Beiträge von Skadi

    Hallo Fantasy Girl <3 und vielen lieben Dank für das Lob und die netten Worte ^^ Es freut mich sehr, dass dir meine Geschichte, meine Figuren und mein Stil so gut gefallen, dass dich sogar die Erzählperspektive, entgegen eigener Vorlieben, nicht gestört hat.


    So viel wie eben habe ich schon lange nicht mehr gelacht, so ganz alleine vor meinem Computer. Ich sah bestimmt wie eine Verrückte aus.

    Lachen ist gesund und wer nicht lacht, der gibt ein Stück Lebensqualität auf :D

    Hallöchen ^^

    Schalalalala - Küss sie doch!

    Wieso habe ich jetzt das Bild im Kopf, wie eine singende Krabbe um Kolja herumhüpft, aber anstatt verwirrt zu sein, schnappt Kolja sie und wirft sie in einen Suppentopf xD


    Danke für deinen Kommentar und deine Gedanken :D

    „Wieso denn?“ Überrascht löste sie ihre siegessichere Körperhaltung. Klar, dass Abigails Plan in den Augen seiner Schöpferin wasserdicht und ohne jeglichen Schwachpunkt erschien. Kolja beurteilte das Ganze hingegen etwas kritischer:

    „Weil du dir Ärger einhandeln könntest.“ Und dank seines Versprechens gegenüber Scott war er derjenige, der Abigail von ebensolchen fernzuhalten hatte.

    Sie zog daraus ihre eigene Schlussfolgerung. „Also denkst du doch, dass mehr dahinterstecken könnte!“

    „Nein. Tue ich nicht“, stellte Kolja klar. „Nur kenne ich dich mittlerweile gut. Du bist wie Scott. Ihr wollt mit dem Kopf durch die Wand und tretet dabei anderen mit eurer ungestümen Art auf die Füße. Nicht jeder reagiert gelassen auf so was.“ Zudem Abigail Colins Verdacht übernommen und der Liste an Verdächtigen die Feen hinzugefügt hatte. Diese Typen verstanden absolut keinen Spaß. Vor allem die Frauen verhielten sich wie echte Biester und zeigten nicht einmal gegenüber O'Rourke und dessen Rudel Furcht. Ihr Schwarmdenken ließ ihnen eine unberechenbare Gruppendynamik zuteilwerden, an welcher sich selbst ein gestandener Alphawolf wie er die Zähne ausbiss. Zusammengefasst: Wenn man schlau war, wahrte man so viel Abstand wie möglich zu den Feen. „Außerdem hast du gar kein Recht dazu, Ermittlungen anzustellen. Am Ende bekommst du noch eine Anzeige wegen Belästigung“, fügte Kolja seiner Begründung hinzu.

    Leider blieben seine Einwände wirkungslos. Abigail verschränkte abwehrend die Arme und zog einen süßen Schmollmund. „Was heißt hier, ich hätte kein Recht? Ich habe die Pflicht meinen Brüdern zu helfen! Wir sind Geschwister, wir stehen für einander ein.“

    Ja. Und Kolja befürchtete, dass Abigails Leichtsinnigkeit eben aus dieser Überzeugung heraus entstand. „Das ist löblich“, räumte er ein, „aber du tust deiner Familie einen größeren Gefallen, indem du dich aus Problemen raushältst. Deine Brüder und dein Vater können dich nicht aus jeder Misere retten.“

    Außer einem mauligen Blick bekam Kolja keine Reaktion von Abigail. Er bat sie deswegen: „Lass die Leute einfach in Ruhe“ und beließ es dabei. „Möchtest du jetzt mit den Matheaufgaben weitermachen?“

    Augenscheinlich mochte sie das. Missmutig schweigend kehrte Abigail zu ihrem Platz auf der Couch zurück. Diese bedingungslose Treue zwischen den Fitzpatrickgeschwistern würde für Kolja wohl ein lebenslanges Mysterium bleiben. Seine Beziehung zu seiner eigenen Schwester lief da wesentlich distanzierter ab; genau genommen musste Kolja verdammt scharf darüber nachdenken, ob er in diesem Jahr überhaupt schon ein Wort mit Nadeschda ausgetauscht hatte. Oder in den letzten fünf.

    Kolja nutzte die wahrlich seltene Gelegenheit, Abigail stumm zu erleben, und demonstrierte ihr, wie viele relevante Werte sich allein schon aus der Aufgabenstellung herausfiltern ließen – bis sie ihn erneut unterbrach. „Ich verstehe es nicht.“

    „Okay. Soll ich noch mal ganz von vorn anfangen?“

    Sie schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Ich rede nicht von der Aufgabe.“ Eindringlich sah Abigail ihn an und forderte dann zu erfahren: „Wieso bist du so überzeugt davon, dass bei all diesen Vorfällen niemand seine Finger im Spiel hat?“

    Hing sie gedanklich etwa weiter bei ihrem angeblichen Komplott fest? Allmählich gelangte Kolja wirklich zu der Überzeugung, dass Abigails Noten weniger durch einen Mangel an mathematischem Verständnis gefährdet wurden, denn durch ihre unzureichende Konzentrationsgabe. „Die Umstände lassen diese Schlussfolgerung nicht zu“, begründete er seinen Standpunkt in der Hoffnung, Abigail würde dadurch einsichtig werden. „Es gibt keinen Anlass zu vermuten, jemand würde die Mannschaft sabotieren. Ich halte den Verdacht sogar für realitätsfern. Geldgeber springen ab, genauso wie Spieler, wenn die Lebensumstände keine Vereinsaktivitäten mehr zulassen. Den demolierten Schuppen könnte man der Zerstörungswut von O'Rourkes Männern oder den Feen zuschreiben, diese Möglichkeit räume ich ein. Aber Hayes vorsätzlich die Treppe hinabzustoßen, grenzt dagegen an Bösartigkeit. In meinen Augen ist eine Verkettung ungünstiger Ereignisse plausibler, als die Theorie, jemand konspiriere gegen eine Amateurfußballmannschaft.“

    „Die Umstände können aber auch täuschen“, wandte Abigail ein. „Denk darüber nach! Du hast damals selbst dein Geld darauf verwettet, Scott und Hazel würden niemals miteinander ausgehen und jetzt feiern die zwei bald ihr vierteljähriges Jubiläum. Oder schau einfach nur uns beide an.“ Hm? Wieso denn sie beide? „Den Umständen nach, müssten wir ein Liebespaar sein.“

    Zum Glück hatte der Bärenpoly gerade keinen Schluck aus seiner Tasse genommen, anderenfalls würde er Abigail in dieser Sekunde den Tee entgegenspucken, wie die Sprinkleranlage im Garten ihres Vaters. So gaffte er die Wölfin lediglich wie ein Vollidiot an. „Ist dem so?“, gab er Gelassenheit vor und richtete die Position seiner Brille. Mann, was für ein erbärmlicher Versuch, über seine Verlegenheit hinwegzutäuschen.

