Der Revolver-Zauberer

Es gibt 11 Antworten in diesem Thema, welches 544 mal aufgerufen wurde. Der letzte Beitrag (30. Mai 2026 um 22:55) ist von Maroth.

  • Hallo zusammen,


    hier eine Kurzgeschichte die ich vor einer Weile geschrieben habe. Ich hoffe englische Geschichten sind hier erlaubt :pupillen:
    Wenn ich mit meinem anderen Projekt fertig bin, würde ich vielleicht eines Tages gern daraus einen Roman machen, aber weiß schon, was die Zukunft bringt ^^

    Viel Spaß beim lesen! <3


    [EDIT] Auf Wunsch habe ich die Geschichte auf Deutsch übersetzt! Ich wünsche viel Spaß beim lesen der neuen Fassung :alien:


    Der Revolver-Zauberer


    Kalter Schweiß lief seinen Rücken herunter, als er sich gegen den Felsen presste. Hinter ihm konnte er seine Verfolger hören. Er versuchte seinen Atem zu beruhigen, - hustete und spuckte in den Sand.


    „Verteilt euch!“ Die Rufe hallten durch den Canyon. „Er kann nicht entkommen!“


    Seine Hände wühlten hektisch in tiefen Taschen seines staubigen Mantels, bis seine Fingerspitzen endlich den Pinsel fanden. Er befeuchtete die Spitze mit seiner Zunge, dann nahm er etwas von der schwarzen Farbe, die sich um seine Arme schlängelte. Augen in Konzentration verengt, fing er an unmöglich kleine Formen auf die Kugel zu malen, die er zwischen seinen Fingern hielt. Elegant - präzise, jede Form ein kleines Meisterwerk. Der kleinste Fehler hier könnte sein Ende bedeuten.


    Eine Explosion schlug ein Loch in den Felsen zu seiner Rechten. Steine stoben auseinander, rostroter Staub, stieg auf wie roter Nebel und verharrte in der stillen Mittagshitze. Das Loch das zurückblieb, war größer als sein Schädel. Primitv.


    „Letzte Chance!“, rief eine Stimme durch die Stille. „Ich will dich nicht in Stücken zurückbringen müssen.“ Er antwortete nicht - er zeichnete, gebückt über die Kugel. Seine letzte Chance. Eine weitere Explosion, Nebel und ein weiteres potenzielles Versteck verloren.


    Er steckte den Pinsel in seine Hemdtasche und befreite seinen alten Revolver aus dem Holster an seiner Seite. Alte Augen starrten traurig auf seinen Begleiter herab. Seine Finger schoben die letzte Kugel behutsam in die leere Trommel. Mit seiner freien Hand nahm er seine Taschenuhr aus seiner Mantelinnentasche und platzierte sie auf dem Boden. Seine Augen beobachten die Hände der Uhr. Es war so weit. Er spannte den Hammer, zielte auf den Boden und presste den Abzug. Ein trockenes Klicken war seine Belohnung.


    Er atmete tief ein, überprüfte die Uhr ein letztes Mal, schloss seine Augen und rief „Ich ergebe mich!“, seine Stimme älter und schroffer als er sie in Erinnerung hatte. Seine Knie protestierten, als er sich aus dem roten Staub erhob, Hände in die Höhe gestreckt. Sein Revolver hing traurig von seinem Daumen der im Abzugsbügel steckte.


    „Endlich“, hörte er einen der Verfolger aus einiger Entfernung seufzen. Langsam drehte er sich den Männern zu. Nur Drei waren von der Gruppe von einst Acht übriggeblieben. Zwei Revolver, ein Gewehr, letzteres verzaubert. Auch wenn es schwierig war genaues gegen das gleißende Sonnenlicht auszumachen. Er blinzelte. „Nun hat der Zauberer wohl endlich keine Tricks mehr übrig! Komm her, aber langsam - und lass deine Hände über deinem Kopf!“


    Er schielte ein letztes Mal auf seine Taschenuhr, die wie verloren auf dem Boden lag. Viel Zeit war ihm nicht geblieben. Er schritt langsam nach vorne. Jede Sekunde brachte ihn näher an seine Rettung oder sein Verderben. Der Zauber war nichts, was er für gewöhnlich gebrauchte. Um ehrlich zu sein, war es ein Konstrukt, das er in dem Moment seiner Flucht ersonnen hatte. Würden die Zeichen ihre Wirkung entfallen? Er würde seinem Instinkt vertrauen müssen. Er blieb einige Meter vor den Männern stehen, er war nun nah genug.


