Beiträge von Skadi

    Ich sollte eine neue Kategorie eröffnen. „Skadi verschwendet ihre Freizeit und räumt ihre Schränke ein und wieder aus.“ Aber das klingt kacke. Deswegen bleiben wir beim gewohnten Titel.


    ✎ Skadi hat Kram (9) #AlkoholikerEdition


    Die Vorbereitung dieses Posts hat allergische Reaktionen bei mir ausgelöst. Und das behaupte ich nicht etwa im metaphorischen Sinne, weil ich die Stifte kacke finden würde – ich habe eine Alkoholunverträglichkeit. Kontraproduktiv, wenn man seine Alkoholmarkersammlung hervorholt.


    Was Alkoholmarker ausmacht? Die Tinte im Stift ist auf Alkoholbasis. Das heißt, sie haben ein anderes Trocken- und Fließverhalten, als die üblichen Filzstifte auf Wasserbasis. Auf diese Weise bieten sie beim Kolorieren andere Möglichkeiten, die Farben strahlen intensiv und so weiter und so fort.

    Das hier ist meine Kiste:


    Und das ist ihr Inhalt:


    Wir können an dieser Stelle ja mal ein kurzes Quiz einschieben. Was denkt ihr, welcher (Neuanschaffungs-)Wert, sich in meiner Kiste befindet. Ich gebe 3 Antwortmöglichkeiten vor:

    A) etwa 300 Euro

    B) etwa 700 Euro

    C) etwa 100 Euro

    Die Lösung am Ende dieses Posts.


    Im Laufe der Zeit haben sich einige verschiedene Alkoholmarker (nachfolgend kurz Marker genannt) bei mir angesammelt. Was sich irgendwie damit widerspricht, dass ich sie einerseits nicht gern benutze und andererseits wegen meiner Unverträglichkeit nicht oft benutzen kann. Ich hatte in meinen späten Teenagerzeiten/Anfang Zwanzigern eine Phase, in der ich dachte, Copic Marker wären der Shit. Aus dieser Zeit stammt der Großteil meiner Copicsammlung. Der Rest kam durch die Aboboxen dazu. Ich muss dazu sagen, dass ich sogar mal mehr Marker hatte. Einen Teil davon (Stylefile-Marker) habe ich aber Klim und Kyelia geschenkt, weil die zwei zu dem Zeitpunkt mehr damit anfangen konnten, als ich.

    Damit ich weiß, wie die Farben auf dem Papier wirken, habe ich diese Tabelle angelegt. Es ist kein Markerpapier, weswegen die Farben bei einer richtigen Illustration nochmal anders wirken. Zur groben Orientierung, welche Farben ich miteinander verwenden kann, tut sie ihren Dienst aber.


    Ich fang mal mit etwas unbekannteren Markern an. Jedenfalls waren sie das damals, als ich sie gekauft habe. Dass das schon sehr lange her ist, erkennt man daran, dass die Stifte als „Letraset ProMarker“ beschriftet sind. Mittlerweile wurde das Design überarbeitet, da die Marke von Winsor & Newton übernommen und ge-re-branded wurde. Die Stifte haben eine breite Spitze und eine Point-Tip Spitze, also wie man sie vom klassischen Filzstift kennt


    Diese Marker habe ich mal in einem Discounter entdeckt und mitgenommen. Ich kann euch leider nicht sagen, wie sie heißen. Der Aufdruck auf dem Schaft ist für mich absolut nicht zu entziffern und die Verpackung liefert nicht mal Hinweise auf den Herstellungsort. Aber ich habe diese Stifte schon bei Woolworth stehen sehen und als Aztiluth und ich festgestellt haben, dass sie diese Stifte auch besitzt, meinte sie, sie hätte sie im Action bekommen. Ausprobieren konnte ich sie noch nicht. Sie haben die gleichen Spitzen, wie die Promarker.


    Ein, wie ich finde, ästhetisch wirklich sehr ansprechendes Set Marker habe ich aus der ScrawlrBox bekommen: Spectra ad. Zwar besteht es nur aus 4 Farben und einem Blender, aber die Farben sind wirklich schön und die Stifte haben einen guten Tintenfluß. Von wegen, Copic wäre der unangefochtene Top-Alkoholmarker. Spectra ad, ist eine hervorragende Alternative.

    Die Spectra ad-Marker haben eine Keilspitze und eine etwas härter Pinselspitze.


    Wo wir einmal beim Thema Alternativen zu Copic sind. Würde mich jemand fragen, welche Alkoholmarker er sich zulegen sollte – hier kommt meine erste Antwort: Die Graphmaster Twin Alcohol Based Ink. LEIDER habe ich eben beim Recherchieren rausfinden müssen, dass diese Stifte nicht mehr hergestellt werden. Es gibt in diversen Onlineshops und auf Ebay noch Restbestände, aber wenn die aufgebraucht sind, ist Schluss damit. Schade! Denn diese Marker sind so unglaublich saftig und farbenfroh. Eine Schande ist, es eine Schande.


    Ein etwas besonderer Marker kommt jetzt. Der Tri Blend von Spectrum Noir. Der Kniff an diesen Markern ist, dass er statt (wie die anderen Marker) zwei Spitzen hat – er hat drei! Jeder dieser Stifte besteht aus 3 Einzelkammern, die farblich perfekt zum Verblenden aufeinander abgestimmt sind. Er kommt jedoch „nur“ als Point Tip.

    Drei Farben, zwei Kappen. Viel Spaß beim suchen :S


    Und jetzt... der Abschluss. Und ich habe die Copic Marker nicht etwa deshalb bis jetzt vor mir hergeschoben, weil ich etwa „das Beste zum Schluss“ nehmen will. Ich will den Copics nur einfach nicht die Stellung ganz oben in dieser Aufstellung gönnen. Ich bin nämlich nicht unbedingt ihr größte Verfechter. Meiner Meinung nach sind sie nur deshalb so „beliebt“, weil am bekanntesten. Als es damals losging, dass jeder Mangas zeichnen möchte, waren die Copics die Marker, die in Europa am besten verfügbar waren UND man hat sie bei den ganzen berühmten Mangazeichnern gesehen. Alle anderen Hersteller haben einfach viel zu spät nachgezogen. Mittlerweile gibt es aber (wie mein Blog beweist) eine solche Auswahl und Vielfalt, dass die Copics eigentlich nicht mehr diese Aufmerksamkeit verdienen, wie sie sie bekommen.

    Von den Copics habe ich, wie man sieht, einige. Die 5 Acrylboxen habe ich mir damals tatsächlich selbst gekauft, beziehungsweise über ein paar Jahre hinweg schenken lassen. Ich muss dazu sagen: Der Inhalt sah anders aus. Heißt: Scheinbar wahllos gemischt. Ich habe keine Ahnung nach welchem Prinzip die Sets zusammengestellt wurden, aber irgendwann war mir der Mischmasch zu bunt und ich habe sie nach Farbtönen sortiert. Übrigens sieht man hier sehr schön, wie wenig ich die Farbe Rot mag, dass alle roten Marker in einen kleiner 12-Kasten passen xD Achso. Die Boxen sind alles Copic Ciaos. Ich besitze auch ein paar Classic und den ein oder anderen Sketch, die habe ich aber vor langer Zeit mal von einer Bekannten aus einem Forum geschenkt bekommen.


    Zum Abschluss dieses Posts verlinke ich noch ein paar Bilder, die ich mit Alkoholmarkern koloriert habe. Danach kommt die Auflösung des Ratespiels.

    Skadi zeichnet (II)

    Skadi zeichnet (II)

    Skadi zeichnet (II)

    Skadi zeichnet (II)


    Wie hoch ist der Wert der Stifte in meiner Box?


    Jetzt geh ich lüften, bevor mir die Nase wegschnurzelt.

    Worüber er… . Ein neuer Gedankengang verschaffte sich in Kolja Raum. Keiner ihrer Brüder befand sich in Hörweite, somit bot sich ihm gerade die perfekte Gelegenheit, endlich ein klärendes Gespräch mit Abigail zu führen. Er löste die Umarmung und ergriff ihre Hände; wie selbstverständlich verhakte Abigail ihre schlanken Finger mit seinen. Bereit, die Karten offen auf den Tisch zu bringen, öffnete Kolja den Mund. Da prasselte draußen aus heiterem Himmel ein Schwall Wasser gegen die Fensterscheiben des Wohnzimmers – wörtlich gesprochen, denn keine Wolke bedeckte den Himmel. „Kieran, das ist die Sprinkleranlage!“, informierte Abigail ihren Bruder. Wie jetzt? Bediente man heutzutage sogar Sprinkleranlagen per Funk? Hernach widmete die Wölfin ihre Konzentration wieder voll und ganz Kolja. In ihren Augen meinte er, so etwas wie Vorfreude glitzern zu sehen. „Entschuldige bitte, Kolja. Spricht weiter.“

    „Ich habe darüber gesprochen, dass ich dich-… .“

    Poltern, Scheppern, das dumpfe Rumsen eines Aufschlags – ein jämmerlicher Schmerzensschrei drang vom Obergeschoss ins Wohnzimmer und Kolja fuhr alarmiert zusammen. Was zum... ? Ehe er zu reagieren vermochte, entriss ihm Abigail plötzlich ihre Hände und hechtete an Kolja vorbei und in den Flur. „Kieran!“, rief sie voller Sorge um ihren kleinen Bruder und stürzte die Stufen in die zweite Etage hinauf. Umgehend versuchte Kolja, ihr zu folgen, doch mit Abigails Kondition einer Sportlerin konnte er schlecht mithalten. Sie hängte ihn ab und als Kolja die Treppe erreichte, sah er ihre Füße bereits hektisch hinter einer Ecke im oberen Flur verschwinden. Diese Frau und ihre flinken Beine! Während er der Wölfin nachjagte, hörte er Abigails und Kierans aufgeregte Stimmen, übertönt vom Knallen einer zugeworfenen Tür sowie dem Radau unbestimmbarer Schläge gegen eine Wand. Was geschah dort oben?? Just erreichte Kolja das Ende der Treppe, da kamen ihm die zwei Geschwister schon entgegen gehumpelt. Abigail hatte ihrem Bruder den Arm unter die Schulter geschoben und stützte den Teenager beim Laufen ab, dessen Stoffhose an den Knien aufgerissen war und fiese Schürfwunden auf seiner Haut entblößte. Leise wimmernd ließ er sich von Abigail ins Wohnzimmer führen, wo sie ihn auf der Couch absetzte.

    „Was ist passiert?“, fragte Kolja. Dem Krach nach zu urteilen, musste Kieran in seinem Zimmer einen Kampf ausgetragen haben. Er berichtete:

    „Ich weiß nicht. Ich wollte über die App die Lautstärke an meinem Laptop verändern und auf einmal rastet mein Staubsaug-Roboter völlig aus. Irgendwas muss mit dem Signal schiefgelaufen sein, glaube ich.“ Glaubte er? Nach Koljas Einschätzung anhand der letzten fünfzehn Minuten durfte sich Kieran dieser Sache ziemlich sicher sein. Dennoch lieferte das keine Erklärung für die aufgeriebenen Beine. „Jetzt läuft StauSauRo da oben Amok. Er hat meinen Stuhl und meine Topfpflanze umgeschubst und ist mir in die Hacken gefahren. Mann, ich hab' mir bei dem Sturz die Knie am Teppich aufgescheuert! Das tut so weh!“ Dabei stemmte Kieran vorsichtig seine geschundenen Beine gegen die Kante des Couchtischchens und bemitleidete sich selbst für seine Verletzungen.

    „'StauSauRo'?“

    „So nennt Kieran seinen Saugroboter“, klärte Abigail Kolja auf, bevor sie ihren Bruder beruhigte: „Mach dir keine Gedanken, Kieran. Wir lassen ihn einfach so lange in deinem Zimmer eingesperrt, bis sein Energiespeicher aufgebraucht ist. Das Gerät ist mittlerweile so alt, wie lange wird er schon im Kreis fahren können, bis sein Akku aufgeladen werden muss?“ Hm, ein alter Staubsaug-Roboter. Demzufolge ein StauSauRierer? Hehe! Stumm kicherte Kolja in sich hinein.

