Die Legende von Cerin

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Cerin - Kapitel 8 - Nächtlicher Ausflug

      Nächtlicher Ausflug Teil 1/3

      Diese Nacht konnte Cerin nicht schlafen. Immerzu musste er an die Ereignisse der vergangenen Tage denken. Und an das, was noch alles auf ihn zukommen würde. Bis er genug davon hatte. Er stand auf, zog sich an und ging zur Tür hinaus ins Freie. Zuvor sagte er noch einem Hausangestellten bescheid, dass er ein bisschen frische Luft schnappen aber bald zurück sein würde.
      Er wollte sich ein wenig unter den Menschen der Stadt umhören - ihnen vielleicht das Ein oder Andere Geheimnis entlocken. Laut Meister Wu war der Markt von Tarantlan, der sich weiter unten befand, rund um die Uhr in Betrieb und das wollte er sich nicht entgehen lassen. Die Nacht war noch jung und er würde diese Stadt nicht so schnell wieder zu Gesicht bekommen, dachte er. Und zum Ruhen blieb ihm noch genug Zeit im Grab.
      Der dunkle Schleier der Nacht lag über dem Land, während in Tarantlan immer Tag war. Überall, besonders in den unteren Ebenen der Stadt, waren Feuer zu sehen, an denen sich Menschen die Hände wärmten und Schutz vor der Kälte suchten. Es waren vor allem die vielen Flüchtlinge aus dem Norden, aus Hedan, Filazien, selbst aus Kustan kamen sie und hofften hier ein besseres Leben zu finden.
      Matt leuchteten dagegen die Strassenlaternen, deren spärliches Licht gerade einmal dazu reichte, den Weg durch den Park anzuzeigen, durch den er ging. Cerin blickte zur Stadt hinunter. Durch die Äste und Blätter hohen Buschwerks blitzten tausend Lichter zu ihm hoch, fast kontrastlos gegenüber dem Sternenhimmel. Er stieg ein paar Stufen den Weg entlang tiefer, auf eine Art Kreuzung hinab. Links endete der Weg vor einer mächtigen Statue, die einen Krieger mit Schwert und Schild darstellte. Geradeaus führte der Weg weiter hinab, wahrscheinlich hinaus aus dem Park. Kein Mensch war weit und breit zu sehen.
      Ein lebloses Augenpaar stierte auf Cerin herab, während er die Statue aus der Nähe betrachtete. Sie war gross, ungefähr zwei Köpfe grösser als Cerin und stand auf einem riesigen Sockel. Sie bestand aus purem Metal und im Licht des Mondes ging ein geheimnisvoller Schimmer von ihr aus. Cerin kam es fast so vor, als erwache dieser furchteinflössende Krieger jeden Moment zum Leben.
      Wem diese Statue bloss gewidmet war, fragte er sich und suchte vergebens nach einer Beschriftung, die den Namen oder die Heldentat, die dieser Krieger vollbracht hatte, preisgaben. Lediglich die tieferliegenden Augen und das breite Kinn verrieten ihm, dass es sich hierbei um einen Mann turalischer Abstammung handeln musste. Wahrscheinlich war er einmal ein König oder gar ein Held, wie sein Vater einer war. Hätte er ihm helfen können, fragte sich Cerin weiter und starrte auf die mysteriöse Statue.
      Wind rauschte in den Blättern. Kühl war es, die Luft glasklar. Plötzlich nahm er ein kurzes Aufblitzen wahr, das von der Statue ausging. Eine Bewegung! Vor ihm war sie, und doch wusste Cerin das sie hinter ihm war. Im letzten Moment tauchte er ab, sprang zur Seite und rollte weg. Ein Wimperzucken später und er wäre von der Klinge eines Schwertes in zwei Stücke geteilt worden. Der Hieb verfehlte ihn nur um haaresbreite und schlug in die Statue ein. Ein Geräusch, dumpf und hohl wie der Gong einer ausgedienten Kirchenglocke erklang in die Nacht hinaus, wurde vom Wind davongetragen, umhergeschleudert und schliesslich vom Getöse Tarantlans erstickt.
      Cerin hatte bereits sein Schwert gezogen und versuchte im matten Licht den Feind ausfindig zu machen.
      Es waren Zwei. Einer stürzte direkt auf ihn. Es war ein Mann, grossgewachsen, kräftig und maskiert, bewaffnet mit einem Kurzschwert, dass er in geradem Winkel zum Stoss ansetzte.
      Mit aller Wucht prallte er gegen Cerin, doch der parierte. Cerin wich aus und schleuderte den heranstürzenden Feind seitwärts zu Boden. Ihm blieb nicht viel Zeit, denn schon stürmte der Andere, ebenfalls maskierte, der Cerin nur um haaresbreite verfehlt hatte, wild entschlossen und anscheinend zu allem bereit, auf ihn zu.
      Wieder konnte Cerin dem Hieb des Schurken nur im letzten Moment ausweichen, so überrascht war er noch von diesem hinterhältigen Angriff.
      Er wehrte eine Serie schneller, gradwinkligen Schläge ab und versuchte in eine bessere Position zu gelangen. Dann liess er sich geschickt zurückfallen und tänzelte um den Gegner herum, sodass zwischen ihm und den Angreifern die Kriegerstatue stand. Der Feind war verblüfft, machte Halt. Als er aber sah, dass sein Kumpane wieder kampfbereit war und sich von der anderen Seite an Cerin näherte, stiess er einen triumphierenden Kampfschrei aus und griff erneut an.
      Wieder musste Cerin harte Schläge davon abhalten, seinen Körper in Stücke zu schneiden. Die Typen waren gut, musste er eingestehen. Offensichtlich hatten sie ihm eine Falle gestellt oder waren ihm heimlich gefolgt. Was wollten sie von ihm, wollte er fast fragen. Er hätte es wahrscheinlich auch getan, wäre er nicht so damit beschäftigt, sie davon abzuhalten ihn zu töten.
      Die beiden Halunken versuchten Cerin einzukreisen. Er musste stets darauf achten, dass er die Statue zu seinen Gunsten als Deckung benutzen konnte, während er andererseits die Attacken abzuwehren versuchte.
      Ein unheimliches und tödliches Spiel hatte seinen Lauf gefunden. Unheimlich deswegen, weil sich dieses Szenario inmitten einer Grossstadt abspielte, und doch gab es keinen einzigen Zeugen. Und als ob die Lage nicht schon aussichtslos genug gewesen wäre, sah er aus einem Blickwinkel heraus, zwei weitere Schemen von Kämpfern mit verdeckten Gesichtern vor den Lichtern der Stadt auf ihn zuschnellen.
      Dann plötzlich wurde es ganz ruhig. Nicht einmal der Wind rauschte mehr in den Blättern. Cerin hörte seinen Puls gegen seine Schläfen pochen und es schien ihm, als wäre die Zeit für einen Augenblick stehengeblieben. Gerade als er wieder zum Angriff übergehen wollte, wurde er wie von Geisterhand zurückgehalten. Wie in einem Traum erschien es ihm, als er sah, wie sich die Statue zu bewegen begann. Wie in einem Traum erschien es wohl auch den Anderen, denn sie standen ebenfalls wie angewurzelt da und starrten auf die lebendig gewordene Statue.
      Cerin wollte wegschauen, sich wegbewegen, sicheren Abstand bewahren, doch es war ihm unmöglich. Er konnte sich nicht abwenden. Er war von einer fremden Macht gefesselt. Er hatte die Kontrolle über seinen Körper verloren.
      Wie versteinert standen sie da, starrten auf die riesige Statue aus Metal, die zum Leben erwacht war und langsam von ihrem Sockel herunterstieg.
      Die Atmosphäre änderte sich. Es schien wie kurz vor einem Gewitter, wie vor einem Hagelsturm. Die Sterne hingen wie Lampions vom Himmel und der Mond leuchtete taghell.
      Bestimmt war das Ganze wieder einer seiner seltsamen Träume, versuchte sich Cerin einzureden, während seine Blicke weiter auf den metallenen Krieger gerichtet waren. Oder eine Halluzination, ähnlich der, die er in den Bergen am Bergsee erlebt hatte. Und wieso war er so schwach? Was geschah plötzlich mit ihm? Er wollte etwas sagen, dann schreien. Doch seine Kehle war wie zugeschnürt und er brachte keinen Ton über die Lippen.
      Der erste Schlag traf ihn direkt in die Seite. Er knickte zusammen. Völlig lautlos. Ein zweiter Schlag trennte ihm den Kopf vom Hals und liess ihn mit einem dumpfen Geräusch auf den steinigen Boden daneben aufklatschen. Eingehüllt in einen bläulich schimmernden Lichtschleier, bewegte sich der Metallkrieger trotz seines Gewichts völlig geräuschlos - wie stilles Wasser über den Boden. Cerin konnte keinen Ton ausmachen, ausser den toten Leibern der Angreifer die zu Boden sackten, als der Riese zuschlug. Kein Schrei, dafür umso unheimlichere Stille.
      Cerin, der sich unmittelbar in der Nähe befand, konnte aus seinem Blickwinkel gerade noch erkennen, wie diese Kreatur aus Metall auch dem letzten der vier Schurken den Garaus machte. Schwarzes Blut auf weissem Stein breitete sich schlagartig aus und bahnte sich seinen Weg durch Spalten und Ritzen über den Boden. Die toten Körper qualmten wie Feuer ohne Flammen in die kühle Nacht hinaus.
      „Denke daran.“, hörte Cerin eine Stimme direkt neben seinem Ohr sagen. Es war dieselbe kindliche Stimme, die er am Bergsee schon einmal gehört hatte. Eine unverkennbar sanfte und liebliche Stimme. „Du bist nicht alleine.“
      Schauder überkam ihn, die Ungläubigkeit stand ihm ins Gesicht geschrieben. Er taumelte, fiel zu Boden. Er erwachte wie aus einem Albtraum, schien um Luft zu ringen, so, als wäre er unerträglich lange unter Wasser gewesen.
      Nach einer Weile stand er auf und blickte sich um.
      Alles war wieder so, wie es vorher war. Das Rauschen der Blätter, das Singen einer Nachtigal in der Nähe. Die Statue stand wieder auf ihrem Sockel aus Metal und rührte sich nicht. Es schien fast so, als wäre nichts geschehen und das gerade alles gar nicht passiert. Doch schon am nächsten Morgen, das wusste Cerin, würde dies natürlich ganz anders aussehen und zwar dann, wenn diese vier völlig verunstalteten, menschlichen Überreste entdeckt werden, die hier vor seinen Füssen lagen.
      Nur schnell weg von hier, dachte er und verliess diesen Ort des Grauens. Erst jetzt bemerkte er, dass er sich auf einem Plateau hoch über der Stadt befand.
      Im Laufschritt eilte er die alten, verwitterten Stufen weiter abwärts, raus aus dem Park. Nachdem er ein rostiges Stahltor geöffnet hatte, kam er schliesslich durch einen kleinen Vorhof auf eine der vielen Gassen Tarantlans. Urplötzlich waren wieder Menschen da. Wie eine Liebkosung empfand er das Stimmenwirrwarr. Es kam ihm vor, als wäre er eine Ewigkeit weggewesen, als wäre er aus einer anderen Welt gekommen.
      Cerin versuchte nicht über dieses Erlebnis von vorhin nachzudenken. Zumindest nicht jetzt und zu diesem Zeitpunkt. Zu verworren waren seine Gedanken. Doch eins war ihm so klar wie der Sternenhimmel über Tarantlan: Diese Statue war auf seiner Seite, hatte ihn gerettet und beschützt vor diesen finsteren Gesellen, die so erpicht darauf waren, ihm das Leben zu nehmen. Doch was wollten sie von ihm? Waren sie Räuber? Diebe, die ihn in einen Hinterhalt lockten, um ihn seines Geldbeutels zu entledigen? Zu gerne hätte er sie danach gefragt, doch die Möglichkeit bestand nicht und nun schwiegen sie für immer. Und dann diese Stimme. Die Stimme der Fee in seinem Kopf. Wer war sie und was waren ihre Absichten?
      Was soll’s, dachte er, während er der Gasse entlang, weiter abwärts ging. Sie hatte ihn gerettet und wenn das Schicksal es so wollte, würde er sich ihr Gegenüber erkenntlich zeigen. Doch nun wollte er zum Markt, seinem eigentlichen Ziel.
    • Die Kampfszene gefällt mir sehr gut,... daran merke ich, dass meine auch noch ausbaufähig sind :D Meistens stelle ich die nämlich LIVE nach,... :D
      Cerin hat echt verdammtes Glück und klar ist mir bewusst, dass er - frühe oder später- das Kommando übernimmt.
      Schön ist die Schuilderung wieder einmal der Umgebung und Atmosphäre ... du gibst dir da echt viel Mühe, die Bilder aus deinem Kopf auf das Blatt zu übertragen und es gelingt dir, zumindest was meine Vorstellungskraft angeht wie das bei anderen aussieht *KEINE AHNUNG* aber das Problem hat glaub ich jeder Hobbyschriftsteller...