    Ein Nicken begleitete Abigails Antwort. „Natürlich. Du musst zugeben, Kolja, dass die Voraussetzungen für eine lebenslange Liebesbeziehung zwischen uns nahezu perfekt sind.“

    „Sind sie das.“ Und lag es nur an ihm, oder wurde es tatsächlich schlagartig heiß hier drin? Kolja befürchtete, wie eine Dampfpfeife zu qualmen, sollte er jetzt den Kragen seines Hemdes lüften.

    Erneut ein Nicken. „Oh ja! Wir würden hervorragend von den Persönlichkeiten des anderen profitieren! Mein jugendlicher Elan würde deinen gemäßigten Alltag in Schwung halten und im Gegenzug dafür ließest du mich an deiner weitreichenden Lebenserfahrung und gesammelten Weisheit teilhaben.“

    Moment mal. Weitreichende Lebenserfahrung? Gesammelte Weisheit? Für wie alt hielt Abigail ihn eigentlich?? „Ich bin fünfunddreißig, nicht dreiundfünfzig Jahre alt.“

    „Und ich bin zweiundzwanzig und nicht... zweiundzwanzig. Egal! Was man auch nicht unterschätzen sollte ist, dass Scott mit Hazel zusammen ist und sie ist eine Hexe. Das heißt, meine Eltern wären vorbereitet und deswegen nicht mehr ganz so enttäuscht, dass du kein Wolf bist.“ Was Abigail damit ansprach, war die altbackene Erwartungshaltung, seinen Partner unter seinesgleichen zu suchen: Ein Hexer nahm sich eine Hexe, ein Kobold eine Koboldfrau, eine Wölfin einen Wolfsrüden. Fertig. Glücklicherweise bröckelte dieses antiquierte Denkmuster seit einer halben bis ganzen Dekade wie schlecht verarbeiteter Putz von einer modrigen Betonmauer. Vergleichbar mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen oder Tätowierungen, hatten Romanzen zwischen verschiedenartigen Freaks ihr Stigma verloren und genossen zumindest unter den jüngeren Generationen Akzeptanz. Einzig konservativ eingestellte Freaks taten sich schwer mit dieser Entwicklung, sowie ein paar Angehörige der älteren Jahrgänge, die es schlichtweg nicht anders kannten. Scheinbar gehörten Abigails Eltern zu letzteren Kategorie. Mh. Hätte die Gesellschaft diesen Punkt schon vor fünfzehn Jahren erreicht, dann wäre Kolja vermutlich längst mit seiner Zauberin von damals verheiratet - und von ihr geschieden.

    Unbeirrt setzte Abigail ihre Ausführungen fort. „Wir schauen dieselben Serien, mögen dasselbe Essen, sind beide gern an der frischen Luft. Du läufst bevorzugt auf der rechten Seite, ich auf der linken. Ich lege Wert auf gute Manieren und du bist ein Gentleman. Außerdem isst du den Rand meiner Pizza auf, den ich nicht mag. Oh, und ich spiele liebend gern mit dem Frisbee und du kannst so unglaublich weit werfen. Und das Beste ist, du hast die ideale Größe für einen Zehenspitzenkuss.“

    „Einen was?“

    „Einen Zehenspitzenkuss“, wiederholte Abigail für Kolja. „Bei einem Zehenspitzenkuss fordere ich von dir einen Kuss ein, indem ich dir entgegenkomme und mich dafür auf die Zehenspitzen stelle. Und du brauchst nichts weiter tun, als deine Lippen zu spitzen. Etwa so.“ Um ihre Worte zu veranschaulichen, legte Abigail ihren Kopf sacht in den Nacken, schloss die Augen und wie beschrieben, formten ihre Lippen einen wundervollen Kussmund. Oh Gott, was für eine einladende Geste. Kolja rang mit seinen hochkochenden Gefühlen um die nötige Selbstbeherrschung, auf keinem Fall dem Drang in seiner Brust nachzugeben und seine Lippen tatsächlich auf ihren dargebotenen Mund zu senken. Ein einzelner, klarer Gedanke kämpfte sich tapfer seinen Weg bis in Koljas Verstand vor und er drehte sich voll und ganz um eine einzige Erkenntnis: Abigail verzichtete auf den Konjunktiv. Was...was wollte sie Kolja mit all dem mitteilen?

    Nach einigen Sekunden, die er untätig damit verschwendete, Abigail dümmlich anzuglotzen, blinzelte sie ihm unter einem leicht gehobenen Augenlid an. Anschließend richtete sie sich auf. „Hast du gesehen, was ich meine?“

    Sein Nicken beantwortete ihre Frage. Ja. Hatte er. Definitiv.

    „Apropos Scott“, fing Abigail abermals an zu erzählen. „Ihr zwei seid Freunde. Er hält sehr viel von dir und vertraut dir blind. Wir müssten deshalb nicht mal befürchten, dass sein Beschützerinstinkt mit ihm durchgeht, so wie es bei meinen bisherigen Freunden der Fall war. Scott akzeptiert dich bereits in meiner Nähe und wenn er Ruhe gibt, hält automatisch auch Colin die Füße still.“ Dachte sie. Kolja wünschte, ihren Optimismus teilen zu können, doch dafür fehlte ihm schlicht und ergreifend die rosarote Brille, durch die Abigail ihr Umfeld betrachtete. Für den Bären stand unumstößlich fest: Scott würde vor Wut rasen, sollte Kolja seine Schwester anfassen. Oder schlimmer: Ginge die Beziehung zu Abigail in die Brüche, verlor Kolja unvermeidlich seinen besten Freund. Dieses Risiko konnte es unmöglich wert sein.

    Nicht wahr?

    Da Kolja ihr eine verbale Reaktion auf das Gesagte schuldig blieb, schien Abigail das Thema beenden zu wollen. Sie nahm einen Bleistift sowie den Zettel mit der Aufgabenstellung und dabei gab sie diesen einen Satz von sich, der Kolja härter vor den Kopf stieß, denn der Tritt eines wildgewordenen Minotaurus': „So rein hypothetisch gesprochen, meine ich.“

    Das traf.

