Beiträge von Skadi

    „…und wenn du auf den Button klickst, nimmst du meine Herausforderung an und die Partie geht los.“

    „Diesen hier?“

    „Genau. Man kann auch gegen die KI antreten, aber das finde ich lahm. Sich mit echten Gegnern zu messen ist viel, viel spannender! So, ich habe eröffnet, jetzt müsste bei dir-…“

    „Schach.“

    Entgeistert schaute Kieran vom Smartphone auf. „Ernsthaft, Kol?“

    „Entschuldige. Ich dachte, du wärst so weit“, bat Kolja Abbys jüngsten Bruder um Verzeihung. Die zwei Polys saßen auf der Wohnzimmercouch von Abbys Eltern und probierten eine App aus, die es ihnen ermöglichte, über ihre Smartphones miteinander Schach zu spielen. Kieran vertrat die Auffassung, damit eine gute Ergänzung gefunden zu haben – für den Fall, dass sie sich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr von Angesicht zu Angesicht treffen durften. Wobei Abby wirklich keine Vorstellung hatte, welche Szenarien Kieran im Kopf herumspukten. Als Polywelpe wurde er niemals mit Hausarrest bestraft und selbst wenn diese Maßregelung grundsätzlich für ihn in Frage käme, legte das Nesthäkchen der Familie sowieso ein tadelloses Benehmen an den Tag.

    Heimlich linste Abby durch den Türspalt ins Wohnzimmer. Andere zu belauschen zählte ganz und gar nicht zu ihren Gewohnheiten, doch wie sollte sie Kolja entgegentreten? Sollte sie ihn auf ihre Entdeckung ansprechen? Darauf, dass sie wusste, dass er und nur er allein die Tür zum Gerätelager aufgebrochen haben konnte? Dass er der Fußballmannschaft ihres Bruders – seines besten Freundes! – vorsätzlich Schaden zufügte und deswegen vermutlich ebenso hinter all dem anderen Unglück steckte? Ein Teil in Abby weigerte sich strickt, diese Annahme als die harte Wahrheit zu akzeptieren. Kolja war der beste Mann, dem sie je begegnen durfte. Friedliebend, geduldig, fair… diese Charaktereigenschaften ließen sich doch auf keinen Fall vortäuschen! Oder fiel Abby geradewegs auf eine falsche Fassade herein?

    Das Smartphone in ihrer Hand verkündete Abby vibrierend den Eingang einer neuen Nachricht. Sie rief den Chatverlauf mit Gwen auf und las, was der Sukkubus auf ihre Konversation geantwortet hatte:

    > Gwen: Schau mal, Schätzchen. Ich kann mir vorstellen, dass dich das alles belastet aber ich werde dieses Thema wirklich keine weiteren 4 Tage mit dir durchkauen. Ich behaupte nicht, richtig zu liegen. Ich stelle nur Verknüpfungen her. Kolja hat selbst gesagt, dass nur Personal in Hayes' Büro hineinkäme. Kolja gehört zum Personal. Den Kellner wäre ein Fremder im Büro aufgefallen, Kolja ist kein Fremder. Die Tür zum Lager wurde zerlegt wie ein Legobaukasten und Kolja ist in der Lage, das zu tun. <

    Abigail aktivierte die Textzeile und schrieb zurück:

    > Abby: Denkst du das wirklich?? <

    Die Anzeige der App meldete, dass Gwen einen Text verfasste. Solange sie auf diesen wartete, warf die Wölfin abermals einen Blick ins Wohnzimmer, wo Kieran Kolja versicherte, ihm dessen Blitzsieg keineswegs übel zu nehmen. Im Anschluss ging er dazu über, dem Bären die übrigen Funktionen des Programms zu erläutern und Kolja hörte ihm gewissenhaft zu, während er nebenbei einen Erdbeerjoghurt löffelte. Durch die Gläser seiner Brille hindurch beobachtete er, wie Kieran die Anwendung bediente. Auch wenn Abby es unglaublich attraktiv fand, wenn Kolja seine Brille trug, blieben ihre Augen unweigerlich an seinem Mund hängen. Denn Kolja ließ den Joghurtlöffel zwischen seinen Lippen auf und ab wippen, sodass der Stiel wiederholt gegen seine schöne Nasenspitze stupste. Das Hoch und Runter besaß etwas Hypnotisches, doch was Abby tatsächlich fesselte: Kolja redete währenddessen. Trotz der Beschäftigung seiner Lippen, drang seine Fragen an Kieran klar und deutlich hervor; kein Nuscheln oder Murmeln beeinträchtigten Koljas Aussprache. Wie machte er das bloß? Abby verlor ihre Sprachfähigkeiten ja schon beim Zähneputzen!

    Das Smartphone vibrierte erneut und präsentierte Abby Gwens Antwort.

    > Gwen: Ich halte es jedenfalls für wahrscheinlicher, als dass jemand mit einem Stromgenerator beladen zum Fußballplatz fährt und unbemerkt eine Stahltür mit einem Presslufthammer bearbeitet. < Es folgte sogleich eine zweite Nachricht.

    > Gwen: Oder womit auch immer. <

    Eilig glitten Abbys Finger über die digitale Tastatur. Wenige Sekunden später erschien ihr Wortlaut im Verlauf.

    > Abby: Aber was ist mit den beiden Spielern, die den Verein verlassen haben? Oder den Sponsoren? <

    > Gwen: Kolja flößt manchen Leuten schon Angst ein, wenn er sie freundlich anlächelt. Für ihn dürfte es keine Herausforderung darstellen, jemanden tatsächlich so sehr einzuschüchtern, dass er die Kurve kratzt. <

    Aber...! Was war mit-...! Und...!

    Abby resignierte. Es machte ja doch keinen Sinn. So sehr sie ihr Gehirn auch malträtierte - ihr fielen partout keine Argumente mehr ein, die für Koljas Unschuld sprachen. Fast hätte Abby drauflosgeheult. Das war so ungerecht! Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem er sich endlich dazu entschloss, ihr seine Gefühle mitzuteilen, entpuppte Kolja sich als mieser Schuft! Was sollte Abby denn jetzt machen? Kolja war doch ihr Ein-für-alle-Mal.

    Unter Gwens letzter Nachricht tauchte eine weitere auf.

    > Gwen: Fass das nicht falsch auf. Ich mag Papabär und will ihm bestimmt nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Aber womöglich beharrt er aus anderen Gründen auf eine Pechsträhne, als du bisher angenommen hast. < Was bedeutete, er hätte Abby gezielt manipuliert. Nie im Leben brachte er so etwas Hinterhältiges zustande!

    > Gwen: Ich muss jetzt zu einem Kunden. Zerbrich dir nicht zu sehr dein hübsches Köpfchen. Das raubt dir nur den Schlaf und macht Falten.< Ein Smiley zwinkerte Abby zum Abschied zu und warf ihr flirtend via Kussmund ein kleines Herzchen zu. Die Wölfin senkte ihr Telefon.

    'Zerbrich dir nicht dein Köpfchen', hatte Gwen ihr geraten. Wie sollte Abby das denn anstellen? Sie plante eine Zukunft mit diesem Mann aufzubauen, doch der Zwiespalt seinen Charakter betreffend zertrümmerte ihr Fundament für ein gemeinsames Leben. Nein! Abby sollte sich nicht den Kopf zerbrechen; sie musste es. Solange ein winziger Funken Hoffnung in ihr brannte, der bloße Zufall füge scheinbar alles wie ein Puzzle zusammen, durfte sie ihren Bären unter keinen Umständen aufgeben! Und es existierte nur einen Weg, Klarheit zu erlangen: Der fehlende Deckel. Fand Abby ihn unter Koljas Sachen, stand seine Schuld unumstößlich fest.

    Sie entfernte sich von der Wohnzimmertür und betrat die Küche. Auf dem Esstisch lagen ihre Matheaufgaben ausgebreitet, die Kolja mit ihr durchgehen wollte. Jedoch hatte sich Abby unter dem Vorwand, vorher dringend duschen zu müssen, davongestohlen.

    Kolja besaß die Eigenart, allzu gern seinen Rucksack fallen und an Ort und Stelle liegen zu lassen – zum Beispiel, wie heute Abend, auf dem Laminatfußboden der Küche. Bereits im Voraus schämte sich Abby zutiefst für das, was sie gleich tat aber es bestand keine andere Möglichkeit. Also nahm sie Koljas Rucksack, öffnete ihn und kramte blind darin herum. Es gab wenig zu ertasten; ihr fielen ein Portmonee und einen Schlüsselbund in die Finger. Mehr nicht. Wozu trug der Mann einen praktisch leeren Rucksack durch die Gegend? Was für eine Platzverschwendung.

    Abby fühlte sich schrecklich, so sehr in Koljas Privatsphäre einzudringen. Verlief ihre Suche ergebnislos, würde sie ihn auf jeden Fall dafür um Verzeihung bitten. Dann traf ihre Fingerkuppe auf etwas. Es schien klein und hart zu sein, mit einer Art Aushöhlung. Hektisch angelte Abby das Objekt hervor und… .

    Ein ekelerregender Kloß blockierte ihr die Luftzufuhr.

    Es war ein Deckel.

