Was lest ihr gerade? (Fantasy)

  • Ich stelle leider fest, dass mir 1Q84 keinen guten Nachgeschmack hinterlassen hat, so sehr ich viele Passagen auch mochte. Ich hoffe, dass meine nächste Lektüre das wieder ausbügeln kann und dass anderes von Murakami befriedigender ist.


    Jetzt lese ich also Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Marquez. Genau wie Murakami ist Marquez magischer Realist (meistens). 1Q84 war Fantasy, weil da fantastische Elemente überall in der Geschichte waren. Bei Marquez ist das ähnlich, nur sind sie da ein selbstverständlicher Teil der Lebensrealität der Figuren. In einer Episode geht eine Epidemie von Schlaflosigkeit durch das Dorf Macondo und die Leute vergessen langsam die Dinge um sich und auch ihr Leben. Aber vorher sehen sie traumähnliche Gestalten durch das Dorf und die Häuser gehen, und nicht nur die eigenen, sondern auch die der anderen. Zigeuner kommen vorbei und haben allerlei Kuriositäten - unter anderem funktionsfähige fliegende Teppiche. Eine Figur hatte magische Fähigkeiten, starb, kam zurück und verlor als Strafe für seine Treue zum Leben seine magischen Fähigkeiten. Das ist schon cool.

    So wird natürlich ein sehr verklärtes Bild von Lateinamerika gezeichnet (Marquez war Kulumbianer), aber es zeigt auch wie Mythenwelt und Aberglaube selbstverständlicher Alltag für diese Figuren sind.

    Ich lese dieses Buch aus zwei Gründen. 1) Reif Larsen ("Die Karte meiner Träume", eng. "The Selected Works of T. S. Spivet") nannte Marquez als einen seiner Einflüsse. 2) Angeblich war es das frühe Schaffen von Günter Grass, in dessen Blechtrommel und Hundejahren auch reale bzw. realistische Ereignisse gleichwertig neben phantastischen passierten, das Marquez den Mut gab, dieses Buch zu schreiben. Es ist unheimlich spannend, diese Beziehungen hier jetzt nachzulesen. Ist die kleine Waisin Receba eine Hommage an das zigeunerische Findelkind Jenny Brunies aus Grass' Hundejahren? Mal sehen.

    Was Marquez auch wie Grass kann, sind die fließenden Übergänge zwischen Zeitebenen. Schon der erste Satz:

    Zitat von Gabriel Garcia Marquez

    Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendia sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen.

    Der Rest des Kapitels ist diese Episode über das Eis. Hin und wieder wird man daran erinnert, dass Oberst Aureliano vor dem Erschießungskommando seinem Ende entgegensieht. Sowas finde ich irgendwie immer sehr befriedigend zu lesen, wie diese Übergänge flüssig gestaltet sind und man dem einfach folgen kann.

    Bisher bin ich nicht sicher, was genau diese Geschichte sein wird. Es scheint eine Familiensaga zu sein und andererseits auch um das fiktive Dorf Macondo zu gehen.

    Was erstmal irritiert, sind die Namen der Figuren. Da ist der Großvater Aureliano Buendia, der hat einen Sohn, Jose Arcadio Buendia, dieser hat zwei Söhne: Jose Arcadio und Aurelio, ersterer hat ein Kind gezeugt, das sie Jose Arcadio nennen, aber nur Arcadio rufen ... Von einer Spanierin habe ich mir sagen lassen, dass der in spanischsprachigen Gegenden durchaus üblich ist. Wenn sie die wenigstens nummerieren würden, wie die preußischen Friedrichs, Wilhelms und Friedrich-Wilhelms. Aber auch ein Wilhelm der Zweite ist nicht gleich Wilhelm der Zweite ...