    Wider besseren Wissens hatte Kolja seiner Hoffnung den Höhenflug erlaubt, eine unterschwellige Bedeutung in Abigails Äußerungen hineinzuinterpretieren. Jetzt schlugen diese Erwartungen mit der fatalen Wucht eines Meteoriten auf dem Boden der Tatsachen auf und anstatt in die Erdoberfläche, sprengten sie bei ihrem Sturz einen desaströsen Krater in Koljas Gefühlswelt. Okay, Lektion gelernt. Das passierte, wenn man seine eigenen Vorsätze über den Haufen warf. „Klar. Hypothetisch.“ Was sonst. Jedenfalls hatte Abigail ihre Behauptung über den Einfluss der äußeren Umstände hinreichend bewiesen. „Wenn du so argumentierst, hast du Recht. In unserem Fall führen die Umstände wirklich nicht zu einem naheliegenden Ergebnis“, pflichtete Kolja ihr daher abschließend bei und verurteilte dadurch seine Zuneigung zu Abigail, weiterhin und bis zum Ende aller Tage hinter Schloss und Riegel zu verrotten. Na ja. Wenigstens bewahrte er auf diese Weise seine Freundschaft zu Scott. Denn wenn Kolja von etwas überzeugt war, dann, dass Scott möglichst keinen Wind von all dem bekommen sollte.



    nächster Teil

    Hallo Lady ^^

    Abby ist aber auch der Knaller :rofl:

    Ihre Gedankensprünge möchte ich auch mal haben. Nur, um zu gucken, wie die so zu Stande kommen xD

    Ach, wir haben noch so einige Teile aus Abbys Sicht vor uns. Da werden wir ihre farbenfrohe Gedankenwelt mit Sicherheit einmal live und in Action erleben :D


    Danke schön für deinen Kommentar ^^

    Guten morgen ^^

    Hätten nur noch so zwei Rudel gefehlt, die schnipsend, hüpfend und singend aufeinander zugehen und dann "kämpfen". Und Scott so: "Da mach ich nicht mit!"

    So wie in Tangled, als Flynn in der Räuberkneipe an der Wand hängt und sich weigert, mitzusingen, bis man ihm lauter Schwerter an die Kehle hält :rofl: "I don't sing."


    Ja, okay, ich wollte Scott leiden sehen ...

    Der arme :D Womit hat er das nur verdient, frage ich mich :rofl:


    Und natürlich Danke schön für diesen und den letzten Kommentar :>

    Unter Einhaltung eines angemessenen Abstands setzte er sich neben die Wölfin und kramte aus seinem Rucksack ein Brillenetui hervor. „Du bist Brillenträger?“, fragte Abigail, derweil Kolja die Bügel seiner Sehhilfe auseinanderbog und das Gestell hernach auf seinem Nasenrücken platzierte.

    „Ich brauche sie nur zum Lesen von gedruckten Texten. Auf die Ferne sehe ich gut.“ Die Sehkraft von Bären war generell eher mittelmäßig und wurde mit voranschreitendem Alter merklich schlechter. Auf kurz oder lang würde Kolja dauerhaft eine Brille tragen müssen; ein bisschen Zeit blieb ihm bis dahin allerdings noch.

    „Ich sehe dich heute zum ersten Mal mit Brille. Mir gefällt sie. Sie steht dir wirklich gut.“ Tat sie, ja. Deswegen hatte Kolja damals dieses Modell mit dem breiten, braunen Rahmen und den kantigen Gläsern ausgewählt. Abigail stützte das Kinn auf ihren verschränkten Finger ab und ihre Lippen formten dieses schöne, friedliche Lächeln, welches keine andere Frau der Welt nachzuahmen schaffte. Oh Mann. Wenn sie Kolja doch nur seinetwegen so verträumt ansehen würde, anstatt wegen eines Accessoires. Nichtsdestotrotz freute er sich über das Kompliment und eilig suchte er etwas an Abigail, mit dem er ihr im Gegenzug genauso schmeicheln durfte. Wobei, nein – er brauchte nicht zu suchen. Ihm fielen auf Anhieb dutzende atemberaubende Dinge an ihr ein und die Schwierigkeit bestand viel mehr darin, sich für eines davon zu entscheiden. Sollte Kolja ihr vielleicht gestehen, wie aufregend dieser sportlich zurückgebundene Pferdeschwanz, den sie heute trug, ihren schlanken Hals betonte? Hm, besser nicht. Am Ende hielt sie ihn noch für einen notgeilen Perversling. Oder für einen Vampir. Also beschloss Kolja, die Flatterie sein zu lassen und beschränkte sich auf ein schnödes „Danke schön.“ Großartig. Jetzt spukte ihm der Wunsch durch die Gedanken, ausgiebig die Konturen ihrer Hals- und Schlüsselbeinpartie nachzufahren. Sowohl mit den Fingern, als auch mit dem Mund… .

    Mathematik! Darum ging es hier. Flugs nahm Kolja eines der Übungsblätter und richtete seine Konzentration auf den Text. Offensichtlich hatte Abigail schon ihre eigenen Versuche angestellt, einen Lösungsansatz zu entwickeln, denn unterhalb der Aufgabenstellungen entzifferte Kolja ihre handschriftlichen Bleistiftnotizen. Anhand des erfolglosen Gekritzels wurde für Kolja bereits eins von Abigails Grundproblemen deutlich. Er erklärte ihr: „Extremalaufgaben verlangen nicht in jedem Fall eine konkrete Zahl im Endergebnis. Manchmal wird ein Term gesucht oder eine Beschreibung der Eigenschaften, die ein Wert mitbringen muss, damit der beschriebene Fall aus der Aufgabenstellung eintreten kann. Zum Beispiel indem der gesuchte Faktor größer oder kleiner Null ist. Dabei ist es egal, wenn er selbst unbestimmt bleibt. Wichtig ist die kausale Wirkung. Anders ausgedrückt heißt das, sobald d-…“ Kolja stockte, als er seine Augen vom Papier hob. Was…was starrte Abigail ihn so gebannt an? Klebte ihm etwas an der Nasenspitze? Am Kinn…?

    „Was tust du da mit deinen Lippen?“

    Ertappt presste Kolja seinen Mund zu einer schmalen Linie zusammen.

    „Wenn du sprichst … zucken sie irgendwie? Als ob du mit ihnen spielst.“

    „Bloß eine Eigenart von uns Bären“, wiegelte Kolja Abigails Beobachtung unangenehm berührt ab und verkroch sich hinter dem Aufgabenzettel in seinen Händen. Aber Abigails Hartnäckigkeit gönnte ihm keinen Frieden.

    „Das ist mir noch nie an dir aufgefallen. Man muss genau hinsehen, so dezent sind die Bewegungen. Ich kann das gar nicht mit meinen Lippen nachmachen.“ Den Wahrheitsgehalt ihrer Behauptung stellte sie unter Beweis, indem sie ihren Mund einen Spalt öffnete und besagte Lippen leicht spitzte. Der Anblick hypnotisierte Kolja.

    Nachdem Abigail ihr Unvermögen, Koljas Lippenbewegungen zu imitieren, ihrer Einschätzung nach hinreichend demonstriert hatte, kicherte sie belustigt und sinnierte: „Wahrscheinlich bemerke ich es erst jetzt, weil du sonst nicht so viel redest. Erst recht nicht an einem Stück.“

    „Das ist möglich“, gab Kolja zu und stierte konsequent die Druckbuchstaben auf dem Papier an. Könnten sie jetzt bitte zur Nachhilfe zurückkehren und damit aufhören, über seine Lippen zu reden? 'Und über Abigails… .'

    In einer Kurzfassung wiederholte Kolja, was er zuvor über den Lösungsansatz von Abigails Matheaufgaben gesagt hatte. Gerade wollte er dazu übergehen, mir ihr ein konkretes Beispiel zu bearbeiten, als sie völlig unvermittelt und ohne jeden Kontext verkündete: „Weißt du, ich habe nachgedacht.“

    Uhrm…? „Worüber?“ Über die Aufgabe? Über ihre Nachhilfestunden?