    Der Schraubverschluss einer kleinen Flasche. 'Bestimmt auch bloß ein dummer Zufall', versuchte Abby sich weißzumachen. Womöglich stammte er von etwas Anderem, einem Fläschchen Hustensaft oder Vitamindrops. Genau! Mit Sicherheit kränkelte Kolja und bekämpfte lediglich die ersten Anzeichen einer Erkältung. Um ihre Annahme zu beweisen, zog Abby aus ihrer Jackentasche ihren Feenstaub hervor. Sie fummelte Gwens provisorischen Papierballstopfen aus der Flaschenöffnung, setzte die Verschlusskappe darauf und drehte sie fest.

    „Nicht doch…“, wimmerte Abby leise, denn das Schraubgewinde im Glas, sowie das des Deckels waren miteinander kompatibel. Auch…auch das musste gar nichts heißen! Kolja konnte schließlich eine eigene Dosis Feenstaub gekauft haben. Als Spezialzutat für eines seiner köstlichen Gerichte. Ja, so musste es sein! Seine Flasche stammte aus derselben Charge, wie Abbys Beweisstück und nur deshalb passten Verschluss und Behältnis zusammen. Das Papiersiegel! Auf keinen Fall würden die zerrissenen Kanten einander zu einem intakten Siegel ergänzen. Also schraubte Abby mit nervösen Fingern den Deckel fest; so fest es ging, bis sich Ober- und Unterteil zu einem einwandfreien, unbestreitbar perfekten Ganzen zusammenfügten.

    Dieser…dieser Mistkerl! Abby widerstand dem Bedürfnis, doch am liebsten hätte sie diesen vermaledeiten Deckel schreiend durch die Küche geschleudert. Oder besser: Um Koljas Ohren. Gwen behielt Recht! Kolja hatte bei all dem wirklich seine Finger im Spiel. Verletzt betrachtete Abby das nunmehr vollständige Fläschchen Feenstaub, welches auf ihrer zitternden Handfläche ruhte. Wie konnte er seinem besten Freund nur so etwas antun? Und wie konnte er Abby nur so hereinlegen?! Wie dumm sie war. Ein Paar große, dunkelbraune Augen genügten und Abby ließ Kolja vor lauter Verliebtheit an ihren Strippen zupfen, als sei sie eine hirnlose Marionette.

    Die Gewissheit versetzte Abby tiefe Stiche ins Herz; aus der Wunde floss statt Blut Kummer hervor und ergoss sich gemeinsam mit ihrer Enttäuschung zu einer glucksenden Pfütze, die ihre Gefühle für Kolja ertränkte und transmutiert als Wut wiedergebar. Es reichte! Keine Sekunde länger sollte dieser Halunke annehmen, Abby zum Narren halten zu können. Verärgert warf Abby Koljas Rucksack auf den Küchentisch und stapfte zurück zum Wohnzimmer. Dieser Bär hatte sich mit der falschen Wölfin angelegt!


    „Die Oberfläche ist echt benutzerfreundlich. Ich habe mich sofort zurechtgefunden und-… hey Abby. Da bist du ja wieder“, unterbrach Kieran seine Einweisung und Abby bemühte sich, einen gefassten Eindruck zu hinterlassen. Ungern würde sie vor den Augen ihres kleinen Bruders eine Szene veranstalten. Ihr Schauspiel wirkte, denn Kieran plauderte arglos drauf los: „Ich zeige Kol gerade meine tolle, neue App!“

    „Die Schach-App?“ Sie heftete ihren Blick absichtlich voll und ganz an den Teenager. Kolja eines Blickes zu würdigen, erschien Abby gerade schier unmöglich.

    „Nein, mit der sind wir durch. Ich meine die App, die Niall für mich programmiert hat. Damit kann ich alle Geräte im Haus bedienen, die über Bluetooth oder Funk gesteuert werden. Papas Stereoanlage, beispielsweise. Ich demonstriere es euch.“ Die Finger des Welpen wischten eifrig über das Display seines Smartphones. Im Anschluss sah er erwartungsvoll zu den Lautsprecherboxen empor, die für das optimale Sounderlebnis hoch oben auf der Anbauwand des Wohnzimmers platziert standen. Allerdings drang kein einziger Laut aus ihnen hervor. Kieran runzelte verwirrt die Stirn und startete einen zweiten Versuch, mit seinem neuen Spielzeug anzugeben. „Ich probiere es nochmal. Moment.“

    Seine Fingerspitze traf auf die Schaltfläche. Dieses Mal wurde der Raum tatsächlich von Geräuschen ausgefüllt; entgegen Kierans Ankündigung dröhnten sie jedoch keineswegs aus den dunklen Kästen, die von oben auf Abby herabglotzten. Stattdessen hatte sich der Fernseher angeschaltet und irgendeine wahllose Werbeanzeige flimmerte über den Bildschirm. „Ups, das sollte nicht passieren. Ich mache den Fernseher wieder aus. Ein Klick auf denselben Button genügt dafür. Passt auf!“ Kieran klickte.

    Der Fernseher blieb an.

    „Oh… also das ist merkwürdig. Gebt mir eine Sekunde, ich krieg das hin!“ Mehrmals tippte Kieran auf seinem Smartphone herum, ohne, dass das Fernsehgerät eine Reaktion zeigte. Normalerweise verdarb Abby ihren Bruder selten vorsätzlich den Spaß, aber heute Abend stand ihr der Sinn wirklich in keiner Weise nach seinen Spielereien. Sie griff daher nach der Fernbedienung und stellte das TV-Gerät eigenmächtig durch einen Druck auf die entsprechende Taste ab. Schlagartig kehrte Ruhe im Wohnzimmer ein.

    „Manchmal hat die App noch ihre Probleme, die richtigen Frequenzen zuzuordnen“, räumte Kieran schief lächelnd ein. „Niall arbeitet daran.“

    „Das ist nett, Kieran.“ 'Aber gerade interessiert mich das überhaupt nicht'. Unter einem Scheingrund schickte Abby ihren Bruder auf sein Zimmer. „Probiere das bitte oben weiter aus, ja? Kolja und ich wollen uns auf meine Matheaufgaben konzentrieren.“ Was für eine himmelschreiende Lüge. Als ob Abby auch bloß einen Fetzen Konzentration für irgendwelche Zahlen und Formeln aufbringen konnte. Der Kleine schluckte ihre Schwindelei und erhob sich von seiner Sitzgelegenheit auf der Couch.

    „Ist gut. Gleich startet sowieso einer meiner Lieblings-YouTuber einen Livestream. Hey, Kol! Schau dir das an. Ich kann von hier unten aus meinen Laptop hochfahren, dann ist er schon einsatzbereit, wenn ich oben bin.“ Wieder aktivierte Kieran irgendwelche Funktionen in seiner App, da dudelte im Nebenraum Musik los. Offenbar hatte er die Frequenz des kleinen Radios im Badezimmer erwischt, dem Abbys Mutter immer lauschte, wenn sie ein Entspannungsbad nahm. Schuldbewusst hob Kieran die Achseln. „Ich geh es besser Mal ausmachen“, sagte er und las wohl Abbys Gedanken: „Auf die herkömmliche Weise. Vielleicht klappt es im Obergeschoss ja besser mit den Frequenzen. Übrigens habe ich Niall darum gebeten, mir zu zeigen, wie ich die Waschmaschine und den Geschirrspüler mit Bluetooth ausstatte. Dann kann ich beides bequem von meinem Zimmer aus bedienen. Das wäre echt klasse!“ Endlich verabschiedete sich die kleine Schnattertasche. „Wir sehen uns, Kol. Und viel Erfolg bei der Nachhilfe.“

    So verschwand Abbys Bruder ins obere Stockwerk des Hauses und ließ Abby und Kolja miteinander allein. Noch vor wenigen Tagen wäre sie überglücklich über diesen Zustand gewesen. Allein zu sein mit Kolja… . Davon durfte jetzt keine Rede mehr sein. Streng blickte sie den Bären an, während der seinen leergekratzten Joghurtbecher sowie den abgeschleckten Löffel auf den Fernsehtisch schob.

    „Er ist genauso faul wie Scott“, kommentierte er Kierans Pläne in Richtung Türrahmen, durch den der Teenager den Raum verlassen hatte. „Aber dafür schlau genug, moderne Technik für sich auszunutzen.“ Danach stand er von seinem Sitzplatz auf. Natürlich tat er das. Schließlich fiel er dem Irrglauben zum Opfer, Abby wolle allen Ernstes dumme Rechenaufgaben lösen. Ihm verging sein hinreißendes Lächeln, nachdem er Abbys Kleidung einer kurzen Musterung unterzog. „Wolltest du nicht duschen?“ Dann bemerkte Kolja den vorwurfsvollen Ausdruck in ihrem Gesicht und fragte verunsichert: „Stimmt etwas nicht?“

    Ob etwas nicht stimmte?

