Beiträge von Kiddel Fee

    Dankeschön, Stadtnymphe. Ich muss ehrlich gestehen, ich hatte bis jetzt wenig Probleme damit, Charaktere über die Klinge springen zu lassen, vllt weil ich selber in der glücklichen Situation bin, dass noch niemand meiner Liebsten gestorben ist. Deshalb bin ich mir unsicher, ob die Reaktionen und Emotionen wirklich glaubwürdig oder einfach nur Show sind. Umso mehr freue ich mich, wenn ich andere damit erreichen kann.

    Das letzte Blatt


    Instinktiv wusste Dan, was geschehen war, noch bevor er den Anruf entgegen nahm. Mit klopfendem Herzen und plötzlich schweißnassen Fingern meldete er sich.
    “Es ist wieder passiert!”, hielt sich seine Frau am anderen Ende der Leitung nicht lange mit unnützem Gerede auf. “Sie wurde vor einer Stunde zuletzt gesehen.”
    “Ich fahre zum Friedhof, Cass”, antwortete er, während er das Handy zwischen Kinn und Schulter klemmte, um beide Hände freizuhaben und den Mantel überzuwerfen. Nicht schon wieder, bitte nicht!
    “Gib Bescheid, wenn du sie findest! Ich sags den anderen.” Grußlos drückte sie ihn weg, doch er nahm es ihr nicht übel. Sie würde jetzt routieren, die bereits bekannten Anrufe tätigen müssen - die Freunde, die Verwandten in der Nähe, die Polizei.
    Dan war dankbar, dass sie sich kümmerte und er selbst Zeit bekam, schon einmal anzufangen mit der hektischen Suche. Leider war es nicht das erste Mal. Trotzdem packte ihn jedes Mal aufs Neue die Angst, wenn es geschah, Panik davor, nicht rechtzeitig ...
    Während er zu seinem kleinen schwarzen Auto eilte, vorbei an erstaunten Menschen, schossen ihm unzählige Gedanken durch den Kopf.
    Mama.
    Der Tod ihres Mannes vor einem Vierteljahr hatte seiner Mutter alle Kraft, Gesundheit und Lebensfreude geraubt. Binnen weniger Tage welkte sie dahin wie ein Blatt im Spätherbst, ihr Geist verdunkelte sich. Sie malte nicht mehr, sie las nichts mehr. Keine Tätigkeit konnte ihre Gedanken in andere Bahnen lenken. Waren es anfangs nur Namen und Daten, die sie vergaß, so wurde ihren beiden Söhnen doch spätestens mit der brennenden Küche klar, dass sie nicht mehr alleine leben konnte. Schweren Herzens war sie in ein Pflegeheim gegeben worden, wo rührend für sie gesorgt wurde.
    Doch auch die aufopfernste Pflege vermochte ihre Trauer nicht zu lindern. Sie lief immer wieder davon. Trotz ihrer schwindenden Kräfte zog es sie zum dem Haus, in dem sie mit ihrem Mann jahrelange gelebt hatte. Es war herzzerreißend, sie tränenüberströmt im Garten herumirren zu sehen, während sie flüsternd mit dem sprach, der schon nicht mehr dort war. Und noch grausamer schien es, sie dann wieder fortzubringen.
    Das letzte Mal, als sie ausgerissen war, Anfang der Woche, hatte sie jedoch nicht den Weg nach Hause gewählt. Vielleicht war es durchgedrungen in ihren Verstand, jedenfalls hatte man sie nach langer, nervenaufreibender Suche auf dem Friedhof gefunden, durchnässt und völlig ausgekühlt, vor dem schlichten Grab ihres Mannes kniend.
    Ihr Arzt, ein langer Freund der Familie, hatte sich die Söhne beiseite genommen und ihnen eindringlich klargemacht, dass ein weiterer Ausflug dieser Art das Leben ihrer Mutter kosten konnte. Die unausgesprochene Frage, ob das nicht besser für die alte Dame sei, hing über ihnen wie eine giftige Wolke.
    Glücklicherweise war an diesem strahlend schönen Oktobervormittag kaum Verkehr. Dan erreichte den leeren Parkplatz des städtischen Friedhofs und hielt so abrupt, dass der Kies knirschte, warf die Autotür zu und rannte los, den gepflegten Wegen folgend, bis die vertraute Wiese in Sicht kam, auf der sein Vater die letzte Ruhe gefunden hatte.
    “Bitte, lass sie hier sein!”, stieß er aus, ohne genau zu wissen, ob es an einen Gott oder an seinen Vater ging.
    Einer von beiden hatte sein Flehen erhört. Als er um die letzte Ecke schlitterte, sah er den schlichten Grabstein aus hellem Marmor und davor eine kauernde Gestalt.
    “Mama!” Er brüllte, verzweifelt und erleichtert zugleich und rannte zu ihr, ließ sich neben ihr ins Gras fallen und zog ihren mageren Körper an seine breite Brust. “Mama!” Mit zitternden Fingern fuhr er über ihren Rücken - sie trug nicht einmal eine Jacke! Rasch zog er seinen Mantel aus und legte ihn ihr um die Schultern. “Mama, was tust du hier?”
    Seine Mutter kauerte nach wie vor auf der Erde. In ihren schmalen bebenden Händen hielt sie ein paar verknitterte Zettel. Nicht einmal den Kopf hob sie. Das Haar, das einmal fein wie Seide gewesen war, hing ihr jetzt wirr ins Gesicht.
    Eine leichte Windbö ließ ihre Strähnen tanzen. Gleichzeitig ging ein sanfter Regen aus leuchtend gelben Blättern auf sie hernieder. Der Kirschbaum, unter dem das Grab des Vaters lag, strahlte in der Herbstsonne und ließ seine Blätter tröstend sanft fallen.
    “Mama, komm. Bleib nicht auf dem Boden sitzen.” Er hob sie hoch und trug sie die drei Schritte zur nächsten Bank hinüber, wo er sie vorsichtig absetzte. Dann hockte er sich vor sie und nahm ihre dürre Hand. “Mama!”
    Langsam hob sie den Kopf und er erschrak. Ihr Gesicht war eine Maske tiefste Trauer, jenseits von allem Trost. Sie hatte geweint, die Tränenspuren waren auf ihren Wangen deutlich zu erkennen, doch jetzt schien sie keine Tränen mehr in sich zu haben. Nur Not, verzweifelte Sehnsucht, sprach aus ihren Augen.
    Jemand rief seinen Namen, doch er vermochte nicht zu reagieren. Für ihn zählte nur diese zerbrechliche Frau vor ihm. “Mama ... “
    “Mama!” Schritte kam rasch näher. Sein Bruder Tibb fiel neben ihm auf die Knie, er schien sich nicht mal Zeit genommen zu haben, eine Jacke zu suchen. Das Hemd hatte Schweißflecken vom schnellen Rennen, die Krawatte hing halb über der Schulter, doch es kümmerte niemanden.
    Wieder reagierte sie nicht. Es war, als starre sie durch ihre beiden Söhne hindurch zum Grab.
    Tibb hatte den Arzt mitgebracht und dieser maß schweigend den Puls an dem zarten Handgelenk. Dann warf er Dan einen ernsten Blick zu. “Das sieht nicht gut aus. Schwach und unregelmäßig.”
    “Aber sie ist allein bis hierher gekommen. Wie kann sie jetzt auf einmal schwach sein sein?”
    “Ihr Lebenswille ist erloschen.” Bekümmert sah auch der Mediziner zum Grab hinüber. “Es hält sie nichts mehr hier.”
    “Mama!”
    Wieder regnete es Kirschbaumblätter. Zärtlich tanzten sie um die Gruppe Menschen herum, wie ein stiller Zuspruch.
    “Es ist fast, als würde Pa etwas sagen.” Tibb kniete noch immer, hielt die andere Hand seiner Mutter und hatte den Blick zum Grab gewandt.
    Ein Blatt blieb im Haar der alten Dame hängen, dann taumelte es an ihrer Wange entlang nach unten und legte sich in ihrem Schoß zur Ruhe, neben den zerknitterten Zetteln.
    Behutsam nahm Dan das Papier an sich und entfaltete es.
    Wie ein Stromschlag schoss die Erinnerung durch seinen Kopf, er hörte sich selbst nach Luft schnappen. Pa, murmelte er tonlos, was soll ich nun tun …?
    “Nein …”, flüsterte sein Bruder neben ihm, während er auf die drei Skizzen hinabsah.
    Der tote Kirschbaum im Sommer.
    Der blühende Kirschbaum im Schnee.
    Der Kirschbaum voller Früchte und die Familie, die zu seinen Füßen saß.
    Bilder, die ihm sein ganzes Leben lang vertraut gewesen waren. Der blühende Baum hatte jahrelang ihr Kinderzimmer geschmückt und war später in das Schlafzimmer der Eltern umgezogen. Der Kirschbaum mit der Familie war ein Porträt, von der Mutter für sie alle gemalt, und hatte den Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen. Der tote Baum, so hatte er einmal Pa sagen hören, war Mamas unerwiderte Liebe zu Pa gewesen, lange vor ihrer Heirat …
    Langsam wandte er den Kopf und schaute zu dem strahlenden Kirschbaum über dem Grab. Der letzte Wille seines Vaters war dieser Baum. Der Baum, von dem nun die letzten Blätter fielen, wie eine liebende Einladung.
    Er sah seine Mutter an. “Geh, Mama. Er wartet auf dich.”
    Sie blinzelte kurz, dann wurde ihr Blick noch einmal klar. Fragend studierte sie die Gesichter ihrer erwachsenen Söhne, suchte nach der Erlaubnis und als beide nickten und lächelten, nickte auch sie.
    Eine einzelne Träne lief noch ihre Wange herab, dann lehnte sie sich seufzend zurück und schloss die Augen. Blätter umtanzten sie, als der Wind erneut durch den Baum strich, und als sich das Laub gelegt hatte, war auch sie gegangen.