    Keine seiner Vermutungen traf zu. „Diese ganzen Fehlschläge, die Scotts und Colins Fußballmannschaft in letzter Zeit durchmacht…“, begann Abigail ihre Erörterung, „Ich denke, da steckt etwas dahinter. Es muss so sein!“ Moment. Was? Wie? Fußball? Auf welchem Wege kam denn nun diese Herleitung in ihrem Kopf zustande? Kolja zog die Stirn kraus, während die Wölfin ins Detail ging. „Sie verlieren Spieler und Geldgeber, ihr Trainer bricht sich bei einem Sturz das Bein und der Schuppen mit ihren Sportgeräten wird Opfer von Vandalismus. Findest du nicht auch, dass das ziemlich viele Unglücksfälle für gerade einmal zwei Wochen sind?“

    In der Tat hätte der alte Gauß an der Häufung so vieler negativer Vorfälle seine schiere Freude. Trotzdem bestand für Kolja kein Anlass zur Sorge. „Sie haben eben eine Pechsträhne“, schätzte er die Situation ein.

    „Keine Strähne, ein ganzer Zopf, wenn du mich fragst. Ich meine, wie hoch ist bitte die Wahrscheinlichkeit, dass eine einzige Mannschaft in so kurzer Zeit dermaßen viel Pech erlebt?“

    „Willst du es ausrechnen?“, spaßte Kolja und tippte mit dem Finger auf den Aufgabenzettel. Er lachte leise, als Abigail ihm darauf frech die Zunge entgegenstreckte.

    „Sehr lustig. Aber im Ernst. Etwas geht da nicht mit rechten Dingen zu! Und ich denke auch zu wissen, was das ist.“ Geheimniskrämerisch neigte sich Abigail in seine Richtung und legte eine dramatische Sprechpause ein. Dann weihte sie den Bären in ihren Verdacht ein. „Gezielte Sabotage.“

    Sogleich hob Kolja skeptisch die Brauen. „Wer sollte denn davon etwas haben?“, wollte er zweifelnd von ihr erfahren. Sie sprachen hier schließlich von dem ü-30-Team eines kleinstädtischen Freizeitsportvereins und nicht von der milliardenschweren Profimannschaft der UEFA Champions League. So beeindruckend die Manöver von Colin und Scott auch waren, wen interessierte denn schon eine Bande Hobbyfußballer der Regionalliga?

    „Eben das gilt es herauszufinden. Warte kurz, ich habe dazu etwas vorbereitet.“ Kaum ausgesprochen, hüpfte Abigail von der Couch und verschwand aus dem Zimmer. Einen Augenblick später kam ihr entzückender Po rückwärts durch den Türrahmen gewackelt, ehe der Rest der Wölfin folgte. Sie zog eine dieser mobilen, weißen Tafeln herein, die mittlerweile in so gut wie jeder Bildungseinrichtung die altmodischen Kreidetafeln ersetzten, und schob sie an eine von der Couch aus gut sichtbaren Stelle. Mit einem blauen Stift hatte Abigail darauf eine Art Mindmap eingezeichnet, sowie ein paar Namen notiert. Stolz nahm sie Position neben ihrem Werk ein. „Und? Was sagst du?“

    „Du hast ein Whiteboard organisiert“, stellte Kolja fest. Also wenn man Abigail eine Sache schwerlich vorwerfen durfte, dann, ungenügend Hingabe zu zeigen.

    Scheinbar zielte ihre Frage auf eine andere Reaktion ab, denn ihr Blick wechselte kurz verdutzt zwischen dem Whiteboard und dem Bären hin und her. Sie klärte ihn alsdann darüber auf: „Also, eigentlich nicht. Ich brauchte es nur aus dem Keller holen. Kieran hat mir beim hinauftragen geholfen.“

    „Wozu steht in eurem Keller ein Whiteboard?“ Vielleicht dachte Kolja ja zu altertümlich aber entsprechend seiner Auffassung gehörte ein Whiteboard eher weniger zu den Gegenständen, die man üblicherweise in einem Keller einlagerte.

    Abigail holte Luft. Oha. Da bahnte sich eine etwas längere Geschichte an. „Scott und Colin hatten während der Pubertät eine Phase, in der sie irgendwelche wahllosen Dinge angeschleppt und im Garten verbuddelt haben. Schuhe, Spielzeug, Fahrradständer, Gartenmöbel, Straßenlaternen. Was sich eben zum Vergraben anbietet.“ Natürlich tat es das. „Als Papa irgendwann auf das Whiteboard gestoßen ist, wussten die zwei schon nicht mehr, woher es ursprünglich stammt. Niall meint, Papa hätte überall herumgefragt, es hätte aber nie jemand Anspruch darauf erhoben. Also haben meine Eltern es zu dem Klavier und dem ganzen restlichen Sperrgut in den Keller gestellt, falls doch noch einmal jemand danach fragen sollte. Sie benutzen es nur hin und wieder für Spieleabenden mit ihren Freunden.“

    Irgendwie schafften es die Anekdoten dieser Familie zuverlässig, noch mehr Rätsel aufzugeben, als sie effektiv lösten. „Ihr habt ein Klavier im Keller stehen“, griff Kolja eines davon auf.

    „Der Versuch meiner Eltern, Colins Interesse für Musik in eine kultivierte Richtung zu lenken. Er wollte es nicht mitnehmen, als er ausgezogen ist, weil in seiner Wohnung nicht genug Platz für ein so großes Instrument ist. Und da außer ihm niemand in der Familie spielt... .“ Abigail ließ den Satz unbeendet stehen.

    So was. Dass ausgerechnet in Scotts Bruder ein Virtuose schlummerte, hätte Kolja niemals vermutet und zwangsläufig fühlte er sich an seine eigenen, misslungenen Geigenstunden erinnert. Was auch immer seine Mutter damals geritten haben musste, ausgerechnet diese schrunzelige Baba Jaga als Lehrerin zu engagieren - die alte Dame hatte ihrem Wesen definitiv alle Ehre bereitet und Kolja die Musik durch ihr überkritischen Gezeter grundlegend vermiest. Oder wie Scott es ausdrücken würde: Das hatte die faltige Hexe so richtig vergeigt. Der Bär schmunzelte. Hehe. Vergeigt.

    Weg vom fehlgeschlagenen Bildungsauftrag seiner Kindheit und zurück ins hier und jetzt. Kolja wurde von der Neugierde überwältigt. „Spielt Colin denn gut?“

    „Für die großen Bühnen der Welt ist er eher nicht geeignet“, formulierte es Abigail diplomatisch nach einem kurzen Zögern. „Aber er kann ziemlich überzeugend 'All The Things She Said' nachspielen. Die Madbones-Version, meine ich.“ Aha.

