Beiträge von Skadi

    Hallo Lady,


    Dieser Part war ja mal echt tiefsinnig - das war echt schön zu lesen und mal was anderes :D

    Manchmal kann ich auch mehr, als nur stumpfsinnig sein, ja :rofl:


    Colin hat echt keine Ahnung X( Er soll sie mal ein bisschen besser behandeln!

    :hmm: Mich beschleicht eine Vorahnung, du wirst Colin am Ende dieser Episode hassen :D xD

    Was spräche dagegen?

    Die Tatsache, dass ihr das nicht wollt? ^^


    Worauf AFG hinauswill, ist weniger eine Symmetrie an für sich, sondern Bildkomposition. Der Betrachter eines Bildes sucht sich automatisch Punkte, an denen sich sein Blick festhalten kann. So funktioniert unser Gehirn. Die Komposition nutzt diesen Fakt aus, diese Aufmerksamkeit gezielt zu lenken. Dominante Wegweiser sind dabei Blicke, richtungsweisende Gesten, Schriftzüge und jede Form von Rahmen. Übersetzt: deuten die Figuren im Motiv alle nach rechts, guckst du unweigerlich solange zuerst nach rechts, bis ein neues Bildelement deinen Blick greift und in eine andere Richtung umlenkt.

    In Drachenladys Skizze fehlt aktuell dieses neue Bildelement (Es ist halt nur eine Skizze, hat sie ja gesagt :pardon: ). Das Buch öffnet sich (logisch) nach rechts, die Blätter fliegen nach rechts und das Pferd sowie die Person deuten ebenfalls in diese Richtung, zudem durch die Figuren die Spannung und Dynamik zusätzlich nach rechts verlagert wird. Von der grundsätzlichen Balance, wäre das okay, wenn z. B. der Schriftzug auf den Buchdeckel steht aber solange nooch weiter rechts kein metaphorisches Bitte-wenden-Schild für den Betrachter auftaucht, gleitet sein Augenmerk aus dem Motiv hinaus und damit vom Buch weg. Das ist nicht der Sinn des Covers. AFG spricht dahingehend also einen durchaus wichtigen Punkt an.


    Fraglich ist natürlich, ob ein Motiv im Querformat für ein Buchcover geeingnet ist. Bücher öffnet man ja schließlich in der Regel im Hochformat. Aber ich hab eh keine Ahnung, also hin wie her :D

    „Wir sehen uns nach dem Spiel“, verabschiedete sich Scott von seinen Freunden. Gleich zwei Klapse gegen den Arm seines Bruders waren nötig, ehe dieser sich von Gwen losriss und ihm in die Umkleide folgte. So blieb Kolja mit den drei Mädels zurück. Aus dreien wurde ein einziges, als Abigail ihre neugewonnene Freundin auf einen Rundgang über das Gelände einlud: „Komm mit, Gwen. Ich führe dich herum.“ ...Was auch immer an einem Sportplatz dermaßen interessant sein sollte, um jemanden alle Ecken zu zeigen. Arm in Arm und in eine angeregte Unterhaltung über Gwens Schuhe vertieft, spazierten die beiden Grazien davon. Schnell befanden sie sich außerhalb jeglicher Hörweite, falls ihre Ohren überhaupt für etwas Anderes offenstanden, denn ihr reges Geschnatter.

    „Bitte nimm es dir nicht zu Herzen.“

    Hm? Was?

    Fragend schaute Kolja zu Moira herab, weil die Banshee ihn unvermittelt ansprach. Besorgnis dominierte ihr Minenspiel, derweil sie Koljas Züge musterte. Was meinte sie? Was sollte Kolja sich nicht zu Herzen nehmen? Zur Erklärung deutete Moira auf die drei Jungen von vorhin, die nun am anderen Ende des Platzes, weit entfernt von irgendwelchen Fahrzeugen oder Bärenpolymorphen, bolzten. „Das Verhalten der Kinder. So wie sie dich angeguckt haben, hätte man denken können, du würdest ihnen ernsthaft Gewalt androhen.“

    Moment…das… das hatte Moira mitbekommen? „Du hast uns beobachtet?“ Kolja spürte, wie ihm die Farbe aus den Wangen wich und sich dafür feige in seinen Ohren verkroch, sodass diese rotglühend wie eine Herdplatte auf voller Leistung strahlten. Wenn ihr seine Wirkung auf die Jungen aufgefallen war, dann womöglich auch Abigails Annäherungsversuch.

    Zu Koljas Beruhigung schüttelte Moira den Kopf. „Nein. Nicht wirklich“, antwortete sie auf seine Frage und, ohne es zu ahnen, zugleich auf seine unausgesprochene Befürchtung, aufgeflogen zu sein. „Mister Hayes hat angefangen, Colin und Scott wegen der Trikots zusammenzustauchen und… na ja. Du weißt ja wie schwer es ist, ihm nicht zuzuhören.“ Nach einer kurzen Gedankenpause redete sie weiter. „Aber ich denke, ich habe genug gesehen. Kolja, bitte glaub nicht, man müsste Angst vor dir haben. Jeder, der dich kennt weiß, dass du niemanden etwas zu leide tust. Die Reaktion der Kinder war echt daneben.“

    Hm. Abigails Nähe musste Kolja derart aus der Fassung gebracht haben, dass er den Vorfall mit den Jungen tatsächlich verdrängt hatte. Doch Moira demonstrierte ihren richtigen Riecher. Kein Wunder, schließlich bestand Koljas Freundschaft zu ihr fast so lange, wie die zu Scott. Mit der Wucht eines saftigen Boxhiebes mitten in die Leber, sorgten die bangen Mienen der Welpen für Krämpfe in Koljas Eingeweiden. Er nahm die Knirpse in Schutz. „Sie hatten keine bösen Absichten.“

    „Die hattest du auch nicht.“ Bekümmert zuckten Moiras Brauen zusammen. „Die Leute tun so, als wärst du eine Gefahr für sie, nur wegen deiner Statur. Das ist Unsinn. Du bist so friedfertig und duldsam und es gibt keinen Grund, dich vor den Kopf zu stoßen. Ich weiß ja, wie es dich jedes Mal mitnimmt, wenn jemand Furcht vor dir zeigt und ich möchte nicht, dass du denkst, diese Vorurteile über dich wären berechtigt.“

    Vorurteile. Wer kannte sich besser damit aus, denn Moira? Nur weil sie von kleinem Wuchs war, zart und zurückhaltend, hielten sie viele automatisch für einen Angsthasen, der niemals allein zu Recht kam oder man versuchte sie herum zuschubsen wie einen modrigen Kartoffelsack. In Wahrheit steckte die Banshee aber voller Wagemut, was gewissermaßen zu den Grundvoraussetzungen gehörte, um gemeinsam mit Scott aufzuwachsen, und nur ihr Harmoniebedürfnis hielt sie davon ab, Typen wie Colin ihre Meinung ins Gesicht zu klatschen. So gesehen kämpften sie und Kolja mit umgekehrten Problemen: Ihm traute man aufgrund seiner Erscheinung zu viel und ihr zu wenig zu.

    „Es ist zermürbend“, beichtete Kolja ihr.

    „Ist es. Lass dir aber bitte Nichts einreden, ja?“ Da schenkte Moira ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Du bist doch unser Fels in der Brandung.“

    Ihr Fels in der Brandung? Überfragt kräuselte er die Stirn. „Wie meinst du das?“ Also klärte Moira ihn auf:

    „Mir ist klar, dass Scott und ich nicht gerade einfach sind. Wir sind Opfer unserer Launen. Wir lassen uns von unseren Gefühlen lenken, wenn wir eigentlich unsere Köpfe benutzten sollten und seit Hazel weg ist, dreht Scotts Stimmungs-Hoch-und-Runter komplett am Rad. Aber selbst, wenn für uns die Welt völlig verrückt zu spielen scheint, bewahrst du deine Ruhe und entschleunigst uns. Unsere Emotionen prallen an dir ab. Du störst dich nicht an ihnen und du nimmst es uns nicht übel, sollten wir über die Stränge schlagen. Deswegen funktioniert es zwischen dir und Scott so hervorragend. Deine Ausgeglichenheit kompensiert seinen unbeherrschten Charakter. Wir sind die aufgewühlte See und du der langmütige Felsen, um den wir herumtoben dürfen, bis uns die Energie ausgeht.“

    Kolja fehlten die Worte und dieses Mal lag es keineswegs an seiner einsilbigen Art oder eventuellen interlingualen Kommunikationsschwierigkeiten, zudem Moira ihr Soliloquium längst nicht beendet zu haben schien: „Scott und du, ihr habt euch gesucht und gefunden. Ihr kennt beide das miese Gefühl, in irgendwelche Schubladen gesteckt zu werden. Sei es nun wegen deiner körperlichen Erscheinung oder seiner Hitzköpfigkeit.“ Ertappt biss sich Moira auf die Unterlippe. „Jetzt bin ich irgendwie abgeschweift aber ich dachte, es ist angebracht, dir das alles mal zu sagen. In letzter Zeit bist du immer so oft in deinen Gedanken versunken und noch grüblerischer, als sonst. Das bereitet mir Sorgen.“

    Wieder trat Koljas Unfähigkeit hervor, zu Begebenheiten wie diesen die passenden Formulierungen zu finden. Anstelle von Anerkennung, quoll klangloser Atem aus seinem leicht offenstehenden Mund hervor. Vielleicht… vielleicht sollte Kolja Moira ins Vertrauen ziehen? Ihr offenbaren, dass der Grund für seine Grübeleien in Gestalt von Abigail tagtäglich um ihn herum hüpfte und seine, laut Moira, perfekte Freundschaft zu Scott gefährdete? 'Nein', entschied sich Kolja dagegen. Besser nicht. Ihr eigenes, holpriges Liebesleben hielt Moira genug auf Trapp, obwohl sie seit der Abweisung von diesem Ken keinen neuen Schwarm erwähnt hatte. Vermutlich wurde sie einfach zu sehr davon eingenommen, Colin wegen seines Porträtfotos nachzurennen. Daher versuchte Kolja, Moira zu beschwichtigen. „Es ist alles Ordnung. Danke für deine Fürsorge“. Ob dahinter die Wahrheit oder eine Lüge steckte, war ihm selbst unklar.

    „Ist gut. Sollte doch etwas sein… du weißt ja. Unsere Türen liegen direkt nebeneinander“, bot sie ihm ihre Hilfe an, die Mundwinkel nach wie vor zu einem sanften Lächeln angehoben.

