Beiträge von Skadi

    Danke für den Kommentar, Lady ^^





    „Was läuft hier für eine Scheiße?!“, schnauzte er cholerisch. Ja, das wüsste Scott auch gern! Eben war Sulley doch… und jetzt stand er… wann... wie?? Hoffnungslos überfordert torkelte Scotts Zeigefinger zwischen dem Beta und der Finsternis hin und her, in welcher dieser vor wenigen Minuten die Flucht ergriffen hatte. „Sulley. Du bist… hier und…“, purzelte Scott die Konsternation aus dem offenstehenden Mund. „angezogen.“ Die Kleidung saß gut; sie ließ keinerlei Vermutung zu, Sulley hätte sie nach einer Rückverwandlung in aller Eile übergezogen. Und wie schaffte er es bei bester Puste zu sein? Mann, der Typ musste binnen sehr kurzer Zeit über das ganze Gelände gejagt sein, sonst stünde er jetzt unmöglich vor ihnen!

    Dem Betawolf entglitten die Gesichtszüge. Aus ihm platzte hervor: „Natürlich bin ich angezogen, du notgeiles Schwein!“ Im nächsten Moment bahnte er sich den Weg zwischen Scott und Colin hindurch, indem er sie rabiat beiseitestieß, und kniete sich neben O'Rourke. In seinen Zügen stand die aufrichtige Sorge um den Alpha geschrieben.

    „Er hat sich den Kopf verletzt“, setzte Moira Sulley ins Bild, woraufhin er bestürzt den Blick zu ihr hob. Seine Betroffenheit schwenkte hernach in Wut um.

    „Was habt ihr ihm angetan?!“

    Zu diesem Zeitpunkt schien Hazels Geduld beinahe restlos aufgezehrt. „Schenk dir dein Schauspiel, Sulley. Wir waren anwesend, als du O'Rourke angefallen hast.“

    Aber Sulley wies den Vorwurf direkt von sich. „Bist du bescheuert? Finn ist mein Freund! Wir sind wie Brüder füreinander. Ich bin extra hergefahren um sicherzugehen, dass mit ihm alles okay ist. Warum sollte ich ihn dann anfallen?!“ Während er die Hexe harsch anpflaumte, löste er Moira ab und kümmerte sich an ihrer statt darum, dem Alphawolf das Blut von der Schläfe zu tupfen.

    „Ihr habt seinetwegen Streit“, konfrontierte Hazel ihn daher mit den Fakten und deutete dabei auf Scott. „Versuch es gar nicht erst zu leugnen.“

    Verständnislos gaffte Sulley von unten zu ihr hinauf. Es passierte nicht sofort, doch schließlich fletschte er die Zähne und blaffte los: „Natürlich streiten wir manchmal. So ist das eben, wenn man viel Zeit miteinander verbringt. Is' nich' immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Aber deswegen schmeiße ich doch nicht meine Freundschaft mit ihm weg! Und erst recht nicht wegen so einem Wichser wie deinem Stecher.“

    Hazel glaubte ihm kein Wort. „Wenn dem so ist, was hast du dann mit meiner Rezeptur angestellt?“

    „Häh? Was?“

    Seine Reaktion veranlasste die Hexe, nervlich strapaziert einen tiefen, deutlich hörbaren Atemzug zu nehmen. „Ich habe wirklich keine Lust mehr auf diese Spielchen. Ich rede von der Rezeptur aus meinem Notizbuch, das du während des Einbruchs ins Tír na nÓg aus der Kasse gestohlen hast.“

    „Kannst du mich endlich mal mit deinem Scheißbuch in Ruhe lassen?“, knurrte Sulley seine Replik mindestens gleichermaßen genervt. „Du gehst mir damit echt auf die Nüsse! Außerdem habe ich die Kasse nicht geknackt, du Klugscheißerin.“

    „Ach.“

    „Hab ich nicht! Hör mal zu, Schnalle! Bevor ich überhaupt daran denken konnte, hat dieser Penner Donnelly schon mit seinen Drecksgriffeln rein gelangt. Ich hab dem Hurensohn erst mal dran erinnert, wer von uns in der Rangfolge zuerst fressen darf.“

    „So so, demnach soll deiner Meinung nach Donnelly mein Buch geklaut und die Rezeptur benutzt haben, um O'Rourke fertigzumachen. Das ergibt ja sehr viel Sinn. Die Schuld auf ihn abzuschieben, das ist echt arm!“

    „Mir ist so was von scheißegal, was du denkst. Ich versteh nämlich sowieso keinen Pieps von der Grütze, die du da zusammenseierst! Labert die Alte immer solche gequirlte Kacke?“ Die letzte Frage richtete Sulley an Scott. Ehe dieser allerdings darauf antworten konnte, seiner Freundin in der Regel genauso wenig folgen zu können, wurde er von Colin abgelenkt. Misstrauisch taxierte sein Bruder die Umgebung und machte Scott auf einen bedeutsamen Umstand aufmerksam. „Scott, es stinkt hier noch.“

    Und wie es das tat. Eigentlich hätte sich die aufdringliche Fährte eines transformierten Wolfpolymorphes nach Sulleys Rückverwandlung verflüchtigen müssen, trotzdem belästigte sie Scotts Geruchssinn unaufhörlich mit der dreisten Penetranz einer vollständigen Abschlussklasse neuausgebildeter, übermotivierter Meinungsforscher aus einem Callcenter für irgendwelche Kundenumfragen. Jemand gab diese Ausdünstungen von sich und unter keinen Umständen bildete Sulley den Ausgangspunkt des Gestanks. So wenig Scott den Betawolf auch ausstehen konnte, nötigte es ihn zu der Erkenntnis: „Er war's nicht. Hier rennt noch ein Wolf herum.“

    „Ihr kauft ihm doch nicht etwa allen Ernstes ab, dass Donnelly hinter der Sache steckt?“, zweifelte Hazel an Scott und Colin, als ob der Gedanke, der Omega sei in den Angriff involviert, absurd wäre. Für sie stand fraglos Sulley als der Schuldige fest. „Donnelly hat uns immerhin geholfen. Ohne ihn hätte ich mein Bullet Journal nie zurückbekommen! Hätte er uns nicht verraten, dass es im Bahnhof-... .“ Sie verstummte. Etwas ging in ihrem Kopf vor sich, das erkannte Scott selbst im diffusen Taschenlampenlicht. Was immer es war – es löste ein Umdenken bei Hazel aus. Verdattert gab sie zu: „Er... er kommt tatsächlich in Frage.“

    Sicher kam er das. Prinzipiell tat das jeder x-Beliebige. Weil: „Du bist eine Hexe, Süße. Hexen haben keine Magie, also kann Hinz und Kunz dein Gebräu nachkochen. Auch Donnelly“, erklärte Scott der Hexe, was eine Hexe ausmachte. Im Gegenzug traf ihn ihr missbilligender Blick.

    „Ernsthaft, Scott?“

    Was denn? War doch so!

    In diesem Augenblick erwachten die Lebensgeister in O'Rourke aus ihrem unfreiwilligen Schläfchen. Oder besser gesagt: sie bemühten sich darum. Ein kraftloses Stöhnen drang aus seiner Kehle und die Augenlider flatterten schwächlich. „Er sollte ins Krankenhaus gebracht werden, damit sich jemand um seine Verletzung kümmert“, riet Moira Sulley. Der Betawolf sah daraufhin in die Runde. Er knirschte mit den Zähnen, aber um der Gesundheit seines Freundes wegen fügte er sich. Eventuell wollte er auch einfach keinen Ärger mit Scott, Colin und Moira gleichzeitig riskieren. So viel Dummheit brachte selbst sein Ego niemals zustande.

    „Ich werde eine Erklärung von dir bekommen, Fitzpatrick!“ Mit diesem Versprechen stand Sulley auf und hievte seinen Alphawolf über die Schulter. Benommen setzte O'Rourke einen mechanischen Schritt nach dem nächsten, bis die Männer schlussendlich in der Nacht verschwanden.

    Das machte zwei Wölfe weniger auf dem Gelände. Blieb nach Scotts Rechnung nur noch einer, den sie loswerden mussten. „Okay, anderer Wolf – selber Plan!“, ergriff er die Initiative. Auffordernd schlug er die Hände ineinander. „Leg dich in die Spur, Colin.“

    „Ich fahre mit. Dann kannst du den Motor laufen lassen, während ich schnell rausspringe und die Kette hole“, beschloss Moira, was Colin mit einem Nicken akzeptierte.

    „Ich werde hierbleiben, falls wir kommunizieren müssen.“ Demonstrativ zog Hazel ihr Smartphone hervor. „Schreibt mir eine Nachricht, sollte euch etwas aufhalten.“

    „Los jetzt!“, gab Scott den Befehl zum Aufbruch und sein Bruder flitzte, Moira dicht auf den Fersen, zum Auto. Scott für seinen Teil steifte seinen Rucksack von den Schultern und drückte ihn der perplexen Hazel in die Hände. „Hier, halt das mal für mich.“




    „Mit Silber?“

    Scott bestätigte der Hexe, was er eben gesagt hatte. „Jap, Silber. Wenn wir es anfassen, zwingt das uns Wolfpolys dazu, unsere menschliche Form anzunehmen. Wir können dann nicht die Gestalt wechseln.“

    „Ich dachte, Silber wäre der Schwachpunkt von Werwölfen“, gestand Hazel verwirrt und entlockte Colin damit ein abschätziges Prusten.

    „Werwölfe gibt's nicht.“

    „Und worauf beruhen die Überlieferungen und alten Darstellungen?“

    „Einer von uns, während der Verwandlung.“ Gleichgültig zuckte Scotts Bruder mit den Schultern.

    Diese ehrliche, wenngleich ungewohnte Naivität fand Scott süß an Hazel. Es drängte ihn nachzufragen: „Hast du das nicht gewusst?“

    „Nein…“, gab die Hexe verblüfft zu. „Nein, tatsächlich nicht.“ Verdutzt sah Scott sie an. Bedeutete das etwa, dass er zur Abwechslung ihr etwas erklären musste, anstatt andersherum? Wann ist das zuvor schon jemals passiert? Ist es das überhaupt? Vor Stolz über diese Errungenschaft in seinem Leben schwellte Scott selbstzufrieden die Brust.

    Hazel zeigte sich überzeugt: „Das klingt jedenfalls nach einem Plan! Was habt ihr an Silber bei euch?“

    „Häh? Na, gar nix!“ Aus welchem Grund sollte Scott oder sein Bruder bitte Silber bei sich tragen? Hielt Hazel sie für die übereinandergestapelten sieben Zwerge auf dem Rückweg von ihrer Silbermine, oder was?

    „Und woher sollen wir dann auf die Schnelle Silber herbekommen? Um diese Uhrzeit hat kein Juwelier mehr geöffnet.“ Die Hexe belegte Colin und ihn mit einem strengen Blick. „Und die Idee, irgendein Schaufenster einzuschlagen, schlagt ihr euch besser aus dem Kopf.“

    Pff, ein Schaufenster einschlagen. Was dachte sie denn von ihnen? Nein, diese Methode blieb lediglich Notfallplan B. „Die Silberkette unserer Mutter“, offenbarte Scott die offensichtliche Lösung für ihr Beschaffungsproblem.