    Unweigerlich hefteten sich Koljas Augen wieder an die Schriftzeichen auf dem Whiteboard, was sich unmöglich verhindern ließ, weil die Tafel gefühlt ein ganzes Fünftel des Wohnzimmers beanspruchte. In der Mitte waren alle Ereignisse aufgelistet, die die Fußballmannschaft in letzter Zeit heimgesucht hatten. Hayes' Unfall stand an erster Stelle. Von diesem Pool aus verliefen Linien zu tabellarisch aufgeführten Namen, über denen in Großbuchstaben die Überschrift 'Verdächtige' prangte. Mann. Abigail meinte es mit ihrer Verschwörungstheorie tatsächlich ernst.

    „Ich habe alle Informationen zusammengetragen, die wichtig sein könnten: Was passiert ist, wer dafür verantwortlich sein könnte und solche Dinge“, erörterte sie, was Kolja bereits von selbst erfasst hatte. Beziehungsweise war er ihr sogar einen Schritt voraus, denn er kannte immerhin die Namen ihrer mutmaßlichen Verschwörer. Zum Beispiel bezeichnete das Whiteboard Gwen beschönigend als 'Mister Hayes' Sukkubus-Freundin'. Huh. Unter Garantie würde der Sukkubus vehement Einspruch gegen diese Betitelung erheben. Der Ausdruck 'Freundin' verfehlte die Art ihrer Beziehung zu Koljas Chef nämlich mit einer größeren Entfernung, denn Scott den Mindestwert für einen durchschnittlichen Intelligenzquotienten. Kolja teilte sein Wissen mit Abigail, indem er sie darüber informierte: „Der Sukkubus heißt Gwen.“

    „Oh, Danke!“ Von woher auch immer zauberte die Wölfin einen Marker hervor und ergänzte Gwens Namen neben der entsprechenden Zeile. Im selben Zusammenhang hakte Kolja nach:

    „Weshalb verdächtigst du sie?“

    „Ist das nicht offensichtlich?“

    Nicht so wirklich, nein. Der Bär schüttelte den Kopf, daher hob Abigail lehrend den Finger und klärte ihn auf: „In der Kriminalistik geht man davon aus, dass die meisten Verbrechen aufgrund von drei großen Motiven verübt werden: Geld, Macht und… “ Auffordernd schaute sie Kolja an; dieser schaute ratlos zurück. „Liebe!“, verkündete sie sodann begeistert. „Aus Liebe, der größten Kraft auf Erden! Eifersucht ist ein so starkes Gefühl. Wir tun schrecklich dumme Dinge, wenn wir befürchten, jemand könnte uns die Person weggenehmen, die wir lieben. Sollte… ähm…“

    „Gwen.“

    „Ja, Gwen. Sollte Gwen befürchten, dass sich Hayes hinter ihrem Rücken mit anderen Frauen trifft, würde sie das bestimmt sehr mitnehmen. Also mich würde das fertigmachen. Dich nicht auch, Kolja?“

    „… Ja?“, antwortete er unschlüssig. Was blinzelte sie ihn denn so an?

    Zufriedengestellt plapperte Abigail munter weiter: „Womöglich hegt sie deshalb Rachegedanken und was täte Mister Hayes mehr weh, als die Fußballmannschaft scheitern zu sehen, in die er als Trainer sein Herzblut steckt?“

    „Eine Steuerüberprüfung durch das Finanzamt.“ Unter anderem. Nur ungern verpasste Kolja Abigails farbenfroher Phantasie einen Dämpfer, denn er fand es jedes Mal unheimlich niedlich, wenn sie ihre eigene Realität zurecht spann. Dennoch startete er einen Versuch, Abigail auf ihren Irrtum hinzuweisen. „Ich glaube, du missinterpretiert das Verhältnis zwischen den beiden.“ Davon abgesehen zweifelte Kolja es sehr stark an, dass man die Motivation hinter einer Straftat auf gerade einmal drei Beweggründe herunterbrechen konnte. Scott und Colin sammelten ihre Ordnungswidrigkeiten beispielsweise aus purer Langeweile.

    Abigail ignorierte seinen Einwurf jedoch. „Letztendlich ist das Motiv sowieso zweitrangig. Mein Plan sieht folgendermaßen aus: Wenn ich mit genug Leuten rede, gelingt es mir bestimmt, den Kreis der Verdächtigen nach und nach einzugrenzen, bis ich irgendwann den Saboteur identifiziert habe. Irgendjemand muss ihn beobachtet haben, bewusst oder unbewusst. Und denjenigen werde ich ausfindig machen. Ha! Niemand sabotiert ungestraft meine Brüder.“ Entschlossen stemmte sie die Fäuste in die Seiten.

    Das klang nach einer klugen Vorgehensweise – in einer Fernsehserie. Nicht aber in der realen Welt, in der sich eine überengagierte Studentin der Sozialpädagogik einbildete, Amateurdetektivin spielen zu dürfen. Normalerweise drängte Kolja niemanden ungefragt seine Meinung über ein Thema auf, das ihn nicht persönlich betraf. In diesem Fall musste er allerdings eine Ausnahme machen und teilte Abigail deshalb seine Bedenken mit. „Das ist eine schlechte Idee.“



    nächster Teil

    Hallo Jennagon, Danke für's Lesen uns das Lob ^^


    Fast so, als hätte Skalli Scott nacheifern wollen

    Das ist dann aber ein sehr fragwürdiges Vorbild :D Btw. hab ich zuerst statt "Skalli" "Skadi" gelesen und war kurz verwirrt :rofl: "Heh, wie was ich?"

    Vor allem, wenn ich an unseren irischen Kumpel Garrett denke, der quasi auch Tag und Nacht am Fluchen ist - passt Scott irgendwie großartig in das Bild, das ich durch ihn von Iren bekommen habe.

    Oh ja. Die Iren sind ein Völkchen, man muss sie einfach mögen. Und je mehr ich wegen meiner Geschichte über die Iren recherchiere und rausfinde, desto mehr Platz erobern sie mit ihren Eigenarten in meinem Herzen :rofl:


    Ich hoffe, die Geschichte wird dir auch weiterhin gefallen.

    Hallo LadyK ^^


    Freut mich, dass wir Kieran auch mal kennen lernen und interessant, dass er Schach spielt. Ich weiß nicht, ob du das schon mal erwähnt hattest

    Relativ am Anfang von Episode 1 wurde mal fallen gelassen, dass Kieran im Schachclub seiner Schule aktiv ist. Aber das war zu dem Zeitpunkt mehr ein FunFact ohne Relevanz. Da müsste man als Leser schon ein sehr sehr gutes Gedächtnis haben, um sich jetzt daran erinnern zu können :D


    Warum sehe ich vor meinem inneren Auge jetzt eine Skadi, die vorm Schrank in der Küche steht und runterrattert, was sie alles an Teesorten dort hat?

