Beiträge von Skadi

    Hallo,


    ich stelle eigene Aquarellfarben her. Vielleicht hat jemand Lust mir etwas zu meiner Geschichte oder meinen Puppen zu malen, bzw. zu zeichen, dann schenke ich demjenigen einen Napf (innerhalb Deutschlands) 👉👈


    Weil die Farben frisch sind und erstmal einige Wochen gründlich austrocknen müssen, werde ich die Näpfe nicht vor Ende September losschicken. Deswegen befriste ich die Aktion auch erstmal bis Halloween diesen Jahres.

    Es würde mich freuen, wenn jemand mitmacht. :sack:



    „Was soll der Krach?!“, motzte die Fee an der Spitze der Gruppe und Kolja erkannte das Zebra wieder. Als sie die Eindringlinge erblickte, stürzte sie wütend auf die Polymänner zu, den Aushilfs-John-Travolta sowie seine Haartolle dicht auf den Fersen. Weitere Feen sprudelten zum Kellereingang hervor; Kieran schaltete jedoch blitzschnell und rasch schob der Welpe ein Bein vor den Kellereingang, sodass Fedora darüber stolperte und einen spektakulären Sturz volle Nase lang in den Staub hinlegte. Im Schwung vermochte das Zwillingspärchen hinter ihm unmöglich rechtzeitig zu bremsen und preschten daher geradewegs in ihren gefallenen Kameraden hinein. Davon bekam Aushilfs-Johnny nichts mit, sondern hielt grölend und in einem Affenzahn auf Kolja zu. Erst im letzten Moment trat der Bär zur Seite, wodurch sein Angreifer frontal mit der massiven Steinmauer hinter ihm kollidierte und wie ein Haufen Kartoffeln benommen zusammen rutschte. Scott dagegen pfiff auf Defensive. Er wetzte dem Zebra entgegen, rammte ihr die gesunde Schulter in den Unterleib und dann hebelte er die Fee kraftvoll über seinen Rücken hinweg. Das Zebra wusste nicht wie ihr geschah, als sie gleich darauf hart auf den Boden aufschlug, um von Kolja gepackt und mit dem Kopf voran in einen Eimer Feenstaub geschleudert zu werden. In der Zwischenzeit schaffte es Fedora sich aus dem aufgestapelten Haufen Feen hervorzuwinden und versuchte erfolglos dem Zebra zur Hilfe zu eilen. Zu spät erreichte er Kolja und als der Bär die männliche Fee bemerkte, warf er ihr kurzerhand eine Ladung Feenstaub mitten ins Gesicht. Augenblicklich erstarrte Fedora zur Salzsäure und vermochte in völliger Paralyse keinen einzigen Finger mehr zu bewegen. Da tauchten die Zwillinge hinter ihm auf. Im Doppelpack sprangen sie auf Scott zu, doch dieser versetzte der vorderen der beiden Frauen einen pragmatischen Tritt in den Magen, was die überrumpelte Fee rücklings gegen ihre Schwester katapultierte und das Duo damit direkt vor Koljas Brust. Dort schnappte der Bär die zwei an den Ohren und schlug ihre Schädel aneinander, dass es darin läutete wie in einem Glockenturm. Besinnungslos landeten die Frauen daraufhin vor seinen Füßen.

    War es das gewesen?

    „Pass auf!“, warnte Kolja Scott, denn hinter ihm rappelte sich Aushilfs-Johnny auf, zog von irgendwoher ein Klappmesser hervor und ging damit auf den Wolf los. Gerade noch rechtzeitig wich Scott der Klinge mittels einem Satz nach hinten aus und duckte sich sofort unter einem weiteren Stich hinweg. Danach schnellte er nach oben um die Fee offenbar am Handgelenk zupacken - doch im Eifer des Gefechts wählte Scott den falschen Arm dafür. Ein Ruck ging durch Koljas Körper, als der Schmerz in Scotts lädierter Schulter die Züge des Wolfes verzerrten und ihn in seiner Bewegung lähmte. In dieser einen fatalen Sekunde holte die Fee abermals aus.

    Das Messer schnitt durch die Luft.

    Dann stand Kolja zwischen den beiden Männern. Mit dem Unterarm wehrte er die Attacke auf seinen Freund ab, woraufhin scharfes Metall ihm oberflächlich ins Fleisch senste und Kolja zischen ließ. Umgehend nutzte die Fee diesen Schreckmoment aus, dem Bären mit dem Knauf ihres Messers einen Hieb gegen den Wangenknochen zu versetzen und Kolja spürte die Erschütterung bis in die Wurzeln seiner Zähne. Seine Wange wurde heiß; ob des Aufpralls musste ihm die Haut aufgeplatzt sein. Genug des Unfugs! Zur Antwort verpasste Kolja dem Kerl einen ungehemmten rechten Haken, dass es ihn von den Füßen fegte. So knutschte die Fee zum zweiten Mal die Wand - und blieb endlich liegen.

    Kolja tastete über sein geschundenes Gesicht, als Scott ihn unerwartet ansprach. „Du hast den Stich für mich kassiert“, rekapitulierte der Wolf verwirrt was in den letzten Sekunden passiert war und gaffte Kolja alsdann mit offenstehendem Mund an. Ja, das hatte Kolja getan. „Wieso?“

    „Hätte es dich erwischt, wäre es viel schlimmer ausgegangen.“ Ob dieser Antwort hin schob Scott verdutzt die Brauen zusammen und sein Blick flackerte zwischen Koljas verletztem Arm sowie seinen Augen hin und her.

    Abbys Ruf weckte die zwei Männer auf. „Kieran jetzt unternimm endlich was!“ Simultan rissen Scott und Kolja ihre Köpfe herum und sahen Abby mit einer sechsten Fee straucheln. Woher kam die denn auf einmal her? Irgendwie hatte Abby es geschafft, dem Nachzügler von hinten die Arme über den Kopf zu schlingen und hielt den jungen Mann mit all ihrer Kraft an Ort und Stelle in der Zange. Kieran stand tatenlos daneben und glotzte die Fee überfordert an. „Kieran!“

    „W-was soll ich tun?“

    „Irgendetwas! Was auch immer dir einfällt!“

    Daraufhin schnappte der Welpe nach Luft und im selben Moment, in dem Scott und Kolja ansetzen den zwei Wolfpolys zu helfen, hob Kieran schwungvoll das Knie und rammte es dem Mann in Abbys Armen ungebremst in den Schritt. Schlagartig blieben die zwei Polymännchen stehen; sie zuckten zusammen, als hätte der Tritt sie selbst erwischt. Uh! Das-... Uh!! Die arme Fee erstarrte regelrecht und sämtlicher Lebenswille entwich ihren Zügen, während sich ihre Augäpfel weit genug zurückrollten um die Rückwand ihres Schädels betrachten zu können. So rutschte die letzte Fee schließlich aus Abbys Griff. Bewusstlos.

    Scott sammelte das Klappmesser vom Boden auf und durchtrennte damit zuerst den Kabelbilder um Abbys Knöchel und anschließend den um ihre Handgelenke. Die Wölfin feierte umgehend ihre neugewonnene Freiheit, indem sie ihren großen Bruder überschwänglich an ihr Herz drückte. „Ich wusste, dass ihr mich holen kommt!“ Ihr fröhlicher Singsang klang wie Musik in Koljas Ohren und seine Freundin gesund und munter zu sehen versetzte Kolja in einen solchen Glücksrausch, dass er sie am liebsten sofort küssen wollte. Beinahe hätte er es auch getan. Allerdings widerstrebte es ihm, sie von Scott wegzureißen also ließ er den Geschwistern ihren Augenblick des Wiedersehens.

    Stattdessen trottete Kolja zu Kieran, welcher staunend sein Opfer musterte. „Ich habe ihn ausgeknockt“, stellte der Teenager fest. „Kol, ich habe ihn voll ausgeknockt!“ Vor Stolz schwoll Kieran glatt die Brust und mit einem Schulterklopfen schenkte Kolja ihm ein bisschen verdiente Anerkennung; immerhin brachten es nicht viele Männer auf der Welt fertig, einem Geschlechtsgenossen derart rücksichtslos das Gemächt zu zerquetschen, dass dieser die Besinnung verlor.

    Plötzlich spürte Kolja Abbys Gewicht an seinem Hals hängen. Fast gleichzeitig wurde der überraschte Bär von seiner Freundin mit einem nicht aufhören wollenden Schwall an Küssen überfallen, den sie nur deshalb unterbrach um Kolja verliebt anzuschmachten. „Oh mein liebster Hase! Du bist mir zu meiner Rettung nachgeeilt, mein wunderbarer Ritter in strahlender Rüstung. Aber was haben diese gemeinen Schufte mit deinem Arm angestellt? Und mit deinem schönen Gesicht?“ Ihre Handfläche streichelte behutsam über Koljas pochende Wange. „Nur meinetwegen musst du Schmerzen erleiden. Ich werde es wiedergutmachen, versprochen!“ Mh? Ach, das Bisschen. Hauptsache Kolja hatte Abby wieder und in welchem Verhältnis stand eine läppische Platzwunde schon zu ihrer Sicherheit? Demzufolge bestand wirklich keine Notwendigkeit, dass Abbys Fingerspitzen an der Knopfleiste ihrer Bluse entlangfuhren, einen Knopf nach dem nächsten öffnete und … ihre … Brüste … ? Moment, was … was tat Abby da? Perplex klebten Koljas Augen an ihrem freigelegten Dekolleté, ehe er hochschreckte und den Blick von Abbys Rundungen zu Kieran und Scott zwang. Genau wie Kolja beobachteten die zwei Rüden irritiert, was ihre Schwester da gerade anstellte, als diese schließlich erleichtert seufzte: „Endlich!“ Sie griff in ihren BH und Kolja sah zu, wie sie einen kleinen Gegenstand aus einer der hellblauen Schalen hervor pflückte. War das ein Ring? „Diese Fieslinge haben mir einfach einen Silberring in den BH gesteckt, damit ich mich nicht verwandeln kann!“, schmollte Abby erbost und drückte das Schmuckstück Scott in die Hand. „Das Metall hat die ganze Zeit so schrecklich gejuckt.“ Oh … okay. Weil Abby selbst keine Anstalten unternahm ihre Kleidung wieder in einen ordnungsgemäßen Zustand zu bringen, übernahm Kolja diese Aufgabe und knöpfte seiner Freundin betreten das Oberteil zu.

    Nun, wo sie ihr Ziel erreicht und Abby gefunden hatten, gab es keinen Grund noch länger im Hort des Schwarms zu verweilen. Scott empfand das scheinbar ebenso, denn er erteilte den Befehl zum Aufbruch. „Machen wir, dass wir hier wegkommen.“ Mh. Zurück in dieses finstere Loch? Auch wenn vermutlich keine Alternative existierte – nur widerwillig würde Kolja noch mal durch den Bau der Wechselbälger krauchen und dabei Gefahr laufen, in klaustrophobischer Dunkelheit auf diese Kreaturen zu treffen. Nicht einmal Abby, die noch die geringste Körpergröße von ihnen vier aufwies, würde als Wolf durch den Großteil der Gänge passen. Untertage eingepfercht hätten sie einem Angriff der Wechselbälger nichts entgegenzusetzen.

