lockiges Haar trug er kinnlang und offen, und seine Augen von undefinierbarer Farbe zwischen blau, grün und grau blickten mich freundlich und aufgeschlossen an, als er sich mir höflich vorstellte. „Seid gegrüßt, Meister Hollgrim. Mein Name ist Rikian. Ich freue mich, Euch kennenzulernen.“

    'Aber ich mich nicht', dachte ich, doch das sprach ich natürlich nicht aus. „Grüß dich“, brachte ich hervor, stand auf und schüttelte ihm die Hand. Zu meinem Erstaunen erwiderte er meinen Händedruck überraschend kräftig. „Du wohnst dort drinnen.“ Ich zeigte ihm die Scheune. „Kannst dich ja mal häuslich einrichten. Wir essen bei Sonnenuntergang.“

    „Habt Dank“, sagte er, ließ seinen Rucksack von der Schulter gleiten und machte sich auf den Weg zu dem Kämmerchen, das die nächsten Jahre über seine Wohnung sein sollte.

    Jomlor wollte ihm folgen, doch ich hielt ihn mit einer Handbewegung auf. „Verabschiede dich jetzt und verschwinde. Und lass dir nicht einfallen, ihn andauernd besuchen zu wollen.“ Der Weg ins Dorf war weit, eine halbe Tagesreise zu Fuß. „Der Junge bekommt nur zu den Feiertagen frei. Dann kann er meinetwegen ins Dorf gehen. Ich hoffe, er hat kein Liebchen dort? Nicht, dass es ihn andauernd fort zieht.“

    „Nicht dass ich wüsste“, erwiderte Jomlor ein wenig indigniert.

    „Na dann…“ Ich lehnte mich zurück und schloss die Augen, um meine Siesta fortzusetzen. „Lebewohl, guten Heimweg“, murmelte ich.

    Ich hörte, wie Jomlor nach Luft schnappte, als sei er über irgendetwas empört, doch dann wandte er sich ab und folgte seinem Sohn in die Scheune, wo die beiden sich ein Weilchen leise unterhielten, bis Jomlor mir noch einmal „Ade“ zurief und seine Schritte allmählich auf dem Waldpfad verklangen.

    Von Rikian hörte und sah ich bis Sonnenuntergang tatsächlich nichts mehr außer leisem Rumoren in der Scheune. Erst als ich in meiner Hütte den Tisch gedeckt hatte und das Brot aufschnitt, klopft er schüchtern an und trat auf mein Zeichen ein. Ich erklärte ihm den Weg zur Quelle und schickte ihn Wasser holen, falls er keinen Wein oder Schnaps trinken wollte, und ich war froh, dass er beides höflich ablehnte und ohne eine weitere Aufforderung nach dem Krug griff und losmarschierte. Als er zurückkehrte, teilten wir schweigend Brot und Käse miteinander. Mir war beinahe unheimlich, wie still sich der Bursche verhielt. Hatte man ihn im Dorf vor dem verrückten Köhler gewarnt? Aber er wirkte keinesfalls ängstlich. Nein, er war einfach nur ruhig.

    Nach dem Essen dankte er mir, erhob sich und fragte: „Wann soll ich mich morgen früh bereit halten?“

    „Sonnenaufgang“, antwortete ich. „Bring zwei Eier zum Frühstück mit.“

    „In Ordnung. Gute Nacht.“ Er schenkte mir ein unverdientes Lächeln, drehte sich um und war fort, ehe ich den Wunsch erwidern konnte.

    Ich widmete mich noch ein wenig meinen Schnapsvorräten, ehe ich ebenfalls schlafen ging. Doch zuvor plagte mich die Neugier. Ich schlich mich über den Hof zur Scheune hinüber. Das kleine Fenster der Kammer war noch erleuchtet. Auf leisen Sohlen tappte ich näher und spähte hinein. Rikian hatte sich aus den Strohballen ein bequemes Bett gebaut und lag in seinen Mantel gehüllt darauf. Auf der Holzkiste, die ich ihm als Kleidertruhe zur Verfügung gestellt hatte, stand ein Kerzenleuchter, den er offenbar mitgebracht hatte und in dessen Lichtschein er in einem Buch las. In dem Regal neben dem „Bett“ standen weitere Bücher, ein Kistchen, das wohl seinen Kerzenvorrat und etwas zum Feuer machen enthielt sowie eine geschnitzte Holzfigur, die offenbar einen Drachen darstellen sollte.

    Plötzlich blickte er auf, als habe er mich entdeckt, doch ich wusste, das war unmöglich. Er legte das Buch beiseite, blies die Kerze aus, hüllte sich enger in seinen Mantel und legte sich nieder.

    Ich schlich zurück in meine Hütte und ging ebenfalls schlafen. Es hätte schlimmer kommen können, dachte ich bei mir, weitaus schlimmer.

  • Zu 1)

    Irgendwie habe ich ein komisches Gefuehl bei dem Dialog, irgendwas davon kommt mir ein wenig zu kuenstlich vor - mehr wie die Karikatur eines grantigen alten Mannes als ein grantiger alter Mann. Ich glaube es hat mit den Gedankenfetzen zu tun, die sind mir teilweise zu extrem.

    Ach du Schande! Ja, ich erinnerte mich. Als ich den Schmied zuletzt beliefert hatte, weil der Herr sich zu fein dafür ist, mich hier im Wald aufzusuchen, da war ich so erschöpft gewesen, dass ich mich bei ihm ausgeheult hatte, wie anstrengend meine Arbeit doch war. Vermaledeit, hätte ich doch bloß meinen Mund gehalten!

    Alte Leute die ich so kennengelernt haben wuerden hier eher auf den Stolz abfahren alleine zurecht zu kommen - wieso denken die alle ich braucht Hilfe? Dass jemand von sich selbst als 'ausgeheult habend' denkt finde ich doch eher ungewoehnlich - das waere ein Mass an Ehrlichkeit mit sich selbst was mit dem Rest des Abschnitts nicht so ganz kompatibel ist.

    Grundsaetzlich gefaellt mir Hollgrim aber gut... hat Charakter der Mann:)

    ***

    Ich wuerde in den Raum werfen dass ein Gehilfe (wie anfangs angefragt) was anderes ist als ein Lehrling - ein Lehrling hat eine Ausbildung zum Gesellen vor sich die beim Meister enden kann, ein Gehilfe hingegen ist nur fuer Handlangerdienste beschaeftigt, der muss nicht ausgebildet werden.

    Du scheinst die beiden Begriffe als Synonym zu verwenden (?)

    ***

    Ein Magier, also wirklich! Was für ein Mumpitz!

    Kein Wunder, träumte er von einer Ausbildung in der Hauptstadt.

    Ich frage mich woher sowas in einer Fantasy-Welt kommt.

    Dass man in unserer Welt Esoterik als 'Mumpitz' bezeichnet - geschenkt. Aber hier gibt es offenbar eine prestigetraechtige offizielle Ausbildung in der Hauptstadt - wieso soll das Mumpitz sein? Der naheliegende Gedankengang waere eher, dass der Junge Traeume hat die ueber seinen Stand hinausgehen und sich fuer was besseres haelt als der Rest des Dorfes.

    In Fantasy wo Magie oft eine Tatsaeche ist, scheint es mir riskant so eine Meinung zur Magie zu haben - genauso wie es in einer Welt in der Goetter faktisch existieren nicht vernuenfitg ist, Atheist zu sein...

  • Vielen Dank für deine Denkanstöße, Thorsten.

    Ein Gehilfe ist kein Lehrling, da hast du vollkommen recht, das muss ich anpassen.

    Was den Begriff "Mumpitz" im Zusammenhang mit der Magie betrifft, meinte ich tatsächlich, dass Jomlor und zunächst auch Hollgrimm meinen, diesem Jungen vom Dorf stünde ein solcher Traum nicht zu. Wenn das falsch verstanden werden kann, muss ich mal darüber nachdenken, wie ich diese Meinungsäußerungen anders formulieren kann.

