Beiträge von Kirisha

    Hey Rainbow

    ich bin geflasht. Ein sehr dichter ergreifender Text voller erstaunlicher Bilder und tiefer Gefühle. Gefühle bildhaft und nachvollziehbar zu beschreiben ist wirklich deine grosse Stärke. Du wiederholst dich da auch nie sondern findest immer neue sehr gute Bilder. Also wirklich sehr stark.


    „Scheiße gebaut?“, echote sie seine Worte. „Du glaubst, du hast Scheiße gebaut? Hast du eine Ahnung, wie das klingt? Ich würde sagen, das ist die Untertreibung des Jahrhunderts … nein der gesamten Menschheitsgeschichte.“

    Super formuliert und es zeichnet ein prägnantes Bild von Emilias Charakter. Trotz der miesen Lage, in der sie ist, trotz der schrecklichen Erlebnisse, die sie hatte, schafft sie es noch ihm messerscharfe und treffende Anklagen an den Kopf zu werfen (eine meiner Schwächen, dass ich sowas nicht kann, selbst wenn es mal nötig wäre. Finde ich deshalb sehr erfrischend, sowas zu lesen).


    „Fass mich nicht an!“, schrie sie sie ihn nun völlig haltlos an. „Fass mich nie wieder an! Hast du verstanden?“

    Das ist genauso treffend und stark!



    Shilouhette

    Das würd ich mir nochmal genauer anschauen :D



    Es schien, als sei sie in einem Teufelskreis gefangen, der sie immer wieder an denselben Punkt brachte, ganz egal, wie sehr sie auch versuchte, diesem Wahnsinn zu entkommen.

    Gespenstisch


    Auch seine Augen hatten sich mit Tränen gefüllt. Nervös huhr er sich über das Gesicht und nahm einen tiefen Atemzug, als wolle er sich wappnen für das, was er als nächstes sagen würde.
    „Du hast recht. Und ich bereue es zutiefst“ setzte er schließlich an. „Du musst mir glauben, dass ich das so nicht wollte. Ich … ich würde alles dafür geben, es ungeschehen zu machen.“
    Seine Worte gruben sich wie tausend kleine Splitter unter ihre Haut. Er konnte doch nicht wirklich annehmen, dass sie ihm das jemals verzeihen würde.
    „Es ist alles außer Kontrolle geraten, verdammt nochmal!“, fuhr er fort


    Puh...!!!

    Silas ist hier wirklich ein sehr ergreifender Charakter geworden. Ich kann verstehen, wie das alles passieren konnte, er ist ein A...loch und doch auch wieder begreifbar. Das geht echt unter die Haut.

    Und dann stellt sich noch raus, dass er die Schuld an drei Todesfällen trägt.

    Menschliche Abgründe.


    „Was hast du getan?“, flüsterte sie kaum hörbar. „Oh mein Gott. Silas, was hast du getan?“


    Das wird immer intensiver.

    Extrem mitreissend.


    Nach allem, was sie hinter sich hatte, musste sie sich eingestehen, dass ihr die Zuwendung und die körperliche Nähe Trost spendete und gut tat – auch, wenn die Person, die sich gerade so hingebungsvoll um sie kümmerte, eindeutig nicht die richtige war.

    Äh! Nein! Was für ein Gefühlschaos!

    Aber obwohl das hier so durcheinander fliegt, kann ich es doch nachvollziehen.


    Ihr Kopf baumelte wie der einer herrenlosen Marionette und prallte schließlich gegen seine Brust, wo er unfreiwillig liegen blieb.

    Toller Vergleich!


    „Scheiße“, hörte sie ihn an ihrem Ohr fluchen. „Was mache ich bloß mit dir?“
    „Liegen und sterben lassen“,

    Es ist einfach nur genial!

    Mehr davon!!!


    wuerde ich zerhacken

    Das finde ich eine gute Idee. Wenn du daraus ganz kurze Sätze machst, sogar nur Bruchstücke, würde das ihre emotionale Schieflage noch deutlicher machen. (Trotz allem denkt sie hier ja erstaunlich klar.)

    Hey liebe Marie, und liebe Rainbow,

    he das finde ich ja so cool!

    jetzt muss ich mich doch auch mal einschalten! Legende der weissen Mondpferde - ein spannender Titel, das scheint eine Geschichte für mich zu sein, dachte ich.

    Nur um dann herauszufinden, dass Rainbow auch eine begabte Tochter hat! Finde ich super! Also herzlich willkommen, Marie!

    Na dann wollen wir mal:


    Der Anfang ist dir gut gelungen. Du wirfst deine Leser gleich in eine Handlung herein. Ich mag sowas.

    Morgen würde sie dieses Haus verlassen und nie wieder durch diese Tür gehen.
    Sie war traurig. So traurig, dass sie fast zu weinen begann und so wütend, dass sie durchs ganze Haus hätte brüllen können. Aber sie tat es nicht. Keinen Ton brachte sie heraus.
    Als es draußen dunkel wurde, rief ihr Vater sie zum Abendessen. Talia schlenderte die Treppe nach unten und setzte sich an den Tisch.
    „Ich freue mich schon auf das neue Haus“, sagte ihre kleine Schwester. Sie hieß Jara und war 6 Jahre alt.
    „Halt die Klappe“, brüllte Talia sie wütend an.


    Diese Passage finde ich besonders gut gelungen. Sie ist voller intensiver Gefühle, das kann ich mir alles gut vorstellen, die Formulierungen sind prägnant und klar, und Talia tut mir richtig leid. Dadurch ist mir deine Hauptfigur gleich sympathisch und ich hoffe für sie, dass es am neuen Ort nicht so schlimm wird, wie sie denkt.

    Damit hast du also schon deine Angel ausgeworfen und den Leser eingefangen - gut!


    Du kannst nochmal schauen auf Wiederholungen oder auf Dinge, die eigentlich nicht wichtig sind und die man weglassen kann, ohne dass man Informationen verliert. Zum Beispiel hast du in der wörtlichen Rede mehrere Male das Wort "sagte". Versuch immer ein neues Wort zu benutzen. (Ja, das muss ich gerade sagen - Rainbow findet bei mir IMMER Wortwiederholungen. Ich sehe die immer nur bei anderen, aber nicht bei mir!:))

    Was du wegstreichen könntest:

    Anschließend ging Talia nach oben und legte sich auf ihre Matratze, dann schlief sie ein.

    Diese Info brauchen wir eigentlich gar nicht, oder? Es passiert auch nichts Wichtiges?

    Die Geschichte liest sich umso besser, je kompakter sie ist. Also du erzählst wirklich nur alles das, was wichtig ist. Alles andere einfach weglassen.


    wurde Talia von einem LKW geweckt

    Hups, wie hat der das denn gemacht? Ich hoffe, er ist nicht auf sie draufgefahren:P

    Klar, ich weiss natürlich, was du meinst. Sie hat den lauten Motor gehört, ist wach geworden und hat dann draussen den grossen Wagen gesehen. Ich glaube, ich würde es eher so formulieren.

    Wir fahren in 10 Minuten“!
    „Was schon in 10 Minuten?“ Sie musste sich doch noch von ihren Freundin verabschieden. Talia rannte aus dem Haus und schwang sich aufs Fahrrad, sie fuhr los. Wenige Augenblicke später stand sie vor der Tür ihrer Freundin und klingelte. Eine kurze Zeit später machte ein Mädchen auf. „Hi, Talia“, begrüßte es sie.
    „Hi Marie, ich…fahre in 10 Minuten

    Hier hast du dreimal hintereinander die Formulierung "in 10 Minuten". ich bin als Leser ganz schnell genervt, wenn sich was wiederholt ("das weiss ich doch schon"). Versuche es beim zweiten Mal anders zu formulieren und schon klingt alles viel interessanter!

    Auch die Formulierung "machte ein Mädchen auf"... hm, denkst du sowas wirklich, wenn du deine Freundin besucht? Wie heisst denn die Freundin? Hat sie vielleicht was Besonderes an oder ungekämmte Haare, weil Talia sie aus dem Bett gerissen hat? Dann wird es gleich viel persönlicher und damit mitreissender.