    „Hier“, sagte er mit rauer Stimme und warf den Revolver vorsichtig vor die Füße der Banditen. Der Mittlere, vermutlich der Anführer - ging langsam in die Knie ohne seine Waffe zu senken oder ihn aus den Augen zu verlieren und hob die Waffe vorsichtig auf. Die verbleibenden Zwei anderen waren weniger vorsichtig. Gierig betrachteten sie ihren Preis. Ein einzigartiges Stück, handgefertigt und verzaubert, sein Wert unermesslich. Deutlich mehr, als sie für seinen Körper bekommen würden. Der Mann auf der Rechten stieß einen Pfiff aus „Siehst du diese Zeichen? Ich habe so etwas noch nie gesehen! Wir werden reich sein!“ Und damit war die Zeit gekommen.


    Er hechtete rückwärts und presste seinen Rücken an einem Felsen, den Kopf tief geduckt. Die drei Männer richteten sofort alarmiert die Waffen auf sein Versteck. Eine Sekunde verstrich. „Erschießt den Zauberer!“ Hörte er den Anführer brüllen - dann passierte es. Eine Explosion erschütterte den Canyon. Trümmer schossen wie Kanonenkugeln an seinem Versteck vorbei und der Boden schien zu erzittern. Er duckte sich tief in sein Versteck, bis nichts mehr zu hören war und sich der rote Nebel gelegt hatte. Erst dann stand er langsam auf und schlug sich den Staub aus den Kleidern.


    Als er den Eingang des Canyon erreichte, sah er, das von den Banditen nichts als ein paar rauchende Überreste übriggeblieben waren. Mit dem Stiefel schob er einige verkohlte Stücke Fleisch zur Seite, bis er seinen Revolver fand. Die Waffe war durch die Energie des Zaubers von Innen nach Außen gewölbt, und dann zusammen geschmolzen worden. Voller Bedauern starrte er auf seinen alten Revolver, der ihm nun die letzten fünf Jahre treu gedient hatte. Ein paar Schritte entfernt lag der Hut des Anführers scheinbar unberührt von dem Chaos um ihn herum. Er hob ihn auf, betrachtete den Hut kurz, setzte ihn auf seine grauen Haare und blickte sich um. Mehr als der Hut schien nicht zu retten zu sein.


    Die Reste seines Revolvers steckte er in seine Manteltasche. Er würde einen Neuen schmieden lassen müssen, oder besser, einen Neuen aus dem Alten machen. Er wusste genau wohin er als Nächstes gehen musste. Sein Blick wanderte ein letztes Mal über die Verwüstung in dem Canyon, dann spuckte er auf den Boden und flüsterte „Abrakadabra.“




    [ORIGINAL] GUN WIZARD


    Cold sweat tricked down his back, as he pressed it against the boulder. He could hear his pursuers behind him. He tried to catch his breath, - coughed, then spat into the dirt.

    “Spread out!” he could hear the shout reverberate through the canyon. “He can’t escape.”

    After rummaging deep within his pockets, his fingers finally found the brush. He licked the tip and took some of the black paint from his arm. He squinted, and started to draw impossibly tiny shapes across the bullet that he held between his fingertips. Elegant, precise. The smallest error here would spell his doom.

    A bullet punched through a boulder, way to the side. The whole it left behind was bigger than his head. Small bits of rock flew everywhere. Red dust like mist, settled slowly in the still air. How crude.

    “Last chance” the voice yelled through the silence “I don’t want to bring you back in pieces”. He didn’t answer. He drew. Another crack, - another potential hiding spot gone.

    He deposited the small brush into his shirt pocket, and took out his old trusty revolver. His eyes stared at it mournfully for a moment. The chambers were empty. The only bullet left, was the one he held between his fingers. He placed his pocket watch on the ground next to him and checked the hands. It was time. He chambered the bullet carefully, cocked the hammer back, pointed the barrel to the ground and pulled the trigger. A small „click“ was his reward.

    He took a deep breath, checked the watch, closed his eyes and yelled “I surrender”, his voice older than the remembered. He stood up slowly, knees popping, hands in the air, the gun hanging limply from his thumb inside the trigger guard.

    “Finally” said a gruff voice to his right. He turned to see his pursuers standing in a half circle at the moth of the canyon. Only three left of what must have been a group of 8 in the beginning. They pointed their guns at him. The rifle of the man on the left was probably enchanted, though it was hard to judge from this distance and with the sun in his eyes. He squinted. “Finally the wizard is out of tricks! Come here, nice and slowly! And keep your hands above your head!”. If they only knew.