    „Ich denke, sie und dein Vater sind verreist?“

    „Sind sie. Aber Abby weiß, wo Mama ihren Schmuck hortet. Manchmal trägt sie ihn auch selbst.“

    Skeptisch schob Hazel eine Zwischenfrage ein: „Abby trägt Silberschmuck, obwohl er sie einschränkt?“

    „Bleibt ja trotzdem Schmuck“, bemerkte Colin daraufhin beiläufig. „Außerdem hat's seinen Nutzen. Gibt zum Beispiel unter den Politikern Wolfpolys. Die benutzen Silber, um während einer hitzigen Debatte die Selbstkontrolle zu behalten. Kommt nämlich eher schlecht bei den Wählern an, seinen politischen Gegner zu zerfleischen. Wörtlich gesprochen.“

    Kurzerhand holte Scott sein Smartphone hervor und wählte Abbys Nummer. Es läutete einige Male, seine Schwester nahm den Anruf jedoch nicht entgegen. Also versuchte er es stattdessen bei Kolja. Der Wählrufton erklang und dann meldete sich der Bär. Damit auch die anderen das Gespräch verfolgen konnten, aktivierte Scott die Freisprechfunktion seines Telefons.

    „Scott?“

    „Kolja! Ist Abby noch bei dir?“

    Koljas Stimme schallte blechern durch den Lautsprecher. „Ja.“

    Hervorragend! „Ich muss mit ihr reden. Hol sie mal ran!“

    Doch sein Freund lehnte ab. „Sie kann nicht.“

    Wie? Was? „Warum nicht?“ War ihr etwa etwas zugestoßen??

    „Sie spielt SingStar. Sie singt gerade.“

    … Abby tat WAS?!

    „Was?!“, stießen Scott und Colin synchron ihr absolutes Unverständnis aus. Sie standen hier echten Schwierigkeiten gegenüber und ihre Schwester beschäftigte sich mit dieser Scheiße?

    Der Bärenpoly antwortete nüchtern: „Irgendeine Boyband-Interpretation von 'The Star Of The County Down'.“

    Das…das interessierte Scott doch nicht die Bohne! Für diesen Mist fehlte ihnen die Zeit! Dann eben anders: „Kolja, trägt Abby gerade Schmuck?“

    „Sie trägt…“ Scott konnte sich bildlich vorstellen, wie sich sein Freund nach Abby umsah, während diese trällernd und tanzend durch das elterliche Wohnzimmer hüpfte. „nichts.“

    „Wie, nichts?“

    „Gar nichts.“

    Stopp.

    Stopp, stopp, stopp! Was sollte das bitte bedeuten?! Abigail befand sich in Koljas Obhut und sie war… NACKT?! Schlagartig kochte Wut in Scott hoch. Seine-… seine kleine Schwester und dieser-…! Dieser Scheißkerl! Aufgebracht schnappte Scott nach Luft, um den aufsteigenden, brodelnden Emotionen in seiner Brust mehr Raum zu geben, da entriss ihm Colin bereits das Smartphone und grölte es an, als trüge das kleine Gerät die Schuld am Leid der Welt. „Du osteuropäische Einwandererseuche nimmst gefälligst deine Pranken von meiner kleinen Schwester! Wenn du auch nur ein Auge zu viel auf sie wirfst, ziehe ich dir den Pelz über die Ohren, verarbeite ihn zu einem Teppich und lass darauf vor einem falschen Kaminfeuer billige Pornos für den US-amerikanischen Markt drehen. Hast du das kapiert? Nuckle mit deinen hässlichen Greiflippen an 'nem verfickten Honigtopf rum, du überdimensionaler Aushilfs-Winnie-The-Pooh, aber lass Abby in Frieden!“

    Auf Colins Ausbruch folgte ein Augenblick der Stille. Schließlich präzisierte Kolja seine Aussage mit gewohnter Gelassenheit. „Sie trägt keinen Schmuck, will ich sagen. Angezogen ist sie.“

    Oh. Ach so. Das beschwichtigte Scotts brüderlichen Beschützerinstinkt. „Sag Abby, sie soll Mamas Silberkette suchen“, wies er Kolja an, nachdem er sich von Colin sein Telefon zurückgeben ließ. „Wir brauchen sie wegen der Rückverwandlung. Ich erkläre ihr später alles.“ Somit beendete er den Anruf.

    Colin hielt schon mal startklar den Schlüssel seines Wagens bereit. „Ich hol die Kette bei ihr ab. Mit dem Auto bin ich am schnellsten dort.“

    „Wie lang wirst du unterwegs sein?“

    „Hin und wieder zurück?“ Er prüfte die Zeit auf seiner Armbanduhr. „Es ist fast Mitternacht, die Straßen dürften frei und die Ampeln ausgestellt sein. Etwa fünfzehn Minuten, würde ich sagen.“

    Fünfzehn Minuten. Alles klar! Solange sollte Scott es schaffen, Sulley bei der Stange zu halten. „Okay, und gib Bleifuß. Sulley wird sich nicht ewig von Moi-…“

    „Finn!“

    Ein jäher Ruck durchfuhr die Gruppe, als hinter ihnen unvermittelt eine Männerstimme losdonnerte. Kollektiv wirbelten Scott und seine Freunde aufgeschreckt zu ihrer Quelle herum.

    Und mit einmal musste die Gravitation es auf Scotts Unterkiefer abgesehen haben, denn ihm klappte die Kinnlade so tief herunter, dass Scott fast den Erdboden mit seinem Bart fegen konnte. Aus der Dunkelheit schälte sich O'Rourkes vollkommen menschlicher, ganz und gar bekleideter und keineswegs verwandelter Betawolf heraus.

    Sulley.

    Sulley??




    nächster Teil

    Mein Vati und ich haben die letzten drei Stunden damit verbracht, "Dominion" zu spielen. Endlich ein Gesellschaftsspiel, bei denen unsere gegensätzlichen Spielweisen* zu keinem Konflikt führen!


    *Er ist zielorientiert und will schnellstmöglich zum Sieg, während ich lieber die Spielerfahrung auskoste.

    Das kann ich mir irgendwie nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.

    Im Grunde genauso wie Polarfuchs das geschrieben hat: er wird einfach falsch verstanden ^^ Als Autor der Geschichte hast du in einem bestimmten Rahmen unter Kontrolle, welches Verhalten einer Figur an den Leser herangetragen wird und wie die anderen Figuren auf ihn reagieren. Zum Beispiel hört der Protagonist ein Gespräch mit, allerdings nur zum Teil und zieht aus dem unvollständigen Textfetzen falsche Schlüsse. Je nach Erzählperspektive erkennt der Leser dann genausowenig wie der Prota seinen Irrtum über den Charakter. Er kann schließlich nur anhand dessen urteilen, was er zu lesen bekommt und das bestimmt der Autor. Es funktioniert meiner Erfahrung nach auch gut, wenn eine geachtete Figur (besonders intelligent, besonders vernüftig etc.) ihre Ansicht über eine andere Figur darlegt und auf diese Weise die Meinung des Lesers prägt. Weil Figur XYZ ist ja vernüftig und schlau und kann deswegen ja gar nicht falsch liegen :D

    Bestes Beispiel für solche bewussten Falschdarstellungen sind diese Doppelagenten in irgendwelchen Filmen, die man für Verräter hält, bis rauskommt dass sie ja doch noch auf derselben Seite stehen.


    „O'Rourke wurde überfallen“, keuchte Moira entsetzt. Mit Sicherheit war die Banshee gerade kreidebleich um ihre Nase, aber Colin nahm, wie gewohnt, wenig Rücksicht auf ihre Befindlichkeit.

    „Ach, was du nicht sagst?!“

    „Wer, in Dreiteufelsnamen, war das?“ Hazel sprach vor allem die Männer an.

    „Keine Ahnung.“

    „Muss einer aus dem Rudel sein. Habt ihr gesehen, wie er vor Moira den Schwanz eingekniffen hat?“

    „Wieso sollte O'Rourke von seinem eigenen Mann angegriffen werden?“

    „Woher soll ich das wissen? Bin ich ihr Paartherapeut? “

    Scott setzte zu einer bissigen Erwiderung an, doch bevor sich der Hickhack zwischen den Brüdern zu ihrem üblichen Zank entwickelte, unterbrach Moira die zwei: „Sollten wir nicht besser nach O'Rourke sehen? Vielleicht ist er ernsthaft verletzt.“ Daraufhin lösten sie und Hazel sich aus dem Quartett und eilten in die Richtung, in der O'Rourke von der Nacht verschluckt worden war. Rasch sammelte Scott seine Taschenlampe auf, dann folgten Colin und er den Frauen.

    Unter einem Schutthaufen begraben, fanden sie den Alphawolf regungslos in seiner menschlichen Form auf dem Boden liegen. Ein Lager aus morschen Holzlatten und verwitterten Pflastersteinen hatte seinen Aufprall jäh gestoppt und ihn als herabfahrende Lawine verschüttet. Scott drückte Hazel die Taschenlampe in die Hand und half sodann seinem Bruder, O'Rourke freizulegen. Schutt flog rumpelnd aus dem Weg, bis sie ihn endlich Stein für Stein, Brett für Brett befreit hatten.

    Ohne zu zögern hockte sich Moira neben den Alpha, um ihn im Licht der Lampe nach Verletzungen abzusuchen. „Er hat das Bewusstsein verloren“, berichtete sie und neigte O'Rourkes Kopf behutsam zur Seite. „Und hier klebt Blut. Beim Aufprall muss er sich den Kopf aufgeschlagen habe. Mehr kann ich nicht erkennen. Es ist zu dunkel.“

    Unterdessen gab Hazel keinen Ton von sich. Auffallend schweigsam betrachtete sie den ohnmächtigen, von Staub bedeckten Mann zu ihren Füßen. „Hm…“

    „Was ist?“, fragte Scott nach. Normalerweise zeigte sich die Hexe nur wortkarg, wenn sie etwas beschäftigte. Dabei verzog sie immer auf diese spezielle Weise ihre Lippen, was Scott echt niedlich an ihr fand. Leider konnte er ihre Mimik gerade bloß vage wahrnehmen. Also kein entzückendes Lippengekräusel für ihn.

    „Ich denke nach.“

    Offensichtlich tat sie das. „Worüber?“

    Sie hob ihren Blick zu Scott und begann, ihn und die zwei anderen in ihre Überlegungen einzuweihen: „Was ist, wenn O'Rourke die Wahrheit gesagt hat und wirklich weder von meinem Bullet Journal, noch von der Rezeptur wusste?“

    „Dein Notizbuch lag bei seinen Sachen“, rief ihr Scott ins Gedächtnis. Ließ sie sich jetzt ernsthaft von seiner Unschuldstour einlullen?

    Doch Hazel gab ihm zu bedenken: „Wir nehmen an, dass es seine Sachen waren, aber sicher können wir nicht sein. Jeder, der im Bahnhof ein- und ausgeht, hätte seinen Kram dort horten können. O'Rourke war nicht selbst am Einbruch ins Tír na nÓg beteiligt. Er hatte anfangs genauso wenig wie wir eine Ahnung davon, was vor sich geht, weil Sulley damals eigenmächtig gehandelt hat.“

    „Was O'Rourke tierisch gegen die Kappe geht“, ergänzte Colin und Hazel gab ihm mit einer zustimmenden Geste Recht.

    Nun klinkte sich auch Moira ein. „Ich verstehe, worauf du hinauswillst, Hazel. Statt O'Rourke, hat sich einer seiner Männer an deinem Bullet Journal vergriffen, meinst du.“ Vorsichtig legte die Banshee O'Rourkes Haupt auf dem Untergrund ab. „Und derjenige verwendet deine Rezeptur gegen ihn.“

    Das brachte Colin zu der Schlussfolgerung „Unser großer, grauer, unbekannter Kläffer von eben.“

    „Genau. Anscheinend will jemand ganz dringend, dass O'Rourke von der Bildfläche verschwindet“, pflichtete Hazel ihm nochmals bei.

    Wie schön für die drei, dass sie so hervorragend einander verstanden! Scott kapierte nämlich keine einzige Silbe von dieser Rumheoretisiererei. Wer wusste was und wollte sich weswegen an wem vergreifen?? Da kam ja kein Freak mehr mit! Überfordert polterte Scott los: „Ist doch egal, ob O'Rourke weg ist. Tritt der Alpha ab, übernimmt eh der Beta das Rudel. Und Sulley lässt sich von niemanden dazwischen grätschen.“

    Infolgedessen schaute Hazel ihn an.

    Oh Mann. Das war doch derselbe Blick, mit dem sie ihn bereits neulich Nacht in der Küche angesehen hatte. Sagte er schon wieder bahnbrechende Dinge, ohne sich darüber im Klaren zu sein? Er wollte auch davon erfahren, wenn er etwas Schlaues von sich gab!

    „Natürlich.“ Ob der Erkenntnis teilten sich hinreißend Hazels Lippen. „Das eben, das war Sulley.“

    „Sulley?“ wiederholte Scott zweifelnd. O'Rourkes eigener Betawolf? Der Typ nahm so was wie die Rolle der rechten Hand ein. Wieso kam Hazel also ausgerechnet auf ihn? Zwischen einem Alpha und seinem Beta – da schaffte es nicht mal Wasser hindurchzufließen, so nahe standen sie sich.

    Die Hexe erklärte: „Sein Verhalten passt wie die Faust aufs Auge, Scott. Du warst selbst Zeuge, wie heftig Sulley auf O'Rourkes Entscheidungen reagiert, mit denen er unzufrieden ist. Unabhängig davon meinte auch Donnelly, dass es zwischen ihnen mächtig krachen würde.“

    „Da ist was dran, Scott“, unterstützte Colin Hazels Vermutungen. „Außer den zweien hegt niemand einen Groll gegen dich. Ihre Männer hätten dich vorhin dich einfach links liegen gelassen.“

    Hazel setzte ihr Referat fort: „Von Donnelly wissen wir, dass Sulley O'Rourke deinetwegen unter Druck setzt, was erklärt, weshalb O'Rourke aus heiterem Himmel auf eine Auseinandersetzung mit dir besteht. Und nachdem er zuletzt wieder den Rückzug vor dir angetreten ist, ist Sulley wohl sein sowieso schon mikroskopisch kurzer Geduldsfaden gerissen und er zieht die Konsequenzen. Wir haben gerade erlebt, wie diese aussehen.“

    „Aber was ist mit der Falle, in die O'Rourke uns gelockt hat?“ Zwischenzeitlich hatte Moira ein sauberes Taschentuch hervorgeholt und drückte es gegen O'Rourkes Platzwunde. Von unten schaute sie zu Hazel auf, während diese antworte:

    „Es steht nicht fest, dass er Donnelly zu uns geschickt hat. Donnelly hat selbst gesagt, keinen direkten Kontakt zu ihm zu haben und seine Anweisungen von Sulley zu bekommen. Das bietet Sulley die ideale Möglichkeit, O'Rourke zu hintergehen, ohne dass dieser oder einer seiner Leute etwas ahnt. Schließlich ist es für sie völlig normal, dass Sully hin und wieder Aufgaben delegiert. Sie würden es demnach vermutlich nie anzweifeln, wenn er ihnen in O'Rourkes Namen einen Auftrag erteilt. Und inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass es in Donnellys Fall so abgelaufen ist.“

    „Was für'n Drecksack, Mann“, knurrte Colin. „Als Beta sollte er O'Rourke den Rücken freihalten und ihm nicht hineinfallen.“

    Um ganz ehrlich zu sein: Scott kapierte gerade einmal die Hälfte von dem, was seine Freunde da laberten. Aber selbst das genügte ihm beileibe! Da verbrachte er echt lieber den Rest seines Lebens als einsamer Wolf, als sich mit so einem Haufen Scheiße herumschlagen zu müssen. Was für ein unnötiger Stress, Mann!

    Colins Worte blieben unkommentiert im Raum stehen. Am Ende war es Moira, die die entscheidende Frage stellte und die ratlose Stille durchbrach. „Was machen wir jetzt?“

    Alsdann kläffte Colin die Banshee an: „Was wir jetzt machen? Da lauert ein unbezwingbarer Wolf auf Speed in der Nähe, der Scott den Arsch aufreißen will. Es gibt wenig, was wir diesem Steroidmonster entgegensetzen können. Alter, der Typ hat O'Rourke gegen die Wand geklatscht, wie ein rohes Hühnerei! Wie geht so was bitte??“

    „Das lag am Adrenalinausstoß durch die Amphetamine“, erklärte Hazel am Rande. „O'Rourkes Biss muss ihn bei Sulley ausgelöst haben.“

    Frustriert kräuselte Scott den Nasenrücken. Er hatte ganz genau beobachtet, wie sich O'Rourkes Reißzähne förmlich in Sulleys Fleisch hineinbohrten und dennoch sprang dieser herum, wie ein junger Welpe. Es floss ja nicht mal Blut! „Gar nix wurde da ausgelöst! Der Biss hat Sulley kein Stück gejuckt.“

    „Ja. Das ist der Sinn meiner Rezeptur, Scott. Hast du das etwa noch nicht verstanden?“

    Selbstverständlich hatte er das! „Doch!“, bellte Scott also zu seiner Verteidigung. „...Jetzt.“

    „Wie auch immer wir vorgehen, …“ Hazel kam auf das eigentliche Problem zurück. „wir sollten es schnell tun. Sulley wird kaum das Weite suchen und dich in Frieden lassen. Bestimmt schleicht er hier herum und wartet auf seine Chance, dich wie O'Rourke aus dem Hinterhalt anzufallen.“ Darauf durfte die Hexe gern Wetten abgeben. So widerwärtig, wie es nach verwandeltem Wolf stank, hielt sich Sulley irgendwo am hinteren Ende des Geländes auf. Vermutlich wahrte er nur dank Moira Abstand zu ihnen. Beziehungsweise, dank ihrer Stimme. Sollte er nur kommen! Mit jemanden wie ihm wurde Scott doch spielend fertig.

    Als hätte Hazel seine Gedanken mitangehört, nahm sie ihm umgehend den Wind aus den Segeln. „Solange Sulley unter der Wirkung meines Mittels steht, wirst du auf keinen Fall gegen ihn ankommen.“

    „Wann wird die Wirkung denn nachlassen?“, erkundigte sich Moira, worauf Hazel wenig mehr übrigblieb, als ratlos die Achseln zu heben.

    „Das lässt sich schwer voraussagen.“

    Also fragte Scott: „Gibt's kein Gegenmittel oder so?“ Eine Pille oder weiß der Geier, was man Sulley unterjubeln konnte? So machten das die Menschen doch auch, wenn während eines Feuerwerks ihre Hunde am Rad drehten.

    „Es ist als Heilmittel konzipiert. Weshalb sollte ich ein Gegenmittel zu einem Heilmittel entwickeln?“ Woher sollte Scott das denn wissen? Hazel war doch hier die Hexe, nicht er!

    Sie verfiel in grüblerisches Schweigen und wandte erst nach einem kurzen Moment ein: „Allerdings…“ Mh? „Eine der Schwachstellen in der Rezeptur liegt in der Wirkungsdauer, genauer gesagt in ihrer Unberechenbarkeit. Ich konnte nie bestimmen, woran es liegt. Aber während meiner Versuche hat das Mittel seine Wirkung verloren, sobald Veränderungen im Organismus eingetreten sind. Schon eine Hormonumstellung lässt die Einnahme hinfällig werden. Zum Beispiel in der Pubertät oder zwischen den verschiedenen Phasen des Monatszyklus bei Frauen.“

    „Und das heißt?“ Sollten sie jetzt abwarten, bis Sulley in die Wechseljahre kam oder wie?

    „Falls wir Sulley dazu bringen können, seine menschliche Form anzunehmen, verfliegt die Wirkung“, übersetzte Hazel ihr Fachgeblubber für die weniger Schlauen unter ihnen. Na, das nannte Scott doch mal eine Aussage! „Dass er das Mittel als Tier geschluckt hat, hat sich ja bereits erwiesen. Nur wird er uns kaum den Gefallen tun und sich zurückverwandeln, weil wir ihn freundlich darum bitten. Und zwingen können wir ihn schlecht dazu.“

    Ihre Worte veranlassten Scott den Blickkontakt zu seinem Bruder zu suchen. Der Ausdruck in Colins Augen ließ keinen Zweifel: Ihm ging das gleiche durch den Kopf, wie Scott. In stummer Kommunikation starrten die Wolfsrüden einander an, bis Scott schlussendlich äußerte, was sie im geschwisterlichen Einvernehmen dachten. „Doch, können wir.“

    „Wie?“, wollte Hazel wissen. Sie schien tatsächlich ahnungslos zu sein.

    „Mit Silber.“




    nächster Teil

    Kalki hat mich mit seinem Literaturrückblick angesteckt und deswegen will ich von euch wissen, wie euer Jahr 2019 im Hinblick auf den kreativ-grafischen Sektor verlief ^^ Was habt ihr 2019 an Zeichnungen, Malereien, Bastelprojekten etc. pp. geschafft, habt ihr irgendwelche Ziele erreicht oder gibt es anderes Bemerkenswertes zu erwähnen?


    Ich mach einen Anfang:

    Anzahl fertiggestellter KaKAO-Karten: Null :rofl: Super Einstieg, was? Dafür habe ich mit den Horror-Drawing-Prompts angefangen und genau... 2 Motive daraus gezeichnet ^^° Immerhin halte ich die Adventsmäuse nach wie vor durch. Mittlerweile schon seit sieben Jahren.

    Davon einmal abgesehen habe ich festgestellt, von meinen ursprünglichen schnöden Bleistiftzeichnungen, auf die ich mich jahrelang festgefahren habe, endgültig weggekommen zu sein. Ich denke, ich bewege mich jetzt eher in der illustrativen Ecke. Meine Ideen und ihre Umsetzung sind allerdings trotzdem keinen Deut besser geworden :/ Na ja. Durch die Aboboxen und auch so habe ich sehr viel neues Material ausprobiert. Zum Beispiel:

    Kratzpapier,

    verschiedene Tuschen,

    Brusho von Colourcraft (sehr toll!),

    Paint Marker

    sowie diverses Material, mit dem ich grundsätzlich schon gearbeitet habe, allerdings von anderen Herstellern.

    Ich denke, ich habe diese Materialen auch recht unterschiedlich sowie handerwerklich ansehnbar verwendet. Außerdem bin ich in 2019 definitiv sicherer geworden, was krasse(re) Perspektiven angeht. Gleiches gilt für die Nutzung des negativen Raums und ich steh jetzt irgendwie auf farbige Outlines :D Und Neonfarben gehören jetzt definitiv zu meinen Lieblingsfarbtypen *g*


    Meine Lieblingsmaterialentdeckung in 2019:

    Der Pentel Orenz Druckminenbleistift, den ich mittlerweile in gelb und schwarz habe. Mitsamt den dazugehörigen Minen, versteht sich.

    Mein elektrischer Radiergummi von Derwent. Effektiv benutze ich ihn gar nicht so oft, aber wenn, dann ist er einfach super ^^

    Das Daler Rowney Aquafine Travel Set, Löcher im Deckel hin oder her. Die Farben ansich lassen sich einfach so toll verarbeiten.

    Oben genanntes Brusho von Colourcraft :love:


    Meine (eigenen) Lieblingsbilder aus 2019:

    Mein Mega Mewtwo Y, auch wenn es genrell nicht so viel Anklang fand,

    Totensonntag, allein schon wegen der Megahommage an Tim Burton, die lässt mich über die abgrundtiefmieserable Idee hinwegsehen.

    Sienna und Blutmond... irgendwie. Es gibt vieles daran, was mir nicht gefällt. Aber die Perspektive und die Beleuchtung mag ich sehr gern :hmm:


    Und Lieblingszeichnungen von anderen ^^

    Der Baumdrache von Kyelia ,

    LadyK s Winterlandschaft,

    Alcarinque s Aquarellexperimente und

    Klimbim s Schwein für Miri , ganz einfach weil Fanart immer etwas tolles ist <3

    Ich finde ja interessant, dass ich in meinem Text genau den umgekehrten Fall habe: Um die Gesellschaft, in der meine Figuren leben, wirklich tiefreichend zu repräsentieren, müsste ich eine Figur umbenennen, sodass sie exakt wie eine andere heißt ^^


    In traditionell veranlagten irischen Familien wird nämlich der dritte Sohn nach dem Vater benannt. Da in meinem Fall Sohn UND Vater ihre Auftritte haben, hätte das zur Folge dass gleich zwei wichtige Figuren, die auch noch in denselben Szenen miteinander (!) agieren, 100% gleich heißen würden :rofl: Zuerst wollte ich daraus einen dummen Running Gag machen, aber auf Dauer kam es mir dann doch zu umständlich vor, die zwei für den Leser im Textfluss zu differenzieren. Ergo setze ich mich über die klassische Namensgebung hinweg :pardon:

    Würde ein Lektor/Beta-Leser (was nicht eintreten wird, weil ich keine Veröffentlichungsambitionen habe) einen dieser beiden Punkte kritisieren, würde es die "richtige" Variante nicht besser machen :rofl: Entweder habe ich zwei Figuren mit identischen Namen ODER ich repräsentiere keine strikt-traditionelle irische Familie.

    Ich seh schon den Kopf des fiktiven Lektors explodieren.

    Aufgrund von Interessensverschiebungen und weil meine anderen Hobbys plötzlich viel mehr Aufmerksamkeit wollten, hab ich 2019 kaum gelesen :hmm: Na ja, wäre auch Wahnsinn, jedes Jahr 2017 zu wiederholen mit damals 81 gelesenen Büchern :rofl:


    1. Jona Dreyer- Nie wieder Whiskey - Highland Games mit Hindernissen

    Genau wie der Vorgänger "Will hier jemand Haggis?" sehr witzig, sehr ... öhm... explizit xD und recht kurz, aber dennoch lang genug.


    2. Josie Litton - Wikinger der Liebe

    Eine großzügige Spende von Myrti und mittlerweile auch bei den Skadilösen Büchern zusammengefasst. Ist halt die übliche Highlanderschnulze. Nur mit Wikingern. Also... einem xD Der Rest sind Angelsachsen.


    3. Paul Tremblay - A Head Full Of Ghosts

    Thriller? Horror? Defintiv klare Leseempfehlung von mir, weil trotz reichlicher Seitenzahl sehr kurzweilig. Ich hab's innerhalb von zwei oder drei Tagen durch gehabt :thumbup:


    (Keine bestimmte Reihenfolge.)

    Außerdem habe ich noch Raels Roman angefangen, aber wegen o.g. Zeitfrage erstmal zurück in den Schrank gestellt. Das wird ein anderes Mal fertig gelesen ^^

    Wir haben eben Lego Batman geguckt und in typischer Lego-Film -Tradition ist der Film herrlich schräg, nimmt sich selbst und DC überhaupt nicht ernst mit lauter doofen aber sooo kreativen Witzen xD Also genau mein Ding.

    Kann ja nur gut werden, wenn der Joker gemeinsame Sache mit Sauron, Lord Voldemort, Agent Smith, dem Weißen Hai und anderen Schurken macht *snrk*

    Scott


    „Ich hatte mir geschworen, keinen Fuß mehr in dieses Viertel zu setzen…“, meinte Hazel beim Anblick des Verwaltungsgebäudes, das vor ihnen als schwarzer, teilnahmsloser Kasten in der Nacht seiner Lethargie frönte. Ob der Dunkelheit erkannte Scott die Gesichtszüge seiner Hexe bloß andeutungsweise, allerdings konnte er sich lebhaft vorstellen, wie sie kritisch die Lippen schürzte. Immerhin hatte er diese Reaktion schon oft genug selbst bei ihr ausgelöst. Und wie auch Hazel, jubelte Scott kein Stück darüber, wieder hier stehen zu müssen. 'Tausche Date gegen Drecksack'. Mann, dieser Bastard O'Rourke verdarb ihnen echt jede Verabredung.
    Colin spielte mit seinem Feuerzeug herum. Er spottete: „Weiß gar nicht, was du hast. Keine Menschenseele weit und breit und es ist so scheiße düster, man kann sogar den Sternenhimmel sehen. Ihr Frauen steht doch auf so'nen Romantikkram.“
    „Wenn das deine Definition von Romantik ist, stelle ich mir ein Rendezvous mit dir sehr gewöhnungsbedürftig vor“, kommentierte Moira skeptisch und wurde umgehend von Colin mit der passenden Antwort bedacht. „Das wirst du niemals rausfinden, keine Sorge.“
    „Ist O'Rourke überhaupt hier?“ Anhand der Bewegungen ihres Schopfes erahnte Scott, dass Hazel die Umgebung auskundschaftete. Eigentlich konnte sie sich diese Mühe sparen. Mit ihren menschlichen Augen sah sie, genau wie Moira, im Dunkeln ohnehin nicht das Geringste. Was das anging, waren Colin und er als Wolfpolys klar im Vorteil. Trotz der unzureichenden Beleuchtung registrierte ihr Sehvermögen weiterhin Bewegungen und sobald sie ihre Gestalt wechselten, stellten die beschissenen Lichtverhältnisse sowieso keinerlei Beeinträchtigung mehr für sie dar.
    „Vielleicht wartet er auf dem Gelände“, mutmaßte Moira.
    „Schauen wir nach.“ Um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig auf die Füße latschten, holte Scott seine Taschenlampe aus dem Rucksack und leuchtete den Untergrund vor ihnen aus.
    „Bist du gerade wieder vorbereitet oder schleppst du dieses Ding tatsächlich ständig mit dir herum?“ Aus ihrer Tonlage konnte Scott Hazels prüfend angehobene Augenbraue förmlich heraushören.
    „Ehrlich gesagt, mir war es bisher zu anstrengend, sie wieder auszupacken.“
    „Das wäre meine nächste Vermutung gewesen.“
    Da das geklärt war, marschierte Scott los und ohne weitere Aufforderungen folgte der Rest ihm. Zwischenzeitlich musste sich definitiv jemand Zutritt zum Grundstück verschafft haben, denn das Schiebetor, mit dem Hazel und er sich vor dem Wolfsrudel abgeschottet hatten, stand nunmehr ein Stück offen. Die große Beule prangte nach wie vor als leibhaftige Erinnerung an jene Jagd im Metall und gähnte Scott an, als er den Strahl seiner Lampe auf sie lenkte.
    Zu viert durchschritten sie das Tor. „Irgendwelche Anzeichen von ihm?“, wollte Hazel wissen und richtete ihre Frage direkt an Scott.
    „Es riecht ganz frisch nach Wolf, also treibt er sich hier zumindest einer herum… .“ Allein der Geruch genügte, damit sich Scott provoziert fühlte.
    In den Schatten rührte sich etwas. Zugleich schnellten die Köpfe von Scott uns seinem Bruder herum und erst dadurch wurden die Frauen alarmiert. An sie heran drang eine bekannte Männerstimme: „Was soll die Scheiße, Fitzpatrick?“ Im nächsten Moment löste sich O'Rourkes Gestalt aus der Finsternis. „Ich habe geschrieben, dass es hier nur um dich und mich geht und du schleppst deinen Bruder an? Brauchst du so dringend deinen Cheerleaderverein hinter dir oder bist du ernsthaft zu feige, dich mir allein zu stellen?“
    Dieser Penner. Wenn hier jemand feige war, dann ja wohl er! „Du bist ein beschissener Heuchler!“, bellte Scott ihn gereizt an. „Reißt dein Maul auf aber traust dich nur an mich ran, wenn du vorher was schluckst.“
    Auffordernd breitete O'Rourke die Arme aus. Hatte der Typ Nerven! „Ist das dein erbärmlicher Versuch, dich rauszureden? Ich brauche keine Hilfsmittel, um dir deinen Platz zu zeigen.“
    An dieser Stelle mischte Hazel sich ein und als der Alphawolf deswegen seine Aufmerksamkeit auf sie richtete, wäre Scott ihm am liebsten an die Kehle gesprungen. „Wir wissen von der Rezeptur.“
    „Welche Rezeptur?“
    „Die, mit der dir unsere Bisse nichts ausmachen“, warf Colin ein, doch O'Rourke mimte konsequent den Ahnungslosen. Also wurde Hazel unmissverständlich: „Wir haben mein Notizbuch zwischen deinen Sachen gefunden. Jemand hat daraus die Seiten für eine Rezeptur gerissen, die dich praktisch unverwundbar macht. Und jetzt stehen wir uns hier gegenüber. Willst du das als Zufall bezeichnen?“
    O'Rourkes Antwort zögerte sich hinaus. Die sich ändernde Neigung seines Gesichts verriet Scott, dass sein Blick zwischen ihnen hin und her wechselte. Schließlich fragte er ungläubig: „Ihr wart bei mir zuhause?“
    Häh? Nein! Was sollten sie in seiner Wohnung suchen? „Im Bahnhof!“, knurrte Scott und verlor langsam echt die Geduld mit ihm. Stellte sich O'Rourke absichtlich dumm, oder wie? Diese Nummer konnte er sich klemmen!
    Aber der Leitwolf knurrte zurück: „Ich lasse meinen persönlichen Kram wohl kaum in dieser alten Bruchbude liegen. Jetzt mal Klartext: Ich habe kein Notizbuch und hatte nie eins. Also weiß ich auch nichts von irgendeiner Rezeptur. Selbst wenn, brauche ich so einen Quatsch nicht, um mit dir fertig zu werden, Fitzpatrick.“
    „Du redest dich raus.“ Hazel blieb hartnäckig. „Sulley hat das Buch während des Einbruchs aus der Kasse des Tír na nÓgs gestohlen und es an dich weitergereicht. Wieso sollten wir es sonst in deinem Unterschlupf finden?“
    „Mir hat Sulley überhaupt nichts weitergereicht, erst recht kein Notizbuch. Ich bin nicht seine Wertstoffannahmestelle.“ Bei der Bezeichnung 'Wertstoffannahmestelle' hörte Scott neben sich Hazel erbost nach Luft schnappen. „Und genauso wenig die Putze vom Dienst, also woher soll ich wissen, welchen Müll Sulley-… .“
    O'Rourke verstummte schlagartig. Zeitgleich hob Colin die Nase in den Wind und der Gestank nach fremdem Wolf traf Scott, wie die frontale Kollision mit einer Backsteinmauer. Eine Bewegung flackerte in seinen Augenwinkeln auf und… .
    „Weg!“, brüllte Scott einen kurzen, dennoch lautstarken Befehl, ließ die Taschenlampe fallen und zwang Hazel und Moira aus der Gefahrenzone. Plastik splitterte; wütendes Knurren dröhnte durch die Nacht. Im künstlichen Licht blitzten ungeheuerliche Reißzähne auf, dann stürzte sich urplötzlich ein gewaltiger Leib auf den überrumpelten O'Rourke und riss ihn mit sich in die Finsternis. Heilige Scheiße! Ungläubig weiteten sich Scotts Augen. Was zum Teufel lief jetzt ab?!
    Hinter dem undurchdringlichen Vorhang aus Schwärze verdoppelten sich die aggressiven Raubtierlaute zu einem streitsüchtigen Duett und in der nächsten Sekunde fielen aus der düsteren Unkenntlichkeit zwei monströse, graue Wölfe in den Lichtkegel der Taschenlampe ein. Der regungslose Strahl prallte gegen ihre fellbedeckten Körper und setzte sie wie Suchscheinwerfer in einen fragwürdigen Fokus. Einer größer als der andere, gingen die Wölfe mit entblößten Fängen erbarmungslos aufeinander los. Scott identifizierte O'Rourke an der Farbe seiner Iriden. Der Alphawolf fiel seinem Angreifer direkt in die Flanke und biss mit gnadenloser Härte zu. Im Licht der Taschenlampe sah Scott seine Zähne tief ins Fleisch eindringen, doch der zweite Wolf schüttelte ihn einfach von sich ab. Das war doch…! Nach dieser Attacke müsste er eigentlich lahmen!
    Schließlich fiel Scott endgültig vom Glauben ab.
    Unter Einsatz seines Körpergewichts unterwarf O'Rourke seinen Gegner, aber dieser trat mit den Hinterbeinen aus. Er erwischte den Alpha mit dermaßen viel Kraft, dass es seinen massiven Wolfskörper meterweit durch die Luft schleuderte! In der Dunkelheit krachte es laut; O'Rourke musste irgendwo aufgeschlagen sein.
    Damit wurden Scott und Colin zum Ziel.
    Hasserfüllte, hellgelb glühende Augen fixierten die Brüder, die sich Schulter an Schulter als schützende Barriere zwischen den Frauen und dem Wolf aufgebaut hatten. Seine Drohgebärden würden sie ihm sonst wohin schieben! Zur überdeutlichen Warnung fletschten Scott und Colin vor ihm die Zähne. Wer auch immer dieses Arschloch war – Er sollte es auch nur wagen, sich der Hexe oder der Banshee um einen einzigen Zentimeter zu nähern!
    Die Gelegenheit dazu gab Colin ihm allerdings gar nicht erst. Präventiv machte Scotts Bruder einen abrupten Satz auf den fremden Wolf zu und knurrte ihn an, als würden sie keine mehrere hundert Kilogramm Kampfgewicht voneinander trennen. Ohne es zu beabsichtigten, offenbarte ihm Colin dadurch freie Sicht auf Moira.
    Da klappte der Wolf die Ohren an, winselte und floh unverhofft zurück ins Dunkel.
    Mit einmal herrschte wieder Stille.
    Und heillose Verwirrung.
    Colin erlangte als erster von ihnen seine Fassung zurück und fluchte drauf los: „Gottverdammte Drecksscheiße, was, zum verschissenen Fick, ist hier eben passiert??“




    nächster Teil

    Die Magie der Witcher-Welt ist zwar komplett übermächtig, aber halt auch eher selten, zumindest in den Büchern wurde diese nie benutzt um Heere zu versorgen bilde ich mir ein?

    Das liegt meines Erachtens daran, dass die Zauberer ihre Magie erst an Orten der Macht aufladen müssen. Ein aktiver Eingriff ins Kampfgeschehen würde sie auslaugen und es braucht Zeit, Ruhe und Konzentration, um ihren Tank wieder zufüllen - und natürlich entspreche Ressourcen an Macht in unmittelbarer Nähe. Die einzige Schlacht, an die ich mich gerade erinnern kann, bei der Zauberer mitgewirkt haben, war die Schlacht am Berg Sodden und da sind mehr als die Hälfe von ihnen umgekommen.

    Hinzu kommt, dass die Zauberer eigentlich nie eine politische Seite einschlagen, sondern vorrangig ihre eigenen Interessen innerhalb ihrer Gemeinschaft (z.B. die Loge der Zauberinnen) vertreten. Politik im Sinne von, wer schlachtet am effektivsten wen ab, ist nicht so ihr Ding, soweit ich mich erinnere.

    Aber keine Ahnung, ob die Serie das so übernehmen wird... .


    Ich hab mir bisher nur die erste Folge angesehen und weiß noch nicht, was ich davon halte. Die Verschiebung der Zeitachsen finde ich verwirrend und mein höchst persönliches Problem ist, bei Romanverfilmungen in Gedanken immer das Gesehene dem Text zuordnen zu wollen.

    Und ich hätte vlt nicht ausgerechnet Renfri als Einstieg genommen, um Geralt vorzustellen :hmm: Das klassische Geralt-Dilemma, was richtig und was falsch ist, hätte etwas besser gepasst wenn man als (unbedarfter) Zuschauer ohne Vorkenntnise erstmal grundlegend versteht, was Geralt als Hexer eigentlich ausmacht und so treibt. "Ein Körnchen Wahrheit" wäre dafür sehr gut gewesen, denke ich.


    EDIT:

    jetzt kam ja eine brandneue Auflage raus <3

    Das fand ich ehrlich gesagt albern, als ich die neuen Auflagen im Handel liegen gesehen habe ^^° Nicht die neue Auflage ansich (auch wenn sich das Glitzer-Shiny-Funkel-Cover voll eklig anfühlt) sondern den fetten Sticker "Ein Netflix-Original". Ja. Sicher :rofl: Ganz bestimmt habt ihr euch die Handlung ausgedacht, Jungs :rofl:

    Das Problem bei der oben genannten Story ist, dass viele Namen die gleichen Anfangsbuchstaben und Vokale haben. Wenn man sich dran gewöhnt hat - so nach hundert Seiten - haut man es nicht mehr durcheinander, aber gerade zu Beginn sorgt es für Verwirrung.

    Leserfreundlich sind solche starken Ähnlichkeiten wirklich nicht. Die Frage ist, wohin du mit deiner Geschichte willst. Wenn dein Ziel ist, sie einem Verlag zuzuschicken mit dem Wunsch einer Veröffentlichung, wirst du in den sauren Apfel beißen und entsprechend "professionell" die Namen überarbeiten müssen. Sollte es hingegen dein persönliches Spaßprojekt sein, würde ich entspannt an die Sache heran gehen ^^

    Wie ist denn die Verteilung der Figuren? Sind hauptsächlich deine Protas betroffen oder auch Nebenfiguren? Vielleicht könntest du, so wie ich das oben beschrieben habe, selektieren, bei welchen Figuren dir eine Umbenennung am wenigsten wehtun würde.


    EDIT:

    Würde ein Personenregister am Ende des Buches helfen? Nur die Namen, vllt das Alter und eine winzige Beschreibung (Schüler, Koch, Magier, etc.?)

    Meine Erfahrung mit solchen Registern ist die, dass ich nicht hineinsehe :pardon: Im Grunde sollte ein Register auch eigentlich überflüssig sein, wenn die wichtigen Figuren intensiv und einprägsam genug beschrieben wurden ^^ Die Frage ist eh, ob ein Name und ein bis zwei Schlagworte ausreichen, die Erinnerung an eine Figur zu wecken.

    Das hängt meiner Meinung nach stark davon ab, weshalb die Namen bemängelt werden. Aus subjektiven Empfinden heraus, weil dein Beta einen Namen einfach nicht schön findet oder einen negativen Bezug dazu hat ("Ich kenne einen Kevin und der ist doof!") würde ich ihn nie ändern. Genauso, wenn man einen Charakter aus einem bestimmten Grund so genannt hat. Die Bedeutung des Namens, ein Wortspiel, einen für einen selbst wichtiger Namensträger und dergleichen - man denkt sich in der Regel etwas dabei, wie man seine Figuren tauft :hmm: Und Notfalls lassen sich zu lange und komplizierte Namen ja durch Rufnamen abkürzen.

    Für mich käme es außerdem darauf an, welche Art Figur umbenannt werden soll. Irgendwie baut man ja doch eine Beziehung auf und kennt sie unter "ihrem" Namen. Bei den Protagonisten und Schlüsselfiguren wäre ich da sehr stur. Bei Nebenfiguren, die ihren Namen nur tragen, weil sie einen tragen müssen, sähe das schon wieder anders aus :pardon:


    Müsste ich Namen ändern, würde ich nach folgendem System vorgehen:

    1) Unwichtige Nebenfiguren -> uneingeschränkter Namenswechsel,

    2) Wichtige Nebenfiguren -> werden nur zugunsten der Protagonisten umbenannt,

    3) Protagonisten -> sind grundsätzlich sicher, aber ggf. wird der volle Name durch einen kurzen Rufnamen/Spitznamen ergänzt, der sich abhebt.

    Danke für den Kommentar 97dragonfly und Hallo LadyK  ^^ Dann begrüße ich dich an Board, oder wie man so schön sagt xD

    Freut mich, dass dir meine Geschichte soweit gefällt und dich zum lachen bringen konnte. Ich geb mir Mühe, das beizubehalten :pump:

    Deine Charaktere sind durchweg smyphatisch, wobei ich mit Abby nicht so richtig warm werde. Aber das ist mein Problem xD

    Vielleicht schafft Abigail es ja, dich in den zwei verbleibenden Episoden von sich zu überzeugen :D


    und ein Hoch auf die Knallbrause

    Ein Hoch auf die Knallbrause 👌

    Hallo ^^


    Ich hatte immer mal aus dem Augenwinkel die kurzen Einträge von Blöckchen mitgelesen. Die Idee, eine solche Aktion aus seiner Sicht zu schreiben, finde ich niedlich und seine kindliche, navie Art kommt super rüber. An der ein oder anderen Stelle gab es sogar was zum schmunzeln #PünktchenPopo.

    Ein nettes Geschichten für Zwischendurch ^^

    „Was soll das heißen?“, verlangte Hazel auf der Stelle eine Erklärung von ihm. Hatten ihn jetzt endgültig alle guten Geister verlassen? Was wurde aus ihrem Rendezvous? Wenn Scott sie allen Ernstes für diese Zweikampfscheiße mit diesem Mistkerl versetzte, machte sie allen beiden Männern die Hölle heiß!

    „Ich kläre überhaupt nichts im O'Rourke. Warum sollte ich mich mit dem Pisser abgeben? Ich bin mit dir verabredet. Keine Ahnung, wovon Abby da redet.“ Dem Ausdruck auf seinem Gesicht nach zu urteilen, hörte Scott tatsächlich zum ersten Mal von seinem angeblichen Duell mit dem Alphawolf. Doch wie kam seine Schwester dann auf solche Ideen?

    Ertappt verbarg Abby ihren Mund hinter den Fingerspitzen. „Ups, das kannst du ja gar nicht wissen! Wo habe ich nur meinen Kopf? Den hier hat Kieran heute Morgen aus dem Briefkasten geholt. Er ist an dich adressiert. Scheinbar denkt O'Rourke, du würdest noch bei unseren Eltern wohnen.“ Aus ihrer Hosentasche zog sie einen zusammengefalteten Zettel hervor und überreichte ihn Scott.

    „Das ist eine Herausforderung“, gab er überflüssiger Weise bekannt, nachdem er die Nachricht gelesen hatte. Solche Offenbarungen verloren wirklich rapide an Dramatik, wurde einem die Pointe zuvor angekündigt.

    Um selbst einen Blick auf den Inhalt des Briefs zu werfen, drängte sich Hazel an ihren Freund. Nüchterne Anrede, Zeit, Ort. Und oh! O'Rourke differenzierte korrekt den Genitiv vom Dativ, stellte Hazel anerkennend fest. „Er will, dass du zum verlassenen Verwaltungsgebäude im Industrieviertel kommst?“ Das war doch dieser Bau, auf dessen Dach Scott sie vor dem Rudel versteckt hatte.

    „Is' neutrales Gebiet“, begründete Colin die Wahl der Lokalität. „Das Gelände gehört zu keinem relevanten Revier. Weder zu O'Rourkes, zu Scotts, zu meinem oder zu dem unseres Vaters. Dort kann O'Rourke sich nicht die Eier verbrennen.“

    Moira meldete sich argwöhnisch zu Wort: „Das riecht faul“ und lag nach Hazels Einschätzung mit ihrer Befürchtung richtig, unabhängig davon, ob sie sich auf O'Rourkes Aufforderung oder die angesengten Hoden bezog. „Bitte Scott, geh nicht auf die Herausforderung ein! In letzter Zeit will er dir so unbedingt an den Kragen. Bestimmt plant er wieder irgendeine unfaire Gemeinheit.“

    'In letzter Zeit'... Da klingelte etwas in Hazels Ohren. Scott hatte ihr erzählt, dass er und der Leitwolf sich seit dem Schulabschluss gegenseitig aus dem Weg gingen. Was war also passiert, weshalb sich O'Rourke nach all den Jahren so versessen auf eine Auseinandersetzung zeigte? Donnelly zufolge stellte Sulley ihn unter Druck, doch davon dürfte sich ein erfahrener Alpha wie er kaum in Zugzwang bringen lassen, oder? Noch während Moira redete, suchte und fand Hazel den Blickkontakt zu Kolja. Dachte der Bär dasselbe wie sie? Für die Ohren ihrer Freunde hörbar, brachte er Hazels Gedanken auf den Punkt: „Er hat die Garantie, dass er gegen Scott gewinnt.“

    „Von wegen!“, widersprach dieser prompt.

    „O'Rourke hat meine Rezeptur, Scott. Wenn er auf dieselbe Idee kommt wie Abby und es benutzt, um sich vor deinen Bissen zu schützen, bist du ihm ausgeliefert. Ein Stück eines Wolfszahns genügt ihm dafür.“ Immerhin führte er eine Bande gewaltbereiter Schläger an. Ausgeschlagene Zähne gehörten für diese Typen doch zum gewohnten Alltag. Die Beschaffung durfte O'Rourke also keine Schwierigkeit bereiten, davon war Hazel überzeugt. „Kommt dir das denn nicht merkwürdig vor?“, wollte sie von Scott wissen. „Jahrelang hält er sich dir gegenüber zurück, dann fällt ihm mein Bullet Journal mitsamt Rezeptur in die Hände und auf einmal gibt es für ihn nichts Wichtigeres, als eure Rangordnung? Das kann unmöglich ein Zufall sein.“

    Es brauchte seinen Moment, aber Hazels Logik schien in Scotts Hirnwindungen anzukommen. „Tauch' ich eben nicht auf, ganz einfach“, beschloss er zu Hazels Beruhigung und zerknüllte die Nachricht in seinen Händen. Bestimmt hätte er sie auch noch demonstrativ über die Schulter hinweg auf den Fußboden geworfen, gab ihm Colin nicht zu bedenken: „Und dann steht er demnächst vor deiner Wohnung? So schnell wird der Typ nicht lockerlassen. Wenn du nicht willst, dass O'Rourke dir den Rest deines Lebens auf den Sack geht, musst du ihm auf kurz oder lang zeigen, wo sein Arsch hingehört. Sonst lässt der dich doch niemals in Ruhe.“

    Daran hatte Hazel nicht gedacht. Sie verspürte wirklich keine Lust dazu, stets und ständig O'Rourke hinter der nächsten Ecke befürchten zu müssen und um Scotts Gesundheit zu bangen. Schließlich plante sie, mit Scott alt zu werden und ganz sicher würde kein unerwünschter Alphawolf allgegenwärtiger Bestandteil ihrer Beziehung werden! Colin lag also völlig richtig: Etwas musste unternommen werden! Bloß was? „Worum geht es bei euren Rangkämpfen überhaupt?“, richtete Hazel ihre Frage gleichermaßen an Scott, Abby wie Colin.

    „Vorrangig?“ Die Geschwister sahen kurz einander an, dann antwortete Scott: „Um Respekt.“

    „Aber es ist nichts Respektables daran, wenn man unfaire Mittel benutzt, um zu gewinnen. Vielleicht können wir O'Rourke dazu bringen, dich in Frieden zu lassen, wenn wir ihm das klarmachen.“

    „Das ist kein dummer Gedanke“, meinte Colin auf Hazels Vorschlag hin zu seinem Bruder. „Sollte sich rumsprechen, dass sich O'Rourke doped, stellt das seine ganze Rangordnung in Frage. Sulley würde ihm schneller im Nacken sitzen, als Abbys Katze in diesem Baum, als wir sie damals durch den Garten gehetzt haben. Dürfte für ihn so spaßig werden, wie an einen eingeschalteten Elektrozaun zu pissen.“

    Ihr zwei habt Fräulein Flauschig so traumatisiert, dass sie mehrere Tage lang nicht fressen wollte?“

    Die Brüder ignorierten Abby und grinsten sich an. „Also wird's mal wieder Zeit, für ein bisschen Überzeugungsarbeit?“

    „Ohja!“, stimmte Colin begeistert zu und schlug in die flache Hand ein, die Scott ihm darbot. Wieso bekam Hazel nur den Eindruck, die zwei hätten schon ihre Erfahrungen, was Nötigung anging?

    Wie dem auch sei: „Ich komme mit“, verkündete Hazel und unterband im selben Atemzug jedweden Einspruch seitens Scott. „Es ist meine Rezeptur und du bist mein Freund. Also ist es gleich in doppelter Hinsicht meine Angelegenheit, wenn jemand Unsinn damit anstellt. Und versuch gar nicht erst, mich zuhause lassen zu wollen, Scott! Du hast mir versprochen, heute Abend etwas mit mir zu unternehmen und daran halte ich fest.“ Er ließ es bleiben und aus dem Lächeln, mit dem er Hazel daraufhin bedachte, sprach der Stolz auf seine Hexe.

    Moira klinkte sich ebenfalls ein. „Ich bin auch dabei.“ Sie erntete dafür unweigerlich Colins Spott.

    „So? Und was willst du ausrichten? O'Rourke solange die Ohren über deine Ex-Freunde voll jammern, bis er freiwillig die Stadt verlässt?“

    In Folge seines Kommentars machte sich Hazel bereit, für die Banshee einzutreten. Doch wie sich bewies, konnte diese das ziemlich gut selbst übernehmen. „Als uns O'Rourke das letzte Mal in eine Falle gelockt hat, habe ich das ganze Wolfsrudel außer Gefecht gesetzt und uns Gelegenheit zur Flucht verschafft. Was hast du an diesem Abend getan, außer einen Wagen zu lenken, Colin Fitzpatrick?“ Provokativ starrte Moira ihm direkt in die Augen und lauerte auf seine Antwort. Diese ließ auf sich warten und als Colin endlich den Mund öffnete, quoll einzig verblüfftes Schweigen daraus hervor. Tja, somit stand die Siegerin des Wortwechsels zweifelsfrei fest. Hazel schmunzelte, als Moira zur Geste ihrer Überlegenheit das Haar zurückwarf.

    „Ich begleite euch natürlich auch!“ Aufgeregt wippte Abby von einem Fuß auf den anderen, bekam jedoch von ihrem großen Bruder einen Dämpfer verpasst. Da Colin aktuell beschäftigt war, Moiras Widerrede zu verkraften, entschied Scott stellvertretend für ihn mit: „Wirst du nicht.“

    „Werde ich doch!“

    „Nein!“

    „Wieso denn nicht??“ Die Wölfin blies beleidigt die Wangen auf.

    „Weil Papa durchdreht, wenn er zurückkommt und auch nur einen einzigen Kratzer an dir entdeckt. Und du weißt, dass er Colin und mir die Schuld in die Schuhe schieben wird.“

    „Aber...!“

    „Kein Aber. Du gehst jetzt nachhause. Sollte heute Abend irgendwas schiefgehen, bist du dort in Sicherheit“, bestimmte Scott. Die Rolle des autoritären Familienoberhaupts stand ihm so was von gut, schwärmte Hazel gedanklich vor sich hin. Sie schmachtete ihn noch ein wenig mehr an, während er sich an Kolja wandte: „Kannst du auf sie aufpassen, während ich beschäftigt bin?“

    Gemächlich blickte der Bär zwischen den Wölfen hin und her und zuckte sodann zustimmend mit den Schultern. „Mache ich.“

    „Ich brauche kein Kindermädchen! Ich kann sehr gut auf mich selbst aufpassen!“, schimpfte Abby und Hazel brachte Verständnis für sie auf. An ihrer Stelle würde sie sich auch dagegen wehren, über ihren Kopf hinweg über sich bestimmen lassen zu müssen. Nichtsdestotrotz hielt Hazel es genau wie Scott für besser, seine Schwester aus dieser Sache herauszuhalten. Niemand konnte vorhersagen, wie sich die Begegnung mit O'Rourke entwickelte. Zuvor musste Abby allerdings erst einmal die Luft ausgehen. Und das schien sich hinziehen zu können: „Ganz bestimmt werde ich niemals tatenlos zusehen, wie meine Brüder ihren Hals riskieren. Wer sich mit euch anlegt, der legt sich auch mit mir an. Du bekommst mich nur unter einer Voraussetzung aus diesem Pub und zwar, dass ich dich zu O'Rourke begleite. Diese Füße bewegen sich nur dort hin, wohin du auch gehst, Scott!“

    Unbeeindruckt winkte er ab. „Kolja?“

    „Schon klar“, gab dieser von sich und ging auf Abby zu.

    Ihre Augen weiteten sich ungläubig, als sich der Bär ihr frontal näherte. „Denk ja nicht daran!“, warnte sie ihn und wich einen Schritt zurück. „Wenn du mich auch nur anfasst, schreie ich die Nachbarschaft zusammen! Hast du das verstanden, Kolja?“ Das hatte er ohne jeden Zweifel, bloß kümmerte sich der fast zwei Meter große Hüne kein bisschen um Abbys Drohungen. Sie versuchte vor Kolja davonzuspringen, doch er schlang bereits seine Arme um ihre Taille und wuchtete Abby wie einen Sack Mehl über seine Schulter. „Das ist-...! Lass mich auf der Stelle runter! Sofort!“, setzte sie das Gezeter fort, strampelte hektisch mit den Beinen und rang darum, sich aus dem Schraubstock eines Griffes freizukämpfen – vergeblich. „Du beraubst mich meiner Grundrechte! Das ist Entführung! Freakraub! Du setzt mich unverzüglich ab, oder ich schreie wirklich. Das werde ich tun! Jetzt lass mich los! Kolja!“ Aber Kolja ließ sich von der zappelnden Frau nicht aus der Ruhe bringen und tapste seelenruhig mit ihr zum Ausgang. Man hörte Abby noch kläffen, da fiel die Tür bereits ins Schloss.

    „Sollte O'Rourke irgendwelche Tricks versuchen, hält Kolja ihn und seine Leute von ihr fern. Vor ihm kuschen sie“, erklärte Scott, obwohl jedem von ihnen diese Tatsache bewusst war.

    Somit stand ihr Plan fest: Sie stellten Finn O'Rourke zur Rede und bereiteten seinem Irrsinn ein für alle Mal ein Ende. Mittlerweile hatte Colin auch seine Fassung wiedererlangt und ließ ein Feuerzeug zwischen den Fingern kreisen. „Übrigens“, sagte er. „Ich fahre.“




    nächster Teil

    Augenblick, was? Er roch es auch? „Wie bitte?“

    Beiläufig nahm Colin ein Stück Brot aus dem Korb, der vor seiner und Moiras Nase stand, und schob es sich in den Mund. Weil die zwei mit einem etwas längeren Aufenthalt im Pub rechneten, hatten sie etwas zu essen und zu trinken bestellt: verschiedene Brothappen für ihn und ein großes Glas Ginger Ale für die Banshee. Mit halbvollem Mund erklärte Colin: „Ich kann meinen Bruder vom entgegengesetzten Ende des Raums an dir wittern. Jeder Poly mit einem halbwegs funktionierenden Geruchssinn tut das. Du steigst mit Scott in die Kiste. Is' normal, dass sein Geruch jetzt an dir klebt.“

    Sollte das etwa bedeuten, Scott hatte ihre seine Duftmarke aufgedrückt?? Wegen Hazel durfte liebend gern jeder Freak in Irland wissen, zu welchem Mann sie ein Exklusivverhältnis pflegte. Aber nicht hinter ihrem Rücken! Reflexartig hob sie eine Achsel und machte an sich selbst die Geruchsprobe. Drängte sich Scotts Duft wirklich so auf? „Heute Morgen habe ich geduscht...“

    Colin langte nach einem weiteren Stück Brot. „Das bringt nichts. Da kannst du dich auch in 'ner Wanne Parfum einweichen. Solange Scott dich besteigt, riechst du nach ihm. So läuft das mit uns Polys. Falls dich das tröstet: Man weiß nur, dass du es mit ihm treibst, wenn man seinen Geruch kennt. Sonst riecht man nur irgendeinen x-beliebigen Wolf an dir.“

    „Für mich riechst du wie immer, Hazel“, versuchte Moira Hazel zu beruhigen und nippte gleich darauf wieder am Trinkhalm ihres Getränks. Aktuell zählte die Banshee als einzige in Hazels Freundeskreis nicht zu einer Polymorphengattung. „Das bedeutet, dass auch Kolja und Abby Scott an mir riechen?“, schlussfolgerte Hazel daraus. Als Scotts bester Freund kannte der Braunbär mit Sicherheit bereits sämtliche Details und dass er es tat, störte Hazel keineswegs. Ebenso, was Colin anbelangte. Doch Abigail? Scotts kleine Schwester? Hazel fühlte sich bei dem Gedanken peinlich berührt, etwas an ihr könnte Abby 'Ich wälze mich keuchend und stöhnend mit deinem Bruder von einer Bettkante zur anderen!' ins Gesicht reiben, wie ein Clown Sahnetorte im Laufe einer schlechten Zirkusnummer.

    „Jup. Das heißt, sobald Abby sich aus der Kontaminierungszone von Meister Petz rausbewegt. Der Mann muchtet so penetrant nach Braunbär, der könnte mit seiner Fährte ein ganzes Wolfsrudel vertreiben. Wahrscheinlich ist Abby mittlerweile high oder so.“ Gleichzeitig schauten Colin, Hazel und Moira zum Tresen herüber. Dort stand Abby und führte seit geraumer Zeit eine angeregte, fröhliche Unterhaltung mit Kolja. Beziehungsweise: die junge Wölfin redete ununterbrochen auf ihn ein, ohne Pausen für eventuelle Erwiderungen seitens ihres Gesprächspartners einzulegen. Und dieser hörte ihr geduldig zu; man erkannte seine Aufmerksamkeit an den feinen Zuckungen seiner Brauen und der Mundwinkel. Armer Kolja. Eigentlich endete seine Schicht schon vor vierzig Minuten.

    Plötzlich legten sich zwei Hände um Hazels Taille. Von ihren Freunden abgelenkt, registrierte Hazel Scotts Auftauchen erst, als er sich hinterrücks an sie schmiegte. „Na, Süße?“ Die gute Laune verging ihm jedoch schnell, denn Hazel drehte sich um und pikste ihn zur Begrüßung streng mit dem Zeigefinger gegen die Brust. „Du hast mich markiert?“

    „Häh?“

    Er stellte sich also unwissend. Okay, dann wurde Hazel gern deutlicher: „Colin meint, ich würde nach dir riechen, weil wir miteinander ins Bett gehen.“

    „Ach, das meinst du. Jap, klar.“

    'Jap, klar'?? „Und du findest das okay?“, forderte Hazel zu erfahren.

    Scotts legte kritisch die Stirn in Falten. „Hey, das passiert automatisch, ja? Ich hab' da keinen Einfluss drauf. Ist nicht so, als ob ich warte, bis du eingeschlafen bist und dich dann anpinkle oder mit meinen getragenen Shorts abreibe.“

    Das wäre ja noch schöner! „Du hättest mich wenigstens vorwarnen können.“

    „Was regst du dich auf? Stört dich mein Geruch? Außerdem macht das jedem Poly unmissverständlich klar, dass du zu mir gehörst. Du bist meine Freundin und niemand hat dir zu nahe zu kommen. Vor allem kein anderer Wolf.“

    „Was ist mit meinem Recht auf Selbstbestimmung?“

    „Du hast dein Recht. Nur nicht, wenn es darum geht, dass dich andere Kerle angrabschen. In dem Fall habe ich das sagen, so einfach ist das.“ Entschlossen verschränkte Scott die Arme vor der Brust.

    Zu behaupten, seine Besitzansprüche ihr gegenüber ließen Hazel kalt, wäre eine dicke, fette Lüge. Etwas Romantisches hatte sein Beschützerinstinkt schon an sich und Herr Gott! Wie fuhr Hazel auf seine Alphamännchen-Nummer ab! Bloß wünschte sie, Scott hätte sie auf einem Weg als sein Eigentum gebrandmarkt, auf dem sie sich nicht vorkam, als müsse sie einen Teil ihrer Identität aufgeben. Durch kitschigen Schmuck zum Beispiel oder indem sie beide diese hässlichen Pärchen-T-Shirts trugen, deren Aufdrucke aufeinander verwiesen.

    Um Scott genau das mitzuteilen, holte Hazel Luft. Jedoch wurde sie vom saugenden, schlürfenden Geräusch eines Trinkhalms unterbrochen. Postwendend richteten Scott und sie ihr Augenmerk auf den Ursprung des Krachs und blickten direkt in die neugierigen Gesichter von Moira und Colin. Gespannt verfolgten die zwei die Grundsatzdebatte zwischen Hexe und Wolf. Moira teilte sogar den Rest ihres Ginger Ales mit Colin, zugleich dieser sie von seinem Brot naschen ließ. „Lasst euch nicht stören“, forderte Colin das Pärchen auf, nachdem er die Lippen von Moiras Trinkhalm genommen hatte.

    Scott knurrte genervt: „Ich hoffe, ihr fühlt euch gut unterhalten. Habt ihr nichts Besseres zu tun? Euch zanken oder so?“, woraufhin sein Bruder und die Banshee einen Blick austauschten.

    „Ich bin satt und sie hat den Mund voll. Gibt gerade kein Konfliktpotential“, erklärte Colin und deutete erst auf sich selbst und im Anschluss auf Moira. Diese stimmte ihm, derweil sie auf einem Stück Brot herumkaute, mit einem Nicken zu. Zudem meinte Colin an Scott gerichtet: „Wir hocken doch nur hier herum, weil sich Abby und unser Quoteneinwanderer festgequatscht haben. Von wegen 'nur mal schnell gucken, ob du da bist.' Soll sie ihn halt adoptieren und mit nachhause nehmen, dann kommen wir heute wenigstens noch zu was. Die Supermärkte haben nicht ewig geöffnet.“

    Stimmt, die drei wollten Einkaufen fahren. Oder besser gesagt: Colin chauffierte Abby und diese hatte Moira dazu eingeladen, sich ihnen anzuschließen. Anders kam ausgerechnet diese Konstellation wohl kaum zustande.