    Sie ging hinters Haus und entdeckte dort einen wunderbaren Weg den sie entlang laufen konnte. Also machte Talia sich auf den Weg

    Sie sieht einen Weg, sie macht sich auf den Weg - da hast du wieder eine Wiederholung. Den zweiten Satz könntest du da eigentlich einfach weglassen, weil er keine neue Information bringt. Oder du beschreibst genauer, was denn an dem Weg so faszinierend ist.


    Und dabei trifft sie also auf das ungewöhnliche Pferd! Na da bin ich aber gespannt, was es damit auf sich hat!

    :):):)

    P.S. Nicht sauer sein über meine Meckerei. Mir gefällt deine Geschichte richtig gut!

    Hey liebe Rainbow



    Hier geht es nun weiter:


    P21. Die durchgedrehte Generälin

    Penthesilea


    Naftare und ich führen das Heer an. Die Nachtalbin lässt die aktuelle Landkarte in übersichtlichem Format über der Mähne ihres Pferdes schweben.

    Inzwischen sind wir über einen halben Mond unterwegs. Wir haben die Wüste Glimbhor durchquert, die Steppen von Tanabor, die Pinienwälder von Klent und reiten nun durch die kilometerlangen Schluchten von Umberga. Rechts und links unseres Weges erstrecken sich Klippen in den Himmel. Glücklicherweise ist der Pfad ausgetreten und auch mit unseren massigen Reitechsen und den sechs Kutschen – in vier davon haben wir Aquarien eingebaut - gut passierbar.

    Eigentlich sollte es hier auch einen Fluss geben. Aber das Tal ist ausgetrocknet. Diese Region hat nach meinen Informationen zuletzt vor ungefähr 600 Jahren ein amazonisches Heer betreten und wie ich schon befürchtete, sind unsere Karten hoffnungslos veraltet. Darauf eingezeichnete Wege sind von Wäldern überwachsen, die als „antike überdachte Brücken“ vermerkten Tal- und Flussüberquerungen gibt es nicht mehr, ganze Städte sind ausradiert. Aber da es uns vom Göttlichen Gesetz verboten ist, eines unserer Zielländer zweimal zu besuchen – denn es sollen keine Bindungen zu den dortigen Bewohnern entstehen –, sind wir gezwungen, in immer andere, neue Regionen vorzudringen. Genau aus diesem Grund wird unsere Reiseroute auch immer länger und unser Kartenmaterial hat ab einem bestimmten Punkt nur noch sehr groben Orientierungswert.

    „Biegen wir an der Kreuzung da vorne nach rechts ab“, sage ich zu Naftare. „Laut Karte führt der Weg zu tiefergelegenen Regionen und ich hoffe, die dortigen Gewässer sind nicht verschwunden. Wir haben noch zu wenig Übungen im Nassen gemacht.“

    „Was willst du üben? Die Kiemenketten sind nicht fertig“, knurrt Naftare bedenklich. „Außer unseren Schwimmerinnen kann noch immer niemand von uns eine Schlacht unter Wasser schlagen.“

    Sie hat recht. Unsere Flugbotinnen haben bereits gemeldet, dass wir im Zielland auf Süßwasser treffen werden und uns deshalb erst noch die passende Ausrüstung verschaffen müssen – „Süßkiemen“, wie Arixes sie nennt.

    Goplea hat sich in ihrem extra zu dem Zweck erbauten Kutschenlabor vergraben und will nicht gestört werden. Dabei verkündigte sie schon vor sechs Tagen, sie sei fast fertig. „Ich rede mit Goplea“, bestimme ich. „Wir müssen anfangen zu testen. Führe du das Heer in die Tiefebene hinunter und halt Ausschau nach Wasser.“

    „Wird gemacht.“ Sie schiebt ihren Augenschutz ein wenig nach oben und nickt mir aus halb zusammengekniffenen Lidern zu.


    Ich lenke mein Pferd seitlich neben den Weg und lasse die Orkas an mir vorbei reiten, die uns folgen. Alle, die mich sehen, fahren sich grüßend an ihre Hörnerhelme. Ihnen folgen Schwimmerinnen auf unseren mächtigen, sechsbeinigen Reitechsen. Danach rumpeln die Kutschen heran. Zwei davon haben wir umgebaut zu rollenden Schwimmbecken, in denen die neuen Kiemenketten getestet werden können. Zwei andere sind fahrende Arbeitszimmer mit kleineren Aquarien.

    Ich reite an Gopleas Laborkutsche heran und klopfe an die Tür. Sie reagiert nicht. Das ärgert mich.

    „Goplea! Ich habe mit dir zu reden!“

    „Stör mich nicht!“, ertönt die krächzende Antwort. Ihre Stimme klingt eigenartig dumpf. Schon seit Tagen ist die Generälin schlecht gelaunt. Nicht einmal zum Essen verließ sie ihre Höhle.
    „Mach auf“, fordere ich mit Nachdruck. „Ich muss wissen, wie weit du bist mit den Süßkiemen.“

    „Weit! Jetzt lass mich in Ruhe.“

    Widersetzt sie sich neuerdings meinen Befehlen?

    Kurz entschlossen lasse ich energiegeladene Wärme in meine Hand strömen, die ich gegen die Tür der Kutsche fegen lasse und dort wie kleine Drähte in das Schloss hinein schlängele. Als wären die Strahlen winzige Verlängerungen meiner Finger, gleite ich tief hinein, bekomme den Riegel zu fassen und reiße die Tür mit Wucht auf.

    Drinnen sehe ich zunächst nichts als die beiden Aquarien mit hellblauem Wasser, in denen grüne und orangefarbene Algen wogen. Goplea muss auf dem Boden gehockt haben. Abrupt richtet sie sich auf und starrt mich an. Sie ist in einem fürchterlichen Zustand: Ihre Haare sind zerstrubbelt, ihr ledriges Eidechsengesicht blass wie ein Leinentuch, und ihre Hände klammern sich um die Bank, auf der sie eigentlich hätte sitzen sollen.

    Vor ihr steht ein Sack mit Salz. Ungeöffnet. Um diesen hatte sie mich vor sechs Tagen gebeten – steht der etwa hier, seitdem sie ihn bekam? Wo sind die Kiemenketten?

    „Goplea...“ Ich bekomme kaum einen Ton heraus. „Was ist passiert?

    „Noch... nichts“, flüstert sie, kaum verständlich. Ihre Stimme ist dünn, wie zerbrechliches Glas. Ihr Oberkörper schwankt, über ihre Stirn rinnen zwei Tropfen Schweiß. Ihre Augen heften sich riesengroß auf mich – als stünde ein Dämon direkt vor uns. Sie atmet schnell, ihre Hände tasten über ihren Körper und bleibend verkreuzt über ihrer Brust liegen, als müsste sie sich vor etwas beschützen.

    Ich fasse sie bei den Schultern und spüre, wie sie zittert. Ihr ganzer Körper bebt wie Espenlaub.

    „Hast du etwas Falsches gegessen?“, frage ich erschrocken. „Ist etwas passiert? Ist jemand hiergewesen?“

    Sie krächzt:

    „Wir werden alle sterben.“

    Das habe ich hoffentlich nicht richtig verstanden.

    „Wie bitte?“, fahre ich sie an. „Goplea, wie redest du denn? Du bist doch keine Novizin.“

    „Wir werden sterben“, wiederholt Goplea mit Grabesstimme, „und nichts, was wir tun, kann uns retten.“

    Ich mag nicht glauben, dass das wirklich passiert.

