Was lest ihr gerade? (Fantasy)

  • Ich kann es empfehlen. Ist halt ein Jugendbuch und bringt einige der Dinge mit, die man von Jugendbüchern wohl erwartet. Wenn man damit aber klarkommt, macht man mit der Trilogie "Die Seiten der Welt" nicht viel falsch.

    Ich habe über die Trilogie noch eine Weile meditiert. Mit etwas Abstand muss ich leider sagen, dass die Geschichte mit einzelnen Elementen bestechen kann - als Ganzes aber nicht so richtig überzeugt oder hängen bleibt. Ich habe damals schon gesagt, dass ich nicht zu 100% zufrieden bin, aber etwas Großartiges muss ja kein Meisterwerk sein. Nur scheue ich mich jetzt auch vor dem Wort "großartig" und lande irgendwie bei "ganz gut" und "nett". Auf lange Sicht glücklich bin ich damit einfach nicht ...

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Hallo,


    von der Autorin Genievieve Cogman gibt es die Reihe die Bibliothekare.


    Erschienen sind bis jetzt (Mai 21) 7 Bände:


    Band 1: Die unsichtbare Bibliothek

    Band 2: Die maskierte Stadt

    Band 3: Die flammende Welt

    Band 4: Das dunkle Arciv

    Band 5: Das tödliche Wort

    Band 6: Die verborgene Geschichte

    Band 7: Das geheime Gewölbe


    Das Buch ist in zwei Bereiche unterteilt, einmal eine Parallelwelt mit der Bibliothek und die Handlungswelten.


    Lesen tue ich gerade Band 1.

    Das Setting im ersten Band ist viktorianisch.


    Mehr verrate ich nicht, lest selber.


    Wer unbedingt einen Spoiler haben will hier eine offizielle Seite mit Infos.

  • Schattenbach

    Stell dich doch mal Empfangssaal vor ;)

    Mit dem ersten Post gleich jemandes Bücher so zu bewerben, lässt dich ein bisschen wie einen Staubsaugervertreter aussehen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. :)


    Um auch was zum Thread beizutragen:

    Ich bin mit der Herr der Ringe jetzt nicht nur von der Seitenzahl her, sondern auch strukturell bei der Hälfte angekommen (also 3 von 6 Büchern sind geschafft :) ).

    Ich finde es interessant, dass die Bücher 3 und 4 geographisch geteilt sind. Überhaupt sind die Handlungsstränge nicht streng chronologisch angelegt, sondern man bewegt sich mit der Zeit etwas im Zickzack. Man folgt in Buch 3 Aragorn, Gimli und Legolas, wie sie die Orks verfolgen. Dann folgt man Merry und Pippin mit den Orks und durchlebt die gleichen Tage. Dann wieder Aragorn, Gimli und Legolas. Frodo, Sam und Gollum kommen gar nicht vor. So werden einzelne Episoden mit eigenen Spannungsbögen erzählt, statt einem langen Narrativ, das gar nicht von der Stelle kommt. Das hätte den Mittelteil das Buchs furchtbar schwerfällig gemacht, aber glücklicherweise hat Tolkien das vermieden.

    Man merkt den Absätzen schon hin und wieder die ein zwei extra Sätze an, die die Landschaft und ihren Verlauf beschreiben; bei denen driften meine Augen schon immer mal von der Seite.

    Wovon die Geschichte wirklich lebt, sind die Freundschaften. Wie oft haben mich Gimli und Legolas oder Merry und Pippin schon zum Schmunzeln gebracht? Hach, die sind so schön miteinander <3

    Wenn man ein paar Dinge an dem Buch verändern würde, könnte ich es sicher vom ganzen Herzen lieben. Im Moment gibt es sonst ein paar Elemente, die ich liebe, und viele andere, vor denen ich Respekt habe.


    Außerdem habe ich das Hörbuch von "Rumo und die Wunder im Dunkeln" von Walter Moers angefangen. :D Dirk Bach liest das, und wer mit ihm klarkommt, der hat einen Schatz vor sich. Rumo ist für mich immer mein Favorit gewesen, was Zamonien angeht, und ich glaube nicht, dass sich das so schnell ändern wird.


