Hey zusammen, da ich dieses Wochenende viel Zeit zum Schreiben habe, folgt hier schon das zweite Kapitel (mit dem ich allerdings noch sehr unsicher bin):
Wie immer freue ich mich über Feedback, das mir bisher schon sehr geholfen hat.
Kapitel 2 - Der Aufbruch
Jowy hatte seinen Meister noch nie so in Aufruhr gesehen. Farvell stürmte aus der Kammer des verstorbenen Erzdruiden heraus und eilte in Richtung der eigenen.
Es muss Meister Farvell sehr wichtig sein, schloss Jowy daraus, während die Frage danach, was es mit den Steintafeln auf sich hatte, in dem Jungen brannte. Doch der Novize atmete tief durch und gemahnte sich, seinem Meister zu vertrauen.
Also tat Jowy, wie ihm geheißen, und ging ebenfalls schnellen Schrittes in seine Kammer.
Der Junge wusste gar nicht so genau, was er mitnehmen sollte, vielleicht eine weitere Robe zum Wechseln, etwas zum Schreiben, nein, es sollte nur das Nötigste sein, vielleicht etwas zu Trinken?, ging es Jowy durch den Kopf.
Und so verstaute er in seinem Leinenbeutel nur eine zweite, grüne Novizenrobe zum Wechseln und befestigte seine Feldflasche an dem Gürtel, welcher auch die Novizenrobe hielt, die er bereits trug.
Dann zog er sich wieder seinen Umhang in dunklem Grün über und verließ die Kammer, ohne weiter über sein Gepäck nachzudenken.
Unten am Westtor angekommen, musste der Novize einen Moment auf seinen Meister warten und so beobachtete er die Sterne.
In dieser Nacht war ganz deutlich zu sehen, wie die Sterne den Tanz der Urgötter formten, eines von Jowys liebsten Sternbildern. Der Mond, so sagt man, würde seine Kinder, die Sterne, anweisen, sich in diese wundervollen Anordnungen zu begeben, um die Schöpfer, die Urgötter Gwavator und Utagahepta, zu Ehren. So hatte es Jowy zumindest einmal von Leuten aus den umliegenden Dörfern gehört, die an und wann vorbei kamen, um dem Kloster Getreide und Gemüse zu bringen. Im Kloster selbst allerdings wurde diese Auffassung, der Sterne als Kinder des Mondes, für Aberglaube erklärt, vielmehr sind die Sterne Fragmente, feste Teile des Mondes, die gar nicht anders können, als sich mit dem Mond zu bewegen.
Ob Fragmente oder Kinder, Jowy gefiel das Sternbild und so schaute er so lange und gedankenverloren in den leuchtenden Nachthimmel, bis sein Meister Farvell sich unbemerkt zu ihm begeben konnte und nun schon direkt vor ihm stand.
,,Der Tanz der Urgötter, ich sehe du interessierst dich selbst in dieser Nacht für die Sterne, das ist gut. Wir starten unsere Reise also heute unter guten Sternen.’’,
Der Druidenmeister lächelte während er sanft und ruhig sprach und auch Jowy musste lächeln.
Dann streckte Farvell seinem Novizen etwas entgegen:
Im Licht von Mond und Sternen konnte Jowy erkennen, dass es sich um eine der beiden Steinfafeln handelte, die nun in eine Lederhülle mit riemen daran gewickelt war.
,,Jowy, hör mir nun gut zu. Diese Tafeln sind ein absolut wichtiges Zeugniss für unseren gesamten Glauben, wir werden sie mit unserem Leben beschützen. Mehr musst du darüber erstmal nicht wissen, außer also, dass du deine Tafel unter keinen Umständen verlieren darfst, dass die Tafel unter keinen Umständen zerstört werden dürfen und dass du niemandem, wirklcih niemandem, von diesen Tafeln erzählen darfst. Verstehst du das mein Junge?’’
Jowy nickte.