      Langsam entwickelt sich ein Muster und ich glaube, dass einige WEsen/Kreaturen/ Menschen nicht so begeistert sind davon, wer Cerin ist, was er vor hat und Co.. Juhuuu das schreit nach Fratzengeballer :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Kadjen ()

    • Kadjen schrieb:

      Die Kampfszene gefällt mir sehr gut,... daran merke ich, dass meine auch noch ausbaufähig sind :D Meistens stelle ich die nämlich LIVE nach,... :D

      Ich hab mir nur ein paar Assassinen vorgestellt, der Rest erledigte sich von Selbst. :D Danke vielmals für das Lob! :)

      Kadjen schrieb:

      Cerin hat echt verdammtes Glück und klar ist mir bewusst, dass er - frühe oder später- das Kommando übernimmt.

      Wenn du die Geschichte weiter verfolgst, ist Cerin nie der Anführer. Er ist einfach sozusagen die "Wertvollste Fracht" an Bord. Das Kommando übernimmt jeweils die Situation.

      Kadjen schrieb:

      Schön ist die Schuilderung wieder einmal der Umgebung und Atmosphäre ... du gibst dir da echt viel Mühe, die Bilder aus deinem Kopf auf das Blatt zu übertragen und es gelingt dir, zumindest was meine Vorstellungskraft angeht [...]

      Vielen Dank. Ich denke, Atmosphäre aufzubauen ist das Wichtigste überhaupt in einem Fantasy-Roman.
    • Ich habe gerade alle Kapitel deiner Geschichte hintereinander gelesen, sozusagen am Stück.

      Du hast einen tollen Handlungsablauf konstruiert, es liest sich sehr flüssig. Die Beschreibungen sind detailhaft, ich kann mir die Gegenden sehr gut vorstellen, sozusagen die "Luft riechen".
      Deine Erzählweise ist "prall", die Geschichte wirkt wie ein Kronleuchter, dessen Facetten sehr fein geschliffen sind und du läßt es ordentlich funkeln. Die Fee am Teich, die Wildnis und dazu der Kontrast der großen Stadt -alles schön erzählt und sehr elegant.
      Cerin bleibt mir bis zu diesem Punkt der Geschichte noch etwas blass. Er agiert mit den Ereignissen und Personen, bringt aber wenig eigene Gedanken und Eigenarten mit sich.
      Spannend find ich Azzur, der alles tut, um Cerin zu erreichen. In einem kleinen Satz stellst du klar, dass er Cerins Freund ist, und ich frage mich die ganze Zeit, warum er es so eilig hat, ihn zu erreichen. Stimmt was nicht mit Meister Wu?
      Die Geschichte ist üppig und man ist gespannt, was da noch alles kommt und wie sie sich weiter entwickelt, du bist sehr ideenreich und setzt deine Ideen auch gut um.

      Zwei Mal hast du Fremdwörter verwendet, was mich irritierte. Unter anderem habilitieren in Verbindung mit Proviant, das passte nicht. Fremdwörter lesen sich überhaupt für mein Auge nicht so gut im Text.

      Bei der Kampfszene mit der Statue meinte ich anfangs zu lesen, dass Cerin getötet wird:

      Bestimmt war das Ganze wieder einer seiner seltsamen Träume, versuchte
      sich Cerin einzureden, während seine Blicke weiter auf den metallenen
      Krieger gerichtet waren. Oder eine Halluzination, ähnlich der, die er in
      den Bergen am Bergsee erlebt hatte. Und wieso war er so schwach? Was
      geschah plötzlich mit ihm? Er wollte etwas sagen, dann schreien. Doch
      seine Kehle war wie zugeschnürt und er brachte keinen Ton über die
      Lippen.

      Der erste Schlag traf ihn direkt in die Seite. Er knickte zusammen.
      Völlig lautlos. Ein zweiter Schlag trennte ihm den Kopf vom Hals und
      liess ihn mit einem dumpfen Geräusch auf den steinigen Boden daneben
      aufklatschen.

      Ich kann nicht erkennen, dass es sich ab dem Schlag um eine andere Person handelt. Das schockt gut ab an der Stelle, aber hallo.

      Hab ich sonst noch was zu meckern? Nö.

      Weiterschreiben, ich flehe dich an ;)
      LG Melli
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • melli schrieb:

      Ich habe gerade alle Kapitel deiner Geschichte hintereinander gelesen, sozusagen am Stück.

      Das freut mich sehr!! Hab immer etwas Angst, dass sich die Leute vom Anfang abschrecken lassen aber das war bei dir und Kadjen zum Glück nicht der Fall. :thumbsup:

      melli schrieb:

      Du hast einen tollen Handlungsablauf konstruiert, es liest sich sehr flüssig. Die Beschreibungen sind detailhaft, ich kann mir die Gegenden sehr gut vorstellen, sozusagen die "Luft riechen".
      Deine Erzählweise ist "prall", die Geschichte wirkt wie ein Kronleuchter, dessen Facetten sehr fein geschliffen sind und du läßt es ordentlich funkeln. Die Fee am Teich, die Wildnis und dazu der Kontrast der großen Stadt -alles schön erzählt und sehr elegant.
      Cerin bleibt mir bis zu diesem Punkt der Geschichte noch etwas blass. Er agiert mit den Ereignissen und Personen, bringt aber wenig eigene Gedanken und Eigenarten mit sich.
      Spannend find ich Azzur, der alles tut, um Cerin zu erreichen. In einem kleinen Satz stellst du klar, dass er Cerins Freund ist, und ich frage mich die ganze Zeit, warum er es so eilig hat, ihn zu erreichen. Stimmt was nicht mit Meister Wu?
      Die Geschichte ist üppig und man ist gespannt, was da noch alles kommt und wie sie sich weiter entwickelt, du bist sehr ideenreich und setzt deine Ideen auch gut um.

      Vielen Dank für das Lob! Die Sache mit Azzur wird dann im nächsten Kapitel aufgeklärt und Cerin müsste sich im weiteren Verlauf auch noch entfalten. ;)

      melli schrieb:

      Zwei Mal hast du Fremdwörter verwendet, was mich irritierte. Unter anderem habilitieren in Verbindung mit Proviant, das passte nicht. Fremdwörter lesen sich überhaupt für mein Auge nicht so gut im Text.

      Danke für den Hinweis. Das war mir irgendwie gar nicht bewusst. Normalerweise lege ich viel Wert darauf, keine unnötigen Fremdwörter einzubauen, da ich ein grosser Fan der deutschen Sprache bin. :)

      melli schrieb:

      Bei der Kampfszene mit der Statue meinte ich anfangs zu lesen, dass Cerin getötet wird:

      Das war so beabsichtigt, damit der Leser verwirrt ist und zBs. denkt, dass sei wieder einer von Cerins Träumen. :P

      melli schrieb:

      Weiterschreiben, ich flehe dich an ;) i

      :) Werde gleich den nächsten Teil posten.
    • Nächtlicher Ausflug Teil 2/3

      Azzur, dessen Haare und Augen beinahe so schwarz waren wie die Nacht, liess sich ebenso wenig durch die Schreie wilder Tiere beirren, noch durch die vielen Augen, die ihn aus der Dunkelheit des Waldes beobachteten. Umso mehr machte er sich Sorgen wegen der Zeit, die ihm unaufhaltsam davonlief. Er war zwar früher dran als geplant, und es war nicht mehr allzu weit bis zu den Bergen, doch dennoch beschlich ihn ein mulmiges Gefühl. Ob Cerin die Stadt schon verlassen hatte? fragte er sich und ging weiter, immer weiter. Höher und höher.
      Vor einem riesigen Geröllfeld machte er Halt. Hier war es viel heller als im Wald hinter ihm und aus dem er gerade heraustrat. Dem Mond war dies zu verdanken, der in voller Grösse am Himmel stand, und Azzur konnte jetzt die Berge erkennen, die unmittelbar, wie riesige Schatten, vor ihm aufragten. Der Aufstieg schien schon so nahe aber Azzur wusste natürlich genau, dass der Schein trügt und er mindestens zwei Stunden brauchte, dieses Gewühl aus Steinen zu bewältigen. Irgendwo da oben musste sich ein Durchgang befinden und ebenso ein Weg, der die Wand entlang nach oben und über die Berge führte. So wurde es ihm schliesslich beschrieben, und er konnte den Quellen, auf die er gehört hatte und die jetzt zu allem Übel ausgelöscht waren, aufs Höchste vertrauen.
      Am Fusse der Berge, dachte Azzur und sprang auf den ersten Stein des riesigen, vor ihm liegenden Gesteinfeldes, würde er eine Pause von drei bis vier Stunden einlegen, um sich die Wunden an seinen Füssen zu kümmern und um eine Weile zu schlafen. Danach, und noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die kalten Felsen berühren, würde er mit dem Aufstieg beginnen.
      Er ging also weiter, kletterte von Fels zu Fels höher hinauf. Plötzlich lockerte sich ein Stein unter seinen Füssen, gab nach. Azzur rutschte ab, konnte sich nirgends festhalten. Dann fiel er. Mit lautem Getöse und viel Geröll stürzte er den steinigen Abhang hinunter, prallte hart mit dem Körper auf die kantigen Felsen. Er überschlug sich einige Male und blieb dann zunächst regungslos, eingekeilt und von Schutt und Gesteinsbrocken halb begraben, irgendwo weit unterhalb liegen. Als er wieder zur Besinnung kam und unter unvorstellbaren Schmerzen versuchte, sich vom Schutt zu befreien, merkte er, dass er sein rechtes Bein nicht mehr bewegen konnte. Es war gebrochen.