    :ninja: :saint: Das könnte oder könnte auch nicht den tatsächlichen Umständen entsprechen :rofl:


    Danke für deinen Kommentar ^^

    Völlig geflasht hat mich das Pigmentpulver - ohne Mist - Ich bin fast ausgerastet =O Ich wünschte echt, mir hätte das Zeug vorher schon jemand mal gezeigt! Da hätte ich einiges an weggeworfenes Papier gespart xD

    Liebe LadyK , jetzt bin ich aber echt ein bisschen beleidigt! xD


    Skadi bloggt über Zeichenthemen

    Skadi zeichnet (II)

    Skadi bloggt über Zeichenthemen


    Spaß beiseite. Das Brusho ist absolut weltklasse. Ich bin sogar so davon begeistert, dass ich es bei einer Umfrage der ScrawlrBox als Wunschprodukt vorgeschlagen habe :D Reine Vernunft hält mich davon ab, mir alle Farben zu kaufen. Vor allem reicht man so unglaublich weit mit der kleinen Dose!


    Die Verpackung in der Verpackung kenne ich von meiner Grab-Bag. Bei mir war es aber Karton in Karton, was aus ökologischer Sicht in meinen Augen nicht so~ drastisch ist, wie übertrieben viel Kunststoff. Der Shop wollte halt sichergehen, dass nichts geöffnet ankommt :hmm:


    Alles in Allem würde ich sagen, dass es sich für mich gelohnt hat.

    Hervorragend :thumbup:


    EDIT: Noch etwas eigens gesammelte Erfahrung:

    Zumindest kann ich die Tusche sehr gut gebrauchen

    Die pebeo Colorex Tusche ist leider nicht lichtech :/ Für Bilder, die dafür gedacht sind, an die Wand gehangen zu werden, eignet sie sich also nicht so gut. Also besser für Mappenbilder benutzen :D

    Und du kriegst sicher keine Promotion- und Verkaufsboni? :P

    Ich wünschte echt, es wäre so xD Dann könnte ich mit meinen Dienststunden runtergehen und mehr Zeit damit verbringen, das Internet nach Zeichenkram zu durchforsten und euch vorzustellen, um dann wiederrum Geld dafür zu bekommen, dass ihr ihn kauft.


    So in der Theorie klingt das eigentlich nach einem ziemlich cleveren Karriereplan :hmm: :ninja:

    „Du bist da, wie schön! Oh Kolja, du glaubst ja nicht, wie sehr ich unserer ernsten Nachhilfestunde entgegengefiebert habe, denn mit dir als Lehrer wird meine Prüfung ganz bestimmt ein Kinderspiel. Ich fühle mich so motiviert! Meinetwegen können wir sofort loslegen“, überfiel Abigail ihn, bevor Kolja auch nur drei Schritte in ihr Elternhaus getan oder zumindest ihre Begrüßung erwidert hatte. „Ich habe schon alles vorbereitet, sodass wir ohne zu trödeln gleich mit dem Unterricht anfangen können. Das heißt, natürlich werde ich mir viel, viel Mühe geben, damit du auf keinen Fall das Gefühl bekommst, mit mir tatsächlich bloß deine Zeit zu verschwenden. Ich bin dir so dankbar dafür, dass du mir hilfst, Kolja. Das kannst du dir nicht vorstellen. Gibt es etwas, was ich dir bringen kann? Möchtest du Tee?“

    Seinen Rucksack gerade einmal zur Hälfte abgesetzt, blinzelte Kolja Abigail entgegen. Uhrm, Tee? Klar, warum nicht? Er hob zu der Antwort an, eine Tasse zu nehmen, doch sein Atem wurde ungenutzt von Abigails Redefluss hinfort gespült. Mithilfe ihrer Finger zählte sie dem Bären auf: „Wir haben Kräutertee, Schwarzen Tee, Grünen Tee, Heiße Zitrone, Pfefferminztee, Weißen Tee, Fenchel-Kümmel-Anis-Tee, Salbeitee, Rooibostee, Ingwertee, Brennnesseltee, eine Waldbeerenmischung, Kirsch-Bananen-Tee, Hagebuttentee, Kamillentee, Fencheltee und oh! Es müssten noch ein paar Beutel dieses aromatisierten Kuchentees im Schrank sein, die Kieran bevorzugt trinkt. Zimtschnecke und Himbeertörtchen zum Beispiel.“ Zimtschnecke und Himbeertörtchen…? „Du kannst selbstverständlich Milch oder Zucker für deinen Tee bekommen oder trinkst du ihn lieber pur? Wie trinkt man denn in Russland den Tee? Eine Weile habe ich meinen Earl Grey mit Orangensaft gemischt. Man soll nicht glauben, wie lecker diese Kombination schmeckt. Hm, das könnte ich wirklich wieder einmal trinken. Was meinst du, Kolja?“

    Der Bärenpoly musterte Abigails Mund und als er sich sicher war, dass daraus vorerst kein weiterer Sturzbach an Worten hervor ran, sagte er: „Ich mag Kräutertee.“

    „Auch keine schlechte Wahl. Möchtest du vielleicht Honig dazu?“

    Ja, bitte. Auf Koljas Nicken hin eilte Abigail schnurstracks in die Küche davon und im nächsten Moment hörte er das Rauschen des Wasserkochers, als auch das Klirren der Tassen. Heute schien einer dieser Tage zu sein, an dem Abigail mit einer besonderen Dosis Tatendrang aus ihrem Bett gesprungen sein musste und Kolja fand sie in diesem Zustand unglaublich niedlich. Bei so viel Vorfreude auf ihre Nachhilfe lag ihr wohl wahrlich viel an ihren Noten.

    Da Kolja wie bestellt und dann nicht abgeholt im Flur herumstand, trat er bis ins Wohnzimmer durch und ließ neben der Couch seinen Rucksack auf den Boden fallen. Wie von Abigail angekündigt, lagen auf dem Couchtischchen diverse Schreibutensilien bereit, zusammen mit einem Taschenrechner, ausgedruckten Aufgabenstellungen und einem Lehrbuch. Einzig eine Sache wirkte fehl am Platz: das vollständig aufgebaute Schachbrett, welches Abigail des Freiraums wegen bis zur Tischkante geschoben hatte. Offensichtlich pausierte das Spiel, denn die wenigsten Figuren harrten noch in ihrer Anfangsstellung und die vielen Bauern im Zentrum verrieten Kolja zweifelsfrei das Ende der Eröffnung. Auf den schwarzen Feldern ließ sich eine leichte Staubschicht erkennen. Die Spielpause dauerte also schon ein Weilchen und weil Kolja bezweifelte, man würde noch weiterspielen wollen, rückte er den weißen Springer vor. „мат“, murmelte er geistesabwesend in seiner Muttersprache. Schachmatt.

