Chronik von Draemor - Asha (Arbeitstitel)

Es gibt 27 Antworten in diesem Thema, welches 3.935 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (15. Juli 2026 um 13:44) ist von K. T. Argento.

    • Offizieller Beitrag

    Guten Tag alle miteinander,

    seit Jahren habe ich wieder die Muse zum Schreiben gefunden. Also, an was ganz Eigenem. Ich habe auch ordentlich vorgeschrieben, um sicherzugehen, dass die Muse nicht nach drei Parts wieder weg ist. :rofl:

    Welche Kommentare wünsche ich mir? Mir grundsätzlich egal, solange der Fokus auf der Handlung, den Charakteren und die Nachvollziehbarkeit (innere Logik) basieren. Ich bin offen für Ideen ^^ . Rechtschreibung und Grammatik darf auch sein. xD Aber ich hänge mich selbst selten an Formulierungen auf, die man zig mal bearbeitet.

    Ich möchte wieder aktiver werden. Daher kommentiere ich wieder einiges - aber versuche auch, wieder bisschen was neben der Buchreihe zu schreiben.

    Daher wünsche ich erstmal Spaß für einen vermutlich recht klassischen Prolog, aber der ist nicht endgültig, einfach, da ich noch nicht 100% weiß, was ich neben meiner Grundidee und ect. noch alles ändern werde.
    Liebe Grüße
    Jennagon


    Prolog


    „Sie sind mit den Vorbereitungen beinahe fertig, Cerath“, flüsterte Aeryn. Sie hatte lange Zeit beobachtet, wie die Menschen mitten im Wald einen runden Ritualplatz errichtet hatten. Ganz außen hatten sie riesige Megalithen aus dem Gebirge vor dem südlichen Eismeer aufgestellt. Darauf folgte ein Kreis aus unzähligen Federn, der ihr gewidmet war. Nur die exotischsten Federn hatten darin Platz gefunden, um sich bei der Göttin der Winde Gehör zu verschaffen. Nach ihrem Kreis kam der für Cerath, bestehend aus Holz der ewigen Bäume. Aeryn musste schmunzeln. Allzu ewig waren diese Bäume dann wohl doch nicht.
    Der Flammenfürst erhob sich langsam aus seinem brennenden Thron in der riesigen Halle und trat neben sie. Er sah in eine der unzähligen Schalen, die überall verteilt standen. Er beobachtete, wie Wasser in einen ausgehobenen Graben geschüttet wurde. Jener bildete den innersten Ring. „Die Menschen und ihre Hybris ...“, zischte er. „Sie werden immer maßloser und sind nicht bereit, die Konsequenzen ihres eigenen Handelns zu tragen.“
    „Wie immer bist du zu streng mit ihnen“, erklang die Stimme von Nyrra und manifestierte ihre Gestalt durch Wasser aus der Umgebung. „Sie sind verängstigt und verzweifelt.“ Sie sah wohlwollender auf das Volk hinunter, da sie wusste, was es auf sich genommen hatte, um an dieses ganz bestimmte Quellwasser zu kommen.
    „Und warum?“, keifte Cerath, wodurch die Flammen der Fackeln im Raum stärker aufleuchteten. „Sie verschwenden mehr Zeit damit, sich gegenseitig zu schaden, anstatt zu helfen. Jeder von ihnen giert nur nach dem, was er nicht hat, anstatt dankbar dafür zu sein, was ihm gegeben wurde.“
    „So ist es bereits seit Jahrhunderten. Und jetzt fängt es dich an zu stören?“ Diese Worte stammten von Brannoc, dem Gott der Erde. Seine Stimme war tief und donnernd, wie das Grollen eines abrutschenden Berghangs. Er formte sich aus dem Sand zwischen den Fugen und schaute ebenfalls in die Schale.
    „Es stört mich ... immer“, antwortete Cerath und wandte sich von der Schale ab.
    „Das Reich Draemor ist besonders verzweifelt“, flüsterte Aeryn.
    „Und der König betet nicht nur aus eigennützigen Gründen zu uns, sondern auch im Namen seines Volkes“, fügte die sanfte Stimme Elyndras hinzu. Neben den Göttern der Elemente verkörperte sie Aura, die Essenz. Vier Götter, die die Welt erschufen, eine, die sie belebte.
    „Kommt das nicht auf das Gleiche heraus?“, wollte Aeryn wissen. Obwohl sie meist leise sprach, waren ihre Worte nicht weniger schneidend. „Letztendlich ist es auch wieder für ihn. Sein Volk hungert, ist krank, auf den Feldern wächst nichts ... Die Zufriedenheit seines Volkes ist an ihn gebunden.“
    „Und das heißt?“, verlangte Nyrra zu wissen. „Ab wann ist ein Gebet für jemanden eigennützig? Weil der Mensch sich nicht mit dem Schlechten anderer Menschen abgeben möchte? Er es loswerden will? Dann wäre jedes Flehen um Linderung aus egoistischen Gründen geformt.“
    „Vielleicht ist es das“, mischte sich Cerath ein. „Ich weiß es nicht mehr. Vielleicht sollten wir sie alle vernichten. Oder den Großteil. Die, die es schaffen zu überleben, sind dann vielleicht wieder ... zufriedener.“
    „Wenn du lange genug wartest, vernichten sie sich wahrscheinlich selbst“, mutmaßte Brannoc und grinste schief.
    „Willst du dich von ihnen abwenden, Cerath?“, wollte Elyndra wissen. „Ohne sie zu prüfen? Ohne ihnen eine Chance zu geben?“
    „Vor Jahrhunderten gaben wir ihnen eine Chance, halfen ihnen ohne Gegenleistung. Deswegen besitzen sie Magie. Wie soll diese Chance jetzt aussehen, Elyndra? Sie machen aus einer Gabe immer mehr einen Fluch! Weil sie gierig sind!“ Cerath wandte sich der Göttin mit fragendem Blick zu.
    „Ein Test!“, schlug Brannoc vor, um zu schlichten. „Einen, den sie nicht zu deuten vermögen. Der ihnen nicht ohne Gegenleistung hilft.“ Er schaute in die Schale. „Sie beten uns alle fünf gleichzeitig an. Etwas, das noch nie vorgekommen ist. Ja, es ist maßlos, aber mutig.“
    „Dann sollte die Antwort auch von uns allen stammen“, flüsterte Aeryn. „Als letzte Chance für sie. Das könnte amüsant werden.“
    Elyndra nickte einverstanden, genauso wie Nyrra, und betrachtete das Ritual, das alsbald vollzogen wurde. Aber wie sollte der Test aussehen, ohne dass Cerath gewinnen würde? Jeder der Götter hatte andere Interessen, andere Ansichten, die sie gleichermaßen wichtig machte. Deshalb betrachtete sie das Ritual noch einmal genau. Sie sah das Tier, das in der Mitte des Platzes angebunden wurde. Eine Opfergabe an sie. An die Schwebende. Etwas Lebendiges, aber auch Entbehrliches in den Augen der Menschen. Kaum mit den Opfergaben der anderen vergleichbar, aber für sich selbst sprechend. Sie konnte die Angst des Pferdes spüren. Dass es nicht wusste, warum es da war. An jenem Ort, zu jener Zeit. „Nicht wir werden Richter, Vernichtung oder Erlösung sein ...“, murmelte sie schließlich, während eine Idee in ihr keimte, und mit sanften Bewegungen eine Lichtkugel über der Schale formte. „Das Schicksal soll entscheiden! Wir sind uns uneins und finden kein Urteil. Aber ... ich schenke diesem Wesen die Fähigkeit, die Welt zu verstehen und zu verbinden. In Mehrsamkeit, aber auch in Einsamkeit.“
    Brannoc verstand ohne ein Wort der Erklärung und schlug seine Fäuste gegeneinander, wodurch ein Diamant in der Mitte der Lichtkugel erschien. „Ich gebe diesem Wesen meine Loyalität, aber auch die Fähigkeit, weise abzuwägen.“
    Cerath hob seine rechte Augenbraue und grinste schelmisch. „Ihr wollt etwas erschaffen? Nun gut, dann gebe ich dem Wesen Willenstärke, Impuls und Leidenschaft!“ Die leuchtende Kugel wurde von Flammen eingehüllt. Es sah aus, als würde die Kraft des Feuerfürsten die Gaben der anderen verschlingen. Deswegen drängte sich Nyrra dazwischen und hielt ihre Hand über die Kugel. „Zum Ausgleich gebe ich diesem Wesen Empathie und Melancholie. Es soll nicht nur sich sehen, sondern auch andere.“ Deutlich presste sich Wasser zwischen das Feuer und ließ es aussehen, als würden beide gegeneinander ringen.
    Zuletzt war Aeryn an der Reihe. Sie erhob ihre Hände und der Wind brachte alles deutlich in Bewegung. „Diesem Wesen gebe ich meine Wissbegierde! Es soll stets auf der Suche nach der Wahrheit sein, was ebenso Ratlosigkeit nach sich ziehen kann.“
    Nachdem alle fünf Götter ihre Fragmente in einem vereint hatten, sandten sie es zur Erde. In einem Tanz der Elemente entlud sich ihre Magie im Reich der Menschen. Der brennende Kreis loderte haushoch auf, das Wasser formte einen reißenden Fluss. Der Wind ließ alle Elemente sich verbinden. Es zischte, dampfte ... die Erde bebte und flog umher. Die Stute in der Mitte wurde vollständig eingehüllt. Die Götter hörten sein verängstigtes Wiehern und beobachteten dieses Schauspiel, das selbst den König sowie sein Geleit verängstigte. Das konnten sie sehen und spüren. Doch bevor sich die Menschen gewahr wurden, was geschah, zerplatzte das Pferd wie Glas, das auf einen steinernen Boden traf. Blut spritzte über den Platz, und getreue Männer stellten sich schützend vor den König von Draemor.
    Plötzlich herrschte Stille in der Schale. Rauch und Dampf waren noch nicht vollständig verzogen, als die Götter sehen konnten, wie ein anderes ... neues Wesen aus den Eingeweiden kroch. Schwach, noch unfähig, seine Beine zu gebrauchen, blutbeschmiert. Es klammerte sich an die wenigen dürren Grasbüschel vor sich und zog sich aus der Mitte, bis es geschwächt liegen blieb und schrie. Es schrie so laut, dass sein Echo über die Lichtung nachhallte. Fast wie der Schrei eines neugeborenen Kindes, das zum ersten Mal die Kälte der Welt auf seiner Haut spürte. Kurz darauf verlor es das Bewusstsein und verharrte mit einer Hand im Wassergraben.
    „Ab jetzt liegt es nicht mehr in unserer Hand“, flüsterte Aeryn, „sondern in ihrer.“
    Die Götter wandten sich ab und vergingen in ihren Elementen – zumindest für den Moment ...


    nächster Part

    • Offizieller Beitrag

    So, ich mach mal weiter. ^^


    Kapitel 1

    Aldric


    Müde saß der König am Abend in seinem Arbeitszimmer. Umgeben von Tinte und dem Geruch von altem Papier. Nur das Knistern des Feuers im Kamin durchbrach die Stille. Er fühlte sich zermürbt. Sicherlich hatte er neue weiße Strähnen in seinem blonden Haar angesammelt. Viele Fragen brannten in seinem Inneren. Hatte der Zirkel ihn nicht eindringlich genug gewarnt? Zumindest einige seiner obersten Magier? Was hatte er sich und seinem Land aufgebürdet? Er vermochte es nicht zu sagen. Er hatte um Regen, fruchtbare Erde und Heilung für die Kranken gefleht, aber bekommen hatte er sie. Sie!
    Magistra Lysandra hatte sie auf den Namen Asha getauft. Auf den Namen der Stute, die er inmitten des Ritualkreises hatte festbinden lassen. Sie war der Meinung, dass das zumindest ein Funken Respekt gegenüber des Tieres wäre. So sollte es sein, denn Asha schien keinen Namen zu haben. Und er war nach dem Ritual nicht willens gewesen, ihr einen zu geben. Das hätte er nicht einmal jetzt gekonnt, obwohl zwei Wochen seit jener Nacht vergangen waren. Zudem leerte sich die Schatzkammer zunehmend. Er hatte viel für die Opfergaben des Rituals ausgegeben, und Gryndal erhöhte immer weiter die Preise für Weizen, Gemüse und Saatgut.
    Müde rieb er sich über sein Gesicht und atmete schwer aus. Für all das Gold hatten sie nicht bekommen, worum sie gefleht hatten. Sie war nicht Heilung, nicht Regen. Niemand wusste, wer oder was sie war. Er schaffte es kaum, ihrem Blick standzuhalten. Sie starrte ihn immerzu unverwandt an. Ohne jegliche Ehrfurcht vor seinem Amt oder vor ihm als König. Es schien ihm, als durchbohrten ihn ihre tiefschwarzen Augen auf der Suche nach dem Grund ihrer Existenz. Augen, die nur das Gegenüber widerspiegelten, aber keinen Funken ihrerseits preisgaben. Und er fühlte Schuld dabei. Als hätte er ein uneheliches Kind in die Welt gesetzt. Doch half das alles nichts. Seit zwei Wochen entzog er sich bereits seinem Rat, aber die morgige Versammlung konnte er nicht erneut verlegen. Er musste sich dem Rat des Zirkels stellen, um zu überlegen, was sie mit Asha anstellen sollten. Was sie war – und wofür sie bei ihnen sein könnte.
    Aldric griff nach der Glocke auf seinem Schreibtisch und schüttelte sie.
    Kurz darauf erschien ein Diener in der Tür. „Sehr wohl, Hoheit?“, fragte der Diener während einer Verbeugung.
    „Schickt den Hauptmann zu mir!“
    „Sehr wohl!“ Der Diener verschwand wieder und schloss die Tür.
    Aldric nahm das Glas Wein vor sich und trank einen großen Schluck daraus, während er auf seinen getreuen Vasallen wartete. Thoren von Caevarn sollte ihm täglich mit Berichten versorgen, bevor der König seinen Sohn besuchte. So erfuhr er wenigstens, wie sich Asha einlebte – ob sie sich einlebte.
    Es dauerte nicht lange und es klopfte. „Tretet ruhig ein, Hauptmann“, sagte Aldric und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er wollte entspannt wirken und nicht, als lastete zu viel Verantwortung auf ihm.
    Die Tür öffnete sich und Thoren von Caevarn trat ein.
    Aldric musterte ihn genau. Wie immer sah der junge Hauptmann tadellos aus. Seine Rüstung war poliert und der blau-schwarze Umhang faltenfrei. Das verriet dem König, dass Thoren heute nicht viel gesessen hatte, weshalb er ihm umgehend den Sessel vor sich anbot und ihm Wein einschenkte. „Wie ... macht sie sich?“
    Thoren setzte sich, nahm dankend den Wein an und atmete tief aus. „Laut den Zofen lernt sie viel und schnell. Wie auch die Tage zuvor. Mussten wir ihr vorher noch erklären, wie man Nahrung zu sich nimmt, äußert sie mittlerweile konkrete Wünsche zu ihren Speisen. Frau Magda Thorne und Fräulein Liora geben sich viel Mühe mit ... der Frau.“
    Die Art, wie Thoren Asha beschrieb, brachte den König zum Lachen. „Die Frau? Ich liebe es, wenn Ihr pragmatisch seid. Aber glaubt Ihr nicht, dass sie mehr als das ist? Ein Kind der Götter oder eine Göttin selbst?“
    „Das ändert nichts an der Tatsache, dass sie eine Frau ist“, antwortete Thoren und führte den Wein zu seinem Mund.
    Aldric lächelte und trommelte in Gedanken mit seinen Fingerspitzen auf dem Schreibtisch. „Das ist wohl wahr, und keinem so bewusst wie Euch, da Ihr sie ins Schloss gebracht habt.“ Aldric sah auf und grinste.
    Thoren hielt in seiner Bewegung inne. „Auf Euren Befehl, Hoheit!“ Erst danach trank er, ohne eine Miene zu verziehen.
    Kalt wie der Stahl, den er um seine Hüfte trägt, dachte Aldric. War auch das seine Schuld? Hatte er ihn zu früh zum Hauptmann gemacht, sodass Thoren neben seinem Erbe, seiner Pflicht, vergessen hatte, wie man lächelte? Aldric wollte Thoren für seine Verdienste im Kampf ehren, so wie es sein Großvater schon bei Thorens Großvater getan hatte. Jener hatte die Familie Caevarn zu Vasallen gemacht und ihnen ein Lehn südlich der Hauptstadt gegeben. Aber wenn er den jungen Mann vor sich betrachtete, kam es ihm vor, als wäre das weniger Dank als Fluch. Als würden die Männer der Caevarns sich selbst aufbürden, dass jeder Nachkomme besser sein müsste als der Vorangegangene. Vor allem, da Thorens Vater viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. „Wie geht es der werten Mutter?“, lenkte Aldric das Thema auf etwas anderes.
    „Es geht ihr gut. Dem Lehn geht es natürlich den Umständen entsprechend, aber das wisst Ihr sicherlich.“
    Aldric nickte. Das wusste er, ja. Es wäre auch ein seltsamer Umstand gewesen, wenn das Lehn von der Dürre verschont geblieben wäre. Die Augen seines Hauptmannes musterten ihn. Sicherlich fragte er sich, ob es mehr zu klären gab, aber Aldric genoss nur gerade seine Anwesenheit, obwohl er dem Blick aus grauen Augen ausweichen wollte. Diese standen im starken Kontrast zum dunkelbraunen Haar des Hauptmannes, das ordentlich im Nacken zusammengebunden war. Es verlieh ihm noch mehr Härte, Strenge ... Sein Bart, nicht mehr als ein gepflegter Schatten, der den Blick auf den scharf geschnittenen Kiefer offenbarte, den er bei jedem Widerwillen zu bewegen wusste. Seine Stimme war tief und rau. Thoren musste nicht schreien, um sich Gehör zu verschaffen. Immer mehr drängte sich Aldric der Gedanke auf, sollte sein eigener Sohn sich nicht von seinem Leiden erholen, ihn zum Erben des Landes zu machen. Was war er nur für ein König? Obwohl sie keine zwanzig Jahre trennten, wirkte er neben ihm wie ein gebrechlicher Mann. Und das, obwohl sie gemeinsam auf Schlachtfeldern gestanden hatten, kaum dass Thoren dem Kindesalter entwachsen war. In Aldrics Augen waren sie mehr als König und Untergebener. Für ihn war er beinahe ein Sohn. Nur ein Mal hatte er dies zur Sprache gebracht. Kurz nachdem bei seinem Sohn die Schwäche festgestellt wurde. Ein Leiden, dass den Kronprinzen an sein Bett fesselte und mit Fieber plagte. Aber auch dieses Zugeständnis schien Thoren nicht zu ehren. Er berief sich darauf, dass er nicht Aldrics Sohn sei. Und dass seine Ansicht bedeuten würde, seinen Vasallen als Kind wahrzunehmen, worauf er verzichten wollte.
    Ich scheine alles falsch zu machen!
    „Wollt Ihr noch etwas wissen?“, durchbrach Thoren das Schweigen.
    Aldric räusperte sich. „Nein. Wenn nichts vorgefallen ist, dann ist nichts vorgefallen. Und Eurer Mutter geht es gut ... das ist ... gut. Ich möchte Euch nur mitteilen, dass ich dem Rat morgen beiwohnen werde. Und ich will, dass Ihr mich begleitet.“
    Kurz zuckte die rechte Augenbraue Thorens. „Sehr wohl! Wenn das Euer Wunsch ist.“
    Aldric wusste die kurze Reaktion zu deuten. Thoren war nie begeistert davon, seinen Vetter Valon zu sehen. Den Magister für das Element Erde. Obwohl sich beide sehr ähnlich waren, kamen sie nicht gut miteinander zurecht. Das lag vermutlich daran, dass beide diszipliniert waren, aber jeder in einem anderen Bereich das Sagen hatte. Der eine durch reine Muskelkraft, der andere durch Magie.
    „Wenn das dann alles wäre, würde ich mich gerne in mein Quartier zurückziehen“, sagte Thoren, und Aldric erlaubte es ihm.
    Sein Hauptmann erhob und verneigte sich. „Dann bis morgen.“, fügte er bei und verschwand durch die Tür.
    Aldric rutschte in seinem Sessel tiefer. Er sollte auch zu Bett gehen. Er musste sich mental auf den Besuch des Rates vorbereiten. Der Rat sollte nicht merken, dass der König verzweifelt war. Vermutlich waren sich die fünf Arme des Zirkels bereits uneiniger als jemals zuvor. Und als letzte Instanz sollte er auch dies ausstrahlen.


