Guten Tag die Damen und Herren. Da ich unentwegt daran arbeite, wollte ich mal einen überarbeiteten Entwurf des Prologs präsentieren.
Der Erste war hier schon vor knapp einem Jahr zu finden und somit wollte ich mir Kritik abholen und auch ein Lebenszeichen hinterlassen.
Über Anregung würde ich mich freuen. Viel Spaß beim Lesen. 10 - 15 Minuten Lesedauer.
Die Offenbarung
Prolog
Seine Wahrnehmung trübte. Warmes feuchtes Eisen flutete seinen Rachen. Instinkt und Training mühten sich am wirrenden Wurzelwerk des Waldes ab, das mit seinen knorrigen Fingern geradezu verzweifelt, ja schier nach Hilfe flehend, seine Beine zu ergreifen versuchte. Ein Trommelfeuer aus prasselndem Regen, chaotisch durch Blätterdächer verzehrt dröhnte in seinem Schädel, wie auch tosendes Wassergefälle gegen sein Trommelfell brandete.
Wüst schnitten gebrochene Rippen in seine Innereien, erzwangen so das erneute Erbrechen von Blut. Klarheit rang mit den aufkommenden Bildern des Ungetüms, gleich spitzer Krallen haschten und verhakten sie sich in seinem Verstand.
Noch vor wenigen Minuten lag er schmerzverzerrt zu Boden. Niedergerungen durch das anspringende Miasma, worauf manche seiner Knochen augenblicklich barsten. Es wütete unter ihnen. Jedoch gelang ihm die Flucht, nachdem sich es sich keifend und gackernd auf seinen Bruder stürzte. Ein beschämendes Gefühl, dem selbst das Einstimmen einer Litanei der Verhüllten nur wenig Einhalt gebot, letztlich griff er einfach nach dem rettenden Ast einer tiefen Schlucht.
»Mein Gelübde ist mein Schleier.
Mein Schleier ist meine Kraft.
Meine Kraft Geschenk der Ahnen.
Meine Ahnen gebieten meine Pflicht.
Meine Pflicht dient der Flamme.
Meine Flamme vertreibt die Nacht.«
Sein Bein zitterte und zwang ihn zum Anhalten. Geradezu höhnend stießen Wolken von Raureif auf, während er mit geballter Faust auf die verklebte und taube Stelle hämmerte. Er riss die Beinschützer aus den Riemen und nahm der Ruine einer Rüstung somit die letzte Würde. Das gläserne Kettenhemd, einst prächtig schimmernd, wurde durch den Aufschlag ins Fleisch gedrückt und aus den Gliedern gerissen. Sein einst funkelnder Mantel, von Sicheln zerschnitten und Gallensäure durchsiebt, ein Sinnbild der Geißelung.
Die Flamme bedeutete Stärke, doch auch ihre Macht unterlag klaren Grenzen. Spätestens sein herausquollender Darm würde diese vom Vater gespendete Macht auf eine harte Probe stellen.
Wie konnte er überhaupt entrinnen? Weil er das Schicksal als solches verachtet? Seiner Einschätzung nach, hatte es keinen Bestand – eine Ansicht, für die ihn sein einstiger Freund stets zu tadeln wusste.
Nein. Ich muss glauben. Nach der Flamme greifen!
Das Ertasten der Glut und ihrer Entfachung zu einem Feuer wetteiferten gegen einen zweifelnden Willen. Hatte er überhaupt Absolution verdient? Hatte er sie verdient, als Feigling?
Der Dienst und die Pflicht waren ihre einzige Doktrin. Feigheit würde geächtet, Gnade verweigert. Die Wahl der Flamme bestimmte schließlich das Leben seiner dunklen Brüder, ebenso nahm sie es bei Verfehlungen dieser Doktrin. Seine Furcht verurteilte ihn, die Abwesenheit des Vaters verdammte ihn.
Die Erschöpfung schlug mit ihrer Klinge und legte mahnend den kalten Stahl auf ermüdete Schultern. Sein Verrat schmähte ihn. Er war ihm nicht mehr würdig. Er war der Macht der Flamme nicht mehr würdig.
Unter dem bebenden Rest seines Kiefers zwang er sich voranzuschreiten, ein Trunkenbold, gelegentlich stürzend, keuchte er zähnefletschend, gleichwohl sich das Korsett um seine Innereien enger zog.
