Kleine Leseprobe gerne mit eure Meinung

Es gibt 53 Antworten in diesem Thema, welches 3.038 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (26. Februar 2026 um 11:55) ist von Semideus.

  • Die Erwachte: Band 1: Flügel aus Licht und Schatten


    Prolog: Das Echo der Ewigkeit

    Es heißt, dass jeder Mensch mit einem Flüstern in der Seele geboren wird. Bei den meisten ist es leise, ein sanftes Rauschen, das sie durch ein gewöhnliches Leben trägt. Doch es gibt jene, bei denen dieses Flüstern ein Sturm ist. Ein Sturm, der Welten aus den Angeln heben kann.

    In den dunklen Laboren der Templer, tief verborgen unter der Erde, glaubte man, diesen Sturm kontrollieren zu können. Sie suchten nach dem Ursprung von Licht und Schatten, nach der Macht, die einst Sterne entzündete und Götter stürzen ließ. Sie fanden sie in der Unschuld eines Kindes.

    Sie nannten es ein Experiment. Sie nannten es eine Waffe. Sie vergaßen, dass man die Unendlichkeit nicht in Ketten legen kann, ohne dass die Ketten irgendwann brechen.

    Dieses Kind – klein, zerbrechlich und gezeichnet von Narben, die niemals verheilen sollten – trug ein Geheimnis in sich, das älter war als die Zeit selbst. Sie wusste nichts von den zwölf Schwingen, die in ihrem Rücken schlummerten. Sie wusste nichts von dem goldenen und blauen Feuer, das in ihren Adern floss. Sie kannte nur die Angst.

    Doch in der tiefsten Finsternis gibt es immer einen Wächter. Einen Mann, der selbst aus Schatten besteht und dessen Schicksal untrennbar mit dem ihren verwoben ist. Ein Krieger, der nicht an Helden glaubt, aber bereit ist, für ein einziges Leben gegen die gesamte Welt in den Krieg zu ziehen.

    Dies ist nicht nur die Geschichte einer Schlacht zwischen Armeen und Dämonen. Dies ist die Geschichte eines Mädchens, das lernen muss, dass ihre größte Angst in Wahrheit ihre größte Stärke ist. Es ist die Reise einer verlorenen Seele, die ihren eigenen Wert erst im Angesicht des Untergangs erkennt.

    Denn manchmal muss die Welt erst brennen, damit wir sehen können, wer wir wirklich sind.


    Kapitel 1 – Der Fremde im Sturm

    Der Wind heulte wie ein verletztes Tier über den Bergrücken, und Regen prasselte wie Peitschenschläge gegen die groben Holzbretter der Hütte. Hoch oben, weit entfernt von jeder Stadt, jeder befestigten Straße und jedem Gesetz, duckte sich eine Schänke an den Fels, die man nur betrat, wenn man nichts mehr zu verlieren hatte.

    Drinnen stand die Luft schwer und stickig. Es roch beißend nach altem Schweiß, dem Dunst von nassem Fell und schalem Bier. Der Boden war von einer Schicht aus Schlamm bedeckt, die Fenster blind vor Ruß, und die Gäste trugen ihre Narben so offen wie ihre Waffen.

    Eine Bande Banditen saß um einen schweren Eichentisch, als die Stimmung plötzlich kippte. Drei von ihnen hatten eine Frau in die Ecke gedrängt. Ihre Stimme zitterte, während zwei grobe Hände sie grob festhielten.

    „Hör auf! Lasst mich—!“

    „Ach komm“, lachte der größte von ihnen, ein Mann mit einem vernarbten Schädel, der sich dicht zu ihr herabneigte. „Wir wollen doch nur—“

    Ein ohrenbetäubender Donnerschlag ließ die gesamte Hütte bis in die Grundfesten vibrieren.

    Im selben Moment flog die Tür mit solcher Gewalt auf, dass sie gegen die Wand krachte. Ein Sturm brach hinein, riss die Flammen der Fackeln fast aus ihren Haltern. Wind, Regen und eisige Luft fegten durch den Raum und erstickten jedes gesprochene Wort. Für einen langen Augenblick sah man im grellen Licht eines Blitzes nur einen dunklen Umriss im Türrahmen.

    Und dann trat er ein.

    Ein Mann, gehüllt in einen tiefdunklen, schweren Mantel, der Wasser auf die Dielen tropfen ließ. Silber-graue Haare fielen ihm lang und durchnässt über die Schultern. Ein scharfer, drei Tage alter Bart umrahmte ein Gesicht, das jung wirkte — viel zu jung für die uralte, bleierne Müdigkeit in seinen Augen.

    Er sah aus wie 25. Vielleicht 30. Doch alles an ihm – seine Haltung, sein starrer Blick, die Schwere seiner Schritte – verriet etwas anderes. Ein Jahrhundert. Oder mehr.

    Unter dem Mantel zeichneten sich Konturen ab, die Gefahr versprachen: Klingen. Schwerter. Dolche. Weniger verborgen als schlichtweg ignoriert.

    Die Banditen starrten ihn an – irritiert, wütend, aber vor allem verwirrt über die Störung. Der Größte bellte los: „Was glotzt du so, Alter? Mach die Tür—“

    Er brach mitten im Satz ab, als der Blick des Fremden ihn traf. Kalt. Leer.

    Der Mann sagte kein Wort. Er sah erst die Frau an — kurz, prüfend, emotionslos — dann die Männer. Selbst der Sturm draußen schien für einen Moment den Atem anzuhalten, um zu lauschen.

    Der Fremde sprach leise, fast sanft, doch seine Stimme schnitt durch den Raum: „Lasst. Sie. Los.“

    Die Männer lachten unsicher. Einer pfiff abfällig durch die Zähne. „Oder was?“, knurrte der Anführer und trat einen Schritt vor.

    Der Fremde rührte sich nicht. „Oder ich bringe euch hinaus.“

    „Hinaus?“, lachte einer der Handlanger. „Bei dem Sturm? Du—“

    Er kam nicht weiter. Der Fremde bewegte sich. Nicht schnell. Nicht hektisch. Sondern fließend und lautlos, wie eine Welle aus Schatten.

    Der Anführer griff zuerst nach seinem Messer, doch er war zu langsam. Viel zu langsam.

    Der Fremde packte seinen Arm. Ein widerliches, trockenes Knacken hallte durch den Raum, als der Knochen sofort nachgab. Winkel und Geräusch waren für einen lebenden Menschen unnatürlich. Der Bandit schrie auf, doch der Fremde verdrehte den gebrochenen Arm weiter, zwang ihn in die Knie — und rammte ihm ansatzlos den Ellbogen in den Kiefer.

    Es gab ein feuchtes Geräusch von berstendem Knorpel. Zähne flogen durch die Luft, Blut spritzte über den Tisch. Der Mann fiel bewusstlos zu Boden.

    Der zweite Bandit kam von rechts, eine rostige Axt schwingend. Der Fremde wich nicht zurück. Er ließ die Axt kommen. Im allerletzten Moment trat er zur Seite, packte den Angreifer am Gürtel und riss ihn in seine eigene Bewegung hinein — die gebogene Klinge aus seinem Mantel blitzte nur kurz im Fackelschein auf.

    Ein leises Schneiden.

    Ein tiefer Riss klaffte in der Kehle des Angreifers. Warm und pulsierend ergoss sich das Blut über den Tisch, bevor der Mann wie ein nasser Sack zusammensackte.

    Der dritte stolperte rückwärts, fiel über einen Hocker und kroch panisch zurück. „D-das ist kein Mensch…“

    Der Fremde antwortete nicht. Er packte den Mann an der Kleidung und schleuderte ihn mit unmenschlicher Kraft gegen die massive Holzstütze der Wand. Holz splitterte lautstark. Der Bandit rutschte daran herunter, ein abgebrochenes Stück des Balkens tief in seinem Rücken. Er röchelte ein letztes Mal, dann wurde sein Blick glasig.

