Hallo, das is der Versuch in einem Entführungssetting zu schreiben. Ich will schauen was man an Atmosphäre, Gefühle und Co rausholen kann.
Geschichte dazu befindet sich noch in Planung. Es geht darum das eine Vampirmafia eine Prinzessin entführt.
Ein Leben für einen Sohn
Der jüngste Sohn von Don Veronica Sorella wird in Frankreich von den Vampirbehördem festgenommen. König Juliano de Nuit sperrt den jungen Vampir ein. Seine Mutter hat Angst er übersteht das Gefängnis nicht und schickt ihren älteren Sohn Dario um Aure de Nuit, die Nichte des Königs zu entführen, um sie gegen ihren Sohn einzutauschen. Dario und seine Männer verschleppen Aure erfolgreich aus dem Palast und halten sie gefangen. Dario aber bekommt Mitleid mit Aure. Aus diesem Mitleid erwächst Liebe und er steht vor der Frage, kann er sie weiter als Geisel halten, oder nicht?
Die Szene spielt kurz nach der Entführung und wie Aure in ihrem Gefängnis schreit und Dario nach ihr schaut und ihr was zu essen gibt. Ich wollte einfach versuchen was man da so machen kann. Mit der Beziehung. Darios Sicht auf Aure. Ihre Angst und Verzweiflung. Wie er damit umgeht. Wie sie behandeln könnten. Und so weiter.
Bitte um Feedback.
Die Szene
Dario
Ich zog mir die Maske vom Kopf und knallte sie auf den Tisch. Bruno sah mich an.
“Wie gehts weiter?”, fragte er.
“Lasst sie erst Mal sich an die Situation gewöhnen. Du weißt wie anstrengend diese Phase ist.”
Bruno grinste. “Ach es geht. Die Lautstärke kann man schon verringern. Ich kann sie sedieren.”
“Nein! Die Anweisungen sind klar. Unversehrt.”, sagte ich.
“Körperlich. Das macht nichts. Is nur ein stinknormales Narkosemittel."
“Scorpion!” Ermahnte ich ihn.
“Schon gut! Aber wenn sie beim Schlafen stört, tun wir was dagegen. Ich kann nicht Wache halten, wenn ich müde bin.”
“Ich überlege es mir. Vielleicht hält sie auch Ruhe. Es muss nicht jeder wie Kamelita sein.”
“Ach ja, du hast sehr lange nicht mehr sowas gehabt.”
Ich ging zum Schrank und nahm mir ein Glas raus.
“Richtig. Mein letzter Auftrag dieser Art war 1960.” Ich ging zurück und stellte das Glas auf den Tisch.
“Wie ist es ausgegangen?”, fragte Bruno.
Ich seufzte, schritt zum Weinregal und suchte es ab. Ich entschied mich für einen Wein aus Wien und nahm aus seiner Wabe.
“Sagen wir es so, sie ist nicht daheim angekommen.”
Ich trug den Wein zum Tisch und schenkte mir ein. Ein Schluck konnte nicht schaden. Obwohl es keine Wirkung hatte, trank ich ihn trotzdem. Einfach aus Gewohnheit. Wie lange würde ich noch brauchen um alle antrainierten menschlichen Gewohnheit von Schattenwissen abzulegen. Warum hatte Mutter mich nicht abgezogen. Und jetzt wieder dieser Auftrag. Ich war doch gerade erst von einer 2 Jährigen Mission zurück.
“Darf ich wissen, was passiert ist. War es geplant?”
Ich hob das Glas zum Mund und trank. Der Wein hatte keinen Geschmack. Dennoch beruhigte mich die Flüssigkeit, welche meine Kehle herunter lief.
“Es war nicht geplant. Sie hat… wie kann man so dumm sein.”
Ich knallte das Glas auf den Tisch.
Bruno wartete nur und verzog keine Mine.
Ich sah ihn an. “Sie hat Chameleon die Maske runter gezogen. Kurz vor der Übergabe.”
“Ach du Scheise. Der Klassische Fehler. Warum kapieren die nicht, dass sie besser nicht wissen, wer ihnen das antut.”