    „Sag mal, was faselst du?“, fauche ich sie an. „Warum hast du aufgehört zu arbeiten? Du solltest die verdammten Kiemenketten verbessern! Hast du überhaupt angefangen? Wie lange sitzt du hier schon... so?“

    „Rede dich nicht heraus“, wispert Goplea. „Ich weiß, dass Königin Evenea dir erschienen ist. Naftare erzählte mir davon. Gib zu, dass du sie gesehen hast!“

    „Die Göttin ist mir in der Gestalt dieser Königin erschienen, das stimmt“, fahre ich die Generälin an. „Sie war eine berühmte Heerführerin und hat unsterblichen Ruhm errungen. Den erringen auch wir – wenn du dich endlich darauf besinnst, wer du bist und deine Arbeit wieder aufnimmst!“

    Goplea schnauft, als bekäme sie nicht genug Luft.

    „Königin Evenea ist meine Schutzpatronin“, krächzt sie schließlich, kaum verständlich.

    Sie beginnt nach Atem zu schnappen wie eine Ertrinkende. So habe ich sie noch nie gesehen.

    Verwirrt und erschrocken halte ich sie mit eisernem Griff, damit sie nicht fällt.

    „Es ist alles gut. Alles in Ordnung,“ murmele ich beschwörend, noch immer schockiert darüber, die Generälin der gemischten Truppe in so einem Zustand vorzufinden. Ich muss daran denken, dass Goplea zu keinem der dreizehn Tragischen Kriegszüge eingezogen wurde – wegen Panikattacken. Sie wurde damals als kriegsuntauglich erklärt. Ich dachte, sie hätte diese Attacken nur gespielt, um sich vor dem Kämpfen zu drücken. Tatsächlich hielt ich das für ein Zeichen ihrer Schlauheit. Aber womöglich war sie tatsächlich... krank?

    Und ist es immer noch?

    Sie ist eine meiner vier Generälinnen. Ich muss mich auf sie verlassen können.

    „Weißt du, dass Königin Evenea in unserem Tempel abgebildet ist?“, flüstert Goplea. „Ihr wurde ein eigenes Mosaikfenster ganz oben in der Kuppel gewidmet. Immer bei der Zielverkündigung sehe ich zu ihrem Bild hoch, denn sie zeigt mir an, ob wir gewinnen oder verlieren werden.“

    Sie zittert immer noch abnorm. Heilige Göttin. Nie hätte ich geglaubt, dass der von mir oftmals belächelte Aberglaube meiner Generälin solche Abgründe beinhaltet. In all den Jahren, die sie mich begleitete, war sie immer stabil. Ich ging davon aus, sie hätte die Jahre ihrer Schwäche überwunden oder wie gesagt – diese nie wirklich gehabt.

    „Goplea, jetzt versuch bitte klar zu denken. Königin Evenea starb vor über 1000 Jahren. Sie gibt niemandem Zeichen.“

    „Was glaubst du, wie ich die Tragischen Kriegszüge überleben konnte? Immer wenn wir bei der Zielverkündigung im Tempel standen, sah ich zu ihrem Bild hoch. Jedes Jahr wieder ertrank die Königin in Blut. Das ganze Mosaikfenster färbte sich rot. Und ich fiel in Ohnmacht.“ Ihre Augen sind immer noch geweitet wie Tempelfenster.

    Eine Kriegerin, die in Ohnmacht fällt! Kein Wunder, dass sie aus der Armee herausgeworfen wurde. Und doch leistete sie mir in den vergangenen neun Jahren als Generälin hervorragende Dienste. Kann das denn sein? Es klingt so unplausibel. Als wäre sie nicht dieselbe Person, von der sie erzählt.

    „Was hat dich verwandelt? Woher hast du nach diesen 13 Jahren den Mut gewonnen, mit mir in den Krieg zu ziehen?

    Sie verbirgt den Kopf in den Armen.

    „Wenn du in den Tempel gingst, lächelte die Königin. Da wusste ich, du wirst siegen und wenn ich mit dir reite, siege auch ich.“

    Ich erinnere mich an unser Gespräch in Gopleas Werkstatt, daheim in Amazonia. Erzählte sie mir da nicht von günstigen Zeichen?

    „Aber hat sie dir nicht auch dieses Jahr zugelächelt, Goplea? Sonst wärest du mir wohl nicht bis hierher gefolgt?“ Heilige Göttin! Ich muss mit meiner Generälin reden wie mit einem kleinen Kind, das ist lächerlich!

    Konvulsivische Zuckungen heben und senken ihre Brust. Es sieht gespenstisch aus. Sie nickt. „Sie hat mich verraten“, wispert sie. „Diesmal zeigte sie das Blut nur dir, aber nicht mir.“

    Thorsten

    Hey liebe Rainbow, jetzt muss ich mich mal aus der Versenkung melden. Die neuen Emilia-Texte (auch der vorherige) sind phänomenal gut und extrem stark. Ich glaube, die hast du noch sehr überarbeitet, oder? Ich kann mich nicht erinnern, dass sie in der Urversion so stark auf mich gewirkt hätten. Emilias Schock, ihre Traumatisierung durch das "Wesen" kommen sehr gut rüber. Auch dass sie Silas zuerst nicht erkennt, ihn für ihren Todfeind hält, finde ich sehr gelungen. Dann ihre Rückblenden, die Erkenntnis am Schluss, ich bekam richtig eine Gänsehaut. Toll. Du übertriffst dich hier selbst!

    :thumbsup::thumbsup::thumbsup:

    Hey Rainbow


    Ich habe mich in der letzten Zeit ziemlich intensiv mit Überarbeitungen beschäftigt. Sämtliche Penthesilea-Kapitel ab Kapitel 17 habe ich geändert. Also sogar sehr stark geändert. Ziel war vor allem, Penthesilea mehr als "gute Führerin" darzustellen und auch die Spannung zu erhöhen.


    Kapitel 19 Neufassung


    Kapitel 19.1 neu


    Das betrifft auch das Kapitel 19 und ich würde mich freuen, wenn ihr Lust hättet, das nochmal zu lesen. Im Kapitel 19.1 ist vor allem das Ende neu.

    DANKE!!!

    Mein Gefuehl geht eher dahin, den langen und den kurzen Story-Arc ein bisschen klarer auseinander zu halten und es Rordan dann am Ende expliziter sagen zu lassen dass er nicht mehr den Wunsch hat, alles ueber Cliodhna's hexisches Dasein zu wissen


    Ich denke, das muss er nicht nochmal betonen, das kam im Text schon gut rüber.

    Für mich hat nur Cliodhnas Bemerkung über die fremde Hexe Fragen aufgeworfen. Aber, wie Katharina sagte, wenn Cliodhna WENIGER über die Hexe sagen würde - also nur andeuten, dass sie glaubt, die Hexe könnte dahinter stecken, hätte man nicht mehr das Gefühl, dass sie etwas weiß, woran sie uns nicht teilhaben will, sondern denkt, ja richtig, die Hexe haben wir ja schon gesehen, und die Argumentation klingt logisch, und Cliodhna weiß da aber auch nicht mehr als wir. Das wäre dann für meinen Geschmack befriedigender.

    Aha - also dies ist die Auflösung Damit hatte ich so nicht gerechnet. Es gibt also eine andere Hexe, die Böses über das Dorf und über Cliodhna werfen wollte. Das ist ein interessanter Aspekt.


    ie hat damals an der Sturmzinne die Runen gewirkt um den Zorn der Elemente zu erregen, und sie hat später, in den Rauhnächten, versucht einen Fluch auf das Dorf zu legen. Sie hält mich für eine Verräterin an der Berufung einer Hexe - ich denke was sie meint ist, daß die Menschen hier im Tal nichts zu suchen haben


    Da könntest du ruhig noch etwas mehr verraten. Die fremde Hexe scheint zwei Motive zu haben, 1. sie will die Menschen im Dorf vertreiben und 2. meint sie, Cliodhna sei eine Verräterin ihres Standes.

    Hat beides miteinander zu tun? Da scheint ein Zusammenhang zu sein, den ich so nicht verstehe. Ich würde es interessant finden, darüber noch etwas mehr zu erfahren. Und gibt es eine Begründung, warum Cliodhna eine Verräterin sein sollte? Aus dem Text heraus klingt es ja im Gegenteil, als hielte Cliodhna es für ihre Berufung der Göttin zu dienen. Aber die "Böse" muss ja für ihre Beurteilung auch irgendwelche Gründe haben.