    Nur der schmächtigste Bandit blieb übrig. Er stand bei der Tür, zitternd, Tränen der Panik in den Augen. „B-bitte… ich—!“

    Der Fremde neigte leicht den Kopf. In seinem Gesicht lag keine Gnade. Keine Wut. Nur ein kaltes Urteil. „Lauf.“

    Der Mann riss die Tür auf, rannte blindlings in den Sturm hinaus. Kaum zwei Schritte später flog ein kleines Wurfmesser durch den Schankraum — leise, präzise, tödlich. Es traf ihn noch im Lauf, schnitt ihm die Kehle auf, bevor er den matschigen Hang hinunterstürzte. Sein Körper verschwand in der Finsternis des Unwetters.

    In der Hütte war es totenstill.

    Keiner der übrigen Gäste sprach. Keiner wagte es, sich zu bewegen. Der Fremde zog seinen Mantel zurecht, wischte seine Klinge beiläufig an dem Fellumhang eines der Toten ab und ließ sie zurück in die verborgene Scheide gleiten.

    Die Frau in der Ecke stand stumm da, ihre Hände zitterten unkontrolliert. Er sah sie nicht an. Für ihn war sie irrelevant – nur ein Funke in einer Szene, deren Feuer nicht ihretwegen brannte.

    Er ging zur Tür, die noch immer im Wind schlug. Der Sturm brüllte hinein, als erkenne er ihn wieder — als wäre der Mann selbst ein Teil des Unwetters. Ein Blitz erhellte sein Gesicht erneut. Er wirkte jung. Aber sein Blick war alt. Zu alt für diese Welt.

    „Zeit weiterzugehen“, murmelte er.

    Und er trat hinaus. Der Wind griff nach seiner Silhouette und verschluckte ihn, als wäre er nie da gewesen.

  • Hallo Semideus,

    Danke, dass du uns so bald schon einen Teil deiner Geschichte anvertraust.

    Du siehst mich mächtig beeindruckt. Ich weiß noch nicht, ob mir die Geschichte gefällt, aber dein Schreibstil gefällt mir definitiv. Sehr bilderreich, atmosphärisch und (in diesem Fall düsetere) Stimmung erzeugend.

    Du hast mich auch neugierig auf das im Prolog erwähnte bedauernswerte Mädchen und auf den "Schattenwächter" gemacht. Letzterer, ich nehme zumindest an, wir haben ihn gerade kennengelernt, handelt allerdings für meinen Geschmack zu brutal, um ihn sympathisch zu finden. Vom Retter einer Frau in Nöten wird er zu einem Schlächter. Du wolltest uns gewiss mit seinen Fähigkeiten vertraut machen. Vermutlich braucht er diese, um dem Mädchen gegen wen oder was auch immer beizustehen, aber gegen diese einfach nur menschlichen Banditen hätte es für meinen Geschmack etwas weniger Grausamkeit auch getan. Ich kann in Fantasy-Geschichten eigentlich ganz gut auch Gewalt und Grausamkeit verkraften, aber ich mag eine Geschichte nur dann, wenn ich mindestens einen ihrer Protagonisten mögen darf. Dieser macht es mir jedoch ziemlich schwer.

    Zwei Kleinigkeiten noch:

    Eine Bande Banditen

    Wiederholung

    riss die Flammen der Fackeln fast aus ihren Haltern.

    Ich denke eher, die Fackeln selbst wurden beinahe aus ihren Haltern (Halterungen?) gerissen. Die Flammen können allenfalls erloschen sein.

    Wirst du uns weiter an dieser Geschichte teilhaben lassen? Ich würde sie mit Interesse weiter verfolgen.

  • So konstruktiv kann ich noch nicht kommentieren, aber auch mich hat deine Geschichte schon gefesselt. Die würde ich gerne weiterlesen.

    Mein Vorschlag zu den Banditen...mach aus der Bande doch eine Horde.

  • Kapitel 2 – Das Mädchen im Eis

    Der Sturm, der eben noch gegen die Hütte gepeitscht war, fühlte sich hier, tief im Tal zwischen den schwarzen Tannen, noch weitaus kälter an.

    Jenifer kauerte in einer schmalen Felsnische. Ihre Hände waren blau angelaufen, die Finger so steif, dass sie sie kaum noch spürte. Das dünne Leinenkleid war längst durchnässt und klebte wie eine zweite, eiskalte Haut an ihrem schmächtigen Körper. Jedes Mal, wenn der Wind durch das Unterholz pfiff, zitterte sie so heftig, dass ihre Zähne aufeinander schlugen.

    Sie war allein. Ein kleines Licht in einer viel zu großen, dunklen Welt.

    In der Finsternis zwischen den Bäumen bewegte sich etwas. Es war kein Ast, der im Wind schwankte. Es war tiefer, schwerer. Ein Paar gelbe Augen leuchtete im fahlen Licht eines fernen Blitzes auf. Dann noch eines. Und ein drittes.

    Das leise Knurren war fast vom Heulen des Windes überdeckt, doch Jenifer hörte es. Es war das Geräusch von Hunger. Die Wölfe kamen näher, ihre Pfoten hinterließen tiefe Abdrücke im schlammigen Untergrund. Sie witterten ihre Schwäche.

    Jenifer presste sich tiefer in den kalten Stein. „Bitte…“, flüsterte sie mit brüchiger Stimme.

    Plötzlich veränderte sich die Atmosphäre. Das aggressive Knurren der Wölfe schlug in ein unsicheres Winseln um. Die Raubtiere wichen zurück, die Ohren flach angelegt.

    Ein schwerer Schritt klatschte in den Matsch.

    Der Fremde aus der Schänke trat aus dem Schatten der Bäume. Sein dunkler Mantel peitschte im Wind wie die Flügel eines Todesengels. Er zog keine Waffe. Er sah die Tiere nicht einmal an. Er strahlte eine solche Kälte und Dominanz aus, dass die Wölfe schlagartig das Weite suchten und im schwarzen Dickicht verschwanden.

    Stille kehrte ein. Nur das ferne Grollen des Donners war noch zu hören.

    Der Mann blieb vor ihrer Nische stehen. Sein Blick war wie der eines Raubtiers, das beschlossen hatte, heute nicht zu töten. Er sah sie lange an, als würde er versuchen, ein Rätsel in ihrem Gesicht zu lesen, ohne ein Wort zu sagen.

    „Kannst du aufstehen?“, fragte er schließlich. Seine Stimme war tief und rau.

    Jenifer versuchte es, doch ihre Beine waren wie aus Eis. Sie stolperte, doch bevor sie in den Dreck fallen konnte, packte er sie fest am Arm. Sein Griff war hart, aber sicher.

    „Ich...“, sie schluckte und sah zu ihm auf. Trotz der Angst wollte sie nicht nur ein namenloses Ding im Wald sein. „Ich bin Jenifer.“

    Der Fremde hielt inne. Er wiederholte den Namen nicht. Er nickte nicht einmal. In seinen silber-grauen Augen flackerte kurz etwas auf – ein Schatten von Erinnerung oder vielleicht nur die Reflexion eines Blitzes.

    „Namen sind in dieser Welt nichts wert, Jenifer“, sagte er kühl. „Nur das Überleben zählt.“

    Er löste die Schnalle seines schweren Mantels und warf ihn ihr über die Schultern. Das Leder war schwer und roch nach Rauch, altem Eisen und einer fernen, fremden Welt. Die Wärme des Mantels hüllte sie ein wie ein Schutzschild.

    „Wer sind Sie?“, wagte sie zu fragen, während sie sich in den Stoff wickelte.

    Der Fremde wandte sich bereits ab und blickte in die Dunkelheit, dorthin, wo die Ruinen der alten Welt wie Knochen aus der Erde ragten. „Niemand, der für dich von Bedeutung sein sollte“, antwortete er. „Komm jetzt. Der Sturm ist nicht das Einzige, was in dieser Nacht Jagd macht.“

    Ohne auf eine Antwort zu warten, ging er los. Jenifer zögerte keine Sekunde und folgte ihm in die Finsternis, ihre kleinen Füße in den riesigen Abdrücken seiner Stiefel.