    Hier geht es jetzt aber zunächst mal mit der bisherigen Version der Geschichte weiter:


    drei

    „Guten Morgen.“ Mit einer angedeuteten Verbeugung überreichte mein Lehrling mir zwei Eier. Er war bereits fertig angezogen, rasiert und gekämmt und wirkte ausgeschlafener als ich. Gewiss hatte er auch nicht solche Kopfschmerzen wie ich. Ich hatte am Abend zuvor wohl den einen oder anderen Schnaps zu viel erwischt.

    „Morgen“, brummte ich und nahm die Eier entgegen. „Kannst du melken?“ Ich wies auf die Milchkanne.

    „Die Ziegen? Ich denke, das kriege ich hin.“ Er griff entschlossen nach der Kanne.

    „Ja, die. Kühe habe ich keine.“

    „Gut.“

    Er wollte sich abwenden, doch ich hatte noch ein Anliegen. „Kannst auch gleich ausmisten bei denen.“

    „Schon erledigt.“

    „Hä?“

    „Ich war so früh wach und konnte nicht mehr einschlafen, da habe ich mich ein bisschen beschäftigt.“

    „Ach.“ Ich war ehrlich verblüfft. „Na dann geh.“

    In der Milchkanne, die er zurück brachte, war mehr Milch als wenn ich die Ziegen molk. In schweigendem Einvernehmen nahmen wir gemeinsam unser Frühstück ein. Wie am Abend zuvor war es keine unbehagliche Stille, und insgeheim bewunderte ich den Jungen für seine Geduld mit mir, denn an seiner Stelle hätte ich tausend Fragen gehabt über den Tagesablauf, die kommenden Arbeiten, woher wir unser Essen bezogen und vieles mehr. Er aber verhielt sich still, aß mit gutem Appetit und bedankte sich artig am Ende der Mahlzeit.

    Ich schickte ihn das Geschirr abwaschen und eilte zum Ziegenstall hinüber, um mir anzusehen, ob er ordentlich ausgemistet hatte. In der Tat war dies der Fall. Es war so sauber hier wie lange nicht, außerdem hatten die Tiere frisches Wasser und Heu bekommen und kauten zufrieden. Auch die Hühner hatte er bereits versorgt. Wann mochte der Junge aufgestanden sein?

    Aber er war nicht hier, um mir den Haushalt zu führen, sondern um mir bei der Arbeit zur Hand zu gehen. Als er zurückkam, begannen wir, Holz zu spalten und die Scheite der Größe nach zu sortieren und für den Bau des Meilers zu stapeln. Ob er dieser anstrengenden Arbeit gewachsen war, musste sich erst noch zeigen.

    vier

    Er stellte sich nicht ungeschickt an, aber da es ihm an Muskelkraft gebrach, ermüdete er schnell. In immer kürzeren Abständen sah ich ihn die Axt beiseite stellen und sich den Schweiß von der Stirn wischen, doch er klagte nicht und gab auch nicht auf. Das imponierte mir. Dennoch stellte ich ihn auf die Probe. „Na, müde?“, fragte ich, als er wieder einmal eine kurze Ruhepause einlegte.

    Er sah zu mir her und nickte. „Allerdings“, gab er unumwunden zu.

    Ich war verblüfft. Ich hätte erwartet, dass er abstritt, erschöpft zu sein. Hoffte er etwa, ich würde ihm den Rest der Arbeit erlassen? „Du wirst dich daran gewöhnen müssen, wenn du mein Gehilfe sein willst“, sagte ich.

    „Das werde ich gewiss“, beteuerte er und nahm die Arbeit wieder auf. Tatsächlich hielt er durch, bis ich ihn zum Essen rief, und auch noch den ganzen Nachmittag. Vor dem Abendessen hieß ich ihn, noch einmal die Tiere zu versorgen. Als wir danach bei den Resten des Eintopfs vom Mittag beisammen saßen, schlief er beinahe im Sitzen ein und verabschiedete sich beizeiten.

    Ich war aufs Höchste gespannt, ob er am Morgen darauf ebenso pünktlich sein würde wie heute.

    fünf

    Er war pünktlich, und wie am Tag zuvor hatte er die Tiere schon vor dem Frühstück versorgt. Wir nahmen unsere Arbeit vom Vortag wieder auf. Er war heute langsamer, offenbar hatte er gehörig Muskelkater, doch er gab sich Mühe und tat, was er konnte. Irgendwie rührte er mich, daher beschloss ich, ihm eine Erleichterung zu verschaffen und schickte ihn nach dem Mittagessen ins nächstgelegene Dort, Lebensmittel abholen. Obst und Gemüse, Käse sowie Brot bezog ich von einer verwitweten Bäuerin, einer alten Frau, die ich im Gegenzug regelmäßig mit Brennholz versorgte und der ich hin und wieder bei scheren Arbeiten zur Hand ging. Wein und Schnaps erstand ich bei einem Händler, Fleisch brachte mir der Jäger regelmäßig vorbei.

    Rikian schulterte die Kiepe mit dem Holz für die Bäuerin, nahm etwas Geld entgegen und marschierte los. Es war nicht sein Heimatdorf, mit dessen Einwohnern ich handelte, daher würde er keine Bekannten treffen und schnell wieder hier sein können. Allerdings war es schon nahezu dunkel, als er endlich, schwer bepackt, wieder eintraf.

    „Wo warst du so lange?“, fuhr ich ihn an. „Hast du dich verlaufen, oder was?“

    „Nein. Frau Orsa lag krank zu Bett. Ich habe das Brennholz für sie aufgeschichtet und unser Gemüse selbst aus ihrem Garten geerntet. Es tut mir leid, wenn Ihr in Sorge wart.“

    Ich brummte eine unverständliche Antwort und nahm ihm die Kiepe ab, um auszupacken und die Lebensmittel zu lagern. Das Brot, das er mitgebracht hatte, war noch warm und duftete, dass mir das Wasser im Munde zusammen lief. Er hatte tatsächlich alles erledigt, wie ich es ihm aufgetragen hatte. Zumindest fast alles. Unten in der Kiepe fand ich die bestellten Weinflaschen, aber mein Olganschnaps fehlte. „Wo ist der Schnaps?“, fragte ich.

    Er errötete. „Oh, den muss ich vergessen haben. Entschuldigung.“

    „Alles muss man selber machen“, murrte ich. „Lass uns essen.“

    „Ich hole Wasser.“ Er griff nach dem Krug und lief hinaus.

    Wir nahmen schweigend unsere Mahlzeit ein. Das frisch gebackene Brot war ein Genuss und schmeckte besser als sonst. Versöhnt bot ich dem Jungen einen Verdauungsschnaps an, doch er lehnte höflich dankend ab und verabschiedete sich, um schlafen zu gehen. Im Gegensatz zum Vorabend brannte heute noch eine gute Weile die Kerze in seiner Stube.

  • Amafiori

    Interessante Prämisse und sehr lebendig geschrieben. Find es interessant, dass du aus Sicht des Köhlers schreibst.

    Mir tut der Junge leid, der von seinem Traum Magier zu werden erstmal(?) abgehalten wird. Da es sich um Fantasy handelt, nehm ich an, dass es nicht nur um eine Sidenote handelt und sein Traum noch eine Rolle spielen wird. Erstmal schien er sich damit abgefunden haben der Gehilfe oder Lehrling des Köhlers zu sein. Meine Vermutung ist ja, dass er abends noch lernt oder übt, daher das Rumoren aus der Scheune.


    Zitat

    Plötzlich blickte er auf, als habe er mich entdeckt, doch ich wusste, das war unmöglich. Er legte das Buch beiseite, blies die Kerze aus, hüllte sich enger in seinen Mantel und legte sich nieder.

    Kann er vielleicht schon etwas zaubern?