    „Wie hast du das gemacht?“

    Ertappt fuhr Kolja zu der fremden Stimme herum. Wie aus dem Nichts stand plötzlich ein junger Mann im Türrahmen zum Flur und betrachte den Bärenpoly mit regem Interesse. Nein, kein junger Mann, revidierte Kolja – ein Teenager und ging man nach den kurzgeschnittenen, schwarzen Haaren, den braunen Augen sowie der generellen Ähnlichkeit zu Scott und Colin, dann gehörte er unbestreitbar zum weitreichenden Klan der Fitzpatrickfamilie. In einer Hand hielt er sein Smartphone und ein Kabel verband das Gerät mit den knopfartigen Kopfhörern in seinen Ohren. Einer davon hing ausgestöpselt herab. Vermutlich, damit sein Träger Kolja besser verstand.

    Der Junge schloss zu ihm auf, deutete auf das Schachbrett und wiederholte seine Frage. „Was war das für ein Zug? Ich sitze seit Tagen ratlos vor der Aufstellung und du kommst hier rein und setzt den schwarzen König mal eben so schachmatt.“ Über die verschobenen Höhen und Tiefen des Stimmbruchs hinweg, hörte Kolja ein kehliges Kratzen aus der Tonlage des jungen Rüden heraus; derselbe markante Klang, den er von Scott und dessen Bruder kannte und welcher gleichermaßen in Abigails Mezzosopran wiederhallte.

    „Entschuldige. Ich wollte dein Spiel nicht verderben“, bat Kolja um Verzeihung, ungefragt die Spielfiguren versetzt zu haben, woraufhin der Teenager ihn mit großen Augen ansah.

    „Wie? Nein, nein! Keine Sorge, das macht nichts. Ich habe sowieso festgesteckt. Du spielst auch Schach? Kannst du mir beibringen, so superschnell zu spielen, wie du?“

    Ob er… Ehe Koljas Verblüffung eine Reaktion auf die Frage des unbekannten Wolfs zuließ, schob Abigail ihren Schopf um die Ecke. „Möchtest du Tee, Kieran?“

    „Ist noch was von dem Himbeertörtchentee da?“, machte dieser seine Entscheidung vom vorhandenen Teesortiment abhängig und nachdem Abigail bejahte, nahm er das Angebot freundlich lächelnd an. Moment. Kieran? Bei dem Teenager an Koljas Seite handelte es sich um Kieran? Überrascht blinzelte Kolja ihn an. Scotts jüngster Bruder passte rein gar nicht zu dem Spitznamen, mit dem seine Geschwister ihn oft betitelten. 'Der Kleine' war so hochgewachsen, dass ihn, wenn überhaupt, nur eine halbe bis maximal ganze Fingerbreite von Scott und Colin trennte und den überproportional großen Füßen und Ohren nach zu urteilen, bestand für Kieran definitiv noch Luft nach oben. Wörtlich gesprochen. Huh. Womöglich befand er sich irgendwann auf einer Augenhöhe zu Kolja.

    Als Abigail Kolja und ihren Bruder beieinanderstehend entdeckte, trat sie vollständig hervor und entsprechend ihrer gastfreundlichen Art, machte sie sie miteinander bekannt: „Das ist übrigens Kolja. Scotts Freund, weißt du noch? Er hilft mir mit meinen Matheaufgaben.“

    Alsdann breitete sich Erkenntnis auf Kierans Gesicht aus. „Du bist Kolja? Cool, Mann! Abby und Scott haben schon von dir erzählt. Nett, dich mal endlich persönlich kennenzulernen“, meinte er und gab Kolja auf ihre neugeschlossene Bekanntschaft hin schwungvoll die Hand. Für seinen schlaksigen Körperbau hatte der Teenager einen ganz schön festen Händedruck, bemerkte der Bärenpoly und gab das Kompliment an Kieran zurück: „Ebenso.“

    „Hast du mit Sean geredet?“, wollte Abigail in der anschließenden Sekunde wissen und wies auf Kierans Telefon. „Wie schlägt er sich so?“

    Ihr Bruder ließ die Schultern hängen. Bekümmert antwortete er: „Wie sich ein Zauberer zwischen Litha und Samhain eben schlägt. Es ist gerade echt schwierig mit ihm. Von jeder Kleinigkeit lässt er sich auf die Palme bringen und er reagiert so wahnsinnig schnell über. Jetzt haben ihm seine Eltern Hausarrest gegeben, weil er seine Schwester im Streit in ein Kaninchen verwandelt hat. Das verdirbt ihm auch bloß wieder die Laune und… na ja. Es ist schon unfair. Als ob uns die Pubertät nicht schon genug zu schaffen macht. Da brauchen wir diesen magischen Zyklus-Kram echt nicht auch noch.“ Während der letzten paar Sätze, stellte Kieran Blickkontakt zu Kolja her, als ob dieser wüsste, über wen Abigails Bruder eigentlich redete.

    „Du meinst, er hat sie in eine Kröte verwandelt“, korrigierte Abigail ihn sodann. Viele Leute hielten es für ein pauschales Vorurteil, dass Zauberer ihre Opfer allzu gern in die Hülle von Kröten zwingen würden aber betrachtete man die Statistiken, verbarg sich hinter diesem Klischee tatsächlich ein quantitativer Fakt. Bemerkenswerter Weise wurden diese Zahlen nur marginal von der Beliebtheit einzelner Tierarten beeinflusst. Den Ausschlag gaben stattdessen die Fingerfertigkeiten der Zauberergemeinschaft. Zauberer wirkten ihre Magie mithilfe bestimmter Handbewegungen, das wusste so gut wie jeder Freak. Dass aus diesen Gesten im Laufe der Zeit die Gebärdensprache entwickelt wurde und genau wie bei diesem Ableger jede Haltung eine eigene Bedeutung besaß, war hingegen weniger bekannt. Schon ein abstehender Finger vermochte die Kernaussage einer Zeichenfolge zu verändern. Nun bot der Fundus an Handzeichen aus irgendeinem Grund eine redundante Vielzahl an Synonymen für das Wort Kröte an. Wollte ein Zauberer also eine Person in ein Tier verwandeln und führte er die dazu notwendige Geste nicht perfekt aus, erwischte er mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eines dieser Ersatzworte. Kolja hatte sich die Zusammenhänge vor vielen Jahren von einer Kommilitonin und Zauberin erklären lassen, mit der er … nun ja. Heutzutage durften sie davon sprechen, miteinander liiert gewesen zu sein.

    Ratlos hob Kieran die Achseln. „Nein, nein. In ein Kaninchen. Die müssen ihren eigenen Kot fressen, um zu überleben, weil sonst ihre Verdauung nicht funktioniert und Sean meint, das sei eine größere Bestrafung, als ein paar hässliche Warzen.“ Da war was dran. Kolja schwankte, ob er die Denkweise dieses Seans für außerordentlichen diabolisch, oder außerordentlich kreativ halten sollte. So oder so beschloss er für sich, zukünftig keinem pubertierenden Zauberer einen Grund zu geben, sauer auf ihn zu sein.

    Abigail brachte ihr Mitgefühl für die Situation der zwei Teenager zum Ausdruck. „Hoffentlich geht es für Sean bald wieder bergauf. Es ist wirklich schrecklich, wenn man seine Freunde leiden sieht und ihnen rein gar nicht helfen kann.“

    „Spätestens nach Samhain ist er wieder der Alte“, erklärte Kieran optimistisch. „So lief es bis jetzt in jedem Jahr ab. Er kann nichts dafür, dass seine Stimmung Saltos schlägt und bisher hat er sich im Nachhinein immer für sein Verhalten entschuldigt. Ich bin einfach geduldig, dann renkt sich alles wieder ein. Er ist eben mein bester Freund.“ Erneut bezog er Kolja durch einen Blick in die Unterhaltung ein. Ja. Beste Freunde. Niemals gab man sie kampflos auf.

    Für Kieran schien damit das Schlusswort zu dieser Angelegenheit gesprochen und so lenkte er das Gespräch in eine andere Richtung: „Apropos Stimmung. Geht's Scott mittlerweile besser?“

    „Noch nicht, nein“, meinte Abigail. „Das wird es wohl erst, wenn seine Freundin wieder in Irland ist. Er vermisst Hazel nach wie vor sehr.“ Ein sanftes, gerührtes Seufzen folgte ihrer Antwort. „Ist das nicht einfach wundervoll? Scott ist so sehr in sie verliebt! Hach, ich bin ein kleines bisschen neidisch auf die zwei. Ich wünschte, ich hätte auch wie Scott mein Ein-für-alle-Mal erobert.“ Mh. Jetzt bildete sich Kolja vor lauter Schwärmerei für Abigail schon ein, sie sähe gezielt ihn dabei an. Sein hoffnungslos verknallter Verstand spielte ihm echt üble Streiche.

    Im Gegensatz zu seiner älteren Schwester zeigte Kieran weniger Empfänglichkeit für derartiges kitschiges Gesäusel. Skeptisch runzelte er die Stirn. „Findest du nicht?“, sprach Abigail ihn auf sein stummes Minenspiel an.

    „Ehrlich gesagt verstehe ich es nicht. Also, Scotts Freundin ist sicher eine prima Frau aber im Moment leben die zwei nicht mal auf derselben Landmasse. Ich weiß nicht, geht das? Ist so was überhaupt erlaubt?“ Offenbar steckte ein Stück von Colin in dem jungen Rüden.

    Tadelnd blies Abigail die Wangen auf, doch da drang aus dem Nebenraum das laute, blubbernde Geräusch des Wasserkochers an Koljas feinen Hörsinn und mit Sicherheit entging Kieran einer vor Romantik triefenden Zurechtweisung nur deshalb, weil Abigail sogleich in die Küche flitzte. Nach ein paar Augenblicken trug sie unbekümmert ein Tablett mit drei frisch aufgebrühten Tassen Tee ins Wohnzimmer. Keine Silbe verlor sie über das vorangegangene Thema von eben. Tja. So einfach ließ Abigail sich ablenken.

    Kieran griff nach einer grünen Tasse mit weißen Tupfen. In verschnörkelten Lettern stand auf dem Papierfähnchen, welches am Ende des Teebeutelfadens über den Tassenrand hing, 'Himbeertörtchen' aufgedruckt. „Ich nehme meine Tasse mit nach oben. Meine Hausaufgaben rufen. Hat mich gefreut, Kolja und vielleicht klappt es ja irgendwann mal mit dem Schachspiel.“ Zum Abschied prostete der Teenager Kolja mit seinem Himbeertörtchentee zu.

    „Vergiss dein Schachbrett nicht“, pfiff Abigail ihn noch einmal zurück. „Wir benötigen den Platz auf dem Tisch.“

    Ein wenig überfordert betrachtete Kieran daraufhin abwechselnd die Tasse in der linken, das Smartphone in seiner rechten Hand sowie das Schachbrett auf dem Tisch. „Ähm… könntest du...?“

    Natürlich konnte Abigail. Sie wischte die Spielfiguren vom Brett, wandte es um und verteilte die Figuren flach auf einer Hälfte. Im Anschluss klappte sie alles zusammen, sodass eine kleine Kiste entstand. Diese klemmte sie ihrem Bruder unter die Achsel und nachdem er seinen Dank ausgesprochen hatte, balancierte Kieran seine Fracht vorsichtig aus dem Raum. Klar. Wozu auch das Telefon aus der Hand legen, nicht wahr?

    „So, dann wollen wir mal!“ Eifrig beschloss Abigail den Beginn ihrer Nachhilfestunde und bot Kolja einen Platz auf der Couch an.



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    Meiner Erfahrung nach hängt das geschilderte Problem damit zusammen, ob besondere Vorlagen im Schreibprogramm festgelegt wurden sind. Ich spreche von den Auswahlmöglichkeiten "Überschrift", "Textkörper" etc. Der Editor will diese beim Kopieren und Einfügen übernehmen, hängt sich aber scheinbar manchmal auf und dann verwurstelt er sie des Outputs zuliebe zu... was auch immer. Gelegentlich hat der Editor mir sogar den Hintergrund des Posts weiß gefärbt (weil mein Dokument eben weiß ist, nicht?) .


    Ich verwende Open Office und seitdem ich für den ganzen Text die Dokumentvorlage "Standard" eingestellt habe, habe ich keinerlei Probleme mit dem Editor. Vielleicht funktioniert es bei dir ja auch Alexander2213

    Skadi Bekommst du oder das Forum jetzt eigentlich einen winzigen Prozentanteil dafür, dass LadyK über einen Link aus dem Forum etwas gekauft hat? Vielleicht könnte man so die Foren-Infrastruktur oder ein Off-Treffen finanzieren :D

    Schön wäre es ^^ Allein bei dem vielen Kram und den Shops, die ich in meinem Blog vorgestellt und damit beworben habe, hätte ich mir durch eine Beteiligung schon ein goldenes Näschen verdient :rofl:

    Kennt das noch jemand? Man bestellt sich was und ist danach sofort aufgeregt und will das Paket am besten sofort haben? xD

    Das ist bei mir grundsätzlich so :D Es soll bitte alles möglichst sofort da sein. Höchste Zeit, dass jemand die Teleportation erfindet und wenn es erstmal nur für Warensendungen funktioniert :rofl:

    Uhh, LadyK , berichte dann bitte, was du an Farbtönen bekommen hast und sobald du damit rumprobieren konntest, was du von den Produkten hältst :D


    Für mich lohnt sich das Paket leider nicht, weil ich durch meine Mega-Grab-Bag letzten Sommer das meiste davon schon habe (und wie ich mein Glück kenne, exakt die gleichen Farben nochmal bekommen würde). Gerade deshalb interessiert es mich, was andere so damit anfangen können ^^

    J-Stuff zieht nach und bietet anlässlich der Ausgangssperren ein Probierpacket an: Klick. Darin sind zu einem Preisvortel mehrere Einzelstifte und -farben enthalten, mit denen man rumexperimentieren und auf diese Weise neues Material für sich entdecken kann. Mit 29€ pro Paket ist das meiner Meinung nach eine Sache, die man durchaus mal mitnehmen kann - unter der Vorraussetzung, man ist experimentierfreudig ^^