    „Ein bis zwei Stunden“, schätzte Kieran die restliche Laufzeit seiner elektronischen Haushaltshilfe ein und Abigail lächelte ihn aufmunternd an.

    „Na siehst du. Bis dahin bleibst du einfach hier unten.“ Über den schwarzhaarigen Schopf ihres Bruders hinweg warf sie Kolja einen um Verzeihung bittenden Blick zu. Hmpf. Scheinbar stellte sich die Geschwisterliebe dieser Familie seinem persönlichen Glück mit Abigail aus purem Grundsatz in den Weg. Ade Zweisamkeit und Ade Koljas Chance darauf, endlich reinen Tisch zu machen.

    Mit einem Winseln begutachtete Kieran seine ramponierte Haut. 'Meine Güte', dachte Kolja. Es waren doch bloß aufgeschürfte Knie; kein Grund, diese hohen Töne von sich zugeben. Abigail tröstete ihren Bruder, als ob der Junge seinen Lebtag noch keine Schramme erlitten hätte. „Das verheilt schnell wieder. Pass mal auf, spätestens morgen früh wirst du gar nichts mehr davon spüren.“

    „Aber was ist bis dahin?!“, wollte Kieran wissen und Hoffnungslosigkeit dominierte seinen Tonfall. Befürchtete er denn, ihm würden über Nacht die Beine abfaulen? Geduldig schlug Abigail ihm vor:

    „Wir kleben einfach ein Pflaster über die Wunde, okay? Dann kann nichts drankommen. Kolja?“ Sie wies auf die Anrichte unmittelbar hinter dem Bären. „Würdest du bitte in das obere Schubfach schauen? Darin sollte ein Erste-Hilfe-Päckchen liegen.“ Er erfüllte ihr diesen Wunsch, öffnete benanntes Fach und fand, wie angekündigt, ein Stoffetui mit verschiedenen Verbandsmitteln darin. Hm, das Wohnzimmer schien Kolja ein ungewöhnlicher Ort für die Aufbewahrung eines Notfallsets zu sein; andererseits gehörte so was in einer Poly-Familie mit fünf tobwütigen Kindern wahrscheinlich zur obligatorischen Grundausstattung eines jeden Raumes. Vor allem in Verbindung mit Moira.

    Kolja suchte zwei Streifen Pflaster heraus und reichte sie Kieran, bevor er das Etui zusammenpackte und an seinen Platz in der Schublade zurücklegte.

    Derweil er darüber sinnierte, eventuell den Verbandskasten der WG mal wieder auf Vollständigkeit zu überprüfen, blieb Koljas Beachtung an der Dekoration der Anrichte hängen. Abigails Eltern hatten einige Fotos gerahmt und gut sichtbar aufgereiht. Kolja gab zu, die Fotografien bisher nie bewusst wahrgenommen zu haben, was schlichtweg daran lag, dass ihn fremde Familienbilder in den seltensten Fällen interessierten. Dieses eine Foto allerdings... es gefiel Kolja irgendwie. Zwei Kinder im Grundschulalter hockten darauf freundschaftlich auf ein und derselben Schaukel: Ein Junge und ein Mädchen. Kolja brauchte nicht nachfragen, um wen es sich dabei handelte, denn diese hellen Haare zusammen mit den großen, graublauen Augen verrieten zweifelsfrei, dass eine junge Moira ihm da so sanft entgegen lächelte, wohingegen das pechschwarze Haar sowie das zahnlückenentblößende Grinsen eindeutig zu Scott gehörten. Wie alt dieses Foto wohl sein mochte? Zwanzig Jahre? Nein, älter. Vermutlich fünfundzwanzig. Es weckte in Kolja das Gefühl glücklicher Kindheitstage und einer lebenslangen Freundschaft, sodass er absolut nachvollziehen konnte, weshalb Abigails Eltern die Erinnerung an schöne Zeiten hier positioniert hatten. Fast meinte er, das fröhliche Kinderlachen von damals hören zu können. Ob Scotts Kinder, sollte er je welche zeugen, seinem kindlichen Ich ähneln würden?

    „Ein tolles Foto, nicht wahr?“ Abigail war an Koljas Seite getreten und betrachtete ihrerseits die Abbildung. „Papa muss dieses Bild sehr viel bedeuten, sonst würde es nicht hier stehen.“

    „Ich habe noch nie ein Kinderfoto von Scott gesehen“, stellte Kolja fest, jedoch wurde er von Abigail korrigiert:

    „Scott? Nein, nein. Das ist nicht Scott. Der Junge auf dem Foto, das ist Colin.“

    Colin? Quatsch! Jetzt band Abigail dem Bären einen Bären auf. Die Knirpse auf dem Bild hingen regelrecht aneinander; undenkbar, ausgerechnet Colin hätte jemals ein so zutrauliches Verhältnis zu der Banshee gepflegt. „Bist du sicher?“, blieb Kolja daher skeptisch, die enorme Ähnlichkeit zwischen den Brüdern hin wie her.

    Abigail nickte. „Es ist richtig, dass Scott und Moira miteinander befreundet sind aber als sie Kinder waren, haben sie zusammen mit Colin ein Dreiergespann gebildet. Niall hat erzählt, dass Colin und Moira auch ohne Scott hervorragend miteinander spielen konnten und er hätte ihr sogar das Fahrradfahren beigebracht oder wie man auf Bäume klettert. Nur das mit dem Herunterkommen hat sie wohl nie so richtig begriffen.“

    „Wenn man Mama glauben will, dann hat Moira es in der achten Klasse auch geschafft, Colin dazu zu überreden diesen Tanzkurs mir ihr zu besuchen“, warf Kieran von der Couch aus ein und fummelte den Schutzfilm von seinem Pflaster ab. „Ich halte das alles für Märchen.“

    Dem widersprach Abigail. „Also ich kann mir das sehr gut vorstellen. Scott hat sich noch nie für solche Dinge begeistern lassen und Colin besitzt ein echt gutes Rhythmusgefühl. Und wieso sollten Mama und Niall schwindeln?“ Sie erwartete keine tatsächliche Antwort, sondern gab prompt die nächste unglaubliche Anekdote zum Besten: „Einmal ist Moira in einen Schacht gestürzt und um sie da unten nicht allein zu lassen, ist Colin hinterhergesprungen und hat ihr Gesellschaft geleistet, während Scott Hilfe geholt hat.“

    „Unvorstellbar…“, murmelte Kolja. Na ja, bis auf den Teil, Moira sei in ein Loch gefallen. Das glaubte Kolja Abigail nämlich auf Anhieb. So was… Also gab es Zeiten, in denen Colin und Moira unzertrennlich waren. Was für eine bizarre Vorstellung. „Was hat sich verändert?“

    Kolja bemerkte das Zucken ihrer Lippen, als wolle Abigail rege drauf los plappern. Aber sie schien ihre Worte zu überdenken. „Persönlichkeiten verändern sich. Ich befürchte, nicht jede Freundschaft ist dazu gemacht, auf ewig zu halten.“

    Mh, das war eine sehr rationale Begründung, insbesondere für Abigail. Nun gut. Letztmalig inspizierte Kolja die Fotografie. „Ich habe Colin nie so abenteuerlustig grinsen sehen.“

    „Ich auch nicht, Kol“, erklärte Kieran, sodann er behutsam das Pflaster auf sein Knie legte und es jaulend feststrich. Welches Drama der Welpe wohl veranstaltete, sobald er irgendwann in echte Rangkämpfe geriet?

    Was für ein Abend. Binnen einer Stunde hatte Kolja einen Streit mit Abigail geführt, sich mit ihr versöhnt und ihren kleinen Bruder vor einem wildgewordenen Staubsauger gerettet. Kolja nahm nicht an, der Wölfin stünde nach all dem noch der Sinn nach Nachhilfe. Er musterte sie. Gründlich.

    Nein, an Nachhilfe brauchte er wirklich keinen Gedanken zu verschwenden. Abigails Anklage hatte seiner Phantasie wahrlich keinen Abbruch getan, denn Kolja überkam der jähe Wunsch, Abigail zu nehmen und ihren tollen Po auf dieser Anrichte zu platzieren, damit sie ihre langen Beine wie eine Schlange um seine Hüften wickelte bis keiner mehr von ihnen beiden zu benennen wusste, wo Abigails Körper endete und Koljas begann. Seine Ohren gaukelten ihm sogar das entzückte Keuchen vor, welches aus ihrer Kehle kroch, während Koljas Lippen über ebenjene hinwegglitten. Uff. Diese verfluchten Tagträume. 'Zusammenreißen!', bläute sich Kolja ein. Es hielt sich immerhin ein Welpe im selben Zimmer auf. Sowieso beglückte Abigail Kolja mit keinem befriedigten Seufzen; viel eher stierte sie die Fotografie ihres Bruders an und nuschelte ein nachdenkliches „Mh…“ daher.

    'Mh'? „Was ist los?“, wollte Kolja von ihr erfahren.

    „Ich überlege…“ Abigail zeigte auf das Bild. „Moira ist doch angehalten, so viele Fotos wie möglich vom Training zu schießen, richtig?“

    Soweit Kolja korrekt informiert war, durfte man das so behaupten. „Ja?“

    „Und du meintest, sie hätte dich dabei fotografiert, wie du die Tür des Gerätelagers ausgerissen hast.“

    Auch das entsprach den Tatsachen. Worauf zielten Abigails Fragen ab? Da schlugen ihre Gedankengänge einen ihrer berüchtigten Haken und Abigail wechselte abrupt mit einem Lächeln das Thema: „Kolja, ich hätte große Lust, unsere nächste Nachhilfestunde zur Abwechslung bei dir abzuhalten. Was hältst du davon? Eine andere Umgebung für ein effektiveres Lernergebnis?“

    Uhrm, bei ihm? In der WG, meinte sie? Spontan fiel Kolja kein Grund ein, der dagegensprach. „Okay?“

    „Hervorragend!“, freute sich Abigail für Koljas Erachtens etwas zu sehr darüber, anderorts zu lernen und so legte er misstrauisch die Stirn in Falten. Was entging ihm gerade? „Passt dir morgen Abend?“ Kolja überschlug kurz seinen Schichtplan sowie eventuelle andere Termine. Nein, außer der Mittagsschicht standen morgen keine Verpflichtungen an, also bestätigte er Abigails Vorschlag mit einem zustimmenden Heben der Achseln. „Prima! Dann steht unsere Verabredung. So, nach der ganzen Aufregung habe ich aber wirklich Hunger bekommen. Wie steht es mit euch? Wollen wir etwas essen?“

    „Au ja! Kol soll uns was kochen!“, jubelte Kieran los und wurde dafür von seiner großen Schwester belehrt:

    „Kolja ist unser Gast, Kieran. Es ist unhöflich, solche Forderungen zu stellen.“

    „Soll das heißen, du kochst?“ Dem Teenager sackten die Mundwinkel herab.

    „Ja, soll es. Wieso? Stimmt etwas nicht mit meinen Kochkünsten?“, hakte Abigail berechtigter Weise nach, denn Kolja hatte schon das ein oder andere Mal ihre Mahlzeiten probiert und fand zu keiner Gelegenheit Grund zur Beschwerde.

    Ihr Bruder wedelte beschwichtigend mit den Händen. „Nein, dein Essen schmeckt gut.“ Er deutete mit dem Finger auf Kolja. „Seins schmeckt aber noch besser. Mann, ich hätte echt Bock auf Nudeln, Kol.“

    „Kieran!“

    „Was denn? Wenn Kol keine Lust hat, kann er doch Nein sagen.“

    „So läuft das aber nicht.“

    „Warum nicht?“

    Das konnte sich hinziehen. Für die Dauer der Diskussion nahm Kolja auf der Couch Platz und während die Geschwister über ihre Standpunkte hin- und her rechteten, wägte Kolja einstweilen alle Faktoren für eine überaus wichtige Entscheidung ab:

    Bereitete er Tomatensoße oder Pesto zu den Nudeln?



    nächster Teil

    Eure Mutmaßungen und Überlegungen sind sehr interessant zuverfolgen :D


    Und auch gut, dass Kolja so gutmütig ist und es Abby verzeiht, dass sie geschnüffelt und ihn zu Unrecht verdächtigt hat

    Vor allem ist das wohl Abbys Glück ^^ Jeder andere hätte Abby wohl mittlerweile zum Teufel gejagt oder würde langsam in diese Richtung denken :hmm:


    Hab ich mich amüsiert gestern Abend :D köstlich!