    nächster Part

  • Habe gerade deinen Prolog entdeckt, zu dem ich dir gerne ein paar Worte schreiben möchte.

    Was mir gefallen hat: Weltenbau und Atmosphäre, die Ritualszene ist gut geschrieben, mit den konzentrischen Kreisen. Als alter Tierfreund hatte ich natürlich auch Mitleid mit der armen Stute.

    Dann die Götter, die ein wenig klischeehaft sind, aber was bleibt einem anderes übrig bei dieser Thematik. Ist halt einfach so, Mittel zum Zweck. Dennoch gelingt es dir durch die Dialoge ein vielseitiges Pantheon zu kreieren, mit klaren Rollen und unterschiedlichen Perspektiven auf die Menschheit.

    Dein Text hat eine gewisse philosophische Tiefe. Die Diskussion über Eigennützigkeit, Gier und göttliche Verantwortung verleiht dem Ganzen eine konzeptionelle Substanz. Die Frage „Ab wann ist ein Gebet eigennützig?" ist ebenfalls interessant.

    Der Höhepunkt ist wohl die gemeinsame Schöpfung in Kombination mit der brutalen Verwandlung des Pferdes. Die Beschreibung des neuen Wesens ist eindringlich aber nicht zu detailliert. Genau richtig um die Neugier in einem Leser zu wecken.

    Verbesserungspotenzial: Eine der Gaben hat mich dann doch nicht so überzeugt. „Die Fähigkeit, die Welt zu verstehen und zu verbinden" ist für mich zu philosophisch. Was bedeutet das praktisch? Oder auch der Satz „Jeder von ihnen giert nur nach dem, was er nicht hat" wirkt etwas klischeehaft.

    Cerath scheint verbittert zu sein, das "wieso" ist aber nicht greifbar. Vielleicht ist das absichtlich so, keine Ahnung, ist nur mein persönlicher Eindruck. Du siehst schon, viel Kritik habe ich nicht. Denn grundsätzlich finde ich den Prolog sehr gut und würde das gerne weiterlesen, ich geb mal 8/10 Punkten dafür. :)

    • Offizieller Beitrag

    Cerath scheint verbittert zu sein, das "wieso" ist aber nicht greifbar. Vielleicht ist das absichtlich so, keine Ahnung, ist nur mein persönlicher Eindruck. Du siehst schon, viel Kritik habe ich nicht. Denn grundsätzlich finde ich den Prolog sehr gut und würde das gerne weiterlesen, ich geb mal 8/10 Punkten dafür. :)

    Wuff, 8/10 - das hätte ich dem Prolog nicht mal zugeteilt. :rofl: Ja, er ist noch sehr klischeehaft, aber da ich weiß, dass sich das verändern kann ... Man muss die Geschichte leider erst geschrieben haben, um den Prolog dann anzupassen. Der Prolog ist bisher nur eine vage Vorstellung dessen, was folgt. :D Der wird vermutlich Aufgrund aller Anmerkungen im Text dann angepasst.

    Was mir gefallen hat: Weltenbau und Atmosphäre, die Ritualszene ist gut geschrieben, mit den konzentrischen Kreisen. Als alter Tierfreund hatte ich natürlich auch Mitleid mit der armen Stute.

    Ich auch, aber da muss man durch xD

    Dann die Götter, die ein wenig klischeehaft sind, aber was bleibt einem anderes übrig bei dieser Thematik. Ist halt einfach so, Mittel zum Zweck. Dennoch gelingt es dir durch die Dialoge ein vielseitiges Pantheon zu kreieren, mit klaren Rollen und unterschiedlichen Perspektiven auf die Menschheit.

    Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber, man kann es abwandeln. :D

    Der Höhepunkt ist wohl die gemeinsame Schöpfung in Kombination mit der brutalen Verwandlung des Pferdes. Die Beschreibung des neuen Wesens ist eindringlich aber nicht zu detailliert. Genau richtig um die Neugier in einem Leser zu wecken.

    Danke, dann kam es richtig rüber :D

    „Die Fähigkeit, die Welt zu verstehen und zu verbinden"

    Das kommt tatsächlich später. Einfach, das gewisse Verständnis. Babys - Kinder lernen durch uns, die Welt zu verstehen. Sie muss da weitergehen. ^^

    Cerath scheint verbittert zu sein, das "wieso" ist aber nicht greifbar.

    Das ist Subtext. Er weiß nicht mehr, wann ein Mensch uneigennützig handelt.

  • Wuff, 8/10 - das hätte ich dem Prolog nicht mal zugeteilt. :rofl: Ja, er ist noch sehr klischeehaft, aber da ich weiß, dass sich das verändern kann ... Man muss die Geschichte leider erst geschrieben haben, um den Prolog dann anzupassen. Der Prolog ist bisher nur eine vage Vorstellung dessen, was folgt. :D Der wird vermutlich Aufgrund aller Anmerkungen im Text dann angepasst.

    Ich bin vielleicht ein wenig grosszügig, da ich schon den übelsten Schund gelesen habe. ;)

    Aber es ist ernst gemeint, du schreibst MMn wirklich gut.


    Ich auch, aber da muss man durch xD

    Das macht es dafür umso besser. Emotionen, die guten wie die schlechten, sind Teil des Leseerlebnisses.

    Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber, man kann es abwandeln. :D

    Genau! Hauptsache es rollt, dass ist aber schwer zu beurteilen, wenn man nur einen Prolog hat.

    Danke, dann kam es richtig rüber :D

    Ich denke der Teil passt jetzt schon, da musst du nichts gross überarbeiten.

    Das kommt tatsächlich später. Einfach, das gewisse Verständnis. Babys - Kinder lernen durch uns, die Welt zu verstehen. Sie muss da weitergehen. ^^

    Ach so war das gemeint. Die fürsorgliche Ader der Überwesen, die uns als ihre Kinder sehen.

    Das ist Subtext. Er weiß nicht mehr, wann ein Mensch uneigennützig handelt.

    Der Subtext ging direkt über meinen Kopf drüber. :blush: Da kannst du dich aber schon mal dran gewöhnen, passiert mir öfters.


    Übrigens, cool dass du schon weiterschreibst. Werde es mir nachher mal gönnen, aber zuerst will ich nen Post bei den Vorstellungen machen. Bisher bin ich einfach nur hier und gebe meinen Senf zu den Werken anderer, dabei kennt mich hier noch niemand.


    So, Kapitel 1 gelesen und verarbeitet, wie versprochen hier meine Gedanken dazu:

    Die Figurenzeichnung von Aldric ist wirklich stark. Du portraitierst einen König in der Krise, der mit Selbstzweifeln kämpft und die Konsequenzen seines Handelns spürt.

    Die Beziehung zwischen Aldric und Thoren ist das Herzstück des Kapitels. Diese komplexe Dynamik zwischen König und Vasall, die väterlichen Gefühle Aldrics, Thorens kühle Professionalität, das wirkt äusserst vielschichtig und hat mich überzeugt. Besonders gelungen finde ich die Passage, wo Aldric über Thoren nachdenkt und sich fragt, ob er ihm mit der frühen Beförderung einen Fluch statt eines Segens aufgebürdet hat, das wirkt authentisch.

    Die Atmosphäre ist ebenfalls gut: das Arbeitszimmer, der Geruch von altem Papier, Aldrics Erschöpfung. Man spürt geradezu die Schwere der Situation.

    Asha als mysteriöse Präsenz funktioniert auch gut, insgesamt ein starkes Bild.

    Verbesserungspotenzial: Manchmal wirkt die Sprache etwas uneinheitlich. "Sie starrte ihn immerzu unverwandt an" – das "immerzu" zusammen mit "unverwandt" fühlt sich leicht redundant an. Auch "beinahe ein Sohn" und dann gleich darauf die Erklärung, dass er das mal angesprochen hat. Vielleicht könnte man da straffen.

    Der kranke Sohn wird nur am Rande erwähnt. Für so einen wichtigen Plot-Punkt (Aldric denkt sogar daran, Thoren zum Erben zu machen!) hätte ich mir etwas mehr emotionale Gewichtung gewünscht. Das wirkt fast zu beiläufig für so eine drastische Überlegung. Immerhin denkt er daran seinen eigenen Sohn zugunsten eines Fremden zu benachteiligen.

    Die Exposition über die Caevarn-Familie und ihre Geschichte ist informativ, unterbricht aber etwas den Fluss. Vielleicht könnte man das organischer einbauen? Ich sehe schon, dass es den Hinweis braucht, aber ich denke du hättest es besser lösen können.

    Insgesamt aber ein solides Kapitel, das die Geschichte gut weiterspinnt. Die politischen und persönlichen Spannungen sind spürbar, und ich bin neugierig, wie sich die Ratssitzung entwickelt und was sie mit Asha anfangen werden. Die Charakterarbeit scheint wirklich stark zu sein, und die Welt fühlt sich geerdet an. Ich würde sagen 7,5/10 Punkten, mit Potenzial nach oben, wenn die Geschichte an Fahrt aufnimmt.

    Auch wenn das jetzt ein wenig stark kritisierend wirkt, ich möchte dir eigentlich nur zeigen, wie du es noch besser machen könntest, also bitte die Kritik nicht persönlich nehmen.

    Ausserdem möchte ich dir mitteilen, dass Aldric einer der Namen ist, die eine KI gerne als mögliche Namen ausspuckt. Ich weiss nicht inwiefern du KI beim Brainstorming-Prozess benutzt hast, aber ich, als versierter KI User (nur Brainstorming, niemals Prosa), kann dir sagen, dass Aldric einer der am meisten vorgeschlagenen Namen (Referenz KI Modell Claude von Anthropic) ist. Den würde ich auf jeden Fall ändern. ;)

    Einmal editiert, zuletzt von Jennagon (21. Oktober 2025 um 08:00) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Sikadian mit diesem Beitrag zusammengefügt.

    • Offizieller Beitrag

    Die Figurenzeichnung von Aldric ist wirklich stark. Du portraitierst einen König in der Krise, der mit Selbstzweifeln kämpft und die Konsequenzen seines Handelns spürt.