    Dagegen plagten Kieran ganz andere Sorgen. „Was ist mit Papa und den anderen? Bestimmt sind sie schon auf den Weg hier her.“ Er checkte sein Smartphone. „Und ich habe keinen Empfang um ihnen Bescheid zu geben, dass wir auf dem Rückweg sind.“

    „Du würdest sie sowieso nicht erreichen, Kleiner. Mama und Papa haben ihre Sachen nicht bei sich, wenn sie als Wölfe hier hoch stürmen. Genauso wenig wie Colin. Die rennen direkt in die Scheiße hinein“, rief Scott seinem Bruder zwischen missmutig gefletschten Zähnen in Erinnerung.

    Und daraufhin stemmte Abby entschlossen die Arme in die Seite und in einem Tonfall, der von der unumstößlichen Absicht ihre Familie vor dem drohenden Desaster zu bewahren und zugleich den Feen eine Lektion zu erteilen zeugte, bestimmte sie: „Dann sorgen wir eben dafür, dass sie es nicht tun!“

    Kolja


    Colins Vergleich mit einem Maulwurfsbau traf den Nagel auf den Kopf. Kolja kam sich tatsächlich vor, als kroch er in den Erdgängen irgendeines Tieres herum, bloß dass dieses gigantisch genug war, damit ein ausgewachsener Mann von Koljas Größe in seinen Tunneln Platz fand. An manchen Stellen mussten er und Kieran die Köpfe einziehen; an anderen hingegen bestand so viel Raum nach oben, dass der Bär Abbys Bruder auf den Schultern hätte tragen können. Wie lange stapften sie mittlerweile durch die Dunkelheit? Fern ab vom Tageslicht und den üblichen Geräuschen des Alltags ging Kolja jedes Zeitgefühl abhanden; der Zeitanzeige auf seinem Smartphone zu schließen hatten sie den Zugang vor einer dreiviertel Stunde betreten aber Kolja kam es unendlich länger vor.

    Hinter ihm hörte er Kierans Schritte widerhallen. Das gleichmäßige Tapsen war das Einzige, was Koljas geistige Verfassung in irgendeiner Weise besänftigte, denn kein Rauschen oder Piepsen, kein Brummen oder Knirschen verlieh dem kalten Gewölbe eine Stimme. Stattdessen schwieg tiefe Schwärze die beiden Polys aufdringlich an. Mit ausgestrecktem Arm tastete Kolja über die Tunnelwände und unter seinen Fingern spürte er das ungleichmäßige Auf- und Ab von Erde und Stein. Die Taschenlampe an seinem Smartphone leuchtete ihnen den Weg aus, doch das kalte Licht der LED wurde von der Finsternis regelrecht verschluckt. Wenigstens sahen Kieran und er wohin sie traten. Kolja warf einen Blick über die Schulter. Obwohl Kieran direkt hinter ihm lief, konnte Kolja ihn gerade einmal schemenhaft ausmachen; bloß das Gesicht des Welpen erkannte er klar und deutlich, da sich das Leuchten von Kierans Smartphonedisplay auf seine Wangen legte. Ein kalter Schauer lief Koljas Rückgrat hinab. Die Dunkelheit schien sie geradezu einzuzwängen.

    Der Teenager fummelte am Kabel seiner Powerbank herum, die seinem Telefon den nötigen Strom lieferte um keinesfalls auf halber Strecke plötzlich zu versagen. Ohne Wards Karten würden sie niemals wieder an die Erdoberfläche zurückfinden und Kolja verstand nunmehr, weshalb Moira und Colin den Bau der Wechselbälger um jeden Preis mieden. Damit er ihre Lichtquelle am Leben erhielt, hatte Kieran Kolja ebenfalls eine solche Powerbank in die Hände gedrückt. Unfassbar. Kolja nannte nicht einmal ein einziges dieser Dinger sein Eigentum und Kieran schleppte auf einer regulären Basis gleich zwei davon in seinem Rucksack mit. „Laut Wards Karte müssten wir die Einmündung zur Burgruine in ein paar Minuten erreichen“, erwähnte Kieran, die Augen auf die abfotografierte Karte auf seinem Smartphone fixiert. Ob des starken Kontrasts zur omnipräsenten Finsternis mussten ihm die Anzeigen doch die Regenbogenhaut wegschnurzeln! „Die Karte ist hammermäßig gut. Ward hat echt Talent für so was.“ Das hatte das Gespenst in der Tat und Kolja verfasste eine gedankliche Notiz, ihm neben einem neuen Zeichentisch zusätzlich einen Monatsvorrat an Energydrinks zu spendieren, sobald diese Episode überstanden sein sollte. „Hoffentlich kann Colin Papa ein bisschen hinhalten.“

    Da Kieran von selbst darauf zu sprechen kam, nutze Kolja die Gelegenheit und fragte: „Wieso beharrt dein Vater so sehr auf seinem Plan?“ Weder Colins und Moiras Überredungsversuche, noch die Tatsache, dass sich ihm keiner seiner zwei Haudegen von Söhnen anschließen wollte, vermochten den alten Wolf vom Wahnwitz seines Unterfangens zu überzeugen. In Koljas Augen zeugte das von einer ganz besonderen Form von Starrköpfigkeit.

    „Papa ist wie Scott: Stur und ein Mann der Tat. Ihm ist wahrscheinlich völlig klar welches Risiko er eingeht aber das ist ihm tausend Mal lieber als rumzusitzen. Vor allem wenn es um unsere Familie geht.“ Mh. Ja. Das klang wirklich nach Scott.

    Im darauffolgenden Moment merkte Kolja, wie der Untergrund unter seinen Schuhsohlen die Substanz veränderte. Stein löste Erde ab und die Wand unter Koljas Fingern endete im Nichts. Offenbar betraten sie eine Kammer; keineswegs die erste, die Kieran und er auf ihrem bisherigen Weg passiert hatten. Bei vielen davon handelte es sich bloß um besonders weiträumig gegrabene Kreuzungen, mancher Orts schienen die Wechselbälger dagegen vergessene Gelasse und Schächte erschlossen zu haben und unweigerlich rätselte Kolja drüber, welches Labyrinth wohl in den tieferen Ebenen auf unglückselige Verirrte wartete.

    Wie bei den meisten anderen trafen hier mehrere Gänge aufeinander; trotzdem unterschied sich dieser Raum von all den bisherigen. „Sind das Pilze?“, stellte Kieran eher fest, denn dass er tatsächlich eine Auskunft von Kolja erwartete. In allen möglichen Formen und Größen wuchsen sie aus den Wänden sowie dem Boden und glühten wie hunderte Leuchtstäbe in Gelb und Blau. Ihr Licht genügte um die Kammer zu erhellen, sodass Kolja seinem Smartphone eine Verschnaufpause gönnte. Eigentlich hätte er glücklich sein sollen der ewigen Finsternis endlich zu entkommen aber dieses wirklichkeitsfremde Glühen behagte ihm in keiner Weise. Zudem leuchtende Pilze folgendes bedeuteten: „Das ist Feenmagie. Der Schwarm ist in der Nähe.“ Demzufolge trennte Kolja nur noch ein kurzes Stück Weg von seiner Abby! Jetzt bloß keine Zeit vergeuden. Der Bär wedelte einige glimmende Sporen aus seinem Gesicht und setzte seinen Marsch fort – und stoppte sogleich abrupt.

    „Hörst du das auch?“, fragte Kieran alarmiert. Ja. Tat Kolja. Jemand – oder etwas – kroch in einem der Tunnel herum und was auch immer es war, es schlich in ihre Richtung. Womöglich eines der Wechselbälger? Kolja legte den Zeigefinger auf die Lippen und deutete Kieran zu schweigen, ehe er mit dem Jungen direkt neben besagten Gang Position bezog.

    Die Schritte kamen näher.

    Dann witterte Kolja einen bekannten Geruch.

    „Das ist Scott.“ Kierans Nasenflügel blähten sich auf, als er seinen großen Bruder roch und ehe Kolja den Welpen vor seiner Dummheit bewahren konnte, machte dieser einen Satz nach vorn und rief freudig aus: „Hey Scott!“

    „WOW!!“ Plötzlich sah Kolja Scotts Faust durch die Luft sausen und in der nächsten Sekunde jaulte Kieran auf, stolperte rückwärts und presste beide Hände auf seine Nase.

    „Bist du bescheuert, Kleiner??“, blaffte Scott ihn an. „Wieso springst du mich aus der Dunkelheit heraus an?! Du hast mich zu Tode erschreckt!“

    Kieran zeigte sich viel zu sehr damit beschäftigt wehleidig „Meine Nase, meine Nase!“ zu winseln um Scott eine Rechtfertigung zu liefern, weshalb der Wolf grummelig den Kopf schüttelte und ohne Kolja einen kleinen Fetzen Beachtung zuzugestehen weiter voran stapfte. Der Bär tat es ihm gleich, aber schon nach wenigen Metern pflaumte Scott ihn an: „Hör auf mir nachzulaufen!“

    Bitte? Kolja lief ihm keineswegs nach. Er wollte Abby retten und dieser Weg führte nun einmal zu ihr. „Ich laufe zu Abby, nicht zu dir.“

    „Halt' dich von ihr fern!“

    Fing Scott wirklich schon wieder damit an? Sogar Kieran fiel sein ewiges Rumgezicke mittlerweile auf den Geist und so rief er seinen Bruder zur Ordnung. „Mann Scott, jetzt führ dich doch nicht so auf. Kol will Abby helfen, genau wie du und ich. Wir haben dasselbe Ziel und sollten deshalb zusammenarbeiten.“

    Alsdann schnaubte Scott abfällig. Was er Kieran darauf aber auch plante zu entgegnen, es verließ niemals seinen Mund, da jäh ein entferntes Kreischen den drei Polys die Ohren malträtierte. „Ist das Abby?“ Kierans Frage blieb unbeantwortet, denn Scott und Kolja stürmten los und durch den von Pilzen beleuchteten Tunnel dem Ursprung des Krachs entgegen. Plötzlich rannte Kolja nicht länger durch einen Maulwurfsbau; er rannte durch das Kellergewölbe eines Gebäudes, bog um zwei Ecken, immer weiter und weiter Scott und den lauter werdenden Frauenstimmen hinterher und schließlich durch das Ende des Ganges bis-... .

    Schlagartig stoppten die Männer. Was im Himmel … ? Hatte Kolja zu viele Leuchtsporen eingeatmet und fiel nun auf irgendwelche Halluzinationen herein? Vor ihnen bot sich das bizarre Bild von Oonagh und Fiadh, die sich zeternd und fauchend gegenseitig und ohne jede Zurückhaltung die Augen auskratzten. Sie stießen und zerrten einander umher und als Kolja realisierte, keinem Hirngespinst zum Opfer zu fallen, bemerkte er die dritte Person in diesem Keller. Abby! Und es schien ihr gut zugehen! Gott sei Dank; der Schwarm hatte seine Finger von ihr gelassen. Freudig überrascht schaute die Wölfin Kolja und ihren Bruder an, da polterte es lautstark und die zwei Feen krachten in einen Stapel Eimer hinein, rissen bei ihrem Sturz die weißen Kunststoffbehältnisse mit sich hinab und ob des Aufschlags sprangen die Deckel von den Öffnungen. Feenstaub in rauen Mengen ergoss sich auf dem Boden und wurde von Schmutz kontaminiert. Im Kampf um die Oberhand rollten sich Fiadh und Oonagh durch die lilafarbene Pfütze als beide zeitgleich eine Faust voll Feenstaub raubten, um das Gemisch aus Glitzer und Dreck einander ins Gesicht zu schleudern. Eine funkelnde Wolke hüllte die Köpfe der beiden ein; sie quäkten, weil der Staub in ihren Augen brannte, doch mit einmal verstummten die zankenden Feen und sackten regungslos zusammen.