Ich nickte. “Wie ist also die Übergabe gelaufen? Damit wir trotzdem die Infos bekamen, haben wir sie ihrem Vater übergeben und ich hab sie dann mitten im kitschigen Wiedersehen abgeknallt.”
Bruno rollte mit den Augen. “Deswegen mag ich diese Art von Auftrag nicht. Es endet meistens so. Und meistens sind die Geiseln selber dran schuld.”
Ich blickte zur Treppe.
“Hoffen wir einfach, das ihre Hoheit schlauer ist.”
“Wie lange müssen wir babysitten? Du hast die erweiterten Infos.”
“Ein paar Tage.” , antwortete ich.
Ich schenkte mir noch was ein. Der kühle zähe schleim tat in der Kehle gut. Er vertrieb das Brennen.
Bruno runzelte die Stirn.
“Du hast Hunger, oder?”
“Ja, aber es geht schon.”
Bruno sah zur Tür.
“Nein!”, meinte ich sofort.
“Da unten liegt Blut praktisch fertig serviert.”
Ich stand auf.
"Unversehrt heißt ohne Verletzungen."
“Die Löcher kann man stopfen” Bruno leckte sich über die Lippen.
“Den psychischen Schaden aber nicht. Sie wird nicht angerührt. Sag das auch Chameleon.”
“Schlange, Sie ist kein Mensch.”
Ich lachte. “Sie ist eine Prinzessin. Denkst du, er lässt die Dienerschaft an ihr rumknabbern.”
“Was weißt du über unser Opfer, was wir nicht wissen.”
Plötzlich ertönte ein unterdrückter Schrei. Ich sah Bruno an. Er zuckte mit den Schultern und zog seine Waffe.
“Ich gehe runter!”, sagte ich sofort.
“Wir können sie auch schreien lassen, Chameleon sieht es als Musik.”
"Ich weiß nicht, was Spinne genau gemacht hat. Wenn sie ihr den Mund gestopft hat, könnte das in die Kehle rutschen. Dann werden wir sie tot vorfinden."
Bruno wandte sich ab.
“Dann geh halt. Wenn du dir das trotz Hunger zu traust.” Er nahm meine Weinflasche und hängte sie an den Mund.
Ich nahm die Sturmhaube vom Tisch und zog sie auf. Der kratzige Stoff war so vertraut, dass ich die Maske wie eine zweite Haut empfand.
Immer noch halten ihre gedrückten Schreie zu mir durch. Ein wild pochenden Herz gesellte sich nun dazu. Ich hasste das, was jetzt gleich kam. So oft ich es auch sah, desto mehr hinterließ es dieses Gefühl. Ich war nicht wie Scorpion, den der Anblick gar nicht berührte. Vielleicht weil er noch nie auf dieser Seite gestanden hatte. Ich hatte es.
Ich drückte die Zahlen des Schlosses und das Piepen ertönte. Sofort zog ich die Tür auf, darauf achtend das mein Körper das gesamte Türloch aus füllte. Doch es war umsonst.
Sie griff mich nicht an.
Die anderen hatten das Licht nicht angelassen. Ich sah trotzdem ihren zierlichen Körper auf der kleinen Matratze liegen.
Ihre roten Vampiraugen sahen mich an. Sie leuchteten wie kleine Monde aus der Dunkelheit hervor. Aure lag auf der Seite. Um ihren Oberkörper wandten sich Seile. Ihre Arme waren nach hinten gedreht. Die langen braunen Haaren verdeckten ihr Gesicht zum Teil. Sie sah mich ruhig an. Eine Träne glitzerte auf ihrer Wange.
Ich sah ihr fest in die Augen.
Das kannst du vergessen!
Ich zuckte zurück. Sie hatte mich blockiert. Sie hatte einfach verhindert, dass ich ihre Gedanken las.
Das war mir noch nie bei einem Opfer passiert. Sie musste das erwartet haben?
“Dann halt auf diesem Weg, Eure Hoheit.”, sagte ich in Französisch.
Aure nickte kurz. Sie rückte mit dem Oberkörper hin und her.
“Aber auf diesem Weg kannst du nicht antworten.”
Ihr könntet mir das klebrige Ding abnehmen. Ihr sprecht meine Muttersprache. Aber ich habe von oben italienisch gehört.
