Beiträge von Kiddel Fee

    So, es geht weiter. Ich bitte um besonders kritisches Lesen, weil es jetzt recht turbulent wird. Wenn etwas unklar ist oder nicht deutlich wird, wer wo was macht, bitte unbedingt und gnadenlos nachfragen^^


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    Für einen Moment glaubte Astra, sich vor Ekel direkt auf Artax’ Füße übergeben zu müssen. Seine Nähe, seine Berührung waren ihr derart zuwider, dass sie nicht einmal einatmen wollte. Er schien ihr jeden Moment den Arm brechen zu wollen.
    “Was denkst du, Astra?”, spottete Artax. “Keinen Kuss für deinen neuen Partner?”
    Angewidert bog sie den Kopf zurück, doch er ließ nicht zu, dass sie Abstand zwischen ihn und sich brachte. Seine Lippen kamen bedrohlich näher -
    “Das würde ich lassen”, erklang eine kalte Männerstimme direkt hinter Artax. Der erstarrte mitten in der Bewegung. Kurz weiteten sich seine Augen vor Schreck, doch dann hatte er seine Gesichtszüge unter Kontrolle und fand mühelos seine joviale Miene wieder. Ohne Hast richtete er sich zu voller Größe auf und wandte sich um.
    Eine Feuersäule schoss auf ihn zu und hinterließ eine Spur aus flackerndem, mannshohen Flammen auf dem Boden. Blitzartig zog Artax seine Hand von Astras Arm und sprang zwei Schritte zurück, wobei er eine der Wachen auf dem Podest umstieß. Atesch lenkte sein Feuer elegant um Astra und Nate herum und schuf eine Wand aus flackernder Hitze direkt vor den übrigen Soldaten auf dem Podest. Noch während diese einander erschrockene Worte zuriefen, war der Elementale zu Nate und Astra herübergekommen. Ohne große Anstrengung zog er Nate auf die Füße und fing ihn mit seinem Oberkörper ab, als der Verurteilte kraftlos zusammensackte.
    Der Plan ... Wieso war Su nicht schon längst aufgetaucht? Wo steckte sie nur? Sie brauchten die dritte Elementale, ohne sie würden es die Gruppe nicht heil hinaus schaffen.
    “Astra, tu etwas! “, brüllte Atesch und durchbrach ihre Schockstarre. Mit der Rechten fixierte er Nate auf seiner Schulter, mit der ausgestreckten Linken hielt er die Flammen vor den Wachen aufrecht, doch in den Rängen um das Podium kam es zum Tumult. Jeden Moment würden weitere Soldaten eintreffen und ohne Bedenken feuern. Schon hallten die schnellen gleichmäßigen Schritte der Verstärkung über den Hof und Befehle gelten durch die Luft. Die Soldaten strömten aus dem Tor, das eben schon Nate freigegeben hatte.
    Als Astra herumfuhr , blickte sie in die Mündungen vieler auf sie angelegten Waffen. Atesch stieß einen knurrenden Laut aus. Er hielt die Wachen auf der Plattform in Schach und konnte keine zweite Flammensäule auf der entgegengesetzten Seite erschaffen, ohne Nate fallenzulassen. “Los jetzt!”, drängte er.
    Astras Hände erglühten rot, als sie ihren Laser erschuf. Aber sie wollte nicht feuern. Es wäre wirkungsvoll, das wusste sie zu gut vom letzten Ausbruch, doch ihr Kopf weigerte sich, diese Waffe gegen die Soldaten vor sich zu richten. Sie konnte niemanden umbringen, nur weil er ihr im Weg stand. So ließ sie kostbare Sekunden verstreichen, die nur als eines gesehen werden konnten - Widerstand.
    Der Befehl erscholl, gleichzeitig betätigten mehrere Finger die Abzüge der Waffen.
    Wasser kam von oben herab. Es schoss aus den Abflussrinnen aus dem Dach, eine mächtige Woge formte sich und bildete eine weitere Barriere zwischen den beiden Elementalen und der Wache. Die Schüsse trafen darauf, doch hindurch gingen sie nicht. Gleichzeitig schob Atesch seine Flammen weiter von sich weg und zwang die übrigen Soldaten auf der Exekutierplattform, von dieser herabzuspringen, um der Hitze zu entkommen.
    Su war endlich aufgetaucht. Ihre Wasserwoge rollte in die andere Richtung, zwang die neu eingetroffene Wachtruppe zum Rückzug und schützte vor weiteren Schüssen.
    Artax brüllte vor Zorn. Er wagte es offenbar nicht, es mit allen drei Elementalen gleichzeitig aufzunehmen. In seiner Wut wollte er sich Ivy schnappen, die mit ihren beiden Begleitern noch immer schreiend direkt vor dem Podest stand. Astra streckte die Hand aus, doch in diesem Moment schob sich einer der Soldaten zwischen den dunklen Elementalen und sie. Der Impulslaser traf diesen ins Bein und ließ ihn zu Boden gehen. Gleichzeitig erreichte Artax Ivy.
    Astra sprang auf sie zu, doch Su war schneller. Mit der Linken vollführte sie eine wischende Bewegung. Das Wasserbecken, welches Wasser zum Reinigen der Plattform nach Hinrichtungen und zum Löschen enthielt, explodierte und ergoss seinen Inhalt auf den Boden. Im Nu waren sämtliche Soldaten inklusive Artax bis zu den Knöcheln im Eis eingeschlossen.
    “Befreie Rett, Astra.” Hochkonzentriert hielt Su die Augen auf Artax gerichtet. Ohne den Blick abzuwenden , formte sie ihre rechte Hand zur Faust. Die Welle auf der anderen Seite des Podestes erstarrte zu einer Eiswand, an der die Soldaten scheiterten. Von diesen drohte vorerst keine Gefahr.
    Astra schlitterte zu Rett hinüber, der sie fassungslos anstarrte. Ohne ein Wort zu sagen riss sie seine gefesselten Hände hoch. Ein kleiner Schnitt mit ihrem Laser und die Kunststoffhandschellen fielen zu Boden.
    “Komm schon!” Sie zog den Mechaniker mit sich. Gemeinsam eilten sie zu Su hinüber, die gemeinsam mit Atesch die Schutzwälle hoch sowie die Wachen in Schach hielt.
    Artax beschwor erneut die schwarzen Schattentenakeln auf und ließ sie Su angreifen, die sich schützend vor Ivy geschoben hatte. Bevor die Dunkelheit sie erreichen konnte, hatte die Wasserelementale das Eis um Artax’ Füße wieder zum Schmelzen gebracht. Eine Armbewegung genügte, das Wasser rauschte nach oben und schloss die von dunklen Schlangen umgebene Rechte von Artax ein. Mit einem Wutschrei hob er den anderen Arm, doch jetzt hatte Su genug - sie richtete ihre Hand direkt auf Artax und dieser blieb wie gelähmt stehen. Für einen Moment quollen ihm fast die Augen aus dem Kopf, dann brüllte er vor Wut. “Was tust du?”
    “Dein Körper besteht zu einem Großteil aus Wasser.” Su musterte ihn verächtlich. “Jedes dieser Wassermolküle steht unter meiner Kontrolle. Sei gewarnt. Ich habe keinerlei Hemmungen, dich als Schutzschild zu verwenden, sollte einer auf Idee kommen, auf uns zu feuern. Oder ich nehme mir dein Wasser und lasse dich als runzlige Mumie zurück.”
    Es sah so aus, als würde Artax beinahe ersticken vor Zorn, doch dann nickte er den Soldaten um Su herum angestrengt zu und diese traten zögernd einen Schritt zurück.
    Astra stieß Rett an. “Nimm du Ivy. Sie vertraut dir und wir haben freie Bahn.”
    Rett starrte kurz auf seine immer noch verwundeten Hände, dann nahm sein Gesicht einen grimmigen Ausdruck an.

