Tommy träumt von Dinosauriern. Eine Kurzgeschichte in zwei Versionen. Mensch und KI.

Es gibt 7 Antworten in diesem Thema, welches 770 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (13. Mai 2026 um 10:49) ist von Thorsten.

  • Wie angekündigt ein Experiment. Ich schrieb eine Kurzgeschichte und ließ anschließend eine Ki ihre Version davon schreiben. Ich wollte mal die Unterschiede sehen und ob man einem Text ansehen kann, dass er von einer KI verfasst wurde.

    Zuerst mein Text.

    Tommy träumt von Dinosauriern.

    Wie immer ärgerte sich Tommy darüber, dass er nichts in seinen Traum mitnehmen konnte. Keinen Stift und kein Notizheft. Eine Taschenlampe wäre auch sehr praktisch gewesen. Ganz zu schweigen von einem Smartphone, dessen Nutzen sich allerdings in engen Grenzen gehalten hätte, wie er sich eingestand. In dieser Welt gab es garantiert kein Netz. Wer Elektrizität benötigte, musste auf Blitze hoffen.

    Wieder einmal begann sein Traum in tiefster Nacht. Es war stockfinster. Wie sollte er da herausfinden, in welcher Epoche er gelandet war? Jura? Kreidezeit? Wenn wenigstens der Mond und die Sterne für etwas Beleuchtung gesorgt hätten. Aber sie verbargen sich hinter einer dichten Wolkendecke. Es regnete.

    Zu den Merkwürdigkeiten dieser seltsamen Umgebung gehörte der Umstand, dass nichts ihn berühren konnte. Selbst im schlimmsten Wolkenbruch blieb er trocken. Von Stürmen entwurzelte Bäume flogen an ihm vorbei. Mücken stachen ihn nicht, Raubtiere ignorierten ihn. Andererseits war er imstande, alles anzufassen, was er wollte. Sogar einen Allosaurus. Er hatte seinen ganzen Mut zusammenkratzen müssen, um sich einem dieser Ungeheuer zu nähern und es sogar zu streicheln.

    Doch nicht alles passte in diese Logik.Er konnte atmen, was wohl kaum möglich gewesen wäre, wenn ihn der Luftsauerstoff gemieden hätte. Bei grosser Hitze schwitzte er durchaus. Auch war er schon über Baumwurzeln gestolpert. Dem Autor einer Erzählung hätte man derlei Unstimmigkeiten ankreiden müssen. Aber das hier war ein Traum. Da galten wohl andere Maßstäbe,

    Endlich riß die Wolkendecke auf. Der Mond kam zum Vorschein. Aus seinem Erscheinungsbild ließ sich leider nicht ableiten, in welcher Vergangenhei sich Tommy befand. Zwar entfernte sich der Trabant stetig von der Erde, aber nur um wenige Zentimeter pro Jahr. In 100 Millionen Jahren summierte sich das auf etwa 5000 Kilometer. Tommy konnte trotzdem keinen Unterschied zu seinem gewohnten Nachthimmel erkennen. Kein Wunder angesichts der Entfernung zwischen Mond und Erde in seiner Zeit, die sich auf 384000 Kilometer belief. Hier waren es eben 379 000 Kilometer. Für den Betrachter lief das beinahe auf dasselbe hinaus. Hätte der Junge eine Armbanduhr dabei gehabt, wäre ihm allerdings aufgefallen, dass die Tage deutlich kürzer waren als bei ihm zu Hause. Damals hatte sich die Erde schneller gedreht.

    Auch der Sternenhimmel half nicht wirklich weiter. Wie sein Vater begeisterte sich Tommy für Amateurastronomie. Daher waren ihm die Sternbilder durchaus vertraut. Er wußte auch, wo er den Polarstern zu suchen hatte.

    Doch den gab es hier nicht. Keine Spur auch vom Großen Wagen. Hier sah das Firmament völlig anders aus. Deshalb hatte Tommy schließlich seine eigenen Sternbilder kreiert. Da gab es beispielsweise die Ketchupflasche, die Dampflok und natürlich Elvis. Einige der fernen Himmelskörper hatten sich, von dieser Urerde aus gesehen, so formiert, dass sie den King recht treffend abbildeten, die Haartolle inklusive. Wenn er das noch hätte erleben dürfen!