Seltsam, sie erkannte spanisch nicht.
“Meine Nationalität brauch euch nicht zu kümmern.”, sagte ich. Dann ging ich zu ihr. Ich kniete mich vor sie und streckte die Hand aus.
Ihr Herz begann wilder zu Pochen.
Ich lächelte sie an und griff ihr Kinn.
Sie versuchte ihren Kopf zu befreien, doch ich hielt sie fest.
“Meine Freunde da oben, denken du würdest sehr viel Schreien, so dass sie nicht schlafen können. Beweise ihnen besser das Gegenteil. Sonst wirst du bald halb benebelt hier liegen.”
Mit der anderen Hand zog ich das Klebeband von ihrem Mund ab. Ich hielt den Streifen vor sie.
“Das ist das Klebrige Ding. Soll ich es aufbewahren oder nicht?” Ich grinste.
Mal testen, wie sie drauf ist. Überlasse ich ihr die Wahl, wie ich sie beim gehen wieder knebeln werde.
Sie grinste zurück und legte sich über die Lippen.
“Wirf es weg!” Ihre Stimme war noch höher als ihre Gedankenstimme.
“Okay!” Ich lies den Streifen auf sie drauf fallen. Sie zuckte heftig zusammen.
Also schreckhaft. Das war gut.
“Weißt du, wie ich heiße?”, fragte ich. Dadurch wollte ich sie testen, wie aufmerksam sie Dinge mitbekam.
“Diese Frau hat dich Schlange genannt. Das is aber nicht dein echter Name.”
Sie hörte uns also zu. Das konnte zum Problem werden.
“ Das lasse ich mal so stehen. Warum hast du nicht sofort los geschrien.”
Aure rollte mit den Augen.
“Du sprichst mich der entsprechenden Anrede an. Also wisst ihr genau, wer ich bin. Ich gehe mal davon aus, dass eine größere Organisation oder so dahintersteckt. Daher denke ich nicht wo immer dieser Raum ist, mich jemand hören würde. Ich habe geschrien, weil ich wollte, dass jemand kommt.”
Ich schluckte. Oh, sie war eine sehr starke Gegnerin.
“Warum wolltest du, dass jemand kommt?” Ich spannte mich an. Wenn sie mich angriff würde ich einfach ausweichen.
Ein Grummeln ertönte.
Sie sah mich an. “Kann ich was zu essen haben, Entführer”
Deswegen hatte sie also geschrien.
“Habt ihr schon so früh Hunger. Es ist noch nicht hell.”
Sie runzelte die Stirn.
“Dann kann ich ja nicht lange bewusstlos gewesen sein. Heißt ich bin wahrscheinlich sogar noch in Frankreich.” Sie lächelte zu frieden.
“Mach dir keine Hoffnung, Kleine! Selbst wenn du herausfindest, wo wir dich hin gebracht haben, nutzt dir das gar nichts.”
Sie sah mich wütend an.
“Mein Onkel wird euch zerfetzten. Er wird mich ganz sicher finden. In diesem Moment beginnt bestimmt die Suche schon.”
“Der König wird dich nicht finden, Aure. Wir haben dich so gut versteckt, dass nicht einmal die Dragos dich finden können.”, belog ich sie.
Wieder grummelte es laut.
“Meine Familie wird mich finden.”
Ihre Überzeugung klang echt. Das war meist am Anfang. Doch je länger die Opfer hier waren, wurde daraus eine Frage.
“Es wird dich keiner finden, Aure. Jedenfalls solange wir es nicht wollen.”
Ich betrachtete sie. Ihr Schlafanzug war hoch gerutscht und ihr Bauch lag frei. Das würde Chameleon auf Ideen bringen. Ich streckte die Hand aus und stoppte. Sie rückte zurück und ich sah ihre Oberarme Arbeiten.
Ich zog meine Hand zurück. Statt ihr den Schlafanzug runter zu ziehen, streichelte sie am Kopf.
“Keine Angst. Darf ich es trotzdem runter ziehen. Es könnte etwas auslösen, was du ganz bestimmt nicht möchtest.”
Sie schnaufte, schüttelte den Kopf, um meine Hand los zu werden und sah mich mit einem Blick an, der mich getötet hätte.