    Ob etwas nicht stimmte?! Dieser Mann besaß tatsächlich die Nerven, ihr diese Frage zu stellen?! Unglaublich! Seine Dreistigkeit schlug mit Volldampf auf den großen, roten Knopf, der dem sinnbildlichen Arsenal an Bomben in Abbys Brust den Befehl zur Zündung erteilte und Abbys Selbstbeherrschung mit einer fatalen Explosion in die Luft sprengte. Wie ein Vulkan seine Lava, spie Abby Kolja ihre brodelnden Gefühle entgegen: „Du bist ein verlogener Mistkerl!“ Erschrocken riss Kolja die Augen auf. Gut so! Er verdiente diesen Schlag vor den Kopf! „Die ganze Zeit hast du den Ahnungslosen gespielt und so getan, als wäre nichts. Dabei wusstest du von Anfang an Bescheid“, schimpfte Abby. „Du hast mich an der Nase herumgeführt. Wahrscheinlich hast du dir sogar noch einen Spaß daraus gemacht, zuzusehen, wie ich im Dunkeln tappe und mich hinter meinen Rücken auch noch für meine Bemühungen ausgelacht!“

    Guten morgen und danke für eure Kommentare!


    Ich kann mir nicht helfen, Gwen ist mir unsympathisch. Ständig vermute ich, dass sie was Schlimmes plant ...

    So wie Colin von Moira abzulenken? :grinstare: :D Nur ein Scherz ^^


    Dabei hatten wir das ja schon, dass Gwen auf Kolja etc. kaum noch Wirkung hat, weil sie zu viel in deren Nähe rumhängt

    Richtig, Kolja und Scott halten sich fast täglich in ihrer Nähe auf, deswegen hat Gwens Aura keine Wirkung mehr - im Gegensatz zu Colin, der Gwen erst vor 2 bis 3 (intext)Wochen kennen gelernt hat.


    Aber bei Kolja gibt sie so schnell auf?!

    Schauen wir mal, ob sie das tut ^^


    :grinstare:

    :grinstare:

    Guten Morgen und danke für deine Kommentare, Eti ^^ Und vor allem für das Lob :>


    Da sind immer mal wieder ziemlcih intelligente Sätze drin.

    Danke schön <3


    Ansonsten warte ich jetzt nur darauf, was in der Garage abgehen wird

    :grinstare: Ja, schauen wir mal was in der Garage passiert :D


    Sie kommt mir von den allen noch am "unfreakigsten"(?) vor

    Das stimmt. Hazel kommt vom Mainsquad am menschlichsten rüber. Im Gegensatz zu der Polybande bzw. Moira hat sie keine "anatomischen" (also so was wie eine zweite Gestalt oder Moiras Stimmenvolumen) Offensichtlichkeiten. Ihre Fähigkeiten bleiben unbemerkt :hmm:

    Neulich habe ich eine ähnliche Unterhaltung mit Miri geführt. In der ging es aber darum, welcher Freak vom Charakter her am "normalsten" ist :D Da hat Hazel dann wieder nicht so gut abgeschnitten :rofl:

    Abigail


    Sprachlos schaute Abby Kolja nach, die Hand auf ihrer pochenden Brust abgelegt und von der anderen umfasst – ein kläglicher Versuch, die Berührung zu ersetzen, die Kolja ihr viel zu zeitig entzogen hatte. Ein Funken Restwärme erinnerte an seine zärtliche Geste, doch sie war nichts im Vergleich zu der Hitze, die Abby seinetwegen zu Kopf stieg. Wie einen Heißluftballon füllte sie ihre Wangen, bis Abby mit dem Eindruck zu schweben vom Boden abzuheben schien. Sie biss auf ihre Unterlippe. Dann verselbstständigten sich ihre Füße, tippelten überdreht auf der Stelle und entluden ihre Energie in einem kleinen Hüpfer, gefolgt von einer schwungvollen Pirouette um die eigene Achse. Abby jauchzte glücklich. Oh, wie wundervoll! Endlich traute sich Kolja, ihr seine Gefühle zu offenbaren! Das hieß, direkt gebeichtet hatte er ihr seine Liebe noch nicht, allerdings durfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis er ihr endlich sein Herz öffnete. Was sollte er sonst damit meinen? 'Wir reden ein anderes Mal weiter.' Ganz gewiss plante Kolja, ihr in romantischer Atmosphäre seine ewigwährende Zuneigung zu gestehen. Im Anschluss würde er Abby in seine starken Arme ziehen und mit ihr in ihren ersten, leidenschaftlichen Kuss versinken, aus dem keiner von ihnen je aufwachen wollte. Hach! Am liebsten hätte Abby die ganze Welt umarmt. Für sie konnte 'ein anderes Mal' gar nicht zeitig genug eintreten!

    „Wenn dein Rumgehampel so was wie ein Paarungstanz sein sollte – das Subjekt deiner Begierde hat nicht hingesehen.“

    Abby drehte sich zu der Stimme um. „Oh, Gwen! Da bist du ja“, hieß sie ihre Freundin willkommen. Kein liebestrunkener Verfolger hing ihr an den Fersen. „Wie bist du die Feen losgeworden?“

    „Die zwei Pappnasen sind mir bis zur Bushaltestelle nachgetapst, also bin ich in die Linie Richtung Kildare gestiegen und als die Trottel im Bus waren, zur Hecktür rausgesprungen.“ Der Sukkubus zuckte ungerührt mit den Schultern. „Die nächste Haltestelle kommt erst in einigen Kilometern. Heute sehen wir die beiden nicht wieder.“

    Na so was. Wie unheimlich schlau von Gwen! Abby hätte ihr zu ihrem gewitzten Manöver gratuliert, aber sie musste ihr ganz dringend von den wunderbaren Ereignissen berichten, die sich während ihrer Abwesenheit zugetragen hatten. Freundschaftlich ergriff sie Gwens Arme. „Gwen, Kolja hält mich nicht für seine Schwester!“

    „Glückwunsch, Süße. Für achtundneunzig Prozent der Weltbevölkerung gehört das zu den Grundvoraussetzungen für eine intakte Beziehung.“

    „Ich bin ja so glücklich!“, schwärmte Abby. „Weißt du, Gwen? Erst dachte ich, du hättest dich geirrt, was Koljas Gefühle für mich angeht, nachdem er bei meinem Versuch, ihn zu küssen, zur Salzsäule erstarrt ist. Wahrscheinlich habe ich ihn einfach nur überrumpelt. Wenn wir das nächste Mal allein miteinander sind, wird er mir seine Liebe gestehen. Da bin ich mir sicher!“ Vor Vorfreude auf diesen Moment schlug Abby die Hände zusammen. „Und danach werden wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen. Kolja ist mein einzig wahres Ein-für-alle-Mal, ich weiß es! Bei keinem Mann, für den ich je geschwärmt habe, hat es sich so vollkommen angefühlt, wie mit ihm.“ Automatisch suchte und fand Abbys Blick ihren Liebsten unter den Zuschauern. Er stand bei Moira hinter den Spielfeldbarrikaden und verfolgte das Spiel. Was für ein stattlicher Mann ihr Kolja doch war. Was tat Abby überhaupt noch hier? Sie gehörte an seine Seite!

    „Das ist echt schön für dich“, meinte Gwen neben ihr. Aber: „Bevor du geistig schon mal dein Hochzeitskleid aussuchst, solltest du dich vielleicht doch noch mal kurz von Papabär losreißen. Ich glaube, ich habe da was gefunden, was dich brennend interessiert.“

    „So?“

    Gwen nickte und deutete über ihre Schulter hinweg auf einen Punkt abseits des Spielfeldes. „Das Gerätelager des Vereins. Du weißt schon. In das eingebrochen wurde. Ich dachte, du willst es dir vielleicht ansehen.“

    Das Gerätelager? Selbstverständlich! Bestimmt ließen sich darin einige Hinweise auf den Saboteur der Fußballmannschaft sammeln. Weiterer Feenstaub, zum Beispiel, oder andere verräterische Spuren, die den Kreis der Verdächtigen eingrenzten. Daher antwortete Abby: „Unbedingt! Wo finde ich es?“

    „Komm mit“, wurde sie von Gwen aufgefordert. „Ich zeige es dir.“


    Das Gerätelager des Vereins grenzte an die Umkleideräume der Spieler an. Es lag daher ein wenig abseits des Geschehens, erlaubte allerdings dennoch eine freie Sicht auf das Spielfeld. Weil das laufende Match die allgemeine Aufmerksamkeit fesselte, fühlte sich Abby gänzlich unbeobachtet, als Gwen sie hinter den Zuschauerrängen vorbei- und zu ihrem Ziel lotste. „Willst du dir denn nicht das Spiel ansehen?“, fragte Abby, während sie dem Sukkubus über das Gelände folgte und befürchtete, ihrer Freundin die Zeit zu rauben. Schließlich war Gwen wegen Colin und ihres Interesses an der Sportart hier.