    Und dann lese ich noch Etiam s Geschichte "Ymir" hier im Forum. ;) Das ist schließlich auch Fantasyliteratur, wenn auch in einem anderen Format als gewohnt!

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich lese gerade den "Prinz der Rache" von Torsten Fink (einer meiner Lieblingsautoren).


    Wer wissen will, um was es geht - der Klappentext von Amazon erklärt das ganz gut. Was mich am Roman begeistert, ist Finks Fähigkeit, die Charaktere zu zeichnen. Und ihre Verwandlung glaubwürdig rüberzubringen. Sein roter Faden zieht sich konsequent durch und trotz bislang dreier Handlungsstränge kann ich ihm sehr gut folgen. Nach einem etwas langwierigen Einstieg ist es jetzt durchgehend spannend, zumindest habe ich bis jetzt keine "Hänger" mehr gefunden.

    Also - wer etwas Fesselndes zum Lesen für den Sommer im Garten (und dann abends auf dem Sofa) braucht, der sollte es mit diesem Roman versuchen. :thumbup:


    ("Der Prinz der Rache" ist - obwohl später geschrieben und mit ähnlichem Namen - keine Fortsetzung der Schattenprinz-Trilogie.)

    Wenn wir wüssten, wie kurz das Leben ist, würden wir uns gegenseitig mehr Freude machen.
    (Ricarda Huch)



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    ___________________

  • So, das Hörbuch von Rumo und die Wunder im Dunkeln von Walter Moers, gelesen von Dirk Bach, habe ich nun schon seit ein paar Tagen durch. :) Natürlich wunderbar gelesen, wie ich neulich schon meinte!

    Was ich spannend finde ist, wie Moers besonders in der zweiten Hälfte den Leser mit etwas konfrontiert, was eigentlich klasse Info-Dumps sein müssen. Aber er schafft es, sie so alles andere als trocken und langweilig zu gestalten, dass sie mich nicht im geringsten gestört haben. :hmm: Das muss an seiner skurrilen Ader liegen und dass die Informationen einen über Dinge aufklären, die bereits passiert sind, sodass sich für den Leser nun ein endlich ein Gesamtbild ergibt und man versteht, was los ist.

    Durch die Fülle an liebenswürdigen Figuren (und die Bereitsschaft, auch welche zu opfern), fühle ich als Leser auch für die Figuren mit und es kümmert mich, was aus ihnen wird.

    Auch all die scheinbar willkürlichen Exkurse und Episoden werden plötzlich alle wieder irgendwie relevant und es ergibt sich einfach eine runde, stimmige Geschichte. All die Details bei Moers' skurrilen Ideen geben einem als Leser auch den Eindruck, dass diese Gerätschaften und Figuren echt sind und dass man dabei war und es erlebt hat.
    Ich mag ja generell die kulinarische Seite, die Moers' Romane immer mal haben. Da werde Sinne angesprochen und alles scheint viel realer ...


    Weiterhin tolles Buch, auch beim dritten mal lesen. :)


    Sonst noch was? Achja, Der Herr der Ringe. Bin jetzt mit Buch 4 durch, habe also nur noch ca. 300 Seiten vor mir - alles, was "Die Rückkehr des Königs" umfasst. Damit ist bald Endspurt angesagt. So langsam habe ich Mittelerde schon so sehr lieb gewonnen, dass ich es schade finde, wenn die Geschichte endet. Nach Bruchtal geht es wirklich erst richtig los, das muss man schon sagen. Und DHdR zu lesen muss man wirklich wie einen Spaziergang am Fluss betrachten, statt wie ein Rennen über eine Piste. Legt man den diesen Stress erstmal ab - und warum macht man sich den überhaupt? - dann kann man die ganzen Details erst wirklich schätzen.