      Cerin schritt weiter abwärts, auf der sich nach rechts biegenden Gasse entlang, die schliesslich in eine breite, mit Steinen gepflasterten Strasse überging. Hell leuchtende Schilder, die an den Hauswänden und über den Eingängen vereinzelter Kneipen und Wirtshäusern angebracht waren, luden mit ausgefallenen Namen wie Zum blauen Mond oder Der durstige Köter zum Essen, Schlafen, vorwiegend aber zum Trinken ein. Andere, weitaus auffälligere und farbigere, deren Botschaft allessagend war, warben für gute Dienste in jenen Bordellen, denen sie angehörten. Herausgeputzte Mädchen lungerten davor und in den Hauseingängen herum, winkten ihm zu und als er vorbeiging, forderten sie ihn auf näherzukommen. Cerin ignorierte sie, ging weiter stadteinwärts.
      Entlang den Hauswänden stapelten sich überall Abfälle jeglicher Art und die dunklen, schmalen Seitengassen waren vollkommen überschwemmt mit Schutt und Dreck. Wo war er da bloss wieder hineingeraten? fragte er sich und schaute sich nach dem Ende der Gasse um. Einfach nach Norden, entschied er schliesslich, und ging bei der nächsten Kreuzung weiter geradeaus. Rechts führte eine Gasse in einem weiten Bogen wieder stadtauswärts und linkerhand sah es nach Arbeiterviertel aus: Dunkle Lagerhäuser, die sich im Schatten noch grösserer Lagerhäuser befanden, standen dicht an dicht entlang der menschenleeren Strasse.
      Nachdem er auch die Zitronenstrasse hinter sich gelassen hatte, wusste er wieder einigermassen wo er sich befand. Jeden Moment sie in die Kawabushistrasse einbiegen, denn das Getümmel und die Rufe von Händlern wurden mittlerweile immer lauter. Eine Gruppe Betrunkener kam ihm entgegen. Laut lachend und johlend verschwanden sie im Eingang einer Taverne mit dem Namen Gasthaus Silberkrug. Eine laute Stimmungswelle schwabte hinaus, bevor die Türe wieder hinter ihnen einschnappte.
      Gleich nebenan machte ein Kaufmann seinen Laden dicht und begab sich auf in den Feierabend. Eine Frau mit einem Kind an der Hand eilte an ihm vorbei. Rechterhand drang fröhliches Gedudel aus einer halb geöffneten Tür eine Küche, aus der ebenso heisser Dampf hinaustrat. Der Duft von gebratenem Fleisch vertrieb für einen kurzen Augenblick alle anderen Düfte aus Cerins Nasenflügel.
      Der Menschenandrang nahm zu: Hauptsächlich Dunkelhaarige, mandeläugige Turalier mittelgrosser Statur. Männer, in dicken Pelzrobben und Kopfbedeckungen aus dem selben Material. Meist bewaffnet mit einem Kurzschwert oder Dolch, der an ihrer Seite herunterbaumelte. Frauen, vorwiegend mit Kopftuch um sich vor der Kälte, die besonders in den Nächten herrschte, zu schützen, in weichen, mit Wolle ausgepolsterten Gewändern, die trotz ihrer Fülle die Rundungen gut betonten. Ihre Gesichter – sanft und ebenmässig, mit einem leicht orientalischen Stich. Die Männer – bärtig und schroff, wie die Berge des Landes. Einige Soldaten, entweder im Dienst oder die freie Zeit geniessend, in rot – gelb gestreiften Uniformen und bewaffnet mit Säbeln oder Kurzäxten, überholten ihn, kamen ihm entgegen oder schlenderten vorbei.
      Ein paar Ausländer, die Cerin zu Gesicht bekam, stammten aus Filazien, Samedien oder Kustan und waren vorwiegend Flüchtlinge, die dunkelhäutigen Kushiten Sklaven. Leute seines Volkes, Langlanern, sah er bisher nur wenige, da diese es eher bevorzugten, in ihrer Heimat zu bleiben. Dies war in erster Linie den jetzigen Zuständen zu verdanken, obwohl, und das musste Cerin zugeben, lebten die Langlaner schon ziemlich zurückgezogen oder auf sich bezogen und hielten nicht viel von Reisen. Vielleicht war dies der Grund dafür, dass Langlanien heute eines der mächtigsten und reichsten Ländern des menschlichen Kontinenten war. Doch wären sie bestimmt noch mächtiger geworden, hätten sie nicht immer untereinander gestritten, dann verfeindet und schliesslich voneinander gespalten. Menschen aus den Ländern Zenin oder Hedan, die damals, als Langlanien sich aufteilte entstanden, bekam Cerin nur selten zu sehen. Ebenso wenig sah er Kinder, ganz anders wie tagsüber, doch dann meistens auch nur am Strassenrand - mit hohler Hand und verzweifelt und im Auftrag ihrer Eltern bettelnd.
      Bald schon war er mitten im Markt von Tarantlan angelangt. Wie immer herrschte hektische Stimmung, vergleichbar mit einem Ameisenhaufen. Um der Menschenmenge so gut es ging auszuweichen, nahm er eine Nebenstrasse, die parallel, durch Verkaufsstände oder einstöckige Bauten getrennt, zur Kawabushistrasse verlief. Hier war der Verkehr nicht mehr so zähflüssig wie auf der Marktstrasse daneben und das Gedränge rund um die Geschäfte weniger dicht.
      Vor einem Juweliergeschäft, einem schlanken Gebäude zwischen einem Goldschmied und einer Apotheke, mit zwei grossen Schaufenstern, die Blick ins Innere gewährten, machte er Halt. Ein Klingenträger stand neben dem Eingang. Anscheinend hatte er noch geöffnet.
      Wieso war er nicht schon früher darauf gekommen, einen Juwelier aufzusuchen, fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Diese arbeiteten doch ausschliesslich mit Steinen oder sammelten diese. Gewissermassen waren sie, so wie er, auf der Suche nach ihnen. Nur das die Steine, die er suchte, keine normalen Steine waren. Egal ob es wertvolle Edelsteine wie Diamanten, Rubine oder Opale waren oder nicht.
      Cerin begrüsste den Wachmann mit einem gutgesinnten Nicken und trat ein. Der Uniformierte musterte ihn kurz, machte aber keine Anstalten, ihn aufzuhalten und liess Cerin passieren.
      Ein helles Klingeling erklang, als die Tür die kleinen Glöckchen oberhalb berührte, die den Kunden ankündigten.
      „Ah, ein Krieger der sich für den Zauber der Natur interessiert“, hörte er eine Stimme mit turalischen Akzent, noch ehe sich die Türe hinter ihm geschlossen hatte. „Seid gegrüsst. Wie kann ich helfen?“
      Die Stimme gehörte einer Frau. Sie stand etwas im Schatten, hinter einer prunkvollen Vitrine aus Holz, in der sie kostbare Juwelen zur Schau stellte. Edelsteine in allen Farben und Grössen glitzerten Cerin entgegen.
      „Ich bin auf der Suche“, antwortete er.
      „Sind wir das nicht alle irgendwie?“ entgegnete sie und lachte. „Aber wenn Ihr einen bestimmten Stein sucht, kann ich Euch vielleicht helfen.“
      Ha! Lachte Cerin innerlich. Wenn es doch nur so einfach wäre. Aber vielleicht konnte ihm diese Frau doch in irgendeiner Weise behilflich sein. Vielleicht wusste sie etwas über die fünf Steine, was durchaus sein könnte, bei ihrem Arbeits- und Interessengebiet. „Ja, ich suche einen bestimmten Stein“, sagte er schliesslich.
    • Wie du dir denken kannst, ist meine Neugier jetzt immer noch nicht gestillt.

      In diesem Abschnitt ist mein Auge manchmal ins Stolpern geraten - damit du nicht lange suchen musst, kopier ich es dir eben raus:

      Am Fusse der Berge, dachte Azzur und sprang auf den ersten Stein des
      riesigen, vor ihm liegenden Gesteinfeldes, würde er eine Pause von drei
      bis vier Stunden einlegen, um sich die Wunden an seinen Füssen zu
      kümmern

      Leute seines Volkes, Langlanern

      obwohl, und das musste Cerin zugeben, lebten die Langlaner schon ziemlich zurückgezogen oder auf sich bezogen

      Und jetzt freu ich mich auf die Fortsetzung - das Kapitel ist gut, gibt aber noch nicht viel Aufschluss..... ;)
      LG
      Melli
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Danke für eure Comments und Verbesserungsvorschläge. :) Ich poste jetzt einfach mal den nächsten Teil, welcher wieder etwas Dialoglastiger ist.

      --------------------------------------------------------------

      Nächtlicher Ausflug Teil 3/3

      „Ihr könnt Euch in aller Ruhe umsehen. Vielleicht findet Ihr ja wonach Ihr sucht. Aber denkt nicht einmal im Traum daran, mich zu bestehlen oder Ihr werdet es noch bereuen, diesen Laden betreten zu haben.“ Sie trat aus dem Schatten ins Licht.
      Jetzt erst sah Cerin, wie hübsch die Frau eigentlich war. Sie war gewiss nicht älter als Anfang Zwanzig, hatte schwarzes, langes glattes Haar und strahlende Augen, deren Iris fast dieselbe Farbe besaß, wie die von Smaragden. Ein kleiner Mund mit sanften, leicht benetzten Lippen schrie geradezu danach, geküsst zu werden und in ihrem rechten Nasenflügel steckte ein winziger Kristall, der so schien als wäre er ihr angeboren. Zweifellos war sie Turalierin, was er an ihrer leicht bronzenen Hautfarbe erkennen konnte.
      „Den Stein den ich suche werde ich hier nicht finden.“
      „Aber wieso seid Ihr denn überhaupt gekommen?“
      Sie schien ein wenig verwirrt, zeigte sich aber unbeeindruckt. Als sie bemerkte, dass Cerin ebenso verwirrt war, fragte sie: „Wenn Ihr mir nicht sagt, wonach Ihr sucht, dann kann ich Euch auch nicht weiterhelfen.“
      Cerin zupfte an seiner Halskette, bis das Amulett zum Vorschein kam. Er streifte das Amulett über seinen Kopf und legte es bedacht auf das Glas der Vitrine.
      „Was… das ist doch…“ stammelte die Turalierin. Sie lehnte sich weiter nach vorne um den Anhänger genauer betrachten zu können. „Kein Zweifel das ist -“
      „Was wisst Ihr darüber?“ fragte Cerin verwundert.
      Sie aber zückte ein Messer. „Wer seid Ihr?“ schrie sie plötzlich. „Was wollt ihr hier?“
      Hinter ihm öffnete sich die Türe und der Wachmann stürzte herein. „Was ist hier los? Alles in Ordnung Takiri?“ Er zog sein Schwert.
      „Ich komme in guter Absicht“, beteuerte Cerin, völlig überrascht von der Situation die sich plötzlich ergab. „Ich will keinen Streit, geschweige denn ein Blutvergießen.“
      „Was wollt ihr dann hier?“ zischte die Frau, deren Name offenbar Takiri war.
      „Ich dachte, vielleicht finde ich hier eine Antwort auf meine Fragen“, antwortete Cerin ruhig.
      „Auf welche Fragen?“ wollte die Frau wissen, während sie noch immer verkrampft ihren Dolch gegen Cerin richtete.
      „Über den Stein. Offensichtlich scheint Ihr ja etwas darüber zu wissen.“
      „Wo habt ihr diesen Stein her?“
      „Das ist vertraulich.“
      „Na gut. Fragt und dann verschwindet!“ fauchte sie ihn an.
      „Sagt mir, wo habt ihr einen solchen Stein schon mal gesehen?“
      „Das ist eine zu lange Geschichte.“
      „Ich hab Zeit.“
      „Ich nicht. Geht jetzt!“
      „Es dient einer guten Sache. Aber wenn ihr mir nicht weiterhelfen wollt -“
      „Welcher guten Sache?“
      „Man könnte sagen der Menschheit im Krieg gegen das Böse.“
      Sie lachte. „Und warum seid Ihr dann hier und nicht auf dem Schlachtfeld?“
      „Mein Auftrag hat höhere Priorität. Wu Chien Li hat mich geschickt“, log er, in der Absicht, so die Situation entschärfen zu können.
      „Wu Chien Li…?“
      „Wenn Ihr mir nicht glaubt, könnt Ihr gerne mit mir kommen und ihn dazu befragen.“
      „Wieso habt Ihr das nicht gleich gesagt?“ Sie senkte ihre Klinge.
      „Ihr habt mir keine Gelegenheit dazu gegeben.“
      „Setzt Euch doch bitte einen Augenblick“, meinte sie und zeigte zu einem runden Holztisch, der in einer kleinen Nische in der linken hinteren Ecke des Raumes seinen Platz gefunden hatte. Cerin nickte und streifte das Amulett wieder über. Dann setzte er sich wie ihm geheißen. Aus dem Blickwinkel beobachtete er wie die Frau dem Wachmann etwas zuflüsterte, worauf sich dieser vor der Eingangstür platzierte. Seine Klinge schob er zurück in die Scheide.
      Als die Frau zu ihm kam, zierte ein Lächeln ihr Gesicht und machte sie noch hübscher, als sie eigentlich schon war. „Es tut mir leid, dass ich euch so angefahren habe.“, sagte sie. „Mein Name ist Takiri. Juwelier von Beruf und Ladenbesitzerin. Und wie lautet Euer Name?“
      Er stand auf und verbeugte sich kurz. „Mein Name ist Cerin.“
      „Es ist mir eine Ehre“, meinte Takiri und verneigte sich ebenfalls. „Macht es Euch doch gemütlich.“
      „Also was wollt Ihr wissen?“ fragte sie, nachdem sie sich gesetzt hatten.
      „Ich bin auf der Suche nach Hinweisen“, antwortete er. „Nun, eurer Reaktion von vorhin zu urteilen, wisst Ihr etwas über diesen Stein…“
      „Ja das stimmt. Ich habe schon einmal solch einen Stein gesehen und er hat weiß Gott Unheil über mich gebracht.“
      „Das müsst Ihr mir näher erklären“, hakte Cerin nach.
      „Na gut. Lasst es mich Euch erzählen. Vielleicht könnt Ihr mir ja sogar weiterhelfen.“ Sie wischte sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Cerin verstand nicht genau was sie meinte. „Es war vor längerer Zeit, damals als ich noch beinahe ein Kind war“, begann sie. „Mein Vater, der ein angesehener Juwelier war, nahm mich mit auf eine Reise in den Osten, genauer gesagt ins Königreich Samedien, wo er nach seltenen Edelsteinen für das Geschäft Ausschau halten wollte. In der Südstadt, der Hauptstadt Samediens - die ja bekannt für ihre Edelsteingeschäfte ist - angekommen, besuchten wir etliche dieser Geschäfte, wo mein Vater handelte, kaufte und verkaufte. Am letzten Tag vor unserer Rückkehr betraten wir ein Geschäft, das wir besser nie hätten betreten sollen.
      Der Verkäufer, ein seltsamer, kleinwüchsiger Mann mit mysteriöser Stimme bot uns einen Stein an, der in seiner Art einzigartig erschien. Er glich dem eurigen Stein aufs Haar, Cerin, pulsierte jedoch in blauem Licht und nicht in Rot. Mein Vater wollte zuerst ablehnen, weil er im Glauben war, dass dieser Stein unbezahlbar sein musste. Doch der Verkäufer machte ihm ein Angebot, welches er unmöglich hätte ablehnen können. Er machte meinem Vater glaubhaft, er brauche das Geld, um nicht Bankrott zu gehen. Es wäre eine Chance, ein Sonderangebot und wir die glücklichen Gewinner. So also nahmen wir den Stein für eine hohe aber mehr als gerechte Summe an uns und brachen am nächsten Tage auf in die Heimat, Richtung Turalien.
      Doch wir kamen nicht weit. Irgendwo zwischen Südstadt und der Hafenstadt Harama, wo wir an Bord eines Schiffes steigen wollten um die Taliasee zu überqueren, geschah es. Wir wurden angegriffen. Mitten auf der Hauptstrasse. Von allen Seiten, wir hatten keine Chance. Es waren einfach zu viele. Vermummte Männer auf Pferden mit Schwert und Pfeil und Bogen bewaffnet. Auf den ersten Blick schienen es Räuber zu sein. Sie schossen auf uns. Mein Vater wurde in der Brust getroffen. Er ging zu Boden. Ich hielt an, ritt zurück, sprang vom Pferd, ihm zu Hilfe eilend. Er jedoch schrie: Halt nicht an, bring dich in Sicherheit! Lauf so schnell du kannst!
      Doch es hatte keinen Sinn, die Männer hatten uns bereits eingekreist. Ich klammerte mich weinend an meinem Vater fest. Der Pfeil hatte ihn regelrecht durchbohrt. Er hustete Blut. Seine Hände zitterten.
      Nehmt was ihr wollt, aber lasst meine Tochter gehen! flehte er sie an. Die Männer lachten nur. Einige stiegen von ihren Pferden.
      Wo ist der Stein? hörte ich eine Stimme, die mich wie ein Blitz traf und die mir sofort bekannt vorkam. Es war dieselbe mysteriöse Stimme des Verkäufers, von welchem wir den ungewöhnlich pulsierenden Stein ersteigert hatten. Die Sache war klar, wir waren in eine Falle getappt.“
      Takiri schluchzte kaum hörbar. Tränen quollen aus ihren Augen und rannen über ihre Wangen als sie weitererzählte.
      "Mein Vater händigte ihnen den Stein aus, tauschte ihn gegen mein Leben. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ritten die Männer davon. Kurze Zeit später erlag mein Vater seinen Verletzungen und ich... ich konnte nichts tun..."
      "Es tut mir aufrichtig leid", sagte Cerin einfühlsam. "Das muss sehr hart für Euch gewesen sein. Ich habe meinen Vater ebenfalls verloren als ich noch sehr jung war und kann mit Euch fühlen."
      "Danke", lächelte sie und wischte die Tränen aus ihrem Gesicht. "Ich hoffe, ich habe Euch mit meiner Geschichte weitergeholfen. Was habt ihr nun vor? Und überhaupt - wie seid ihr in den Besitz dieses Steines gekommen?"
      "Das ist eine wirklich sehr lange Geschichte und Ihr würdet mir ohnehin kein Wort davon glauben", antwortete Cerin.
      "Na ja, wenn Wu Chien Li darin involviert ist, muss es sich bestimmt um etwas sehr Wichtiges handeln", meinte sie. "Ich kann verstehen, wenn Ihr mir nichts preisgeben wollt oder könnt. Andererseits weiß ich wie der Mann, der den Stein hat, aussieht und das könnte sich doch als nützlich erweisen, nicht wahr? Nehmt mich mit auf eure Suche nach dem Stein, ich werd euch auch bestimmt nicht zur Last fallen!"
      Cerin war klar, dass ihr Motiv ein ganz anderes war. Sie wollte Rache. Rache für den Tod ihres Vaters. So wie er selbst. Doch ihm war auch klar, dass sie tatsächlich eine große Hilfe auf der Suche nach dem Stein sein konnte. Er wollte diese Entscheidung jedoch nicht alleine fällen und Wu zuerst um Rat fragen.
      "Überlegt es Euch doch. Ihr wisst ja jetzt, wo Ihr mich findet", sagte Takiri, so, als ob sie Cerins Gedanken gelesen hätte.
    • :thumbsup: Gelesen und für gut befunden :thumbsup:

      Diesmal bin auch über nix gestolpert. Cerin gewinnt an Farbe. Immerhin geht er auf eigene Faust los, um sich hinter Wu´s Rücken selbst Informationen zu holen. Ich frage mich jetzt, ob er Wu mißtraut oder ob er ihn mit den gefundenen Informationen beeindrucken möchte.
      Und natürlich frage ich mich auch, was mit Azzur ist, den du mit gebrochenem Bein im Gebirge hast liegen lassen... ;(
      LG
      Melli
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Cerin - Kapitel 9 - Prüfung des Schicksals

      Prüfung des Schicksals Teil 1/2

      "Das war ein ziemlich grosses Risiko, nachts alleine durch den Park zu spazieren. Bei dem Gesindel das sich da herumtreibt", mahnte Wu am nächsten Morgen beim Frühstück. "Aber das ganze Unterfangen hat sich offenbar gelohnt. Auch wenn der Ausdruck "gelohnt" nur in einer Hinsicht zutrifft. Diese Frau.. wie hiess sie gleich nochmal?"
      "Takiri."
      "Ah genau, Takiri... Wenn es stimmt was sie sagt, stehen wir vor einem Haufen neuer Probleme. Viele Fragen werden aufgeworfen. Offensichtlich ist der Stein in falsche Hände geraten. In die Hände einer Horde von Betrügern und Halsabscheidern. Ausserdem fragt sich, ob sich der Stein überhaupt noch in Samedien befindet. Ich meine, der Vorfall mit Takiri und ihrem Vater liegt, wenn ich alles richtig verstanden habe, schon beinahe ein Jahrzehnt zurück."
      "Es gibt nur einen Weg eine Antwort darauf zu finden", sagte Cerin. "Wir müssen aufbrechen nach Samedien."
      Wu nickte. "Und zwar mit der Frau. Ihr Wissen könnte uns jede Menge unnötige Fragen ersparen. Das sie weiss, wie der mysteriöse Zwerg aussieht ist unser Trumpf im Ärmel."
      "Dann lasst uns so schnell wie möglich aufbrechen."
      "Gut, ich werde sofort die nötigen Vorbereitungen treffen. Treffen wir uns mittags in der grossen Halle."
      "Gut und was mach ich bis dahin?" fragte Cerin.
      "Du hattest eine lange Nacht hinter dir. Ruh dich am Besten noch ein wenig aus. Wir werden wahrscheinlich die nächste Nacht durchreiten. Es ist ein weiter Weg nach Samedien."