    Huhu, Feron !



    Ich habe mich jetzt durchgewühlt. Finds sehr interessant geschrieben. Du hast einen guten Stil, kannst eine Szenerie mit wenigen Worten erschaffen und durch Kleinigkeiten lebendig machen.


    Was das Ziel von Harriet angeht, war mir das als Leserin erst mal egal. Sie ist rebellisch, macht ne krasse Aktion, da liest man gebannt mit - ob es jetzt um Wohnungen, eine neue Stromtrasse oder Atommeiler geht, rutscht in den Hintergrund, aber nicht negativ.


    Harriet habe ich als Teenie verstanden und hätte sie so zwischen 14 und 15 eingeschätzt. 17 hätte ich nicht gedacht, weil Adrians Part sie teilweise noch kindlich gestaltet hat und mit 17 weiß man zumindest einiges über die Welt der Erwachsenen.


    Für den amerikanischen Slang würde ein Nebensatz , "...wie Dad sagen würde." z.b. reichen. Damit vermittelst du den amerikanischen Hintergrund ohne den Vater zu sehr ins Spiel zu bringen.



    Das ist mir noch aufgefallen :

    Sie überquerten in langen Schritten das Dach und blieben am anderen Ende stehen. Eine tobende Menschenmenge hatte sich auf den Straßen von Frankfurt gesammelt wie brodelndes Öl in einem zu kleinen Topf. Wut lag in den Gesichtern und hing und wie ein dichter Nebel über den Massen. Rote Farbe und große Druckbuchstaben dominierten die Schilder. „Ihr habt eure Baupläne ohne uns gemacht!“ und hunderte andere Slogans gegen Mieterhöhungen in den ehemals erschwinglichen Wohnvierteln ihrer Heimat.


    Ein paar Absätze vorher waren sie so weit oben, dass sie keine Nummernschilder o.ä. meh erkennen konnten. Dann würde auch keine Mimik mehr erkennbar sein oder Protestschilder, denk ich.


    Ansonsten gerne mehr!


    LG Fee

    Werte Damen, werte Herren, willkommen im letzten Abschnitt dieser Geschichte. An dieser Stelle ein fettes DANKE an euch alle! Ohne eure Motivation und euren Erwartungsdruck, eure Begeisterung und euer Nachfragen wäre auch diese Story irgendwann eine Dateileiche geworden. Aber ihr habt dran geglaubt - dieses Werk ist ebenso eures wie meines!


    Ring frei für die letzte Runde! Viel Spaß!