“Wirst du das Schlimme machen?”
Ich sah sie fest an. Wusste sie, was ich meinte? Sie war eine Frau ubd so zart. Bestimmt war sie schon mal angemacht worden. Aber ihre Vergangenheit sprach eigentlich dagegen.
“Nein, ganz sicher nicht. Du bist zu wertvoll. Und selbst wenn du das nicht wärst, dann nicht. Aber einer meiner Freunde schon. Deswegen möchte ich es ja runterziehen.”
Ihre braunen Augen wechselten auf rot.
“Auf keinen Fall!” Ihre Stimme war ein bedrohliches Zischen.
“Gut, euer Majestät! Dann behaltet euer freies Bäuchlein.”
Ich erhob mich.
Sie sah mich fragend an.
“Ich hole dir was zu essen. Wie gesagt, wenn du schreist, werde ich meinen Kuppel nicht aufhalten dir die Spritze zu geben.”
Sie zuckte zusammen und rückte an den hinteren Rand der Matratze.
Hatte sie Angst vor Spitzen? Oder war es die allgemeine, Angst das wir ihr weh taten. Ich beschloss mir ihre Krankenakte zu besorgen. Sicher war sicher.
Ich ging zur Tür und drehte mich noch einmal. Nichts Spitzes war im Raum. Ich konnte sie alleine lassen. Das einzige was anders war, war ihre Fähigkeit zu schreien. Vielleicht nahm sie ja meine Warnung ernst. Das wäre ein erster Schritt zu einen angenehmen Zusammenleben.
Ich drehte mich um und ging.
Langsam schritt ich die Stufen wieder hoch. Ihre rot leuchtenden Augen in der Dunkelheit. Dieser entschlossene Böse Blick. Das war nicht das was ich erwartet hatte. Sie hatte Kampfgeist. Das wurde kein leichter Auftrag.
Ich ging in die Küche und schaute über die Regale.
Einen Apfel, eine Banane und eine Schachtel Schokoflocken standen auf der Anrichte. Menschen aßen doch Müsli morgens.
Ich nahm eine Schüssel und füllte sie mit den riesigen Schokobällen und ging wieder zur Aures Tür.
Ich öffnete sie diesmal ohne vorsicht. Sie war gefesselt. Ich vertraute auf Spinnes arbeit.
Und tatsächlich. Wieder griff sie mich nicht an.
Allerdings lag sie nicht mehr auf der Matratze, sondern ein paar Meter davor auf dem Bauch. Sie bot mir den vollen Blick auf Spinnes neustes Werk. Ihre Hände waren mit Kabelbinder auf den Rücken gefesselt. Seile umschlagen kreuzförmig ihren Rücken. Ihre Oberschenkel oberhalb der Kniee waren auch zusammen gebunden. Sie hob und senkte die gefesselten Füße. War ihr langweilig?
“Du hast nicht geschrieen.”, stellte ich fest.
“War mit kriechen beschäftigt.” antwortete sie.
“Das sehe ich.” Ich betrachtete die Entfernung von der Matratze bis zu ihr. Ich war doch nur wenige Minuten weg gewesen. Das war fast ein Meter. Aber sie war ja kein Mensch. Da war es schon realistisch, dass sie so weit kriechen konnte.
Ich ging zur Matratze und an ihr vorbei. Die Schüssel stellte ich auf den Boden.
Mist, kein Löffel. Sollte ich sie nochmal alleine lassen?
Nein. Besser nicht. Wir kriegten es auch ohne Werkzeug in den Mund.
Ich nahm rascheln und reibegeräusche war. Ich drehte mich um. Sie hatte sich halb zu mir gedreht.
“Seit wann will eine Geisel wieder zurück zu ihrem Platz.”
“Seit der Hunger den Fluchtinstinkt besiegt hat.”, antwortete sie.
Ich sah zu, wie sie weiter versuchte, sich zu drehen. Das würde ewig dauern.
Ich ging zu ihr und stellte mich vor ihren Kopf.
“Darf ich sie rübertragen, Eure Hoheit”
Sie brummte. Schob sich nach vorne und lies dann ihr Kinn erschöpft auf meinen Schuh fallen.
