Beiträge von Kiddel Fee

    So, das Kapitel hat mich zur Weißglut getrieben, weil es das Pech hatte, ein Lückenfüller zu sein. Der Teil, der sich anschließt, ist schon sehr lange fertig und jetzt stand ich vor dem Problem, meine Geschichte zu diesem Teil hinzutreiben. Doch dieser Text ist die Brücke, der Anschluss steht und von nun an kann ich ruhiger schlafen. Viel Spaß beim Lesen und her mit Kritik und Fehlern!




    Ein Weg hinein



    Astra wanderte durch die Anlage. Sie fand keinen Schlaf. Ihr Rhythmus war durch die Aufregung der letzten Tage völlig durcheinander gekommen. Jetzt, weit nach Mitternacht und noch Stunden vom Tagesbeginn entfernt, fühlte sie sich zwar entkräftet, doch Ruhe wollte keine kommen. Und nachdem sie sich stundenlang auf ihrem Lager hin und her gewälzt hatte, war sie schließlich wieder aufgestanden, um Nate zu besuchen.
    Ihr Quartier lag nicht weit vom Lazarett entfernt. Auf dem Weg dorthin grübelte sie über Thyras’ Worte nach. Sie war die Einzige, die Nate würde helfen können, davon war ihr Mentor fest überzeugt. Doch wie genau sie das anstellen sollte, hatte er ihr nicht verraten. Aber merkwürdig war er gewesen, verändert - hatte seine Haft dies bewirkt? Oder die Ankunft ihrer Gruppe … ?
    Seufzend ließ sie die Tür zum Lazarett aufsurren und betrat die Abteilung. Ihre Schritte wurden von dem grauen Fußboden gedämpft.
    Um diese Zeit war es ruhig. Ein Kittelträger kam ihr mit einem Tablett voller leerer Spritzen entgegen.
    Sie blieb unsicher stehen. “Kann ich … Nate besuchen?”
    Er nickte ihr im Vorbeigehen zu und verschwand in einem Durchgang knapp hinter ihr.
    Stumm sah sie ihm nach. Dann wandte sie sich um und erreichte mit wenigen Schritten die schneeweiße Tür, hinter der Nate liegen musste.
    Den ganzen Tag lang hatte sie gezögert, ihn zu sehen. Sie wollte nicht im Weg stehen, wenn die Ärzte ihn behandelten. Und tatsächlich graute ihr davor, zu sehen, wie der Verfall inzwischen fortgeschritten sein mochte, wie sehr er sich verändert hatte und ob er …
    Bevor ihre Courage völlig versiegen konnte, trat sie in einen nüchternen, fensterlosen Raum. Die Beleuchtung war gedimmt, damit der Patient schlafen konnte, doch die flackernden Zahlen des Überwachungsgeräts raubten der Szene jede Ruhe. Das monotone grüne Leuchten- grün war gut, soviel wusste sie zumindest - verlieh dem reglos daliegenden jungen Mann im Krankenbett eine ungesunde Hautfarbe und enthüllte außerdem eine weitere Gestalt, die zusammengesunken vor dem Bett hockte.
    Rett hatte die Ellenbogen auf die Knie gestützt und seinen Kopf in die verletzten Hände gelegt. Als die Tür mit einem sanften Surren aufgegangen war, hatte er hoch gesehen. Doch dann erkannte er Astra und seine Schultern sanken wieder herab.
    Zögernd blieb sie neben dem Bett stehen.
    Nate ging es schlecht, das war unverkennbar. Er keuchte in flachen, hastigen Atemzügen. Das dunkle Haar klebte an der verschwitzten Stirn, auf der dicke Schweißtropfen standen. Seine Wangen waren eingefallen und von fleckiger Röte überzogen der stoppelige Kinnbart ließ ihn zwanzig Jahre älter aussehen und er zitterte unkontrolliert, weil ihn der Schüttelfrost erbarmungslos beutelte.
    Warnend piepste die Überwachung und schließlich, als hätte sich das Fieber einsichtig gezeigt, kam Nates Körper zur Ruhe. Der Patient stieß einen Seufzer aus, und für einen Moment herrschte Stille. Langsam griff Rett nach der dünnen Decke, die während der Zitterattacke bis zu Nates Hüften hinabgerutscht war, und zog sie schleppend wieder hinauf.
    Astra hingegen starrte wortlos auf die blassen, aber wulstigen Striemen, die Nates Oberkörper überzogen wie ein grob gesponnenes Netz, deutlich zu erkennen auf seiner hellen Haut, gesprenkelt von Schweiß - alte Narben aus der Zeit des Krieges.
    Er war ein Kind gewesen und hatte gekämpft wie ein Erwachsener.
    Hastig wandte sie den Blick ab und sah hinüber zu Rett.
    Auch ihm waren die Strapazen der letzten Tage deutlich anzusehen.
    Mit blutunterlaufenen Augen, um die dunkle Ringe gezeichnet waren, betrachtete er den Freund. “Er stirbt. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal mit ansehen kann.” Müde rieb er sich mit beiden Händen übers Gesicht. Einer der Verbände löste sich und baumelte blassweiß um das gebräunte Handgelenk. “Wir waren bei Kay, weißt du? Als sie gestorben ist. Sie … hat ein Medikament bekommen und ist eingeschlafen. Ein besserer Tod als das Verrecken an Tetanus, soviel ist sicher - aber tot ist sie trotzdem. Und ich saß daneben …” Er verstummte und stöhnte. “Und als Ivy dann auf die Plattform gezerrt wurde … und dann Nate … und …” Seine Hände sanken herab und ruhten still zwischen seinen Knien. “Es war keine Zeit. Keine Zeit, es zu begreifen.” Starr blickte er auf den flackernden Monitor. “Jetzt stirbt Nate - und ich soll wieder zusehen. Ich müsste es. Aber ich kann es nicht. Er ist mein treuer Freund und ich habe ihm geschworen - ich …” Seine Stimme brach. Dann erhob er sich. Seine Rechte ballte sich zur Faust, seine Linke verweigerte ihm diesen Dienst, trotzdem war der Kampf in ihm deutlich zu erkennen. “Ich muss um Ivys Willen stark bleiben.” Brüsk strich er über Nates Arm. “Mein Freund, ich gehe. Damit ich für sie da sein kann. Ich kümmere mich um sie … “ Die letzten Worte klangen gepresst, halb erstickt, dann wandte sich Rett ab und stürmte mit langen Schritten aus dem Zimmer.



    “Astra, es ist mitten in der Nacht!” Atesch sah deutlich genervt aus. Kein Wunder, sie hatte ihn aus dem Schlaf gerüttelt, von dem sie alle in letzter Zeit zu wenig bekommen hatten.
    “Ich weiß und es tut mir leid”, erklärte sie, während sie ihm die Jacke hinhielt. “Aber ich würde dich nicht wecken, wenn es nicht wichtig wäre.”
    Er brummte irgendetwas, stand auf und nahm ihr dabei sein Kleidungsstück ab. Als er kurz zum Waschbecken trat und sich kaltes Wasser ins Gesicht spritzte, konnte sie einen Blick auf seinen Rücken und auf sein sichtbares Zeichen der Manifestation werfen - ein großes, unregelmäßiges Mal von tiefroter Farbe. Wie eine Brandnarbe in Form einer zuckenden Flamme.
    “Es geht um Nate, nehme ich an?” Ateschs lange Finger kratzten an seinem dunklen Kinnbart. “Was hast du vor?”
    “Ich will versuchen, mein Licht in ihn zu schicken, so wie Artax es mit der Finsternis getan hat. Und es wäre mir wohler, wenn ein weiterer Elementaler mit dabei wäre, für den Fall, dass Artax ein paar unangenehme Überraschungen eingebaut hat.”
    Seufzend fuhr Atesch in seine Jacke. “Warum nicht Su?”
    “Weil du körperlich stärker bist.” Astra zuckte die Achseln.
    Resignation malte sich in Ateschs Züge. “Dann los.”

    LG Fee

    Ist sie Blind? weil er sich in einem Moment so gewundert hat, dass sie sehen kann :hmm:


    Darüber sind alle bisher gestolpert und das find ich gut:evil: keine Sorge, es wird alles aufgeklärt


    Für die Downs gibt es tatsächlich ein reales Vorbild, Kowloon Walled City - bei Interesse ruhig mal googeln, sieht wirklich aus wie aus ferner (hässlicher) Zukunft...