    „Das ist lieb, Moira.“

    „Keine Ursache. Wir kümmern uns umeinander, so simpel ist das. Du und Scott seid eben meine Familie.“

    Ja.

    Ja, das waren sie wirklich. Gelegentlich verdrängte Kolja, wie viele, viele Jahre Moira mittlerweile als Vollwaise lebte. Um ihre Unterhaltung in eine heitere Richtung zu befördern, witzelte die Banshee herum: „Weißt du, Kolja? Manchmal versuche ich mir auszumalen, wie du wohl bist, sobald dir endgültig der Geduldsfaden reißt. Aber dafür reicht meine Phantasie nicht aus.“ Sie schmunzelte. „Und ich bin mir sicher, es niemals live erleben zu wollen.“

    „So?“

    „Hm-hm!“, bestätigte Moira munter nickend. „Ich glaube, man muss etwas echt Schlimmes anstellen, damit du deine Ruhe verlierst. Man steckt dann vermutlich richtig in der Patsche und das mag ich mir gar nicht erst vorstellen. Genauso geht es mir mit Abby. Früher hat Scotts Papa mich immer gewarnt, es gäbe nichts angsteinflößenderes, als eine zornige Wölfin. Ihr zwei seid euch in der Hinsicht sehr ähnlich.“

    Abigail. Die Wölfin fand ihren Weg in wahrlich jeden Aspekt seines Lebens. Kolja bemühte sich, möglichst gelassen auf die Gleichsetzung mit seiner heimlichen Liebe zu reagieren. „Findest du?“

    „Ja, irgendwie schon. Ihr geht auf unterschiedliche Weise sehr tolerant mit Anderen um und ich stelle es mir beängstigend vor, euch tatsächlich wütend zu erleben. Ich mein, ist dir aufgefallen, wie oft sich Colin gegenüber Abby im Ton vergreift? An ihrer Stelle hätte ich ihm längst eine Pfanne oder so hinterhergeworfen.“

    „Moira“, erinnerte Kolja die Banshee an ihren letzten gemeinsamen Fernsehabend, „du hast Colin eine Pfanne hinterhergeworfen.“ Konkret gesagt, sogar Koljas Lieblingspfanne. Die, in der weder Fleisch noch Teig je ansetzte.

    Selbstsicher stemmte Moira ihre Hände in die Seiten. „Und ich hätte ihn auch fast damit getroffen! Verdient hätte er es zumindest.“ Im Anschluss begann sie zu kichern und Kolja schloss sich ihr an.

    „Ja. Das hätte er auf jeden Fall.“

    Moira. Die tapfere, schlaue Moira. Was für ein Glück für Kolja, sie zu seinem Freundeskreis zählen zu dürfen. Die Banshee gehörte zu den wenigen Personen, welche in ihm entgegen seines Körperbaus zu keinem Zeitpunkt eine Bedrohung sahen. Sie, ebenso wie Scott, Abigail und… na ja, zu Koljas Leidwesen die Fee-… .

    Huh? Was war denn nun los? Schlagartig wurde Moira blass um ihre Stupsnase; noch blasser, als ihr heller Teint sowieso schon anmutete. „Oh nein“, hauchte sie, die Augen entgeistert auf einen Punkt hinter Koljas Rücken fixiert. Zeitgleich hörte Kolja die Stimmen.

    „Was ist das für 'ne Schrottkarre, Mann? Räumt mal jemand den Abfallhaufen hier aus dem Weg!“

    Und im Geiste wiederholte er Moiras Ausruf.

    Oh Nein… .

    Die Feen.



    nächster Teil

    Heho ^^

    in scharfer Schmerz an der rechten Halsseite ließ sie aufjammern und bewegungslos liegenbleiben.

    Ich mutmaße... ein Vampirbiss? :o Mich hat mal im Tierladen eine Ratte gebissen und das hat verdammt gebrannt :hmm: So ein Vampirbiss muss da gleich nochmal ein paar Level auf der Schmerzskala höher liegen.

    Oder Nellie leidet an einet echt üblen Verspannung im Hals. Die hab ich früh auch manchmal, wenn ich Halbschlaf meinen Kopf dumm drehe :hmm:


    Der Teil ist kurz, regt aber zum Spekulieren an, wie du siehst :D

    Immer komisch, wenn Held im richtigen Zeitpunkt prompt den richten Zauber lernt um GENAU aus dieser Situation zu kommen.

    Genau, oder wenn der Held aus seiner Tasche einen Zaubertrank zieht, der die ganze Zeit vorher nie erwähnt wurde, geschweige denn, dass der Held so was überhaupt besitzt ^^ "Robin, gib mir das Anti-Hai-Spray!"


    Vielleicht macht er ja den klassischen "Mein Hund hat meine Hausaufgaben gefressen"-move, wenn er das Bullet Journal findet, nur damit Hazel nicht geht

    Beziehungsweise wäre das in Scotts Fall "Ich habe ihre Hausaufgaben gefressen" :D


    Ich muss zugeben, seit dem es um das Bullet Journal geht, hat die Geschichte für mich noch mal viel dazu gewonnen. Vorher fand ich sie "nur" lustig und unterhaltsam.

    Also, mir ist bewusst dass sich meine Geschichte am Anfang wie Kaugummi zieht, wenn man eposale Action-Fantasy erwartet. Deswegen gebe ich ja auch immer wieder den Hinweis, dass meine Freakshow nicht in diese Kategorie fällt. Mir war es außderm wichtig, dass zwei Grundsteine gelegt werden, bevor es richtig losgeht: 1. Der Leser muss im Bilde sein, wie meine Welt funktioniert (was bei meinen Freaks ja jetzt nicht so kompliziert ist). 2. Mein Freak-Squad muss vollständig sein.

    Im Grunde geht die Haupthandlung ja schon damit los, dass Hazel ihr Bullet Journal in der Kasse versteckt und dem anschließenden Konflikt mit den Wölfen. Das weiß man als Erst-Leser natürlich nicht, deswegen macht die Handlung einen ziellosen, langweiligen Eindruck. Hätte ich direkt mit der Verwüstung gestartet, würde der Bezug zum Pub fehlen und dem Leser wäre es völlig egal, was dort passiert ist. Danach brauchen die Wölfe etwas Zeit, um überhaupt Schaden anzurichten und dann ist Scazel ja eigentlich schon mitten drin im roten Faden.


    btw fand ich das war eine sehr schöne Beschreibung^^

    Danke schön ^^

    Aloha Eti ^^


    Ah ok. Ich hatte sowas befürchtet. Dann liegt das an meiner langen Pause

    Ich denke, das wird auch noch das ein oder andere Mal passieren ^^ Ich baue gern Dinge ein, die zum Zeitpunkt ihrer Erwähnung nebensächlich sind aber später dann aufgegriffen werden. So spare ich mir später lange Erklärungen (die zum Beispiel Actionszenen verlangsamen könnten :hmm: ), beziehungsweise finde ich persönlich, dass die Geschichte dadurch in sich runder wirkt. Also ich meine, es wirkt weniger "für den Moment ausgedacht", in dem ich diesen Umstand brauche. Ich hoffe man versteht, worauf ich hinaus will.


    Ich hoffe ich nerve dich nicht langsam xD

    Nein, nein. Keine Sorge xD Wenn ich mal nicht zeitnah antworte, liegt das am Zeitfaktor und nicht an dir.


    Jo, das kenn ich. ICh bin nämlcih genau so xD

    Und ich bin da eher wie Hazel. Lieber zehn Minuten eher, als sich hetzen zu müssen ^^


    Ich glaube, es ist schon das wiederholte mal, dass Scott etwas erklärt, dass für einen Freak durchaus selbst verständlich wäre.

    Gut erkannt ^^ Auf diese Weise will ich dem Leser Dinge über meine Freaks erklären, die wichtig sind, um die Handlung zu verstehen. Weil es aber keinen Sinn machen würde, wenn meine Freaks dieses "Allgemeinwissen" bequatschen, wo doch eh jeder darüber Bescheid weiß, muss Hazel sich den Kram dann anhören ^^


    Kann es sein, dass er Hazel nicht ganz als Freak ansieht? Vielleicht, weil ihre Kräfte und typabhängigen Eigenarten nicht so offensichtlich sind, wie bei den anderen, die wir bisher gesehen haben.

    Du bist der erste, der mich darauf anspricht :D Richtig. Scott hat sich diesbezüglich sogar schon zu Anfang geäußert:


    „Du erklärst ihr ja auch immer Sachen, die jeder Freak weiß“, warf Kolja ein und begutachtete die Schalen mit dem Knabberkram, als müssten sie erst durch den kulinarischen TÜV, ehe man sie den Gästen vorsetzten durfte. Scheinbar war er zufrieden mit seiner Kreation. Zum ersten Mal seit zwei Minuten richtete er seinen Blick wieder auf Scott; genau in der Sekunde, in der der Wolf erwiderte: „Jeder Freak vielleicht, aber kein Mensch.“

    „Hexen sind keine Menschen, Scott. Das weißt du.“

    Da prustete Scott abschätzig und verschränkte die Arme vor der Brust. „Technisch gesehen sind sie das. Der einzige Unterschied zwischen einem Menschen und einer Hexe ist, dass Hexen sich mit Kräutern auskennen und müffelnde Tränke brauen können.“

    Ich möchte damit deutlich machen, dass meine Freaks keine große glückliche Gemeinschaft sind, sondern untereinander Vorurteile und die ganzen anderen schlechten Eigenarten einer Gesellschaft herrschen. Auch mein FreakSquad ist da keine Ausnahme.


    Vielen Dank für's fleißige Lesen ^^ :love:

    Hallöchen ^^

    Meiner Meinung nach, hätte man das noch ein bisschen ausreizen können ... Aber dann hätte nachher der gesamte Part nur noch aus diesem Witz bestanden ^^;

    Als ich den Part ausgearbeitet habe, wollte ich das auch länger ziehen. Allerdings musste ich bedenken, dass diese Geschichte aus 3 Episoden besteht und ich mein Pulver nicht gleich am Anfang verschießen sollte ^^ Es wird aber auf jeden Fall noch mehr Momente dieser Art geben.


    Hayes wird irgendwie auch immer bildlicher vor meinem Auge. Außerdem ist er derjenige, dessen Stimme sich irgendwie am genausten in meinem ... Ohr/Kopf abspielen lässt.

    Tatsächlich ist Hayes auch die Figur, bei der ich nie überlegen muss, was und wie er es sagt :rofl: Seine wörtliche Rede fließt praktisch von selbst aus meinen Fingern.


