Beiträge von kalkwiese

    :D Solche Leute heißen Schriftsteller und Illustratoren... 8)

    Hehehe, du! :D Wobei das bei einem Comic ja schon nochmal einen Schritt weiter geht.


    Etiam Soweit ich weiß basiert der One Punch Man Manga auf einem Webcomic, den der Autor eher schlecht als recht zeichnen konnte. Später wurde dann ein Künstler ins Boot geholt, der der Geschichte würdige Zeichnungen geben konnte. :)

    Über die Entstehung von Death Note weiß ich nichts, ist aber eine coole Info, falls es stimmt :D

    Moin Sci-Fi-Dave :)

    Das Zusammenspiel von Text und Bildern ist auch sehr spannend, finde ich. Als Fan von Walter Moers weiß ich gute Illustrationen sehr zu schätzen, an Comics habe ich mich tatsächlich noch nicht herangewagt. Vielleicht ist es ja auch ein möglicher Ansatz, wenn du jemanden findest, der für dich die Zeichnungen machen kann, während du eher die Story und alles dahinter entwirfst. Kann mir gut vorstellen, dass es sowas schon öfter gab :hmm:

    Wow. Ich hab das hier im Stillen im Urlaub mitverfolgt und das meiste auch mitbekommen. Trotzdem kann ich nicht sagen, das hier das Werk eines politischen Trolls war oder ob da jemand ernsthaft nicht verstanden hat, wozu eine Moderation gut ist.

    Wobei es ja heißt, dass man nicht von bösem Willen ausgehen soll, wenn Inkompetenz als Erklärung genauso gut funktioniert :hmm:


    Wir hatten ja tatsächlich auch schon kürzere Gastspiele, aber das waren dann eher so Selfpublisher, die nur ihren Link im Forum hinterlassen wollten und Werbung gemacht haben. :rofl:

    Momentan lese ich einen dicken Wälzer von 1280 Seiten, da finde ich durchaus okay, wenn ich nach jedem Drittel mal ein Update dazu gebe. ^^

    Das Buch heißt Das Achte Leben (Für Brilka), ist geschrieben von Nino Haratischwili und eine georgische Familiengeschichte, die in Georgien beginnt und dann irgendwann den Weg nach Deutschland finden wird. Die Originalsprache ist jedenfalls Deutsch. :)

    Familiengeschichten mag ich jedenfalls. Was ich auch durchaus mag, ist wie Haraschwili mit leuchtenfarben durchaus mal dick aufträgt. Die Familiengeschichte hangelt sich am 20. Jahrhundert entlang, natürlich mit dem Zarenreich, der Sowjetunion und den Weltkriegen und allem, und in diese Wirren geraten die Familienmitglieder, jeder irgendwie für sich. Das Buch gliedert sich in acht Bücher, die alle nach dem Familienmitglied benannt sind, das in diesem Buch das große Ereignis hat, quasi den Höhepunkt in der eigenen Geschichte.

    Erzählerin ist Brikas Tante, die ihr die Familiengeschichte erzählt, damit die zwölfjährige Brilka nicht die Fehler der Familie wiederholt und ein besseres Leben führen kann, darum ist das achte Buch auch nur eine leere Seite. Brilka soll ihre Geschichte selbst schreiben.

    Es gibt auch ein fantastisches Element, nämlich die perfekte Heiße Schokolade, die Brilkas Urururgroßvater entwickelt hat, "zähflüssig und schwarz wie die Nacht" - aber sie bringt denen, die sie essen Unheil.


    So, ich habe jetzt ein kleines bisschen mehr als ein Drittel gelesen und bin bisher sehr zufrieden. :) Haratischwili kann erzählen, das kann sie gut. Es gab ein, zwei Momente, wo eine Szene mal etwas zu melodramatisch/gefühlsbetont fand, wo es mir zu viel wurde, aber dass das Buch melodramatische Züge hat, ist ein Feature, kein Fehler.