    Sie winkte ab. „Das Spiel dauert neunzig Minuten. Ich werde noch genug Zeit haben, deinen Brüdern dabei zuzusehen, wie sie in kurzen Hosen über den Rasen flitzen. Außerdem bin ich neugierig geworden. Ich will auch wissen, was vor sich geht.“ Hieß das, Gwen schloss sich Abbys Nachforschungen an? Das war ja toll! Zu zweit gaben sie sicher ein fabelhaftes Gespann ab, so wie Meisterdetektiv Sherlock Holmes und sein kluger Helfer Dr Watson. Jetzt brauchten sie sich nur noch darüber einig sein, wer von ihnen welche Funktion übernahm. Mh… Abby konnte keinen Doktortitel vorweisen, also kam für sie nur die Rolle des Mr Holmes in Frage – jedoch traf das ebenso auf Gwen zu und im Gegensatz zu dem Sukkubus besuchte Abby zumindest das College. Oder besaß Gwen etwa einen Collegeabschluss? Und wenn ja, worin? Zur passenden Gelegenheit würde Abby ihre Freundin darauf ansprechen. Nun wollte sie aber ersteimal von ihr erfahren: „Wer, denkst du, könnte hinter all dem stecken?“ Vielleicht wies Gwen ja eine schlüssige Theorie vor.

    „Keine Ahnung“, räumte diese ehrlich ein. „Ich kenne nicht genug Leute, um mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Meinen Kundenstamm mal ausgeklammert. Dein Feenstaub dürfte dahingehend die beste Fährte sein, die du hast.“

    „Meinst du?“

    „Meine ich.“ Gwen deutete auf Abbys Tasche. Woher ahnte sie bloß, dass Abby das Fläschchen darin transportierte? „Du hast die Flasche gefunden aber nicht den Deckel dazu. Im Umkehrschluss heißt das: Wer auch immer den Feenstaub in Hayes' Büro verloren hat, ist wahrscheinlich noch in seinem Besitz. Finde ihn und du findest deinen Saboteur. Oder zumindest denjenigen, der sich an den Stufen zu schaffen gemacht hat.“

    Das klang einleuchtend. Trotzdem hegte Abby Zweifel. „Glaubst du nicht, derjenige hätte den Deckel schon längst entsorgt? Also ich würde keinen losen Deckel aufheben, vor allem kein Beweisstück eines Sabotageaktes.“

    „Ich weiß nicht“, gab Gwen ihr zu bedenken. „Ich würde ihn wahrscheinlich behalten, um besser unter Kontrolle zu haben, wem er in die Hände fällt. Wer weiß, von wem er aus der Mülltonne gefischt wird.“ Stimmt. So betrachtet machte es natürlich Sinn, das lose Stück Plastik aufzubewahren. Leider fehlte Abby dennoch jeglicher Anhaltspunkt, wo sie ihre Suche beginnen sollte. Na, mit etwas Glück änderte sich das gleich. Denn die Frauen erreichten just das aufgebrochene Gerätelager des Fußballvereins.

    Um ehrlich zu sein, rief die Bezeichnung 'Gerätelager' eine gewisse Vorstellung in Abbys Kopf hervor; von einem gepflegten, geräumigen Gebäude mit gut strukturiertem Regalsystem und genug Platz für alles, was die Mannschaft für ihr Training benötigte. Doch dieses Bauwerk verdiente höchstens die Betitlung einer Baracke - ein winziger Anbau aus zurechtgezimmerten Holzplanken mit einem geflickten Asphaltdach. Dass bei der geringen Grundfläche überhaupt ein Fenster existierte, wunderte Abby beinahe, wobei sich durch die enge Öffnung nicht einmal ein zartes Geschöpf wie Moira hindurchzuzwängen vermochte. „Was für eine merkwürdige Tür“, beurteilte Abby die beiden schweren Stahlflügel, die viel zu wuchtig für den schmalen Türrahmen erschienen, und zielte mit ihrer Einschätzung keineswegs auf die vielen Dellen im Metall ab, oder darauf, dass einer der Flügel vollständig entfernt an der Holzfassade lehnte.

    Gwen erklärte ihr: „Das ist nicht die originale Tür. Die war schon kaputt, als die Mannschaft den Schuppen übernommen hat, also hat Colin zwei herumliegende Platten zurechtgeschweißt und ein Schloss eingebaut.“ Schulterzuckend fügte sie hinzu: „Eigentlich hätte das ausreichen sollen.“

    „Hat Colin dir das erzählt?“ Oder woher bezog Gwen ihre Informationen?

    Der Sukkubus verneinte kopfschüttelnd. „Hayes. Er lebt immer noch mit der Illusion, mich beeindrucken zu können. Deswegen musste ich mir lang und breit anhören, wie er der Platzverwaltung das Nutzungsrecht dieser Rumpelkammer aus dem Kreuz geredet hat und sie von Colin nutzbar gemacht wurde.

    Ja, solche Projekte passten zu Abbys Bruder. „Colin hatte schon immer sehr geschickte Hände.“

    „Darauf möchte ich wetten.“

    Abby ließ die Tür links liegen und schob sich an dem verbleibenden Flügel vorbei ins Innere des Lagers. Sonnenlicht fiel durch die Fensterscheibe hinein und diente frisch aufgewirbelten Hausstaub als Rampenlicht für seinen heiteren Balletttanz. Hausstaub. Kein Feenstaub! „Hier ist ja gar nichts drin“, musste Abby feststellen. Weder Bälle, noch bunte Hütchen oder… na ja… womit auch immer man das Fußballspielen trainierte. Bloß ein paar alte Bretter standen herum, sowie Metallteile; vermutlich die Überbleibsel von Colins improvisierter Türenkonstruktion. Das waren ganz schön wenig Sportgeräte für eine aktive Mannschaft! Von draußen hörte Abby Gwen sagen: „Natürlich nicht. Einiges wurde geklaut und den Rest ihrer Ausrüstung haben die Männer anders untergebracht. Ein offenstehender Schuppen lädt ja förmlich dazu ein, von Dieben leergeräumt zu werden.“ Dem konnte Abby schwerlich widersprechen. Nun gut. Schlussendlich beabsichtigte sie eh keine Inventur der gegenwärtigen Vereinsausstattung durchzuführen. Sie befand sich auf der Suche nach Beweisen! Die Wölfin reckte ihre Nasenspitze und analysierte die eingehenden Gerüche. Nahm sie da etwa eine süßliche Note wahr? Mh, nein. Zu früh gefreut. In der abgestandenen Luft schwebte lediglich der Mief verschwitzter Poly-Männchen, vermischt mit den Ausdünstungen muffigen Holzes und eines kalten Betonfundamentes. Hmpf. Wie unbefriedigend.

    „Wie sieht's aus?“, erkundigte sich Gwen.

    Ernüchtert rief Abby ihr zu: „Hier gib es nicht mal Schmutz.“ Was Abby wenig überraschte, wo doch Colin einen maßgeblichen Anteil an der Instandsetzung dieses Schuppens leistete. Ungünstiger Weise bedeutete sein Ordnungsdrang für Abbys Untersuchungen, dass eventuelle Spuren bereits der Gründlichkeit ihres Bruders zum Opfer gefallen waren. Verflixt! Dabei hatte sie auf die gleichen Feenstaubkleckse gehofft, wie die in Hayes' Büro. Wäre Scott für das Lager verantwortlich, hätte Abby mit Sicherheit noch welche gefunden - zusammen mit dem Dreck der vergangenen Dekade.

    Nein, hier drinnen wurde Abby keinen Deut schlauer. Was für ein Reinfall. Sie verließ das Gerätelager also wieder und trat zu Gwen an die frische Luft. „Das war keine sehr ergiebige Suche“, beklagte die Wölfin.

    „Findest du?“ Gwen legte den Kopf schief. „Also ich finde den Zustand der Tür äußerst aufschlussreich.“

    Die Tür? Abby drehte sich zu ihr um und musterte das eingedellte Metall. Was sollte denn an diesem demolierten Ding aufschlussreich sein? Jemand hatte mit aller Gewalt darauf eingeschlagen, so viel wusste Abby festzustellen. Doch diesen Zustand sollte man erwarten, nachdem ein Einbruch verübte wurde. Die Täter schienen wahrlich entschlossen gewesen zu sein, denn abgesehen davon, den einen Türflügel brachial aus den Angeln gerissen zu haben, hatten sie den zweiten buchstäblich wie einen Duschvorhang zusammengefaltet.

    Unaufgefordert ging Gwen ins Detail. Sie klopfte mit den Knöcheln ihrer Finger gegen das Metall und sagte über das dumpfe Trommeln hinweg: „Das ist Stahl. Das bekommst du nicht einfach mit einer Brechstange verformt, geschweige denn mitsamt Scharnieren aus seiner Halterung herausgerissen. Wer auch immer sich daran zu schaffen gemacht hat, musste enorm viel Kraft dafür aufwenden.“

    „Die Einbrecher haben spezielle Maschinen benutzt, meinst du?“ So etwas wie einen Presslufthammer? Die Vorbereitung, die dafür nötig wäre, sprach gegen eine spontane Nacht-und-Nebel-Aktion, denn wer führte schon stets und ständig derart schweres Werkzeug bei sich? Also doch ein gezielter Angriff auf das Eigentum des Vereins!