    Vielleicht war das aber auch schon vorher in den Parts so, und ich hab es einfach vergessen ^^;

    Es wurde erwähnt, ja. Gleich im ersten Teil aus Hazels Sicht wird beschrieben, dass er ihr Typ ist und sie Schmetterlinge im Bauch hat, wenn er Interesse an ihr zeigt. Die Eifersucht ist dann sozusagen das nächsthöhere Level, um deutlich zu machen, dass sich Hazel nicht mehr in einem Anfangsstadium luftiger Verknalltheit befindet, sondern sich schon ihrer Gefühle bewusst ist. Weshalb sie so krampfhaft versucht, sich zusammenzureißen, anstatt vor Scott eine Szene zu veranstalten, wird später erklärt.


    und lassen diesen armen Sukkubus hier zurück :( Naja, man kann ja nicht alles haben ...

    Hayes bleibt bei ihr, keine Sorge :ninja:

    Und du triffst sie bestimmt wieder ^^ ... Irgendwann :D

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    Dein Prolog legt sprachlich eine Punktlandung hin, wenn du mich fragst ^^ Für so wenige Worte, schlägst du einen vielversprechenden Grundton und eine Thematik an, die mir gut gefallen könnte. Ich behalte die Geschichte also im Auge :D


    Wie viel Sinn es macht, nach 4 Sätzen Stilkorrekturen durchsetzen zu wollen - darüber lässt sich streiten denke ich. Nur kurze Anmerkungen meinerseits:


    Und: Wenn es aber nun der Stil des Autors ist, das Lachen oder Lächeln einer Person detailierter zu beschreiben? Du wirst nicht viel Freude an meinen Arbeiten haben, fürcht ich, bei mir lächeln die Leute eben nicht nur profan in die Gegend, sie giggeln, feixen, grienen fett, kichern, schmunzeln und grinsen. Und jedes Wort gebiert (zumindest in meinem Hirn) ein anderes Bild des Lächelns.

    Dito, da bin ich ganz bei dir. Ein Lächeln ist nicht gleich ein Lächeln und wozu bietet die deutsche Sprache so viele verschiedene Worte, wenn man sie nicht nutzen sollte? Vor allem in der Prosa :thumbup: Ich persönlich finde, es zeichnet einen Autoren gewissermaßen auch aus, zahlreiche Umschreibungen für eine Mimik zu finden und dann auch noch die vielen feinen Nuancen jeder einzelnen zu unterscheiden.

    Aber die einen mögen es so, und andere eben wie wir :hmm:


    Ich kenne etliche Leute, die ich ziemlich fix zum Schnurren bringen kann... Vielleicht kennst Du nur nicht die richtigen Leute?

    :grinstare:

    Davon abgesehen sehe ich solche Laute auch oft als eine Art Metapher. Mein Papa hat mir früher, wenn ich Husten hatte, immer zugerufen: "Du bellst wie'n Straßenköter!". War eine passende Beschreibung für die Laute, die ich rausgewürgt habe xD

    Ich denke, jeder weiß dass ein Mensch (in der Regel) keine wirklichen Schnurrlauter einer Katze imitiert. Aber jeder kennt das gleichmäßige Geräusch tiefster Zufriedenheit und das beschreibt das Seufzen postorgastischer Zustände eben ziemlich perfekt :D


    Ich habe die Tante Google gefragt und auch Leute meiner Umgebung.

    Für "trieseln" habe ich jetzt nicht explizit nachgeguckt aber ich persönlich vetrete da folgende Einstellung: Steht es mit der Bedeutung, die du implizieren willst, im Duden? ^^ Dann ist es legitim, zu verwenden.

    Hallo Eti ^^

    Zweimal musste ich dann allerdings hinschauen, als Hayes dazu kam. (Gut, dass das nur geschrieben ist, sonst hätte ich ähnlcih wie Scott wahrscheinlich nirgend wo anders mehr hinschauen können :P )

    Sein vulgärer Ausbruch hat mich erst mal stolpern lassen, weil ich im ersten Moment dachte Scott sagt das xD

    Aber dann wurd es zum Glück direkt im nächsten Satz aufgelöst ^^;

    Für mein Verständnis macht es eigentlich schon der Zeilenumbruch nach Scotts Antwort deutlich, dass eine andere Person spricht und wie du selbst festgestellt hast, wird diese gleich im anschließenden Satz aufgelöst ^^ Dass man sich erstmal fragt, "häh, wer redet denn jetzt dazwischen?" ist in der Hinsicht gewollt, weil ich den .. naja, ich nenne es Mal Überraschungseffekt, auf den Leser übertragen wollte.

    Ich bin kein Fan davon, wörtliche Reden immer als Hayes kam dazu und sagte: "..." oder "So'ne Drecksscheiße!", warf Hayes plötzlich ein zu gestalten.


    Es ist tatsächlich mehr zerstört, als ich mir vorgestellt habe

    Nichts halbes und nichts ganzes :D Wenn, dann richtig!


    Das es eine Sukkubus ist, war mir relativ schnell klar. Aber ich wusste ja auch, durch ein Gespräch im Chat mit dir, dass irgendwann eine Sukkubus auftauchen wird. Das hatte ich dabei denke ich im Hinterkopf.

    Ja, da habe ich dich wohl unwissentlich gespoilert :rofl: Sorry!


    Aber es spricht dann ja für dich, dass ich diesen Gedanken direkt der Person zu Ordnen konnte.

    Schön C: Danke.

    Huhu Miri ^^ Danke für deinen Kommentar.

    :rofl: - ich feier Hayes ohnehin xD

    Ich auch :P

    :hmm: Vielleicht muss ich doch eine Hayes-Puppe einplanen, wenn ihr ihn so toll findet :D (Tu ich nämlich auch, hihi!)


    Ich verstehe ja, dass ihm seine Freundschaft zu Scott wichtig ist, aber er könnte ja auch einfach mal mit Abby REDEN und herausfinden, was sie wirklich will und von ihm erwartet/sich erhofft


    Das ist ja jetzt der Plan, hihi :D


    An der Seitenlinie warteten, gemeinsam mit Moira, Abigails Brüder und winkten die Wölfin hektisch heran. Keiner der drei schien den Beinahe-Kuss als solchen wahrgenommen zu haben. Vor allem Scott hatte das ganz offensichtlich nicht getan. Koljas Freund zupfte auffordernd am Kragen seines Trainingsoutfits herum und rief quer über den halben Platz: „Wird das heute nochmal was?“

    Unzufrieden legte Abigail die Stirn in Falten, eilte letztlich aber trotzdem zu Scott und Colin herüber. Kolja folgte ihr nicht sofort. Zuallererst musste er das Chaos an Gedanken, Emotionen und Hormonen entwirren, dass ihm, wie ein nasses Knäuel Haare den Duschabfluss der WG, die Gehirnwindungen verstopfte. Abigail wollte ihn küssen. Wieso? Sie hatte Monate verstreichen lassen, ohne einen Annäherungsversuch zu unternehmen. Weshalb also gerade jetzt? Was war passiert, dass sich Abigail ihm aus heiterem Himmel an den Hals warf? Gab es überhaupt einen Auslöser oder entsprang ihr Kuss bloß einer spontanen Laune? Als eine Auswirkung ihres sprunghaften Wesens?

    Unweigerlich kehrten Erinnerungen an die Zeiten zurück, in denen Kolja in Abigails Alter war. Damals hielt er seine Zauberin für die Frau seines Lebens, um sie gleich in den ersten Wochen seines Auslandssemesters praktisch zu vergessen. Wahrscheinlich durchlebte Abigail gerade dieselbe Illusion von Liebe. Ihre Zuneigung zu Kolja beschränkte sich auf reine Oberflächlichkeit und geriet ohne die passenden Anlässe in Vergessenheit. Eine Schwärmerei, mehr steckte schwerlich dahinter. Das genügt Kolja nicht. Er wollte keine kurzlebige Affäre sein. Niemals würde er sich mit einer temporären Romanze zufriedengeben können, unter deren vorhersehbarem Ende seine Freundschaft zu Scott litt.

    Somit blieb Kolja nur das übrig, was er seit langer Zeit tunlichst vermieden hatte: Er musste das Thema Gefühle auf den Tisch bringen. Ihm fehlte jedwede Vorstellung, welches Resultat aus dieser Konfrontation hervorgehen sollte; irgendetwas musste er jedoch unternehmen, wollte er rechtzeitig die Kurve kriegen, um nicht direkt in den massiven Berg aus Missverständnissen zu schlittern, der sich zwischen ihm und Scott aufzutürmen drohte.

    Aber nicht jetzt. Heute ging es um Scott und das Fußballspiel. Außerdem hielt Kolja es für klüger, Abigail unter vier Augen zur Rede zu stellen. Also trottete der Bär zu seinen Freunden herüber und schnappte beim Näherkommen den Rest des Gesprächs auf.

    „Na endlich“, nörgelte Scott gerade ungeduldig herum. „Ging das nicht schneller? Wir mussten uns schon von Hayes dumm anmachen lassen, weil wir immer noch nicht umgezogen sind.“ Die anderen Spieler flitzten in ihren farbigen Spielertrikots über das Spielfeld, wohingegen Scott und Colin ihre neutrale Trainingskleidung trugen und somit zwischen ihren Mannschaftskameraden herausstachen.

    „Entschuldigt bitte, ich war abgelenkt.“ Abigail kramte in ihrer Umhängetasche herum und förderte schließlich zwei Ballen fein säuberlich gefaltete Stoffe daraus zu Tage, welche sie den Wolfsrüden aushändigte. Mann… . Für so was herrschte neben dem ganzen anderen Krempel in ihrer Tasche noch Raum?

    Abigails Brüder teilten die Bündel unter sich auf und Kolja identifizierte nunmehr, worum es sich überhaupt dabei handelte: Trikots. Weiße Schrift auf grünem Textil wiesen die Spielernummern aus, sowie den Namen des Vereins, für den Scott und Colin antraten. Dass Abigail die Outfits der beiden wusch und ihnen anziehfertig vor die Nase schleppte, musste wohl eine weitere Eigenart geschwisterlicher Fürsorge sein, die für Kolja wohl auf ewig unbegreiflich bleiben würde.

    Colin fackelte nicht herum. Er entledigte sich an Ort und Stelle des Oberteils, das er am Leibe trug, und schlüpfte kurzerhand in sein Trikot hinein. Gerade streifte er das grüne Polyestershirt über seinen Bauch, als neben ihm unangekündigt der Auslöser einer Digitalkamera eifrig einen piepsenden Jingle anstimmte. Das sich mehrfach wiederholende, künstlich klingende Geräusch provozierte Colin. „Nimm die scheiß Kamera runter, bevor ich mit dem Ding Dribbeln übe“, knurrte er genervt.