    Vielen Dank ^^

    Ausserdem möchte ich dir mitteilen, dass Aldric einer der Namen ist, die eine KI gerne als mögliche Namen ausspuckt. Ich weiss nicht inwiefern du KI beim Brainstorming-Prozess benutzt hast, aber ich, als versierter KI User (nur Brainstorming, niemals Prosa), kann dir sagen, dass Aldric einer der am meisten vorgeschlagenen Namen (Referenz KI Modell Claude von Anthropic) ist. Den würde ich auf jeden Fall ändern. ;)

    Tatsächlich benutze ich KI manchmal, wenn mir keine Namen einfallen wollen :rofl: Dann mache ich es mir ein wenig einfach - das oder Google. Da hat man dann oft auch direkt die Bedeutung. Aber danke, dass du mich drauf hingewiesen hast, dass die KI gerne die gleichen Namen ausspuckt. :thumbsup: Ich hab gezielt nach keltisch/walisische Namen gesucht für Draermor. Dass Aldric häufiger vorkommen könnte, macht mir aber nichts aus ;) Ich fand den Namen irgendwie passend für einen Mann mittleren Alters. Aller: Weißt du noch, als vor ein paar Jahren jeder zweite Junge Steffi heißen musste, und alle Mädchen Boris? (Disney Herkules) In den Jugendromanen heißt auch jeder Kerl gefühlt Aiden, Caleb oder Lucien. :pardon:

    Der kranke Sohn wird nur am Rande erwähnt. Für so einen wichtigen Plot-Punkt (Aldric denkt sogar daran, Thoren zum Erben zu machen!) hätte ich mir etwas mehr emotionale Gewichtung gewünscht. Das wirkt fast zu beiläufig für so eine drastische Überlegung. Immerhin denkt er daran seinen eigenen Sohn zugunsten eines Fremden zu benachteiligen.

    Das werde ich ausbauen, danke. Da muss ich auch unbedingt verdeutlichen, dass Aldric meint, wenn sein Sohn sterben sollte. Anscheinend hat man das nicht rausgelesen :thumbup:

    Die Exposition über die Caevarn-Familie und ihre Geschichte ist informativ, unterbricht aber etwas den Fluss. Vielleicht könnte man das organischer einbauen? Ich sehe schon, dass es den Hinweis braucht, aber ich denke du hättest es besser lösen können.

    Genau wie hier. :hmm: Ich denke, ich werde bestimmt im weiteren Verlauf bessere Stellen dafür finden. ^^

    Auch wenn das jetzt ein wenig stark kritisierend wirkt, ich möchte dir eigentlich nur zeigen, wie du es noch besser machen könntest, also bitte die Kritik nicht persönlich nehmen.

    Ach, iwo ... kunstruktive Kritik nehme ich immer gerne an. ^^ Die beiden Sätze, die du angemerkt hast mit dem immerzu und beinahe werd ich ändern, danke :D

    • Offizieller Beitrag

    Liora

    (Part 1)

    Liora ging den Gang Richtung Waschküche entlang. Dabei schwang ihr langer brünetter Zopf sanft hin und her, während sie den vollen Wäschekorb vor sich trug. Kleider, ein Bettlaken und Handtücher befanden sich darin. Sie musste nur noch diese Kleinigkeit erledigen, dann durfte sie sich in ihr Zimmer zurückziehen. Ihre Füße begrüßten diesen Umstand sehr, da sie den ganzen Tag unterwegs gewesen war. Die Sonne war bereits untergegangen, und die Kerzen tauchten das Schloss in ein warmes Licht. Der Geruch von Bienenwachs schwängerte die Luft.
    Der König hatte sie damit betraut, die Neugeborene zu betreuen. So nannte Frau Magda Asha gelegentlich. Das war eine wichtige Aufgabe. Liora wusste, dass das teils ihrem Bruder zu verdanken war, aber allein durch seinen Ruf hätte der König es auch nicht gestattet. Sie summte und hatte die Waschküche fast erreicht, als sie plötzlich an ihrer Hüfte gepackt wurde. Zwei kräftige Hände zogen sie von hinten in die Vorratskammer, wodurch ihr der Wäschekorb aus den Händen glitt.
    Nachdem Liora ihren Blick sortiert hatte, sah sie in ein bekanntes Gesicht. „Bran ...“, hauchte sie lachend und ergab sich dem Überfall.
    Er küsste sie, und sie erwiderte den Kuss.
    „Was machst du hier?“, wollte sie wissen. „Müsstest du nicht am Schlosstor sein?“
    Der junge Mann grinste schelmisch. „Einen kurzen Moment wird mich niemand vermissen. Ich sagte, ich müsste austreten. Ich habe dich seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Ich dachte, du würdest mich vermissen.“
    Liora lächelte. „Das tue ich auch, aber ...“
    „Ein Aber?“, unterbrach Bran sie und löste seine Hände von ihrer Hüfte.
    Liora seufzte. „Benimm dich nicht wie ein Kind. Ich habe viel zu tun und will meine Aufgabe anständig machen. Das kommt uns auch zugute.“
    Bran atmete tief durch. „Das verstehe ich. Wirklich. Trotzdem ...“, gestand Bran gespielt schmollend und nahm ihre rechte Hand, „wollte ich dich kurz sehen. Wie ist sie denn? Wie nennt dein Bruder sie? Die Frau?“ Bei den letzten Worten verstellte Bran seine Stimme so, dass sie nach der ihres Bruders klang.
    Liora rollte mit ihren Augen. „Ja, so nennt er sie. Aber sie heißt Asha. Fräulein Asha. Und sie ist ...“ Sie überlegte. „Sie ist wie ein Buch mit leeren Seiten, das allmählich beschrieben wird. Ich denke, das dürfte passen.“
    „Das ist eine nette Beschreibung.“ Bran lächelte, während eine strohblonde Strähne in sein Gesicht fiel. Gerade, als er sich zu ihr hinunterbeugen wollte, um sie erneut zu küssen, erklang eine Stimme im Flur.
    „Liora?“
    Beide rissen ihre Augen auf.
    „Woher ...?“, flüsterte Bran und ließ Lioras Hand los.
    Liora hingegen stieß Bran an seinem Wappenrock in die dunkle Ecke des Zimmers und wandte sich der Tür zu. „J... ja?“ Sie schaute um die Ecke und erspähte ihren Bruder im Gang, der zunächst fragend den Wäschekorb ansah, dann sie.
    Liora trat nach außen und schloss die Tür hinter sich. „Du hier? Ich dachte, der König hätte nach dir verlangt.“
    „Unser Gespräch ist bereits beendet.“
    „Und?“ Liora wollte den Wäschekorb aufheben, aber Thoren kam ihr zuvor.
    Er legte das Bettlaken zurück, nahm den Wäschekorb hoch und behielt ihn in der Hand. „Es gab nicht viel zu bereden. Der König will die morgige Sitzung wahrnehmen.“
    Liora nickte. „Ich verstehe. Dann geht es hoffentlich voran.“
    Thoren schaute sie fragend an, als plötzlich ein Geräusch aus dem Nebenzimmer kam, das mehr Aufmerksamkeit auf sich zog.
    „Lass uns weitergehen“, wandte Liora ein, aber ihr Bruder hielt inne.
    Ohne etwas zu sagen, überreichte er ihr den Wäschekorb und öffnete die Tür.
    Liora wusste, dass Thoren kein unbekanntes Geräusch übergehen würde, aber hätte es gehofft. Die Räumlichkeiten waren für Untergebene reserviert, die mit ihren hohen Herren zu Besuch waren, da aber momentan kein Besuch im Schloss war; sollte es unbewohnt sein.
    Liora kniff die Augen zusammen, nachdem ihr Bruder im Zimmer verschwunden war. Kurz darauf waren Stimmen zu hören, eine lauter als die andere.
    Als sie sich wieder traute, die Augen zu öffnen, hatte Thoren Bran an seinen Schulterplatten aus dem Raum gezogen.
    „Kehre umgehend wieder an deinen Posten zurück, Bran Igorson!“
    „Jawohl, Hauptmann!“ Bran warf Liora einen flüchtigen Blick zu, den sie erwiderte.
    Sie hoffte, eine Entschuldigung durch ihre Augen sollte genügen, dabei konnte sie nichts für seine Entdeckung. Aber sie hatte immer das Gefühl, sich für das forsche Handeln ihres Bruders entschuldigen zu müssen.
    Erst nachdem Bran aus ihrem Blickfeld verschwunden war, drehte sich Thoren wieder zu ihr um. „Der Sohn eines Schmieds? Machst du Witze?“, fuhr er sie an.
    Schon lange hatte sie sich auf die Standpauke ihres Bruders vorbereitet. An jedem Tag, seit sie sich ihre Zuneigung zueinander zugestanden hatten, rechnete sie damit. Ihr Bruder war das Familienoberhaupt. Derjenige, der die Regeln machte. Und sie hatte sich geschworen, nicht nachzugeben, sollte dieser Moment kommen.
    „Was ist daran falsch?“, wollte sie wissen und schaute Thoren fest in die Augen. Ja, Bran war nur ein Gardist, aber so hatte ihre Familie auch einst angefangen. Und bisher war nichts geschehen, das eine Verbindung unwiderruflich machen würde. Bran war ein Mann der Ehre, der wusste, dass Liora ihre Wahl nicht leichtfertig treffen durfte.

  • Hey

    Bin dir noch ne Rückmeldung schuldig, habe es direkt gelesen als du es gepostet hast, kam aber bisher noch nicht dazu, eine sinnvolle Antwort zu schreiben. Here we go:

    Die Beziehung zwischen Liora und Bran wird gut etabliert und Thoren kommt als echte Autoritätsfigur rüber. Die Figurenkonstellation ist klar. Die pflichtbewusste, aber verliebte Schwester; der ungestüme, aber ehrbare Gardist; der strenge Bruder als Familienoberhaupt. All das schilderst du mit genügend Nuancen, um nicht aufgesetzt zu wirken. Lioras Spagat zwischen Pflicht und persönlichem Glück, die gestohlenen Momente mit Bran, ihre Sorge um ihre Position, das wirkt lebendig.
    Die Dialogführung ist ebenfalls gut. Brans spielerisches Schmollen und seine Imitation von Thorens Stimme verleihen der Szene eine gewisse Leichtigkeit und zeigen die Vertrautheit zwischen den beiden.

    Aber insgesamt wirkt alles zu konsequenzlos. Das unterstreicht gerade das Ende, sie deutet an dass etwas kommt, aber dann endet das Kapitel mit einer rhetorischen Frage. Die aufgebaute Spannung entlädt sich irgendwie nicht. Entweder brauchst du eine richtige Auseinandersetzung oder eine andere Lösung, so bleibt es für mich unbefriedigend, wie in einer Schwebe. Die Szene verspricht mir mehr Konflikt, als sie liefert.

    Thorens Charakterisierung schwankt. Er wird als akribischer Hauptmann etabliert, der "kein unbekanntes Geräusch übergehen würde", sollte dann nicht ein wenig mehr kommen, als ein simpler, strenger Verweis? Keine Konsequenzen für Brans Pflichtversäumnis, keine ernsthafte Standpauke für Liora. Auch die Exposition über Asha fühlt sich eingeschoben an. "Sie ist wie ein Buch mit leeren Seiten" Die Metapher finde ich zwar schön, aber sie kommt aus dem Nichts und wirkt wie eine Information für den Leser, nicht wie etwas, das Liora in dieser Situation natürlich sagen würde.

    Sprachliche Kleinigkeiten:

    "Der Geruch von Bienenwachs schwängerte die Luft", das "schwängern" wirkt zu gewollt poetisch. Wieso nicht einfach "erfüllte"?

    "Liora rollte mit ihren Augen" Possessivpronomen würde ich weglassen.

    "Schon lange hatte sie sich auf die Stammpauke ihres Bruders vorbereitet." Standpauke!

    Weitere Gedanken: Wenn die Romanze später wichtig wird, müsstest du mehr Grundlagen legen: Was steht auf dem Spiel? Warum ist Thoren dagegen, reines Standesdenken oder konkrete Pläne für Liora? Wenn es ein Charaktermoment ist: Vielleicht mehr innere Reflexion von Liora?

    Wirkt teilweise auch so, als ob es unter seinen Möglichkeiten bleibt. Ich denke das kannst du noch besser schreiben, aber die Grundlagen sind schon mal gut.

    • Offizieller Beitrag

    So, es geht weiter:

    Bin dir noch ne Rückmeldung schuldig, habe es direkt gelesen als du es gepostet hast, kam aber bisher noch nicht dazu, eine sinnvolle Antwort zu schreiben. Here we go:

    Alles gut, ich bin geduldig. ^^

    Aber insgesamt wirkt alles zu konsequenzlos. Das unterstreicht gerade das Ende, sie deutet an dass etwas kommt, aber dann endet das Kapitel mit einer rhetorischen Frage. Die aufgebaute Spannung entlädt sich irgendwie nicht. Entweder brauchst du eine richtige Auseinandersetzung oder eine andere Lösung, so bleibt es für mich unbefriedigend, wie in einer Schwebe. Die Szene verspricht mir mehr Konflikt, als sie liefert.

    Thorens Charakterisierung schwankt. Er wird als akribischer Hauptmann etabliert, der "kein unbekanntes Geräusch übergehen würde", sollte dann nicht ein wenig mehr kommen, als ein simpler, strenger Verweis? Keine Konsequenzen für Brans Pflichtversäumnis, keine ernsthafte Standpauke für Liora. Auch die Exposition über Asha fühlt sich eingeschoben an. "Sie ist wie ein Buch mit leeren Seiten" Die Metapher finde ich zwar schön, aber sie kommt aus dem Nichts und wirkt wie eine Information für den Leser, nicht wie etwas, das Liora in dieser Situation natürlich sagen würde.

    Das liegt daran, dass der Part nicht vorbei war. :rofl: Ich bin es nicht gewohnt, Kapitel für Kapitel zu posten. Das beim König war ein Zufall, aber wenn Parts zu lang werden, teilen wir sie. ^^ Ich werde aber versuchen, das kenntlich zu machen. Du kannst das natürlich nicht wissen.

    Weitere Gedanken: Wenn die Romanze später wichtig wird, müsstest du mehr Grundlagen legen: Was steht auf dem Spiel? Warum ist Thoren dagegen, reines Standesdenken oder konkrete Pläne für Liora? Wenn es ein Charaktermoment ist: Vielleicht mehr innere Reflexion von Liora?

    Das kommt noch. Ich showe eher, als dass ich telle :D

    . Auch die Exposition über Asha fühlt sich eingeschoben an. "Sie ist wie ein Buch mit leeren Seiten" Die Metapher finde ich zwar schön, aber sie kommt aus dem Nichts und wirkt wie eine Information für den Leser, nicht wie etwas, das Liora in dieser Situation natürlich sagen würde.