Er wusste den verwunschenen Wald für sich zu nutzen, hoffte das etwaige Umwege und Abbiegungen vermochten es zu verwirren, wenn auch nur um Sekunden. Nach einem weiteren der hochgewachsenen Bäume, die wie ein Verhau wuchsen, bot sich ihm ein aufsteigender von Wurzelwerk entzweigerissener Kamm. Das gerade der Pasvik seine Feigheit zu schätzen schien, gewann ihm ein brüchiges ungläubiges Schmunzeln ab.
Laub, rutschig wie Eis bedeckte die Fläche des zerfurchten Bodens. Behutsam stützte er sich an der Gesteinswand, wägte jeden Schritt sorgsam, scheiterte jedoch, da ein aufkommender Hustenanfall seine Kehle sprengte und ihn niederrang. Sein Rachen brannte, spie rote Flocken, ebenso wie blutender Rinnsal aus seiner Augenfalte floss. Der Lebenssaft zischte wie gelöschter Docht, nachdem es auf seinen halb zerstörten Kiefer traf.
Einige Brocken würgte er herunter und wenigstens gelang es ihm, sich aus der Beugung zu erheben. Dennoch verharrte er schwerelos an Ort und Stelle, ein weiteres totes Blatt auf einer verwesenden Erde.
Ein Donnern peitschte ihn auf. Klagende Stämme, brechender Stein und zerdrücktes Geflecht ertönten in einer Symphonie nahenden Unterganges. Als er über die Schulter sah, quellte ein schwaches Flämmchen des Vaters in ihm auf.
Dieser reichte ihm die Hand, um gemeinsam dieser Gefahr, diesen Totengräber der Menschheit entgegenzutreten. Ein Tropfen Mut fiel in das Gefäß seines Geistes, entfachte die Letzte verbleibende Kerze in der sonst verlassenen Halle.
Sich unsicher des verzerrten Geschöpfes, dass sich gleich einer Made durch die Bäume presste, kniff er die Augen zusammen.
Weitere Kerzen zündeten und dankbar griff er nach der rettenden Wärme.
Flammen durchströmten seinen Körper, und kräftige Hände halfen ihm, sich aufzustemmen.
Schritt um Schritt bahnte sich sein Weg rückwärts Richtung des Spalts, stets mit voller Aufmerksamkeit auf die Kreatur gerichtet.
Hijakin fliehen nicht! Hallte es eine fremde Stimme in seinen Kopf.
Er hielt inne. Das Bild seines Freundes gewann wieder an Einfluss, denn ihm wurde nicht einmal die Möglichkeit gegeben, sich zu verteidigen. Es passierte alles so schnell. Der Hieb einer scharfkantigen Peitsche – verwachsene von Sehnen geführte Knochen, die dem Vierläufer aus dem Körper platzten. Seinen Freund überließ er dem Verlangen der Kreatur nach Fleisch.
Doch jetzt, holte ihn diese verachtende Tat ein. Es war genau vor ihm, spähte zwischen zwei beiseite gestemmten Weiden hindurch, während eine gar finstere Woge den Weg bereitete. Es gackerte, worauf sich die Woge beinahe präsentierend lichtete.
Warum lachst du?! Was ist so verdammt witzig?!
Der erste Vorderlauf trat vor, drückte förmlich den Boden unter seiner schieren Masse ein. Das Maul spreizte sich schüchtern, zuckend regten sich die verzerrten Oberkiefer aus verschiedensten Tieren, vereint als eine gemeinsame wahnwitzige Blüte. Vergilbte offengelegte Muskelstränge zuckten, wie auch Venen disharmonisch fauchten und Knochen bei jeder Regung schreiten. Es war eine von Leid und Hass diktierte Kakofonie, unter der sich etliche Augenpaare stritten, uneins darüber, wer den letzten Schlag vollführen, jedoch gebunden an der Vorfreude nahender Beute.
Es verhöhnte ihn und er versuchte dieses Quäntchen Wut aufzugreifen, um es keimen zu lassen. Auch wenn seine Chancen schwindend gering waren, der Anblick ihn Übelkeit bereitete, so würde er nicht kampflos zugrunde gehen. Dies war es schließlich, was er einst lernte. Dies war es, was seine Pflicht doch verlangte und dies war es, was er verriet. Seine Flamme schlug abermals aus.