    Zu spät.
    Nates Schrei zerriss die Stille, die über den Innenhof ausgebreitet lag. Im selben Moment schien die Welt ihren Lauf zu stoppen.
    Astra sah ihn fallen. Er knallte nicht auf den Boden vor sich, er sank zur Seite, langsam, wie in Zeitlupe. Ohne einen Laut kam er auf dem Podest zum Liegen, noch immer gefesselt, reglos, leblos.
    Ivy schrie ebenfalls, doch Astra hörte sie nicht. Lediglich ihr eigener Herzschlag dröhnte in ihren Ohren, wie kurze Trommelschläge. Alle anderen Geräusche waren verstummt.
    Sie war schon halb auf dem Weg die Stufen zum Podest hinauf, bevor ihr Denken wieder einsetzte. Es ging alles zu langsam, viel zu langsam. Ihre Beine wogen zu schwer, sie schien überhaupt nicht vorwärts zu kommen, doch das war so wichtig, wenn auch viel zu spät.
    Zu spät, zu spät.
    Ivy wollte zu Nate, doch zwei der Soldaten hielten sie zurück. Helles Kinderhaar flog in sanften Wellen um das gerötete Mädchengesicht, über das dicke Tränen flossen, langsam, wie alles. Das Kind brüllte, Astra konnte es sehen, doch die Worte erreichten sie nicht. Man hob die Kleine hoch, andere Soldaten schoben sich zwischen Ivy und den Verurteilten …
    Astra stolperte über die letzte Treppenstufe und fiel direkt neben Nate auf die Knie. Ihre Hände streiften die seinen, bevor sie auf den kühlen Stein landeten. In diesem Moment schien es, als hätte jemand die Lautstärke wieder hochgedreht. Stimmengemurmel wie in einem Bienenstock, gleichmäßiges Marschieren von Soldaten, Ivys Schreien …
    Mit Mühe riss sie den Blick von Nates starrem Körper und hob den Kopf. Artax sah zu ihnen hinunter, ein diabolisches Lächeln umspielte seinen rechten Mundwinkel.
    “Was hast du getan?”
    Artax‘ Lächeln wurde breiter. “Ich?” Er ergötzte sich an ihrem Anblick. “Ich habe meinen Teil der Abmachung gehalten. Dein Freund ist nicht tot.” Seine Augen funkelten. Beiläufig trat er Nate mit der Stiefelspitze an die Schulter, der Körper des jungen Mannes kippte und kam auf dem Rücken zu liegen.
    Astra fuhr entsetzt zurück.
    Es stimmte. Nate war nicht tot. Sie konnte deutlich erkennen, dass sich seine Brust hob und senkte, sie konnte seine Atemzüge hören. Doch sein Gesicht … seine Augen hatten jeden Glanz verloren. Sie waren schwarz, komplett schwarz, kein Licht spiegelte sich in ihnen. Der Blick ging ins Leere, in den unschuldig blauen Himmel über ihnen.
    “Nate …” Astra griff nach seiner Schulter.
    Artax hockte sich auf Nates rechter Seite neben ihn. “Er kann dich nicht hören, Astra.” Es klang ehrlich mitfühlend, als würde auch Artax diesen Umstand aus tiefstem Herzen bedauern. “Er ist fort. Er wird nicht wiederkommen.”
    “Nicht wiederkommen …” Das blieb für sie ohne Sinn. Sie hörte Artax, aber sie konnte die Bedeutung seiner Worte nicht erfassen. Wie betäubt ließ sie zu, dass der dunkle Elementale ihren Arm nahm und ihr behutsam auf die Beine half.
    “Nicht wiederkommen”, wiederholte er sanft. Dann näherte sich sein Mund ihrem Ohr. “Genau wie Tenebris”, flüsterte er, und die leise Stimme troff vor Hohn.
    Das Flüstern hätte ebenso ein Paukenschlag sein können. Astra riss den Kopf hoch und befreite ihren Arm aus Artax’ Griff. “Was hast du getan?”
    “Ich habe die Dunkelheit eingesetzt.” Sein Blick durchbohrte sie beinahe. Er streckte die Hand aus und dunkle Tentakel schossen daraus hervor, tanzten um seine blasse Haut wie schwarze Schlangen. “Mit meiner Gabe kann ich all jene strafen, die mir im Wege stehen.” Er wies auf Nate, als wäre dieser ein totgetretenes Insekt. “Man kann in der Finsternis ertrinken, Astra. Man kann in die tiefsten Abgründe gestürzt werden, bis man den Verstand verliert und sich in seinem eigenen Kopf verirrt. Und während der Geist daran zerbricht, schwindet auch der Körper dahin, langsam, aber unaufhaltsam.”
    Astra stand wie erstarrt. “Tenebris … und jetzt Nate …”
    “Scheußlich, nicht wahr … ? Manch einer würde sagen, ein schneller Tod durch eine Kugel wäre dem vorzuziehen gewesen.” Wieder lächelte er kurz. “Nun, das hast du ihm verdorben. Sein Martyrium geht auf deine Rechnung, Astra. Noch einer, den du deiner Liste hinzufügen kannst. Er ist nicht tot, aber zweifelsohne wird er es bald sein. Du siehst -” entschuldigend hob er die Schultern, “ich habe mein Wort gehalten und ihn heute nicht hingerichtet.” Schlagartig wurde sein Gesicht wieder ernst, ein gieriger Ausdruck trat in seine Augen und er packte erneut ihren Arm.
    “Jetzt gehörst du mir.”