  • LittleOwlbear


    Tut mir leid, falls du von dieser Geschichte enttäuscht sein wirst. Es geht nur ganz am Rande um Magie, Hauptthema ist die Beziehung zwischen dem grantigen Köhler und dem jungen Mann und wie diese die Lebenseinstellung des Köhlers mit der Zeit verändern wird. Ich habe diese Erzählung halt nur in der mir vertrauten Welt angesiedelt. Ich hätte sie ebenso in einer "normalen" Welt spielen und den Jungen meinetwegen Arzt oder Apotheker werden wollen lassen können. (Huch, so viele Verben).

  • LittleOwlbear


    Tut mir leid, falls du von dieser Geschichte enttäuscht sein wirst. Es geht nur ganz am Rande um Magie, Hauptthema ist die Beziehung zwischen dem grantigen Köhler und dem jungen Mann und wie diese die Lebenseinstellung des Köhlers mit der Zeit verändern wird. Ich habe diese Erzählung halt nur in der mir vertrauten Welt angesiedelt. Ich hätte sie ebenso in einer "normalen" Welt spielen und den Jungen meinetwegen Arzt oder Apotheker werden wollen lassen können. (Huch, so viele Verben).

    Ah verstehe, hab da wohl bereits nach Anzeichen gesucht wo keine sind. xD

    Werde aber eventuell dennoch dranbleiben, weil mich diese Dynamik interessiert. ^^

  • Zu 2)

    Hab' ich eigentlich wenig anzumerken - hier fehlt was mich an 1) etwas irritiert hatte, das liest sich natuerlich runter,

    Der Weg ins Dorf war weit, eine halbe Tagesreise zu Fuß.

    Stlle ich mir unpraktisch vor wenn man Kohle verkaufen will - da braucht man ja nennenswerte Mengen in einer Schmiede, wir wissen aber von Dir dass

    a) der Hollgrim dem Schmied die Kohle gebracht hat und
    b) Hollgrim im Stall nur Ziegen hat - aber kein Gespann mit irgendwelchen Zugtieren

    Soll ich wirklich annehmen dass er die Kohle ueber einen halben Tagesmarsch im Rucksack geschleppt hat - in einer Menge mit der der Schmied was anfangen kann?

  • Erwischt! Danke, Thorsten! Es war eine gute Idee, die Geschichte hier vorzustellen. Da muss ich wohl nachbessern und dem guten Hollgrimm noch ein Fuhrwerk spendieren. Vorgestellt hatte ich mir bei dieser Aussage eher einen Handkarren oder Leiterwagen, aber damit dürfte die Menge an Kohle für den Schmied wohl auch nicht groß genug gewesen sein. Oder ich lasse Hollgrimm nicht beim Schmied, sondern in einer Taverne über seine anstrengende Arbeit geklagt haben.

    Hier geht's dann mal weiter mit der (noch) nicht überarbeiteten Version:


    sechs

    Am folgenden Tag ließ mir die Neugier keine Ruhe. Ich wollte wissen, ob er mir die Wahrheit gesagt oder womöglich den Nachmittag irgendwo verbummelt hatte und machte mich nach dem Mittagessen auf den Weg ins Dorf.

    „Komm rein, die Tür ist offen“, rief Orsa auf mein Klopfen. Eingehüllt in warme Decken saß sie nahe dem Ofen in einem Sessel. Das mit der Erkrankung stimmte also, registrierte ich.

    „Grüß dich, Orsa.“

    „Sei gegrüßt, Hollgrim. Ich kann dir nichts anbieten. Fühle mich zu schwach für alles. Bedien dich selbst, wenn du etwas trinken oder essen willst. Eintopf steht auf dem Herd.“

    „Nee, nicht nötig.“ Ich druckste eine Weile herum, bis ich mich zu einem „Soll ich dir frisches Holz hereintragen?“ durchrang.

    „Das wäre nett, vielen Dank“, nahm sie mein Angebot an.

    Ich trug das Holz herein und brachte das Feuer wieder in Gang, dann wollte ich mich verabschieden. „Ich geh dann mal wieder. Oder kann ich noch was für dich tun?“

    „Könntest du mir einen Tee aufgießen? Die Kräutermischung, die dein Gehilfe mir zusammengestellt hat, hat mir sehr gut geholfen.“

    „Hm“, machte ich und grübelte, während ich darauf wartete, dass das Wasser kochte, woher der Junge sich mit Heilkräutern auskannte.

    „Überhaupt war es ein Segen, dass er gestern kam“, fuhr Orsa leise fort. „Er hat meine Hühner gefüttert, die Stube gekehrt, meinen Garten versorgt, Wasser geholt und das Brot gebacken.“

    „Er hat…?“ Ich war sprachlos. Darum also war er erst so spät zurückgekommen. Um meine Verlegenheit zu überspielen, gab ich Kräuter in einen Becher und goss das siedende Wasser darüber. Wieso kann ein junger Mann Brot backen, fragte ich mich.

    „Unter meiner Anleitung“, beantwortete sie meine unausgesprochene Frage. „Er hat sich sehr geschickt angestellt.“

    „Hm“, brummte ich wieder. Das war schließlich nicht mein Verdienst.

    „Hollgrim?“

    „Ja?“

    „Kannst du ihn mir vielleicht morgen noch einmal her schicken? Keine Sorge, ich will ihn dir nicht abspenstig machen. Nur bis ich mich wieder ein bisschen kräftiger fühle.“

    „Klar.“

    „Danke.“

    „Hm.“ Ich überließ sie ihrem Kräutertee, verabschiedete mich und machte mich auf den Nachhauseweg.

    Rikian war noch immer dabei, Holz zu spalten und aufzuschichten, und die Menge, die er geschafft hatte, bewies mir, dass er in meiner Abwesenheit nicht gefaulenzt haben konnte.

    Beim Abendessen verkündete ich ihm, dass er morgen im Dorf der alten Orsa zur Hand gehen sollte. „Und bring mir den Schnaps mit, den du gestern vergessen hast“, trug ich ihm auf. Den Schnaps, den ich heute ebenfalls vergessen hatte. Was ich bei Orsa erfahren hatte, hatte mich derart verblüfft, dass ich nicht mehr daran gedacht hatte, beim Händler vorbei zu gehen.

    Er versprach, dieses Mal daran zu denken.

    „Du?“ Mir war da noch etwas eingefallen. Es fiel mir schwer, meine Bitte vorzubringen und ich wusste nicht recht, wie ich beginnen sollte.

    „Ja, Meister Hollgrim?“

    „Wieso verstehst du dich auf Kräuter? Orsa hat deinen Tee gelobt.“

    „Das freut mich.“

    „Woher weißt du, was du nehmen musst?“

    „Ich habe ein Buch darüber. Dalarans Kräuterlexikon“, erwiderte er. „Dalaran ist einer der bekanntesten Pflanzenkundler in Elteran.“

    „So, so“, brummte ich. Elteran. Die Stadt der Magier. „Weißt du denn vielleicht auch was gegen meinen Husten?“

    „Gewiss.“ Er lächelte. „Die Pflanzen wachsen in Orsas Garten. Ich werde sie bitten, mir einige davon für Euch zu überlassen.“

    „Hm. Ja.“

    Gütige Götter! So viel wie heute hatte ich seit Jahren nicht gesprochen. Ich schenkte mir noch einen Becher Wein ein und versank in Schweigen.

    Rikian begriff, verabschiedete sich und ging hinüber in seine Kammer.

    Als er am nächsten Abend zurück kam, braute er mir den versprochenen Tee, und was soll ich sagen? Ein paar Tage später hatte sich mein Husten in der Tat gebessert und verschwand im Lauf der Wochen ganz und gar.

  • sieben

    Rikian pflegte die alte Orsa und versah ihren Hof, bis sie wieder auf den Beinen war. Sie erzählte mir später, dass sie ihn ungern gehen ließ. Aber ja, er war schließlich mein Lehrling und nicht ihr Knecht.