    Ich frage mich, warum ich Familiengeschichten so mag. Ich glaube, das könnte daran liegen, dass unter einem Dach dort unterschiedlichste Ideen und Lebensweisen zusammenkommen und die Leute ja aneinander gebunden sind und miteinander klarkommen müssen. Meist haben sie sich auch gern und das führt dann zu Zerrissenheit und inneren Konflikten. :hmm: Wenn Stasias Sohn Kostja in die Armee geht und sich vollständig der UdSSR verschreibt, während ihre Tochter jemanden liebt, der von den Nazis angeworben wird, um gegen die Sowjetunion zu arbeiten, und dem man ein freies Georgien verspricht, dann kann man an einer Familie ein kleines Gesellschaftspanorama entwerfen. :hmm: Das finde ich spannend.


    Ich bleibe dran. Melde mich nach zwei Dritteln wieder.

    Moin, Meph.

    Wenn man eine enge Beziehung zu jemandem hat und auch den Kontakt pflegt, beispielsweise durch Telefonate, dann kann man indirekt sicher spüren, ob etwas seltsam an den letzten Interaktionen war. Dadurch entsteht oft dieser Eindruck, dass man als Vater/Mutter spürt, wenn etwas nicht stimmt. Das hat nichts mit Blutverwandtschaft zu tun und ein telepathischer Draht über den Atlantik ist es auch nicht - das gibt es alles nicht und wäre, so weit ich das wissen kann, Magie.

    Wenn der Vater seiner Rolle als Vater gerecht wird und mit seinen Kindern auch in Kontakt steht, dann halte ich eine Ahnung auch nicht für abwegig, entweder nach dem letzten Gespräch oder weil es vielleicht unerwartet lange eben kein Gespräch gab.


    Hoffe, das hilft

    Der Wanderer

    Klasse, von dem Buch habe ich noch nie gehört, also danke für den Beitrag :)


    Vielleicht kannst du noch hinzufügen, warum das Weg so gut/wichtig ist und was es auszeichnet. Ohne das steht da ja nur der Titel, der Autor und die Ausgabe und das gibt einem noch nicht so viel in die Hand. Wäre auf jeden Fall schöner mit noch einem kleinen Text dazu, gerade auch für zusätzlichen Kontext. :)

    Hallo, liebes Forum!

    Seit längerer Zeit geistert mir ein Gedanke durch den Kopf: Wenn man einen Kanon der Fantasy machen würde, was würde dann da hinein gehören?


    Erstmal ein paar grundsätzliche Dinge:


    Wenn man das Wort "Kanon" erwähnt, provoziert man bei vielen Leuten sofort eine Protesthaltung. Das kommt wahrscheinlich daher, dass ein Kanon immer irgendwie einen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit zu erheben scheint, während er auch viele gute Werke ausschließen muss, weil er sonst jeden Rahmen sprengen würde.


    Wozu erstellt man also einen Kanon? Nun, meist hat ein Kanon die Funktion, dass die, die ihn gelesen haben, einen allgemeinen Überblick über die Literaturlandschaft haben sollen. Er umfasst Werke, die wegweisend waren und andere beeinflusst haben. Um es auf die Musik zu übertragen: Man muss kein Black Sabbath-, Metallica- oder Iron Maiden-Fan sein, um deren Einfluss auf die Bands nach ihnen anzuerkennen. :) Ein Kanon soll (so gut es geht) keine Geschmacksfrage sein.

    Das ist hilfreich als Orientierung für beispielsweise Studierende, aber auch alle anderen, die gerne diesen Überblick haben wollen. Da die Zeit nicht stillsteht, muss ein Kanon auch immer mal wieder überarbeitet werden, Bücher werden daraus entfernt und andere hinzugefügt. Wer den Kanon erstellen durfte, wird auch seine Spuren darin hinterlassen, unweigerlich - darum ist es auch interessant, sich Listen aus unterschiedlichsten Ländern anzuschauen. Außerdem kann es durchaus Spaß machen, seinen eigenen, ganz persönlichen Kanon der wichtigsten, wegweisenden Werke zu erstellen. :)


    Was möchte ich hier also?

    Nun, einfach gesagt, würde mich interessieren, was ihr hier für die wichtigsten Werke der Fantasy haltet, die man gelesen haben sollte, um die Genrelandschaft überblicken zu können. Niemand muss das wollen! Lest, was ihr wollt! Aber wenn man das nun will, welche Bücher kommen da in Frage?