    Das freut mich ^^


    Ich schätze den Wolf eher so ein, dass er seine Schwester lieber bei seinem besten Freund sehen würden, als bei einem Kerl wie Donnelly :crazy:

    Da Donnelly besondere, öh... "Umstände" bei Abby (Tod) vorraussetzen würde, glaub ich das auch :ugly:


    Skadi hat da bestimmt den übelsten Plottwist geplant

    Jetzt steh ich ja überhaupt nicht unter Druck :S :rofl:


    Danke für eure Kommentare ^^

    Zitat von freya.griffin

    Argumente für den lebendgebärenden Greif, wie nun mal die Tatsache, dass das Hinterteil von einem Säugetier stammt, und außerdem evtl dem "Druck" eines Eis gar nicht angepasst ist?

    Da werfe ich mal das Schnabeltier ein - ein realexistierendes Säugetier, das Eier legt. Das geht aus biologischer Sicht also schon, solange die innere Anatomie darauf ausgelegt ist und sowas lässt sich bei Fantasykreaturen ja ziemlich einfach voraussetzen ^^

    Und ich glaube, du solltest auch mal wieder Kakao-Karten machen

    Joah :hmm: Ich hatte mir damals sogar haufenweise Material zusammengesammelt, das ich für die Karten verwenden wollte. Samtpapier und Strasssteinchen, etc. pp. Irgendwie habe ich den ganzen Kram dann vergessen.

    Heute gibt's nochmal einen Bilderspam, weil ich irgendwo all meine Kakao-Karten zusammenhaben möchte :hmm:

    Was das ist, kann man hier nachlesen.


    ✎ Bilderspam: Kakao-Karten

    Die Chronologie bekomme ich aber glaube nicht mehr zusammen :hmm: Eine Vorbemerkung: Die Karten sind durchweg mindestens 2 Jahre alt, teilweise sogar 4.


    Dann schauen wir mal ^^


    Kolja


    W-Wie bitte? Ein Mistkerl sollte er sein? Was hatte er verkehrt gemacht, dass Abigail so über ihn dachte?? Absolut überfordert ließ Kolja die Lawine an Vorwürfen über sich hinwegrollen, unfähig auch nur eine einzige Silbe davon zu begreifen. Wovon redete Abigail denn da bloß?! „Ich verstehe nicht, was du meinst…“, versuchte er dem Trommelfeuer eines Redeschwalls Einhalt zu gebieten; Abigail wurde dadurch jedoch noch wütender auf ihn und schlug einen Tonfall an, den Kolja bis zu diesem Tage niemals zuvor von ihr hören musste.

    „Tu nicht so!“ Vor Ärger ballte sie die Hände zu Fäusten. „Hältst du mich für einfältig? Ich weiß, was du für Spielchen mit mir treibst. Dass du absichtlich alles herabspielst und mich auf Abstand hältst, damit ich dir bloß nicht auf die Schliche komme!“ Fassungslos schloss Kolja den Mund. Sie auf Abstand halten? Ihm auf die Schliche kommen?? Halt. Sprach Abigail etwa von seiner Zuneigung für sie? Hegte sie deshalb einen Groll gegen ihn, weil er sich erst jetzt dazu bereit fühlte, seine Empfindungen mit ihr zu teilen? So musste es ein. Alles andere ergab keinen Sinn. Herrje, sie interpretierte seine Zurückhaltung ja völlig falsch! Nie wollte er ihr mit seiner Vorsicht weh tun, im Gegenteil. Kolja griff nach ihrer Hand. „Abigail, ich-… .“

    „Lass das!“ Mit einer rigorosen Handbewegung schleuderte sie seinen Annäherungsversuch von sich. Die Härte ihrer Geste traf Kolja schlimmer, denn eine zusammenstürzende Backsteinmauer. Gleich den fallenden Ziegeln, hagelten Abigails Anschuldigungen Wort um Wort auf ihn herab und drohten, Kolja unter ihrem Gewicht zu begraben. „Wie lange dachtest du, dieses Theater weiterzuführen?“, verlangte Abigail zu erfahren „Bis ich irgendwann die Hoffnung auf eine Antwort verliere und aufgebe?“ Eine Antwort? Worauf? Auf ihr Liebesgeständnis? Um Himmels willen, nein! Das hieß... doch, ja. Sein ursprünglicher Plan sah eben das vor, aber-... . Die Umstände hatten sich geändert. Kolja verstand Abigails Frustration darüber, so lange von ihm hingehalten worden zu sein. Blödsinn, er konnte sie ihr zu einhundert Prozent nachfühlen! In der Hoffnung, Aufrichtigkeit würde Abigails aufgebrachtes Gemüt besänftigen, gestand Kolja ihr: „Am Anfang dachte ich, das wäre das vernünftigste. Aber so funktioniert das nicht, das ist mir klargeworden.“

    Erschütterung eroberte Abigails Züge. „Dir... dir kommt das einfach so über die Lippen? Ohne einen Funken Reue?“

    „Versteh' das bitte, Abigail“, appellierte Kolja an ihr verständnisvolles Wesen, für das er sie lieben gelernt hatte. „Ich musste annehmen, du würdest das Interesse verlieren. Zwischenzeitlich sah es für mich danach aus und ich wollte uns beiden eine unangenehme Situation ersparen.“ Eindringlich suchte er den Blickkontakt zu ihr und versicherte Abigail in aller denkbaren Ehrlichkeit: „Dich anzulügen oder zu verletzen, lag nie in meiner Absicht.“

    Im Gegenzug für sein Bekenntnis wurde er angezischt: „Mich nicht verletzen? Und was ist mit Scott?“

    Mit...mit Scott? Plötzlich kam sich Kolja vor, als hätte Abigail ihm eine saftige Ohrfeige verpasst. Konsterniert entgegnete er der Wölfin Schweigen.

    „Er ist dein Freund!“, ermahnte sie ihn bestürzt. „Er verlässt sich auf dich und du trittst sein Vertrauen mit Füßen.“

    Was? Nein! Wie konnte Abigail nur solche Behauptungen aufstellen? Würde ihm nicht so extrem viel an seiner Freundschaft zu Scott liegen, dann hätte Kolja sich doch schon längst schamlos an Abigail herangemacht. Seine Beziehung zu Scott gehörte zu den Hauptgründen, aus denen er genau das unterließ. Черт возьми; verdammt noch mal! „Seinetwegen habe ich das doch alles getan.“

    In einer für Kolja qualvoll langsamen Bewegung schüttelte Abigail ungläubig ihren Kopf. „Ich habe dich völlig falsch eingeschätzt. Nicht nur, dass du mich angelogen hast, du hast auch noch Scott hintergangen! Und was ist mit Mister Hayes?!“

    Hayes? Jetzt verlor Kolja den Anschluss. Inwiefern bestand denn zwischen dem Kobold und Koljas Gefühlsleben ein Zusammenhang? Kolja blinzelte einige Mal stutzig und runzelte die Stirn, derweil Abigail ihn fortwährend beschuldigte: „Du hast ihm das Bein gebrochen! Seinen Geräteschuppen zu demolieren ist schlimm genug, aber ihn die Treppe hinabzustoßen - wie skrupellos kann ein Mann sein?!“

    …Moment, Kolja sollte Hayes die Treppe hinabgestoßen haben? Schlagartig dämmerte es ihm. Abigail redete gar nicht von ihnen beiden. „Du redest von Scotts Mannschaft?“

    „Selbstverständlich rede ich von Scotts Mannschaft!“, stieß sie aus. Anschließend packte sie Kolja am Handgelenk und drückte ihm unnötig forsch einen Gegenstand in die Hand. Endgültig verwirrt betrachtete Kolja das Objekt. Ein Fläschchen Feenstaub? „Da hast du es.“ Abigail deutete auf den Flakon, als würde er irgendetwas von dem erklären, was sie Kolja anlastete. „Das ist der Feenstaub aus Mister Hayes' Büro. Der Flasche fehlte der Deckel, erinnerst du dich? Und weißt du, wo ich ihn gefunden habe?“ Sie legte eine theatralische Pause ein. „In deinem Rucksack, Kolja! Das ist deine Flasche Feenstaub. Du hast die Stufen im Büro präpariert. Genauso wie du mit deiner Bärenkraft das Gerätelager aufgebrochen hast!“

    „Du hast in meinen Sachen herumgekramt?“, konfrontierte Kolja Abigail und hob den Blick vom Feenstaub. Was dachte sie sich eigentlich? Auf einmal rumpelte es im Obergeschoss; gleich darauf ertönte Kierans Stimme, „Nichts passiert! War bloß mein Staubsaug-Roboter!“ gefolgt von einem etwas leiseren „Schon wieder die falsche Frequenz.“ Staubsaug-Roboter? Wieso wunderte es Kolja kein bisschen, dass Abigails Bruder die Hausarbeit einer künstlichen Intelligenz überließ?

    Die Ablenkung wirkte nur kurz. Abigail fühlte sich im Recht, unerlaubt Koljas Eigentum zu durchwühlen und verschränkte die Arme. „Habe ich. Und es war absolut berechtigt, wie sich bewiesen hat. Du hast Scotts Mannschaft sabotiert!“

    Das durfte doch alles unmöglich wahr sein. Steckte Kolja in einer schlechten Telenovela fest, oder was lief hier gerade ab? Welcher Teufel hatte Abigail bloß geritten, so einen Unfug zusammenzuspinnen?! Entnervt rieb sich Kolja den Nasenrücken und kämpfte um seine Fassung, während er ihr möglichst nüchtern klarmachte: „Das ist nicht mein Feenstaub. Den Deckel habe ich heute Vormittag im Büro gefunden. Ich wollte ihn Hayes geben, weil ich annahm, er hätte ihn schon vermisst. Aber er wusste nichts von der Flasche, die ich dich eigentlich gebeten hatte, für ihn auf seinem Schreibtisch abzustellen.“ Ertappt verzog Abigail die Lippen. „Also habe ich ihn dir mitgebracht, damit du die Flasche wenigstens anständig verschließen kannst, wenn du schon meine Anweisungen ignorierst.“ Er warf Abigail den Flakon zu und ergänzte: „Du hast dich ja bereits bedient.“

    Anhand ihrer Mimik erkannte Kolja, dass Abigail ihm Glauben schenken wollte. Dennoch beharrte sie auf ihrer haarsträubenden Theorie, Kolja wäre der Übeltäter hinter einer non-existenten Verschwörung. „Trotzdem hast du den Mannschaftsschuppen demoliert. Streite es nicht ab! Außer dir ist niemand in der Lage, die schweren Türen aus den Angeln zu reißen.“

    „Richtig“, bestätigte er ihr trocken. „Ich habe das Lager aufgebrochen.“ Kolja hörte, wie Abigail nach Luft schnappte, doch bevor sich ihr die Gelegenheit bot, ihm mit weiteren Vorwürfen zu belegen, nahm er ihr den Wind aus den Segeln: „Weil Scott mich darum gebeten hat.“

    „Scott hat di-…“

    Unversehens schaltete sich der Fernseher ein und eine Nachrichtensprecherin quasselte übermütig drauf los. Offenbar spielte Kieran in seinem Zimmer mit seiner App herum und entgegen seiner Hoffnung funktionierte sie im Obergeschoss keineswegs besser, denn hier unten. Abigail fackelte nicht herum; sie fasste nach der Fernbedienung, die sich noch von vorhin in ihrer greifbaren Nähe befand, und schaltete das Gerät kurzerhand ab. Doch sie wurde erneut unterbrochen, da sich der Fernseher abermals verselbstständigte und dieses Mal kreischten ein paar halbnackte Sängerinnen ihr künstlich klingendes Gequieke in die Kamera. Mit dem bekannten Befehl via Fernbedienung brachte Abigail sie zur Ruhe. „Das ist die falsche Frequenz, Kieran!“ rief sie ihrem Bruder eine Etage höher zu. Kolja bezweifelte, der Teenager würde ihren Hinweis verstehen, allerdings ertönte sein gedämpfter Respons „Entschuldigung!“ und Abigail vollendete ihren Satz. „Scott hat dich darum gebeten?“