    Tatsächlich senkte Moira ihre Kamera. Pikiert verzog sie den Mund. „Wenn du mir freiwillig für dein Porträt Modell stehen würdest, müsste ich dich nicht so überfallen.“

    Wie vorauszusehen, fiel Colins Erwiderung darauf gewohnt unhöflich aus. „Ich hab' dir gesagt, ich hab' keinen Bock auf diese Foto-Scheiße, also lass mich in Ruhe. Schon mal was vom Persönlichkeitsrecht gehört?“

    „Auf das hast du doch verzichtet.“ Verwundert blinzelte Moira ihn an und als Colin verständnislos zurückblinzelte, wollte die Banshee wissen: „Hast du dir die Einverständniserklärung denn nicht durchgelesen, die du abgegeben hast?“

    „Was faselst du da? Was für 'ne Einverständniserklärung?“

    Auf seine Frage hin rief Moira Colin im versöhnlichen Tonfall die Umstände in Erinnerung. „Ich rede von dem Zettel, den du bekommen hast. Mister Hayes hat die ganze Mannschaft dafür unterschreiben lassen, dass ich im Rahmen der Spiele und des Trainings Fotos von euch machen darf.“

    „Du meinst doch nicht etwa den Wisch, den er uns mit den Worten hingeknallt hat 'unterschreibt gefälligst die Scheiße, oder ich schmeiß euch im so hohem Bogen aus der Mannschaft, dass der behinderte Regenbogen, der zu meinem Goldtopf führt, dagegen wie 'ne Erektionsstörung aussieht'?“

    Da nickte Moira. „Doch, den meine ich.“

    „Das ist doch Bullshit!“ Gereizt warf Colin die Hände in die Luft. „Warum sollte ich mir den Mist durchlesen?! Wer hat Zeit für so was?“

    „Tut mir leid, Colin“, erklärte Moira abschließend. „Mister Hayes erwartet Fotos und du hast mir das schriftliche Einverständnis gegeben, diese Fotos zu schießen. Das heißt, dass ich dich jederzeit und überall fotografieren darf.“ In einem Versuch, Colins Gemüt zu besänftigen, scherzte die Banshee: „Wenn ich wollte, dürfte ich dich sogar unter die Dusche verfolgen.“

    „Wag es und die glitschigen Bodenfliesen werden dein geringstes Problem sein.“ Tja, das durfte man dann wohl als Fehlschlag bezeichnen.

    Nach dieser Drohung nahm Kolja nicht an, dass Moira ihren Disput mit Abigails Bruder bis zum Schluss austragen wollte. Sowieso wurde Colin von Scott abgelenkt, wodurch das Gesprächsthema einen anderen Kurs einschlug. „Lass gut sein“, sagte Scott. „Wir müssen uns umziehen gehen.“

    Nickend willigte Colin ein. Ehe er Scotts Aufforderung folgte, blickte er suchend zum Parkplatz.

    „Wartest du auf jemanden?“, fragte Abigail und schaute ihrerseits zu den abgestellten Autos herüber. Mh. Dort drüben hielt sich niemand auf, der Kolja bekannt vorkam.

    „Er wartet auf Gwen.“ Scott grinste vielsagend und verpasste Colin einen leichten Stoß mit dem Ellenbogen. Dieser schlug den Arm seines Bruders beiseite.

    „Ich warte nicht auf sie. Ich hab' mich bloß gefragt, ob sie noch vor dem Anpfiff auftaucht.“

    „Ooh!“ Begeistert renkte nun auch Abigail ihren Hals dabei aus, den Sukkubus unter den Leuten ausfindig zu machen. „Gwen hat angekündigt, vorbeizukommen?“

    „Colin hat sie eingeladen“, verriet Scott seiner Schwester und das Grinsen auf seinem Gesicht wurde sogar noch ein Stück breiter. Damit feuerte er Abigails Neugierde tüchtig an.

    „Ist das wahr?“

    „Sie hat gemeint, sie interessiert sich für Fußball“, rechtfertigte sich Colin. „Es wäre echt mies von mir gewesen, es nicht zu tun.“ Hm-hm. Natürlich wäre es das. Weil Colin ja schon immer als ein Paradebeispiel für Höflichkeit und gutes Benehmen galt. So, so. Demnach stimmte also, was Scott erzählte. Colin entwickelte ein Interesse an der schönen Gwen. Wer sollte es ihm bei so einer Frau verdenken? Kolja schmunzelte vor sich hin, unterdessen Scott seinen kleinen Bruder noch etwas mehr triezte:

    „Ist klar. Und du glotzt sie auch nur an, als wäre sie ein frischgeräuchertes Schweineohr, weil du nett sein willst.“

    „Blödsinn“, wehrte Colin diese Unterstellung ab. „Warum sollte ich Gwen anglotzen? Sie ist gar nicht mein Typ. Immer trägt sie diese Kleider und hohen Schuhe. Ich steh echt nicht auf diese Schickimickischei-… heilige Scheiße.“ Mitten im Satz klappt Colin der Kiefer herab, als wolle er sich das stoppelige Kinn von den Grashalmen des Fußballfeldes kitzeln lassen. Was hatte er denn jetzt entdeckt, dass es ihm abrupt die Sprache verschlug? Automatisch wandte Kolja sein Augenmerk in dieselbe Richtung, in die der Rüde gaffte und… .

    Sapperlot.

    Da war Gwen.

    Und sie sah… anders aus.

    Statt den gewohnten High Heels und einem engen Kleid, trug Gwen schwarze Doc Martens, ziemlich ähnlich den Schnürboots, in denen Colins Füße meistens steckten, eine aus eindeutig modischen Gründen löchrige schwarze Strumpfhose und darüber dunkle Hot Pants. Ihr Bandshirt der Foo Fighters hatte Gwen sehr, sehr knapp unterhalb der Brust zusammengebunden und gewährte somit ungeniert freie Sicht auf ihren flachen Bauch. Immerhin blieb sie sich dahingehend treu: Ihre Kleiderwahl fiel genauso freizügig aus, wie Kolja es von ihr kannte. Freizügig, figurbetont, nur… nun ja. Eben anders.

    Vom Parkplatz aus schlenderte der Sukkubus den Weg zum Spielfeld entlang und der Faszination der umstehenden Männer, sowie den Blicken der Frauen an ihrer Seite nach zu urteilen, würde Gwen heute noch der Auslöser für viele, viele Ehestreits sein. Einer der Kerle ließ sich derart von ihrer Aura einnehmen, dass er geistesabwesend versäumte, wie sein Hund ihm das Eis aus der Hand wegfraß und ein anderer fuhr ungebremst mit dem Fahrrad gegen die Spielfeldbarrieren, woraufhin er im spektakulären Bogen einen Vorwärtssalto mit Bruchlandung auf dem Rasen vollführte. Tja. Der Anziehungskraft eines Sukkubus' konnte Mann einfach nichts entgegensetzen. Colin durfte davon wohl ein Liedchen singen.

    Zum ersten Mal im Laufe ihrer Bekanntschaft erlebte Kolja Gwen mit zusammengebunden Haaren und durch den seitlich gefassten Zopf trat ihr Sidecut besonders deutlich hervor. Mit einer grazilen Handbewegung warf sie die gebündelten Haarsträhnen über ihre Schulter, als sie schließlich bei ihren neuen Freunden ankam. „Ich grüße euch.“

    „Du siehst großartig aus, Gwen!“, sprach Abigail sie direkt auf ihr unübliches Outfit an. Wozu auch Zeit mit Begrüßungsfloskeln verschwenden? Jedenfalls freute sich Gwen über das Kompliment.

    „Danke. Heute ist mein freier Tag, also muss ich mich zur Abwechslung nicht für andere verkleiden.“

    „Bist du geschrumpft?“ Verwirrt betrachtete Scott den Sukkubus, weil ihr Gesicht unterhalb seiner gewohnten Augenhöhe hing.

    Sie klärte ihn auf: „Nein, Schätzchen. Ich trage keine Absätze.“ In der Tat wirkten sich die flachen Sohlen merklicher auf Gwens Körperhöhe aus, als Kolja vermutet hätte. Ohne High Heels überragte Gwen die zarte Moira gerade mal um eine Handbreite.

    Anschließend wanderte Gwens Aufmerksamkeit zu Colin. „Hi“, grüßte sie den staunenden Wolf und setzte für ihn ein besonders anziehendes Lächeln auf.

    Er tat es ihr gleich. „Hi.“ Hernach verbrachten die zwei einige Sekunden damit, sich wortlos gegenseitig anzuschmachten. Ohne jeden Zweifel fand Colin großen Gefallen an Gwens Freizeitgarderobe. Der Mann war schlichtweg von ihrem Anblick überwältigt.

    Nach einem Moment fand Colin seine Sprache wieder. „Freut mich, dass du es einrichten konntest.“

    „Wie sollte ich nicht?“, meinte Gwen. „Hätte ich gewusst, dass ihr regelmäßig spielt, hätte ich schon viel öfter vorbeigeschaut.“

    „Colin hat erzählt, du interessierst dich für Fußball?“ Zwar antwortete Gwen auf Abigails Frage, ließ ihre Liebäugelei mit Colin allerdings für keine Millisekunde abreißen.

    „Das kann man so sagen. Ich habe jahrelang selbst regelmäßig auf dem Platz gestanden.“

    „Du hast in einer Fußballmannschaft gespielt?“ Abigail staunte und auch Kolja musste zugeben, Gwen gedanklich nie in Kompressionsstrümpfen und mit Grasflecken auf den Knien gesehen zu haben. Das hieß… zumindest nicht in Bezug auf Sport.

    Colin teilte die Überraschung seiner Schwester. „Das hast du gar nicht erzählt“, worauf ihm der Sukkubus einen vielsagenden Augenaufschlag schenkte.

    „Mein Mund wollte eben andere Dinge tun, als Small Talk zu halten.“

    Puh. Das nannte Kolja zielorientiert. Dann hörte er jemanden unbehaglich nach Luft schnappen und stellte Blickkontakt zu Moira her. Die Banshee hatte das Pech, von den beiden Turteltäubchen eingepfercht zu werden, während diese über ihren hellhaarigen Schopf hinweg einander angurrten. Wäre es nicht ausgerechnet Moira gewesen, die zwischen Gwen und Colin stand, hätte Kolja eine gewisse Symbolträchtigkeit in die Szene hineininterpretiert, aber so tat seine Mitbewohnerin ihm einfach nur leid. Arme Moira. Sie war der ökologisch abbaubare Papiertrinkhalm in einem überquellenden Hormoncocktail.