    In die Hölle


    Die Schritte der Soldaten hallten durch den Flur wie die Schläge einer einzelnen Trommel. Ein halbes Dutzend Wachen war nötig, um den Verurteilten aus seiner Zelle zu holen und zum Exekutionsplatz zu bringen.
    Nate blinzelte gegen die ungewohnte Helligkeit an. Nach der völligen Finsternis, in der er die letzten Stunden eingesperrt gewesen war, brannte das Flurlicht nahezu in seinen Augen. Er versuchte krampfhaft, nicht zu denken, keinem Gedanken und vor allem der Angst keinen Raum zu geben.
    Man brachte ihn an ein großes Tor am Ende eines im Halbdunklen liegenden Tunnels. Kurz warteten sie, dann schwangen die Flügel des Portals langsam auf. Tageslicht flutete herein, so hell und klar, dass Nate den Kopf abwandte und die Lider zusammenkniff. Dann bekam er einen Stoß zwischen die Schultern und setzte sich langsam wieder in Bewegung.
    Hinter dem Tor lag ein riesiger Innenhof. An dessen Wänden aufgereiht hockten hunderte Menschen, die auf ihn hinabstarrten, schweigend und lauernd. Es war nicht die kreischende und nach Blut lechzende Masse, die er erwartet hatte. Dieses Schweigen setzte ihm mehr zu, als wenn sie seinen Namen gebrüllt und nach seinem Tod verlangt hätten. Die gespenstische Stille legte sich wie ein Tuch über die ganze Szene, als hätte jemand mit einem Mal sämtliche Geräusche geraubt. Es war beklemmend.
    Waren die anderen auch hier? Saßen sie in den Zuschauerrängen? Sah Rett zu ihm herunter? Was war mit Ivy? Was mit Astra? Mussten sie Zeuge dieses Schauspiels werden? Würde sich Artax damit begnügen? Oder waren sie gleich nach ihm an der Reihe?
    Er spürte, wie die Panik in ihm hochdrängte. Beruhige dich, zwang er sich zu denken. Beruhige dich. Selbst im Hort herrschte das Gesetz. Weder Ivy noch Rett hatten Verbrechen begangen. Sie würden nicht sterben müssen. Und Astra - für sie konnte er eh nichts tun.
    Es galt jetzt, Haltung zu bewahren und würdevoll in den Tod zu gehen. Er würde Artax nicht den Triumph bieten, ihn winseln und betteln zu sehen. Kein Zusammenbrechen vor dem Todesstoß, kein Flehen um Gnade. Egal, wie sie sein Leben beenden wollten, Nate würde als Kommandant sterben, dazu war er fest entschlossen, aufrecht stehend und unbeugsam.
    Das Podium kam in Sicht und er meisterte die Stufen hinauf auf die Plattform trotz der auf den Rücken gefesselten Hände mühelos. Weitere Soldaten standen in Reih und Glied auf dieser Bühne, bildeten eine Grenze zu der Zuschauermenge und schlossen die anderen Personen auf dem Podium ein. Es waren nur zwei.
    Ein großer in schwarz gekleideter Herr mit blau blitzenden Augen, dunkelblondem Haarknoten und dem Ausdruck puren Glücks im Gesicht. Artax gab sich keine Mühe, seine unverhohlene Freude über diesen Anlass auch nur ansatzweise zu verbergen. Mit einem triumphierenden Grinsen legte er die rechte auf die Schulter der kleinen Gestalt neben sich und schob Ivy ein kleines Stück in Nates Richtung.
    Das Mädchen war ebenso erstarrt wie Nate und vor Schreck stumm.
    Nate selbst kämpfte mühsam darum, Luft in seine Lungen zu bekommen. Wieso war Ivy hier? Fürchtete Artax wirklich, dass er, Nate, sich auf ihn stürzen würde, wenn der Elementale das Mädchen nicht als Schutzschild vor sich hielt? Oder war es nur, um es für Nate noch ein wenig schlimmer zu machen? Würden sie Ivy wirklich ebenfalls hinrichten?
    Er konnte den Blick nicht von ihr abwenden. Artax kümmerte ihn nicht mehr. Kein Laut fand über seine Lippen, doch er wusste, dass sie ihn erkannt hatte, dass sie seine Gegenwart spürte, obwohl sie ihn nicht sehen konnte. Trotzdem sagte sie kein Wort, auch sie gönnte Artax keinen Sieg, auch wenn dieser Dreckskerl ihr sicher ganz genau erzählt hatte, was hier vor sich ging.
    Durch die Lautsprecheranlage dröhnte eine Männerstimme, welche die von ihm verübten Verbrechen emotionslos aufzählte. Jede einzelne Tat schien plötzlich tonnenschwer auf seinen Schultern zu lasten. Nicht weil er sie verdrängt hatte, das war nie der Fall gewesen. Doch jetzt, in diesem Moment, wurde Ivy das erste Mal damit konfrontiert. Drei Jahre lang hatte er sie beschützt, hatte die Geheimnisse ihrer aller Vergangenheit für sich behalten. Doch jetzt, als er ihr fassungsloses Gesicht sehen musste, erkannte er, dass dies sinnlos gewesen war. Ihre Augen wurden immer größer, sie sank regelrecht in sich zusammen und machte unwillkürlich einen Schritt zurück.
    Ivy hatte Angst vor ihm.
    Wie in Zeitlupe sank er auf die Knie, als ihn die Soldaten nach unten drückten. Eine Windbö erfasste Ivys helles Haar und ließ es über ihr Gesicht wehen wie feine Spinnweben. Artax’ Schatten fiel auf ihn, doch er sah an seinem Henker vorbei zu dem kleinen Mädchen, das die letzten Jahre seines Lebens bestimmt hatte. Ihr Bild würde er mitnehmen, sie war das Letzte, was er sah.
    Große Hände packten seinen Kopf, gruben sich in sein Haar und pressten seinen Schädel zusammen. Kurz musste er die Augen schließen.
    “Fahr zur Hölle, Kendall.” Artax’ Worte klangen fröhlich wie ein Abschiedsgruß, aber der Wunsch war zweifelsohne ernst gemeint.
    Ivy!, dachte Nate verzweifelt, als ein wahrhaft höllischer Schmerz seinen Kopf zu sprengen schien und er in die Dunkelheit stürzte.