    Also klärte Kolja sie auf: „Bei dem Einbruch wurde die Tür des Lagers so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass sich die Flügel nicht mehr richtig öffnen ließen. Niemand ist mehr in den Schuppen hineingekommen, deshalb sollte ich die ganze Tür ausreißen, damit die Männer wenigstens ihre Ausrüstung rausholen konnten.“

    Zögerlich schaute Abigail aus großen Augen zu ihm hinauf, was Kolja unter anderen Bedingungen unfassbar niedlich gefunden hätte, und wollte wissen: „Ist das wahr?“

    „Moira hat Fotos davon geschossen. Und was sollte überhaupt mein Motiv sein?“

    Auf diese Frage hin rückte Abigail leicht verunsichert mit einer absurden Vermutung heraus, die Kolja niemals in den Sinn gekommen wäre: „...dass du unbedingt in die Mannschaft willst. Scotts Team sucht neue Spieler, aber du wurdest völlig übergangen, obwohl deine Rekrutierung die offensichtlichste Lösung ihres Problems bedeuten würde.“

    Herrschaftszeiten... „Abigail, ich will nicht in die Mannschaft. Ich interessiere mich überhaupt nicht für Fußball. Davon abgesehen wurde ich deshalb nicht gefragt, ob ich beitreten will, weil ich vor ein paar Jahren schon mal ein Probetraining absolviert habe. Was, wie ich dir vielleicht nicht erzählen brauche, ziemlich erfolglos für beide Parteien verlaufen ist. Hast du dir mal angesehen, wie Scotts Männer spielen? Wie ein Rudel hyperaktiver Pit Bulls auf Steroide. Mir würde einiges fehlen, solche unbeherrschten Aggressionen freiwillig auf regulärer Basis über mich ergehen zu lassen.“

    Daraufhin herrschte Stille.

    Dann löste Abigail unverhofft ihre verschlossene Körperhaltung und warf sich an Koljas Brust. „Ooh, Kolja! Verzeih mir bitte“, flehte sie gegen den Kragen seines Hemdes. „Bitte, bitte, bitte! Ich habe es nicht so gemeint, ehrlich! Es war falsch, dir das alles vorzuwerfen. Bestimmt hasst du mich jetzt! Bitte hass' mich nicht! Es tut mir wirklich leid!“

    Trotz seiner Überraschung über Abigails sprunghaften Sinneswandel, schloss Kolja sie intuitiv in seine Arme. Er versicherte ihr: „Ich hasse dich nicht.“

    „Sicher?“

    „Ja.“

    „Wirklich?“

    „Ja.“

    „Also bist du mir nicht böse?“

    Wie sollte er, wo Abigails Bitte nach Vergebung ihm doch so liebevoll die Halsbeuge kitzelte? Für ihn zählte nur eine Sache: Sie vergaß diese alberne Idee, irgendjemand – vor allem Kolja – trieb seinen Unfug mit der Mannschaft. „Nein.“ Sogleich spürte Kolja, wie sich Abigail etwas inniger an ihn presste. Blieb dennoch eine Frage. „Hast du ernsthaft angenommen, ich wäre zu all dem fähig?“

    Abigail blickte ihn an, da dröhnte der Fernseher neuerlich los und zog das Augenmerk der Wölfin auf sich. Dieses Mal war es Kolja, der dem Gerät kurzum das Signal abdrehte und so Abigails Aufmerksamkeit zurück auf seine eigene Person lenkte. Fragend sah er sie an.

    „Nein“, gestand sie beschämt. „Das heißt, ich wollte es nicht glauben. Ich konnte es mir nicht vorstellen. Aber dann hat alles so gut zusammengepasst und Gwen meinte, dass… .“ Ihre Erklärung blieb unvollendet; stattdessen weitete sie schockiert ihre Augen und fragte: „Denkst du, Gwen hat-…“

    „Nein“, schnitt Kolja ihr umgehend das Wort ab. Gar nichts hatte Gwen. „Gwen ist eine Klatschbase. Du darfst dich nicht von jeder ihrer Mutmaßungen mitreißen lassen, hörst du? Du hast eben erlebt, wohin das führt.“ Hoffentlich lernte Abigail etwas daraus und schenkte künftig keinen Verschwörungstheorien mehr ihren Glauben.

    Wie wundervoll es sich anfühlte, sie in seinen Armen zu halten. Kolja genoss Abigails Wärme sowie den sanften Druck ihrer Handflächen auf seinem Oberkörper. „Und du nimmst mir nicht übel, dass ich dich verdächtigt habe, ja?“, vergewisserte sie sich nochmalig, worauf Kolja ihr gern bestätigte:

    „Nehme ich nicht.“

    Seine Antwort zauberte ein Lächeln auf ihre Züge. „Gut! Kolja, ich bin so froh, dass jetzt wieder alles in Ordnung ist. Die Vorstellung, du könntest ein fieser Schurke sein, hat mich fix und fertig gemacht. Trotzdem habe ich eine Sache noch nicht verstanden. Wenn du vorhin nicht über Scotts Mannschaft geredet hast…“ Interessiert neigte Abigail den Kopf zur Seite, „worüber denn dann?“



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    „…und wenn du auf den Button klickst, nimmst du meine Herausforderung an und die Partie geht los.“

    „Diesen hier?“

    „Genau. Man kann auch gegen die KI antreten, aber das finde ich lahm. Sich mit echten Gegnern zu messen ist viel, viel spannender! So, ich habe eröffnet, jetzt müsste bei dir-…“

    „Schach.“

    Entgeistert schaute Kieran vom Smartphone auf. „Ernsthaft, Kol?“

    „Entschuldige. Ich dachte, du wärst so weit“, bat Kolja Abbys jüngsten Bruder um Verzeihung. Die zwei Polys saßen auf der Wohnzimmercouch von Abbys Eltern und probierten eine App aus, die es ihnen ermöglichte, über ihre Smartphones miteinander Schach zu spielen. Kieran vertrat die Auffassung, damit eine gute Ergänzung gefunden zu haben – für den Fall, dass sie sich aus irgendwelchen Gründen nicht mehr von Angesicht zu Angesicht treffen durften. Wobei Abby wirklich keine Vorstellung hatte, welche Szenarien Kieran im Kopf herumspukten. Als Polywelpe wurde er niemals mit Hausarrest bestraft und selbst wenn diese Maßregelung grundsätzlich für ihn in Frage käme, legte das Nesthäkchen der Familie sowieso ein tadelloses Benehmen an den Tag.

    Heimlich linste Abby durch den Türspalt ins Wohnzimmer. Andere zu belauschen zählte ganz und gar nicht zu ihren Gewohnheiten, doch wie sollte sie Kolja entgegentreten? Sollte sie ihn auf ihre Entdeckung ansprechen? Darauf, dass sie wusste, dass er und nur er allein die Tür zum Gerätelager aufgebrochen haben konnte? Dass er der Fußballmannschaft ihres Bruders – seines besten Freundes! – vorsätzlich Schaden zufügte und deswegen vermutlich ebenso hinter all dem anderen Unglück steckte? Ein Teil in Abby weigerte sich strickt, diese Annahme als die harte Wahrheit zu akzeptieren. Kolja war der beste Mann, dem sie je begegnen durfte. Friedliebend, geduldig, fair… diese Charaktereigenschaften ließen sich doch auf keinen Fall vortäuschen! Oder fiel Abby geradewegs auf eine falsche Fassade herein?

    Das Smartphone in ihrer Hand verkündete Abby vibrierend den Eingang einer neuen Nachricht. Sie rief den Chatverlauf mit Gwen auf und las, was der Sukkubus auf ihre Konversation geantwortet hatte:

    > Gwen: Schau mal, Schätzchen. Ich kann mir vorstellen, dass dich das alles belastet aber ich werde dieses Thema wirklich keine weiteren 4 Tage mit dir durchkauen. Ich behaupte nicht, richtig zu liegen. Ich stelle nur Verknüpfungen her. Kolja hat selbst gesagt, dass nur Personal in Hayes' Büro hineinkäme. Kolja gehört zum Personal. Den Kellner wäre ein Fremder im Büro aufgefallen, Kolja ist kein Fremder. Die Tür zum Lager wurde zerlegt wie ein Legobaukasten und Kolja ist in der Lage, das zu tun. <

    Abigail aktivierte die Textzeile und schrieb zurück:

    > Abby: Denkst du das wirklich?? <

    Die Anzeige der App meldete, dass Gwen einen Text verfasste. Solange sie auf diesen wartete, warf die Wölfin abermals einen Blick ins Wohnzimmer, wo Kieran Kolja versicherte, ihm dessen Blitzsieg keineswegs übel zu nehmen. Im Anschluss ging er dazu über, dem Bären die übrigen Funktionen des Programms zu erläutern und Kolja hörte ihm gewissenhaft zu, während er nebenbei einen Erdbeerjoghurt löffelte. Durch die Gläser seiner Brille hindurch beobachtete er, wie Kieran die Anwendung bediente. Auch wenn Abby es unglaublich attraktiv fand, wenn Kolja seine Brille trug, blieben ihre Augen unweigerlich an seinem Mund hängen. Denn Kolja ließ den Joghurtlöffel zwischen seinen Lippen auf und ab wippen, sodass der Stiel wiederholt gegen seine schöne Nasenspitze stupste. Das Hoch und Runter besaß etwas Hypnotisches, doch was Abby tatsächlich fesselte: Kolja redete währenddessen. Trotz der Beschäftigung seiner Lippen, drang seine Fragen an Kieran klar und deutlich hervor; kein Nuscheln oder Murmeln beeinträchtigten Koljas Aussprache. Wie machte er das bloß? Abby verlor ihre Sprachfähigkeiten ja schon beim Zähneputzen!

    Das Smartphone vibrierte erneut und präsentierte Abby Gwens Antwort.

    > Gwen: Ich halte es jedenfalls für wahrscheinlicher, als dass jemand mit einem Stromgenerator beladen zum Fußballplatz fährt und unbemerkt eine Stahltür mit einem Presslufthammer bearbeitet. < Es folgte sogleich eine zweite Nachricht.

    > Gwen: Oder womit auch immer. <

    Eilig glitten Abbys Finger über die digitale Tastatur. Wenige Sekunden später erschien ihr Wortlaut im Verlauf.

    > Abby: Aber was ist mit den beiden Spielern, die den Verein verlassen haben? Oder den Sponsoren? <

    > Gwen: Kolja flößt manchen Leuten schon Angst ein, wenn er sie freundlich anlächelt. Für ihn dürfte es keine Herausforderung darstellen, jemanden tatsächlich so sehr einzuschüchtern, dass er die Kurve kratzt. <

    Aber...! Was war mit-...! Und...!

    Abby resignierte. Es machte ja doch keinen Sinn. So sehr sie ihr Gehirn auch malträtierte - ihr fielen partout keine Argumente mehr ein, die für Koljas Unschuld sprachen. Fast hätte Abby drauflosgeheult. Das war so ungerecht! Ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem er sich endlich dazu entschloss, ihr seine Gefühle mitzuteilen, entpuppte Kolja sich als mieser Schuft! Was sollte Abby denn jetzt machen? Kolja war doch ihr Ein-für-alle-Mal.

    Unter Gwens letzter Nachricht tauchte eine weitere auf.

    > Gwen: Fass das nicht falsch auf. Ich mag Papabär und will ihm bestimmt nicht den Schwarzen Peter zuschieben. Aber womöglich beharrt er aus anderen Gründen auf eine Pechsträhne, als du bisher angenommen hast. < Was bedeutete, er hätte Abby gezielt manipuliert. Nie im Leben brachte er so etwas Hinterhältiges zustande!

    > Gwen: Ich muss jetzt zu einem Kunden. Zerbrich dir nicht zu sehr dein hübsches Köpfchen. Das raubt dir nur den Schlaf und macht Falten.< Ein Smiley zwinkerte Abby zum Abschied zu und warf ihr flirtend via Kussmund ein kleines Herzchen zu. Die Wölfin senkte ihr Telefon.