    Langsam wurde es hell. Das Tageslicht zeigte ihm den dichten Wald, in welchem er gelandet war und der teils fremdartig, teils aber auch auf seltsame Weise vertraut wirkte. Die Nadelbäume hätten durchaus in den Schwarzwald gepasst. Anders als die Riesenfarne. Sie kamen ihm vor wie Besucher aus einer fernen Welt. Von Unterholz konnte man noch nicht sprechen. Es gab lediglich ein paar kleine, blaßgelbe Blütenpflanzen, natürlich weitere, kleine Farne und eine erstaunlich große Auswahl an Pilzen. Sogar Steinpilze hatte er schon entdeckt, vorsichtshalber aber nicht probiert.

    Ein Geräusch erregte seine Aufmerksamkeit. Als ob etwas Großes, Schweres durch die Naturlandschaft stapfte. Vorsichtig arbeitete er sich weiter vor. Dann sah er das Wesen. Es ähnelte einem Allosaurus. Größe und Schädelform stimmten. Wie gewaltig dieses Untier war! Neben ihm hätten Elefanten gewirkt wie Kleinvieh. Es verfügte auch über die charakteristischen langen Arme, die in dreifingrigen, krallenbewehrten Fingern ausliefen. Doch die Hörner fehlten. Dafür war ein dichtes, grauschwarzes Federkleid vorhanden, das den gesamten Rumpf bedeckte. Das war eine neue Art! Die er entdeckt hatte! Und er wusste auch schon, wie er sie nennen sollte.

    Tommysaurus!

    Das begeisterte ihn so, dass er aufwachte. Sofort sprang er aus dem Bett, machte das Licht an, eilte an seinen Schreibtisch und griff nach seinem Notizheft. Solange die Erinnerung noch frisch war, musste er unbedingt eine akribische Zeichnung des neuen Sauriers anfertigen. Was auch gelang. Stolz betrachtete er sein Werk.

    Die Tür ging auf. "Schon wieder einer dieser Träume?", fragte seine Mutter besorgt. "Das ist doch kein erholsamer Schlaf mehr! Morgen gehen wir zum Arzt. Mach dich jetzt fertig. Ohne Frühstück kommst du mir nicht aus dem Haus!"

    Er fühlte sich wirklich müde und zerschlagen. So faszinierend ihm seine nächtlichen Abenteuer auch vorkamen, sie kosteten ihn genauso viel Kraft wie ein zweites Leben. Eigentlich schlief er gar nicht mehr.

    Kein Wunder, dass er sofort einschlummerte, sobald er sich im Schulbus auf seinen Platz gesetzt hatte.

    Und er träumte. Zum ersten Mal tagsüber. Er stand an einem Fluss, in dem sich irgendetwas auf ihn zubewegte. Er fühlte einen Stich. Entgeistert nahm er die Mücke in Augenschein, die er reaktionsschnell erschlagen und zerquetscht hatte.

    Sie hatte ihn angegriffen! Hinter sich vernahm er ein Grollen.

    Das brachte ihn in die Wirklichkeit zurück. Er erwachte. Bei Tagträumen galten wohl andere Regeln!

    Jetzt die KI.

    Meine Anweisung lautete:

    Schreibe eine Kurzgeschichte.

    800 Worte

    Inhalt: Der zehnjährige Tommy träumt jede Nacht, er sei im Zeitalter der Dinosaurier.

    Dort kann ihn nichts berühren oder gar verletzen.

    Aber er kann alles anfassen.

    Anhand des Sternenhimmels versucht er herauszufinden, in welcher Epoche er sich befindet.

    Er entdeckt eine neue Saurierart.

    Schließlich träumt er erstmals tagsüber. In diesem Traum sticht ihn eine Mücke. Er erkennt, dass Tagträume gefährlich sind.

    Es folgt der Text der KI:

    Der zehnjährige Tommy war ein Grenzgänger. Sobald er den Kopf auf das Kissen legte, verwandelte sich das sanfte Rauschen des Windes vor seinem Fenster in das gewaltige Dröhnen eines urzeitlichen Dschungels.

    In seinen Träumen war Tommy unverwundbar.

    Er war ein Geist in einer Welt aus Giganten, ein unsichtbarer Beobachter, den kein Reißzahn durchdringen und keine Kralle verletzen konnte.

    Er konnte die raue, warme Haut eines schlafenden Triceratops berühren oder seine Hand in das brodelnde Maul eines Vulkans stecken, ohne mehr als ein angenehmes Kribbeln zu spüren.