    Da scheint es sich ja um sehr sehr bösartige Hexe zu handeln, wenn die so hartnäckig mit Flüchen und Magie versucht ihre Ziele durchzudrücken.

    Eine interessante Idee...


    Über den Satz bin ich gestolpert. "Verräterin an der Berufung einer Hexe" ???

    Ja, den Satz würde ich auch anders formulieren, klingt so irgendwie seltsam. "Sie ist eine Verräterin" würde mir eigentlich reichen. Dass sich das auf ihre magischen Tätigkeiten beziehen muss, ist klar.

    Aber wie gesagt - was weiss Cliodhna noch in Bezug auf diese Anklage, was sie nicht erzählt?

    Das würde mich schon interessieren, zumal die Fremde ja schon drastische Aktionen unternommen hat.

    :)

    Also, ich melde mich mal zurück. Das letzte Brainstorming hat richtig gut getan,noch mal euch allen dafür vielen Dank! Allerdings habe ich die Dinge noch immer nicht gut sortiert und bin noch dabei zu justieren. Diese 3 Schritte, in denen ich Penthesileas Probleme schrittweise immer weiter akzentuieren bzw immer neue Aspekte bringen will, sind irgendwie zu kompliziert und ich will es klarer und gleichzeitiger dramatischer machen. Da bin ich dran und hoffe, bald auf eine Lösung zu kommen. Es fällt mir unglaublich schwer, einfach nur den Plotrahmen für 3 dämliche kleine Handlungsabläufe zu stecken. Ich habe eine Menge Ideen, aber sie ufern alle zu sehr aus und durch die Fülle ersticken sie sich gegenseitig bzw erfordern kiloweise infodump, der dann wieder Spannung erstickt. Deswegen versuche ich sie auf das Wesentliche zu reduzieren, daran brüte ich jetzt schon wieder tagelang... weiss auch nicht was daran eigentlich so schwer ist. Ich habe aber das Gefühl, ich taste mich langsam ran.


    Rainbow


    Thorsten


    Und hier geht es jetzt mit dem Murissa-Kapitel weiter:


    20.2 Felsenromanze

    Er verschlang mich fast mit den Augen.

    „Turris!“, rief ich, rasend froh darüber ihn zu sehen. „Danke! Du hast mich aus so einem Schlamassel gerettet!“

    „Das war nichts.“ Er lächelte mich an.

    Ein 150 Scheller teures Nichts, musste ich sofort denken. Eine Welle ungeheurer Dankbarkeit überkam mich. „Das war so edel von dir! Ach, und dann dieser Kampf! Ich hatte furchtbare Angst...“

    Er lächelte. „Musstest du nicht. Ich bin ziemlich gut mit dem Schwert. Darum habe ich mich auch zu diesem Turnier überreden lassen, denn sie haben mir dafür den Eintrittspreis erlassen.“

    „Aha“, entfuhr es mir. Fast verstand ich meine eigene Stimme nicht, weil ich das Gefühl hatte, den Schlag meines Herzens wie einen Donner von der Ebene unter uns widerhallen zu hören. „Aber das Schwert, und dieser... Schild... wo hast du das denn her?“

    Turris folgte meinen angstgeweiteten Augen, die immer noch auf diesem Totenkopf klebten.

    „Das war die günstigste Ausrüstung, die zu bekommen war. Ohne Waffen hätte ich ja schlecht zu dem Kampf antreten können.“

    Noch immer musterte er mich mit glühenden Blicken und ich musste mir eingestehen, dass ihn dieser Ritterpanzer ungeheuer mächtig aussehen ließ. Vielleicht war es auch nur die Sonne, die ihn beleuchtete wie einen Engel und mir verdeutlichte, das ich in meinem ganzen Leben noch nie so einen Prinzen gesehen hatte und auch nie wieder sehen würde. Das passierte tatsächlich mir!

    Am liebsten hätte ich seine Hand genommen und wäre mit ihm durch den Sonnenuntergang geschlendert... bis in alle Ewigkeit! Aber gleichzeitig nagten an mir böse kleine Zweifel, die hartnäckig meine Eingeweide piesackten. Ich musste jetzt wissen, was er plante.

    „Hast du gehört? Wir müssen gar nicht zum Nebelmeer reiten. Unser Ring ist da unten auf den Felsen und unter den Füßen der Dämonen. Alle Leute hier sagen das.“

    Ich wies mit der Hand zu den Felsen, die von fern wie kleine unschuldige Hügel aussahen.

    Er grinste. „Alle diese Leute irren sich.“

    „Und du bist der einzige kluge Mann hier?“, fragte ich verblüfft.

    Er lachte. „Genau. Gut, dass du das endlich erkennst.“

    Hatte ich wirklich was erkannt?

    „Aber ...“ Ich war verwirrt. „Nicht dass ich scharf auf die Dämonen wäre – aber was willst du denn am Nebelmeer?“

    Er kam näher an mich heran und starrte mich noch immer an, als hätte ich mich soeben in eine blendende Schönheit verwandelt. Dabei war er derjenige, der sehr verändert aussah. Mit diesem Eisenpanzer und dem Schwert jagte er mir fast ein wenig Angst ein. „Du denkst, es wäre der falsche Weg, oder?“, raunte er mir zu. „Pass auf, ich erzähle dir etwas. Du kennst sicherlich die Geschichte des Ringes?“

    Ich zuckte die Achseln. „Ist die für uns wichtig?“

    Er lächelte. Seine Blicke glitten an mir entlang auf eine Weise, die mich zum Lodern brachte. „Nun enttäuschst du mich aber. Du kommst doch aus Aravenna und erzähltest mir selber, dass es eine Menge Legenden über euren Fürsten Silvrin gibt. Deshalb dachte ich, die kennst du alle. Nun, dies ist eine davon. Der damalige König, ein blutrünstiger Herrscher, schleppte den Aravennafürsten als Gefangenen auf diese Schwarzen Felsen, die du da unten siehst, und wollte ihn mit tausend von seinen Getreuen hinrichten lassen. Aber Silvrin hat den Spieß umgedreht. Noch während er in Fesseln hing, hat er den Ring des Königs verflucht. Daraufhin entfesselte der Ring grausige Kräfte und verwandelte den König in einen der widerlichen Dämonen, die du noch heute bewundern kannst. Auf diese Weise kamen Silvrin und seine eintausend Getreuen mit dem Leben davon.“

    „Ähm, ja, stimmt, ich erinnere mich“, bekräftigte ich. „Hab mich allerdings immer gefragt, ob der Fürst wirklich einen Fluch entfachen konnte. Könnte das nicht nur eine Zauberin?“

    „Wer weiß. Nicht umsonst ist dieser Fürst so berühmt geworden. Es ist wohl etwas Besonderes an ihm.“ Turris blickte nachdenklich zu den Felsen hinunter, aber nicht lange, dann starrte er wieder wie hypnotisiert auf mich. Und auf meine Hüfte. Ob ihn die magischen Kügelchen faszinierten, die ich geklaut hatte? Aber sie steckten in meiner Hosentasche und ich bezweifelte, dass er ihre magische Strahlung sehen konnte. „Jedenfalls geschah dieses Unglück vor vielen Jahren. Seitdem befindet sich der Königsring auf den Schwarzen Felsen und seitdem dämonisiert er jeden, der ihn oder einen der Geister berührt. Inzwischen ist es ja schon ein ganzer Club von Untoten.“

    Verwünschte Dämonen! Diese Geschichten wollte ich gar nicht hören, sondern eigentlich eine ganz andere.
    „Wozu erzählst du mir das?“, warf ich ein. „Klingt, als wäre der Ring auf ewig verloren.“

    „Genau darum erzähle ich es“, sagte er bedeutsam. „Dieser Basar, diese ganzen Amulette und magischen Schwerter – die haben hunderte Ritter schon über Jahre ausprobiert und wir wissen deshalb, dass sie nicht funktionieren.“

    „Aber du kennst einen neuen Trick?“

    "Genau.“ Er lächelte. „Was wir brauchen, ist ein Hilfsmittel, das es hier nicht gibt. Eine Art magischer Schlüssel, mit dessen Hilfe wir die Dämonen ausschalten, damit wir an den Ring herankommen. Und diesen Schlüssel gibt es hinter dem Nebelmeer. Wir müssen es nur überqueren.“

    „Deshalb willst du dorthin!“

    „Ja.“ Noch immer leuchtete die Leidenschaft in seinen Augen. „Deshalb.“

    Die untergehende Sonne warf glühend rote Strahlen auf Turris´ Gesicht und beleuchtete seine schmale Nase und die hohe Stirn. Seine wuschige Haarmähne sah aus als ob sie brannte.