    „Entweder das…“, stimmte Gwen ihr zu, „oder dein Einbrecher ist übermenschlich stark.“

    Jetzt wurde Gwen aber albern. Übermenschlich stark, auf wen sollte diese Eigenschaft denn zutreffen? Der Sukkubus positionierte sich vor dem zusammengestauchten Türflügel und legte ihre Hand auf das Epizentrum der Zerstörung. Dazu hob sie ihren Arm. „An dieser Stelle hat er zugedrückt. Er ist also größer als ich. Zwanzig bis dreißig Zentimeter, schätze ich.“ Sie beendete ihre Mutmaßungen mit dem abschließenden Kommentar: „Was für ein Riese.“

    Bei aller Freundschaft - dieser Vermutung konnte Abby sich nun wirklich nicht anschließen. Ein Riese mit stahlbeugenden Kräften. Wie absurd! „Ich glaube, du irrst dich, Gwen. So jemanden gibt es hier nicht. Wenn, dann hätte ich bestimmt schon von ihm gehört. Weil er…“

    „Stahl verbiegt?“, vervollständigte Gwen ihren Satz und Abby nickte.

    „Genau. Oder weil er… .“

    „Problemlos einen ausgewachsenen Mann stemmt?“

    „Ja, beziehungsweise-…“

    „weil er Rasentraktoren werfen kann?“

    Wie kam Gwen denn bloß auf diese Beispiele? „Das auch und-…“

    „Und einen Kleinwagen anhebt, um einen Ball darunter hervorzuholen.“

    Abby schloss ihren Mund. Wo-worauf wollte Gwen hinaus?

    Der Sukkubus schickte einen Fingerzeig zum Spielfeld und noch ehe Abby sich folgeleistend umdrehte, fühlte sie eine unsagbare Übelkeit in ihrem Hals aufsteigen, als müsste sie jeden Augenblick ihr verblutendes Herz hervorwürgen und vor die eigenen Füße speien, wo es wie ein gestrandeter Fisch hilflos zappelnd verendete. Das-… das meinte Gwen unmöglich ernst! Bestimmt dachte ihre Freundin an eine andere Person und Abbys Gedanken schlugen lediglich falsche Bahnen ein. So musste es sein. Ganz sicher! Sobald sich Abby umwandte, würde ihr Augenmerk auf irgendjemanden fallen. Auf jemanden, bei dessen Anblick ihr nicht das liebende Herz entzweibrach.

    Abbys Augen folgten der richtungsgebenden Geste.

    Und etwas in ihr starb. Denn das Gewicht von Gwens schuldzuweisender Fingerspitze lastete auf dem breiten Kreuz des eines Mannes, der gerade in Demonstration seiner Stärke Moira für ein Foto auf den Schultern trug.

    Kolja.

    Mit zitternden Lippen sah Abby zu Gwen.

    Nein!



    nächster Teil

    Ich wollte mir die Acrylfarben mal ansehen aber die Bestände hier sind bereits restlos ausverkauft oO Das Fach war geplündert, nicht mal eine aufgebrochene Packung lag noch da. Dabei gilt das Angebot erst seit heute.


    Trotzdem habe ich mir ein paar Leinwandpostkarten mitgenommen. Aus der ScrawlrBox habe ich nämlich noch ein paar Heavy Body Acrylfarben, die ich endlich gern benutzen würd, ganz zu schweigen von meinen wasserlöslichen Ölfarben. Jetzt müsste ich nur noch Kreativität entwickeln.

    „Das war wirklich knapp“, stimmte Moira ihm zu, sichtlich über den glimpflichen Ausgang erleichtert. Knapp, ja. Definitiv. Ein Schritt näher und Kolja wäre-… Egal. Gwen hatte ihnen aus der Klemme geholfen und Kolja spürte die Verspannungen aus seinen Muskeln weichen. Für Abigail sollte das Ganze jedoch noch ein Nachspiel haben, denn Scott fuhr seine Schwester an:

    „Bist du bescheuert?! Ich hab' dir gesagt, du sollst die Klappe halten!“

    „Diese Fieslinge hatten es auf Kolja abgesehen!“, rechtfertigte Abigail ihren Leichtsinn. „Sollte ich etwa tatenlos daneben stehen bleiben und so tun, als wäre nichts?“

    Kolja schmolz das Herz. Seinetwegen riskierte Abigail Ärger mit den Feen; außer Scott bewies sonst niemand solche Opferbereitschaft für ihn. Trotzdem: Sie verdiente die Zurechtweisung, wenngleich Kolja einen weit weniger ruppigen Umgangston dafür gewählt hätte. Ein bisschen versetzte ihn dieser Umstand in eine Zwickmühle. Einerseits wollte er für Abigail einstehen und ihr zeigen, wie viel ihm ihr Beistand bedeutete. Andererseits focht Scott gerade einen geschwisterlichen Disput mit ihr aus und aus diesen hatte Kolja sich rauszuhalten. Im Endergebnis starrte er nichtsnutzig auf die eigenen Füße und Scott stauchte seine Schwester weiter zusammen:

    „Das waren die Feen, verdammte Scheiße! Drauf geschissen, wen die auf dem Kieker haben!“

    „Mir ist egal, wer sie sind. Jemand musste ihnen die Meinung sagen!“

    „Deine Standpauke interessiert die einen Dreck“, konfrontierte Scott sie mit den Tatsachen. „Abby, diese Typen geben O'Rourke und seinen Männern auf die Schnauze. Ein Mädchen wie dich fressen die zum Frühstück.“

    „Aber-...“

    „Kein Aber.“ Scott unterstrich die Endgültigkeit seines Machtwortes mittels einer entsprechenden Handbewegung. „So eine dämliche Aktion will ich nie wieder von dir sehen. Du hast dich gefälligst von den Feen fernzuhalten. Punkt, fertig, aus!“

    Darauf leistete Abigail keine Widerrede mehr. Trotzig überkreuzte sie die Arme und ihre Lippen formten diesen süßen Schmollmund, den Kolja liebend gern mit mehr nachfahren würde, denn bloß seinen Augen. Seine Phantasie glitt in eine Vorstellung ab, in der seine Daumenspitze zärtlich über die Konturen strich und… und dann riss Colin ihn aus seiner Traumwelt.

    „Was wollten die Pilzköpfe überhaupt von dir?“

    „Sie behaupten, ich nehme ihnen die Jobs weg“, gab Kolja die fragwürdige Begründung der Feen wieder, aus der sie meinten, ihm auf die Nerven gehen zu müssen und Colin reagierte mit angebrachtem Unverständnis:

    „Häh? Sind die behämmert? Krepiert denen zwischen Litha und Samhain endgültig das Hirn weg, oder was?“

    „Na ja“, warf Scott ein. „Technisch gesehen hat Kolja das wirklich gemacht.“ Als der Wolf in der Folge von seinen Freunden skeptisch angeschaut wurde, rekapitulierte er für Kolja: „Die Tussi mit den bunten Haaren, Oonagh, die hat vor dir als Köchin im Tír na nÓg gearbeitet. Hayes hat sie rausgeschmissen, damit du ihren Job übernehmen kannst.“

    Davon hörte Kolja zum ersten Mal. Bis jetzt ging er immer davon aus, seine Stelle wäre damals schlichtweg frei gewesen – ein glücklicher Umstand zu jener Zeit, dank dem Kolja Fuß fassen konnte. Dass ein anderer Mitarbeiter dafür gehen musste, wurde nie erwähnt.

    „Das ist sieben Jahre her“, betonte Moira kritisch, „und Kolja kann auch gar nichts dafür, schließlich war es Mister Hayes' Entscheidung, diese Oonagh zu entlassen.“

    „War auch nicht unberechtigt, das zu tun. Den Fraß, den die zusammengerührt hat, konnte man niemanden vorsetzen.“ Es schüttelte Scott. „Die hat alles anbrennen lassen oder das Zeug halbroh auf die Teller geklatscht. So was will niemand essen. Du kamst Hayes also ganz recht, um die Pfeife endlich abzusägen.“

    „Und mal ganz ehrlich“, meinte Colin, „wenn 'n Kerl mit Sprachbarriere und ohne passende Berufsausbildung ankommt und trotzdem 'nen besseren Job abliefert, als man selbst, verdient man's, auf die Straße gesetzt zu werden. Nichts für ungut, Großer.“ Gleichgültig zuckte Kolja mit den Schultern. Wo Colin Recht hatte, hatte er Recht.

    Moira fasste es treffend zusammen: „Es ist echt arm, Kolja zum Sündenbock zu machen.“

    „Die Feen sehen in Kolja eine lebende Erinnerung an das eigene Versagen, dessen Ursprung sie, mangels der Fähigkeit zur Selbstreflektion, auf eine Komponente außerhalb ihrer Einflussmöglichkeiten übertragen. In diesem Fall bedeutet das, den unmittelbaren Nutznießer des Misserfolges zur Verantwortung zu ziehen und ihn eine aktive Manipulation zu unterstellen, damit man sich weiterhin vor den eigenen Unzulänglichkeiten verschließen kann.“

    Nochmals rückte Scott in den Mittelpunkt des allgemeinen Augenmerks. 'Nutznießer'… Wo hatte Scott denn diesen Begriff aufgeschnappt?

    „Spricht da wieder Orgasmus-Hazel aus dir?“, fragte Colin seinen Bruder und zog eine Braue nach oben. Gut, dass Scotts ungewohnte Rhetorik nicht nur Kolja spanisch vorkam.

    Scott bestätigte seine Vermutung mit einem unbeeindruckten „Jap.“ Oha. Wie oft Hazel ihm das wohl zwischen den Kissen zugehaucht haben musste, dass es sich in seinem Gehirn festsetzte? Sein Bruder entwickelte scheinbar ähnliche Gedanken:

    „Ihr zwei fahrt echt aufeinander ab, was?“

    Ein trillernder Pfiff unterbrach jedwedes Gespräch - das Signal für die Fußballer, Aufstellung zu nehmen. Gleich sollte das Spiel anfangen. Die Fitzpatrickbrüder liefen daher zu ihren Positionen auf dem Spielfeld: Colin in der Abwehr und Scott, zusammen mit Ward, im Angriff. Moira folgte ihnen mit gezückter Kamera. Sicher ergaben sich nach dem Anpfiff einige spannende Fotomotive für sie.

    Unverhofft fand sich Kolja in Zweisamkeit mit Abigail wieder. Immer noch bockte die Wölfin vor sich hin und sah einfach entzückend dabei aus. Dem bezaubernden Gesamtbild fehlte bloß noch, ihr würden kleine Dampfwölkchen aus der schönen Nase aufsteigen. Vorwurfsvoll blickte sie Kolja an. „Du denkst wie Scott, nicht wahr?“

    Mh? Worüber sollte er genau wie Scott denken? Offenbar stand Kolja seine Ratlosigkeit in den Zügen eingraviert, denn Abigail schob nach: „Über mich, meine ich. Du hältst mich für ein Kind. Für ein kleines Mädchen.“

    Wie bitte? Wer redete ihr denn so einen Quatsch ein? Abigail war eine tolle Frau; allein eine Berührung von ihr genügte und die Hormone rauschten flotter durch Koljas Körper, als eine Störung durch das alte Röhrenfernsehgerät seines längst verstorbenen Großvaters aus Gattschina. „Das ist Unsinn“, widersprach Kolja ihr deshalb, doch Abigail glaubte ihm nicht.

    „Sei ehrlich. Du traust es mir nicht zu, mich durchzusetzen. Aber damit liegst du falsch, genau wie meine Brüder. “

    „Ich traue dir zu, dich-...“

    „Jetzt lügst du“, warf sie ihm vor. Kolja klappte den Mund zu. „Ich bin eine erwachsene Frau. Und eine Wölfin! Nur weil ihr älter seid als ich, müsst ihr mich nicht wie ein Baby behandeln. Zur Erinnerung: Weder du, noch Scott oder Colin hatten genug Rückgrat, den Feen die Stirn zu bieten. Das habe nur ich fertiggebracht.“ Rückgrat? Rückgrat spielte hierbei keine Rolle, es ging um Vernunft. Und die schien in Abigails Fall fröhlich tschilpend zum imaginären Fenster hinaus davonzuflattern. Kolja wollte einen Versuch unternehmen, ihr die Sachlage klarzumachen. Soweit ließ Abigail ihn jedoch nie kommen. Sie setzte ihr Gezeter fort und schleuderte währenddessen aufgebracht ihre Hände durch die Luft, als trügen die Moleküle darin eine Mitschuld an allem und verdienten dafür ordentliche Backpfeifen. „Das ist so ungerecht. Ich habe das einzig richtige getan und muss mich dafür von Scott als dämlich bezeichnen lassen.“

    „Er-...“ Aufs Neue schnitt Abigail Kolja das Wort ab.

    „Und du teilst seine Ansicht. Du denkst, mich bevormunden zu müssen.“

    „Ich denke ni-...“

    „Für dich bin ich, genau wie für meinen Bruder, bloß ein kleines Kind.“

    Genug davon! „Ich denke“, begann Kolja seinen abgebrochenen Satz von vorn, dieses Mal etwas lauter und in einem strickten Tonfall, dank dem Abigail es nicht wagte, ihn nochmal zu unterbrechen. Er schnappte ihre herumfuchtelnden Hände und zwang sie zur Ruhe. „Ich denke, du bist eine attraktive junge Frau mit einer wundervollen Persönlichkeit. Gerade benimmst du dich aber überhaupt nicht wie eine Erwachsene. Scott und mir geht es um die Konsequenzen, die du durch dein Einschreiten heraufbeschworen hast. Deine Leichtsinnigkeit und dein Trotz hätten beinahe zu einer Eskalation mit den Feen geführt und anstatt Einsicht zu zeigen, stapfst du wütend mit dem Fuß auf. Begreif' endlich: Du hast die schlimmsten Schläger der Stadt so sehr provoziert, dass sie fast handgreiflich geworden wären. Damit hast du nicht nur dich selbst in ernste Gefahr gebracht, sondern auch Moira, Gwen, deine Brüder und mich. Das ist kein Spiel, Abigail. Du hast gesehen, wie sie den Schrat zugerichtet haben. Ich glaube nicht, dass man dich bevormunden muss jedoch was dein Verhalten eben angeht, gebe ich Scott Recht. Das war wirklich dumm.“

    Ob seines Tadels verdrängte Enttäuschung den Vorwurf aus Abigails Mimik. „Ich wollte dir helfen“, beharrte Abigail darauf, richtig gehandelt zu haben und Kolja wollte ihr gleich hier und jetzt einen Kuss dafür geben. Nichtsdestotrotz:

    „Das weiß ich zu schätzen. Aber hast du eine Ahnung, wie schlecht ich mich gefühlt hätte, wenn dir deswegen etwas zugestoßen wäre? Du hast dich den Hyänen zum Fraß vorgeworfen.“ Was für ein treffender Vergleich. Er brachte Abigail zu der Frage:

    „Wieso hast du dich denn nicht gewehrt? Kolja, du bist so groß und stark! Niemand kann dir etwas entgegensetzen. Würdest du das den Feen beweisen, würden sie dich nie wieder behelligen und du hättest Frieden vor ihren Gemeinheiten.“ Und er würde damit zu dem gewalttätigen Monster werden, das jeder in ihm sah. Außerdem:

    „Dann lauern sie mir beim nächsten Mal mit dem Rest ihres Schwarms auf. Es ist klüger, manche Situationen auszusitzen, anstatt auf Provokationen einzugehen.“ Eindringlich erklärte Kolja ihr: „Ich kann nicht gedankenlos jedem Impuls nachgeben, der mich überkommt.“

    „Wiesoooo niiicht?“, jaulte Abigail daraufhin los und setzte einen herzerweichenden Hündchenblick auf, für den Kolja ihr jeden Wunsch erfüllen wollte. Sie sprach noch von der Konfrontation mit den Feen, oder?

    „Abigail.“ Kolja lenkte das Thema zurück auf die ursprüngliche Kernaussage seiner Rüge. „Ich maßregle dich nicht, weil ich daraus irgendeine bizarre Form von Befriedigung ziehe. Ich habe Scott versprochen, auf dich achtzugeben und will nicht, dass dir etwas passiert.“

    Da zerfiel Abigails wehleidige Miene. „Und das ist alles, worum es dir geht?“, forderte sie gekränkt zu erfahren. „Dein Versprechen gegenüber meinem Bruder? Mehr bin ich nicht für dich?“

    Was? Nein, jetzt zog sie falsche Schlüsse. „So habe ich das nicht gemeint. Mir liegt etwas an deiner Sicherheit, unabhängig von deinen Brüdern.“

    „Weil du dich für einen von ihnen hältst?“

    Perplex gaffte Kolja sie an. Wie… wie meinte Abigail das? Er schwieg überfordert und Abigail präzisierte ihre als Frage getarnte Unterstellung: „Liegt dir etwas an mir, weil du in mir eine Ersatzschwester siehst? Wenn das nämlich der Fall ist, dann kannst du mir gestohlen bleiben. Ich habe schon genug Brüder, die mich herumkommandieren. Noch mehr brauche ich nicht.“

    Auf der Suche nach Klarheit grub sich Abigails forschender Blick tief in Koljas Bewusstsein hinein. Welche Antwort sollte er ihr geben? Gerade bot sich ihm der ideale Zeitpunkt, Abigail und sich selbst ein für alle Mal die Hoffnung auf eine Romanze miteinander unwiderruflich aus dem Kopf zuschlagen. Seine Vernunft flüsterte ihm ein, die Chance zu ergreifen. Eine kurze, rasch daher gesagte Lüge genügte dafür. 'So ist es'. Doch etwas in Koljas Brust schrie gegen diese Idee an. Es klammerte sich an die Gefühle für Abigail, wie ein Schiffbrüchiger an einen Rettungsring, hin und her getrieben von den hohen Wellen, die Koljas Empfindungen mit jedem Gedanken an die Wölfin schlugen.

    Zweifel überkamen Kolja. War sie von sich zu weisen wirklich das, was er wollte?

    „Also ist es das“, deutete Abigail niedergeschlagen sein Schweigen. „Du magst mich nicht auf dieselbe Weise, auf die ich dich mag.“

    Alles, was Kolja tun musste, war, ihr zuzustimmen.