    Als er zurück war, war es an der Zeit, den Meiler zu errichten. Wir arbeiteten angestrengt viele Tage lang, und ich erklärte ihm, was wir taten und warum. Er lernte schnell, stellte die richtigen Fragen und merkte sich, was man ihm einmal gesagt hatte. Es stellte sich heraus, dass er eine Art von Instinkt für das Feuer hatte. Manchmal kam es mir vor, als hätte er bereits eine Ahnung von der Magie, und als gehorchte ihm das Feuer, doch das war natürlich blanker Unsinn.

    Als der Meiler brannte, begann die anstrengende Zeit, in der wir Tag und Nacht beim Feuer Wache halten mussten. Es war überaus angenehm, zum ersten Mal seit Jahren jemanden zu haben, mit dem ich mich abwechseln konnte. Obwohl es sein erstes Jahr bei mir war, vertraute ich ihm, und ich tat recht daran. Noch nie hatte ich so viel gute Holzkohle produziert wie in diesem Jahr mit meinem jungen Gehilfen.

    Es folgte die Zeit, in der wir sie verkauften. Er lieferte kleine Mengen in der Nähe für mich aus und achtete, wenn Kunden zu mir kamen, darauf, dass ich nicht um Geld betrogen wurde.

    An einem Tag kam ein Fuhrmann her, der regelmäßig Kohle für eine große Schmiede in Rindoria bei mir abholte und bezahlte. Wir beluden den Wagen, und er gab mir das Geld, das ich an Rikian weiterreichte, um mit dem Mann noch einen Olganschnaps zu heben. Ich hatte gerade eingeschenkt, da unterbrach uns der Junge.

    „Verzeiht, Herr, aber der Betrag stimmt nicht. Das ist zu wenig.“

    „Was?“, brauste der Fuhrmann auf. „Das ist derselbe Betrag wie jedes Mal. Stimmt doch, Hollgrim, oder?“

    „Joa“, brummte ich. „Wie immer.“

    „Dann seid Ihr jedes Mal betrogen worden, Meister Hollgrim.“ Ruhig rechnete Rikian dem Mann und mir vor, dass der ausgemachte Preis pro Sack Holzkohle, multipliziert mit der Anzahl der Säcke, eine andere Summe ergab als die, die ich jedes Mal dafür bekommen hatte.

    Sagte ich bereits, dass ich nicht so stark im Umgang mit Zahlen bin? Aber in diesem Moment ging mir auf, dass ich über Jahre hinweg von diesem Fuhrmann betrogen worden war. Der Mann, der begriff, dass ich verstanden hatte, wurde blass und wollte sich so schnell wie möglich verabschieden, doch wer sich mit Hollgrim anlegt, kommt nicht so einfach davon. „Hiergeblieben!“, donnerte ich, stürmte auf ihn zu und packte ihn am Kragen. „Du wirst mir auf Heller und Pfennig bezahlen, was du mir schuldest!“, schrie ich.

    „Dann sag mir doch, wie viel ich dir angeblich schulde“, spottete er und versuchte, freizukommen. „Das weißt du doch gar nicht.“

    Dies versetzte mich noch mehr in Rage. „Seit zwölf Jahren haust du mich übers Ohr, und willst jetzt nicht dafür grade stehen?“ Ich schüttelte ihn zornig und trieb ihn vor mir her.

    „Ihr schuldet Meister Hollgrim 144 Silbermünzen“, sagte Rikian, der mit besorgter Miene hinterher gekommen war.

    So viel? Ich verlor die Beherrschung, holte aus und versetzte dem Betrüger einen Faustschlag, der ihn taumeln ließ.

    „Na warte“, keuchte der und kam jetzt ebenfalls mit erhobenen Fäusten auf mich zu. Und unversehens befanden wir uns in einem heftigen Kampf.

    Ich gebe es ungern zu, aber ich habe verloren. Ich bin groß und kräftig, aber der Fuhrmann war flinker und wendiger als ich, und er kämpfte mit unlauteren Mitteln. Während ich mich auf meine Fäuste verließ, zog er mir mit einem Holzknüppel, den er aufgelesen hatte, eins über den Kopf, woraufhin mir schwarz vor Augen wurde und ich zu Boden stürzte.

    Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf meinem Bett. Neben mir saß Rikian und presste ein kühl-feuchtes Tuch auf meine Beule. „Den Göttern sei Dank“, sagte er, als ich mich stöhnend regte.

    „Wo ist der Betrüger?“, nuschelte ich.

    „Fort“, erwiderte mein Gehilfe und wies auf einen Lederbeutel, der auf dem Tisch lag. „Er hat seine Schulden bezahlt und lässt ausrichten, dass er Euch um Verzeihung bittet.“

    „Hä?“ Ich hatte wohl verstanden, was der Junge gesagt hatte, aber ich begriff nicht, wie es dazu hatte kommen können. Dennoch winkte ich ab, bevor er zu einer langwierigen Erklärung anhob. Mir war nicht nach Reden zumute. „Bring mir einen Schnaps, Rikian“, verlangte sich stattdessen.

    Er schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht, dass Euch derart starker Alkohol in Eurem Zustand gut bekommt“, wandte er ein.

    „Was du glaubst, ist mir gleich“, schnauzte ich ihn an. „Her damit, aber ein bisschen schnell.“

    „Nein. Ihr dürftet auch so schon ausreichend Kopfschmerzen haben.“

    Damit hatte er allerdings Recht. Doch es ging nicht an, dass der Lehrling dem Meister widersprach. „Zum letzten Mal: Bring. Mir. Meine. Flasche!“, grollte ich trotzig. „Du hast mir zu gehorchen.“

    Seufzend erhob er sich und entsprach meinem Wunsch. Er goss mir sogar davon ein und reichte mir den Becher, den ich mit einem Zug leerte.

    „Noch!“

    „Wie Ihr meint.“

    Der Alkohol begann, mich zu entspannen und erfüllte mich mit wohliger Wärme. Von wegen Kopfschmerzen! Ich fühlte mich viel besser als zuvor. „Gib her jetzt“, brummte ich barsch und griff nach der Flasche. „Du kannst gehen. Die lass da.“

    Zögernd erhob er sich. „Ruft nach mir, wenn Ihr mich braucht. Gute Nacht, und gute Besserung.“

    „Jaja“, lallte ich zur Antwort. Als er draußen war, nahm ich einen kräftigen Schluck aus der Flasche, verschluckte mich und musste husten. Die kühle Kompresse geriet ins Rutschen und fiel irgendwo neben meinem Bett zu Boden. Ich versuchte, mich danach zu bücken, gab es jedoch bald auf. Au, das tat weh! So lange ich mich nicht bewegt hatte, ging es mir gut, aber jetzt… Ich war nahe daran, den Jungen zurück zu rufen, aber mein Stolz ließ es nicht zu, dass ich jemanden um etwas bat. Stattdessen trank ich erneut. Der Alkohol benebelte mir die Sinne, und damit ließen auch die Schmerzen wieder nach. Irgendwann schlief ich wohl ein, die Flasche glitt mir aus der Hand und die restliche Flüssigkeit ergoss sich über mein Bettzeug und mein Hemd, doch das bekam ich schon längst nicht mehr mit, ebenso wenig, dass ich dabei wohl meinen Kerzenleuchter umgestoßen haben musste.

    Das nächste, was ich wahrnahm, war, dass alles rings um mich her in Flammen stand und dass ich gepackt und ins Freie geschleift wurde. Während ich mich zunächst übergab und mir danach stöhnend den Kopf hielt, löschte Rikian das Feuer in meiner Hütte. Danach half er mir in frische Kleider und brachte mich in sein Kämmerchen, wo ich den Rest der Nacht und den kommenden Tag verschlief.