    Entweder blendete die sprichwörtliche rosarote Brille auf Colins Nase Moira komplett aus, oder – und das kam Koljas Meinung nach gleichermaßen in Frage – ihre unangenehme Situation ging ihm grundsätzlich am Allerwertesten vorbei. Er grinste Gwen breit an und hätte es vermutlich auch noch für den Rest des Tages getan, doch sie wollte von ihm wissen: „Auf welcher Position spielst du?“

    Auf einmal schien Colin die Erinnerung an seine Versetzung kein bisschen mehr die Laune zu verderben. „Ich übernehme die Abwehr. Ab heute sogar wieder ohne Maulkorb.“

    „Wozu musstest du denn einen Maulkorb tragen?“, wunderte sich Gwen und bekam die Antwort von Scott geliefert.

    „Das war seine Strafe, weil er mitten im Spiel den Torwart gebissen hat.”

    „Du hast allen Ernstes den gegnerischen Torwart angegriffen?”

    „So'n Quatsch. Ich hab' nicht den gegnerischen Torwart gebissen”, wies Colin alle Behauptungen umgehend von sich. „sondern unseren eigenen.” Und wie er sprach, deutete er über seine Schulter hinweg auf einen der Marderpolymorphen des Teams, welcher Colin kurz anfauchte und folglich das Weite suchte. So viel zum Zusammenhalt unter Mannschaftskameraden.

    Gwen spielte Missbilligung vor, indem sie ein paar Mal mit der Zunge schnalzte, den Kopf schüttelte und Colin rügte: „Man beißt doch nicht seine Mitspieler. So was tut man nicht. Beiß' lieber mich. Ich beiße auch zurück.“ Uhrm, wie bitte? Sodann schlug Gwen den Bogen zurück zu dem, was sie eigentlich von Colin wissen wollte: „Hm, die Abwehr also. Nicht meine Lieblingsposition. Ich fand sie immer langweilig“, gab sie zu. Nachfolgend taxierte sie Colin intensiv. „Aber gerade gewinnt sie extrem an Attraktivität.“

    „Fitzpatrick!“ Hayes unverkennbares Grölen schalte vom Spielfeld herüber. Mit seinen kurzen Koboldfingern gab er Scott und Colin unmissverständliche Signale, endlich mit ihren Aufwärmübungen zu beginnen und ebenso unmissverständlich fielen die Gesten aus, die den Wölfen die Konsequenzen vermittelten, sollten sie noch weiter herumbummeln.



    nächster Teil

    Ich habe den letzten Teil ja schon vor einigen Tagen gelesen, aber noch nicht geschafft zu kommentieren :/

    So ist das manchmal ...

    Passt schon ^^ Durch deinen Like habe ich ja mitbekommen, dass du den Teil gelesen hast und bei einer so treuen Leserin wie dir, kann ich mir dann schon denken, dass es gerade am Zeitfaktor liegen könnte :) :love:


    die Stelle, so sich Abby vor das Auto hockt xD

    Ich könnte Koljas Gesichtsausdruck deutlich sehen

    Der Arme weiß gar nicht, wie ihm geschieht! Hihi :D


    Es hätte ja auch mal einfach sein können

    Hätte es, aber dafür macht es zu viel Spaß, die Figuren ein bisschen zu quälen :rofl:


    Ich könnte wetten, dass es Scott ist, der da jetzt stört

    Das löst sich morgen auf :D


    Vielen Dank für deinen Kommentar ^^

    Warum? Sie ist doch schon in dem Thread der abgeschlossenen Geschichten :hm:

    Ich mach mir da nichts vor. Dass jemand neues in die Geschichte einsteigt oder dass einer derjenigen, die sie abgebrochen haben, weiterliest, ist höchst unwahrscheinlich. Dafür ist meine Geschichte zu lang, qualitativ zu schlecht und an Spaßprojekten wollen sowieso die wenigsten hier ihre Zeit aufwenden. Im Friedhof wäre sie vor irgendwelchem Unfug sicher, denn mir liegt was an dem Text :hmm:


    Also, danke dafür^^

    Bitte, gern geschehen xD


    Und dann Hazel! OMG, was lernen wir da für Seiten von Hazel kennen :D

    Ich fand ihre Geschichten sehr interessant und ... anregend :grinstare:

    :grinstare:

    Hazel kann... außerhalb der Schubladen denken, ja :rofl:


    Trotzdem, bester Gag dieses Parts war der Erfolg von Hayes den Phönixvorfall als Wasserschaden zu verkaufen.

    Hayes hat's halt drauf :D

    Guten Morgen,


    Danke für deinen Kommentar, Eti! Ehrlich gesagt bin ich hart überrascht, dass es hierzu nochmal Rückmeldung gibt. Ich war eigentlich schon soweit, den Thread im Friedhof verschwinden zu lassen ^^


    Generell, wie er sich denkt, dass es komisch wirkt, sie hier in der eigenen Wohnung zu sehen. Das Gefühl hast du gut beschrieben, finde ich.

    Danke, das freut mich zu lesen. Meine Geschichte ist vorrangig eine Charakterdarstellung, deswegen lege ich Wert auf diese ganzen kleinen gedanklichen Momente des täglichen Lebens, die jeder erlebt, aber in der Regel selten aufgreift.


    Ich hab übrigens zwischendurch gedacht, Hazel und Scott gehen einfach zu Fuß los, weil ihnen das Geblubber auf die Nerven geht und eh zu nichts führen wird ^^;

    Das hätte auch sehr gut gepasst, besonders zu Hazel :D Wobei die Gute dann doch etwas zu lauffaul ist, hehe.

    Und um ehrlich zu sein: Ich hätte an ihrer Stelle auch keinen Bock, gegen 2 Uhr nachts oder so durch die Stadt zu latschen :rofl:

    Einmal Kobby zum Mitnehmen.

    ----


    Wenn es an Irland eine Sache gab, die Koljas niemals verstehen würde, dann war es dieses launische Inselwetter. Wechselhafte Witterungen kannte er von zuhause; Sankt Petersburg lag schließlich unmittelbar an der Ostsee und ob des Meeresklimas durfte man nie erwarten, dass der Wind am Nachmittag genauso gemächlich blies, wie er es am Vormittag desselben Tages tat. Aber verglich man die Wetterbedingungen seiner Heimat mit denen auf der Insel, litten die hiesigen Wettergötter, an die Kolja nicht glaubte, an schlimmeren Stimmungsschwankungen, denn eine ganze Frauenarztpraxis voller Schwangere im ersten Trimester. Noch vor wenigen Minuten hatte heiterer Sonnenschein geherrscht, doch nun prasselten Kolja aus grauen Regenwolken dicke, schwere Tropfen vor die Schuhe, die binnen der nächsten halben Stunde schon wieder von der zurückkehrenden Sonne weggetrocknet werden würden.

    Das Inselklima würfelte Koljas Vertrauen an das Wetter ordentlich durcheinander. Für ihn bedeutete der Sommer Wärme und der Winter bitterlichen Frost. Die unvorhersehbaren Wolkenbrüche einmal ausgeklammert, entsprachen die Sommermonate in Irland sogar denen in Koljas Geburtsstadt. Bloß sanken die Temperaturen hier selbst im tiefsten Winter höchst selten unter die Frostgrenze und in der ganzen letzten Dekade hatte Kolja erst zu ein oder zwei Begebenheiten Schnee erlebt, wobei die Puderzuckerschicht auf den Prjaniki, die er gern backte, mehr einer Winterlandschaft ähnelte, als … nun ja. Als die irische Winterlandschaft. Immerhin erlaubte das stetige milde Klima Kolja, seine sperrigen Winterjacken auszumisten und Platz in seinem Kleiderschrank zu schaffen.

    Kolja spürte, wie Abigail sacht ihre Finger bewegte. Als der Regen einsetzte, hatte sie ihm in ihrer Fürsorglichkeit angeboten, den Regenschirm mit ihm zu teilen und wie sollte Kolja ihre Einladung ausschlagen können? Weil es die Höflichkeit gebot, hielt er den Schirm für sie und um gemeinsam darunter Platz zu finden, verringerte Abigail den Abstand zwischen ihnen, indem sie ihren Arm bei Kolja unterhakte. Der Körperkontakt verursachte Herzklopfen in Koljas Brust. Es kostete ihn all seine Disziplin, seine Hand nicht einfach auf ihre zu legen und liebevoll über Abigails weichen Handrücken zu streicheln. Bestimmte fühlte sich ihre Haut unglaublich seidig unter seinen Fingerspitzen an. Würde sie ihm doch nur aus Zuneigung derart nahekommen, anstatt aus Pragmatismus.

    Abigails hübsche Augen sondierten aufmerksam den Fußballplatz, auf dem nachher Scotts Mannschaft gegen ein Team aus dem Nachbarort antrat. Gegenwärtig hingen die Netze der Tore unbewegt herunter und der Rasen auf dem Spielfeld sog die niederfallende Nässe auf. Mit seinem feinem Bärengehör vernahm Kolja das Rauschen der Regenrinnen, welche den Niederschlag vom Dach der Umkleide- und Duschräume ableiteten, sowie das Trommeln der Regentropfen auf den Spielerkabinen jenseits der Platzbarrieren. Die Wetterlage ließ den Schluss zu, das Fußballmatch fiel – wörtlich gesprochen – ins Wasser, allerdings bewies der Himmel entsprechend Koljas Voraussicht jäh seinen Wankelmut. Einige Sonnenstrahlen spießten Löcher in die Wolkendecke und zertrennten sie in viele kleine Fetzen. Von einer Minute auf die andere versiegte der Regen und es wirkte, als wäre nie ein Schauer herabgekommen. Nun zeigte sich auch wieder etwas Leben um Kolja und Abigail herum. Die Leute trauten sich aus ihren Unterständen hervor und bevölkerten das Gelände und die Zuschauertribünen, indes die Spieler beider Mannschaften auf den Platz liefen und ihre unterbrochenen Aufwärmübungen fortsetzen. Das Duell zweier Kleinstadtvereine zählte wohl kaum zu den Highlights des Veranstaltungsangebots in dieser Gegend, aber wenn jeder Spieler Familie und Freunde mitbrachte, kam rasch eine beachtliche Anzahl an Zuschauern zustande. Allein Scott und Colin wurden bei so gut wie jedem Match von Moira und Abigail begleitet, sollten die beiden Frauen keine anderen Verpflichtungen bedienen müssen, manchmal auch von Niall samt Anhang, und ab und an raffte sich sogar Kolja trotz seines Desinteresses an der Sportart auf, besonders wichtigen Spielen beizuwohnen. Obwohl Kolja gestehen musste: Zu wissen, dabei in Abigails Gesellschaft zu sein, hatte seine Motivation mit der Schubkraft eines Raketenantriebs steil in die Höhe schießen lassen. In diesem Sommer war er deswegen bereits bei weit mehr Spielen dabei gewesen, denn in den vergangenen Jahren.