    'Zerbrich dir nicht dein Köpfchen', hatte Gwen ihr geraten. Wie sollte Abby das denn anstellen? Sie plante eine Zukunft mit diesem Mann aufzubauen, doch der Zwiespalt seinen Charakter betreffend zertrümmerte ihr Fundament für ein gemeinsames Leben. Nein! Abby sollte sich nicht den Kopf zerbrechen; sie musste es. Solange ein winziger Funken Hoffnung in ihr brannte, der bloße Zufall füge scheinbar alles wie ein Puzzle zusammen, durfte sie ihren Bären unter keinen Umständen aufgeben! Und es existierte nur einen Weg, Klarheit zu erlangen: Der fehlende Deckel. Fand Abby ihn unter Koljas Sachen, stand seine Schuld unumstößlich fest.

    Sie entfernte sich von der Wohnzimmertür und betrat die Küche. Auf dem Esstisch lagen ihre Matheaufgaben ausgebreitet, die Kolja mit ihr durchgehen wollte. Jedoch hatte sich Abby unter dem Vorwand, vorher dringend duschen zu müssen, davongestohlen.

    Kolja besaß die Eigenart, allzu gern seinen Rucksack fallen und an Ort und Stelle liegen zu lassen – zum Beispiel, wie heute Abend, auf dem Laminatfußboden der Küche. Bereits im Voraus schämte sich Abby zutiefst für das, was sie gleich tat aber es bestand keine andere Möglichkeit. Also nahm sie Koljas Rucksack, öffnete ihn und kramte blind darin herum. Es gab wenig zu ertasten; ihr fielen ein Portmonee und einen Schlüsselbund in die Finger. Mehr nicht. Wozu trug der Mann einen praktisch leeren Rucksack durch die Gegend? Was für eine Platzverschwendung.

    Abby fühlte sich schrecklich, so sehr in Koljas Privatsphäre einzudringen. Verlief ihre Suche ergebnislos, würde sie ihn auf jeden Fall dafür um Verzeihung bitten. Dann traf ihre Fingerkuppe auf etwas. Es schien klein und hart zu sein, mit einer Art Aushöhlung. Hektisch angelte Abby das Objekt hervor und… .

    Ein ekelerregender Kloß blockierte ihr die Luftzufuhr.

    Es war ein Deckel.

    Der Schraubverschluss einer kleinen Flasche. 'Bestimmt auch bloß ein dummer Zufall', versuchte Abby sich weißzumachen. Womöglich stammte er von etwas Anderem, einem Fläschchen Hustensaft oder Vitamindrops. Genau! Mit Sicherheit kränkelte Kolja und bekämpfte lediglich die ersten Anzeichen einer Erkältung. Um ihre Annahme zu beweisen, zog Abby aus ihrer Jackentasche ihren Feenstaub hervor. Sie fummelte Gwens provisorischen Papierballstopfen aus der Flaschenöffnung, setzte die Verschlusskappe darauf und drehte sie fest.

    „Nicht doch…“, wimmerte Abby leise, denn das Schraubgewinde im Glas, sowie das des Deckels waren miteinander kompatibel. Auch…auch das musste gar nichts heißen! Kolja konnte schließlich eine eigene Dosis Feenstaub gekauft haben. Als Spezialzutat für eines seiner köstlichen Gerichte. Ja, so musste es sein! Seine Flasche stammte aus derselben Charge, wie Abbys Beweisstück und nur deshalb passten Verschluss und Behältnis zusammen. Das Papiersiegel! Auf keinen Fall würden die zerrissenen Kanten einander zu einem intakten Siegel ergänzen. Also schraubte Abby mit nervösen Fingern den Deckel fest; so fest es ging, bis sich Ober- und Unterteil zu einem einwandfreien, unbestreitbar perfekten Ganzen zusammenfügten.

    Dieser…dieser Mistkerl! Abby widerstand dem Bedürfnis, doch am liebsten hätte sie diesen vermaledeiten Deckel schreiend durch die Küche geschleudert. Oder besser: Um Koljas Ohren. Gwen behielt Recht! Kolja hatte bei all dem wirklich seine Finger im Spiel. Verletzt betrachtete Abby das nunmehr vollständige Fläschchen Feenstaub, welches auf ihrer zitternden Handfläche ruhte. Wie konnte er seinem besten Freund nur so etwas antun? Und wie konnte er Abby nur so hereinlegen?! Wie dumm sie war. Ein Paar große, dunkelbraune Augen genügten und Abby ließ Kolja vor lauter Verliebtheit an ihren Strippen zupfen, als sei sie eine hirnlose Marionette.

    Die Gewissheit versetzte Abby tiefe Stiche ins Herz; aus der Wunde floss statt Blut Kummer hervor und ergoss sich gemeinsam mit ihrer Enttäuschung zu einer glucksenden Pfütze, die ihre Gefühle für Kolja ertränkte und transmutiert als Wut wiedergebar. Es reichte! Keine Sekunde länger sollte dieser Halunke annehmen, Abby zum Narren halten zu können. Verärgert warf Abby Koljas Rucksack auf den Küchentisch und stapfte zurück zum Wohnzimmer. Dieser Bär hatte sich mit der falschen Wölfin angelegt!


    „Die Oberfläche ist echt benutzerfreundlich. Ich habe mich sofort zurechtgefunden und-… hey Abby. Da bist du ja wieder“, unterbrach Kieran seine Einweisung und Abby bemühte sich, einen gefassten Eindruck zu hinterlassen. Ungern würde sie vor den Augen ihres kleinen Bruders eine Szene veranstalten. Ihr Schauspiel wirkte, denn Kieran plauderte arglos drauf los: „Ich zeige Kol gerade meine tolle, neue App!“

    „Die Schach-App?“ Sie heftete ihren Blick absichtlich voll und ganz an den Teenager. Kolja eines Blickes zu würdigen, erschien Abby gerade schier unmöglich.

    „Nein, mit der sind wir durch. Ich meine die App, die Niall für mich programmiert hat. Damit kann ich alle Geräte im Haus bedienen, die über Bluetooth oder Funk gesteuert werden. Papas Stereoanlage, beispielsweise. Ich demonstriere es euch.“ Die Finger des Welpen wischten eifrig über das Display seines Smartphones. Im Anschluss sah er erwartungsvoll zu den Lautsprecherboxen empor, die für das optimale Sounderlebnis hoch oben auf der Anbauwand des Wohnzimmers platziert standen. Allerdings drang kein einziger Laut aus ihnen hervor. Kieran runzelte verwirrt die Stirn und startete einen zweiten Versuch, mit seinem neuen Spielzeug anzugeben. „Ich probiere es nochmal. Moment.“

    Seine Fingerspitze traf auf die Schaltfläche. Dieses Mal wurde der Raum tatsächlich von Geräuschen ausgefüllt; entgegen Kierans Ankündigung dröhnten sie jedoch keineswegs aus den dunklen Kästen, die von oben auf Abby herabglotzten. Stattdessen hatte sich der Fernseher angeschaltet und irgendeine wahllose Werbeanzeige flimmerte über den Bildschirm. „Ups, das sollte nicht passieren. Ich mache den Fernseher wieder aus. Ein Klick auf denselben Button genügt dafür. Passt auf!“ Kieran klickte.

    Der Fernseher blieb an.

    „Oh… also das ist merkwürdig. Gebt mir eine Sekunde, ich krieg das hin!“ Mehrmals tippte Kieran auf seinem Smartphone herum, ohne, dass das Fernsehgerät eine Reaktion zeigte. Normalerweise verdarb Abby ihren Bruder selten vorsätzlich den Spaß, aber heute Abend stand ihr der Sinn wirklich in keiner Weise nach seinen Spielereien. Sie griff daher nach der Fernbedienung und stellte das TV-Gerät eigenmächtig durch einen Druck auf die entsprechende Taste ab. Schlagartig kehrte Ruhe im Wohnzimmer ein.

    „Manchmal hat die App noch ihre Probleme, die richtigen Frequenzen zuzuordnen“, räumte Kieran schief lächelnd ein. „Niall arbeitet daran.“

    „Das ist nett, Kieran.“ 'Aber gerade interessiert mich das überhaupt nicht'. Unter einem Scheingrund schickte Abby ihren Bruder auf sein Zimmer. „Probiere das bitte oben weiter aus, ja? Kolja und ich wollen uns auf meine Matheaufgaben konzentrieren.“ Was für eine himmelschreiende Lüge. Als ob Abby auch bloß einen Fetzen Konzentration für irgendwelche Zahlen und Formeln aufbringen konnte. Der Kleine schluckte ihre Schwindelei und erhob sich von seiner Sitzgelegenheit auf der Couch.

    „Ist gut. Gleich startet sowieso einer meiner Lieblings-YouTuber einen Livestream. Hey, Kol! Schau dir das an. Ich kann von hier unten aus meinen Laptop hochfahren, dann ist er schon einsatzbereit, wenn ich oben bin.“ Wieder aktivierte Kieran irgendwelche Funktionen in seiner App, da dudelte im Nebenraum Musik los. Offenbar hatte er die Frequenz des kleinen Radios im Badezimmer erwischt, dem Abbys Mutter immer lauschte, wenn sie ein Entspannungsbad nahm. Schuldbewusst hob Kieran die Achseln. „Ich geh es besser Mal ausmachen“, sagte er und las wohl Abbys Gedanken: „Auf die herkömmliche Weise. Vielleicht klappt es im Obergeschoss ja besser mit den Frequenzen. Übrigens habe ich Niall darum gebeten, mir zu zeigen, wie ich die Waschmaschine und den Geschirrspüler mit Bluetooth ausstatte. Dann kann ich beides bequem von meinem Zimmer aus bedienen. Das wäre echt klasse!“ Endlich verabschiedete sich die kleine Schnattertasche. „Wir sehen uns, Kol. Und viel Erfolg bei der Nachhilfe.“

    So verschwand Abbys Bruder ins obere Stockwerk des Hauses und ließ Abby und Kolja miteinander allein. Noch vor wenigen Tagen wäre sie überglücklich über diesen Zustand gewesen. Allein zu sein mit Kolja… . Davon durfte jetzt keine Rede mehr sein. Streng blickte sie den Bären an, während der seinen leergekratzten Joghurtbecher sowie den abgeschleckten Löffel auf den Couchtisch schob.

    „Er ist genauso faul wie Scott“, kommentierte er Kierans Pläne in Richtung Türrahmen, durch den der Teenager den Raum verlassen hatte. „Aber dafür schlau genug, moderne Technik für sich auszunutzen.“ Danach stand er von seinem Sitzplatz auf. Natürlich tat er das. Schließlich fiel er dem Irrglauben zum Opfer, Abby wolle allen Ernstes dumme Rechenaufgaben lösen. Ihm verging sein hinreißendes Lächeln, nachdem er Abbys Kleidung einer kurzen Musterung unterzog. „Wolltest du nicht duschen?“ Dann bemerkte Kolja den vorwurfsvollen Ausdruck in ihrem Gesicht und fragte verunsichert: „Stimmt etwas nicht?“

    Ob etwas nicht stimmte?

    Ob etwas nicht stimmte?! Dieser Mann besaß tatsächlich die Nerven, ihr diese Frage zu stellen?! Unglaublich! Seine Dreistigkeit schlug mit Volldampf auf den großen, roten Knopf, der dem sinnbildlichen Arsenal an Bomben in Abbys Brust den Befehl zur Zündung erteilte und Abbys Selbstbeherrschung mit einer fatalen Explosion in die Luft sprengte. Wie ein Vulkan seine Lava, spie Abby Kolja ihre brodelnden Gefühle entgegen: „Du bist ein verlogener Mistkerl!“ Erschrocken riss Kolja die Augen auf. Gut so! Er verdiente diesen Schlag vor den Kopf! „Die ganze Zeit hast du den Ahnungslosen gespielt und so getan, als wäre nichts. Dabei wusstest du von Anfang an Bescheid“, schimpfte Abby. „Du hast mich an der Nase herumgeführt. Wahrscheinlich hast du dir sogar noch einen Spaß daraus gemacht, zuzusehen, wie ich im Dunkeln tappe und mich hinter meinen Rücken auch noch für meine Bemühungen ausgelacht!“


    nächster Teil

    Guten morgen und danke für eure Kommentare!