    Gleich vornweg, das hier ist ein ganz und gar sinnfreier Beitrag, inspiriert durch auf dem Sofa liegen und aus dem Fenster gucken. Nicht wundern also^^



    „Es interessiert mich überhaupt nicht, wer von euch angefangen hat!“

    Die Mutter stand mit verschränkten Armen und dem Blick einer zornsprühenden Göttin vor ihrer zwölfköpfigen Kinderschar. In der Linken wippte noch die Haselnussgerte, die sie gerade von einem Strauch hinterm Haus abgeschnitten hatte. Doch aufgrund der Streitereien, deren Auswirkungen mittlerweile das ganze Umfeld mitbekam, war sie gezwungen gewesen, ihre Bande zu sich zu zitieren und dieser die Leviten zu lesen.

    „Was ist passiert?“, wandte sie sich an den fünften Spross. Der fuhr sich durch das sonnengelbe Haar.

    „Der April hat schon wieder Hagel gemacht! SCHON WIEDER! Erst klaut er mir die Kirschblüten, dann hat er so viel Sonne, dass alle Welt schon im Garten sitzt. Und wenn ich dann dran bin, schickt er Hagel!“ Die Anklage war vernichtend.

    „Da kann ich doch nichts dafür!“ fuhr der Belastete auf. „Ich habe nun mal gerade keinen Regen zur Verfügung, den ich schön mit Sonne und Schnee und Wind mixen kann. Denkst du, mir macht das Spaß, die ganze Zeit konstante Temperaturen und strahlend blauen Himmel zu präsentieren? Ich werde schon nicht mehr ernst genommen!“

    „Heul doch!“, knurrten die größten Zwillinge. „Ihr müsst euch wenigstens nicht anhören, dass kein Kind Schlittenfahren kann und es trotzdem die ganze Zeit doof draußen ist. Wenn es nach uns gehen würde, hätten wir alles mit einer schönen Schneedecke überzogen, aber nein – März muss ja wieder alle seine Blumensamen zu uns rüberschicken, auf dass die Krokusse im Februar blühen.“

    „Als ob ich das freiwillig machen würde!“, zürnte die älteste Tochter. „Ich würde ja auch gerne meine Pflanzen Schritt für Schritt aufblühen lassen, damit es immer was neues zum Staunen und freuen gibt. Stattdessen explodieren die Wiesen binnen weniger Tage mit allem, was das kreucht und fleucht.“

    „Und dann besinnt sich der April seiner Pflichten und schickt nochmal Frost, damit alles wieder stirbt“, kicherte eine der braunhaarigen Vierlingsmädchen.

    „Ihr seid besser ganz still!“, brauste der Oktober auf. „Ihr langweiligen Dinger mit eurer Dürre, eurer Hitze und der ganzen Sommer-Monotonie. Eine wie die andere. Früher galt ich noch als Liebling, die Leute genossen die letzten warmen Tage, in meinen Zuständigkeitsbereich fiel die Erntezeit, die Kastaniensammelei und die Vorbereitung auf die langen kalten Wintermonate.“

    Verächtliches Schnauben vom November. „Ja danke, ich wurde die letzten Jahre als überdurchschnittlich warm deklariert. Wenn der erste Advent bei mir landete, schien draußen meistens die Sonne und die Leute machten im Tshirt ihren Sonntagsspaziergang.“

    „Was soll ich da sagen?“, murrte der Dezember. „Alle Welt erwartet Postkarten-Schnee-Idylle. Kann mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal ordentlich Schnee gebracht hätte, oder über mehrere Tage Dauerfrost. Keiner von uns ist mehr das, was er mal war, aber hauptsache, der Mai beschwert sich über Hagel. Vergiss deine Eisheiligen nicht!“

    Der Mai machte eine wegwerfende Geste. „Ach die. Die haben mich vergessen in den letzten Jahren!“

    In diesem Moment krachte ein Donnerschlag und die Monate zogen die Köpfe ein. Das Gewitter über dem Gesicht von Frau Jahr verhieß nichts Gutes.

    Hey, Rainbow !


    .Im Grunde könntest du das sicher noch ein bisschen ausbauen, weil da echt viel Potenzial drin schlummert...Emotionen zu wecken, Nate darzustellen, den Leser mitfühlen zu lassen,...

    ich habe echt überlegt, inwieweit ich diese Szene ausschmücken kann. In den Nate-Parts davor kommen für seine Verhältnisse auch schon ziemlich viele Emotionen vor und ich fürchte, dass er plötzlich zum Softie mutiert, weil ich die Kurve nicht kriege. Dieser Part entstand, weil die Frage offen war, wie Nate es eigetlich zum Wachtrupp geschafft hat - das wollte ich noch klären, bevor er das Zeitliche segnet^^

    Kraaass! Ich bekomme gerade Angst vor Nate ... :pupillen: (war aber sicher von dir beabsichtigt ^^ )

    Absolut!:evil:

    Ihr Lieben, Nate hat mich quasi aus dem Hinterhalt überfallen und mir eine neue Szene aufgedrückt. Deshalb gehts jetzt weiter^^


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    Nate saß auf dem harten Boden seiner Zelle und ließ die Hände im Schoß ruhen. Den Kopf hatte er an die harte Wand hinter sich gelehnt, er spürte ihre Kühle durch seine Jacke hindurch. Ein seltsamer Kontrast zu den vergangenen Tagen, an denen die Sonne oft so erbarmungslos auf ihn und seine Gefährten herabgebrannt war.
    Sein Vater hatte ihm beizeiten beigebracht, wie man seinem Körper Ruhe und Erholung gönnen konnte, ohne dabei zu schlafen. Es war eine Art Meditationstechnik und Nate nutzte sie seither vor großen Schlachten oder anderen wichtigen Missionen. Wenn der Geist zu aufgewühlt war, um in den Schlaf zu finden, gelang es ihm dank der Lehren seines Vaters, am nächsten Tag trotzdem erholt und gekräftigt zu sein.
    Auch jetzt gönnte er seinen angespannten Gliedern ihre wohlverdiente Ruhe und flüchtete sich in seine Gedanken. Hier in der Dunkelheit, die ihn komplett einhüllte, krochen die unangenehmen Erlebnisse der Vergangenheit an ihn heran. Achtzehn Jahre war er alt. Vor zehn Jahren wurde er Soldat, vor acht Jahren Kommandant. Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch wenige Dinge, auf die er stolz sein konnte. Die Liste der Taten, die er gerne ungeschehen gemacht hätte, war wesentlich länger. Und sie hatte den Krieg überdauert.
    Er musste sich nichts vormachen, er war kein guter Mensch. Sicher, er hatte die ihm Anvertrauten immer geschützt und sich bemüht, in ihrem Wohl zu handeln. Doch dieses Handeln, diese Taten, waren teilweise so grausam gewesen, dass es ihn hinterher vor sich selbst geschaudert hatte. Das Todesurteil, welches das Militärgericht nach der Niederlage an der Eisernen Brücke gefällt hatte, war absolut gerechtfertigt gewesen. Wenn sie es damals auch durchgezogen hätten, wäre anderen Menschen einiges erspart geblieben.
    Doch Kays wegen lebte er noch. Ihre Anweisung, sich unter dem Op-Tisch zu verstecken, hatte er prompt befolgt, nur auf diesen Blick aus ihren dunklen Augen hin war er gehorsam gewesen. Und sie log für ihn, nahm ihn mit sich und schwor ihm, die Bilder der Vergangenheit mit allen Mitteln zu bekämpfen.
    Er hatte es Kay nicht leicht gemacht. Sie waren beide gewohnt, Kommandos zu geben, über Leben und Tod zu entscheiden und hart zu sein. Trotz seines Ranges war Nate noch kein Erwachsener und immer wieder gerieten sie aneinander. Besonders stachelig wurde er, wenn es Kay gelang, seine Emotionen zu lesen, seinen Herzenswunsch nach einer heilen Familie und einer Welt ohne Krieg. Scham stach ihm in die Brust, als er daran dachte, wie oft er die Ärztin kalt und grausam behandelt hatte, weil sie es wagte, ihn als den Jungen zu sehen, der er eigentlich noch war …
    Spätestens in den Slums hatte sie ihn als Erwachsenen anerkennen müssen. An dem Tag, als er mit einem Job beim Wachtrupp der Essensausgabe heimkam, hatte sich das Machtgefüge in der zusammengewürfelten Familie schlagartig geändert. Natürlich waren Kay und Rett erleichtert gewesen über die zusätzliche Nahrung, die ihnen von jetzt an zur Verfügung stand, über die Sicherheit, am nächsten Tag nicht zu verhungern. Doch Nate sah in Kays Augen, dass sie den Weg, den er genommen hatte, nicht billigen konnte. Und eigentlich hatte sie recht … der Dieb war so alt gewesen wie Nate selber. Trotzdem hatte er den jungen Mann, ohne zu zögern, mit der Waffe des Soldaten neben ihm zielsicher ins Knie getroffen, als der hungrige Blondschopf fortgerannt war. Eiskalt, ohne zu überlegen. Es war wie ein Reflex gewesen. Der Chef der Truppe hatte ihn erst sprachlos angestarrt, dann einsperren lassen und ihm schließlich nach ein paar Stunden eine Anstellung angeboten …
    Nein, dachte Nate bei sich. Er war kein guter Mensch. Morgen würde er seine gerechte Strafe bekommen. Dieses Mal kam niemand, um ihn zu retten. Er hatte durch die Preisgabe seines Namens dafür gesorgt, dass ihm jeder Fluchtweg versperrt wurde. Artax war bereit gewesen, seinen Teil des Abkommens zu begleichen, also würde auch Nate selbst seinen einhalten, es blieb nichts anderes.
    Seine Schultern sanken herab, nicht aus Gram und Verzweiflung, sondern weil er sich das erste Mal seit langem … friedlich fühlte. Er musste keinen Weg mehr nach draußen finden. Er musste keine Entscheidungen mehr treffen und dabei an andere denken. Ivy, Rett … Astra - für sie hatte er getan, was er konnte, mehr war ihm nicht möglich gewesen. Erledigt, vorbei. In ein paar Stunden würde er sterben und dann endlich, endlich Frieden haben.

    so,ich gehe in die Babypause. Es kann jetzt jederzeit losgehen und meine Aufmerksamkeit wird anderweitig beansprucht. Bleibt gesund!

    So, ihr Lieben, das wird vermutlich der letzte Post vor der Babypause - ich weiß nicht, wie regelmäßig ich es dann ins Forum schaffe. Deshalb heute nochmal ein etwas längerer Text, um euch über die anstehende Dürreperiode hinwegzutragen^^


