Weizensterns Bürde ist eine Mischung aus „Warrior-Cats“ und der Xenofiction-Zombie-Horror Comic „Feral“ von Tony Fleecs.
Die Warrior-Cats „Fachbegriffe“ sind am Anfang eventuell schwer zu verstehen, wenn man die Bücher selber nicht gelesen hat, aber ich finde es wichtig das die Geschichte aus der Sicht von Katzen erzählt wird, die Menschen-Dinge eben wenig bis gar nicht verstehen.
Das liegt schon eine Weile auf meinem Laptop aber ich poste es in kleineren Stücken, damit es sich einfacher besprechen lässt, wenn jemand Lust dazu hat.
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Weizensterns Bürde
Kapitel 1: Was übrig ist
Weizenstern fand sich nach der Schlacht an einem seltsamen Ort wieder. Das Silbervlies funkelte über einer weitläufigen Wiese voller duftender Kräuter. Er erkannte Sauerampfer, Liebstöckel und die seltene Goldrute. Das weiche Gras dazwischen federte die Schritte seiner großen Pfoten, als der golden gestreifte Kater eine Geruchsmarkierung überschritt.
Normalerweise hätte sich das Fell auf seinem Rücken unbehaglich aufgestellt. Sein eigenes Territorium zu verlassen und in ein anderes einzudringen, brach das Gesetz der Krieger. Aber diese Markierung war nicht wie die anderen. Er fühlte sich sicher und willkommen.
Der Geruch, der ihm entgegenkam, war jener von tausend Jahreszeiten altem, mondbeschienenem Felsen – der Geruch von Ewigkeit, der Duft des Sternenclans.
Die Sträucher vor ihm raschelten, und er spannte seine Muskeln an. Eine dreifarbige Kätzin mit großen, buschigen Ohren sprang ihn spielerisch an und rollte mit ihm zusammen mitten in einen Flecken Katzenminze. Für ein paar Augenblicke fühlte sich Weizenstern wieder wie ein sorgloses Junges. Er starrte hinauf zu seiner Schwester, die ihre Pfoten auf seinen Bauch stemmte und ihn auf den Boden drückte, wie sie es in der Kinderstube immer getan hatte.
Grillengeist war schon als Junges gestorben. Aber hier war sie zu der großen Kriegerin herangewachsen, die sie hätte sein sollen: breite Schultern wie seine und lange weiße Schnurrhaare. Ihr Fell war glänzend und dicht – keine Narben, keine kahlen Stellen, keine Zeichen von Hunger, Kälte, Krankheit oder Gewalt. Der Pelz einer Sternenclan-Katze.
Grillengeist ließ ihn los, jaulte vergnügt und wälzte sich beherzt in der Minze.
„Na los! Du auch! Du willst doch gut riechen, wenn du Leichtstern triffst.“
Weizenstern zuckte zusammen, als er sah, wie sie die kostbaren Heilkräuter plattdrückte. Doch dann zwang er sich, sein Fell glatt zu legen, und schloss sich ihr an. Hier wuchs mehr davon, als alle Heiler im Tal jemals sammeln konnten. Und selbst wenn nicht – der Grüne Husten würde diese Jagdgründe niemals erreichen.
Es war ein Ort des Friedens, ein Ort geschlossener Wunden und gehaltener Versprechen. Alles, was er je verloren hatte, war hier.
Grillengeist führte ihn unter den funkelnden Sternen zu einer Gruppe Katzen, die im Schatten eines großen Felsens hockten und sich dort die Zunge gaben – verehrte Ahnen des Feldclans, die zu ihren Lebenszeiten den Weg für neue Generationen geebnet hatten. Weizenstern seufzte schwer. Er erkannte zu viele von ihnen: Katzen so alt wie Stein, aber auch Junge wie Grillengeist, die niemals die Kinderstube verlassen hatten. Neun Leben bedeuteten auch neunmal so viel Verlust.
„Du musst mitkommen!“, schnurrte Grillengeist und rieb ihre Stirn unter seinem Kinn entlang. „Leichtstern hat dir etwas Wichtiges zu sagen.“
Weizenstern konzentrierte sich wieder auf den Pfad vor ihnen. Eine Kätzin mit hellbraunem Fell und honigfarbenen Augen löste sich von der Gruppe und kam zu ihm. Leichtsterns letztes Leben war im Winter zu Ende gegangen. Sie war verhungert, wenige Tage nachdem sie das letzte Stück Frischbeute vor seinem Nest niedergelegt hatte.
Aber nun war sie wieder stark und gesund, wie ein Baum in der Blattfrische. Die Narbe an ihrer Schnauze, wo die Krallen eines Gegners ihr einst die Lefze zerrissen hatten, war verschwunden. Weizenstern war nicht klar gewesen, wie sehr er sich seit seinem letzten Besuch danach gesehnt hatte, wieder ihre Stimme zu hören.
„Weizenstern“, schnurrte sie und leckte ihm zärtlich über die Ohren. „Du hast großartig gekämpft!“
Er erschrak. Weizenstern hatte nicht mehr erfahren, ob seine Krieger die Schlacht zwischen dem Eisenweg und dem verbrannten Wald gewonnen hatten. Leichtstern faltete ihren langen, buschigen Schweif um ihre Vorderpfoten und sah ihn mitfühlend an.
„Wir sind stolz auf dich und den Clan, den du führst. Aber wir haben dir etwas Wichtiges zu sagen, ehe du zu ihnen zurückkehrst.“
Weizenstern sah an seiner ehemaligen Anführerin vorbei zu den anderen Katzen. Zwischen ihnen hockte ein dunkelbrauner Kater mit buschigen Ohren, der es sich auf einem flachen Felsen gemütlich gemacht hatte. Als sich ihre Blicke trafen, drehte der Sternenclan-Kater sich weg. Das Herz des goldenen Katers schmerzte so sehr, dass er aufschreien wollte wie ein verlassenes Junges. Er machte einen Schritt auf den Felsen zu, aber Leichtstern versperrte ihm den Weg.
„Leichtstern, ich muss mit Luchsohr sprechen“, jammerte er, aber ihr Blick blieb streng.
„Er hat dir nichts zu sagen. Genau wie das letzte Mal und jeden Besuch davor.“
Ihre Augen glühten weiß wie der Mond, und ihre Stimme schien plötzlich wie eine Sturmflut aus allen Richtungen gleichzeitig auf ihn hereinzubrechen.
„Verderben wird über das Tal kommen. Ein Gegner, gegen den deine Krieger nicht kämpfen können. Die Clans werden fortbestehen, aber viele Katzen nicht. Die Hoffnung selbst wird deinen Schutz brauchen, Weizenstern.“
Grelles Licht umgab ihn, und die Umrisse der Sternenclankatzen lösten sich auf.