  • Toll geschriebene Szene. Gewitter, ein geheimnisvoller Fremder taucht auf, macht alle platt und haut wieder ab, ohne erkennbares Motiv. Ein Klassiker. Ich glaube, sogar meine Sinistre wäre ein klitzekleines Bisschen von seinem Stil beeindruckt gewesen.
    Natürlich hätte sie sich spöttisches "Wer war dieser geheimnisvolle Fremde?" nicht verkneifen können, dafür war die Steilvorlage einfach zu gut.
    Jetzt bin ich gespannt, wie du an den furioses Auftritt anschließt.
    Das ist nämlich die Kunst bei solchen Anfängen, dass man dann nicht alle Erklärungen, die offen bleiben mussten, jetzt nachschieben will, aber besten alle auf einmal ^^. Bin gespannt, wie du damit umgehst.

    p.s: und schon kommt es, noch während ich hier kommentierte. typisch ^^
    Mit weiteren Kommentaren warte ich daher mal noch ab. Mal sehen, was da noch kommt.

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    Tom Stark
    zum Lesen geeignet

  • Kapitel 3 – Die Ruhe vor dem Sturm

    Der Wald wurde mit jedem Schritt dichter, als sie tiefer in das Tal hinabstiegen. Das letzte Licht des Tages sickerte nur noch schwach durch die dunklen Tannenwipfel und färbte die Welt in ein kaltes, geisterhaftes Blau. Ein eisiger Wind kroch durch das Unterholz und trug den Geruch von nassem Moos und der heraufziehenden Winternacht mit sich.

    Jenifer folgte dem Fremden mit kleinen, erschöpften Schritten. Ihre Füße waren wund, ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen, doch sie gab keinen Laut von sich. Kein Klagen, kein Jammern. Der Fremde bemerkte ihre fast schon unnatürliche Zähigkeit, doch er ließ sich nichts anmerken. Er schritt weiter, als wäre er allein in dieser Wildnis.

    Als die Schatten endgültig ihre Finger nach ihnen ausstreckten, blieb er abrupt auf einer kleinen Lichtung am Flussufer stehen. Das leise Murmeln des Wassers versprach eine gewisse Sicherheit. „Hier“, sagte er knapp.

    Jenifer sank sofort ins feuchte Moos. Ihre Beine zitterten so stark, dass sie sie nicht mehr tragen konnten. Wortlos griff der Fremde unter seinen schweren Mantel. Zwischen Lederriemen und verborgenen Taschen holte er einen einzelnen, roten Apfel hervor und warf ihn ihr zu.

    „Für... für mich?“, flüsterte sie und fing ihn hastig auf. Er antwortete nicht, sondern setzte sich an den Rand der Lichtung und starrte in die Dunkelheit, als würde er die Schatten bewachen. Jenifer aß den Apfel in kleinen, vorsichtigen Bissen – es war der süßeste Geschmack, an den sie sich erinnern konnte. Kaum war der letzte Bissen geschluckt, rollte sie sich erschöpft zur Seite und verlor gegen die Müdigkeit.

    Der Fremde beobachtete sie lange. Er sah das verletzte, barfüßige Kind und ein seltener Moment des Zögerns überkam ihn. Schließlich legte er seinen Mantel ab und deckte sie damit zu. Als das schwere Leder sie einhüllte, hörte sie sofort auf zu zittern.

    Doch ohne den Mantel wurde seine eigentliche Waffe sichtbar, die er sonst verbarg: Ein gewaltiges, dämonisches Schwert. Die Klinge schimmerte wie kaltes Eisen, doch in ihrer Mitte pulsierte eine rote Ader, dünn wie ein Schnitt und glühend wie ein dunkler Herzschlag. Es war, als würde in diesem Stahl etwas Altes und Gefährliches atmen.

    Mitten in der Nacht, als die Stille am tiefsten war, hörte er es. Es war kein Tier und kein Feind. Es war Jenifers Stimme. Sie murmelte im Schlaf. Der Fremde spitzte die Ohren und erstarrte. Das war kein wirres Gebrabbel. Die Worte hatten einen Rhythmus, eine Form.

    Es war eine Sprache, die er kannte, aber seit Ewigkeiten nicht mehr gehört hatte. Sie war alt – älter als die Menschen, älter als die Dämonen, die er jagte. Es war die Zunge eines Volkes, das eigentlich nur noch in verbotenen Legenden existierte.

    Er fühlte, wie ihm die Nackenhaare aufstiegen. Seine Hand umschloss instinktiv den Griff seines Schwertes. Und dann, ganz am Ende, flüsterte sie ein letztes Wort. Ein Name, den er seit Jahrzehnten nicht mehr gehört hatte. Einen Namen, den er niemandem in dieser Welt verraten hatte.

    Seinen Namen.


    Eine Meinung bis jetzt wäre wirklich nett :alien:

    Einmal editiert, zuletzt von Jennagon (29. Januar 2026 um 16:16) aus folgendem Grund: Ein Beitrag von Semideus mit diesem Beitrag zusammengefügt.

  • Jetzt wird er mir allmählich doch sympathisch, der dunkle Unbekannte. Und jetzt gefällt mir auch deine Geschichte, deren Fortgang ich gerne verfolgen werde.

    Dieser Anfang ist viel versprechend und toll geschrieben.

    Ich frage mich, wieviel Zeit zwischen Kapitel 2 und 3 vergangen ist. Wann hat der Mann seinen Mantel wieder an sich genommen? Zu Beginn von Kapitel 2 sieht Jenifer in der Finsternis die Wolfsaugen leuchten. Demzufolge ist Nacht. Zu Beginn von Kapitel 3 wird es wieder dunkel. Sind die beiden den ganzen Tag über gelaufen? Vielleicht kannst du mit einem Satz erklären, was an dem (mir) fehlenden Tag geschehen ist? Darüber hinaus habe ich nichts zu bemängeln.

  • Kapitel 4 – Die Nacht bricht auf

    Die Nacht lag bleiern über der Lichtung. Es war eine Dunkelheit, die jeden Laut zu verschlucken schien und selbst den kleinsten Funken Licht im Keim erstickte. Der Wald atmete schwer und kalt – ein Ort, an dem selbst die Schatten Angst voreinander zu haben schienen.

    Der Wanderer saß halb angelehnt an den rauen Stamm einer alten Tanne. Sein schwerer Mantel, der normalerweise ihn vor der Welt schützte, lag nun über Jenifer. Das dämonische Schwert auf seinem Rücken gab ein leises, rhythmisches Pulsieren von sich, als würde die Waffe eine Bedrohung wittern, die noch jenseits der Wahrnehmung lag.

    Er war müde. Es war keine körperliche Erschöpfung, sondern die bleierne Last von einhundert Jahren, die in seinen Knochen saß. Obwohl er wusste, dass Wachsamkeit sein einziges Gesetz war, gaben seine Lider für einen einzigen, verhängnisvollen Moment nach.

    Ein einziger Moment genügte.

    Sie kamen lautlos. Viel zu lautlos für Wesen ihrer massiven Statur. Vier Gestalten schälten sich aus dem Nebel, ihre Haut von einem kränklichen Grün-Schwarz, die Augen wie glühende Kohlen in der Finsternis. Sie stanken nach geronnenem Blut, altem Schweiß und dem beißenden Dunst von verbranntem Fleisch.

    Orks.

    „Weibchen…“, wisperte einer von ihnen, ein heiseres Gurgeln im Rachen. „Junges Blut… frisch… weich…“

    Sie bildeten einen Halbkreis um den sitzenden Wanderer. Sie erkannten die Gefahr, die von ihm ausging, selbst wenn er zu schlafen schien. Ein fünfter Ork, kleiner und drahtiger als die anderen, kroch auf allen Vieren auf die schlafende Jenifer zu. Seine fauligen Zähne blitzten im fahlen Mondlicht.

    „Kleines Weib… zuerst nehmen… dann essen…“

    Als die Pranke des Orks nach dem Mädchen griff, riss der Wanderer die Augen auf. Doch die vier anderen Krieger stürzten sich bereits gleichzeitig auf ihn.