    Aber der Kummer in ihrer Stimme traf ihn wie ein Dolchstoß mitten ins Herz und so pumpte es um sein Leben statt Blut die Wahrheit zwischen Koljas Lippen hervor: „Wenn dem so wäre, dann hätte ich mich längst dazu durchringen können, deine Hände loszulassen.“

    Abigail senkte ihre Augen. Sie betrachtete ihre Finger, die nach wie vor sanft von Koljas Handflächen umschlossen wurden. Behutsam ließ er seine Daumen über ihre Haut wandern. Die Berührung fühlte sich so gut an, wie Kolja es sich vorgestellt hatte – und besser.

    Ein zweites Trillern seitens des Schiedsrichters bekundete den Anpfiff. „Das Spiel geht los“, stellte Kolja fest und beendete den zarten Körperkontakt zu Abigail. „Wir reden ein anderes Mal weiter.“

    Und mit diesem Versprechen wandte er sich von ihr ab und trottete zu den Zuschauerrängen.



    nächster Teil

    Hallo und Danke für eure Kommentare ^^


    Aber es war legendär, wie Gwen die Situation entschärft hat. Ich meine - da stehen drei Wolfspolys und ein Bär... und wer erledigt das? - Gwen :D Naja, sie hat halt gewisse Vorzüge

    She's the man :pump: Also ... im sprichwörtlichen Sinne xD


    Das hat mich gekillt :rofl::rofl:

    R.I.P. Lady. Sie war eine treue Leserin :D


    Naja, ich fand es jedenfalls lustig :D

    Das freut mich zu lesen ^^


    Auch wenn ich Abby gern mal in Aktion gesehen hätte

    Mein Bauchgefühl sagt mir, dass du das eventuell auch noch wirst :whistling::saint: :ninja:

    Ich schon wieder.

    Normalerweise bin ich nicht so hinter den Discounter-Angeboten her, aber ab nächsten Donnerstag bietet Lidl Acrylfarben von Marabu an, falls jemand gern mit Acrylfarbe malt oder sie (wie ich) für Bastelprojekte benötigt. Ich verwende Marabu für mein Puppenprojekt und kann deshalb aus meiner Erfahrung damit sagen, dass die Qualität der Marabu-Actrylfarben etwas taugt (wovon man in Sachen Künstlerbedarf bei den Angeboten im Supermarkt ja leider nicht immer ausgehen kann). Falls jemand bedarf hat und überlegen sollte: Bei Marabu kann man imho zuschlagen 👍

    Hallo, der Chat bietet keine direkte Funktion, durch die man Bilder direkt hochladen kann. Ich habe dieselbe Frage nämlich auch schon mal gestellt. Du kannst nur dein Bild über einen externen Hoster (imgBB zB) hochladen und dann den Link im Chat teilen. Bzw. als Superuser kannst du die BB-Codes verwenden und das Bild mit [img] einbetten.

    Innerhalb desselben Wimpernschlags kam der dazugehörige, schwarzhaarige Wirbelwind herbei gerauscht und las den Feen gehörig die Leviten: „Sechs gegen einen! Soll das euer Meinung nach fair sein?! Was für Feiglinge seid ihr eigentlich?“

    Abigail... . Was trieb sie da?! Fassungslos gaffte Kolja die Wölfin an, die sich wie ein Schutzwall vor ihm aufbaute und ihn vor den Zudringlichkeiten des Schwarms abschirmte. Sie beschützte ihn.

    Sie beschützte ihn.

    Niemand dachte je daran, Kolja zu beschützen. Normalerweise war er es, hinter dessen respekteinflößender Statur Deckung gesucht wurde. Selbst Scott bot ihm immer Seite an Seite seinen Beistand und sprang niemals direkt zwischen Kolja und eine Gefahr – im Gegensatz zu seiner Schwester. Hatte sie den Verstand verloren? Zum Kuckuck, sie wies gerade die Feen zurecht! Diese Typen suchten ständig neue Opfer und Abigail servierte sich ihnen praktisch selbst auf dem Silbertablett.

    „Abby, lass den Quatsch!“, pfiff Colin seine kleine Schwester zurück aber die Feen nahmen sie bereits ins Visier. Das Zebra unterzog Abigail einer herabwertenden Musterung.

    „Noch so 'n Kläffer. Hat jemand die Zwinger im Tierheim offengelassen oder was? Was will die denn jetzt?“

    Die will euch ordentlich den Kopf waschen! Wofür haltet ihr euch?! Für die Könige von Irland höchstpersönlich? Aufgeblasene Straßentyrannen seid ihr, das ist alles! Kolja grundlos zu schikanieren – sucht euch ein Hobby, wenn ihr Langeweile habt!“

    Weder die Feen vermochten Abigail einzuschüchtern, noch der harsche Befehlston, mit dem Scott die Wölfin bei Fuß beorderte. „Halt die Klappe und kommt her, Abby!“

    „Nein!“, widersetzte sie sich der brüderlichen Anweisung. „Ich gucke bestimmt nicht dumm dabei zu, wie diese Rowdys Kolja drangsalieren!“

    Sprachlos verfolgte Kolja, wie Abigail seinetwegen ihren hübschen Hals riskierte. Das war … unglaublich lieb von ihr. Und unglaublich dumm. Sie sollte auf Scott hören, herrje! Sogleich zogen Regenbogenhaar und Pelzjäckchen ihren Einsatz ins lächerliche. „Oh nein, der große Junge hat seine Mami geholt!“

    „Nun bekommen wir den Hintern versohlt!“

    „Hätten eure Mütter das nur mal getan, dann müssten sie sich heute nicht dafür schämen, wie ihr euch in der Öffentlichkeit benehmt“, schimpfte Abigail. „Was eure Erziehung angeht, haben sich eure Eltern wahrlich mit keinem Ruhm bekleckert! Als wärt ihr von Primanten aufgezogen worden!“

    Kolja schluckte schwer. Denn damit verging den Feen das Lachen.

    Von jetzt auf gleich erstarb ihr hämisches Amüsement und etwas Grausames ließ ihre Züge erhärten. Nicht gut, gar nicht gut! Abigail hatte es gewagt, Kritik an den Eltern der Feen zu üben und durch ihren Vergleich stellte sie für die Feen ihre ganze, angeblich perfekte Abstammung in Frage. Auf ihre Herkunft empfanden diese Möchtegernhochwohlgeborenen einen fast schon krankhaften Stolz; so wenig Respekt sie anderen gegenüber aufbrachten, desto mehr erwarteten sie, dass man ihn ihnen zollte. Und Abigail bearbeitete den fragilen Glasthron, von dem aus sie auf andere herabsahen, mit deftigen Kopfnüssen – denen, eines Rammbocks!

    „Was...“

    „hat sie...“

    „gesagt?!“

    „Ich sagte, eure Mü-... .“

    „Rhetorische Frage!“ Beinahe hätte Abigail den Fehler begangen und ihre Aussage wiederholt, doch Kolja fiel ihr rechtzeitig ins Wort. Die Frau redete sich noch um Kopf und Kragen! Er griff ihren Arm und zwang sie nach hinten. Bloß raus aus der Reichweite der Feen! Aber der Schaden war angerichtet.

    „Was nimmt die…

    „sich…“

    „raus?! Wer glaubt…“

    „sie, wer…“

    „sie ist…“

    „solche Reden zu…“

    „führen?!“

    Besorgt registrierte Kolja das Fläschchen Feenstaub in den Händen der Zebrafee.

    „Wir müssen ihr…“

    „wohl das…“

    „Maul stopfen! Am…“

    „besten sorgen…“

    „wir dafür, dass sie…“

    „nie wieder in…“

    „der Lage ist, ihre…“

    „Lügen zu…“

    „…“

    „…“

    „…“

    Da… fehlte noch was, oder?

    Anhand des Kontextes konnte Kolja auch ohne den Schluss des Satzes die Drohungen der Feen interpretieren, dennoch verwirrte ihn der vorzeitige Abbruch des sonst perfekten Staccato. Und nicht nur ihn. Abigail sah fragend zu Kolja auf, worauf er einzig mit den Schultern zu zucken wusste. Er suchte bei Scott und Colin Erleuchtung, aber dem jüngeren der beiden stand ein größeres Fragezeichen auf der Stirn geschrieben, denn Kolja selbst und Scott schien noch nicht einmal begriffen zu haben, niemals das Ende dieser Kampfansage zu hören zu bekommen. Moira hob ebenfalls unwissend die Brauen und zur Vervollständigung der allgemeinen Ratlosigkeit, blickte nunmehr sogar der Schwarm reihherum einander völlig verdattert an: Das Zebra schaute zu Schottenrock, dieser zu Pelzjäckchen, die ihr Augenmerk auf Regenbogenhaar richtete, welche ihrerseits Haargel-Johnny ins Auge fasste und der wiederrum die androgyne Fee, die… .

    Die geistesabwesend auf ihr Smartphone stierte. „Hehe, die Katze ist zu fett für ihre Katzenklappe“, gluckste sie belustigt.

    Mit einem Hieb gegen die Schulter brachte Schottenrock die digitale Traumblase des World Wide Webs zum Platzen, in der die androgyne Fee feststeckte. Wie aus einem Sekundenschlaf, schreckte sie hoch. „Huh? Was?“ Der übrige Schwarm rollte genervt mit den Augen.

    So ging das nicht weiter. Irgendetwas musste passieren. Kolja wünschte wirklich, die Feen würden einfach gehen, bevor noch ein Unglück geschah und er… .