    Völlig erschöpft lehnte er sich an die glitschige Wand hinter sich und keuchte ausgepumpt. Schweiß rann ihm übers Gesicht und vereinte sich auf dem Weg nach unten mit seinen Tränen. Das Luftholen stach in seiner Brust und die überanstrengten Beine zitterten unter seinem Gewicht, als wöge er mitsamt seiner Schuld zuviel.
    Umsonst, er konnte nicht entkommen. Gelaufen war er, gerannt, hatte verzweifelt nach einem Ausgang gesucht, nach einer Tür oder einem Fenster, einem Fluchtweg aus dieser Hölle. Weg von diesen Lauten, diesen Wesen, die ihn verfolgten. Doch wohin er auch lief, er kam nicht fort von ihnen. Mühelos holten sie ihn ein, tauchten vor ihm auf, so lange, bis ihre bloße Präsenz ihn wehrlos auf dem Boden kauernd zurückließ.
    Anfangs hatte er noch versucht, mit eiserner Willenskraft und kühlem Verstand ein Bollwerk zu errichten und all das, was er sah, an seiner mentalen Mauer abprallen zu lassen. Doch diese Welt spie immer neue Schrecken aus, die auf ihn einhämmerten und seine Verteidigung nicht nur bröckeln ließen, sondern regelrecht zerschmetterten.
    Es gab keinen Weg hinaus. Er würde auf ewig dieser Pein ausgeliefert sein.


    “Was habe ich getan?” Die junge Frau lief aufgeregt durch den Raum. Ihr Blick flog hin und her, ihr langes hellblondes Haar flatterte wirr um ihren Kopf herum. Erregt verknoteten sich ihre Finger, dann wieder streifte sie die Hände an ihrer Hose ab, während sie ruhelos vor ihm auf und ab tigerte.
    “Beruhige dich doch erstmal”, versuchte er ihren nervösen Lauf zu unterbrechen.
    “Beruhigen?”, schleuderte sie ihm atemlos und beinahe hysterisch entgegen. “Du hast gesehen, was gerade passiert ist. Meine Kräfte sind außer Kontrolle geraten und haben drei unbeteiligten Menschen das Augenlicht genommen!”
    “Und wenn du dich weiter so aufregst, könnte dasselbe gleich nochmal passieren”, entgegnete er sanft. “Setz dich hin und atme tief durch. Beruhige deinen Geist, dann reden wir weiter.”
    Nach kurzem Zögern nahm sie auf einem Rollhocker Platz und konzentrierte sich darauf, tief Luft zu holen, während sie auf den dunklen Fliesenboden vor sich starrte. Es dauerte einen Moment, bis sie ihrer Erregung Herr geworden war. Doch schließlich hob sie den Kopf, stützte die Ellenbogen auf die Knie und sah ihn von unten herauf an. “Und jetzt?”
    “Ich gebe zu, dein Ausbruch war - ziemlich beeindruckend.” Er hockte sich vor sie und nahm ihre Hände in seine. “Doch mit solchen Dingen habe ich von Anfang an gerechnet. Du trägst nun einmal eine gewaltige Energie in dir und diese zu beherrschen, erfordert enorme mentale Disziplin und Training.”
    Betroffen senkte sie den Kopf. “Es ist meine Schuld. Ich bin nicht stark genug.”
    “Du bist stark.” Seine Stimme klang schärfer, als er es beabsichtigt hatte. “Es ist das erste Mal gewesen, dass du die Kontrolle verloren hast.”
    Mit einem Ruck stand sie auf. “Und es wird das letzte Mal sein. Ich werde gehen. Es ist unmöglich, hierzubleiben, ich bringe alle anderen in Gefahr. Jetzt sind drei Menschen blind. Nächstes Mal sterben sie vielleicht. Sie oder - Menschen, die mir etwas bedeuten.”
    Einen Moment lang starrten sie einander an.
    “Aber … du kannst lernen, es zu beherrschen.” Er hörte selbst, wie verzweifelt er plötzlich klang. “Geh nicht einfach.”
    “Doch, es ist notwendig. Ich werde lernen, das verspreche ich dir. Doch bis dahin stelle ich eine Gefahr da und ich kann unmöglich riskieren, dass weitere Menschen meinetwegen Schaden erleiden. Nein, ich verlasse den Hort und bändige die Kraft in mir. Wenn ich dies geschafft habe, komme ich zurück, das verspreche ich dir …”

    Thyras schrak so plötzlich auf, als hätte jemand die letzten Worte tatsächlich laut ausgesprochen. Schwer atmend saß er im Bett, starrte auf die Wand und fühlte sein Herz in seinem Brustkorb rasen. Weder Astra noch der andere Mann mit dem dunkelblonden Wuschelkopf - Rett war sein Name gewesen, jetzt fiel es ihm wieder ein - waren noch da. Sie hatten die Beleuchtung angelassen, weswegen das gedimmte Licht der kleinen Lampe neben ihm die Wände sanft orange anmalte.
    Tausend Gedanken tobten durch seinen Kopf und er musste sich konzentrieren, um sie alle einzufangen und zu zähmen.
    Entschlossen schwang er die Beine aus dem Bett, ging hinüber zu dem schmalen Bord an der Wand und schenkte sich ein Glas Wasser ein. Sein Mund schien wie ausgetrocknet, er goss sich gleich noch einmal ein und trank bedächtig. Dann stellte er das Glas auf die Schreibtischplatte und öffnete seine Datenbanken auf dem Pad.
    Wieder tauchten die acht Portraits vor ihm auf und wie gewöhnlich begann das Bild der Frau mit den hellen Haaren und den lustigen Sommersprossen auf der Stupsnase zu blinken. Ihre Augen - von einem klaren Blau, das wusste er - blickten ihn ernst an. Während er das Bild betrachtete, fühlte er, wie die Trauer in sein Herz schoss, wie ihn die Gefühle übermannten, die er bei dem Gespräch vorhin so eisern beherrscht hatte.
    Er erinnerte sich an ihren letzten gemeinsamen Tag. Sie hatten am großen Tor des Hortes gestanden. Die Sonne war eben dabei gewesen, unterzugehen, und hatte alles in unwirklich rotgoldenes Licht getaucht. Lichtreflexe hatten in den hellen Haaren getanzt und Wehmut war in ihren Augen gewesen.
    Thyras hatte das junge Paar vor sich sorgenvoll gemustert. “Der Krieg naht, auch wenn es noch niemand wahrhaben will. Diese Welt da draußen wird untergehen. Sie ist kein sicherer Ort für euch und ich lasse euch ungern ziehen. Aber ich sehe ein, dass es notwendig ist.”
    Der junge Mann neben ihr hatte ihre Hand ergriffen und diese aufmunternd gedrückt. “Solange ich da bin, wird dir nichts geschehen. Dein Vater hat mir beigebracht, was ich tun muss, sollten deine Kräfte wieder die Überhand gewinnen. Ich bin dein Blitzableiter. Ich beschütze dich!”
    Ein Lächeln war über ihr Gesicht geglitten, bevor sie sich wieder Thyras zuwandte. “Ich komme wieder. Ich verspreche es dir. Sollte ich es nicht schaffen, werde ich dir eine Botschaft hinterlassen und du wirst erkennen, ob ich meine Aufgabe gemeistert habe oder daran gescheitert bin.” Ihre Stimme war leise, aber eindringlich gewesen. “Du wirst es erkennen …”
    Und nun, nun war das kleine Mädchen hier aufgetaucht. Das Mädchen, benannt nach seiner Frau, die schon so lange gestorben war und deren Namen nur wenige gekannt hatten. Das Mädchen, das genauso aussah wie seine Tochter. Ein Vermächtnis … Caroline ...
    Tränen füllten seine Augen, er tippte auf das blinkende Bild und es erlosch ebenso wie das der anderen, die ihr Leben bereits verloren hatten.

    Herzlich Willkommen, Eti! Ja, ich fürchte, dass ist hier ein wenig ausgeufert:blush: aber schön, dass du reingefunden hast und ich hoffe, dass du dran bleibst. Bin für konstruktive Kritik, Fragen etc. immer offen!