    „Darf ich ...“, keuchte er plötzlich und starrte wieder auf meine Hüfte. Oder genauer auf meine rechte Seite. „Deine Fischhaut ... darf ich die mal sehen?“

    „Welche F...“, begann ich reichlich verdattert. Bis ich begriff. Genau an der Stelle, die ihn so behexte, klebten doch unter meinem Hemd die geklauten Schuppen. Vermutlich hatte er sie vorhin gesehen, als mir das Hemd hochrutschte. Und sich eingebildet, besessen wie er war, ich wäre bereits jetzt extrem meerig, womöglich nicht nur an dieser Stelle.

    Mein Herzschlag setzte für einen Moment aus. Bei allen Göttern – so hatte ich das nicht geplant. Mit der Nummer würde ich doch nie durchkommen. Oder sollte ich mir etwa noch so dreißig weitere Klebeschuppen klauen, verfolgt werden von einem ganzen Rudel zeternder Klapperhexen, dann meine gesamte Haut bekleben und als Ganzkörperfälschung herumlaufen?

    Nein. Also wirklich nicht.

    Seine Augen umschatteten sich. Wahrscheinlich hatte er gemerkt, dass ich vor Schreck wie gelähmt war – auch wenn er nicht wissen konnte, dass es nicht der Schreck über seine Frage war, sondern der über diese verwünschte Täuschung, von der ich mich so schnell nicht entscheiden konnte, ob ich sie enttarnen oder vielleicht doch ausnutzen sollte.

    „Tut mir leid.“ Er versuchte sein Lächeln krampfhaft aufrecht zu erhalten und sofort bereute ich, dass ich ihm nicht nachgegeben hatte.

    „Mir auch“, sagte ich sofort. Verlegen setzte ich hinzu: „Aber du wärst vielleicht enttäuscht gewesen.“ Und da ich einmal angefangen hatte, halbwegs ehrlich zu ihm zu sein, sprudelte es aus mir heraus: „Enttäuscht in jeder Beziehung, Turris. Dieses Nebelmeer, die Wassergeister, dieser mysteriöse Schlüssel ... und wenn wir es nicht schaffen? Ich meine ... Wir haben doch viel zu wenig Hellonen. Damit kann keine von uns eine vernünftige Ausrüstung besorgen. Schau wie die anderen ausgerüstet sind. Davon können wir nicht mal träumen.“

    „Es geht nicht um die Taler“, erwiderte er heftig.

    Ich musste lachen. „Oh doch! Hast du den Rummel da oben nicht gesehen? Alles dreht sich um die Taler. Du kannst hier ja praktisch nicht mal umsonst atmen.“

    Er lachte auch. „Was nützt dir hier der größte Reichtum? Den Ring bekommst du damit nicht. Um den muss man kämpfen. Auf die eine oder andere Weise.“

    „Wo du es sagst“, fuhr ich fort, weil ich gerade so in Fahrt war. „Aber wer kann gegen Dämonen kämpfen? Du bist kein berühmter Fürst und ich im Vergleich zu den anderen auch nicht gerade eine Wunderhexe...“

    Turris blickte sich um, als hätte er Angst belauscht zu werden.

    „Hör zu“, raunte er sehr leise. „Das Nebelmeer ist momentan offen. Das war es noch nie vorher. Ich habe den Durchgang auf meiner Karte markiert. Das hat meine Priesterin in ihrer Kristallkugel gesehen. Darum hat sie mich losgeschickt. Und darum hat sie mir keine große Truppe mitgegeben, damit ich unauffällig bleibe und nicht andere, mächtigere Leute als wir schneller dort sind – Leute, die diese Magie für sich selbst benützen würden. Wir brauchen keine großartigen Kräfte, wir müssen nur diesen Durchgang finden, das Meer überwinden und den Schlüssel mitnehmen. Murissa, es ist zu schaffen. Sogar für uns.“

    Mir war plötzlich wesentlich leichter ums Herz. Das klang gar nicht mehr so gigantisch und heldenhaft wie alles Vorherige. Obwohl er in seiner neuen Rüstung und mit der Waffe in seinem Gurt sogar noch kühner – und noch viel unerreichbarer aussah als vorher, als ich ihn noch für einen kleinen Froschkönig gehalten hatte.

    Als unsere Blicke jetzt aufeinandertrafen, sah ich einen neuen Ausdruck in seinen. Es war, als ob sie Funken sprühten, die zwischen uns hin und hersprangen. Oder bildete ich mir das ein? Seine Hände jedoch... er hielt sie so komisch hinter sich, dass ich mich wunderte.

    „Was versteckst du da hinter deinem Rücken?“

    Er streckte mir einen Spieß entgegen, der mit Teig umwickelt und in ein Salatblatt eingewickelt war. Sah unfassbar lecker aus. „Ich dachte, du bist immer so ausgehungert. Magst du sowas?“

    Natürlich mochte ich. Ich nahm ihm den Spieß aus der Hand und probierte. Es schmeckte himmlisch. Mich überkam der Übermut.

    „Hat dieser Spieß magische Fähigkeiten?“, fragte ich, während ich geradezu über meine Mahlzeit herfiel.

    „Kann sein, dass er dich in eine Ente verwandelt, wenn du ihn so runterschlingst“, erwiderte er und grinste. „Sag mal, hast du in deinem früheren Leben nichts zu essen bekommen?“

    „Nicht viel. Manchmal gab es nur Ameisen.“

    „Hast du wirklich Ameisen gegessen?“

    „Wenn du sonst nichts hast, würdest du das auch machen. Sie sind längst nicht so eklig wie Käfer.“

    Unter uns im Tal hörten wir immer lauter das Geschepper und Geklirr von aufeinanderschlagenden Schwertern. Doch ich war nicht bei der Sache. Ich spürte Turris‘ Wärme und genoss es unendlich, ihm nahe zu sein. Wenn das doch immer so sein könnte!

    „Also du glaubst, es wird einfach“, fasste ich unser Gespräch noch einmal zusammen. „Wir überqueren das Nebelmeer und finden dann eine Halle voller Magie, in der ein Schlüssel liegt.“

    „Oder etwas Ähnliches, genau“, bekräftigte er. „Die Aufgabe wird viel leichter als du dachtest, du wirst sehen. Manchmal muss man einen Umweg reiten, um sein Ziel zu erreichen. Wir werden allen beweisen, dass man kein berühmter Fürst oder eine legendäre Zauberin sein muss, um den wertvollsten Ring unseres Landes zu erobern.“

    Er sah sehr hübsch aus, als er das sagte, so voller Ernst und mit so viel Nachdruck und Energie. Seine Augen glänzten sanft und seine Lippen kamen meinen entgegen, sodass ich seine letzten Worte kaum noch verstand.

    „Ich kann es kaum erwarten, endlich zum Nebelmeer zu kommen. Endlich das Wasser zu sehen, und...“ Seine Augen begannen immer stärker zu funkeln, „... dich in deiner wahren Gestalt.“

    Ach du Schreck. Ein wenig hatte ich gehofft, er könnte diese dumme Meermädchen-Geschichte vielleicht einfach vergessen und mich so mögen wie ich war. Ohne magischen Schnickschnack.