    Vor ihm bildeten die Feen eine undurchdringliche Front, während Scott und Colin in seinem Rücken wütend um die Wette knurrten und auf diese Weise das Biest anpeitschten, das Kolja im Nacken saß. Die einzige Beteiligte, die augenscheinlich keinen inneren Kampf mit dem eigenen Raubtier führte, war Abigail – und ausgerechnet sie kippte literweise Öl ins Feuer! „Fasst euch erstmal an die eigenen Nasen! Wenn sich hier jemand im Ton vergreift, dann seid das ja wohl ihr.“

    „Sei still“, raunte Kolja streng. In ihrer Leichtfertigkeit ritt sich Abigail so tief in den Ärger hinein, dass ihr sinnbildliches Pferd bereits unwiderruflich im stinkenden Morast versank. Wollte sie das denn nicht erkennen? Dann öffnete Abigail ihren Mund und Kolja trug seine naive Hoffnung auf eine gewaltfreie Beendigung dieses Konflikts vollends zu Grabe.

    „Ihr seid ein Haufen schlimmer Schaumschläger!“

    Leuchtend traten die Tätowierungen auf der Haut der Feen hervor.

    „Schaumschläger sagt...“

    „sie.“

    „Wir reden…“

    „ihr zu viel. Na…“

    „gut, dann genug gequatscht. Tun wir…“

    „ihr den Gefallen und…“

    „demonstrieren ihr…“

    „unsere…“

    „Mayonnaise!“

    Gleichzeitig drehten sich sämtliche Köpfe der androgynen Fee zu, deren Pupillen erneut am Display ihres Smartphones klebten. Na ja. Immerhin hatte sie dieses Mal ihren Einsatz nicht verschlafen. „Pack das Ding weg, Ailbhe!“, wurde sie von der Zebrafee angezischt.

    „Ich schau nur kur-…“

    „Pack es weg!“

    Kleinmütig leistete sie gehorsam und das Zebra konzentrierte sich wieder auf Abigail und Kolja. „Wo waren wir? Ach ja! Die Töle-…“

    „Hoppla, wo bin ich denn da hineingeraten?“ Aus dem Nichts tauchte Gwen neben Kolja auf. Sie spielte Naivität vor und umschloss, vermeintlich betroffen, mit den Handflächen ihre Wangen. Die Geste besaß unbestreitbar etwas Niedliches. Gwens Kleidung passte in keiner Weise zu einem Unschuldslamm, welches sie vorgab, zu sein aber Kolja musste zugeben, dass sie die notwendige Körpersprache mit dem dazugehörigen unbeleckten Tonfall erstaunlich überzeugend nachahmte. Wieso mischte sie sich ein? Was plante der Sukkubus?

    Zumindest die beiden männlichen Feen störte Gwens widersprüchliches Erscheinungsbild kein bisschen. Wenn sie sie weiter so liebestrunken angafften, nisteten sich noch Pixies in ihren weit offenstehenden Mundhöhlen ein. „Oh je, oh je! Was für ein Schlamassel“, säuselte Gwen ihnen vor. „Ich suche besser schnell das Weite.“ Schon während sie sprach, spazierte der Sukkubus davon. Betört verfolgten Schottenrock und sein stark frisierter Kumpel jeden ihrer Schritte, bis Gwen schließlich ihr Sichtfeld zu verlassen drohte und sie ihr hormonberauscht nachtapsten. Die Sukkubusaura hatte die zwei definitiv im Griff.

    Die verbleibenden Feen sah dem Dreiergespann irritiert nach. „Hey, wo geht ihr hin?“ Da sie keine Antwort bekamen, lief Regenbogenhaar den Männern hinterher. Pelzjäckchen tat es ihr gleich, doch sie stutze auf halber Strecke, weil Zebra an Ort und Stelle verharrte und kehrte zu ihr zurück – im selben Moment, in dem auch Regenbogenhaar einen Sinneswandel durchlebte und zu ihren Freundinnen ging. Allerdings setzte sich das Zebra just in Bewegung und ließ die Mädels einfach stehen. Sie folgten ihr, als das Zebra verunsichert eine jähe Kehrtwende und somit den Rückweg einschlug und geradewegs an ihren konfusen Geschlechtsgenossinnen vorbeimarschierte.

    „Was machen die da?“, fragte Abigail leise. Gute Frage… nächste Frage. Die Frauen rotierten planloser im Kreis, denn eine Kompassnadel am Nordpol. Irgendetwas raubte ihnen die Orientierung. Sogar die eingestochenen Runen auf ihren Körpern erloschen flimmernd wie ein absaufender Benzinmotor.

    Vor, zurück, um die eigene Achse herum und wieder vor - mit einmal standen sich Pelzjäckchen und Regenbogenhaar gegenseitig im Weg. Aber anstatt einander rechtzeitig auszuweichen, prallten die beiden Feen frontal zusammen und plumpsten rücklings zu Boden. Ächzend krochen sie über den Rasen hinweg in verschiedene Richtungen davon, derweil das Zebra ziellos durch die Landschaft irrte.

    Über ihre Schulter hinweg zwinkerte Gwen Kolja zu, bevor sie mitsamt ihrem Gefolge hinter dem Parkplatz verschwand. Ah! Jetzt begriff Kolja, was hier passierte. Gwen hatte das Schwarmdenken der Feen sabotiert. Wie raffiniert! Indem sie die Männer mithilfe ihrer Aura gefangen nahm, riss sie sie aus dem kollektiven Bewusstsein der ganzen Gruppe heraus und unfähig, die abrupt entstandene Lücke zu verarbeiten, verfiel der Rest des Schwarms in heilloses Chaos. Lediglich die androgyne Fee stand unbewegt in der Gegend herum und kroch tiefer in den Kaninchenbau an lustigen Tiervideos hinein, den das Internet ihr bot. Ein Sukkubus ließ sie offenbar kalt, also steckte unter dem Kapuzenpulli und der Mütze wohl eine Frau. Oder ein hoffnungsloser Fall von Social Media-Sucht. Auch möglich. So oder so – friedlich setzte sich die Fee ins Gras und durfte endlich in aller Ruhe ihr Katzenvideo zu Ende ansehen. Von ihr brauchte man keine Gefahr befürchten.

    Colin war der erste, der nach überstandener Krise das Wort ergriff. „Mann, was für Penner. Wird echt Zeit, dass O'Rourke sein Rudel auf die Reihe bekommt. Diese Feen-Pisser sind 'n echter Krampf im Arsch.“



    nächster Teil

    Der Zeichenshop meines Vertrauens bietet übrigens gerade eine InkTober-Box an, falls sich jemand noch eindecken möchte: Klick mich.

    Ab 15.09. ist das InkTober-Produktpaket übrigens wieder erhältlich, sollte jemand am InkTober mitmachen und sich dafür rüsten wollen ^^

    Ich habe nicht mal den Hobbit "geschafft", der war mir derart dröge, den hab ich schon nach zehn Seiten als Cory-unlesbar deklariert.

    Dieselbe Erfahrung habe ich mit dem ersten Teil der Herr der Ringe gemacht. Nachdem ich gefühlt 250 Seiten gelesen habe und die Hobbits an diesem Punkt immer noch nicht aus ihrem Auenland aufgebrochen sind, habe ich den Autoren für mich aufgegeben.

    Ich mein, wenn ich mich derart intensiv damit beschäftigen will, welcher Verwandter welches Silberbesteck vererbt bekommt und wieso oder wieso auch nicht, lese ich mir lieber das Testament von meiner Uroma durch :| Da sagen mir die aufgelisteten Namen wenigstens was :rofl:

    Hallo zusammen, ich habe für das Upcrate einen 15% Invite A Friend-Rabattcode für Neukunden bekommen. Weil in meinem Umfeld aber niemand Interesse an Zeichen-Abos hat, biete ich ihn hier an. Ich glaube, er gilt nicht nur für den Abschluss eines Abos, sondern auch für die Nachbestellung im Shop :hmm:


    Wer Interesse hat, kann sich ja kurz hier melden. Wer zuerst kommt und so ^^

    Die Feen regen mich auf... nur weil Kolja aus Russland kommt. Voll die Rassisten

    PS: Die Feen sind wirklich widerlich und ich will nicht wissen, wie oft das passiert, dass Ausländer wirklich auf so dämliche Weise angegangen werden, nur weil irgendwelche Flachzangen Streit wollen

    Ja, oder Mädels/Jungs, die Händchen halten :/ Ich muss gestehen, bei den Feen teilweise echt lang dran zu hängen, ihnen die Worte in den Mund zu legen, ohne dass es völlig klischeebhaftet klingt oder sich wiederholt. Ich kriege diese bösartige Intoleranz echt nicht in meinen Kopf rein. Na ja. Ich wurstel mich irgendwie durch.


    Das sind Männer. Sollen sie sie einfach ausziehen XD

    :grinstare:


    Aber der Part hat mir seeeeehhhhrrr gut gefallen.

    Super, das freut mich zu lesen :D


    Aber gut, da kommt ja unerwartete Verstärkung

    andere Hilfe ist ja unterwegs

    Los geht's! :pump: