Beiträge von Der Wanderer

    Heyho kalkwiese


    Nicht liegt mir ferner, als das Bemühen eines Dichters gering zu schätzen.

    Jedoch...meiner Meinung nach sollte man aus seinem Kopf herauslassen, was drinsteckt. Folgt es einem gegebenen Schema - wunderbar.

    Folgt es ihm nicht - ebenfalls wunderbar.

    Daß Du Erhardts Gedicht nach Silben ordnest, ist völlig legitim.

    Ich bezweifele jedoch sehr, daß Erhardt das beim Schreiben auch getan hat. Weshalb auch hätte er sollen?

    Da sollte man schon danach streben, dass alles sitzt, also jede Silbe, jeder Reim, und dass das alles auch irgendwie zusammenpasst

    Da hatte er eine Idee. Und die hat er aufgeschrieben.

    Kann man analysieren auf Metrik etc.

    Kann man auf entsprechende Betonung analysieren.

    Kann man alles machen...


    Nur bitte nicht, bevor man ein Gedicht schreibt.

    Tja, da muss ich wohl gucken, was ich mit dem Gedicht möchte.

    Sorry. Wenn Du was mit deinem Gedicht "möchtest" bist Du auf dem besten Wege, nichts mehr draus zu machen. Was ich sehr schade fände.

    Es ist nämlich ein gutes Gedicht, an dem man nichts mehr zu ändern braucht.

    Heyho Rippersteak


    Junge Jahre mit Enid Blyton???


    Neugieriger kann mich niemand machen...

    Bin sehr gespannt auf die Dinge, die von Deiner Seite des Monitors hierher ihren Weg finden.

    Wie Tariq bereits bemerkte:


    Willkommen in unserem bunten Haufen, Burak.


    Wir sind nicht so, wie wir wirklich sind. Wir sind besser. :D

    Heyho epochAal

    Gibt es Themen, zu denen ihr automatisch immer wieder greift? (Hexen, nordische Mythologie, Drachen, Diebe, Ritter …)

    Tja, was das angeht, bin ich für alles zu haben, was sich mit der Artussage und dem Gral beschäftigt. Was ich daran sehr mag (und gleichzeitig auch verdamme) ist die kaum fassbare Vielschichtigkeit des Themas, damit verbunden die zur Artusgeschichte teilweise völlig unterschiedlichen Ansätze von Romanautoren wie Gillian Bradshaw, T.H.White, Zimmer Bradley, Stephen R.Lawhead oder Mary Stewart, um ein paar ältere zu nennen.

    Das letzte in der Reihe war Kazuo Ishiguro's "Der schlafende Riese", der das Thema nochmal aus völlig anderer Perspektive angegangen ist.

    Aber auch die Gedichte von Lord Alfred Tennyson "Idyll of the King" oder "L'Mort d'Arthur" finde ich großartig - das gilt jedoch ebenfalls für alles weit davor.

    Schwierig ist nur immer die Einordnung, wenn's nicht gerade ein Fantasyroman ist.

    Trotzdem würde ich Deine Frage diesbezüglich mal mit "Ja" beantworten.

    Da greife ich immer wieder zu - auch wenn manche Ideen im Nachhinein echt erbärmlich sind. :alien:

    Achtet ihr stark aufs Genre oder habt gemerkt, dass es eine Sparte gibt, die euch sehr gefällt? (Völkerfantasy, Grim Dark, Dystopie, Weird Fiction, Steampunk …)

    Nö. Zumindest nicht bei Fantasy Da ist für mich nur die Wirkung des ersten Absatzes entscheidend, ob ich's mir antue oder nicht. Wohin die Richtung dann letztlich geht, ist mir dann ziemlich brause, auch wenn ich bei manchen Genres merke, daß ich da mehr Pausen beim lesen brauche als bei anderen. Aber grundsätzlich bin ich für alles offen, solange der Erzähler den Spannungsbogen halten kann.

    Hat sich das in den Jahren bei euch geändert? Oder ist das sogar eine „Phasen“-Frage übers Jahr verteilt?