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    Die gewaltigen Türen schwangen majestätisch langsam auf und gaben den Blick auf eine unzählbare Menge Menschen frei, die sich in der neuen Kuppel versammelt hatte. Trommeln begannen zu dröhnen, Trompeten schmetterten hell und triumphierend und durch die riesig hohen Fenster am Kopfende der Halle fiel gleißendes Tageslicht herein, welches den Schmutz und Kummer der Vergangenheit fortzuspülen schien.
    Obwohl es Nate davor graute, sich in diese Menschenmenge hineinzubegeben und sich von allen anstarren zu lassen, konnte auch er sich der Erhabenheit des Augenblickes nicht verschließen. Noch einmal blickte er kritisch an sich hinab, aber die neue tiefschwarze Kleidung war noch immer makellos und faltenfrei.
    Astra neben ihm schimmerte im Halbdunkel des Vorraumes, sie trug atemberaubend weißes Weiß, ein Kleid aus einem Stoff, der flüssiges Licht geworden zu sein schien, mit bodenlangen hauchdünnen Ärmeln und bloßen Schultern. Ihre Haare hatte sie geflochten und aufgesteckt und sie war so überirdisch schön, dass Nate bei ihrem Anblick weiche Knie bekam.
    Vor den beiden standen Victoria und Rett, gekleidet in silbergraue Leichtigkeit - als würde sie jeden Moment von einem Lufthauch getragen davonfliegen - und tiefbraun mit grünen Rankenmuster, beide ruhig und doch wundervoll zusammen zu sehen. Vics Hand ruhte in Retts Ellenbeuge.
    Ganz vorn setzten sich gerade Atesch und Su in Bewegung, schritten Seite an Seite an strahlenden Gesichtern vorbei und wirkten dabei so elegant und edel wie ein Königspaar. Sus Kleid, in allen Arten von Blau, war nahezu gewagt mit dem tiefausgeschnittenen Rückenteil. Vielleicht hatte Atesch, in schwarz und rot, leuchtend wie ein Stück glühende Kohle, deshalb so schützend die Hand auf ihre Taille gelegt.
    Die sechs Elementalen schritten den langen Gang hinab, flankiert von Hunderten begeisterter und hoffnungsvoller Menschen. Am Kopfende der Halle war ein Podest aufgebaut, auf dem sieben Stühle standen, mit Goldtuch bedeckt, welches mit dem neuen Stadtwappen bestickt war.
    Der neue Rat war sorgfältig ausgewählt worden. Nicht nur Intelligenz sollte die Geschicke der neuen Welt lenken. So hatte man Kirschner und Thyras in den Rat berufen, auch Ratsherrin Sea. Die anderen vier waren von denen ausgewählt worden, welche die sieben Jahre des Aufbaus gemeinsam bestritten hatten und über die zukünftige Heimat der Menschen am besten Bescheid wussten, Techniker, Handwerker, Wissenschaftler.
    Nate hatte sich geweigert, seine Wahl anzunehmen. Es gab andere, die in seinen Augen weitaus besser geeignet waren als er.
    Einer nach dem anderen kam nun nach vorn, festlich gewandet und von einem einzelnen Trompetenstoß begleitet. Thyras erschien als Letzter und wie er den Gang entlang kam, weise, erhaben, da schimmerten einige Augen feucht vor Glück und Hoffnung auf die kommende Zeit.
    Schließlich standen alle vor ihren Plätzen und blickten mit ernster Miene auf die versammelte Menge hinab.
    Atesch trat nach vorn und nahm ihnen den feierlichen Eid ab, die neue Siedlung weise und gerecht zu verwalten, niemals aus eigenen Interessen heraus zu handeln und bei allen Entscheidungen stets das Wohl der ihnen anvertrauten Menschen im Sinn zu haben. Dann neigte er respektvoll den Kopf und donnernder Applaus brach los.
    Als der formelle Akt vorüber war, begann das ausgelassene Feiern. Schon lange waren Speisen zubereitet worden, die jetzt aufgetragen wurden. Die Tafeln an den Wänden der Halle bogen sich vor Köstlichkeiten, es gab Obst und Gemüse auf großen Tabletts, Platten voller Fleisch, Brotkörbe bis zum Rand gefüllt, Desserts, Suppen, Käse … Perlende Weine ergossen sich in Gläser, Wasser, verschiedene Säfte und sogar Bier flossen in Strömen. Musik und Lachen und Leben herrschten sowohl in der Kuppel als auch draußen auf den Straßen, wohin sich die Menschen zerstreuten, um ihre neue Stadt zu bestaunen.
    Nate lehnte an der Wand und betrachtete das Treiben. Er wollte sich unter die Menschen zu mischen. Ihm war ein wenig … wehmütig zumute.
    Ein leises Rascheln verriet ihm, dass Astra an seine Seite gekommen war.
    Kurz lächelte sie ihn an, dann schaute auch sie auf die wogende Menschenmenge. “Wir haben unser Ziel erreicht. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein.”
    Er nickte, obwohl sie ihn nicht ansah. “Was nun? Leben wir glücklich bis ans Ende unserer Tage?”
    “Wer weiß?” Leicht zuckte sie mit den Schultern, was ihr Kleid wieder zum Schillern brachte. Wieder lächelte sie, ein wenig verschmitzt. “Vielleicht gibt es bald noch eine Überraschung. Dieses Mal eine angenehme.” Behutsam hob sie ihre Rechte und legte sie schützend auf ihren noch flachen Bauch. “Wie fändest du das?”
    Er brauchte einen Moment um zu begreifen. Dann durchflutete ihn helle Freude. “Du … ist das wahr?!”
    Strahlend nickte sie und er hob sie hoch und wirbelte sie übermütig herum, bevor ihm der Gedanke kam, dass ihr das möglicherweise nicht guttun konnte. Reumütig küsste er sie auf die Stirn. “ Astra! Ein wundervolles Geschenk!”
    Jetzt blinzelte sie eine Träne weg. “Freust du dich wirklich, ja? Ich hatte schon Sorge, dass du …” Verlegen sah sie zur Seite. “Also dass du keine Kinder willst wegen -”
    Ihre Augen wurden plötzlich riesig groß, sie erstarrte und blickte über seine Schulter hinweg in den Raum.
    Irritiert wandte Nate sich um und erkannte sofort, was ihre Aufmerksamkeit erregt hatte. Mitten in dem weit offenen Portal, durch das sie vorhin geschritten waren, stand jetzt Thyras, edel wie ein Fürst. Doch es war nicht Thyras, der Astras Blick gebannt hatte, sondern die Gestalt neben ihm. Ein Mädchen, auf der Schwelle zur Frau, in einem schlichten weißen Gewand. Helles Haar, ein schmerzhaft vertrautes Lächeln …
    Er stürzte los, schob sich ohne jede Rücksicht durch die Leiber, die ihm den Weg versperrten. Irgendwer schien die Zeit angehalten, die Geräusche geraubt zu haben. Lediglich den dröhnenden Herzschlag in sich hörte er, während seine Brust vor Sehnsucht und Anstrengung jeden Moment zu bersten drohte.
    Man wich ihm aus, machte ihm Platz und eine gefühlte Ewigkeit später - obwohl es nur weniger Sekunden gewesen sein mussten - erreichte er das Portal und bekam freien Blick auf den alten Mann und das junge Mädchen. Und er stolperte weiter, und streckte die Arme aus und sie kam zu ihm, schlang die Arme um ihn und er konnte sie nicht mehr loslassen.
    “Ivy”, murmelte er fassungslos, mit der Rechten durch das seidig blonde Haar streichelnd. Wie war das möglich? Wie? Es spielte keine Rolle … “Ivy.”
    Sie löste sich aus seiner Umarmung. “Nate.”
    Ein Blinzeln und sengende Hitze breitete sich ihn ihm aus. Der Blick aus den hellblauen Augen traf ihn direkt ins Herz.
    Ihr Blick …!
    “Nate. Ich kann dich sehen.”




    -- ENDE --

    Gefällt mir! Da kann man viel draus machen!


    Waren die Inseln alle mal Teil EINES Gebietes (geografisch/politisch/etc.)?

    Wie ist die aktuelle Situation der Reiche? Versucht eine Insel, alle anderen zu erobern? Welche Kulturen haben sich dort etabliert? Sind einige verlassen und auf anderen blüht das Leben?

    Wie ist die klimatische und geografische Situation? Gibt es verschiedene Klimazonen? Vulkane, wie von Charon angedacht? Sind Inseln unbewohnbar?Unerforscht? Oder voller antiker Ruinen? Wo sind Gebirge, wo Wüste, wo Flüsse?


    Bin gespannt, wie du diese Welt gestalten willst!

    Der vorletzte Part!:panik:




    So blieb er sitzen, bis die Sonne unterging und wie ein glutheißer Tropfen flüssigen Metalls im Sand der Ödnis versank.
    Dann kam Astra.
    Sie sagte nichts, ließ sich einfach neben ihm nieder und schlang den gesunden Arm um die angezogenen Knie. Der Wind spielte mit dem weißen Haar, das Nate an der Wange kitzelte, so nahe saß sie bei ihm.
    Eine Weile schwiegen sie, doch dann wurde der Drang zu reden in Nate übermächtig.
    “Ich kann es nicht, Astra. Kirschner und Thyras verlangen Unmögliches von mir.”
    Sie sah ihn nicht an, sondern starrte wie er auf den von orangegoldenem Licht umstrahlten Stein.
    “Du hast es schon oft getan, Nate. Du bist ein Anführer.”
    “Ich will es nicht mehr. Schau dir an, was bei meinem letzten Versuch, zu führen, herausgekommen ist!” Er merkte, wie ihn erneut die Trauer zu überwältigen drohte. “Kay und Ivy haben mit dem Leben bezahlt. Ich bin der denkbar ungeeignetste Mann dafür.”
    “Dieses Mal wird es anders sein. Du wärst ein Erster unter Gleichen und nicht Befehlshaber von Truppen. Keine Gegner, deren Taktik du begreifen musst, kein Abwiegen auf Leben und Tod. Wovor hast du Angst?”
    Aus den Augenwinkeln sah er, wie sie ihn fragend anblickte.
    Zögernd wandte er den Kopf und schaute zurück. Die letzten Strahlen der Abendsonne verliehen ihrem Gesicht ein fast unirdisches Leuchten.
    “Wir wissen doch beide, dass du zusagen wirst. Nicht für dich.” Mit einer sanften Geste wies sie auf die letzte Ruhestätte. “Für Ivy. Für alle, deren Zukunft noch so offen ist wie ihre es war. Für Kay, die es nicht mehr erleben kann, aber es wunderschön gefunden hätte. Denkst du nicht?”