    Der erste schlug mit einem rostigen Krummmesser zu. Der Wanderer rollte sich instinktiv zur Seite, doch die gezackte Klinge riss den Stoff seines Hemdes auf und hinterließ eine brennende Spur auf seiner Schulter. Sofort war der zweite Ork an ihm, die Pranken um seinen Hals geschlossen, während der dritte ihm einen schweren Tritt in die Rippen versetzte.

    Er war umzingelt. Unbewaffnet. Sein Mantel und seine Dolche lagen bei dem Mädchen. Er knurrte ein einziges Wort: „Fehler.“

    Mit einer explosiven Bewegung rammte er dem ersten Ork den Stiefel gegen das Knie. Das Geräusch von splitterndem Knochen hallte trocken über die Lichtung. Während der Ork schreiend zusammenbrach, riss der Wanderer seinen Kopf nach vorne und schmetterte seine Stirn gegen den Schädel des Angreifers, der ihn würgte. Ein dumpfer Schlag, das Spritzen von Blut – der Ork taumelte rückwärts.

    Der dritte Angreifer spürte den Ellbogen des Wanderers in seinen Rippen mit einer Wucht, die das Gewebe zerfetzte und die Lunge durchbohrte. Den vierten packte er am massiven Handgelenk und drehte es mit einer rücksichtslosen, fließenden Bewegung, bis das Gelenk mit einem hässlichen Reißen nachgab.

    Doch während der Wanderer sich den Weg freikämpfte, erreichte die wahre Gefahr das Mädchen.

    Der fünfte Ork stand nun direkt über ihr. Seine Finger waren nur noch Zentimeter von Jenifer entfernt. Ein gieriges Grinsen verzerrte seine Fratze. „Meins.“

    Dann geschah es.

    Ein Laut durchschnitt die Nacht, der nicht von dieser Welt war. Es war kein Schrei, den Jenifer ausstieß – er kam tief aus ihrem Inneren, als würde ihre Seele selbst aufschreien.

    Ein gleißender, azurblauer Lichtstoß explodierte um sie herum. Die Druckwelle war so gewaltig, dass sie den herbeistürmenden Ork wie eine Puppe zurückschleuderte. Doch die Macht ließ ihn nicht einfach los. Seine Finger, die eben noch nach ihr greifen wollten, begannen sich in der Luft zu verdrehen. Einer nach dem anderen brachen die Knochen mit einem peitschenden Knallen nach hinten.

    Der Ork brüllte vor Schmerz, während Blut aus seinen Fingerspitzen schoss wie aus geplatzten Leitungen. Die anderen Angreifer erstarrten mitten in der Bewegung. Auch der Wanderer hielt inne.

    Jenifer erhob sich.

    Sie stand aufrecht da, doch ihr Körper wirkte seltsam schlaff, als würde sie noch immer tief schlafen. Ihre Augen waren geschlossen, doch unter den Lidern leuchtete ein Licht hervor, so intensiv und blau wie ein brennender Stern. Aus ihrem Mund flossen Worte in jener verbotenen, uralten Sprache, die wie Donner in den Ohren des Wanderers nachhallte.

    „Ael’thar… sil’nu… harah…“

    Sie streckte die Hand nach dem verletzten Ork aus. Sein Fleisch begann sich zu wellen und zu reißen, als würde es von einer unsichtbaren Hitze verzehrt werden – doch es gab keine Flammen. Die Haut platzte auf, Blut verdampfte in bläulichen Schwaden, und die Muskeln zerfielen zu Staub, noch bevor der Körper den Boden berührte.

    Ein einziger Windstoß wehte die dunkle Asche davon, die eben noch ein lebendiges Wesen gewesen war.

    Doch Jenifer war noch nicht fertig. Im Schlaf drehte sie sich zu den verbleibenden drei Orks um. Als sie nun die Lider hob, war dort kein Weiß mehr zu sehen, nur noch reines, blendendes Blau.

    „Hexe!“, brüllte einer der Orks in schierer Panik. „Monster!“

    Jenifer hob die Hand. Blaues Licht schoss wie Blitze aus ihren Fingerspitzen. Drei peitschende Schläge zerrissen die Luft. Drei Schreie erstarben augenblicklich. Die Körper der Orks schienen von innen heraus zu bersten, zerfielen in Sekundenbruchteilen zu grauer Asche und verschwanden im Sturm.

    Dann war es vorbei.

    Der Wanderer stand regungslos da. Sein Atem ging schwer. Er hatte in seinem langen Leben vieles gesehen, aber das hier war keine Magie. Es war eine Urmacht, etwas Jenseitiges, das niemals in die Hände eines Kindes hätte fallen dürfen.

    Jenifer schwankte. Das Leuchten in ihren Augen erlosch so schnell, wie es gekommen war. Bevor sie auf den harten Boden aufschlagen konnte, war der Wanderer bei ihr und fing sie auf. Ihr Körper war klein und warm, doch für ihn fühlte sie sich in diesem Moment an wie ein Gefäß, das noch immer vor Blitz und Donner vibrierte.

    Sie schlief tief und fest, als wäre nichts geschehen. Sanft legte er sie zurück auf das Moos und deckte sie erneut mit seinem Mantel zu. Dabei fielen sein Blick auf ihre Hände. Die Schnitte und Blutergüsse, die sie sich auf der Flucht zugezogen hatte, begannen sich zu schließen. Die Haut glättete sich, die Verletzungen heilten vor seinen Augen.

    „Du schläfst einfach weiter?“, murmelte er heise.

    Er setzte sich neben sie, die Hand fest am Griff seines pulsierenden Schwertes. Sein Blick war voller Misstrauismus. Wer – oder was – war dieses Mädchen? Und warum sprach sie eine Sprache, die selbst die ältesten Dämonen vergessen hatten?

    Es würde eine sehr lange Nacht werden.


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    Amafiori ja es gibt noch ein paar Fehler wo ich mir noch nicht sicher bin wie ich es verbessere. :D Aber denke das gehört dazu.

  • Misstrauismus? Ein sehr ungewöhnliches Wort, finde ich. Ich denke, du meinst Misstrauen?

    Beim lesen hatte ich direkt Kopfkino. Deine Figuren haben Bilder vor meinen Augen entstehen lassen. Die Orks kann ich sogar erschnuppern. Das habe ich nicht so oft, wenn ich etwas lese. Auf die Entwicklung zwischen Jenifer und dem Wanderer bin ich gespannt. Das lässt für mich noch Großes erahnen.

    Ich bin schier hin und weg. Mit deiner Geschichte hast du mich voll eingefangen. Ich bin gespannt, was da noch mehr kommt.

  • Misstrauismus? Ein sehr ungewöhnliches Wort, finde ich. Ich denke, du meinst Misstrauen?

    Oh wo ist denn das? Danke für das Lob.

    Kapitel 5 – Zeichen im Morgenlicht

    Der Morgen legte sich wie ein graues Laken über den Wald. Als der Wanderer die Augen öffnete, war der erste Platz neben ihm leer. Die Kälte des Waldbodens kroch in seine Glieder, doch Jenifer war verschwunden.

    Sein Blick fiel sofort auf seinen schweren Mantel. Er lag ordentlich gefaltet auf dem Moos, genau dort, wo sie geschlafen hatte. Kein Blut. Keine Anzeichen eines Kampfes. Nur eine unnatürliche Stille, die lediglich vom fernen Rauschen des Flusses durchbrochen wurde.

    Er richtete sich auf, die Gelenke knackten protestierend. Er folgte dem Geräusch des Wassers durch das dichte Unterholz, bis sich der Blick auf das Ufer öffnete.

    Dort kniete Jenifer im seichten Wasser. Sie wusch ihre zerrissenen Lumpen aus und versuchte mit steifen Fingern, den Schmutz und das getrocknete Blut der letzten Nacht von ihren Armen und Beinen zu reiben. Sie mied das tiefere Wasser, das an diesem Morgen eiskalt war und leichten Nebel atmete.

    Der Wanderer wollte sich bereits abwenden, um ihre Privatsphäre zu wahren, doch etwas an ihrem nackten Rücken ließ ihn innehalten. Er erstarrte.

    Narben.