    Was das Lesen an sich angeht: Lesephasen (also die Beschäftigung mit nur einem Thema) habe ich eigentlich nicht mehr. Und in Bezug auf phantastische Literatur eigentlich nie (s.o).

    Bei fast phantastischen Büchern war das allerdings anders.

    Ich hab' mich mal mehrere Jahre fast ausschließlich mit allem beschäftigt, was man heute so unter "Verschwörungstheorien" kennt. (Deswegen finde ich auch solche Spacken wie Hildmann oder Jebsen eigentlich nur unglaublich komisch - obwohl sie das gar nicht sind...eher ziemlich arme Irre).

    Aber der Schwachsinn, den sie medienwirksam unter die Leute gebracht haben, den gab's schon Jahrzehnte vorher. Sich da als Verkünder neuer Erkenntnisse profilieren zu wollen, ist eigentlich nur unglaublich peinlich.

    Ich fand's damals spannend, was von den "Bilderbergern" oder dem "Club of Rome" zu erfahren, über die Machenschaften der Vatikanbank (Roberto Calvi, Chef des Institutes aufgehängt unter der Blackfriars Bridge in London) und was da noch so alles um 1990 herum auf dem Buchmarkt zum Thema erschien.

    Aber wenn man sich durch 800 Seiten "Das schwarze Reich" (E.R.Carmin), 500 Seiten "Die Götter von Eden" (William Bramley) oder 500 Seiten "Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20.Jahrhundert" (Jan van Helsing aka. Jan Udo Holey) gewütet hat, dazu noch kleineres wie "Die Insider" (Gary Allen,1971) oder "Das Montauk-Projekt" (M.W.Cooper) gelesen hat, muß man sich irgendwann ehrlicherweise die Frage stellen, wohin man eigentlich will:

    Das alles glauben? Oder sagen: "Naja, da ist sicher so einiges zutreffend und belegbar, aber ich hab' trotzdem keinen Bock auf Aluhüte."

    Ich habe mich damals gegen Hüte entschieden, nehme aber verschiedene Aussagen von damals auch heute noch als Maßstab.

    Die andere "Lesephase": Neue amerikanische Literatur, beginnend mit Charles Bukowski. Dann Henry Miller, Jack Kerouac, Hunter S.Thompson oder Neal Cassidy.

    Die haben ihr Leben in einer Zeit beschrieben, die man sich heute kaum noch vorstellen kann. Trotzdem ist das für mich alles sehr lebendig geblieben, weil der Stil dieser Leute knochentrocken war. Detaillierte Situationsbeschreibungen einer Zeit, die es mal gab und die noch gar nicht so lange her ist. Kann ich jedem nur empfehlen.


    Alles andere sehe ich nicht als eine Phase an, auch wenn ich zugebe, daß mich Bibel, Thora und Koran (alles in deutscher Übersetzung) im Ganzen schon einige Zeit gekostet haben. Eigentlich zuviel Zeit, nur um rauszufinden, daß da eigentlich überall das Gleiche drinsteht...

    :patsch: :patsch: :patsch:

    (Stimmt im Groben, über die Details werden von der Menschheit bekanntlich täglich Kriege geführt...).

    Heyho kalkwiese


    Gefällt mir gut. Vor allem der Seemann und sein Kiel, den man ja auch als Federkiel kennt.

    Den "Alexandriner" kannte ich noch nicht, aber ich kümmere mich auch eher selten um korrekte Formen.

    Finde ich sehr interessant, allerdings stolperten beim Lesen meine Augen immer dann, wenn vor der Zäsur ein Komma gesetzt wurde.

    Jetzt frage ich mich daher:

    Muß die (korrekte) Zeichensetzung bei Verwendung des Alexandriners trotzdem eingehalten werden???


    Mit Rumba, Walzer, Twist, | die Sterne schwingen lassen

    Falls ja, stört's mich in meinem Lesefluß kolossal. Der Trennstrich als solcher wäre da meiner meiner Meinung nach völlig ausreichend...

    Nie allein


    Ich wüßte gern mehr über das, was wir Freude nennen.

    Dann wäre es mir vielleicht nicht so schwer, dem zu begegnen,

    was Trauer heißt.