,,Gut! Ich habe mir die Tafel mit dieser Ledertasche unter meiner Robe an mich geschnürt und möchte nun, dass du es mir gleich tust.
Ziehe die Riemen fest an, sodass die Tafel nicht wackelt und dich nicht stört, aber auch nicht für auffällige Bewegungen sorgt. Wir werden die Tafeln lange mit uns tragen müssen und so scheint es mir fürs Erste als der sicherste weg.’’
Jowy nahm die Ledertasche an sich, die eigentlich für leichte Dokumente aus Papyrus gedacht ist, nun aber eine gewichtige Tafel in sich trägt. Dann entfernte sich der Novize einige Schritte von seinem Meister und verbrachte einen Moment damit, sich zu entkleiden, die Ledertasche umzulegen und sich wieder mit Robe und Umhang zu bekleiden.
So verließen die beiden, der Druide und sein Novize, das Kloster durch das Westtor in ebendiese Richtung, während Meister Farvell sich immer wieder umdrehte, wohl um sicherzustellen, dass sie nicht beobachtet würden.
Dabei schritt Farvell voran und Jowy folgte ihm.
Erst als sie den Wald westlich des Klosters erreicht hatten, ergriff der Druide wieder das Wort:
,,Wir werden heute Nacht in das kleine Dorf Garlau gehen, sodass wir dort am Morgen ankommen. Vielleicht erinnerst du dich, wir waren schonmal zusammen dort.’’
Jowy stimmte nickend zu:
,,Ja Meister, als du die Messe zum Sonnenfest gelesen hattest, ich erinnere mich gut!’’
Jowy mochte sein Leben im Kloster, doch genoss der Junge es auch stets, wenn er zu den verschiedensten Festen und Anlässen die Druiden in die umliegenden Dörfer begleiten durfte.
Die Dörfer im Süden und Osten des Klosters kannte er jedoch besser als das westliche Garlau, deshalb wunderte Jowy sich, was seinen Meister und damit auch ihn nun dorthin verschlägt.
Doch Meister Farvell war sparsam mit seinen Worten und so musste Jowy ihm immer erst still einige Schritte hinterher trotten, bevor Farvell es wieder als angemessen empfand, die Unterhaltung weiterzuführen:
,,Von Garlau aus, werden wir weiter in die Stadt Togmavell reisen, die größte Stadt, die du meines Wissens nach bisher gesehen haben wirst, freust du dich darauf?’’
Jowy war in der Tat sehr gespannt:
,,Ja Meister, ich habe schon viel über die Stadt gehört, vor allem über den großen Tempel unseres Ordens in der Stadtmitte!’’
,,Sehr schön, ich freue mich mit dir mein Junge, doch lass dir jetzt schon eins gesagt sein, wenn wir am Ziel unserer Reise ankommen, wird dir Togmavell wie ein kleines Dorf vorkommen und der Tempel nicht eindrucksvoller als eine Kapelle!’’
Nun wich Jowys Spannung fast Aufregung, doch der Novize spürte, dass es sein Meister nun wieder für richtig hielt zu schweigen, während sie weiter einen Fuß nach dem anderen durch den dunklen Wald setzten.
Es wurde schließlich so lange nicht gesprochen, dass Jowy beinahe ein Gefühl der Langeweile überkam, der Drang seinen Meister mit Fragen über die Reise, das Ziel und vor allem die Tafeln zu löchern, wurde in dem Jungen aber größer und größer.
Doch der Novize bemühte sich, sich von seinen Drängen zu befreien, wie es ihm stets beigebracht wurde, und suchte um sich herum Ablenkung. Erst beobachtete er die Falten in der Robe seines Meisters, die mit jedem Schritt schlackerten und den Jungen an die Strömung eines Flusses erinnerten. Dann blickte Jowy hin und wieder in die Baumkronen, die im Licht des Mondes silbern und fast bläulich wirken. Doch schließlich waren sie so weit in den Wald vorgedrungen, dass die Blätter der Bäume sich so dicht über ihnen zusammenschlagen, dass wenig Mondlicht mehr hindurch kam und Jowy bald die eigene Hand vor Augen nicht mehr sah.
Um sich von seinen vielen Fragen abzulenken, entschied der Novize, sich nun auf sein Gehör zu konzentrieren, wie es ihm oft von seinen Meistern vorgeschlagen wurde.
Stärke stets all deine Sinne, du weißt nie, wann du sie brauchen wirst.
So lauschte Jowy dem Gesang der Nachtvögel, beobachtete den Gang des Mondes am Himmel, achtete auf das Rascheln der Nagetiere im Unterholz und konnte schließlich sogar das Rauschen des Baches vernehmen, der Parallel zum Trampelpfad zwischen den Bäumen durch den westlichen Wald verlief. Doch egal, worauf er seine Aufmerksamkeit richtete, die Gedanken an die Tafeln schossen dem Jungen immer wieder in den Kopf und eine Unruhe begann in ihm zu brennen.
Schließlich, als der Meister und sein Novize an einer Weggabelung mitten im Wald kurz stehen blieben, um einen Moment zu rasten, sprudelte eine seiner vielen Fragen aus dem Jungen heraus:
,,Meister, bitte sagt mir, wo wir die Tafeln hinbringen wollen?’’
Wie so häufig, schmunzelte der Meister nur:
,,Mein lieber Junge, ich verstehe deine Aufregung und du wirst noch früh genug das Ziel unserer Reise erfahren. Für den Moment musst du mir allerdings vertrauen, dass es sicherer und einfacher für dich ist, je weniger du weißt. Verstehst du das?’’
Der Junge nickte, doch er verstand nicht, was sein Meister wohl an seinem fragenden Gesichtsausdruck bemerkte.
,,Wenn deine Fragen und die Unruhe dich zu sehr quälen, denk an die Übung, die ich dir vor zwei Monden gezeigt habe.’’
Jowy dachte zurück, brauchte einen Moment, doch dann fiel ihm tatsächlich die Atemübung ein, die Meister Farvell ihm beibrachte.
,,Lass uns die Übung gemeinsam machen, sie wird unseren Geist wieder mit unserem Körper in Einklang bringen und uns beruhigen.
Wir stellen uns nun vor, dass unsere Atmung eine entspannte Wanderung in einem Gebirge wäre.
Beim Einatmen erklimmen wir einen prächtigen Berg.’’
Die beiden atmeten gemeinsam ein.
,,Nun sind wir auf dem Gipfel angekommen, genießen die Aussicht und machen eine Rast, indem wir unseren Atem kurz anhalten.’’
Die beiden hielten ihren Atem gemeinsam an.
,,Beim Ausatmen stellen wir uns nun den angenehmen Abstieg vor.’’
Die beiden atmeten gemeinsam aus.
,,Und nun sind wir im fruchtbaren Tal angekommen und rasten wieder, indem wir den Atem kurz anhalten.’’
Die beiden hielten ihren Atem gemeinsam an. Dann wiederholten die beiden die Übung noch einige Male, bis der Druide entschied, dass es Zeit war, weiter zu gehen.
,,Und nun mein Junge, stell dir auch beim Laufen vor, wie du mit dieser Übung Atemzug um Atemzug einen Berg nach dem anderen erklimmst.’’
Die Übung half dem Novizen tatsächlich, die ruhige Atmung ließ seinen ganzen Körper und auch seinen Geist ruhiger werden, für eine Weile. So ganz wollte es Jowy nicht gelingen, seine vielen Gedanken loszulassen.
So gingen die beiden weiter, während langsam am Horizont der Mond zu verschwinden und die Sonne aufzusteigen begann.
Es dauerte noch einige Momente der Stille, der vielen Schritte und der vielen Anstrengung von Jowy, um keine weiteren Fragen zu stellen, da begann schließlich die fast violett anmutende Morgenröte langsam durch die vielen Bäume zu schimmern und den beiden den Weg weiter und weiter zu erhellen.