      Wasser plätscherte von dem tellerförmigen Becken über den Rand hinunter auf die untere Ebene des Brunnens, vor dem Cerin stand. Er befand sich im Zentrum von Wu's quadratischem Anwesen, in einem offenen Garten, wo allerlei Botanik wuchs. Grosse Steinplatten führten von jedem der vier Eingänge zum Brunnen in der Mitte, um welchen sie einen Kreis bildeten. Vögel zwitscherten in den Ästen einiger Bäume und das Summen von Insekten war zu hören. Cerin nahm auf einem der vier Steinbänke platz, die rund um den Brunnen angelegt waren und liess die Atmosphäre dieses Ortes auf sich wirken. Er hatte eben noch kurz geschlafen und nun stand die Sonne schon beinahe im Zenit. Bald würde er sich zur grossen Halle begeben, dachte er und lehnte sich noch einmal zurück.
      Sieht so die Ruhe vor dem Sturm aus? Würde er in Zukunft je wieder solche friedvollen Momente erleben dürfen? Wie würde eine Zukunft unter dem Joch des Bösen aussehen? Doch daran wollte er erst gar nicht denken. Lieber würde er sterben anstatt-
      "Meister Cerin!" unterbrach eine Stimme weiblichen Ursprungs seine Gedankengänge. Er hob den Kopf. Es war ein Hausmädchen. "Ihr müsst kommen! Es ist etwas passiert! Meister Wu schickt nach Euch."
      "Was ist geschehen?" fragte Cerin überrascht. An dem Gesichtsausdruck des Hausmädchens abzulesen, war ihm klar, dass es nun mit der Ruhe vorbei war.

      Wu erwartete ihn bereits in der grossen Halle. Doch er war nicht alleine. Neben ihm stand ein Mann jungen Alters mit blauem Hemd und Kettenrüstung. Cerin musste nicht zweimal hinblicken um ihn zu erkennen. Es war ohne Zweifel Azzur. Sein bester Freund und Kampfgefährte aus alten Tagen.
      "Cerin!"
      Azzur kam ihm entgegen, sie umarmten sich brüderlich und schüttelten sich die Hände. "Was machst du denn hier?" fragte Cerin schliesslich verblüfft.
      "Welch ein Glück das ich dich noch erreiche", rief Azzur sichtlich erleichtert. "Ich verfolge deine Spur schon seit Tagen. Ich hätte nie gedacht dass ich dich noch hier auffinde!"
      "Was ist geschehen? Warum bist du hier?" fragte Cerin.
      "Ich habe leider ein paar schlechte Neuigkeiten", antwortete Azzur und schüttelte den Kopf. Seine Miene verfinsterete sich. "Es wäre vielleicht besser wenn wir uns setzen würden."
      "Was ist geschehen?" fragte Cerin abermals während sie sich an einen der Tische setzten. "Ist etwas mit meiner Familie geschehen?"
      "Es tut mir leid", seufzte Azzur. "Das Böse ist unseren Plänen offensichtlich auf die Schliche gekommen. Sie haben die Festung der zwölf Weisen überfallen. Des nachts während viele von uns schliefen. Es müssen Hunderte, ja vielleicht sogar Tausende gewesen sein. Selbst ein Kopan, ein persönlicher Leibwächter von Mor'drak, war mit dabei. Viele Kämpfer von Kaschgar sind bei der Verteidigung ums Leben gekommen. Schliesslich mussten wir aufgeben. Dein Onkel Jiro und einige anderen sind mit den Dorfbewohnern in die umliegenden Wälder geflüchtet. Darunter war auch deine Mutter und deine Schwester, Cerin. Leider kann ich dir nicht sagen wie es ihnen ergangen ist."
      Wie benommen starrte ihn Cerin an. Wieder kam dieses Ohnmachtsgefühl in ihm hoch und für einen Moment lang dachte er, den Boden unter den Füssen zu verlieren. "Nein, das kann unmöglich stimmen", sagte er ungläubig. "Ich muss zurück um mich selbst zu überzeugen."
      "Nein! Das kommt überhaupt nicht in Frage", donnerte Wu und war selbst überrascht wie taktlos er die Worte zu Tage brachte. Doch dann fuhr er mit belegter Stimme fort: "Entschuldige, Cerin. So hab ich das nicht gemeint. Das mit deiner Familie tut mir leid, glaub mir, aber wir müssen uns an den Plan halten. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren. Das Überleben der gesamten Menschheit steht auf dem Spiel."
      "Das ist mir egal. Ich werde zurück nach Kaschgar gehen und meine Familie suchen."
      Weisst du wie viele Kinder noch ihre Eltern verlieren werden wenn wir nicht dem Plan folgen?"
      "Ja, aber was ist mit meiner Familie?"
      "Ich würde mich gerne freiwilig melden um nach ihnen zu suchen", warf Azzur schliesslich dazwischen und unterbrach damit das angespannte Schweigen. "Dafür brauche ich aber einige gute Männer. Ausserdem ist meine Familie in der gleichen Lage. Ich kann und werde nicht untätig dasitzen und warten..."
      "Wieso bist du nun wirklich hier, Azzur?" wollte Wu wissen. "Doch nicht nur um Cerin mitzuteilen das seine Familie in Gefahr ist, oder?"
      "Nein, nicht ganz..." antwortete er. "Die zwölf Weisen beauftragen mich kurz vor dem Fall der Mauern euch zu suchen und zu warnen. So versteckte ich mich im Wald und sah wie die Horden des Bösen einbrachen. Die Zwölf wehrten sich erbittert mit all ihren Fähigkeiten. Es war ein langer und blutiger Kampf. Doch Mor'drak's Armee war zu übermächtig. Alle der Zwölf, bis auf einen, wurden vernichtet. Der letzte der Zwölf wurde gefangen genommen und verschleppt. Das ist alles, was ich zu berichten habe. Vergib mir, Cerin aber ich konnte nichts tun. Was wollte ich schon alleine ausrichten?"
      "Er wird wahrscheinlich gefoltert", meinte Wu. "Der Letzte der Weisen meine ich. Und Gott bewahre wenn sie erfolgreich sind. Wir müssen vom Schlimmsten ausgehen. Viellicht sind uns die Schergen des Bösen schon dicht auf den Fersen."
      "Ja", sagte Cerin leise. "Anzeichen dafür gibt es genügend. Auf der grossen Lichtung in den Azora-Wäldern konnte ich beobachten wie sie einen Mann hinrichteten. Wahrscheinlich war das der Bote, den die zwölf Weisen ausgesandt haben um dich zu benachrichtigen. Und am Bergpass wurde ich von zwei Kriegern von Mor'drak in eine Falle gelockt, der ich nur knapp entgehen konnte."
      "Das heisst wir sind auch hier in Tarantlan nicht mehr sicher, wenn die Schurken selbst Kaschgar einnehmen konnten", meine Azzur und runzelte die Stirn.
      "Darüber müsst ihr euch keine Sorgen machen", entgegnete ihm Wu. "Die Stadt ist gut geschützt. Da kommt nicht mal eine Maus ungesehen rein. Und für einen Grossangriff sind wir ebenfalls bestens gewappnet. Den Rest erledigen meine Männer. Doch ihr habt recht, wir sollten uns so schnell wie möglich auf den Weg machen um mehr Zeit zu gewinnen und um uns einen Vorsprung zu schaffen. Wir müssen uns an den Plan halten, denn auch das Böse ist nicht über jeden unserer Schritte informiert. Ausserdem finde ich den Vorschlag von Azzur gut. Er kennt sich in Kaschgar bestens aus und wenn meine besten Männer ihn begleiten, haben wir gute Chancen, Cerin, deine und Azzurs Familie zu finden und in Sicherheit zu bringen."
      "Falls sie noch leben", brummte Cerin. Seine Hand ballte sich zu einer Faust.
      "Gut. Dann wären wir uns ja alle einig", sagte Wu. "Ich werde nun alles in die Wege leiten. Treffen wir uns in einer Stunde wieder hier in der grossen Halle."
    • Prüfung des Schicksals Teil 2/2

      "Wir werden sie schon finden", sagte Azzur beim Abschied und klopfte Cerin auf die Schultern. "Du weisst ja, auch meine Familie befindet sich in Gefahr. Meine Rache wird grausam sein, wenn ihnen etwas angetan wird, das schwör ich."
      "Du hast was gut bei mir Azzur", sagte Cerin und reichte ihm die Hand. "Übrigens, was ist mit deinem Bein passiert?" fragte er und deutete auf Azzurs blutverkrustete Hose.
      Azzur schmunzelte. "Du wirst es mir nicht glauben aber ich wurde im wahrsten Sinne des Wortes von einer guten Fee gerettet. Als ich das Geröllfeld am Fuss der Mondberge erklimmen wollte, rutschte ich in der Dunkelheit aus und stürzte in die Tiefe. Mein Bein war gebrochen und ich verlor vor Schmerzen das Bewusstsein. Als ich kurz zu mir kam sah ich ein wunderschönes Wesen mit der Stimme eines Kindes, das zu mir sprach und sich mit Magie an meinem Bein zu schaffen machte. Am nächsten Morgen als ich wieder aufwachte waren meine Wunden vollständig geheilt und ich fand mich im Hochland auf der anderen Seite der Berge wieder. Ganz in der Nähe von Tarantlan." Er lachte. "Zunächst dachte ich, ich hab mir das nur eingebildet aber wie du ja siehst bin ich hier bei dir und vollkommen gesund."
      Cerin musste sofort an seine Begegnungen mit der Fee denken und antwortete: "Wir haben offensichtlich Freunde von denen wir bisher nichts geahnt haben."
      "Wohl wahr, wohl wahr", grinste Azzur.
      Sie umarmten sich nochmals wie Brüder, ehe Azzur endgültig aufbrach.