“Das wäre nicht so anstrengend.”
Sie warf mir einen wütenden Blick zu.
“Warum fragt ihr überhaupt?”
“Weil ich ein Gentelman bin.”
“Gentelmans entführen keine Prinzessin.”
Ich grinste. Ihre Tuffeart gefiel mir.
Ich ging zu ihrer Seite und legte meine Hände auf ihre Hüften.
“Stopp!” , schrie sie. Ich hielt inne.
“Dann ziehe ich dich.”
“Hä! Wieso hörst du auf?”
“Ich bin eben ein Gentleman.” Ich grinst. Dann ging ich ein paar Schritte zur Seite und griff mir ihre immer noch wippenden Füße.
“Sind die Füße okay?”
“Ja! Was hast du vor?”
Ich zog sie so, dass sie mit einem Ruck wieder umgedreht war.
“Ich ziehe dich halt zur Matratze. Wenn ich dich schon nicht tragen darf.”
Sie grunzte genervt. Ich zog sie zur Matratze. Es war nicht besonders weit. Dann kniete ich mich vor sie.
“So. Gefällt dir die Fesselung.”
“Nein! Warum sollte?”
“Weil eine gute Freundin sich sehr viel mühe gegeben hat. Trotz der wenigen Zeit.”
Sie sah mich ratlos an.
“Ich verstehe nicht.”
Ich grinste. “Musst du ja auch nicht. Im prinzip musst du nur am Leben bleiben.”
“Ihr wollt mich also nicht töten?”, fragte sie.
Ich antworte ihr nicht und hob die Hand. Meine Fänge wuchsen und ich fuhr meine Krallen aus.
“Was habt ihr mit mir vor?”
Ich schnitt die Fesseln durch. Und sie fielen von ihr ab. Dann beugte ich mich vor und flüsterte: “Wir kümmern uns um dich.”
“Wie lange?” , fragte sie.
“Hängt von ihrer Majestät ab.”
“Was wollt ihr von meinem Onkel. Ihr seid doch lebensmüde. Den König von Frankreich zu erpressen.”
“Er hat angefangen.”
Ich strich die Seile von ihren Körper runter.
“Mit was hat er angefangen?”
“Regel Nummer 1: nicht abhauen. Regel Nummer 2: mich nicht angereifen. Befolgst du das?”
Sie nickte. Ich löste den Kabelbinder um ihre Hände.
Sie tat tatsächlich nichts.
“Schlaues Prinzesschen.”
“Hast du von nen Clown getrunken?”
Sie sah mich verwirrt an.
“Nein. Ich finde dich nur süß.”
“Aha! Warum hast du auf mich gehört?”
“Ich weiß, das du Probleme hast mit anfassen.”
“Oh… Das beschafft man sich über sein Opfer auch im Vorfeld. Welche Traumata hat es bereits, ohne das, was ich verursache.”
Ich musste lachen. Sie war ziemlich anders als die anderen Opfer.
“Sag mal, bist du schon mal entführt worden?”
“Nein, aber angegriffen.”, gab sie zu.
Ich zuckte mit den Schultern. So verhielt sie sich aber nicht. Warum war sie nicht weinerlich, Ängstlich oder sonst was?
“Okay. Dann mal guten Appetit.”
Ich griff nach der Schale und hielt sie ihr hin.
Sie sah die Schale an. Sehr lange.
“Was geht in deinem Oberstübchen vor? Du hast mir ja leider die Tür zugeknallt."
“Das geht euch nichts an.”
“Okay. Mir diese Schale irgendwie an den Kopf oder Körper zu schlagen, wird mir nichts ausmachen. Versuch es bitte einfach nicht.”
Sie streckte mir die Zunge raus.
“Warum wisst ihr das?”
“Mädchen, du bist nicht meine erste Geisel.”
Sie seufzte. Dann griff sie die Schokoflocken und schob sie sich in den Mund.
Ich betrachtete sie beim Essen.
Sie war niedlich. Aber das waren auch andere gewesen.
Plötzlich fing sie an zu weinen. Die Tränen begannen in die Schüssel zu laufen.
Ich streckte die Hand aus. Zog sie aber dann zurück. Ich seufzte.