    Er kam noch näher an mich heran. Dann küsste er mich.

    Die ganze Welt versank in einem Meer aus funkelnden Sternen.

    Und in seinen kräftigen, fordernden Armen, die mich fest umschlungen hielten.




    Brandblasen bildeten sich auf ihrem Körper, der langsam zu verkohlen begann und ihr Blut schien von innen zu kochen.
    Der blonde Pagenschnitt war innerhalb kürzester Zeit dahin geschmolzen, die zerfetzte Kleidung eins geworden mit dem verstümmelten Körper und das Kreischen verstummte erst, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit und unerträglichen Schmerzen das Bewusstsein verlor und den Tod als gnädige Erlösung willkommen hieß.


    Ich denke, diese Beschreibung zielt zu sehr auf das Äussere ab und das ist der Teil, den Melanie selbst nicht rekapituliert. Eigentlich musst du die Qual nicht bis zum bitteren Ende beschreiben, könntest einfach abbrechen - oder wenn du das doch tun willst, könntest du dann mehr in ihr inneres Erleben gehen, also versuchen den Schmerz, den Schock über den drohenden Tod und den Schmerz irgendwie in Bilder zu fassen?


    Insgesamt ist der Perspektivenwechsel hier aber sehr gut. Zeigt die Grösse der Gefahr, die auf die Protagonisten zukommt. :nummer1:

    Wunderschön. Die Szene ist unglaublich packend. Die Wucht der Landschaft und dazu sehr gut dargestellt die sehr starken Gefühle, jeweils aus beiden Perspektiven. Und noch die geheimnisvolle Magie dazwischen. Genau diese Mischung mag ich unheimlich gern.

    Meine Gedanken: Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, das Rordan wirklich vor hat, das Fläschchen zu benutzen. Er hat es mitgenommen - naja, eine Versuchung ist das natürlich und so ein Geschenk lässt man nicht liegen. Also vielleicht wird er irgendwas damit machen. Aber ich glaube nicht, dass er der Typ für eine Fake-Liebe ist. Ich weiss also nicht wirklich, was er vorhat, bin aber neugierig.

    Na und auch Cliodhnas Sicht kann ich gut nachvollziehen und bin gespannt, was es nun eigentlich mit diesem mysteriösen Rabenkönig auf sich hat. ich erinnere mich gelesen zu haben, dass der Beltainekönig bei dem Ritual sterben kann, dass das sogar eingeplant ist, aber die Hintergründe sind mir unklar.

    Da bin ich also wirklich gespannt auf die Fortsetzung. Hoffe natürlich insgeheim auf ein Happy end... (Nö, ich will dich jetzt nicht unter Druck setzen :D)

    Nochmal nebenbei Gückwunsch zu eurem Nachwuchs! Wenn ich einen grossen Fehler im Leben gemacht habe, dann dass ich nicht noch ein Kind mehr habe. Insofern... alles richtig gemacht! und alles Gute!

    Die Szene geht auch schaurig weiter - sehr gut geworden.

    Ich hatte Melanie auch nicht mehr so richtig auf dem Schirm, das spielt aber nicht so eine Rolle. Auch wenn du sie vorher nicht erwähnt hättest, könnte man sie hier gut genug einordnen, dass alles passt. Denn eigentlich soll sie ja nur das Drama voranschreiten lassen und die Rolle erfüllt sie perfekt. Die Spannung steigt hier enorm und man fragt sich, was wohl mit Emilia passiert ist, die ja ganz offensichtlich hier irgendwo ist oder hier gewesen ist - und das lässt gar nichts Gutes ahnen.


    Mir ist auch aufgefallen, dass die Perspektive ganz am Schluss kippt. Zuerst wird es aus der Sicht von Melanie geschildert und danach, als sie schon halb tot ist, eigentlich aus der Sicht eines anderen Beobachters. Dass ihre Haare brennen, ist natürlich ein gruseliges Bild, aber wenn sie einen Pagenschnitt hat, kann sie das nicht sehen.

    Mir fällt sowas gleich auf, weil ich auf die Perspektive achte, aber früher wäre mir das sicher entgangen. Deswegen überleg dir, ob du das ändern willst oder nicht.


    Wie geht es weiter???

    Der Abschnitt ist sehr gut, sehr verstörend. Mir gefällt auch der Perspektivenwechsel, passt hier sehr gut.

    Silas kommt sehr gut rüber und als Leser bekomme ich selbst ein mulmiges Gefühl.


    Was du vielleicht noch deutlicher machen könntest, wäre die Beziehung, in der Melanie zu Emilia steht. (Ist nur eine Kleinigkeit)


    Vor allem, da sie ihm keine große Hilfe gewesen war und nach wie vor keinen blassen Schimmer hatte, was mit ihrer Kollegin geschehen sein könnte.


    Sie sind doch Arbeitskollegen? Also weiß Melanie zumindest, ob Emilia noch krankgeschrieben ist oder ob sie eventuell zu ihrem Dienst nicht erschienen ist - in dem Fall wäre das sicher Gesprächsthema gewesen.

    Ich denke, Melanie sollte auf dem Schirm haben "Emilia hatte einen Unfall und noch nicht wieder gesund" oder so, und so hätte sie es Freddy wohl auch übermittelt?


    Ansonsten... sehr schön gruselig! Ich habe irgendwie gar kein gutes Gefühl, was Melanie betrifft...

    Danke liebe Rainbow für deine Rückmeldung!

    Und nochmal vielen vielen Dank an euch alle für das Brainstorming bezüglich des Gesamtkonzeptes.

    Ich bin gerade dabei relativ viel zu überarbeiten. Unter anderem habe ich das Kapitel über die Herstellung der Kiemenketten stark geändert.

    Und das gesamte Kapitel 17 (die erste Übung und die Haie) habe ich komplett umgeschrieben.

    Ich glaube und hoffe, es ist jetzt viel besser.


    Wäre lieb, wenn ihr Lust hättet, euch das nochmal anzuschauen:


    Kapitel 17


    Kapitel 17.1


    Kapitel 17.2

    Ich will mich auch nochmal einklinken. Der Film ist wunderschön geworden und mit einigen Highlights. So vielfältig, mit immer wieder anderen Aspekten, die in den Vordergrund kamen. Ja, die Kinder - die haben auch mir sehr gefallen, so knuffig und so aus dem Leben gegriffen! Die haben auch richtig gut gespielt! Dann die Szene beim Essen (da hätte ich auch gerne probiert) mit der tollen Musik, der König beim Befehle geben - super fand ich die Szene mit der Magie zwischen Rordan und Cliodhna - so magisch, das hat mich richtig ergriffen! Echt gut auch die Szene, als Rordan die Flucht ergreift. Die absolut dämliche Entschuldigung, Cliodhnas hintergründiges Lächeln, ha ha, das war gelungen! Wenn ich´s nicht aus dem Manuskript gewusst hätte, dass es so laufen soll, hätte es mich sicher sehr überrascht.

    Und wo habt ihr die Bären her?

    Herrlich! Ich habs genossen - auch die vielen schönen Landschaftsbilder! Fand aber auch die Musik insgesamt sehr schön. Macht bitte weiter so, sehr gute Arbeit!

    Ich will den Film auch gerne sehen! Leider arbeite ich um die Zeit noch, aber krieg das hoffentlich irgendwie hin.

    Bin sehr gespannt wie ihr das gemacht habt.

    In Schweden feiert man ja am 30.4. "Valborg", also Walpurgisnacht, ich habe das immer für ein verspätetes Osterfeuer gehalten, weil es ja so ähnlich läuft. Erst jetzt sehe ich den Zusammenhang mit Betaine.

    Dies Jahr gibt es kein Valborg, wegen Corona, dafür den Beltainekönig... passt!

    Der Krieger rüstet sich für die Schlacht.

    Tolle Szene. Eigentlich macht er ja nichts anderes als sich anzuziehen, aber es macht tatsächlich total viel Spaß, ihm dabei zuzusehen. Vielleicht könntest du das Engelsschwert noch etwas ausschmücken... (da ist noch Potenzial nach oben: was unterscheidet die himmlischen Waffen von irdischen?) aber auch so gefällt mir die Szene richtig gut!