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    Irgendwie ging ihr das alles ein bisschen zu schnell. Su und Atesch waren in die Veste marschiert, hatten sich als Elementale zu erkennen gegeben und waren nicht verhaftet worden? Im Gegenteil, man verschwieg dem Hort ihre Ankunft, steckte sie in Uniformen und schickte sie so getarnt zurück, um auch noch den Projektleiter zu befreien? Seufzend lehnte sie sich zurück. “Es scheint, ihr habt die klügere Entscheidung getroffen, als wir im Ödland auseinander gegangen sind.”
    Die beiden anderen wechselten einen Blick.
    “In der Veste geht es ein wenig anders zu als hier. Kommandant Kirschner ließ uns sofort festsetzen, hat aber den Hort nicht informiert. Wahrscheinlich, weil von diesem selbst nur spärliche Informationen kamen. Stattdessen haben wir uns ein wenig unterhalten und es stellte sich heraus, dass die leitende Kommandantur Thyras’ Idee gar nicht schlecht fand. Im Gegenteil, Kirschner war der Meinung, dass dieses Projekt unbedingt umgesetzt werden muss, notfalls auch gegen den Willen des Rates und hinter dessen Rücken. Und dafür hat er uns Uniformen gegeben und in die Wache eingeschleust.” Atesch zuckte leicht die Schultern. “Es war ein Risiko, sicher.”
    “Aber nicht größer, als in die Slums zu marschieren. Du hast die weitaus interessantere Geschichte zu erzählen”, ergänzte Su mit einem leisen Lächeln in Astras Richtung.
    Astra hob für einen Moment hilflos die Hände, dann sprudelten die Erlebnisse der letzten Woche aus ihr heraus. Sie redete und redete. Irgendwann stand sie auf und begann, im Zimmer auf und ab zu gehen, weil die Not in ihrem Herzen wieder größer wurde - ihre Schuld. Es war ihre Schuld.
    Schließlich blieb sie stehen und starrte einfach vor sich hin. Kay war tot. Nate zum Tode verurteilt. Rett hockte irgendwo in einer Zelle. Und Ivy …
    “Deshalb hast du dich an Artax verkauft.” Atesch klang bitter.
    Su verzog angeekelt das Gesicht. “Astra, wieso? Wieso pustet du ihn nicht einfach über den Haufen?”
    “Es würde nichts nützen”, stöhnte Astra leise und rieb sich die Stirn. “Wenn ich Artax töte, kann ich mich morgen neben Nate auf das Schafott stellen. Keinem der anderen wäre damit geholfen.”
    Atesch dehnte die Schultern. “Dann hat er ja endlich, was er wollte.”
    “Wie bitte?” Astra hob entrüstet den Kopf.
    “Ach, Astra, ich bitte dich. Das zeichnet sich doch schon seit Jahren ab. Nun hat er Mittel und Wege gefunden, seine Wünsche auch umzusetzen.” Jetzt sah Atesch fast mitleidig aus. “Kaum vorstellbar, dass der Rat ihm die Manifestation der Dunkelheit gestattet hat. Mal abgesehen davon, dass ich keine Ahnung habe, wie das vonstatten gegangen sein soll.”
    “Ich denke nicht, dass der Rat dies angewiesen hat.” Su strich sich nachdenklich übers Kinn. “Da wird Artax irgendein krummes Ding gedreht haben. Er hatte genug Zeit, sich dafür vorzubereiten. Und wenn er dem Rat erst nach seinem Verrat seine Kräfte offenbart hat, wird dieser froh gewesen sein, wenigstens einen Elementalen an der Hand zu haben, wenn draußen drei weitere frei herumlaufen.”
    “Es ist mir egal, wie er es angestellt hat”, stellte Astra klar. “Ich will die Hinrichtung morgen verhindern. Ich befürchte, dass Artax auch in diesem Spiel unfair spielen wird. Vielleicht stirbt Nate nicht, aber er wird auf jeden Fall einen Preis bezahlen.”
    “Dann sollten wir ihn rausholen, bevor sich Artax an ihm austoben darf. Wie ich unseren Kumpan kenne, wird er sich nicht mit einer Kugel in den Kopf zufriedengeben.” Der Elementale des Feuer ließ sich am Tisch nieder und bestellte über den Servicebot Getränke.
    “Was hätte Artax davon, Nate leiden zu lassen?” Su runzelte die Stirn und nippte an ihrem kalten Sprudelwasser, welches die Schleuse am Tisch eben freigegeben hatte.
    “Sag mal, Su, was ist denn los mit dir? Normalerweise bist du in solchen Dingen besser als ich?” Atesch nickte zu Astra hinüber. “Es geht ihm nicht um Nate, sondern um sie!”
    “Um mich?” wiederholte Astra irritiert, ohne auf Ateschs Frage einzugehen.
    “Nate hat den Fehler begangen, dir am Herzen zu liegen, Astra. Ob er sich dessen bewusst ist oder nicht - Artax weiß es. Und deswegen wird er ihn dafür bezahlen lassen. So wie er es wahrscheinlich schon bei Tenebris gemacht hat. Weil es dir wehtun wird.”
    Die beiden Frauen saßen mit offenem Mund da.
    “Tenebris …?” Das Entsetzen in Sus Stimme war unüberhörbar.
    Astra brachte kein Wort heraus. Ihr Kamerad schaffte es mit wenigen Worten, ihr Artax’ wahren Charakter in seiner ganzen Verdorbenheit vor Augen zu führen. Und er hatte recht. Nate bedeutete ihr etwas. Und Tenebris, ihr ehemaliger Teampartner, war ihr auch wichtig gewesen, auch wenn sie dieser Bedeutung nie nachgegeben hatte.
    “Artax hat Tenebris umgebracht …? Aber … die Dunkelheit …?” Verständnislos schüttelte Su den Kopf.
    “Ich habe keinen Beweis dafür”, knurrte Atesch grimmig. “Aber ihr kanntet Tenebris. Er war ein starker Charakter, beherrscht. Unmöglich, dass er die Dunkelheit nicht unter Kontrolle bekam. Thyras hat gewusst, was er tat. Es gab keinen Fehler im System. Artax hat ihn umgebracht, dessen bin ich mir sicher.”
    “Aber wie? Sie haben Tenebris nach seinem Tod gründlich untersucht, Atesch.” Su hielt es nicht länger auf ihrem Platz. “Er hatte keine Wunde, keine körperfremden Substanzen, nichts, was ihn umgebracht hätte.”
    “Ich weiß es nicht, Su. Vielleicht finden wir es noch heraus. Jetzt müssen wir erst einmal überlegen, wie wir den Kopf von Astras Freund aus der Schlinge ziehen.”

    Astra trifft also auf ihre alten Freunde ... sie sind doch irgendwie Freunde, oder? :D

    also von der Struktur her sind sie vllt sogar "Geschwister" - zusammen aufgewachsen und so. Allerdings gehört Artax dann auch dazu ... brrrr

    Ich Frage mich gerade, ob wirklich niemand im Hort gemerkt hat, wie Su und Atesch wieder dort angekommen sind :hmm:

    Naja gut. Wenn die die ganze Zeit in ihrem Anzug rumlaufen, ist das Risiko nicht so hoch, entdeckt zu werden ...

    die Soldaten sind die ganze Zeit behelmt und sehen unisono aus. Wenn Atesch nicht gerade etwas niederbrennt, merkt es kein Schwein.

    Ich habe gerade nicht mehr so ganz auf dem Schirm, was es noch mal mit der "Veste" auf sich hatte. Ich weiß, das war schon mal erklärt worden...ist aber schon ein bisschen her.

    die Veste ist der militärische Teil der Regierung und liegt außerhalb des Hortes. Die Soldaten werden von der Veste gestellt.

    Interessant ist außerdem, dass die beiden offenbar pfiffig genug sind, in den Hort hinein-und wieder hinauszuspazieren

    mit einer Seriennummer und einer Uniform ausgestattet dürfte das kein Problem sein^^

    Sie werden doch ebenfalls, genau wie Astra vorher, gesucht... sie waren doch gemeinsam geflohen, richtig?

    richtig, sie werden vom Hort gesucht ... scheinbar wusste die Veste aber nichts genaueres

    Krass! Mal eben die Haare abgeschnitten, um den Helm anziehen zu können.

    eine hüftlange Rastamähne würde auffallen, vor allem Artax, der diesen Anblick schon jahrelang kennt^^

    Es war schon längst dunkel geworden, als vor der Tür Schritte erklangen. Wachwechsel. Jetzt konnte es nicht mehr lange dauern, bis ihre Besucher auftauchen würden. Soweit Astra wusste, war sie die Einzige, die diesen Gang bewohnte, die Einzige mit Wachpersonal. Die anderen Türen hier wurden also nicht bewacht, weshalb es auch keine neugierigen Fragen geben würde, wenn Soldaten ihr Zimmer betraten. Notfalls würde sie sich etwas ausdenken müssen, einen Ohnmachtsanfall, einen Einbruch oder andere Zwischenfälle.
    Ein wenig unbehaglich war ihr schon zumute. Das letzte Treffen lag eine Weile zurück und sie waren nicht in Frieden auseinandergegangen. Es mochte durchaus sein, dass die Begegnung jetzt ein wenig - unangenehm verlief. Andererseits freute sie sich über das potenzielle Wiedersehen.
    Tatsächlich klopfte es, kaum dass draußen wieder Ruhe eingekehrt war. Für einen winzigen Moment zögerte sie. War es eine Falle? Andererseits hatte sie nichts zu verlieren.
    Die Tür öffnete sich auf ihr Kommando hin, noch während sie aufstand. Ihre Uniform hatte sie sich doch wieder angezogen, nur im Schlafanzug zu warten, erschien ihr unangemessen. Und neben den schwarzen Monturen der Soldaten hätte sie sich ziemlich nackt und schutzlos gefühlt. So schien sie zumindest äußerlich gefasst.
    Die zwei Wachen, die hereinkamen, waren beide größer als sie. Sobald der Eingang hinter ihnen erneut verschlossen war, nickte die rechte grüßend, dann wanderten behandschuhte Hände zum Kopf und nahmen vorsichtig den Helm ab.
    Ein braungebranntes Männergesicht kam zum Vorschein, umrahmt von einem schwarzen, ordentlich getrimmtem Bart. Graugrüne Augen, ein wenig verengt unter den markanten dunklen Augenbrauen, musterten Astra einen Moment lang kritisch.
    Atesch warf seinen Helm beiläufig auf das Sofa und fuhr sich mit der Hand über den militärischen Kurzhaarschnitt. “Da sind wir.”
    Seine Begleitung hatte sich der Kopfbedeckung ebenfalls erledigt und enthüllte ein schmales Frauengesicht mit hohen Wangenknochen und den blauesten Augen, die Astra je gesehen hatte. Su war so schön wie eh und je, ihre Haut strahlte immer in einem makellosen, tiefen Schokobraun, die Lippen waren voll. Nur ihr Haar, normalerweise in hunderte kleiner Zöpfe geflochten und zusammengebunden, hatte sie abgeschnitten, wahrscheinlich um den Helm über den Kopf zu bekommen.
    “So hübsch ist es in den Soldatenunterkünften nicht.” Interessiert sah sich die Elementale des Wassers um. “Wieso ein solch edles Quartier?”
    “Keine Ahnung, ich bleibe misstrauisch”, entgegnete Astra. Sie war froh, dass die beiden ihr rasendes Herz nicht hören konnten, gleichzeitig freute sie sich, ihre Kameraden wiederzusehen. Es war keine Falle gewesen. Es gab Hoffnung für Nate …
    Lächelnd machte sie eine einladende Handbewegung. “Setzt euch doch.”
    Su umarmte Astra, dann rutschte sie auf das Sofa. “Gut, dich wohlbehalten wiederzusehen. Es gab Zeiten, da habe ich nicht mehr damit gerechnet.”
    “Ging mir ähnlich.” Astras Blick wanderte zwischen Atesch und Su hin und her. “Ihr habt es also geschafft und euch in die Veste durchgeschlagen?”
    Der sehnige Mann war neben der Tür stehengeblieben und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Wand. “Haben wir. Und es hat nicht lange gedauert, bis uns die Kommandantur aufmerksam gelauscht hat.”
    Su nickte. “Im Gegensatz zum Hort haben die Verantwortlichen in der Veste sehr schnell die Vorteile von Menschen mit Manifestationen erkannt. Sie wollten alles über uns wissen, unsere Fähigkeiten sehen und vor allem Daten.”
    Astra runzelte die Stirn. Waren ihre beiden Kollegen so dumm gewesen, vom Regen in die Traufe zu geraten? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Gewiss, Atesch mochte hitzköpfig, schnippisch und zuweilen jähzornig sein, aber Su zumindest dachte mehrmals nach, bevor sie eine Entscheidung traf und wog ab. Das machte sie zu einem guten Team.
    Atesch hob in gespielter Unschuld die Hände. “Tja, leider waren wir, was das angeht, absolut ahnungslos. Da musste schon Thyras her, wenn der Generalstab genauere Infos benötigte, und den hatten wir bedauerlicherweise nicht im Gepäck, weil er im Hort festsaß.”
    “Saß?”, wiederholte Astra. “Soll das heißen, ihr habt ihn rausgeholt?”

    Es wurde dunkel und kühl im Zimmer, doch sie rührte sich nicht. Selten hatte sie sich so hoffnungslos gefühlt. Bis vor ein paar Wochen war ihr Leben noch in Ordnung gewesen. Keine Verfolgungsjagden, keine Nachtwanderungen, keine waghalsigen Rettungsaktionen und keine Entscheidungen über Leben und Tod, bei denen man nur verlieren konnte. Trotz allem - die hinter ihr liegende Zeit war eine Erfahrung gewesen, die sie nicht missen wollte. Vor ihrem inneren Auge tauchten immer wieder Szenen auf - Kay, die Frühstück auf dem Wohnzimmerboden machte. Retts Lachen, als er Ivy auf dem Schoß hatte. Das kleine Mädchen, was ohne Scheu ihre Hände nahm.
    Und Nate. Von Dachkanten über Zäune springend, nur von ihrer Lichtkugel geleitet. Nate, der außer sich vor Zorn und Hilflosigkeit Rett anschrie. Nate mit Blut an der Stirn und klatschnassen Haaren, eben aus der Schlucht geklettert. Sein starker Rücken, an den sie sich gelehnt hatte während der endlosen Reise durch das Ödland, sein Gesicht, beleuchtet vom Feuerschein …
    Müde hob sie ihre Hand und aktivierte den kleinen Kommunikator. Vorhin, als sie vor Artax’ Tür beinahe zusammengebrochen war, hatte sie eine der Wachen angesprochen. Nur ein Satz, doch die Stimme ließ ihr Herz höher schlagen vor Aufregung. Wenn der Stimmenträger wirklich der war, für den sie ihn hielt, war Nate noch nicht ganz verloren …
    Bevor sie in die Dusche gegangen war, hatte der kleine Computer an ihrem Handgelenk eine eingegangene Nachricht angezeigt. “Nach Dienstende. Wir kommen.”
    Der Absender war eine zufällig generierte Nummer, welche jeder Wachmann verpasst bekam. Die Soldaten wurden regelmäßig ausgetauscht, von daher lohnte sich eine Speicherung des Namens erst gar nicht. Sollte Artax wirklich auf die Idee kommen, auf ihrem Kommunikator herumzuschnüffeln - was sie ihm durchaus zutraute - bekam er höchstens diese Nummer vorgesetzt. Wer sich dahinter verbarg, ging nur die Veste etwas an. Es war beruhigend zu wissen, dass Artax nicht alles um sie herum kontrollierte.
    Noch bestand also Hoffnung. Wenn auch eine winzige. Entschlossen strich sie sich das Haar aus der Stirn. Zeit genug, einen Plan zu machen, sollte sie recht behalten und ihr Gast wirklich ein Verbündeter sein.