    Die Erzählperspektive ist sehr berichtend und distanziert, erlaubt aber dafurch die fluide Übergänge zwischen den Episoden der Figuren, ganz ohne Leerzeilen. Das ganze ist nicht unbedingt szenisch geschrieben. Man steckt nicht in den Köpfen der Figuren, es geht viel mehr um die Ereignisse an sich. Viele modernere Bücher, die ich gelesen habe, sind viel näher an den Figuren dran. Man fühlt viel mehr mit. Aber da geht es dann auch um dieses kleine Set von Figuren und nicht um ein ganzes Dorf oder mehrere Generationen einer Familie. Es ist interessant, wie die Art der Geschichte die Perspektive und den Stil diktiert.

    Ich bleibe dran, den das hier ist bisher einfach furchtbar interessant. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Eben das Hörbuch zu Die Blechtrommel von Günter Grass ausgehört.


    Ich meinte ja, das wäre wohl die definitive Form des Buch, aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht mehr. Sicher, die Prosa wurde gesprochen und dann aufgeschrieben und Grass liest das wunderbar vor. Klasse! Seine Prosa zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass Grass Lyriker war und diesen Ansatz auch in seine erzählenden Texte getragen hat. Manche Stellen, denke ich, wirken als gedruckter Text doch besser, weil sie einem nicht gesprochen durchs Hirn rauschen, sondern man sie bewusst erarbeitet, erarbeiten muss. Trotzdem ist das Hörbuch toll und wenn man es sich ausleihen kann, dann kann das sicher helfen, wenn man nebenher das Buch liest.

    Das ist nämlich weiterhin ein großer Brocken. Es enthält neben der ja schon gelobten, aber gewöhnungsbedürftigen, lyrischen Prosa viele tolle Figuren! Hauptfigur Oskar stolpert ja durch viele kleinbürgerliche Haushalte durch und erlebt die Geschichten vieler Leute mit. Und diese sind sehr lebhaft und plastisch, das macht einen großen Reiz am Buch aus. Auch wie diese vielen Episoden miteinander verwoben sind, ist sehr geschickt gemacht.

    Letztes Mal meinte ich, dass man vielleicht ein paar Kapitel hätte streichen können und das ist auch heute wieder mein Urteil. Andere haben schon festgestellt, dass das Buch im letzten Drittel eine etwas irritierende Richtung einschlägt.

    Aber vielleicht - vielleicht! - hätte man hier und da noch eine auf eine Episode verzichten können. Manche lyrische Passage ist auch etwas zu viel des Guten. Es macht ja Spass sowas zu schreiben und sicher war das eine kompromisslos ehrliche Art, sich auszudrücken - ich verstehe den Reiz -, aber der Grundsatz "Schreiben, um zu unterhalten" ist mMn sehr sehr wichtig. Leser kann man immer mal mit der ein oder anderen Sache etwas strapazieren, aber so weit gehen? Nützt das wem? Ist das wirklich noch ehrlich oder nur Ego? Geht beides? Manchmal kommt es schon eher selbstgefällig daher.
    Im Nachkriegsdeutschland einer halbherzigen Entnazifizierung muss das Ding ja eine Granate gewesen sein. Und ich glaube auch, dass die Kunst damals einfach freier war. Ein bisschen trauere ich dem nach und ziehe meinen Hut.
    Es ist auch interessant, dass Die Blechtrommel trotz aller Eigenheiten ein recht traditionsbewusstes Buch ist und dem Schelmenroman (https://de.wikipedia.org/wiki/Schelmenroman) einen etwas eigenen Twist gibt. Ich wusste bis vor einer Weile nicht, dass das ein Genre ist. ^^

    Fazit: Beim zweiten Mal immer noch ein tolles Buch - wenn auch kein einfaches.