    Zwei dunkle, lange Linien zogen sich über ihre Schulterblätter. Sie waren tief, alt und verblasst, doch ihre Symmetrie verriet, dass sie keinem Zufall entsprungen waren. Es sah aus, als hätte man ihr dort etwas weggenommen. Etwas, das dort hingehörte.

    Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Erst als er absichtlich ein paar schwere Schritte im Kies machte, bemerkte sie ihn. Sie sah über die Schulter zu ihm auf – ohne Scham, ohne Erschrecken. In ihrem Blick lag eine kindliche Offenheit, ein tiefes Vertrauen, das ihn fast körperlich schmerzte.

    Doch dieses Vertrauen machte sein Herz nur noch schwerer, denn nun fiel ihm ein weiteres Detail auf. Eine Narbe knapp oberhalb der Hüfte und ein Brandmal, das sich tief in ihre Haut gefressen hatte. Es war so platziert, dass selbst einfachste Unterkleidung es vollständig verdeckt hätte. Ein Symbol, das im Verborgenen bleiben sollte.

    Ein Kreis. Ein Kreuz darin.

    Es war ein Zeichen gegen jede bekannte Ordnung. Ein rituelles Siegel, angebracht an einer Stelle, die niemals die Hand eines Fremden – geschweige denn das Eisen eines Folterknechts – hätte berühren dürfen.

    Ein kalter Schauer lief dem Wanderer den Rücken hinab. Es war keine Scham, die ihn erschütterte, sondern die bittere Erkenntnis. Er wusste, was solche Male bedeuteten. Es war ein Zeichen des Besitzanspruchs, ein ritueller Zugang für diejenigen, die sich „Eingeweihte“ nannten.

    Er räusperte sich leise, um die bedrückende Stille zu brechen. Jenifer drehte sich ganz zu ihm um und schenkte ihm ein schwaches, unschuldiges Lächeln. Ihre Augen leuchteten in einem ganz blassen Blau – ein schwacher Reflex, als würde ihr Körper im Hintergrund noch immer in Alarmbereitschaft stehen. Doch sie zitterte nicht. Die Kälte des Wassers schien ihr nichts anzuhaben, als wäre sie nicht länger Teil dieser sterblichen Welt.

    „Ist… etwas?“, fragte sie. Ihre Stimme war so leise, dass sie fast vom Wind davongetragen wurde.

    Er zwang sich, ihr direkt in die Augen zu sehen. Er mied den Blick auf die Narben, mied den Gedanken an das Brandmal. „Nein“, sagte er schließlich mit belegter Stimme. „Zieh dir etwas über. Wir gehen weiter.“

    Jenifer nickte gehorsam und schlüpfte in ihre nasse, klamme Kleidung. Der Wanderer wandte sich ab und starrte in den wolkenverhangenen Himmel, doch innerlich tobte ein Sturm.

    Die Narben an den Schultern. Das Brandmal. Das alles ergab ein Muster, das er noch nicht vollständig begreifen konnte, aber dessen dunkle Herkunft er tief in seinem Inneren fühlte. Er legte seine Hand auf seine eigene Schulter, unter der sich eine uralte Narbe verbarg. Sein Mal war nicht identisch mit ihrem, aber sie waren verwandt. Zwei Echos aus derselben, finsteren Quelle.

    „Was… bist du wirklich?“, murmelte er, so leise, dass nur der Wind ihn hören konnte.

    Jenifer hörte ihn nicht. Sie trat an seine Seite, bereit, ihm überallhin zu folgen.


    Kapitel 6 – Der Weg, den keiner kennt

    Jenifer stieg fröstelnd aus dem seichten Wasser. Die nassen Lumpen klebten schwer an ihrem schmächtigen Körper, getränkt mit dem Dreck der Flucht. Sie zitterte so heftig, dass ihre blauen Lippen kaum stillhielten.

    Der Wanderer betrachtete sie schweigend vom Ufer aus. Für einen winzigen Augenblick verzogen sich seine Lippen zu einem Grinsen. Es war kein warmes Lächeln und erst recht kein freundliches. Es war ein dunkler, gefährlicher Ausdruck, der nur kurz aufblitzte und ebenso schnell wieder hinter seiner Maske aus Gleichgültigkeit verschwand. Doch in diesem Moment entblößte er einen einzelnen, spitzen Eckzahn – weiß, scharf und unzweifelhaft nicht menschlich.

    Jenifer bemerkte es nicht. Sie war zu sehr damit beschäftigt, ihre nassen Fetzen am Körper zurechtzurücken.

    Der Wanderer stieß den Atem aus und strich sich die silbergrauen Strähnen aus der Stirn. Er wusste, dass er das Kind so nicht weiterführen konnte. Nass bis auf die Haut, barfuß und ohne Schutz gegen die beißende Morgenkälte. Wenn er sie weiter durch das Hochgebirge trieb, bevor die Sonne wirklich Kraft besaß, würde sie binnen eines Tages krank werden. Und kranke Kinder überlebten in dieser Wildnis nicht lange.

    Er kniff die Augen zusammen und wog seine Möglichkeiten ab. Es gab einen Ort. Einen Ort, dessen Namen man in den Schänken nur flüsternd aussprach.

    Tief im Wald, verborgen zwischen schroffen Felsen und ewigem Nebel, lag ein altes Schloss. Errichtet vor Äonen von einem der mächtigsten Dämonenjäger, die je über diese Erde gewandelt waren, diente es heute als Zufluchtsort für jene, die anders waren. Die Akademie der Nachtwächter. Ein Ort, an dem Magie nicht gefürchtet, sondern geschmiedet wurde.

    Er selbst hatte diese Mauern nie betreten. Er kannte nur die Geschichten über die Bibliothek, die größer sein sollte als jede Stadt, und über Lehrer, die schon lange kein menschliches Blut mehr in den Adern hatten.

    Er blickte erneut zu Jenifer. Ein Kind, das im Schlaf in einer toten Sprache flüsterte. Ein Kind, das Orks zu Asche verbrannte. Ein Kind mit Narben, die von einer dunklen Bestimmung zeugten.

    Vielleicht gab es dort Antworten. Vielleicht war sie die Einzige, die dort wirklich hingehörte.

    Er warf sich das schwere Schwert über die Schulter. Die dämonische Klinge vibrierte leise gegen seinen Rücken, als würde das Eisen seine Entscheidung spüren und ihr zustimmen.

    „Ich weiß, wohin wir gehen“, sagte er rau.

    Jenifer hob den Kopf. Das tiefe Blau ihrer Augen wirkte in diesem Moment wieder ein Stück wacher, klarer. „Wohin?“, fragte sie zaghaft.

    „An einen Ort, an dem du sicher bist. Ein Ort, an dem man... Wesen wie dich kennt.“ Seine Stimme klang wie schleifender Stein, aber der Unterton von Feindseligkeit war verschwunden. „Und an einen Ort, an dem ich vielleicht herausfinde, wer oder was du wirklich bist.“

    Sie blinzelte. Sie verstand die Tragweite seiner Worte nicht, aber sie vertraute ihm bedingungslos.

    Der Wanderer musterte sie noch einmal – das kleine, zitternde Ding im kalten Morgenlicht. Er griff unter seinen Mantel und zog eine schwere, dunkle Weste hervor, die er als zusätzliche Rüstung über der Brust getragen hatte. Sie war aus robustem Leder, gefüttert und warm, aber für einen ausgewachsenen Krieger gefertigt.

    Er hockte sich hin, um ihr auf Augenhöhe zu begegnen. „Hier“, sagte er knapp.

    Er legte ihr die Weste vorsichtig über die Schultern. Sie war viel zu groß; das schwere Leder rutschte ihr fast bis zu den Knien und hüllte ihren kleinen Oberkörper vollständig ein.

    „Ist das... für mich?“, flüsterte sie.

    „Ja.“ Er stand wieder auf und blickte in die Ferne, dorthin, wo das verborgene Schloss liegen musste. „Bis wir das nächste Dorf erreichen, muss das reichen. Dort besorge ich dir Kleidung. Und Schuhe. Und richtiges Essen.“

    Ein seltenes, kaum sichtbares Lächeln huschte über Jenifers Gesicht.