Blutspuckend bedrohte er das Ungetüm, dabei ließ sein Hass auf diese Abscheulichkeit, der Hass gegenüber seiner Fahnenflucht, das Beben seiner Stimme versiegen.
»Du Mistvieh hast dich mit dem Falschen angelegt! Du wirst verbrennen und für deine Tat büßen! Ich werde dich ins Inferno jagen du Stück Scheiße!«
Er zog seine graue Waffe, eine Klinge mit tiefer Hohlkehle, verdrehter Parierstange und mit Leder umwickelten Griff. Er streckte dem Vieh die Spitze entgegen und zog sich zwischen der Felsspalte zurück.
Das Ding folgte ihn fragend auf langsamen Tritt. Dank des Vaters vermochte er es die Klinge tief ins Gestein zu schlagen und nutzte den verhakenden zerstörten Stahl als Stütze. Er würde es ohnehin nicht mehr brauchen. Die andere Hand entließ seinen schwellenden Bauch, zog stattdessen das Ehjalin – das gläserne Schwert hervor.
Die Glaskörper seiner Augen färbten sich. Ein blutroter See verschlang Iris und Pupille, wie auch die zerrende Flamme seinen Körper weihte.
»Beim Vater! Du wirst brennen! Wenn es das Letzte ist, was ich tue!«
Der Schmerz verblasste. Sein Fleisch loderte auf. Muskeln verengten und straften sich, sodass die schwarze Klinge schwellend erwachte, gleich eines Tropfen Blutes in klaren Gewässern.
Die Augenpaare der Kreatur legten ihren Zwist beiseite, fixierten ihre Beute und abermals litt das Monster unter dem Anspannen seines eigenen Muskelgewebes. Blutschäumend, gackernd und erregt bäumte es sich auf, ehe es auf den Spalt zustürmte.
Schlamm und Erde stießen unter den mächtigen Läufern auf, ehe ein Sprung mit knackendem Skelett über ihn hereinbrach.
Ein Funke entsprang der obsidianischen Waffe, entlud sich in einer gleißenden Explosion, die Fleisch verbrannte und Knochen sprengte. Lächelnd nahm der Hijakin das tosende Urteil des Vaters entgegen, als es ihn von den Füßen riss und seine Sinne in heiligen Flammen vergingen.
Er lag mit dem Gesicht auf nassen Boden, die Ohren taub, einzig ein monotones Pfeifen penetrierte seinen gebrochenen Schädel. Sein Keuchen klang verhohlen, panisch wie auch verloren, aber er lebte noch. Mit aller Mühe drehte er sich um, vernahm trübe versengte Partikel, die zwischen Ruß und dem fallenden Eisregen tanzten, wie auch den aufgesprengten Spalt, dem es nunmehr nicht als solchen zu bezeichnen gilt. Unter lauten Wehklagen stemmte er sich auf, suchte fieberhaft nach seinem Gegner, worauf Fassungslosigkeit sich auf einem fragilen Grinsen spiegelte. Er war tatsächlich alleine. Einzig verbrannte Erde und glühender Stein erinnerten an die Kreatur.
Allmählich lichtete sich seine Welt. Fallender Regen ließ sich wieder von donnerndem Wasserfall und pfeifenden Wind unterscheiden. Für eine Zeit verweilte er schier regungslos.
Wie das Adrenalin sich abbaute, brach auch er zusammen, das Ausmaß seiner Tat machte sich nun lauthals bemerkbar. Reflexartig griff er sich an den Bauch, um das Austreten weiterer Organe zu verhindern. Seine rechte Flanke war vollends verbrannt, Hand samt Elle vom Körper gerissen – ein Preis, den wohl die Flamme als Tausch für sein Versagen verlangte. Er atmete schwer, erhob sich und drehte sich ohne klaren Gedanken um, gefangen in Trance schleppte er sich von dannen.
Ihm war nicht klar, ob er laut sprach oder leise dachte. Seine Welt verwob alle übrigen Sinnen zu einem gebrechlichen Verlangen. Es schien für ihn, als könne er sich von außen betrachten, um final Zeuge des eigenen Falls zu werden.
»Ich muss ... nur aus dem Wald raus. Ich muss zum Bernstein.«
Sein Gang strafte weiterhin mit gebieterischer Wucht. Der zerfetzte Leib, das hervorquollen des Blutes, die gebrochenen Knochen, sie alle sprachen selbiges Wort. Ob Minuten oder Stunden vergingen, wer konnte das schon genau sagen?