    Nur dass die Geschichte an sich eben schon sehr simples Schwarz-Weiß ist, finde ich manchmal schade. Einzelne Figuren werden mal korrumpiert und Gollum ist wirklich mal ein ambivalenter Typ, aber ansonsten fühlt sich das für meinen Geschmack manchmal etwas zu idealisiert an.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Sösösö, ich habe mittlerweile mit Gideon The Ninth von Tamsyn Muir begonnen. Da ich nun nicht mehr zum erste Mal auf Englisch lese, kann ich mir wohl langsam ein paar Vergleiche erlauben. :hmm:

    G. R. R. Martin besticht ja durch sehr simple Sprache und Wortwahl - das war für mich als Einsteiger sehr angenehm. :)

    David Mitchell hatte kreativere Prosa, wunderschöne, einfach leckere Sätze. Die Wortwahl war sehr britisch, da musste ich manchmal für einen Satz dreimal das Urban Dictionary bedienen. Sehr lehrreich und der Weg ist für mich das Ziel. Trotzdem ist es eine nennenswerte Barriere, die man überwinden muss.

    Tamsyn Muir hat auch wunderschöne, leckere, elegante Prosa, wow! Richtig toll geschrieben. Sie kennt auch viele ausgefallene und durchaus hochgestochene Worte - also ist wieder viel Übersetzen angesagt. :pardon: Die hochgestochenen Momente sorgen aber für einen sehr tollen Kontrast mit den derben Momenten, beispielsweise wenn die Protagonisten jemandem, der sie wieder einfangen soll, ein Pornoheft mit dem Titel "Frontline Titties of the Fifth" anbietet. :D Sehr unterhaltsam, das gefällt mir!

    Die Kapitel sind mit etwa 10 Seiten bisher angenehm kurz und ich habe auch erst zwei davon gelesen.

    Was sich zum Setting bisher sagen lässt: Fantasy im Weltraum. Wie viel andere Planeten da eine Rolle spielen werden - keine Ahnung. Ich habe gerade einfach Spaß an der morbiden Nekromantie, dem Witz und der Ahnung, dass sich da gleich zu Beginn etwas zusammenbraut, was ganz böse explodieren könnte.


    Und was Der Herr der Ringe angeht, habe ich Buch 5 nun auch fast abgeschlossen.

    Die Schlacht um Minas Tirith, wie die Perspektiven wechseln und Dinge aus anderen Handlungssträngen angedeutet werden, das ist schon wirklich toll gemacht. Sehr spannend, auch wenn man die Handlung schon kennt. Außerdem hatte ich ein paar Dinge auch einfach vergessen:

    Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben. Durch glückliche Umstände, durch unbesonnene Taten der Helden, die sie mit besserem Wissen vielleicht nicht getan hätten, aber zufällig doch hilfreich waren, durch alles sowas haben sie es bisher geschafft, Sauron in Schach zu halten. Wäre eine Sache davon anders verlaufen, wäre Gondor vielleicht verloren gewesen oder Frodo wäre schon entdeckt worden. :hmm: Und dennoch liest es sich nicht unbefriedigend, denn die Leute haben nach ihren Persönlichkeiten gehandelt. Das gefällt mir deutlich besser als all die Reisekapitel.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben.

    Nicht nur - was im Film untergeht weil Denethor da ja von Anfang an ein durchgeknallter Idiot ist, ist dass der Denethor im Buch eine sehr solide Abwehrstrategie faehrt und die vormarschierenden Orks praktisch um jeden Kilometer kaempfen muessen - so dass sie schon ziemlich laediert sind als sie vor der Stadtmauer ankommen - wo sie dann erst mal von einem Gegenangriff der ausgeruhten Reiterei behelligt werden. Das ist schon was anderes als im Film wo Denethor seine letzten Truppen noch in einem sinnlosen Angriff verheizt.

  • Mir wird auch bewusst, wie viel Glück die Guten hier einfach haben.

    Nicht nur - was im Film untergeht weil Denethor da ja von Anfang an ein durchgeknallter Idiot ist, ist dass der Denethor im Buch eine sehr solide Abwehrstrategie faehrt und die vormarschierenden Orks praktisch um jeden Kilometer kaempfen muessen - so dass sie schon ziemlich laediert sind als sie vor der Stadtmauer ankommen - wo sie dann erst mal von einem Gegenangriff der ausgeruhten Reiterei behelligt werden. Das ist schon was anderes als im Film wo Denethor seine letzten Truppen noch in einem sinnlosen Angriff verheizt.