    Die Manifestation war wesentlich leichter gewesen als erwartet. Er hatte mit Schmerzen gerechnet, mit gesundheitlichen Einschränkungen, Gedächtnislücken oder einer Persönlichkeitsveränderung - Dinge, die man riskierte, wenn man das Erbgut manipulierte. Doch die einzige wesentliche Veränderung war - neben seinen neuen Fähigkeiten - die Farbe seiner Augen gewesen, von braun zu schwarz.
    Vic und Rett sah man von außen auf den ersten Blick gar nicht an, dass sie nun Elementale waren. Auch sie erwachten gesund, wenn auch ein wenig verwirrt, nach ihrem Hyperschlaf.
    Thyras hatte die Manifestation sehr genau überwacht. Sie waren in der Veste geblieben, da niemand in den Hort zurückkehren wollte, und bekamen dort von Kommandant Kirschner Platz, Trainingsmöglichkeiten und alles, was sonst noch nötig war.
    Bereits sechs Monate nach der Verwandlung erfolgte ihr Aufbruch zu ihrem neuen Heimatplaneten, mit der Aufgabe, diesen bewohnbar zu machen.
    Fast sieben Jahre hatte es gedauert, fast sieben Jahre, die alle sechs Elementalen an ihre Grenzen gebracht hatten. Erst in diesem Zeitraum wurde Nate klar, wieviel Macht und Stärke sie wirklich besaßen. Es war fantastisch, dass die Kraft in ihnen auf jeden Befehl gehorchte, dass ihre Möglichkeiten beinahe unbegrenzt waren und es einzig und allein von ihrer eigenen Vorstellungskraft abhing, was sie leisten konnten. Sie formten die Oberfläche, die Meere, den Boden. Rett kontrollierte das Wetter, Astra die Sonneneinstrahlung und beide beeinflussten damit Vegetation und Leben. Atesch bezwang die tobende Energie im Erdinneren, Su zog das Wasser aus der frisch geschaffenen Athmosphäre und bildete Ozeane. Es war anstrengend, über alle Maßen anstrengend, doch das Ergebnis konnte sich sehen lassen.
    Er, Nate, war verantwortlich für die Koordination dieser Expedition. Dabei beriet er sich immer mit Su, Atesch und Astra. Die drei Elementalen aus dem Hort als ausgebildete Naturwissenschaftler wussten sehr genau, was möglich war und was nicht. Notfalls hielten sie Rücksprache mit Thyras, der noch auf der Erde geblieben war, bis die Lebensbedingungen ihrer neuen Heimat stabil waren.
    Und nun war es endlich soweit. Schon während der letzten Monate waren immer wieder Leute angekommen und hatten sich in der neu entstandenen Siedlung eingerichtet. Morgen würden die letzten Menschen hier auftauchen. Die alte Erde war jetzt quasi leer.
    Langsam streiften Nates Finger über das Gras. Er hatte lange nicht gewusst, wie sehr er den Geruch und die satte Farbe frischer Grashalme eigentlich vermisst hatte. Es gefiel ihm hier. Friedlich und größtenteils unberührt, wenn auch sehr viel kleiner als die Erde. Natürlich bedeutete das nicht automatisch das Paradies. Auch für ihre neue Heimat mussten Regeln geschaffen, neues Wissen erarbeitet, Ernährung, Wirtschaft, Bildung ermöglicht werden … sie waren noch nicht am Ende ihrer gewaltigen Aufgabe …

    Rainbow , sorry, ich habe vergessen, deinen Kommi zu liken - kommt davon, wenn man zwischendurch mal schnell per Handy ins Forum linst und um einen herum Kinder nach Aufmerksamkeit verlangen...tschuldigung!


    So, da sind wir! Epilog!

    Und ich bin sehr seeehr gespannt, ob es euch gefällt ....:panik:




    Epilog


    Sieben Jahre später


    Sie stand auf einer Klippe und hatte ihm den Rücken zugewandt. Frisches grünes Gras umspielte ihre bloßen Füße. Ein warmer Wind, erfüllt von sanften Düften, strich durch das silberweiße Haar, das offen wie ein Vorhang bis zu ihren Hüften fiel. Obwohl sie nur ein dünnes weißes Gewand trug und ihre Arme unbedeckt waren, schien sie nicht zu frieren. Ganz entspannt blickte sie nach vorn, von ihm weg.
    Vor ihr erstreckte sich, soweit man schauen konnte, ein Tal. In diesem blühten Bäume, wuchsen tausende Blumen. Wasserfälle stürzten die Hänge herab und bildeten einen Fluss, der immer größer wurde und schließlich am Horizont in ein Meer mündete. Die ganze Szenerie überspannte ein nachtblauer Himmel, nur über dem Ozean, wo die Sonne gerade unterging, herrschte noch Licht. Der feurige Ball sank immer weiter und brachte das Wasser in der Ferne zum Glühen.
    Über ihnen, am Himmel, erschienen gleichzeitig tausende Sterne. Sie waren riesig, klar und ihr Licht strahlte in verschiedensten Farben. Immer wieder blitzten Kometen auf. Bunte Nebel wallten und sogar die Planeten, groß und schwer, waren mühelos zu erkennen …
    Er legte die Arme um ihre Taille und sein Kinn auf ihre Schulter. “Ich habe mich immer noch nicht an diesen fantastischen Anblick gewöhnt.”
    Ihr Körper bebte, als sie leise lachte. “Meinst du mich oder die Sterne?”
    “Beides, glaube ich.”
    Wieder lachte sie. Ihr Haar umspielte sie beide. “Der letzte ruhige Abend hier.”
    “Das stimmt wohl.”
    Morgen, so war es geplant, würden die letzten Vertreter der Menschheit hier eintreffen. Nach sieben Jahren langer Vorbereitung, sieben Jahren voller Pionierarbeit, Verzicht und Anstrengungen, aber auch voller Wunder. Morgen würde das Werk vollendet und die letzten ihrer Rasse auf diesem neuen Planeten ankommen.
    Die Elementalen hatten ihr möglichstes getan, um den neuen Heimatplaneten der Menschheit so lebensfreundlich wie möglich zu gestalten. Später waren Spezialisten nachgekommen, Wohnsiedlungen und Versorgungsnetzwerke errichtet worden, Wege und Straßen angelegt … es hatte funktioniert, so unglaublich es klang. Und nun war alles vorbereitet.
    “Was ist, Nate?” Fast hatte er die leise Frage nicht gehört, so versunken war er in seine Gedanken.
    “Ich … ach, ich weiß auch nicht. Manchmal habe ich so etwas für Ivy gewünscht, weißt du? Eine Welt, wo sie barfuß durch frisches Gras laufen und einen Ozean rauschen hören kann. Wo Sonne auf ihr Gesicht fällt und der Wind durch ihre Haare pustet. Ich hätte ihr so gerne mehr gegeben als drei Jahre voller Verzicht und Entbehrungen.”
    Ihre Hand strich sacht über die seinen. Er wusste, sie würde darauf nichts antworten. So standen sie einfach einträchtig schweigend da und betrachteten den Sonnenuntergang, staunten über das flammende Farbenspiel.
    “Man rechnet immer damit, dass es doch zischen müsste, wenn die Sonne das Wasser berührt …” , murmelte Astra leise. Schließlich zog sie die Schultern hoch. “Ich friere. Gehen wir heim?”
    “Geh nur vor”, entgegnete Nate. “Ich komme gleich nach.”
    Er sah ihr nach, als sie den schmalen Pfad über das Gras hinweg zurück zur Siedlung ging. Dann ließ er sich selbst in die Wiese fallen und sein Blick wanderte zum Ozean hinaus, während er die letzten sieben Jahre Revue passieren ließ. Es kam ihm vor, als sei es erst gestern gewesen…