    Astra blieb bei Thyras, nachdem sie diesen in sein Quartier gebracht hatten und überraschenderweise stieß nach kurzer Zeit ein müde wirkender Rett zu ihr.
    “Noch immer nicht aufgewacht?”, fragte der Mechaniker und ruckte mit dem unrasierten Kinn zu Astras Mentor hinüber, während er sich einen zweiten Stuhl heranzog.
    Sie schüttelte den Kopf. Fast eine Stunde hatte sie hier gesessen, doch Thyras war weit weg. “Manchmal murmelt er etwas im Schlaf, aber ich verstehe ihn nicht. Wo ist Ivy?”
    “Ich habe sie ins Bett geschafft, sie war völlig erledigt. Victoria bleibt bei ihr, damit sie nicht alleine ist, wenn sie aufwacht. Ich war noch bei Nate -”
    Ihr Herz machte einen kleinen Satz. Bitte nicht, schoss es ihr durch den Kopf. Bange sah sie auf, doch Rett lächelte nur schief. “Nein, ihm gehts nicht besser. Aber für den Moment wäre sein Zustand wohl stabil, jedenfalls meinten das die Ärzte.”
    “Na, wenigstens etwas”, seufzte sie. Während ihrer Wache an Thyras’ Bett hatte sie sich den Kopf zerbrochen, wie sie Nate helfen konnte, wenn selbst der klügste Mensch des gesamten Hortes es nicht vermochte, aber ihr war nichts eingefallen. Ja, sie verfügte über die Gabe des Lichtes. Doch sie konnte es ja schlecht in Nates Kopf stecken und damit die Dunkelheit in ihm verscheuchen … “Wie geht es deinen Händen?”
    Rett zuckte die Schultern. “Die Wunden heilen bemerkenswert gut und mir wurde gesagt, dass ich die Rechte wahrscheinlich wieder normal gebrauchen kann.” Er hob die Hand und wackelte mit den Fingern, wobei er jedoch immer noch das Gesicht verzog. “Die andere Hand - tja, da wollen sie keine Prognose abgeben. Brauchen sie auch nicht. Ich merke selbst, dass sie an mir dran hängt wie tot. So sehr ich mich auch anstrenge, meine Finger gehorchen nicht. Sie überlegen noch, was sie damit anstellen können.” Es klang beiläufig, wie er das sagte, doch Astra spürte, dass es ihm nicht egal war, hilflos zu sein.
    “Wieso hat Thyras so merkwürdig auf Ivy reagiert?” Rett musterte den Liegenden stirnrunzelnd.
    “Kennt er sie?” Astra war ebenfalls aufgefallen, dass der alte Mann das Kind angestarrt hatte wie eine Vision.
    “Nein, ich kenne sie nicht”, murmelte Thyras plötzlich.
    Astra und Rett blickten überrascht auf. Der alte Mann hatte die Augen halb geöffnet und sah zur Decke empor.
    “Thyras, geht es dir gut?”, fragte Astra leise. “Du bist vorhin einfach - zusammengebrochen, als du Ivy gesehen hast.”
    Ein langsames Blinzeln, dann drehte ihr Mentor leicht den Kopf und sah seine Besucher an. “Wie … unpassend von mir. Aber es geht mir gut. Nur ein wenig geschockt, mag man wohl sagen.”
    “Ivy hat dich geschockt, oder? Du hast sie angeschaut, als wäre sie ein Geist.”
    Rett gab einen knurrenden Laut von sich, ob als Warnung für Thyras oder Protest gegen Astras Unterstellung, war nicht erkennbar. Doch Astra hatte jetzt nur Augen und Ohren für Thyras. Kamen sie dem Geheimnis um die Kleine näher? Hatten ihr Mentor und das Mädchen aus den Downs etwas miteinander zu tun?
    “Dieses Mädchen. Die kleine … Ivy. Sie sieht genauso aus wie eines der Kinder, die ich vor nicht ganz zwanzig Jahren in der Gruppe hatte. Es verließ die Forschungseinrichtung mit siebzehn Jahren und ich habe seitdem nie wieder von ihm gehört. Wahrscheinlich im Krieg umgekommen …” Für einen Moment verlor sich Thyras’ Stimme und sein Blick ging ins Leere. Es dauerte einen Augenblick, bis er weitersprach.
    “Wenn ich nicht absolut sicher wäre, mich damals von einer beinahe erwachsenen Frau verabschiedet zu haben, würde ich glauben, dass es ein und dieselbe Person ist. Aber ihr werdet mir zustimmen, das wäre unmöglich.”
    “Ist es”, erwiderte Rett. “Ivy wurde in den Downs geboren, ein paar Türen von unserer Wohnung entfernt. Ausgeschlossen, dass sie den Hort jemals betreten hat. Ihre Eltern Greg und Caroline haben schon dort gewohnt, als wir im Slum gelandet sind, und wie alles Treibgut jener Tage diesen Ort niemals verlassen.”
    Bei diesen Worten schien ein Schrecken über Thyras’ Gesicht zu huschen. Seine Augen wurden schmaler, seine Brauen zuckten, doch dann war er wieder so gefasst wie immer. Astra musterte ihn unauffällig, doch er wirkte ruhig. Wahrscheinlich hatte sie sich getäuscht.
    “Wie auch immer.” Thyras richtete sich auf und blieb auf seinem Bett sitzen. “Ihr wolltet mir etwas sagen bezüglich der kleinen Ivy.” Seine Stimme wurde weicher, als er den Namen des Kindes aussprach, fast als würde es vor ihm stehen, doch der aufmerksame Blick aus den hellen Augen galt Astra.
    “Sie kann mich sehen, Thyras. Deswegen sind wir uns begegnet. Obwohl Ivy blind ist, sah sie mich am Haus vorbeilaufen und ein paar Meter weiter zu Boden gehen.”
    Rett nickte bekräftigend. “Ivy hat die Wohnung niemals allein verlassen. Es wäre ihr unmöglich gewesen, sich in den Gassen zu orientieren. Trotzdem muss sie schnurstracks zu Astra gelaufen sein, etwa dreihundert Schritte weit in eine Sackgasse hinein. Völlig blind.”
    “Das ist interessant.” Die Neugierde ihres Mentors war offenkundig geweckt worden. “Hat sie schon einmal andere Leute so sehen können?”, wandte er sich an Rett.
    “Nein, das hätte sie uns gesagt”, meinte Rett überzeugt.
    “Im Hort hat sie mir anvertraut, dass ich die Einzige bin, die sie sieht”, ergänzte Astra. “Dieses ‘Sehen’ war der Grund, weshalb sie an Ivy herumexperimentiert haben. Artax hat sie entführt, nicht nur als Druckmittel für Nate, sondern auch , um mit ihrer Hilfe andere Elementale finden zu können.”
    “Aber da sich alle Elementalen zu diesem Zeitpunkt im Hort befanden und sie diese nicht gesehen hat …” Rett zuckte hilflos die Achseln.
    Thyras legte nachdenklich die langen Finger aneinander und starrte grübelnd vor sich hin. “Sie sieht also lediglich Astra. Wirklich interessant. Wurde Ivy blind geboren?”
    “Nein.” Rett schwieg kurz und schien zu überlegen, ob er wirklich weitersprechen sollte. “Es … gab wohl einen Unfall, der ihre Eltern das Leben kostete und ihr selbst das Augenlicht raubte. Aber darüber weiß ich nichts. Nate hat sie damals gefunden, mit nach Hause gebracht und kein Wort darüber verloren.”
    Dieses Mal war sich Astra sicher, die kurze Veränderung in Thyras’ Gesicht zu sehen. Doch wieder war es nur ein winziger Augenblick, bis der Ältere wieder ruhig und ausgeglichen wirkte.
    Ihr Mentor rieb sich das Kinn. “Natürlich kann ich jetzt noch keine Diagnose abgeben, ohne mit Ivy selbst und auch mit Nate gesprochen zu haben. Aber mein Verdacht ist, dass es mit deinem Licht zu tun hat, Astra. Doch wie genau - das weiß ich nicht.” Auf einmal wirkte er wieder erschöpft. “Ich werde darüber nachdenken. Doch jetzt muss ich mich noch ein wenig ausruhen. Und ich bin sicher, ihr beiden habt auch Dinge zu tun, die keinerlei Aufschub dulden.” Er sah Astra eindringlich an. “Du musst deinen Freund retten. Niemand sonst wird es können.”

    Ich mag die Hobbit-Filme insgesamt sehr, weil sie mit viel Liebe zum Detail und an manchen Stellen geradezu verschwenderisch prächtig gestaltet sind.


    Was mich aber jedes Mal wieder extrem stört, sind die Distanzen. Über den Nebelbergen muss ein Raum-Zeit-Tunnel sein, anders ist das doch nicht zu erklären.


    Galadriel schaut einfach mal in Bruchtal vorbei. Die wohnt in Lorien (hinter den Bergen, hinter den Zwergen...), Saruman hats auch nicht weit bis Bruchtal.