    Denn wenn die guten Zeiten,

    die wir genießen, weil sie gut sind,

    denen weichen, die man die schlechten nennt,

    könnte mir die Freude hilfreich sein.


    Und das ist sie auch, natürlich ist sie das.


    Das lachende Gesicht, dem ich einst begegnete

    ist dem sorgenvollen gewichen.

    Die gerade noch weichen Züge verwandelt
    in harte Konturen.


    Sich stellend.

    Einer Realität, die wenig Spiel läßt für Hoffnung
    Aber doch...


    Mich der Verzweiflung hinzugeben

    ehe das Licht des Lebens tatsächlich erloschen ist

    hieße die Dunkelheit in mein Herz zu lassen,

    hieße aufgeben.


    Aber aufgeben ist niemals eine Option.


    Also bleibe ich standhaft im Kampf,

    Hoffnung ist mein Banner

    wehend im Wind des Lebens.


    Diese Flagge trage ich, diese Flagge halte ich hoch

    sie schwebt über uns, mein Freund.


    Wir zwei beide - Du und ich

    Die Freude der vergangenen Tage wird uns tragen durch diese Zeit

    in der wir uns gemeinsam der Finsternis stellen,

    sie durchwandern.


    Daß sich unser Pfad einst teilen wird, ist mir gewiß.

    Aber wie heute ist morgen noch zu früh dafür.

    Der Wunsch nach Ewigkeit jedoch gleichfalls unerfüllbar.


    Gehen wir also, gemeinsam.

    Mit einem lächelnden Gesicht - in den guten wie auch in den schlechten Zeiten.


    (Der Wanderer, 11.08.22)

    Heyho TiKa444

    Schlau werde ich nie aus Deinen Gedichten - das habe ich ja schon früher mal angemerkt.

    Aber berührend finde ich sie jedesmal.

    Wenn ich da mal "Klopfen" als Beispiel nehmen darf:


    Meine Assoziation bei den ersten beiden Strophen: Baby.

    Bei der dritten: Angst und Selbstzweifel des Schreibend-Betrachtenden.

    Die vierte: Furcht vor dem eigenen Selbst.


    Ich bin mir da nicht ganz sicher und erwarte auch keine Antwort. Aber in allen Deinen Gedichten, die ich bisher lesen durfte, empfinde ich zwischen den Zeilen den Widerstreit von Hoffnung und Verzweiflung - mal wie in "Klopfen" so herum, seltener (leider) wie in "Farben sehen" andersherum.

    Ich meine das in keiner Weise wertend in die eine oder andere Richtung. Es ist mir nur aufgefallen.


    Als ob Du Dir beim Schreiben Deiner Zeilen jedesmal nie ganz sicher bist, wohin die Reise geht...

    Ausgelesen:

    Daß sich Sir Terry auf die Scheibenwelt als sein größtes Universum konzentriert hat, wußte ich ja schon immer. Trotzdem hätte ich NdkdMr irgendwo davor verortet, nicht als Ableger mittendrin.

    Das hat auch ein wenig mit dem schlichten Stil zu tun, den Pratchett hier verwendet (kann natürlich auch an der Übersetzung liegen...)

    Und daß es da auch noch zwei Folgebände gibt (Johnny Maxwell - Trilogy) ist mir ebenfalls neu.

    Ansonsten hat mich dieser erste Band gut unterhalten, in dem ein Dreizehnjähriger feststellen muß, daß die Aliens im Spiel "Nur Du kannst die Menschheit retten" die Schnauze voll davon haben, bei jedem neuen Spiel an seinem Computer weggeballert zu werden.

    Weil das - im Gegensatz zu Johnny - für sie kein Spiel ist. Also ergeben sie sich einfach und sorgen damit für erhebliche Probleme.

    Auf knapp 220 Seiten blitzen an vielen Stellen Pratchetts scharfsinnige Momentaufnahmen und philosophische Betrachtungen des Lebens durch, die ich an ihm von der Scheibenwelt so mag:

    Alles in allem eine sehr schöne Nachmittagslektüre auf meinem Balkon. Empfehle ich gerne weiter.