    „Komm“, befahl er. „Und bleib dicht hinter mir. Wir haben einen langen Weg vor uns.“

    Jenifer eilte ihm nach. Ihr kleiner Schritt hallte im feuchten Laub wider, und die viel zu große Weste schwang bei jeder Bewegung hin und her wie ein kleiner, dunkler Umhang.

    Der Wanderer warf einen Blick über die Schulter. In diesem Moment sah sie verloren aus, wie ein einsames Kind im Wald – und gleichzeitig wie ein Funke, der fähig war, ganze Welten in Brand zu stecken.

    „Ein Tag noch“, murmelte er zu sich selbst. „Dann sind wir dort.“

    Denn die Akademie war kein Ort, den man unvorbereitet betrat. Und Jenifer war kein Kind, das man jemals wieder vergessen würde.

  • Misstrauismus steht in Kapitel 4 ziemlich am Ende. Ich zitier mal.

  • Ich bin ja soweit fertig. Einige Sachen gestern noch gemacht was meine Saga angeht. Aber mir wurde mitgeteilt, ich soll nur ein Kapitel immer senden :schiefguck::) Wenn jemand Lust auf Probelesen hat, gerne mir bescheid geben.

  • Ja aber langsam, dennoch würde ich mich über Probeleser freuen. Also wenn du Lust hast kann ich dir gerne alles zur Verfügung stellen.

    Kapitel 7 – Das Dorf am Fuße der Akademie

    Der Weg durch die dichten Wälder war schließlich leichter geworden. Die Bäume traten zurück und gaben den Blick auf eine sanfte Senke frei, in der ein kleines Dorf kauerte.

    Es war ein Ort, dem man die Erschöpfung ansah. Arm, schlicht und gezeichnet von der harten Zeit. Es gab keine stolzen Mauern, keine bemannten Wachtürme. Nur ein hölzerner Torbogen markierte den Eingang – ein Konstrukt, das einst beeindruckend gewesen sein mochte, nun aber wie ein halb verrottetes Skelett über dem Weg hing.

    Die einzige „Wache“ war ein Mann, der sich so tief an einen der Pfosten lehnte, dass man nicht sicher sein konnte, ob er ihn bewachte oder stützte. Er war halb schlafend, halb betrunken und bemerkte den Fremden und das Mädchen erst, als sie fast an ihm vorbeigegangen waren. Er blinzelte träge, stieß ein unverständliches Brummen aus, das wie ein „Guten Morgen oder so“ klang, und ließ sie passieren.

    Hier unten gab es kaum Gefahren. Warum auch?

    Im Hintergrund, hoch über den Klippen, ragte der gewaltige Schatten der Akademie der Nachtwächter auf – das einstige Schloss des legendären Dämonenjägers Achron Valek. Man erzählte sich, dass Valek zu Lebzeiten jeden Winkel dieser Lande von Monstern gesäubert hatte. Und obwohl er längst zu Staub zerfallen war, fürchteten Orks, Trolle und Dämonen noch immer das Erbe, das seine Nachfolger in der magischen Schule hüteten. Selbst das dümmste Gesindel wusste: Wer hier angriff, suchte den Tod.

    Der Wanderer blieb kurz stehen und musterte die wenigen Gebäude: Eine rauchende Schmiede, ein paar schiefe Wohnhäuser und ein kläglicher Marktstand. Er brauchte Vorräte. Und das Kind brauchte mehr als nur seine alte Weste.

    Plötzlich unterbrach ein lautes, unüberhörbares Knurren die Stille. Es kam nicht von Jenifer. Es war der Magen des Wanderers. Einen Moment später antwortete ein zweites, höheres Knurren von Jenifers Seite.

    Der Mann sah auf sie hinunter. „Hunger“, stellte sie kleinlaut fest.

    Er nickte knapp. „Ich auch.“ Er deutete auf das einzige Gasthaus am Platz, dessen Fenster trüb, aber einladend erleuchtet waren. „Dort.“

    Die Tür knarrte protestierend, als sie eintraten. Im Inneren war es warm, der Geruch von gebratenem Speck und Kräutertee hing schwer in der Luft. Ein paar Bauern saßen über ihren Frühstückstellern, doch das Klappern des Bestecks verstummte augenblicklich, als der Fremde den Raum betrat.

    Ein großgewachsener Mann in Schwarz, ein dämonisches Schwert über der Schulter, dessen Kern bedrohlich pulsierte. Und an seiner Seite ein zerlumptes Kind, barfuß, überseht mit Kratzern, aber mit einem schüchternen Lächeln und Augen, die in einem unnatürlichen Blau funkelten.

    Sofort erhob sich ein giftiges Flüstern an den Nebentischen. „Götter… was ist das für ein Kerl?“, „Das arme Mädchen… wie sieht die denn aus?“, „Hat er sie entführt?“, „Nicht mal Schuhe hat sie an den Füßen…“

    Jenifer schien die boshaften Worte nicht zu hören. Sie machte einen kleinen, unbeholfenen Knicks in den Raum, murmelte ein leises „Hallo“ und folgte dem Wanderer zu einem freien Tisch in der Ecke. Die viel zu große Lederweste rutschte ihr bei jedem Schritt von den Schultern.

    Eine Kellnerin kam zögerlich näher, wobei sie einen großen Bogen um das Schwert des Wanderers machte. „Was… kann ich Ihnen bringen?“

    Der Wanderer deutete wortlos auf die Tafel hinter dem Tresen, auf der das Tagesfrühstück angepriesen wurde. „Für das Kind auch?“, fragte die Frau vorsichtig.

    Er sah zu Jenifer. Sie senkte den Blick und ihre Wangen röteten sich. „Ich… ich kann nicht lesen“, flüsterte sie.

    Der Wanderer zog überrascht eine Braue hoch. Es war nur eine kleine Regung, aber sie verriet sein Erstaunen. „Zweimal“, befahl er der Kellnerin.

    Als die Frau weg war, fixierte er das Mädchen. „Warum kannst du nicht lesen?“ Jenifer knetete nervös ihre Finger. „Ich kenne die Zeichen nicht. Ich erinnere mich nicht… an so etwas.“

    Er seufzte leise und schüttelte den Kopf. „Wer bist du eigentlich?“, fragte er mehr sich selbst als sie. Sie zuckte nur mit den Schultern. „Ich bin… ich?“

    Kaum stand das Essen auf dem Tisch, war von Schüchternheit keine Spur mehr. Jenifer begann nicht zu essen – sie verschlang es. Mit beiden Händen griff sie nach dem Speck und dem Brot, als hätte sie in ihrem ganzen Leben noch nie eine warme Mahlzeit gesehen.

    „Wow… so was hab ich noch nie gegessen…“, sprudelte es aus ihr heraus, während sie mit vollem Mund kaute. „Das ist so gut! Was ist das für ein Fleisch?“

    Der Wanderer beobachtete sie mit einer Mischung aus Verwunderung und tiefer Skepsis. „Woher kommst du?“, bohrte er weiter. Wieder nur ein Schulterzucken. „Keine Ahnung.“

    „Und das Zeichen an deinem Rücken?“, er senkte die Stimme, sodass nur sie ihn hören konnte. „Warum hast du es?“ Sie sah sofort weg, ihr Eifer beim Essen erlahmte für einen Moment. „Vielleicht… hab ich mich nur verletzt?“

    Der Wanderer dachte an die Symmetrie der Narben und das Brandmal. Nein, dachte er grimmig. Hättest du dich nur verletzt, hättest du längst keine Narbe mehr.

    Er wollte sichergehen. „Gib mir deine Hand“, forderte er sie auf. Ohne Zögern legte sie ihre kleine, schmutzige Hand in seine. Ihr Vertrauen war so grenzenlos, dass es ihn fast wütend machte.

    Er setzte die Spitze seines Fingernagels an und zog eine schnelle, kurze Linie über ihren Handrücken. Nicht tief, aber genug, um die Haut zu ritzen. „Aua…“, quiekte Jenifer kurz, stopfte sich aber sofort das nächste Stück Brot in den Mund. Essen war in diesem Moment wichtiger als Schmerz.