    Edit: Irgendwie kommt es mir im "Fantasy"-Thread doch etwas komisch vor ... dabei gibt es hier drin nunmal fantastische Elemente. :hmm: Keine Ahnung, ich hoffe es irritiert nicht zu sehr.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich les grad mal wieder die Flüsse von Lodon von Ben Aaronovic^^
    nachdem ich eigentlich ein riesiger Sherlock- Holmes Fan bin, ist das, gepaart mit den Fantasy-Elementen, die der Autor da einbaut, echt wirklich super^^ außerdem mag ich, wie Herr Aaronovic versucht, das Ganze wie ein "BadBoyCop" Szenario darstehen zu lassen, zumindest wenn man sich den Protagonisten anschaut. Gibt mir auch son paar "Los Angeles der 50ger Jahre" Vibe^^

    "Ein Schaschlik im Dateianhang!" - Torsten Sträter
    "Man kann die ganze Welt bereisen, und doch immer wieder etwas Neues lernen. Auf dem Weg nach Kapernaum beispielsweise habe ich gelernt, dass man einen Betrunkenen über ein Kamel hängen und vier Stunden baumeln lassen kann, bis sämtliche Gifte am einen oder anderen Ende herausgekommen sind. Irgendjemand muss dieses Kamel waschen, bevor wir in die Stadt kommen." - Aus "Die Bibel nach Biff"

  • Ich lese gerade nix in dieser Richtung, würde aber gerne was lesen, was mir beim Ansehen von "The Core - Der innere Kern" wieder eingefallen ist.

    Die Geschichten von Professor Charivari (Geiler Name!) und seinem Team aus jugendlichen Mitstreitern, die im Schneiderverlag unter dem Sammeltitel "Giganto meldet:..." erschienen sind und die ich damals verschlungen habe.

    Geschrieben wurden die Stories von Rolf Ulrici.


    Wer von denen noch welche im Keller hat - HER DAMIT!

    :D:D:D

    Ich muß meine Jugend dringend wieder auffrischen...^^

  • Die Geschichten von Professor Charivari (Geiler Name!) und seinem Team aus jugendlichen Mitstreitern, die im Schneiderverlag unter dem Sammeltitel "Giganto meldet:..." erschienen sind und die ich damals verschlungen habe.

    Vor der Reihe mit den 'Giganto'-Erdschiffen gab es noch die anderen wo's um Charivari's Raum- und Unterwasserflotte geht (der Mann war umtriebig...). Ich erinnere mich aber generell nur sehr dunkel an die Geschichten.


    Und ich hatte sie aus der Bibliothek, also leider keine im Keller...:(

  • So, dann hätte ich Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel Garcia Marquez) geschafft.

    Oh boi, das war richtig gut! Während das Dorf Macondo und die übernatürlichen Ereignisse frei erfunden sind, spiegelt die Entwicklung des Dorfes und der Leute die von Kolumbien und in gewissem Sinne auch allgemein Lateinamerika wider. Die Gründung des Dorfes (Kolonialisierung); die Einbindung in staatliche Infrastruktur, wodurch mehr Einflüsse von Außen kommen; amerikanischer Imperialismus und Verfall.

    Aber offenbar gibt es in Latein Amerika recht aggressive Tendenzen auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft, negative Vergangenheit einfach unter den Tisch zu kehren, was in HJE Figuren zur Wiederholung von Fehlern vergangener Generationen verdammt. Das letzte ist jetzt eine der plakativeren Feststellungen, das Ganze geht noch deutlich nuancierter.

    Der Magische Realismus nimmt hier geradezu biblische Ausmaße und macht die Geschichte zu einer monumentalen Erfahrung.

    Ich bin jedenfalls ziemlich platt. Mein Vater meinte, dass ihn das, als er das damals gelesen hat, nicht so sehr betroffen hat. :pardon:

    Marquez hat sich vielleicht von Grass mal inspirieren lassen, aber er macht hier schon gut sein eigenes Ding und ist längst nicht so effekthascherisch, wie man es einem Grass durchaus vorwerfen kann.


    Das Buch war jedenfalls nicht schwer zu lesen, sondern zugänglich, vorausgesetzt man kann mit dem weniger szenischen, mehr zeitraffenden Stil etwas anfangen. Deutliche Leseempfehlung von mir. :) Vielleicht werde ich dieses Jahr nichts besseres mehr lesen. xD

  • So, ich habe die Schattenprinz-Trilogie von Torsten Fink fertig gelesen. Dabei habe ich einige Dinge erkannt, die mich verblüfft haben.