    Heyho Tariq & Tarani & Kirisha


    Zu den "ernsten" Photographien kann ich was erklären.

    Dass die Personen auf den ganz alten Bildern immer so steif und ernsthaft aussehen, liegt vielleicht an der damaligen Fotografiertechnik? Mussten die da nicht längere Zeit ganz still stehen, damit das Bild nicht verwackelte?

    Stimmt. Das lag an der Technik (ca.1830), mit der damals die Bildplatten belichtet wurden, bzw. an dem zu belichtenden Material. Das konnte u.U. fast eine halbe Stunde dauern. Die damaligen "Opfer" wurden sogar mit hölzernen Gestellen im Nacken gestützt, um die Starre zu gewährleisten. Und keiner kann solange lächeln, also waren entspannte Gesichtsmuskeln normal. Und die sind immer eher ernsthaft - versuch mal, nur eine Minute vor dem Spiegel zu lächeln! ;) ;) ;)

    Das liegt glaub ich nicht nur an der Technik, sondern auch am Zeitgeist. Damals gehörte es sich einfach nicht, auf Fotos zu lächeln oder gar zu lachen.

    s.o. - technisch bedingt. Allerdings war es früher üblich, sich Gedanken darüber zu machen, was das fertige Bild (re-) präsentieren sollte. Dabei muß man immer bedenken: Ein Photo konnte damals nicht, wie heute, mal eben neu gemacht werden (Klick: Aufnehmen, Angucken...wenn Scheisse löschen und Klick: Neuaufnehmen bis es passt.

    Ein Photo wurde einmal gemacht (und vor allem: Es konnte damals nicht mal eben kopiert werden!). Also sollte alles stimmig sein. Und sinnvoll.

    Darauf Hinweise geben, was der Abgelichtete für einer war. War's ein Kerl, war die Wahl damals einfach: Paradeuniform angezogen, Bart gezwirbelt, Brust raus, Bauch rein.

    Bei den Damen wurde es dann subtiler. Abgesehen von ordentlicher (bürgerlicher...man war ja kein Proletariat!) Kleidung und entsprechender Frisur nahm man gerne ein Buch, auf dem Schoß liegend, zu Hilfe. Dort zeigte dann eine Hand mit dem Finger wie absichtslos hinein...Absicht: Wir sind gebildet.

    Und das ist hart erarbeitetes Privileg - darüber wird nicht gelacht!

    Ja, ich denk auch, dass das damals einfach so üblich war, ein ernstes Gesicht zu machen.

    s.ebfls.o. Und darüber hinaus nochmal:

    Es ist ganz wichtig, daß man sich bei Photos aus älterer Zeit klarmacht, daß die eben nicht wie heute beliebig kopiert oder vervielfältigt (oder gleich wieder gelöscht) werden konnten. Da sind wir heute sehr verwöhnt.

    Vor dreissig Jahren hieß photographieren: Einen 24'er oder 36'er Film verknipsen, den nach dem Urlaub abgeben und zwei Wochen auf die Ergebnisse warten. Was Scheisse davon war, mußte man eben aussortieren. Der Rest konnte gezeigt werden. Nachbessern via Photoshop gab's da nicht. Sofortiges Vervielfältigen ebenfalls nicht.


    Und vor knapp 90 Jahren war das noch viel schlimmer. Die Bilder sollten der Nachkommenschaft zeigen, wer man war, woher man kam und was man sein wollte. Ihre Entstehung war aufwendig, kostspielig und ziemlich einzigartig.


    Kein Wunder, das man das damals nicht zum Lachen fand.

    Habe ich letzte Woche aus dem offenen Bücherschrank um die Ecke gefischt.

    Vor drei Wochen war da witzigerweise dieses Buch drin, das ich ebenfalls gelesen habe:

    Nun war Sueton als mehr-oder-weniger-Zeitzeuge ja deutlich näher dran an den Lorbeerkranzträgern des römischen Imperiums und ihrem Leben und Treiben, mußte jedoch leider bei Domitian aus Gründen der eigenen Letalität Schluß machen mit der Berichterstattung.