    Kolja senkte den Regenschirm, schüttelte die Feuchtigkeit davon ab und gab anschließend Abigail ihr Eigentum zurück. „Danke schön, Kolja. Hoffentlich hat es Moira rechtzeitig ins Trockne geschafft“, füllte die Wölfin das Schweigen mit regem Geplauder, auf das Kolja liebend gern etwas erwidert hätte, aber wie gewohnt fiel ihm partout kein einziges Wort dazu ein. Also setzte Abigail ihren Redefluss selbstständig fort: „Ich glaube, Scott hat sie mit in die Umkleide genomm-… huch.“ Verwundert sah Abigail zum Boden. Ein bunter Gummiball kullerte ihr vor die Füße, prallte sacht an diesen ab und sogleich kamen seine Besitzer angeflitzt: Drei Jungen im Grundschulalter jagten fröhlich hinter dem Ball her und vertrieben sich die Zeit bis zum Anpfiff damit, ihren Vätern und Onkel auf dem Spielfeld nachzueifern. Die Knirpse sollten aufpassen, nicht versehentlich das Auto zu treffen, das ein paar Meter von Abigail und Kolja entfernt den halben Gehweg blockierte. Kolja würde niemals nachvollziehen können, weshalb manche Fahrer ihre Fahrzeuge an den unmöglichsten Orten abstellten, obwohl der Parkplatz vor dem Sportgelände genug Fläche dafür bot. Als würde einem der Fuß abfaulen, wenn man ein paar Schritte mehr täte.

    Übermütig trat einer der Nachwuchsfußballer für einen Pass gegen den Ball und beförderte ihn schwungvoll in Richtung Pkw. Zum Glück der Kinder kollidierte er nicht direkt mit dem Kleinwagen – das hätte sicher reichlich Ärger mit dem lauffaulen Eigentümer gegeben -, jedoch rollte er zwischen den Rädern hindurch und unter die Karosserie. Und dort verschwand er.

    Auf der Suche nach ihrem Ball umkreisten die Jungen das Auto. Sie knieten sich ins nasse Gras und renkten ihre kurzen Ärmchen bei dem Versuch aus, ihr Spielzeug unter dem Fahrzeug hervorzufischen. Abigail beobachtete die fruchtlosen Bemühungen und es war bloß eine Frage der Zeit, bis sie zu ihnen herüberlief. „Braucht ihr Hilfe?“

    Treudoof wie ein Schoßhündchen tapste Kolja ihr nach. Er blieb abrupt stehen, als ihn die eingeschüchterten Blicke der Jungen trafen. Ihre tellergroßen Augen hangelten sich ängstlich an seiner hünenhaften Statur hinauf und der kleinste des Trios schien am liebsten schutzsuchend zu seinem Ball unter dem Wagen kriechen zu wollen. Kolja seufzte geknickt und trat zurück. Sie fürchteten sich vor seiner Größe und als Poly-Sprösslinge wurden sie zusätzlich auch noch von seinem Geruch verschreckt. Was hatte Kolja geglaubt? Dass die Welpen schwanzwedelnd um einen Braunbären herumspringen würden, wenn doch O'Rourkes Rudel ausgewachsener Wölfe vor ihm die Häupter einzog?

    Etwas stutzig verfolgte Abigail die Blickrichtung der Kinder nach. Danach wollte sie von ihnen wissen: „Kommt ihr nicht an euren Ball heran?“

    Einer von ihnen riskierte es, das Augenmerk von Kolja ab- und stattdessen der Wölfin zuzuwenden. Mit einem Kopfschüttelnd bestätigte der Kleine Abigails Annahme, also lächelte sie sanft. „Vielleicht habe ich ja mehr Glück als ihr. Hältst du bitte meinen Schirm für mich?“ Alsdann reichte sie dem Jungen ihren Regenschirm, den dieser entgegennahm, und ging ihrerseits vor dem Auto auf die Knie. „Ah, ich sehe ihn. Ich denke, den erreiche ich.“ Um mehr Spielraum zwischen ihre Schultern und den Fahrzeugboden zu bringen, beugte Abigail ihren Oberkörper ein gutes Stück tiefer herab und streckte ihren Arm nach dem Ball aus. Das Schauspiel überforderte Kolja, denn er wusste nicht, weswegen ihm zuerst wie einem Volltrottel der Sabber aus den Mundwinkeln rinnen sollte: ob ihrer vielversprechende Gelenkigkeit oder wegen ihres Hinterns, der durch die Bewegung anregend hin- und her wackelte. Auf einmal waren die Knirpse nicht mehr allein mit ihrem Verlangen, eiligst diverse runde Dinge in die Finger zukriegen.

    Schließlich fädelte sich Abigail unter dem Auto hervor – ohne Ball. „Er klemmt irgendwie fest“, musste sie die Jungen enttäuschen. „Ich kann ihn berühren, aber er bewegt sich um keinen Zentimeter. Tut mir wirklich leid, Kinder.“ Verständlicher Weise zogen die Kleinen auf diese Nachricht hin geknickt lange Gesichter.

    Kolja hütete ein Geheimnis vor seinen Freunden. Das hieß, eigentlich handelte es sich dabei weniger um ein Geheimnis, denn um einen irrelevanten Fakt. Er mochte Kinder. Gern tobte er mit ihnen herum und in seiner Zukunft bestand durchaus Platz für eigenen Nachwuchs. Die traurigen Dackelblicke der drei Stifte gingen ihm dementsprechend nahe. Daher schritt er ein: „Ich kann helfen.“

    Natürlich wichen die Jungen vor ihm zurück, als er auf sie zukam und lediglich Abigails gelassene Ausstrahlung hielt sie davon ab, gänzlich zu türmen.

    „Was hast du denn vor?“, fragte Abigail überrascht. Nun, das würde sie gleich sehen.

    Der Bär positionierte sich neben ihr. Mit beiden Händen packte er die Unterkante der Karosserie, sammelte seine Kräfte und dann hob er den Kleinwagen langsam an. Die Radachsen schimpften knarrend über die unfaire Verlagerung des Gewichts, derweil Kolja das Fahrzeug unter beträchtlichen Kraftaufwand weit genug nach hinten neigte, damit Abigail bequem darunter passte. Ihr wacher Geist erkannte den Zweck dahinter und so schnappte sie flugs den nun freiliegenden Ball. Im Anschluss ließ Kolja den ächzenden Pkw zurück auf seine vier Räder fallen. Puh! Das wäre erledigt. Zur Entspannung seiner beanspruchten Muskeln schüttelte er die Arme aus. Früher hatte sein Körper solche Aktionen echt besser weggesteckt.

    Mehrere Augenpaare schauten ihn staunend an. Stünden die Münder der Jungen noch weiter auf, könnte Kolja einiges mehr zählen, denn die klaffenden Lücken zwischen ihren Milchzähnen. Beinahe verpassten sie sogar, wie Abigail ihnen im Austausch für ihren Regenschirm den Ball übergab. „Da habt ihr ihn. Sucht euch ein anderes Eckchen zum Spielen, damit euer Ball nicht nochmal verloren geht, ja?“ Scheu nickten die drei und stotterten ein ehrfürchtiges „Danke“ zurecht, ehe sie schlussendlich mit ihrem Spielzeug die Flucht antraten.

    Abigail stand hoch. Auf ihrer Hose hatte das Gras feuchte Flecken hinterlassen. „Kolja, das war atemberaubend! Wie du das Auto angehoben hast, um uns zu helfen - Man könnte denken, es bestünde bloß aus Pappe, so mühelos hast du es gestemmt. Einfach fantastisch!“ 'Mühelos'? Das Ziehen in Koljas Oberarmen erzählte da eine andere Geschichte. Begeistert strahlte Abigail ihn an und vor lauter Verlegenheit wusste Kolja nicht, wohin mit seinen Händen, weshalb er sie betreten am eigenen Hosenboden abwischte. „So was habe ich noch nie erlebt. Gib's zu! Du versteckst Stahl in deinen Ärmeln“, spaßte sie und tätschelte scherzhaft Koljas Bizeps, als würde sie darin tatsächlich etwas Anderes denn Fleisch und Knochen wähnen.

    Dann veränderte sich die Berührung.

    Die verspielte Leichtigkeit verebbte; stattdessen streichelten Abigails Fingerspitzen zärtlich über die Konturen seines Armes hinweg. Ein Lächeln teilte ihren schönen Mund und ihre Augen wurden von einem verträumten Glanz erfüllt, gleich einem Paar herrlicher Rauchquarze, die im Sonnenlicht funkelten. Abigails Blick versetzte Koljas Innenwelt in schiere Aufregung. In seinem Magen flatterten keine Schmetterlinge umher - es vibrierte darin, wie in einem überbevölkerten Bienenstock!

    Perplex gaffte Kolja sie an. Er musste eingenickt sein und durchlebte nun einen dieser Träume, in denen er mit Abigail zusammen sein durfte, und nach denen er sich jedes Mal enttäuschend leer vorkam, sobald er aus ihnen erwachte. Wann hatte Abigail ihre andere Hand ebenfalls auf Koljas Körper abgelegt? Und wann waren ihre Handflächen weit genug an seinen Armen hinauf gewandert, um nun sinnlich die Definition seiner Schultern nachzufahren? Die seines Halses, seiner Wangen... . Koljas Herzschlag trommelte wie besessen von Innen gegen seine Brust, an deren Außenseite sich Abigail voller Zutraulichkeit an Kolja schmiegte. Ihre Umarmung fühlte sich überwältigend richtig an und Kolja zeigte keine Gegenwehr, als sie sein Gesicht ihren gespitzten Lippen näher brachte, entschlossen, ihn zukü-... .

    „Ey, Abby!“, brüllte jemand und Abigail und Kolja stoben ertappt auseinander. Das gute Gefühl ihrer Berührung verpuffte und zurück blieb einzig ein vager Eindruck von Abigails warmen Atem auf Koljas Lippen, sowie das Hämmern seines Herzens.