    Ihr leises Schnarchen drang an Koljas Ohren.

    So hatte sich dieses Problem also von selbst erledigt.

    „Woher seid ihr denn auf einmal gekommen?“ Abby strahlte beim Anblick von Kolja und ihren Brüdern und sogleich lief Kieran auf seine Schwester zu und half ihr auf die Füße. Die Feen hatten sie allen Ernstes mit Kabelbindern gefesselt! Aber keine Zeit zum Reden. Vom Lärm der zankenden Frauen angelockt, strömten aus dem Gang, der in den oberen Teil der Burgruine führte, plötzlich Oonaghs und Fiadhs Freunde herbei.

    Abigail


    Es war schrecklich kalt hier unten. Und staubig. Abby bekam kalte Füße, ihr Po schmerzte ob des harten Bodens und langsam musste sie wirklich dringend für kleine Mädchen! Zudem klebte ein Rest Feenstaub in ihren Augenwinkeln, welcher wie Sandkörner unangenehm unter ihren Lidern rieb. Dieses grässliche Zeug! Oonagh hatte es ihr ganz gemein ins Gesicht geschleudert; danach war Abby so übel geworden, dass sie die Besinnung verloren und erst viel später wiedererlangt hatte, als die Feen sie in diesen alten Keller unterhalb des Feenhügels schafften. Welches Recht nahmen sich diese arroganten Schufte eigentlich heraus, Abby zu entführen?! Das würde definitiv ein Nachspiel haben! Darauf durften sie wetten. Sobald Scott und Kolja hier auftauchten um Abby zu retten, machten sie dem Schwarm die Hölle heiß, jawohl! Und die zwei würden kommen. Sie, Colin, Abbys Papa und ihre Mama, Niall und deren Rudel. Dann sollten die Feen einmal erleben, wer hier über wen lachte.

    Vorher unternahm Abby allerdings besser etwas gegen diesen unsäglichen Feenstaub. Gleich mehrere große, wiederverschließbare Eimer waren vom Schwarm hier herab geschleppt wurden, da die Feen ihren eigenen Aufbewahrungshinweis 'kühl und trocken lagern' offensichtlich überaus ernst nahmen. Abby konnte den lilafarbenen Inhalt dunkel durch das weiße Plastik hindurch schimmern sehen. Aber was sollte sie tun? Um sie am Fliehen zu hindern, hatten die Feen Abby mit Kabelbindern die Handgelenke zusammengebunden. Mit Kabelbindern! Als wäre Abby irgendein alter Teppich! Ebenso ihre Knöchel und ohne die Möglichkeit sich an irgendetwas hinaufzuziehen, glich sich hinzuknien bereits einem kleinen Kraftakt. Nicht einmal ein kräftiger Tritt, der die Eimer samt Feenstaub in den Dreck beförderte kam in Frage, denn die Feen waren schlau genug gewesen ihre Ware außerhalb von Abbys Reichweite aufzustapeln und sobald die Wölfin auch nur dazu ansetzte loszurobben, erregte sie unweigerlich die Aufmerksamkeit ihrer beiden Aufpasserinnen.

    Gelangweilt hockte Oonagh auf einem der Eimer und beschäftigte sich mit einem mobilen Spiel auf ihrem Smartphone, dessen quietschende Musik zwischen den Steinwänden widerhallte. Ihre Freundin Fiadh hingegen wanderte unruhig auf und ab und wedelte auf der Suche nach Empfang mit ihrem Telefon in der Luft, als wolle sie damit die Spinnweben in den Ecken entfernen. „Mann ey, wieso gibt's hier unten kein Internet??“, lamentierte sie herum. „Können wir nicht wieder hoch gehen? Ich kann mein Instagram nicht checken!“

    „Jetzt halt die Backen still. In zehn Minuten lösen uns die anderen eh ab und Ailbhe ist sowieso schon auf dem Weg zum Russenabschaum. Kann nicht mehr lang dauern, ehe der hier auftaucht um sein Fickstück zu holen.“ Das hektische Geflimmer auf ihrem Display strahlte Oonagh mitten ins Gesicht und störte damit das sanfte Ambiente der Pilze.

    Obwohl es in diesem Keller weder Lampen noch Elektrizität gab, erfüllte Helligkeit den Raum. Niedliche Pilze mit großen wie kleinen Hüten, mit spitzen Dächern und manchmal auch mit flachen, sprossen zwischen dem alten Gemäuer hervor und gaben ein unaufdringliches Leuchten ab. Manche glommen in einem zarten Gelb, andere in einem kalten Blau und hier und da schwebten Sporen wie entzückende Glühwürmchen umher. Was für ein wunderschönes Bild! Wie schade, dass es ausgerechnet die Feen sein mussten, die es hervorzuzaubern vermochten.

    In völliger Ignoranz gegenüber der Schönheit ihrer eigenen Magie setzte die Fee im Pelzjäckchen ihr Gejammer fort: „Aber ich komm' nicht ins Internet! Es ist arschlangweilig hier unten.“ Sie wies auf Abby. „Darf ich ihr was mit 'nem Kuli ins Gesicht schmieren?“ Wie bitte? Auf gar keinen Fall! Sollte sich die Fee doch ein Ausmalheft besorgen, wenn sie kreativ werden wollte!

    „Hast du 'nen Kuli dabei?“, fragte Oonagh desinteressiert und das wilde Geflacker auf ihren Zügen verriet, dass sie wohl gerade einen neuen Highscore erreichte. Trotz der Ablenkung registrierte sie das Kopfschütteln ihrer Freundin und schlug sodann vor: „Mach halt einfach ein paar Selfies.“

    „Bei dem beschissenen Licht hier unten? Kannst du vielleicht 'nen noch dämlicheren Vorschlag bringen?“, zischte Fiadh sie an, wofür Oonagh zurück giftete:

    „Du versaust doch eh in jedem Foto die Beleuchtung, also was macht's für 'nen Unterschied?“

    Huch, was für einen garstigen Tonfall die beiden anschlugen! Niemals käme Abby auf die Idee gegenüber einem ihrer Freunde eine derart schnippische Ausdrucksweise zu benutzen. Der Streit setzte sich fort:

    „Hackst du etwa immer noch auf unserem letzten Instagramselfie herum? Ich hab' doch gesagt, es war keine Absicht, dass dein Gesicht darauf überbelichtet ist.“

    „Als ob! Das hast du extra so gemacht, damit man darauf nur dich erkennt und mich nicht.“

    „Dafür hattest du mich beim letzten Mal nicht getagged!“

    Alsdann stand Oonagh von ihrer Sitzgelegenheit auf und machte einige Schritte auf Fiadh zu. Große Güte, fingen die zwei Freundinnen etwa ernsthaft wegen eines albernen Fotos in den sozialen Medien einen Streit an? Das war ja furchtbar!

    Oder war es eher eine Chance? Wenn die zwei Frauen davon vereinnahmt wurden sich gegenseitig verbal die Augen auszukratzen, würde Abby vielleicht unbemerkt den Feenstaub erreichen. Oh, was für schlimme Gedanken sie nur entwickelte, einen Keil zwischen Freundinnen treiben zu wollen! Doch erstens hatten diese fiesen Ziegen jeglichen Anspruch auf eine rücksichtsvolle Behandlung verwirkt und zweitens: Kein noch so schlimmer Zank würde es jemals schaffen, wahre Freunde auseinanderzureißen! So kramte Abby in ihrem Gedächtnis herum und warf unschuldig ein: „Was aber überhaupt nicht schlimm ist. Ich meine, welchen Unterschied würde es machen, ob sie auf ihrem Foto auf dich verweist, immerhin besteht der Großteil ihrer Follower auf Instagram aus angekauften Bots. Es hätte sowieso kein echter Mensch gesehen.“

    Simultan wandten die Feen ihre Köpfe zu Abby. Dann hisste Oonagh Fiadh an. „Woher weiß die Schlampe das?! Das habe ich dir im Vertrauen erzählt und du tratscht das rum?!“

    Fiadh setzte zu einer Response an, aber Abby kam ihr zuvor in dem sie sagte: „Ein bisschen kann man es nachvollziehen. Schließlich hast du ja auch jedem verraten, dass ihr die Klamotten auf ihren Fashion-Blog gar nicht gehören. Ich würde sagen, ihr beiden seid quitt.“

    „Das warst DU?!“ Empört konfrontierte Fiadh ihre Freundin, welche zurück fauchte:

    „Jetzt tu mal nicht so als wäre das ein Geheimnis, dass dein Bonzengehabe bloß fake ist. Genauso wie dieses falsche Rumgeschmalze zwischen dir und Odhrán sobald irgendwo 'ne Kamera angeht. Eure Lügenstorys von wegen großer Liebe gehen mir so auf den Pisser.“

    „Ach, willst ausgerechnet DU mir von wegen Lügengeschichten kommen? Madame 'Und dann hat die ganze Straße applaudiert'. Das Einzige was dir in dem Moment applaudiert hat war das Scheißhaus auf dem du gesessen hast, während du diesen Dünnschiss ins Internet gespült hast.“

    „Na dann erzähl mir doch mal wie das so ist, wenn mein Dünnschiss mehr Likes generiert als die Sammlung Putzlappen, die du Mode nennst.“

    „Blöde Kuh!“

    „Miststück!“

    Während sich die Feen gegenseitig wüste Beschimpfungen um die Ohren schlugen, schob sich Abby ganz langsam den Eimern mit den Feenstaub entgegen. Da wurden die Feen auf einmal handgreiflich; Oonagh stieß Fiadh gegen die Schulter, die gleichem mit gleichen vergalt und ihrer Freundin ebenfalls einen derben Schubs versetzte. Huch! Also das hatte Abby nicht bezwecken wollen! Infolge ihrer Gegenwehr kassierte Fiadh eine saftige Ohrfeige, gab diese sogleich an Oonagh zurück und plötzlich gingen die zwei Frauen aufeinander los. Kreischend zerrte Fiadh Oonagh an ihrem kunterbunten Haar, während Oonagh mit ihren manikürten Fingernägeln rabiat Fiadhs Arme zerkratzte. Abby zog schnell die Beine heran, als die rangelnden und ineinander verkeilten Feen lauthals keifend an ihr vorbei stolperten.

    Upsi. Das war jetzt irgendwie außer Kontrolle geraten.

    Hallo KruemelKakao , ich freue mich über deine Rückmeldung!

    Und schreib ruhig weiter so ausführliche Kommentare :sack: :ninja:


    Der Typ hat wirklich eine Frau?

