Was lest ihr gerade? (Fantasy)

  • Wenn ein Science-Fiction-Buch alt genug wird, wird es dann Fantasy?

    Ich habe nun das Hörbuch zu Die Reise zum Mittelpunkt der Erde von Jules Verne begonnen. Gelesen wird es von Karlheinz Gabor, von dem ich auch schon das Hörbuch zu Effi Briest gehört habe. :) Er hat eine tiefere Stimme, der sich sehr gut zuhören lässt, und einen Plauderton, der die Geschichte lebendig macht. Sehr, sehr schön, die Version kann ich so empfehlen.


    Es erzählt die Geschichte des deutschen Professors und Geologen Otto Lidenbrock, der ein Dokument eines isländischen Alchemisten findet. Es ist chiffriert und er schafft es nicht, das Rätsel zu lösen. Sein Neffe Axel jedoch findet die Lösung (ich bin mir noch nicht sicher, ob ich es missverstanden habe ... aber war es nach der Übernahme aus den Runen nicht etwas zu einfach? :rofl: ), und so reisen beide bald ab, um beide zeitnah Island noch zu erreichen.


    SciFi ist es bisher in der Hinsicht, dass damals die Frage nach dem Inneren der Erde noch nicht geklärt war und Jules Verne hier verschiedene, sich widersprechende, Hypothesen von damals gegeneinander abwägt. Und diese damalige Lücke wird dann wohl für den Roman genutzt. :) Und von da an biegt die Geschichte wohl ins Phantastische ab.


    Es ist bisher einfach sehr schön lebhaft, die Figuren fühlen sich schon sehr gut gezeichnet an, obwohl noch kaum etwas passiert ist, und ich finde es schade, dass ich sowas nicht mit der Muttermilch aufgesogen habe. Das muss ich jetzt nachholen. :)

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • So, hab es zu Ende gehört. :) Die Geschichte ist eine Reisegeschichte (wer hätte es gedacht?), und besonders gefällt mir daran, wie der Professor und sein Enkel ihre wissenschaftlichen Kenntnisse benutzen, um sich zurecht zu finden. Die Reise ist teilweise in ihren Ereignissen so unglaublich, dass ich mich gerade am Ende frage, ob man sie mit den Geschichten vom Baron von Münchhausen vergleichen kann. :P Aber es war wirklich schön. Gerade Jugendlichen und Kindern könnte das gefallen, aber eigentlich ist das was für jedes Alter.

    Und es war auch gut vorgelesen von Karlheinz Gabor, aber der Plauderton war manchmal etwas zu ... eintönig. Besonders die emotionaleren Passagen wirkten eher kraftlos und hatten damit kaum Wirkung. Sehr schade, denn sonst ist mein Eindruck sehr gut. :hmm:

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • Ich habe heute eine Kurzgeschichtensammlung von Gabriel García Márquez begonnen, mit Titel Die Erzählungen. Mit seinen phantastischen Elementen ist das ja quasi Fantasy. :pardon: Die erste Geschichte ist eher mäßig spannend und eher schwermütig. Sie handelt von einem toten Kind, das von einem Arzt als Toter am Leben gehalten wird. Im Prinzip lebt der Protagonist als Toter mit Bewusstsein weiter. Er wächst, er nimmt wahr, aber isst nicht (oder doch? kam jedenfalls nicht vor) und kann sich weder bewegen noch mitteilen.

    Ja, mal sehen. Da sollen auch Figuren drin vorkommen, die auch in "Hundert Jahre Einsamkeit" vorkamen. Da freue ich mich schon drauf. :)


    Ansonsten ist es jetzt Zeit für A Clash of Kings von George R. R. Martin. "A Game of Thrones" habe ich vor bald einem Jahr gelesen ... das wird also wirklich mal Zeit. ^^'

    [Schlaue, tiefgreifende Lebensweisheit]

  • "The Daevabad Trilogy"

    von S. A. Chakraborty

    Fantasy der etwas anderen Art: Eine Diebin im Kairo des 18. Jhdts trifft auf einen Djiin und beginnt die Reise zu einer geheimen Stadt in eine magische Welt die auf arabisch/persischer Mythologie basiert und lernt dort die Welt und ihre Schattenseiten kennen...

    Hat mir sehr gut gefallen, sodass ich die drei Bände am Stück gelesen habe. Ein paar typische YA-Elemente die mich aber nicht wirklich gestört haben, da Story, Worldbuilding und Charaktere interessant und vielschichtig sind.

  • Hey!

    Also ich lese derzeit den zweiten Teil der Sumpfloch-Saga von Halo Summer.

    In der Reihe geht es um eine magische Welt namens Amuylett, in der verschiedene Charaktere in einer Schule für magisch begabte Kinder aufeinandertreffen, die "Sumpfloch" heißt. Wir verfolgen Skarlett, eine Cruda (Hexe bösen Blutes), die gegen ihre innere Boshaftigkeit ankämpfen muss sowie Maria, Lissandra und Thuna - drei Erdenkinder, die aus Versehen als Baby in die Welt Amuylett gepurzelt sind und seitdem damit zu kämpfen haben, dass sie nicht zaubern können in einer ganz und gar zauberhaften Welt.

    Die Autorin ist vor allem im Bereich des Selfpublishings tätig. Ihre Bücher haben einen ganz eigenen Charakter, der unheimlich witzig ist. Ihr Schreibstil hat eine ganz besondere Note! Allerdings richtet sich die Reihe eher an Jugendliche, da es unter anderem um das Erwachsenwerden mit einer Prise Magie geht. Dennoch sollte man die Geschichte nicht unterschätzen, da sie alles parat hat, was gute Fantasy ausmacht - eine spannende, einzigartige, facettenreiche Welt; authentische Figuren und eine interessante Handlung. Wer mag, kann es sich ja mal anschauen :) Ich für meinen Teil bin ein kleines Fangirl geworden...

  • Ich habe jetzt vor ein paar Tagen mit Fire and Blood von George RR Martin begonnen. Das Buch erzählt die Geschichte der Targaryens in Westeros und bleibt dabei dem Stil eines Geschichtsbuchs teilweise treu. Oder anders gesagt: Der Stil variiert sehr subtil und deckt verschiedene Charakteristika historischer Geschichtsschreibung ab. So wird immer wieder darauf hingewiesen, dass verschiedene Quellen unterschiedliches berichten und dass man manche Berichte als "frei erfunden" oder "übermäßig ausgeschmückt" betrachten muss. Auch der Erzähler (bzw. Geschichtsschreiber) selbst tritt manchmal in Form von "wir" und "uns" in Erscheinung. Die Erzählung will grob 300 Jahre Geschichte abdecken, d.h. entsprechend großzügig wird erzählt. Details, Dialoge, Beschreibungen von Schauplätzen etc. fehlen häufig. Zumindest verglichen mit A Song of Ice and Fire ist es schon eher trocken.

    Spannend finde ich es trotzem. Und gut geschrieben, d.h. gut lesbar, ist es auch. Natürlich kommen manche von Martins Negativpunkten noch deutlicher zu Tage, etwa dass sich sehr vieles immer wieder wiederholt. Ganz offensichtlich wird das in den Namen, die, wenn sie auch nicht immer identisch sind, sich doch so sehr ähneln, dass man nicht mehr weiß, wer nun eigentlich wer nochmal war. Aber auch das passt ja zu den historischen Vorlagen ^^

    Auch was die politischen Entwicklungen, die Motive und Fehler von Charakteren etc. angeht, alles wiederholt sich in der ein oder anderen Form, zum Glück ohne dass es allzu sehr stören würde.


    Kurz und knapp: Mir gefällt's ganz gut, aber es würde es nicht auf die "Liste der 50 Fantasy-Bücher, die ich jeder und jedem empfehlen würde," schaffen.

    „Alice, man darf sein Leben nicht nach anderen richten. Du allein musst die Entscheidung fällen.“ [Alice im Wunderland]

  • Thomas Ziegler, Stimmen der Nacht


    Eine alternative Realität. Bis 1944 ist alles so wie bekannt. Dann aber …

    Der zweite Weltkrieg endet, indem die USA mit einer Atombombe Berlin und den "Führer" vernichten. Der Morgenthau-Plan tritt in Kraft. Alle grossen Städte Deutschlands werden geschleift und das "Reich" zu einem Agrarstaat umgestaltet. Die deutsche Elite flieht nach Südamerika und errichtet ein Naziregime unter Bormann, der den Krieg überlebt hat.


    Der Fernsehshowmoderator Gulf hört die Stimme seiner toten Frau und auch die Geister der Vergangenheit kommen nicht zur Ruhe. Das ehemalige "Reich" ist eine offene Wunde in Europa und der kalte Krieg zwischen den USA und dem neuen Reich in Südamerika glimmt. Die Situation eskaliert, als sich die Stimmen der toten Hitler und Göbbels in den Trümmern des Kölner Doms erheben.



    Jeder, der eine Trennung zwischen ernsthafter Literatur und Science Fiction propagiert, wird durch dieses Buch eines Besseren belehrt. Das ist ganz großes Kino. Beklemmend und erhellend. Lest das!