    Ja, das stimmt wohl! :hmm: Überhaupt macht das Militärische auf mich einen soliden Eindruck und besteht nicht nur aus leeren Phrasen. Ich denke aber auch daran, dass Aragorn Sauron ja mit dem Stein vom Orthanc herausgefordert hat, was zu einem verfrühten Angriff Saurons geführt hat, weswegen sein erste Angriff wahrscheinlich nicht gleich die volle Stärke hatte, die er sonst wohl gefahren hätte. Und diesen verfrühten Angriff hat Minas Tirith nur sehr knapp überstanden, weil Aragorns Truppen Rückenwind hatten. Da kommt auch mit guter Taktik mMn noch einiges an Glück oben drauf, was die Sache ja eigentlich noch prekärer macht, wenn man mal so drüber nachdenkt. o: Das ganze fünfte Buch fand ich jedenfalls sehr spannend.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Es ist vollbracht. Ich habe lange gebraucht und mir, ehrlich gesagt, auch viel Zeit gelassen, aber ich habe nun endlich Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien beendet.

    Was mir über die Jahre irgendwie bewusst wurde ist, dass ich zwar immer sagte, dass ich Fantasy toll finde und dass ich mir auch immer sage, dass ich Fantasy schreiben möchte - aber irgendwie lese ich außer den Scheibenweltromanen kaum Fantasy? Komisch. Ich habe einiges Nachzuholen, schätze ich. Zumal mit DHdR immer besser gefiel, je weiter ich im Buch dringesteckt habe.


    Nun habe ich es gelesen und eine offensichtliche Frage, die sich mir stellt ist: Ist der Herr der Ringe das große Meisterwerk, als das es immer bezeichnet wird?

    Antwort: Ja.

    Ein Meisterwerk ist es. Was nicht bedeutet, dass es perfekt wäre, aber Perfektion ist dafür nicht zwingend ein Kriterium. Je mehr ich über Die Blechtrommel nachdenke, desto mehr erkenne ich, was für ein meisterhaftes Buch das ist - aber perfekt ist das Buch auch nicht.


    Dinge, die ich mochte:

    • Die zeitliche Fluidität der verschiedenen Handlungsstränge. Dieses Zick-zack habe ich auch bei Hunder Jahre Einsamkeit sehr gemocht.
    • Außerdem dass der allwissende Erzähler immer wieder erwähnt hat, welche Ereignisse parallel ganz woanders passieren, von denen man als Leser schon weiß. Das gibt einem so ein Gefühl für das riesige Gewusel, das die Welt ja eigentlich ist. Außerdem kann man sich daran gut orientieren und kommt nicht durcheinander.
    • Wie Tolkiens Fähigkeiten als Linguist dazu führen, dass all die Fantasyrassen sich ganz unterschiedlich anfühlen. Besonders die Ents stechen da heraus.
    • Die Freundschaften zwischen den Protagonisten waren wirklich herzerwärmend. Diese Art von offener Liebe und Zuneigung zwischen all diesen Männern ist etwas, wovon man sich im Alltag durchaus eine Scheibe abschneiden kann.
    • Die ca. 100 Seiten fallender Handlung, die das Buch wunderbar ausklingen lassen. Mir hat besonders das Ende einige Tränen abgerungen.
    • Allgemein Tolkiens klarer und vor allem sehr schöner Prosastil (Credit geht da auch an Margaret Carroux)
    • Das Metaworldbuilding. Das Buch ist ja eine Nacherzählung basierend auf fiktiven Dokumenten, vor allem Bilbos Aufzeichnungen und die von Frodo. An manchen Stellen fehlen Quellen und so etwas wird ganz explizit erwähnt (die Schlacht von Minas Tirith, nachdem Aragorn ankommt, wenn die letzten Kämpfe gefochten werden. Davon gibt es keine Aufzeichnungen mehr, darum endet das Kapitel da recht schnell. Der für den Leser interessante Teil war ja ohnehin vorbei). Das lässt jedenfalls auch die Anhänge und Fußnoten zu. Und den nicht so eleganten Prolog, aber dazu komme ich noch.
    • Der Preis, der für die Zerstörung des Rings gezahlt wird. DHdR mag ein Märchen sein, aber es erkennt an, dass so ein Krieg einen Tribut fordert. Das Ende der Magie als großes Konzept rechtfertigt mMn beispielsweise die Kapitel mit Tom Bombadil, die ich auch so schon mochte, wegen Bombadil eben, die aber zum Plot nichts beitrugen. Man verbringt am Anfang viel Zeit in einer magischen Welt, die, wie man zunehmend lernt (beispielsweise an den Ents), vergehen wird.