    Gleichzeitig wandten sie ihre Köpfe dem Ursprung des Rufes zu.



    nächster Teil

    Ich glaube, dass hat dir richtig Spaß gemacht xD

    Nachdem ich in der Thematik drin war, schon, ja xD

    Ich habe ja keine Ahnung von Fußball und musste mich deshalb erstmal mit den Begrifflichkeiten auseinandersetzen. Aber als der Fachjargon dann einmal saß, lief der Schlagabtausch zwischen Scott und Ward mehr oder weniger von selbst ^^

    Bei dem Sadomasodungeon musste ich sogar selbst schmunzeln :pflaster:


    Und jetzt bitte Kobby

    Morgen :D


    Danke für deinen Kommentar :>

    Wie immer, vielen lieben Dank für deinen Kommentar, Lady ^^

    ___



    Mit einem energischen Kopfschütteln hielt Kolja abwehrend beide Hände vor die Brust, als müsse er befürchten, von Abigails Idee angefallen zu werden. Zu seinem Glück hatten weder Hayes, noch die Spieler etwas von ihrem Vorschlag mitbekommen. Bedröppelt schwiegen sie einander an und ironischerweise war der einzige, der etwas Leben in die Reihen der ratlosen Fußballer brachte, Ward. Der Geist drängelte sich zwischen den Polymorphen hindurch, als wäre er gerade transluzid und bräuchte deshalb keine Rücksicht darauf nehmen, ob ihm irgendjemand im Wege stand. Unmotiviert schlenkerte er eine neu befüllte Snackschale auf den Tisch der Mannschaft, wobei durch den Schwung ein paar der Knabbereien herausfielen und-... Kolja seufzte. Natürlich mussten es ausgerechnet Scotts Schuhe sein, auf denen der fettige Inhalt der Schale landete. „Ey du Penner, kannst du nicht aufpassen?!“, ranzte Scott seinen Kollegen unnötig harsch an und kickte die Ladung Chips und Erdnussflips in dessen Richtung. Da die Snacks allerdings kaum etwas wogen, flogen sie bloß wenige Zentimeter weit und krümelten eine gute Manneslänge vor Wards Füßen auf das Parkett.

    „Mh“, bewertete das Gespenst indifferent Scotts kläglich gescheiterten Versuch, ihn zu treffen. Davon fühlte sich der Wolf gleich noch mehr provoziert. Er bellte:

    „Hast du 'n Problem?!?“

    „Ich? Nein.“ Oh, gut. Hoffentlich würde es Ward dabei belassen und abziehen, bevor sich Kolja zum zweiten Mal im Laufe dieser Schicht als Abstandshalter zwischen den beiden Männern wiederfand. Leider verwehrte er dem Bären diesen Gefallen. Desinteressiert erklärte der Kellner mit einem Wink zu dem am Boden liegenden Knabberkram: „Ich halte es bloß für ein Wunder, dass deine Mannschaft mit dir als Stürmer Spiele gewinnt, so lasch wie deine Pässe sind.“

    Da durchfuhr ein Ruck Scotts Körper und hätte sein Bruder ihn nicht rechtzeitig daran gehindert, wäre er Ward mit Sicherheit an die Gurgel gesprungen. „Lass den reden“, versuchte Colin den knurrenden, zähnefletschenden Scott zu beschwichtigen, während er ihn mit einem beherzten Griff an der Schulter zurückhielt. „Der gehört ja nicht mal zu uns. Was versteht der von Pässen?“

    „Ich kann einen Querpass von einem Rückpass unterscheiden“, setzte Ward Colin darüber in Kenntnis, weit weniger unwissend zu sein, als dieser ihm unterstellte und zeigte damit schon mal bei mehr Fachwissen über Fußball, denn Kolja insgesamt aus den entlegensten Ecken seines Hirns zusammenzukratzen vermochte. Das Gespenst wies auf Scott. „Im Gegensatz zu ihm, wie mir scheint.“

    „Du Wichser!“, beschimpfte ihn Scott. „Deine ganze Existenz ist ein einziger Fehlpass!“, was Ward emotionslos mit „Du bist der Experte für Fehlpässe, du wirst schon recht haben“ konterte.

    „Du findest die Ecke ja nicht mal, wenn du dich an ihr stößt, Arschloch!“, knurrte Scott.

    Ward entgegnete: „Harte Worte von jemanden, der einen Fallrückzieher wörtlich nimmt.“

    „Pass auf, was du sagst! Sonst nehme ich tatsächlich mal was wörtlich, und zwar Kopfbälle!“

    „Deine Einwürfe im Spiel sind hoffentlich nicht so schlapp, wie deine Drohungen.“

    „Schlapp?! Deine Schwalben sind schlapp! So schlapp, dass sie vor Scham in den Süden fliegen!“

    „Dann bringen sie dir vielleicht eine Banane mit, wenn sie von dort zurückkommen. Als Anschauungsobjekt damit du lernst, wie gekonnte Bananenflanken auszusehen haben.“

    „Ach, halt's Maul! Außer dem Obst im Supermarkt hast du doch noch nie was ins Netz bekommen!“

    „Wenn du das sagst. Mit Eigentoren kennt sich ein Vollpfosten wie du sicher aus.“

    „Vollpfosten?! Du bist doch so bescheuert, du hältst den Strafraum für einen Sadomaso-Dungeon!“

    „Zumindest halte ich überhaupt etwas, nicht so wie du, dessen Freundin ins Abseits auf dem Festland flüchtet.“

    Uh, böses Foul! Indem Ward Hazel in den Streit hineinzog, überschritt er nicht nur für Koljas Empfinden eine klare Grenze. Vor lauter Zorn darüber, dass der Geist es wagte, Scotts Beziehung zu verunglimpfen, verschlug es dem Wolf glatt die Sprache. Mehrmalig klappte sein Kiefer auf und ab, ohne einen Laut anzuschlagen. Wie ein Stopfen schien ihm der Ärger die Kehle zu blockieren. Sogar Colin trat von seinem Bruder weg, um sich aus der Detonationszone der tickenden Zeitbombe namens Scott zu retten, die jeden Augenblick in die Luft gehen würde, wie eine vergessene Tretmine unter der Bühne einer Stepptanzschule.

    Behutsam flüsterte Abigail über die unheilverkündende Stille im Pub hinweg, als zerspringe sie bei einer falschen Tonnote wie dünnes Glas in tausend klirrende Scherben. „Hat einer von euch irgendein Wort davon verstanden?“ Keine Silbe. Und das lag in Koljas Fall keineswegs an irgendwelchen Sprachbarrieren zwischen seiner Muttersprache und Englisch oder an einem unzureichenden Vokabular.

    „Grob zusammengefasst“, übersetzte Gwen spontan den Fußballjargon, den Scott und Ward einander zukläfften, „Scott spielt scheiße.“

    Daraufhin sahen Abigail und Kolja den Sukkubus erstaunt an. Schuldlos hob dieser die Hände und gelobte: „Wards Meinung, nicht meine.“

    „Du kennst dich mit Fußball aus?“, fragte Abigail wissbegierig und Gwen nickte subtil.

    „So kann man das sagen.“

    Aha. Was Kolja viel befremdlicher fand, denn Gwens heimlichen Wissensfundus, war das Schweigen seines Chefs. Eigentlich hätte Hayes längst die Hutschnur platzen müssen, aber anstatt seine Kellner in der üblichen Manier anzugeifern, observierte er die Lage und kräuselte dabei grüblerisch den sommersprossigen Nasenrücken. „Hey, Ward!“, rief er das Gespenst endlich auf. „Was hast du mit Fußball zu schaffen?“

    „Ich hab' lange Zeit in einer Mannschaft gespielt.“ Gelangweilt ergänzte er: „Als ich noch am Leben war.“

    Diese Aussage genügte Hayes. Er klatschte bestimmend die dicklichen Hände zusammen und beschloss: „Du bist drin. Damit haben wir unseren zehnten Spieler.“

    „Häh?!“ Scott wirbelte fassungslos zu seinem Trainer herum und glotzte ihn an, als hätte er ihm gerade für das ganze nächste Jahr die Mülltrennung aufgebrummt. „Das ist nicht dein Ernst! Du willst den Typen aufnehmen?!“

    „Das will ich nicht nur, Fiffi. Ich habe es eben getan.“

    „Du kannst ihn nicht mitspielen lassen“, protestierte Scott. „Der passt überhaupt nicht zu uns! Er ist ja nicht mal ein Poly.“

    „Aber ein verdammtes Gespenst und das heißt, er wird niemals müde und er wird uns auch nie vor Erschöpfung die Lunge vor die Füße kotzen. Außerdem...“ Genervt verschränkte Hayes die haarigen Wurstärmchen auf seiner Bierwampe. „Außerdem sind wir ein verfickter Möchtegernclub. Solange man funktionierende Beine hat, ein Freak und in den Dreißigern ist, passt hier jeder rein. Etwas Anderes können wir uns nicht leisten, du Niete.“

    „Woher willst du wissen, wie alt er ist?? Du hast ihn nie gefragt“, suchte Scott nach Argumenten, weshalb Ward unter keinen Umständen in die Mannschaft aufgenommen werden sollte. Anscheinend verdrängte er dabei, dass das Gespenst für Hayes arbeitete und dieser somit seine Personalien kannte. Obwohl... so was durfte man wohl nur von Vorgesetzten erwarten, denen tatsächlich etwas an ihren Arbeitskräften lag.

    Für Hayes stellte die Informationslücke kein pauschales Ausschlusskriterium dar und so verlangte er direkt von Ward zu erfahren: „Wie alt bist du?“

    „Alter ist ein Konstrukt der Lebenden, die sich von der Zeit und der immerwährenden Furcht beherrschen lassen, sie könnten nicht genug von ihr haben“, rasselte er lethargisch herunter, was Hayes mit einem Würgen quittierte.

    „Beantworte die verdammte Frage!“

    Also überlegte Ward und schätzte schließlich: „Irgendwas über siebzig Jahre.“

    „Siehst du, Hayes?“

    Mit einem an Scott adressierten diktatorischen Schnippen der Finger, ermahnte Hayes den Wolf, gefälligst seine Klappe zu halten. Dafür schalt er Ward:

    „Mich interessiert nicht, wie lang die Welt schon deine hässliche Fresse ertragen muss. Ich will das physische Alter wissen, bei dem dein Körper durch deinen Tod stehen geblieben ist.“

    Das Gespenst blinzelte. „Vierunddreißig.“

    „Na bitte.“ Für Hayes war die Sache damit zufriedenstellend geklärt. Scott hingegen kam mit der endgültigen Entscheidung seines Trainers alles andere als klar.