    Und wenn sie einmal dabei sind, gehen wir gleich nach Dol Guldur - ist doch nur ein Katzensprung (hinter den Bergen, usw.)

    Da fragt man sich doch, warum sie dann im Herrn der Ringe solche Schwierigkeiten haben, über die Berge zu kommen. Wenn Radagast das mit seinem Kaninchenschlitten schafft, kann das doch so schwer nicht sein!


    Legolas und Tauriel reiten einfach mal über Nacht nach Gundabad ... liegt quasi am anderen Ende der Karte, aber okay.

    Und die Orkarmee , die von dort aufbricht, kann binnen weniger Stunden vorm Erebor stehen.


    Sind halt alles Szenen , die im Buch anders waren - weil sie halt geografisch und zeitlich betrachtet nicht funktionieren...schade eigentlich...

    Astra folgte Sergeant Benedict in einen großen Raum. Die Decke war mehrere Meter hoch und wurde von mächtigen Säulen getragen. Sitzgruppen standen an den Wänden entlang verteilt. Am anderen Ende der Empfangshalle brannte in einem beeindruckenden Kamin ein holografisches Feuer. Es erhellte den Raum ein wenig, knisterte aber nicht und verbreitete keinen typisch rauchigen Duft. Trotzdem erzeugte der warme Schein eine gewisse Gemütlichkeit, die Astra hier nicht erwartet hatte.
    Zwei Personen, schwarz vor dem flackernden Licht der Flammen, standen am Kamin und unterhielten sich. Beim Eintreten ihrer Besucher drehten sie sich um.
    “Thyras!” Astras überraschter Ausruf zeigte Erleichterung und Sorge zugleich. Sie war froh, dass es Su und Atesch gelungen war, ihren gemeinsamen Mentor zu befreien. Andererseits hatte sie sofort bemerkt, dass Thyras fast krank aussah.
    Sein ehemals graues Haar und der dichte Vollbart waren weißer geworden, das Gesicht wirkte faltiger. Die Augen leuchteten auf, als er seine Schülerin wiedersah, doch war die Müdigkeit in ihnen nicht zu übersehen. Die kurze Zeit seiner Gefangenschaft hatte gereicht, um Spuren zu hinterlassen. Seine Hände streckten sich ihr entgegen, warme Finger schlossen sich zitternd um ihre Unterarme. “Astra! Alles in Ordnung bei dir?”
    Sie nickte hastig. “Alles bestens. Was ist mit dir ? Als ich dich das letzte Mal gesehen habe, bist du gerade verhaftet worden!”
    In diesem Moment räusperte sich der zweite Anwesende und trat nach vorn ins Licht. Er war groß, bestimmt noch einen Kopf größer als Atesch, eine beeindruckende Erscheinung mit kantigem Gesicht, breiter Brust und einem prächtigen Schnauzbart. Dunkle Augen musterten Astra so durchdringend, dass sie begann, sich unbehaglich zu fühlen.
    “Elementale Astra, wie ich annehme. Ich bin Kommandant Kirschner, Vorsitzender des Militärrats.” Seine Stimme klang voll und tief, allerdings fehlte ihr jede Spur von Wärme. Beiläufig hob er die Hand und wies ihr einen der Sessel vor dem Holo-Feuer zu. Er selbst blieb aufrecht mit auf dem Rücken verschränkten Händen stehen. “Deine Befreiung und Überbringung in die Veste war das Ziel unserer Operation, seit wir erfahren hatten, dass dein Aufenthaltsort lokalisiert worden war. Su und Atesch haben mir eben einen groben Bericht erstattet, dabei aber einige Fragen offen gelassen.” Er schwieg und sah sie abwartend an.
    Astra schwieg ebenfalls. Sie hatte keine Ahnung, was Kirschner alles schon wusste, aber sie wollte Ivy und Nate schützen. Nicht, dass Ivy hier im Nu auf dem nächsten Experimentiertisch landete. Und Nate auf dem Schafott …
    Der Kommandat schien zu merken, dass sie nicht alles preisgeben wollte. “Morgen wird eine erste Versammlung stattfinden, bei der alles Nötige zur Sprache kommt. Bis dahin dürfen du und deine … Mitreisenden sich innerhalb der Veste frei bewegen. Betrachtet euch als Gäste - vorläufig.” Er nickte ihr zu, während der Blick aus den dunklen Augen erneut über sie glitt, um sicherzugehen, dass sie seine Worte verstanden hatte. Dann drehte er sich um und verschwand mit schnellen Schritten.
    Thyras ließ sich in einem anderen Sessel nieder. “Erzähl mir, was passiert ist. Su und Atesch haben nur sehr knapp berichtet und nicht nur Kommandant Kirschner hat den Eindruck bekommen, dass da mehr dahintersteckt, als zur Sprache kam.”
    Astra seufzte kurz. “Es ist eine lange und schlimme Geschichte. Und ich will sie nicht noch schlimmer machen.”
    “Egal welche Geheimnisse deine Freunde umgeben, ich werde sie nicht verraten.” Thyras klang beruhigend. “Ich bin der Meinung, der Kommandant sollte das, was für die Veste von Belang ist, erfahren. Alles, was darüber hinausgeht und euch Elementale betrifft, liegt in meiner Verantwortung.” Er sah Astra offen ins Gesicht.
    Es drängte sie, zu reden. Und wenn sie einen Menschen auf der ganzen Welt hätte aussuchen können, damit dieser zuhörte - sie hätte Thyras gewählt. Doch es gab momentan wichtigere Dinge.
    “Thyras, der … junge Mann, der mit uns gekommen ist … er ist sehr krank.” Mit einem Mal fehlten ihr die Worte. “Artax … hat ihn mit der Dunkelheit angegriffen. Jetzt fiebert Nate und …”
    Ihr Mentor hatte aufmerksam zugehört. “Es ist wie bei Tenebris damals und du hoffst, dass ich inzwischen einen Weg gefunden habe, um ihm helfen zu können?”
    Sie hob den Kopf und sah ihn an. “Hast du?”
    “Nein, Astra.” Mitleidig schüttelte er den Kopf. “Ich habe euch Elementale erschaffen, doch ich bin nicht Herr über die Elemente. Das geht über meine Kräfte. Ich kann ihm nicht helfen.”
    “Aber du bist so klug, Thyras. Du könntest seinen Körper vielleicht so verändern, dass er nicht sterben muss …” Sie merkte selbst, wie verzweifelt es klang.
    “Schon mit eurer Manifestation bin ich zu weit gegangen, Astra. Ich werde an keinem anderen Menschen Erbgutveränderungen durchführen.”
    Der kleine Glücksfunken in ihrem Inneren, den sie seit ihrem Wiedersehen zu spüren geglaubt hatte, erlosch. Doch sie verstand Thyras.
    “Gut, ich sehe ein, dass du Nate nicht helfen kannst. Aber da ist noch jemand, der für dich sicher interessant wäre.”


    Als Thyras das Mädchen mit Astra und einem anderen Mann in den Saal kommen sah, schien ihm jemand in den Magen zu boxen. Er schnappte nach Luft, während in atemberaubenden Tempo Das kann nicht sein! Das kann nicht sein! durch seinen Kopf schoss. Die Kleine kam langsam auf ihn zu und sein Herz narrte ihn, er sah doppelt, andere Bilder schoben sich vor die schmale Gestalt, ähnliche Bilder, dasselbe Kind, die Haare, die hellblauen Augen … er erblickte dieses kleine Mädchen und wusste tief in sich, wie es aussah, wenn es weinte, wie sein Lachen klang, wie sich eine kleine Furche über der Nasenwurzel bildete, wenn es nachdenklich war … doch es konnte nicht sein!
    Vorsichtig ging er in die Knie, registrierte jede ihrer Bewegungen. Ihre Blindheit war unverkennbar, sie ließ die Hand ihres Begleiters mit den dunkelblonden Wuschelhaaren nicht los und tat jeden Schritt behutsam, fast misstrauisch.
    Schließlich stand sie vor ihm. Sommersprossen zierten ihre Nase, obwohl sie so gut wie nie draußen gewesen sein konnte. Doch er wusste, wie sie aussehen würde, wenn ihr die Sonne wirklich einmal einen ganzen Tag lang ins Gesicht strahlen würde …
    “Hallo!”, flüsterte er rau und seine Kehle fühlte sich merkwürdig eng an. Lachen klingelte in seinen Ohren, Lachen aus einer Zeit lange vor dem Krieg, als es noch blühende Wiesen und bunte Kleidung gegeben hatte, Bewegung an der frischen Luft und Musik … vor seinem inneren Auge hüpfte das Mädchen mit dem hellen Seidenhaar über einen Weg, gesäumt von jungen, grünen Birken, und lachte …
    “Hallo”, murmelte das Kind zurück. Ihr Freund drückte ihre Hand und in ihrem Mundwinkel erschien ein kleines Lächeln.
    Es bohrte sich in sein Herz, das Lächeln und die Stimme. Zufall!, schrie sein Verstand, es kann nicht sein!
    “Ich bin Thyras.” Er musste sich räuspern, weil seine Stimme ihm den Dienst versagte. “Wie heißt du denn?”
    Sie zögerte kurz, dann lächelte sie wieder und schmerzhaft vertraute Grübchen erschienen auf ihren Wangen. “Ivy.”
    Mit einem Paukenschlag blitzte das Bild einer sich abwendenden jungen Frau im weiten Mantel vor ihm auf. Heißer Wind bauschte ihren Kleidung und trieb ihm die Tränen in die Augen, während er die Fäuste ballte, als könne er ihre letzte Berührung damit für immer festhalten. Ivy …
    Thyras fiel in einen Strudel voll von Tränen, Kinderlachen und sehnsüchtigem Schmerz. Von ferne drang noch ein überraschter Laut an ihn, doch dann umfing ihn gnädige Dunkelheit.

    millitärische Jargon

    ich habe mich extra bei meinem ehemaligen Bundeswehr-Bruder rückversichert, damit es militärisch korrekt klingt.


    Und du hast recht, Nate ist nicht aufgewacht - das Setting ist also quasi in seinem Kopf und da hineinzugucken, gruselt selbst mich ... wer weiß, was da noch alles auftaucht ...

    Astra war erschöpft. Sie fühlte sich geradezu ausgelaugt. Die Sorge der letzten Tage, die Eile und die fehlende Ruhe, der Kummer um die anderen und die Anspannung … all das schien sie regelrecht in den schmalen Sitz des Transporters zu pressen. Erleichtert darüber, dass Atesch fuhr, schloss sie die Augen. Nates Kopf ruhte immer noch auf ihrem Schoß.
    Der junge Mann war unruhig, er murmelte tonlose Worte, die Augen unter den geschlossenen Lidern rollten hin und her und seine Haare klebten, nass vor Schweiß, an Astras Hose.
    Sus Wasser sollte das Fieber in Schach halten, doch der immer finsterer werdende Blick der Kameradin zeigte Astra, dass das wohl nicht so ganz funktionierte. Sie selbst hatte ebenfalls den Eindruck, dass Nate immer mehr Wärme abstrahlte und versuchte sich krampfhaft zu erinnern, ob es bei Tenebris damals auch so schnell gegangen war. Hoffentlich erreichten sie die Veste bald und hoffentlich konnten sie Nate dort helfen. Andererseits hatte der Hort über die beste medizinische Versorgung verfügt und Tenebris war trotzdem gestorben …
    Sie musste wohl weggedämmert sein, denn als das Motorengeräusch plötzlich anders klang, schreckte sie hoch. Der Transporter war in einer riesigen Halle zum Stehen gekommen. Angespannt blickte sie sich um.
    In Reih und Glied standen hier verschiedenste Fahrzeugtypen fein säuberlich nebeneinander. Geländefahrzeuge, Motorräder, Panzer, sogar Flugzeuge. Das andere Ende der Halle schien unendlich weit weg. Stimmen riefen einander Befehle zu, Motoren heulten auf, Seitentore wurden geöffnet. Marschierende Schritte kamen näher und eine Gruppe Soldaten geriet in ihr Blickfeld, die vor ihrem Auto Aufstellung nahmen.
    Atesch sprang heraus und salutierte vor einem Mann mit raspelkurzem blondem Haar, Hakennase und einem leuchtend roten Band quer über der Brust.
    “Elementaler Atesch meldet sich zurück, Sir. Operation durchgeführt, Operationsziel mit Kollateralschaden erreicht. Ein Leichtverletzter, ein Schwerverletzter.”
    Der Ranghöhere nickte, ohne eine Miene zu verziehen. Sein prüfender Blick glitt über die Truppe im offenen Fahrzeug. Er musterte die Staubschicht, welche sie alle überzog und die einzelnen Passagiere. Schließlich blieb er bei Nate hängen und verharrte dort kurz. Dann wandte er sich zackig ab.
    “Sergeant Benedict, bringen Sie diese Leute ins Lazarett, sie sollen komplett durchgecheckt werden. Anschließend begleiten Sie sie in ihre Quartiere und sorgen dafür, dass alle etwas zu essen bekommen. Ich erwarte Ihre Meldung.”
    Der Angesprochene , ein Mann in Retts Alter mit schulterlangem schwarzem Haar und einer wulstigen Narbe am Kinn, nickte hastig.
    “Elementaler Atesch, Elementale Su, der Militärrat hat dieser Operation höchste Priorität eingeräumt. Sie werden schnellstmöglich im Sitzungssaal erscheinen und Bericht erstatten.” Noch einmal betrachtete Ateschs Vorgesetzter die Neuankömmlinge eingehend, dieses Mal besonders Astra. “Sie werden ebenfalls erwartet. Sergeant Benedict wird Sie nach Ihrer medizinischen Untersuchung in die Empfangshalle begleiten.”
    Hakennase trat beiseite und machte zwei Soldaten Platz, die Nate behutsam aus dem Fahrzeug hoben. Ein weiterer Soldat wollte Rett Ivy abnehmen, damit dieser besser aussteigen konnte. Doch der Mechaniker schüttelte mit grimmigem Gesicht den Kopf. Er gab das Kind nicht aus den sicher immer noch schmerzenden Händen. Su lächelte Astra aufmunternd zu, dann folgten sie und Atesch dem abmarschierenden Vorgesetzten und ließen die Truppe bei Sergeant Benedict zurück.
    Es gibt keine Farben in der Veste, dachte Astra, als sie diesem dann schließlich aus der Halle heraus zu einem Flur voller Lifte folgten. Die Gänge im Hort waren auch nicht bunt, aber hell und blitzsauber. Hier in der Veste wirkten die Wände schroffer, es roch muffig nach Treibstoff, feuchter Kleidung und Schweiß. Die Menschen, die ihnen entgegen kamen, trugen entweder die schwarze rüstungsähnliche Uniform oder eine leger geschnittene Alltagskleidung in tristem Dunkelgrau und verschmolzen optisch mit den Wänden. Lediglich die Abzeichen auf den Schultern Höhergestellter boten winzige Aufheller, doch diese reichten nicht, um die Tristess, welche die Veste verströmte, abzumildern.
    Ihr Lift fuhr nach unten und Astras Gedanken flogen wieder zu Nate. Wo war er jetzt? Konnte man ihm helfen? Wieviel Zeit blieb ihm noch? Sie versuchte, sich in Erinnerung zu rufen, wie lange Tenebris im Delirium gelegen hatte, doch die Müdigkeit zerrte hartnäckig an ihr und ließ sie kaum einen klaren Gedanken fassen … die Gesichter der beiden Männer verschwammen vor ihrem inneren Auge, schwirrten wie körperlose Fratzen um sie herum …
    Das Lazarett, kontrolliert von einer Gruppe Kittelträger, schien heller gestaltet. Die Zimmer waren durch Glasfenster getrennt, sodass ein Mediziner mehrere Betten gleichzeitig im Blick behalten konnte. Sie lagen alle auf der rechten Seite eines breiten, endlos langen Ganges. Links befanden sich offenbar Untersuchungszimmer, jedenfalls winkte eine in schmutziges Weiß gekleidete Gestalt Astra in ein solches.
    Sie musste die Kleidung ausziehen und sich auf eine Trage legen. Diese fuhr automatisch in einen großen schwarzen Kasten. Astra lag ganz still, während ihr Körper in mehreren Durchgängen gescannt wurde. Eine weibliche Stimme verkündete monoton ihre Werte. Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Blut-ph-Wert, Hautzustand … sie wusste nicht, ob die Zahlen in Ordnung waren oder nicht, es kümmerte sie auch nicht. Fast schien es ihr, als würde sie in der warmen Dunkelheit schweben. Weinte da nicht Ivy? Wo war Nate …
    Anscheinend war ihre Kraftlosigkeit entdeckt worden, denn als sie aus den Tiefen des Scanners auftauchte, stand ein neuer Kittelträger mit einer Nierenschale voller aufgezogener Spritzen vor ihr. Und obwohl sie Nadelstiche nicht sonderlich mochte, musste sie zugeben, dass es ihr nach den Injektionen doch deutlich besser ging. Zumindest schienen ihre Füße sie wieder tragen zu wollen und der Boden schwankte nicht mehr. Auch konnte sie jetzt klare Gedanken fassen.
    “Wo ist Nate?” Noch während sie diese Worte aussprach, überlegte sie, ob Nates wahre Identität hier inzwischen bekannt war und ob sie durch ihre Flucht nur vom Regen in die Traufe gekommen waren. Was, wenn die Veste Nate einfach zurückschickte oder das Urteil selbst vollstreckte? Würden sie ihn aufpäppeln, nur um ihn hinzurichten, oder sollte er einfach hier im Lazarett sterben?
    “Wenn Sie so weit sind, Elementale Astra, würde ich Sie in die Empfangshalle begleiteten.” Sergeant Benedict war ins Zimmer gekommen und musterte sie. “Sie werden erwartet.”


    Endlich ließ der gleißende Schmerz in seinem Schädel nach. Langsam öffnete er die Augen und stellte fest, dass er zumindest sehen konnte. Zwar fühlte es sich so an, als hätte Artax seinen Schädel einfach gespalten, doch sein Sehvermögen funktionierte … er lebte noch …
    Er lag flach auf dem Rücken und über ihm spannte sich der bizarrste Himmel, den er je gesehen hatte. Doch bevor er diesen richtig erfassen konnte, spürte er, dass er sank. Sein Körper wurde von einer kalten Masse umhüllt, die ihn nach unten zu ziehen schien. Als er die Arme heben wollte, schlang sich Schlamm um sie, wie lebende Schlangen aus Matsch. Mit einem erschrockenen Aufschrei wälzte er sich zur Seite. Schmatzend gab der dunkle Boden seine Beine frei und er landete schließlich keuchend auf den Knien.
    Rasch blickte er sich um. Seine Nackenhaare stellten sich warnend auf, als blasser Nebel um ihn herum aufwallte. Und dann bildete der Nebel eine Gestalt und diese Gestalt sah ihn an und schrie und Nate schrie ebenfalls, das Entsetzen quoll aus ihm heraus und überwältigte ihn.
    Er war noch am Leben. Artax hatte ihn lebendig zur Hölle fahren lassen.


    Ein gefallener Krieger


    Müde schlug Thyras die Augen auf. War er etwa eingeschlafen? Hier am Schreibtisch? In seinem Rücken zog es unangenehm, als er sich aufrichtete, und seine Arme, auf die er seinen Kopf gebettet hatte, kribbelten unangenehm.
    Auf dem Tisch lag, warm und beschlagen von seinem Atem, das Datenpad, an dem er vorhin noch gearbeitet hatte. Der Militärrat war sehr interessiert an seinem Projekt und hatte ihn dazu intensiv befragt. Viele Fragen konnte er beantworten, wenn auch nicht alle zu voller Zufriedenheit, doch einiges galt es, noch einmal zu prüfen und zu recherchieren.
    Glücklicherweise hatte er all sein Material hier. Mit dem Zeigefinger wischte er über das Pad. Schob er Daten über den Rand hinaus, erschienen diese als Hologramm über der Schreibtischplatte, sodass er immer alles im Blick behalten konnte. Dass seine gesamten Dateien hier waren, zusammen mit ihm, erschien ihm wie ein Wunder. Zu viel war in den letzten Wochen geschehen.
    Eine wischende Bewegung und acht Fotos stiegen über dem Schreibtisch auf, blass leuchtend, vier Frauen, vier Männer, alle mit ernster Miene. Eine weitere Bewegung, drei der Bilder verschwanden, hinterließen nur ein Flackern und einen wehmütigen Stich im Herzen ihres Betrachters. Eines flackerte und fing an, stumpf zu blinken. Verbleib unbekannt ….
    Während seines Arrestes im Hort hatte Thyras viel Zeit gehabt, über das nachzudenken, was seinen Zöglingen widerfahren war. Er war sich keines Fehlers bewusst, trotzdem gab er sich die Schuld an den Geschehnissen, da er als Leiter des Experimentes für die sieben jungen Leute verantwortlich gewesen war. Und er hätte es durchaus verstanden, wenn diese ihn aus Zorn, Angst oder Selbstschutz einfach sich selbst überlassen hätten.
    Doch Su und Atesch waren zurückgekommen. Sie hatten sich in der Veste einflussreiche Verbündete gesucht und den Militärrat von den Vorteilen des Projektes überzeugt. Getarnt als Wachpersonal waren sie im Hort aufgetaucht, hatten in dieser Funktion seinen Aufenthaltsort herausbekommen und ihn mit einigen anderen Soldaten klammheimlich in die Veste gebracht, zusammen mit all den Daten, die der Rat vorher hatte konfiszieren lassen.
    Er hätte eine Menge dafür gegeben, Artax’ Gesicht sehen zu dürfen, wenn diesem berichtet wurde, dass der Vogel ausgeflogen war. Bei dem Gedanken an den jüngsten seiner Schützlinge verwandelte sich der wehmütige Stich von eben in einen Strudel widersprüchlichster Gefühle.
    Artax hatte sich die Dunkelheit selbst genommen und gerissen, wie er war, dabei den besten Zeitpunkt gewählt - den Moment, als die anderen sechs ihre Manifestation gerade hinter sich hatten und Thyras sie während ihres Hyperschlafs überwachte. Er war in Thyras’ Datenpad eingedrungen und hatte mithilfe zweier Verschwörer die Mutation an sich selbst durchgeführt. Mutig, das musste man ihm zugestehen, auch wenn die Verschwörer ihre Mithilfe sicherlich mit einem Besuch in der Aufwertung bezahlen mussten.
    Natürlich war Thyras aufgefallen, dass sich jemand an seiner Forschungsarbeit zu schaffen gemacht hatte, doch er konnte nichts beweisen. Artax selbst gab sich unverändert. Bis zu diesem Moment, als er sie alle an den Rat verriet …
    Thyras ballte die Fäuste, als der Zorn in ihm hochwallte. Gleichzeitig bekümmerte es ihn zutiefst, wenn er an dieses Gespräch zurückdachte.
    Für Artax musste es ein Moment puren Triumphes gewesen sein. Er hatte , lässig auf Thyras’ Schreibtisch gestützt, vor seinem Mentor gestanden und diesem erklärt, dass die gesamte Arbeit mehrerer Jahre vor dem Rat offengelegt sei. Es wäre mit seinem Gewissen unvereinbar gewesen, hatte er grinsend gesagt, wenn er dieses Geheimnis weiter mit sich hätte herumtragen müssen.
    Thyras schnaubte, klopfte auf das Datenpad und die Bilder verschwanden. Artax hatte kein Gewissen, das wussten sie alle. Der junge Mann war von Rachsucht getrieben worden. Weil er die Dunkelheit nicht bekommen hatte, weil er, wie so viele andere im Hort, in einem gewöhnlichen Status verblieben und nichts Besonderes geworden war. Und natürlich, um den Mord an Tenebris seinem Mentor in die Schuhe schieben zu können.
    Als Artax das gesagt hatte, war Thyras für einen Augenblick vor Schrecken wie gelähmt gewesen. Einerseits hatte er die abgrundtiefe Erleichterung gefühlt, dass der Tod des Elementalen der Dunkelheit nicht seine Schuld gewesen war. Gleichzeitig überschwemmten ihn die Trauer und die Wut auf den Mann vor ihm, der einen Kameraden aus bloßer Eifersucht umgebracht hatte. Denn auch wenn Artax seine Gründe für diese furchtbare Tat nicht äußern wollte - Thyras war weder blind noch dumm. Er hatte beizeiten erkannt, wie es um den Außenseiter seiner Truppe bestellt war, er hatte die Gier in seinem Herzen gesehen und sich deswegen auch gegen eine Manifestation für Artax entschieden. Doch diese Gier war das Todesurteil für Tenebris gewesen.
    Er hatte sofort den Rat informieren wollen. Sicher wäre es auch gelungen, Artax festzusetzen, wenngleich die Beweise für einen Mord fehlten.
    Allerdings war sein Zögling schneller gewesen und hatte dem Rat nicht nur Thyras’ gesamte Daten übergeben, sondern die Soldaten für dessen Verhaftung gleich mitgebracht.
    Ohne Anhörung, ohne Verhandlung schlossen sie Thyras in seinen Wohnräumen ein. Er durfte sein Appartment nicht verlassen. Jeglicher Kontakt nach außen war untersagt. Sein Forschungsmaterial wurde konfisziert und man wies ihm einige Projekte zu, um seinen Geist zu kontrollieren. Auf diese stürzte er sich dankbar, da die Sorge um den Rest seiner Familie ihn sonst aufgefressen hätte.
    Artax war damals täglich erschienen. Meist hatte er ihn nur mit höhnischen Lächeln bei der Arbeit zugesehen, manchmal brachte er ihm Neuigkeiten mit. So berichtete er Thyras über den Versuch, die Elemente miteinander zu neutralisieren. Und vom Tod der Zwillinge.
    Als er davon erfahren hatte, war Thyras kurz davor gewesen, Hand an sich zu legen und sein Leben ebenfalls zu beenden. Nie, nie hatte er so etwas auch nur erahnen können geschweige denn selbst in Erwägung gezogen. Viento und Tierra, die Luft und Erde beherrschten, waren die Unauffälligsten in seiner Gruppe gewesen - nicht so heißblütig wie Atesch, nicht so kühl kalkulierend wie Su und nicht so durchtrieben wie Artax. Dafür stark und mutig. Damit waren es schon drei Elementale, die ihr Leben verloren hatten. Oder eigentlich vier … ?
    Dann kam der Ausbruch von Astra, Su und Atesch, ein Ereignis, dass Artax offenbar die Laune verdorben hatte, jedenfalls kam er von diesem Tage an nicht mehr. Es war eine trotzdem eine sehr unruhige zeit für Thyras gewesen, eingesperrt, nur mit seinen Gedanken als Gesellschaft. Jedenfalls solange, bis Su und Atesch wieder in der Tür standen, gekleidet in die schwarze Uniform der Soldaten.
    Sie hatten ihm mit knappen Worten erklärt, was geschehen war und dass Astra durch simple Erpressung in den Hort zurück gelockt werden sollte. Da Astra ein durch und durch guter Mensch war, konnte sie Artax’ Bedingungen nur nachgeben. Der Plan lautete, sie nach ihrer Ankunft im Hort schnellstmöglich aus eben diesem herauszuschleusen und in die Veste zu bringen - weg von Artax, weg von den Menschen, die sie ihrer Kräfte berauben wollten. Doch da gab es noch ein paar andere Leute, die mit ihr gereist und nun mit ihr verhaftet worden waren …
    Thyras seufzte und ließ die Fotos noch einmal aufploppen. Die Portraits von Tenebris und den Zwillingen verschwanden. Artax’ Konterfei wischte er entschlossen beiseite. Drei übrige Bilder leuchteten ihn an, das vierte jedoch blickte wieder. Die junge Frau mit den hellen Haaren und der ernsten Miene … Verbleib unbekannt …
    Es klopfte energisch und gleich darauf surrte die Tür auf. “Sie sind zurückgekehrt, Meister Thyras. Der Militärrat wünscht eure Anwesenheit in der Ankunftshalle.”
    Die Hologramme verschwanden und Thyras wandte sich um. “Ich komme.”

    Huhu, Rainbow



    Und huhu, spaetzuender , willkommen in meiner Story! Freu mich, dass es dich interessiert- Fragen, Kommentare, Meinungen und Protestgeschrei? Immer her damit! LG Kiddel Fee!

    LadyK , Rainbow , ich stehe auf dem Schlauch wegen dem Perspektivwechsel - seh wahrscheinlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Könnt ihr genau sagen, wo?:blush:


    Ansonsten gehts jetzt mal weiter....




    Doch wider erwarten erreichten sie ihren Transporter ohne Probleme. Auch das große Tor wurde ihnen geöffnet und die Schleuse passierten sie beinahe schon zu leicht. Scheinbar hatte der Rat angewiesen, sie gehen zu lassen, damit der Hort nicht noch einmal beschädigt wurde.
    Su fuhr den Transporter, Atesch stand neben ihr und behielt die Gegend genau im Blick. Rett und Ivy saßen hinter dem Fahrersitz. Nate hatten sie auf die Rückbank gelegt, sein dunkler Haarschopf ruhte auf Astras Bein. Er rührte sich nicht und gab keinen Laut von sich.
    Sie ließen den Hort schnell hinter sich und Atesch versicherte ihnen regelmäßig, dass sie nicht verfolgt wurden. Trotzdem atmete Astra verstohlen auf, als sie die Felsen erreichten, in denen die Fahrzeuge versteckt waren. Vor nicht einmal vierundzwanzig Stunden war sie mit den beiden Männern aufgebrochen. Seitdem war soviel passiert, die Ereignisse hatten sich regelrecht überschlagen und sie alle nur funktioniert, ohne Zeit zum Begreifen zu haben.
    “Das ging aber schnell.” Victoria kam aus der Höhle herausgeeilt. Rasch wanderte ihr Blick durch die Reihen, dann entdeckte sie Rett und stürzte zu ihm. Der Mechaniker verlagerte Ivys Gewicht auf den linken Arm und streckte die Rechte nach der dunkelhaarigen jungen Frau aus. Fast schon schroff zog er sie an sich und schloss mit erleichterter Miene die Augen, während sie ihr Gesicht an seiner Schulter verbarg.
    Atesch betrachtete die beiden kurz, dann umrundete er das Auto und kam zu Astra hinüber. Prüfend glitt sein Blick über Nates blasses Gesicht. Dann hob er den Bewusstlosen hoch. “Er sieht schlecht aus, Astra.”
    Sie nickte stumm. Nachdem sie die Schleuse hinter sich gelassen hatten, war Nate bereits weggedämmert. Die Lider über den tiefschwarzen Augen schlossen sich, er verlor jede Gesichtsfarbe und sein Atem ging flach und keuchend. Unruhig zuckten seine Hände, doch jeglicher Versuch Astras, ihn zu beruhigen, war erfolglos geblieben. Stattdessen begann sein Körper merklich wärmer zu werden. Das Fieber kam.
    Genau wie Tenebris, höhnte Artax’ Stimme in ihrem Kopf. Der ursprüngliche Elementale der Dunkelheit war trotz der medizinischen Versorgung im Hort am Fieber gestorben.
    Su holte den Proviantbeutel aus dem Fußraum und begleitete Atesch in die Höhle.
    Rett folgte ihnen und Victoria kam zu Astra herüber.
    “Es lief anders als geplant, oder? Die Frau mit der dunklen Haut ist doch nicht Kay?”
    “Nein, es ist Su. Und der Mann, der Nate getragen hat, ist Atesch.” Astra seufzte. “Ich erkläre es dir dann.”
    Victoria runzelte die Stirn. “Dann ist Kay im Hort geblieben?”
    “Sie ist tot.”
    Stille folgte diesen Worten. Victoria öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder und blickte den Männern nach. Ohne etwas zu sagen, gingen sie zur Höhle, zu den Hinterbliebenen.
    Die Wasserelementale hatte Nate mit wenigen Handgriffen ein Lager bereitet. Er ruhte auf mehreren Decken an der Rückwand ihrer Unterkunft, geschützt vor Wetter und Zugluft. Su hatte sich neben ihm in den Schneidersitz niedergelassen. Ihr Wasser formte ein kühlendes Band um Nates heiße Stirn und seine Handgelenke. Sie verzog kurz den Mund, als sie Astras Miene sah. “Für den Moment mag es helfen, aber er braucht dringend professionelle Hilfe. Wir haben keine Zeit zu verlieren.”
    Rett hockte gleich neben dem Krankenlager und strich beruhigend murmelnd über Ivys blonde Haare. Die Kleine hing noch immer an ihm und schluchzte leise. Obwohl seine Stimme warm klang, war der Blick, den er auf Nate warf, hoffnungslos und leer.
    Victoria kam zu den beiden und nahm neben ihnen Platz. “Was ist denn nur mit Nate passiert?”
    “Das würde ich auch gerne wissen”, knurrte Atesch. “Und wieso ist unser Plan schiefgegangen? Drei Leute, die es zu befreien und zu beschützen galt. Drei Elementale. Wo war das Problem, Su? Wieso kamst du zu spät?”
    Su wies mit dem Kinn zu Ivy hinüber, ohne den Blick von Nate abzuwenden. “Die Kleine war nicht in ihrem Zimmer. Ich stand pünktlich an ihrer Tür, um sie noch vor der Versammlung rauszubringen, aber sie war schon weg. Und bis ich herausbekommen hatte, dass Artax sie bei sich hat, war es bereits zu spät.”
    Atesch, der laut Plan eigentlich Rett hätte beschützen sollen und dann aber Nate gerettet hatte, schaute finster, doch erwiderte nichts. Es war nicht Sus Fehler gewesen, das wusste er.
    Astra sah zu Nate hinüber. Sein Anblick brannte sich wie Säure in ihr Herz. Was war mit ihm? Was genau hatte Artax mit seiner Dunkelheit angerichtet? Würde er wirklich sterben müssen, wie Tenebris…? Wenn ja, wie sollte sie mit dem Wissen, dass dies ihre Schuld war, weiterleben?
    Victoria musterte den Besinnungslosen ebenfalls, ihre Miene war nachdenklich. Sie hatte weder Artax noch dessen Fähigkeiten erlebt.
    Aber noch einmal zu erklären, wieso Nate in diesem Zustand war, warum sie jetzt hier gelandet waren und weshalb Kay es nicht geschafft hatte, überstieg mit einem Mal Astras Kräfte. Sie war müde und doch aufgewühlt, sie lauschte schon nach potenziellen Verfolgern, wohl wissend, dass sie dank dem kleinen Fetzen Dunkelheit in sich von Artax gefunden werden konnte …
    “Wir müssen weiter”, mahnte Atesch. Er hatte Sachen eingeladen und stand nun unruhig neben den Fahrzeugen. “Wenn wir gut fahren, sind wir bei Einbruch der Dunkelheit in der Veste. Wir nehmen den Transporter, damit wir alle zusammen bleiben können, falls doch etwas passiert unterwegs.”
    Su erhob sich und ließ ihr Wasser sorgfältig in die beiden Beutel an ihrem Gürtel zurückfließen. “Dann los.”

    Eventuell könnte Kayra das jedoch ganz kurz ansprechen und Henry z.B. fragen, ob er überhaupt daran gedacht hat, dass man ihn schon längst verfolgen könnte und er die anderen damit zu ihr geführt hat.

    Naja weiß nicht recht


    Ich hatte mehr die Sorge, dass er mit unbekannten Dateien Kayras gesamtes System verseucht oder so...

    Hallo , Oriane !


    Ich hab den letzten Post ja völlig übersehen, entschuldige bitte die späte Rückmeldung.


    Auch hier hat mir die Beschreibung von Kayras Werkstatt und ihrer Wohnung sehr gut gefallen, sehr leicht und flüssig zu lesen. Kayra würde ich gerne einmal Vic vorstellen - oder umgekehrt. Diese Werkstattmädels würden sich bestimmt gut verstehen!


    Anbei noch einige Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind

    Sie beide hatten einiges des mateikanischen Geschmacks geerbt

    sie "erben" ziemlich viel in diesem Abschnitt. Findest du noch ein alternatives Wort? Es fällt schon deutlich auf^^

    das hatte noch Zeit, bis das erste Geld ihn erreicht hatte. Erst dann konnte er sicher sein, dass sein Auftraggeber es ernst gemeint hatte.

    vllt kannst du hier ein anderes Hilfsverb einbauen, damit du nicht 3x "hatte" verwenden musst

    Kayra hatte viel mehr vom Aussehen ihrer Mutter geerbt, als er,

    das Komma kann raus

    »Komm schon, warum bist du wirklich hier.

    Fragezeichen




    Ansonsten warte ich neugierig auf mehr!

    Gleich vornweg - ich bin mit diesem Teil überhaupt nicht zufrieden. Spart nicht an Kritik, sie kann mich nicht niederschmettern^^


    Mein Problem ist momentan, dass ich den kniffligen Ausbruch aus dem Hort erst einmal ausgelassen und an anderer Stelle schon mal weiter geschrieben habe - jetzt muss ich die beiden Teile quasi verknüpfen, aber ich glaube, das gelingt mir gerade nicht so gut ... andererseits kann ich nicht sagen - denkt euch mal den Ausbruch, wir machen woanders weiter...


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    Mit zwei Sätzen war er bei der Kleinen, riss sie hoch und hielt sie fest an seine Brust gedrückt.
    “Los gehts!” Atesch rannte, so schnell es ihm mit Nate über den Schultern möglich war, zu den Podeststufen und traf unten mit den anderen zusammen. Die Feuerwand auf der Plattform verschwand und formte viele kleine Flammenbälle, die so schnell um die kleine Gruppe herumschwirrten, dass sie leuchtende Spuren in der Luft hinterließen. Sus Wasser kam hinzu und die beiden Elemente formten einen mobilen Schutzschild. Noch feuerte niemand, aber jeden Moment konnte der Befehl dazu kommen ...
    “Bitte sag mir, dass wenigstens unser Fluchtfahrzeug bereit ist!” Astra hastete an Ateschs Seite auf das Große Tor zu. Dahinter, in den dunklen Gängen, wollten sie laut Plan in den Fahrzeughof abbiegen, wo ein von dem Elementalen des Feuers ein platzierter Transporter platziert warten sollte. Allerdings war jetzt bereits so viel schief gegangen, dass es sie nicht gewundert hätte, wenn irgendein unwissender Mensch das Auto inzwischen wieder weggefahren hätte.
    Atesch schnaubte entrüstet und ließ seine Feuerbälle zwischen die Soldaten schießen, die vor dem Tor aufgebaut die Flüchtenden erwarten. Wie erhofft sprangen sie zur Seite und gaben den noch geöffneten Durchgang preis. Immer noch war kein Schießbefehl erklungen. Was stimmte da nicht? Es war keine Zeit, darüber zu grübeln. Sie mussten hier raus.
    Sus Wasser schirmte sie von hinten ab. Als sie den Tunnel erreichten, verharrte es im Eingang und wurde zur Eismauer. Zumindest von dieser Seite aus würden sie so schnell nicht verfolgt werden.
    Sie gestatteten sich eine winzige Pause zum Durchatmen. Astra stützte sich auf die Knie und holte Luft. Ihr Blick huschte von einem zum anderen.
    Ivy klammerte sich an Rett wie eine Klette und schluchzte an dessen Schulter, während Rett mit versteinerter Miene zu Nate sah.
    Der junge Mann rührte sich nicht. Wie eine Puppe hing er über Ateschs Rücken. Atesch selbst gab ein angestrengtes Grunzen von sich, als er seine Last mit einem Ruck in eine bequemere Position beförderte.
    “Der Transporter steht in der B-Halle. Bis dorthin müssen wir es schaffen. Von dort aus trennen uns nur noch das Tor und die Schleuse des Kraftfelds von der Freiheit. Die müssen wir notfalls öffnen, wenn sie nicht so klug sind , und den Weg freizumachen.”
    Su nickte, ohne von ihrer Eiswand wegzusehen. Mit ausgestreckten Händen hielt sie das Wasser unter Kontrolle, erspürte die Bewegungen der Menschen außerhalb des Tunnels. Sie beherrschte ihr Gabe perfekt und hatte schnell gelernt, was sie damit alles anstellen konnte. Wasser war überall. Es zu manipulieren bedeutete, die Umgebung für sich zu nutzen.
    Jetzt schloss sie kurz die Augen. “Wir haben nicht viel Zeit. Sie räumen den Hof über die Seiteneingänge. Wenn die Leute zwischen uns und die Halle geraten, sitzen wir in der Falle, wenn wir nicht Unschuldige verletzen wollen.”
    Atesch nickte grimmig. “Dann los.”
    Hinter ihnen krachte es laut, scheinbar rückten die Soldaten Sus eisiger Barriere zu leibe und versuchten, diese niederzureißen. Noch hielten die Elemente stand und den Flüchtenden ihre Verfolger vom Leibe, doch Astra wollte sich nicht vorstellen, dass sie Menschen tatsächlich würde angreifen müssen. Hoffentlich bekam niemand den Befehl, ihnen den Weg zu versperren …bei ihrem letzten Ausbruch hatten sie die Mauer in Trümmern gelegt und dabei sicher einige Leute verletzt, das wollte sie nicht noch einmal tun ...
    Sie folgte Atesch in einen weiteren Hof, achtete kaum darauf, wohin sie ihre Füße trugen. Ihr Blick galt Nate, alles andere - Ivys Weinen, hektische Schritte, Sus Nachhut - drangen nicht zu ihr durch. Trotzdem pochte es immer noch hartnäckig in ihrem Hinterkopf - warum griffen die Soldaten nicht an? Es wäre ein Leichtes, ihnen durch die anderen Gänge den Weg abzuschneiden? Vielleicht fürchtete der Rat ihre Fähigkeiten und ließ sie ziehen, um größeren Schaden zu vermeiden. Oder sie rannten jetzt direkt in eine Falle.