    Ivar Lissner kann da aufgrund seines Spätgeborenenstatus deutlich mehr berichten: Nerva, Trajan, Hadrian, Marc Aurel, Antoninus Pius etc.pp.


    Trotzdem habe ich auf fast jeder Seite bei Lissner, der durchaus hohe Reputation als Historiker geniesst das Gefühl, er wäre Redakteur der BILD, während Sueton bei mir durchgehend, um im Bild zu bleiben, für die ZEIT hätte schreiben können.

    Anders ausgedrückt:

    Lissners Beschreibungen lesen sich wie Boulevard (obwohl man bei der angeführten Sekundärliteratur niederkniet!), während der Stil Suetons immer nüchtern und sachlich bleibt.


    Trotzdem wäre es natürlich völliger Humbug, Sueton als das Maß der Dinge zum Thema zu nehmen, nur weil der gerade zeitlich im Leben näher dran war als Lissner.


    Im Idealfall liest mal irgendwann jemand beide Bücher parallel und erstellt daraus eine Schnittmenge.


    Bin bei Lissner noch nicht zu Ende, ziehe trotzdem jetzt bereits Sueton vor, wenn ich was zu den Caesaren wissen will.

    Heyho Sensenbach

    Das die Melodie, die Pilger ins Verderben lockt wird zum Beispiel hier angedeutet. Wenn das nicht rüberkommt funktioniert die Geschichte natürlich nicht.

    Au contraire!


    Aber ich bitte darum, mir die Gelegenheit zu geben, das zu erklären.

    Was war unser aller Ausgangspunkt? Das vorgegebene Thema:


    "Die Treppe zum Keller"


    Was hat jeder von uns damit assoziiert? Angst natürlich.

    Das eine Treppe in einen Keller immer etwas bedrohliches hat. Es geht nach unten, unten ist es dunkel...und im Dunkel lauert stets etwas, daß uns Angst macht.

    Das ist unsere Konditionierung bezüglich dessen, was wir mit einem Keller verbinden, seit Kindertagen. Ich bin früher nur pfeifend in den Keller gegangen oder hab' mir was vorgesungen, weil das Licht im Keller immer gerade zuwenig war, um in die letzten Ecken zu leuchten.

    Dort war nichts, das sagte mir die Rationalität - andererseits könnte gerade, weil ich es nicht sehen konnte, etwas sein. Das sagte mir meine Phantasie.

    Wen wundert's daher, daß vier von fünf Beiträgen darauf abzielten, eine Geschichte zu erschaffen, die von unserer Angst vor dem handelt, daß sich im Dunkel eines Kellers verbergen mag?

    Und das die Kommentare hier genau das widerspiegeln, ob wir's mögen oder nicht?


    Als ich die Hand auf den Knauf legte, sprang die Tür auf und gab eine steinerne Treppe frei. Diese machte nach wenigen Stufen eine scharfe Kurve und schien in den Keller zu führen. Erst schrak ich vor der abgrundtiefen Finsternis des Ganges zurück, aber die Melodie drang nun deutlich von den unergründlichen Untiefen zu mir hinauf und lockte mich.

    Hier, mein lieber Sensenbach, und ausschließlich hier kann ich etwas von Lovecraft und seiner immer vagen Dunkelheit spüren.

    Dahinter glitzerten unbekannte Sterne. Meine Gedanken schwanken zwischen Faszination und blankem Entsetzen. Voller Panik eilte ich zurück, das Pochen meines Herzens verlangsamte sich, als ich die Stufen erreichte, die in die bekannte Welt führten. Der Weg war nicht verstellt, ich konnte jederzeit zurückkehren.

    Die wissend jedoch schreitet der Leser nicht weiter hinab ins Dunkel. Vielmehr wieder hinauf. In etwas Fremdes, Neues. Aber ganz sichern nicht in etwas, vor dem er sich fürchten muß. Im Gegenteil. Was dann beschrieben wird, ist einfach nur schön. Das wurde aber nicht erwartet:

    Es fehlt das klare drängende und gleichzeitig bedrohliche Ziel.

    Aber es ist in meiner Vorstellung nicht bedrohlich genug.

    Für meinen persönlichen Geschmack hat bei dem Text aber etwas Bedrohlichkeit gefehlt.

    Kellertreppe. Dunkel, hhmmhm. Ich finde diese Aussagen, völlig unabhängig voneinander getroffen, ziemlich bezeichnend für die Richtigkeit meiner Idee unserer Konditionierung, sei sie nun frühkindlich oder aber auch später zutreffend.


    Darüber hinaus sehe ich einen simplen Weg, die Geschichte (die ich so, wie sie ist großartig finde), dem Dunkel zuzuwenden:

    Einach den Titel in:


    "Das Singen der unheiligen Flamme"


    abändern.


    Oha.


    Nuff said.

    Heyho Sensenbach


    Die Geschichte ist eine Verbeugung zu den Großen der dunklen Literatur wie Lovecraft und Clark Ashton Smith. Insbesondere letzterer hat mich stark zu dieser Geschichte inspiriert.

    Hier möchte ich vorausschicken:

    Ich habe so gut wie alles von H.P.Lovecraft gelesen, jedoch bisher kein einziges Wort von C.A.Smith. Insofern habe ich keinen Vergleich zwischen dem Stil der beiden.

    Und kann daher jetzt nur sagen:

    Wenn Du mit dieser Erzählung Lovecraft Ehre erweisen wolltest, bist völlig am Ziel vorbeigeschossen.

    Laß mich das bitte erklären, so ich's kann:

    Mich hat der Schreibstil völlig weggeblasen. Das ist meiner Meinung nach ganz weit oben. Und ganz vorne. Und JA , er hat ganz sicher was von Lovecraft, die Erhabenheit in der Wortwahl, den Aufbau der Sätze.

    Da ist für mich beim Lesen ein Sog entstanden, den ich genossen habe und der nur selten zu lesen ist.

    Was jedoch darin für mich gänzlich fehlte, war auch nur der kleinste Ansatz des Bedrohlichen, wie es bei Lovecraft spätestens in dem Moment durchgeschimmert hätte, als sich die ersten Pilger in die Flamme zu stürzen beginnen, gebannt vom Gesang aus einer anderen Welt.

    Vielmehr hast Du es fertig gebracht einen doch ziemlich umfangreichen Text mit durchweg positiven Bildern zu füllen. Sowas in dieser Länge durchzuhalten ist - ich weiß es - extrem schwierig.

    (Ich könnte es wohl eher nicht...)

    Das war ein Grund für meine Entscheidung, dem "Singen der heiligen Flamme" meine Stimme zu geben.


    Der andere, und den halte ich für wichtiger, war der Umstand, daß Dein Protagonist in jedem Augenblick eher einer von vielen war, ohne in der Gesamtheit eine besondere Rolle zu spielen. Dabei, wohlgemerkt, nicht Erleidender, sondern vielmehr aktiv Beteiligter mit jeder Möglichkeit, jederzeit eine Entscheidung zu treffen.


    Es gibt nicht den geringsten Grund, irgendwelche Wunden zu lecken. Es sei denn, sie wurden von verletzter Eitelkeit geschlagen - da hast Du dann aber was zu tun... :D


    Ansonsten:

    Darüber hinaus, wie's der Niederländer sagt: "Dank je de Koekoek!!!"

    Jetzt muß ich in die nächste Buchhandlung rennen, um meine Bildungslücke zu Clark Ashton Smith zu schliessen...

    Mit dem Ding habe ich im Moment leichte Probleme.

    Habe mir heute Nachmittag mal etwa 1/3 des Romans (etwa 160 Seiten) angetan und war richtig froh, auf Seite 95 mit

    "Too much...too many people...too much...!"* sowas wie eine geistige Auszeit nehmen zu können, aus dem profanen Grund, weil ich das sofort mit was bekanntem assoziieren konnte.


    Bis dahin war's für mich nämlich eher eine Tour de Force, beginnend mit einer eher kryptischen Vorstellung eines Straßenjungen und seines Verhältnisses zu den Bullen, den Leuten und der Stadt New York im allgemeinen und seinem Verhältnis zu einem Typen namen Paulo und weiterführend zu verschiedenen Protas, deren Namen viel mit den einzelnen Stadtteilen zu tun hatten, die dabei ständig zwischen ihrer eigenen und einer anderen Welt hin und her zu springen schienen, während alle unabhängig voneinander die Bekanntschaft mit einer in verschiedenen Formen auftretenden unbestimmten Bedrohung machten, die ihnen (und einigen anderen) entweder als amorphe weisse Masse oder aber in Form von Tentakeln oder anemonischen Ranken, im letzten von mir gelesenen Kapitel auch als weisse (reinweisse!) Frau begegnet. (War ein langer Satz, was??? :D )

    Soweit, so mysteriös für mich, obwohl ich irgendwann drauf kam, daß jede vorgestellte Figur (bis auf den Introcharakter) wohl stellvertretend für einen der New Yorker Stadtteile stehen soll, auch wenn sie da in einem Fall gerade erst angekommen ist.

    Und daß jede Form des "Weiss" eine Bedrohung für alle darstellt, also wohl demnächst auch alle noch mehr damit zu tun bekommen.


    Vielleicht wäre ich besser dran gewesen, hätte man den Buchtitel im Original belassen: "The City we became".

    Das wäre von Anfang an hilfreich gewesen, die Intention der Verfasserin zu begreifen.


    Jetzt hab' ich mich vorhin dazu verleiten lassen, eine Rezension fantasyweblogzu lesen, die mir im Moment zumindest teilweise noch den Hut hochgehen lässt und daher auch nicht gerade hilfreich war, um die restlichen 360 Seiten unvoreingenommen in Angriff zu nehmen.


    Trotzdem apropos:

    Obwohl ich nach den ersten 10 Seiten das Ding zuklappen wollte, hat das Buch bei mir den "jetzt-erst-recht" - Instinkt aktiviert. Soll heissen, trotz des mir unbehaglichen Stils der Übersetzung war sie ineressant genug, mich auf das neugierig zu machen, was auf der nächsten Seite wohl zu lesen wäre.

    Wird das also eines meiner "holperigen" Lektüren... ^^


    *New York New York

    Ausgelesen:

    Da bin ich letzten Montag eher zufällig drüber gestolpert, als ich was ganz anderes in der Buchhandlung suchte. Fand den Preis mit € 18 zwar etwas happig, andererseits hat mich einfach mal interessiert, was es so Neues gibt an Ansichten und Meinungen zu meiner Lieblingsmusik.

    Da konnte ich jetzt zwar nicht viel finden, was ich nicht vorher schon darüber wußte, aber es hat eine Menge Spaß gemacht, den Ausführungen von Doc Nico Rose zu folgen, den mancher vielleicht von FB als Leiter des "Ministeriums für Schwermetall" kennt.

    Mir war der Mann bisher völlig unbekannt, gleichwohl von der ersten Zeile an überaus sympathisch in der Art und Weise, mit der er versucht hat, Antworten darauf zu finden, ob Metal hören schlauer macht oder nicht, ob es eine frühe Prägung durch die "harte" Musik gibt, durch die man zeitlebens treuer Hörer bleibt. Ob Metal vielleicht sowas wie ein Religionsersatz sein kann oder vielleicht gar selbst eine ist und wie es um die Psyche der Rübenschüttler bestellt ist.


    Nun ist der Autor zum einen Psychologe, zum anderen seit seiner Jugend bekennender Headbanger und verfügt dazu über einen Schreibstil, der das Beste aus beiden Welten nach der Devise: "Soviel Wissenschaft wie nötig - soviel Leidenschaft wie möglich!" miteinander verbindet.

    Aufgelockert wird das Ganze durch diverse hochinformative Interviews (u.a. Sabina Classen(Holy Moses), Marcus Bischoff(Heaven Shall Burn), Thomas Gurath(Debauchery) u.v.m.).

    Alles in allem sehr unterhaltsam - selbstverständlich auch für Nichtmetaller. :)

    Aye@Tariq


    was andre tun, weiß ich nicht. Aber ich lese noch mit. (Wobei ich gerade merke: "noch" ist auch ein Wort, das man besser nicht gebrauchen sollte. Zu negativ konnotiert.

    Aber egal.

    Hannches Geschichte gefällt mir sehr, berührt mich vielfach und macht es mir dadurch auch durch meine persönlichen Erfahrungen schwer, regelmäßig dran zu bleiben.

    Meinen Hintergrund dazu habe ich hier schon erklärt.

    Und irgendwie läßt mich beim Lesen der Verdacht nicht los, daß Hannche entweder eine noch sehr lebende Person ist. Oder aber eine, deren Weg Du sehr lange begleitet hast.

    Wie's nun auch sei, es sollte erzählt werden.

    Heyho epochAal


    Whow!

    Du hast den Abschnitt mit der Schlägerei vor dem Stadttor ja nochmal ziemlich geändert. Respekt! Die ganze Szene hat jetzt - nach meinem Empfinden - deutlich mehr Dynamik. Ich stehe beim Lesen direkt daneben (der Bettler am Stadttor rechts von den zwei Wachen, der nicht rein darf... ;) ).


    Den neu eingestellten alten/neuen Teil lese ich morgen, jetzt ist gerade Geisterstunde und ich bin entsprechend müde.

    Heyho epochAal


    Hhmm...ist gerade ein bißchen schwierig für mich,alles aus dem Gedächtnis zu kramen, was ich im letzten Post anmerkte, weil Du die Hälfte des alten Textes erst mal wieder rausgenommen hast.

    Macht aber wenig, weil im neuen was drinsteckt, das da vorher nicht stand - das wär' mir aufgefallen.

    Auch wenn ich Verzweiflung in mir aufkommen spürte, so nahm ich in meinem Inneren einen Ausweg wahr. Wie eine Tür, nach der ich nur greifen musste. Mein Pulsschlag verlangsamte sich, ich streckte die Finger aus …

    Da ist auf einmal ein ganz neues Element drin, die Möglichkeit zu einer Fähigkeit, von der ich jetzt noch nichts erfahre, die aber angedeutet wird.

    Ich spare mir mal Schüsse in's Dunkle, aber der Satz verspricht eine interessante Änderung. Bin gespannt...

    Apropos Schlägerei vor'm Stadttor. Ein paar Sachen sind mir da noch aufgefallen:

    Ein Schmerz riss durch meine Finger, als er sie mit einer rückwärtigen Bewegung mit seiner Stange erwischte, und ich ließ die Hellebarde fallen.

    "schoss"

    Ich landete auf dem Rücken, japste nach Luft und wurde im nächsten Moment von zwei Männern gepackt.

    + "n"

    Ein Arm wollte sich um meinen Hals zuziehen und ich zog das Kinn ein.

    Nee, bitte, mach's nicht.

    Ich finde es furchtbar, wenn in der Beschreibung eines Kampfes, einer Prügelei in irgend einer Kneipe oder wie und wo auch immer so ein Satz steht.

    "Ein Arm wollte sich um meinen Hals zuziehen..."

    Nein. Der wollte nicht. Der will und tut. Der zieht sich gerade zusammen. Und deswegen zieht Neith SOFORT sein Kinn runter, um den Würgegriff zumindest etwas zu blocken.

    Anders ausgedrückt: Wenn Du einen aktiven Kampf beschreibst, dann schreibe ihn auch aktiv.

    "Ein Arm zog sich um meinen Hals zusammen und ich drückte mein Kinn herunter, um den Druck zu mildern..."

    Sowas.

    Der Mann über mir sah mit entsetztem Gesichtsausdruck auf mich herab.

    Da bin ich jetzt etwas durch den alten Text vorbelastet, durch den ich weiß, daß der Hauptmann der Stadtwache ein alter Bekannter von Neith zu sein scheint. In dem Zusammenhang (sollte sich da nichts ändern), fände ich einen Satz wie diesen eher sinnvoll:

    "Der Mann über mir sah mit einer Mischung aus Entsetzen und Verwunderung auf mich hinab."


    Würde dann Sinn machen.


    Gerne mehr!