Wie konnte er noch laufen? Er dachte nie, dass der Vater ihm so nah sei, dass der Tod selbst es nicht wagte, ihn zu holen. Doch nun stand er hier. Ein zerrissener, wandelnder Kadaver.
Ein Fuß ... Ein Fuß ... den anderen ... Ein Fuß ... den anderen.
Schließlich lichtete sich auch der Pasvik, eröffnete so eine gerodete Fläche, die übersät mit herabgefallenen Bruchstücken der alten Bergfeste war. Das spröde Mauerwerk versteckte sich auf einem Tafelberg, verborgen von Dunst und Nebel. Vom Regen aufgeschreckte Pfützen, malten eine Landschaft kleiner Seen, während Mulden aus Schlamm das nahende Wurzelwerk im grauen Morast versenkten.
Du hast mich wirklich nicht vergessen? Danke ... »Danke, Vater!«
Eine geliebte Umarmung wärmte seine Haut, worauf ein führendes Licht ihm Geborgenheit versprach. Er verlor sich im altersschwachen Dunst, fühlte das eingebettete Fragment hinter den Mauern der Feste. Dem Ruf folgend, hinkte er von einem moosbewachsenen Bruchstück zum nächsten. Die Überreste eines zurückgelassenen Pfades erleichterten seinen Weg, wie auch die steinernen Abbilder der wunderschönen possierlichen Amacuras ihn leiteten. Dieses Mal widerstanden sie dem Griff der Zeit, wehrten sich gegen die Verwilderung des Pasvik, so symbolisierten diese Frauen, Stärke durch Halt und ihre Schönheit bannte ihn. Er reckte die übrige Hand nach ihnen, jedoch strafte die Amacura mit Missachtung und er schreckte unbeholfen zurück. Die Frau ergoss tintenartige Rinnsale, die ihre Augenfalten hinunter über die Kanten des gemeißelten Gesichts, tiefe Furchen erzeugten. Der Anblick zementierte einen hämmernden Nagel in seinem Schädel, präzise beharkte er selbige punktuelle Stelle. Der Versuch, klare Gedanken zu formen, vergalt der Nagel grollend und ihm drohte der Schwindel zu übermannen. Sein Blick wandte sich von der Frau ab und er versuchte sich auf den porösen Weg zu besinnen.
Warum bist du alleine?
Die Erinnerung an einen Eid durchfuhr ihn. Einst gab er jemanden ein Versprechen. Doch was war es? Es war wichtig. Wichtiger als alles andere. Es ging um eine Frau, doch wer war sie?
Zwei – drei Schritte, die Felswand vor ihm war lächerlich hoch und der schmale Durchgang zum Aufzug, verschlungen von einem bodenlosen Loch. Seine Kraft genügte nicht, so torkelte er zur nächstbesten Statue und ließ sich erschöpft an ihr nieder. Langsam hob er sein Haupt, blickte über die Schulter und fühlte sich verschmäht, da diese Amacura ihm ebenfalls ein tränendes Antlitz zuwandte.
Ihr Frust war doch fehl am Platz? Er hatte überlebt und es vertrieben, wenn nicht sogar getötet. Er hatte doch Mut bewiesen? Die Flamme war bei ihm, das spürte er.
Was wollt ihr denn noch von mir? WasWollenSieVonDir?
Inzwischen waren seine Beine wie toter Fisch gestreckt, während roter Brei seinen Schoß wärmte. Sein Kopf neigte sich zur Seite, dabei sah er sich der Enttäuschung seines Kameraden ausgeliefert. Die Arme vor der Brust verschränkt, sah ihn sein enthaupteter Freund an. Der Mantel war zerrissen, die Rüstung derart zerdrückt, dass sich der Lebenssaft zwischen den Fugen und Gelenken presste. Er wollte seine rechte Hand heben, bemerkte jedoch erneut ihr Fehlen. An dessen Stelle verblieb einzig ein Stummel, ein stinkender, von Blut durchschwämmter Stummel.
»Tut mir leid Artis. Hätt dich gern gerettet.« Seine Stimme war geschlagen und zu Boden geworfen, da selbst der Regen seine Wörter zu verschmähen schien.