    1. Er hat so viele Charaktere, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Und es hat mich nicht gestört. Ich hatte nie Probleme, sie auseinanderzuhalten. Obwohl er keine gewöhnlichen Namen verwendet hat, war es wirklich leicht, sie alle im Kopf zu behalten. Ich frag mich, wie er das geschafft hat.

    2. Er hat aufgrund der vielen Charaktere unwahrscheinlich viele Handlungsstränge, die gleichzeitig ablaufen. Aber ich wusste immer, wo ich bin, auch wenn die Ortsnamen so ungewöhnlich waren wie die der Personen. Mit dem Lesen der ersten beiden Zeilen war ich im Kopf sofort "an Ort und Stelle".

    3. Er hat Charaktere dabei, die sich hartnäckig gewehrt haben, sich von mir in eine Schublade stecken zu lassen. Und davon nicht wenige. Nervt mich, weil ich eher ein Schwarz-Weiß-Typ bin, hat aber dem Lesevergnügen (nein, kein Vergnügen, "Lesehunger" trifft es eher) keinen Abbruch getan.

    4. Er hat es geschafft, die unzähligen Handlungsstränge im letzten Band so perfekt zu verknüpfen, dass ich grün vor Neid werde. Und es hat trotzdem nicht den Anschein, dass irgendetwas davon so konstruiert wurde, weil es halt "so sein musste". Ungeahnte Lösungen führten zu einem Schluss mit Paukenschlag, der mich zwingt, erstmal kurz durchzuatmen und mit dem nächsten Buch noch ein, zwei Tage zu warten.


    Fazit: Torsten Fink ist nicht umsonst mein Lieblingsautor. :thumbup: Wer es liebt, sich in fremde Welten, haarsträubende Intrigen und skrupellose Machtkämpfe entführen zu lassen, ist bei ihm richtig. Aber auch Ehrlichkeit, Großherzigkeit und Loyalität kommen nicht zu kurz. Das Ganze ist umhüllt von einer riesigen Portion Magie, Überraschung und Spannung.

    Klare Leseempfehlung für alle, die beim Lesen gern "abtauchen". :thumbsup:


    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



    :cookie:


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  • Ich habe mir jetzt endlich ein Herz genommen und Der Herr der Ringe: Die Gefährten begonnen. Es ist so lange her, dass ich es mal angelesen habe, dass ich meinem früheren Urteil nicht mehr vertrauen kann. Damals habe ich das Buch etwa bei Bruchtal abgebrochen. Hier im Forum hieß es aber immer mal, dass die Handlung da erst richtig Fahrt aufnimmt. Gut, wenn ich früher schon bis Bruchtal geschafft habe, dann schaffe ich es jetzt auch wieder. :)


    Dass der Prolog eine Abhandlung über Hobbits ist, finde ich wenig elegant. Der berühmte Fantasy-Infodump :pardon: Aber sobald die eigentlichen Kapitel beginnen (bin jetzt in Kapitel 2 drin), ist es eigentlich sehr angenehm. Ich bin schon auf die berühmten Landschaftsbeschreibungen gespannt, denn Tolkiens Prosa ist bisher weder besonders langatmig noch kompliziert oder anstrengend. Für die Zeit, aus der es stammt, wirkt es auch nicht besonders angestaubt, wie es bei anderen literarischen Strömungen ja durchaus der Fall ist. :hmm:

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich habe mir jetzt endlich ein Herz genommen und Der Herr der Ringe: Die Gefährten begonnen.

    Welche Version denn? Englisch Original - die deutsche Carroux Uebersetzung oder die neuere Krege?

    Oh, da gibt es also größere Unterschiede? :rofl:

    Ich lese es auf Deutsch, von Krege. :hmm: An englischen Büchern arbeite ich noch ein bisschen. Da taste ich mich noch etwas ran.