Wartete. Nur ihr Schluchzen war zu hören. Ich wartete weiter. Die wenigen Schokoflocken waren schon aufgeweicht.
Ich nahm ihr die Schale aus der Hand.
“Hey, Eure Hoheit! Nicht weinen. Du wirst das überleben.”
Sie reagierte nicht.
Ich stellte die Schale hin und seufzte.
Die Tränen tränkten ihren Schlafanzug. Ich streckte die Hand aus und legte sie auf ihre Schulter.
“Nicht weinen, ja.”, sagte ich. “Wir tun dir nichts.”
Sie sah mich an. Ihre Augen waren voller Tränen.
“Ich will nach Hause!” Sie schlug meine Hand weg.
“Ich will nach Hause!”, schrie sie erneut und schlug mit den Fäusten auf mich ein. Ich seufzte und packte ihre Handgelenke. Ich zog sie in meine Arme und nahm ihre Handgelenke in nur eine Hand. Sie versuchte sich zu wehren und keuchte erschrocken. Ihr Herz schlug ziemlich laut. Ich drehte sie so, dass ihr Rücken gegen meine Brust gelehnt war, hielt ihre Hände an ihren Körper und presste sie so an mich.
“Aure!”, rief ich.
“Lass mich los! Nach hause!” Sie weinte wieder.
“Ich kann dich nicht nach hause lassen.”
“Doch!” Sie schrie mich an. Dann brach sie völlig zusammen und senkte den Kopf. Ich ließ ihre Hände los und strich ihre Haare zur Seite.
“Darf ich dich ähm…streicheln?” , fragte ich. Sie tat mir sehr leid.
Sie schüttelte den Kopf. Aber dann lehnte sie sich gegen mich.
Ich verstand ja, dass sie ihren Onkel und wahrscheinlich auch ihre Cousins vermisste. Was sollte ich nur tun?
Es war doch nicht meine Schuld. Ich verfluchte meine Mutter, dass sie mir diesen Auftrag gab. Juliano zu töten wäre viel angenehmer als das hier.
Aure schluchzte nur. Ich traute mich nicht, sie zu streicheln. Dadurch dass sie auf mir lag, konnte ich aber auch nicht gehen.
Irgendwann hörte sie auf zu schluchzen.
“Ihr lasst mich frei, wenn ihr habt was ihr wollt?”
“Ja!”, rutschte es mir raus. Mist. Das durfte sie nicht wissen. Auch das war mir noch nie passiert.
Was stellte dieses Mädchen mit mir an?
Aure erhob sich und sah dann zur Tür.
Ich spannte mich an. Ich wäre in Sekunden auf den Beinen.
Doch sie machte keine Anstalten zu fliehen. Stattdessen legte sie sich einfach auf die Matratze und wandte mir den Rücken zu.
“Es tut mir leid. Ich habe nicht entschieden, dich zu entführen.”, sagte ich.
Sie sagte nichts. Ich steckte die Hand in die Hosentasche und nahm ein Päckchen Taschentücher heraus.
“Ich habe Taschentücher für dich. Ich lege sie neben dir hin.” Sie zeigte keine Reaktion.
Ich stand seufzend auf und nahm die Schale.
“Ich lass dich jetzt alleine. Wenn du anfängst zu schreien, wird ganz sicher nochmal wer kommen. Über Nacht werden wir dich wieder fesseln müssen. Aber ich verspreche dir das dir nicht weh getan wird, wenn du dich gut benimmst. Wann du wieder nach Hause kannst, liegt weder in meiner noch in deiner Hand. Es liegt einzig und allein an Soleil. Du kennst deinen Onkel, besser. Wird er dich im Stich lassen?”
Sie bewegte sich. Drehte sich aber nicht um.
“Juliano wird mich niemals im Stich lassen.”, murmelte Aure.
“Dann hast du nichts zu befürchten.”
Ich ging zur Tür und öffnete sie. Es raschelte hinter mir. Ich lauschte. Doch ihr Herz war nicht direkt in meiner Nähe.
“Danke!”, hörte ich ganz leise. Und dann einen Schnäuzer. Sie benutzte meine Taschentücher. Ich lächelte. Dann verließ ich den Raum.