    Meine Intention war eigentlich, dass er mal eine hatte aber geschieden ist ^^ Erst nach deinem Post habe ich gechecked, dass man es auch so deuten könnte als sei die Schwiegermutter tot und Hayes wäre noch verheiratet.

    Aber er ist geschieden, anderefalls wäre es sonst auch richtig krass dass er sich Gwen als seine Stammnutte hält :hmm:


    Ich schick die auch nie weiter.

    Wer tut das schon :D


    Das finde ich so cool mit den Kettennachrichten. Das ist einfach echt mal was erfrischend anderes!!! So cool!

    Das freut mich zu lesen ^^


    Sowas mag ich total! Ich liebe es wenn man sieht das der Char diese Eigenart irgendwo auch her hat.

    Das wird man jetzt noch nicht einschätzen können weil Fergus und Saoirse bisher zu selten aufgetreten sind, aber Ziel ist am Ende, dass man die Persönlichkeiten der beiden in Scott, Colin und Abby wiederfindet, nur bunt durcheinander gemischt. Mal gucken, ob ich das hinkriege.


    Hast du dir das ausgedacht oder selbst erklärt oder irgendwo gelesen?

    Das habe ich mir an dieser Stelle aus den Fingern gesogen, weil mir aufgefallen ist dass ich bisher noch gar keine Erklärung geliefert habe, wieso Elektrogeräte durchdrehen wenn Ward als unsichtbares Wölkchen in der Nähe herumschwebt. Weiter als bis zur Spirit Box reicht mein Geisterwissen nicht :rofl:

    Wenn das irgendwo als ... öh ... "wissenschaftlicher Fakt" beschrieben wurde, dann war es Zufall dass ich dieselben Schlussfolgerungen gezogen habe.

    Mein ursprünglicher Ausgangspunkt bei der Sache war nur dass Lichter flackern wenn Geister in der Nähe sind und dass Poltergeister Dinge durch die Gegend werfen.


    Danke schön :love:

    Ward pflegte tatsächlich einen Garten.

    Mit Sicherheit verdiente das Stück Hinterhof schwerlich die Bezeichnung eines Englischen Parks und für einen Nutzgarten brauchte es nach Koljas Auffassung etwas mehr, denn ein Karottenbeet sowie eine Rabatte voller Katzenminze. Trotzdem blieb das einzige überwucherte die hohen Mauern zu den angrenzenden Grundstücken, welche hinter einem saftig grünen Vorhang aus Efeu verschwanden. Löwenzahn und Disteln sprenkelten hier und da die Rasenfläche, ohne ein gemütliches Umherschlendern mit blanken Füßen unmöglich zu machen und gleich zwei große Laubbäume spendeten angenehmen Schatten und den zwitschernden Vögeln zugleich ein Obdach. Wer hätte gedacht, dass hinter der ominösen Hintertür dieser verfallenen Ruine ein kleines Idyll wartete. Nur eine Sache trübte das Gesamtbild marginal: eine in die Erde eingelassene Stahlplatte.

    Gemeinsam begutachteten Ward und Kolja den Zustand der Abdeckung, die den Bärenpoly ob ihrer Ausmaße an einen Gullydeckel erinnerte. Ein Betonsockel umsäumte zudem das Loch im Boden. „Sie ist zugeschweißt.“

    „Das ist korrekt“, bestätigte Ward die Feststellung des Bären. „Zu jener Zeit hatte ich kein Verständnis dafür, dass die Stadtverwaltung ohne meine Einwilligung ein unansehnliches Stück Schrott in meinem Garten montieren lässt. Um sicherzugehen, dass niemand bei eventuellen Bauarbeiten den Zugang freilegt, wurde der Straßenzug allerdings zusätzlich unter Denkmalschutz gestellt, was mein Leben dahingehend vereinfacht hat, mich nie wieder mit lästigen Lebendmietern herumplagen zu müssen.“ Das Gespenst neigte teilnahmslos den Kopf. „Wenn mich der Anblick besonders stört, stelle ich eine Topfpflanze darauf ab.“

    Mh. Da hatte Abby Kolja aber eine etwas andere Geschichte erzählt. „Abby meinte, die Gebäude stünden wegen ihrer Kulturgeschichte unter Denkmalschutz.“

    „Die Architektur hat den bürokratischen Prozess zweifellos beschleunigt.“

    Vergeblich suchte Kolja die Platte nach einem Ansatzpunkt ab, dank dem es ihm gelingen würde die Konstruktion anzuheben. Weder gab es einen Griff, noch einen Spalt in den Koljas Finger genug Platz fanden. Metall und Beton schlossen nahtlos aufeinander ab; die Schlosser damals hatten wirklich hervorragende Arbeit geleistet. „Wie gelange ich hinein?“

    Auf diese Frage hin runzelte Ward die Stirn. Hernach wanderte sein Blick von Kolja zu der Stahlplatte und wieder zurück und schließlich gelangten die Überlegungen des Gespenstes zu folgendem Ergebnis: „Offenbar gar nicht.“

    „Ward … .“

    „Mea culpa“, brachte dieser hervor. „Ich erkunde diese Gänge als paranormale Präsenz. Ein physisches Hindernis in Form von Metall war für mich zu keiner Zeit von Relevanz, weshalb ich dieses Detail schlichtweg nicht bedacht habe.“ Kolja stöhnte lautlos, als Ward auf einmal mit dem Finger auf die Hintertür des Hauses wies und sagte: „Vielleicht fällt deinem Freund eine Lösung ein.“

    Hm? Koljas Freund? Die Augen des Bären folgten Wards Fingerzeig und tatsächlich huschte im selben Moment ein schwarzhaariger Schopf vor ihm in Deckung. War das etwa … „Kieran?“

    Ertappt schob besagter Wolfspoly den Kopf hinter dem Türrahmen hervor. „Hi Kol.“

    Jede Frage danach was er hier trieb oder wieso er Kolja folgte durfte man mit Fug und Recht als überflüssig bezeichnen. Also wollte Kolja stattdessen erfahren: „Wer passt auf Nialls Kinder auf?“

    „Gwen wirft ein Auge auf sie.“

    Ob das gut ging? Soweit Kolja wusste, konnte der Sukkubus nur sehr wenig mit Kindern anfangen. „Du denkst, die vier kommen miteinander zu recht?“

    Kieran reagierte auf Koljas Bedenken mit einem Schulterzucken. „Ich denke schon. Als ich gegangen bin hat Gwen den Mädels gerade beigebracht, wie man in High Heels läuft.“

    „Ist die jüngere nicht gerade mal zehn?“

    „Hauptsache sie ist beschäftigt, oder nicht?“

    Okay. Aus dieser Art von Familienangelegenheit hielt sich Kolja heraus. Kieran wegzuschicken würde vermutlich sowieso dasselbe Maß an Erfolg zeigen, wie die wiederholten Anweisungen seine Nichten und Neffen zu hüten. Und wenn er schon mal hier war, lieferte sein aufgeweckter Verstand vielleicht wirklich eine zündende Idee, wie sie den Zugang offenlegen konnten.

    Daher winkte Kolja den Teenager heran. „Fällt dir eine Möglichkeit ein diese Platte zu bewegen?“

    Die Bezeichnung 'zündend' passte hierbei wie die Faust aufs Auge, da Kieran vorschlug: „Wir könnten sie in die Luft sprengen.“

    Das wertete Kolja folglich als ein Nein.

    Ward dagegen schien diesen Gedanken ernsthaft in Erwägung zu ziehen – das, oder seine Frage zielte auf die Sicherheit der Nachtbarschaft ab. „Führst du Sprengstoff bei dir?“

    Verdutzt gaffte Kieran ihn daraufhin an. „Nein?“

    „Dann müssen wir es mit anderen Mitteln tun.“

    Was? Kolja meinte sich zu verhören. Oder war Ward es, der sich verhörte? Kieran sprach davon in seinem Garten eine Explosion herbeizuführen und nicht davon den Rasen zu sprengen. Sein Unglaube stand Kolja wohl ins Gesicht geschrieben, denn Ward begann ohne extra Aufforderung zu erklären: „Meine paranormale Präsenz wird von einem von mir kontrollierbaren Energiefeld umgeben. Üblicherweise erlaube ich diesem Feld eine freie Entfaltung, was in der Nähe von Elektrogeräten hin und wieder zu gewissen Störungen führt. Ich könnte diese Energie jedoch bündeln und gezielt auf die Abdeckung freisetzen. Die Krafteinwirkung sollte ausreichen, sie von Fundament zu lösen.“

    „So was kannst du?“, fragte Kieran mit offenstehendem Mund und Ward antwortete mit einer Gegenfrage.

    „Hast du niemals eine Videoaufnahme gesehen, in der sich Gegenstände von selbst bewegen?“

    „Doch, aber ich dachte immer das wäre das Werk von Poltergeistern.“

    Unbeteiligt meinte das Gespenst darauf: „Poltergeister sind lediglich normale Geister die ihre Hyperaktivitätsstörungen nicht unter Kontrolle haben.“

    Genug des Small Talks. „Versuchen wir es auf deine Weise“, entschied Kolja; eine Sache gab es da seitens Ward allerdings noch zu erwähnen:

    „Da ich bei diesem Vorgang meinen Fundus an Energie vollständig entleere, werde ich mich einige Zeit nicht verstofflichen können. Ihr werdet euch demzufolge ohne meine Hilfe in den Tunneln zurechtfinden müssen.“

    Und dann verpuffte Ward schlagartig. Kolja griff Kieran am Arm und ging mit ihm auf Abstand zur der Stahlplatte, als diese zu vibrieren begann. Aus der Vibration wurde ein Rütteln, dieses schwoll zu einem Beben an und plötzlich schoss die Abdeckung wie ein Korken aus einer kräftig geschüttelten Sektflasche nach oben, über die Mauer hinweg und landete dort scheppernd auf einem der benachbarten Hinterhöfe.

    „Hey, was soll denn das??“, vernahm man eine irritierte Stimme jenseits der Grundstücksgrenze murmeln, während Kolja einen Blick in das nunmehr offenstehende Loch wagte.

    Schwärze und ein kalter Luftzug gähnten den Bären an.

    Und Kolja stieg in den Schlund hinab.



    nächster Teil

    Dort wischte der Wirt einen Humpen mit einem Tuch aus,

    Die gute alte Standardbeschäftigung eines Wirtes in jeder mittelalterlichen Geschichte :rofl:


    Wie immer kann ich nichts sinnvolles beitragen ^^ Der Prolog wirft auf jeden Fall Fragen auf und auch mit dem Hintergrundwissen aus Version 1.0 rätselt man automatisch rum und versucht Verknüfungen herzustellen, worüber die vier da reden. Was Chaos angesprochen hat bzgl. dem "Dies" hat mich auch kurz aus dem Satz geworfen but who am I to judge?


    Bei dem Namen Egon musste ich btw gleich an "Kennst'e Egon??" denken xD Hihi.