    Als ich wieder zu mir kam, fühlte ich mich besser. Die Kopfschmerzen hatten nachgelassen, und die Übelkeit war verflogen. Den Alkohol verfluchend richtete ich mich auf und kam zum Sitzen. Auf einer hölzernen Kiste, die neben dem Bett stand, fand ich eine Kanne lauwarmen Tee, einen Becher, sowie einen Teller mit einer Scheibe Brot, einem Stück Käse und einem Apfel sowie ein paar Nüssen. Überrascht merkte ich, dass ich tatsächlich Hunger hatte und lange herzhaft zu. Nach dem Mahl fühlte ich mich kräftig genug, aufzustehen und hinaus zu gehen. Ich überquerte den freien Platz und ging auf meine Hütte zu. Die Tür und die Fenster standen offen. Noch immer hing Brandgeruch in der Luft, aber im Inneren war nichts mehr von dem Feuer zu bemerken. Es war aufgeräumt und sauber. Die verkohlten Möbel- und Wäschestücke waren verschwunden. Mein Bett war frisch bezogen, der Wasserkrug gefüllt, neben dem Ofen wartete ein ordentlicher Holzstapel. Alles war an seinem Platz bis auf eines: Mein Vorrat an Olganschnaps war verschwunden.

    Dabei hätte ich jetzt durchaus einen Schluck gebrauchen können, während ich versuchte, mich zu erinnern, was genau eigentlich passiert war, wie viel Zeit seither vergangen sein mochte und wo bei Curulum mein Lehrling abgeblieben war. Nachdem ich meine Gedanken sortiert hatte, kam ich zu dem Schluss, dass der Junge mich vermutlich verlassen hatte. Und das wunderte mich kein bisschen nach dem, was er an jenem unglückseligen Tag mit mir erlebt hatte. An seiner Stelle hätte ich vermutlich auch das Weite gesucht. Ich war ihm wahrhaftig kein guter Lehrherr und kein Vorbild gewesen. Ich hatte mich mit dem Fuhrmann geschlagen, dabei verloren und mich hernach betrunken. Also hatte ich es nicht anders verdient. Dennoch verfluchte ich den Burschen dafür, dass er meinen Schnaps ausgegossen hatte. Ich suchte und fand einen Krug Wein, goss mir einen Becher voll und ließ mich seufzend auf der Bank vor meiner Hütte nieder.

    Ich war also wieder allein. Darüber hätte ich froh sein sollen, erinnerte ich mich doch, wie ich mich über mich selbst geärgert hatte, dass ich mich von Jomlor dazu hatte überreden lassen, seinen Sohn auszubilden. Niemand mehr da, dem ich erklären musste, was ich tat und wozu. Niemand, der meine Trinkgewohnheiten kritisierte. Niemand, der einfach nur da war und sei es auch nur, um mich in Frieden zu lassen. Niemand, der meine Tiere versorgte, Wasser holte, aufräumte, mit unliebsamen Kunden verhandelte, meine Geldangelegenheiten in Ordnung brachte, die Lebensmittel im Dorf holte, Tee bereitete und mir bei der Arbeit half, die mir in diesem Augenblick unsagbar schwer vorkam. Und zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich einsam.

  • acht

    Ich hatte bereits drei Becher Wein getrunken, als mir kalt wurde. Ich zog mich in meine Hütte zurück, die mir seltsam leer vorkam, obwohl Rikian stets nur zu den Mahlzeiten hier gewesen war, und machte Feuer. Mit dem vierten Becher Wein setzte ich mich nah an den Ofen und starrte lange Zeit einfach nur in die Glut. Ohne es zu bemerken, begann ich, eine alte Melodie vor mich hin zu summen. Als mir aufging, welches Lied mir durch den Kopf ging, wurde ich noch trauriger. Es war die alte Weise von dem Mann, der im Wald lebte und sich nach dem Meer sehnte. Immer wenn er am Fluss stand und auf das Wasser schaute, nahm er sich vor, ihm eines Tages bis zur Mündung zu folgen, bis er die unendlichen Weiten des Ozeans erblicken würde. Doch er wurde immer älter, und stets hielten ihn andere Pflichten davon ab, seinen Traum wahr zu machen. Er starb, ohne das Meer je gesehen zu haben, doch sein Enkel reiste mit seiner Asche dorthin und streute sie am Strand in den Wind.

    Die Weise hatte viele, viele Strophen und die Melodie war schwermütig, getragen und voller Sehnsucht. Obwohl ich traurig war und obwohl ich ein trauriges Lied sang, begann ich mich währenddessen seltsam getröstet zu fühlen. Ich kam zum Ende, räusperte mich und wollte erneut nach meinem Becher greifen, da hörte ich jemanden sagen: „Welch ein ergreifendes Lied. Und wie schön Ihr singen könnt.“ Ich fuhr herum. In der Tür, vom letzten Abendsonnenlicht beschienen, stand Rikian und lächelte mir zu. „Guten Abend, Meister Hollgrim. Ich freue mich, Euch wieder wohlauf zu sehen. Wie fühlt Ihr euch?“

    In diesem Augenblick beging ich einen der schwersten Fehler meines Lebens. Anstatt den Jungen freudig willkommen zu heißen oder ihm für alles zu danken, was er mir an Gutem getan hatte, fuhr ich ihn an. „Wo warst du? Wo bei Curulum hast du dich herum getrieben?“

    „Bei Orsa, Holz abliefern und Lebensmittel holen“, antwortete er, und sein Lächeln erlosch.

    „Bei Orsa? Heute?“ Ich war verwirrt. Für gewöhnlich suchten wir Orsa einen Tag vor dem Göttertag auf, also morgen erst. Oder war mir etwas entgangen? „Welchen Tag haben wir?“, fragte ich beschämt.

    „Göttertag“, erwiderte Rikian. „Ihr wart fast zwei Tage ohne Bewusstsein. Daher wagte ich gestern noch nicht, Euch allein zu lassen.“

    Ich war gerührt, doch ich brachte es nicht über mich, diesem Gefühl Ausdruck zu geben. Stattdessen fiel mir nichts Besseres ein, als ihn nach dem Verbleib meines Olganschnapsvorrats zu fragen.

    „Ich habe ihn ausgekippt“, antwortete er aufrichtig.

    „Alles?“ Obwohl ich so etwas geahnt hatte, war ich schockiert.

    „Alles.“

    „Dazu hattest du kein Recht“, knurrte ich.

    „Wenn Ihr mich bestrafen wollt, bitte“, sagte er. „Aber ich würde und werde es jederzeit wieder tun.“

    „Das werden wir ja sehen“, drohte ich, blieb jedoch auf meinem Platz sitzen und starrte ihn lediglich böse an.

    „Richtig, das werden wir.“ Er hielt meinem Blick trotzig stand.

    Ich war eigentlich zornig, und doch auch wieder nicht. Ich hätte aufstehen und ihm für seine Frechheit eine Ohrfeige verabreichen sollen, aber ebenso hätte ich aufstehen und ihn umarmen und mich bedanken müssen. Schließlich hatte er mir das Leben gerettet und mich zwei Tage lang gepflegt. Und so blieb ich einfach sitzen und starrte ihn an, und er starrte zurück.

    Auf einmal wurde mir klar, wie kindisch und lächerlich ich mich verhielt. Ich sah uns wie von außen: Einen halsstarrigen alten Mann und einen mäßig renitenten Jugendlichen, die sich anscheinend beide für Männer hielten, sich in Wahrheit aber wie zwei junge Hunde direkt vor einer Rauferei verhielten. Da ward mir nach Lachen zumute, doch ich versuchte, es zu unterdrücken, und meiner Kehle entfuhr ein Glucksen.

    „Meister?“ Rikian legte fragend den Kopf schief. „Ist alles in Ordnung?“ Sein Blick war nun kein bisschen mehr trotzig, sondern besorgt.

    Da konnte ich nicht mehr an mich halten und ließ das Lachen zu. Ich kicherte und lachte, bis ich nur noch atemlos japsen konnte, und mein Lehrling stimmte erleichtert mit ein. Am Ende lagen wir uns doch in den Armen, und an diesem Abend brachte ich ihn erstmals dazu, Wein mit mir zu trinken, was damit endete, dass ich ihm das Lied von dem Mann, der sich nach dem Meer sehnte, beibrachte und wir dieses und jede Menge anderer Lieder gemeinsam sangen.