    In dieser Nacht fand er sich auf einer weiten, farnbewachsenen Hochebene wieder. Die Luft schmeckte dick und süß nach Sauerstoff und Farnsporen.

    Tommy setzte sich ins Hohe Gras und blickte nach oben. Das war seine Routine.

    Er war kein gewöhnlicher Träumer; er war ein Chronist. Er wußte, dass die Kontinente wanderten, aber die Sterne erzählten die wahre Geschichte der Zeit.

    Er suchte nach dem Kreuz des Südens und der Position des Polarsterns, aber das Firmament sah völlig fremd aus.

    Die Sternbilder, die er aus seinen Astronomiebüchern kannte, waren verzerrt, als hätte jemand am Tuch des Universums gezogen.

    Anhand der Präzession und der ungewöhnlichen Dichte des Milchstrassenbandes kombinierte er messerscharf. Er musste sich in der späten Kreidezeit befinden, etwa vor 70 Millionen Jahren. Doch die Konstellationen deuteten auf eine leichte Abweichung hin. Vielleicht war er an einem Ort, den die Paläontologen noch gar nicht auf dem schirm hatten.

    Plötzlich bebte die Erde. Es war kein rhythmisches Stampfen sondern ein schnelles, fast elegantes Trippeln. Aus dem Dickicht der Mammutbäume trat ein Wesen, das Tommy noch nie gesehen hatte. Es war etwa so groß wie ein Pferd, aber von graziler, vogelähnlicher Gestalt.

    Sein Körper war mit schimmernden, pfauenblauen Federn bedeckt, die im fahlen Mondlicht metallisch glänzten. Das erstaunlichste aber war der Kopf. Er besaß einen flachen, knöchernen Kamm, der wie eine Sichel nach hinten gebogen war.

    Und an den Vorderläufen trug er drei lange, feingliedrige Finger mit fast menschlich wirkenden Nägeln,

    "Ein Psilo-Saurus"", flüsterte Tommy ehrfürchtig und erfand den Namen auf der Stelle.

    Das Tier blieb direkt vor ihm stehen. Es sah ihn nicht- niemand sah ihn hier - aber es schnupperte in seine Richtung. Tommy streckte die Hand aus und fuhr über die kühlen, seidigen Federn am Hals des Tieres. Es fühlte sich absolut real an. Er war der einzige Mensch, der wußte, dass die Evolution diesen blauen Jäger hervorgebracht hatte.

    Am nächsten Morgen fiel es Tommy schwer, in der Schule wach zu bleiben. Die Realität war grau, laut und staubig Während Herr Meyer über die Bruchrechnung dozierte,starrte Tommy aus dem Fenster auf den staubigen Schulhof. Die Sonne schien warm auf seinen Nacken. Er schloss die Augen nur für einen Moment, wollte nur kurz zurück zu den blauen Federn und dem fremden Sternenhimmel.

    Plötzlich war er wieder da. Doch etwas war anders. Er stand nicht auf der Hochebene, sondern im dichten Sumpfland. Die Sonne stand hoch im Zenit. Eine brennende weiße Scheibe. Es war sein erster Tagtraum. Tommy fühlte sich schwerer als sonst. Präsenter.

    Ein hohes Summen drang an sein Ohr. Eine prähistorische Mücke, groß wie eine Libelle, kreiste um seinen Arm.

    Tommy lächelte. "Du kannst mir nichts tun", dachte er, wie er es jede Nacht dachte. "Ich bin ein Geist".

    Doch dann landete das Insekt. Tommy spürte das Gewicht der haarigen Beine auf seiner Haut. Er erstarrte. Die Mücke stach zu. Ein brennender, stechender Schmerz schoss durch seinen Unterarm, heisser und realer als alles. was er je im Schlaf erlebt hatte. Er schrie auf und schlug nach dem Tier. Doch seine Hand fühlte sich bleiern an.

    "Tommy, setzt dich hin!"

    Mit einem Ruck riss er die Augen auf. Er stand mitten im Klassenzimmer, sein Stuhl war umgekippt. Die Mitschüler kicherten. Herr Meyer sah ihn streng an Tommy atmete hastig, sein Herz raste wie das eines gejagten Hypsilophodon, Er blickte auf seinen rechten Unterarm. Dort, genau unter der Armbeuge, schwoll eine rote, heiße Pustel. Es brannte höllisch.