    Was die Namen angeht ... ist nur eine Überlegung aber mit Egon und Ellark hast du gleich zu Anfang zwei ähnlich klingende Namen, ohne weitere Charakterisierungen. Das könnte den Einstieg erschweren kann ich mir vorstellen? Aber als ob ich eine Ahnung hätte :rofl:

    „Du hältst dich da raus!“, bellte Scott ihn umgehend an. „Ich will dich nicht mal in der Nähe meiner Schwester riechen, kapiert?!“

    Nein, das kapierte Kolja keineswegs. „Scott, ich lasse mir nicht von dir verbieten meiner Freundin zu helfen.“

    „Halt die Schnauze! Abby ist nicht deine Freundin!“ Wütend bleckte Scott die Zähne. Hielt er es allen Ernstes für den passenden Zeitpunkt um einen Streit anzuzetteln? Ausgerechnet jetzt? Gerade besaß Kolja wirklich keinen noch so kurzen Nerv für Scotts Großer-Bruder-Gehabe, weshalb er dem Wolf unmissverständlich klar machte:

    „Doch, das ist sie. Arrangiere dich damit, denn du hast bei dieser Sache kein Mitspracherecht.“

    Ob Koljas Widerspruch packte Scott den Bären derb am Kragen seines Hemdes, doch zum wievielten Male in den letzten vierundzwanzig Stunden fand sich Colin wie ein Schutzwall zwischen seinem Bruder und einer anderen Person wieder und unterband jegliche Gewalttätigkeiten. „Alter, bist du irre?“, blaffte er Scott an. „Kolja ist dein bester Freund, Mann. Komm mal wieder zu Verstand.“ Schon rechnete Kolja mit einer Repetition von Scotts Litanei über Verrat und Ehrlosigkeit; überraschenderweise wurde allerdings Colin das neue Ziel von Scotts Anfeindungen. „Du verteidigst den Pisser?!“

    Colin stöhnte genervt. „Jetzt krieg dich endlich ein, Scott. Ja, ich find's genauso scheiße wie du, dass die zwei so ein Geheimnis aus allem gemacht haben. Aber Kolja ist ein prima Kerl und mir ist es tausend Mal lieber Abby ist mit ihm zusammen als beispielsweise mit einer Niete wie Donnelly oder diesem Penner Sulley. Davon abgesehen hat Abby nicht mal versucht so zu tun, als würde sie nicht auf ihn abfahren. Jeder Idiot mit zwei Augen im Kopf und 'ner funktionierenden Nase hat früher oder später gecheckt, dass da was läuft.“

    Wenngleich sie bei Scott keinerlei Umdenken bewirkte, dankte Kolja Colin gedanklich für dessen Unterstützung. Da mischte sich Kieran ein: „Du solltest Kol wirklich mitnehmen, Scott. Gegen die Feen ist er als russischer Braunbär echt von Vorteil.“

    Uhrm, war er?

    „Ist er?“

    Mit gehobenen Brauen nickte Kieran und während der Teenager redete, kehrte bei Kolja die Erinnerung an etwas zurück, was die Feen bei ihrem letzten Aufeinandertreffen angedeutet hatten. „Ja, natürlich. Kol ist nicht von hier und deswegen hat Feenstaub auf ihn nicht dieselbe Wirkung wie auf uns. Die Magie der Feen ist auf unser Ökosystem ausgerichtet aber in Irland gibt und gab es nie eine einheimische Bärenpopulation, oder zumindest die eines vergleichbar großen Raubtiers. Kols Anwesenheit sorgt deswegen für ein Ungleichgewicht. Wie die Kaninchen damals, die nach Australien eingeschleppt wurden und fast das ganze Ökosystem dort unten zerstört hätten.“

    Augenblick. Wollte Kieran etwa andeuten, Kolja sei … .

    „Kolja ist also auch gegen Feenmagie immun?“, schlussfolgerte Moira überrascht, womit sie jedoch ebenso wie Kolja allen Anschein nach falsch lag. Na ja. Zumindest erwies sich ihr Rückschluss nicht als hundertprozentig korrekt, denn Kieran räumte ein:

    „Soweit würde ich nicht gehen. Aber die Feen dürften mit Sicherheit eine echt schwere Zeit haben, Kol eins mit ihrer Magie auszuwischen.“

    So was … . Zehn Jahre auf dieser Insel und Kolja lernte solche Dinge erst heute. Wobei er zugeben musste den Provokationen des Schwarms niemals genug nachgegeben zu haben, um derlei Erkenntnisse von selbst treffen zu können.

    „Das würde ja bedeuten, dass diese ganze Fremdenfeindlichkeitsscheiße der Schwarmidioten 'nen legitimen Grund hat. Die fühlen sich von Kolja in ihrer Rangordnung innerhalb unserer Nahrungskette gefährdet.“ Colin blickte den Bären an. „Nichts für Ungut, Großer.“ Gleichmütig hob Kolja die Achseln. Der Rüde traf lediglich die richtigen Herleitungen.

    „Kieran, woher weißt du so was überhaupt?“, fragte Moira fast schon verblüfft, was der Welpe mit einem knappen „Educational TikToks von einer Dryade, die Ökologie in Oxford lehrt“ beantwortete. Aha. Natürlich.

    Für Scott dauerte das Gequatsche bereits zu lang. Er knurrte gereizt „Dann hängt euch doch an den Penner dran, wenn ihr ihn so toll findet! Ich brauch keinen von euch“ und hielt sein Smartphone über Wards Karten. Ein Klicken verriet, dass er sie abfotografierte. Dann stapfte der Wolf übellaunig zum Ausgang des Pubs.

    „Scott, jetzt warte doch mal“, versuchte Colin seinen Bruder davon abzuhalten allein loszuziehen aber sein Zureden prallte an Scotts trotzigem Schädel ab wie ein Tischtennisball an einer Betonwand. Weg war er. Im Alleingang auf und davon.

    „Er wird den Zugang nehmen, in den ich damals gefallen bin.“ Die Sorge um ihren Kindheitsfreund trübte Moiras Miene. Augenblick. Hatte Colin nicht eben gemeint, die Zugänge wären blockiert?

    „Ich dachte, die Zugänge ließen sich nicht ohne Weiteres öffnen.“

    „Das kommt drauf an wie viel Talent du darin hast irgendwo einzubrechen“, meinte Colin schulterzuckend. „Und Scott hat ziemlich viel davon.“

    An dieser Stelle schaltete sich Ward wieder ein. „Ich empfehle den Zugang in meinem Garten zu nehmen. Er hat die ideale Lage und verkürzt den Weg untertage um mehrere Minuten.“

    „Von deinem Garten aus kommt man in den Bau der Wechselbälger?“ Zum ersten Mal seit einiger Zeit ließ Gwen ihre Stimme hören. Skeptisch runzelte sie die gleichmäßige Stirn, während Ward ihr ausschweifend entgegnete:

    „Ja.“

    Okay. Es interessierte Kolja wenig, weshalb Wards Grundstück den Zugang zu einem unterirdischem Höhlensystem barg; für ihn zählte einzig und allein die Chance, Abby aus den Fängen der Feen zu befreien. Also forderte der Bär Ward auf: „Zeig mir den Zugang.“

    „Au ja, zeig uns den Weg, Kevin! Wir retten meine Schwester!“ Begeistert hopste Kieran von seinem Hocker, doch abermals musste er sich den Wind aus den Segeln nehmen lassen.

    „Ich denke, du solltest hierbleiben“, erteilte Kolja dem Welpen einen gut gemeinten Ratschlag, weswegen dieser ihn großäugig anglotzte.

    „Wieso denn??“

    Der Bär schaute zu Nialls Welpen, die derzeit gelangweilt an einem der Tische hockten. „Deine Mutter wird sehr wütend sein, wenn sie herausfindet, dass du ihre Enkel alleingelassen hast.“ Und das letzte was Kolja wollte, war den Unmut seiner Schwiegermutter zu erregen indem er Kieran von seinen Pflichten abhielt. Nein. Dieses Risiko ging Kolja lieber nicht ein.

    Stattdessen sah er den verbleibenden Rest der Gruppe an.

    Zwischen Moira und Colin fand eine Art nonverbale Kommunikation statt und was auch immer den beiden vor zwanzig Jahren widerfahren sein musste, Colin sprach sowohl für sich selbst als auch für die Banshee, als er sagte: „Sorry Mann. Uns kriegst du nicht da runter.“

    „Ich denke es ist besser, wenn ich ebenfalls hierbleibe, Papabär“, schloss sich Gwen ihnen an. „Ich wäre nur ein Klotz am Bein und am Ende lockt meine Aura noch diese Wechselbälger an.“

    Kolja nickte. Eventuell war es sowieso klüger allein bis zum Hügel vorzudringen. Der Krach einer Gruppe erweckte mehr Aufsehen, denn das Schweigen einer einzelnen Person und unbemerkt zu bleiben stellte immerhin die Grundvoraussetzung für den Erfolg dieser Aktion dar.

    Nichtsdestotrotz wollten Colin und Moira keineswegs untätig herumsitzen. Der Rüde verkündete: „Wir werden weiter versuchen meinen Vater von seiner Schnapsidee abzubringen. Oder zumindest genug Zeit schinden, bis du Abby nachhause gebracht hast.“

    Abermals reagierte Kolja mit einem verstehenden Nicken und gab Ward alsdann den Befehl zum Aufbruch. „Gehen wir.“

    Nur zur Info: Ich habe den Namen meines Gespenstes nachträglich anglisiert und auch die entsprechenden Stellen im Text verändert. Von jetzt an wird Caoimhin unter Kevin weitergeführt. Ich hatte mich anfangs für die irische Originalvariante entschieden, weil ich davon ausgegangen bin dass die anderen Figuren ihn eh mit seinem Nachnamen anreden, aber Moira und Abby sind einfach zu lieb :rofl: Davon abgesehen hat sich an irgendeiner Stelle ein Schreibfehler im Namen eingeschlichen, den ich mir dann auch noch angewöhnt und deswegen immer wieder wiederholt habe und außerdem passt die Farbe des Worts "Kevin" besser zur der des Wortes "Gespenst" :ninja:

    Also gleicher Name, nur eine andere Schreibweise. Go Kevin, go!

    „Das ist eine miese Idee“, murmelte Moira und beobachtete genau wie Kolja die Wölfe, die in den letzten fünfundvierzig Minuten im Pub eingetrudelt waren. Kolja machte insgesamt sieben Neuankömmlinge aus. Die eine Hälfte von ihnen, hatte er sich von Colin erklären lassen, gehörten zum Rudel seiner Eltern und die starke Ähnlichkeit zu Fergus identifizierte die andere eindeutig als dessen Brüder und Schwester. Außerdem stand Niall an der Seite seines Vaters und zählte man seine drei Kinder dazu, die zwischen den Tischen umher tobten, kam man schlussendlich sogar auf zehn Wölfe, welche in so kurzer Zeit Fergus' Hilferuf gefolgt waren. Was für ein bemerkenswerter Familienzusammenhalt.