    Der Wanderer sah genau das, was er erwartet hatte. Ihre Augen leuchteten für den Bruchteil einer Sekunde hellblau auf. Der frische Kratzer auf ihrer Hand begann zu schimmern, schloss sich lautlos und verschwand. Keine Sekunde später war die Haut wieder glatt und makellos, als wäre nie etwas geschehen.

    Der Wanderer lehnte sich mit einem schiefen Grinsen zurück. „Du hast dich ganz sicher nicht nur verletzt.“

    Jenifer hielt kurz inne und sah ihn an. Dann, als hätte sie die Bedeutung seiner Worte bereits wieder vergessen, nahm sie den nächsten riesigen Bissen vom Speck. Ihre Prioritäten waren klar verteilt.

    Der Wanderer schüttelte den Kopf, grummelte etwas Unverständliches in seinen Bart und begann nun selbst zu essen. Doch in seinem Kopf hämmerte nur noch eine einzige Frage:

    Wer – oder was – ist dieses Kind wirklich?

  • Ja aber langsam, dennoch würde ich mich über Probeleser freuen. Also wenn du Lust hast kann ich dir gerne alles zur Verfügung stellen.

    Langsam ist kein Problem. Meinst du, dass ich schon soweit bin, um als Probeleser auftreten zu können? Wenn ja, mache ich das sehr gerne.

  • Ja aber langsam, dennoch würde ich mich über Probeleser freuen. Also wenn du Lust hast kann ich dir gerne alles zur Verfügung stellen.

    Langsam ist kein Problem. Meinst du, dass ich schon soweit bin, um als Probeleser auftreten zu können? Wenn ja, mache ich das sehr gerne.

    Ob du der richtige Probeleser bist, weiß ich nicht. Ich suche halt einfach Personen die lesen und ihre Meinung mitteilen.
    Gesichert ist das Buch eh schon durch Urheberrechte :phatgrin:
    Also gerne sende ich dir das

  • Hallo Semideus ! :alien: Da ich nicht weiß, was für Feedback du dir wünschst, gebe ich dir dieses Mal zwei Versionen. Bisher habe ich nur Kapitel 1-5 gelesen, darum nur zu diesen Feedback.

    Keine Kritik/ reines Feedback zur Geschichte

    Der Wanderer scheint ziemlich kampferprobt zu sein. Was genau seine Mission ist, weiß ich noch nicht. Will er das "Böse" vertreiben und den "Guten und Wehrlosen" helfen? So wirklich sympathisch ist er mir bisher noch nicht. :hmm: Seine Taten wirken auf mich bisher rein eigennützig - und wenn nicht, dann wenig überzeugend. :hmm: Mal sehen, ob sich meine Meinung zu ihm noch ändert.
    Trotzdessen, dass Jenifer erst so kurz in der Geschichte ist, hat sie bereits sehr vieles preisgegeben, was vielleicht noch gar nicht so wichtig ist. :hmm: Aber sie scheint ja offenbar selbst nicht zu wissen, was für Mächte in ihr schlummern. Warum sie nun alleine in der Pampa herumgelaufen ist, ist mir wenig schlüssig. :hmm:
    Auch in deiner Welt sind Orks offenbar blutrünstige, recht dumme Kreaturen, die lieber Menschen (Frauen) entführen und essen wollen, anstatt wilde Tiere zu jagen. Vielleicht essen sie auch einfach alles, was Beine hat und fleischlich ist.

    Ausführliche Kritik

    Hoch oben, weit entfernt von jeder Stadt, jeder befestigten Straße und jedem Gesetz, duckte sich eine Schänke an den Fels, die man nur betrat, wenn man nichts mehr zu verlieren hatte.

    Warum ist Schänke das einzige Wort in diesem Text, das fett gedruckt ist? Das stach mir sofort ins Auge. Aus Versehen? Absicht? :hmm:
    Das gelb markierte bitte beachten, denn ...

    Eine Bande Banditen saß um einen schweren Eichentisch, als die Stimmung plötzlich kippte. Drei von ihnen hatten eine Frau in die Ecke gedrängt. Ihre Stimme zitterte, während zwei grobe Hände sie grob festhielten.

    „Hör auf! Lasst mich—!“

    „Ach komm“, lachte der größte von ihnen, ein Mann mit einem vernarbten Schädel, der sich dicht zu ihr herabneigte. „Wir wollen doch nur—“

    Ein ohrenbetäubender Donnerschlag ließ die gesamte Hütte bis in die Grundfesten vibrieren.

    Wenn man laut deiner Aussage nichts mehr zu verlieren hat, frage ich mich, was diese Frau dann in solch einer Schänke macht und sie dort erwartet, NICHT zu erleben ... :hmm: Offenbar wurde sie von den Banditen bedrängt. Warum und wieso erfahre ich nie. Was davor war, erfahre ich nie. Die Szene setzt hier ein wie in einem Theaterstück. Das allein sehe ich jetzt nicht kritisch. Aber im ganzen Kapitel wird mir absolut nicht klar, was genau die Banditen von der Frau wollten oder was genau sie dort in der Schänke wollten. Von der Frau erfahre ich auch nichts weiter. Sie ist einfach nur ein Dummie, der für die Szene gebraucht wurde. An sich nur da, um dem Wanderer einen Grund zu geben, die Banditen abzuschlachten. :pardon:

    Er sah aus wie 25. Vielleicht 30. Doch alles an ihm – seine Haltung, sein starrer Blick, die Schwere seiner Schritte – verriet etwas anderes. Ein Jahrhundert. Oder mehr.

    Wie sieht denn ein 25-30 jähriger in deiner Welt aus? Wie sieht er denn aus? Dunkelhäutig? Frisur? Kleidung? Du sagst mir nur, wie seine Haltung und sein Blick ist und dass das Anzeichen sind, um sein offenbar hohes Alter zu erkennen. Aber wie sieht er denn jetzt aus?
    Oder ist das nur so eine Floskel à la "Ich habe Rücken, ich bin alt!" ? :hmm:

    Unter dem Mantel zeichneten sich Konturen ab, die Gefahr versprachen: Klingen. Schwerter. Dolche. Weniger verborgen als schlichtweg ignoriert.

    Ich verstehe diesen Satz nicht. :schiefguck: Bin vermutlich zu dumm dafür.

    Für mich eine absolut unglaubwürdige Unterhaltung bzw. Szene. :pardon: Andere würden sagen "Geht dich nichts an, was wir hier machen."
    Warum lachen die unsicher? Sind die Banditen von ihrem Verhalten selbst nicht überzeugt? So wirklich kampfbereit wirken sie ja nicht. Du schreibst, der Wanderer bewegt sich nicht schnell und nicht hektisch. Also muss er sich maximal "normal schnell" bewegen? :hmm:
    Und wie langsam muss dann der Anführer sein, um zu langsam zu sein? Muss er etwa erst noch den Nippel durch die Lasche zieh'n und mit der Kurbel ganz nach oben ... Ich denke, du verstehst, worauf ich hinaus will. :/

    Er ging zur Tür, die noch immer im Wind schlug. Der Sturm brüllte hinein, als erkenne er ihn wieder — als wäre der Mann selbst ein Teil des Unwetters. Ein Blitz erhellte sein Gesicht erneut. Er wirkte jung. Aber sein Blick war alt. Zu alt für diese Welt.

    Wieder sagst du mir, dass er jung wirkt, aber sein Blick etwas anderes verriet. Kannst du es mir auch zeigen? :alien: Ich würde es gerne sehen wollen und nicht gesagt bekommen. :alien:

    Keiner der übrigen Gäste sprach. Keiner wagte es, sich zu bewegen. Der Fremde zog seinen Mantel zurecht, wischte seine Klinge beiläufig an dem Fellumhang eines der Toten ab und ließ sie zurück in die verborgene Scheide gleiten.