    Sein bewusstes Denken hatte erst wieder eingesetzt, als er vor Ivys Grab stand.
    Warmer Wind spielte in dürrem Gras, das wispernd über den schroffen Stein strich. “Ivy” stand da, in krakeligen Buchstaben, wie hineingeschnitten in den Fels - Astras Werk, vermutete er.
    Niemand hatte ihn hierher begleitet und dafür war er dankbar. Er brauchte Ruhe und Abstand, um zur Besinnung zu kommen.
    Die plötzliche Rückkehr in die Veste, Kirschner mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck, die Elementalen Su und Atesch - all das war an ihm vorbeigerauscht. Er vermochte sich nicht zu konzentrieren und sein jahrzehntelanges Funktionieren ließ ihm im Stich.
    Als dann der Mann eingetreten war, der Ivys Sterben miterlebt hatte und sich nicht nur als Astras Mentor, sondern auch als der leibliche Großvater der Kleinen vorstellte, hatte sich der Raum um Nate herum langsam zu drehen begonnen.
    Thyras’ Rede wurde von dem immer stärkeren Brausen in seinen Ohren verdrängt, die Worte tasteten nach seinem Denken, doch sein Körper stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Als ihm bewusst geworden war, dass ihn nach einer Frage von Thyras alle anstarrten, war er aufgesprungen.
    “Das Grab…”, hatte er gestammelt. “Ich … muss es sehen.”
    Rett war mit ihm gegangen, schweigend. Reden schien unnötig, sie hatten sich immer problemlos verstanden. Ein fester Griff an die Unterarme des anderen war alles gewesen, was sie sich an Wiedersehensfreude erlaubt hatten, doch es hatte gereicht. Und Rett musste auch gespürt haben, dass Nate allein sein wollte, jedenfalls hatte sich der Freund schnell wieder zurückgezogen.
    Und nun stand Nate da und sah auf den Stein herab. Die letzten Worte von Thyras geisterten durch seinen Verstand.
    “Was soll ich tun?”, murmelte er tonlos.
    Eine Windbö ließ die Gräser zappeln, doch eine Antwort bekam er nicht.

    Es war schon nach zehn, als La'ith die Runde der Erwachsenen im Weißen Salon verließ. Da unten besetzt war, hatte Tanyel die alkoholischen Getränke und Gläser einfach nach oben gebracht. Selbst Tariq war dazugestoßen. Die Stimmung stieg mit der Anzahl erzählter Anekdoten und dem Alkoholspiegel.
    Irgendwann war es ihm zu viel geworden und er hatte sich verabschiedet.
    Als er die Treppe hinunterstieg, drang aus dem Besprechungsraum noch immer Musik und Gelächter. Er konnte ihre helle Stimme deutlich heraushören, doch um nichts in der Welt würde er dieses Zimmer jetzt betreten, das wusste er. Sein Weg führte durchs Foyer und zum Haupteingang hinaus über den Vorplatz. Die Lampe am Torhaus, so altmodisch verschnörkelt, wie sie war, warf seinen Schatten voraus. Noch immer schauerte es. Als sein Blick die Hauswand hinaufwanderte, sah er das Fenster des Salons hell erleuchtet. Kurz blieb er stehen. Ein Hauch aus der Vergangenheit streifte ihn, ein Erinnern an sein letztes Weihnachtsfest, vor achtundzwanzig Jahren … zwei Jungen, die versuchten, durch das Wohnzimmerfenster einen Blick auf die festlich geschmückte Tanne zu werfen … Geschenke … Klaviermusik …
    Er stand und starrte, bis er bemerkte, dass der Regenmatsch zu Schneeflocken wurde, die lautlos durch den Lichtstrahl der Laterne brachen und auf seiner Jacke hängenblieben. Das Bild in ihm verblasste. Er wandte dem Haus den Rücken zu und ging langsam hinüber zum Wald, wo der Weg zu Ahmads Grab und zu seiner Hütte begann.
    „La'ith!“
    Trajans Stimme hallte über den Hof.
    Als der Angesprochene sich umwandte, sah er den blauen Guardian zusammen mit Shujaa an der Pforte stehen und heftig winken. Eigentlich hatte er keinerlei Bedürfnis, sich zu den Jüngeren zu gesellen.
    „Los, La'ith, wir haben doch auch ein Geschenk für dich. Sei nicht so ein Eigenbrötler und komm mit zu uns.“
    Um zu verhindern, dass Trajan ihn einfach mit ins Haus zerrte, kam La'ith mit, wenn auch nur widerwillig. Wortlos folgte er den beiden erneut durch das Foyer. Die Tür zum Besprechungsraum stand offen, drinnen hatte jemand einen weihnachtlichen Kranz an die Tür gehängt.
    Wärme schlug ihm entgegen, zusammen mit dem Duft von Plätzchen, Mandeln und Punsch. Alle grüßten ihn herzlich. Er hörte Weihnachtslieder und sah, dass Hennak und Senad über etwas, das Yonas in der Hand hielt, laut lachten. Kurz sah er zu ihr. Sie saß mit Rhea auf dem Sofa und unterhielt sich mit der Freundin, der Kerzenschein des Weihnachtsbaumes ließ kleine Lichtpunkte in ihren Haaren tanzen …
    Shujaa ging zum Kamin und schüttete mehrere Beutel Schokotaler in einen riesigen, gefüllten und rot-weiß gestreiften Strumpf, auf dem „Tariq Genera“ stand. Als er La'iths Blick bemerkte, grinste er. „Zehn Beutel pro Guardian, macht also insgesamt etwa zweitausend Goldmünzen für den adeligen Chef. Weil er es ja nötig hat.“
    „Damit dürften zumindest deine Stromkosten gedeckt sein“, neckte Trajan, der eben dazukam. Dann schob er einen der Sessel zur Seite und bedeutete La'ith, sich niederzulassen. „Leute, kommt ran.“
    Sie hatten alle sehr lange überlegt, nachdem Trajan auf die Idee gekommen war, dem schwarzen Guardian ebenfalls etwas zu schenken, Mehrere Vorschläge waren vorgebracht und samt und sonders wieder verworfen worden. La'ith besaß keinen Humor. Das hieß nicht, dass er böse war, nein, er lachte einfach nicht. Grundsätzlich wirkte er ernst, grübelnd, kritisch. Es war seine Art. Aber schon allein deswegen würden ihm Präsente wie die, die bereits vorhin verteilt worden waren, keinerlei Freude bereiten.
    Die Guardians wussten überhaupt nicht, was Laith Freude machte. Der Kamerad hatte keine Familie, keine Hobbys. Er lebte nur für den Kampf und wenn er keine Einsätze hatte, trainierte er sich selber oder die anderen. Es war wohl schon als Fortschritt zu zählen, dass er nach den gemeinsamen Mahlzeiten nicht mehr die Flucht ergriff, sondern gelegentlich abends noch mit den Erwachsenen zusammen saß.
    Tiana hatte schließlich einen Einfall gehabt und sich Senad ins Boot geholt. Doch so ganz ohne Scherz durfte auch der frisch ernannte Einsatzleiter nicht davonkommen, weshalb Hennak und Trajan nach der Schule ebenfalls noch einmal in der Bücherstube gewesen waren und etwas besorgt hatten.
    Sie überreichten dem unfreiwilligen Gast nun ein ebenfalls von Tanyel eingewickeltes Päckchen. Mit finsterer Miene entfernte der schwarze Guardian das bunte Papier und zog erneut ein Buch hervor.
    „'Das große Buch des schwarzen Humors' “, grinste Senad, der über La'iths Schulter gespickt hatte.
    Der Beschenkte sagte nichts, er blätterte wortlos in den bunt bebilderten Seiten. Zwar las er die kleinen Texte und musterte die Cartoons, doch kein Lächeln stahl sich in seine Mundwinkel. Seine Miene gab überhaupt keine Emotion preis. Schließlich legte er den Band zur Seite. „Danke“, meinte er leise. Dann nahm er Shujaa das Glas Punsch ab, was dieser ihm einladend hinhielt und trank es mit einem Zug leer.
    „Danke, dass ihr euch die Mühe gemacht habt“, murmelte er und wollte sich erheben, doch Senad kam direkt zu ihm und übergab ihm noch ein zweites Geschenk.
    Kurz erstarrte er. Ein finsterer Zug huschte über sein Gesicht. Die anderen wussten, dass man ihn besser nicht zum Narren hielt und hatten die Grenze mit dem Buch nur ganz knapp eingehalten. Was mochte das jetzt noch sein?
    Es war ein Foto. Sieben Guardians in voller Montur sahen ihm ernst aus dem altmodischen Bilderrahmen entgegen. Daneben standen außerdem Nakoa und Yonas, der im nächsten Jahr seine Prüfung ablegen und dann mit Rhea ein neues Team bilden würde.
    Seine kräftigen Finger umklammerten den Rahmen und fühlten auf einmal noch etwas Weicheres auf der Rückseite. Als er das Bild umdrehte, fiel ihm eine längliche Lederhülle in die Hände, die genauso aussah wie die, welche die Teammitglieder für ihre Dolche verwendeten. Er selbst hatte keine in diesem Design, seine Dolchscheide stammte noch aus Rayans Zeiten und war schwarz, wie alles an ihm.
    Das neue Leder kam ebenfalls in einer dunklen Farbe daher, war allerdings geprägt von einem flammend roten Schriftzug, der exakt die Farbe seiner Energie traf. „Guardian“ stand in geschwungenen Lettern in das robusten Material eingeprägt. Guardian – Wächter, Beschützer.
    Entschlossen zog er seine Waffe und steckte die beeindruckende Klinge vorsichtig in seine neue Hülle. Sie passte haargenau. Stumm blickte er auf die Buchstaben hinab.
    „Es ist wichtig zu wissen, wofür man kämpft“, meinte Trajan leise. „Aber noch wichtiger ist es, zu wissen, für wen man kämpft.“


    ENDE

    Eine kleine Weihnachtserzählung:santa1:


    Alle Charaktere sind von Tariq entliehen und ich darf diese Geschichte mit freundlicher Genehmigung posten ^^


    Viel Spaß!


    -----------------------------------------------------------------------



    Dezember 2018


    Draußen lag bereits die Winterdunkelheit vor den Fenstern. Schneeregen klatschte an die Scheiben, doch das nasskalte Wetter störte die fröhliche Truppe, die sich heute im Besprechungsraum zusammengefunden hatte, überhaupt nicht.
    Wie schon im letzten Jahr hatten die Mädchen wieder eine kleine Weihnachtsfeier auf die Beine gebracht, bevor alle in die wohlverdienten Ferien fuhren und erst im neuen Jahr zurückkamen. Auf dem kleinen Beistelltisch stand eine von Tanyel besorgte und von Kareem aufgehübschte Tanne. Der Steward hatte echte Kerzen erlaubt, deshalb war der Raum von sanften Schein und dem flackernden Licht des Kamins erhellt. Unter dem in dezentem Rot geschmückten Baum stapelten sich Geschenke. Jeder Guardian hatte den Namen eines anderen per Los zugeteilt bekommen und sich für diesen eine Kleinigkeit ausgedacht.
    Hennak und Shujaa waren für die Getränke verantwortlich gewesen. Sie hatten einen alkoholfreien Punsch, Tee, Säfte und Limonaden besorgt. Trajan, Koll und Kareem organisierten Snacks, Tiana Gebäck. Nakoa und Rhea hatten zwei Stunden dekoriert und alles festlich hergerichtet.
    Jetzt brannte im Kamin ein Feuer, die Mistelzweigkette, gesäumt mit roten Sternen, hing am Sims und irgendeine Vorwitznase hatte außerdem einen dicken Strumpf mit Tariqs Namen darunter gepinnt. Der Internatsleiter, der die Feier erlaubt und die Nachtruhe extra deswegen auf elf Uhr geschoben hatte, galt eigentlich als Weihnachtsmuffel. Doch selbst sein Strumpf würde am Weihnachtsmorgen gefüllt sein.
    Auf dem Tisch brannten die Kerzen des Adventskranzes, eine Tradition, die Hennak mitgebracht hatte. Der Duft des Tannengrüns mischte sich mit den Noten von Orangen, Zimt und gerösteten Nüssen. Shujaa hatte eine Weihnachtsplaylist zusammengestellt und den iPod in die von Senad mitgebrachte Anlage gesteckt. “Jingle Bells” wurde allerdings von dem Gelächter über eine Story, die Yonas gerade zum Besten gab, übertönt.
    Die Jugendlichen hatten es sich bequem gemacht. Nakoa lehnte sich entspannt auf dem großen Sofa zurück, Rhea, mit angezogenen Beinen, hatte sich an seine Schulter gekuschelt. Kareem mit Nikolausmütze und Yonas leisteten ihnen auf der Couch Gesellschaft, Trajan und Koll hockten auf dem Teppich vor dem Kamin, der Rest saß auf die Ledersessel verteilt im lockeren Kreis. Soeben hatten sie das Weihnachtstheater der Schule in der Stadt ausgewertet, das am Nachmittag Pflichtprogramm für alle Schüler gewesen war und bei dem Koll und Yonas zu ihrem großen Leidwesen aktiv teilgenommen hatten.
    “Wie sieht's aus, wollen wir die Geschenke auspacken?” Tiana, im weißen Kuschelpullover mit aufgedruckten Rentieren, stellte ihren Punsch zur Seite und musterte den kleinen Hügel bunt eingewickelter Präsente. Das Wichteln galt als Tradition. Da die meisten keine Ahnung hatten, was der andere brauchen konnte, war eine Vereinbarung geschlossen worden. Es sollte eher ein lustiges Geschenk werden, was zu dem Beschenkten passte. Einmal ausgepackt, galt es den Schenkenden zu erraten, was nicht selten in herzhaftes Gelächter mündete.
    Tanyel hatte die Sachen eingesammelt, alle in dasselbe Papier gehüllt und jeden der übertrieben bunten Geschenkanhänger sorgfältig mit Namen versehen, damit es auch auf diese Weise absolut fair zuging. Schließlich waren die Mädchen die Einzigen, die ein Paket auch nur annähernd ordentlich einpacken konnten.
    Hennak, der neben dem Bäumchen saß, griff wahllos in den Stapel und las den ersten Namen. “Hier, für dich, Senad”, rief er und warf das kleine Paket über den Tisch.
    Der Kamerad fing es geschickt auf und seine Augen leuchteten erwartungsvoll, als er das Klappern darin hörte. Alle wussten, Senads Herzenswunsch war eine neue, schweineteure und multifunktionale Computermaus, die allerdings das Budget des Studenten bei weitem sprengte. Der IT-Spezialist riss das Geschenkpapier von dem Päckchen und warf es achtlos auf den Boden. Seine Finger öffneten den unscheinbaren Karton.
    Yonas brach in Gelächter aus und als Senad die Eieruhr im Mausdesign hochhielt, damit sie alle bewundern konnten, fiel der Rest der Truppe ungehemmt ein.
    “Koll”, seufzte der Beschenkte, als wäre ihm alle Last der Welt auf die Schultern gelegt worden. In seinen Augen konnte es nur der Zimmergenosse und Teamkamerad sein, der sein innigstes Sehnen auf so schamlose Weise verdreht hatte.
    Doch der jüngere grüne Guardian lehnte sich kopfschüttelnd zurück und grinste kurz. “Bedaure. Es ist nicht von mir.”
    Kareem, zwischen Yonas und Nakoa, verriet sich durch sein breites Lächeln. “Und doch hat er mir die Idee zukommen lassen.” Er nahm sich mehrere Plätzchen von den bunten Weihnachtstellern und steckte sich genießerisch eines nach dem anderen in den Mund.
    Senad lachte jetzt ebenfalls und dankte dem Koch. Dann stand er auf und nahm das nächste Päckchen vom Stapel herunter. Es war flach, weich und für Trajan.