Wie lange er dort letztlich saß, wusste er nicht. Nach einer Weile ließ er seinen kopflosen Freund und die weinende Frau hinter sich, erhob sich zitternd und wankte unbeholfen erneut der Felswand entgegen.
Ein weiterer Schlag durchstieß seine Schädeldecke und etwas griff in seinen Kopf.
Er blinzelte und befand sich daraufhin im Innenhof der kleinen geschliffenen Burg. Zu seiner Rechten, die Ratshalle, groß genug für Versammlungen, doch ebenso zerfallen genug, um vergessen zu werden.
Das war sein Ziel. Die kleine Treppe knarzte unter seinen schweren Stiefeln und er wunderte sich über die aufgeschlagenen Türen. Er ging hindurch, folgte dem verwaisten Gang und ignorierte die Torbögen zu beider Seiten. Nach der ersten Biegung eröffnete sich ihm die Versammlungshalle, indessen Mitte er sich plötzlich wiederfand. Seine Augenlider schlossen sich geschlagen, sein Körper fiel ebenso wie sein Mut in sich zusammen.
Der rettende Sockel mit dem eingebetteten Fragment der Flamme war leer. Er schüttelte seinen Kopf in der Hoffnung, das vor ihm liegende Bild zu verdrängen, um es mit einem neuen ersetzen zu können. Der Sockel jedoch, blieb weiterhin leer. Seine Augen wurden feucht und sein Schluchzen war das Einzige, was in der verlassenen Kammer hallte.
Bis ein Gackern ihn aus seiner Verzweiflung riss. Er wirbelte herum, das Monster war ihm gefolgt. Es stand am Eingang, direkt vor ihm die vielen Augenpaare nun eins, sahen sie ihn dieses Mal anteilslos an.
Sein übriger Arm schmerzte. Sein Bein schmerzte. Sein Rückgrat knackte und es schnitt ihm die Luft ab.
Er fiel zu Boden, betrachtete dabei das Ungeheuer, welches sich nur zu einem Schrägstellen des geschlossenen Blütenmauls herabließ. Abermals folgte ein fernes fahles Gackern und im nächsten Augenblick, fand er sich erneut auf dem Waldboden wieder, sich dem Angriff der Kreatur ausgesetzt.
Sein Blick fiel in den endlosen dunklen Schlund des Dreifachkiefers. Die Pranken drückten ihn, wie ein überdrüssiges Spielzeug zu Boden, zerquetschten anteilslos seine Beine, wie den linken Arm. Sein Schrei wurde von einer blutverstopften Lunge erstickt. Flehen, Drohungen und Gnadengesuche verblieben als ungesagte panische Gedankenspirale.
Der Schlund aus klingengleichen unrhythmischen Pfeilern weitete sich, die abgewetzt, unnatürlich gesprossen sich selbst ins Fleisch schnitten. Blut und Galle krochen aus dem Rachen und den sich selbst zugefügten Wunden empor. Die klaffenden Kiefer überspannten sich abartig, zerstörten mit einem festen Ruck das eigene Gelenk.
Er wollte den anderen Arm heben, merkte, wie dieser wieder vollends genesen war. Seine letzte Möglichkeit witternd ergriff er abermals die schwarze Waffe an seinem Gürtel.
Das Biest ahnte dies und drückte ihn mit einer Pranke die rechte Schulter ein, zersprengte so das Gelenk wie eine zu Boden geworfene Vase. Seine Gedanken rasten, verloren jeden Halt, jede Fassung.
Warumbinichwiederhier?! Warum?!
Der Mann wirbelte seinen Kopf hin und her und erblickte den kopflosen Leichnam seines Kameraden, im Morast des Waldbodens unter Schlamm begraben.
Warum? Ich war doch in Sicherheit?!
Sein Blick richtete sich gen Dunkelheit. Das Biest drückte seinen Magen ein. Starre fesselte ihn, als die Blüte seine Welt ins Nichts stürzte. Ein Knacken hallte in seinen Ohren, der Faden der Vernunft entglitt ihm, Zähne brachen unter gepressten Druck, wie sich Flüssigkeit durch seine Nasenflügel presste. Er sah nichts, doch die Sicht verschob sich, er roch nichts, doch klagte Übelkeit. Er atmete einen letzten Zug, ehe das eigene Gebiss in seinen Schädel gestemmt zerbrach und Augen unter dem Druck platzten und die Flamme ihn enttäuscht zurückließ.