    Woher kommen auf einmal die Gäste? In meiner Vorstellung waren dort nur die Banditen, die Frau und der Wanderer. Die ganze Zeit lang wurde keine andere Person erwähnt oder irgendwie angedeutet, dass die Schänke in dieser Szene weitaus belebter sei. Die anderen Gäste waren offenbar auch einfach nur anwesend wie Pappaufsteller. Nicht mal ein Schankwirt wurde erwähnt. :pflaster:

    Jenifer kauerte in einer schmalen Felsnische. Ihre Hände waren blau angelaufen, die Finger so steif, dass sie sie kaum noch spürte. Das dünne Leinenkleid war längst durchnässt und klebte wie eine zweite, eiskalte Haut an ihrem schmächtigen Körper. Jedes Mal, wenn der Wind durch das Unterholz pfiff, zitterte sie so heftig, dass ihre Zähne aufeinander schlugen.

    Sie war allein. Ein kleines Licht in einer viel zu großen, dunklen Welt.

    Als ich diesen Absatz gelesen habe, stellte ich mir vor, dass Jenifer auf einem Berg in einer Felsnische /Felsspalte ist. Also nicht im Tal oder ähnlichem. Zwar erwähnst du Unterholz, aber für mich war das nicht in unmittelbarer Nähe, sondern schon einige dutzend Meter entfernt. Zumal du schreibst, dass sie allein war. Vermutlich wieder nur so eine Floskel wie vermutlich vieles in deinem Text. :hmm:
    Und da habe ich mich gefragt, wie sie dort hinkommt und was sie dort macht. Und wie alt sie ist. Und ...

    Der Fremde aus der Schänke trat aus dem Schatten der Bäume. Sein dunkler Mantel peitschte im Wind wie die Flügel eines Todesengels. Er zog keine Waffe. Er sah die Tiere nicht einmal an. Er strahlte eine solche Kälte und Dominanz aus, dass die Wölfe schlagartig das Weite suchten und im schwarzen Dickicht verschwanden.

    Auch wieder nur Metaphern. Du hättest mir hier auch wieder wunderbar zeigen können, dass es der Wanderer aus der Schänke war. Lass den Leser selbst drauf kommen, welche Personen sie sind. Im Theater erkennt man das anhand der Kleidung, der Sprechweise etc. Du sagst mir schlicht und einfach, dass es der Fremde ist. :(

    „Ich...“, sie schluckte und sah zu ihm auf. Trotz der Angst wollte sie nicht nur ein namenloses Ding im Wald sein. „Ich bin Jenifer.“

    Ich nehme diese Information erstmal so auf, dass es für sie Gang und Gäbe ist, den Leuten im ersten Satz ihren Namen zu verraten und selbst dafür keine Info vom Gegenüber zu verlangen. :newspaper:

    Der Fremde hielt inne. Er wiederholte den Namen nicht. Er nickte nicht einmal. In seinen silber-grauen Augen flackerte kurz etwas auf – ein Schatten von Erinnerung oder vielleicht nur die Reflexion eines Blitzes.

    „Namen sind in dieser Welt nichts wert, Jenifer“, sagte er kühl. „Nur das Überleben zählt.“

    Doch, er hat den Namen wiederholt! Genau 2,5 bis 3 Sätze später! Aber warum sagt er ihren Namen, wenn für ihn Namen doch offensichtlich nichts wert sind? :S

    „Wer sind Sie?“, wagte sie zu fragen, während sie sich in den Stoff wickelte.
    ...
    ...
    Der Fremde wandte sich bereits ab und blickte in die Dunkelheit, dorthin, wo die Ruinen der alten Welt wie Knochen aus der Erde ragten. „Niemand, der für dich von Bedeutung sein sollte“, antwortete er. „Komm jetzt. Der Sturm ist nicht das Einzige, was in dieser Nacht Jagd macht.“

    Tatsächlich?! :rolleyes: Wäre ich nach dem Wolfangriff niemals drauf gekommen! =O

    Er setzte sich neben sie, die Hand fest am Griff seines pulsierenden Schwertes. Sein Blick war voller Misstrauismus. Wer – oder was – war dieses Mädchen? Und warum sprach sie eine Sprache, die selbst die ältesten Dämonen vergessen hatten?

    Oh wo ist denn das? Danke für das Lob.

    Ceresiania ich weiß nicht was du hast, kennst du das nicht etwas Misstrauismus. So misstrauismus durch leben gehen misstrauismus einkaufen misstrauismus ist doch überall :phatgrin:

    Also wenn du selbst nicht mal weißt, was du geschrieben hast oder wo du solcherlei Wörter eingebaut hast, dann weiß ich auch nicht weiter! :pflaster: Das Wort sticht so sehr ins Auge, das kann man nicht übersehen! =O

    „Kleines Weib… zuerst nehmen… dann essen…“

    Kannst du es mir zeigen? :alien:

    Er war umzingelt. Unbewaffnet. Sein Mantel und seine Dolche lagen bei dem Mädchen. Er knurrte ein einziges Wort: „Fehler.“

    Was ist hier der Fehler? Dass er seine Dolche nicht bei sich hat, oder dass die Orks ihm so nahe gekommen sind? Denn er ist doch selbst schuld, wenn er seine Dolche im Mantel lässt. Und für so "dumm" schätze ich ihn eigentlich nicht ein. Selbst wenn es beabsichtig gewesen sein sollte von ihm, wäre es doch eigentlich nicht wichtig, es so darzustellen. :schiefguck: Zumal du vorher auch noch andere Waffen erwähnt hast. Also sind die Dolche doch ohnehin nicht wichtig oder ...? :S

    Ein gleißender, azurblauer Lichtstoß explodierte um sie herum. Die Druckwelle war so gewaltig, dass sie den herbeistürmenden Ork wie eine Puppe zurückschleuderte. Doch die Macht ließ ihn nicht einfach los. Seine Finger, die eben noch nach ihr greifen wollten, begannen sich in der Luft zu verdrehen. Einer nach dem anderen brachen die Knochen mit einem peitschenden Knallen nach hinten.

    Warum kann Jenifer das auf einmal? :S Weiß sie das selbst nicht, was da passiert bzw. zu was sie fähig ist? Und ist das dort überhaupt schon wichtig, es zu leaken, was sie kann?

    Ich bin ja soweit fertig. Einige Sachen gestern noch gemacht was meine Saga angeht. Aber mir wurde mitgeteilt, ich soll nur ein Kapitel immer senden :schiefguck: :) Wenn jemand Lust auf Probelesen hat, gerne mir bescheid geben.

    Ja aber langsam, dennoch würde ich mich über Probeleser freuen. Also wenn du Lust hast kann ich dir gerne alles zur Verfügung stellen.

    Soll das heißen, dass die Leute, die hier in diesem Thread kommentieren nicht gleich als Probeleser gelten? :schiefguck: Kann ich mir also die Arbeit hier sparen?
    Da komme ich jetzt zu dem Punkt: Was genau wünschst du dir eigentlich? Einfach nur Leute, die deine Geschichte lesen und sagen "passt" oder "passt nicht" oder Leute, die tatsächlich Kritik üben sollen, Verbesserungsvorschläge etc.?

    Bis jetzt wirkt dein Text auf mich eher wie Quantität und weniger wie Quallität. :/ Ich habe auch irgendwie den Eindruck, dass es dir egal ist, was die Leute zu deiner Geschichte schreiben. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass bisher kaum auf deinen Text eingegangen wurde und du dich deshalb vielleicht nicht verpflichtet fühltest, auf die Kommentare der anderen genauer einzugehen. :pardon:
    Also hier meine Frage: Soll ich den Text einfach nur lesen oder ist auch tatsächliches Feedback sowie Kritik erwünscht? Und wird auf die Kritik auch (ab und an) eingegangen?

    Mit deinen beiden Hauptfiguren (Wanderer und Jenifer) kann ich bisher noch gar nichts anfangen. Irgendwie können die beiden alles, überstehen alles und dürfen alles. :schiefguck: Und irgendwie rennst du ziemlich schnell durch die Story durch. Das hat glaube ich auch schon Amafiori angemerkt, dass die Kapitel offenbar nicht nahtlos anknüpfen, sondern mit gewissen Zeitsprüngen darin.