    Der Telepath musterte das Geschenk skeptisch, dann wickelte er es aus. Als er seine Gabe schließlich mit spitzen Fingern hochhielt, brüllten alle los.
    “Yonas!”, versuchte Trajan sich über das Gefeixe der Kameraden hinwegzusetzen. “Das kann doch nur von dir kommen!” Mit gespielter Empörung warf er die mit weißer Spitze verzierte rosa Schlafbrille in Richtung Sofa. Sie landete in den kandierten Nüssen, die daraufhin über den Tisch kollerten.
    Während Shujaa und Senad alle wieder einsammelten, klimperte der Angeklagte unschuldig mit den Wimpern. “Ich dachte, vielleicht vermisst du das Teil, was du Tariq zurückgegeben hast. Und falls dir die Farbe nicht gefällt, ich habe Umtausch ausgemacht, es gäbe auch welche in Schwarz. Mit Katzenohren … “
    Der Rest ging wieder in einer Lachsalve unter.
    Trajan holte das nächste Geschenk und drückte es der verdutzt dreinschauenden Rhea in die Hand.
    Sie wechselte einen kurzen Blick mit Nakoa und reichte ihm ihre Limonade zum Halten. Dann öffnete sie sorgfältig das bunte Papier.
    Darunter verbarg sich der in Flecktarn gehaltene Karton einer Actionfigur mit überdurchschnittlich kräftigen Muskeln, blondem Strubbelkopf und einer Armbrust. Für einen Moment starrte sie sprachlos darauf hinab, dann fiel der Groschen.
    “Oh, ich verstehe. Weil mein Freund jetzt plötzlich keinen gestählten Körper mehr hat, brauche ich wohl Ersatz. Wenigstens auf die Haarfarbe hättest du achten können, Hennak.”
    Der rote Guardian grinste flegelhaft. Er zog den gutmütigen Nakoa oft genug damit auf, dass dessen mühsam antrainierte Fitness durch den langen Reha-Aufenthalt dahingeschmolzen war wie Eis in der Sonne.
    Doch sein Grinsen verflog, als Rhea ihm das an ihn adressierte Päckchen zuwarf. Kurz wog er es in der Hand und strich über die glatten Kanten. “Ein Buch, denke ich. Wo ich doch so eine Leseratte bin … “ Rasch schlug er die Verpackung zur Seite und enthüllte einen mit Bambusmotiven gestalteten Bildband.
    “‘Mit Zen zur Inneren Ruhe - so finden Sie Ihre ausgeglichene Mitte’ - hübsch”, lachte Shujaa meckernd. “Das ist wahrlich lohnende Gute-Nacht-Lektüre.”
    Hennak sah einen Moment so aus, als würde er dem Teamkollegen das Geschenk am liebsten an den Kopf werfen. Sein Blick flog durch die Runde. Es konnte von jedem kommen, außer vielleicht von Nakoa, der war zu solchen Abgründen nicht fähig. Er schwankte zwischen Trajan und Shujaa, lag aber letzten Endes bei beiden daneben. Einen Augenblick war er ratlos, dann sah er, wie die Mädchen sich zuzwinkerten. “Tiana”, grollte er leise. Sie schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln und prostete ihm mit dem Punsch zu.
    Als nächstes war Kareem an der Reihe. Auch er erhielt ein Buch und erntete Gelächter.
    Doch er konnte mitlachen, es war auch zu komisch. “Kochen für Anfänger - Schritt für Schritt”. Grinsend schlug er die erste Seite auf und las den Titel vor: “Lektion 1 - was gibt es alles in der Küche?”, was die Kameraden derart grölen ließ, dass Hennak und Senad aus den Sesseln rutschten. Es dauerte eine Weile, bis sich alle wieder soweit beruhigt hatten, dass Kareem raten konnte, wer ihm dieses lebenswichtige Werk zugedacht hatte. “Senad? Shujaa?”
    Heftiges Kopfschütteln bei beiden.
    Kareem überlegte kurz. “Ich nehme an, ihr wart gemeinsam in der Buchhandlung, Rhea?”
    Die Schuldige nickte grinsend.
    Shujaa, der als nächstes an die Reihe kam, erhielt eine Tube Sonnencreme für hyperpigmentierte Haut mit Lichtschutzfaktor 50. Er hatte keine Schwierigkeiten, seinen Freund und Arbeitskollegen Senad als Urheber dieser Idee zu identifizieren und zog diesem in scheinheiligem Zorn die Packung über den Schopf.
    “Trinkpause!”, rief Trajan, bevor die angenehme Stimmung durch eine spontane Keilerei bedroht werden konnte. Die Gläser wurden aufgefüllt und der blaue Guardian nutzte die Gelegenheit, einen Teller Kekse für Koll und sich selbst auf den Teppich zu schmuggeln.
    Dann ging es gleich mit Koll weiter. Er bekam ein flaches hartes Päckchen mit gleichmäßigen Vertiefungen überreicht. Mit gerunzelter Stirn musterte er sein Geschenk von der Größe einer Schokoladentafel, an der ein Weihnachtsbaumanhänger baumelte. Doch als er es ausgewickelt hatte, lachten wieder alle. Es war genial, ausgerechnet Koll eine Eiswürfelform mit der Aufschrift Always keep smiling zu schenken. Allzuviele potenzielle Schenkende blieben nicht mehr, trotzdem riet der Sechzehnjährige zweimal falsch und damit war nur noch Nakoa übrig.
    Der Hawaiianer, zwar kein offizieller Guardian mehr, aber immer noch Teil der Kameradschaft, bekam das nächste Geschenk, ein unförmiges, weiches Paket, das eine knisternde Tüte beinhaltete. Rhea richtete sich auf, um ihrem Freund ein wenig Platz zu machen und der packte schließlich eine Maxi-Tüte Luftballons aus, auf denen in knallbunten Buchstaben “CRAZY” prangte.
    Wieder lachten alle. Nakoa blinzelte einen Moment, dann stimmte er mit ein. Es war wirklich ein Präsent, was zu ihm passte. Seine Gabe ließ Menschen tatsächlich verrückt erscheinen und der Fakt, dass er keinen der Luftballon würde aufpusten können, ohne japsend zusammenzubrechen, war ein kameradschaftlicher Seitenhieb, den er verstand und nicht übelnahm.