Schließlich hatten die beiden den Waldrand erreicht und konnten schon die Felder vor dem Dorf Garlau erkennen, bei denen sich auf den Getreidehalmen der frische Morgentau sammelte.
,,Wir rasten hier noch einen Moment, wir sollten nicht so früh im Dorf eintreffen, wir wollen die lieben Leute dort doch nicht verwirren, sie sollen nicht mitbekommen, dass wir in Eile sind.’’, verkündete Farvell.
Dann setzte sich der Meister im Schneidersitz unter einen Baum und schloss die Augen.
Er schien einfach schlafen zu können, oder meditiert er?
Jowy gelang es jedenfalls nicht, sich ruhig hinzusetzen und so stellte er sich vor Farvell.
,,Meister, was werden wir den Leuten im Dorf denn als Grund für unsere Reise nennen?’’
,,Wir sind auf Pilgerreise, das ist unsere Geschichte, mehr brauchen die guten Leute nicht zu wissen.’’
,,Aber das ist eine Lüge, wir sind nicht auf Pilgerreise und ich möchte die Leute nicht belügen.’’
,,Mein Junge, wie so oft weiß ich deine Ehrlichkeit sehr zu schätzen. Leider werden wir einige Regeln brechen müssen, die uns beiden im Kloster über Jahre hinweg anerzogen wurden. Glaub mir, dass es mir genauso schwer fällt wie dir.’’
Nun verspürte Jowy ein Gefühl, das er schon länger nicht verspürt hatte, Wut.
,,Meister, ich werde keine Regeln brechen, wenn ich nicht einmal weiß wofür! Was ihr von mir verlangt, ist ungerecht!’’
Jowy war selbst erschrocken, so hatte er noch nie mit seinem Meister gesprochen.
,,Es ist in Ordnung, mein Junge. Ich verstehe deine Aufregung. Ich hätte an deiner Stelle genau so viele Fragen. Wir sind allerdings in einer äußerst geheimen Mission unterwegs, die, wie ich dir bereits sagte, für unseren Glauben, aber auch für den Frieden der gesamten gwantenischen Reiche von größter Bedeutung ist. Ich darf also mit keinem über dieses Vorhaben sprechen, bis ich es für nötig befinde, im Moment nicht einmal mit dir. Ich verspreche dir aber, dass du am Ende unserer Reise ebenso im Bilde sein wirst, wie ich es bin! Und du wirst Dinge sehen und Dinge lernen, die du bei uns im Kloster erst in sehr vielen Jahren mühsamer Studien in Erfahrung gebracht hättest. Ich verspreche dir also auch, dass du nach unserem Abenteuer dem Rang eines Druiden deutlich näher sein wirst, als wenn ich dich im Kloster gelassen hätte. Dafür brauche ich allerdings dein Vertrauen und deine Hilfe. Wenn du es noch nicht verstehst, kannst du es wenigstens für den Moment akzeptieren?’’
Der Junge nickte und versuchte die Worte des Druiden zu verstehen und für den Moment zu akzeptieren.
,,Danke, mein Junge. Nun versuche bitte noch einen Moment zu ruhen. Sobald die Sonne über der Spitze des Tempelturmes steht, können wir das Dorf betreten.’’
Der Druide schloss die Augen wieder und auch Jowy setzte sich nun in den Schneidersitz neben ihn. Während der Druide seelenruhig zu schlafen schien, starrte der Novize nur auf die Sonne, die langsam hinter dem Turm aufstieg, während in seinem Kopf die Gedanken und Fragen kreisten und er es kaum erwarten konnte, das Dorf Garlau endlich zu erreichen, um dort vielleicht ein Paar Antworten zu erhalten.
PS: Meine Sorge zum Kapitel ist, dass es den Leserinnen wie Jowy geht und sich der Weg durch den Wald einfach nur lang und quälend anfühlt.