    Später redeten wir miteinander, und ich erfuhr, dass Jomlor ihn, nachdem Rikian von einem anderen Lehrherren wegen ungenügender Leistungen entlassen worden war, gezwungen hatte, bei mir zu arbeiten, weil er nicht wollte, dass sein Sohn nach Elteran ging, um ein Magier zu werden.

    Ich war gelinde gesagt entsetzt. Die Anstellung bei mir sollte eine Strafe sein? „Was hättest du denn ursprünglich lernen sollen?“, wollte ich wissen.

    „Ein Onkel von mir wollte mich zum Jäger ausbilden. Aber ich konnte…“, er berichtigte sich, „ich wollte keine Fallen stellen und nicht auf Tiere schießen.“

    „Willst du denn das Köhlerhandwerk lernen?“

    „Nein. Sobald ich großjährig bin, werde ich nach Elteran gehen und meinen Traum verwirklichen.“

    „Dafür stellst du dich erstaunlich geschickt an“, sagte ich.

    „Natürlich gebe ich mir Mühe“, erwiderte er. „Es ist schließlich nicht Eure Schuld, dass ich hier bin.“

    Dem war nichts hinzuzufügen. Wir tranken unsere Becher leer und gingen schlafen. Im Einschlafen ging mir noch einmal die Melodie durch den Kopf und ich dachte daran, dass mein Gehilfe ganz sicher eines Tages das Meer sehen, beziehungsweise ein Magier sein, kurzum, dass er seine Träume verwirklichen würde.

  • Das liest sich so locker und leicht, ich kann gar nicht anders als es zu genießen. Dein Stil ist einfach und schnörkellos und du erschaffst lebendige, gut vorstellbare Bilder. Auch die beiden Charaktere sind schön beschrieben und beide auf ihre Art liebenswert. Wenn ich mit einem Part fertig bin, kann ich es kaum erwarten, den nächsten zu lesen.

    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

  • Dein Lob hat mich sehr berührt, Tariq. Vielen lieben Dank.


    neun

    Als ich Tags darauf erwachte, war ich wütend auf mich selbst. Wie hatte ich mich derart vergessen können? Wie hatte ich meinen Lehrjungen so nah an mich heranlassen können? Ich befürchtete das Schlimmste. Würde Rikian mir von nun an nicht mehr von der Seite weichen? Würde er Abende wie den gestrigen wiederholen, sich mit mir unterhalten, trinken, singen wollen? Hatte ich meine Distanz, meine Ruhe und meinen Frieden verspielt?

    Meine Ängste erwiesen sich als unberechtigt. Rikian verhielt sich mir gegenüber hinfort genau so wie er es zuvor getan hatte, und ein solcher Ausrutscher meinerseits sollte sich während seiner Lehrzeit nicht mehr wiederholen.

    Es wurde Winter, die Tage wurden kürzer, und draußen wurde es empfindlich kalt. Die Wintersonnenwende nahte, und ich gab Rikian frei, damit er das Fest zu Hause bei seiner Familie begehen konnte. Zwei Tage sollte er bei seinen Eltern verbringen dürfen, am Vortag würde er in sein Heimatdorf wandern und am Tag darauf zu mir zurückkehren.

    Drei Tage vor der Wintersonnenwende wurde es wärmer, ein Sturm kam auf und trieb schwere Wolken vor sich her. Zwei Tage vorher begann es, in dichten Flocken zu schneien.

    „Willst du nicht lieber hier bleiben? Nicht, dass du dich verläufst.“ Hoffentlich kam Rikian nicht auf die Idee, ich wollte ihn hier bei mir behalten! Ich war lediglich in Sorge, er könne sich verirren oder sich auf dem langen Marsch verkühlen.

    „Ich kenne mich aus“, erwiderte er. „Aber wenn Ihr es wünscht, werde ich bleiben.“

    Da hatten wir’s! Bloß nicht! „Nein, nein. Geh nur, wenn du es dir zutraust.“

    Er packte seine Siebensachen und kam noch einmal zu mir, um sich zu verabschieden. „Frohes Sonnenwendfest, Meister Hollgrim“, wünschte er mir und überreichte mir eine Flasche Guljaklikör.

    „Danke.“ Ich war verblüfft und beschämt, denn ich hatte kein Geschenk für ihn. „Wo hast du den denn her? Du verdienst doch gar nichts bei mir.“

    „Frau Orsa hat es sich nicht nehmen lassen, mich für ein paar Zusatzarbeiten bei ihr zu entlohnen“, erklärte er bereitwillig.

    „Ah so“, murmelte ich verlegen. „Na denn. Frohes Fest auch dir, und komm gesund wieder.“

    Mit den Worten „Gehabt Euch wohl, Meister Hollgrim“ verabschiedete er sich und lief los. Bevor er im Dunkel des Waldes verschwand, wandte er sich noch einmal um und winkte mir.

    Ich winkte zurück, dann war ich allein.

    Plötzliche, ungewohnte Stille umgab mich, lediglich ab und an unterbrochen vom Knacken eines Zweigs, der unter der Schneelast brach. Eilig ging ich zurück in meine Köte, wo das Feuer, das Rikian in meinem Ofen entfacht hatte, heimelige Wärme verbreitete. Ich setzte mich auf meinen Platz daneben und wartete auf das gewohnte Gefühl von Frieden, das mich eigentlich stets nach getaner Arbeit überkam, wenn ich mich gemütlich niederließ und meine Ruhe genoss. Aber heute wollte es sich beim besten Willen nicht einstellen. Als ich mich nach einer guten Stunde noch immer nicht recht entspannt hatte, ging ich hinüber zu den Tieren, um dort nach dem Rechten zu sehen, doch sie waren aufs beste versorgt, satt und sauber, und dösten dem Sonnenwendtag entgegen.

    Ich kehrte zurück in meine Hütte und machte es mir gemütlich, doch der von früher gewohnte Friede ließ auf sich warten. Ich dachte an Rikian, der jetzt dort draußen im Dämmerlicht durch den verschneiten Wald stapfte und sorgte mich wider Willen doch ein wenig, ob er seinen Heimweg finden würde. Und was, wenn nicht? Was, wenn das Wolfsrudel, das wir des Nachts neuerdings regelmäßig heulen hörten, ihn angriff und verletzte? Er hatte keinerlei Waffe bei sich!

    Um zur Ruhe zu kommen, erhitzte ich Wein, tat Gewürze und Honig hinein und trank das fertige, heiße Gebräu langsam, Schluck für Schluck. Später bereitete ich, um mich abzulenken, ein besonders schmackhaftes Mahl zu und aß viel zu viel davon. So viel, dass ich dringend einen Verdauungsschnaps zu benötigen glaubte. Entschlossen suchte ich mein neustes Versteck auf. Zwischen Rikian und mir war es zu einem regelrechten Wettkampf geworden, dass ich mir heimlich, ohne sein Wissen, neuen Schnaps besorgte und ihn an den abstrusesten Plätzen, die mir einfielen und in den ausgefallensten Gefäßen versteckte. Doch stets fand er meine Vorräte und tat, was er mir bei unserem Streit verheißen hatte: Er schüttete den guten Schnaps einfach weg. Auch dieses Mal fand ich mein Versteck wieder geplündert. Vermaledeiter Bengel!

    An diesem Abend begnügte ich mich mit meinen Weinvorräten, aber am anderen Morgen brach ich zeitig ins Dorf auf, um mir Nachschub zu kaufen. Leider hatte ich vergessen, dass Feiertag war. Der Getränkehändler war nicht in seinem Haus, oder zumindest tat er so als ob und öffnete mir nicht.

    Zornig machte ich mich auf den Rückweg. Als ich an Orsas Haus vorüberkam, hörte ich sie von innen gegen die Fensterscheibe klopfen. Ich blieb stehen, und als sie das sah, öffnete sie die Tür und rief mich heran. „Hollgrim, ewig nicht gesehen, alter Freund. Was führt dich ins Dorf am heiligen Sonnenwendtag?“

    „Ich brauche noch ein Geschenk für den Jungen“, log ich, denn es war mir peinlich zuzugeben, dass ich meine Alkoholvorräte aufstocken gewollt hatte.