    Was würdest du empfehlen bzw. was sollte man da wissen?

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Oh, da gibt es also größere Unterschiede?

    Die Carroux-Uebersetzung ist in enger Abstimmung mit Tolkien entstanden (der passabel Deutsch konnte) - und zum Beispiel haben die da Dinge die auf Deutsch ausgedrueckt werden koennen, aber auf Englisch nicht benutzt - das ist also die Uebersetzung wie Tolkien sie gewollt hatte.


    Krege ist der Versuch, das Werk in 'moderner' Sprache zu uebersetzen (das 'Chef' mit dem Sam Frodo anredet ist bei Kennern beruechtigt...) - ich wuerde, nachdem ich alle drei Werke kenne und auch viel anderes von Tolkien gelesen habe, die These in den Raum stellen dass er nicht viel Freude an dieser Uebersetzung gehabt haette, er war halt Perfektionist.


    Keine der Uebersetzungen ist so richtig schlecht (Harry Potter ist ein Beispiel eines Werkes das wirklich kaputtuebersetzt wurde...) - aber Carroux hat definitiv mehr vom Flair des Originals. Um Tolkien auf Englisch mit Gewinn zu lesen muss man allerdings schon recht gut fortgeschritten sein - der Wortschatz des Professors ist recht gross und er hat ein Faible fuer altertuemliche Ausdruecke (was, wie gesagt, Carroux recht gut einfaengt).

  • Schon interessant. Ich befürchte immer, dass Neuübersetzungen bei den Fans nicht beliebt sind und dass es dafür wahrscheinlich auch gute Gründe geben wird. :hmm: Bei Pratchett gibt es ja auch Diskussionen dazu.

    Ich habe bisher nur bei einem "Made in Thal" gestutzt, hatte ansonsten nichts bemerkt. Gut, dann überlege ich mal, was ich jetzt mit meinem neuen Wissen anfange :hmm: Lese ich vielleicht doch erstmal Effi Briest? :rofl: Mal sehen

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Momentan lese ich den zweiten Band der Gaukler-Trilogie von Sam Feuerbach, Die Hure und der Söldner.


    Es geht darum, dass ein alter Söldner, der sich der Rache verschrieben hat und ein Gaukler, der einem Vermächtnis folgen will, sich gemeinsam auf eine Suche begeben, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Ich habe keine Ahnung, wo genau es noch hinführt, deshalb belasse ich es mal bei dieser Inhaltsangabe.


    Bisher gefällt es mir eigentlich ganz gut, ich bin vor allem ein großer Fan der Charaktere, die ich alle total sympathisch und gut ausgearbeitet finde; es macht Spaß, ihre Sichtweisen zu verfolgen. Auch merkt man an der Wortwahl, dass das Buch im Original Deutsch ist, was ich sowohl amüsant als auch schön zu lesen finde.


    Einziger Kritikpunkt: die Beschreibungen der Szenen gehen mir persönlich manchmal etwas zu schnell, bzw. ich finde einzelne Stellen oberflächlich, aber ich glaube, das liegt hauptsächlich daran, dass ich davor noch Abercrombie gelesen habe. ^^'

    Du solltest etwas mehr Respekt vor den Toten haben.

    - Wieso? Was haben sie denn schon erreicht, außer zu sterben?


    (Die Oberste Heilerin & Namoon)

  • Hach ja, ich mache mit Der Herr der Ringe weiter; habe mir die Übersetzung von Margaret Carroux besorgt. Nun habe ich DHdR auch vollständig in einem Band. Der ist so rot, dass ich auf Fragen wie "Was liest du da?" sowas wie "Na meine Mao-Bibel!" antworten werde - sollten solche Fragen kommen. Ist schließlich ne Pandemie xD

    Ich habe manche Stellen mal mit der Krege-Übersetzung verglichen und teilweise werden wirklich ganz andere Ausdrücke verwendet :hmm: So krass modern fand ich Krege bisher nicht, aber wenn Carroux den Mittelerde-Flair besser rüberbringt, dann bleibe ich da dran. :) Jedenfalls mag ich Tolkiens Prosa bisher recht gerne und gegen das langsame Pacing habe ich auch nichts einzuwenden. Manchmal finde habe ich bei modernen Büchern den Eindruck, dass man richtig Angst davor hat, den Leser zu langweilen - was vielleicht nicht unbedingt verkehrt ist, aber manchmal wünsche ich mir doch, dass man sich vielleicht mal hier und da ein bisschen mehr Zeit gelassen hätte :hmm:
    Ich bin beim Prolog, der ja eine kurze Abhandlung über Hobbits ist, trotzdem zwiegespalten. Es ist einerseits ein eindeutiger Infodump und die machen selten Spaß, aber andererseits machen sich Infodumps auch irgendwie sehr bezahlt, wenn man durch sie durch ist. Plötzlich kann Gandalf mal in einem Nebensatz von Gollums Backstory etwas über einen der drei großen Hobbit-Stämme fallen lassen und der Leser weiß, was gemeint ist. Andere Stellen wirken dadurch plötzlich viel eleganter, weil man es dort plötzlich nicht mehr erklären muss (das hat man ja schon so brutal vorgezogen, mit besagtem Infodump).

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Es ist einerseits ein eindeutiger Infodump und die machen selten Spaß, aber andererseits machen sich Infodumps auch irgendwie sehr bezahlt, wenn man durch sie durch ist. Plötzlich kann Gandalf mal in einem Nebensatz von Gollums Backstory etwas über einen der drei großen Hobbit-Stämme fallen lassen und der Leser weiß, was gemeint ist. Andere Stellen wirken dadurch plötzlich viel eleganter, weil man es dort plötzlich nicht mehr erklären muss (das hat man ja schon so brutal vorgezogen, mit besagtem Infodump).

    Aber das ist doch logisch ^^;
    Macht den Infodump meiner Meinung jetzt auch nicht besser :hmm:
    Ich hab das Buch nicht gelesen, deswegen kann ich zu dem Werk an sich nichts sagen. Aber mich würde interessieren ob das nach Bruchtal (Da soll wohl nochmal eine heftige Seitenlange Passage von Dialogen kommen) besser wird.

  • Es ist einerseits ein eindeutiger Infodump und die machen selten Spaß, aber andererseits machen sich Infodumps auch irgendwie sehr bezahlt, wenn man durch sie durch ist. Plötzlich kann Gandalf mal in einem Nebensatz von Gollums Backstory etwas über einen der drei großen Hobbit-Stämme fallen lassen und der Leser weiß, was gemeint ist. Andere Stellen wirken dadurch plötzlich viel eleganter, weil man es dort plötzlich nicht mehr erklären muss (das hat man ja schon so brutal vorgezogen, mit besagtem Infodump).

    Aber das ist doch logisch ^^;
    Macht den Infodump meiner Meinung jetzt auch nicht besser :hmm:
    Ich hab das Buch nicht gelesen, deswegen kann ich zu dem Werk an sich nichts sagen. Aber mich würde interessieren ob das nach Bruchtal (Da soll wohl nochmal eine heftige Seitenlange Passage von Dialogen kommen) besser wird.

    Wenn du möchtest, sage ich dazu speziell etwas, wenn ich mit dem ersten Drittel durch bin. :D Ich bin irgendwie gespannt darauf, alle diese Sachen einfach selbst zu lesen, beispielsweise auch diese angeblich unnötig langen Landschaftsbeschreibungen. Ich will wissen, ob die wirklich so lang sind und wie ich das finde. :hmm:

  • Nebenher hab ich noch Blutbuch (Die Seiten der Welt #3) von Kai Meyer angefangen.