    Sind auch nicht ihre Worte, aber gut erkannt :D


    (Part 2)

    „Weiß Mutter davon?“, wollte Thoren wissen.
    „Nein“, antwortete Liora, „aber ich bin mir sicher, dass sie es erlauben würde. Vermutlich wäre sie glücklich darüber, dass eines ihrer Kinder in die Zukunft schaut.“
    „Das denkst du?“, spie Thoren heraus.
    Liora plusterte beleidigt ihre Wangen auf und lief weiter. Jedoch kam sie nur ein paar Schritte weit, bis die Hand ihres Bruders ihren Unterarm packte.
    „Denkst du das wirklich? Und was ist mit mir? Mir obliegt solch eine Entscheidung“, fuhr er ruhiger fort.
    Liora blieb stehen und überlegte. Sollte sie ehrlich sein? Es war ihr älterer Bruder, mit dem sie sprach. Acht Jahre trennten sie. Als ihr Vater starb, wurde sie noch von Ammen gestillt, während er kurz danach auf einem Schlachtfeld stand. Aber nein, sie musste Grenzen setzen! Sie war kein Säugling mehr. „Ich entscheide mich wenigstens für jemanden“, entgegnete sie, während sie weiterlief.
    „Was?“
    Liora blieb genervt noch einmal stehen. „Weißt du, ich werde immer mit allem konfrontiert. Hier am Hof. Den Gerüchten und dem Geflüster ... Dir traut sich keiner die Wahrheit ins Gesicht zu sagen, aber alle wissen von deinen Liebschaften. Du nimmst dir Frauen ohne Verpflichtungen. Du sagst jeder, dass du vor Gefühlen nicht niederknien wirst, aber ... du bist ein einsamer Mann. Ich will nicht so einsam enden! Komm nicht zu mir, wenn es so weit ist, dass du kniest. Vor allem nicht, wenn du einen Keil zwischen Bran und mich jagst. Ich bin deine Schwester, nicht einer deiner Gardisten!“ Liora wählte diese Worte gut bedacht, zumindest teilweise, obwohl es nicht so wirkte. „Ich erfülle meine Rolle, damit der König als letzte Instanz meinem Flehen nachgeben wird. Egal, ob Bran und mich Stand oder Namen trennen. Er ist lieb und aufmerksam. All das, was du nicht bist!“ Sie lief weiter und ließ ihren Bruder zurück. Es tat ihr weh, so direkt zu sein, aber er verstand es nicht. Sie hatte das Gefühl, selbst in ihr sah er nur eine lästige Pflicht. Sie hörte, wie er ihren Namen rief. Immer wieder.
    „Was?“, schrie Liora und drehte sich um.
    „Du hast meine Erlaubnis, wenn er dir würdig ist“, rief ihr Thoren zu. „Ich will nicht der Keil sein, aber ... du bist jung. Und wenn du weißt, wie ich bin ...“
    „Er ist anders!“ Liora unterbrach ihn. Ihr Bruder hatte vergessen, dass das Leben auch gute Seiten hatte. Selbst jetzt. Das Volk versank nicht nur in Traurigkeit, sondern feierte jeden Erfolg. Selbst wenn es nur die Geburt einer Tochter war – wie beim Bäcker, der diese Kleinigkeit in der Scheune feiern wollte. Dazu war sie eingeladen, aber auch sie stellte ihre Pflicht vor dieses Vergnügen. Nicht, weil sie müde war, sondern, weil sie am Morgen für Fräulein Asha da sein wollte. Nicht benebelt oder müde – gänzlich. Dieses neugeborene Wesen hatte es verdient, dass sie sich ihr widmete. Und Liora ahnte, dass sie eine Seite war, die der Hof ihr sonst nicht zeigen würde. Voller Hoffnung, voller Leben. Jung und ungebrochen.
    „Wenn du das sagst, will ich dir glauben“, schlichtete Thoren.
    Liora sah ihren Bruder an. Sie glichen sich optisch durch Haar – und Augenfarbe, aber im Wesen waren sie komplett unterschiedlich. Während sie daran festhalten wollte, dass es gute Dinge im Leben gab, schien er jedwedes Licht aus seinem Inneren entfernt zu haben. Sie wusste, dass das daraus resultiert war, dass er sehr früh das Oberhaupt gewesen war, aber ... es schmerzte sie, dass er nie lächelte, lachte, tanzte ... sich freute. Ob für sich oder andere. Sie hingegen lebte, sie feierte und liebte. Sie waren sehr unterschiedlich. Sie seufzte. Vielleicht war das ihr Schicksal. Immer die Person zu sein, die ihren Bruder entschuldigte und das Gute vor Augen hielt. Sie lächelte. „Falls Bran etwas Dummes macht, darfst du ihn töten. Wäre das ein Kompromiss?“
    Thoren lachte tatsächlich. „Ist das ein Versprechen?“
    Liora verzog ihre Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln. „Eher eine vage Zusage. Aber wenn es dir wichtig ist, dann hast du meine Erlaubnis. Und bestrafe ihn für seinen jetzigen Fehler nicht zu hart. Wir ... haben uns seit Tagen nicht gesehen.“
    Thoren brummte. „Das ist viel verlangt. Das weißt du.“
    Liora versuchte, zu lächeln. „Wenn du ihn verschonst, werde ich Ewona weiterhin von dir fernhalten!“
    Ihr Bruder stutzte.
    Oh ja, ich weiß alles, dachte Liora und fühlte ihren Triumph.
    Thoren massierte seine Nasenwurzel und nickte schlussendlich. „In Ordnung“, räumte er ein. „Sein Fehlen hat niemand gemeldet, daher ... kann ich ihn vermutlich verschonen. Dieses Mal!“
    Liora nickte und brachte danach die Wäsche zu den Waschfrauen. Danach begab sie sich in ihre Räumlichkeiten. Sie legte sich auf ihr Bett. Ihre Worte waren nicht gelogen. In keiner Weise. Gerade Ewona war eine Frau, die nicht von ihrem Bruder abließ und sie immer belästigte, dabei konnte sie auch nichts daran ändern, dass Thoren nicht auf der Suche nach einer Ehefrau war. Und selbst wenn, würde sie Ewona als Schwägerin meiden. Sie war verschlagen und schämte sich nicht, Gerüchte und Halbwahrheiten weiterzutragen. Frau Magda nannte Ewona immer eine zweiköpfige Schlange. Der eine Kopf konnte nett und zuvorkommend sein, der andere gehässig und gemein. Von der ehemaligen Hohepriesterin stammte auch die Metapher, dass Fräulein Asha ein unbeschriebenes Buch sei. Worte, die Liora nur zu gerne übernommen hatte. Die alte Frau, die ihren Dienst ganz Draemor verschrieben hatte, war ein leuchtendes Vorbild für sie. Vielleicht nicht gänzlich. Denn immerhin hatte Frau Magda davon abgesehen, jemals zu heiraten und Kinder zu bekommen. Aber sie war eine weise Frau, mit offenem Mundwerk und Herzen. Liora musste sich eingestehen, dass sie diese Entscheidung nicht verstand. Obwohl Frau Magda schon beinahe sechzig war, konnte man ihre Schönheit nicht verleugnen. Wie schön sie wohl mit zwanzig gewesen war? Aber vielleicht war es genau das gewesen. Vielleicht hatte sie so viel Auswahl gehabt, dass sie lieber niemanden als den falschen Mann gewählt hätte.
    Liora schloss ihre Augen. Sie würde ihren Dienst tun. Denn es musste einen Grund haben, dass der König sie und keine andere gewählt hatte.


    nächster Part

  • Das liegt daran, dass der Part nicht vorbei war. :rofl: Ich bin es nicht gewohnt, Kapitel für Kapitel zu posten. Das beim König war ein Zufall, aber wenn Parts zu lang werden, teilen wir sie. ^^ Ich werde aber versuchen, das kenntlich zu machen. Du kannst das natürlich nicht wissen.

    OK, jetzt weiss ich es. War halt auffällig, deshalb habe ich es erwähnt.

    Der zweite Teil macht das ganze dann doch besser und merzt einige der Kritikpunkte aus.

    Es ist gut, wenn du das besser kennzeichnest ab jetzt, denn ich möchte bei dieser Geschichte auch keine unvollständigen Kapitel bewerten, bringt dir schliesslich auch weniger, als wenn etwas Vollständiges vorhanden ist.

    Sie wusste, dass das daraus resultiert war, dass er sehr früh das Oberhaupt gewesen war, aber ... es schmerzte sie, dass er nie lächelte, lachte, tanzte ... sich freute. Ob für sich oder andere. Sie hingegen lebte, sie feierte und liebte. Warum konnte er das nicht? Warum waren sie so unterschiedlich?

    Jetzt stört mich eigentlich nur noch diese Stelle. Der erste Satz ist ihre Erkenntnis, sie weiss es. Dann eine Beschreibung ihrer Gefühle und Herausstellung der verschiedenen Charakterzüge. Bis dahin alles gut. Die letzten zwei Fragen beissen sich aber mMn mit ihrer Erkenntnis aus dem ersten Satz. Sie kennt doch die Antwort bereits. Der Mann trägt eine Bürde, die sein Wesen massgeblich beeinträchtigt hat.

    • Offizieller Beitrag

    Jetzt stört mich eigentlich nur noch diese Stelle. Der erste Satz ist ihre Erkenntnis, sie weiss es. Dann eine Beschreibung ihrer Gefühle und Herausstellung der verschiedenen Charakterzüge. Bis dahin alles gut. Die letzten zwei Fragen beissen sich aber mMn mit ihrer Erkenntnis aus dem ersten Satz. Sie kennt doch die Antwort bereits. Der Mann trägt eine Bürde, die sein Wesen massgeblich beeinträchtigt hat.

    Das hab ich rausgenommen. Die beiden letzten Fragen waren noch von der Überarbeitung übrig ... :dead:

    Aldric

    (Part 1)

    Der Morgen zerrte bereits an seinen Nerven. Der Hohepriester der Kirche verlangte ebenfalls nach einer Audienz. Aldric wusste, dass man diese Menschen nicht wissenslos stehenlassen durfte, aber er selbst konnte noch nicht sagen, was Asha war. Die Magier waren sich auch nicht einig ... Was sollte er dann der Kirche erzählen? Jene Glaubensbrüder – und Schwestern entstammten einer Zeit vor der Magie. Sie hielten sich für das Sprachrohr der Götter, die ihre Lehren weitertrugen. Waren sie vor Jahrhunderten noch ähnlich gefächert gewesen wie der Zirkel, verkamen sie allmählich nur zu einem Stellvertreter, der in jedem Reich als Lehrer oder Orakel fungierte. Das Letzte, was Aldric gebrauchen konnte, war eine weitere Stimme, die ihm erzählte, wie er mit der jungen Frau umgehen sollte. Er wusste es doch selbst nicht.
    Von einem seiner Diener war ihm zugetragen worden, dass der Hohepriester bereits Reden auf dem Marktplatz hielt. Über einen Beweis für die göttliche Schöpfungskraft, über eine Prüfung der Götter. Wollte Georg damit Angst schüren oder das Volk Hoffnung geben? Aldric wusste es nicht. Er hatte seinen Boten losgeschickt, um Georg ausrichten zu lassen, dass er am frühen Abend das Arbeitszimmer des Königs aufsuchen sollte. Er musste verhindern, dass dieser Prediger noch Panik verbreitete.
    Ein Kammerdiener richtete indes seinen Kragen und Umhang. „Kann ich noch etwas für Euch tun?“, wollte er wissen.
    Aldric verneinte.
    Der Kammerdiener nickte und verschwand aus seinem Ankleidezimmer.
    Aldric sah in den Spiegel und ein alter Mann schaute zurück. Zwar hatte er wenig von seiner einstigen Statur eingebüßt, aber seine blauen Augen waren von dunklen Schatten umrahmt. Sein Gesicht wirkte eingefallen. Er bereute, dass sein Sohn zu jung und krank war, den Thron zu besteigen. Zu spät waren ihm und seiner verstorbenen Königin Kinder vergönnt gewesen. Darunter drei Fehlgeburten und ein Sohn. Nachdem er am Abend bei Eryn gewesen war, wurde ihm erneut bewusst, wie zerbrechlich ein Leben war. Wieder plagte seinen Sohn Fieber, seine Muskeln waren zu schwach, um laufen zu können ... Es schmerzte Aldric, sein Kind so zu sehen. Das einzige Kind. Manchmal wusste er nicht, ob der Tod nicht gnädiger für ihn wäre. Dann wäre es vorbei gewesen, anstatt diese Qualen zu durchlaufen. Dennoch betete Aldric für die Genesung seines Sohnes. An jedem Morgen und an jedem Abend. Wann immer er die Gedanken frei dafür hatte.
    Er verließ sein Zimmer und schaute nach links. Im Gang wartete bereits Thoren.
    „Seid Ihr soweit?“, wollte sein Hauptmann wissen und stieß sich von der Wand ab.
    Aldric nickte.
    Zusammen liefen sie durch das Schloss. Im Ostflügel führte eine ausladende Wendeltreppe in die Katakomben des Schlosses. Dort hatte der Zirkel seinen Sitz. Aldric verlangsamte seinen Schritt mit jeder Näherung an diese Räumlichkeiten.
    Dann war er da und atmete tief durch, bevor er die große Flügeltür von den Wachen öffnen ließ. Alle Magier erhoben und verneigten sich, während er seinen Platz am oberen Ende des Tisches einnahm. Durch ein Handzeichen bedeutete er dem Zirkel, sich ebenfalls wieder setzen zu dürfen.
    Thoren bleib neben den Flügeltüren stehen und lehnte sich an die Wand.
    Lysandra saß dem König am nächsten. Ihr weißblondes Haar war wie immer perfekt in Szene gesetzt. Auch an diesem Tag trug sie wieder eine aufwenig aussehende Hochsteckfrisur, die sie wie eine junge Frau aussehen ließ, anstatt wie eine gestandene Frau. Die Vertreterin der Aura legte viel Wert darauf auch so auszusehen. Jung, frisch ... lebendig.
    Serad mit seinem sandelholzfarbenen Hautton wirkte hingegen blasser als sonst. Niemand war sich einig. Wie Aldric vermutet hatte.
    „Wir müssen sie untersuchen!“, wandte Serad Eflim umgehend ein. Der Vertreter für das Element Feuer.
    „Und dann?“, wollte Serena von Tyfendal wissen. Die Abgesandte für das Element Wasser. „Mit allem, was wir tun, könnten wir die Götter verärgern.“
    „Wir müssen das Wesen beoachten“, wandte Valon ein. „Wir wissen nichts!“
    „Und deswegen ist sie böse?“, entgegnete Lysandra.
    „Vielleicht nicht das eine oder das andere,“ meinte Valon. Er fischte sich eine brünette Strähne aus seinem Gesicht, steckte sie hinter sein Ohr und lehnte sich zurück.
    „Dennoch müssen wir sie beurteilen. Menschen haben Merkmale, wenn sie diese nicht besitzt, dann ist sie kein Mensch“, wandte Serad ein. Seine bernsteinfarbenen Augen musterten den König. Vermutlich wollte er die Reaktion von Aldric abwarten.
    „Dann sollten wir aber alle dabei sein!“, sprach Lysandra. „Nicht, dass die Ergebnisse verfälscht sind.“
    „Vor allem sollte es bewacht werden. Streng bewacht!“, verlangte Valon. „Und das von niemanden, der befangen ist.“
    „Du meinst, durch Glauben oder Politik?“, mischte sich Serena ein. Ihre hellblaue Robe, die sie beiläufig straffte, machte sofort klar, wem sie angehörte.
    Alfons hatte alles beobachtet und nickte. „Es sollte sie jemand bewachen, der ihre Gesinnung positiv beeinflussen kann.“
    Aldric lauschte den Einwänden und nickte. „Zumindest sind wir uns einig, dass wir nichts wissen und uns uneinig sind.“
    Jeder des Zirkels schaute den König an und schwieg für einen Moment.
    „Ihr habt sie einfach isoliert, Hoheit“, beschwerte sich Serad, aber zumindest blieb sein Tonfall respektvoll. „Wäre es nicht Sache der Magier, ein magisches Wesen zu untersuchen und zu beurteilen?“
    Aldric überlegte und nickte leicht. „Das kann schon sein. Ihr allesamt seid die Experten für Magie. Trotzdem ... an eurer Diskussion erkenne ich, dass es richtig war, sie zunächst ... atmen zu lassen. Sie wirkte auf mich, Frau Magda und Fräulein Liora wie ein neugeborenes Kind. Das lassen Eltern auch nicht direkt von fremden Menschen überfallen oder gar ... untersuchen. Es bleibt in Obhut der Mutter und ein paar wenigen. Es hätte sie verschrecken können. Bei allem, was wir wissen wollen, sollten wir eine gewisse Zurückhaltung üben.“
    „Ich stimme dem König zu“, sagte Lysandra. „Alles, was wir tun, sollte mit ihrer Erlaubnis geschehen. In Ruhe und ... Wohlwollen.“
    Es wurde aus Blut geboren. Das ändert nichts daran, dass es potenziell gefährlich sein könnte“, fügte Valon hinzu. „Deswegen pflichte ich Serad bei, dass wir das Wesen streng bewachen sollten. Das sollte auch in dessen Interesse sein. Immerhin könnte auch irgendjemand versuchen, es zu verletzen.“
    Der König dachte nach. Ja, Asha brauchte Schutz. Wenn er an Georg dachte, war es keine gute Idee, sie nur in der Obhut der beiden Frauen zu lassen. Was, wenn ein verwirrter Anhänger der Kirche ein Attentat plante? Oder gar einer der Magier? Die Wache musste unbefangen sein. Jenseits von Politik oder Magie. Aldrics Blick schweifte umher, bis er den gelangweilten Thoren an der Wand lehnen sah. „Mein Hauptmann wird das übernehmen“, sprach er.
    Thoren riss seine Augen in diesem Moment auf, aber Aldric überging dies. Die Magier wollten Asha verstehen. Sie untersuchen, testen. Aber er hatte kein gutes Gefühl dabei. Jeder war nur auf seine Schlussfolgerung bedacht. Gefahr oder Segen? Also musste er sichergehen, dass jemand da war, der alles objektiv beurteilen konnte.
    „Mein Vetter?“, mischte sich Valon ein. „Dann können wir sie auch gleich der Kirche vorwerfen.“
    „Der Hauptmann genießt einen guten Ruf, Valon“, entgegnete Serena.
    „Was Frauen angeht? Eher weniger“, antwortete Valon lachend und musterte die Reaktion seines Vetters.
    „Frau? Eben hat ihr sie noch ständig als ‚Es‘ betitelt, genauso wie Serad“, schimpfte Lysandra.
    Aldric seufzte und überging Lysandras Einwand, obwohl sie recht hatte. Da war sie wieder. Die Rivalität der beiden Männer.
    „Neidisch?“, wollte Thoren wissen, auch wenn er mit seiner neuen Aufgabe sicherlich nicht gänzlich einverstanden war.
    „Du solltest vielmehr auf mich neidisch sein. Ich habe eine liebende Ehefrau und werde bald Vater. Das alles kannst du nicht vorweisen“, erwiderte Valon gelassen, wodurch Thoren seinen Unterkiefer anspannte.
    „Genug, ihr beiden!“, unterbrach Lysandra das Gezeter. „Wenn der König denkt, dass er geeignet ist, will ich mich nicht einmischen. Und Thoren von Caevarn hat seine Loyalität mehr als einmal bewiesen.“
    „Wenn die Götter uns ein Gefäß schicken, sollten wir es mit Freundlichkeit und nicht mit Konkurrenz füllen“, pflichtete Serena Lysandra bei.
    „Wir sollten das Wesen heute Nachmittag aufsuchen.“ Serad kam zum Ursprung der Diskussion zurück. „Dann sehen wir weiter. Wer es bewacht, ist mir egal, solange der Hauptmann fähig ist, sein Schwert gegen jedwede Gefahr zu erheben. Egal, ob es eine Frau ist.“
    Thoren verengte seine Augen. „Ich habe geschworen, das Reich zu beschützen, also ja, das Geschlecht ist mir dabei egal.“
    „Und was geschieht, wenn sie wahrlich nicht von dieser Welt ist?“, wollte Alfons wissen, zupfte nachdenklich an seinem dunklen Bart und behielt die Ruhe. „Was dann? Wirklich? Sollen wir ihr einen Tempel bauen? Sie anbeten? Was?“


    Kleiner Funfact aus Autorensicht!

    Immer, wenn ich Valon und Thoren vor Augen habe, sind das optisch recht ähnliche Gesellen, aber wie zwei Kinder, die sich gegeseitig die Zunge rausstrecken.

    Zu Georg: Ich muss da an Heinrich Kramer denken. Sorry ... :rofl:

  • So... Ich hab es dann auch Mal wieder geschafft hier was zu lesen und habe sogleich mit deiner neuen Geschichte angefangen. Diese gefällt mir schon sehr gut. Sie ist schön flüssig geschrieben und man kommt gut mit den bisher bekannten Figuren bzw. Göttern zurecht, meiner Meinung nach.

    Auszusetzen habe ich nichts. Mir ist nur im ersten part (aldric) aufgefallen..... „Dann bis morgen.“, fügte er bei und verschwand durch die Tür..... Das hier kein Punkt hinkommt. Aber so wie ich dich kenne war das nur ein Flüchtigkeitsfehler der dem schnellen tippen geschuldet ist.


    Ansonsten finde ich den Namen der einen Göttin noch gut ... Nyrra ..... Erinnert mich an eine von meinen Figuren..... Aber diese hatte eine vollkommen andere Bedeutung als bei dir und steht auch sicherlich für etwas vollkommen anderes, aber den Namen zu lesen hat mir dann doch ein Schmunzeln entlockt.

    Götter. Immer schön die in Geschichten einzubauen. Sie sorgen immer für Zündstoff weil sie sich nie einig sind und jeder was anderes will. Sehr gut :thumbsup::thumbsup::thumbsup:

    Ich werde dann Mal gespannt weiter lesen

    xoxo

    Kisa


    Phantasie ist die schönste Blüte der Wirklichkeit


    -Thomas Romanus-

  • So weil es so schön war bekommst du gleich noch ein Kommentar von mir....

    Geschwister.... Herz allerliebst vor allem wenn sie sich streiten. Du weißt ich liebe solche Szenen außerdem ist diese auch sehr authentisch und könnte heute immer noch so geschehen. Also Daumen hoch :thumbup:

    Ne Kleinigkeit habe ich aber denn;

    Liora trat nach außen und schloss die Tür hinter sich. „

    Trat nach draußen.... Klingt besser. Ich gehe Mal davon aus dass du das auch so gemeint hattest, wenn nicht korrigiere mich bitte. Ich würde dennoch nach draußen Schreiben weil es für mich etwas "runder" im Satz Zusammenhang klingt.


    Später lesen ich dann weiter. Bin gespannt wie es weiter geht


    xoxo

    Kisa


    Phantasie ist die schönste Blüte der Wirklichkeit


    -Thomas Romanus-

  • Jennagon

    Hi Jenna,

    ich hab mal deinen Prolog gelesen. Anhand deiner Anfangszeilen hier ein paar Gedanken von mir.

    Spoiler anzeigen

    Handlung:

    Ich bin ein Freund von "in die Handlung geworfen werden". Von daher mochte ich den Beginn sofort. Dass es sich um Götter und Menschen handelt, war gleich klar. Das Beobachten eines Rituals hat mich stark an die Götterszene von Kampf der Titanen (ja, ich weiß, der Film ist alt ^^ ) erinnert. Auch da diskutieren die Götter (hier aber die griechischen) über das Schicksal der Menschen.
    Aber das stört mich nicht. Ich finde das einen sehr spannenden Ausgangspunkt für eine sicher nicht minder spannende Story.

    Charaktere:

    Wie Sikadian schon sagte: ziemlich klischeehaft, das meine ich auch. Aber das ist wohl dem Wesen der Götter geschuldet. Ich kann mir den Fürst der Flammen nicht als sanfte Brise vorstellen und den Gott der Erde nicht als sanft plätscherndes Etwas. Von daher passt auch das für mich. :thumbup: Die Verschiedenartigkeit der Götter hast du für meinen Geschmack gut rübergebracht, ohne mich als Leser mit der Nase drauf zu stoßen. Die Beschreibung der Stimme des Erdgottes, das Aufflackern der Fackeln beim Sprechen des Feuergottes ... das fand ich gut. Allzu viel hast du noch nicht über die Eigenschaften preisgegeben, aber das brauche ich am Anfang auch (noch) nicht. Mir reicht zu wissen, dass auch die Götter ihre Eigenheiten haben und die Menschen und deren Unzulänglichkeiten mit jeweils anderen Augen betrachten. Dass damit auch unter ihnen nicht immer Einigkeit herrscht, wie man mit den Sterblichen umgehen soll, ergibt sich wohl zwangsläufig daraus.

    Nachvollziehbarkeit (innere Logik):

    Die Idee der Götter fand ich grundsätzlich gut, aber mit der Umsetzung hatte ich meine Schwierigkeiten. Die Art und Weise, wie du "das Wesen" entstehen lässt, fand ich irgendwie schon ein bisschen ... abstoßend. Das hat mich gestört. Ich hätte da andere Ideen gehabt. Aber es ist nun einmal da. Menschenähnlich wohl, denn es hat Beine, die es noch nicht tragen, und Hände, mit denen es sich an Grasbüschel klammert. Und es hat eine Stimme. Hm, was präsentierst du uns hier? Das Ende ist offen. Die Götter überlassen die Szene den Menschen und ziehen sich zurück.

    So, das mal zum Prolog: Fazit: Ich würde mich nach dem Lesen in der Thalia mit dem Buch in die Leseecke zurückziehen und mir einen Kaffee holen, damit ich ein bisschen tiefer reinschmökern kann. Etwas, das ich nicht bei jedem Buch mache. :D


    "Er wird wiederkommen. Die Berge sind wie ein Virus. Man infiziert sich mit der Liebe zu ihnen
    und es gibt kein Gegenmittel. Sie führen in eine Sucht, man kommt nicht mehr von ihnen los.
    Je länger man sich woanders aufhält, desto größer wird das Verlangen, sie wiederzusehen."

    Chad, der Holzfäller
    aus "Der Wolf vom Elk Mountain"

    ___________________

    • Offizieller Beitrag

    Erstmal danke für die Kommentare :D

    Geschwister.... Herz allerliebst vor allem wenn sie sich streiten. Du weißt ich liebe solche Szenen außerdem ist diese auch sehr authentisch und könnte heute immer noch so geschehen. Also Daumen hoch :thumbup:

    Ja, das ist dann auch eine etwas gegensätzliche Dynamik bei den beiden. Man braucht ja auch mal en lockeren Charakter dazwischen.

    Ansonsten finde ich den Namen der einen Göttin noch gut ... Nyrra ..... Erinnert mich an eine von meinen Figuren..... Aber diese hatte eine vollkommen andere Bedeutung als bei dir und steht auch sicherlich für etwas vollkommen anderes, aber den Namen zu lesen hat mir dann doch ein Schmunzeln entlockt.

    Puh, du keine Ahnung - ich habe nach Namen gesucht, die das Element ausdrücken xD Das habe ich ja immer gemacht. Wenn sind Ähnlichkeiten nur Zufall ;)

    Wie Sikadian schon sagte: ziemlich klischeehaft, das meine ich auch. Aber das ist wohl dem Wesen der Götter geschuldet. Ich kann mir den Fürst der Flammen nicht als sanfte Brise vorstellen und den Gott der Erde nicht als sanft plätscherndes Etwas. Von daher passt auch das für mich. :thumbup:

    Ich hab sogar ne Weile überlegt, es anders zu machen, aber ... warum immer alles anders machen, nur damit man gewissen Klischees aus dem Weg geht? Das finde ich immer erzwungener, als einfach etwas zu verwenden, was jeder nachvollziehen - und sich dann auch besser merken kann. ^^

    Die Idee der Götter fand ich grundsätzlich gut, aber mit der Umsetzung hatte ich meine Schwierigkeiten. Die Art und Weise, wie du "das Wesen" entstehen lässt, fand ich irgendwie schon ein bisschen ... abstoßend. Das hat mich gestört. Ich hätte da andere Ideen gehabt.

    Welche Ideen wären das denn gewesen, frag für nen Freund? :rofl: Nein, also du darfst mir gerne dein Gedankengut mitteilen, finde sowas immer spannend. Und ja, es ist nicht die "erhabene" Art, wie Asha da auftaucht, teasert aber auch ein bisschen den Ton der Geschichte an. Also, da wird nicht nur alles eitler Sonnenschien sein. Und dass es so passiert, hat später hinaus auch eine doppelte Bedeutung - also wird iwann verwendet. Es steht jetzt nicht da, weil Gewalt=geil!

    So, das mal zum Prolog: Fazit: Ich würde mich nach dem Lesen in der Thalia mit dem Buch in die Leseecke zurückziehen und mir einen Kaffee holen, damit ich ein bisschen tiefer reinschmökern kann. Etwas, das ich nicht bei jedem Buch mache. :D

    Na, das freut mich doch :D Danke für deine Eindrücke!

    Aldric (Part 2/2)


    Aldric hatte sich bisher mit diesem Gedanken noch nicht auseinandergesetzt. Zumindest nicht damit, was es für Konsequenzen hätte, wenn Asha eine fleischgewordene Gottheit wäre. Alfons hatte recht. Was sollten sie dann tun?
    Müde rieb sich Aldric über die Stirn. „Was dann?“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu seinem Rat.
    „Vielleicht sollten wir erst einmal abwarten, wie sich alles entwickelt?“, beschwichtigte Lysandra alle und lächelte zaghaft. „Vermutungen bringen uns alle nicht weiter.“
    Aldric stimmte zu. Es war zu früh, etwas zu sagen. Zu früh, um Vermutungen anzustellen. Vielleicht war Asha nichts von alledem.
    Aldric einigte sich mit seinem Rat darauf, Asha zu besuchen. Zuvor wollte er aber Georg von Thornvarn empfangen. Er wollte wissen, was dieser Mann mit all seinen Reden bezwecken wollte. Das war aber nichts für den Rat. Glaube und Magie vertrugen sich nicht. Er war als König das Bindeglied beider Seiten. Der Zirkel hielt die Kirche für eine Ansammlung Idioten, die ohne die Institution im besten Fall obdachlose Bettler wären. Die Kirche hielt die Magier für Ketzer. Für Männer und Frauen, die die Götter und ihre Gaben ausnutzten, um ihnen ebenbürtig zu werden. Aldrics Großvater hatte damals beschlossen, dass in Draemor beide existieren und den König beraten durften. Diese Aufteilung konnte er nicht aufheben, ohne sich eine Seite zum Feind zu machen. Andere Königreiche wie Gryndal hatten bereits vor über hundert Jahren eine Seite gewählt – die der Magier. In Pistevar war es anders. In diesem, von der Kirche beherrschten Reich, gab es keinen König. Es gab einen Hohepriester, der ähnlich fungierte, aber er wurde gewählt, nicht geboren. Aldric war gespannt, was Georg zu sagen hatte.
    Thoren begleitete ihn bis vor das Arbeitszimmer. „Seid Ihr Euch sicher, was den Schutz der Frau angeht?“
    „Wen außer Euch habe ich denn?“
    Thoren nickte und es schien, als wollte er noch etwas sagen, tat es aber nicht. Zögerlich verließ er den Raum.
    Aldric atmete durch, setzte sich und schenkte sich etwas Wein in einen Becher.
    Es dauerte nicht lange, da kündigte ein Diener die Ankunft Georgs an.
    Aldric setzte sich aufrecht hin und ließ ihn eintreten.
    Georg betrat das Arbeitszimmer des Königs und verneigte sich leicht. „ Euer Hoheit ...“
    Die dunkelgraue grobe Tunika hing schwer am Körper des alten Mannes, der fast zu jeder Jahreszeit in Sandalen herumlief.
    Alric fand den Kontrast amüsant. Denn obwohl die Kleidung des Hochpriesters schlicht und wenig erhaben wirkte, schmückten seinen Oberkörper üppige Goldketten, die alle fünf Elemente widerspiegelten.
    „Setzt Euch“, sprach Aldric und verwies auf den Stuhl vor sich.
    Georg kam dieser Bitte umgehend nach.
    Aldric goss Wein in einen zweiten Becher und schob ihn dem Hochpriester hin. „Wie ich hörte, verbreitet Ihr das Wort der Götter auf den Straßen“, setzte Aldric ohne Umschweif an. „Aber nicht die sonstigen Predigen, sondern wegen der Frau.“
    Georg nickte, trank den halben Becher aus und stellte diesen wieder auf den Tisch. Ein paar Tropfen Wein waren beim hastigen Trinken auf dem langen Bart gelandet, weshalb Georg zunächst über diesen mit seiner Hand darüberfuhr, bevor er antwortete. „Ja, Euer Hoheit. Das Volk verlangt nach Antworten. Die Vorkommnisse jener Nacht haben sich schnell herumgesprochen.“
    „Und Ihr denkt, dass Ihr diese Antworten habt?“
    Georg lachte. „Nein, Herr. Aber ich denke, ihm irgendwelche Antworten zu geben, ist besser, als es sich selbst zu überlassen. Euer Zirkel spricht nicht zum gemeinen Volk, die Kirche aber schon. Dazu ist sie da. Während Eure Magier, mit Verlaub, im Gewölbe Eures Schlosses sitzen und diskutieren, fragt sich das Volk, was diese Frau ist.“
    „Das fragt sich der Zirkel auch, Hochpriester. Es ist nicht so, als würde der Zirkel gar nichts tun.“
    „Das mag sein, aber ihm geht es doch wahrscheinlich mehr um den ... magischen Aspekt der Sache. Wenn der Zirkel etwas nicht versteht, muss es untersucht und erforscht werden. Sie fürchten nichts mehr, als dass etwas mächtiger sein könnte als sie.“
    Aldric schluckte. So unrecht hatte Georg dahingehend nicht, das musste er ihm lassen. „Und die Kirche?“, wollte er deshalb wissen.
    Georg leerte seinen Becher. „Wir hinterfragen die Bedeutung eines solchen Ereignisses. Was wollen die Götter? Die Götter haben ein zartes Wesen geschickt. Eine Frau. Das muss eine Bedeutung haben. Seht Euch an, Euer Hoheit. Was ist, wenn die Götter Euch eine mächtige Gemahlin an die Seite gestellt haben? Ihr seid unverheiratet ...“
    „Ich war verheiratet!“, widersprach Aldric, dem nicht gefiel, in welche Richtung sich dieses Gespräch entwickelte.
    „Ja, das wart Ihr, aber Euer Sohn ist krank, weitere Erben gibt es nicht. Vielleicht wollen die Götter Draemor zu neuem Glanz verhelfen. Vielleicht durch eine ... Königin, die ...“
    „Das reicht!“, unterbrach Aldric den Hochpriester. „Habt Ihr diese Frau gesehen? Habt Ihr mit ihr geredet?“
    „Nein“, räumte Georg ein.
    „Dieses Wesen ist jung, vielleicht gerade als Frau zu bezeichnen, die vor Tagen gelernt hat, zu lesen, zu schreiben ... Sie weiß nicht, wie unsere Welt funktioniert, und Ihr schlagt vor, sie zu meiner Frau zu machen?“
    „Es muss nicht sofort sein. Aber Ihr solltet es in Erwägung ziehen, dass es das ist, was die Götter wollen. Sie könnte unsere Erlösung sein. Was, außer die Position einer Königin, würde ihr dann gerecht werden?“
    Aldric ballte seine Fäuste unter dem Tisch. Er war sich bewusst, dass Georg mit seinen Vermutungen richtig oder falsch liegen konnte – so wie der Zirkel. Dennoch gefiel ihm der Gedanke nicht, dass der Hochpriester recht haben könnte.
    „Manchmal ist die einfachste Antwort die richtige“, fügte Georg hinzu und spielte an seinen Goldketten herum.
    Aldric riss sich zusammen und entspannte seine Haltung. „Wir werden sehen ...“, antwortete er und trank seinen Becher ebenfalls leer. Wenn er dem Hochpriester widersprach, könnte er ihm Zunder für neue Reden liefern. Aldric musste die Wogen glätten und abwarten. Georg schrak sicherlich nicht davor zurück, ihn als fehlgeleitet hinzustellen. Blind für das Offensichtliche. Und wenn nicht öffentlich auf einem Podest, dann durch Geflüster in den Straßen. Das konnte der König nicht auch noch gebrauchen. „Wenn das vorerst alles wäre ...“ Aldric entließ ihn damit.
    „Natürlich“, stimmte Georg zu und erhob sich. „Aber denkt über meine Worte nach. Der Platz zu Eurer Linken ist schon viel zu lange leer.“
    Georg verließ das Zimmer, und Aldric schenkte sich nach.
    Er leerte seinen Becher mit einem Zug und ließ ihn ungewollt laut auf seinem Tisch nieder. Egal, was die Götter mit ihm und seinem Reich vorhatten, leichter wurde es bisher nicht. Ganz im Gegenteil. Durch das Auftauchen Ashas trug er mehr Bürden als zuvor. Und doch war in ihm dieser Funke. Die Hoffnung, dass Asha bei ihnen war, um Draemor zu helfen. An jenem hielt er fest. Schlimmer konnte es für sein Reich kaum kommen, daher konnte es nur besser werden. Das allein half ihm, sich in diesem Moment zu erheben und einem Diener Bescheid zu geben, den Rat zu holen. Es wurde Zeit, dass auch er sich diese Frau leibhaftig ansah.

    • Offizieller Beitrag

    So, dann hab ich es endlich mal geschafft, zu lesen. Zum Glück noch nicht so viel, denn der Anfang war für mich nicht so leicht. Liegt aber eher an meinem Kopf mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Eichhörnchens.
    Also falls ich hier Sachen nicht verstehe, die für dich und andere aber offensichtlich sind, dann ignorier das bitte einfach - oder stups mich mit der Nase rein. Ganz fest. Es sei dir erlaubt.

    Da mein Feedback alle bisherigen Kapitel betrifft und ich mir sehr viele Notizen gemacht habe, werde ich das der Menge wegen in einen Spoiler packen.

    Frage vorweg: Was hat es mit den Titeln "Chroniken von XX" auf sich? Ist das gerade eine Trend seine Geschichte so zu nennen? (Ja, ja, ich weiß, ist erstmal nur der Arbeitstitel, aber ist mir trotzdem aufgefallen, stolpere in letzter Zeit häuftiger über solche Titel)

    Okay, gehen wir rein.

    Spoiler anzeigen

    Der Prolog leitet mit seiner Handlung die Konsequent ein.

    Es beginnt damit, dass die Götter den Menschen aus Draemor dabei zusehen, wie sie einen Platz für ein Ritual aufbauen und dafür die edelsten Gegenstände anschleppen, um vermutlich damit dem jeweiligen Gott eine Freude zu machen.
    Der eine Gott belustigt sich, der andere findest es irgendwie süß.

    Ich frage mich nur, warum sie verärgert darüber sind, dass die Menschen in der schwere ihrer Zeit an die Götter beten? Und wieso wird es als maßlos empfunden, dass sie an alle Götter gleichzeitig beten?
    Weil sie es sonst nicht tun? Oder nur dann tun, wenn sie deren Hilfe brauchen, aber sonst nie? Ist das der Grund, wieso sie das als "egoistische Wünsche" bezeichnen?

    Zitat

    Ab wann ist ein Gebet für jemanden eigennützig?

    Ist ein Gebet nicht immer eigennützig? Ist da nicht eher die Frage, wann es mal NICHT eigennützig ist? :hmm:

    Es geht aber klar hervor, dass es den Göttern missfällt, wie die Menschen miteinander umgehen. Draemor ist offensichtlich in einer schlechten Verfassung. Krankheit, Dürre, Hungersnot. Aber warum ist das so? Und in wie weit haben sie daran selbst schuld? Wird das noch aufgeklärt?
    Wenn man den Göttern glauben darf, klingt es halt sehr danach, als habe Aldric all die Probleme verursacht. Wobei ich mich frage, wie ein Mensch für Krankheit und Dürre verantwortlich sein kann.

    Spielt da etwa das Ereignis der Vergangenheit eine Rolle, als sie ihnen schonmal die Chance gaben und ihnen Magie schenkten? Aber welche Funktion hat dabei "Magie" gespielt? Also was war der Gedanke, den Menschen Magie zu schenken? Um was genau damit zu tun?

    Bei den Göttern finde ich (Klischee hin oder her) schön, dass die Elemente da noch die Aura an ihre Seite bekommen. Habe so das Gefühl, dass sie dafür da ist, diese 4 Gewalten zu regulieren. Nicht nur erschaffen und beleben.
    Werden die Götter im Verlauf der Geschichte mehr Fläche bekommen, oder dienen sie nur dem Prolog, um die Geschichte zu starten?

    Interessant fand ich ihre Überlegungen, was sie mit den Menschen machen sollen. Ausrotten (und dann? Hätten sie sie neu erschaffen, oder was wäre der Gedanke von Cerath gewesen?)
    Dann aber der Einschub von Brannoc in Zustimmung der anderen, darauß einfach die Hungergames zu machen. :rofl:
    Von Elyndra, als Göttin der Aura dann aber der Kompromiss irgendwas anderes zu machen. Und hier komme ich jetzt nicht ganz so mit.
    Ich bin noch nicht wirklich schlau daraus geworden, was genau sie da kreieren. Also was deren Gedanke (Vorhaben, Sinn, Ziel, Vorstellung) dabei ist. Sie haben ein Wesen erschaffen und diesem ihre Eigenschaften gegeben. Aber was soll es damit tun? Was soll es damit bewirken?

    Da erwähnt wird, dass das Schicksal entscheiden soll und dann das Pferd die Wandlung durchmacht, aus dem dann Asha mit all den Gaben der Götter entsteht, frage ich mich: Haben sie mit ihr da die Schicksalsgöttin geschaffen? Ist das Ashas Aufgabe? Die Welt und die Menschen zu sehen? Zu sehen, was sie gutes tun, was sie schlechtes tun? Was sie können, nicht können? Gut, Böse? All die Gegensätze eben betrachten und anhand der Notwendigkeit entscheiden (abwägen), wessen Schicksal es ist zu leben oder zu sterben?

    Ein Pferd dafür zu nehmen erscheint mir in Bezug dessen aber auch als passend gewählt, ehrlich gesagt. :D
    Loyal, aber abwägend. Willensstark, Impulsgetrieben, Melancholisch und voller Empathie.
    Ob Absicht oder nicht, aber es passt gut zu dem, was du vermutlich vorhast.

    Die Stute in der Mitte wurde vollständig eingehüllt. Die Götter hörten sein verängstigtes Wiehern

    "Die Götter hörten IHR verängstigtes Wiehern."
    Da du ja DIE Stute explizit erwähnst und nicht DAS Pferd.

    zerplatzte das Pferd wie Glas, das auf einen steinernen Boden traf.

    Beim ersten Mal lesen dachte ich, zerplatzen wäre hier irgendwie die unschönere Bezeichnung und wollte dir "zerspringen" vorschlagen. Beim zweiten Mal lesen hab ich dann aber gecheckt, dass das Pferd wirklich zerplatzt. Aber dann würde ich es nicht mit Glas auf Steinboden vergleichen, sondern eher tendierend das mit einer Explosion (z.B. durch Hitze), oder einem Kessel unter Druck o.ä zu vergleichen :hmm:


    Zudem leerte sich die Schatzkammer zunehmend. Er hatte viel für die Opfergaben des Rituals ausgegeben, und Gryndal erhöhte immer weiter die Preise für Weizen, Gemüse und Saatgut.
    Müde rieb er sich über sein Gesicht und atmete schwer aus. Für all das Gold hatten sie nicht bekommen, worum sie gefleht hatten.

    Gab es denn noch mehr Opfergaben, als nur dieses Pferd? Oder ging all das Gold für das Pferd drauf?
    Was für Opfergaben gab es denn noch? Oder waren diese Megalithen, Holz, Federn und Quellwasser weitere Opfergaben? Wirkte für mich aber eher, als würden sie aus den Materialien der Götter diesen Ort bauen, um ihre Verehrung auszudrücken.
    Haben sie zu dem Pferd auch Gold oder Nahrung geopfert?

    Worauf ich hinaus will: Das Pferd alleine kann ja nicht der Grund für eine sich leerende Schatzkammer durch Opfergaben sein, oder?


    Zu Liora: Die Frau hat bei mir irgendwie direkt gepunktet. Weiß nicht, ich mochte sie auf Anhieb. Aber welche Rolle hat sie aktuell? Also, wir erfahren, dass sie die Schwester von Thoren ist, der wiederum der Hauptmann des Königs ist. Und wir erfahren, dass sie wegen ihm ... äh, was genau macht? Wurde sie ganz alleine für Asha eingestellt, oder was für einen Status hat sie? Wo kann ich Liora in der Hierachie einordnen?

    Mir gefällt die Darstellung ihrer Beziehung zu ihrem Bruder. Respektvoll. Er will ihr bestes, will sie beschützen, erlaubt ihr aber auch, eigene Erfahrungen zu machen. Das Verhältnis würde ich sogar als ausgeglichen bewerten.
    Ich habe das Kapitel mit den beiden gerne gelesen. Das war so schön ... leichtfüßig. Die Dynamik zwischen ihnen ist amüsant.

    Und Liora ahnte, dass sie eine Seite war, die der Hof ihr sonst nicht zeigen würde.

    Diesen Satz aber verstehe ich nicht.


    Um mal auf Asha sprechen zu kommen. Sie wird nicht wirklich beschrieben. Das willst du uns noch nicht offenbaren. Sie wird auf verschiedene Arten bezeichnet. Wesen und Frau. Wobei die Bezeichnung "Frau" auch irgendwie zurückhaltend verwendet wird.
    Aldric redet von tiefschwarzen Augen. Thoren berichtet, dass sie essen und sprechen gelernt hat - und das sehr schnell.

    Ich bin wirklich gespannt, wie du uns Asha vorstellen wirst.

    „Dennoch müssen wir sie beurteilen. Menschen haben Merkmale, wenn sie diese nicht besitzt, dann ist sie kein Mensch“

    Ist sie ja per se auch erstmal nicht. Sie ist ein Wesen. Eine Schöpfung der Götter. :hmm: Bin auch gespannt darauf, wie du diesen Charakter darstellen wirst. Also wirklich als Charakter, nicht als Figur. Wie Asha reden wird, wie sie denken und fühlen wird.

    „Du meinst, durch Glauben oder Politik?“, mischte sich Serena ein. Ihre hellblaue Robe, die sie beiläufig straffte, machte sofort klar, wem sie angehörte.

    Ich glaube, hier stolpere ich gerade über eine Lücke. Was sagt denn die hellblaue Robe aus? Hab ich da was überlesen? :S


    Was, wenn ein verwirrter Anhänger der Kirche ein Attentat plante?

    Hier war ich dann wieder verwirrt.
    Wieso sollte die Kirche ein Attentat auf das Wesen ausüben, das von den Göttern gesandt wurde? Oder hat die Kirche hier einen anderen Glauben als die anderen? Oder haben sie sogar den Glauben an die Götter aufgegeben wegen ihrer Handlungen, und lehren und orakeln jetzt gegen sie?

    Denn würden sie noch viel von ihren Göttern halten und sich als verbunden sehen, würden sie doch keine Schöpfung ihrer Götter anzweifeln, oder?

    Haben wir durch die Ereignisse der Vergangenheit 3 Parteien? Politik, Magie und Glauben? Wobei die Politik zwischen Magie und Glauben steht?

    „Mein Hauptmann wird das übernehmen“, sprach er.
    Thoren riss seine Augen in diesem Moment auf, aber Aldric überging dies.

    Nach der geschwisterlichen Unterhaltung zwischen Liora und Thoren habe ich an dieser Stelle irgendwie so das Gefühl, dass Aldric hier gerade das "eheliche Schicksal" von Thoren besiegelt xD

    „Und was geschieht, wenn sie wahrlich nicht von dieser Welt ist?“

    Na ja ... sie ist es doch auch nicht. Sie ist ja eine Schöpfung der Götter :hmm: Sie wurde weder normal noch menschlich geboren. Alfons ... na ja ... liegt vielleicht am Namen :ugly:

    Wer ist Alfons überhaupt? xD der wurde gar nicht wirklich vorgestellt, oder? Er ist aber wohl jemand vom Zirkel. Aber wer?

    Und wo wir gerade beim Zirkel sind:
    Der Zirkel besteht aus dem König und den 4 Magiern, oder wie? Oder nur aus den Magiern? Und sind die 4 Magier die einzigen Magier in dieser Welt? Sind sie das, wovon die Götter im Prolog sprachen. Dieses Geschenk, um den Menschen zu helfen?

    Zugleich sind sie aber irgendwie auch Wissenschaftler? Zumindest so meine Interpretation von dem, wie sie über Asha reden. Und überhaupt, dass Magier unnatürliche Dinge untersuchen wollen, weil sie nicht erklärbar sind, ist schon wild xD
    Wäre ja so, als würde ein Vampir einen Werwolf untersuchen wollen, weil ihm dessen Existenz zu unnatürlich ist :whistling:

    Oder sind die Magier dieser Welt einfach mal ganz anders unterwegs und sind keine Magier in der Form, wie man sie kennt?


    „Das reicht!“, unterbrach Aldric den Hochpriester. „Habt Ihr diese Frau gesehen? Habt Ihr mit ihr geredet?“
    „Nein“, räumte Georg ein.

    :rofl: Wie auch? Aldric, du isolierst sie ja auch vor jedem. Vor allem vor der Kirche. Wie hätte Georg sie da sehen und mit ihr reden können?

    Finde es von Georg aber auch gewagt, in den Raum zu werfen, dass die Götter ein Wesen erschaffen haben, damit der König weitere Erben zeugen kann.
    Da landen wir wieder bei der Frage weiter oben, in welchem Verhältnis die Kirche denn zu den Göttern steht.

    Glaube hin oder her, auch die Kirche sollte doch Interesse daran haben, was es mit Asha auf sich hat.
    Oder mach Georg jetzt erstmal nur gute Mine zum bösen Spiel?

    Abschließend:
    Ich war ehrlich gesagt stellenweise überfordert. Es werden schon zu Beginn extrem viele Charaktere in die Geschichte geworfen. Im Prolog die ganzen Götter.
    Dann Aldric und Thoren. Eine Magda findet auch Erwähnung. Liora und Bran.
    Dann der gesamte Zirkel, am Ende noch Georg.

    Vielleicht kann man den Charakteren ja etwas mehr Zeit geben. Dann werden deine Kapitel zwar länger, aber man hat sie mehr vor Augen. Aktuell sind die meisten für mich nur Namen. Bis auf zu Aldric, Asha, Loria und Thoren habe ich keine Bezug zu wem anderen. Ich könnte ohne nochmal "hochzuscrollen" nicht ad-hoc sagen, welcher Name zu wem gehört 😅

    Ich bin jedenfalls gespannt, was es mit dem Ereignis aus der Vergangenheit auf sich hat, was Draemor getan hat, dass sie unter Hunger, Krankheiten und Dürre leiden und wieso das andere Reich sie so "auszieht". Klar, wirtschaftlich gedacht bestimmen Angebot und Nachfrage. Aber auch die Götter kommentieren das ja mit "anstatt sich gegenseitig zu helfen."
    Und vor allem bin ich neugierig auf Asha 8o

    Der Grundbaustein dieser Geschichte hat mich aber durchaus bekommen. Ich hoffe, ich finde künftig wieder mehr Zeit zum Lesen und bleibe dran :S


    Ansonsten, hier noch paar Korrekturgedingse

    Wollte Georg damit Angst schüren oder das Volk Hoffnung geben?

    dem Volk

    Thoren bleib neben den Flügeltüren stehen

    blieb

    „ Euer Hoheit ...“

    Ja, Euer Hoheit.

    Seht Euch an, Euer Hoheit

    Eure Hoheit

    setzte Aldric ohne Umschweif an

    Umschweife

    Sie glichen sich optisch durch Haar – und Augenfarbe

    durch Haar- und Augenfarbe.

    So, das wars von mir. Hat ja nur 7 Stunden gedauert, weils Hirn voll den Wackelkontakt hatte und so :ugly:


    Ruka

  • Liebe Jennagon

    Endlich ein echter Prolog und nicht nur ein erstes Kapitel mit dem Label "Prolog" drüber:alien:

    Ich schreib mal ein paar Punkte auf, die mir aufgefallen sind. Zunächst also der Prolog.

    „Sie sind mit den Vorbereitungen beinahe fertig, Cerath“, flüsterte Aeryn.

    Ich habe ein paar Sekunden gebraucht bis ich verstanden habe, dass sich hier Götter unterhalten. Das ist an sich nicht schlimm, falls du es von Anfang an deutlicher machen möchtest, könntest du diese "alltägliche" wörtliche Rede noch abwandeln.

    „Die Menschen und ihre Hybris ...“, zischte er. „Sie werden immer maßloser und sind nicht bereit, die Konsequenzen ihres eigenen Handelns zu tragen.“

    Es ist für die Handlung wichtig, dass die Götter unzufrieden mit den Menschen sind. Den Grund dafür könnte man noch etwas klarer machen. Hier wird deutlich, dass den Göttern das Bauwerk zu ihren Ehren zu groß ist, oder? Mögen Götter nicht normalerweise übergroße Bauwerke zu ihren Ehren? Diese offensichtlich nicht. :hmm: Grade der zweite Teil des Satzes bleibt unklar. Es muss ja wirklich etwas schlimmes sein, was den Göttern nicht gefällt, denn was kommt soll ja die letzte Chance für die Menschen sein. Das könnte man noch etwas dramatischer gestalten.

  • Schön das es hier weiter geht :party:

    Ich habe mich auch sogleich wieder in die Geschichte gestürzt und finde die Vorstellung von Kirche gegen Zirkel.... Religion gegen Magie.... ein äußerst interessanten Punkt. Wenn ich ehrlich bin, könnte ich jetzt so aus dem Stehgreif keine Geschichte benennen, die diese beiden Punkte als gegensätze behandelt. Meistens hat man das eine oder das andere... Demnach finde ich diese entwicklung auf alle Fälle spannend :search:

    Auch die Schwierigkeiten, die der könig nunmehr hat, einer Seite bzw. seinem Volk und Königreich gerecht zu werden hast du aus meiner Sicht gut beschrieben. Auch ein König darf Zweifeln udn sich seiner Taten und Entscheidungen nicht sicher sein :king2:Ich bin daher sehr gespannt, was er selbst für einen Eindruck von Asha bekommt und warte mal neugierig darauf, wie du weiter schreibst :stick:

    Allerdings habe ich noch ne Kleinigkeit gefunden, die ich anmerken möchte:

    Puh, du keine Ahnung - ich habe nach Namen gesucht, die das Element ausdrücken xD Das habe ich ja immer gemacht. Wenn sind Ähnlichkeiten nur Zufall ;)

    Kein Ding. Da musst du dich auch nicht dran erinnern, dass ich die Geschichte mit Nyra als Hauptfigur geschrieben habe (Der Geheimbund - Tochter der Götter) ist ja auch schon ne Ewigkeit her. Aber auch ich habe damals echt lange nach dem passigen Namen gesucht.... Ich kann dich da also voll und ganz verstehen :friends:

    Aldric hatte sich bisher mit diesem Gedanken noch nicht auseinandergesetzt. Zumindest nicht damit, was es für Konsequenzen hätte, wenn Asha eine fleischgewordene Gottheit wäre. Alfons hatte recht. Was sollten sie dann tun?

    Ich finde es recht interessant, dass diese Gedanken, schon so schnell in der Geschichte auftauchen, was ja ziemlich nah an die Wahrheit herankommt. Ich weiß tatsächlich nicht, wie ich diese Gedanken eingebaut hätte, ob schon so früh am Anfang oder doch erst später, aber ich bin gespannt, was du davon machst. Mir ist auch klar, dass Anhand des Rituals so ein Gedanken aufkommen muss, aber das man Asha in diesem Gedankengang gleich mit einer Gottheit gleichsetzt..... hmm..... ich glaube, dass wäre mir nicht zwingermaßen als erstes in den Sinn gekommen, aber ich bin gespannt, wie du weiter machst, was diesen Punkt betrifft. :newspaper:

    Aldric goss Wein in einen zweiten Becher und schob ihn dem Hochpriester hin.

    Meinstes du hier wirklich "Hochpriester" oder "Hohepriester"? Da du das im Rest des Abschnittes immer verwendet hast, gehe ich zwar von ersten aus, aber irgendwie klingt das für meine Ohren nicht richtig, bzw. rund.... Vielleicht liegt das an mir, aber irgendwie würde ich persönlich Hohepriester besser finden, aber das mag auch eine subjektive Ansichtsache sein:hmm:


    Phantasie ist die schönste Blüte der Wirklichkeit


    -Thomas Romanus-

  • Hey Jennagon,

    habe die ganze Zeit auf den zweiten Teil des Kapitels gewartet, schön dass es nun endlich so weit ist:

    Ich finde, du hast hier eine wirklich interessante politische Konstellation aufgebaut. Die Dreiecksbeziehung zwischen Aldric, dem Zirkel und der Kirche funktioniert gut, und dass Aldric zwischen diesen beiden verfeindeten Machtblöcken vermitteln muss, ergibt absolut Sinn. Auch wie du Aldrics persönliche Belastung (kranker Sohn, verstorbene Frau, Altersmüdigkeit) mit den politischen Herausforderungen verwebst, macht ihn zu einer glaubwürdigen Figur unter Druck.

    Allerdings sind mir ein paar Dinge aufgefallen, die noch nicht ganz rund wirken. Die Timeline des Kapitels ist mir nicht ganz klar geworden. Du schreibst, der Morgen zerre bereits an Aldrics Nerven, und er lässt Georg ausrichten, am frühen Abend zu kommen. Dann findet die Ratssitzung statt, und danach kommt Georg. Aber wann genau ist nicht klar. Findet die Ratssitzung morgens statt und Georg kommt abends, oder ist das alles am selben Vormittag? Das sollte klarer werden.

    Auch bei Asha selbst gibt es einen kleinen Widerspruch. Aldric sagt zu Georg, sie habe "vor Tagen" lesen und schreiben gelernt, aber gleichzeitig beschreibt er sie als neugeborenes Kind. Irgendwie beisst sich das, den Neugeborenen, der so fix lesen und schreiben kann, will ich mal sehen. :)

    Was mich bei Georg stutzen lässt: Er hält bereits sehr spezifische Reden über Asha (zartes Wesen, Frau, mögliche göttliche Gemahlin für den König), hat sie aber nie gesehen oder mit ihr gesprochen. Woher nimmt er diese konkreten Interpretationen? Nur aus Gerüchten erscheint mir das etwas dünn, gerade wenn seine Argumentation so detailliert ist. Vielleicht könntest du zeigen, dass er Informanten hat oder dass bestimmte Details bereits durchgesickert sind?

    Bei der Ratssitzung selbst finde ich die verschiedenen Positionen der Magier gut differenziert. Serad will untersuchen, Lysandra plädiert für Behutssamkeit, Valon für strenge Bewachung. Alles ergibt aus ihren jeweiligen Rollen Sinn.

    Kleiner Zusatz zu Alfons: Er stellt die wichtigste Frage des ganzen Kapitels ("Was wenn sie göttlich ist?"), aber ansonsten bleibt er komplett blass. Wer ist er, welche Position hat er, warum hört man sonst nichts von ihm? Er wirkt wie eine Stimme der Vernunft, aber ohne klare Kontur.

    Die Rivalität zwischen Thoren und Valon finde ich prinzipiell interessant, aber sie wirkt noch etwas unmotiviert. Valon stichelt wegen Thorens Frauengeschichten, Thoren kontert mit Bemerkungen über Neid. Aber warum sich die beiden genau rivalisieren bleibt im Dunkeln. Nur weil sie verwandt sind? Da fehlt mir noch ein bisschen die Geschichte dahinter, damit es nicht wie generisches Geplänkel wirkt.

    Thorens Reaktion auf seine Ernennung zum Beschützer finde ich auch nicht ganz konsistent. Er "reisst die Augen auf", scheint also überrascht zu sein, aber dann steigt er direkt in den gewohnten Schlagabtausch mit Valon ein, als wäre nichts gewesen. Entweder er ist wirklich überrascht und protestiert vielleicht kurz, oder er akzeptiert es sofort, der Übergang fühlte sich einfach merkwürdig an.

    Ein grösserer Punkt zur Weltstimmigkeit: Du erwähnst nebenbei, dass die Kirche aus "einer Zeit vor der Magie" stammt. Das ist eine ziemlich fundamentale Info. Gab es Magie nicht immer in dieser Welt? Wurde sie entdeckt oder erfunden? Das hätte doch massive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft und Geschichte. Das nur so en passant zu erwähnen, ohne es weiter zu erklären, wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Falls beabsichtigt ist es aber nicht schlecht. Ich wollte es nur erwähnen.

    Gleiches gilt für die anderen Königreiche. Gryndal hat sich für die Magier entschieden, Pistevar ist eine Theokratie. Aber wenn Asha tatsächlich ein göttliches oder magisches Wesen ist, würden diese Reiche nicht auch reagieren wollen? Momentan fühlt sich alles sehr lokal an, als würde nur Draemor sich damit beschäftigen. Vielleicht ist es noch zu früh, dass sich die Nachricht verbreitet hat, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber das ist etwas das mir auch aufgefallen ist.

    Dramaturgisch finde ich es interessant, dass wir Asha selbst in diesem Kapitel gar nicht erleben. Ich schätze das ist eine bewusste Entscheidung. Wir sollen nur sehen, wie alle über sie diskutieren und spekulieren. Das funktioniert grundsätzlich, du musst aber darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, dass alle über etwas reden, das vielleicht viel banaler ist als sie denken. Ein kleiner Einblick (vielleicht durch Magda oder Liora, oder eine ganz kurze Szene mit Asha) könnte die Spannung sogar erhöhen statt mindern, weil der Leser dann mehr weiss als die Diskutanten.

    Insgesamt: Die politische Komplexität und die verschiedenen Interessensgruppen funktionieren gut. Du musst nur noch ein wenig an der inneren Logik feilen. Timeline, Informationsfluss und Charakterreaktionen optimieren, damit alles maximal stimmig ineinander greifen kann.

    • Offizieller Beitrag
    Anworten

    Und wieso wird es als maßlos empfunden, dass sie an alle Götter gleichzeitig beten?
    Weil sie es sonst nicht tun? Oder nur dann tun, wenn sie deren Hilfe brauchen, aber sonst nie? Ist das der Grund, wieso sie das als "egoistische Wünsche" bezeichnen?

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    Ja, sie tun das nie, also, alle 5 anbeten ... warum, kommt noch.

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    Aber warum ist das so?

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    DAS ist die Frage - kommt noch!

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    klingt es halt sehr danach, als habe Aldric all die Probleme verursacht.

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    Nee, hat er nicht. #

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    Haben sie mit ihr da die Schicksalsgöttin geschaffen? Ist das Ashas Aufgabe? Die Welt und die Menschen zu sehen? Zu sehen, was sie gutes tun, was sie schlechtes tun? Was sie können, nicht können? Gut, Böse? All die Gegensätze eben betrachten und anhand der Notwendigkeit entscheiden (abwägen), wessen Schicksal es ist zu leben oder zu sterben?

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    DAS ist die Frage, aber warte ab.

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    Gab es denn noch mehr Opfergaben, als nur dieses Pferd? Oder ging all das Gold für das Pferd drauf?

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    Nein, es war alles kostspielig und das sollte auch eigentlich klar sein. Selbst das Beschaffen der Steine ... des Wassers. Wenn das nicht rüberkommt, muss ich da nacharbeiten. +-

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    Ich war ehrlich gesagt stellenweise überfordert. Es werden schon zu Beginn extrem viele Charaktere in die Geschichte geworfen. Im Prolog die ganzen Götter.

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    Die Chars werden im Laufe erklärt, ihre Erwähnung war aber notwendig.

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    Wie auch? Aldric, du isolierst sie ja auch vor jedem. Vor allem vor der Kirche. Wie hätte Georg sie da sehen und mit ihr reden können?

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    War mehr ne retorische Frage xD

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    Endlich ein echter Prolog und nicht nur ein erstes Kapitel mit dem Label "Prolog" drüber :alien:

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    Danke, das sollte er auch sein, wenn auch noch nicht final ...

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    Hier wird deutlich, dass den Göttern das Bauwerk zu ihren Ehren zu groß ist, oder? Mögen Götter nicht normalerweise übergroße Bauwerke zu ihren Ehren? Diese offensichtlich nicht. :hmm:

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    Nee, daran liegt es nicht. Eher an der Verzweiflung. Aber Draemor ist der Schuldige! Ansonsten hätten sie nicht Asha!

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    Religion gegen Magie.... ein äußerst interessanten Punkt.

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    Danke :D

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    Meinstes du hier wirklich "Hochpriester" oder "Hohepriester"? Da du das im Rest des Abschnittes immer verwendet hast, gehe ich zwar von ersten aus, aber irgendwie klingt das für meine Ohren nicht richtig, bzw. rund.... Vielleicht liegt das an mir, aber irgendwie würde ich persönlich Hohepriester besser finden, aber das mag auch eine subjektive Ansichtsache sein :hmm:

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    Wenn du genauer gelesen hättest, wäre dir aufgefallen, dass Hohepriester nur einmal gefallen ist, nämlich beim Rang des Herrschers von Pisterva ... Es ist ja klar, dass Georg net den Rang haben kann. Also - anstatt Hohepriester ist er ein HOCHpriester. Das ist eine Abstufung.

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    habe die ganze Zeit auf den zweiten Teil des Kapitels gewartet, schön dass es nun endlich so weit ist:

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    Sorry, Weihnachten, Neujahr ... Viel Überarbeitung.

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    Auch wie du Aldrics persönliche Belastung (kranker Sohn, verstorbene Frau, Altersmüdigkeit) mit den politischen Herausforderungen verwebst, macht ihn zu einer glaubwürdigen Figur unter Druck.

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    Danke :D

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    Die Timeline des Kapitels ist mir nicht ganz klar geworden. Du schreibst, der Morgen zerre bereits an Aldrics Nerven, und er lässt Georg ausrichten, am frühen Abend zu kommen. Dann findet die Ratssitzung statt, und danach kommt Georg. Aber wann genau ist nicht klar. Findet die Ratssitzung morgens statt und Georg kommt abends, oder ist das alles am selben Vormittag? Das sollte klarer werden.

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    Da hast du recht, da muss ich nachbessern, das ist den vielen Anpassungen geschuldet.

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    Auch bei Asha selbst gibt es einen kleinen Widerspruch. Aldric sagt zu Georg, sie habe "vor Tagen" lesen und schreiben gelernt, aber gleichzeitig beschreibt er sie als neugeborenes Kind. Irgendwie beisst sich das, den Neugeborenen, der so fix lesen und schreiben kann, will ich mal sehen. :)

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    Das beißt sich eigentlich nicht, denn Aldric war nie bei ihr. Er hört nur auf Hören-Sagen.

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    Bei der Ratssitzung selbst finde ich die verschiedenen Positionen der Magier gut differenziert. Serad will untersuchen, Lysandra plädiert für Behutssamkeit, Valon für strenge Bewachung. Alles ergibt aus ihren jeweiligen Rollen Sinn.

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    Danke, muss ich später auch ausbauen. Aber legt gerne Wert auf das System. Ich wil, dass es funktioniert.

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    Kleiner Zusatz zu Alfons: Er stellt die wichtigste Frage des ganzen Kapitels ("Was wenn sie göttlich ist?"), aber ansonsten bleibt er komplett blass. Wer ist er, welche Position hat er, warum hört man sonst nichts von ihm? Er wirkt wie eine Stimme der Vernunft, aber ohne klare Kontur.

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    Abwarten! Noch ist er "nur" ein Ratsmitglied.

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    Die Rivalität zwischen Thoren und Valon finde ich prinzipiell interessant, aber sie wirkt noch etwas unmotiviert. Valon stichelt wegen Thorens Frauengeschichten, Thoren kontert mit Bemerkungen über Neid. Aber warum sich die beiden genau rivalisieren bleibt im Dunkeln. Nur weil sie verwandt sind? Da fehlt mir noch ein bisschen die Geschichte dahinter, damit es nicht wie generisches Geplänkel wirkt.

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    Wir hatten Thoren noch nicht als POV. Da muss der Leser warten. Dass ist das Problem, wenn Leser nicht direkt weiterlesen können xD

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    Dramaturgisch finde ich es interessant, dass wir Asha selbst in diesem Kapitel gar nicht erleben. Ich schätze das ist eine bewusste Entscheidung.

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    Ja, ist es.

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    Ein grösserer Punkt zur Weltstimmigkeit: Du erwähnst nebenbei, dass die Kirche aus "einer Zeit vor der Magie" stammt. Das ist eine ziemlich fundamentale Info. Gab es Magie nicht immer in dieser Welt? Wurde sie entdeckt oder erfunden? Das hätte doch massive Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft und Geschichte. Das nur so en passant zu erwähnen, ohne es weiter zu erklären, wirft mehr Fragen auf als es beantwortet. Falls beabsichtigt ist es aber nicht schlecht. Ich wollte es nur erwähnen.

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    Das kommt noch alles, aber der Leser soll die Welt durch Asha erfahren. Daher vermeide ich Dopplungen.

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    Momentan fühlt sich alles sehr lokan an

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    Es ist auch lokal - noch!

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    Wir sollen nur sehen, wie alle über sie diskutieren und spekulieren.

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    Erstmal ja. Ohne das, würde ich nicht herausfinden, was ich noch einbauen muss.

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    Insgesamt: Die politische Komplexität und die verschiedenen Interessensgruppen funktionieren gut. Du musst nur noch ein wenig an der inneren Logik feilen. Timeline, Informationsfluss und Charakterreaktionen optimieren, damit alles maximal stimmig ineinander greifen kann.

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    Genau, deswegen ist jede Stimme wichtig, das abzuschätzen. Wie viel versteht Leser X ... wo muss ich später nacharbeiten. Das ist nur ein Gerüst gerade.

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    "eheliche Schicksal" von Thoren besiegelt xD

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    Funfact: Eher nöö!

    Asha



    Hektik breitete sich aus. Asha verstand nicht, was hier vor sich ging, aber an Fräulein Magdas Treiben erkannte sie, dass etwas Ungewöhnliches vor sich ging. Die Hofdame rannte umher, räumte auf und suchte nebenbei passende Kleider für sie heraus.
    „Kann ich dir helfen?“, fragte Asha. Sie stand vor einem Spiegel und kam sich nutzlos vor. Ein Gefühl, dass sie seit ein paar Tagen zuordnen konnte. Alle um sie herum taten etwas, etwas, das anderen nutzte - sie nicht. Sie las, lernte und saß damit die meiste Zeit herum. Bisher hatte ihr noch niemand eine Aufgabe zugeteilt. Oder einen Sinn für ihr Dasein. Asha konnte darauf nämlich keine Antwort geben, egal wie sehr Magda sie aushorchte. Sie wusste nicht, warum sie hier war. Warum in der Nacht ihres Auftauchens passiert war, was passiert war. Aber sie sah ein, dass es einen Grund gehabt haben musste.
    Die Tür zu ihrer Kammer öffnete sich und Liora kam herein. „Sie sind gleich da“, meinte sie und reihte sich in Fräulein Magdas Tun ein.
    „Nimm das und ... das“, sprach die Hofdame und drückte Liora drei Kleidungsstücke in die Hand. „Das sollte gut aussehen.“
    „Was ist los?“, wollte Asha wissen, der diese Art von Hektik fremd war.
    „Der König kommt zu dir ... samt seines magischen Rates“, antwortete Liora und tat, was Magda von ihr verlangte.
    Asha hatte den König bisher noch nicht gesehen, auch wenn sie ihm seine Gastfreundlichkeit zu verdanken hatte.
    „So wie Ihr Euch gebt, repräsentiert unsere Arbeit hier, also macht uns keine Schande“, mahnte Magda sie.
    „Ich gebe mein Bestes“, versprach Asha. Sie hatte bereits das Konzept von Herrschaft und Anhängern verstanden, aber sie hatte es noch nicht in der Praxis erlebt. Alles war Theorie. Sie las bis zu drei Bücher pro Tag. Etwas anderes hatte sie nicht zutun – neben Magdas Unterweisungen im Benehmen einer Frau.
    Liora kam zu ihr und wies Asha an, ihre Arme zu heben, damit sie ihr das Kleid überstreifen konnte. Alles wurde fest verzurrt.
    „Was soll ich mit ihrem Haar machen?“, fragte Liora an Magda gewandt.
    „Lass es so wie es ist. Dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr“, antwortete Magda.
    Liora nickte und nahm die Haarbürste zur Hand, um Ashas Haar nach dem Ankleiden zu richten.
    Als die beiden Damen zufrieden waren, stellten sie Asha mitten in den Raum. Liora stand links, und Magda rechts von ihr. Sie standen eine ganze Weile da. Asha wollte fragen, worauf sie genau warteten, aber bevor sie dazu kam, klopfte es an der Tür. Ein Diener trat ein und kündigte den König samt seines magischen Rates an.
    Liora und Magda vollzogen einen Knicks, den sie ihr auch beigebracht hatten, deswegen tat Asha es ihnen gleich.
    Auch wenn Ashas Augen nach unten gerichtet waren, konnte sie an den Schatten erkennen, dass etliche Personen den Raum betraten.
    „Schon gut. Erhebt euch“, sagte eine Stimme.
    Magda und Liora stellten sich wieder hin, weswegen Asha das Gleiche tat. Sie schaute umgehend in unzählige Gesichter. Überrascht von der Vielzahl der Besucher, schaute sie jeden einzeln an. Sie rührte sich nicht. Sie wusste gar nicht, was sie tun sollte.
    „Sie sieht wenig menschlich aus“, sagte ein Mann, der eine rote Robe trug. Ein goldenes Amulett einer Flamme schmückte seinen Hals.
    „Was hab ihr erwartet?“, wollte eine Frau in einem violetten Kleid wissen. „Einen Bauerntrampel?“
    Der Mann direkt vor ihr schaute sie eine ganze Weile an. „Keine Sorge“, setzte dieser an, „Ihr habt nichts zu befürchten. Wir sind nur hier, um zu sehen, wie es Euch geht.“
    „Eure Hoheit ...“, antwortete Magda, knickste noch einmal, wobei ihre Knie ein lautes Knacksen von sich gaben, „dem Fräulein geht es gut.“ Sie musterte Asha für die Dauer eines Wimpernschlags. „Sie kann Eure Fragen beantworten.“
    Asha knickste auch noch einmal. Sie wusste nicht warum, aber es kam ihr richtig vor. Der Mann vor ihr war anscheinend der König. Konnte sie zu wenig knicksen? Zu viel?
    „Könnt Ihr mir sagen, warum Ihr hier seid?“, wollte der König wissen.
    Asha schüttelte ihren Kopf. Das war eine Frage, die sie sich selbst stellte. „Nein, ich bin ... nur hier. Ich weiß nicht warum oder wofür.“
    „Das ist doch läch...“, mischte sich der Mann in der roten Robe ein, aber der König unterbrach ihn durch eine Handbewegung.
    „Da wir auch nicht wissen, warum Ihr da seid, wollen wir Euch untersuchen. Wir wollen es herausfinden. Mit Eurer Zustimmung natürlich.“
    Asha nickte. Was konnte sie auch anderes tun? Laut dem, was sie gelesen hatte, wäre alles andere unhöflich gewesen. Und das wollte sie nicht sein.
    Die Menschen im Raum unterhielten sich. Sie kam kaum dem Gerede nach, gab sich aber mit allem einverstanden. Ab einem gewissen Zeitpunkt wurde die Frau im lilafarbenen Gewand sehr deutlich. „Ihr glaubt doch nicht, dass Ihr sie untersuchen dürft. Das würde gerade noch fehlen.“ Sie hieß Lysandra, das hatte Asha bereits ausmachen können.
    „Ja, es sollte unverfälscht sein!“, antwortete der Mann, der sich Serad nannte.
    Asha versuchte, sich alle genannten Namen zu den Gesichtern zu merken, was ihr Angesichts des Durcheinanders schwerfiel. Büchern war leichter zu folgen als Menschen, die sich unterhielten.
    „Es sollte den Frauen unterliegen, sie körperlich zu untersuchen“, wandte der König ein. „Ihr Körper wird uns wohl kaum etwas verraten.“
    Und so wurde es gehandhabt. Die Männer mussten alle den Raum verlassen, nur die Frauen blieben zurück. Warum genau verstand Asha nicht. Was sollte ihr Körper überhaupt verraten? Aber wenn diese Untersuchung allen helfen würde, sie zu verstehen, sollte es so sein.
    Nur der Mann in Rüstung blieb zurück.
    „Dreht Euch um!“, befahl Lysandra in einem direkten Ton. Einen Ton, den Asha von Magda kannte.
    „Nein“, dementierte der Mann in Rüstung. „Ich wurde zum Schutz abgestellt. Den kann ich nicht gwährleisten, wenn ich Euch meinen Rücken zuwende.“
    „Ihr seid ei...“, widersprach Lysandra, aber Asha fühlte sich gezwungen, zu schlichten.
    „Nein, das ist in Ordnung. Der König sagte, er wäre Schutz. Ich verstehe seinen Einwand“, antwortete Asha. In dem Gewusel an Stimmen hatte sie dies der Unterhaltung entnehmen können. Der Mann in der Rüstung war da, damit niemand ihr etwas antun konnte. Sie wusste zwar nicht, wer genau das tun sollte, aber laut den Büchern waren Menschen bereits für weniger umgebracht worden, als aus dem Körper eines Tieres geboren zu werden. Daher gefiel ihr der Gedanke, dass jemand da war, der dies zu verhindern wusste. Trotz aller Fragen lebte sie gerne.
    „Wenn ein Mann das darf, dann mein Bruder“, fügte Liora hinzu. „Er hat sie hierher gebracht. Es gibt nichts, das er nicht kennt ... an ihrem Körper.“
    Asha horchte auf. Daher kannte sie sein Gesicht. Kannte war zu viel gesagt, aber sie erinnerte sich an das dunkle Haar, seinen stechenden Blick ... Ja, das war der Mann gewesen, der sie vom Erdboden aufgehoben hatte.
    Nur widerwillig gaben die beiden Frauen nach. Lysandra und Serena. Sie schienen über Magda und Liora zu stehen.
    „Mein Bruder wird dem Fräulein nur in die Augen sehen, nicht wahr?“
    Der Mann in Rüstung nickte. Bisher war sein Name nicht genannt worden. Nur sein Rang – der Hauptmann. Dennoch nahm die eine Frau, Lysandra, eines der Betttücher aus dem Schrank zur Hand und reichte den beiden Hofdamen jeweils das breite Ende. „Wenn er nicht wegsehen will, muss er nicht alles sehen, auch wenn er zuvor vieles gesehen hat.“
    Magda und Liora hielten das Tuch, während Lysandra und Serena um Asha herumliefen.
    „Es ist kein Muttermal zu sehen, kein Leberfleck“, meinte die Magierin des Wassers.
    „Das beunruhigt Euch? Nicht ihr perlmuttfarbenes Haar?“, antwortete Lysandra.
    „Ihre Augen haben keine Farbe. Sie spiegeln nur Euch und mich wider“, gab Serena zu bedenken.
    Lysandra musterte sie eine ganze Weile und kam dann zum Entschluss: „Ich denke nicht, dass sie fertig ist. Sie ist mehr wie ein Buch ohne Schrift. Deswegen das Äußere. Wir müssen warten.“