    „Das fällt dir aber beizeiten ein“, spottete sie. „Was schenkst du ihm denn?“

    „Das ist das Problem“, gab ich zu, „ich weiß es nicht.“

    „Lass mich dir helfen.“ Orsa zog mich ins Innere ihres Hauses und schloss die Tür vor dem garstig kalten Wind. „Warte.“

    Ich tat wie geheißen, und bald darauf kam sie wieder mit einer Handvoll gestrickter Wollstrümpfe. „Die wird er brauchen können, jetzt in der kalten Jahreszeit. Such dir ein oder zwei Paare aus.“

    Ich wählte ein dunkelbraunes Paar, und sie nickte zufrieden. „Was willst du dafür?“

    „Lass nur“, sagte sie. „Schenk‘ ich dir. Du hast mir den Jungen so oft hergeschickt. Das war mir eine große Hilfe, ehrlich.“

    „Schon recht“, murmelte ich verlegen. Ich hatte Rikian nicht zu ihr geschickt. Er musste jedes Mal, wenn ihn irgendein anderer Auftrag in die Nähe des Dorfes geführt hatte, aus eigenem Antrieb zu Orsa gegangen sein.

    In meinem Anflug von Rührung beging ich die Dummheit, Orsa eine ungewöhnliche Bitte vorzutragen. „Das hier“, ich hielt die Wollsocken hoch, „ist was Nützliches. Ich würde ihm aber gerne auch eine Freude machen. Hast du eine Ahnung, womit?“

    „Er liest gern“, sagte sie. „Aber du wirst heute im ganzen Dorf kein einziges Buch mehr finden.“

    „Schade.“ Ich war zugleich enttäuscht und erleichtert. Irgendwie wäre es mir auch peinlich gewesen, ihm ein Buch zu schenken. Wo ich doch nicht mal wissen konnte, was darin stand.

    Aber Orsa wusste wieder Rat. „Ich gebe dir eins. Ich kann ohnehin dieses Kleingeschriebene nicht mehr lesen.“ Bevor ich protestieren konnte, verschwand sie nebenan und als sie wieder kam, drückte sie mir ein schmales Bändchen in die Hand. „Geschichten über den Goldenen Turm“, las sie den Titel vor. „Ich habe es einst in Elteran gekauft.“

    „Du? In Elteran? Wann warst du in Elteran?“

    „In meiner Jugend.“ Sie lächelte wehmütig. „Ja, ist lange her, nicht wahr?“

    „Was führte dich dorthin?“, wollte ich wissen.

    „Die Liebe“, erwiderte sie geheimnisvoll. „Aber es ist nichts daraus geworden. Wir passten nicht zusammen, er und ich.“

    „Na dann.“ Mehr wusste ich nicht zu sagen. „Ich geh dann mal wieder. Danke für die Sachen.“ Ungeschickt drückte ich ihren Oberarm.

    „Willst du heute nicht hier bleiben?“, fragte sie.

    Ich dachte nach. Das Sonnendwendfest mit Orsa zu verbringen, kam mir nach den langen Jahren der Einsamkeit im Wald überaus abwegig vor, aber die Idee entbehrte trotzdem nicht eines gewissen Reizes. In ihrer warmen Stube gemeinsam zu speisen wäre womöglich angenehmer als allein draußen in meiner Köte zu sitzen. Aber dann schüttelte ich energisch den Kopf. Ich war so lange Zeit allein gewesen und kannte es nicht anders. Ich würde feiern wie immer, bloß leider ohne meinen Olganschnaps. Aber danach wagte ich meine Wohltäterin nicht auch noch zu fragen. „Nein, ich muss zurück“, beschied ich ihr also.

    Sie machte keinen Versuch, mich umzustimmen. So verabschiedeten wir uns, und ich ließ sie und das Dorf zurück, um wie gewohnt ein weiteres einsames Sonnendwendfest in meiner Köte zu verbringen. Allein mit mir, der Stille und meinen Weinvorräten.

  • Zu 3) 4) und 5)

    Möglicherweise findet ihr den Protagonisten (der erst ab Kapitel zwei in Erscheinung tritt) zu gut um wahr zu sein.

    Ich verstehe was Du meinst und wie Du zu der Befuerchtung kommst. Du triffst aber irgendwie den richtigen Ton, das ist charmant erzaehlt und deswegen wirkt es auch mich auch nicht unangenehm.

    Ich denke, ich wuerde mir an der Stelle noch den einen oder anderen Halbsatz zur Umgebung und zum Koehlerhandwerk wuenschen (der gute Hollgrim verbringt ja viel Zeit im Wald, da sollte er auch eine Aufmerksamkeit fuer Details in seiner Umgebung entwickeln, und ich weiss dass Du das Handwerk mehr als Aufhaenger verstehen willst und der eigentliche Strang der Geschichte was anderes sein soll - aber ein bisschen Ambiente darf die Geschichte auch haben...)

  • Deine Geschichte liest sich soweit sehr angenehm und ist trotz dem simplen Alltag spannend!

    Ich kann mich meinen Vorredner:innen grösstenteils anschliessen. Das Hollgrim Magie als Mumpitz abtut finde ich aber nicht abwegig, schliesslich können viele Leute auch in unserer Zeit nichts mit Physikern, Mathematikern und Biologen anfangen.

    Ich frage mich, ob es die Erwähnung von Magie überhaupt braucht. Ich war nämlich auch immer auf der Suche nach Anzeichen, ob Rikian bereits Magie verwendet. Andererseit verstehe ich aber auch, wenn du sie erwähnen willst - schliesslich spielt die Geschichte in deiner Welt, wo Magie, nehme ich an, ein wichtiger Teil der Kultur ist.

    „Ihr schuldet Meister Hollgrim 144 Silbermünzen“, sagte Rikian, der mit besorgter Miene hinterher gekommen war.

    Hier hat mich überrascht, dass der Fuhrmann das Geld einfach so bezahlen kann. Hatte er 144 Silbermünzen dabei? Das klingt nach einer Menge Geld.

  • Thorsten Danke für die Anregung. Leider habe ich mich nur flüchtig in das Köhlerhandwerk eingelesen, daher möchte ich lieber wenig bis nichts über Hollgrims Arbeit schreiben, bevor ich etwas Falsches darüber schreibe. Mehr Ambiente hätte ich vermutlich beschrieben, wenn die Geschichte Teil eines Romans wäre, aber so wollte ich mich auf das Geschehen konzentrieren. Ein bisschen Atmosphäre ja, aber mehr hätte die Erzählung noch länger werden lassen.

    Jufington Du wirst lachen, das habe ich mir auch schon überlegt, ob es realistisch ist, dass der Fuhrmann so viel Geld mit sich herumträgt. Ich denke, ich werde die Summe etwas verringern. Allerdings sollte der Betrag immerhin die heftige Reaktion Hollgrims (den Angriff auf den Fuhrmann) rechtfertigen.


    zehn

    Ich beging mein Sonnenwendfest wie ich es immer begangen hatte, und doch fühlte es sich ganz anders an als sonst. Mir war langweilig, und ich hatte meine Freude am Alleinsein verloren. Ich war in diesem Jahr nicht allein, ich war einsam. Ich ertrug die Einsamkeit bis nach dem Mittagsmahl, dann zog ich meine Fellstiefel und meinen Wollmantel über, verschloss meine Köte und machte mich auf den Weg. Es hatte aufgehört zu schneien, und so kam ich recht schnell voran. Ich erreichte Orsas Dorf, durchquerte es ungesehen, da alle Menschen in ihrem Häusern versammelt und mit sich selbst und ihren Gästen beschäftigt waren, lief weiter und gelangte in den kleinen Marktflecken am Rindori. Dort betrat ich die einzige Taverne am Platz, setzte mich auf die Ofenbank und bestellte mir etwas zu trinken. Ich begann mit heißem Met, ging dann aber zu stärkeren Getränken über. Hier verwehrte mir niemand den Olganschnaps, der mir seltsamerweise dennoch nicht so recht schmecken wollte.