    Tja, ich hab in einem meiner Schubladen-Manuskripte auch so eine Szene (nur mit einem ganz anderen Krieger). Ich glaub, ich kann da noch viiiiiel von dir lernen.


    Was wäre effektiver ein göttlicher Bogen oder eine gute, solide Boden-Luftrakete?


    Der war gut!!!

    Rainbow



    Es geht weiter:


    20.1 Felsenromanze

    "Seid gespannt auf den Kampf von Ritter Fanken gegen Widmund den Würger, den Kampf von Ritter Klamander gegen Bromo den Brandstifter, Ritter Fanzelker gegen Turris den Töter...“


    Meine Ohren öffneten sich wie Trompetentrichter. Hatte ich den letzten Namen richtig verstanden? War das der Turris, welcher kämpfen würde? Die Gedanken begannen wie ein Mückenschwarm in meinem Kopf zu wirbeln. Nein, unmöglich. Turris war ein netter Junge von der Straße, er hatte gar keine Waffen dabei und konnte nicht kämpfen. Es konnte nicht sein.


    Oder stimmte es, was Klymera behauptet hatte, dass er noch irgendwas vor uns verbarg, was uns gar nicht gefallen würde, wenn wir es wüssten? Den Gedanken verbat ich mir jedoch vehement. Nein, unmöglich, so einer war er nicht. Falls er hier kämpfen würde, dann hatten sie ihn bei seinem Eintritt wahrscheinlich dazu gezwungen und er zitterte gerade genauso um sein Leben wie ich?


    Die beiden Streiter auf dem Platz gingen aufeinander los. Ich war recht froh, dass ich aus meinem hohen Winkel nur einen Bruchteil des Gemetzels sehen konnte. Dafür hörte ich umso lauter den Jubel der Menge, der dessen Ende verkündigte.


    „Seht den Sieger, Ritter Gonderol!“


    Welch ein Applaus. Welch ein Gekreische und Gejohle. Ich hatte das Gefühl, die Druckwellen des Lärmpegels könnten schon alleine ausreichen, um mich von der Hauswand herunterzufegen. Krampfhaft hielt ich mich fest. Schon betraten die nächsten Kämpfer die Manege. Diese fingen noch an sich endlos zu beschimpfen, bevor sie endlich aufeinander losdroschen. Ich klebte derweil noch immer wie eine Fliege mit nassen Händen an der schrecklichen bröckeligen Mauer und erwartete mein baldiges Verderben... könntet ihr netten Ritter freundlicherweise etwas weniger drum herum palavern und schneller fechten, damit ich nicht herunterkrache, bevor Turris die Bühne betritt?


    Endlich hörte ich die Schwerter klirren. Ich wusste, meine Zeit lief ab. Inzwischen hatte ich ja nicht nur Probleme, meine Füße an der Hauswand unterzubringen – auch meine Finger waren schon fast taub von dem Geklammere und drohten mir den Gehorsam zu verweigern.


    Da kam mir der folgende geniale – oder auch nicht so geniale – Gedanke: Da ich hier oben ohnehin nicht mehr lange hängen konnte, würde ich versuchen, mich genau während des Kampfes von Turris in die Arena zu stürzen. Das würde seinen Gegner ablenken und mir Zeit geben zu entkommen. Oder es würde es uns allen beiden gründlich vermasseln...


    Wieder sah ich die Damen von dem Balkon gegenüber ihrem Favoriten Tücher herunterwerfen und mit den Augen klimpern. War das ein Heiratsmarkt für Adelsdamen? Wo die Ritter ihre Kraft beweisen mussten, um Herzen zu erobern? War das nicht irgendwie extrem bescheuert?


    Endlich ertönte jener Aufruf, den ich schon seit einer gefühlten Unendlichkeit erhoffte und fürchtete:


    „Ritter Fanzelker gegen Turris den Töter!“


    Jetzt. Das war das Signal für meinen Einsatz. Allerdings durchflutete mich bei dem Gedanken solche Todesangst, dass ich mich nur umso wilder festklammerte. Wieder dröhnte mir der Applaus um die Ohren.


    Jetzt! Jetzt!


    Entschlossen ließ ich los und fiel im nächsten Moment abwärts. Ein Luftzug, ein Rauschen. Hart prallte ich auf den Boden, landete auf allen Vieren, wie eine Katze. Von der Wucht schlug ich noch mit dem Kopf auf etwas Hartes. Im ersten Moment fürchtete ich, es hätte mir alle Glieder zerschlagen, doch ich schaffte es gleich wieder auf die Beine und unter den verdutzten Blicken der zwei Ordnungshüter, die vom langen Warten wohl etwas eingerostet waren, witschte ich zwischen ihnen hindurch und rannte ohne weiter nachzudenken vorwärts auf den freien Platz.


    Da standen sie bereits. Umringt von Stuhlreihen zu den Seiten, auf denen bestimmt über hundert Leute saßen, umlauerten sich direkt vor meiner Nase auf einem großen runden Platz zwei Krieger. Der mit dem Helm, der Rüstung und der glänzenden Waffe musste wohl dieser Ritter sein. Sein Gegner war ein Kerl mit Eisenpanzer um Schultern und Brust sowie einem Schild mit einem Totenkopfwappen. Obwohl ein Elgo mit langer wallender Mähne, konnte das unmöglich Turris sein.


    Gerade hatten die beiden einander mit gezückten Schwertern gegenüber gestanden, doch da ich ihnen in meiner blinden Panik fast direkt in dieselben hineingerannt wäre, fuhren sie auseinander und glotzten mich an wie ein verkokeltes Huhn.


    „Murissa!“, hörte ich den Kämpfer mit dem Totenkopfschild sagen. „Bist du verrückt geworden, was machst du hier? Geh nach hinten, setz dich auf die Bank.“


    Taumelnd, ohne zu begreifen, was hier abging, versuchte ich zu gehorchen.


    Schon schlugen die Schwerter der beiden Kämpfer aufeinander ein. Sie umtänzelten einander, sie attackierten. Und nicht der Ritter war hier der starke Mann, wie bei allen vorherigen Duellen. Der Fremde mit dem schrecklichen Wappen drängte ihn mühelos rückwärts.



    „Sie ist eine Diebin! Haltet sie!“, brüllten hinter mir die beiden Marktbüttel, die kurz darauf ebenfalls in unserem Zirkel landeten.


    Turris stellte sich ihnen entgegen. Götter im Himmel, er war es, nun erkannte ich sein energisches Kinn und seine warmen Augen, die allerdings gerade einen relativ stürmischen Ausdruck annahmen.


    „Das stimmt nicht, Turris“, verteidigte ich mich hastig, „ich hab nichts geklaut, ich bin nur aus Versehen auf ein... Gemälde... draufgetreten!“


    Turris fasste mich bei den Schultern und nahm mich an seine Seite, wobei er die beiden Wachtmänner scharf ansah.


    „Können wir die Angelegenheit mit einer Entschädigung regeln?“, fragte er geschäftsmässig.


    „Das wären insgesamt 150 Bronzehellonen“, schnarrte einer meiner Verfolger. Mir wurde schwindelig im Kopf, denn so teuer war meine Beute wohl kaum gewesen. Allerdings konnte ich das meinen Bedrängern nicht vorrechnen, ohne dass meine Schandtaten doch noch ans Tageslicht kämen. Turris ging zu einer Bank, auf welcher er seine Sachen deponiert hatte. Er klaubte aus einem Rucksack einen Beutel hinaus und bezahlte den Betrag ohne mit der Wimper zu zucken.


    „Entfernt die Ruhestörer vom Platz!“, tönte nun die laute Stimme des Aufsehers.


    Turris raunte mir zu, hier säße nur zahlendes Publikum und ich solle deshalb bei der Aussichtplattform auf ihn warten. Schon drängten mich die Türsteher aus der Manege. Ich sah noch aus den Augenwinkeln Turris mächtig mit seinem Schwert ausholen und seinen Gegner jagen.