    Welche Bücher oder Reihen sind die Wegweiser, die Eckpfähle, die Leuchtfeuer des Genres? Unabhängig davon, ob es ein eigener Favorit ist, wer hat andere Autoren geprägt und ist noch heute in den Werken anderer verankert? Wer hat die Klischees erst richtig etabliert? Welches Buch hat der Welt gezeigt, was Fantasy auch für Formen annehmen kann und ihr zu ungeahnten Höhen verholfen?

    Ich bin mir sicher, dass ihr da noch vieles wisst, was ich nicht weiß. :)


    Nur eine Regel will ich nennen: Pro Autor solltet ihr nur ein Werk nennen! Ob es ein Einzelroman oder eine Romanreihe ist, spielt keine Rolle. Auch ein 7-Teiler gilt für mich als ein Werk, sofern es eine geschlossene Einheit bildet. Und wenn jemand anderes vom gleichen Autoren ein anderes Buch für wichtiger hält, dann kann diese Person das ja stattdessen nennen. :)




    Ich beginne den Kanon mit dem einen Werk, an dem keiner vorbeikommt: Der Herr der Ringe von J. R. R. Tolkien.

    Bestimmt könnten andere das noch besser darlegen. Tolkien hat das Genre nicht erfunden, aber sein Wälzer schlug so sehr ein, dass das Genre nicht mehr ohne ihn konnte. Wer Fantasy gelesen hat, die nach Tolkien kam, hat in den meisten Fällen Tolkien mitgelesen, auf indirektem Wege. Dazu kommt die absolut reiche Welt von Mittelerde, die völlig von Magie und eigenen Kulturen durchwirkt ist; die Tragik mancher Helden, wie Frodo, Bilbo oder der Ents; und die beständige Ahnung, dass da überall noch mehr unter der Oberfläche ist, wenn man sich entscheidet, dort etwas zu graben.

    In diesem Ausmaß hat Tolkien einen Standard gesetzt, der seither nur in Ausnahmen wieder erreicht wurde.




    So in der Art stelle ich mir das vor. Was gibt da noch? Das lege ich jetzt in eure Hände.

    Wie ich vorhin bereits in einem anderen Thread geschrieben habe, hat mich der Roman Der Meister und Margarita von Michail Bulgakov massiv an "Ein gutes Omen" von Neil Gaiman und Terry Pratchett erinnert! Wer sich humoristische, satirische Fantasy wünscht, der kann da mal ein Auge riskieren.

    Ist auch sehr angenehm zu lesen, der allwissende Erzähler erinnert ebenfalls stark an Pratchett, der ja erst Jahrzehnte später gewirkt hat. An skurrilen Figuren fehlt es nicht, beispielsweise einem schrulligen Kantor und einem großen, sprechenden schwarzen Kater, die zusammen Teile Moskaus in Schutt und Asche legen. :D Da ist eigentlich alles drin, was das Humoristenherz begehrt.

    Ich möchte hier einen Schriftsteller vorstellen, von dem ich vor einer Weile sein Hauptwerk gelesen habe und den man durchaus einen Helden der phantastischen Literatur nennen kann, denke ich. :)


    Es geht um Michail Bulgakov, bei dem ich mich vor allem auf seinen Roman Der Meister und Margarita beziehe.

    Grob gesagt besucht dort der Teufel unter dem Namen Woland Moskau, hat seine Gehilfen mit im Gepäck, unter anderem einen riesigen schwarzen Kater, und diese Truppe mischt die Stadt ganz ordentlich auf. Es gibt alles, was man braucht: nackte Hexen, Katzen und groteske Szenen.


    Zwei Personen scheint Woland aber durchaus liebgewonnen zu haben: Den in der Irrenanstalt lebenden, lebensmüden Schriftsteller, der nur "Der Meister" genannt wird, und seine einstige Geliebte Margarita.


    Bis zu seinem Tod überarbeitete Bulgakov den Roman immer wieder, der wegen der Zensur unter Stalin lange nicht oder nur in geringer Auflage veröffentlicht werden konnte. Heute gilt Der Meister und Margarita als Klassiker, der sich gegen die Zensur behaupten und der die Herzen der Leser erobern konnte. Bulgakov besticht mit Witz und liebenswerten Figuren. Und wer den geschichtlichen Hintergrund kennt, der fühlt auch den sinistren Einfluss von Stalins Russland immer mal wieder durchblitzen ...