    Ich mag die Reihe ja. Wie Stadtnymphe mir mal sagte, wird es bei Meyer gerne mal vom Plot her ein bisschen viel und nach zwei Büchern verstehe ich irgendwie, was sie damit meint. Die Welt ist cool, die Magie auch, der Stil macht den Spagat zwischen schön und einfach zu lesen. Aber in beiden Vorgängern hat sich die Handlung ab einem bestimmten Punkt irgendwie überladen angefühlt. So als wenn die einzelnen Ideen nicht ganz die Zeit bekommen, die sie eigentlich verdient hätten. Und etwas unübersichtlich wurde es auch. Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob manche das nicht vielleicht auch richtig toll finden könnten, aber mir wurde das wirklich etwas zu viel und ich war froh, wenn sich das dann (mehr oder minder zufriedenstellend) wieder aufgelöst hat.


    Bei Teil 3, der jetzt ein paar Dinge, die in Teil 1 und 2 angedeutet und wenig erklärt wurden, endlich zusammenführen muss, lasse ich mich gerne überzeugen. Irgendwie ist das auch etwas, was ich für mich fest davon fordere. Wenn es das nicht kann, bin ich irgendwie enttäuscht, weil die Welt so cool ist, die Geschichte mich dann aber etwas kalt lässt. Leider fürchte ich im Moment genau das. Obwohl vieles so wirklich gut ist, scheint mir irgendetwas zu fehlen ...


    Ich bleibe dran und hoffentlich auch offen. :)

  • Nebenher hab ich noch Blutbuch (Die Seiten der Welt #3) von Kai Meyer angefangen.

    Moment, ist das die Mercy-Handlung?

    Der Plot war am Ende so überladen, dass ich nicht mal mehr rekonstruieren kann, was überhaupt passiert ist... Bin mir deshalb nicht sicher, ob ich es weiterlesen wollte. Empfehlung? ?(;)

    Du hast ja, wenn ich mich recht erinnere, Die Spur der Bücher gelesen. Das isr die Prequel-Reihe. :hmm: Ich rede von der Trilogie um die Protagonistin Furia Faerfax.

    Ich habe mir sagen lassen, dass die Prequels jetzt nicht besser sind als die Die Seiten der Welt, aber wohl ein paar ganz coole Idee für die Welt haben. Ich glaube, die Person, die mir diese Bücher empfohlen hat, hat das vor allem gemacht, weil sie die Bibliomantik so cool findet :D


    Edit: Also die Empfehlung. Uh. Ja, guck gerne mal bei Die Seiten der Welt (also Band 1) rein. Die Hörbucher auf Spotify sind von Simon Jäger unglaublich gut gelesen, falls das als Argument für dich gilt. :) Ich kenne die Prequels nicht und kann dir nicht sagen, ob die nun deutlich qualitativ abfallen oder nicht, aber Die Seiten der Welt hab ich schon ganz lieb gewonnen.


    Edit2: Vielleicht war "überladen" etwas hart formuliert. Ich wusste immer, was los war. Aber viel mehr hätte mMn nicht sein dürfen. Mir kommt manchmal das Innenleben der Figuren etwas zu kurz; da würde ich mir eben etwas mehr Charakterfokus und weniger Plotfokus wünschen. Ich nehme mal an, das kommt auch irgendwie mit dem Jugenbuch-Genre

  • Ich bin beim Prolog, der ja eine kurze Abhandlung über Hobbits ist, trotzdem zwiegespalten. Es ist einerseits ein eindeutiger Infodump und die machen selten Spaß, aber andererseits machen sich Infodumps auch irgendwie sehr bezahlt, wenn man durch sie durch ist.


    Ich wuerde sagen dass Tolkien trotz dieser Stellen verdammt gut ist - nicht wegen. Die Einleitung, genau wie auch andere Stellen, werden schon auch allgemeiner als Schwaeche von Tolkien empfunden ('A Reader's Companion' ist da recht explizit...) . Aber es bleibt halt genug am Ende ueber um einen Klassiker draus zu machen.


    Also - musst Du nicht gut finden - tut kaum jemand :D