    Das reicht wahrscheinlich erstmal. Was mir nicht so gut gefiel:

    • Der Prolog. Vielleicht waren das Infos über Hobbits, die Tolkien anders nicht in die Geschichte bekam? Das war auf jeden Fall nicht toll zu lesen, und dann noch ganz am Anfang. Hätte ich dem Buch nicht aufgrund seines Rufs einen ordentlichen Vertrauensvorschuss gegeben (bis nach Bruchtal!), hätte ich es wieder weggelegt.
    • Ja, noch ein Klassiker. Die Reisekapitel hatten gefühlt pro Absatz immer noch ein, zwei Sätze zur Landschaft. Das war eben einfach ermüdend.
    • Immer wenn im Bezug auf Menschen und eben besonders die Herrscher von Gondor von "reinem Blut" die Rede war. Mir ist klar, dass die Menschen von Westernis eben anders sind als normale Menschen - sie sind effektiv eine andere Menschenrasse, wie wir die in der wirklichen Welt seit den Neandertalern nicht mehr haben. Dass es die gibt, stört mich ja nichtmal. Aber die Selbstverständlichkeit, mit der sie die Herrscher von Gondor sind ... gut, Aragorn ist eben der legitime Erbe. Aber es wird teilweise ja sogar bedauert und als etwas Negatives dargestellt, dass die Menschen von Westernis sich mit den anderen vermischt haben. Es gibt keine Subversion, niemand sagt: "Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wenn niemand von reinem Blut herrscht." Ich denke, mein Problem liegt weniger bei der Geschichte an sich, als viel mehr dabei, was für Leute in unserer Welt mit genau sowas argumentieren. Diese Ähnlichkeit ... das war mir immer auch unangenehm.
      Lustigerweise musste ich, wenn jemand genannt wurde und erstmal der Stammbaum runtergebetet wurde, immer an "Hundejahre" von Günter Grass denken, der sich mit Hundestämmbäumen über sowas so wunderbar lustig gemacht hat: "Perkun zeugte Senta. Senta warf Harras. Und Harras wiederum zeugte Prinz."
      Ich möchte aber auch deutlich sagen, dass ich Tolkien daraus jetzt gar keinen Strick drehen möchte. Andere Menschenvölker, wie die Haradrim, die Ostlinge konnten sich zwar nicht durch Figuren zu Wort melden, aber ich fand schon, dass sie respektvoll von der Geschichte behandelt wurden. Die Wilden Menschen wären mMn auch ein positives Beispiel. Diese Völker hätten sicher auch ihre eigenen Geschichten zu erzählen.
      Außerdem gibt es ja immer noch das Metaworldbuilding, das ich bereits erwähnt. DHdR wird wie eine Erzählung behandelt, die viele viele Jahre nach den Ereignissen zusammengestellt wurde, von Gelehrten in Minas Tirith wurde es abgeschrieben und das Original ist nicht erhalten. Gelehrte Gondors werden eine bestimmte Perspektive haben und die Originaldokumente auch. DHdR ist nur eine Version der Ereignisse. Die wahre Version wird niemand jemals erfahren. Und mit diesen Dingen im Hinterkopf kann ich das Buch kritisch betrachten und trotzdem genießen.
    • Das harte Schwarz-Weiß hat die Kapitel, in denen man die Orks unter sich erlebt, etwas ... ich weiß nicht. Sie wirkten fast wie Parodien auf Bösewichte. Wie waren so böse, einfach weil ... sie Orks sind? Keine Ahnung, das war eher unbefriedigend.


    So, und jetzt wird das Buch sicher noch eine Weile nachziehen. Ich habe aber das Gefühl, mich im High Fantasy-Genre jetzt plötzlich deutlich wohler zu fühlen, wo ich so viel Zeit mit Elben, Zwergen, Ents und Hobbits verbracht habe. :hmm: Wahrscheinlich sollte ich noch ein paar andere High/Epic Fantasy Bücher nachholen, denn mir hat es wirklich gut gefallen.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Aber die Selbstverständlichkeit, mit der sie die Herrscher von Gondor sind ... gut, Aragorn ist eben der legitime Erbe. Aber es wird teilweise ja sogar bedauert und als etwas Negatives dargestellt, dass die Menschen von Westernis sich mit den anderen vermischt haben.

    Ich wuerde vermuten dass Tolkien hier eher auf den 'Fall' von einem goldenen Zeitalter rauswill als auf verkappten Rassismus (?) - das Thema zieht sich ja durch's Silmarillion durch, die Elben die das Licht von Aman gesehen haben und dann nach Mittelerde gekommen sind sind 'besser' als die, die in Mittelerde geboren sind - da ist eben eine Welt in Duesternis, und dann kommen die Heere der Noldor aus Valinor und errichten auch in Mittelerde fuer eine Weile die Reiche des Lichts.


    Galadriel (als eine Noldo) ist ungleich machtvoller als etwa Legolas.


    Und bei den Menschen geht's dann ueber Blutlinien - im Guten wie im Schlechten, man liest ja auch von Aragorn's Zweifel ob er den gleichen Charakterfehler wie Isildur hat - und zum Herrscher von Gondor ungeeignet ist.


    Und dann gibt's ja noch die Geschichten ueber die Verbindungen der Menschen und Elben (Aragorn und Arwen sind ja nicht das erste Paar...)...

  • Thorsten das ist ein interessanter Punkt und würde sehr sehr gut passen. :hmm: Schließlich ist das ja irgendwie der große Punkt der Geschichte: der Niedergang des magischen Zeitalters. :hmm:

    Das hat sicher auch etwas mit den drastischen Änderungen der Welt zu tun, wie Tolkien sie erlebte.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

    • Offizieller Beitrag

    Und dann gibt's ja noch die Geschichten ueber die Verbindungen der Menschen und Elben (Aragorn und Arwen sind ja nicht das erste Paar...)...

    Singt Aragorn nicht sogar ein Lied dadrüber? Oder war das nur im Film... Oooooder bin ich grad ganz auf der falschen Spur xD

  • Und dann gibt's ja noch die Geschichten ueber die Verbindungen der Menschen und Elben (Aragorn und Arwen sind ja nicht das erste Paar...)...

    Singt Aragorn nicht sogar ein Lied dadrüber? Oder war das nur im Film... Oooooder bin ich grad ganz auf der falschen Spur xD

    Tut er jedenfalls im Buch! Die vollständige Geschichte Beren und Luthien gibt es wohl im Simarillion, in DHdR hat man nur einen Teil davon erfahren

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Beren und Lúthien waren ein Thema das Tolkien auch persoenlich sehr nahe war (das Vorbild fuer Lúthien ist seine Frau Edith) - daher taucht die Geschichte an sehr vielen Stellen auf, im Silmarillion, im Herrn der Ringe, , aber auch in verschiedenen anderen Entwurfsversionen in der 'History of Middle Earth'. Die beiden sind das 'klassische' Liebespaar, aber wer den Herrn der Ringe genau gelesen hat, kann mitbekommen dass es auch bei einem Vasallen von Gondor in der Vergangenheit eine Verbindung zwischen Menschen und Elben gab... :)

  • Ich habe mir mal vorgenommen etwas mehr deutsche Autoren zu lesen. :)


    Die Rückkehr des Zauberers

    Von Laurence Horn


    Die Welt von Rhodinia hat vor tausend Jahren einen Krieg zwischen Zauberern und Magiern gesehen. Nun wird Rhodinia von Magiern beherrscht und ein magischer Nebel trennt sie von den Zauberern. Ein einzelner Zauberer durchbricht die Barriere aufgrund des Hilferufs einer rätselhaften weißen Magierin.

    Unvermittelt gerät ein naives Bauernmädchen in den Strudel der Ereignisse.


    Eine interessante Welt, die dem Leser nach und nach nahegebracht wird. Der Zauberer ist am Anfang etwas over-powered. Aber das gibt sich, während der Geschichte. Am Schluß fügt sich fast alles zusammen. Die Sprache ist direkt und spricht sicher auch jugendliche Leser an. Hat mir ganz gut gefallen. Ich hole mir sicher auch den zweiten Teil.

  • Rad der Zeit
    Robert Jordan (beendet von Brandon Sanderson)

    Eine Welt ein Orden weiblicher Magier die Fäden zieht, da die männliche Seite der Magie "verdorben" ist und Benutzer in den Wahnsinn treibt.
    Ein Magiern findet in ein abgelegenes Dort einige Jugendliche mit denen sie fliehen muss...
    Was nach der üblichen schnöden Fantasykost klingt entwickelt sich zu einer vielschichtigen, komplexen und recht epischen Geschichte in einer sehr abwechslungsreichen Welt ohne zu sehr in Düsterniss zu versinken.

    Nach Band 14 bin ich nun tatsächlich durch. Ein großartiges Ende der sehr umfangreichen Reise die ich vor fast 20 Jahren damals angefangen habe als Robert Jordan noch gelegt und geschrieben hat, damals habe ich es aus den Augen verloren, auch weil die Deutsche Version auf absurde 37 (siebenunddreißig! ) Bücher angewachsen ist. *)

    Also habe ich mir nun die englischen als ebook geholt und gelesen. Schöne Setting, gute Story, mitreißend geschrieben sodass es mir auf der ganze Fahrt nie langweilig wurde.
    Was mich positiv überrascht hat, da viele Sachen die ich damals (tm) gelesen habe, heute oft zu flach oder öde finde. Aber da war das nicht der Fall.
    Jetzt bin ich sehr auf die Serie (und die unabhängig davon produzierten Filme) gespannt, fürchte aber, das das nur nach hinten los gehen kann. XD



    *) Die ersten 30 deutschen Bände stauben bei mir vor sich hin, wer will darf die gerne abholen. ;)

  • Fertig! :)

    Gideon The Ninth ist eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr bisher gelesen haben. Worum geht's?

    Der Imperator ruft die Neun Häuser auf, einen ihrer Erben mit ihrem Kavalier (Leibwächter) zu ihm zu schicken, damit sie sich einer Prüfung unterziehen und Teil seines direkten Gefolges werden können.

    Gideon springt für den geflohenen Kavalier von Harrow, der Erbin des Neunten Hauses, ein, um sich ihre Freiheit zu verdienen. Beide können sich nicht ausstehen, sind unter all den Fremden der anderen Häuser aber aufeinander angewiesen ...

    Es gibt einen recht klassischen Plot, der aber mit tollen, leicht überzeichneten Figuren, einem morbiden Magiesystem (Nekromantie!), viel Witz, Rätseln und einem explosiven Schluss gewürzt. Wirklich toll gemacht, sehr unterhaltsam und auch dann noch lesenswert, wenn man den Inhalt schon kennt oder erahnt (habe ich leicht gespoilert, aber es hat mein Vergnügen nicht gemindert). - Ich weiß nicht, wie ich ein Buch noch mehr loben könnte. ^^


    Man könnte dem Buch vorwerfen, dass der Plot nicht immer ganz klar kommuniziert ist, aber eigentlich ist alles nötige drin oder wird aus dem Kontext klar.


    Es gab viel zu googlen, besonders die ganzen Knochennamen, die auf Englisch natürlich viel Latein enthalten. Nach einer Weile ist das kein Problem mehr und es trägt zum Buch auch nur bei.


    Also, meine Empfehlung an alle, die vor englischen Büchern keine Angst haben. :P

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich habe noch ein letztes Probehörbuch auf Audible. :hmm: Das benutze ich mal für einen weniger schweren Text: Rollende Steine von Terry Pratchett. :)

    Gelesen wird es ein bisschen ... ich weiß nicht so recht, ein bisschen gestelzt? Es ist nicht schlimm, es ist nur ein subtiler, aber merklicher Unterschied zu anderen Hörbüchern. :hmm: Die Figuren werden aber gut gesprochen (Tod und Trolle sind nachträglich verzerrt worden) und es gibt der Hörerfahrung noch etwas Leben dazu. :)


    Dieses Mal nimmt sich Pratchett die Musikszene vor. Der Harfespieler Imp kommt nach Ankh-Morpork und darf nicht musizieren, da er kein Mitglied der Musiker-Gilde. Um Mitglied zu werden, muss er 75 Dollar zahlen (viel Geld!), und um Geld zu verdienen, muss er musizieren, was er nicht darf, da er kein Mitglied ist. Geniales System!

    Und dann gibt es noch den zweiten Handlungsstrang mit Tod, der eine Midlife-Crisis zu haben scheint. Ich dachte mir da: "Hatten wir das nicht schon?" Aber in "Gevatter Tod" hatte er nur einen Lehrling und Tod hat Pause gemacht und in einer Imbissbude gearbeitet - mit fatalen Folgen. Und in "Einfach Sense" wurde Tod gefeuert - mit fatalen Folgen. Dieses Mal ist es eher eine innere Krise (vielleicht mit Gevatter Tod, aber schon etwas anders).

    Ich schaue gerne zu, wie sich beide Handlungen wohl verbinden mögen. Mit Auftritten der Stadtwache als Nebenfiguren fühlt sich die Scheibenwelt nun auch schon gut bevölkert an. :D

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Gestern durchgehört. Ja, wie gesagt, es wirkte ein bisschen steif gelesen. So ein bisschen wie die Tendenz im deutschen Fensehen, alles überdeutlich zu sprechen, damit alle auch alles kapieren, wobei aber einiges an Natürlichkeit flöten geht. Das war nun nicht groß tragisch, aber anmerken wollte ich es trotzdem. ^^


    Ein guter Pratchett. Ich weiß gar nicht recht, was ich groß dazu sagen soll. Mir kommt es nicht vor, dass das Buch besonders aus den anderen hervorsticht, aber es ist definitiv bei den guten/besseren Büchern der Scheibenwelt einzuordnen. Ich mag ja, dass es ein Rock'n'Roll-Roman ist, und auch Suzanne als Tods Enkelin war schön. Kann man also definitiv empfehlen. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Hörbuch über Sporitfy: Berge des Wahnsinns - H. P. Lovecraft. Von David Nathan gelesen (das ist der Synchronsprecher von Johnny Depp, sehr cool!).

    Sehr gut gelesen. :thumbup: David Nathan hat bisher immer einen tollen Job gemacht, wenn ich ein Hörbuch mit ihm gehört habe.

    Die Erzählung selbst ist eigentlich erstaunlich spannungsarm, aber für die Spannung zieht man sich Lovecraft ja sowieso nicht rein. Für sowas liest man Thriller. :D Ich denke, ich begreife langsam, was dieser kosmische Horror ist. Dieses Andersartige und fremde ist faszinierend. Da bekommt man einen Info-Dump über die Geschichte der Großen Alten vorgesetzt, aber es juckt einen nicht, dass das ein Info-Dump ist, weil man ja genau dafür hergekommen ist. Ich möchte wetten, dass Walter Moers auch Lovecraft gelesen hat, das hat mich so sehr an die Untenwelt-Kapitel in "Rumo" erinnert. :hmm: Da wird einem auch erstmal die Geschichte von Untenwelt vorgesetzt, mit all ihren Schrecken und Grausamkeiten, aber irgendwie nimmt man das gerne an, weil es so skurril und faszinierend ist.

    Das zeigt mir nur mal wieder, dass es Kunst/Literatur gibt, die süffig rein gehen soll (Marvel, Thriller), und dann gibt es die, die eher eine Erfahrung sein sollen (beispielsweise das hier).

    Ich denke, man kann nur davon profitieren, wenn man sich ein bisschen mit Lovecraft beschäftigt. Für mich ist es jedenfalls etwas Neues. :hmm: Hin und wieder blitzt sein Rassismus durch, damit muss man dann einfach umgehen können.

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]