    „Aber er-... sein-... ich meine, Ward hat kein-...!“, stammelte er hilflos zurecht. Hm. Es hätte Kolja auch sehr verblüfft, wenn sich sein Freund ad hoc eine schlüssige Argumentation aus den Fingern gesogen hätte.

    Scotts Gestotter entlockte Ward einen weiteren, ungerührten Seitenhieb. „Solltest du beim Dribbeln ebenso tollpatschig herumstolpern, wie du es beim Reden tust, sehe ich schwarz für das nächste Spiel.“

    „Fick dich, du Pisser!“, schnauzte Scott ihn dafür an und zum Glück versperrten ihm die anderen Spieler den Weg, bevor er einen Satz auf das Gespenst zu machen und seinen Zorn an ihm auslassen konnte. Wutschnaubend starrte Scott Ward in Grund und Boden, dass einem angst und bange wurde, da verschaffte sich Hayes nochmals Gehör:

    „Sehr gut! Genau solche Aggressionen brauchen wir auf dem Spielfeld! Unsere Gegner werden sich vor Angst in die Trikots scheißen. Ward, du spielst mit Scott im Angriff!“

    „Aber ich spiele schon auf dieser Position!“, erhob nunmehr Colin vehement Einspruch gegen die Entscheidung des Kobolds. Dieser wiegelte ihn ab:

    „Nicht mehr. Du übernimmst O'Maleys Platz in der Abwehr.“

    „Was?!“ Colin entgleisten sämtliche Gesichtszüge, als Hayes ihn ohne mit der Wimper zu zucken zu Wards Gunsten strafversetzte. Prima. Jetzt hatten gleich beide Fitzpatrickbrüder Anlass, einen Groll gegen den Geist zu hegen.

    „Keine Angst, du wirst in der Abwehr genug zu tun haben“, versuchte Ward den jüngeren der zwei darüber hinwegzutrösten, seiner Position beraubt worden zu sein – mit unterirdischem Erfolg, denn die schläfrige Betonung des Gespenstes stahl seinen Absichten ihre Glaubhaftigkeit. „Fitzpatricks laue Spielweise werde ich nicht kompensieren können, sodass sich der Großteil des Matches eh in unserer Hälfte des Feldes abspielen wird.“

    Und mit diesem Spruch schleuderte Ward Scotts Selbstbeherrschung im Steilpass von der sinnbildlichen Klippe, an deren bröckligem Rand sie die ganze Zeit über um das Gleichgewicht gekämpft hatte. Niemand vermochte den Wolf stoppen, als er in einer abrupten Bewegung auf das Gespenst zustürzte und es gewaltbereit am Kragen seines T-Shirts packte. Doch kaum bekam Scott den unifarbenen Baumwollstoff zugreifen, verschwand Ward schlagartig.

    Weg.

    Einfach so. Als hätte er die kurze, temporäre Blindheit eines Augenaufschlags ausgenutzt, sich davonzustehlen. Ward hatte sich wortwörtlich in Luft aufgelöst und einzig ein zusammengefallenes Häufchen Kleider auf dem Fußboden erinnerte an seine Existenz, sowie ein zähflüssiger Schleim auf Scotts Händen, der ihm wie feuchte, klebrige Bindfäden von den Fingern tropfte. Das musste wohl Ektoplasma sein, schlussfolgerte Kolja. Soweit der Bär wusste, sonderten Gespenster es bei Bedarf ab, um ihre stoffliche Hülle aufzugeben. Zutiefst angewidert stierte Scott das milchige Sekret an. „Urgh!“, würgte er. „Der Typ hat mir auf die Hände gewichst!“

    „Piss' dir nicht ins Röckchen, Fitzpatrick. Solange Missy Burns außer Landes ist, klebt dir der Schnodder doch eh jede Nacht an den Pfoten.“ Hayes wies auf die Tür zu den Toilettenräumen. „Jetzt geh dir den Scheiß abwaschen, bevor du mein Parkett volltropfst. Das Zeug hinterlässt Flecken. Und sollte noch irgendjemand meinen, wegen der Aufstellung rumzuheulen, schiebe ich demjenigen meine Krücke bis zum Anschlag in den Arsch und hol sie erst am Sonntag nach dem Spiel wieder heraus. Schwing die Hufen, Fitzpatrick! Wir müssen unsere Taktik durchgehen.“



    nächster Teil

    Zielgerichtet schlängelte sich der Staub durch die Lüfte; über Dünen hinweg, an scharfkantigen Felsformationen vorbei, Oasen in weiter Ferne und jegliche Spur von lebensfreundlicher Zivilisation ignorierend. Zu keinem Zeitpunkt gönnte er der Gruppe, die ihm folgte, eine Pause, denn sobald sie für eine kurze Rast die Kamele anhielten, geriet der Wegweiser rasch an die Grenze ihrer Sichtweite. Sie mussten sich wahrhaftig auf einem magischen Pfand bewegen, erkannte Salem, der die ganze Zeit den Stand der Sonne beobachtete. Seit ihrem Aufbruch hatte sie bereits mehrmals den Zenit überwunden, ohne ein einziges Mal unterzugehen und die Wüste der Nacht zu überlassen. War es also derselbe Tage, an dem sie die Ruinen von Akrabria erreichten? Oder spielte die Magie dieses Ortes ihr eigenes Spiel mit der Zeit, um unerwünschte Besucher fernzuhalten?

    Gleich nach ihrem Aufbruch hatte Aljin die Flamme des Raschid Ibn Nishaat al-tamar an Salem weitergereicht, was nur Sinn ergab, da er als Feuermagier es vermutlich am ehesten zustande brachte, den uralten Feuerzauber zu wirken. Er studierte gerade Aljins Notizen, als er Codrac rufen hörte. „Seht! Dort vorn!“

    Salems Blick folgte dem Fingerzeig seines Gefährten und tatsächlich ragten Fundamente aus dem Wüstensand: Säulen, von Wind und Wetter abgeschmirgelte Überreste von Fassaden sowie einsame Torbögen ohne dazugehörige Bauten. Die Ausmaße deuteten auf einen Tempel, oder etwas vergleichbares, hin. Definitiv zu groß für ein einzelnes Haus – doch ebenso zu klein, für eine ganze Stadt.

    Der Wegweiser hielt direkt auf die kläglichen Überreste vergangener Kulturen zu und als er sie erreichte, zog er einige Kreise. Dann stoppte er abrupt in seinen Bahnen und rieselte als das, was er war, sacht zu Boden und vermischte sich mit der Wüste: Staub.

    Sie hatten Akrabria erreicht.

    „Das soll es also sein?“, erkundigte sich Jack und musterte dabei die eingefallenen Mauern, worauf Aljin meinte:

    „Die Spur endet hier. Wieso sollte sie das tun, wenn wir hier falsch wären?“ Gutes Argument. Folgte nun also der zweite Schritt: Die Fackeln mussten mit der Flamme entzündet werden. Erst dann würde die Ruinenstadt ihre Tore öffnen.

    Gleichzeitig mit den anderen, sattelte Salem ab. Offenbar spann Aljin denselben Gedanken zurecht, wie er und wies den Feuermagier auf zwei Säulen hin. An jeder von ihnen hing jeweils ein Fackelhalter, in denen ausgebrannte Fackeln steckten. Gut. So brauchten sie die Fackeln wenigstens nicht erst mühsam suchen. Salem hätte es wenig gewundert, wenn die Suche Bestandteil des Rituals gewesen wäre. „Hier hängen die Fackeln.“ Gleich darauf wollte Aljin von Salem wissen: „Denkst du, du kriegst den Zauber hin?“

    „Das wird sich gleich zeigen“, antwortete Salem. Anschließend konzentrierte er sich.

    Die Magie floss durch seinen Körper; Salem spürte die Hitze und das Kribbeln in seinen Nerven, zähmte den mystischen Strom, bündelte ihn, lenkte ihn. So, wie die Hariq es seit Jahrhunderten lehrten, beschwor er das Feuer, sich nach seinen Willen zu formen. Er hob die Hand, streckte sie den kalten Fackeln entgegen.

    Ein langer Moment verging.

    Und Salem nahm die Hand wieder herunter. „Offenbar nicht“, sprach er das offensichtliche aus. Tja. So viel dazu.

    Ungehalten warf Aljin ihre Hände in die Luft. „Was soll das heißen, 'offenbar nicht'?“

    „Es heißt, dass ich den Zauber nicht beherrsche.“

    „Aber du bist Feuermagier, verdammt! Du hast eine ganze Stadt bis auf ihre Grundmauern niedergebrannt und willst uns jetzt weis machen, zwei doofe Fackeln nicht anzünden zu können?!“

    Salem legte den Kopf schief. Er erklärte Aljin: „Ein durchschnittlich begabter Magier benötigt in der Regel die ersten Jahre seiner Ausbildung, ehe er einen simplen Feuerball kontrollieren kann. Ich wäre von mir selbst überrascht, hätte ich den Zauber der Hariq binnen so kurzer Zeit erlernt.“

    „Heißt das, wir sind umsonst hierher gekommen?“ Codrac sah skeptisch zu Jack, der wiederum Salem anschaute und meinte:

    „Aber wir sprechen hier von dir. Du bist nicht durchschnittlich. Meinst du nicht, du bekommst den Zauber doch noch hin?“

    „Ich werde es selbstverständlich weiter versuchen, anderenfalls wäre unsere Reise hierher völlig vergebens. Es könnte jedoch eine Weile dauern, ehe es so weit sein wird.“

    „Dann mach das“, warf Codrac ein, „und wir... warten so lange.“


    Und das taten sie auch.

    Lang.

    Sehr lang.

    Wie auch immer die Zeit an diesem Ort funktionierte, die Sonne ging nunmehr doch endlich unter. Ein kleines, auf klassische Weise entfachtes Lagerfeuer schenkte Licht und Wärme, derweil Salem seit Stunden die Fackeln anstarrte, dann und wann die Hand hob, um sie ergebnislos wieder zu senken. Er hörte Aljin frustriert prusten, weil er zum wievielten Male seine Magie konzentrierte, ohne die Fackeln in Brand zu stecken.

    Salem setzte erneut dazu an, den Zauber zu wirken, als er die Dschinni ausrufen vernahm: „Mir reicht's! Ich hau mich auf's Ohr! Das wird heute doch eh nichts mehr“ und sie sprang von ihrer Sitzgelegenheit – einem zusammengefallenen Mauersims – herab.

    In dem Moment schossen Flammen aus den Fackeln in die Höhe.

    Na bitte.

    Salem hatte es geschafft.

    Das wurde auch Zeit.