    Yonas griff nach einem der bunten Gummidinger, füllte diesen und und setzte ihm Kareems Nikolausmütze auf. “Hübsch!”
    Beinahe wäre Nakoa davongekommen, ohne seinen großzügigen Gönner zu erraten, doch Hennaks trockener Hinweis auf diese Tatsache lenkte die Aufmerksamkeit noch einmal auf den ehemaligen Guardian zurück. Ratlos tippte er auf Shujaa und als der begütigend nickte und entschuldigend die Schultern hob, konnte es weitergehen. Jetzt waren nur noch zwei Mann ohne ein Geschenk, Yonas selbst und Tiana, die mit angezogenen Beinen im Sessel saß und die lockere Atmosphäre mit leuchtenden Augen genoss.
    Das vorletzte Päckchen ging an Yonas. Auch er tastete über das Papier und runzelte ratlos die Stirn. Als er schließlich die Verpackung einfach abriss, fielen ihm drei Hefte in die Hand, in kindlich bunten Farben und mit bunten Cartoons bedruckt.
    “Was ist das denn?” Kareem hatte dem Sitznachbarn ein Exemplar entwendet und schlug es auf. “Der Buchstabe E … ein Schreiblernheft?”
    “Drei Schreiblernhefte”, feixte Senad. “Da hat wohl jemand deinen Schulanfang verpasst.”
    Yonas’ Augen wurden schmal. “Koll …”
    Der Klassenkamerad zuckte die Achseln. “Wie soll ich von dir abschreiben, wenn ich nichts lesen kann? Deine Klaue ist absolut unterirdisch.”
    Wieder lachten alle.
    “Such dir einen Beruf, bei dem das nichts ausmacht, Yonas”, riet Shujaa.
    “Genau, oder bei dem es Einstellungskriterium ist”, wieherte Hennak. “Werd Arzt oder so.”
    Die Zuckerstange, die Yonas nach ihm warf, verfehlte den roten Guardian nur um Haaresbreite. Noch während Hennak in den Tiefen seines Sessels nach der zerbrochenen Süßigkeit suchte, hatte Yonas Tiana das letzte Geschenk überreicht.
    Sie nahm es und sah einen Moment zu ihrem Bruder hinüber. Es musste von ihm sein, er war derjenige, der noch nichts geschenkt hatte. Das Paket konnte demnach etwas furchtbar Blödsinniges beinhalten oder aber etwas sehr Schönes. Unsicher öffnete sie die Schleife und nahm eine große Holzschachtel heraus. Sie war aus heller Linde gefertigt und duftete nach Lasur und Werkstatt. Der Verschluss aus Messing klackte leise unter ihren Fingern.
    Behutsam hob sie den Deckel an.
    Auf einem nachtblauen Samtkissen lag eine Puppe. Nein, keine Puppe, eine Marionette. Vorsichtig nahm sie die Holzgestalt heraus.
    Das dicke, lange rote Haar und die dunkle Kleidung sprachen derart für sich, dass es die metallene Axt in der Puppenhand überhaupt nicht gebraucht hätte. Die Anspielung war klar. Trotzdem fand Tiana das Geschenk wunderschön. Trajan musste sich eine Menge Arbeit gemacht haben. Dankbar lächelte sie zu ihrem Bruder hinüber.
    Der grinste träge zurück. “Ich hatte ein bisschen Hilfe. Imara war die Schneiderin und Gaz der Schnitzmeister.”


    Ende Teil 1:santa2:

    Der Windfang von Wemmingen


    Einem ausgeklügelten Schmetterlingsnetz nicht unähnlich sehend, ist dieses archaische Relikt aus der Zeit der alten Babylonier ein nützliches Instrument, um meteorologische Winde aller Art einzufangen, zu bündeln und in neuer Stärke freizugeben. Egal ob leichte Bö, Wirbelsturm, Hurrikan oder Frischluftbrise - der Besitzer ist frei zu entscheiden, wohin Hoch- und Tiefdruckgebiete, Pollenflug, Zugvögel und der Luftverkehr ihre Reise antreten. Achtung: Reißt das Netz des Windfangs, kann für wettertechnische Katastrophen jeden Ausmaßes garantiert werden.


    Ursprünglich von den babylonischen Magiern des Königs konzipiert, um die Unversehrtheit der damals schon berühmten Hängegärten zu beschützen, stellt der Windfang von Wemmingen neben dem Schneefang von Sternfall und dem Regenfang von Regensburg eines der drei Heiligtümer der Gärtnerszunft dar. Untergegangen mit dem bedeutenden Weltreich- bedingt durch ein Reißen des Netzes- , spürt heute jeder Jünger des Grünen Daumens nach diesen Objekten. Jedoch erhebt auch die Gilde der Meterologen Anspruch auf diese äußerst kostbaren Artefakte, weshalb es immer wieder zu Auseinandersetzungen ( = Landesgartenschauen) kommt. Bis heute gilt der Windfang von Wemmingen als verschollen.



    Sockenstab

    Bonus Gesundheit - besonders bei nassen Füßen nach Flussdurchquerungen oder Wanderung im Tiefschnee

    Malus Charisma - weil kein Held gut aussieht, der seine Socken mit dem Sockenstab trocknet



    So, dann wollen wir das Kapitel beenden - und das Werk auch . Nur noch drei Posts!


    Gerade, als er das Bein über den schartigen Rand schwingen wollte, gipfelte das Rauschen in einem schrillen Klingeln und es schien, als würde jemand aus weiter Ferne seinen Namen rufen. Erschrocken ließ er los, rutschte am Zaun hinab, zerriss Jacke und Hose und Haut an hervorstehenden Drahtteilen und landete auf dem nassen und klammen Dach. Panisch kam er wieder auf die Füße und starrte in die Nacht, die über die Spitzen der anderen Häuser langsam herangekrochen kam. Wer hatte gerufen? Eine Frau, es war eine Frau gewesen, es musste Astra gewesen sein - aber Astra war weit weg …
    Seine Hände brannten und bluteten, doch er achtete nicht darauf. Die Nässe, das Klopfen seiner Wunden, die Kälte - all dies kümmerte ihn nicht mehr. Es wog nichts gegen den Schmerz in seinem Inneren.
    Er zog die Kapuze über den Kopf und die Knie nahe an den Körper und ergab sich ihm.


    Als er erwachte, zeigte sich am Horizont zögernd die erste Morgendämmerung. Sanft wurde der wolkenlose Himmel heller. Der Regen, der die ganze Nacht weitergeströmt war, hatte sich endlich verzogen und es versprach, ein klarer, sonniger Tag zu werden.
    Für Nate hatte es keine Bedeutung mehr. Die ganze Nacht war er einfach sitzengeblieben, halb im Schlaf, halb wach, niedergedrückt von seinen Erinnerungen und vom Regen durchweicht. Seine Arme und Beine schienen steif gefroren und taub vor Kälte.
    Kraftlos lehnte er den Kopf gegen den Zaun hinter sich und betrachtete, wie die Sonne, obwohl noch nicht aufgegangen, den Himmel erleuchtete. Sein knurrender Magen, sein erschöpfter Körper, das Fieber, das wiedergekommen war, weil er ihm nichts mehr entgegensetzen konnte - all das war schon weit weg. Er würde einfach hier sitzen bleiben, bis sein Geist sich losreißen und zu Ivy und Kay gehen konnte.
    Warm streichelte das Morgenlicht sein Gesicht, während sich der gelbe Feuerball langsam emporschob und die Welt um sich herum erstrahlen ließ.
    Blinzelnd sah Nate dabei zu, wie die noch nass glänzenden Dächer aufblitzten, wie der Himmel im Orange erglühte. Der Slum weit unter ihm erwachte zum Leben. Vielleicht würden Menschen hier herauf kommen, gelockt vom sonnigen Versprechen eines neuen Tages, um einen Moment innezuhalten und auszubrechen aus dem Leben in Matsch und Elend. Ihn würde es nicht kümmern.
    Die Sonne kletterte höher und hüllte ihn in Wärme und Licht. Er schloss die Augen und fühlte sich mit einem Mal ganz leicht. Schwebte er? Saß er immer noch auf dem Dach? So genau konnte er es nicht mehr sagen. Ein sanftes Vibrieren schien in der Luft zu liegen, Brummen füllte seine Ohren, nicht bedrohlich, im Gegenteil, seltsam vertraut. War das der Tod? Würde es am Ende so einfach sein?
    Eingetaucht in Sonnenlicht einfach … gehen?
    Das Brummen um ihn wurde immer lauter, aber er vermochte es nicht recht einzuordnen. Doch es beunruhigte ihn nicht. Mochte es ruhig brummen.
    Er fühlte sich so leicht …
    Ein Schatten fiel auf ihn, fing die liebkosenden Sonnenstrahlen für einen Moment ab. Dann berührten Hände seine Wangen, legten sich sanft und warm darauf. “Nate.”
    Irritiert sah er auf, während sein Herz erschrocken stolperte. Als er die Augen aufriss, blendete ihn das Licht des neuen Tages. Nur schemenhaft erkannte er den Hubschrauber im Hintergrund und die junge Frau, die vor ihm kniete. “Astra …”
    Ihr Lächeln war tief. “Ich hatte gehofft, dass du hier bist.”