    Wunderbar unterhaltsam!


    Das Buch ist erstaunlich leichtgängig zu lesen und erinnert mit seiner Satire und der allwissenden Erzählperspektive beispielsweise an Bücher wie "Ein gutes Omen" von Neil Gaiman und Terry Pratchett, in dem man sich teilweise auch mal fragen kann, wer eigentlich Protagonist ist.


    Andere Werke von Bulgakov möchte ich auch noch lesen. Beispielsweise "Hundeherz", das zu Sovjetzeiten auch lange verboten war.

    Daß Du Erhardts Gedicht nach Silben ordnest, ist völlig legitim.

    Ich bezweifele jedoch sehr, daß Erhardt das beim Schreiben auch getan hat. Weshalb auch hätte er sollen?

    Ob Erhardt das getan hat, können wir natürlich nur herausfinden, indem wir ihn fragen - und er ist tot. Ansonsten bleibt mir da nur zu sagen, dass er eben etwas von seinem Handwerk verstand, dein Beispielgedicht einen deutlichen Rhythmus hat (vierhebiger Jambus, also auf eine unbetonte Silbe folgt eine betonte, das viermal je Vers) und ein deutliches Muster, was die Kadenzen angeht (also das Versende, das mal betont oder unbetont ausfällt) und das dadurch einfach fließt wie Wasser. Das halte ich jedenfalls nicht für Zufall. Wenn man das ein paarmal gemacht hat, ist das auch nicht so schwierig. In meinem Gedicht hier waren manche Verse echte Selbstläufer, andere waren richtig Arbeit.

    Dass Dichter wie Erhardt ihre Werke unbewusst in Rhythmen verfassen, halte ich für naiv. :hmm: Schreiben ist ein Handwerk, das mal besser und mal weniger gut von der Hand geht. Homer wird seine Odyssee und seine Ilias nicht versehentlich in einem Hexameter verfasst haben; Goethe und Schiller sind ihre strengeren Gedichte sicher auch nicht einfach plötzlich in den Kopf geschossen. Schweiß gehört schon auch dazu.

    Es gibt natürlich auch freie Formen, hab ja auch schon sowas geschrieben, da ist der Improvisationsfaktor wahrscheinlich etwas höher. Aber auch das entschuldigt keinen Text, der über seine Füße stolpert, und darum braucht man auch da Handwerk ...


    Da hatte er eine Idee. Und die hat er aufgeschrieben.

    Kann man analysieren auf Metrik etc.

    Kann man auf entsprechende Betonung analysieren.

    Kann man alles machen...


    Nur bitte nicht, bevor man ein Gedicht schreibt.

    Also, erstmal sollte jeder so arbeiten, wie er gute Ergebnisse liefern kann. Ich denke, da sind wir uns sicher einig. :)

    Und dann denke ich, dass es hier vielleicht ein Missverständnis gibt. Es gibt beim Schreiben natürlich ein Davor, ein Währenddessen und ein Danach.


    Davor habe ich beispielsweise folgende Vision gehabt:

    - ein Gedicht in einer strengen Form

    - Paarreime

    - die Verbindung vom Schreiben mit einer Segelreise

    - ein balladenartiger Erzählansatz


    Währenddessen ergab sich dann:

    - Alexandriner als Form, nachdem andere Formen nicht so richtig gelingen wollten (hab ich also durchaus ausgejamt, wenn man so will)

    - 4 statt 3 Strophen, die ich erst geplant hatte

    - natürlich die Verse an sich, da ging es in penibler Arbeit von Zeile zu Zeile

    Spätestens ab da würde wahrscheinlich auch ein Heinz Erhardt sehen, auf was für eine Form sein Gedicht hinausläuft.


    Und danach wurde nochmal die Feile angesetzt, denn ich hatte in der ersten Strophe behauptet, eine Tintenspur zu radieren.


    Hat ja keiner behauptet, dass die Leute ihre Texte vorher fertigplanen sollen, aber Pläne mit Metaphern, Reimwörtern und Versmaßen zu machen - was ist daran abwegig?