    Außer mir saßen noch ein paar einsame Kerle in der Gaststube, und als der Tag vorrückte, kamen wir ins Gespräch und begannen ein Kartenspiel um Geld. „Das Glück ist mit den Unglücklichen“, sagt ein altes Sprichwort, und in der Tat gewann ich beinahe jede Partie, und das Häufchen Silbermünzen vor meinem Platz wuchs allmählich in die Höhe. Die neidvollen und gierigen Blicke meiner Mitspieler übersah ich, sonst hätte ich vielleicht beizeiten aufgehört. So aber spielte ich weiter und gewann immer mehr. Erst als meine Spielpartner nichts mehr einzusetzen hatten, hörten wir auf. Ich bezahlte großzügig die gesamte Zeche, dann brach ich, deutlich besserer Stimmung als bei meiner Ankunft, wieder auf.

    Es war schon beinahe dunkel, doch es zog mich nach Hause. Schließlich wollte ich dort sein, wenn Rikian morgen wieder kam. Zügig entfernte ich mich vom Fluss und tauchte in den Wald ein. Hier war es gänzlich finster, und nur der helle Mond wies mir den Weg. Ich brauchte nur meine eigene Spur vom Nachmittag zurück zu verfolgen. Die Wölfe schwiegen noch zu dieser frühen Abendstunde, daher fühlte ich mich sicher und fürchtete mich nicht. Gut gelaunt stimmte ich ein Lied an. In der Ferne meinte ich bereits die ersten Lichter von Orsas Dorf zu sehen, als es passierte:

    Ein dumpfer Schlag von hinten auf den Kopf raubte mir das Bewusstsein, ich stürzte vornüber und fiel in den Schnee. Die Räuber nahmen mir mein Geld, meine Fellstiefel und den warmen Mantel, schleppten mich ein gutes Stück abseits des Weges, wo sie mich hinter Sträuchern in einer Schneewehe liegen ließen, verwischten ihre Spuren und machten sich davon.

    elf

    Als ich zu mir kam, war der Mond vom Himmel verschwunden. Erneut waren Wolken aufgezogen, aus denen es heftig schneite. Mir war erbärmlich kalt, doch das war nicht das Schlimmste. Das Heulen der Wölfe war jetzt wieder zu hören, und zwar näher als ich es je zuvor vernommen hatte. Die Angst verlieh mir die nötige Energie, mich aufzurichten, doch nach ein paar Schritten überfiel mich heftige Übelkeit. Ich fiel auf die Knie und übergab mich hustend und würgend. Als das Heulen noch näher erklang, schaffte ich es wieder auf die Beine, doch nach wenigen Schritten verließen mich meine Kräfte, und mit einem Wimmern brach ich zusammen. Dieses Mal schaffte ich es nicht mehr, hochzukommen. Ich gab auf, blieb liegen, verfluchte meine Idee, den Sonnenwendtag unbedingt in Gesellschaft anderer Menschen verbringen zu wollen und ergab mich dem Selbstmitleid, während ich auf den vermeintlich sicheren Tod wartete. Was die Wölfe nicht erledigten, würden der Schnee und die Kälte schaffen, davon war ich überzeugt.

  • Ich hätte Nein sagen sollen.

    Welcher Dämon hatte mich bloß geritten, zuzustimmen, als dieser Jomlor aus dem Dorf zu mir kam und mir die Frage stellte, ob ich seinen Sohn als Gehilfen annehmen wollte? Dabei hatte sich zunächst alles recht gut angelassen…

    Klasse Anfang. Da hattest du mich schon. Direkt rein in die Handlung mit Andeutung auf den Fortgang.

    Bin jetzt durch. Ich mag deine Art, Dialoge zu schreiben. Da klau ich mir auf jeden Fall den einen oder anderen Kniff in der Gesprächsgestaltung ^^
    Bisher war es schön Cozy, aber jetzt geht's wohl mit Action weiter? Bin gespannt.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Leider habe ich mich nur flüchtig in das Köhlerhandwerk eingelesen, daher möchte ich lieber wenig bis nichts über Hollgrims Arbeit schreiben, bevor ich etwas Falsches darüber schreibe.

    Rikian wuerde vermutlich sagen dass es da Buecher gibt :) - ansonsten kann man ganz gut bei Wikipedia einen Eindruck bekommen was Hollgrim so zu tun hat.

    Dein Problem hier ist dass zumindest an der Oberflaeche Dein Plot darin besteht dass jemand ins Koehlerhandwerk eingewiesen wird - es ist dann komisch wenn das Handwerk gar nicht vorkommt.

    Mehr Ambiente hätte ich vermutlich beschrieben, wenn die Geschichte Teil eines Romans wäre, aber so wollte ich mich auf das Geschehen konzentrieren.

    Ich meinte einen Halbsatz hier und da, nicht den Unterschied zwischen Roman und Novelle...

    Zu 6)

    Ein paar Kleinigkeiten habe ich:

    Am folgenden Tag ließ mir die Neugier keine Ruhe. Ich wollte wissen, ob er mir die Wahrheit gesagt oder womöglich den Nachmittag irgendwo verbummelt hatte und machte mich nach dem Mittagessen auf den Weg ins Dorf.

    Ich hatte mir das Leben eines Koehlers in einer mittelalterlichen Gesellschaft nicht so relaxed vorgestellt, dass er mal aus Neugier einen Nachmittag frei macht um seinem Gehilfen hinterherzuspueren...

    Also, finde ich schon eher komisch, die Entscheidung.

    „Er hat meine Hühner gefüttert, die Stube gekehrt, meinen Garten versorgt, Wasser geholt und das Brot gebacken.“

    Wer hat den Eintopf gemacht der auf dem Herd steht?:?:

    „Kannst du ihn mir vielleicht morgen noch einmal her schicken? Keine Sorge, ich will ihn dir nicht abspenstig machen. Nur bis ich mich wieder ein bisschen kräftiger fühle.“

    Auch das ist eine eigenartige Bitte - sie lebt doch im Dorf und hat dort ihr soziales Netz - nur Hollgrim ist abgeschieden und hat keinen um sich herum der mal nach ihm schauen kann.

    Wenn sie hier dem Gehilfen des Koehlers braucht, dann ist in ihrer Beziehung zum Rest ihres Heimatdorfes irgendwas komplett daneben (kann ja sein, waere aber ein sehr relevantes Plotelement von dem Hollgrim wissen muesste).

  • Thorsten

    Zu deinem letzten Punkt: Orsa, wie soll ich es ausdrücken, liegt etwas an Hollgrim, und sie benutzt den Jungen, um den Kontakt zu ihm zu intensivieren. Da sie Hollgrim nicht selbst verwöhnen kann, nötigt sie Rikian dazu, und der tut es gerne.

    Was die Köhlerei angeht, hast du mich erwischt. Ich wollte eine Geschichte schreiben von einem grantigen alten und einem mitfühlenden jungen Mann und wie sich ihre Beziehung, die beide zu Beginn eigentlich nicht wollen, entwickelt. Ein Köhler sollte es sein, damit die beiden mehr oder weniger die meiste Zeit zusammen verbringen müssen ohne andere Menschen, weil Jomlor seinen Sohn fern von Leuten wissen wollte, die ihm womöglich die Magie noch schmackhafter machen, und um einen Grund zu haben, warum Hollgrim im Lauf der Jahre durch sein abgeschiedenes Leben ein wenig wunderlich geworden ist. Ich habe mich definitiv nicht genügend über die Köhlerei schlau gemacht. Ich hätte ahnen müssen, dass so etwas kommt, wenn ich meine Geschichte in diesem Forum vorstelle. Und dass genau das eingetreten ist, ist auch gut so, denn nun weiß ich, dass ich neue Projekte anders (weniger intuitiv, stattdessen mit besserer Vorbereitung) angehen sollte.

    Es freut mich, dass ihr alle euch dennoch ganz gut unterhalten fühlt.