    He took a last peek at his pocket watch, sitting forgotten on the ground. Not much time left. He walked forward slowly, deliberately. With every step closer to his doom or his salvation, he did not yet know. The spell was not something he commonly used. In truth, he had not even tried it out yet. He walked forward, and judged that he was close enough. “Here” he said and slowly lobbed the gun at the feet of the bandits. The middle one, probably the leader lifted it up carefully. The two others drew in closer, mesmerized, trying to appraise their prize without loosing sight off their quarry. The gun would fetch a small fortune, he knew. Even more than his body. The one on the right let out a small whistle. “Do you see these markings, I have never seen anything like it! We will be rich!” And with that, he knew the time was up.

    He jumped backwards and hid his body behind a boulder. The three bandits instantly changed their focus back to him. A second passed. “Shoot the wizard!” he heard the leader yell, and that’s when it happened. A huge explosion ripped across the canyon. Debris shot everywhere like canon balls, fired from artillery. He cowered behind the rock till the noise subsided and the dust settled. Only then did he stand up slowly, and knocked the loose dust from his cloth. When he reached the mouth of the canyon, not much was left of the bandits. Their bodies were nothing more than scattered smoking pieces of meat, some still with smoldering cloths attached to them. The animals would soon take care of what was left.

    A boot stood forlorn next to the remainder of what once had been his revolver. He picked up the pieces and stared at them with regret in his eyes. He had been caring this weapon for nearly five years now. A couple of steps further lay a hat. He picked it up and set it on top of his graying hair. Other than that, nothing that could be salvaged was left. He put his broken revolver into his mantle pocket. He would need to make a new one, or better, forge a new one from the old. And he knew precisely where he needed to go. He took a last look back at the carnage, spat and whispered “Abracadabra.”

    4 Mal editiert, zuletzt von Maroth (27. Mai 2026 um 10:00)

  • Lieber Maroth

    Das hat mir sehr gut gefallen. Die Idee einen Magier in einer Western Welt agieren zu lassen ist mir noch nicht häufig untergekommen, aber das hat etwas frisches. Dazu noch die Magie, die durch Zeichnen gewirkt wird. Beides interessiert mich wirklich.

  • Warum ist das auf Englisch?

    Ich habe die Kurzgeschichte für zwei englischsprachige Freunde von mir geschrieben.


    Zusätzlich konsumiere ich inzwischen fast ausschließlich englische Literatur, sodass mir manchmal nur englische Begriffe für Dinge einfallen. Wollte mal sehen ob ich auch was auf englisch verfassen kann.

  • Fand ich eine sehr schöne Momentaufnahme. Keine "wer-warum-wieso?" Erklärung nötig - einfach rein in die Handlung. Jetzt bin ich nicht fluent mit Englisch unterwegs, aber

    He cowered behind the rock till the noise subsided

    müßte das nicht eigentlich "covered" heißen?:)

    • Offizieller Beitrag

    Ich habe die Kurzgeschichte für zwei englischsprachige Freunde von mir geschrieben.


    Zusätzlich konsumiere ich inzwischen fast ausschließlich englische Literatur, sodass mir manchmal nur englische Begriffe für Dinge einfallen. Wollte mal sehen ob ich auch was auf englisch verfassen kann.

    Das ist schön, aber das widerspricht - ebenso wie eine Textwand - den Nutzungsbedingungen :D
    Wie du siehst tun sich hier viele schwer mit englisch, daher ist die Regel, dass hier nur deutschsprachige Texte geposted werden.
    Du kannst ihn gerne übersetzen und den Anfangspost überarbeiten, ansonsten ist hier leider der falsche Ort

    LG Chaos

  • Maroth 27. Mai 2026 um 09:58

    Hat den Titel des Themas von „Gun Wizard“ zu „Der Revolver-Zauberer“ geändert.
  • Maroth ich hatte deine Kurzgeschichte gerade gelesen und da ich der Englischen Sprache nicht mächtig bin, danke ich dir dafür das du diese tolle Geschichte noch einmal komplett in Deutsch übersetzt hast.

    Auch fand ich die gesamte Geschichte sehr gut durch inzinirt.

  • Maroth ich hatte deine Kurzgeschichte gerade gelesen und da ich der Englischen Sprache nicht mächtig bin, danke ich dir dafür das du diese tolle Geschichte noch einmal komplett in Deutsch übersetzt hast.

    Auch fand ich die gesamte Geschichte sehr gut durch inzinirt.

    Vielen lieben Dank! <3