    Sorry. Wenn Du was mit deinem Gedicht "möchtest" bist Du auf dem besten Wege, nichts mehr draus zu machen. Was ich sehr schade fände.

    Es ist nämlich ein gutes Gedicht, an dem man nichts mehr zu ändern braucht.

    Ich bin nicht sicher, was genau du damit meinst, aber ich sehe bisher nichts, wofür du dich entschuldigen musst. :)

    Von Anfang an war dies ein Gedicht, von dem ich viel wollte und mit dem ich viel gemacht habe, was für mich neu war. Deinem Urteil nach wurde es gut, und das freut mich. Ich bin der letzte, der etwas zu Tode korrigieren würde, nur um zu gefallen. Hier geht es eher um den Anspruch vor mir selbst, und der war hier ein leichtgängiges Gedicht mit festem Versmaß etc. zu machen. Dem gilt es gerecht zu werden. Daran sehe ich nichts, was etwas verhunzen könnte.

    "Leichtgängig" heißt nur nicht, dass es für mich einfach wird.

    Moin Wanderer! Ich habe mal den Thread überflogen und mich am Gedicht Mein Leben festgelesen :)


    Ich mache bei Gedichten auch immer eine mündliche Prüfung, indem ich sie laut lese. Das fließt sehr schön und einzelne Strophen haben einen deutlichen Rhythmus. Keine Ahnung, wie bewusst du das machst, aber es funktioniert gut. :thumbup:

    Inhaltlich ist es ja sehr gegenständlich, nicht abstrakt. Da lese ich neben der Tag- und Nachtbeschreibung einen geschlossenen Frieden mit der eigenen Sterblichkeit heraus, aber ohne Lebensmüdigkeit, sondern auf eine positive Weise.


    Ein kurzer Vorschlag, der einzige, der mir einfallen wollte:

    Wenn im Dunkel der Nacht

    meine Seele verzagt

    und in des Tages Dämmer (Vorschlag: "und im Tagesdämmer", passt besser zu Vers 1 der Strophe mMn)

    der Zweifel an mir nagt.

    Das würde die Strophe mMn aufwerten :D

    Ach Der Wanderer , ich verstehe schon, was du meinst. Bei Gedichten, der dichtesten Ausdrucksform, die ich mir so vorstellen kann, kann ich da aber nicht mitgehen. :hmm: Da sollte man schon danach streben, dass alles sitzt, also jede Silbe, jeder Reim, und dass das alles auch irgendwie zusammenpasst. Fünf gerade sein zu lassen, nur weil es mühselig ist, aber obwohl man es besser weiß, das wäre Faulheit. Und die ist die größte Feindin des Dichters mMn. :hmm:


    Überhaupt hat Heinz Erhardt sich auch bei diesen Zeilen wahrscheinlich viel Mühe gegeben, dass das rhythmisch so schön harmoniert und fließt. Man muss sich nur mal die Silbenanzahlen je Vers angucken und wo die Wörter betont sind. :) Das ist gutes Handwerk! Der Mann hat nicht geschlampt.


    Asni Tja, da muss ich wohl gucken, was ich mit dem Gedicht möchte. Wenn ich schon eine strenge Form möchte, gehe ich vielleicht am besten zum Paarreim zurück und lasse die Kadenzen einfach einen subtilen Hinweis für Detektive sein. :D Der Bruch im Reimschema ist einfach zu krass.

    Ich denke, der letzte Vers ist in beiden Versionen, also umschließender Reim ("Den Bildern muss ich nach | der Weg, der stimmt noch immer!") und Paarreim (Begrüßt den neuen Wind | begrüßt die reiß'nde See) eine gute Abschlusszeile. :)

    Cory Thain

    Huhu! Ja, also, der Gedanke war, dass die Struktur den Inhalt reflektieren sollte. Die offensichtliche Veränderung ist sicherlich das Reimschema in der vierten Strophe, wo ich statt einem Paarreim (aa bb) einen umschließsenden Reim genommen habe (ab ba). Ja, "Wirrwarr" soll sich da auf "immer" reimen :rofl: Die Änderung des Reimschemas ist ein harter Bruch, über deren Sinn ich auch immer noch nachdenke. :hmm:

    Die nicht ganz so offensichtliche Änderung ist, dass ab der dritten Strophe sich die Kadenzen verändern, also ob die Verse auf einer betonten oder unbetonten Silbe Enden. Strophe 1 und 2 enden auf betonten Silben, Strophe 3 auf unbetonten, und in Strophe 4 enden Vers 1 und 4 auf unbetonten Silben und Vers 2 und 3 auf betonten. 🤔 Ich wollte da eine noch größere Veränderung einführen, um die Änderungen im Schreibprozess mit darzustellen.