    Ich kann mir nicht helfen, Gwen ist mir unsympathisch. Ständig vermute ich, dass sie was Schlimmes plant ...

    So wie Colin von Moira abzulenken? :grinstare: :D Nur ein Scherz ^^


    Dabei hatten wir das ja schon, dass Gwen auf Kolja etc. kaum noch Wirkung hat, weil sie zu viel in deren Nähe rumhängt

    Richtig, Kolja und Scott halten sich fast täglich in ihrer Nähe auf, deswegen hat Gwens Aura keine Wirkung mehr - im Gegensatz zu Colin, der Gwen erst vor 2 bis 3 (intext)Wochen kennen gelernt hat.


    Aber bei Kolja gibt sie so schnell auf?!

    Schauen wir mal, ob sie das tut ^^


    :grinstare:

    :grinstare:

    Guten Morgen und danke für deine Kommentare, Eti ^^ Und vor allem für das Lob :>


    Da sind immer mal wieder ziemlcih intelligente Sätze drin.

    Danke schön <3


    Ansonsten warte ich jetzt nur darauf, was in der Garage abgehen wird

    :grinstare: Ja, schauen wir mal was in der Garage passiert :D


    Sie kommt mir von den allen noch am "unfreakigsten"(?) vor

    Das stimmt. Hazel kommt vom Mainsquad am menschlichsten rüber. Im Gegensatz zu der Polybande bzw. Moira hat sie keine "anatomischen" (also so was wie eine zweite Gestalt oder Moiras Stimmenvolumen) Offensichtlichkeiten. Ihre Fähigkeiten bleiben unbemerkt :hmm:

    Neulich habe ich eine ähnliche Unterhaltung mit Miri geführt. In der ging es aber darum, welcher Freak vom Charakter her am "normalsten" ist :D Da hat Hazel dann wieder nicht so gut abgeschnitten :rofl:

    Abigail


    Sprachlos schaute Abby Kolja nach, die Hand auf ihrer pochenden Brust abgelegt und von der anderen umfasst – ein kläglicher Versuch, die Berührung zu ersetzen, die Kolja ihr viel zu zeitig entzogen hatte. Ein Funken Restwärme erinnerte an seine zärtliche Geste, doch sie war nichts im Vergleich zu der Hitze, die Abby seinetwegen zu Kopf stieg. Wie einen Heißluftballon füllte sie ihre Wangen, bis Abby mit dem Eindruck zu schweben vom Boden abzuheben schien. Sie biss auf ihre Unterlippe. Dann verselbstständigten sich ihre Füße, tippelten überdreht auf der Stelle und entluden ihre Energie in einem kleinen Hüpfer, gefolgt von einer schwungvollen Pirouette um die eigene Achse. Abby jauchzte glücklich. Oh, wie wundervoll! Endlich traute sich Kolja, ihr seine Gefühle zu offenbaren! Das hieß, direkt gebeichtet hatte er ihr seine Liebe noch nicht, allerdings durfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis er ihr endlich sein Herz öffnete. Was sollte er sonst damit meinen? 'Wir reden ein anderes Mal weiter.' Ganz gewiss plante Kolja, ihr in romantischer Atmosphäre seine ewigwährende Zuneigung zu gestehen. Im Anschluss würde er Abby in seine starken Arme ziehen und mit ihr in ihren ersten, leidenschaftlichen Kuss versinken, aus dem keiner von ihnen je aufwachen wollte. Hach! Am liebsten hätte Abby die ganze Welt umarmt. Für sie konnte 'ein anderes Mal' gar nicht zeitig genug eintreten!

    „Wenn dein Rumgehampel so was wie ein Paarungstanz sein sollte – das Subjekt deiner Begierde hat nicht hingesehen.“

    Abby drehte sich zu der Stimme um. „Oh, Gwen! Da bist du ja“, hieß sie ihre Freundin willkommen. Kein liebestrunkener Verfolger hing ihr an den Fersen. „Wie bist du die Feen losgeworden?“

    „Die zwei Pappnasen sind mir bis zur Bushaltestelle nachgetapst, also bin ich in die Linie Richtung Kildare gestiegen und als die Trottel im Bus waren, zur Hecktür rausgesprungen.“ Der Sukkubus zuckte ungerührt mit den Schultern. „Die nächste Haltestelle kommt erst in einigen Kilometern. Heute sehen wir die beiden nicht wieder.“

    Na so was. Wie unheimlich schlau von Gwen! Abby hätte ihr zu ihrem gewitzten Manöver gratuliert, aber sie musste ihr ganz dringend von den wunderbaren Ereignissen berichten, die sich während ihrer Abwesenheit zugetragen hatten. Freundschaftlich ergriff sie Gwens Arme. „Gwen, Kolja hält mich nicht für seine Schwester!“

    „Glückwunsch, Süße. Für achtundneunzig Prozent der Weltbevölkerung gehört das zu den Grundvoraussetzungen für eine intakte Beziehung.“

    „Ich bin ja so glücklich!“, schwärmte Abby. „Weißt du, Gwen? Erst dachte ich, du hättest dich geirrt, was Koljas Gefühle für mich angeht, nachdem er bei meinem Versuch, ihn zu küssen, zur Salzsäule erstarrt ist. Wahrscheinlich habe ich ihn einfach nur überrumpelt. Wenn wir das nächste Mal allein miteinander sind, wird er mir seine Liebe gestehen. Da bin ich mir sicher!“ Vor Vorfreude auf diesen Moment schlug Abby die Hände zusammen. „Und danach werden wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen. Kolja ist mein einzig wahres Ein-für-alle-Mal, ich weiß es! Bei keinem Mann, für den ich je geschwärmt habe, hat es sich so vollkommen angefühlt, wie mit ihm.“ Automatisch suchte und fand Abbys Blick ihren Liebsten unter den Zuschauern. Er stand bei Moira hinter den Spielfeldbarrikaden und verfolgte das Spiel. Was für ein stattlicher Mann ihr Kolja doch war. Was tat Abby überhaupt noch hier? Sie gehörte an seine Seite!

    „Das ist echt schön für dich“, meinte Gwen neben ihr. Aber: „Bevor du geistig schon mal dein Hochzeitskleid aussuchst, solltest du dich vielleicht doch noch mal kurz von Papabär losreißen. Ich glaube, ich habe da was gefunden, was dich brennend interessiert.“

    „So?“

    Gwen nickte und deutete über ihre Schulter hinweg auf einen Punkt abseits des Spielfeldes. „Das Gerätelager des Vereins. Du weißt schon. In das eingebrochen wurde. Ich dachte, du willst es dir vielleicht ansehen.“

    Das Gerätelager? Selbstverständlich! Bestimmt ließen sich darin einige Hinweise auf den Saboteur der Fußballmannschaft sammeln. Weiterer Feenstaub, zum Beispiel, oder andere verräterische Spuren, die den Kreis der Verdächtigen eingrenzten. Daher antwortete Abby: „Unbedingt! Wo finde ich es?“

    „Komm mit“, wurde sie von Gwen aufgefordert. „Ich zeige es dir.“


    Das Gerätelager des Vereins grenzte an die Umkleideräume der Spieler an. Es lag daher ein wenig abseits des Geschehens, erlaubte allerdings dennoch eine freie Sicht auf das Spielfeld. Weil das laufende Match die allgemeine Aufmerksamkeit fesselte, fühlte sich Abby gänzlich unbeobachtet, als Gwen sie hinter den Zuschauerrängen vorbei- und zu ihrem Ziel lotste. „Willst du dir denn nicht das Spiel ansehen?“, fragte Abby, während sie dem Sukkubus über das Gelände folgte und befürchtete, ihrer Freundin die Zeit zu rauben. Schließlich war Gwen wegen Colin und ihres Interesses an der Sportart hier.

    Sie winkte ab. „Das Spiel dauert neunzig Minuten. Ich werde noch genug Zeit haben, deinen Brüdern dabei zuzusehen, wie sie in kurzen Hosen über den Rasen flitzen. Außerdem bin ich neugierig geworden. Ich will auch wissen, was vor sich geht.“ Hieß das, Gwen schloss sich Abbys Nachforschungen an? Das war ja toll! Zu zweit gaben sie sicher ein fabelhaftes Gespann ab, so wie Meisterdetektiv Sherlock Holmes und sein kluger Helfer Dr Watson. Jetzt brauchten sie sich nur noch darüber einig sein, wer von ihnen welche Funktion übernahm. Mh… Abby konnte keinen Doktortitel vorweisen, also kam für sie nur die Rolle des Mr Holmes in Frage – jedoch traf das ebenso auf Gwen zu und im Gegensatz zu dem Sukkubus besuchte Abby zumindest das College. Oder besaß Gwen etwa einen Collegeabschluss? Und wenn ja, worin? Zur passenden Gelegenheit würde Abby ihre Freundin darauf ansprechen. Nun wollte sie aber ersteimal von ihr erfahren: „Wer, denkst du, könnte hinter all dem stecken?“ Vielleicht wies Gwen ja eine schlüssige Theorie vor.

    „Keine Ahnung“, räumte diese ehrlich ein. „Ich kenne nicht genug Leute, um mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Meinen Kundenstamm mal ausgeklammert. Dein Feenstaub dürfte dahingehend die beste Fährte sein, die du hast.“

    „Meinst du?“

    „Meine ich.“ Gwen deutete auf Abbys Tasche. Woher ahnte sie bloß, dass Abby das Fläschchen darin transportierte? „Du hast die Flasche gefunden aber nicht den Deckel dazu. Im Umkehrschluss heißt das: Wer auch immer den Feenstaub in Hayes' Büro verloren hat, ist wahrscheinlich noch in seinem Besitz. Finde ihn und du findest deinen Saboteur. Oder zumindest denjenigen, der sich an den Stufen zu schaffen gemacht hat.“

    Das klang einleuchtend. Trotzdem hegte Abby Zweifel. „Glaubst du nicht, derjenige hätte den Deckel schon längst entsorgt? Also ich würde keinen losen Deckel aufheben, vor allem kein Beweisstück eines Sabotageaktes.“

    „Ich weiß nicht“, gab Gwen ihr zu bedenken. „Ich würde ihn wahrscheinlich behalten, um besser unter Kontrolle zu haben, wem er in die Hände fällt. Wer weiß, von wem er aus der Mülltonne gefischt wird.“ Stimmt. So betrachtet machte es natürlich Sinn, das lose Stück Plastik aufzubewahren. Leider fehlte Abby dennoch jeglicher Anhaltspunkt, wo sie ihre Suche beginnen sollte. Na, mit etwas Glück änderte sich das gleich. Denn die Frauen erreichten just das aufgebrochene Gerätelager des Fußballvereins.

    Um ehrlich zu sein, rief die Bezeichnung 'Gerätelager' eine gewisse Vorstellung in Abbys Kopf hervor; von einem gepflegten, geräumigen Gebäude mit gut strukturiertem Regalsystem und genug Platz für alles, was die Mannschaft für ihr Training benötigte. Doch dieses Bauwerk verdiente höchstens die Betitlung einer Baracke - ein winziger Anbau aus zurechtgezimmerten Holzplanken mit einem geflickten Asphaltdach. Dass bei der geringen Grundfläche überhaupt ein Fenster existierte, wunderte Abby beinahe, wobei sich durch die enge Öffnung nicht einmal ein zartes Geschöpf wie Moira hindurchzuzwängen vermochte. „Was für eine merkwürdige Tür“, beurteilte Abby die beiden schweren Stahlflügel, die viel zu wuchtig für den schmalen Türrahmen erschienen, und zielte mit ihrer Einschätzung keineswegs auf die vielen Dellen im Metall ab, oder darauf, dass einer der Flügel vollständig entfernt an der Holzfassade lehnte.

    Gwen erklärte ihr: „Das ist nicht die originale Tür. Die war schon kaputt, als die Mannschaft den Schuppen übernommen hat, also hat Colin zwei herumliegende Platten zurechtgeschweißt und ein Schloss eingebaut.“ Schulterzuckend fügte sie hinzu: „Eigentlich hätte das ausreichen sollen.“

    „Hat Colin dir das erzählt?“ Oder woher bezog Gwen ihre Informationen?