    Die Kapuze der Unsichtbarkeit

    Ein grauschwarzes, unförmiges Ding, dass, über den Kopf gezogen, unsichtbar macht. Allerdings verliert man dadurch "Geschwindigkeit", weil man selber auch nix mehr sieht (der Stoff ist sehr dicht gewebt.)


    Unauffällige Gugel, die ein dankbarer Magier als Gegenleistung für eine sehr zwielichtige Rettungsaktion dem König der Diebe überreichte.

    Gehörte eine Zeitlang zur Grundausstattung der Londoner Unterwelt und wurde vor allem zur Schulung des Langfinger - Nachwuchses eingesetzt, weil der in Sachen Tarnung halt noch Anfänger war. Azubis auf Beutezug scheiterten dank diesem Gegenstand ausgerüstet allerdings an Laternenpfählen, Häuserschluchten, tiefen Brunnen, Marktständen. Die daraus folgende Spur der Verwüstung rief schnell die Wachtrupps auf den Plan, was nicht nur die städtischen Gefängnisse innerhalb kürzester Zeit zum Bersten füllte, sondern auch den Ruf der Diebesgilde bis heute nachhaltig schädigte.


    "Rolle der Frau"

    ermöglicht einem Mann, die Frau vor sich zu verstehen und aus ihren Aussagen zu erkennen, was sie wirklich meint. Beraubt den Nutzer allerdings für zwei Stunden der Fähigkeit, selbst zu sprechen.

    Die letzte Nacht


    Astra legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Ihre letzte heiße Dusche war schon über einen Monat her. Sie genoss diese Wohltat, spülte Dreck und Schmutz der vergangenen Tage ab, entwirrte ihr weißes Haar und spürte, wie die verkrampften Nackenmuskeln sich langsam entspannten.
    Ihr schlechtes Gewissen und die nagende Unruhe in ihrem Inneren konnte das Wasser allerdings nicht entfernen. Ihre Gedanken kreisten um Nate, Rett und Ivy.
    Wegen der Kleinen war sie nahezu den gesamten Rest des Tages unterwegs gewesen, hatte mit wissenschaftlichen Leitern, Laborassistenten, Ärzten und Wachen geredet. Niemand schien in der Lage gewesen zu sein, ihr weiterzuhelfen. Manche wussten sicherlich, was es mit dem Mädchen auf sich hatte, durften aber nicht darüber sprechen. Andere reimten sich selbst ihre Theorien zusammen, ohne Ivy je selbst gesehen zu haben., was Astra auch nicht weiterhalf. Nur eines hatte sie erreichen können : die Verlegung in ein Doppelzimmer mit einem älteren Mädchen. Jetzt war Ivy wenigstens nicht mehr ganz allein. Sie selbst hatte den “Umzug” begleitet und noch ein wenig bleiben können. Trotzdem - sie fühlte sich schlecht, vor allem den beiden Männern gegenüber. Schon, weil sie heiß duschen konnte.
    Gleichzeitig erinnerte sie ein Stich in die Magengegend daran, dass das auch für sie die letzte ruhige Nacht sein mochte. Wenn Artax seinen Part ihres Handels einhielt, dann musste sie das auch tun. Schon der Gedanke daran ließ sie vor Ekel erschauern und sie drehte das Wasser auf Anschlag, bis ihre Haut rot leuchtete und sie es nicht mehr aushalten konnte.
    Artax - er hatte sich nicht noch einmal bei ihr gemeldet. War er überhaupt beim Rat gewesen und hatte verhandelt? Wenn ja, wie mochten diese Verhandlungen ausgegangen sein? Und würde er es ihr mitteilen? Oder sich lieber an der Vorstellung ergötzen, wie sie unruhig durch das Zimmer wanderte oder sich schlaflos von einer Seite auf die andere drehte?
    Mit einem Handtuch um den Kopf und einem um den Körper geschlungen trat sie aus der Nasszelle in ihr Appartment. Die ihr zugewiesene Unterkunft war für Hortzustände nahezu luxuriös. Groß, mit praktischen, aber trotzdem elegant designten Möbeln, bodentiefen Fenstern und einem Servicebot, über den sie sich Essen aufs Zimmer bestellen konnte. Solchen Komfort gab es angeblich nur für die Ratsmitglieder und die AdR. Weshalb … ?
    Sie war überzeugt, dass der dunkle Elementale zumindest nichts unversucht gelassen hatte, was eine Milderung von Nates Todesurteil anging. Schließlich ging es hier um einen hohen Preis. Schon einmal hatte sie ihn abblitzen lassen. Seine Andeutung vorhin - konnte er tatsächlich so grausam gewesen sein und die ganze Truppe um Thyras dafür bezahlen lassen, dass sie “Nein” gesagt hatte? Es hatte sich so angehört und ja, es war ihm zuzutrauen. Artax spielte gerne, wenn er sicher war zu gewinnen, und er hatte kein Problem damit, dies auf Kosten anderer zu tun. Und sie selbst wollte er unbedingt, weshalb er alles tun würde. Dessen war sie sich sicher. Aber dass er dabei nach Strich und Faden betrügen würde, davon musste sie ausgehen. Nate mochte vielleicht morgen nicht hingerichtet werden. Dann aber möglicherweise übermorgen. Oder für den Rest seines Lebens eingesperrt werden.
    Sie hätte sich am liebsten selbst geohrfeigt für ihre unpräzisen Handelsbedingungen. Für Artax gab es soviele Möglichkeiten, ihr und Nate Stricke zu drehen. Ihr Blick wanderte über das Pad auf dem Schreibtisch, doch wie zu erwarten war keine neue Nachricht eingegangen. Sie selbst konnte ihn nicht kontaktieren, weil ihr der Zugriff fehlte. Von wegen “neuer Rang” - ihr angeblicher Sonderstatus brachte ihr überhaupt nichts.
    Seufzend zog sie ein leichtes Schlafhemd aus dem Kleiderschrank, das ihr wie angegossen passte. Während sie ihre Haare kämmte und erneut zu einem Zopf flocht, betrachtete sie sich im Spiegel. Von den Strapazen ihrer Reise war kaum noch etwas zu erkennen. Die Schramme im Gesicht, als sie den Drahtzaun in den Downs gestreift hatte, verblasste bereits und selbst der Streifschuss am Ellenbogen heilte sauber. Lediglich die Augenringe ließen vermuten, dass die letzten Tage nicht erholsam gewesen waren.
    Lustlos bestellte Astra ein leichtes Abendessen und hockte sich auf das Sofa. Während die untergehende Sonne die Kronen der hohen Mauern draußen rot färbte, knabberte sie ohne Appetit an dem Brot und versuchte, nicht an die morgige Hinrichtung zu denken.