    Ungeduldig rief Colin zu seiner Schwester herüber und wies auffordernd auf die Armbanduhr um sein Handgelenk. Die junge Wölfin hörte und begriff, ohne sich in ihrem Redefluss gestört zu fühlen. Kolja im Schlepptau, gesellte sie sich zu ihnen an den Tisch.

    „Hallo Scott, schön dich zu sehen! Oh, und Hazel, wie kommst du eigentlich mit deiner Bewerbung für Heidelberg voran?“ Wie auch immer dieser abrupte Gedankensprung in Abbys Gehirn entstand – aus dem Augenwinkel heraus bemerkte Hazel, dass Scott irritiert den Mund verzog und lenkte deshalb schnell vom Thema ab. Die Diskussion über ihre berufliche Zukunft stand ihr noch bevor und ungern würde sie sie in aller Öffentlichkeit mit Scott austragen. „Das ruht“, schwindelte sie. „In den letzten Tagen habe ich mich mit der Rezeptur beschäftigt. Ich denke, ich konnte sie rekonstruieren.“

    Ihr Ablenkungsmanöver fiel bei Scott auf fruchtbaren Boden. „Du meinst für dein Potenzmittel?“

    „Wow, eure Beziehung dauert keinen ganzen Monat und deine Freundin entwickelt schon ein Potenzmittel? Klasse Leistung, Scott“, zog Colin seinen Bruder grinsend auf und wurde retour von diesem angeknurrt:

    „Willst du dich mir anlegen!?“

    „Wenn du dafür nicht auch erst was einwerfen musst!“

    Drohend baute sich Scott vor seinem Bruder auf. In diesem Moment ging Hazel dazwischen: „Es ist kein Potenzmittel, sondern mehr eine Art Immunisierung.“

    „So was wie eine Impfung?“, fragte Moira neugierig nach. Ehrliches Interesse sprach aus den Zügen der Banshee.

    Puh, wie formulierte Hazel es am besten, sodass man es auch ohne Masterabschluss in Pharmazie verstand? „Von Prinzip ist es das. Meine Rezeptur dient zur Herstellung einer universell einsetzbaren Grundtinktur, mit der man Resistenzen gegen beinahe alles aufbauen kann. Die Basis bildet Ethylalkohol als Trägersubstanz in Verbindung mit Phenylisopropylamin für eine notwendige Noradrenalin- und Dopaminausschüttung des Körpers. Gemeinsam mit einigen anderen Zutaten wird es mit der Substanz verkocht, gegen die man sich schützen will. Dabei ist diese Substanz ein höchst variabler Faktor, weshalb die Immunisierung nicht nur im Hinblick auf Krankheiten angewendet werden kann, sondern auch auf Allergien oder sogar mögliche Verletzungen. Bienenstiche zum Beispiel. Ich habe die Rezeptur während des Grundstudiums entwickelt und eigentlich für den Einsatz in Seuchengebieten vorgesehen, um die Ansteckungsgefahr für Ärzte und das Pflegepersonal auf null zu reduzieren. Und da man die Bestandteile bloß in ihrer einfachsten Form benötigt, kann man die Zutaten zum Großteil sogar durch haushaltsübliche Produkte aus dem Supermarkt ersetzen. Das macht die Herstellung sehr kostengünstig.“

    Sichtlich von Hazels Ausführungen überfordert, gafften Scott und Colin sich erst gegenseitig und danach die Hexe an. „Und das heißt…?“

    „Du mischt Speed mit Wodka und tust Chili dazu, damit dir das nächste Essen beim Mexikaner nicht den Magen umdreht“, übersetzte Kolja für die zwei Männer.

    Ab da übernahm Hazel wieder: „Salopp ausgedrückt, ja. Du kannst Katzenhaar verwenden, um deine Katzenhaarallergie zu lindern oder ein Stück des Materials, aus dem Bälle hergestellt werden, damit es nicht mehr wehtut, wenn man sie abbekommt. Ihr versteht, worauf ich hinauswill.“

    Sie taten es. „Wow, Hazel, das klingt unfassbar wertvoll!“, staunte Moira und Kolja stimmte ihr zu: „Das finde ich auch. Damit ließen sich ganze Epidemien verhindern. Weshalb hast du deine Aufzeichnungen nie veröffentlicht?“

    „Es gibt da ein paar Schwachstellen, was die Wirkungsdauer angeht. Außerdem bleiben Restbestände des Alkohols und der Amphetamine im Körper zurück und sind lange Zeit nach Einnahme des Mittels nachweisbar. Der bürokratische Aufwand bei Polizeikontrollen und sonstigen Substanzuntersuchungen wäre horrend.“ Mit der Zeit hatte Hazel es aufgegeben, eine Lösung für diese Probleme zu finden und sich erfolgversprechenderen Forschungsprojekten gewidmet. „Davon abgesehen kommt Sahne in die Mischung, somit ist der Impfstoff ungeeignet für Veganer und Patienten mit einer Laktoseintoleranz.“

    Bisher hielten sich die Fitzpatrickgeschwister mit Kommentaren zu diesem Thema bedeckt, aber nun schlug Abby voller Begeisterung die Hände ineinander und quasselte rege drauf los: „Wie schade! Dabei wäre so ein Medikament wirklich praktisch. Ich meine, Scott hätte einen Riesenvorteil davon, gegen Bisse abgehärtet zu sein, wo er doch heute Abend seine Rangordnung mit O'Rourke klärt.“

    Die Gäste des Pubs hoben ihre Köpfe und sahen zu dem Tisch herüber, an dem sich unisono vier Stimmen zu voller Lautstärke erhoben: „Er macht was?!“

    Scott hingegen zog ahnungslos die Brauen zusammen. „Häh?“




    nächster Teil

    Mit der Dämmerung fielen die Temperaturen, doch die Wände des Gasthauses von Jaffa hielten nach wie vor eine drückende Wärme gefangen. Der alte Dreiauge hockte auf demselben Stuhl, auf dem Salem und seine Gefährten ihn vor wenigen Tagen zurückgelassen hatten. Er sah nicht auf, als die drei Gestalten mitsamt Hund sich seinem Tisch näherten.
    „Ihr seid zurückgekehrt“, stellte er fest. „Das freut mich für Euch. Sagt, verlief Eure Suche nach dem Mantikor erfolgreich?“
    Aljin verschwendete keine Zeit mit Reiseberichten. Sie kam direkt zum Punkt: „„Wir haben die Kralle. Jetzt rück mit der Sprache heraus, wie es weitergeht.“ Zum Beweis ihrer Worte, machte Codrac Anstalten, das Bündel hervorzuholen, allerdings bot Dreiauge ihm mit der flachen Hand Einhalt.
    „So viel Tatendrang, hehe! Ihr erinnert mich an mich selbst, als mein Blut noch frisch durch die Adern floss. Apropos Blut…“ Dreiauge deutete auf Salem. „Euch klebt da etwas an Eurer Kleidung.“
    Salem blickte an sich hinab. Oh. Ach Herrje. Abermals quoll aus der offenen Wunde in seiner Brust Blut hervor und befleckte seine Wüstenkleidung. Wie Salem es wohl schaffen sollte, derart viel Blut aus dem Stoff waschen zu können? Hoffentlich bildeten sich keine zu auffälligen Flecken, denn Salem legte einen gewissen Wert auf seine eigene Reinlichkeit und wollte ungern mit einer dauerhaft sichtbaren Verunreinigung an seiner Garderobe reisen müssen. Es wurde wohl wirklich Zeit, die Verletzung zu verbinden.
    Aber alles zu seiner Zeit, beschloss Salem und ließ den Blutfluss vorerst weiter freien Lauf. Er überging Dreiauges Hinweis und erinnerte ihn, weshalb sie ihn aufsuchten: „Ihr wolltet uns erklären, wie unser nächster Schritt aussieht.“
    Der Seher nickte. „Fürwahr, so lautete mein Versprechen. Nun denn: Dank der Kralle werden die Winde Euch nach Akrabria führen, jedoch nicht hinein. Damit sich die geheimen Tore der Ruine Euch offenbaren, müsst Ihr ihre uralten Fackeln entzünden.“
    „Das sollte kein Problem darstellen“, meinte Salem als Feuermagier. Zudem man keine Magie benötigte, um eine Fackel zum Brennen zu bringen.
    Bei Salems Worten kicherte Dreiauge voller Vorfreude. „Nein, nein. So einfach ist es nicht. Es darf nicht irgendein Feuer sein. Ihr benötigt die Flamme von Raschid Ibn Nishaat al-tamar.“
    „Wessen Flamme?“, fragte Codrac ein wenig überfordert, während Aljin die Augen verdrehte.
    „Soll das etwa heißen, wir müssen eine brennende Fackel durch die Wüste schleppen?“
    Offensichtlich amüsierte sich Dreiauge köstlich über die Ahnungslosigkeit der Gruppe. Er gluckste: „Die Flamme von Raschid Ibn Nishaat al-tamar ist kein tatsächliches Feuer. Es ist ein uralter Feuerzauber, der ein Feuer beschwört, welches sich nicht löschen oder ersticken lässt, es sei denn, sein Erschaffen wünscht es so – ein ewiges Feuer, welches verglimmt, sobald das Lebenslicht seines Herren es tut. Nur eine durch diesen Zauber herbeibefohlene Flamme vermag die Fackeln von Akrabria anzustecken.“
    Mit einmal spürte Salem Aljins Blick auf sich ruhen. Die junge Frau sagte nichts, doch Salem konnte sich denken, dass sie ihn seiner Magie wegen ansah. Leider musste er sie enttäuschen. Dieser Zauberspruch war ihm gänzlich unbekannt.
    Dreiauge setzte seinen Monolog fort: „Doch die eigentliche Herausforderung ist nicht der Zauber selbst, oh nein!“. Ein hörbares Stöhnen kam aus Aljins Richtung. „Jemanden zu finden, der ihn beherrscht, das ist die Aufgabe. Denn die einzigen, die heutzutage über das Wissen um die Flamme von Raschid Ibn Nishaat al-tamar verfügen, sind die Nomaden des Hariq-Stammes.“
    „Da klingelt was, glaube ich…“, murmelte Aljin und auch Salem kam dieser Nomandenstamm bekannt vor. Wenn er sich nicht täuschte, dann hatte einer der Händler ihnen bereits von diesem Wüstenvolk erzählt. „Ihr redet von dem Stamm der Feuermagier?“
    „So, so. Ihr habt bereits von ihnen gehört. Nun, in der Tat eilt den Hariq ihr Ruf voraus. Man fürchtet sie in der ganzen Wüste. Sie sind rücksichtslos und kennen keine Gnade, wenn es darum geht, ihre Traditionen zu verteidigen. Und der einzige Weg, an die Flamme des Raschid Ibn Nishaat al-tamar zu kommen, führt über die Hariq. Jedoch wärt Ihr die ersten in Jahrhunderten, die die Unterstützung eines Feuermagiers der Hariq erhalten würde.“