    Trotzdem stimmte der Bär Moira schweigend zu. Er wollte Abby so schnell wie möglich wiederhaben aber geradewegs in den Schwarm hineinzurennen konnte nur in einem Himmelfahrtskommando enden, zudem dieser aller Wahrscheinlichkeit nach mit einer direkten Konfrontation rechnete. Nein. So sehr Koljas Innenleben danach schreite endlich zu handeln – ohne einen Plan würden sie lediglich dem Feenstaub zum Opfer fallen. Um den Tresen versammelt suchten er, Gwen, Scott, Moira und Colin jedoch vergeblich nach einem solchen Plan und das mittlerweile seit fast einer geschlagenen Stunde. Jeder einzelne ihrer Gedankengänge führte immer wieder in dieselbe Sackgasse, in der sowohl sinnbildlich als auch buchstäblich eine massive Wand aus Feenstaub das Weiterkommen verhinderte. „Die ist nicht nur mies“, murrte Colin auf Moira Bemerkung hin, „die ist bescheuert. Mann, die scheiß Feen sehen uns von ihrem Hügel schon aus der Ferne. Sobald die uns als Punkte in der Landschaft mitkriegen, holen die ihren Feenstaub raus und wir sind am Arsch! Die haben wahrscheinlich schon ein ganzes Lager da hoch geschleppt.“ Inzwischen hatten ihre Überlegungen sie so oft zu der Erkenntnis geführt, es in erster Linie gar nicht erst auf eine Auseinandersetzung mit dem Schwarm ankommen lassen zu dürfen, dass niemand mehr diese Tatsache überhaupt noch aussprach. Aber wie sollte man so etwas anstellen? Colin hatte Recht; die Burgruine bot den Feen das perfekte Panorama und selbst wenn es jemand schaffte, unbemerkt den Hügel zu erreichen – dank ihres Schwarmdenkens genügte die Aufmerksamkeit einer einzigen Fee, um auch die anderen in Alarmbereitschaft zu versetzen.

    Kieran nahm sein Telefon vom Ohr. „Onkel Dick will von unterwegs zu uns stoßen. Er bringt Onkel Grady und Tante Penny mit“, richtete er seinem Vater den Inhalt des Telefonats aus.

    Dieser nickte verstehend. „Dann brechen wir auf.“ Wie auf Kommando bewegten sich die versammelten Wölfe daraufhin auf den Ausgang des Pubs zu und damit Koljas Befürchtung nach geradewegs in die Notaufnahme des Krankenhauses. Vergebens hatten Colin und Moira versucht, Fergus dieses Vorhaben auszureden, denn das Familienoberhaupt der Fitzpatricks besaß ohne jeden Zweifel mindestens genauso viel Starrsinn wie Scott. Kolja überraschte es nicht im Geringsten; irgendwoher mussten Abby und ihr Bruder diesen Teil ihrer Persönlichkeiten ja schließlich hernehmen.

    Allen voran hüpfte Kieran aufgeregt von einem Fuß auf den anderen. „Oh Junge, dann geht es jetzt los!“, quasselte der Welpe begeistert und sprang abenteuerlustig vorneweg. „Jetzt retten wir meine Schwester! Diesen doofen Feen zeigen wir es. Los Leute, mir nach!“ Sein jugendlicher Enthusiasmus erlebte allerdings einen herben Dämpfer, da seine Mutter ihn zurückpfiff wie einen ausgebüchsten Cocker Spaniel auf einer Hundeausstellung.

    „Du wirst nicht mitkommen.“

    Dem Teenager sackten schlagartig die Mundwinkel herab. „Warum nicht?!“

    „Du wirst bei deinem Neffen und deinen Nichten bleiben und ein Auge auf sie werfen.“ Mit einem Fingerzeig deutete Saoirse auf ihre Enkelkinder, von denen das jüngste ungefähr zwei Jahre alt sein mochte, schätze Kolja, und das älteste nur wenig jünger als Kieran.

    „Ich muss in die Welpengruppe??“, brachte Kieran es fassungslos auf den Punkt und Kolja registrierte das genervte Augenrollen von Nialls Ältesten, die selbst fast ein Teenager und demnach in Koljas Augen eigentlich in der Lage war, ihre Geschwister für ein paar Stunden unter Kontrolle zu halten. Oha. So wie Kieran darauf reagierte mit dem Nachwuchs zusammengesteckt zu werden, bekam man beinahe den Eindruck er fühlte sich in seiner Ehre verletzt. Es fehlte lediglich, er würde trotzig mit dem Fuß aufstampfen. „Das ist unfair! Ich bin fünfzehn Jahre alt! Ich könnte schon selbst Welpen zeugen, wenn ich wollte!“

    „Das Einzige was du erzeugst ist der Unmut deines Vaters“, erwiderte Saoirse unnachgiebig und tatsächlich haftete Fergus' scharfer Blick bereits auf dem Teenager. Oh-oh. Zu seinem eigenen Wohlergehen sollte Kieran sein Schicksal besser akzeptieren und den Babysitter spielen. „Jetzt genug der Diskussionen! Geh mit den Kindern nachhause und kümmere dich um sie bis wir zurück sind.“

    So blieb Kieran nichts anderes übrig, denn zuzusehen wie die erwachsenen Wolfpolys loszogen – ohne ihn. Murrend ließ sich der Welpe auf einen Barhocker fallen.

    „Wollt ihr nicht mitgehen?“ Auf Gwens Frage hin schüttelten Scott und Colin ihre Köpfe. Die Aussicht auf eine Extraportion Feenstaub schaffte es offenbar sogar einen Hooligan wie Scott davon abzuhalten, blindlings loszustürmen.

    Moira seufzte schwer. „Und was jetzt?“ Ja. Was jetzt? Himmelherrgott, irgendetwas mussten sie doch tun können! Wenn ihnen nicht bald etwas einfiel, drehte Kolja aus lauter Angst um seine Freundin noch durch!

    „Wenn wir uns nur unsichtbar machen könnten“, dachte Kieran laut, „dann könnten wir uns einfach anschleichen, Abby schnappen und wieder nachhause gehen.“ Mhpf. Wenn das doch bloß so leichthin möglich wäre.

    „Diese Option besteht.“

    „Huch, Kevin!“ Moira zuckte zusammen, als das Gespenst auf einmal hinter ihr am Tresen stand. „Wo bist du vorhin denn auf einmal hin verschwunden?“

    „Ich bin nachhause gegangen um meine Karten zu holen. Sie sind die Lösung eures Problems.“

    Aus Scotts Richtung ertönte ein unwilliges Grummeln, doch entweder zeigte Colins Anpfiff von vorhin eine Wirkung oder Scott fehlten vor Sorge um Abby die geistigen Kapazitäten, um irgendwelche Beschimpfungen zu formulieren. So blieb es bei leeren Drohlauten, unterdessen Ward einen Kunststoffzylinder vorwies und daraus einige große Bögen eingerolltes Papier hervorzauberte. Er breitete sie auf dem Tresen aus.

    „Sind das Karten von der Stadt?“ Neugierig schob Kieran seine Nase über die Pläne. „Die sehen irgendwie komisch aus. Gar nicht wie die Stadtkarten, die man an der Touristeninformation bekommt.“

    „Es sind keine ordinären Karten. Ich habe sie selbst gezeichnet“, eröffnete ihnen Ward sodann unbewegt und erntete dafür sogleich Moiras Begeisterung.

    „Wow, Kevin! Deine Linienführung ist unfassbar akkurat!“

    „Und wie sollen die uns jetzt helfen?“, verlangte Scott unversöhnlich zu erfahren und Kolja teilte die Ratlosigkeit des Wolfes. Über die Lage des Feenhügels wussten sie immerhin bereits Bescheid; irgendwelche Karten brachten ihnen demzufolge schwerlich einen Mehrwert.

    „Wie ich sagte: Es sind keine gewöhnlichen Karten.“

    Aus den Augenwinkeln heraus beobachtete Kolja, wie Moira fasziniert das Kartenmaterial durchblätterte; dann hielt sie plötzlich inne und zupfte an Colins T-Shirt. Der Wolf richtete sein Augenmerk alsdann auf die Zeichnungen – und legte kritisch die Stirn in Falten. „Du willst uns durch die Tunnel schicken?“

    Tunnel?

    „Welche Tunnel?“, hakte Kieran nach und Kolja fühlte sich ein Stück weit beruhigt, nicht als einziger in der Gruppe völlig ahnungslos zu sein.

    Colin erklärte ihnen: „Hier gibt's ein Tunnelsystem. Untergräbt die ganze Gegend wie 'n überdimensionierter Maulwurfsbau. Würde ja gern behaupten, dass da drin kein blinder Würmerfresser lebt aber das wäre gelogen.“

    „Wieso habe ich noch nie etwas davon gehört?“

    „Die Zugänge wurden schon vor etwa zwanzig Jahren versiegelt“, beichtete Moira Kieran. „Nachdem ich in einen davon hineingefallen bin.“

    Daraufhin kläffte Colin: „Hineingefallen? Du bist da drin verschwunden wie 'ne Billardkugel in 'nem Eckloch! Und die Stadtverwaltung hat alle bekannten Zugänge abgeriegelt, weil die beschissenen Wechselbälger dadurch nach oben gekommen sind.“ Wie bitte? Ein was kam dadurch nach oben?

    „Leute, ihr macht mich fertig“, beschwerte sich Gwen und sprach ohne es zu wissen gleichzeitig auch für Kolja. „Für diejenigen unter uns, die nicht sämtliche Reiseführer Irlands auswendig kennen: Was sind denn nun schon wieder Wechselbälger?“

    Die Antwort lieferte Scott: „Technisch gesehen sind das Feen aber irgendwie auch wieder nicht. Früher haben die immer versucht den Menschen ihre Babys zu klauen und ihnen dafür ihre eigene Brut untergeschoben. Dürfte ganz schön eng da unten sein, wenn sie seit zwanzig Jahren ihre Blagen nicht loswerden.“

    „Die Wechselbälger leben unterirdisch und haben die Tunnel überhaupt erst gegraben“, ergänzte Moira. Man sah ihr an, wie viel Unbehagen ihr die Erinnerung an diese Kreaturen sowie ihre Höhlen bereiteten.

    Nachdem diese Frage geklärt war, kehrte Ward zum wirklich Wichtigen zurück: Die Tunnel und ihren Nutzen in Bezug auf Abbys Rettung! Das Gespenst deutete auf einen bestimmten Punkt auf seiner Karte. „Dieser Gang führt unter den Hügel und mündet im Kellergewölbe der Burgruine. Er bietet euch die Möglichkeit, unbemerkt an den Feen vorbeizukommen. Meine Aufzeichnungen werden euch an euer Ziel navigieren.“

    „Ich weiß nicht, Kevin“, äußerte Moira ihre Bedenken. „Die Gänge der Wechselbälger sind ein einziges Labyrinth. Was, wenn du dich irrst und wir uns verlaufen?“

    „Diese Möglichkeit ist ausgeschlossen, da meine Karten stimmen. Ich habe diese Strecke einundzwanzig Mal verifiziert.“ Einundzwanzig Mal? Wow. Das nannte Kolja Qualitätsmanagement.

    „Wieso so oft?“

    „Ich hatte nichts Besseres zu tun.“ Ward betrachtete die Linien auf dem Papier. „Um diese Jahreszeit ist der Grundwasserspiegel niedrig und die Wechselbälger halten sich in den tiefen Ebenen auf. Wenn ihr euch strickt an den eingezeichneten Weg haltet, wird euch keines von ihnen behelligen.“

    Mh. Die Tunnel also. Kolja hielt wenig davon, durch finstere Gänge unterhalb der Erdoberfläche zu irren; es stand jedoch kein Alternativplan zur Auswahl und ganz bestimmt würde der Bär nicht noch mehr Zeit damit vertrödelnd, nichtsnutzig die Däumchen zu drehen. Er schaute in die Runde. Während sich Moira, Gwen und Colin reserviert gegenüber Wards Vorschlag zeigten, sahen Scott und Kieran darin offenbar ebenso wie Kolja ihre einzige Option.

    Somit beschloss Kolja: „Dann nehmen wir die Tunnel.“


    nächster Teil

    Guten Morgen LadyK , Danke für dein Feedback ^^ Ich habe schon gegrübelt wie sehr ich diese Geschichte zum Finale hin vermurkst haben muss, dass sich trotz der Wendungen niemand äußern mag ^^°


    Vor allem die Idee mit der Kettennachricht gefällt mir und dann haben die das auch noch selber verbrochen

    Das für mich als Schreiber lustige ist ja, dass ich diese Auflösung sogar bereits ganz am Anfang der Geschichte offengelegt habe :rofl: Ich habe also gut davon ablenken können, scheint mir xD


    Der Typ brauch seine eigene Geschichte xD

    Ich weiß nicht ob ich das schreiben wollen würde xD Hayes am längeren Stück kann ganz schön anstrengend werden mit seinen Beleidigungen und dass er praktisch nur 2 Gemütszustände kennt: Genervt und Wütend.


    Und das der Vater das ganze Rudel mobilisieren möchte, ist herzzerreißend. Sowas nennen ich Familie!

    Leg dich nicht mit Fergus Fitzpatrick an, das kann nur ins Auge gehen xD


    Nochmal Danke schön fürs zu Wort melden C:

    Ich habe mich über die Regel damals auch gewundert, als ich sie akzeptiert habe. Mich betrifft sie nicht, weil ich nicht auf Englisch schreibe, aber so ganz wollte mir das nicht einleuchten. Was spricht denn gegen ein kleines Unterforum für Geschichten in anderen Sprachen? Das würde Probleme mit der Übersichtlichkeit doch lösen, oder nicht?

    Diese Regel bzgl. fremdsprachigen Texten ist gang und gäbe und war bisher in allen Foren in denen ich je aktiv war Bestandteil der Nutzungsbestimmungen. Sie ist also nicht unüblich. Sogar in einem Forum zu TES oder in einem Zeichenform gibt es die. Die Forenleitung ist dazu verpflichtet die geposteten Inhalte zu überprüfen, was sie aber nicht kann wenn der Inhalt in einer Sprache verfasst ist, den sie nicht versteht. Mag sein, dass viele English fließend lesen und verstehen können, aber es ist trotzdem nicht selbstverständlich und außerdem würde das Türen dafür öffnen, dass demnächst jemand mit Französisch ankommt (weil das ja schließlich auch eine gängige zweite Fremdsprache ist), dann mit Türkisch (weil das ja auch viele in Deutschland sprechen) und в какой-то момент приходит кто-то вроде меня и выражает оскорбительный контент на русском, и все злятся, потому что моды позволяют это :pardon:


    Aber ich denke nicht, dass eine generelle Diskussion über diese Regel in diesen Thread gehört.

    *Klinkt sich wieder aus*

    „Gut von Ihnen zu hören“, fing Kolja seine Seite des Gesprächs auf, gefolgt von einigen Einsilbigen 'Ja's, einem 'natürlich, auf jeden Fall' sowie einen abschließenden 'Hervorragend. Ich schicke Ihnen eine E-Mail.' Damit beendete Hayes den Anruf auch schon wieder und grinste Scott und Colin breit an. „Ihr Pappnasen dürft euch freuen. Das war einer unserer ehemaligen Sponsoren. Dem Typen ist aufgefallen, dass er für die Steuererklärung seiner Firma noch Knete loswerden muss und hat deshalb angeboten uns einen kompletten Satz Trikots zu sponsern und ein Netz neuer Bälle gleich dazu. Bei den ranzigen Warzen am Skrotum meines Großvaters, Gott segne das Finanzamt!“

    „Huh“, stieß ausgerechnet Ward daraufhin aus und lenkte mit dieser – für seine Verhältnisse – intensiven Reaktion das verdutzte Augenmerk des ganzen Pubs auf seine Person. Wie sich allerdings herausstellte, galt sein emotionaler Ausbruch keineswegs dem unverhofften Sponsoring. Das Gespenst starrte stattdessen auf sein Smartphone.

    „Was ist los?“, fragte Moira den Geist, dessen Züge tatsächlich eine Emotion abbildeten: nämlich ehrliche Erleichterung.

    „Brian möchte, dass ich ihn abhole. Er wird aus der Entzugsklinik entlassen.“

    „Das ist ja super!“ Moira lächelte erfreut. „Ist er schon wieder auf dem Damm?“

    „Er schreibt, er wird vermutlich nicht sofort wieder als aktiver Spieler eingesetzt werden können, doch zwei seiner Cousins hätten Interesse bekundet der Mannschaft beizutreten, weshalb sie in seiner Begleitung dem nächsten Training beiwohnen werden.“ Kolja hörte Ward einen tiefen Atemzug nehmen, was im Falle des Gespenstes dem Äquivalent eines Jubelschreis entsprach.

    Na so was, wunderte sich der Bär. Also steckte doch ein Fluch hinter dem Pech der Fußballmannschaft – nur waren nicht die Feen für ihn verantwortlich, sondern … nun ja. Scott und Colin. Und indem die Wölfe den Forderungen der versäumten Kettennachrichten nunmehr nachkamen, erfüllte sich deren Zweck und der Fluch verlor seine Wirkung. Was Abby wohl dazu zusagen hätte, wenn sie nur einmal Koljas Anrufe beantworten würde?

    Auch Hayes zeigte sich erfreut darüber, dass seiner Mannschaft nach all den Rückschlägen endlich etwas Positives widerfuhr. „Ha! Na bitte“, sagte er zufrieden. „Jetzt fügt sich der ganze Mist wieder zusammen.“ Infolgedessen zuckten Scotts Gesichtsmuskeln und plötzlich versetzte der Wolf der Gehhilfe seines Chefs einen saftigen Tritt, der dem Kobold seine Krücke glatt unter dem Arm wegfegte. Was zum-...? Was war denn jetzt in Scott gefahren? Hayes verlor augenblicklich den Halt, doch ein nahestehender Stuhl fing den fluchenden Kobold rechtzeitig auf und verhinderte somit seinen ungebremsten Aufschlag auf dem Parkett. Halb auf der Lehne hängend schimpfte der Leprechaun: „Fitzpatrick du dämlicher Köter, was soll die Scheiße?! Such dir einen Ast, wenn du Stöckchen holen willst!“

    „Du hast gesagt, es fügt sich wieder zusammen“, rechtfertigte sich Scott verdutzt und zeigte dabei auf das geschiente Bein seines Trainers. Moment. Hatte Scott etwa angenommen, Hayes spielte damit auf seine Knochenfraktur an? Bei all der Macht die einem Fluch innewohnte – um gebrochene Gliedmaßen spontan zusammenzuschweißen bedarf es schon echter Heilmagie oder einer von Hazels Tinkturen. Hayes brachte Scott diese Tatsache auf seine eigene Weise bei, indem er seine Krücke vom Boden aufklaubte und ihm damit abermals energisch auf die Bissverletzung hieb. Jaulend presste der Wolf seine Hand auf die Schulter, indes Hayes ihn anschnauzte: „Fühlt sich das für dich billigen Abklatsch-Goofy etwa an, als würde da wieder was zusammenwachsen?! Hier ist doch nicht Jesus vorbei gelatscht, dass ich auf einmal wieder gehen könnte!“

    „Scheiße Scott, da kommt Blut durch dein Shirt“, stellte Colin fest und tatsächlich erkannte Kolja einen dunklen Fleck, welcher auf dem Baumwollstoff auftauchte. „Moira, hol man den Erste-Hilfe-Kasten.“ Die Banshee gehorchte, derweil Colin seinem Bruder aus dem Shirt half.

    Dann hielten beide Wölfe abrupt inne.

    Der Grund dafür erschloss sich Kolja im darauffolgenden Moment, in dem die Eingangstür des Pubs geöffnet wurde erst Kieran in den Schankraum trat und danach seine Eltern. Mit seinen kalten blauen Augen sondierte Mr Fitzpatrick die Einrichtung des Pubs, während Mrs Fitzaptrick zutraulich einen Arm bei ihm untergehakt hielt und an seiner Seite an den Tischen vorbei spazierte.

    „Fergus, du Ganove!“, rief Hayes dem alten Wolf zur Begrüßung zu und anhand seiner Stimmlage wurde deutlich, dass die beiden Freaks einander kannten – auf welche Weise auch immer. „Du bist wieder in der Stadt! Wie lange ist es her, dass ich dich zu Gesicht bekommen habe?“

    „Nicht lang genug, Pádraig.“ Scotts Vater würdigte dem Leprechaun lediglich eines flüchtigen Blickes, ehe er sowie seine Ehefrau Saoirse ihre Aufmerksamkeit auf ihre zwei erwachsenen Söhne richteten. Als Saoirse den Verband an Scotts Schulter entdeckte, schnappte sie nach Luft, löste sich von ihrem Mann und eilte mit ausgestreckten Händen auf Scott zu. „Was ist passiert? Hat dir jemand etwas angetan?“ Huh. So viel ehrliche Fürsorge hatte die Wölfin neulich Nachmittag aber nicht für ihren Sohn aufgebracht. Genau wie ihre Tochter neigte sie offenbar zu raschen Rückschlüssen, denn ohne eine Antwort auf ihre eigentliche Frage zu bekommen, verlangte Saoirse von Scott: „Sag mir sofort wer dafür verantwortlich ist! Wenn ich denjenigen in die Finger kriege, werde ich ihn eigenhändig vor die Füße seiner Mutter schleifen, damit die ihm kräftig den Hintern versohlt. Niemand tut ungestraft meinen Babys etwas zu Leide! Ich bin die Einzige, die euch die Ohren langziehen darf.“ Oha. Wenn Saoirse bloß wüsste damit indirekt über sich selbst zu reden. Schon kehrte Moira mit dem gewünschten Verbandsmaterial zurück, welches Saoirse ihr direkt aus der Hand nahm um eigenhändig Scotts Wunde zu versorgen. Dass ihr Sohn nach wie vor über die Identität seines Angreifers schwieg, realisierte seine Mutter scheinbar gar nicht und Scott würde einen Teufel tun, zuzugeben seiner kleinen Schwester unterlegen gewesen zu sein.

    „Was macht ihr überhaupt hier?“, wollte Colin schließlich von seinen Eltern wissen. In der Tat sah man Fergus und Saoirse höchst selten zwischen den Stammgästen Tír na nÓgs. Was trieb das Ehepaar demzufolge her, vor allen in Begleitung ihres Nesthäkchens Kieran?

    Der Teenager erzählte: „Wir wollten Essen gehen aber Abby ist nicht rechtzeitig zuhause aufgetaucht und auf meine Nachrichten reagiert sie auch nicht. Ich dachte, dass sie sich vielleicht hier fest gequatscht hat oder so.“

    „Abby ist immer noch unterwegs?“ Skeptisch tauschten Scott und Colin einen Blick miteinander aus und auch Kolja wurde hellhörig. So sprunghaft sie in ihrem Wesen auch sein mochte, Abby würde niemals eine Verabredung versäumen ohne vorher Bescheid zu geben. Langsam entwickelte Kolja ein wirkliches mieses Bauchgefühl. Wo trieb sich seine Freundin nur herum?

    Ein weiterer Gast kam zur Tür herein; dieses Mal war es Gwen und … wieso machte der Sukkubus einen so abgehetzten Eindruck? Ihre High Heels in den Händen anstatt an den Füßen, schritt sie in aller Eile an den gaffenden Kieran vorbei und auf Kolja zu. „Papabär, wir haben ein Problem“, presste sie außer Atem hervor und entweder spielte Koljas Empathie ihm gerade Streiche, oder Gwens Stimme wurde tatsächlich von ernsthafter Sorge dominiert. Derart aufgeregt hatte er sie noch nie erlebt.

    „Gwen, wo steckt Abby?“, fragte Colin den Sukkubus, woraufhin seine Mutter schlussfolgerte:

    „Abby ist nicht hier?“

    „Darauf will ich hinaus.“ Gwen wurde ungeduldig, was Kolja zu der endgültigen Überzeugung brachte, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. Was zum Kuckuck war hier los? Wo steckte Abby? „Die Feen haben sich Abby geschnappt.“

    „WAS?!“, dröhnte ein Chor allgemeines Entsetzen durch das Tír na nÓg.

    „Was soll das heißen, sie haben sich Abby geschnappt?! Wie konnte das passieren?“ Scott machte einen impulsiven Schritt auf Gwen zu, als könnte diese Geste die Informationen schneller aus dem Sukkubus herausholen, als sie sie sowieso schon lieferte. Kolja dagegen spürte wie schlagartig jegliche Farbe aus seinem Gesicht wich und in seiner Kehle widerwärtige Schleimklumpen bildete, die er jeden Augenblick hervorzuwürgen drohte. Sollte das ein übler Scherz sein??

    Gwen entgegnete Scott: „Ich habe Abby nur für zwei Minuten aus den Augen gelassen um zu telefonieren. In dieser Zeit hatte sie der Schwarm bereits eingekesselt.“

    „Wohin haben sie sie gebracht?“, forderte Colin zu erfahren aber Gwen warf ratlos ihre Hände empor – eine weitere Reaktion, die Kolja niemals zuvor bei ihr beobachtet hatte.

    „Ich habe keine Ahnung. Ich bin sofort hierher gerannt, nachdem sie mit ihr fortgezogen sind.“

    „Du hättest ihnen folgen sollen! Wieso hast du mich nicht sofort angerufen?!“

    Ob Colins Vorwürfen kräuselte Gwen verstimmt ihre vollen Lippen und Kolja hätte über den ersten Streit im frisch hergerichteten Liebesnest geschmunzelt, wenn er nicht bereits darum kämpfen müsste seinen Würgereflex unter Kontrolle zu halten. Die Feen hatten Abby. Sie hatten seine Freundin! „Ich habe dich angerufen, Colin!“, hielt der Sukkubus dem Wolf vor und pikste ihm dabei warnend mehrmals mit ihren High Heels gegen die Brust. „Drei Mal ohne dass du an dein Telefon gegangen bist. Danach ist der Akku von meinem Smartphone gestorben und was hätte ich dann allein irgendwo in der Pampa gegen einen ganzen Schwarm Feen ausrichten sollen?“

    „Bitte streitet euch nicht. Dafür ist gerade keine Zeit. Wir müssen Abby da rausholen“, ging Moira dazwischen und wurde im Gegenzug völlig unverdient von Colin angezischt: „Ach, was du nicht sagst?!“

    „Wo könnten sie meine Tochter hingebracht haben?“ Es war Saoirse, die voller Tatendrang ihrer einzigen Tochter am liebsten sofort zur Hilfe zu eilen wollte und daher die entscheidende Frage stellte. Kieran setzte dazu an ebenso etwas beizutragen aber Scott kam ihm zuvor.

    „Was ist mit der Grünanlage im Wohnviertel?“

    „Seit der Sache mit O'Rourke haben die dort Platzverbot“, warf Colin ein. „Interessiert die zwar nicht wirklich aber sie lungern jetzt trotzdem immer woanders rum.“

    Erneut holte Kieran Luft. „Die Feen sind-... .“

    „Dann müssen wir rausfinden, wo!“

    „Sie sind-...“, begann der Welpe seinen Satz von vorn, da fuhr Colin ihm über den Mund um seinerseits Scott anzuherrschen. „Und wie, du Genie? Mit 'ner verfickten Kettennachricht bis uns jemand Bescheid gibt?!“

    „Colin, achte auf deine Sprache!“, ermahnte Saoirse ihren Sohn trotz der angespannten Lage auf seine Ausdrucksweise zu achten und dieser korrigierte sogleich seine Wortwahl.

    „Sorry, dann eben mit einer überflüssigen Kettennachricht.“

    „Die Feen sind auf dem-... .“ Scott übertönte Kieran ein weiteres Mal indem er Colin anbellte: „Wenn dumme Sprüche das Einzige sind, was dir einfällt, dann ja!“

    „Die Feen sind auf dem Feenhügel.“

    Synchron richteten sich sämtliche Augenpaare auf den Teenager.

    „Woher weißt du das, mein Schatz?“, fragte Saoirse ihn, worauf der Welpe ihr sein Smartphone präsentierte und sagte:

    „Eine der Feen hat eben auf Instagram ein Selfie gepostet und im Hintergrund sieht man die alte Ruine.“

    Moira wandte ein: „Das könnte ein altes Bild sein. Mister Hayes und ich terminieren meine Fotos für die Facebookseite des Vereins auch erst später, um durch den Algorithmus möglichst viele Leute zu erreichen.“

    „Das glaube ich nicht. Eine andere Fee hat eben auf Twitter ein ähnliches Bild veröffentlicht, bloß aus einer anderen Perspektive und auf den Profilen der restlichen Feen rauschen gerade noch mehr solcher Selfies durch. Sie erwähnen den Feenhügel sogar“, erklärte Kieran, schob seine Fingerspitze über das Smartphone und las alsdann einen der besagten Beiträge vor: „'Einfach mal chillen auf den Feenhügel mit den BFFs und die magic vibes genießen. Hashtag gönn dir, Hashtag Irland, Hashtag Lifestyle, Hashtag Natur, Hashtag Heimatliebe, Hashtag grün, Hashtag BFF, Hashtag Litha, Hashtag Samhain, Hashtag Sommer, Hashta-... '“

    „Ist gut, wir haben es kapiert!“ Scott fletschte entschlossen die Zähne. „Zum Feenhügel also.“ Mit Sicherheit wäre der Wolf umgehend aus dem Pub gestürmt, gäbe es da nicht noch eine Sache zu klären:

    „Und jetzt nochmal für diejenigen unter uns, denen dieses irische Gebrabbel nicht geläufig ist. Was zum Teufel ist der Feenhügel?“, verlangte ironischerweise Gwen in ihrer schottischen Schnauze zu erfahren und stahl Kolja damit die Worte aus dem Munde. Von einem Feenhügel hatte er noch nie etwas gehört und immerhin lebte er seit einer ganzen Dekade in dieser Gegend. Wo sollte sich dieser denn befinden?

    Moira lieferte die Antwort auf diese Frage: „Wir haben ihn aus der Ferne gesehen, als wir neulich spazieren gegangen sind, Gwen. Der Feenhügel ist … na ja, eigentlich mehr eine Erhebung außerhalb der Stadt mit einer kleinen Burgruine darauf. Die Stadtverwaltung wollte daraus mal einen touristischen Anlaufpunkt machen aber der Denkmalschutz hat verhindert, dass die notwendigen Umbauten vorgenommen werden konnten. Nicht mal die Zufahrtsstraße durfte geschottert werden, weshalb man den Hügel momentan nur über eine Art Feldweg erreicht. Je nachdem wie schnell du läufst, bist du in etwa einer Stunde Fußmarsch dort.“

    Oh, okay. Ja, die Burgruine kannte Kolja. Dorthin waren Scott und er früher gelegentlich marschiert, wenn das Fußballtraining wegen des schlechten Wetters über einen längeren Zeitraum ausgesetzt wurde und Scotts Bewegungsdrang deshalb überhandnahm. Nur die Bezeichnung 'Feenhügel' war Kolja bisher nie zu Ohren gekommen. Egal unter welchen Namen man nun davon redete – sie mussten Abby von dort wegholen!

    Bis zu diesem Punkt hatte Fergus das Gespräch schweigend mitverfolgt und keine einzige Regung angesichts der Entführung seiner Tochter gezeigt. Nun setzte sich der alte Wolf allerdings in Bewegung und schritt zum Büro. „Ich muss dein Telefon benutzen, Pádraig.“

    „Was hast du vor, mein Liebling?“ Saoirse sah ihrem Ehemann nach, indes dieser mit harter Stimme antwortete: „Ich werde das Rudel und meine Geschwister anrufen. Jeder der innerhalb der nächsten Stunde hier sein kann, soll es tun. Wir holen Abigail.“

    „Papa, du willst nicht wirklich allen Ernstes einfach so zum Feenhügel stapfen, oder?“, intervenierte Colin, der die Pläne seines Vaters offenbar durchschaute. „Dort wartet 'ne geschlossene Front Feen. Die verarbeiten dich mit ihrem Feenstaub zu Gulasch, egal mit wie viel Wölfen du da hoch jagst.“ Doch Fergus strafte seinen Sohn mit einem respekteinflößenden Blick, wegen dem Colin seine selbstbewusste Körperhaltung aufgab und verunsichert die Arme neben dem Körper baumeln ließ.

    Dann verschwand der alte Wolf in den Nebenraum – und nichts schien ihn davon abbringen zu können, sich seine Tochter zurückzuholen.


    nächster Teil

    Guten Morgen Cory Thain


    zusätzlich zu Krümels Vorgehensweise kannst du die Farbe auch mit einem feuchten Pinsel direkt von der Stiftspitze aufnehmen. Das macht sich sehr gut für Detailarbeiten. Du kannst außerdem etwas Pigment auf einem Blatt Papier abreiben und den Abrieb dann als Pigmentvorrat verwenden, so wie du die Farbe mit einem Pinsel aus einem Napf nehmen würdest.

    Eine andere Technik wäre die Spitze kurz ins Wasser zu tunken und dann über das trockene Papier zu führen. Auf die Weise bekommt man einen netten Strichverlauf von breit zu dünn.


    Dass Blatt vorher nass machen und dann mit dem Stift drüber gehen kann man machen, meiner Erfahrung nach verliert man dann allerdings schnell die Kontrolle über die Strichstärke und die Farbintensität, weil die Pigmente sofort reagieren und außereinanderfließen. Ist also keine Technik für Kontrollfreaks.


    Wenn du die Variante ausprobierst, erst den Buntstift aufzutragen und dann mit Wasser drüber zu gehen, empfehle ich nicht zu stark mit dem Stift aufzudrücken. Du presst sonst die Pigmente ins Papier rein und wirst eine schwere Zeit haben, sie mit dem Wasser anzulösen (ich glaube, das ist auf deinem Beispielbild passiert).