    Formschöner wäre es, wenn ich in Strophe 4 die Verse so vertausche, dass wieder Paarreime entstehen. Die Kadenzen bemerkt wahrscheinlich eh keiner. xD

    Ich weiß nicht, ob ich diesen bewussten Bruch lassen will, oder ob ich lieber für die Gefälligkeit den Paarreim haben will

    Ich bin jetzt selber mal gespannt, was ich hier schreiben werde. :hmm:

    Gibt es Themen, zu denen ihr automatisch immer wieder greift? (Hexen, nordische Mythologie, Drachen, Diebe, Ritter …)

    Kann ich so nicht feststellen.

    Achtet ihr stark aufs Genre oder habt gemerkt, dass es eine Sparte gibt, die euch sehr gefällt? (Völkerfantasy, Grim Dark, Dystopie, Weird Fiction, Steampunk …)

    Ich mag absurde, humorvolle Fantasy, also im Sinne von Terry Pratchett, Walter Moers, Douglas Adams, da aber lieber das Satirische als den reinen Klamauk. Bei aller Phantastik sollten Themen und Konflikte für mich schon noch echt und nachvollziehbar, und damit menschlich sein.

    Überhaupt stelle ich fest, dass Völker wie Elfen, Zwerge, Orks etc. mich nicht wirklich interessieren. Irgendwie muss ich da immer an diesen Satz aus Solaris von Stanislaw Lem denken: "Wir brauchen keine anderen Welten, wir brauchen Spiegel." So ungefähr geht's mir damit. Worldbuilding ist für mich auch sehr zweitrangig - wenn es da ist und interessant, dann nehme ich es gerne mit, aber ich lese kein Buch nur wegen der Welt.

    Auch Mittelerde und das Mittelalter interessieren mich nicht besonders, muss ich zugeben. :hmm: Von daher kann ich mit einer Welt im Disneymittelalter auch ganz gut leben. :)


    Was mich in letzter Zeit immer mehr reizt, ist das, was die Leute Surrealismus oder Magischen Realismus nennen, wo Magie im Alltäglichen passiert. Das ist nicht das gleiche wie Urban Fantasy, denn es halt auch durchaus sehr reale geschichtliche oder politische Inhalte. :hmm: Ich hoffe, dem kann man folgen. Eigentlich finde ich die Unterscheidung aber auch etwas dämlich, weil die Leute so tun, als sei das kein Fantasy oder so. Ne, es ist Fantasy, es ist nur keine Genre-Literatur ...

    Hat sich das in den Jahren bei euch geändert? Oder ist das sogar eine „Phasen“-Frage übers Jahr verteilt?

    Früher habe ich Pratchett und Moers gelesen und mich für einen riesen Fantasyfan gehalten. Heute bin ich mir bewusst, dass ich im Genre einige Lücken habe und dass ich einige davon niemals schließen werde. Beispielsweise überlege ich mir sehr gut, ob ich eine Reihe anfangen will, wo ich doch Einzelromane lieber mag.

    Ich stelle fest, dass ich in letzter Zeit mit Familiengeschichten interessant finde, wo die Geschichte also über einen langen Zeitraum spielt. Und auch Gothic finde ich spannend, mit morbider Ästhetik und lauter Figuren, die einfach nur furchtbar zueinander sind. :hmm:

    Der Wanderer

    Nabend! Also, ich habe selbst überlegt, ob ich die Kommata nicht lieber entferne. Den Trennstrich habe ich selbst entschieden zu setzen, den muss man gar nicht machen. Vielleicht sollte man den auch sein lassen. Aber ich wollte eben diese Zäsur etwas betonen, da ist das vielleicht nicht so doof. :hmm: Kommata kann man dann wahrscheinlich streichen.