    In diesem Moment begriff Tommy die bittere Wahrheit. In der Nacht schützte ihn die Tiefe seines Bewusstseins, die klare Grenze zwischen den Welten. Doch der Tagtraum war eine Brücke ohne Geländer. Wenn er die Realität verliess, während sein Körper noch wach und empfindlich war, verschwanden die Regeln.

    Im Tagtraum war er kein Beobachter; er war Beute. Die Unverwundbarkeit war der Preis für die Dunkelheit der Nacht.

    Er setzte sich schweigend hin und versteckte den brennenden Stich unter seinem Ärmel.

    Er würde weiter träumen, natürlich.

    Aber die Sonne gehörte ab jetzt der echten Welt.

    Denn wer am hellichten Tag zwischen den Welten wandelte, riskierte, dass die Urzeit ihre Zähne nicht nur zeigte, sondern auch benutzte.

    SOWEIT DIE KI.

    Sie hat einen blumigeren Stil als ich und einen Hang zum Pathos und zu Phrasen. Kann man daran KI-Texte erkennen?

  • Ich habe erwartet, dass sich die KI-Version maschinenhafter liest. Leblos. Statt dessen wirkt sie eben blumig und überladen. Im Vergleich kommt mir mein Text wesentlich nüchterer vor. Das hätte ich nicht erwartet.

  • Zitat

    Statt dessen wirkt sie eben blumig und überladen.

    Ok. Über Geschmack lässt sich streiten... Ich würde dir aus vielfältigen Gründen empfehlen ohne K.I. zu üben.

    Strahd van Zarovich is dead! Also: Stop starring at the sun!

  • Kann man daran KI-Texte erkennen?

    Die deutlichsten Anzeichen finde ich eigentlich inhaltlich und stilistisch.

    Anhand der Präzession und der ungewöhnlichen Dichte des Milchstrassenbandes kombinierte er messerscharf. Er musste sich in der späten Kreidezeit befinden, etwa vor 70 Millionen Jahren.

    Tommy kann messerscharf aus einem 26.000 Jahr-Zyklus (passen immerhin 2692.Praesessionszyklen in die 70 Millionen Jahre) und der mittleren stellaren Evolution der Milchstrasse die Zeit ermitteln in der er ist - ich gebe zu ich waere ueberfordert damit.

    Auf der anderen Seite lernt er grade das

    Während Herr Meyer über die Bruchrechnung dozierte,

    Hm... Ein Mathegenie sitzt kommentarlos in einer Klasse ueber Bruchrechnung.

    ***

    Fehler gibt's allerdings auch auf der anderen Seite

    In 100 Milliarden Jahren summierte sich das auf etwa 5000 Kilometer.

    Millionen, nicht Milliarden. so alt ist das Universum gar nicht...

    Die Idee aus der visuellen Groesse des Mondes (die ja ohne Hilsfmittel auch nicht so wahnsinnig toll zu messen ist) die Epoche zu bestimmen ist genauso zum Scheitern verurteilt wie die Idee, die Praezession der Erdachse zu Hilfe zu nehmen.

    Nur wird sie halt nicht wieder in der Schule aufgenommen...

    ***

    Im Tagtraum war er kein Beobachter; er war Beute. Die Unverwundbarkeit war der Preis für die Dunkelheit der Nacht.

    Der zweite Satz ist ein komplettes non-sequitur - die Unverwundbarkeit ist kein Preis den er zahlt...

    Er konnte die raue, warme Haut eines schlafenden Triceratops berühren oder seine Hand in das brodelnde Maul eines Vulkans stecken, ohne mehr als ein angenehmes Kribbeln zu spüren.

    Die beiden Beispiele in einem Satz zusammen machen keinen Sinn - einen schlafenden Triceratops zu beruehren ist nicht gefaehrlich - und ein Vulkan hat kein Maul sondern einen Krater, der ist ein gut Stueck groesser als eine Hand oder ein Maul, das Bild ist schraeg - aber Lava ist tatsaechlich gefaehrlich.

    Er suchte nach dem Kreuz des Südens und der Position des Polarsterns, aber das Firmament sah völlig fremd aus.

    Fuer jemanden der profunde Kenntnisse von Astronomie hat, ist 'und' hier recht deplatziert. Der Polarstern ist nahe dem noerdlichen Himmelspol, das Kreuz des Suedens nahe dem suedlichen - schwer gleichzeitig am Himmel zu sehen.

    'oder' waere das inhaltlich passende Wort.

    ***

    Sie hat einen blumigeren Stil als ich und einen Hang zum Pathos und zu Phrasen.

    Glaube ich nicht - die Software ahmt ja irgend einen menschlichen Schreiber nach, wenn Du einen bestimmten Stil verlangst, dann ahmt sie halt einen anderen nach - die logischen und stilistischen Fehler allerdings sind eingebaut wenn man Verstaendnis fuer eine Szene durch Statistik ersetzt.

    Ausserdem tut die Software tatsaechlich, was ihr aufgetragen wurde - Du nicht. Du haengst Dich weitgehend mit der Bewegung des Mondes auf (irgendwie hat Dich die Idee begeistert) und aus Deinem Text kommt nicht heraus dass Tagtraeume gefaehrlich sind.

  • Ja danke, es muss natürlich 100 Millionen Jahre heißen. Dass Tagträume gefährlich sind, habe ich nur angedeutet. Ein Mückenstich, ein Grollen. Die KI hingegen ist in die Vollen gegangen. Kann man so machen. Ist wohl Geschmackssache.

  • KI kann keine gute Prosa schreiben. Wenn überhaupt, ist das nur möglich durch gezieltes prompten. Soll heissen, man passt seine Vorgaben gezielt an und gibt der KI auch Hinweise auf Logiklücken und Redundanzen. Dann kann man evtl. etwas sinnvolles von der KI erhalten, aber auch das kommt auf die Details der Angaben an. Zudem mag das bei einer 800 Wörter langen Kurzgeschichte, mit vergleichsweise simpler Thematik, noch einigermassen gut funktionieren. Je komplexer und länger jedoch eine Geschichte wird, desto unbrauchbarer werden die KI Modelle.

  • Nach ein wenig sacken lassen - ich find' das Experiment schon interessant.

    ***

    Einmal wuerde man die Software am ehesten dran erkennen, dass sie logische Brueche produziert - je weiter im Text entfernt, desto wahrscheinlicher.

    Zum Beispiel wird die Szenerie erst geschildert als

    In dieser Nacht fand er sich auf einer weiten, farnbewachsenen Hochebene wieder.

    aber spaeter ist sie ganz anders:

    aus dem Dickicht der Mammutbäume trat ein Wesen,

    Solche Fehler machen menschliche Autoren natuerlich auch - aber selten auf einer so kurzen Strecke.

    ***

    Dann sind viele der Metaphern und Bilder der Software ein bisschen schraeg, z.b. das 'Dickicht der Mammutbaeume' (wenn man sich mal einen Wald von Redwoods anschaut, dann ist der recht offen und hat eben kein Dickicht - die Redwoods brauchen viel Platz und stehen weit auseinander)

    Oder das 'als hätte jemand am Tuch des Universums gezogen' - es macht Sinn, den Nachthimmel als Flaeche zu betrachten und mit einer Tuchmetapher zu versehen- aber wenn man vom Universum redet, passt das eher nicht.

    Oder das 'Maul des Vulkans'...

    Die Vorliebe der Software korrelliert also nicht mit einem besonders gekonnten Einsatz.

    ***

    Ich glaube, was mir am meisten auffaellt, ist, dass die Geschichte keine Idee dahinter hat - es ist alles nur Oberflaeche.

    Formal wuerde ich keinen der beiden Texte als Kurzgeschichte auffassen - es sind kurze Geschichten, aber es fehlt irgendwie das zugespitzte Geschehen einer Kurzgeschichte - der Punkt warum die Geschichte erzaehlt wird.

    Aber 20thcenturyman - in Deinem Text schimmert eine Faszination fuer Tommy durch. Die Art wie er Zahlen zum Mond runterrasseln kann (die wohl aus einem Astronomiesachbuch kommen) und dann Sternbilder erfindet, ueber sein Smartphone nachdenkt - das faengt irgendwie einen Jungen in dem Alter ein. Ich nehme da einen Eindruck mit.

    Bei dem Text der Software ist das nicht so - das ist praktisch alles Huelle, teils glitzernd, teils geht der Lack ab - aber Inhalt ist nicht zu erkennen. Was ist der Punkt der Geschichte? Ich zucke etwas mit den Schultern, Tommy bleibt mir fern und fuegt sich nicht zu einem plausiblen Charakter, das Geschehen ist schon anschaulich erzaehlt, aber fuegt sich nicht zu einem Spannungsbogen - im Endeffekt ist es halt ein Text, keine Geschichte und ganz bestimmt keine Kurzgeschichte.