      Später, nachdem sich Azzur und seine ihm zugeteilten Männer nach Westen aufgemacht hatten, um die Dorfbewohner von Kaschgar zu finden und in Sicherheit zu bringen, rief Meister Wu noch ein letztes Mal zu einer kurzen Sitzung zusammen. Er hatte überraschenderweise eine schwarze Maske übergezogen und trug einen fast ebenso dunklen Pelzmantel. Darunter erkannte man eine schwere Kettenweste, die er eigentlich gar nicht benötigte dank seinen Fähigkeiten, doch so Wu - man ja nie wissen könne. Nebst ein paar Beuteln und dem mächtigen Krummschwert, waren auch noch drei kleine, doppelschneidige Messer an seinem Gürtel befestigt, mit denen der Meister ebenfalls prächtig umzugehen vermochte. Konnte man seinen Worten glauben schenken, war er der beste Messerwerfer im gesamten Lande.
      „Der König...“ sagte Wu und räusperte sich. „Der König wünscht, dass die Grenzposten und Stadtwachen verstärkt werden.“
      Seine Augen blitzten kurz im Schein der Fackeln, ebenso wie das Amulett um seinen Hals und einen momentlang kam es Cerin so vor, als wirke ein Zauber zwischen den beiden Steinen. Ein Lichtstrahl traf ihn.
      „Daher können wir nicht noch mehr Soldaten für unsere Zwecke nutzen. Fragt sich was Recht und was Unrecht ist aber Befehl ist nun mal Befehl.“
      Der Meister schaute sich um. Neben ihm und Cerin befanden sich noch Takiri die Juwelierin, Edvan der Kriegsherr, Tamean der Buchhalter, Primos der glatzköpfige Hüne und ein paar Waffenträger im Raum.
      „Primos.“
      „Ai!“
      „Du reitest mit deinen Leuten nach Westen zum Grenzposten an der Azaloniastrasse. Dort wartest du auf Azzur und seinen Trupp und sorgst dafür, dass sie sicher in Tarantlan ankommen. Nachher begibst du dich in den Norden und hilfst den königlichen Truppen die Grenze zu halten. Das wäre alles...“
      „Verstanden“, brummte Primos, machte eine flüchtige Kopfbewegung und entfernte sich mit seinen Leuten aus dem Raum.
      „Edvan.“ Er wandte sich dem Kriegsherrn zu.
      „Nein. Schon klar“, warf Edvan ein. „Das hier ist euere Angelegenheit. Ich muss auch nicht alles wissen.“ Er erhob sich, nahm noch einen Schluck Wein und meinte: „Wir sind gute Freunde und ihr könnt immer auf mich zählen.“ Er grinste breit. „Ich schau inzwischen, dass hier und oben im Norden alles rund läuft.“
      Wu nickte.
      „Viel Glück.“ Sie schüttelten sich die Hände.
      Anschließend wandte sich der Meister des steinernen Kampfes dem Buchhalter zu, dessen ovales, blasses Gesicht eher einer Maske glich, weder einem menschlichen Profil. Anscheinend hatte er wieder eine lange Nacht hinter sich. Er zuckte leicht zusammen als er seinen Namen hörte. „Ich hoffe, ich kann auch auf Eure Hilfe zählen, verehrter Tamean.“
      „Selbstverständlich, o Wu Chien Li...“ antwortete er leise. „Wie lautet Euer Begehr?“
      „Als erstes stellt Ihr mir so rasch wie möglich drei gesattelte Pferde mitsamt der Ausrüstung, die Ihr bei der Eingangshalle findet, am Osttor bereit. Den Proviant findet ihr in der Küche. Danach benachrichtigt Ihr den König und sagt ihm, dass alles unter Kontrolle ist. Richtet ihm aus, dass ihm meine Dienste für gewisse Zeit nicht zur Verfügung stehen. Das wäre dann alles. Ach, und... das Wichtigste hab ich fast vergessen... Wenn Azzur mit den Leuten aus Langlanien eintrifft, sagt ihnen, dass mein Haus ihr Haus ist, verstanden?“
      Der Schriftgelehrte nickte, verbeugte sich und verließ die Räumlichkeit.
      Nachdem er aus der Tür verschwunden war, sagte der Meister: „Es ist besser, die Sache bleibt Geheimsache. Wie ihr wisst, stehen wir nicht nur im Krieg mit den Kreaturen des Bösen sondern auch mit Kushei, dem verfluchten schwarzen Reich im Süden. Obwohl die Friedensverhandlungen auf Hochtouren laufen, kann man diesen Kushiten nicht trauen. Es wäre wirklich nicht gerade passend, wenn König Budaij von unserem Vorhaben erfährt." Sein Blick blieb auf Takiri haften. "Oder jemand anderes, der seinen Nutzen darin sieht.“ Er musterte die junge Frau von oben bis unten. "Ihr seid also Takiri, die Juwelierin", sagte er mit ernster Stimme. "Die Götter müssen Euch wirklich gern haben."
      Takiri verbeugte sich ehrfurchtsvoll und fragte verwirrt: "Wie meint Ihr das, o erhabener Wu Chien Li? Die Götter... ich verstehe nicht..."
      "Wieso hätten sie sonst die Sterne vom Himmel geholt und sie Euch in die Augen gelegt?"
      "Ach..." Takiri strahlte verlegen. "Ihr schmeichelt mir zu sehr, Meister Wu Chien Li. Es ist mir eine grosse Ehre euch persönlich kennenlernen zu dürfen."
      Wu nickte. "Aber genug der Liebenswürdigkeiten", sagte er. "Es ist nun an der Zeit, Euch in den Ernst der Lage einzuweihen..."
    • Auch das ist dir gelungen (und ich weiss endlich, was mit Azzur ist :D ). Ein paar kleine Rechtschreibfehler sind drin, nix wüstes, und einmal bin ich gestolpert:

      Anschließend wandte sich der Meister des steinernen Kampfes dem
      Buchhalter zu, dessen ovales, blasses Gesicht eher einer Maske glich,
      weder einem menschlichen Profil.

      Hier würd ich vielleicht auch das Wort Profil ändern, das wär ja nur ein Gesicht von der Seite gesehn...
      Ansonsten :thumbsup: und ich warte auf die Forstsetzung :D
      LG
      Melli
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • Danke melli. :D

      Ab jetzt müsste es wieder spannender werden, da sie nach Osten reiten und so manches Abenteuer erleben. Bin schon gespannt wie es euch gefällt. Auch mein Schreibstil sollte etwas "erwachsener" rüberkommen. Das was ihr bisher gelesen habt, hab ich vor etwa 10-15 Jahren geschrieben und alles was nun folgt, ist deutlich aktueller.

      Ich hoffe, ihr bleibt weiterhin am Ball, denn ihr seid meine letzte Hoffnung. :thumbsup:
    • Cerin - Kapitel 10 - Sturmtag