    Bei Alexandrinern geht es, wie ich es verstehe, vor allem um die Zäsur nach drei betonen Silben (wobei jeder Vers sechs betonte Silben hat), und dass betonte und unbetonte Silben sich abwechseln. :hmm:


    Leider ist mir selbst schon ein inhaltlicher Fehler in der ersten Strophe aufgefallen: Eine Tintenspur kann man nicht radieren ... Da muss ich nochmal feilen.


    Ich bin sehr glücklich darüber, dass der Kiel aufgefallen ist. :D Auf die Stelle bin ich stolz!

    Habe neulich mit meiner Freundin Rumo und die Wunder im Dunkeln von Walter Moers beendet. :)

    Es ist immer noch so gut, wie es in Erinnerung habe. Kein Wunder, letztes Jahr habe ich ja erst das Hörbuch nochmal gehört. ^^

    Das schöne an Moers ist irgendwie sein Duktus. Man kann es wunderbar lesen, es fließt alles und anstrengend ist es nicht, aber es ist auch nicht so modern in dem Sinne, dass Sätze und Absätze künstlich kleingehackt werden, um auch ja keine Lesenden zu überfordern. :hmm: Schwierig zu beschreiben, man merkt es einfach in der Attitüde. Das entspricht einfach sehr meinem Schönheitsideal. Vielleicht habe ich das ja sogar von ihm?


    Ich empfehle es jedenfalls allen grundsätzlich, sofern man vor ein bisschen Blutrünstigkeit nicht zurückschreckt :)

    Der Seemann kreuzt die See | und schreibt mit seinem Kiel

    Das Boot zieht Tintenspur'n | und findet nie ans Ziel

    Er segelt ewig schon hier | in mir, auf dem Papier

    Auf Irrweg folgt ein Irrweg | und nirgendwo ein Pier


    Der Seemann segelt streng | nach hellem Sternenbild

    Er will geradeaus | folgt stur dem Plan der gilt

    Präzise, knapp und klar | es soll gefällig sein

    Penible Arbeit schafft | und wahrt des Simplen Schein


    Dann weht ein Wind geschwind | und rüttelt an den Sternen

    Er blättert Seiten laut | dass Sterne tanzen lernen

    Mit Rumba, Walzer, Twist | die Sterne schwingen lassen

    Vermischte Bilder woll'n | nach neuen Zielen fassen


    Der Seemann blickt empor | und sieht das Sternenwirrwarr

    "Den Bildern muss ich nach | der Weg, der stimmt noch immer!"

    Er lächelt breit und hell | begrüßt auch jede Idee

    Begrüßt den neuen Wind | begrüßt die reiß'nde See



    Ich hab neulich das Buch Kalmann von Joachim B. Schmidt für einen Buch-Club gelesen.


    Man würde es wohl einen Island-Krimi nennen, denn alles dreht sich um einen verschwundenen Hotelbesitzer in einem isländischen Dorf. Es ist ein sehr unaufgeregtes Buch mit einem geistig behinderten Protagonisten und Ich-Erzähler. Die Behinderung an sich wird nicht weiter spezifiziert, was wahrscheinlich eine gute Sache ist, so entgeht das Buch einem Zwang, einer realistischen Darstellung, mit der die Geschichte vielleicht nicht funktionieren würde. :hmm: Der zentrale Kunstgriff ist nämlich, das merkt der geneigte Leser schnell, das Kalmann ein Schlüsselereignis vergisst/verdrängt, weil es so viel Stress verursacht hat.

    Im Prinzip wird dem Leser so die entscheidende Information vorenthalten, man merkt immer mal, dass hier und da etwas seltsam ist, und am Ende kommt die Enthüllung. Der Geschichte fehlt es deswegen irgendwie an Dringlichkeit. Alles mögliche ist durchaus für den Fall relevant, das weiß man am Ende, aber davor fragt man sich durchaus zurecht, warum man manche Szenen jetzt unbedingt haben muss.

    Was mir am Buch gefallen hat war vor allem die naive Weisheit des Protagonisten und seine manchmal abdriftenden Gedankenströme. :) Das hat das Buch mMn getragen. Raufarhöfn und seine Bewohner sind mir ans Herz gewachsen. :)


    Ich empfehle es vor allem als Urlaubsbuch :)