Es ist lange her, aber ich habe es endlich geschafft mal wieder eine Geschichte zu schreiben an der ich wirklich Spaß habe und das Schreiben nicht zur Qual wird, sondern halbwegs leicht von der Hand geht. Ich warne euch gleich vor, es geht um Vampire, Werwölfe, Hexen etc. wen das nicht interessiert, für den ist diese Geschichte nichts. Dennoch sind alle natürlich herzlich dazu eingeladen, diese Geschichte zu lesen und zu verfolgen.
Meine Geschichte ist bis jetzt auf fünf Teile ausgelegt, also wird nicht jedes Geheimnis in den ersten Kapiteln verraten... ![]()
Ich wünsche Euch allen viel Spaß beim Lesen ![]()
Edit: So meine lieben, ich habe den Part dann einmal entsprechend überarbeitet. Der Name des Hundes hat sich geändert.
Aurelia Falls
-
Todeskuss
Kapitel 1
Endlich Ruhe!
Ich ließ mich seufzend in den Schreibtischstuhl fallen. Hier im Büro konnte ich während meiner Pause endlich ein bisschen abschalten. Bevor ich wieder nach vorne in den Schrankraum und den Rest meiner Schicht im Vance´s hinter mich bringen musste. Die Pause hatte ich dringend nötig. Der Laden war brechend voll. Das Tammy, eine unserer Kellerinnen, sich heute kurzfristig krankgemeldet hatte, war dabei nicht sonderlich hilfreich. Allerdings hatte ich in der kürze der Zeit, keine Gelegenheit gehabt nach Ersatz zu suchen, also mussten heute alle etwas tatkräftiger ans Werk gehen als sonst.
Das an einem Donnerstagabend so viel Betrieb war, war letztendlich nur dem Heimspiel unseres High School Football-Teams zu verdanken. Versteht mich nicht falsch, ich freue mich darüber, wenn der Laden brechend voll ist und die Leute in Feierlaune sind, weil wir das Spiel gewonnen haben, aber vor dem Hintergrund das mir an diesem Abend eine Kellnerin fehlte, hob dies nun wirklich nicht meine Laune.
Ich lehnte mich zurück, hob die Beine auf die Schreibtischkante und schlug sie über einander. Mit geschlossenen Augen kostete ich die Stille in vollen Zügen aus.
Erst in diesem Moment wurde ich mir meiner hämmernden Kopfschmerzen bewusst, die sich sicherlich auf die Geräuschkulisse im Vorderenteil des Bistros befand. Ich rieb mir die Schläfen und hoffte, so den Schmerz vertreiben zu können, doch leider ohne Erfolg.
Ich griff blind nach dem Kaffeebecher, welchen ich mit ins Büro genommen hatte, und trank einen großen Schluck. In vollen Zügen genoss ich es, als mir die heiße Flüssigkeit den Hals hinunter ran. Ich nahm sofort einen weiteren Schluck von dem flüssigen Gold.
Ich rieb mir erneut die Schläfen, aber auch dieses Mal wollten die Kopfschmerzen nicht vergehen. Wahrscheinlich würden sie erst zur Ruhe kommen, wenn ich abends alleine in meinem Haus war und kein Geräusch mehr zu hören war. Aus irgendeinem Grund, der sich mir noch nicht so recht erschließen wollte, reagierte ich heute besonders empfindlich auf diesen Lärm. Sonst setzten mir dieser nicht so sehr zu, aber an diesem Tag, war es anders. Warum auch immer.
Ich stöhnte genervt, setzte mich wieder vernünftig an den Schreibtisch und nahm einen erneuten Schluck aus dem dampfenden Kaffeebecher. Dabei fiel mein Blick unvermittelt auf die Aurelia-Falls-Gazette, die Tageszeitung. Da die Zeitung hier liegt, gehe ich mal davon aus, dass es Jay gelungen war vor der Schicht einen Blick hineinzuwerfen.
Geistesabwesend blätterte ich die Zeitung durch, bis ich auf Seite 6 an der Vermisstenanzeige eines 16-jährigen Mädchens aus Boston hängen blieb. Ich runzelte die Stirn, weil ich mich wunderte, dass diese Anzeige so weit hinten auftauchte und nicht direkt auf der Titelseite gelandet war. Ich trank den letzten Schluck aus meiner Tasse und begann die Anzeige zu lesen.
Meine Augen huschten über die Zeilen. Bei jedem weiteren gelesenen Wort vertiefte sich mein Stirnrunzeln weiter.
Je mehr ich las, desto mehr hatte ich das Gefühl eines Déjà vu´s.
Vor knapp vier Wochen war bereits ein anderes Mädchen entführt worden und seither auch nicht wieder aufgetaucht. Zwei vermisste 16-jährige Mädchen mit kurzen braunen Haaren und grauen Augen. Das schien kein Zufall zu sein. Die Geschichten hingen sicherlich zusammen. Man konnte nur hoffen, dass hier kein Serientäter am Werk war.
In mir machte sich Sorge und ein ungutes Gefühl breit. Ich hoffte, dass keiner von uns an dieser Geschichte beteiligt war. Das könnte zu einigen riskanten Problemen führen.
Während ich noch darüber nachgrübelte, ob die Mädchen einem Vampir zum Opfer gefallen oder irgendwelchen perversen Menschen waren, wurde die Bürotür aufgerissen und Jay steckte seinen Kopf hinein.
„Rina?“
„Hmhm…“, machte ich bloß und hielt meinen Blick auf das kleine körnige Foto in dem Artikel gerichtet, welche das verschwundene Mädchen zeigte.
„Rina?“, sprach Jay mich noch einmal an mit festerer Stimme und riss mich so aus meinen Gedanken.
„Ja, was ist denn?“
„Da ist jemand, der sich noch von dir verabschieden möchte“, erklärte er mir grinsend und verschwand wieder.
Mit gerunzelter Stirn und gedanklich noch ganz wo anders, folgte ich ihm aus dem Büro. Ich lief vorbei am Lagerraum, den Toilettenräumen, der Umkleide und der Küche, bis ich nach vorne in den Schankraum gelangte. Dort ging in an dem Billardtisch, den Dartscheiben, den Flipperautomaten und der halbhohen Trennwand vorbei zum Bartresen hinter dem Jay bereits wieder verschwunden war.
Er hatte sich bereits wieder an die Arbeit gemacht und lauschte den Worten von Sheriff Bud Simmons, der sich einmal mehr über den ganzen Papierkram beklagte.
Fragt mich mal. Eine Bar macht auch einen Haufen Papierkram, den ich noch zusätzlich zu meiner normalen Arbeit hinter der Theke bewerkstelligen musste.
Ich wandte meinen Blick von den beiden ab und meinem Lieblingsgast zu, die bereits ungeduldig auf mich wartete. Als sie mich aus dem Flur kommen sah, hüpfte sie aufgeregt auf dem Barhocker auf und ab. Dann sprang sie herunter und rauschte wie der kleine Wirbelwind, der sie war, hinter die Theke und umarmte mich stürmisch.
„Rina!“, rief sie begeistert aus, als wenn wir uns Jahre nicht gesehen hätten und ich nicht nur 10 Minuten Pause gemacht hatte.
„Hey, Antonia, geht es nach Hause?“, fragte ich sie die daraufhin wild mit dem Kopf nickte.
„Mama sagt, wir müssen noch mit Apollo Gassi gehen“, erklärte mir der braune Lockenkopf.
Apollo? Ernsthaft?
„Ah ja, dass müsst ihr auf alle Fälle noch machen, sonst passiert ihm noch ein Missgeschick und das wollen wir doch nicht, oder?“
„Nein!“, rief sie und verzog angeekelt das Gesicht, als würde sie sich an ein solches Unglück erinnern. „Das wollen wir wirklich nicht!“
Ich lächelte und umarmte sie noch einmal. Ich schaute in die warm lächelnden Gesichtszüge ihrer Mutter, die vor der Theke stand und auf ihre jüngste Tochter wartete. Livia Molina war eine hochgewachsene Schönheit mit kurzen braunen Haaren, gütigen braunen Augen und ein äußerst geduldiger Mensch, der unglaublich liebevoll und fürsorglich mit ihren Kindern umging.
Die beiden 14-jährigen Zwillinge, Luka und Meredith, warteten ebenfalls ungeduldig auf ihre kleine Schwester. Sie verdrehten beide die Augen, als Antonia auch noch zu Jay rannte und auch diesen mit einer wilden Umarmung drückte. Er blickte etwas überrascht und hilflos auf sie herunter, lächelte dann aber freundlich und wuschelte ihr durch ihre wilde Lockenmähne.
„Toni, kommt jetzt endlich“, beschwerte sich Luka. „Wir wollen nach Hause.“
„Ich bin ja schon da!“, Sie hastete hinter der Theke hervor und stellte sich unschuldig lächelnd neben ihren großen Bruder. Sie schob ihre kleine Hand in seine Größere und wartete jetzt, dass es los gehen konnte. „Ich bin soweit.“
Meredith verdrehte erneut die Augen, packte dann ihre Geschwister an der jeweiligen Schulter und beförderte sie nach draußen, ohne sich zu verabschieden.
Teenager.
Die Zwillinge hätten sich tatsächlich nicht weniger gleichen können. Luka besaß die gleichen braunen Haare wie Livia, doch die stahlgrauen Augen seines leiblichen Vaters. Meredith dagegen besaß die braunen, warmen Augen ihrer Mutter und die langen schwarzen Haare, die denen ihres leiblichen Vaters so sehr glichen. Ich fand es jedes Mal, wenn ich die beiden sah, verblüffend wie sehr sie sich doch äußerlich Unterschieden und dennoch Spiegelbilder ihrer Eltern waren.
Antonia hingegen, sah ihrer Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich. Braune Augen und braune Locken, ebenso wie Livia in ihrer Kindheit und ein ebenso liebevolles wie friedfertiges Gemüt.
„Bis die Tage, Rina“, verabschiedete sich Livia winkend von mir und folgte dann ihren Kindern nach draußen.
Ich schaute den vieren nach und freute mich, dass sie mittlerweile wieder eine so harmonische Familie waren und die Kinder, die schlechten Erfahrungen anscheinend alle sehr gut weggesteckt hatten, die sie mit ihrem Vater hatten erleben müssen.
„Furchtbarer Name für einen Hund“, brummte Bud Simmons, der Sheriff von Aurelia Falls, vor sich hin, während er in sein Bierglas starrte.
Jay schmunzelte vor sich hin und wandte sich dann Lana zu, die mit einer neuen Getränkebestellung an die Theke kam.
Ungewollt riss mich Bud mit seinen Worten aus meinen Gedanken. „Findest du?“
„Ja“, gab er schlicht zurück.
„Ich finde ihn ganz passend. Immerhin ist das ein Wolfshund und kein Golden Retriever“, bemerkte ich.
„Stimmt. Ein riesiges Vieh von einem Hund, dass aber ja ganz lieb zu sein scheint. Ich habe dienstlich mit diesem Tier noch nie Probleme gehabt. Anders als mit diesen kleinen Kläffern von Miss Trudie“, erklärte Bud und nippte an seinem Bier. „Dennoch der Name ist einfach grauenhaft, wenn du mich fragst. Mich würde mal interessieren, wer von den dreien auf diesen Namen gekommen ist“, erwiderte er und trank erneut einen Schluck von seinem Bier, womit er den letzten Rest aus seinem Glas hinunterschluckte.
„Ja, mich auch. Ist schließlich kein Allerweltsname, sondern ein besonderer und doch äußerst ungewöhnlich“, entgegnete ich mit einem Stirnrunzeln und machte mir nun auch so meine Gedanken, wie die Kids auf den Namen gekommen waren.
„Besonders?“
„Hm…?“ Ich blickte Bud fragend an.
„Du sagtest, dass der Name besonders ist. Inwiefern?“, wollte der Sheriff nun doch interessiert wissen und schaute mich nun fragend an. Er schien ganz in seinem Element zu sein. Der Wahrheit auf der Spur.
Ich lächelte entschuldigend. „Ach so“, sagte ich und schüttelte den Kopf. „Naja, der Name Apollo ist mir bis jetzt nur ein anderes Mal untergekommen.“
Der Sheriff seufzte. „Rina, mach es nicht so spannend“, beschwerte er sich und forderte mich auf weiterzusprechen.
„Der Name stammt aus der griechischen Mythologie“, erwiderte ich erklärend und zuckte mit den Schultern.
„Griechische My… was bitte?“, fragte er vollkommen verwirrt.
„Griechische Mythologie“, wiederholte ich. „Du weißt schon… griechische Götter. Zeus, Hades, Poseidon? Schon einmal gehört?“
„Hmhm“, machte Bud nur und blickte genauso bedröppelt drein, wie zuvor.
Ich wusste ehrlich nicht, ob er was damit anfangen konnte oder nicht. Aber ich vermutete mal nicht. Vielleicht würde ich ja heute Abend den Horizont dieses Kleinstadt-Sheriffs erweitern.
„Also, Apollo ist einer der zwölf olympischen Götter. Er wird auch als Sonnengott und der Gott der Künste bezeichnet. Außerdem ist er als Weiberheld verschrien“, erklärte ich weiter und sah auf Buds Gesicht nur weitere Verwirrung.
Hier ist Hopfen und Malz verloren.
„Sollte mir das jetzt irgendwas sagen?“, fragte er weiterhin verwirrt und hatte seine buschigen Augenbrauen fragend erhoben, sodass sie fast vollständig unter der Hutkrempe seines Sheriff-Hutes verschwunden waren.
„Nein, muss es nicht“, gab ich lächelnd zurück und machte eine wegwerfende Handbewegung und suggerierte ihm damit, dass er das Thema vergessen sollte.
„Gut, du machst mir Kopfschmerzen mit solchen komischen Dingen, Rina“, grummelte er zurück.
Hinterwäldlerische Kleinstädte, ich seufzte im Stillen vor mich hin und schüttelte mit dem Kopf.
„Okay, ich lass dich in Ruhe“, erwiderte ich und machte mich wieder hinter der Theke an die Arbeit, bevor sich Jay beschweren konnte, dass ich nur in der Gegend herumstand.
„Machst du mir noch ein Bier?“, fragte Bud noch schnell, bevor ich ans andere Ende der Bar ging.
„Kommt sofort!“, gab ich zurück und dachte dennoch über die Namensgebung nach. Vielleicht sollte ich bei nächster Gelegenheit mal Antonia fragen, wer von den dreien sich den Namen ausgedacht hatte, überlegte ich mir und zapfte unterdessen für Bud das bestellte Bier und stellte es ihm vor die Nase. „Bitte schön.“
„Danke, meine Liebe.“
Ich nickte ihm zu und wandte mich dann den anderen Bestellungen zu, bei denen Jay hinterher hing.