    Der Sukkubus verneinte kopfschüttelnd. „Hayes. Er lebt immer noch mit der Illusion, mich beeindrucken zu können. Deswegen musste ich mir lang und breit anhören, wie er der Platzverwaltung das Nutzungsrecht dieser Rumpelkammer aus dem Kreuz geredet hat und sie von Colin nutzbar gemacht wurde.

    Ja, solche Projekte passten zu Abbys Bruder. „Colin hatte schon immer sehr geschickte Hände.“

    „Darauf möchte ich wetten.“

    Abby ließ die Tür links liegen und schob sich an dem verbleibenden Flügel vorbei ins Innere des Lagers. Sonnenlicht fiel durch die Fensterscheibe hinein und diente frisch aufgewirbelten Hausstaub als Rampenlicht für seinen heiteren Balletttanz. Hausstaub. Kein Feenstaub! „Hier ist ja gar nichts drin“, musste Abby feststellen. Weder Bälle, noch bunte Hütchen oder… na ja… womit auch immer man das Fußballspielen trainierte. Bloß ein paar alte Bretter standen herum, sowie Metallteile; vermutlich die Überbleibsel von Colins improvisierter Türenkonstruktion. Das waren ganz schön wenig Sportgeräte für eine aktive Mannschaft! Von draußen hörte Abby Gwen sagen: „Natürlich nicht. Einiges wurde geklaut und den Rest ihrer Ausrüstung haben die Männer anders untergebracht. Ein offenstehender Schuppen lädt ja förmlich dazu ein, von Dieben leergeräumt zu werden.“ Dem konnte Abby schwerlich widersprechen. Nun gut. Schlussendlich beabsichtigte sie eh keine Inventur der gegenwärtigen Vereinsausstattung durchzuführen. Sie befand sich auf der Suche nach Beweisen! Die Wölfin reckte ihre Nasenspitze und analysierte die eingehenden Gerüche. Nahm sie da etwa eine süßliche Note wahr? Mh, nein. Zu früh gefreut. In der abgestandenen Luft schwebte lediglich der Mief verschwitzter Poly-Männchen, vermischt mit den Ausdünstungen muffigen Holzes und eines kalten Betonfundamentes. Hmpf. Wie unbefriedigend.

    „Wie sieht's aus?“, erkundigte sich Gwen.

    Ernüchtert rief Abby ihr zu: „Hier gib es nicht mal Schmutz.“ Was Abby wenig überraschte, wo doch Colin einen maßgeblichen Anteil an der Instandsetzung dieses Schuppens leistete. Ungünstiger Weise bedeutete sein Ordnungsdrang für Abbys Untersuchungen, dass eventuelle Spuren bereits der Gründlichkeit ihres Bruders zum Opfer gefallen waren. Verflixt! Dabei hatte sie auf die gleichen Feenstaubkleckse gehofft, wie die in Hayes' Büro. Wäre Scott für das Lager verantwortlich, hätte Abby mit Sicherheit noch welche gefunden - zusammen mit dem Dreck der vergangenen Dekade.

    Nein, hier drinnen wurde Abby keinen Deut schlauer. Was für ein Reinfall. Sie verließ das Gerätelager also wieder und trat zu Gwen an die frische Luft. „Das war keine sehr ergiebige Suche“, beklagte die Wölfin.

    „Findest du?“ Gwen legte den Kopf schief. „Also ich finde den Zustand der Tür äußerst aufschlussreich.“

    Die Tür? Abby drehte sich zu ihr um und musterte das eingedellte Metall. Was sollte denn an diesem demolierten Ding aufschlussreich sein? Jemand hatte mit aller Gewalt darauf eingeschlagen, so viel wusste Abby festzustellen. Doch diesen Zustand sollte man erwarten, nachdem ein Einbruch verübte wurde. Die Täter schienen wahrlich entschlossen gewesen zu sein, denn abgesehen davon, den einen Türflügel brachial aus den Angeln gerissen zu haben, hatten sie den zweiten buchstäblich wie einen Duschvorhang zusammengefaltet.

    Unaufgefordert ging Gwen ins Detail. Sie klopfte mit den Knöcheln ihrer Finger gegen das Metall und sagte über das dumpfe Trommeln hinweg: „Das ist Stahl. Das bekommst du nicht einfach mit einer Brechstange verformt, geschweige denn mitsamt Scharnieren aus seiner Halterung herausgerissen. Wer auch immer sich daran zu schaffen gemacht hat, musste enorm viel Kraft dafür aufwenden.“

    „Die Einbrecher haben spezielle Maschinen benutzt, meinst du?“ So etwas wie einen Presslufthammer? Die Vorbereitung, die dafür nötig wäre, sprach gegen eine spontane Nacht-und-Nebel-Aktion, denn wer führte schon stets und ständig derart schweres Werkzeug bei sich? Also doch ein gezielter Angriff auf das Eigentum des Vereins!

    „Entweder das…“, stimmte Gwen ihr zu, „oder dein Einbrecher ist übermenschlich stark.“

    Jetzt wurde Gwen aber albern. Übermenschlich stark, auf wen sollte diese Eigenschaft denn zutreffen? Der Sukkubus positionierte sich vor dem zusammengestauchten Türflügel und legte ihre Hand auf das Epizentrum der Zerstörung. Dazu hob sie ihren Arm. „An dieser Stelle hat er zugedrückt. Er ist also größer als ich. Zwanzig bis dreißig Zentimeter, schätze ich.“ Sie beendete ihre Mutmaßungen mit dem abschließenden Kommentar: „Was für ein Riese.“

    Bei aller Freundschaft - dieser Vermutung konnte Abby sich nun wirklich nicht anschließen. Ein Riese mit stahlbeugenden Kräften. Wie absurd! „Ich glaube, du irrst dich, Gwen. So jemanden gibt es hier nicht. Wenn, dann hätte ich bestimmt schon von ihm gehört. Weil er…“

    „Stahl verbiegt?“, vervollständigte Gwen ihren Satz und Abby nickte.

    „Genau. Oder weil er… .“

    „Problemlos einen ausgewachsenen Mann stemmt?“

    „Ja, beziehungsweise-…“

    „weil er Rasentraktoren werfen kann?“

    Wie kam Gwen denn bloß auf diese Beispiele? „Das auch und-…“

    „Und einen Kleinwagen anhebt, um einen Ball darunter hervorzuholen.“

    Abby schloss ihren Mund. Wo-worauf wollte Gwen hinaus?

    Der Sukkubus schickte einen Fingerzeig zum Spielfeld und noch ehe Abby sich folgeleistend umdrehte, fühlte sie eine unsagbare Übelkeit in ihrem Hals aufsteigen, als müsste sie jeden Augenblick ihr verblutendes Herz hervorwürgen und vor die eigenen Füße speien, wo es wie ein gestrandeter Fisch hilflos zappelnd verendete. Das-… das meinte Gwen unmöglich ernst! Bestimmt dachte ihre Freundin an eine andere Person und Abbys Gedanken schlugen lediglich falsche Bahnen ein. So musste es sein. Ganz sicher! Sobald sich Abby umwandte, würde ihr Augenmerk auf irgendjemanden fallen. Auf jemanden, bei dessen Anblick ihr nicht das liebende Herz entzweibrach.

    Abbys Augen folgten der richtungsgebenden Geste.

    Und etwas in ihr starb. Denn das Gewicht von Gwens schuldzuweisender Fingerspitze lastete auf dem breiten Kreuz des eines Mannes, der gerade in Demonstration seiner Stärke Moira für ein Foto auf den Schultern trug.

    Kolja.

    Mit zitternden Lippen sah Abby zu Gwen.

    Nein!



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    Ich wollte mir die Acrylfarben mal ansehen aber die Bestände hier sind bereits restlos ausverkauft oO Das Fach war geplündert, nicht mal eine aufgebrochene Packung lag noch da. Dabei gilt das Angebot erst seit heute.


    Trotzdem habe ich mir ein paar Leinwandpostkarten mitgenommen. Aus der ScrawlrBox habe ich nämlich noch ein paar Heavy Body Acrylfarben, die ich endlich gern benutzen würd, ganz zu schweigen von meinen wasserlöslichen Ölfarben. Jetzt müsste ich nur noch Kreativität entwickeln.

    „Das war wirklich knapp“, stimmte Moira ihm zu, sichtlich über den glimpflichen Ausgang erleichtert. Knapp, ja. Definitiv. Ein Schritt näher und Kolja wäre-… Egal. Gwen hatte ihnen aus der Klemme geholfen und Kolja spürte die Verspannungen aus seinen Muskeln weichen. Für Abigail sollte das Ganze jedoch noch ein Nachspiel haben, denn Scott fuhr seine Schwester an:

    „Bist du bescheuert?! Ich hab' dir gesagt, du sollst die Klappe halten!“

    „Diese Fieslinge hatten es auf Kolja abgesehen!“, rechtfertigte Abigail ihren Leichtsinn. „Sollte ich etwa tatenlos daneben stehen bleiben und so tun, als wäre nichts?“

    Kolja schmolz das Herz. Seinetwegen riskierte Abigail Ärger mit den Feen; außer Scott bewies sonst niemand solche Opferbereitschaft für ihn. Trotzdem: Sie verdiente die Zurechtweisung, wenngleich Kolja einen weit weniger ruppigen Umgangston dafür gewählt hätte. Ein bisschen versetzte ihn dieser Umstand in eine Zwickmühle. Einerseits wollte er für Abigail einstehen und ihr zeigen, wie viel ihm ihr Beistand bedeutete. Andererseits focht Scott gerade einen geschwisterlichen Disput mit ihr aus und aus diesen hatte Kolja sich rauszuhalten. Im Endergebnis starrte er nichtsnutzig auf die eigenen Füße und Scott stauchte seine Schwester weiter zusammen:

    „Das waren die Feen, verdammte Scheiße! Drauf geschissen, wen die auf dem Kieker haben!“

    „Mir ist egal, wer sie sind. Jemand musste ihnen die Meinung sagen!“

    „Deine Standpauke interessiert die einen Dreck“, konfrontierte Scott sie mit den Tatsachen. „Abby, diese Typen geben O'Rourke und seinen Männern auf die Schnauze. Ein Mädchen wie dich fressen die zum Frühstück.“

    „Aber-...“

    „Kein Aber.“ Scott unterstrich die Endgültigkeit seines Machtwortes mittels einer entsprechenden Handbewegung. „So eine dämliche Aktion will ich nie wieder von dir sehen. Du hast dich gefälligst von den Feen fernzuhalten. Punkt, fertig, aus!“

    Darauf leistete Abigail keine Widerrede mehr. Trotzig überkreuzte sie die Arme und ihre Lippen formten diesen süßen Schmollmund, den Kolja liebend gern mit mehr nachfahren würde, denn bloß seinen Augen. Seine Phantasie glitt in eine Vorstellung ab, in der seine Daumenspitze zärtlich über die Konturen strich und… und dann riss Colin ihn aus seiner Traumwelt.

    „Was wollten die Pilzköpfe überhaupt von dir?“

    „Sie behaupten, ich nehme ihnen die Jobs weg“, gab Kolja die fragwürdige Begründung der Feen wieder, aus der sie meinten, ihm auf die Nerven gehen zu müssen und Colin reagierte mit angebrachtem Unverständnis:

    „Häh? Sind die behämmert? Krepiert denen zwischen Litha und Samhain endgültig das Hirn weg, oder was?“

    „Na ja“, warf Scott ein. „Technisch gesehen hat Kolja das wirklich gemacht.“ Als der Wolf in der Folge von seinen Freunden skeptisch angeschaut wurde, rekapitulierte er für Kolja: „Die Tussi mit den bunten Haaren, Oonagh, die hat vor dir als Köchin im Tír na nÓg gearbeitet. Hayes hat sie rausgeschmissen, damit du ihren Job übernehmen kannst.“

    Davon hörte Kolja zum ersten Mal. Bis jetzt ging er immer davon aus, seine Stelle wäre damals schlichtweg frei gewesen – ein glücklicher Umstand zu jener Zeit, dank dem Kolja Fuß fassen konnte. Dass ein anderer Mitarbeiter dafür gehen musste, wurde nie erwähnt.

    „Das ist sieben Jahre her“, betonte Moira kritisch, „und Kolja kann auch gar nichts dafür, schließlich war es Mister Hayes' Entscheidung, diese Oonagh zu entlassen.“

    „War auch nicht unberechtigt, das zu tun. Den Fraß, den die zusammengerührt hat, konnte man niemanden vorsetzen.“ Es schüttelte Scott. „Die hat alles anbrennen lassen oder das Zeug halbroh auf die Teller geklatscht. So was will niemand essen. Du kamst Hayes also ganz recht, um die Pfeife endlich abzusägen.“

    „Und mal ganz ehrlich“, meinte Colin, „wenn 'n Kerl mit Sprachbarriere und ohne passende Berufsausbildung ankommt und trotzdem 'nen besseren Job abliefert, als man selbst, verdient man's, auf die Straße gesetzt zu werden. Nichts für ungut, Großer.“ Gleichgültig zuckte Kolja mit den Schultern. Wo Colin Recht hatte, hatte er Recht.

    Moira fasste es treffend zusammen: „Es ist echt arm, Kolja zum Sündenbock zu machen.“

    „Die Feen sehen in Kolja eine lebende Erinnerung an das eigene Versagen, dessen Ursprung sie, mangels der Fähigkeit zur Selbstreflektion, auf eine Komponente außerhalb ihrer Einflussmöglichkeiten übertragen. In diesem Fall bedeutet das, den unmittelbaren Nutznießer des Misserfolges zur Verantwortung zu ziehen und ihn eine aktive Manipulation zu unterstellen, damit man sich weiterhin vor den eigenen Unzulänglichkeiten verschließen kann.“

    Nochmals rückte Scott in den Mittelpunkt des allgemeinen Augenmerks. 'Nutznießer'… Wo hatte Scott denn diesen Begriff aufgeschnappt?

    „Spricht da wieder Orgasmus-Hazel aus dir?“, fragte Colin seinen Bruder und zog eine Braue nach oben. Gut, dass Scotts ungewohnte Rhetorik nicht nur Kolja spanisch vorkam.

    Scott bestätigte seine Vermutung mit einem unbeeindruckten „Jap.“ Oha. Wie oft Hazel ihm das wohl zwischen den Kissen zugehaucht haben musste, dass es sich in seinem Gehirn festsetzte? Sein Bruder entwickelte scheinbar ähnliche Gedanken:

    „Ihr zwei fahrt echt aufeinander ab, was?“

    Ein trillernder Pfiff unterbrach jedwedes Gespräch - das Signal für die Fußballer, Aufstellung zu nehmen. Gleich sollte das Spiel anfangen. Die Fitzpatrickbrüder liefen daher zu ihren Positionen auf dem Spielfeld: Colin in der Abwehr und Scott, zusammen mit Ward, im Angriff. Moira folgte ihnen mit gezückter Kamera. Sicher ergaben sich nach dem Anpfiff einige spannende Fotomotive für sie.

    Unverhofft fand sich Kolja in Zweisamkeit mit Abigail wieder. Immer noch bockte die Wölfin vor sich hin und sah einfach entzückend dabei aus. Dem bezaubernden Gesamtbild fehlte bloß noch, ihr würden kleine Dampfwölkchen aus der schönen Nase aufsteigen. Vorwurfsvoll blickte sie Kolja an. „Du denkst wie Scott, nicht wahr?“

    Mh? Worüber sollte er genau wie Scott denken? Offenbar stand Kolja seine Ratlosigkeit in den Zügen eingraviert, denn Abigail schob nach: „Über mich, meine ich. Du hältst mich für ein Kind. Für ein kleines Mädchen.“

    Wie bitte? Wer redete ihr denn so einen Quatsch ein? Abigail war eine tolle Frau; allein eine Berührung von ihr genügte und die Hormone rauschten flotter durch Koljas Körper, als eine Störung durch das alte Röhrenfernsehgerät seines längst verstorbenen Großvaters aus Gattschina. „Das ist Unsinn“, widersprach Kolja ihr deshalb, doch Abigail glaubte ihm nicht.

    „Sei ehrlich. Du traust es mir nicht zu, mich durchzusetzen. Aber damit liegst du falsch, genau wie meine Brüder. “

    „Ich traue dir zu, dich-...“

    „Jetzt lügst du“, warf sie ihm vor. Kolja klappte den Mund zu. „Ich bin eine erwachsene Frau. Und eine Wölfin! Nur weil ihr älter seid als ich, müsst ihr mich nicht wie ein Baby behandeln. Zur Erinnerung: Weder du, noch Scott oder Colin hatten genug Rückgrat, den Feen die Stirn zu bieten. Das habe nur ich fertiggebracht.“ Rückgrat? Rückgrat spielte hierbei keine Rolle, es ging um Vernunft. Und die schien in Abigails Fall fröhlich tschilpend zum imaginären Fenster hinaus davonzuflattern. Kolja wollte einen Versuch unternehmen, ihr die Sachlage klarzumachen. Soweit ließ Abigail ihn jedoch nie kommen. Sie setzte ihr Gezeter fort und schleuderte währenddessen aufgebracht ihre Hände durch die Luft, als trügen die Moleküle darin eine Mitschuld an allem und verdienten dafür ordentliche Backpfeifen. „Das ist so ungerecht. Ich habe das einzig richtige getan und muss mich dafür von Scott als dämlich bezeichnen lassen.“

    „Er-...“ Aufs Neue schnitt Abigail Kolja das Wort ab.

    „Und du teilst seine Ansicht. Du denkst, mich bevormunden zu müssen.“

    „Ich denke ni-...“

    „Für dich bin ich, genau wie für meinen Bruder, bloß ein kleines Kind.“

    Genug davon! „Ich denke“, begann Kolja seinen abgebrochenen Satz von vorn, dieses Mal etwas lauter und in einem strickten Tonfall, dank dem Abigail es nicht wagte, ihn nochmal zu unterbrechen. Er schnappte ihre herumfuchtelnden Hände und zwang sie zur Ruhe. „Ich denke, du bist eine attraktive junge Frau mit einer wundervollen Persönlichkeit. Gerade benimmst du dich aber überhaupt nicht wie eine Erwachsene. Scott und mir geht es um die Konsequenzen, die du durch dein Einschreiten heraufbeschworen hast. Deine Leichtsinnigkeit und dein Trotz hätten beinahe zu einer Eskalation mit den Feen geführt und anstatt Einsicht zu zeigen, stapfst du wütend mit dem Fuß auf. Begreif' endlich: Du hast die schlimmsten Schläger der Stadt so sehr provoziert, dass sie fast handgreiflich geworden wären. Damit hast du nicht nur dich selbst in ernste Gefahr gebracht, sondern auch Moira, Gwen, deine Brüder und mich. Das ist kein Spiel, Abigail. Du hast gesehen, wie sie den Schrat zugerichtet haben. Ich glaube nicht, dass man dich bevormunden muss jedoch was dein Verhalten eben angeht, gebe ich Scott Recht. Das war wirklich dumm.“

    Ob seines Tadels verdrängte Enttäuschung den Vorwurf aus Abigails Mimik. „Ich wollte dir helfen“, beharrte Abigail darauf, richtig gehandelt zu haben und Kolja wollte ihr gleich hier und jetzt einen Kuss dafür geben. Nichtsdestotrotz:

    „Das weiß ich zu schätzen. Aber hast du eine Ahnung, wie schlecht ich mich gefühlt hätte, wenn dir deswegen etwas zugestoßen wäre? Du hast dich den Hyänen zum Fraß vorgeworfen.“ Was für ein treffender Vergleich. Er brachte Abigail zu der Frage:

    „Wieso hast du dich denn nicht gewehrt? Kolja, du bist so groß und stark! Niemand kann dir etwas entgegensetzen. Würdest du das den Feen beweisen, würden sie dich nie wieder behelligen und du hättest Frieden vor ihren Gemeinheiten.“ Und er würde damit zu dem gewalttätigen Monster werden, das jeder in ihm sah. Außerdem:

    „Dann lauern sie mir beim nächsten Mal mit dem Rest ihres Schwarms auf. Es ist klüger, manche Situationen auszusitzen, anstatt auf Provokationen einzugehen.“ Eindringlich erklärte Kolja ihr: „Ich kann nicht gedankenlos jedem Impuls nachgeben, der mich überkommt.“

    „Wiesoooo niiicht?“, jaulte Abigail daraufhin los und setzte einen herzerweichenden Hündchenblick auf, für den Kolja ihr jeden Wunsch erfüllen wollte. Sie sprach noch von der Konfrontation mit den Feen, oder?

    „Abigail.“ Kolja lenkte das Thema zurück auf die ursprüngliche Kernaussage seiner Rüge. „Ich maßregle dich nicht, weil ich daraus irgendeine bizarre Form von Befriedigung ziehe. Ich habe Scott versprochen, auf dich achtzugeben und will nicht, dass dir etwas passiert.“

    Da zerfiel Abigails wehleidige Miene. „Und das ist alles, worum es dir geht?“, forderte sie gekränkt zu erfahren. „Dein Versprechen gegenüber meinem Bruder? Mehr bin ich nicht für dich?“

    Was? Nein, jetzt zog sie falsche Schlüsse. „So habe ich das nicht gemeint. Mir liegt etwas an deiner Sicherheit, unabhängig von deinen Brüdern.“

    „Weil du dich für einen von ihnen hältst?“

    Perplex gaffte Kolja sie an. Wie… wie meinte Abigail das? Er schwieg überfordert und Abigail präzisierte ihre als Frage getarnte Unterstellung: „Liegt dir etwas an mir, weil du in mir eine Ersatzschwester siehst? Wenn das nämlich der Fall ist, dann kannst du mir gestohlen bleiben. Ich habe schon genug Brüder, die mich herumkommandieren. Noch mehr brauche ich nicht.“

    Auf der Suche nach Klarheit grub sich Abigails forschender Blick tief in Koljas Bewusstsein hinein. Welche Antwort sollte er ihr geben? Gerade bot sich ihm der ideale Zeitpunkt, Abigail und sich selbst ein für alle Mal die Hoffnung auf eine Romanze miteinander unwiderruflich aus dem Kopf zuschlagen. Seine Vernunft flüsterte ihm ein, die Chance zu ergreifen. Eine kurze, rasch daher gesagte Lüge genügte dafür. 'So ist es'. Doch etwas in Koljas Brust schrie gegen diese Idee an. Es klammerte sich an die Gefühle für Abigail, wie ein Schiffbrüchiger an einen Rettungsring, hin und her getrieben von den hohen Wellen, die Koljas Empfindungen mit jedem Gedanken an die Wölfin schlugen.

    Zweifel überkamen Kolja. War sie von sich zu weisen wirklich das, was er wollte?

    „Also ist es das“, deutete Abigail niedergeschlagen sein Schweigen. „Du magst mich nicht auf dieselbe Weise, auf die ich dich mag.“

    Alles, was Kolja tun musste, war, ihr zuzustimmen.

    Aber der Kummer in ihrer Stimme traf ihn wie ein Dolchstoß mitten ins Herz und so pumpte es um sein Leben statt Blut die Wahrheit zwischen Koljas Lippen hervor: „Wenn dem so wäre, dann hätte ich mich längst dazu durchringen können, deine Hände loszulassen.“

    Abigail senkte ihre Augen. Sie betrachtete ihre Finger, die nach wie vor sanft von Koljas Handflächen umschlossen wurden. Behutsam ließ er seine Daumen über ihre Haut wandern. Die Berührung fühlte sich so gut an, wie Kolja es sich vorgestellt hatte – und besser.

    Ein zweites Trillern seitens des Schiedsrichters bekundete den Anpfiff. „Das Spiel geht los“, stellte Kolja fest und beendete den zarten Körperkontakt zu Abigail. „Wir reden ein anderes Mal weiter.“

    Und mit diesem Versprechen wandte er sich von ihr ab und trottete zu den Zuschauerrängen.



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