      Sturmtag Teil 1/3

      Sie hatten das Königreich Turalien schon weit hinter sich gelassen, als es zu regnen begann. Schwere Wassertropfen prasselten aus die Köpfe derer nieder, die alles in ihrer Macht stehende versuchten, das Böse im Kampf um die Weltherrschaft niederzuringen und zu ersticken. Noch drei von insgesamt fünf Steinen galt es zu finden, um damit das Tor zum Sieg zu öffnen. Dies offenbarten die sagenumwobenen Legenden, an welchen die Hoffnungen dieser drei Reiter hingen.
      Einer der Reiter, ein langlanischer Krieger namens Cerin, Sohn des mächtigen Raoh, war der Auserwählte. Er trug die Lasten des Fortbestandes der gesamten Menschheit auf seinen Schultern und trotzte dem übermächtigen Druck, der diese Mission beinahe aussichtslos erscheinen liess. Zudem wollte er eine Antwort auf das Verschwinden seines Vaters bekommen und sich von dessen Schicksal selbst überzeugen.
      An seiner Seite ritt Wu Chien Li, der Meister des steinernen Kampfes und Träger eines der fünf legendären Steine. Seine Aufgabe bestand darin, Cerin zur Seite zu stehen und das Ziel, die fünf Steine zu vereinen, zu verwirklichen. Er trug eine schwarze Maske auf seinem Haupt, um damit die Entstellung in seinem Gesicht zu verdecken, die er sich vor langer Zeit im Kampf gegen einen Bären zugezogen hatte.
      Der letzte der drei Reiter war eine junge und wunderhübsche Frau, die den Namen Takiri trug. Sie war Juwelier von Beruf und stellte eine grosse Hilfe auf der Suche nach einem der drei noch verbleibenden Steine dar. Denn nur sie wusste, wie der Mann aussah, der vor Jahren ihren Vater ermordete und den Stein der Macht an sich nahm. Ihr Begleitmotiv war einzig und allein die Genugtung.
      "Ein Sturm zieht auf!" rief Wu, der nun an der Spitze ritt, den andern zu. "Wir sollten uns besser beeilen! Laut der letzten Weggabelung müsste es hier oben eine Herberge geben!"
      Sie gaben ihren Pferden die Sporen. Dunkle, bedrohlich erscheinende Wolken türmten sich vor ihnen auf und ein schneidender Wind peitschte über sie her. Erste Blitze waren am Horizont zu erkennen und Donnergrollen in der Ferne zu hören.
      Sie ritten weiter dem Weg entlang, der durch eine hügelige, spärlich bewaldete Steinlandschaft führte. Bis sie schliesslich an einer weiteren Abzweigung ankamen.
      "Hier müsste es sein", rief Wu, dessen Stimme vom Wind und Regen beinahe übertönt wurde. Und er hatte recht. Ein grosses Holzschild wies auf eine Gaststätte hin, die sich hier oben irgendwo befinden musste.
      Die drei Reiter änderten die Richtung und folgten dem neuen Weg, der sich durch dichtes Gestrüpp und grosse Felsbrocken hindurch, steil einen Hügel hinauf schlängelte. Oben endete er bei einem einfachen Durchlass, der auf ein grosses, umzäuntes Grundstück führte. Der Wind hier nahm infernale Formen an und der Regen peitschte die drei nur noch schneller voran. Der Sturm hatte sie nun endgültig erreicht. Unzählige Blitze breiteten sich fächerartig am Himmel aus und ohrenbetäubende Donner folgten ihnen, beinahe ohne Unterbruch. Es schien, als ob das Ende der Welt kurz bevorstand.
      Endlich sahen sie die Umrisse eines Hauses ganz oben auf dem Hügel. Jedoch nur schemenhaft, da der Sturm die Dunkelheit einer sternenlosen Nacht mit sich brachte. Nur den grellen Blitzen war es zu verdanken, dass man überhaupt etwas sah.
      Schliesslich erreichten sie die Herberge. Unter einem Vordach brachten sie ihre Pferde zum Stehen.
      "Ich geh mal rein und sorge dafür, dass unsere Pferde in den Stall gebracht werden", meinte Wu rasch und stieg vom Pferd. "Macht es euch doch solange in der Gaststube gemütlich." Dann verschwand er um die Ecke.
      Cerin schaute Takiri nur an, nickte, und schnallte das Gepäck vom Sattel. "Los gehen wir!", sagte er und warf sich die Ausrüstung über die Schulter. Sie tat es ihm gleich und folgte Cerin stumm.
      Drinnen sah es mehr als gemütlich aus. Überall im Raum standen Tische, die teils besetzt, teils unbesetzt, zum Essen und Trinken einluden. Sie waren mit Stoffen feinster Herkunft, Kerzen, Pflanzen und anderen Dingen geschmückt. Der abgestandene Geruch von Haschisch hing in der Luft und es war erdrückend warm in dem Gemäuer. In der Mitte befand sich die Schenke. Es war ein Gerüst aus Holz mit einem überbautem Dach, welches einer Zeltplane glich, und einer Bar, deren Überschrift lautete: "Wein, Saft, Bier - dies kriegst du hier." Rot glühende Lampen waren überall angebracht, die den Ausschank optisch vom restlichen Ambiente abhoben. Wein- und Bierfässer standen darin herum. Tafeln mit Preisen für Speisen und Getränke waren an der Decke angebracht und in der Mitte befand sich ein Kneipwirt, dessen Augen auf Takiri und Cerin gerichtet waren.
      Cerin deutete mit einer Handbewegung an, dass sie etwas bestellen möchten und sie setzten sich an einen der Tische im hinteren Bereich der Gaststube.
      "Was steht denn auf dem Speiseplan?" fragte Cerin, als der Wirt kam um sie zu bedienen.
      "Schwartenmagen mit Zwiebelringen ist unser heutiges Tagesgericht. Köstlich und günstig im Preis. Ich kann Euch jedoch auch die Speisekarte bringen wenn Ihr wünscht."
      "Ja gerne", sagte Takiri rasch. "Wir warten ohnehin noch auf unseren Gefährten, der ebenfalls gleich eintreffen sollte."
      "Kann ich den Herrschaften dann schon etwas zu Trinken anbieten?"
      "Für mich ein Dunkelbier", antwortete Cerin nach kurzem Überlegen. Schon lange kam er nicht mehr in den Genuss dieses Gebräues, welches so schön auf der Zunge prickelt und nicht so stark auf das Gemüt schlägt wie dieser ewige Wein.
      "Für mich dasselbe", sagte Takiri.
      "Wie Ihr wünscht." Der Wirt brachte die Speisekarte und die Getränke und sagte anschliessend: "Ruft einfach nach mir wenn Ihr Euch entschieden habt."
      "Du trinkst Bier?" fragte Cerin Takiri leicht verwundert. "Bei uns in Langlanien ist es eine Seltenheit das Frauen ihre Kehle mit dem kühlen Saft aus Gold benetzen. Das Bier ist bei uns eine Angelegenheit der Männer. Versteh mich aber bitte nicht falsch, ich bin bisher nur noch nicht viel herumgekommen, um mich über die Traditionen anderer Länder schlau zu machen."
      Takiri lachte und zwinkerte Cerin zu. "Bei uns in Turalien ist die Frau dem Mann gleichgestellt. Wir trinken was uns schmeckt und nicht was die Männer uns vorschreiben. Ich hab schon oft miterlebt wie eine Frau einen Mann unter den Tisch gezecht hat. Also mach dir keine falschen Hoffungen. Ich vertrage das Zeug besser als du denkst."
      Cerin schmunzelte. "Andere Länder, andere Sitten."
      Endlich traf auch Meister Wu in der Gaststube ein und setzte sich zu ihnen an den Tisch. "Bei Osur dem Donnergott", fluchte er. "Bei diesem Wetter können wir unmöglich weiterreiten. So wie es aussieht müssen wir die Nacht hier oben verbringen."
      "Dann können wir uns ja in aller Ruhe die Bäuche vollschlagen", meinte Takiri. "Wenn wir Glück haben bessert sich das Wetter und wir können uns wieder auf den Weg machen. Normalerweise dauert so ein Gewitter nicht lange."
      "Ihr wart wohl noch nie in den Bergen unterwegs, richtig?" ironisierte Wu. "Da kann so ein Gewitter schon andauern. Aber ihr habt Recht. Nutzen wir die Gelegenheit um unsere Kräfte zu stärken. Es bleibt uns ja auch nichts anderes übrig."
      Zur Hauptspeise bestellte Wu dann doch eine Flasche Wein. Wein und Essen wären zwei wunderbare Dinge, die sich gegenseitig ergänzen sollen, meinte er. Und wo sie schon mal in Samedien sind, wäre es eine Schande nicht von dem Wein zu kosten, der bis weit über die Grenzen für seine gute Qualität bekannt ist. Dementsprechend teuer war der Wein dann auch, doch er soll ja auch zum Menü passen. Offenbar war Wu nicht nur ein guter Kämpfer und Messerwerfer, sondern auch ein Experte für Weine. Immer wieder für Überraschungen gut, dachte Cerin und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
      „Auf unser Vorhaben!“ sprach Wu zum Toast aus. Zum Anstossen blieben sie sitzen. „Möge der Weg uns sicher zum Ziel führen. Oder zumindest mal bis nach Terova“, scherzte er. „Von dort aus ist es nicht mehr weit bis zur Südstadt und wir können uns unter Deck des Schiffes auf die faule Haut legen.“
      „Wie lange wird die Schifffahrt etwa dauern?“ wollte Cerin wissen.
      „Etwa drei Tage“, antwortete der Meister des steinernen Kampfes knapp und riss noch ein Stück Brot vom Leib. Er tunkte es in der Soße und spülte das Ganze mit einem kräftigen Schluck Wein herunter. Dann wischte er seinen Mund mit einem Tuch sauber und fuhr fort: „Solange es keine Zwischenfälle gibt, versteht sich. Die Route ist eigentlich sicher, trotzdem könnte unser Schiff in einen Hinterhalt von Piraten geraten. Oder einem Sturm zum Opfer fallen. Aber dies sind die üblichen Risiken bei einer Reise über die Taliasee - oder andere Gewässer. An eurer Stelle würde ich mir da keine grossen Gedanken machen.“
      Cerin war noch nie an Bord eines Schiffes, nicht einmal einen Blick auf das Meer konnte er sich in seinem bisherigen Leben erhaschen. Hatte er doch sein ganzes Leben in ländlicher Umgebung verbracht. Weit und breit nur Felder, Wiesen und Wälder. Er war schon ganz neugierig auf das was ihn erwarten würde.
    • Gut geschrieben :thumbsup: .

      Du beginnst nochmal mit einer kurzen Zusammenfassung der Mission und betonst dabei, dass die ganze Verantwortung des Fortbestandes der Menschheit auf Cerins Schultern lastet. Ich weiss, dass es bei Sword and Sorcery so üblich ist - aber mir persönlich gefällt das nicht so gut (nicht nur jetzt hier, sondern generell). Meiner Meinung nach müsste das bewußte Wahrnehmen einer solchen Verantwortung lähmend auf einen Menschen wirken bzw ihn krank machen...und an dieser Stelle wirkt der Held immer etwas unglaubwürdig bei mir. Aber das ist eine persönliche Ansicht ;) .

      Ein paar Stolpersteine:

      Ihr Begleitmotiv war einzig und allein die Genugtung - Genugtuung - ich würds vielleicht durch Rache ersetzen

      und ein schneidender Wind peitschte über sie her - peitschte sie.

      infernale Formen - ich bin mir nicht ganz sicher, aber so rein aus dem Gefühl heraus wäre infernalisch besser

      beinahe ohne Unterbruch - ohne Unterbrechung?

      mit Stoffen feinster Herkunft - ^^ mit Schildchen dran, made in China ^^

      Bisher waren alle Räumlichkeiten von außerordentlichem Luxus gekennzeichnet, "alles nur vom Feinsten". Das Gasthaus reiht sich da ein - ich fänds wichtig, wenns mal anders wäre. Beim Gasthaus hat der Luxus, zumindest bei mir, einen "schon- wieder" Effekt. Da es sehr abseits liegt, kann es Wu ja auch als mögliche "Zuflucht" genannt worden sein. Eine richtige Kaschemme, in der Wu sich so gar nicht heimisch fühlt, aber Cerin und Takiri nett ein Bierchen über den Durst zischen, wär mir an der Stelle lieber als ein gepflegtes 5 Sterne Lokal. Außerdem könnte das Unwetter einen Haufen unterschiedlichster Gäste dort reingetrieben haben, von denen manche vielleicht die Gruppe komisch anstarren, was zusätzlich ein wenig Spannung hereinbringt....

      ....ich gerate ins Schwafeln. :rolleyes:
      Aber ich hoffe, du weisst, was ich meine...
      LG
      Melli
      Die Phantasie tröstet die Menschen über das hinweg, was sie nicht sein können, und der Humor über das, was sie tatsächlich sind.
      Albert Camus (1913-1960), frz. Erzähler u. Dramatiker
    • melli schrieb:

      Du beginnst nochmal mit einer kurzen Zusammenfassung der Mission und betonst dabei, dass die ganze Verantwortung des Fortbestandes der Menschheit auf Cerins Schultern lastet. Ich weiss, dass es bei Sword and Sorcery so üblich ist - aber mir persönlich gefällt das nicht so gut (nicht nur jetzt hier, sondern generell). Meiner Meinung nach müsste das bewußte Wahrnehmen einer solchen Verantwortung lähmend auf einen Menschen wirken bzw ihn krank machen...und an dieser Stelle wirkt der Held immer etwas unglaubwürdig bei mir. Aber das ist eine persönliche Ansicht ;) .

      Der Druck ist natürlich enorm, das stimmt. Deswegen ist Cerin ja auch schon "kollabiert" (als sie in Tarantlan angekommen sind). Trotzdem versucht er an die Chance zu glauben und das Beste daraus zu machen. Mittlerweile ist er ja auch nicht mehr ganz so alleine und die andern greifen ihm dabei unter die Arme.

      melli schrieb:

      mit Stoffen feinster Herkunft - ^^ mit Schildchen dran, made in China ^^

      :thumbsup:

      melli schrieb:

      Bisher waren alle Räumlichkeiten von außerordentlichem Luxus gekennzeichnet, "alles nur vom Feinsten". Das Gasthaus reiht sich da ein - ich fänds wichtig, wenns mal anders wäre. Beim Gasthaus hat der Luxus, zumindest bei mir, einen "schon- wieder" Effekt. Da es sehr abseits liegt, kann es Wu ja auch als mögliche "Zuflucht" genannt worden sein. Eine richtige Kaschemme, in der Wu sich so gar nicht heimisch fühlt, aber Cerin und Takiri nett ein Bierchen über den Durst zischen, wär mir an der Stelle lieber als ein gepflegtes 5 Sterne Lokal.

      Du hast völlig recht, ein schäbiges, heruntergekommenes Gasthaus wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Ich hab mir dabei einfach ein exklusives Gourmet-"Restaurant" vorgestellt, das sich nahe an der Grenze zu Samedien befindet.

      melli schrieb:

      Außerdem könnte das Unwetter einen Haufen unterschiedlichster Gäste dort reingetrieben haben, von denen manche vielleicht die Gruppe komisch anstarren, was zusätzlich ein wenig Spannung hereinbringt....

      Kannst du in die Zukunft sehen? Kommt noch. :D

      Danke vielmals für das Feedback und die vielen Verbesserungsvorschläge - werden sofort ausgebessert. :)
    • Sturmtag Teil 2/3

      Jetzt erst bemerkte Cerin, dass inzwischen einige Leute die Kneipe betreten hatten. Genauergesagt handelte es sich um vier stämmige Männer, triefnass und ziemlich grimmig dreinblickend. Sie waren allesamt bewaffnet und trugen leichte Rüstung.
      „Das riecht nach Ärger“, murmelte Wu, dem deren Eintreffen ebenfalls nicht entgangen war. „Einfach nicht beachten. Wir wollen uns ja beim Essen nicht stören lassen, nicht wahr?“
      Die vier Kerle setzten sich gegenüber an einen Tisch. Der Wirt kam auch schon und nahm ihre Bestellung auf.
      „Wo waren wir stehen geblieben?“ fragte Wu so, als würde er die Antwort nicht bereits schon kennen. „Ach ja – die Südstadt“, gab er wieder. „Die fruchtbarste und meist expandierende Stadt in ganz Samedien. Dem Fremdenverkehr und dem Fischfang hat sie es zu verdanken, dass die Stadt das ist, was sie heute ist. Aber auch dem Handel allgemein und den Häfen sowie dem Seeverkehr. Ich selbst war noch nie dort, hab aber schon viel über die Stadt gehört und gelesen. Sie soll noch um ein weites grösser und belebter sein als selbst Tarantlan. Durch die Kriege im Norden werden die Menschenmassen wohl noch zugenommen haben."
      "Umso schwieriger wird es die Person die wir suchen zu finden", diagnostizierte Takiri. Sie wischte sich eine Haarsträne aus dem Gesicht und schlürfte von der heissen Suppe, die sie bestellt hatte.
      „Gut möglich“, erwiderte Meister Wu. „Wir werden es herausfinden wenn wir in der Südstadt sind. Es hat ohnehin keinen Sinn uns jetzt schon darüber den Kopf zu zerbrechen. Das es schwierig wird, steht ausser Frage. Konzentrieren wir uns lieber auf den uns bevorstehenden Weg.“
      Cerin hörte dem Gespräch nur halbwegs zu. Aus dem Augenwinkel konnte er beobachten, wie sich die grimmigen Typen am gegenüberliegenden Tisch miteinander unterhielten und dauernd Blicke in die Richtung des Tisches warfen, an dem er, Takiri und Wu speisten. Bis sich auf einmal einer der vier Männer aufrichtete und geradewegs auf sie zukam.
      „Was für eine hübsche Begleitung ihr da habt“, hörte er auch schon kurz darauf dessen Stimme neben seinem linken Ohr. „Ist die Dame zufällig noch zu haben für heute Nacht?“
      Ein schallendes Gelächter schwabbte wie eine Welle vom gegenüberliegenden Tisch herüber. „Wir hätten da einen gewissen Anteil an Bedarf! HAHAHA!“
      Cerin musterte den Typen von oben bis unten und sagte schließlich. „Nein, aber du bist gleich zu haben, und zwar für die Hunde, wenn du dich nicht gleich vom Acker machst."
      "Ohh… das Muttersöhnchen sucht Streit…" höhnte sein Gegenüber und ließ seine Hand langsam zum Schwertgriff an seiner Seite gleiten.
      "Nur wenn du darauf bestehst", entgegnete Cerin ruhig.
      Sofort wich das fiese Grinsen aus dessen Gesicht und seine Miene verfinsterte sich. „Na gut, das kannst du haben!“ Er zog seine Klinge blank und seine drei Kameraden hinter ihm taten ihm gleich. Einer davon rückte einige Stühle beiseite und positionierte sich zur rechten Flanke von der Gruppe rund um Cerin. Der andere, ein magerer, drahtiger Kerl mit Hakennase und langem, nassem, schwarzem Haar, deckte die linke Seite seines Vordermanns, der seinerseits für einen Frontalangriff bereit war.
      „Was sagst du jetzt, du Hund!?“ gackerte der Schurke selbstsicher. „Jetzt bist du dran!“ Im gleichen Moment noch holte er zum Schlag aus und stürzte sich auf Cerin. Doch noch ehe dieser reagieren konnte steckten auch schon zwei von Wu's Wurfmessern in der Brust des Angreifers. Mit einem lauten, gellenden Schrei stolperte der Getroffene über den reichlich gedeckten Esstisch und blieb schließlich, inmitten des zertrümmerten Banketts, regungslos liegen.
      „Niemand!“ brüllte Wu und zog seinerseits die Klinge. „Niemand stört mich beim Essen!“
      Die anderen drei Schurken hielten zunächst leicht verdutzt inne als sie sahen, wie schnell ihr Kamerad gefallen war. Doch dann gingen sie begleitet von wilden Flüchen auf Cerin los.
      Gerade noch so konnte der Auserwählte dem Hieb des ersten Angreifers ausweichen und eine weitere Attacke mit einer Finte abwehren. Sein Gegenangriff dagegen war wesentlich effektiver: Die „Nova“ durchbohrte Haut, Fleisch und Knochen. Er parierte auch die Hiebe der Hakennase, die sogleich folgten, und schlitzte ihm mit einem einzigen, geraden Schwerthieb den Bauch auf. Blut und Eingeweide quollen heraus und der Feind sackte ab.
      Dann hörte er hinter sich Wu brüllen: „Nimm das!“ und sah, wie auch der letzte Widersacher heulend und von einem weiteren Wurfmesser getroffen zu Boden ging.
      "Ich sagte ja das gibt Ärger", meinte Wu trocken als der Kampf vorbei war und schob sein Schwert zurück in die Scheide. Anschließend vergewisserte er sich ob die Feinde auch alle tot waren und nahm die drei Wurfmesser wieder an sich, die sich tief in die Körper der Toten gebohrt hatten.
      „Was für eine Sauerei“, brummte er, als er das Blut an dem Tischtuch abwischte, welches unter den Trümmern des Essgelages begraben am Boden lag. „Das ganze Abendmahl ist dahin und für so was bezahlt man!“
      "Es hätte schlimmer ausgehen können", warf Takiri ein, die ziemlich überrumpelt von der ganzen Sache wurde, jedoch keinerlei Emotionen zeigte. Sie wischte sich einige Blutspritzer aus dem Gesicht und verbarg den Dolch, den sie gezogen hatte, wieder an seinem Platz.
      „Alles in Ordnung, Takiri?“ erkundigte sich Cerin.
      „Nichts passiert“, gab die Turalierin zur Antwort und schüttelte den Kopf.
      Cerin schaute sich um. Die restlichen Anwesenden, die sich noch in der Kneipe aufhielten, hatten sich in sicherer Entfernung in Deckung gebracht und starrten mit weit aufgerissenen Augen und Mäulern auf das eben Geschehene. Blankes Entsetzen spiegelte sich in ihren Gesichtern wider.
      „Was gibt es hier zu glotzen?!“ schimpfte Wu wutentbrannt. „Ihr habt ja gesehen, dass nicht wir es waren, die zuerst die Klinge gezückt, geschweige denn einen Streit angefangen haben!“
      Wie auf Kommando erwachten diese aus ihrer Fassungslosigkeit und ein Stimmengewirr erfüllte den Raum. Alle redeten fragend und wild gestikulierend durcheinander - bis schliesslich jemand den Aufruhr mit einem lauten "Ich bitte Euch!" zum Schweigen brachte. Der Mann, dem die Stimme gehörte, befand sich am Eingang einer Tür, die wahrscheinlich zur Küche führte, war von mittelgrosser Statur und hatte ein freundliches, bärtiges Gesicht, das die Ruhe selbst ausstrahlte. Er trug edle Gewänder aus weichem Samt und eine dunkelrote Kopfbedeckung aus Wollstoff, die mit Federn und Perlen geschmückt war.
      „Ich bitte Euch um Eure Aufmerksamkeit“, sagte der Mann mit erhobener Stimme. „Beruhigt Euch bitte. Ich bin Iquel, der Inhaber dieses Gasthofs. Was hier vonstatten ging ist äusserst tragisch und schockierend aber wir alle wissen, dass hier niemand die Schuld an diesem Blutvergießen trägt. Mir wurde von einem meiner Angestellten, der Zeuge der Tat wurde, tunlichst versichert, dass diese Herrschaften -“ Er deutete auf Cerin und seine Begleiter „- aufs übelste beleidigt und dann tätlich angegriffen wurden. Ihr Handeln war also reine Selbstverteidigung. Oder möchte jemand das Gegenteil behaupten?“
      Stillschweigen beherrschte die Szenerie. Einige skeptische Blicke waren zu erkennen, doch keiner der Gäste oder Angestellten hatte die Absicht, den Worten des Geschäftführers zu widersprechen. Vermutlich lag dies auch daran, dass sich niemand der Situation entziehen konnte, da draussen ein fürchterliches Gewitter tobte; oder sie einfach nur Angst vor einer möglichen Vergeltungsaktion von Seiten der triumphierenden Partei der eben stattgefundenen Auseinandersetzung hatten.
      „Nun gut“, meinte der Inhaber schliesslich. „Dem Schweigen nach zu urteilen, sind wir uns einer Meinung. Am Besten wir gehen nun alle auf unsere Zimmer und morgen früh, wenn der Sturm vorbei ist, werde ich die örtliche Wache alarmieren, damit die Tat so schnell wie möglich aufgeklärt werden kann. Wer noch etwas braucht, wende sich bitte an das Personal. Die Gaststube ist vorübergehend geschlossen. Ich möchte mich dafür entschuldigen und wünsche Euch trotz diesen widrigen Umständen eine gute Nacht. Ach ja, und - “ Er blinzelte zu Cerin und seinen Verbündeten rüber. „- Natürlich steht es den Herrschaften jederzeit frei, das Lokal zu verlassen. Dies liegt nicht in meiner Verantwortung."
      Nach diesen Worten verabschiedete er sich höflich und verschwand wieder in der Tür aus der er gekommen war. Cerin und seine Begleiter berieten sich kurz und kamen zum Entschluss, die Nacht hier zu verbringen. Es blieb ihnen ja auch nichts anderes übrig, bei dem Sturm, der draussen tobte. Allerdings wollten sie noch vor Anbruch des Tages weiterreisen, um den Fragen der Wachen aus dem Wege zu gehen, die, sofern sich das Unwetter gelegt hat, spätestens morgen früh hier auftauchen werden. Also nahmen sie sich drei Zimmer für je zehn Silberstücke, um sich zur Ruhe zu legen und sich von den Strapazen des Tages zu erholen. Schweren Schrittes stiegen sie die Treppe empor, die ins obere Stockwerk und zu den Schlafgemächern führte.
      "Ich werde euch frühzeitig wecken, damit wir diesen Ort noch vor Sonnenaufgang verlassen können", versprach Wu als sie oben angekommen waren und trat in sein Zimmer. "Ich wünsche eine erholsame Nacht". Dann verschwand er in den Räumlichkeiten und die Tür schnappte hinter ihm zu.