    Gleich darauf war ich vom Kampfplatz herunter und landete tatsächlich irgendwann auf dem Aussichtsplateau. Meine Gedanken wirbelten durcheinander wie aufgescheuchte Vögel. Ich hoffte sehr, diese Ritter würden sich bei ihren Duellen nicht gegenseitig umbringen. Und noch viel intensiver hoffte ich, es würde wenigstens Turris nicht erwischen. Aber... er hatte dort nicht gestanden wie ein Anfänger. Ich hatte sehr gut gesehen, wie geschickt er mit der Waffe war. Wer war Turris? Warum hatte er nicht erzählt, dass er so gut kämpfen konnte? Oder hatte er das nur Klymera verraten, denn die hatte doch irgendwas gewusst? Ob tatsächlich irgendwas mit ihm nicht in Ordnung war? Aber nein, dachte ich, es ist doch kein Verbrechen, fechten zu können. Außerdem hat er sich mir gegenüber wie ein Edelmann betragen. Erregt sah ich an mir herunter. Meine feine gelbe Tunika war von dem Herumrutschen an der Hauswand völlig verdreckt. Ich beschloss, die Spuren meiner Flucht bestmöglich zu vertuschen. Zu dem Zweck klopfte ich mich einmal gründlich aus, was aber nicht viel nützte. Also band ich das Gurtband auf, mit welchem ich die Tunika festgebunden hatte und zog sie aus, um sie auf ihre andere Seite zu drehen. Dabei fiel mein Beutel mit den Glasmurmeln auf den Boden und als ich mich bückte, rutschte mein Hemd ein wenig hoch. Sofort wehte mir der kühle Abendwind direkt auf die Haut und verursachte eine Gänsehaut. Fluchend zog ich es wieder herunter. Den Umhang drehte ich auf die andere Seite, wo er grau und unscheinbar gewebt war, zog ihn mir dann wieder an und knotete ihn mitsamt meinem Beutel fest.


    Die Sonne stand inzwischen schon tief am Himmel. Sie warf dunkelrotes Licht auf den Horizont und auf die Ebene unter mir. Auf dem Plateau hielten sich nicht mehr viele Leute auf. Ich bekam Angst, Turris könnte etwas zugestoßen sein. Vielleicht war er tot. Erstochen und von allen verlassen. Ich hätte beim Kampfplatz auf ihn warten sollen! Mich nicht wegdrängen lassen.


    Meine Unruhe nahm zu mit jedem kleinen Augenblick. Auch wenn ich mir nun in Erinnerung rief, wie überlegen er ausgesehen hatte. Wie geschickt er seinen Gegner zurückgedrängt hatte.


    Er hatte sicherlich gewonnen. Bald würde er kommen und uns dann dazu drängen, gegen die Dämonen auf dem Felsen zu kämpfen, um an den Ring zu kommen... Hilfe! Hilfe!


    Würde er das wirklich tun? Der Totenkopf auf seinem Schild... Turris der Töter, wie der Rufer von dem Kampfplatz ihn genannt hatte... war das nur ein Fantasiename oder stimmte etwas nicht mit ihm? Wollte er uns verderben? He, bleib ruhig. Er ist okay, sagte ich mir selbst, zunehmend verzweifelt. Ich würde darüber mit ihm reden. Er war doch ein vernünftiger Elgo. Also hatte er, allen Widrigkeiten zum Trotz, sicher einen vernünftigen Plan ...


    Hoffte ich.


    Ich ging zum Geländer herunter und betrachtete voller Nervosität den Dämonenfelsen. Wie vorhin sahen sie aus dieser Entfernung wie unscheinbar aus und die Dämonen wie ganz normale Menschen, die auf ihrem Gipfel herumstanden. Noch immer trieben sich Ritter bei den Schwarzen Felsen herum. Zwei von ihnen schlugen sich gerade mit Schwertern, was ich in der Dämmerung zwar nicht genau sehen, aber dafür an dem Geschepper hören konnte, das aus der Ferne zu mir herauftönte. In allen meinen Gliedern kribbelte es, als stünde ich in einem Ameisenhaufen.


    „Hey, Murissa!“


    Ich wirbelte herum. Turris schlenderte zu mir und blieb neben mir am Geländer stehen. Die untergehende Sonne strahlte seine buschige Mähne an, deren Haarspitzen dadurch wie Sonnenstrahlen leuchteten. Auch seine Schultern leuchteten, weil der Eisenschutz das Licht spiegelte. Das in Kombination mit dem blutbesprenkelten Schwert und dem schrecklichen Totenkopfschild, das er nun neben dem Geländer abstellte, ließen mein Herz wie wahnsinnig jagen. Eigentlich hatte ich mir gerade eingeredet, er sei nicht so ein Ritter, der seine Feinde zersäbelt und eine Blutspur hinter sich herzieht, sondern eher einer aus einem Gemälde, der die glänzende Rüstung und die Waffen nur trägt, weil das so verwegen aussieht. Allerdings war ich mir gerade nicht mehr so sicher, ob ich mich da nicht täuschte.


    Diese Gedanken vergass ich allerdings praktisch sofort. Denn seine Augen hingen an mir, als hätte er soeben einen Edelstein gefunden – nein, als verwechselte er mich mit einer dieser holden Balkon-Baronessen! Mich durchglühte eine rasende Wärme. Was war passiert? Hatte er einen Liebestrank erwischt? Ich sah in dem grauen umgedrehten Umhang sicher nicht wie eine Prinzessin aus?


    Doch. Ganz genau. Er verschlang mich fast mit den Augen.

    Diese Szene finde ich sehr schön! Besonders die Engelsmagie bei der Abstimmung hat unheimlich schöne Stimmung gemacht (so geheimnisvoll und überirdisch). Gerne mehr davon!!

    Auch die in die Luft gehobenen Fäuste - richtig gut.


    Die einzige Stelle, die mich ein wenig ins Stocken gebracht hat, war folgende.

    Anfangs wird davon geredet, dass Maruth abgesetzt und Michael an seiner Stelle eingesetzt werden soll. Das ist ja auch soweit klar.


    Später heisst es dann auf einmal, Maruth dürfte keinen Verdacht schöpfen. Klingt widersprüchlich. Wenn er abgesetzt wird, dürfte ihm das doch reichlich verdächtig vorkommen.

    Klar, ich weiss schon, vermutlich ist es zeitlich gesehen so geplant, dass Maruth zuerst im Posten bleibt und in Sicherheit gewogen werden soll und er erst nachher abgesetzt wird. Ich würde das aber vielleicht doch auch im Text so andeuten, damit es nicht unlogisch klingt oder aus dem Lesefluss reisst.

    Maruth darf auf keinen Fall Verdacht schöpfen, dass die Engel der anderen Ebenen das Heer unterstützen werden, bedenkt das.“


    Schafft sichere Rückzugsmöglichkeiten und Sammelstellen, die den Irdischen Schutz bieten…“

    Aha... was meint er? Bunker?

    bin schon gespannt auf die irdische Panik, die eintrifft, sobald die ersten Schutzengel auf die Erde flattern und was von Sammeln in Bunkern erzählen vor einer apokalyptischen Gefahr... Ich hoffe du wirst uns diese Bilder nicht vorenthalten :chaos:



    „Wir müssen unbedingt dafür sorgen, dass Dagon so lange wie möglich im Ungewissen über unsere Pläne bleibt.

    Und du glaubst also, diese Vorbereitungen (Engel der 3. Sphäre in Scharen auf die Erde und Sammeln von Menschenmassen in Bunkern) - wird Dagon übersehen?

    Er müsste ziemlich blind sein...

    Oder passiert das erst NACH seinem Angriff auf dem Lichterfest? ich glaube da wäre ein Zeitplan wichtig.

    Oder Unsichtbarkeitsmäntel


    Klingt alles sehr cool, ich bin super gespannt, wie es weiter geht! :love: