Vielen dank für deine rückmeldung. schade das du so lange krank warst, ich hänge zur zeit auch noch ziemlich in den seilen, hatte spaß mit dem norovierus. ich hoffe dir machen die nächsten Kapitel auch spaß.
Beiträge von Ninja im Thema „Küssen verboten“
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Guten abend. weiter geht es jetzt mit Kapitel 17. bitte schreibt mir wie es euch gefällt und was ich noch verbessern kann, auch bei den kapiteln davor. Ich freue mich über jede Rückmeldung. Ansonsten wünsche ich euch viel spaß beim lesen.
Kapitel 17
Ungläubig starre ich in mein Spiegelbild. Da wo mich gestern Darian, Joel und Ed markiert haben, habe ich jetzt einen Fleck. Einen riesigen grün, blau schimmernden Fleck. Ich könnte es zwar ohne Probleme heilen, aber ich will für sowas keine Energie verschwenden. Damit kann ich doch nicht einfach so rumlaufen. Hab ich irgendwas mit einem Kragen, um es zu verstecken? Meine Schals sind alle zu dick um sie auch im Laden zu tragen. Eins steht fest, ohne Kaffee komme ich nicht wirklich zu einem klaren Gedanken.
"Du siehst ziemlich fertig aus", meint Joel zu mir, als ich aus dem Bad komme.
Das wundert ihn? Ich habe kaum geschlafen. Zwei Mal bin ich aus dem Schlaf geschreckt, weil ich das Gefühl hatte in die Tiefe zu fallen. Danach bin ich nicht mehr richtig eingeschlafen.
Ed sieht mich nur überrascht an, als ich ihm im Hausflur entgegenschlürfe. Mit schweren schritten, gehe ich zur Wohnung unter uns und nach zwei Mal klopfen öffnet mir Katja.
"Guten Morgen Lilly, du siehst, ziemlich erschöpft aus."
"Ich brauche Kaffee", quengle ich, wie ein kleines Kind.
"Lilly, du gehst jetzt nicht wirklich bei unseren Nachbarn um Kaffee betteln." Höre ich Ed hinter mir.
"Wer ist denn schuld, dass ich nicht schlafen konnte?"
Noch bevor Ed antworten kann werde ich von Katja in die Wohnung gezogen. "War Ed das an deinem Hals?"
"Unter anderem."
"Lilly, wehe du..." Katja unterbricht Ed, indem sie die Tür vor seiner Nase schließt.
Sie dreht sich um und sieht mich mit leuchtenden Augen an. "Seid ihr jetzt zusammen?"
Das erklärt wo Emmi ihren Romantik Fetisch her hat. "Nein, wir haben auch nicht miteinander Geschlafen." Erahne ich ihre nächste Frage.
Warum guckt sie jetzt so enttäuscht? Frech setze ich mich an den gedeckten Frühstückstisch und lege meinen Kopf auf die Tischplatte. Ich bin so Müde. Eine der Türen geht auf und ich höre Emmis Stimme, "Lilly, was machst du hier?"
"Kaffee", antworte ich ohne den Kopf zu heben.
"Lange Nacht gehabt?", fragt Gerald der wohl mit Emmi ins Zimmer gekommen ist.
"Irgendwas mit Edward, sie hat einen riesigen Knutschfleck am Hals", erklärt ihm Katja.
Erst als sie die Kaffeetasse vor mich Stellt sehe ich wieder auf.
"Oha", macht Gerald, als er den Fleck an meinem Hals sehen kann, "das sieht aus, als würde es weh tun. Ist das ein biss Abdruck?"
"Ja, von Ed."
"Edward hat dich gebissen?", wiederholt Emmi, "habt ihr euch gestritten?"
"Ja, nein wir..." Ich komme wohl nicht drum rum ihnen zu erzählen was passiert ist, sonst müsste ich wieder zu den Engeln aber da will ich gerade nicht hin. "Ich hab gestern einen Kranz Ausgeliefert. In den Nightfall Club."
Katja und Gerald sagen, genau wie meine Kolleginnen gestern, dass sie nichts Gutes über den Club gehört haben. Den Moment nutze ich, um am Kaffee zu schlürfen. Ein Mensch würde sich wohl die Zunge verbrennen, für mich genau die richtige Temperatur.
"Der Clubbesitzer, Darian ist auch niemand, dem ich nochmal begegnen will", gestehe ich, "er hat mir auch als erstes den Knutschfleck gemacht."
"Was? Warum?", Katja sieht empört aus.
"Keine Ahnung. Aber Joel und Ed waren total Wütend."
"Bestimmt weil sie sich Sorgen gemacht haben", versucht Gerald es zu verstehen, "Ich wäre auch wütend, wenn Katja an so einen gefährlichen Ort geht."
"Katja ist deine Frau das ist was anderes."
Beide geben mir einen Nein-ist-es-nicht-Blick. Die warten wohl nur jeden Tag darauf, dass ich mit Joel oder Ed zusammen komme. Wenn die wüssten.
"Jedenfalls", berichte ich weiter, "hat mir Joel dann einen Knutschfleck über den von Darian gemacht und Ed hat es ihm nachgemacht, nur das er noch gebissen hat."
Beide schmunzeln.
"Hey, das ist nicht lustig."
"Es ist Süß", grinst Katja.
"Süß?", wiederhole ich ungläubig und zeige auf den blau, grün schimmernden Fleck, mit roten biss Abdruck darum, "das ist nicht süß, das ist total bescheuert. Noch dazu wo ich keinen Rollkragen Pullover habe, wo ich das verstecken kann."
"Ich gebe dir einen von meinen Pullis und zur Not kannst du bestimmt auch Edward fragen, der hat auch einige, mit Kragen."
"Von Ed will ich gerade Garnichts", murre ich und lege meinen Kopf wieder auf den Tisch. Tröstend streichelt Emmi meinen Rücken. Wenigstens eine die mich versteht. Zusätzlich schiebt sie mir eine Schüssel mit Müsli hin.
"Frühstücke erstmal, danach geht es dir besser."
"Danke Emmi", ehrlich dankbar nehme ich die Schüssel an und fange an zu Essen. "Warum bist du eigentlich so früh schon wach?"
Emmi macht sich ihre eigene Schüssel mit Müsli voll. "Ich muss doch um acht Uhr in der Schule sein."
"Stimmt, du hast Schule."
Während dem Essen erzählt mir Emmi von der Schule, ihren Lieblingsfächern und ihren Freunden. Als sie fertig ist geht sie mit ihrem Vater, der auch zur Arbeit muss raus. Brav helfe ich Katja mit dem Abwasch.
"Wer von beiden gefällt dir eigentlich mehr, Edward oder Joel?"
Romantik scheint wirklich voll ihr Thema zu sein.
"Keiner von beiden." Die Vorstellung mit einem Engel, nein, das ist doch albern, als ob die...
"Ach komm, wenn du dich für einen entscheiden müsstest, wer wäre es?"
Sie lässt nicht locker, "naja, bis gestern dachte ich noch Joel sei schwul und das Ed sowieso keine Sexualität hat."
"Dass die beiden schwul sind hatten wir auch erst vermutet, aber weil sie getrennte Zimmer haben, dachten wir dass sie wohl doch einfach nur zusammen wohnen. Warum genau glaubst du, dass Joel schwul ist?"
"Ich hab noch nicht einmal beobachtet, dass er sich für Frauen interessiert, oder sie berührt und dann an St. Martin ist er mit Nemo total auf Kuschelkurs gegangen, da kam mir der Gedanke."
"Stimmt, jetzt wo du es sagst." Sie reicht mir eine Schüssel, zum Abtrocknen. "Und wie meinst du das mit Edward?"
"Eigentlich dachte ich Mister Perfekt und Unfehlbar, würde sich niemals zu so niederen Trieben, wie Sexuellem verlangen hin geben. Aber er kann richtig wütend werden und..." Ich deute wieder auf meinen Hals. "... die Bis Spur zeigt das er auch eifersüchtig sein kann. Wer weiß, vielleicht lässt er auch noch andere der sieben Totsünden zu?"
Auch das findet Katja amüsant. "Aber wenn würdest du jetzt nehmen."
"Joel."
"Das kam aber schnell, warum?"
"Er kann sehr gut Kochen."
Katja verdreht die Augen. "Das ist doch kein Grund."
Ich denke kurz nach, "emm, doch."
"Aber Edward holt dich doch immer ganz süß von der Arbeit ab."
Und lässt mich aus mehreren Kilometern höhe in die tiefe fallen. Mir läuft wieder ein Schauer über den Rücken, als ich mich daran erinnere.
"Das macht er weil er ein totaler Kontrollfreak ist", erkläre ich trocken.
Wieder lacht sie über meine Aussage. "Mal was ganz anderes. wo du eben Nemo erwähnt hast. Was macht er denn, wenn es bald nachts Friert?"
"Für gewöhnlich zieht er, wenn es zu kalt ist bei mir ein aber, dass geht ja dieses Jahr nicht." Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Tolle Freundin bin ich. "Hast du vielleicht Lust in hier auf zu nehmen?"
Katja sieht mich schräg an. Einen Versuch war es wert.
"Wann genau soll es anfangen zu frieren?"
"Ende des Monats sollen die Temperaturen nochmal sinken."
Scheiße. Ob ich Ed bitten sollte, Nemo über die Kälteperiode auch in die Wohnung zu lassen. Noch weiß er nichts von Nemo und eigentlich will ich auch, dass das so bleibt. Aber ich will Nemo auch nicht draußen erfrieren lassen. Am besten rede ich erstmal mit Joel, was er davon hält. Ich bin nur so selten mit Joel alleine.
Der kleine Mario wacht auf und Katja geht zu ihm. Wenig Später bekomme ich zwei Wollkragen Pullover und gehe wieder ein Stockwerk höher. Ich erwarte eine Standpauke, aber Ed sagt nichts dazu, dass ich mir unten Kaffee geschnorrt habe und nicht zum Frühstück da war. Joel und ich tauschen überraschte Blicke aus.
Ohne ein weiteres Wort gehe ich in mein Zimmer und ziehe mich für die Arbeit um. Auch als ich wieder aus meinem Zimmer komme, sagt Ed nichts. Vorsichtig gehe ich zu Joel.
"Warum sagt er nichts?", flüstre ich.
"Ich vermute er hat noch ein schlechtes Gewissen, wegen dem Knutschfleck."
"Er sollte wegen was anderem ein Schlechtes Gewissen haben."
"Er hört euch", Ed dreht sieht zu uns, "Und nein ich werde kein schlechtes Gewissen haben, nur weil ich dich ein paar Meter fallen gelassen habe."
"Ein paar Meter? Du hast..."
"Lass gut sein", unterbricht mich Joel, "ich habe es auch schon versucht, er sieht nicht ein, dass das etwas übertrieben war."
"Sagt derjenige, der vermutlich die halbe Stadt zerstört hätte, wen er mit Darian gekämpft hätte nur um sich selbst irgendetwas zu beweisen." feuert Ed sofort zurück.
"Als ob wir die halbe Stadt zerstört hätten. Vielleicht ein paar Gebäude, aber nicht die halbe Stadt, nicht mal einen Stadt teil."
"Und was aus Lilly geworden wäre ist dir Egal?"
"Ach", Joel winkt ab, "die ist flink, die wäre da heil raus."
"Wäre ich nicht."
Empört dreht sich Joel zu mir. "Fall du mir noch in den Rücken, Syrzahlya."
Beim verwenden dieses Namens bekomme ich ein flaues Gefühl im Magen.
"Syr... was?" Wiederholt Ed.
"Mein Geburtsname", erkläre ich schnell, bevor Joel ihn nochmal wiederholen kann, "musst du dir aber nicht merken, ich will Lilly genannt werden."
Ed nickt es ab und zu meiner Erleichterung geht auch Joel nicht weiter darauf ein. Leider bietet sich keine Gelegenheit mehr, bei der ich Joel bitten kann unter vier Augen mit ihm zu reden, ohne das Ed was davon mitbekommt.
Grübelnd gehe ich zur Arbeit. Wie zur Hölle kann ich mit Joel ein Gespräch ausmachen, ohne das Ed misstrauisch wird? Es ist quasi unmöglich. Ed ist immer in der Wohnung. Die einzigen Gespräche die ich mit Joel alleine führe sind außerhalb. Aber ihn zufällig auf der Straße zu treffen. Ich weiß ja nicht mal was er Arbeitet. Oder ob er überhaupt arbeitet. Ed macht scheinbar irgendwas mit der Kirche. Aber was Joel macht. Er geht wenn erst nach mir aus dem Haus und ist vor mir da.
Ich könnte ihm einen Zettel unter die Tür schieben, wenn Ed schon im Bett ist. Nein. Bestimmt wird sich Joel nur darüber lustig machen und dann wird es Ed erfahren.
Stöhnend lehne ich meine Stirn gegen das Regal im Lager. Um erstmal Kontakt mit anderen zu vermeiden, habe ich entschieden, das Blumenladen Lager auf zu räumen und zu putzen.
"Alles gut bei dir?", höre ich Magda fragen.
Sie und Anita machen sich offensichtlich sorgen um mich und kommen abwechselnd nach mir gucken.
"Ja, ich bin nur am Grübeln.", winke ich ab.Anstatt wieder zu gehen kommt sie zu mir, "worüber denn?"
Sie will wohl unbedingt helfen. Schaden kann es nicht, vielleicht hat sie ja eine Idee. "Ich will mit einem Mittbewohner eine Nachricht vermitteln, ohne dass es der andere mittbekommt. Das Problem ist das ich Joel quasi nie alleine antreffe."
"Hast du seine Handynummer?"
Mit offenem Mund starre ich meine Kollegin an. Mich überkommt dass Bedürfnis mich selbst zu Ohrfeigen, weil ich so doof bin. Warum hab ich nicht selbst dran gedacht? Wir leben hier schließlich nicht im Mittelalter.
Nachdem Magda wieder nach vorne ist, hole ich mein Handy raus und suche Joel aka Mr. Hot. Ich zögre kurz, ob ich ihm nicht erstmal schreiben sollte. Entscheide mich aber dann doch für den Anruf. Würde ich schreiben könnte es passieren, dass Ed es zufällig liest.
Als es anfängt zu tuten, werde ich doch nervös. Gerade hinterfrage ich nochmal, ob es nicht doch eine doofe Idee war, da höre ich schon seine Stimme, "bitte sag mir, dass Dari nochmal gekommen ist."
Warum ist er so versessen darauf sich mit Darian zu Prügeln? Ist ihm nicht klar, dass er dabei auch verletzt wir, oder ist es ihm egal?"Nein... ist er nicht."
"Oh, schade, warum rufst du dann an? Hast du dich verwählt?"
"Nein, ist Ed bei dir?"
"Wenn Ed bei mir wäre, würdest du ihn jetzt darüber jammern hören, wie unverantwortlich ich wieder bin."
Recht hat er. Ich gehe auf Lautsprecher und lege das Handy auf das Regal um beim Telefonieren weiter arbeiten zu können.
"Ich wollte mit dir alleine reden, ohne dass Ed es mit bekommt."
"Jetzt wird es spannend."
Er nimmt das hier überhaupt nicht ernst, aber hoffentlich ändert sich das noch.
"Es geht um Nemo."
"Wird Nemo von Dari bedroht."
"Was? Nein, niemand wird von Dari bedroht! Warum sollte er?" Jetzt habe ich ihn auch Dari genannt.
"Weil Nemo es war, der mir gesagt hat, das du zu Dari gehst.""Was? Autch...", unsanft stoße ich mir den Kopf am regelfach, als ich überrascht zum Handy sehen will.
"Er kam zu mir und hat mir erzählt, dass du in Daris Club bist. Er hat sich sorgen gemacht, weil du so ängstlich aussahst und ihr eigentlich nichts mit anderen Dämonen zu tun haben wollt."
Nemo hat mich gesehen? Ich starre eine Weile das Handy an. Meine außen Wahrnehmung ist echt schlecht. "Wie konnte er dich so schnell finden?"
"Ich verberge meine Aura nicht sehr und einer von euch beiden, weiß offensichtlich, wie man sie auf Entfernung erkennt."
"Danke für den Seitenhieb..."
"Wer hat den heute Morgen damit angefangen?"
"Du weißt, dass ich nicht lügen kann."
"Sonst weißt du doch auch wie du die Wahrheit verschleierst."
"Ich...", knurrend beiße ich mir auf die Zunge. Zum Streiten habe ich ihn nicht angerufen. "Ich brauche deinen Rat, Joel."
"Ich höre." Er klingt wieder total überheblich.
Ich atme tief durch, ich will schließlich was von ihm. "Ende des Monats soll es nochmal kälter werden und, für gewöhnlich zieht Nemo dann immer bis es wieder wärmer wird bei mir ein."
"Was ist mit den Obdachlosen Unterkünften?"
"Bist du da schon mal drinnen gewesen?"
"Besser als zu erfrieren."
"Joel. Ich..."
"Was ist deine Frage?"
"Denkst du, ich kann Ed fragen, naja ob Nemo für eine gewisse Zeit auch bei euch wohnen kann, ich übernehme auch alle kosten in dem Zeitraum." Schweigen antwortet mir. "Joel? Bist du noch da?"
"Ja, ja ich bin noch da es ist nur... wann hast du pause?"
"Em ich... um 13:30 warum?"
"Lass uns direkt darüber reden, nicht am Telefon. Ich komm dann zu dir."
"Ja eh... ok".
Es ist irgendwie seltsam, wenn er so ernst wird. Aber genau das wollte ich doch. Ein ernstes Gespräch. Jetzt bin ich noch nervöser als vorher. Gut nur, das ich Beschäftigung habe, was mich leider nicht davon abhält alle fünf Minuten auf mein Handy zu sehen, um die Uhrzeit zu überprüfen.
Doch anders als Ed, ist Joel auch um 13:35 nirgends zusehen. Ich werde von Magda in meine Pause geschickt und setze mich auf eine Bank nicht weit vom Laden entfernt. Wenn Joel kommt sehe ich ihn von hier.
Gerade öffne ich die Tuberose, mit meinem Mittagessen, als ich Joels Aura war nehme. Ich sehe die Straße runter. In aller Seelen ruhe schlendert er mir entgegen. In den Händen hält er Einwegbescher vom Becker. Als er bei mir ist reicht er mir einen der Becher und greift in seine Jackentasche, um kleine Pakete mit Milch und Zucker raus zu holen.
"Brauchst du?"
Fragend sehe ich ihn an. Wie kommt er auf die Idee ich würde Milch oder Zucker in einen Tee machen. Warte... Ich mache den Plastikdeckel ab. "Das ist Kaffee."
"Ja."
"Aber..."
"Ich bin nicht Ed." Er grinst mich breit an, nur diesmal nicht so überheblich wie sonst. "Also, Milch, Zucker oder beides.""Weder noch ich trink schwarz."
Er zuckt mit den Schultern und setzt sich neben mich. "Also mehr für mich."
Der Engel macht ebenfalls den Plastikdeckel ab und holt noch mehr Milch- und Zuckerpäckchen aus seiner Jackentasche. Schockiert beobachte ich, wie er ein Päckchen nach dem anderen in seinen Becher schüttet.
"Wie kannst du den Kaffee nur so Vergewaltigen? Was hat er dir getan?"
"Jetzt übertreibst du."
"Sagt der, der sich gerade sein fünftes Zuckerpäckchen in den Kaffee kippt."
Unberührt lehrt er das Päckchen und öffnet eines der Milchpäckchen und fängt an, davon eines nach dem anderen ebenfalls in den Kaffee zu kippen. "Ich mag es halt süß und sahnig."
"Ist das jetzt irgendeine Andeutung?"
"Nur das ich den bitteren Geschmack von Kaffee nicht mag", meint er trocken, kann ein grinsen aber nicht unterdrücken.
Als er mit seinem Chemieprojekt endlich fertig ist, macht er den Deckel wieder auf den Becher und lehnt sich zurück. Schweigend sitzen wir nebeneinander. Ein kalter Wind weht die Straße hinunter und ich nehme einen großen Schluck vom heißen Getränk.
"Ich weiß bereits seit sechs Jahren von dir und Nemo“, beginnt er.
Überrascht sehe ich zu ihm. "Was? Warum hast du uns nie Angesprochen?"
"Hab ich. Aber davon weißt du nichts. Du warst am Schlafen, als ich zu euch gegangen bin. Nemo hatte mich geben nicht direkt auf dich zu zugehen. Er wollte, dass du sorgenfrei hier leben kannst. Naja, größtenteils sorgenfrei."
"Das hat Nemo gesagt“, ich schmunzele, "ja, das passt zu ihm." Irgendwie vergesse ich immer wieder wie fürsorglich Nemo doch ist. "Also wusste auch Ed..."
"Nein, ich erzähle ihm nicht alles. Ihr beide ward für niemanden eine Bedrohung, also gab es auch keinen Grund es Ed zu erzählen." Er nimmt einen Schluck von seinem Kaffee, oder ist es zuckermilch mit Kaffee, ich bin mir nicht ganz sicher. "Ich war vielleicht überrascht, als du in der Wohnung standst."
"Du hast mich total geärgert.""Wie hätte ich wiederstehen können? Du bist so schön leicht aufzuziehen."
Ich funkle ihn böse an.
"Mal Spaß bei Seite", er wird wieder ernst, "ist dir klar, was es bedeutet wenn du mir Ed über Nemo redest? Ed weiß noch nichts von Nemo, weshalb er frei agieren kann und auch Energie sammeln kann. Abgesehen davon wird Ed das nicht ohne irgendwelche Bedingungen erlauben."
"Ich muss ihm ja nicht direkt auf die Nase binden, das Nemo ein Dämon ist."
"Oh super Idee, wichtige Informationen vor Ed geheim halten, wenn du was von ihm willst", meint er Sarkastisch.
"Ich mein doch nur...""Wenn du wirklich willst das Nemo zu uns kommst", unterbricht mich Joel, "dann musst du von Anfang an mit offenen Karten spielen."
Ich sehe auf meinen Kaffeebescher, "ich... ich weiß... ich hab einfach nur angst das er nein sagt, wo soll Nemo denn dann hin?"
"Hey, das ist nicht nur Eds Wohnung und zur Not finden wir etwas." Aufmunternd lächelt er mich an.
Wenn er mich nicht gerade provozieren möchte kann er richtig freundlich sein. Wäre er kein Engel und ich kein Dämon, ob wir dann ein paar werden könnten? Ich meine er ist unglaublich attraktiv. Ok, Ed ist auch heiß aber diese Oberaufseher-Art, die macht alles kaputt. Joel ist auch sehr verständnisvoll und lässt einem seine Freiheiten und...
Mit einem Kopfschütteln versuche ich den Gedanken zu verscheuchen. Joel zeigt keinerlei Interesse an mir. Vermutlich wäre das auch so, wenn wir beide Menschen wären. Das mit dem Knutschfleck war wohl wirklich einfach nur weil sein stolz oder so angekratzt war.
"Hast du mit Nemo überhaupt mal darüber geredet?"
"Nein, seit dem Laternen lauf habe ich ihn nicht mehr gesehen. Ein Engel hatte mir geraten ihn besser nicht bewusst auf zu suchen."
Der Mann neben mir fängt an zu lachen, "Ach ist das so und daran hältst du dich seit neusten."
"Wenn es bedeutet Nemo zu schützen, dann ja."
Noch immer lächelnd nickt er. "Wenn du willst kann ich ja gleich nach Nemo suchen und ihn Frage, was er von dem ganzen hält?"
"Das würdest du für mich tun?"
"Nicht nur für dich und ich will auch nicht, dass unser kleiner Clown Fisch erfriert."
"Warum Clown Fisch?"
Überrascht sieht Joel zu mir. "na wegen dem Namen, Nemo. Er hat sich doch bestimmt nach dem Fisch benannt oder?"
"Ach, du meinst den weiß orangenen Fisch aus dem Bilderbuch? Ja das hat er."
"Bilderbuch? Nein, aus dem Film."
"Es gibt einen Film?" Mit großen Augen starre ich ihn an.
"Du kennst den Film nicht?" Jetzt sieht Joel ehrlich geschockt aus.
"Nein. Woher denn? Nemo und ich haben nur das Bilderbuch gelesen. Das lag in einer zu verschenken Kiste und Nemo fand den Fisch süß, darum hat er es mitgenommen."
"Oh man ihr macht mich fertig. Wir müssen den Film gucken. Diese Bildungslücke kann ich nicht akzeptieren. Habt ihr überhaupt mal Filme gesehen?"
"Em... naja, schon." Verlegen sehe ich weg.
"Weißt du auch wie die heißen?"
Ich denke scharf nach, wie die paar Filme hießen, die wir in unserem ersten Winter gesehen haben und zähle mit den Fingern mit, "das war, drei Nüsse für Aschen... irgendwas. Etwas mit einem Jungen der alleine Zuhause, mit Räubern war. Ein Kind das Lord ist. An Neujahr, Dinner für on und jeden Morgen Kaffee oder Tee, aber ich glaube das war eine Serie."
Verzweifelt hat Joel das Gesicht in die Hände gelegt, die Gebräuche die von ihm kommen sind entweder lachen oder weinen, ich kann es nicht ganz deuten.
Mein Handywecker klingelt und zeigt mir an, dass die Pause zu Ende ist. "Joel ich muss wieder in den Laden."
Er richtet sich wieder auf und fährt sich durch die Haare, "Ja, ja geh nur. Ich sag dir Bescheid, wenn Nemo sich entschieden hat."
"Danke, du hast was gut bei mir."
Er winkt ab und ich gehe in den Laden zurück.
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Hier geht es weiter mit Kapitel 16. ich hoffe ihr mögt es.
Kapitel 16
Endlich sind wir aus dem Club raus. Ich habe das Gefühl wieder frei atmen zu können. Sogar die kalte Luft heiße ich willkommen. Leicht high von dem Wissen, das ganze überlebt zu haben gehe ich hinter Joel her. Seine Aura ist immer noch bedrückend, aber vermutlich braucht er einfach etwas länger, um sich wieder zu beruhigen. Eine weitere Welle der Erleichterung kommt über mich, als die Fußgängerzone in Blickweite ist.
Joel biegt in eine schmale Gasse ab. Scheinbar will er noch nicht unter Menschen. Etwas besorgt folge ich im. Ob es ihm gut geht?
Gerade bin ich in der Seitengasse, als Joel herum wirbelt und grob meinen Kragen packt. Einen Herzschlag darauf werde ich von Joel gegen die Hauswand gedrückt. Meine Füße hängen in der Luft. Wieder sind die silberleuchtenden Schwingen hinter Joel und auch sonst schimmert Joel silbern. Seine Ultramarinblauen Augen werden von silbernen streifen durchzogen.
"Was zum Geier hattest du da unten verloren, Syrzhalya?" faucht er mich an.
Ich weiß gerade nicht, was mich mehr überfordert, das er mich von sich aus berührt, das er mir so nah ist, das er wütend ist oder das er meinen Geburtsnamen benutzt. Aber meine Erleichterung ist weg.
"Ich wollte nicht ... musste nur..."
"Hast du überhaupt eine Ahnung wer das ist?"
"Ja, ich... denkst du ich bin freiwillig da hin?" Langsam finde ich meine Stimme wieder. "er stand einfach plötzlich im Landen und..."
"Plötzlich?", fällt er mir ins Wort, "wie kann ein Dämon mit so einem Ego und der entsprechenden Aura plötzlich in deinem Laden stehen? Du hättest ihn schon spüren müssen, als er in die Straße eingebogen ist, denn Teleportation ist keine seiner Fähigkeiten."
"Ich war in Gedanken."
"Was denn, du kannst denken?"
Jetzt fängt er an mich zu beleidigen?
Sein griff wird fester und er drückt mich etwas höher, "Wo zum Gayer waren deine Gedanken als er dich hier hin eingeladen hat."
"Er hat mich nicht eingeladen, er hat es mir befohlen."
"Und da kam dir nicht der Gedanke Ed oder mich an zu rufen?"
"Warum hätte ich das tun sollen? Darian hat es eben gesagt, Engel mischen sich nicht in Angelegenheit zwischen Dämonen ein."
"Das ist doch unglaublich." Joel kommt noch näher und unsere Nasenspitzen berühren sich fast. "Ich schwöre dir Syrzhalya, wenn ich nochmal mitbekomme, dass du in die Nähe von Dari gehst, werde ich vergessen, dass ich Geschworen habe, schwachen, hilflosen Dämonen nichts an zu tun."
Ich schlucke schwer, alles was ich sage macht ihn nur wütender. Er will gar keine Erklärung hören. "Ich werde nicht seine Nähe suchen... Versprochen", murmle ich, mit gesenktem Blick.
Endlich löst sich Joels griff und er lässt mich wieder runter auf den Boden, "gut, mehr will ich gar nicht."
Gehorsam nicke ich. Wenn unterwürfig akzeptierendes verhalten bei Dämonen funktioniert, um sie zu beschwichtigen, dann auch bei Engeln. So viel unterscheiden wir uns dann doch nicht.
"Los, bringen wir dich zurück in den Laden", meint er, nachdem er sich wieder etwas beruhigt hat und seine Flügel wieder verschwunden sind.
Schweigend gehen wir zum Blumenladen. Auch wenn wir jetzt unter Menschen sind halte ich lieber etwas Sicherheitsabstand, zumal seine Aura noch immer ziemlich drückend ist. Im Laden kommen sofort Anita und Magda auf mich zu. Zu meiner großen Überraschung, ignorieren sie Joel, der neben mir steht.
"Du warst ziemlich lange weg." "Was wollte er von dir?" "Hat er dich angefasst?" Fragen sie abwechselnd.
Mit einem falschen Lächeln versuche ich sie zu beruhigen, "alles gut, ich bin unversehrt. Seine Club Angestellten haben sich etwas über mich lustig gemacht und er hat ein paar doofe Kommentare abgeben."
"Und was ist das an deinem Hals?", fragt Magda, "hat er dich geschlagen."
Verwirrt streiche ich über meinen Hals, "Nein eh eigentlich..." Die haben mir doch keine Knutschflecken gegeben oder? Sofort spüre ich wie sich Joels Aura wieder verdunkelt. Also doch Knutschflecke. Oh man. Aber wundern tut es mich nicht. Darian war von Anfang an besitz ergreifend. Auch wenn ich, wie er sagte, als unterer Dämon für ihn nicht zu gebrauchen bin, hat er mich trotzdem als sein markiert, was deutlich macht, wie einnehmend er ist.
Irgendwas Unverständliches grummelnd, verlässt Joel den Laden wieder. Warum war er eigentlich wirklich da? War es tatsächlich nur weil die Tür zum Club offen war? Irgendwie kann ich das nicht ganz glauben.
Hoffentlich begegnen sich Joel und Ed nicht bevor ich Feierabend habe. Diesmal wird Joel es wohl nicht vor ihm verheimlichen, so wie bei Halloween. Aber wenn Ed es schon erfahren muss, ist es besser ich erkläre ihm was passiert ist, um Missverständnisse zu vermeiden.
Als Ed mich dann abholen kommt, spüre ich seine Wut lange bevor er durch die Tür kommt. Ich will mich in Luft auflösen. Oder vielleicht kann ich meinen Kopf so hart gegen etwas schlagen, so dass ich ohnmächtig werde? Ich habe sowas von keine Lust auf die Standpauke, die er bestimmt für mich vorbereitet hat. Als ob der Tag nicht schon schlimm genug war. Das einzig gute ist, dass ich wieder genug Energie habe, um den Monat zu überstehen.
Auch Anita und Magda scheinen Eds schlechte Laune zu spüren und gehen ihm aus dem weg. Mit einem unguten Gefühl gehe ich, nach Ladenschluss mit Ed raus. Besser ich bringe es schnell hinter mich.
Vorsichtig sehe ich zu ihm, "Ed eh... ich vermute Joel hat..." Ich höre ein schnipsen und falle.
Wo eben noch Ed stand sehe ich jetzt in den klaren Sternenhimmel, während mir vom Wind die Haare ins Gesicht gepeitscht werden. Die Luft ist so dünn, ich kann kaum Atmen. Das ist kein gutes Zeichen. Nur langsam sehe ich nach hinten, oder besser gesagt, unten. Winzig kleine Punkte leuchten in kleinen Haufen unter mir, lassen Straßen und Häuser erahnen. Zwischen den Lichterpunkten liegen im tiefen schwarz, Wälder und Felder, bis ein neuer Lichterhaufen, einen anderen Ort zeigt. Ein Atemberaubender Anblick, noch Atemberaubender, wenn man im freien Fall ist.
Ich bin Tot. Einen Sturz aus dieser Höhe kann ich einfach nicht überleben. Mich überkommt das Bedürfnis zu schreien, aber was sollte das ändern? Wie viel Zeit habe ich bis ich unten aufkomme? Wird man überhaupt irgendwas von mir erkennen können, nachdem ich aufgeschlagen bin? Warum kommen mir solche Fragen in den Kopf?
"Also", höre ich die vertraute Stimme von Ed. "Was wolltest du gerade sagen? ich wollte dich nicht unterbrechen."
"Ed!", ich schaffe es irgendwie mich zu ihm zu drehen.
Wie kann man nur so elegant fallen? Er sieht aus, als würde er bequem in einem Sessel lehnen und nicht als würde er gerade aus keine Ahnung wie viel Kilometer Höhe fallen.
"Ed ich.. ich wollte nicht... ich hatte keine Wahl..."
Völlig unbeeindruckt beobachtet er mich wie ich falle und vor mich hin stottre. Jetzt wünsche ich mich in Darians Klauen zurück.
"Komm schon, wir... wir können doch in Ruhe darüber reden... oder? Ich lad dich auf einen Tee ein und ich erkläre dir alles."
"Du kannst mir auch jetzt alles erklären", meint er, absolut ruhig.
"Aber.. aber es macht mich etwas nervös, wenn ich in meinen nahenden Tot blicke, während ich..."
"Dann solltest du dich mit der Erklärung wohl besser beeilen."
Das meint er doch nicht ernst. scheiße, scheiße, ich kann keinen klaren Gedanken fassen. "Ganz ehrlich was soll das hier? Ich habe nichts getan!"
"Wirklich nicht? Du bist also nicht zu Darian gekrochen?"
"Das hat Joel gesagt?"
"Das sage ich."
Empört sehe ich zu ihm. "Ihr legt euch die Sachen wirklich einfach aus, wie es euch gerade Passt, oder? Denkt ihr wirklich ich bin freiwellig hin? Ich weiß ja nicht wie es bei euch Engeln so abläuft, aber wir Dämonen haben etwas andere Spielregeln!"
"Dann erklär sie mir", fordert er mich auf.
"Es herrscht das Gesetz des stärkeren. Wenn ein mächtiger Dämon was sagt, muss man ihm folgen."
"Ach ja? Verwunderlich, dass diese Regel außer Kraft gesetzt ist, wenn wir dir etwas sagen und als ich das letzte Mal nachgesehen habe, waren Joel und ich weit aus Mächtiger als du."
"Willst du mich veraschen? Ihr seid Engel, das ist was völlig anderes!"
"Ach ist es das?"
"Als ob du eine Ahnung hättest! Tu nicht so hochnäsig, als wüstest du alles! Du weißt nichts über mich! Du weißt nicht wie es ist auf der Straße der Hölle auf zu wachsen! Du weißt nicht, wie es ist wenn dich deine Eltern mit 4 Jahren aussetzen! Du weißt nicht wie es ist wenn du keinen Ort hast, wo du sicher schlafen kannst! Du weißt nicht wie es ist Täglich vor jedem anderen Dämon zu knien und zu Betteln, nur damit sie dich nicht aus einer Laune heraus zusammen schlagen! Du weißt nicht wie es sich anfühlt, immer Hunger zu leiden! Das alles weißt du nicht! Ich bin aus dieser verschissenen Hölle geflohen, um nie wieder vor anderen Dämonen zu kriechen, nie wieder für sie ein Spielzeug zu sein und ich will mir nicht von anderen sagen lassen müssen, was ich zu tun und zu lassen habe!" Ich habe Schwierigkeiten den Blickkontakt zu Ed zu halten, weil ich beim Fallen keine Kontrolle habe. Es ist auch nicht wichtig, all die gestaute Wut seit dem Rohrbruch kommt raus und es ist egal ob er es hört oder nicht. "Alles war perfekt, ich habe eine eigene Wohnung gehabt, sie war perfekt, klein, gemütlich. meine eigene kleine Höhle. Das erste Mal in meinem Leben hatte ich ein zuhause und ich habe einen Job, wo ich den ganzen Tag machen kann was mir gefällt. Hast du eine Ahnung wie schwer es war an den Job zu kommen?!", schreie ich ihn an, wo auch immer er gerade ist. Ich habe völlig die Orientierung verloren und mit den Haaren im Gesicht, sehe ich sowieso kaum etwas. "Alle Papiere habe ich mit Hand gefälscht, ein falscher strich und ich konnte von vorne anfangen. Scheiße. Ich habe immer auf Sparflamme gelebt. Um die Kirche habe ich einen großen Bogen gemacht. Sobald ich die Energie eines anderen Dämons gespürt habe bin ich so weit weg gerannt, das er mich auf garkeinen Fall mehr spüren kann. Ich habe immer nur so viel Energie genommen, dass es zum Leben ausreicht, aber nicht auffällt. Aber dann muss dieser scheiß Wasser schaden passieren und... und dann ihr. Ich habe so lange gebraucht dass alles auf zu bauen und ihr macht mir alles kaputt. Alles ist plötzlich so schwer geworden, andauernd habe ich Existenzängste und dann kommst du mit dieser scheiß Geige!"
Stille antwortet mir, ob er überhaupt noch da ist?
"Das Darian mich überrumpeln konnte ist nur diese doofe Geige schuld. Wenn sie nicht wäre, hätte ich mich nicht wieder an die beiden erinnert, dann hätte es nicht wieder weh getan und dann hätte ich Darian gespürt, ich hätte mich verstecken können ich... ich hatte solche Angst als er da vor mir stand. Ich war wie das kleine Kind was nichts kann, was ich in der Hölle war. Ich hatte Angst. Ich konnte mich nicht wiedersetzen. Ich musste antworten und ich musste doch gehen, was wenn er wütend wird? Was wenn er mir meine Arbeit nimmt, meine Blumen... meine Kolleginnen..."
Ich habe mich zu einem Ball zusammen gerollt. Vermutlich falle ich so zwar nur noch schneller aber was soll das jetzt noch ändern? Ich bin Eis kalt. Mein Hals tut vom ganzen schreien weh. Ob ich jetzt schneller oder langsamer falle, wenn ich unten aufkomme bin ich so oder so tot.
"Lilly", höre ich dann wieder Eds Stimme.
"Lass mich in Ruhe. Ihr wolltet mich doch von Anfang an loswerden, ein Dämon weniger, um den ihr euch kümmern müsst."
Ich spüre seine Hand an meinem Arm, "wir wollen dich nicht los werden." Er zieht meine Arme auseinander. "Komm schon Lilly. Du musst dich jetzt ordentlich festhalten, damit du dir nichts brichst, wenn ich das Fallen stoppe."
Er will mich nicht sterben lassen? Sofort klammer ich mich an ihn. Meine Beine umklammern seine Hüfte und mit meinen Armen, um seinen Hals, stranguliere ich ihn vermutlich sogar etwas. Aber das lässt er sich nicht anmerken, "So ist es brav. Leg deine Stirn auf meine Schulter und beiß die Zähne zusammen." Ich spüre, wie er mit einer Hand meinen Hinterkopf stützt und mit dem anderen Arm mich noch näher an sich drückt. Meine Augen habe ich fest zugekniffen, also sehe ich nicht, wie seine goldenen Schwingen erscheinen. Aber ich spüre deutlich, wie sie den freien Fall beenden. Sofort erfasst mich wieder die Schwerkraft und versucht mich weiter runter zu ziehen, wodurch ich mich nur noch fester an Ed klammer.
"Hey, hey, ich hab dich Lilly, kein Grund mich zu erwürgen."
Es beruhigt mich nicht wirklich. Wieder höre ich ein Schnipsen. Ein klacken verrät, dass Ed wieder festen Boden unter den Füßen hat. Vorsichtig öffne ich die Augen und sehe mich um. Wir sind in der Wohnung, oben im Wohnzimmer.
"Ed, bist du das?", Joel kommt die Treppe hoch und stockt, als er uns so sieht, "Ed du hast doch nicht..." sofort ist er bei uns und greift mir unter die Arme. „Hey, es ist alles wieder gut, du kannst Ed jetzt wieder los lassen, komm her ich hab dich, alles ist gut." Er redet wie mit einem verängstigten Tier, aber irgendwie beruhigt es mich, und ich lasse zu, dass er mich von Ed löst. Erst als Joel auch meinen verkrampften Schwanz um Eds Bein löst, merke ich, dass ich in meiner Dämonenform bin. Vermutlich ist das in dem Moment passiert, als ich anfing zu fallen. Ohne mein zu tun schlingt sich mein Schweif um Joels Arm. "Mensch, Ed. War das wirklich nötig?", faucht er den anderen Engel an.
"War es. Es war sogar überfällig."
"W... warum?", stottre ich.
Ed sieht mich an, als wäre nichts Ernstes passiert, "damit du mal endlich Ehrlich bist."
"Ach, fick dich doch."
Zu meinem Erstaunen, lächelt er sogar über meinen Ausdruck. "Wie ich sehe hast du dich auch schon davon erholt."
Ich funkle Ed wütend an. Mein ganzer Körper zittert und mein Schweif umklammert immer noch Joels Arm, vermutlich habe ich auch schon seine die Durchblutung unterbrochen.
Sanft streicht mir Joel ein paar Haare nach hinten. "Erholt sieht für mich zwar anders aus, aber die Gelegenheit sollte ich für noch etwas anderes nutzen."
"Was meinst du?" Gerade will ich mich zu Joel um drehen, als ich seine Lippen auf meinem Hals spüre. "W... Was..."
"Joel, was wird das?", hinterfragt auch Ed sein Handeln, allerdings wieder mit drohendem Unterton.
Als ich mich von ihm lösen will, legt Joel seine Arme um mich und fesselt mich so. Er fängt an noch Intensiverer an der Stelle zu saugen, wo seine Lippen meinen Hals berühren. Meine Augen weiten sich, als mir klar wird was er da tut. Er macht mir einen Knutschfleck.
Mit einem lauten schmatzen löst er sich von mir, "Sorry, aber es hat mich ziemlich abgefuckt, das dich Dari einfach Markiert hat."
Sein ernst?
Bevor ich darauf angemessen reagieren kann ist Ed bei mir und dreht meinen Kopf so, dass er die Stelle sehen kann. "Er hat ihr einen Knutschfleck gemacht?"
"Ja, aber unter meinem sieht man ihn jetzt nicht mehr", erklärt Joel stolz.
Jetzt wird es albern. Gerade verdrehe ich die Augen darüber, als sich Ed vorbeugt und... Das kann doch nicht wahr sein. Auch Ed fängt an, auf derselben Stelle, an meiner Haut zu saugen und als wäre das nicht genug, beißt er in das nun empfindliche Fleisch.
Mit einem Aufschrei schaffe ich es mich von ihm zu lösen, "Sag mal habt ihr sie noch alle? Was soll das?"
"Wir wollten nur sicher gehen, dass klar ist wem du gehörst", erklärt Joel, mit einem breiten Grinsen.
"Wem ich... Ich gehöre Euch nicht!"
"Also willst du lieber Dari gehören", neckt Joel mich weiter.
"Nein, verdammte scheiße, ich gehöre niemandem!" Vorsichtig taste ich nach der nun schmerzenden Stelle an meinem Hals, "Ihr und euer bescheuertes Dominanzgehabe."
Joel kichert darüber, während Ed verlegen weg sieht. Wenigstens schämt sich einer für sein Primitives verhalten.
"Sag mal Joel", meine ich, als mir ein Geruch in die Nase kommt, "hast du noch was auf dem Herd?"
Mit einem Fluch, springt er elegant über das Geländer, nach unten und eilt zum Herd.
Wieder streiche ich über meinen Hals. "Musstest du Beißen?"
"Sorry, wie du schon sagtest, bescheuertes Dominanzgehabe." Langsam sieht er zu mir. "Lilly, ich habe fragen, sehr viele Fragen und ich würde mich freuen, wenn wir in naher Zukunft darüber reden können. Aber ich werde dich nicht dazu Zwingen und auch nicht nochmal aus großer Höhe fallen lassen, um deine Zunge zu lockern."
Das klingt so harmlos, wenn er es so sagt.
"Und wenn du nicht willst, erzähle ich Joel auch nichts davon."
Ich sehe runter zu dem Engel der dabei ist unser Abendessen zu retten, "nein ist... ist schon okay, du kannst ihm ruhig alles erzählen, wenn er es hören will." Irgendwie habe ich das Gefühl, es Joel schuldig zu sein. Ob für mich oder für sein Ego, er hat sich gegen Darian gestellt. Wäre es zum Kampf gekommen, wäre keiner von beiden unbeschadet daraus gekommen. "Sind Joels Brennende Schwerter die Alternative zu deiner Teleportation, oder kannst du auch Waffen heraufbeschwören?"
"Was ich..." Er ruft zu Joel. "Sie hat deine Schwerter gesehen?"
Joel bringt gerade die Pfanne mit Essen zum bereits gedeckten Tisch. "Ja, hat sie."
"Wie?"
"Naja, Dari hat mich provoziert."
Ed führt seinen Daumen und Zeigefinger zu seinem Nasenrücken. "Bitte sag mir nicht, dass ihr aufeinander losgehen wolltet."
Der Engel zuckt bloß mit den Schultern. "Vielleicht, wenn Lillys Händy uns nicht unterbrochen hätte."
"Spinnst du?", schimpft Ed los, "du kannst nicht mitten in der Stadt einen Kampf mit einem Dämon anzetteln! Kaum auszudenken welsche Schäden ihr hättet verursachen können!"
"Entspann dich Eddy, es ist doch nicht zum Kampf gekommen."
"Was offensichtlich nicht dein Verdienst war!"
"Komm schon, ich hab seit zwanzig Jahren keinen richtigen Kampf gehabt, ich roste noch ein."
"Was auch gut ist! Hör auf so zu grinsen, das ist kein Spiel Joel!"
"Schon gut, schon gut." Beschwichtigend hebt er die Hände, "Kommt ihr jetzt runter Essen oder wollt ihr warten bis es kalt ist?"
Ich frage mich ob alle Engel zu zweit wohnen oder ob die beiden nur zusammen Wohnen, weil Ed auf Joel aufpasst?
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Guten Morgen,
vielen dank, für die reaktion
In dem vorherigen Abschnitt hat mir sehr gut gefallen, dass dort das Thema "Romantik" ein wenig beleuchtet wurde.
Ich will auch in den nächsten themen mehr auf Lillys gefühle eingehen und mehr in die Tiefe gehen, ich hoffe nur das es nicht zu langweilig oder melankolisch wird.
Toll, das hast du spannend dargestellt. Gerne mehr davon!
Es freut mich sehr, dass es dir gefällt, ich hab nur das gefühl, das es in dem Kapitel etwas zu schnell voran geht, aber vielleicht kommt nur mir das so vor.
Was ich sperrig fand, aber ich bin auch Boomer, im Haus steht knöchelhohes Wasser und der Vermieter sagt: "Da kann man eh nix machen" und geht. Jemand, der 4 Häuser hat, weiß, was nasse Keller bedeuten und würde selten so reagieren.
Hey, vielen dank erstmal, dass du dich entschieden hast, meine Geschichte zu lesen, ich freu mich auch sehr über deine Kritik. so kann ich das ganze aus verschiedenen blickwinkeln betrachten. ich hatte noch nie einen rohrbruch und weiß daher auch nicht wie man da etwas machen kann. es ist auch nur mittel zum zweck, um einen grund zu haben, warum Lilly da raus muss, aber es sollte trotzdem realistisch sein. Vielen dank auch für deine forschläge. wenn ich mit allem fertig binn, werde ich nochmal alle Kapitel überarbeiten und werde versuchen es realistischer dar zu stellen. Vielen dank nochmal, das dir das aufgefallen ist.
Ich glaube ich war etwas drüber. Wenn dir das zu viel war, gibt mir ein Daumen runter oder so. Bin manchmal zu überschwenglich
Ganz im gegenteil. Am anfang war ich sauer über die negative kritik/ verbesserungsvorschläge. aber dann habe ich mich auch mal etwas selbstreflektiert und gemerkt, das genau das ist, was meine Geschichte besser macht. ich freu mich natürlich über positives aber hab in letzter zeit zu wenig verbesserungsvorschläge bekommen. Jetzt vermisse ich die richtig. mehr Verbesserungsvorschläge bitte
damit es perfekt wird (nein spaß, gerade unperfekte sachen sind perfekt). -
Guten Morgen, hier ein bisschen Aktion und Spannung mit Kapitel 15. Ich hoffe es gefällt euch. Bitte Schreibt mir was ihr gut findet und besonders, was ich noch verbessern kann. Vielen Dank.
Kapitel 15Ich und Geige spielen, das ist doch nicht sein Ernst. Geistesabwesend stecke ich den ersten Adventskrans, trotz Anitas Protest. Ich brauche einfach etwas zu tun und ein paar entwürfe werden schon nicht schaden.
Nachdem Ed mir die Geige aufgezwungen hat, hatte ich sie mit in mein Zimmer genommen und lange angestarrt. Ohne es zu wollen habe ich mich an die Zeit erinnert als Nemo und ich unseren ersten Winter erlebten. Ein Freundliches schon sehr altes Ehepaar hatte uns Obdach gewährt. Während ich der Frau im Haushalt ausgeholfen habe und so gelernt hatte, wie die ganzen Geräte, wie Härt, Spül- und Waschmaschine funktionieren, war Nemo viel bei ihrem Mann. Er hatte Nemo die Gitarre geschenkt und ihm beigebracht wie man sie benutzt und Noten liest. Es war eine sehr schöne Zeit mit viel Liebe und Wärme. Leider verstarb im Sommer darauf der Mann und im Herbst folgte ihm dann seine Frau. Es tat sehr weh als sie gingen. Ich hatte den Schmerz schon ganz vergessen, aber gestern Abend war es wie vor sechs Jahren.
Langsam Greife ich nach einem getrockneten Orangenstreifen. Immer wieder kommen mir die Erinnerungen ins Gedächtnis, wie wir alle zusammen am Kamin saßen und Nemo einen Krampf in den Fingern bekam als er von einem Griff in den anderen wechseln wollte. Die Gitarre ist Nemos ein und alles geworden und er sagte mir mal, wenn er sie Spielt hat er das Gefühl, als wären die beiden dann bei ihm. Ein schöner Gedanke.
Ich greife nach einer weiteren Orangenscheibe. Mich lässt das Gefühl einfach nicht los, dass wenn ich von einem anderen lerne wie man Noten liest, ich den alten Mann hintergehe, zumal ich sein Angebot es mir bei zu bringen immer abgelehnt habe. Ob es ihn traurig macht? Oder wäre es ihm egal?
Nur am Rande bemerke ich, dass zwei Kunden den Laden betreten, aber Magda ist schon bei Ihnen. Seufzend bringe ich die Orange an den Kranz. Ob ich mit Ed darüber reden sollte? Er kümmert sich doch immer so gerne um allesmögliche. An Allerheiligen war er doch auch für die Kirchengänger da, die um ihre Verstorbenen Trauern.
"Was haben wir denn hier?", schnurrt eine tiefe Männer Stimme, als eine Hand bestimmt mein Kinn greift und meinen Kopf an hebt. Völlig überrascht, von so viel Dreistigkeit, sehe ich zu der Person und erstarre. Wie ein Hammerschlag wird mir die Dämonische Energie bewusst, die den Blumenladen füllt. Zwei rote Augen mit dünnen vertikalen schlitzen starren gefährlich in meine. Perfekte Lippen sind zu einem überheblichen, grausamen Grinsen verzogen. Die Dunkelbraunen Haare sind perfekt gestylt und der schwarze Anzug lässt ihn nur noch bedrohlicher wirken.
"Wie kommt es, dass ein kleiner, schwacher Dämon, sich in mein Revier geschlichen hat ohne sich angemessen bei mir vor zu stellen?" Er legt seinen Kopf schief und mustert mich eingehend. Sein Daumen streicht sanft über meine Lippen. Das grausame Grinsen vertieft sich. "Atme kleines."
Als hätte mein Körper nur auf seine Erlaubnis gewartet, fange ich Zitternd wieder an zu atmen, aber nicht ohne meinen Blick von seinen Augen abzuwenden.
"Wie heißt du?"
"L... Lilly..."
Er beugt sich näher zu mir, seine Stimme fast ein flüstern, "und dein richtiger Name?"
"Syrzhalya."
Überraschung zeigt sich in seinem Gesicht. "Oh, ein erstaunlich Mächtiger Name, für einen erstaunlich schwachen Dämon. Oder bist du gar nicht so schwach?" Seine Augen verengen sich und er mustert mich noch einmal von oben bis unten. "Nein. Kein Dämon würde sich freiwillig so viele Wollsachen anziehen. Nur untere Dämonen können so schlecht eigene wärme produzieren, das sie sich bei den Temperaturen schon so warm einpacken müssen. Zusätzlich sind deine Energiereserven fast aufgebraucht." Noch immer streicht sein Finger über meine Lippen. "Hmm, was mache ich nur mit dir..."Ein Räuspern hinter mir reißt mich aus meiner Versteinerung und ich schaffe es endlich, mich von diesen Augen los zu reißen. Anita ist aus dem Lager zurückgekommen und steht jetzt neben mir. "Gibt es einen Grund warum Sie meine Kollegin so bedrängen."
Überrascht sehe ich zu ihr. Offensichtlich ist sie sich der Gefahr, die von diesem Mann ausgeht nicht bewusst.
Ein Kichern kommt von dem Dämon, "bitte entschuldigen sie, ich war so verzaubert von dieser wunderschönen Blume hier, dass ich meine Manieren ganz vergessen habe. Bitte entschuldige, Syrzahalya." Die Art wie er meinen Namen schnurrt, jagt mir einen Schauer über den Rücken.
Ich versuche meine Angst herunter zu schlucken, "a... alles gut."
Er sieht zu dem Kranz an dem ich bis gerade eben noch gearbeitet habe, "und so geschickte Finger. Wie lange brauchst du um den fertig zu machen?"
"Ich... eh... nicht... nicht lange... v... vielleicht..."
"Eine Stunde, sagst du?", unterbricht er mein Gestotter und sieht wieder direkt in meine Augen. Allerdings sind sie jetzt nicht mehr Rot, sondern braun. "Das passt perfekt." Er holt eine Visitenkarte aus der Innentasche seines Anzugs. "Sei so gut und bring das dann in meine Bar." Er legt mir zusätzlich einen Fünfzigeuroschein hin. "Für die Lieferung." Mit einem selbstgefälligen Lächeln dreht er sich um und verlässt den Laden mit dem anderen Mann, der einen Blumenstrauß in der Hand hat.
Mit schwachen Knien lasse ich mich auf einen Stuhl fallen, als endlich auch die erdrückende Energie des mächtigen Dämons verschwindet. Besorgt kommen meine beiden Kolleginnen zu mir.
"Alles gut bei dir?"
Ich nicke benommen.
"Kennst du den Mann."
Ich schüttle den Kopf.
Magda nimmt die Visitenkarte in die Hand. "Darian Wessmond, Club Nightfall. Das ist doch dieser zwielichtige Nachtclub der vor knapp 20 Jahren eröffnet wurde."
"Von dem habe ich auch schon gehört", meint Magda, "allerdings nichts Gutes."
Natürlich nicht. Dämonen leiten keinen Nachtklub um sich etwas Taschengeld dazu zu verdienen und den Menschen eine Ausgelassene Zeit zu Bescheren.
"Du solltest da nicht hin gehen", entscheidet Magda, was Anita nickend bestätigt.
Als ob das so einfach wäre. Ich schüttle den Kopf, "nein, ich werde gehen."
"Was? Lilly das ist gefährlich, wenn dann komme ich mit."
"Nein", unterbreche ich Anita, "ich... ich schaffe das schon. Ich denke nicht, dass er mir etwas antun wird. Schließlich wisst ihr dass ich bei ihm bin und er wird bestimmt nicht, mit einem Mord zu viel Aufsehen erregen."
Beide versuchen mich zwar noch umzustimmen, aber am Ende sehen sie ein, dass es nicht genug ist, um die Polizei zu rufen, aber zu viel um es zu ignorieren. Ich muss ihnen hoch und heilig versprechen, keine seltsamen Deals ein zu gehen, nichts zu trinken, was er mir anbietet und dass ich mich sofort melden werde wenn ich da raus bin. Sollte ich nach einer Stunde nicht zurück sein werden sie mich anrufen. Wenn ich mich dann mit einem "Bis gleich" verabschiede ist alles gut, wenn ich aber "Bis dann" sage werden sie die Polizei rufen.
Also stehe ich genau eine Stunde später, in einer düsteren Straße vor einem unscheinbaren, etwas runtergekommenen Gebäude auf dem der Name Nightfall steht. Ein Pfeil zeigt auf die Treppe nach unten zu einer Metallenen Tür. Alles hier schreit nach: Ich bin ein Zwielichtiger Nachtclub! Du willst Drogen oder fragwürdige Geschäfte machen? Hier bist du richtig.
Mit ungutem Gefühl im Bauch gehe ich die Steintreppe nach unten. Es gibt keine Möglichkeit zu Klingeln und auf mein zaghaftes klopfen an der Tür, gibt es auch keine Rehaktion. Ich versuche die Türklinke runter zu drücken und bin überrascht das die Tür auch auf geht. Allerdings nur sehr schwer. Vorsichtig spähe ich ins Innere. Ein dunkler enger Gang führt tiefer in das Gebäude. Am liebsten würde ich wieder umdrehen, jeder Horrorfilm fängt doch mit sowas an.
Ganz ruhig Lilly. Weg laufen kannst du nicht, versuch einfach ruhig zu bleiben und rationale Entscheidungen zu treffen.
Neben der Tür liegt ein großer Backstein, vermutlich wird er benutzt, um nach Eröffnung die schwere Tür offen zu halten. Wie ich durch Aktion- und Horrorfilme gelernt habe, wird es immer gefährlich, wenn die Tür hinter den Protagonisten zu fällt. Also schieb ich den Stein gegen die Tür, damit sie offen bleibt. Es ist immer gut einen Fluchtweg zu haben, oder dass die Polizei es rein schafft wenn doch etwas passiert. Irgendwie beruhigt mich der Gedanke. Ich Atme noch einmal tief durch und gehe rein. Lautlos folge ich dem dunklen Gang. Er führt um eine Ecke und plötzlich stehe ich in einer großen, sehr edlen Longe. Mit vielen verschiedenen, bequem wirkenden Sitzmöglichkeiten. In der Mitte ist eine große Tanzfläche. Große Kronleuchter und Vorhänge aus gläsernen Diamanten schaffen eine edle Atmosphäre. Wenn die Diskolichter hindurch scheinen, gibt es bestimmt stimmungsvolle Effekte. Eine Wendeltreppe führt zu einem breiten Bacon, mit Glasgeländer. An einer Wand ist ein Regal, was bis unter die Decke reicht gefüllt mit allen möglichen Spirituosen. Noch ist es dunkel, aber ich vermute, bei betrieb wird es beleuchtet sein. Die Bar vor dem Regal ist ganz in schwarz und auch die Zapfsäulen scheinen hochwertig zu sein.
Vor lauter staunen ist mir der Mann hinter der Baar kaum aufgefallen. Eifrig ist er einen Karton am Auspacken. Als ich mich ihm nähere, bemerke ich, dass er ein Mensch ist und generell nicht so wirkt als würde er, Floristinnen umbringen. Ich hatte befürchtet mit Darian alleine zu sein, das ein Mensch hier ist, beruhigt mich. Je näher ich der Bar kommen, desto mehr Stimmen nehme ich war, die aus einer Tür gleich neben der Bar kommen und auch die Aura des Dämons.
Ein weiterer Mensch kommt durch die Tür. Groß, muskulär und sehr breit. Der sieht schon mehr aus als würde er einen Floristin Töten können.
Als er mich sieht stockt der Hüne. "Wir haben noch geschlossen."
Der andere Mann schmunzelt. "Sieht die aus als wollte die Party machen?"
Ich werde vor Verlegenheit etwas rot. Da stehe ich in einer tot schicken Bar in einer weiten Jeans unter der ich noch eine Thermoleggings trage, einen dicken Strickpullover, mit einer Strickweste und meiner grünen Arbeitsjacke darüber und die Haare mehr schlecht als recht zusammen gebunden. Bestimmt sind durch den Herbstwind auch einige Strähnen rausgefallen. Und als Sahnehäubchen oben drauf halte ich wie ein Idiot den Adventskranz vor mich. Das alles vor zwei wirklich sehr attraktiven Männern, in einer schwarzen Hose und einem schwarzen Hemd, welches ihren durchtrainierten Körper perfekt betont.
"Ich will nur eine Lieferung vorbei bringen." Erkläre ich Monoton. Es ist lange her das ich mich so underdresst gefühlt habe. Jetzt habe ich einen weiteren Grund, warum ich das hier so schnell wie möglich hinter mich bringen will.
Der große lächelt spöttisch, "ist es nicht etwas früh für Weihnachtsdeko?"
"Das Grün bei deiner Jake passt ja schon mal zu einer Weihnachtselfe, nur der Rest..." Abschätzend begutachtet der Barkeeper mein Outfit.
Der große dreht sich zur Tür, "Sven kom' ma, wir haben hier nen' Gartenzwerg zu besuch."
Ein weiterer Mann, nicht weniger attraktiv als die anderen beiden, kommt durch die Tür. Nicht so groß und breit wie der Hüne aber nicht weit davon entfernt.
"Ich will euch ja nicht schocken", meint Sven trocken, "aber so sehen Frauen aus, die nicht für Geld und schöne Kleider ihre Seele verkaufen und einer vernünftigen Arbeit nach gehen."
Sven ist definitiv der mit mehr Verstand.
"Sagt der, der jede Nacht ne anderen Abschleppt." kontern der Barkeeper sofort.
"Wärt ihr nicht so scheiße hättet ihr bestimmt auch ne Chance eine Frau ab zu schleppen", gebe ich meinen Kommentar ab.
"Wer fährt denn da die Krallen aus" Darian lehnt im Türrahmen mit einem Handy am Ohr, während er aufreißend langsam den Blick über meinen Körper wandern lässt. "Aber ich muss schon zugeben, wo ich jetzt dein Outfit im ganzen bewundern kann, es ist schon sehr interessant. Vor allem mit diesem Hintergrund." Er leckt sich langsam über die Lippen. "Hinreißend."
Mit hochrotem Kopf sehe ich weg. Schnell gehe ich zur Bar, lege den Kranz darauf und knalle das Wechselgeld von den fünfzig Euro hin. "Danke für Ihren Einkauf, auf nie wiedersehen", knurre ich und drehe mich um, um so schnell wie möglich hier raus zu kommen.
"Hab ich dir erlaubt zu gehen, Syrzahalya?"
Wie angewurzelt bleibe ich stehen. Langsam sehe ich zu Ihm und diesem grausamen Grinsen. Er nimmt das Handy vom Ohr und legt es auf die Theke. Als wäre ich ein Hund, Pfeift er nach mir und winkt mich mit seinen Finger zu sich. So sehr ich es auch will, ich kann mich nicht wiedersetzen. Schritt für Schritt gehe ich auf ihn zu, bis ich direkt vor ihm stehe. So nah, viel zu nah. Zärtlich streicht er über meine Wange. Er beugt sich noch näher, bis ich seinen Atem an meinem Ohr spüre. "Ich hätte nicht gedacht, dass deine Kolleginnen dich gehen lassen, was musstest du ihnen versprechen?"
"Ich darf auf keine fragwürdigen Deals eingehen, kein Trinken annehmen und wenn ich nach einer Stunde nicht zurück bin, rufen sie mich an", muss ich ihm antworten.
Er kichert, so nah an meinem Ohr wirkt es um ein vielfaches bedrohlicher. "Ihr habt doch bestimmt ein Passwort ausgemacht, für den Fall, dass du in Bedrängnis gerätst."
Meine Lippen bewegen sich wieder von alleine, "wenn ich am Ende "bis gleich" sage, ist alles in Ordnung, wenn ich "bis dann" sage, rufen sie die Polizei."
Ich spüre gegen meinen Hals wie er lächelt, als er sanft die empfindliche Stelle unter meinem Ohr Küsst. "Braves Mädchen." Er richtet sich langsam auf, wobei er am Kragen meines Pollovers zieht, so dass er in meinen Ausschnitt sehen kann. "Na wenigstens ist deine Unterwäsche passend."
Noch bevor ich etwas machen kann spüre ich, wie sich ein warmer, muskelbespannter Körper gegen meinen Rücken drückt. Hinter mir steht der Hüne und sieht, dank Darian direkt in meinen Ausschnitt, auf den rot schwarzen spitzen BH, bis runter zu meinem Bauchnabel.
"Sehr sexy", knurrt er leise in mein Ohr und seine Großen Hände legen sich auf meine Hüfte.
Als ich mich von ihm weg drehen will, steht Sven neben mir, seine Hand streift über meinen Oberschenkel. Darian macht einen Schritt zurück und der Barkeeper nimmt seinen Platz ein, seine Hand streift sanft über meinen Hals zu meinem Gesicht.
Was um alles in der Welt passiert hier? Sobald ich versuche von einer Berührung zurück zu weichen, drücke ich mich nur in eine andere. Verwirrt sehe ich zu dem Mann vor mir. Erschrocken bemerke ich seinen glasigen Blick, er wirkt als wäre er high. Auch die anderen beiden Männer haben diesen Blick.
Ich sehe zu Darian der sich hinter der Bar ein Getränk zubereitet. "Was hast du mit ihnen gemacht?"
"Ihnen die Hemmungen genommen", erklärt er, ohne auf zu sehen, "auch wenn es dich verwundern sollte, meine kleine, sogar in diesen Klamotten hast du deinen reiß. Wie ein Geschenk, was man auspacken will."
Die Berührungen der Männer werden intensiver. Ich spüre wie sie mir mein Shirt aus der Hose ziehen, um an meine Haut darunter zu kommen. Svens Hand hat den Ort erreicht, an dem ich schon viel zu lange nicht mehr von einem Mann berührt worden bin und sofort bereue ich die Kleiderschicht.
"Warum?", keuche ich, "Warum machst du das?"
Er geht um die Bar herum. "Um dich mit Energie zu versorgen. Nimm aber nicht zu viel, die drei müssen heute Nacht noch für mich arbeiten."
"Warum?", frage ich erneut.
Noch bevor er mir antworten kann, werde ich von dem Barkeeper in einen Kuss gezogen und verdammt. Wieso ist dieser Idiot nur so unbeschreiblich gut darin?
"Aus Mitleid."
Darians Stimme verhindert, dass ich mich zu sehr von dem Kuss mitreißen lasse und ich schaffe es mich von ihm zu lösen, um die Erklärung vom Dämon mit zu bekommen. Was definitiv nicht einfach ist, wenn man von drei absolut attraktiven Männern in die Mangel genommen wird, die ganz genau wissen wie sie eine Frau anzufassen haben.
"Du bist im Grunde eine Illegale Einwanderin, andernfalls hätte ich von dir Gewusst" Mittlerweile sitzt er mit einem Drink auf einem Lounge Sessel und genießt offensichtlich den Anblick, der sich ihm bietet. "Ganz alleine hast du es aus der Hölle geschafft. Du hast dir einen Job besorgt, hast vermutlich eine Wohnung, aber scheinbar hast du Schwierigkeiten an Energie zu kommen. Bist wohl eine von der schüchternen Sorte, was?"
Mir entfährt ein Stöhnen, als der Hüne mit kräftigen Händen beginnt mein Brüste zu massieren. Es kostet mich all meine Willenskraft mich auf das Gespräch zu konzentrieren. "Du... Du bist nicht sauer oder so?"
Er lacht wieder, "Sauer? Warum sollte ich? Du bist ein Dämon des untersten Rangs. Nicht ganz so schwach wie die Menschen aber für Dämonen meiner Klasse nicht wirklich zu gebrauchen. Also sieh es als Geschenk meiner Großzügigkeit und meiner Bewunderung, dafür das du es so weit geschafft hast."
Wer‘s glaubt wird Seelig. Aber viel wichtiger, "wissen die drei Menschen Bescheid über uns?"
"Natürlich nicht. Aber in dem Zustand hören sie uns auch nicht wirklich zu." Er nippt an seinem Drink. "Und jetzt sei ein braver kleiner Dämon und lass mich die Show genießen."
Die Show? Noch herablassender konnte er es nicht sagen, oder? Aber eine bessere Gelegenheit meine Energie etwas auf zu füllen bekomme ich so schnell nicht nochmal. Auch wenn zwei von dreien, der Männer echt unverschämt waren. Andererseits nehme ich mir ja auch ihre Energie und... Meine Gedanken werden wieder von einem Leidenschaftlichen Kuss unterbrochen. Wenn ich mich dem sowieso nicht entziehen kann, kann ich es doch auch genießen.
Ich schließe die Augen und erwidere denn Kuss. Genüsslich sauge ich dabei seine Energie in mich hinein. Einer der Männer öffnet meine Hose. Mein Herz schlägt schneller und schneller. Es ist so lange her, dass ich Sex hatte und jetzt passiert alles gleichzeitig. Ich werde von einem atemberaubenden Kuss in den nächsten gezogen.
"Mehr Klamotten konntest du nicht anziehen oder?" Höre ich Darians Stimme, die viel zu nah klingt. Noch bevor ich mehr darüber nachdenken kann greift jemand in meine Haare und zieht mich aus einem Kuss. Wieder starre ich in diese roten Augen. Offensichtlich ist es ihm zu langweilig nur zu zusehen. Mit einem Festen Griff in meinen Haaren zieht er mich zu sich. Sein Kuss hebt sich von dem, der anderen ab. Dominanter, Aggressiver. Er gibt ganz klar den Takt vor. Ich kann mich nur einfügen und seine Energie. Während ich bei den Menschen das Gefühl habe, die Energie durch einen Strohhalm aufzunehmen, ist es bei ihm, als würde ich aus einer Flasche trinken. Viel schneller, fließt mehr Energie in mich hinein. Wenn ich könnte würde ich ihn näher zu mir ziehen, aber irgendwer hält meine eine Hand fest und die andere ist zwischen zwei Körpern eingeklemmt. Ein kehliges Knurren kommt von dem Dämon, als er seine Zunge in meinen Mund gleiten lässt. Ich kann nur mit winseln antworten als mich die Berührungen und der intensive Kuss um den Verstand bringt. Eine warme Hand findet endlich den Weg in meine Hose und Leggings, um immer tiefer zu Wandern. Mein Atem geht immer schneller, ungeduldig warte ich, dass sie Endlich meine viel zu vernachlässigte Mitte erreicht. Darian beendet den Kuss und wandert mit nun sanften Küssen zu meinem Ohr, murmelt süße Worte. Meine Pullover Schicht ist hoch geschoben worden und Sven Küsst den Teil oberhalb meiner Brust, wo der BH anfängt. Alles geht so schnell und gleichzeitig viel zu langsam. Ich will endlich aus den Klamotten und Haut auf Haut spüren. Hungrig suche ich nach einem Mund denn ich Küssen kann, als der Raum von einer neuen Energie geflutet wird. Wie von einer Welle, wird die stickige, schwere Energie von Darian weg geschwemmt und die Frische und doch erdrückende, neue Energie bleibt zurück. Wenn die Männer um, mich nicht aufrecht halten würden, wäre ich unter dem plötzlichen Druck in die Knie gegangen.
"Fuck", knurrt Darian in mein Ohr und lehnt die Stirn auf meine Schulter. Als wollte er sich sammeln. Das Territorium eines Dämons mit einer solchen Energie zu fluten, ist gleich zustellen mit einer Kriegserklärung. Eine klare und unmissverständliche Demonstration der eigenen Macht.
Langsam richtet sich Darian zur vollen Größe auf und seine Aura drängt sich gegen die neue. Kurz glaube ich Blitze zu sehen, als sich die Energien aneinander reiben.
"Was willst du, Engel?"
Die Energie kam mir direkt bekannt vor, aber in diesem Ausmaß, war ich mir dann doch nicht mehr sicher, aber da steht Joel, lässig gegen den Eingang gelehnt, durch den auch ich den Raum betreten habe.
"Ach, weißt du, die Tür stand offen und da wollte ich mal nach dem Rechten sehen." plaudert er lässig los, mit seinem überheblichen Grinsen. "Ich störe doch hoffentlich bei nichts."
"Wie außerordentlich aufmerksam von dir", antwortet ihm der Dämon übertrieben freundlich, aber nicht weniger bedrohlich, "wir waren gerade dabei uns ein wenig zu Amüsieren. Selbstverständlich bist du herzlich eingeladen mit zu machen."
Mit den Händen in der Jackentasche kommt Joel auf uns zu. Hoffentlich erkennt er mich nicht, zwischen den drei Männern. "Welch überaus großzügiges Angebot, aber ich muss ablehnen. Du kennst das ja. Arbeit und Privates."
"Wir sehen das hier nicht so eng." Darian stellt sich zwischen uns und Joel. "Wenn du aber nicht willst, werde ich dich natürlich zu nichts nötigen."
"Sehr nett von dir, Dari."
Ich sehe wie sich Darians Körper bei dem Spitznamen leicht anspannt, "Immer gerne Joel, wenn du sonst noch was hast können wir gerne in meinem Büro darüber reden."
"Nur keine Umstände, ich würde es allerdings mehr bevorzugen...", er hebt die Stimme an und sieht zu uns, "...wenn die Menschen den Raum hier jetzt verlassen würden."
Ein Zucken geht durch die Männer und nach ein paarmal blinzeln, haben sie wieder einen klaren Blick. Aber sie wirken nicht darüber verwundert, wie sie mit mir so stehen. Scheinbar haben sie doch einiges mitbekommen, zumindest das Körperliche. Nach einem Zischen dreht sich Darian zu uns, "seid so gut und kümmert euch um das Lager."
Unauffällig will ich mich den Männern anschließen, aber da höre ich wieder Joels Stimme, "Lilly Schatz. Du bleibst auch hier."
Als wäre es sein Club, lässt sich Joel auf eine der Lounge Sofa fallen, einen Arm lässig über die Lehne. Ohne große Eile geht Darian zu ihm. Geschwungene, große Hörner wachsen dabei aus seinem Kopf und ein langer kräftiger schweif mit stacheln zuckt angriffslustig hin und her, als der Dämon sich endlich auf das Sofa gegenüber vom Engel setzt. Die Luft um sie herum ist so aufgeladen, dass die Spannung auf meiner Haut prickelt.
Schnell bringe ich meine Klamotten wieder in Ordnung, besser ich bleibe an nichts hängen wenn der Sturm los geht und ich abhauen muss. Unsicher wo ich mich bei diesem Specktakel am besten positioniere gehe ich zu ihnen. Die Entscheidung wo ich mich hin setzen soll wird mir abgenommen, als sich Darians Schwanz um meine Hüfte legt und mich neben ihn zieht. Ohne den Blickkontakt zu Joel zu trenn lässt er seine Hand durch meine mittlerweile offenen, zerzausten Haare fahren.
"Lilly"
Ich zucke heftig zusammen, als Joel meinen Namen ausspricht. Sanft und süß, aber gleichzeitig so bedrohlich. Es ist ganz anders als wenn Ed das macht. Bei Ed komme ich mir vor wie ein Teenie der Blödsinn gemacht hat, aber das hier ist etwas ganz anderes. Ich habe Angst.
Noch immer kontert Joel den Blick des anderen Dämons. "Ich kann mich dunkel daran erinnern, dass wir vor gar nicht allzu langer Zeit ein intensives Gespräch darüber hatten, wann du von Menschen Energie stehlen darfst." Er löst seinen Blick von Darian und funkelt mich an. "Hätte ich vielleicht doch die Gerte benutzen sollen, um es dir verständlicher zu machen?"
Darian neben mir fängt an zu lachen. "Die Gerte, das kling aber aufregend, dass musst du mir genauer erklären meine Kleine. Was genau treibst du mit den Engeln hm?" Seine Hand wandert zu meinem Nacken. Mit festem druck fängt er an mich dort zu massieren, was mich winseln lässt. "Hast du vergessen, auf welcher Seite du stehst, Syrzahalya?" In einer intensiven Bewegung mit seinem Daumen spüre ich, wie er Energie auf eine seltsame Art und Weise auf mich wirkt. Meine Hörner und schweif kommen raus, auch meine Augenfarbe verändert sich.
"Syrzahalya?", wiederholt Joel, wobei er die Dämonische Aussprache perfekt kopiert. "Das ist also dein richtiger Name?"
Ich versuche die blicke zu beiden Männern zu vermeiden. Was zur Hölle wird das hier?
"So nah steht ihr euch also doch nicht?" Darian zieht mich näher zu sich, so dass ich fast auf seinem Schoß sitze.
"Näher als dir."
"Ach wirklich?" Der Dämon beugt sich näher zu mir, den Blick weiterhin auf Joel gerichtet. "Dann weißt du ja, wie gut die Kleine sich anfühlt." Er zieht mich in einen tiefen, intensiven Kuss. Seine Hand greift besitzergreifend um meinen Hintern und drückt feste zu, so dass ich nach Luft schnappen muss. Mit der anderen Hand hält er mich im Nacken fest. Wieder erobert seine Zunge meinen Mund. Nur diesmal lässt er keine Energie in mich fließen. Das hier ist nur, um zu zeigen, dass er mit mir machen kann was er will. Nicht das ich denke, dass ausgerechnet sowas Joel Provozieren könnte. Bis ich ohne Vorwarnung von Darian weg gerissen werde. Unsanft knalle ich auf das Sofa, auf dem eben noch Joel saß. Als ich aufsehe, sehe ich wie sich Joel über den Dämon beugt, silbern schimmernden Flügel weit ausgebreitet, eine Hand an Darians Kehle in der anderen ein Schwert. Die Klinge in Silber, blauen Flamen direkt auf Darians Gesicht gerichtet, auf dem noch immer dieses überhebliche Grinsen ist.
"Mach das noch einmal Dari und du hast die längste Zeit deine Hände und Zunge gehabt."
Ein spöttisches Lachen kommt von Darian, "was für eine Drohung. Seit wann mischen sich Engel in die Angelegenheiten unter Dämonen ein?"
"Bei der geringen Dämonischen Energie ist sie mehr Mensch als Dämon und somit wieder in meinem Aufgabenbereich."
"Du legst dir die Dinge gerne so aus wie sie dir gerade passen was Joel. Die kleine muss ja ein verdammt guter Fick sein wenn du dich so für sie einsetzt."
"Wie gut sie ist, wirst du nicht herausfinden mein Lieber, dafür werde ich sorgen."
"Teilen ist nicht so deine Stärke was?"
"Oh ich bin sehr gut im Teilen." Langsam richtet sich Joel auf und in seiner zweiten Hand erscheint ein weiteres Flammendes Schwert. "Dann lass mal hören, in wie viele Stücke soll ich dich teilen?"
Darians Hand zuckt und Rasiermesser Schafe Klauen kommen zum Vorschein.
Wir alle fahren zusammen, als mein Handy anfängt zu klingeln. Panisch greife ich in meine Jackentasche. Es ist die Nummer vom Laden.
"J…Ja?"
"Alles gut bei dir Lilly? Wo bist du?", höre ich Anitas besorgte Stimme.
"Ich eh... im.. noch im Club... mein.. mein anderer Mittbewohner ist auch hier.. eh.. ich eh..."
"Mittbewohner?", Darian lacht wieder, "du hast dich bei Engeln einquartiert?"
"Er... er bringt mich in den Laden zurück." Fragend sehe ich zu Joel und hoffe so ein Blutvergießen vermeiden zu können. Vor allem, da wenn die beiden ernsthaft aufeinander losgehen, das ganze Gebäude vermutlich in Schutt und Asche gelegt werden würde. Meine Fluchtchancen wären auch nicht gerade gut. Seid Joel mich von Darian weg gezogen hat ist die Energie so schwer, ich kann mich kaum bewegen.
Nach einem langen mahnendem Blick Richtung Darian, gibt Joel dann doch nach und die Schwerter verschwinden wieder. Auch Darians Hand entspannt sich wieder. Erleichtert Atme ich auf.
-
So nach längerer pause bin ich wieder in den Schreibfluss gekommen. Erstmal ein entspanntes Kapitel, um wieder rein zu kommen, bevor ich dan nächste woche ein etwas spannenderes Kapitel habe. ich wünsche wie immer viel Spaß beim lesen und freue mich über jeden Kommentar.
Kapitel 14Genüsslich nippe ich an meinem Kaffee, während ich ein Prospekt durch Blättern. Wir hatten nur zwei Kunden heute und sonst nichts zu tun. Ich gähne herzhaft und sehe zur Uhr, wo die Zeiger in Zeitlupe voran kriechen. Anita erwidert mein Gähnen während sie etwas auf ihrem Handy spielt.
"Ich habe gerade richtig Lust die ersten Adventskränze zu machen", murre ich.
"Nicht so kurz nach St. Martin", murmelt Anita.
"Mir ist langweilig."
"Dann Feg durch den Laden."
Ich werfe ihr einen genervten Blick zu, mein Energie Level ist dank der Engel wieder gegen null. Ich bin nur noch Müde. Ohne Kaffee würde bei mir gar nichts mehr laufen. Zum Glück ist Katja meine Kaffee verbündete geworden und versorgt mich jeden Morgen mit Kaffee, so dass ich nur einmal, in meiner Pause, beim Bäcker was holen gehen muss.
Ich lege meinen Kopf auf die Theke und mache die Augen zu. Gerade als ich in dem Übergang von wach zu schlafen bin, klingelt mein Handy. Mit einem Schrei schrecke ich hoch und Anita fällt vor Schreck fast das eigene Handy aus der Hand. Mit rasendem Herz greife ich nach meinem Gerät. Auf dem Display steht Katja.
"Ja?", begrüße ich sie, nachdem ich auf Annehmen gegangen bin.
"Hallo Lilly, ich hoffe ich störe nicht." Sie klingt etwas gestresst.
"Nein, nein, alles gut, hier ist tote Hose."
"Ah, gut. Du ich stecke etwas in der Klemme."
"Was ist denn?"
"Emilia hat heute Musikschule. Aber mir ist gerade aufgefallen, dass ich genau um die Zeit einen Termin habe, den ich nicht schon wieder verschieben kann. Darum wollte ich dich fragen, ob ich Emilia zu dir in den Laden bringen kann. Von dort aus kann sie zur Musikschule laufen, das ist nicht weit."
"Muss ich fragen, warte kurz."
Ich richte mich an Anita und erkläre ihr Katjas bitte.
"Um wie viel Uhr wäre das?", fragt Anita.
Um nicht später alles wiederholen zu müssen, mache ich den Lautsprecher an. "Um wie viel Uhr?"
"Die Musikschule fängt um 17:00 Uhr an und geht bis 18:00 Uhr, aber ich muss um 16:30 Uhr los. Also wäre Emilia eine Halbe stunde bei dir im Laden."
Anita nickt und gibt ein ok Zeichen.
"Ist ok, aber nur wenn du noch etwas Kaffee mitbringst", nutze ich die Gelegenheit.
"Super, danke, danke." Im Hintergrund häre ich Emilia vor Freude auf quietschen.
Nachdem ich aufgelegt habe, sieht Anita nachdenklich die Uhr an. "Eigentlich können wir auch früher zu machen. Wir haben beide genug Überstunden und heute Abend kommt sowieso niemand mehr in den Laden."
Ich nicke zustimmend. "Dann kann ich Emmi zur Musikschule begleiten." Und während ich auf sie warte kann ich vielleicht noch irgendwen finden, dem ich etwas Energie entziehe. Ob ich Ed Bescheid geben sollte? Besser nicht, sonst kommt er vielleicht noch mit. Aber wenn ich nichts sage bekomme ich ärger. Es wird bestimmt reichen, wenn ich ihm eine viertel Stunde vor, eigentlichem Ladenschluss schreibe gebe.
Kurz vor halb geht die Ladentür auf und Emmi und ihre Mutter kommen rein.
"Vielen Dank Lilly, du bist wirklich meine Rettung", sagt Katja, als sie mir eine Thermoskanne mit Kaffee überreicht."Kein Ding"
Emmi steht mit einem Breiten grinsen im Laden und nachdem Katja gegangen ist, will sie alles im Laden erkunden und erfahren. Ich zeige ihr unser Lager und das Büro, dabei leuchten ihre Augen, als würde ich ihr eine geheime Schatzkammer zeigen. Als sie dann wenig später mit meiner Arbeitsjacke, auf dem Stuhl hinter der Kasse sitzen darf, wirkt sie wie das Glücklichste Kind der Welt. Sie bittet mich ein Foto zu machen, was ich dann an ihre Mutter schicke.
Als wir dann anfangen den Laden zu schließen, versucht sie uns so gut es geht zu helfen und darf auch bei der Abrechnung zu sehen.
"Lilly", beginnt Emmi, als wir auf dem Weg zur Musikschule sind, "wen ich groß bin, will ich auch in einem Blumenladen arbeiten."
"Ist das so?" Ich grinse sie an. Sie ist süß.
"Hörst du mir gleich zu?"
"Was meinst du?"
"Bei der Musikschule. Wir proben ein Stück. Es wäre so toll, wenn du das anhörst."
"Em ich… eigentlich wolle ich eh..."
"Oh bitte, bitte. Drinnen ist es auch schön warm und bestimmt macht dir Francois auch einen Kaffee."
"Francois?"
"Mein Musiklehrer."
"Ein Mann?"
"Ja."
"Und... hat er eine... Freundin oder Frau."
Verwirrt sieht Emilia zu mir hoch, "eh... ich glaube nicht. Warum."
"Ach eh... ich... eh... wenn er mir Kaffee macht und eine Freundin hätte... eh... nicht das er ärger bekommt..."
"Wieso soll er denn dann Ärger bekommen?" Plötzlich leuchten ihre Augen auf, "willst du mit ihm Romantisch werden?"
"Wo hast du das denn schon wieder her?"
"Mama liebt Romantische Sachen im Fernseher, wenn die Händchen halten und sich Küssen."
"Ach so"Erwartungsvoll sieht sie mich an. "Und willst du mit Francois romantisch werden?"
"Keine Ahnung, ich weiß doch nicht mal, wie er aussieht."
"Das ist doch egal wenn es um Romantik geht."
"Nein ist es nicht."
"Du bist ganzschön Oberflächlich."
Wo hat sie das Wort schon wieder her? Aber um ehrlich zu sein, hab ich wirklich keine Ahnung von Romantik, ich will nur das eine, um an die Energie zu kommen, die mir ermöglich unter Menschen zu leben.
Erleichtert atme ich auf, als wir endlich das Gebäude erreichen und ich dem komischen Gespräch entkomme. Ein altes schiefes Fachwerkhaus, mit einem alten Schild auf dem der Name der Musikschule steht. Die Tür steht offen und auch andere Kinderstimmen sind zu hören. Wir gehen rein. Der muffige Geruch von altem Holz kommt mir entgegen. Wir stehen in einem engen Raum, mit alten Werkbänken und verschiedenen mit Instrumenten, die offensichtlich repariert werden. Alte Holzregale, die bis unter die schiefe Decke reichen, säumen die Wände. Auch die Holzdielen am Boden sind durch die Zeit stark verbogen und lassen große ritzen frei.
Emilia führt mich durch das Chaos zu einer Tür, die genau so schief ist, wie der Rest. Bin ich irgendwo falsch abgebogen und hab eine Zeitreise gemacht? Sicherheitshalber drehe ich mich zur Tür, um nach draußen zu sehen. Nein, keine Zeitreise, der Rest ist noch aktuell, nur das Haus scheint in einer anderen Zeit zu stecken. Ob es hier drinnen fließendes Wasser gibt?
Ich Stolper über zwei Stufen und komme in einen Raum, der vollgestellt ist mit den verschiedensten Instrumenten. Jeder Centimeter wurde hier genutzt. Unter einem kleinen Fenster, was unbedingt mal wieder geputzt werden muss, erahne ich ein Sofa, das ebenfalls mit Instrumenten vollgestellt ist. Am Ende des Raums ist eine weitere schiefe Tür. Mehrere Kinder stehen in einem einigermaßen freien Raum und packen ihre Instrumente aus. Auch zwei Eltern sind noch da. Eine Mutter verabschiedet sich gerade von ihrem Kind, während eine andere bei einem Klavier mit jemanden redet. Vermutlich der Musiklehrer, aber von meiner Position aus sehe ich nur ein Bein, in einer schwarzen abgenutzten Jeans.
Emilia steht bereits bei den anderen Kindern und ein kleiner Kreis hat sich gebildet. Zwar flüstern die Kinder, aber ich schnappe, dank meinen Dämonen-gehör, ein paar Wortfetzen auf, "...Nachbarin... gleiche alter... Freundin... Heiraten..."
Besorgt beobachte ich die kichernden Mädchen. Gleich darauf rennt Emmi zum Musiklehrer. Jetzt kann ich ihn auch ganz sehen. Ein schlaksiger junger Mann sitzt auf dem Klavierhocker. Braune Haare sind in einem Zopf zusammen gebunden und ein Dreitagebart schmückt sein Gesicht. Seine Klamotten wirken alt und abgetragen aber dennoch nicht schmutzig.
Durch das Kichern der anderen Mädchen bekomme ich nicht mir, was Emmi mit ihm bespricht. Ich sehe nur wie Francois ein paarmal nickt und zu mir sieht. Gleich darauf kommt Emmi zu mir gerannt.
„Was hast du ausgefressen?"
Sie grinst mich breit an, „Francois findet es toll, dass du uns gleich bei unserer Probeaufführung zu hörst."
„Hey, ich habe nie zugestimmt das zu machen", protestiere ich.
„Wir spielen uns schnell ein und dann Spielen wir dir das vor", ignoriert sie mich.
„Sie können kurz im Vorraum warten", erklärt Francois, mit erstaunlich angenehmer Stimme vom Klavier aus, woraufhin eins der Mädchen zu ihm rennt und anfängt auf ihn ein zu reden. Francois sieht ein paarmal von ihr, zu mir und wieder zurück, als er dann aufsteht und zu mir kommt.
„Wir schaffen das schon, lasst euch Zeit", ruft uns eins der Mädchen zu.
Versuchen die uns etwa zu verkuppeln? Andererseits ist das gar keine schlechte Idee. Ich hätte eine Stunde Zeit den Kerl wenigsten zu einem Kuss zu bringen. Er wirkt nicht wie ein überheblicher Weiberheld. Bestimmt wird er sich so über etwas Aufmerksamkeit, von einer Jungen attraktiven Frau wie mir freuen, dass er mir schon nach zehn Minuten zu Füßen liegt. Francois führt mich in den Nebenraum und ich höre eines der Mädchen noch rufen, „biete ihr was zu trinken an."
Francois murmelt etwas und geht weiter zum Sofa und räumt mir eine Stelle frei.
"Möchtest du etwas zu trinken?", stellt er brav, was die Mädchen ihm aufgetragen haben.
"Ein Kaffee wäre toll."
"Ich habe nur Tee da."
"Dann nehme ich Wasser."
Er nickt und geht die Treppe neben der Tür hoch. Jede Stufe quietscht und auch die Dielen geben Geräusche von sich. Ein paar Instrumente höre ich aus dem neben Zimmer. Die kleinen üben wohl wirklich. Jetzt liegt es an mit aus der Situation das Beste zu machen. Mein Wollpullover ist zwar nicht die beste Flirtgrundlage, aber ich befreie meine Haare aus dem Zopf und versuche sie so sexy wie möglich zu arrangieren.
Als Francois wieder kommt, tue ich so, als würde ich seine Instrumentensammlung bewundern.
"Gehören die alle dir?"
"Ja"
Die einsilbige Antwort spricht nicht für viel Interesse an einer Konversation aber ich gebe nicht so schnell auf. "Das war doch bestimmt ziemlich teuer."
"Alle zusammen sind schon ziemlich teuer aber meine Familie ist schon über mehrere Generationen Musiklehrer und Musikinstrumentenbauer. Das alles hier sind Erbstücke so zu sagen."
Na also, geht doch. Ich lasse meinen Blick wieder über die Instrumente schweifen.
"Kannst du denn auch alle spielen?"
"Zwar nicht perfekt aber die Grundlagen beherrsche ich alle."
"Das ist sehr beeindruckend."
Er winkt ab, "ich spiel schon seit meiner Kindheit." Dass er sich trotzdem geschmeichelt fühlt erkenne ich daran, dass er verlegen ein paar Haare aus dem Gesicht streicht. Wir machen Vorschritte.
"Hast du ein Lieblingsinstrument?"
"Oboe", antwortet er direkt.
"Eine was?"
"Eine Oboe. Du kennst dich nicht sehr gut mit Instrumenten aus oder?"
Ist das jetzt ein Angriff? Ich versuche es mit einem verführerischen lächeln ab zu tun, "ach ich habe es mehr so mit Blasinstrumenten", schnurre ich.
"Eine Oboe ist ein Holzblasinstrument", bekomme ich ganz trocken mitgeteilt.
"Oh..." ich sehe weg. Das läuft ja super... "ich meinte… die anderen Blasinstrumente..."
"Posaunen und Trompeten habe ich leider nicht an zu bieten. Ich habe mich mehr auf Holzinstrumente beschränkt."
"Das... dass sehe ich eh... ich bin nur..." Ich sehe mich um und überlege, wie ich das Thema wechseln kann, "em... dürfte ich denn mal ein Instrument ausprobieren?"
Irgendwie wirkt er etwas genervt, „such‘ dir eins aus."
Ich überlege bei welchem Instrument er mir näher kommen müsste um mir zu helfen, "wie wäre es mit einer Geige?"
"Das ist ein Streichinstrument."
"Ich weiß."
"Ich meine, weil du meintest du hast es mit Blasinstrumenten."
"Ja..."
Ich will in eine Kneipe mit betrunkenen Männern, die ich nicht erst verbal von mir überzeugen muss.
Er zuckt mit den Schultern und holt einen schwarzen Koffer aus dem Regal. Im Koffer ist eine rot braune Geige, die er schnell für mich Stimmt.
"Hier." Er reicht mir das Instrument und hilft mir dabei es richtig zu halten. Beim Halten vom Bogen berühr er mich das erste Mal, als er meine Finger richtig positioniert.
"Streich einfach mal über die Seiten, nicht zu fest oder zu sanft. Versuch erstmal nur eine Seite zu treffen."
Vorsichtig lege ich den Bogen auf eine Seite, unsicher wie viel Mühe ich mir geben soll. Wenn ich mich schlecht anstelle, kann ich ihn vielleicht dazu bringen es mir ganz genau zu zeigen. Aber andererseits scheint er schon ziemlich genervt zu sein, wenn ich jetzt zeige, dass ich etwas drauf habe, könnte er beeindruckt sein und sich wieder öffnen.
Ich atme tief durch und lasse den Bogen über die Seiten streichen. Ein unangenehm kratzendes Geräusch erklingt, erschrocken halte ich die Geige von mir weg. Francois Blick zeigt deutlich, dass er mit nichts anderem gerechnet hat.
"Versuch es nochmal, mit weniger druck."
"Lieber nicht, das Geräusch war ja grässlich." Ich halte ihm das Teil hin. "Wer mag den so ein Klang?"
"Niemand, so sollte es sich auch nicht anhören."
Ohne zu zögern legt er sich die Geige unters Kinn und lässt den Bogen über die Seiten streichen. Ich will mir schon die Ohren zu halten, als ein sanfter Klang ertönt. Gemächlich zieht Francois den Ton in die Länge, lässt ihn den Raum füllen. Der Bogen gleitet zurück und ein neuer Ton füllt den Raum. Mit großen Augen beobachte ich, wie der Musiker die schönsten Geräusche aus dem Instrument her aus holt.
"So sollte es klingen", meint er überheblich, als er das Vorspiel beendet.
Das kann ich allerdings nicht auf mir sitzen lassen. Ich nehme das Instrument von ihm und halte es genau wie er. Wenn ich etwas habe, was überaus gut ist, dann meine Augen und meine Ohren und ich habe genau beobachtet wie er gespielt hat. Nach zweimal Streichen mit dem Bogen, habe ich raus welchem druck ich aufwenden muss. Ich kopiere seine Fingerhaltung und spielenach was er vorgemacht hat. Es klingt zwar nicht so sauber wie bei ihm, aber sein überraschter Gesichtsausdruck ist Genugtuung genug für mich.
"Erstaunlich, was du kannst, wenn dein Ego angekratzt ist", erklingt Eds stimme hinter mir. Vor Schreck wäre mir fast die Geige aus der Hand gefallen.
"Scheiße was machst du hier?", fauche ich etwas aggressiver als gewollt.
"Ich bin eben Anita begegnet, sie hat mir dann erklärt, dass ihr den Laden früher zu gemacht habt und du Emilia mit zur Musikschule begleitest." Sein Blick zeigt deutlich, was er davon hält, es auf diese Weise zu erfahren.
"Ihr kennt euch?" Wendet sich Francois zu Ed.
"Ja, sie wohnt vorrübergehend bei mir und Joel."
"Edward", flüstert es von der anderen Tür und ich sehe, dass Emilia und die anderen Mädchen durch den Türspalt gucken. Sie winken den Engel zu sich, "du störst."
"Ich störe?"
"Ja", Emilia wird nochmal leiser, "wir versuchen die zu verheiraten."
"Nein, die müssen erst Freund und Freundin werden", wiederspricht ihr ein anderes Mädchen.
"Habt ihr nicht gesagt ihr wollt euch darauf vorbereiten, dass sie euren Probeauftritt hört?", ermahnt sie Francois.
"Jetzt nutzt du schon Kinder aus?", flüstert mir Ed zu.
Abwehrend hebe ich die Hände, beziehungsweise die Geige, die ich noch immer in der Hand habe.
"Das war nicht meine Idee, Emmi hat damit angefangen."
Wieder dieser abschätzende Blick.
Wenig später bekommen Ed und ich dann von den Kindern das Stück, für dass sie geübt haben vorgespielt. Alle bekommen ein Lob von Ed und scheinen dadurch noch motivierter zu sein als zuvor.
Kurz darauf treffen die Eltern ein und holen ihre Kinder ab. Als Francois sich von Ed und mir verabredet wirkt er mir gegenüber etwas weniger distanziert und bietet mir auch an, mir Geigen Unterricht zu geben, wenn ich Interesse habe. Auch erwähnt er, dass ich sehr talentiert zu sein scheine. Als ich dies für einen weiteren Flirt versuch nutzen möchte unterbindet Ed es leider direkt.
Zuhause angekommen liefern wir Emmi bei ihren Eltern ab."Vielen Dank Lilly, du hast mir sehr geholfen", bedankt sich Katja schon wieder.
"Alles gut."
"Lief denn alles gut?"
"Ja, Emmi war sehr brav und hat auch viel geholfen."
Eifrig nickt Emmi, "ich durfte auch helfen den Laden zu zumachen und hab die Tür ab geschlossen."
"Das ist ja toll und wie war die Musikschule?", fragt Katja.
"War ok. Wir haben versucht das Francois und Lilly ein paar werden aber Lilly ist leider nicht so gut im Romantisch sein."
"Bitte was?", ich sehe empört zu Emmi, während Ed ein kichern unterdrückt.
"Du hast nur über Musik mit ihm geredet. Es ist nicht Romantisch mit jemanden über Blasinstrumente zu reden."
Das haben die mitgehört? Ed fängt an laut los zu lachen und auch Katja fängt an zu lachen. Ich hingegen laufe rot an und Emmi versteht offensichtlich nicht was hier so lustig ist.
"Hey, was ist hier so Lustig? Ich will mitlachen", kommt es jetzt noch von oben, wo Joel über das Geländer zu uns runter sieht.
Ed versucht ihm zu erklären, worum es geht aber bei seinem Lachen und Kichern kommen nur unverständliche Wortfetzen raus. Mit Scharmes geröteten Wangen rausche ich die Treppe hoch und verkrieche mich in meinem Zimmer.
"Willst du nichts essen?", höre ich Joel noch hinter mir her rufen aber da habe ich schon die Tür hinter mir zu geknallt.
Einige Zeit später klopft es an meiner Tür und ich höre Eds stimme "hey Lilly, bist du noch sauer?"
Ich antworte nicht.
"Kann ich reinkommen?"
"Bleibst du draußen wenn ich Nein sage?"
"Lilly komm raus, ich hab hier einen Teller mit Essen für dich aufgehoben", versucht mich auch Joel raus zu locken.
Als ob ich so einfach zu überzeugen wäre. Mein knurrender Magen macht es allerdings schwere. Ich gebe also doch nach und komme aus meinem Zimmer. Schmollend setze ich mich an den Tisch und stopfe das viel zu leckere essen in mich.
"Was war den los?", fragt Joel nochmal.
Da ich den Mund voll habe antwortet Ed für mich, "sie hat versucht Francois rum zu kriegen und dabei wohl ziemlich plump geflirtet."
Sofort grinst Joel blöd, "was denn hast du ihn gefragt ob du mal auf seiner Flöte spielen darfst?"
Ich Funkel ihn böse an, während er über seinen eigenen Witz lacht. Auch Ed kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen.
"Aber warum warst du jetzt so eingeschnappt?", fragt Joel nachdem er aufgehört hat zu lachen, "weil Francois nicht mit geflirtet hat oder weil sich Ed darüber lustig gemacht hat?"
"Alles", knurre ich zwischen zwei bissen.
"Irgendwie süß." Ich Funkel jetzt Ed böse an. "Wenn du mit essen fertig bist hab ich etwas zur Wiedergutmachung für dich", meint er dann besänftigend.
Fragend sehe ich zu Joel der mit einem Schulterzucken antwortet.
Ich bringe den lehren Teller in die Küche, woraufhin Ed mich zu seinem Zimmer führt.
"Was denn, du erlaubst mir in dein Zimmer zu kommen?", frage ich skeptisch als er mir deutet mit rein zu kommen, "keine Angst das du dadurch verdorben wirst?"
"Was soll denn mit mir passieren, wenn ich verdorben werde?"
"Keine Ahnung. Schmutzige Gedanken?"
Joel fängt an zu husten, als er sich beim Versuch ein Lachen zu unterdrücken verschluckt. Von Ed bekomme ich den typisch mahnenden Gesichtsausdruck.
"Vielleicht überlege ich mir das mit der Überraschung nochmal."
"Schon gut, schon gut."
Ich gehe in sein Zimmer. Es ist um einiges größer als meins und wie nicht anders zu erwarten, perfekt aufgeräumt. Auf der einen Seite ist ein großes Bücherregal und ein Kleiderschrank und auf der anderen ein erstaunlich großes Bett mit weiß, hellblau gestreifter Bettdecke. Ich stutze als ich eine braune Geige auf dem Bett liegen sehe.
"Du hast heute das erste Mal auf einer Violine gespielt, oder?", fragt mich Ed.
"Em... ja, hab ich."
"Es ist nicht einfach so schnell ein Gefühl für den Bogen und die Seiten zu bekommen." Er nimmt das Instrument und geht damit in Position. "Es dauert Jahre richtig damit zu spielen und noch länger um es zu perfektionieren." Er beginnt zu spielen, ganz anders als Francois entlockt er der Geige Töne die mir eine Gänsehaut verpassen. Bis er sie absengt. "Ich denke du solltest das weiter üben und dafür würde ich dir gerne meine Violine geben." Er hält sie mir hin.
Ich starre auf das Instrument. "Ich... ich weiß nicht, ob ich..."
Mit einem sanften Lächeln drückt Ed mir die Geige in die Hand. "Denk einfach mal darüber nach und wenn du möchtest können Joel oder ich dir gerne beim Noten lernen helfen."
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Zunächst mal zum Laternenbastel-Teil.
Vielen lieben dank, das freut mich sehr. Ich finde es auch schwer. Im kopf weiß ich welche gefühle ich rüber bringen möchte und wenn ich es lese habe ich die auch direkt, weil ich ja weiß wie ich mich fühlen soll. Das du und andere das aber auch so empfinden zeigt, das ich es geschaft habe, das freut mich sehr.
Eine Sache an der ich dennoch hängen geblieben bin ist das „ha ha“ in der wörtlichen Rede.
Ja, da habe ich auch lange mit mir gerungen. Weglassen ist denke ich auch besser.
Sehr schön. Manchmal habe ich ja das Gefühl, der kleine Dämon ist eigentlich der Engel und die Engel sind miesgelaunte, gebieterische Teufel.
Haha, ich denke das kommt immer auf den sichtpunkt an. Die meisten Kinder würden das auch über ihre Eltern sagen, die sich nur auf ihre art kümmern.
vorher hieß er Tom?
Ups... ja
Hier benutzt du dasselbe Bild noch einmal.
Sie meint auch beim ersten mal Nemo. Ich wollte einen kleinen "spannungsbogen" reinbringen und das dann mit der erklärung an Katja auflösen. Das muss ich wohl nochmal überarbeiten, damit es klarer ist...
Allerdings ... so langsam wird das Spielchen etwas vorhersehbar.
Es soll auch vorhersehbar sein, aber eigendlich nicht langweilig, oder zu nervig. Mehr wie ein running gak.
Es wäre schön, wenn das Muster nicht ständig identisch ablaufen würde, sondern da auch mal eine Veränderung eintreten könnte.
Ich werde es versuchen
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So, es ist soweit, St. Martin. ich hoffe euch macht es spaß zu lesen. ich kann es kaum erwarten, eure mienungen zu lesen.
Kapitel 13
"Wie viel willst du dir noch anziehen?", fragt mich Joel, während ich mir einen zweiten Schal umlege.
"Genug um nicht zu erfrieren."
"Du wirst mit etwas weniger auch nicht erfrieren, schließlich gibt es später ein großes Feuer, an dem du dich wärmen kannst."
"Ich will trotzdem nicht frieren." Ich nehme die Handschuhe, die ich auf den Tisch gelegt habe.
"Du übertreibst.""Ist das dein Problem?"
"Ja, ich lauf schließlich neben dir her."
"Dann halt eben abstand."
"Damit du besser Blödsinn machen kannst? Nein ich bleibe ganz nah bei dir, Schatz."
Ich roll mit den Augen, "als ob ich..."
Ein klopfen an der Tür unterbricht unsere Diskussion. Ein Blick auf die Uhr macht klar, dass das nur Emilia sein kann. Sie hat versprochen mich ab zu holen und ist, wie Joel vermutet hat, 10 Minuten zu früh dran.
Mit einem breiten Grinsen steht sie da. "Du bist schon angezogen!" Sie sieht zu Joel. "Kommst du nicht mit?"
"Doch, doch."
"Worauf wartest du dann noch? Schnell zieh deine Jacke an!", kommandiert sie ihn.
In aller Ruhe steht Joel auf und schlendert zur Garderobe, wo seine Jake hängt. Währenddessen springt Emilia nervös von einem Bein auf das andere. "Joel du bist doch kein alter Opa, beeil dich."
"Warum scheuchst du denn so?" Absichtlich wird er noch etwas langsamer. "Wir haben doch garkeinen Stress."
"Es wäre schon doof zu spät zu kommen", nuschle ich.
"Aufgeregt, weil es dein erster Laternenlauf ist?", neckt mich Joel.
Ich werfe ihm einen bösen Blick zu, "ja, ist das ein Problem?"
"Nein, ich finde es nur süß."
"Das ist nicht süß", knurre ich, während meine Wangen warm werden.
"Doch, ist es", zieht er mich weiter auf.
Emila sieht zwischen uns hin und her, "ist das jetzt auch schezern?"
"Nein ist es nicht!" Verteidige ich mich etwas zu laut.
"Sche- was?", fragt Joel.
"Vergiss es." Ich sehe zu Emilia, "lass uns vorgehen, der Opa braucht mir zu lange."
"Hey."
Joels Protest ignorierend schiebe ich Emilia aus der Tür. Da Emilias Eltern auch noch nicht fertig sind, setzen wir uns auf die Treppe und Emilia erzählt mir wer dieser St. Martin überhaupt ist. Allerdings verbessert Joel sie immer wieder, nachdem er sich zu uns auf die Treppe gesellt hat.
"Da seid ihr ja schon", begrüßt uns Katja. Sie kommt zu uns und hält mir einen Zettel hin, "ich hab ein paar der St. Martin Lieder ausgedruckt damit du mit singen kannst."
"Oh", ich nehme ihr das Blatt ab, "das... dass wäre doch nicht nötig gewesen..."
Joel kichert wie so oft, als er meine Unsicherheit bemerkt. "Ich freu mich schon darauf dich singen zu hören", flüstert er mir zu, als wir losgehen.
"Zu schade, dass ich die Melodie nicht kenne. Willst du es mir nicht vor singen?", schieße ich zurück.
"Da stehen zwar Noten, aber bitte", er richtet sich zu Emilia, "Emilia, Lilly möchte mit uns die Lieder üben, hilfst du mir?"
Sofort leuchten ihre Augen auf, "ja, ja."
"Nein!", kommt es gleichzeitig von Katja und Gerald.
Überrascht bleib ich stehen.
Joel kichert etwas. "Und wenn ich leise..."
"Nein", schneiden sie ihm wieder mitten im Satz ab.
Ich sehe zwischen ihnen hin und her, "singt er so schlecht?"
"Schlecht ist das falsche Wort", erklärt Katja zögerlich.
Gerald lehnt sich zu mir, "glaub uns einfach, du willst ihn nicht singen hören, für dein eigenen Seelenheil."
Katja nickt zustimmend.
„O... Okey.“ Ich sehe zu Joel, der noch immer kichernd neben mir her geht. Bestimmt ist das wieder irgendeine himmlische Gabe, die er beim Singen hat. Aber Emilia läuft zu dicht neben mir als das ich fragen könnte.
Während wir gehen kommen immer mehr Eltern mit ihren Kindern, mit ihren gebastelten Laternen. Ich habe den Umzug zwar schon mal beobachtet, aber ein Teil davon zu sein, fühlt sich doch ganz anders an. Je dunkler es wird, desto heller leuchten die Laternen auf. Es hat etwas Magisches. Die Lichter wirken so schwach und verwundbar aus. Sie wecken das verlangen in mir, sie beschützen zu wollen.
"Guck mal guck mal", ruft Emilia aufgeregt und zieht an meinem Arm, "da hinten, das ist St. Martin, der Mann auf dem Pferd."
Ich folge ihrem Fingerzeig. Ein Mann mit einem altmodischem Helm und einem langen, roten Umhang, sitzt auf einem braunen Pferd. Als ich diese Aufmachung vor Jahren das erste Mal gesehen habe fand ich es albern, aber jetzt wo ich weiß für was er steht. Die Geschichte berührt mich mehr, als sie es sollte. Vermutlich weil ich weiß wie sich der Bettler gefühlt haben muss. Wartend, hoffend auf jemanden der einem die Hand hinhält, der einem nur für einen kurzen Moment das Gefühl gibt nicht egal zu sein. Wehmütig erinnere ich mich an den Moment als ich den kennenlernte, der sowas wie mein St. Martin war.
Ich bin so in Gedanken, dass ich die Energie eines anderen Dämons erst merke, als er direkt hinter mir ist. Alarmiert drehe ich mich um.
"N... Nemo."
"Jo."
"Was... was machst du hier?""Naja. Ich habe den Umzug beobachtet und dann habe ich plötzlich das Gesicht von jemanden gesehen, der sich eigentlich jedes Jahr aufs Neue über die Idioten lustig macht, die mit ihrem Lichtchen unterwegs sind. Und da dachte ich: Ich sehe mal nach, ob es besagter Person gut geht." Er hält seine Hand gegen meine Stirn. "Hmm... Fieber hast du keins."
Ich drücke seine Hand weg.
"Findest du es doof mit mir mit zu gehen", fragt Emilia die an meiner Hand geht.
Erschrocken sehe ich runter, "was? Nein. Ich.... ja ich fand es eigentlich albern aber..." ich wende meinen Blick verlegen ab, "das war bevor mir eine tolle, kleine Freundin gezeigt hat, wie viel Spaß es macht zu Basteln und hier mit zu gehen."
Vor lauter Begeisterung strahlt Emilia fast schon heller als die Laternen.
"Ach und für deinen mich hattest du keine Zeit eine Laterne zu machen", schmollt Nemo.
"Sei nicht traurig." Joel legt kumpelhaft seinen Arm über Nemos Schulter. "Ich habe auch keine bekommen."
"Du bist echt gemein Lilly."
"Wollt ihr mich verarschen?", knurre ich.
"Hey", kommt es von beiden und sie deuten auf Emilia, was ihnen einen weiteren bösen Blick von mir einbringt.
"Nicht Ärgern Lilly", tröstet mich Emilia, "wenn die eine Laterne wollen, müssen die sich selber eine basteln."
"Da hast du Recht", stimme ich ihr zu.
"Wie Herzlos", meint Joel.
"Richtig grausam", bestärkt Nemo.
"Schön, dass ihr einer Meinung seid."
In gespielter theatralisch lehnen sich die Männer an einander und machen schluchzende Geräusche. So kindisch, aber es bringt mich zum Schmunzeln. Erst jetzt wird mir bewusst, dass Joel Nemo berührt und nicht nur zufällig. Die Berührung ging sogar von ihm aus. Also stört es ihn gar nicht Dämonen zu berühren, wie ich es vermutet habe. Plötzlich geht mir ein Licht auf. Ich habe ihn noch nie beobachtet, wie er eine Frau anfasst. Die Frau in der Sauna hat er links liegen lassen, obwohl sie, wie ich gestehen muss sehr attraktiv war. Auch bei der Halloween Party hat er sich nicht mal etwas auf die Flirts der beiden Zicken eingelassen. Auch wenn ich das nachvollziehen kann. Aber das er nicht darauf eingeht, weil er nicht auf Frauen steht. Das mir das noch nicht früher aufgefallen ist...
"Was ist das?"
Ich brauche einen Moment um zu verstehen, dass Nemo auf das Blatt in meiner Hand deutet.
"Das sind die Texte von den St. Martin Liedern, damit Lilly mit singen kann", erklärt ihm Emilia.
Nemo nickt und nimmt mir das Blatt ab, um es zu lesen.
"Willst du mitgehen?" Deute ich seine Geste.
Er zuckt mit den Schultern "Joa, hab sonst nichts zu tun. Auch wenn ich Laut nicht mag."
"Laut?", wiederhole ich, als wie um Nemos Aussage zu bestätigen beginnt ein Musikgruppe. Durch die Lauten Trompeten und klirrenden Instrumente, zucke ich heftig zusammen und halte mir die Ohren zu. Auch Nemo schützt seine Ohren mit seinen Händen und Mario beginnt zu weinen und klammert sich an seine Mama.
"Ist es in Ordnung für euch, wenn wir mit etwas Abstand zu der Musik laufen?", erkundigt sich Katja, bei uns als sich St. Martin in Bewegung setzt und die Musikgruppe, als auch die Menschen ihm folgen.
Sofort nicken Nemo und ich zustimmend. Nachdem die Musik so weit weg ist, dass sie ertragbar ist lassen auch wir uns vom Strom mit reißen. Nur Mario weint noch. Er tut mir leid, weil er sich so erschreckt hat.
Nemo geht neben Katja und beginnt das Lied, was wohl gerade gespielt wird mit zu singen. Seine klare, warme Stimme dringt zu dem weinenden jungen durch und als ich ihm zusätzlich noch meine Laterne gebe, beruhigt er sich wieder und lächelt sogar.
"Vielen Dank ihr zwei", richtet sich Katja an uns. Erst jetzt bemerkt sie, dass sich Nemo unserer kleinen Gruppe angeschlossen hat. "Irgendwie kommen sie mir bekannt vor."
"Oh, sorry. Ich bin Nemo, Lillys-", er richtet sich an Emilia, "bester Freund."
Sie greift meinen Arm fester und streckt ihm die Zunge raus. "Wenigstens heiße ich nicht wie ein Fisch."
Nemo zeigt auf sich, "ein cooler Fisch der im Kino lief."
Die kleine kabele bringt Katja und mich zum Lachen.
"Die meisten kennen Nemo, weil er auf der Straße Musik macht“, erkläre ich ihr.
"Also ein Straßenkünstler."
"Mehr oder weniger."
"Ist er... obdachlos?", fragt sie zaghaft. Etwas besorgt sieht sie zu ihm. Er und Emilia laufen jetzt ein Stück vor uns, neben Joel und Gerald.
Ja, aber er ist nicht gefährlich oder so." Auch ich sehe zu ihm, wie er weiter mit Emilia am Diskutieren ist, während Joel mit einem breiten Grinsen das ganze beobachtet.
"Nemo, ist... er ist nicht nur mein bester Freund, er ist sowas wie ein Bruder... oder... ich glaube wenn ich der Bettler in der Geschichte bin… ist er St. Martin."
Erst als Katja sanft meinen Arm tätschelt wird mir klar, dass ich das laut gesagt habe.
"V… vergiss bitte was ich gesagt habe..."
Sie lächelt mich sanft an, "das werde ich nicht können, aber ich kann dir versprechen, es niemandem zu erzählen."
"Das wäre toll. Danke."
Sie tätschelt mir nochmal aufmuntern über den Rücken. Emilia kommt wieder zu mir. Dank Nemo‘s Hilfe, schaffen wir es sogar einigermaßen mit zu Singen. Auch meine Laterne bekomme ich nach einer Weile wieder, als Mario einschläft und Gerald geht mit dem Schlafenden Kind zurück. Der Rest von uns geht weiter langsam mit der Masse mit. Wir schlendern zum Stadtrand, wo auf einem großen Feld ein beeindruckendes Feuer ist. Kleine Buden mit Essen und Getränken säumen den Rand und auch Feuerwehr und ein Krankenwagen sind da.
Gerade will ich mich durch die Menge zum Feuer quetschen, als Joel mich anspricht, "Lilly."
"Ja?"
Er deutet auf die Stände, "ich bin jetzt bei dem Stand da hinten, Ed helfen. Ich vertrau darauf, dass du nichts anstellst."
Ich gebe ihm einen schiefen Blick, "was soll ich den anstellen?"
"Keine Ahnung. Ins Feuer springen weil dir so kalt ist."
"So kalt ist es auch wieder nicht. Allerdings ist die Vorstellung schon verlockend."
"Lilly."
"Nur Spaß, ich benehme mich."
Er nickt und entlässt mich. Nemo und Emilia sind schon beim Feuer. In großen Menschenmassen kann ich mich dank der Clubbesuche gut bewegen und bin daher schnell bei ihnen. Wir strecken unsere Hände zum Feuer und der Gedanke, ins Feuer zu gehen, ist gar nicht so unattraktiv. Aber die Engel würden mir den Kopf ab reißen und Emilia wäre bestimmt für den Rest ihres Lebens Traumatisiert. Also lasse ich es.
Emilias Mama kommt auch zu uns und reicht ihrer Tochter ein Würstchen im Brötchen. Ich entscheide mir später auch so eins zu holen. Aber erstmal etwas warm werden.
"Was hast du eigentlich auf deinem Rücken?", fragt Emilia Nemo.
"Meinen größten Schatz."
"Und was ist das?"
"Eine Gitarre."
"Kannst du die auch spielen?"
"Ja."
"Kannst du nochmal „Ich geh mit meiner Laterne“ damit spielen."
Erst schweigt Nemo, als würde er darüber nachdenken, dann kniet er sich vor sie, "Emi so geht das nicht. Für nichts gibt es nichts. Du musst mir schon etwas geben, wenn du etwas willst."
Ich bin mir nicht sicher, ob er das nur sagt, um sie etwas auf zu ziehen.
Emilia ist offensichtlich am überlegen, was er meint. Als sie dann ihr Brötchen mit samt Wurst in der Mitte teilt und ihm die Hälfte hinhält.
Nemo nimmt ihr die Hälfte ab, "und schon gehöre ich ganz dir. Also, „ich geh mit meiner Laterne“ war das?"
Emilia nickt eifrig und Nemo nimmt wieder mein Liederblatt.
"Aber nicht hier", schmatzt er, "da hinten."
Er deutet auf ein paar Strohballen, die außerhalb der Menge als Sitz Möglichkeiten dienen sollen.
"Kommst du mit?", fragt er mich, bevor er losgeht.
Ich schüttle den Kopf, "gleich, ich hole mir vorher was zu Essen und Trinken. Ich nehme dir auch was mit."
Nemo nickt und geht mit Emilia.
Wieder wate ich durch die Menge. Zum Glück ist gerade nicht viel los und ich gehe erstmal zu dem Getränke stand. Zusammen mit zwei anderen steht Ed in dem Stand und meine Vorfreude auf einen Glühwein stirbt.
"Was soll das lange Gesicht?", spricht mich Ed an, "Joel meinte du hattest spaß."
"Hatte ich auch..." Fragen kann ich trotzdem, also nehme ich meinen Mut zusammen, "bekomme ich einen Glühwein?"
"Natürlich nicht", meint Ed sofort.
War ja klar.
Er dreht sich um, holt etwas aus einer Stofftüte und reicht mir eine Thermoskanne mit Becher "hier, das ist Ingwertee, der wird dich von innen heraus wärmen." Er holt noch etwas aus der Tüte. Ein Gebäck in Form eines kleinen Menschen. "Das ist ein Weckmann. Teil ihn doch mit jemand."
Ich starre ungläubig auf die zwei Sachen in meiner Hand. Das ist doch nicht sein ernst. Wütend funkle ich ihn an, was er jedoch nicht bemerkt, da er bereits eine andere Person bedient.
Schmollend suche ich mir einen Platz auf einem Strohball. Nicht weit weg von Nemo. Wenigstens hält der Tee meine Hände warm. Um Nemo herum, haben sich ein Haufen Kinder versammelt, die glücklich mitsingen. Auch ein paar Leute aus der Musikgruppe haben sich dazu gesellt und unterstützen ihn Musikalisch. Allerdings klingt es viel verspielter als zuvor. Nemo hatte schon immer ein Talent dafür gehabt andere von seiner Art zu begeistern. Er hat eine so lockere, vorurteilsfreie Art und strahlt eine Wärme und Geborgenheit aus. Zu schade, dass seine Eltern dieses Talent nie wertgeschätzt haben.
"Ist der Platz hier noch frei?", fragt eine Warme tiefe Stimme. Ein junger Mann mit zwei Getränkebechern steht vor mir.
"Eh, ja, klar hier sitzt noch niemand.", ich rutsch etwas zur Seite, woraufhin er neben mir Platz nimmt.
"Alleine hier?"
"Nein mit meinem Nachbarskind und einem Freund." Ich deute in Nemos Richtung und dann zu seinem zweiten Becher "Und du? Auch mit Freunden unterwegs."
"Ja, eigentlich, aber die kann ich nirgends finden. Also dachte ich. Ich ein einsamer Mann, finde bestimmt eine hübsche Frau, der ich einen Glühwein anbieten kann." Gerade will er mir den Glühwein hinhalten als er stockt. "Nur um zu bemerken, dass sie bereits versorgt ist."
Ein kurzer Blick auf die Teetasse und ich schütte den Inhalt achtlos weg. "Versorgt? Ich bin quasi am Verdursten."
Er lacht als ich seinen Becher nehme.
"Ich bin Tom"
"Lilly."
"Und deine Freunde lassen sowas bezauberndes ganz alleine hier sitzen?"
Er hält sich kein bisschen mit dem Flirten zurück.
"Ja, sie sind herzlos", gehe ich auf seinen Flirt ein, "aber zum Glück hat mich ein holder Ritter gefunden."
Auffällig unauffällig legt er seinen Arm hinter mich, auf die Strohballen lehne.
"Wenn ich der Ritter bin, bist du dann meine Prinzessin?"
"Würde dir das gefallen?", schnurre ich, während ich mich näher zu ihm lehne.
Auch er lehnt sich näher zu mir, "ja, das würde mir sehr gefallen."
Ich lächle ihn breit an, als wir uns noch ein klein wenig näher kommen.
"Tom", erklingt Joels Stimme und ich zucke zurück, "versuchst du wieder junge Frauen ab zu schleppen?"
Mit seinem überheblichen grinsen lehnt er sich über die Strohlehne.
"Erzähl mal Lilly, welchen dämlichen Anmach-Spruch hat er benutzt?"
Das kann doch nicht wahr sein. Warum zur Hölle proben sie immer dann auf, wenn ich kurz davor bin, mir etwas Energie zu holen? Machen die das mit Absicht?
Tom rollt mit den Augen, "wir haben uns nur etwas unterhalten."
"Ja klar, genau so sah es auch aus", kommt es von Ed, der vor uns stehen bleibt. Die Männer starren sich eine Weile stumm an, bis Ed ihm signalisiert, dass er abhauen soll. Was Tim auch sofort macht und Ed nimmt seinen Platz neben mir ein.
"Könnt ihr einfach so von eurem Stand weg?", knurre ich.
"Ich bin fertig mit meiner Schicht", erklärt Ed, "und Joel hat gar keine Schicht übernommen. Er wird aber beim Abbau helfen."
"Toll..." schmollend sehe ich weg und führe den Glühweinbecher an meine Lippen. Noch bevor auch nur ein Tropfen meine Lippen berührt nimmt Ed mir den Becher ab.
"Ist das dein ernst?", tadelt er mich, "da mache ich mir Gedanken darüber was ich für dich machen soll damit du nicht frierst und habe viel Honig rein gemacht, damit es dir schmeckt, aber du verschmähst meinen Tee für das Zeug?" Er deutet auf den Glühwein.
"Hast du jedem einen Vortrag gehalten, der einen Glühwein bestellt hat?"
"Nein, weil ich nicht für alle hier verantwortlich bin."
"Für mich bist du auch nicht verantwortlich."
"Solange du bei uns wohnst bin ich das."
"Ich verstehe nicht was du von mir willst, ich habe mich die ganze Woche gut benommen, da darf ich doch zur Belohnung mal ein bisschen Alkohol bekommen."
"Nur weil sich keine Gelegenheit ergeben hat, heißt das noch lange nicht, dass du dich benommen hast." Er reicht Joel meinen Glühwein. "Abgesehen davon hast du eben bewiesen das du, wenn sich dir eine Gelegenheit bietet, sofort versuchst sie aus zu nutzen."
Ich starre ihn ungläubig an, "wieso gehst du direkt davon aus, dass ich ihm Energie aussaugen wollte?"
"Beweis mir das Gegenteil und sag mir ins Gesicht, dass du es nicht wolltest."
Herausfordernd sehe ich ihm in die leuchtend blauen Augen, "ich... ich wollte... n... ni... schitt..." wütend sehe ich weck, ich hatte gehofft, wenn ich nur fest genug daran glaube, klappt es.
"Dachte ich mir."
Ich hasse ihn und ich hasse diesen überheblichen Blick. Joels dummes Gekicher macht es auch nicht besser. Ein wenig Genugtuung bekomme ich allerdings, als Joel meinen Glühwein zu trinken beginnt und Ed sich genötigt fühlt ihm ebenfalls einen Vortrag zu halten.
Irgendwann kommt Emilia mich abholen, damit ich mit ihr mitsinge und so Entkomme ich erstmal wieder Eds übertrieben Wachsamkeit. Dank seinem Talent, andere für sich zu gewinnen, ist Nemo mit Würstchen im Brötchen, Weckmännern und einigen Glühweinen gut versorgt worden. Was mein schlechtes Gewissen, ihm gegenüber vertreibt. Als Emilia dann müde wird, gehen wir Gemeinsam mit Ed zurück nach Hause.
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Vielen Dank, dass ihr es wieder Gelesen und Komentiert habt.
Nun bin ich gespannt, was sich wohl bei dem Umzug ereignen wird.
Nur keinen Druck :D. ich hoffe du bist mit der fortsetzung zufrieden.
Als der drogenumnebelte Blumenlieferant Max erscheint, verwendest du drei Mal hintereinander das Wort "freundlich".
Vielen dank, dass ist mir trotz mehrfachem lesen noch garnicht aufgefallen. ich werde das ausbesserm wenn ich den Text überarbeite.
Mein neuer Held ist Ed, der konservative Engel, der mit seinem asbachuralten Handy kämpft.
hahaha, das freut mich sehr, ich hatte auch meinen Spaß damit das zu schreiben

Ein besonders schöner Abschnitt insgesamt.
Vielen dank. ich tuh mir immer etwas schwer emotional in die Tiefe zu gehen, aber es freut mich, wenn ch das rüberbringen konnte, was ich wüberbringen wollte.
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Kapitel 12
"War das deine erste SMS?", frage ich Ed neckend, als er mich abends abholt.
Er wirft mir einen bösen Blick zu.
"Sag schon, sag schon. Bin ich dein erstes Mal? Ja, ja?"
Ein genervtes Grummeln kommt von ihm, als ich aufgeregt an seinem Ärmel ziehe, "nein, das war nicht die erste SMS die ich geschrieben habe."
In gespieltem entsetzen starre ich ihn an.
"Ein weiteres Wort von dir zu dem Thema und ich leg dich wirklich übers Knie und glaub mir, es wird kein genüssliches Vorspiel werden", faucht er.
Überrascht sehe ich ihn an. "Du weißt was ein Vorspiel ist?"
Als er stehen bleibt, mach ich einen Satz zur Seite. Meine Vorsicht lässt ihn dann doch schmunzeln und er geht weiter. Mit ein bisschen Sicherheitsabstand folge ich ihm. Mir liegen noch so viele dumme Kommentare auf der Zunge aber ich muss sie runterschlucken. Ob er mich wirklich übers Knie legen würde? Wenn wir zuhause sind muss ich Joel unbedingt nach seiner Einschätzung fragen.
"Ach ja", beginnt Ed, als wir durch die Eingangstür gehen, "ich habe die Bastelsachen nach dem einkaufen zu Katja gebracht und Emilia kann es kaum erwarten das du mit ihr anfängst zu Basteln."
"Nicht heute. Wir waren nur zu zweit und ich bin zu müde", erkläre ich ihm, während ich ihm die Treppe hoch folge.
"Wirklich zu schade dabei habe ich es ihnen schon versprochen und ich denke nicht das sie ein nein akzeptieren wird." Er geht auf Seite und ein viel zu aufgedrehtes Kind kommt zu mir gesprungen. Offensichtlich hat sie im Flur auf mich gewartet. Bestimmt hat Ed ihr auch erzählt, wann ich Feierabend habe.
Aufgeregt zieht sie an meinem Arm, ähnlich wie ich es zuvor bei Ed gemacht habe. "Ich hab schon alles vorbereitet und meine Hausaufgaben sind auch schon fertig."
Ich funkle Ed böse an, als er seinen Arm um meine Schulter legt, "Lilly kann es auch kaum erwarten. Auf dem Weg hier her, hat sie die ganz Zeit erzählt, dass sie sich sehr darauf freut, mit dir zu Basteln."
Das Kind quietscht vor Freude.
"Ist es nicht eine Sünde zu lügen?", zische ich zu Ed, so dass das Kind uns nicht hört.
Er nimmt seinen Arm von meinen Schultern und greift um meine Teile. "Machst du dir sorgen um meine Heiligkeit?", flüstert er in mein Ohr.
"Du meinst wohl ehr deine Scheinheiligkeit."
Er lacht leise. "Vorsicht Lilly." Ich spüre, wie sich seine Finger unangenehm unter meine Rippen bohren.
"He, hört auf zu scheschern!", schimpft das Kind.
"Scheschern?", wiederhole ich überrascht.
"Du meinst schäkern", korrigiert Ed, "woher kennst du das Wort eigentlich."
"Mama hat Papa Letzt gesagt, dass ihr viel miteinander schezern."
"Das tun wir gar nicht!", verteidige ich mich lautstark, während Ed sich offensichtlich darüber amüsiert. Aber wenigstens lässt er mich los und ich gehe auf Abstand. Wenn ich was wegen seinem Handy sage rastet er aus, aber so etwas findet er lustig? Stört es ihn gar nicht wenn die Leute glauben er hätte was mit mir? Einem Dämon? Oder findet er es nur lustig, das ich mich darüber Ärgere? Ich werde nicht schlau aus ihm.
Mit fragendem Blick sieht das Kind zu mir. "Ist schezern den etwas Schlimmes?"
"Es ist einfach nichts was ich mit dem da." Ich deute auf Ed. "Machen würde."
"Ach wirklich?" Ed kommt einen Schritt auf mich zu. "Erklärst du mir auch warum?"
"Nein werde ich nicht."
"Und warum nicht, ich bin doch ein sehr charmanter und attraktiver Mann."
Gerade will ich ihm sagen, was er noch alles ist, als die Wohnungstür auf geht und Katja in den Flur kommt. "Hallo Lilly. Wie schön, dass du dir heute die Zeit nimmst."
Sie nicht auch noch. Aber da komme ich wohl nicht mehr raus. Also bringe ich es besser hinter mich. Geschlagen lasse ich mich von dem Kind in die Wohnung ziehen.
Genau wie bei Ed und Joels Wohnung steht man direkt im Wohnraum, von dem verschiedene Türen abgehen. Während Katja noch mit Ed redet werde ich zu einem gelben Sofa gezogen. Auch sonst ist die Wohnung in Gelbtönen gehalten. Auf dem Tisch vor dem Sofa liegen ordentlich die Bastelsachen aufgereiht. Na dann... Wir fangen an und ich zeige dem kleinen Menschen schritt für schritt wie sie was schneiden oder kleben soll. Ein herzhaftes gähnt kann ich dann doch nicht unterdrücken.
"Langer Arbeitstag?", fragt mich Katja, die in der offenen Küche Abendessen vorbereitet, "möchtest du einen Kaffee? Oder ist es schon zu spät dafür?"Sofort erhöht sich mein Puls "Es ist nie zu spät für Kaffee!"
Katja kichert und betätigt einen Knopf bei der Kaffeemaschine, "aber nicht das du ärger bekommst."
"Hat sich das etwa rumgesprochen, dass es bei den beiden keinen Kaffee gibt?"
"Sagen wir so, ich durfte die eine oder andere Diskussion über "Koffeinmissbrauch" mit anhören."
Das bringt mich dann doch zum Lachen, "das glaube ich gerne"
"Milch oder Zucker?"
"Schwarz"
Sie reicht mir die Tasse, "aber verpetz mich nicht."
"Wenn du nichts sagst, sag ich auch nichts."
"Lilly ich bin fertig mit ausschneiden, was soll ich jetzt machen?", fragt mich die kleine und hält mir ihr ausgeschnittenes Pappe Stück hin.
Ich greife nach meinem Muster stück und zeige ihr daran die nächsten Schritte. Aufmerksam beobachtet sie was ich vormache und versucht es genau nach zu machen. Gerade schneide ich mir eine Blume aus, als die Wohnungstür auf geht. Ein Mann und ein kleiner Junge kommen rein. Der Mann hat dunkel braune Haare, währen der Junge dem bastelndem Mädchen ähnlich sieht. Katja und der Mann geben sich einen schnellen Kuss. Danach kommt er zu mir.
"Sie müssen Lilly sein." Er hält mir die Hand hin. Schnell stehe ich auf und nehme sie. "Ja, die bin ich."
"Ich bin Gerald, freut mich dich auch mal kennen zu lernen."
"Freut mich auch."
"Nein Mario du darfst da nicht dran!", schimpft Emilia mit dem kleineren Kind und hebt ihre Bastelsachen über den Kopf.
Erschrocken wie nah das noch kleinere Kind mir jetzt ist weiche ich etwas zurück.
"Auch, auch", sagt der Junge immer wieder und versucht nach Dingen auf dem Tisch zu greifen.
"Nein, du machst alles kaputt. Mama!"Katja sieht zu ihrem Mann, "Schatz könnest du das bitte übernehmen? Das Essen ist auch gleich fertig. Du isst doch mit oder Lilly?"
"Em, ja"
Gerald nickt und hebt den kleinen Jungen hoch, "komm Marko, wir decken schon mal den Tisch."
"Kleine Brüder sind ganzschön anstrengend", meint das Mädchen altklug, "hast du Geschwister, Lilly?""Em... ich eh... kann sein."
"Das musst du doch wissen."
"Naja, ich kann mich nicht an meine Eltern erinnern."
"Sind die tot?", fragt sie gerade heraus.
"Emilia!", kommt es warnend von Katja, "tut mir leid Lilly, das meint sie nicht so."
Mich überrascht der plötzliche Stimmungswechsel. Aus meiner Sicht hat die Kleine Garnichts schlimmes gefragt. Aber ich erinnere mich, dass für Menschen solche Themen ziemlich heikel sind.
"Alles gut", versuche ich Katja zu beruhigen, "sie kann ruhig fragen." Ich richte mich wieder an Emilia, "nein ich glaube nicht, dass sie tot sind. Sie haben mich einfach sehr früh ausgesetzt, weswegen ich mich nicht mehr an sie erinnern kann."
"Ausgesetzt?", wiederholt Katja, "du meinst du wurdest in ein Heim gegeben?"
"Nein, ich bin auf der Straße aufgewachsen", antworte ich, während ich weiter die Blume ausschneide. Als keiner mehr was sagt sehe ich wieder auf. Mitleid und sorge ist in ihren Gesichtern. Hätte ich doch nur nichts gesagt und einfach erklärt, dass ich ohne Geschwister aufgewachsen bin.
"Es ist echt nicht schlimm mir geht es ja jetzt gut. Ich hab Arbeit, eine Wohnung... naja, bald wieder, wenn der Wasserschaden behoben ist."
Katja und ihr Mann tauschen Blicke aus, die ich nicht ganz deuten kann.
"Lilly", sagt das Mädchen neben mir.
"Ja?"
Als ich mich zu ihr drehe legt sie ihre Arme um meinen Hals und drückt mich an sich. Ich erstarre als ein seltsames warmes Gefühl in mir aufkommt. Diese Dünen Arme fühlen sich erstaunlich stark an. Ihr warmer Körper drückt sich an mich, ich spüre ihr kleines Herz schlagen und ich nehme den Geruch von Erdbeershampoo war. Es fühlt sich schön an, so warm und friedlich."Lilly ich hab dich lieb."
Ich weiß nicht was dieses Kind veranlasst mich zu umarmen und das zu sagen. Aber plötzlich habe ich einen Kloß im Hals. Als sie die Umarmung beendet vermisse ich irgendwie sofort die Berührung.
Ich muss mich räuspern, um meine Stimme wieder zu finden, "schon... schon gut, ich..."
Mir läuft etwas Feuchtes über die Wange und ich wische es verwundert weg. Ich sehe auf den durchsichtigen Tropfen auf meinem Finger. Weine ich?
"Entschuldigung, habe ich dir weh getan?", fragt Emilia besorgt.
Ich schüttle den Kopf und unterdrücke den drang mich weiter gehen zu lassen, "alles gut ich habe nur... danke, ich habe... ja ich glaube ich habe dich auch lieb."
Sie schenkt mir ein breites Grinsen. Irgendwie, ist sie doch ganz süß, dieses Kind. Katja rennt schnell zurück in die Küche, zu dem leicht angebrannten Essen. Es schmeckt trotzdem sehr gut. Das Essen hier ist ganz anders als bei den beiden Engeln, zwar reicht der Geschmack nicht an das fünf Sterne Essen von Joel, aber es ist irgendwie wärmer. Emilia redet total viel über alles was ihr gerade in den Kopf kommt und ihr kleiner Bruder versucht sie nach zu machen. Katja und Gerald lachen viel, während sie aufmerksam zuhören. Und ich, ich sitze einfach nur da und beobachte sie alle. Es fühlt sich wunderschön warm an und ich habe schon fast das Gefühl, dass sie alle strahlen.
Nach dem Essen sitze ich wieder mit Emilia am Wohnzimmertisch und wir basteln die Laternen weiter. Katja ist wieder in der Küche und Gerald bringt den kleinen Mario ins Bett. Emilia ist so konzentriert ihre Laterne am Bearbeiten, dass sogar ihr Mund still steht. Ich höre Geralds tiefe Stimme aus einem Kinderbuch vor lesen und das Klappern von Geschirr aus der Küche. Eine seltsame Ruhe breitet sich in mir aus. Ohne es bewusst zu wollen, muss ich die ganze Zeit vor mich hin schmunzeln.
"Na, wie weit seid ihr?" Kommt Katja zu uns.
Stolz zeigt ihr, Emilia ihre gelbe Laterne. "Ich bin fast fertig."
"Oh." Katja nimmt ihr die Laterne ab und bewundert sie von allen Seiten. Die Laterne ist in Würfelform und an den Seiten haben wir blumenförmige stücke ausgeschnitten, auf die wir farbiges Milch Papier geklebt haben, wo später das Laternenlicht durchscheint. Zusätzlich haben wir auch kleinen Blumen an die Ecken geklebt, damit sie auch im hellen noch schön aussehen. Das Thema von Emilias Laterne sind Sonnenblumen, während ich bei meiner rosa Laterne kleine Lilien ausgeschnitten habe und Kirchblüten an den Rand befestige.
Auch meine Laterne wird von Katja begutachtet, "eure beiden Laternen sind wunderschön. Lilly du bist unglaublich, die müsste man Ausstellen."
Ein breites Lächeln erscheint auf meinem Gesicht und egal was ich mache, es geht einfach nicht weg. Ich bin doch schon so oft für meine Arbeit gelobt worden, warum fühlt sich das hier so anders an?
Gerade bringen Emilia und ich die letzten grünen Blätter an, um das ganze ab zu runden, als es an der Tür klopft. Gerald der auch mittlerweile bei uns ist, geht zur Tür. Nach einem kurzen Blick durch den Türspion macht er auf und lässt Joel rein.
"Guten Abend", begrüßt uns der Engel mit gedämpfter Stimme, um Mario nicht zu wecken. Die Männer kommen zu uns und Joel setzt sich neben mich auf den Boden, "na, wie sieht es aus?"
Sofort hält ihm Emilia ihre Sonnenblumenlaterne unter die Nase. "Guck mal wie schön die geworden ist."
Joel nimmt ihr die Laterne ab und bewundert sie ähnlich wie Katja es zuvor gemacht hat. "Die ist wirklich sehr schön, Emilia. Da werden alle Kinder neidisch sein und was ist das?" Er greift nach meiner Laterne. "Du hast zwei Laternen gemacht?"
"Nein, das ist Lillys Laterne."
Überrascht sieht er mich an, "du willst mit gehen?"
"Nein, das... dass ist doch nur eine zum Vorzeigen gewesen." Ich nehme ihm die Laterne ab.
"Was?", Emilia sieht mich traurig an, "ich dachte wir gehen zusammen. Magst du nicht mit mir gehen?"
"So hab ich das nicht gemeint. Um ehrlich zu sein habe ich noch gar nicht darüber nachgedacht mit zu gehen. Aber jetzt wo du fragst... ich meine nur wenn es ok für euch ist." Ich sehe zu Katja und Gerald.
Die beiden lächeln mich an, "natürlich darfst du mitkommen."
"Du bist herzlich eingeladen", bestärkt Gerald.
"Danke, dann komme ich gerne mit.“
Als Joel und ich wenig später aus der Wohnung gehen, wende ich mich zu ihm, "jetzt habe ich die Einladung angenommen ohne vorher zu fragen, ob ich darf. Denkst du Ed erlaubt mir zu gehen?"
Sein typisches, dummes Grinsen erscheint auf seinem Gesicht, "wenn du ihn auf Knien anflehst erlaubt er es vielleicht."
"Ernsthaft?"
Er geht die Treppe hoch. "Es wird nicht schaden, wenn du bettelst."
"Du willst mich doch nur auf den Knien sehen." Ich folge ihm.
"Ich würde nicht sagen, dass mich der Anblick kalt lassen würde", neckt er.
"Und wenn er mich übers Knie legt?"
Joel bleibt bei der Tür stehen. "Wie kommst du jetzt darauf? Hast du was angestellt?"
"Nein, er hat es mir angedroht, als ich ein paar Witze über sein Handy gemacht habe."
Genau wie schon am Morgen fängt Joel an zu Kichern, "Du hast es gesehen?"
"Live und in Farbe. Aber das beantwortet nicht meine Frage."
"Welche Frage?"
"Würde er mich echt übers Knie legen?"
Seine Hand liegt schon auf der Türklinke, als er sich mit einem breiten Grinsen nochmal zu mir dreht, "ja, würde er und du wirst dich die nächsten Tage, bei jeder Bewegung daran erinnern."
„Ernsthaft? Nur wegen ein bisschen spaß über sein Handy?“
„Ja, da versteht er kein Spaß.“ Mit diesen Worten öffnet er die Tür und geht in die Wohnung.
„Stimmt, sonst ist er ja immer ein totaler Spaßvogel“, murre ich und folge Joel.
Ich höre Joel über meine Bemerkung kichern.
„Du warst länger weg, als ich dachte. Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass dich Emilia nicht mehr gehen lässt.“ Ed lehnt mit einem Buch in der Hand über dem Geländer und sieht zu uns runter.
„Wir haben noch vor 10 Uhr“, verteidige ich mich.
„Kinder in Emilias alter sollten trotz allem schon früher schlafen. Morgen muss sie zur Schule.“ Mit diesen Worten verschwindet er vom Geländer.
Gerade will ich darauf antworten als sich Joel zu mir lehnt, „fang jetzt bloß keine Diskussion an, frag ihn lieber wegen dem Laterne laufen und vergiss nicht auf die Knie zu gehen.“
Auch das möchte ich gerne kommentieren, aber er hat Recht. Ich sollte es klären und etwas Unterwürfigkeit wird bestimmt nicht schaden. Ich atme nochmal tief durch und gehe dann mit meiner Laterne nach oben, zu Ed. Der blonde Engel sitzt auf dem Sessel, mit dem Buch auf dem Schoß. Joel folgt mir und setzt sich auf das Sofa, um offensichtlich nichts zu verpassen. Schon fast schützend halte ich die Laterne vor mich, als ich mich vor Ed stelle. Fragend sieht er auf.
Verlegen sehe ich auf die Laterne und zupfe an ein paar der Blüten herum. Das ist so peinlich, ich kann ihm nicht direkt in die Augen sehen. „Danke, dass du es mir ermöglicht hast, mit Emilia zu basteln, es hat sehr viel Spaß gemacht.“
Ein warmes Lächeln erscheint auf Eds Gesicht, „das freut mich zu hören.“ Er deutet auf meine Laterne. „Das Ergebnis ist auch sehr schön geworden.“
„Danke.“ Ich glaube selber nicht, was ich gerade tue. Aber ich knie mich vor Ed auf dem Boden. Es ist zwar nicht das erste Mal, das ich sowas mache, aber es ist trotz allem super Peinlich. Ich sehe weiter runter auf die Laterne, damit Ed nicht sieht, dass ich etwas rot werde. „Die Laterne habe ich gemacht, um Emilia zu zeigen, wie es funktioniert, als ein Muster. Aber… es wäre irgendwie schade, wenn ich sie nicht benutzen könnte, also…“ Ich schlucke meinen restlichen stolz runter und sehe Ed mit meinem besten Welpen blick direkt in die Augen, „… darf ich bitte mit Emilia und ihre Familie mit auf den St. Martin Umzug?“
Eine Reihe von Emotionen Huschen über Eds Gesicht, die ich nicht alle deuten kann, bevor er sich auf dem Stuhl zurück lehnt und sein Gesicht mit einer Hand bedeckt. Ich höre ihn ein paar Mal tief ein atmen, bevor er wieder spricht, allerdings wieder mit diesem drohenden Unterton, „Joel, was hast du…?“
Nicht länger in der Lage sein Kichern zu unterdrücken lacht Joel los, „Ich… ich hab Garnichts… nur hahah, nur das sie ganz lieb Fragen soll… haha.“
„Du sagtest ich soll betteln“, korrigiere ich nuschelnd.
Genervt stöhnt Ed auf, bevor er wieder zu mir sieht. Sofort setze ich wieder meinen Welpen blick auf. Schweigend starrt er mich an, dann „ja, meinet wegen kannst du gehen.“
Ich sehe ihn überrascht an. Das war einfach, ich hatte mich schon auf eine hitzige Diskussion eingestellt. Auch wenn Joel vielleicht nur zum Spaß meinte, das ich betteln soll. Es scheint bei Ed etwas zu bewirken.
„Da wäre noch etwas.“ Vordere ich mein Glück weiter heraus.
„Was?“, knurrt Ed.
Ich zucke bei seinem Barschen Ton etwas zusammen. „Ich wollte nur fragen, ob wir nicht auch beim Essen reden können.“
Sein Blick schwingt in Überraschung und auch Joel hört auf zu lachen und kommt zu uns, „wie meinst du das?“
„Naja…“, ich sehe verlegen zur Seite, jetzt knie ich doch vor beiden Engeln, „als ich heute unten Mitgegessen habe, ist mir aufgefallen, wie schön es ist, wenn man beim Essen miteinander redet und lacht.“
Ihre Blicke werden weicher.
„Ich finde das eine sehr schöne Idee“, bestätigt Joel, er sieht zu Ed, „lass es uns doch mal ausprobieren.“
Ed grummelt, offensichtlich unschlüssig, „Ach, ich weiß nicht.“
„Ach komm schon, gib dir einen Ruck.“ Unauffällig gibt mir Joel ein Zeichen mit zu machen.
„Ja bitte Ed.“ Ich lege, wie ein kleiner Hund meine Hände auf seine Beine, „Bitte, bitte, bitte.“
Er funkelt mich böse an. Aber nicht weil ich ihn berühre oder anbettle, sondern weil es ganz offensichtlich einen Effekt auf ihn hat.
„Ich hasse euch“, grummelt er, „Ja, ok, versuchen wir es.“
Ich hoffe Euch hat das Kapitel spaß gemacht und ich freue mich über jedes kommentar -
Danke für die vielen Komentare.
Hier gibt es zwei Pausen sehr nah beisammen. Vielleicht:
Vielen dank für die Anmerkung und die Alternativ vorschläge, ich werde es umändern, wenn ich dazu komme. ist es ok, wenn ich deine Vorschläge dafür benutze?
Mal eine Kleinigkeit hier oder da würde mich schon zufriedenstellen.
Ich verstehe was du meinst. ich plane auch in den nächsten Kapiteln ein paar Informationen ein zu bringen. (Übernächstes Kapietel)
Ist Ed ein mormonischer Engel? Kein Kaffee? Da würde ich auch rebellieren.
Ed ist eine verschmelzung von meiner kleinen Schwester und einem guten Freund von mir. die belehren mich auch regelmäßg über Kaffee missbrauch, richtig schlimm wird es wenn ich mal (alle halbe Jahr) einen Energie drink in die hand nehme.
So kann man das auch machen. Geschichten aus dem ganz normalen Wahnsinn des Lebens und das Übernatürliche nur sehr sparsam eingesetzt.
Eine Horde Rentner, die über einen Blumenladen herfällt, ist ja auch schon Horror genug.
Ich liebe deine komentarre, wenn ich es jemals veröffendliche, wünsche ich mir den Klappentext oder einen Prolog von dir.
So, Kapitel 11. Bitte Kommentiert auch weiter meine Kapitel, jedes Komentar macht mich sehr glücklich und motieviert mich weiter zu schreiben, auch wenn es mal stressig ist.
Kapitel 11"Ist es zu viel verlangt, dass du beim Essen nicht am Handy spielst?", tadelt mich Ed.
Wir sitzen, wie jeden Morgen gemeinsam mit Joel am Frühstückstisch.
"Ich spiele nicht, ich recherchiere.", korrigiere ich ihn.
"Was denn? Wie man Tee trinkt", Joel grinst mich blöd an, "erst blasen, dann schlucken Schätzchen."
"Sprichst du aus Erfahrung?", schieße ich zurück.
"Natürlich, ich trinke schon seit Jahren Tee."
"So nennt man das heutzutage? Ich würde es einen Bl..."
"Sprich es bloß nicht aus", unterbricht mich Ed.
Empört zeige ich auf Joel, "er hat angefangen."
"Sind wir hier im Kindergarten?"
"Nein, aber du behandelst mich doch sowieso immer wie ein Kind."
"Weil du dich wie ein Kind benimmst."
Gerade will ich ein weiteres Kommentar geben, als Joel etwas in der Heimlichen Sprache einwirft. Er erntet einen bösen blick von Ed. Aber was auch immer es war, Ed lehnt sich auf seinen Stuhl zurück, "was recherchiere du denn?"
Ich nehme das Waffenstillstandangebot an, "welche Laterne ich mit der kleinen von unten basteln will und was man dafür braucht."
"Kannst du das nicht nach dem Essen machen?"
Ich roll mit den Augen, "wir bekommen heute einen Blumenlieferung, ich muss früher auf der Arbeit sein und davor will ich die Sachen noch besorgen."
"Du kannst mir auch eine Liste geben und ich besorg die Sachen für dich, ich hab heute Zeit."
Sofort will ich wiedersprechen, als mir ein Gedanke kommt. Wenn ich dem zustimme, muss er mir seine Handynummer geben, damit ich ihm die Liste schicken kann.
"Das ist sehr nett von dir", ich halte ihm mein Handy hin, "tipp doch gerade deine Nummer ein, dann kann ich dir die Liste schicken."
Er starrt mein Handy an als würde es ihn gleich beißen, "ich dachte an eine Handgeschriebene Liste." Jetzt starre ich ihn ungläubig an, wären Joel anfängt zu lachen. "Mal ganz ehrlich, besitzt du überhaupt ein Handy?"
Joel lacht lauter.
"Ob du es glaubst oder nicht, der Technische Fortschritt ist auch bei mir angekommen."
Skeptisch ziehe ich eine Augenbraue hoch. Bei Joel fließen bereits Tränen vor Lachen.
"Dann kann ich dir die Liste ja später schicken." Ich halte ihm weiter mein Handy unter die Nase.
Nach kurzem Zögern greift Ed danach. Er starrt eine Weile auf den Bildschirm, bis er das Gerät dem noch immer lachenden Joel reicht, "gib du meine Nummer ein."Joel bemüht sich aber muss immer wieder aufhören, weil er sich vor Lachen schüttelt. Ed funkelt ihn nur düster an.
Ich wüste zu gerne was Joel so amüsiert. Aber mit Sicherheit werden mir die beiden das verschweigen, auch wenn ich danach frage.
Nach etwa fünf Minuten reicht mir Joel mein Handy. "Aber... haha aber schick im eine sms... in… haha, Internet hat er nicht... haha..." Bei seinem Gelächter und Gekicher verstehe ich ihn kaum.
"Wieso wundert mich das nicht..."
Ich sehe auf mein Handy und sehe, dass Joel auch seine zwei Nummern eingespeichert hat. Bei der einen Nummer steht 'Spießer' und bei der anderen 'Mr. Hot', mit einem Flammenemoji dahinter. Ich schüttle den Kopf darüber, aber kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.
"Kannst du jetzt das Handy weg legen?", fordert mich Ed erneut auf und richtet sich dann an Joel, "und du hör endlich auf so blöd zu lachen."
Joel versucht sein bestes sich wieder zu beruhigen, aber es gelingt ihm nicht ganz und verschlechtert Eds Laune Zusehens. Grinsend beobachte ich, wie er ausnahmsweise mal nicht wütend auf mich ist.
Nach dem essen und Spülen mache ich mich auf den Weg zur Arbeit. Schon wieder ist es kälter geworden.
Mit meinem heimlich gekauften Kaffee, husche ich schnell in den Laden. Zum Glück ist es hier warm. Es ist noch früh und ich nutze die Zeit, um weiter nach den Laternen bastle Sachen zu suchen. Ich stelle die Liste zusammen und schicke sie per SMS an Ed, aka. den Spießer.Nach einem Blick auf die Uhr, gehe ich ins Lager und stelle sicher, dass genügend Platz für die neue Lieferung ist. Herzhaft gähne ich, während ich beobachte, wie der Lieferwagen, rückwärts angerollt kommt. So lange es geht zögre ich es hinaus die Tür zu öffnen, um die kalte Luft noch nicht rein zu lassen. Als es dann nicht mehr zu vermeiden ist, mach ich auf. Freundlich grüßt mich Dirk, unser Lieferant. Wie immer hat er ein freundliches Lächeln, unter dem bald ganz grauen Bart.
Ich erwidere den freundlichen Gruß, als noch jemand um den Lieferwagen herum kommt. Ein junger Mann mit einigen Piercings und Tattoos kommt langsam auf uns zu geschlürft und mit ihm ein starker Marihuana Geruch."Das ist mein neuer auszubildender, Maximilian", erklärt mir Dirk.
"Freiwillig oder hat man den dir von irgendeinem Amt geschickt", flüstre ich.
Dirk sieht seinen Auszubildenden eine Weile an, während der die Tür vom Lieferwagen öffnet, "bis jetzt arbeitet er ordentlich. Was er in seiner Freizeit macht geht mich nichts an."
Mit einem Sack voll Blumenerde schlürft Max, wie ich ihn für mich jetzt nenne zu uns, "wo soll ich das hinbringen?"
Die Art wie er redet und der glasige Blick macht deutlich, er ist high.
"Ich zeig dir wo."
Er nickt und folgt mir ins Lager. Ich zeige und erkläre ihm wo die neuen Lieferungen hinkommen. Immer wieder nickt er und ich bin mir ziemlich sicher, dass er nicht wirklich zuhört. Ob er nur Graß genommen hat? Wie viel er wohl mitbekommt?
Plötzlich kommt mir ein Gedanke, während er das nächste Paket holt. Er ist high und definitiv nicht wirklich zurechnungsfähig. Also leichte Beute. Ich könnte ihn mir ohne Probleme krallen und mit einem Kuss etwas Energie entziehen. So benebelt wie er ist wird er keinen wiederstand leisten und ich habe freien Zugriff auf seine Lebensenergie. Ich würde zwar selbst auch etwas high werden aber wir sind heute zu dritt, das geht schon klar.
Ich höre Magda kommen, perfekt sie wird Dirk bestimmt wie immer in ein Gespräch verwickeln. Mit ausdrucksloser Miene kommt Max wieder ins Lager. Er trägt eine Kiste mit vielen kleinen Blumentöpfen. "Wo soll das hin?"
Das hatte ich ihm zwar gerade erklärt aber egal. Gut das er so neben der Spur ist. Mit einem freundlichen lächeln zeige ich in die hinterste Ecke im Lager. Natürlich geht er ohne etwas zu hinterfragen nach hinten. Auffällig unauffällig lehne ich die Tür etwas an und folge ihm. Es ist eine Weile her, aber endlich fühle ich mich wieder wie ein Raubtier. Heute bin ich nicht die schwächliche Beute, der Spielball der Engel, heute bin ich endlich wieder richtig am Jagen. Das Gefühl gefällt mir. Ich schicke ihn immer weiter in eine dunkle Ecke. "Stell das hier ins Regal."
Gehorsam macht er was ich sage. Als er dann aber wieder zum Lieferwagen gehen will, versperre ich ihm den weg.
"Ich em... im Laster sind noch..."
"Nicht so wichtig." Ich dränge ihn weiter nach hinten.
Brav geht er weiter zurück, "aber... ich... die Lieferung..."
"Sch...", ich drück ihn gegen die Wand. "Gleich darfst du wie gehen."
Genüsslich lecke ich über meine Lippen. Nur noch ein kleines bisschen. Ein eiskalter Schauer läuft mir über den Rücken als ich eine, mir mittlerweile nur allzu vertraut Energie spüre. Sofort spring ich von Max weg und sehe zur Lager Tür, wo jetzt auch Eds Schritte zu hören sind.
Ich drehe mich zu Max. "Du hast recht, hol doch die nächste Sachen. Ich schaffe etwas mehr Platz dafür."
Verwirrt geht er an mir vorbei, als Ed in der Tür erscheint. Ich tue als würde ich die gelieferten Blumen überprüfen.
"Ed. Was machst du denn hier?" Spiele ich überrascht, nachdem Max an ihm vorbei ist.
Ed sieht dem Auszubildenden noch nach. "Wenn ich meine Aura verborgen hätte, was hatte ich dann hier vorgefunden?"
Ich zucke etwas zusammen. Also ist es doch Absicht, dass ich sie erst war nehme, wenn es zu spät ist.
"Was soll das? Glaubst du etwa, ich würde mich an alles ran machen, der sich in meiner greifbaren Nähe befindet?""Ist das ein Geständnis?"
"Bin ich in einem Verhör?"
Ed beginnt ein wenig zu kichern. "Auf jeden Fall bist du immer unter Verdacht."
Ich rolle die Augen, "was auch immer. Warum bist du hier?"
"Wegen der Liste."
"Was ist damit?"
Für gewöhnlich hat Ed immer Augenkontakt mit der Person, mit der er redet, aber jetzt meidet er offensichtlich meinen Blick, "die SMS ist em... damit stimmt etwas nicht."
"Was meinst du?"
"Egal, sag einfach was du brauchst, ich kann mir Sachen gut merken."
Auffordernd halte ich ihm die Hand hin. "Lass mich mal sehen."
"Nein." Schützend legt er seine Hand über die Jackentasche, in der vermutlich sein Handy ist.
"Na gut, dann eben nicht. Ich brauch dann mein Handy, dass liegt vorne."
Gerade als ich an ihm vorbei möchte, kommt Max mit einer weiteren Palette Blumen. Um ihn durch zu lassen, gehe ich näher zu Ed. Kaum ist Max vorbei, greife ich in Eds Jackentasche und ziehe sein Handy raus. Noch bevor er reagieren kann spring ich von ihm weg. Gehässig lachend renne ich aus dem Lager. Flink husche ich nach vorne in den Laden und nutze die Zeit, bevor Ed mich einholt, um mir sein Gerät an zu sehen. Mit offenem Mund starre ich auf das Handy. Aus welchem Jahrhundert stammt das? Das erklärt Joels lach Anfall. Bevor ich es genauer untersuchen kann höre ich ein schnipsen und bin wieder im Lager, Ed direkt vor mir. Er kann also wirklich auch lebendes teleportieren, ich hatte daran gezweifelt. Bevor ich eine zweite Chance bekomme um ab zu hauen, greift Ed nach mir. Schnell versuche ich mich noch weg zu drehen aber er hat eins meiner Handgelenke erwischt und dreht es unangenehm. Der schmerz von seinem Hebel zwingt mich in die Knie. Mit einem kalten Blick sieht er auf mich runter.
"Au, au, au... du tust mir weh", winsle ich.
Fordernd streckt er seine Hand aus, "gib mir sofort mein Handy wieder."
"Das kannst du doch nicht wirklich ein Handy nennen aahh." Er verdreht mein Handgelenk weiter. "Schon gut, schon gut. Ich gebe es dir." Ich reiche es ihm und endlich lässt er mich los. Murrend reibe ich mein schmerzendes Handgelenk, als ich bemerke, wie Max uns entgeistert anstarrt. Er ist zwar High aber ob er High genug ist? Langsam stehe ich auf. Auch Ed bemerkt den jungen Mann.
"Den hab ich ganz vergessen", murmelt er."Ist das dein ernst", beginnt Max.
Das ist übel, das ist richtig übel. Ed wird mich umbringen. Wegen mir hat ein Mensch einen Engel enttarnt. Gut eigentlich ist es nicht meine Schuld, Ed hätte mich nicht hier her zurück teleportieren müssen. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er mir die Schuld geben wird. Ängstlich sehe ich zu Ed um seinen Gemütszustand ein zu schätzen. Aber sein Gesicht zeigt keinerlei Regung. Ich sehe wieder zu Max der zu uns kommt.
Mein Herz schlägt viel zu laut. Was wird der Mensch jetzt tun? Wie reagieren Menschen auf Übernatürliches?
Mit einem Finger zeigt Max auf Eds Handy, "so etwas funktioniert noch?"
Er hat es nicht bemerkt. Erleichtert lehne ich mich gegen das Regal. Wir wurden nicht enttarnt. Alles ist gut.
Auch Ed atmet erleichtert auf. "Ja, dass funktioniert noch."
Max sieht ihn an, als wäre er ein Alien, "das ist doch nicht dein ernst. Das Teil kann doch nichts."
"Es kann Telefonate entgegen nehmen, dass reicht mir", grummelt Ed. Sonst zeigt er Menschen doch nur seine perfekte Seite. Das Handy ist wohl ein wunder Punkt. Das muss ich mir merken, entscheide ich.
"Hat das eine Kamera, oder Spiele, hat das Display überhaupt mehr Farben als schwarz und weiß?"
Ed wirkt immer wütender. "Es ist ein Nokia 1611. Frag doch dein Handy was meins kann."Gesagt getan. Sofort greift Max in seine Hosentasche, nach seinem Smartphone und tippt Nokia 1611 ein. Ich sehe mit auf den Bildschirm. "Wow, Das Nokia 1611 war das weltweit erste solarbetriebene Mobiltelefon.", lese ich laut vor, "voll das Hightech Teil."
"1997", bemerkt Max das Erscheinungsjahr, "ein wunder das es noch geht."
"Wenn man Geräte pflegt, funktionieren die auch lange."
Ich ignoriere Eds Kommentar. "Ist es SMS fähig?"
Max sieht wieder auf den kurzen Wikipedia Text und liest vor, "Es ermöglichte das Versenden von Textnachrichten."
"Ohh", tu ich begeistert und sehe wieder zu Ed, "noch mehr Hightech, das Teil ist schon fast nützlich."Seine himmelblauen Augen sind zu dünnen schlitzen zusammen gezogen. "Mach so weiter und ich leg dich übers Knie."
"Ist das jetzt häusliche Gewalt oder sexuelle Belästigung?", frage ich Max, der offensichtlich anfängt darüber nach zu denken.
"Das kommt ganz darauf an, wie es danach weiter geht."
Dieser Max gefällt mir, vor allem da er auf meiner Seite ist.
Als ich allerdings spüre wie Ed Himmlischen Druck auf mich ausübt, entscheide ich, dass ich besser nicht weiter machen sollte.
"Darf ich bitte gucken ob ich die SMS-funktion auf deinem Handy finde?" Versuche ich es stattdessen.
Nach kurzem Zögern gibt er mir dann sein Handy und auch der himmlische Druck verschwindet wieder.
Mit der Unterstützung von Max finden wir dann die SMS. Allerdings schafft weder Max noch ich es nicht doch noch ein paar gemeine Kommentare zu machen. Doch bevor Ed mit uns schimpfen kann, kommen Magda und Dirk dazu und wir können uns hinter unserer Arbeit vor dem wütenden Engel verstecken. Allerdings staune ich nicht schlecht als ich einige Stunden später eine SMS von ihm bekomme, in der er schreibt 'habe alles bekommen'. Er nähert sich der modernen Zeit. Wenn das so weiter geht möchte er irgendwann WLAN haben. Es besteht Hoffnung. -
moin, moin,
vielen Dank, für die lieben worte.
Ein paar Fehler sind mir ins Auge gesprungen, aber die möchte ich jetzt mal außer acht lassen.
wenn ich alles fertig geschrieben habe, will ich auf jeden fall jemanden über die rechtschreibfehler gucken lassen. aber wenn du inhaltlich etwas hast was dir auffällt sag es bitte, damit ich es dann eventuel ausbessern kann.
aber freut mich sehr das dir die geschichte trotzdem freude bereitet

Als leichte, übernatürliche Komödie, so in der Tradition von "Verliebt in eine Hexe" oder "Bezaubernde Jeannie".
haha, das währe lustig. irgendwie muss ich an die Nenny denken, wo die seltsamme überdrehte Nenny in diesen total feinen haushalt kommt und alles durcheinander wirbeld.
Hier kommt Kapitel 10. Wie immer hoffe ich das es euch gefällt und evt zum schmunzeln bringt. ich freu mich über alle kommentare und verbesserungsvorschläge.
Kapitel 10
Allerheiligen. Eigentlich ein schöner, sinnvoller Feiertag, um Halloween aus zu schlafen. Allerdings funktioniert das nur, wenn man nicht in einem Blumenladen arbeitet. Kaum haben wir die Tür aufgemacht, werden wir von Rentnern überflutet. Den ganzen Morgen renne ich hin und her. Schnell binde ich einen Blumenstrauß nach dem andern. Die Schlange wird immer länger und keiner will warten. Hoffentlich wird das zur Mittagszeit weniger.
"Lilly?" Kommt Anita zu mir, als der Ansturm vorbei ist. "Ich mach jetzt Pause."
Ich nicke und sie verschwindet nach hinten. Danach wird Magda Pause machen und danach bin ich endlich dran. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es bis dahin noch ewig dauert.
Dank dem kleinen Energieboost gestern Abend, komme ich mit dem Stress gut klar, ohne würde ich das heute vermutlich nicht überleben. Anita beendet die Pause und Magda verschwindet in die Pause. Noch eine halbe Stunde, dann darf ich. Mir fällt eine alte Frau auf, die schon eine ganze Weile in der Ecke steht.
Ich gehe zu ihr. "Kann ich Ihnen helfen?"
Sie sieht mich etwas überrascht an, "helfen?"
"Ja... em. Wollen sie einen Blumenstrauß kaufen?"
Die Frau sieht sich eine Weile in dem Laden um, dann nickt sie.
Irgendwie erinnert sie mich an eine Schildkröte. Eine leicht verwirrte Schildkröte. Ich weiß nicht wie lange es dauerte aber Magda war schon wieder aus ihrer Pause zurück, als ich endlich fertig mit ihrem Blumenstrauß bin.
Langsam geht sie aus dem Laden.
"Sie wirkt ziemlich Verwirrt", flüstre ich zu Anita, während ich die alte Frau beobachte.
"Ja, wo will sie denn hin?"
"Zum Friedhof, die Blumen sind für ihren verstorbenen Mann."
Die Frau biegt ab.
"Gibt es in der Richtung einen Friedhof?", hinterfrage ich skeptisch.
"Nicht das ich wüsste", Anita überblickt die Situation im Laden. Im Moment sind zwei Kunden da.
"Was hältst du davon", beginnt Anita, "du begleitest sie zum Friedhof und ich ruf mal in den Alten und Pflegeheimen an, ob eine alte Frau vermisst wird.""Ok, aber danach will ich meine Pause."
Anita verdreht die Augen, "wenn nichts los ist. Wenn nicht machst du früher Schluss."
Ich nicke, schnappe meine Jacke und renne der alten Frau hinterher. Ich erkläre ihr, dass sie in die falsche Richtung geht und nach ein paar Minuten des Schweigens kommt sie brav mit mir mit. Wir kommen nur schleichend voran und ich überlege, ob ich mir nicht schnell einen Kaffee hole, um meine Hände daran zu wärmen. Warum eigentlich nicht? Schnell springe ich bei einem Bäcker rein und nehme einen Kaffee mit. Die alte Frau, behalte ich durchs Fenster im Auge. Bestimmt hat sie nicht mal gemerkt, dass ich weg bin. Ich entscheide ihr einen Salbei Tee zu holen, bestimmt sind ihre Hände auch schon kalt und der kann sie gut wärmen.
Gemütlich gehe ich wieder zu ihr. Als der Tee etwas abgekühlt ist, gebe ich ihn ihr und trage dafür die Blumen.
Als wir Endlich beim Friedhof sind schleichen wir an einigen Gräbern vorbei.
"Wie heißt denn Ihr Mann?", frage ich.
Erst sieht sie mich lange an, dann die Gräber, schließlich meint sie, "Beate Hellmann."
Erst sehe ich sie verwirrt an, bis ich bemerke, dass sie irgendeinen Namen von einem Grab abgelesen hat. Vermutlich liegt ihr verstorbener Mann, nicht mal auf diesem Friedhof. Dann bekommt eben Beate die Blumen. Ohne weiter darüber nach zu denken, halte ich der alten Frau den Strauß hin. Als sie nicht rehagiert frage ich, "Soll ich für Sie die Blumen auf das Grab stellen?"
"Das wäre sehr lieb", meint sie nach einer kurzen schweige Minute.
Das Grab von Beate wurde wohl schon länger nicht mehr besucht. Pflichtbewusst zupfe ich einige vertrocknete Blätter weg und arrangiere die Blumen in der Plastikvase. Auch wenn ich vieles an Unordnung ertragen kann. Pflanzen und Blumen sollten aber gepflegt werden. Ob man sowas einen Tick nennen kann.
Geistesabwesend sieht die alte Frau auf das Grab. Ich gehe ein paar Schritte zurück um ihr etwas Zeit zu lassen. Auch wenn es nicht das Grab ihres Mannes ist, soll sie ihre Zeit bekommen. Ob sie wirklich betet, oder was auch immer Menschen an Gräbern machen, oder ob sie einfach wieder auf stad-bye gegangen ist?
Ich nippe an meinem Kaffee als mein Handy klingelt. Eine fremde Nummer.
"Hallo?"
"Hallo, Mirko hier, Ihre Kollegin hat mir Ihre Nummer gegeben. Sind sie noch bei frau Krämer?"So hieß die alte Frau also.
"Ja, bin ich, wir sind beim Friedhof."
"Ich bin jetzt auch beim Friedhof, wo genau sind sie?"
Während er redet, bin ich bereits den Weg zurück, so dass ich den Friedhofseingang sehen kann, "ich sehe Sie."
Ich winke ihm zu.
"Ah, ich sehe Sie auch, ich komme zu Ihnen."
Ich sehe wieder zu Frau Krämer, während Mirko zu mir kommt.
"Hallo nochmal", meint er als er bei mir ist.
Ich sehe wieder zu ihm, "hallo."
Ich lächle ihn freundlich an. Er ist groß gewachsen und etwas kräftiger. Lange, blonde, gepflegte Haare fallen über seine Schulter. Sofort spüre ich Eifersucht in mir hochkochen. Ich will auch so lange, kräftige, gesunde Haare haben.
"Danke, dass Sie sich um sie gekümmert haben", er schenkt mir ein ehrliches, charmantes Lächeln, "es haben sich einige Kollegen krank gemeldet und da ist sie uns wohl durchgeflutscht."
"Wohl er durchgeschlichen."
Er kichert, "ja, sie ist die schleichende Gefahr."
Ich muss schmunzeln, "ich bin übrigens Lilly."
Er lächelt mich wieder an, "freut mich."
Wir schütteln uns die Hand. Ich bin überrascht wie warm seine ist. Das spricht für einen gesunden Energiefluss. Moment mal. Ich sehe mir Mirko nochmal an. Genauer betrachtet, hat er ein sehr hübsches Gesicht, ist gepflegt und sehr freundlich. Sofort schalte ich auf flirten um.
"Also.. du bist Altenpfleger?"
"Oder Gefängniswärter, wie man es nimmt."
Ich lache über seinen Witz, "benehmen sich die Insassen?"
"Naja", er sieht zu Frau Krämer, "mansche sind kooperativer als andere."
„Schichtdienst?“
„Ja, ich komme gerade aus dem Nachtdienst aber weil so viele Kollegen krank sind, bin ich immer noch hier.“
„Das ist ziemlich selbstlos von dir und muss ziemlich anstrengend sein.“
„Ach“, er macht eine wegwerfende Bewegung und wirkt etwas verlegen, von meinen anerkennenden Worten, „ich hab ja niemanden der auf mich wartet.“
"Du bist Single?" Ich sehe ihn gespielt überrascht an. „Das wundert mich aber, einen so Aufmerksamen Partner wie dich, kann man sich doch nur wünschen.
Er sieht mich überrascht an, wird rot und sieht verlegen zur Seite, „D… du übertreibst.“
Irgendwie habe ich ein schlechtes Gewissen, mit ihm so zu flirten. Er süß und wirklich ein guter Kerl, eigentlich hat er das nicht verdient. Aber ich bin in einer Notsituation. Rufe ich mir ins Gewissen und lehne mich etwas näher zu ihm.
„Noch dazu siehst du sehr gut aus.“
Sein Gesicht wird noch röter und ich gehe einen weiteren Schritt auf ihn zu.
„Und du riechst auch sehr gut.“
„Nach… nach Desinfektionsmittel?“
„Das rieche ich zwar auch aber…“ Ich gehe noch näher und beuge mich näher um an seinem Hals zu schnuppern. „Hmmm, dein Geruch gefällt mir.“
Verlegen macht er einen Schritt von mir weg.
„Oh bitte entschuldige“, beschwichtigend gehe ich wieder etwas auf Abstand, „Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.“
„Nein, nein schon ok, ich bin das nur nicht gewohnt, dass eine so schöne Frau, so offen mit mir flirte“, sein Gesicht ist jetzt so rot wie eine Tomate und er sieht verlegen zu mir.
Aufmunternd Lächle ich ihn an, „Also ist es in Ordnung wenn ich mit dir Flirte?“
"Kommt drauf an, was du damit erreichen möchtest.“
"Naja, deine Nummer hab ich ja schon."
Er lacht, "stimmt."
Zwei alte Frauen gehen an uns vorbei. Ich nutze das, um wieder etwas näher zu ihm zu gehen.
Am liebsten würde ich ihn für heute Abend zu mir einladen. Dann würden wir Pizza essen, ein Bierchen trinken und danach würde ich ihn genüsslich vernaschen. Vermutlich würde ich mich danach noch einige male mit ihm treffen aber in meiner jetzigen Situation. Zu ihm kann ich auch nicht, die Engel würden mich nicht gehen lassen. Also kann ich nur versuchen mit einem Küss etwas meine Energiereserven weiter aufzufüllen. Wie mühsam. Ich will mein altes Leben zurück haben.
"Naja, wir beide sollten auf die alte Dame aufpassen, damit sie nicht wieder weg läuft und da du so müde bist, helfe ich dir gerne beim Aufpassen und während wir hier warten, können wir uns ja ein bisschen besser kennen lernen.“
Er sieht zu Frau Krämer und dann zurück zu mir, "klar, was willst du wissen."
Ich gehe noch näher. "Ich wüsste gerne welches haar Shampoo du benutzt, wodurch deine Haare so gut und gesund aussehen", antworte ich ehrlich, was ihm zum Lachen bringt, "aber, vor allem, möchte ich wissen, wie sich deine Lippen wohl auf meinen anfühlen."
Seine Augen leuchten auf. Ich hab ihn da wo ich ihn haben will. Ich bin jetzt so nah das wir uns berühren. Er ist nicht viel größer als ich. Ich muss mich nur auf die Zehenspitzen stellen, die Augen schließen und...
Haut berührt meine Lippen. Aber es sind nicht Mirko. Ich werde von einer Hand über meinem Mund zurück gezogen und stoße gegen jemanden.
"Was genau wird das hier?", höre ich Eds wohl klingende und wie so oft seltsam bedrohliche Stimme.
Wieso spüre ich die Engel immer erst dann, wenn es schon zu spät ist?
Mirko sieht genauso überrascht aus, wie ich. Ich befreie mich von Eds Hand.
"Ed.. was... was machst du hier."
"Ich bin hier, um nach dem Kirchengang sicher zu gehen, dass den älteren Friedhofbesuchern nichts zustößt. Und was genau machst du hier Lilly? Ich dachte du musst arbeiten."
"Ich bin hier wegen Frau...", fragend sehe ich zu Mirko.
"Krämer", hilft er mir.
"Frau Krämer. Sie ist eine verwirrte Frau und ich hab auf sie aufgepasst, bis ihr Pfleger sie wieder einfängt."
"Ach so", Ed sieht sich um, "und wo ist die gute Frau Krämer jetzt."Ich sehe zu der Stelle, wo sie eben noch stand. Aber da ist sie nicht mehr.
"Jetzt verstehe ich wie sie euch entwischen konnte", meine ich zu Mirko.
Suchend sehen wir uns um. Wir entdecken sie weiter hinten und Mirko joggt zu ihr. Wehleidig sehe ich ihm nach. Er hatte so viel Potential.
"Findest du es nicht etwas geschmacklos, dich auf einem Friedhof an jemanden ran zu machen", tadelt mich Ed.
"Warum? Die sind Tot hier, die stört das nicht."
Er greift mein Ohr und zieht daran, "ich rede auch nicht davon das du die toten belästigst, sondern in erster Linie die Hinterbliebenen, die heute hier sind um sich an die verstorbenen zu erinnern. Hast du gar keine Manieren?"
"Au.. au, du tust mir weh", ich versuche mich aus seinem Griff zu lösen.
"Was trinkst du da eigentlich?", fragt er, als ihm mein Bescher auffällt.
"Das ist, damit meine Finger warm bleiben."
Endlich lässt er mein Ohr los und nimmt mir den Kaffeebescher ab. Er öffnet den Deckel und sieht hinein. Sein abwertender Blick sagt schon alles. Ich sehe zur Seite. Kommentarlos kippt er das Getränk in den nächsten Busch. Wehleidig beobachte ich ihn dabei.
"Warum versuchst du es nicht mit dem grünen Tee, der ist weitaus gesünder und der Teein macht nachhaltiger wach."
"Der schmeckt mir aber nicht..."
"Man kann nicht immer nur was essen oder trinken weil es einem schmeckt."
Schmollend sehe ich wieder weg.
Ed atmet tief durch, "wie ist es mit schwarzen Tee?"
"Noch nicht probiert."
"Würdest du ihn probieren, wen ich dich freundlich darum bitte?"
Ich sehe ihn schief an, "ich hab eine Wahl?"
"Eigentlich nicht."
"Warum fragst du dann?"
Er streichelt mir über den Kopf, "nur um den Schein zu wahren."
Idiot.
Mit hängendem Kopf und ohne Kaffee, gehe ich zurück zum Laden. Es ist wieder mehr los und für eine Pause keine Zeit. Auch am Abend wird es nicht weniger. Als Ed dann fünf Minuten vor Ladenschluss rein kommt freue ich mich schon fast ihn zu sehen. Erschöpft lassen wir uns auf jeweils einen Stuhl fallen als Endlich die Tür zu ist.
Ed kommt zu mir, "bist du jetzt froh, das Joel entschieden hat so früh heim zu gehen?"
Wütend funkle ich ihn an. Hätte Joel erst später nach mir gesucht, wären wir in einem der Räume gewesen und ich hätte eine gute Portion Energie von den Männern holen können. Meine Energiereserven währen halb aufgefüllt sein können und der Tag heute wäre ein Klacks gewesen. Aber andererseits hat er Ed nichts davon erzählt. Also kann ich nicht sehr wütend sein. Auch wenn ich es möchte."Ich hätte auch früher schlafen gehen sollen", stöhnt Anita.
"Was hat dich aufgehalten?", frage ich.
"Unser Besuch wollte nicht gehen."
"Scheiße."
Ich bekomme einen Strafenden Blick von Ed, wegen meiner Wortwahl, den ich ignoriere.
"Kann ich euch beim Aufräumen helfen?", wendet sich Ed hilfsbereit wie immer an meine Kolleginnen.
Magda macht die Augen zu und lehnt sich auf ihrem Stuhl zurück, "heute machen wir nichts mehr, wir räumen morgen auf."
Anita und ich nicken zustimmend. Trotzdem fängt Ed an Aufzuräumen und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Kolleginnen ihn nur machen lassen, weil es ihnen gefällt ihn dabei zu beobachten.
Ich roll mit den Augen, nehme die Kasse und mach im Büro schon mal die Abrechnung. Als ich wieder zurück komme ist alles sauber und ordentlich sortiert. Muss er es gleich so übertreiben. Bevor meinen Kolleginnen noch etwas einfällt, schnappe ich Ed und verlasse mit ihm den Laden. Schweigend gehen wir nebeneinander her.
"Ich will aber keine Gekaufte!", höre ich eine bekannte Stimme. Ich sehe mich um und entdecke dann das Kind, das unter uns wohnt, mit ihrer Mutter.
"Dann musst du auf deine Sachen eben besser aufpassen", argumentiert Katja.
"Guten Abend", begrüßt Ed die beiden, als er sie auch bemerkt.
"Oh", Katja sieht überrascht auf, "hallo Edward und Lilly."
"Was ist den los?", fragt Ed Katja hilfsbereit.
Wobei ich anfange zu hinterfragen, ob er vielleicht ein Helfer Syndrom hat.
"Emilia hat ihre Laterne für den St. Martins Umzug verloren. Ich will ihr eine neue Laterne kaufen aber sie will unbedingt eine gebastelte", erklärt sie uns, während das Kind schmollend weg sieht.
"Ich verstehe", nickt Ed und legt mir plötzlich einen Arm auf die Schulter, "Lilly kann sehr gut bastelt."
"Was?" Überrascht sehe ich ihn an.
"Wirklich?", die Augen vom Kind fangen an zu leuchten, "bastelst du mir eine? Oh bitte, bitte."
Ich sehe auf das kleine Wesen runter, was jetzt aufgeregt an meinem Arm zieht, nochmal die Frage, beißen die? "Ich weiß nicht ich hab noch nie..."
"Komm schon Lilly", drängt jetzt auch Ed, "sie sagt bitte, bitte, da kannst du doch nicht nein sagen."
Auch Katja sieht mich hoffnungsvoll an.
"Ja, ok..."
Ich zucke zusammen, als Emilia freudig anfängt zu quietschen.
"Braves Mädchen", flüstert Ed und haucht mir einen Kuss auf die Stirn. Knurren verdrehe ich die Augen. Ich will ihn schlagen.
Das Kind fängt direkt an mir ganz genau zu erklären, was für eine Laterne sie genau will.
"Stopp, stopp", unterbreche ich sie, "habt ihr überhaupt Bastelsachen?"
Fragend sieht sie ihre Mutter an.
Katja schüttelt den Kopf, "nein, aber ich kann die Tage was kaufen", sie sieht zu mir, "sag einfach was du brauchst."
"Ich gebe dir später eine Liste.“
Ed strahlt mich an, wie ein Vater, der zusieht, wie seine Tochter das erste Mal alleine gelaufen ist.
Gemeinsam gehen wir nachhause, während mir die kleine Nervensäge weiter erzählt, wie sie ihre Laterne haben will. Ich muss mir später unbedingt ein paar Videos ansehen, wie man Laternen Bastelt. -
guten abend.
vielen dank für die vielen freundlichen Kommentare. mir fällt es oft schwer die gefühle zu beschreiben. da freut mich das sehr, das ihr kleiner wandel rüber kommt. ich hoffe der nächste teil gefällt euch auch.
Kapitel 9Ich betrachte mich noch einmal im Spiegel. Bereits seit zwei Stunden arbeite ich an meiner Schminke. Für gewöhnlich schminke ich mich nicht viel. Warum auch? Wen will ich beeindrucken? Die Rentner, die Blumen kaufen? Wenn ich in die Clubs gehe, schminke ich mich auch nicht viel, schließlich versuche ich nur angetrunkene Männer ab zu schleppen. Denen ist es meistens egal wie sehr ich Geschminkt bin. Aber heute ist es anders.
Ich sehe vom Spiegel weg, zu Ed. "Und ich darf wirklich gehen?"
Er sieht von seinem Buch auf, "ja, bis ein Uhr darfst du auf die Halloweenparty gehen."
"Ich kann das immer noch nicht glauben."
Lächelnd sieht er wieder in sein Buch. "Halt dich einfach an die ausgemachten Regeln."
"Ja, ja"
Natürlich darf ich nicht alleine auf die Party. Joel kommt mit mir und ich musste hoch und heilig versprechen, dass ich nicht ohne ihn von der Party weg gehe. Auch darf ich nur anziehen, was Ed absegnet.
Aufgedreht wie ein Teenie, hüpfe ich also in mein Zimmer und ziehe mich um.
"Warum gehst du nicht mit ihr?", höre ich Joel, der wohl gerade aus seinem Zimmer gekommen ist.
"Weil ich noch Papierkram machen muss oder willst du die Berichte schreiben?"
"Nein, ich gehe lieber doch mit zur Party."
Ich komme aus meinem Zimmer.
Meine Augen weiten sich, bei Joels Anblick. Er trägt eine schwarze Hose mit verschiedenen Ketten und Nieten dran. Darüber ein dunkel blaues Hemd, bei dem die oberen Knöpfe offen sind und zusätzlich ein paar Halsketten. Kurz, er sieht echt heiß.
Ich trage ein rotes, enganliegendes, ziemlich knappes Kleid, was lange Ärmel hat. Schüchtern zeig ich es Ed, "ist das ok?"
Sein Blick sagt eindeutig nein.
"Ich hab mich extra für das rote entschieden, damit Joel mich besser sehen kann wenn ich zum Tanzen auf die Tanzfläche gehe." Füge ich schnell hinzu.
Joel fängt an kichern, "klar."
Er bekommt einen bösen Blich von mir zugeworfen.
"Und warum trägst du das Halsband? Das ist doch ein privates Spielzeug", bemerkt Ed.
"Das ist kein privates Spielzeug, das ist ein Assessor."
"Genauso wie die Strapsen?"
Er hat es doch bemerkt, ich hatte gehofft, er sieht nicht so genau auf meine Beine.
"Die kann ich nur zu so einem Anlass anziehen, und ganz ohne ist es mir zu kalt."
Ed legt seinen Kopf schief.
"Bitte Ed, nur heute Abend. Joel ist doch dabei."
"Und deine Hörner und der Schwanz?"
"Das ist meine Halloween Verkleidung. Es ist dunkel und alle sind betrunken, es wird keinem auffallen, das sie echt sind."
"Joel?", fragend sieht Ed zu ihm.
Joel zuckt mit den Schultern "Ich find es ok."
"Du wirst auf Joel hören" Dreht sich Ed nochmal zu mir "Nur ein Longdrink mit Alkohol ist erlaubt."
"Ja, und nur bis ein Uhr und ohne Joel werde ich die Party nicht verlassen" Ich halte die Leine hoch, die noch am Halsband fest ist. "Soll Joel mich hiermit, die Party über festhalten?"
Joels Augen leuchten auf und er greift nach der Leine. Er schnürt mir etwas die Luft ab, als er mich nach hinten zieht. "Das gefällt mir."
Genervt verdrehe ich die Augen. Hoffentlich wird er das später nicht wirklich machen.
"Irgendwie hab ich jetzt doch ein schlechtes Gefühl", stöhnend streicht Ed sich durch die Haare, "macht dass ihr weg kommt, bevor ich es mir anders überlege."
Das lass ich mir nicht zweimal sagen.
Ich schnappe meinen langen Mantel und packe mein Handy, sowie etwas Geld ein. Joel hat die Jacke noch nicht richtig an, als ich ihn schon raus schiebe.
Auf unserem Weg, begegnen wir noch ein paar Kindern, die Süßigkeiten sammeln. Beim Club müssen wir uns zum Glück nicht anstellen. Hinter einer kleinen Theke steht ein Mann in einem Anzug. Während Joel den Eingangsbereich bewundert, gehe ich zu dem Mann, "zwei Erwachsene, eine normal für ihn" Ich zeige auf Joel. " Und eine Spezial für mich", ich zeige ihm mein Handy, mit der Einladungsbestätigung, für den Spezial Bereich.
"Ok", sagt der Mann nachdem, er mein Handy gecheckt hat, "dann gib mir bitte deine Hand für ein Bändchen." Er befestigt ein buntes Bändchen an mein Handgelenk, welches ich sofort unter dem Ärmel verstecke.
Mit einem unschuldigen Lächeln drehe ich mich zu Joel, der hinter mir Wartet. Er wirkt etwas überrascht, dass ich den Eintritt führ ihn mit zahle, sagt aber nichts. Er bekommt einen Stempelabdruck auf den Handrücken.
Es ist viel los. Laute Musik, bunte Lichter und viele Menschen.
Ich zeige Joel wo die Toiletten sind und die unterschiedlichen Bereiche, mit unterschiedlichen Tanzflächen. Danach besorge ich uns beiden einen Drink, einen mit Alkohol für mich und einen ohne Alkohol für Joel.
Wir setzen uns in eine Ecke, von der man die Tanzfläche gut überblicken kann.
"Alles ok?", frage ich Joel, als ich mich zu ihm setze.
"Ja, ja, ich bewundere nur... schämen sich die Frauen nicht? Mit den Outfits machen die jeder Prostituierten Konkurrenz."
Schmunzelnd verdrehe ich die Augen. "Darum geht es doch. Mal aus dem Alltag raus kommen und einfach mal zeigen was man hat."
"Und dafür muss man sich so anziehen?" Er zeigt auf die Menge.
"Lass sie doch. Es wird niemand gezwungen."
Skeptisch zieht er die Augenbrauen hoch. „Ich dachte Frauen wäre Persönlichkeit so wichtig, in den Klamotten, machen die sich zu nicht mehr als ein Stück Fleisch was frei zur Verfügung steht.“
Kurz überlege ich, ob ich ihm das verhalten erklären sollte, entscheid mich dann aber dagegen und sehe zurück zur Tanzfläche, während ich einen Schluck von meinem Drink nehme. Ich erkenne ein bekanntes Gesicht.
"Bin gleich wieder da, pass bitte gerade auf mein Getränk auf", rufe ich Joel zu und stehe auf, bevor er mich aufhalten kann.
Geschickt gleite ich durch die Menge. Mein Ziel ist eine junge Frau, in einem schwarzen Kleid, mit Spinnen Motive. Sanft berühre ich sie an der Schulter und sie dreht sich zu mir, "Mila, wie schön dich zu sehen."
"Lilly", lächelt sie. Abschätzend sieht sie mich an. Oh wie sie mich hasst. Doch um sich nichts anmerken zu lassen Umarmt sie mich. Ihre Verkleidung als Spinnenfrau passt gut, wobei Giftschlange besser gepasst hätte.
"Bist du alleine hier?", frage ich.
"Nein, mit meinen Freundinnen", sie zeigt auf zwei Frauen neben sich die mir zu winken, "das ist Tanja und Vanessa."
"Hey", übertrieben freundlich lächle ich ihnen zu.
"Und du Lilly, alleine, oder ist der Penner mit dir hier?"
"Ach Nemo, mag so laute Orte nicht, aber", ich zeige auf Joel, "ich bin mit ihm hier."
Sie sieht mit einem sparsamen Blick zu Joel. Als sie ihn dann aber sieht, weiten sich ihre Augen.
"Willst du dich, mit deinen Freunden zu uns gesellen?", frage ich ganz nett.Sie sieht zu mir, dann nochmal zu ihm, dann wieder zu mir, "ja gerne."
Ich lächle freundlich. "Dann komm."
Als wir bei Joel sind setzt sie sich direkt auf den Platz neben ihn. Wie ich es mir dachte, sie will ihn mir ausspannen.
"Das ist eine Bekannte von mir", erkläre ich Joel, der etwas überrascht zu sein scheint, wie nah ihm Mila kommt, "das ist Mila und ihre Freundinnen Tanja und Vanessa."
"Freut mich", Joel lächelt, aber es ist klar, dass er noch nicht genau weiß, was er von ihnen halten soll.
"Wir kennen uns schon... wie lange?", frage ich Mila.
"Ungefähr drei Jahre", erklärt sie.
"Genau, das war auf einer Karnevalsfeier, du warst mit einem bekannten da. Er war als Polizist verkleidet, wie hieß er nochmal."
Ja, genau den Blick wollte ich haben. Sir sieht mich an als würde sie mich mit tausend Messern töten wollen.
Unwissentlich hatte ich ihr damals das Date versaut, als ich mit ihm Geflirtet und ihn später abgeschleppt hatte. Immer wieder treffen Mila und ich uns seitdem zufällig im Club oder auf Partys. Scheinbar habe ich dabei auch immer wieder Männer abgeschleppt, für die sie sich interessiert hat. Seit dem versucht sie sich bei mir zu rechen. Mit Joel gebe ich ihr jetzt die perfekte Gelegenheit. Sie wird alles versuchen, um ihn rum zu kriegen und nicht locker lassen. Ein bisschen tut mir Joel schon leid, aber zu sehr auch nicht. Ich merke das auch Vanessa sich auffällig unauffällig an Joel ran macht. Etwas Rivalität beim Flirten schadet nicht. Das spornt sie nur an. Nicht das Mila noch sehr viel Ansporn braucht.
Das Lied wechselt und Mila beugt sich zu Vanessa. "Ist das nicht dein Lieblingslied? Geh doch etwas tanzen, Lilly wird dich bestimmt gerne begleiten."
Sie hat die Krallen ausgefahren, aber dass spielt mir nur in die Karten, "ja, lass uns Tanzen gehen."
Ich nehme meinen Drink und ziehe Vanessa mit auf die Tanzfläche. Jetzt brauche ich noch jemanden als Double. Ich sehe mich suchend um. Nach kurzer Zeit finde ich eine Frau mit ungefähr meiner Statur und meiner Haarfarbe und Länge.
Unauffällig bewege ich mich mit der tanzenden Masse zu ihr. Ihre Tanz Bewegungen wirken etwas unbeholfen und auch sonst wirkt sie ziemlich schüchtern. Sie ist perfekt.
Ich nehme noch einen guten Schluck von meinem Drink. Den Rest schütte ich, ganz versehentlich, der Frau, die mir so ähnelt sieht über das Kleid.
Überrascht sehe ich sie an. "Oh nein, wie konnte das passieren? Entschuldigung."
Geschockt sieht sie mich an, dann auf ihr Kleid, dann wieder zu mir.
"Hast du was zum Wechseln dabei?", frage ich ganz scheinheilig.
"Em ich, eh nein ich..."
Ich sehe kurz weg, so als würde ich nachdenken, "ich hab eine Idee, wurdest du etwas von mir anziehen?"
"J.. ja.. ich denke..."
Ich sehe zu Joel, der von Mila ziemlich bedrängt wird. Suchend geht sein Blick durch die Menge. Dank meinem roten Kleid findet er mich schnell. Ich winke ihm zu und zeige in Richtung der Toiletten und er macht mit der Hand ein O.K. Zeichen, dann schiebt sich Mila wieder in sein Sichtfeld.
"Komm mit", sage ich zu der jungen Frau und ziehe sie mit mir zu den Toiletten. Nur zwei andere Frauen sind da und ziehen ihre Schminke nach.
"ich kann mich nur Entschuldigen", wiederhole ich mich nochmal und fange an mir mein Kleid über den Kopf zu ziehen, "hier, zieh das an."
Sie sieht mich irritiert an. Vor allem aber auch wegen dem was ich jetzt trage. Ich trage einen schwarz-roten BH, mit sich über meinen Bauch kreuzenden Bändern und nur einen sehr knappen Rock.
"Ich gehe gleich in den Keller, da brauche ich das Kleid nicht. Bitte nimm es, es ist trocken."
Eine der anderen Frauen sieht mich überrascht an, "in den Keller? Was soll da sein?“
"Eine geschlossene Party, bei der es etwas... intimer wird", erkläre ich und lecke über meine Lippen.
Abschätzend sieht sie mich an. Was mich schmunzeln lässt. Sie sieht selber aus, als würde sie mit nur etwas Alkohol mit jedem mitgehen.
Ich sehe wieder zu der jungen Frau, mit dem nassen Kleid. "Komm Mausi ich helfe dir beim Umziehen und ich bin mir sicher", flüstre ich, "der Mann mit dem du da bist, wird dich etwas mehr im Auge behalten, wenn andere Männer wegen dem intensiven Rot, vom Kleid zu dir gucken."
Das weckt dann doch ihre Neugier. Ich helfe ihr beim Umziehen und richte schnell ihre Haare etwas, damit sie mir vom weiten noch mehr ähnelt. Perfekt. Sie bedankt sich und geht aus der Damentoilette. Ich warte noch kurz, dann schleiche ich mich raus. Ich sehe wie Joel noch immer von Mila und mittlerweile auch wieder Vanessa umgarnt wird. Immer wieder sieht er rüber zu dem roten Kleid, was jetzt einer anderen gehört.
Es läuft wie am Schnürchen. Schnell mach ich mich in den Keller. An der Tür unten muss ich nochmal mein Bändchen vor zeigen, dann werde ich eingelassen. Das Licht ist dunkler, ruhiger und auch die Musik nicht so Laut und hektisch wie oben. Auch wird hier viel mehr Haut von den Gästen gezeigt, sowohl Frauen als auch Männer tragen nur das nötigste. In vielen verschiedenen Nischen machen paare oder kleine Gruppen miteinander rum. Ich lecke mir wieder über die Lippen. Ich habe Hunger und alle hier sehen sehr lecker aus. An einem Tisch steht eine kleine Gruppe von Männern, einen von ihnen kenne ich. Geschmeidig gleite ich zu ihnen.
Ich halte meinem Bekannten die Augen zu und flüstere verführerisch, "süßes sonst gibt‘s saures."
Er fängt an zu kichern und dreht sich um. "Lilly, wie schön dich mal wieder zu sehen."Er beugt sich runter und gibt mir einen schnellen Kuss. Nicht lang genug um Energie zu geben. Aber ich muss mich gedulden. Er stellt mich den Männern in der Runde vor. Ich winke ihnen süß zu, "wie sieht es aus? Wollen wir zusammen Spaß haben."
Es ist zwar nicht meine Art, direkt so mit der Tür ins Haus zu fallen. Aber die Blicke der Männer sagen eindeutig, dass sie mir nicht abgeneigt sind.
Einer sieht zu den 'Spielzimmern'. "Im Moment ist alles belegt."
"Na dann." Ich lege meinen Arm um seinen Hals. "Wir können ja schon mal etwas warm werden."
Er grinst mich an, sein Arm gleitet über meine Hüfte. "Du bist ja richtig gierig."
Ich zeige auf meine Hörner. "So sind wir Dämonen nun mal."
"Ich dacht du bist ein Teufel"
"Ich bin was immer du willst", schnurre ich.
„Pass auf“, meint einer der anderen, „am Ende ist sie ein Sukkubus und saugt uns unsere Lebens Energie aus.“
Ich lache mit ihnen. „Ich weiß zwar nicht was das sein soll, aber…“ Verschmitzt lächle ich sie an, „Ich sauge euch gerne aus.“
Seine Augen leuchten auf und er lässt sich endlich in einen Kuss ziehen. Kein kurzer, nein, ein schöner, langer, intensiver Kuss. Ich spüre seine Energie. Endlich, ich koste sie. Was habe ich das vermisst. Zu schade, dass ich beim Küssen nur so langsam und wenig Energie aussaugen kann. Es ist als wollte ich mit einem Strohhalm, eine Badewanne lehr trinken.
Ich spüre eine Hand an meinem Rücken. Einer der anderen Männer lehnt sich zu mir. Ich beende den Kuss und wende mich zu ihm. Noch mehr Energie. Der erste Mann, beginnt meinen Hals zu küssen. Das spornt den zweiten nur noch mehr an und seine Energie fließt besser. Wen Joel sich noch etwas länger täuschen lässt, werde ich genug Energie für den ganzen nächsten Monat sammeln können. Ich spicke zu den Spielräumen. Noch immer nichts frei.
"Wen von uns möchtest du später mit nehmen", fragt mich mein Bekannter.
Ich sehe ihn mit großen Augen an, "darf ich euch alle mit nehmen?"
Die Männer lachen und einer flüstert in mein Ohr, "was immer du wünschst."
Ich liebe diese Partys. Die Stimmung ist ausgelassen. Die Männer sind nur selten betrunken, sehr höflich und zuvorkommend. Alle zeigen sich von ihrer besten Seite. Sie wären auch dumm wenn nicht. Denn wenn man sich hier daneben benimmt, fliegt man raus und kommt nicht wieder rein.
Ich küsse einen der Männer. Sanft koste ich weiter seine Energie. Ich komme mir vor, als wäre ich, nach einer langen Wüstenwanderung endlich auf eine Oase gestoßen. Ich schließe meine Augen. Ich beende den Kuss und lehne mich zu einem anderen Mann. Das hier ist ein All-you-can-eat-Buffet. Nur das es mir zu langsam geht. Wann ist endlich einer der Räume frei. Ich will mehr Energie und die Männer um mich herum sind nur allzu bereit, sie mir zu geben. Ich spüre einen starken Zug an meinem Halsband. Da kann es wohl jemand nicht abwarten. Ich beende den Kuss und drehe mich, in die Richtung aus der, der Zug kommt. Ich will mich gerade zu seinen Lippen lehnen als ich in Joels Gesicht sehe und erstarre.
"Was.. wie... warum..."
Er zieht etwas mehr an der Leine, "bei unserem Rundgang eben, musst du vergessen haben mir auch den Raum hier zu zeigen."
"Ich eh... "
"Kennt ihr euch?" Geht einer der Männer zwischen uns.
Joel schenkt ihm ein freundliches Lächeln. "Ja, wir sind zusammen hier, alles ist gut." Seine Stimme klingt anders, warm, sanft beruhigend.
Die Augen der Männer wirken plötzlich leer und sie Nicken. In dem Moment packt mich Joel mit der Leine und zieht mich in einen der Spielräume. Wann ist der frei geworden?
"Wie äußerst passend", murmelt er, während er die Tür schließt und verriegelt.
Ich sehe mich kurz um. Wir sind in einem der SM-Räume gelandet. Verschiedene Gerten, Peitschen und Handschellen hängen an einer Wand, an der anderen hängt ein Andreaskreuz und natürlich steht in der Mitte ein großes Bett.
Mit einem Ruck an der Leine entreißt er mir die Kontrolle. Sein Bein schiebt sich vor meine und ich Falle auf alle viere. Bevor ich mich aufrichten kann, stellt er sich mit dem Fuß Auf die Leine. Ich kann nicht aufstehen und muss so vor ihm nieder knien. Mein Herz hämmert wie wild.
„D…du bist doch nicht wütend, oder?“
"Wütend?" Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie er nach einer Gerte greift, ohne dass er mit dem Fuß von der Leine geht. "Warum soll ich wütend sein?"
Seine Stimme ist sanft, aber mit einem warnenden und gefährlichen Unterton. Mit einer Ruhe, die mir eine Gänsehaut über den Rücken jagt, lässt er die Spitze der Gerte federleicht, über meine Schulter streichen.
"Weil du mich diesen gierigen, eifersüchtigen und ziemlich nervigen 'Freundinnen' ausgesetzt hast?"
Ich zucke zusammen. Er lässt die Gertenspitze den oberen Rand meines BHs nachfahren.
"Weil du mit Absicht ein so auffälliges Kleid angezogen hast, um es dann einer anderen zu geben?"
"W… wie ist dir das Aufgefallen?"
Die Gerte streicht langsam meinen Rücken runter. Ich bekomme eine Gänsehaut. Ich winsle etwas.
"Als sie anfing mit einem Mann zu kuscheln war ich der Meinung das Ganze zu stoppen und war dann etwas überrascht, nicht in dein Gesicht zu sehen. Aber sie war so lieb mir alles zu erklären und auch wo du hingehen wolltest."
Ich erschaudre erneut, als er mit der Gerte jetzt über meinen Hintern streicht. Mir wird heiß und kalt. Diese Berührung macht mich wahnsinnig, so zärtlich und gleichzeitig irgendwie bedrohlich. Ich will davor weg laufen, bin aber auch gleichzeitig neugierig was als nächstes kommt.
"Wie kommt es... das sie dich reingelassen haben." Ein zittern begleitet meine Stimme.
"Sagen wir so, ich kann sehr überzeugend sein."
Ich spüre die Gerte nicht mehr und warte darauf, dass er mich damit schlägt. Meine Augen sind zu gekniffen und mein ganzer Körper angespannt. Doch es kommt kein schlag. Ich sehe zu Joel. Er sieht ausdruckslos auf mich runter. Die Gerte liegt locker, in seiner abgesenkten Hand.
"Du.. du willst mich nicht bestrafen?"
Er zieht eine Augenbraue hoch. "Das klingt fast so als wolltest du es."
"Nein!"
Er lacht. "Entspann dich." Er hängt die Gerte wieder weg. "Ich wüsste gar nicht was ich machen soll."
Erleichtert atme ich auf, als er um mich herum geht und sich auf das Bett setzt. Schmerzen sind nichts, worauf ich stehe.
Ich deute auf das Bett, "du weißt das da eben noch..."
"Noch jemand Sex hatte? Ja, und es ist mir ziemlich egal." Der harte Ton in seiner Stimme ist wieder da.
Ich zucke zusammen. Er stützt sich, mit den Ellenbogen auf die Oberschenkel ab und beobachtet mich. Ich knie vor ihm, noch trau ich mich nicht auf zu stehen."Ich hab nicht gelogen und auch nicht die Regeln gebrochen", nuschle ich.
"Die Wahrheit sagst du aber auch nicht." Genervt fährt er sich durch die Haare. "Was sollen wir nur mit dir machen?" Er sieht wieder zu mir. "Ich würde dein Verhalten ja verstehen, wenn du schon mehrere Monate ohne Energie auskommen musst, aber wie lange bist du jetzt bei uns? Nicht mal zwei Wochen."
"Aber..."
"Kein 'aber', du wirst es doch schaffen, mal Minimum einen Monat ohne Energiestehlen aus zukommen."Fassungslos starre ich ihn an. "Ich würde auch zwei Monate durchhalten, wenn ich meine Energiereserven voll hätte. Aber weil ich immer nur ganz wenig nehme, um niemanden zu Schaden, hab ich kaum Energie und muss jedes Wochenende jagen gehen."
"Jagen?"
"Es.. uns ist nichts anderes eingefallen, wie wir das nennen sollen", erkläre ich panisch.
"Du meinst dir und Nemo?"
Ich nicke.
"Da sollte mich echt nichts mehr wundern." Er steht auf und nimmt die Leine. "Steh auf, wir gehen nach Hause."
"Was... aber... ich..."
"Ich werde bestimmt nicht zu sehen, wie du anderen ohne ihr Einverständnis Energie klaust."
Deswegen ist er bei Nemo und mir nicht dazwischen gegangen, wird mir klar.
"Also, wenn ich sie frage ob ich ihre Energie haben darf und sie zustimmen, darf ich ihre Energie haben?"
Ich erinnere mich an die Andeutung, dass ich an Sakku-Irgendwas sein könnte.
"Wenn du sie vorher ordentlich aufgeklärt hast, ja. Und mit Ordentlich meine ich das sie genau wissen, was du bist und ihnen absolut klar ist, dass es keine Verkleidung oder irgendein Rollenspiel ist."
Ich sehe ihn Böse an. "Das ist nicht fair. Es ist verboten Menschen von der Existenz von Engeln und Dämonen zu erzählen. Also, kann ich nur andere Dämonen anbetteln, na danke auch."
"Oder Engel", ergänzt er.
Ich sehe ihn schief an, "ja klar..."
Joel verdreht die Augen, "wenn du nicht willst dann steh auf, ich will nach Hause."
"Aber..."
"Na los!"
Es ist seltsam, wenn er sauer und befehlend ist. Als ich zögre, zuckt er mit den Schultern und geht zur Tür, aber ohne die Leine los zu lassen. Ich falle wieder, als Zug auf die Leine kommt. "Schon gut, schon gut, ich stehe schon auf."
Er wartet. Gemeinsam gehen wir aus dem Raum. Ich hoffe, dass einer der Männer von eben nochmal versucht, was mit mir an zu fangen, oder wenigstens Joel hinterfragt. Aber ich sehe keinen von ihnen. Mit hängendem Kopf folge ich Joel.
Natürlich freue ich mich über jedes Komentar, jede Kritik.
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Moin, Moin,
hier kommt Kapitel 8, ich hoffe es gefällt euch und ich freue mich auf jedes kommentar.
Kapitel 8
Verschlafen und leicht verwirrt blinzle ich. Sanftes Tageslicht kommt durch mein Zimmerfenster. Ich richte mich auf. Warum ist es schon hell draußen? Ich sehe auf mein Handy. Es ist schon halb neun. Warum bin ich nicht geweckt worden? Ich gehe aus meinem Zimmer. Niemand zu sehen. Auch die Präsenz, der beiden Engel kann ich nicht spüren. Ich bin alleine.
Ed ist wohl noch immer sauer.
Es müsste noch Müsli, aus meiner Wohnung da sein. Gähnend hole ich die Milch und durchsuche die Schränke, nach dem Müsli, einer Schale und einen Löffel. Es fühlt sich seltsam leer an, so ganz alleine. Zwar reden die Engel beim Essen nicht aber trotzdem ist es seltsam leise. Ich hole mein Handy und mache Musik an.
Was soll ich jetzt machen, wo die beiden weg sind? Frage ich mich, während ich mein Müsli mampfe. Ich weiß nicht wo sie sind oder wann sie wieder kommen. Sollte ich einfach auch irgendwohin gehen. Aber wo sollte ich hin? Sonntags ist Clubmäßig nichts los. Die meisten Leute schlafen lange, erschöpft von der Nacht. Aber was wenn die Engel zurück komme und ich nicht da bin? Ed ist offensichtlich noch sauer auf mich. Er würde vermutlich ausrasten.
Nachdenklich sehe ich in meine leere Schale. Ich sollte Duschen gehen. Wer weiß, ob mich Ed nicht wieder auf mein Zimmer schickt, wenn er wieder kommt. Vielleicht gehe ich auch baden. Ja, warum eigentlich nicht?
Schnell suche ich ein paar bequeme Klamotten zusammen, um damit ins Bad zu gehen. Mein Blick fällt auf die Müslischale. Wenn Ed und Joel wiederkommen und ich in der Badewanne bin, während noch schmutziges Geschirr draußen steht, wird Ed auch sauer. Also erstmal spülen. Ich hänge meine Klamotten über die Stuhllehne. Das Beste am Spülen ist, dass warme Spülwässer. Ziemlich verschwenderisch, so viel Wasser für nur eine Schale und einen Löffel. Ich sehe zum Tisch. Einmal darüberwischen wird schon nicht wehtun. Wenn ich schon dabei bin, kann ich auch über die Küchentheke wischen. Ich trockne die Schale und den Löffel ab. Nachdem ich sie weg geräumt habe, wische ich über die Küchenzeile. Ich sehe in die Nische hinter der Küche. Warum nicht hier auch mal über die Oberflächen wischen? Beherzt schöpfe ich etwas Spülwasser in eine Schüssel und gehe damit in die Nische. Erst wische ich den Tisch ab. Dann über das Regal. Das Regal ist staubiger als gedacht. Ich fange an die Bücher raus zu holen und über Bücher sowie die Regalböden zu wischen. Auch die Spinnenweben an der Decke mache ich weg.
Die Fenster könnten auch mal wieder geputzt werden. Aber eins nach dem andern. Das Wasser ist schmutzig. Ich schütte es weg und lasse neues Putzwasser in die Schüssel laufen.
Mein Blick schweift zur Uhr. Bald Zeit fürs Mittagessen. Sollte ich was Kochen? Am besten etwas, was man wieder aufwärmen kann. Vieleicht Suppe? Ich durchforste den Kühlschrank. Ich könnte Kürbiscremesuppe machen. Nemo hat sie immer geschmeckt.
Ich hole den Kürbis, eine Zwiebel und ein paar Kartoffeln. Gerade als ich angefangen habe den Kürbis in Würfel zu schneiden, klingelt es an der Tür.
Warum klingeln die Engel? Die haben doch Schlüssel. Nein. Das sind nicht die Engel, ich spüre ihre Präsenz nicht. Ich mache die Tür auf und ein kleines Mädchen steht vor der Tür. Mit großen grünen Augen sieht sie mich überrascht an. Ihre dunkelblonden Haare sind, ähnlich wie meine, im Nacken zusammen gebunden.
"Ist... Joel da?", fragt sie unsicher.
"Nein, er ist noch weg", antworte ich. Was will das kleine Kind von ihm. Ich Mustere sie genau. Sie starrt mich mit großen Augen an. Dieser auffordernde Blick ist mir irgendwie unangenehm. Am liebsten würde ich die Tür einfach wieder zu machen. Ob das ok ist? Vermutlich nicht. „Wer bist du denn?“, frage ich, allerdings erwarte ich keine richtige Antwort, von einem Kind und sehe die Treppe runter, ob da sonst noch jemand ist.
"Ich heiße Emilia und... wir wohnen auch hier", erzählt sie Schüchtern.
Ich sehe wieder zu ihr. "Ihr wohnt hier?"
Sie nickt. "Ja, im Ersten Stock.“ Also unter uns. „Und wer bist du?"
"Ich bin Lilly. Ich... ich wohne auch hier."
"Bist du Joels Frau?"
"W.. was?", ich starre sie entgeistert an, "nein.. nein wir, ich..."
"Ist jemand da, Emilia?", ruft eine Frauenstimme von unten.
Emilia beugt sich über das Geländer, "nur Lilly ist da."
"Wer?"
Ich beuge mich auch über das Geländer und sehe runter, zu einer Frau, die Emilias Mutter sein muss. Sie haben jedenfalls dieselbe Haarfarbe."Em... Hallo…" Ich winke ihr zu. Hoffentlich pfeift sie das Kind zurück. Ob Kinder beißen? Ich rücke unauffällig etwas weiter weg vom Kind.
"Das ist Edwards Frau, Mama."
"Nein", quitche ich, "ich bin auch nicht Eds Frau..."
Was stimmt mit diesem Kind nicht? Emilias Mutter fängt an zu lachen.
"Warum bist du dann hier", fragt Emilia.
"Na weil..." Das geht die doch nichts an. Aber ich will das Kind auch wieder loswerden, also sag ich es besser einfach. "Ich hab einen Rohrbruch in meiner Wohnung und kann da im Moment nicht wohnen. Ed und Joel lassen mich hier wohnen, bis meine Wohnung wieder bewohnbar ist."
"Was ist ein Rohrbruch?"
"Eh, das ist wenn Wasser in die Wohnung läuft."
"Warum machst du das dann nicht aus?"
"Weil eh..." Will die mich provozieren, oder warum fragt die so dumme Fragen?
"Emilia das reicht jetzt", Emilias Mutter kommt die Treppe hoch, "tut mir leid, dass sie dich so löchert, ich bin Katja, hallo"
Ich nehme ihre ausgestreckte Hand, "hallo."
"Joel hatte die Tage schon von dir erzählt. Weißt du schon wie lange die Reparatur braucht?"
Endlich ein Erwachsener Mensch, mit dem ich normal reden kann. "Die Vermieterin meinte es dauert wohl fünf Monate."
"Bleibst du solange hier wohnen?", fragt Emilia.
"Ich denke..."
Ihre Augen fangen an noch größer zu werden. "Kannst du dann zu uns spielen kommen?"
"Spielen?" warum hab ich die Tür überhaupt auf gemacht? Das Nächste Mal wenn jemand an der Tür ist und ich alleine bin, werde ich einfach tun als wäre niemand da.
"Ja, ich hab noch einen kleinen Bruder. Mama und Papa spielen nicht so viel mit uns" Sie springt aufgeregt auf und ab. "Du kannst doch unsere große Schwester spielen und..."
"Emi, Emi", unterbricht sie Katja, "mach langsam. Frag doch erstmal ob Lilly überhaupt Zeit hat."
"Naja, ich muss immer lange arbeiten.“
"Du arbeitest?"
"Eh.. ja.."
"Du gehst nicht mehr in die Schule?"
Für wie alt hält mich dieses Kind.
"Was arbeitest du denn?"
"Ich arbeite in einem Blumenladen. Im Blumenring."
"Ach ja, den kenn ich", bringt sich Katja wieder ein, "an Muttertag kauf ich dort immer Blumen für meine Mutter. Ich wusste doch, dass mir dein Gesicht irgendwie bekannt vorkommt. Ach, klein ist die Welt."
Sie erzählt noch etwas, dann gehen die beiden endlich wieder in ihre Wohnung. Allerdings erst nachdem ich versprechen musste, dass ich Joel sage, dass Emilia eine zwei in der Arbeit bekommen hat, für die sie mit ihm geübt hat. Im Stillen entscheide ich für mich, dem Kind zukünftig aus dem Weg zu gehen.
Ich mache die Suppe weiter.
Während das Gemüse kocht, fang ich an über das Treppengeländer zu wischen. Ich bin noch nie oben gewesen. Da ich noch nie einen Fernseher hatte, war ich auch nicht sonderlich interessiert daran. Nach dem Abendessen hab ich mich immer, nach einer Dusche, in mein Zimmer verkrümelt und am Handy Spiele gespielt. Es kommt mir auch komisch vor, hier hoch zu gehen, wenn mein einziger Grund Neugierde ist. Aber jetzt wo ich alleine bin. Meine Neugierde wächst und ich gehe nach oben. An der Dachschräge, gegenüber vom Geländer steht ein dunkelblaues Sofa, was zugegebenermaßen, sehr bequem aussieht. Mehrere kleine Kissen, mit maritimen Motiven liegen auf dem Sofa und eine ordentlich gefaltete Decke, liegt in einem Korb daneben. Ein geflochtener Teppich liegt vor dem Sofa. Auf einem weißen, kleinen Schrank, vorm Geländer steht ein großer flacher Fernseher. Kein WLAN, aber so einen Fernseher. Bestimmt nur um Nachrichten zu sehen. Hinter der Fernsehrecke macht das Plato noch einen linksknick, vermutlich über das Bad, mit einem großen Fenster. Dort steht noch ein Bücherregal und ein gemütlich aussehender Sessel, mit einer Lampe und einer Flauschigen Decke. Es ist erstaunlich gemütlich hier oben. Vielleicht sollte ich öfter hier hoch kommen.
Ich nehme meine Waschschüssel und mache weiter das Geländer sauber. Zwischendurch sehe ich immer wieder nach der Suppe. Als Kartoffeln und Kürbis weich sind, püriere ich alles mit einem Pürierstab und verfeinere es mit Gewürzen. Ich decke den Tisch, aber als die Engel auch um halb zwei noch nicht da sind, fange ich schon mal an zu Essen. Ich warte noch eine Weile, nachdem ich fertig bin, aber nichts. Es fühlt sich lehr und einsam an.
Kopf schüttelnd versuche ich das Gefühl ab zu werfen. Ich räume den Tisch ab und mach mit Putzen weiter. Nachdem ich das Geländer blitze blank habe, wische ich über die Oberflächen und räume auch hier das Bücherregal aus, um alles ab zu wischen. Danach kommen die Fenster dran. Durch das Putzen ist mir so warm, dass mir die frische Luft, die reinkommt, als ich die Außenseite vom Fenster putze, nichts ausmacht. Mir fällt auf, dass das Fenster oben offen und nur angelehnt ist. Ob der Schließ Mechanismus kaputt ist? Na ich werde es mal nicht ausprobieren und nur wieder anlehnen.
Der Boden könnte eigentlich auch mal gewischt werden. Im Schrank unter der Treppe hab ich einen Mob und einen Eimer gesehen. Ich schnappe mir die nötigen Utensilien und fange oben an und arbeite mich runter. Nachdem Fernseherzimmer, Treppe, Esszimmer und das Zimmer hinter der Küche, ich nenne es einfach mal Arbeitszimmer, blitzeblank sind beginne ich das Bad sauber zu machen.
Während ich die Toilette, Waschbecken und Dusche putze, lasse ich Wasser in die Wanne ein. Ein entspannendes Bad hab ich mir nach all der Arbeit verdient. Ich finde beim Aufräumen noch ein Entspannungsschaumbad. Ich werde morgen eine neue Packung kaufen, also wird das wohl kein Problem sein. Gerade als die Wanne voll ist, bin ich auch mit dem Putzen fertig. Ich mach das Fenster auf Kipp und lege mich in das heiße, fast kochende Wasser. Wäre ich ein Mensch würde ich mir wohl jetzt die Haut verbannen. Aber für mich als Dämon, herrlich.Ich mache die Augen zu und lehne mich zurück. Zu schade, dass ich in meiner Wohnung keine Badewanne habe. Aber es wäre auch kein Platz.
Meine Wohnung. Ich sehe hoch zum Fenster. Es wird bald nichtmehr meine Wohnung sein. Ich kann keine fünf Monate hier bleiben. So schnell es geht sollte ich eine neue finden und das Mietverhältnis mit meiner Alten Wohnung kündigen. Die Engel wollen mich doch auch bestimmt nicht hier haben. Ed hat vermutlich nur zugestimmt, weil er vor der Vermieterin gut dastehen will und damit seine perfekte Erscheinung nicht Bröckelt. Ob er sich mir gegenüber auch so 'perfekt' verhalten würde, wie er es bei den anderen Menschen macht, wenn ich kein Dämon wäre?
Wie Joel wohl wäre, wenn ich ein Mensch wäre? Er flirtet ziemlich offensichtlich. Aber wenn ich ein Mensch wäre, würde er übers flirten hinausgehen?
Als das Läuten der Kirchenglocken sechs Uhr anzeigt entscheide ich, dass ich genug gebadet habe. Bestimmt kommen auch Ed und Joel bald heim. Ich ziehe mir die Sachen an, die ich schon morgens rausgelegt habe, während das Wasser abläuft. Weil Ed sich darüber beschwert hat, dass er nach mir immer das Bad sauber machen muss, wische ich sicherheitshalber überall nochmal drüber.
Ob ich die Suppe schon mal warm machen soll? Nein, ich warte besser, bis die beiden da sind. Das Aufwärmen geht ja schnell. Aber den Tisch kann ich schon mal decken.
Es hat draußen angefangen zu regnen. Eds Schirm lehnt bei der Garderobe. Bestimmt sind die beiden Nass wenn sie hier ankommen. Ich hole zwei Handtücher und lege sie griffbereit hin und warte. Und warte. Und warte.
Nach einer Stunde warten mach ich dann doch die Suppe warm und esse etwas. Auch danach tauchen sie nicht auf. Ich fühle mich irgendwie vergessen, zurückgelassen. Hätten sie nicht wenigstens eine Nachricht da lassen können, auf der steht wie lange sie weg sind?
Ich liege jetzt auf dem Sofa in eine Decke gekuschelt und sehe mir freie Wohnungen und WGs an meinem Handy an. Bald ist 10 Uhr, dann müssen sie kommen. Fünf vor zehn, vier vor zehn, drei vor zehn, zwei vor zehn, noch eine Minute, zehn Uhr. Neugierig richte ich mich auf, um zur Tür zu sehen. Nichts. Die Tür bleibt zu. Ich leg mich zurück auf das Sofa. Hätte ich das gewusst, wäre ich auch ausgegangen. Irgendein Opfer hätte ich bestimmt gefunden. Wie war das nochmal gestern? Wir halten uns alle an die Regeln, ja klar. Wütend tippe ich auf meinem Handy herum. Was fällt denen ein mich hier einfach sitzen zu lassen?
Was wenn ihnen was passiert ist? Kopfschüttelnd schiebe ich den Gedanken beiseite. Das ist Blödsinn. Wir reden hier von zwei Engeln. Was soll denen schon passieren? Das sie zu sehr angeschmachtet werden? Und wenn sie sich mit einem zu starken Dämon angelegt haben? Sie sind zu zweit, so mächtige Dämonen, die es mit zwei Engeln aufnehmen gibt es hier nicht. Jedenfalls hab ich von keinem gehört.
Ich sehe auf die Uhr. Viertel vor Elf. Ob ich versuchen sollte den Fernseher an zu bekommen? So schwer kann das ja nicht sein. Ich brauch nur eine Bedienungsanleitung aus dem Internet raussuchen.
Gerade will ich mich aufrichten um heraus zu finden, was für ein Gerät sie haben, als das Fenster aufschwingt. Ich springe vom Sofa, sofort kommen meine Hörner und mein Schwanz raus und ich bin bereit zu kämpfen, oder zu fliehen. Ok, sein wir ehrlich, der Fluchtinstinkt ist definitiv der stärkere, aber erstmal muss ich herausfinden, vor was ich fliehe.Zuerst bin ich geblendet, von dem Licht, was mir entgegen kommt. Ich blinzle ein paarmal und erkenne Gold leuchtende Flügel, auch sonst ist Ed, der gerade durch das Fenster herein schreitet, in einem Goldenen Schimmer gehüllt. Gleich hinter ihm ist Joel, der in ein silbernes Licht gehüllt ist. Ich starre die beiden mit offenem Mund an. Das war das erste Mal, dass ich Engel in ihrer Engelsform sehe. Sie sehen zwar aus wie Ed und Joel aber jetzt mit gewaltigen, weißen Flügeln und dieser blendende Schein.
"Du bist noch wach?", fragt Joel und holt mich aus meiner Bewunderung.
Sofort erinnere ich mich, dass ich eigentlich wütend auf die beiden bin. Ich richte mich auf, "habt ihr eine Ahnung wie spät es ist?", fauche ich und halte mein Handy hoch, so dass sie die Uhrzeit sehen können, "es ist fast elf Uhr!", ich sehe zu Ed, "gestern hast du mir noch einen Vortrag gehalten, dass wir uns alle an die Regeln halten und als ich das letzte Mal aufs Regelwerk gesehen habe, war ab 10 Uhr Ausgangssperre! Habt ihr auch mal daran gedacht, mir Bescheid zu sagen? Ich hab mir Sorgen gemacht! Und ich hab Essen gemacht. Wenn ihr nicht zum Essen kommt, lasst eine scheiß Nachricht da!", ich hole tief Luft, nach meiner atemlosen Rede, dann bemerke ich, dass beide nass vom Regen sind, "und jetzt tropft ihr hier alles voll. Ich hab den ganzen Tag geputzt! Wehe ihr rührt euch vom Fleck!"
Wütend rase ich die Treppe runter und hole einen Haufen Handtücher aus dem Bad und rausch zu ihnen zurück. Beiden schmeiße ich ein Handtuch zu. "Habt ihr keine Regenabwehr oder so einen Blödsinn. Mit den Flügeln macht ihr nur mehr schmutz."Ich will gerade mit einem Handtuch die Flügel von Ed abtrocknen, als ich stocke. Kann ich einfach die Flügel von Engeln berühren? Sie sind heilig, was wenn ich mir die Hand verbrenne, wie bei Weiwasser?
"Du hast Recht."Überrascht sehe ich zu Ed auf.
"Wir hätten dir Bescheid sagen sollen. Tut mir leid, ich hab nicht gedacht, dass es dich so verletzt."
Ich verschränke die Arme vor der Brust, " ich bin wütend."
Ich erinnere mich an das Gefühl, was ich hatte, als ich alleine gegessen habe. Ja ich war auch verletzt. Aber das mussten die ja nicht wissen.
Ed streicht sanft durch mein Haar und zieht mich plötzlich an sich. Ich erstarre, als er mich sanft auf die Stirn küsst, "tut mir leid Lilly, kommt nicht wieder vor."
Ich spüre wie meine Wangen heiß werden, "d... das macht es nicht wieder gut."
Er flüstert in mein Ohr, "was würde es denn wieder gut machen?"
Ein Schauers geht durch mich durch, "ich… vielleicht wenn ich auch mal länger ausbleiben dürfte.“
"Ok", Ed geht einen Schritt zurück und wischt sich weiter Trocken. „Hast du einen bestimmten Termin im Kopf.“
„Da ist diese Halloweenparty.“ Schon an seiner Körperhaltung erkenne ich, dass Ed nein sagen will. „Ich hab mich schon vor Monaten dafür angemeldet.“
Ed sieht mich einen Moment schweigend an, dann „Ich werde darüber nachdenken.“
Das war kein Ja aber auch kein Nein, es bleibt zu hoffen.
Joel beugt sich zu mir, "tut mir auch leid, kleiner Dämon."
Ich zucke etwas weg. "Was? Willst du mir jetzt auch einen Versöhnungskuss geben?"
"Willst du einen?"
"Nein", fauche ich.
Er zuckt mit den Schultern und lässt seine Flügel in hellem silbernem Licht verschwinden. Auch der silberne Schein um ihn herum verschwindet.
"Habt ihr keine Angst, dass man euch sieht, wen ihr so leuchtend herum Fliegt."
"Nein", Joel macht das Fenster zu, "die Menschen, die uns sehen glauben sie hätten einen Vogel gesehen. Erst wenn wir so vor ihnen landen, können sie uns erkennen."
Auch Ed lässt seine Flügel verschwinden und das goldene Licht verschwindet ebenfalls. Beide ziehen ihre Schuhe aus und wischen sogar die Nassen stellen am Boden weg.
"Du hast gewischt?", wiederholt Ed.
"Ja und die Fenster geputzt und das Geländer, das Bad, die Schränke."
"Wir müssen dich öfter mal alleine lassen", unterbricht mich Joel, während er die Treppe runter geht.
"Tut mir ja Leid, dass ich nach der Arbeit keinen Großputz starte", knurre ich ihn wieder an, ich drehe mich zu Ed, "und bevor du glaubst ich hätte das nur wegen deiner Ansprache gestern gemacht. Ich Putze meine Wohnung immer Sonntags wenn ich frei hab."
Beschwichtigend hebt Ed die Hände, "ich wollte Garnichts Sagen."
"Kürbiscremesuppe?", höre ich Joel von unten, "sieht gut aus, darf ich die für uns warm machen?"
"Die ist für euch."
Joel probiert mit einem sauberen Löffel, "mmh, sehr lecker, du kannst ja richtig Kochen."
"So schwer ist das auch nicht." Versuche ich gleichgültig zu sagen, aber ich fühle mich doch geschmeichelt, wenn ein so guter Koch wie Joel mein Essen lobt.
"Erklär das mal Ed. Alles was der Kocht ist mehr Gift als Essen."
Genervt sieht Ed runter zu Joel, "so schlimm ist es auch nicht."
Ich sehe ihn überrascht an, es gibt tatsächlich etwas, was Ed nicht kann? Und ich war mir sicher, er ist in allem perfekt. So kann man sich täuschen.
"Warum liegen hier Handtücher?", fragt Joel.
"Die waren für Euch. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, ihr kommt durch die Tür."
"Du bist ja richtig fürsorglich."
"Ach sei doch still..."
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Vielen dank, es freut mich sehr das dir die Geschichte gefällt und ich hoffe sie unterhält dich weiterhin.
Ein kleiner Logikfehler ist mir bisher aufgefallen. Lilly bezeichnet ihren Begleiter in der Therme als "Cousin". Aber sie kann ja eigentlich nicht lügen.
Nennen wir es eine grau zone. Lilly hat nur das wort gesagt und nicht gesagt das Joel ihr cosin ist. hätte die Frau nochmal nachgefragt, ob Joel Lillys cosin ist, hätte sie es nicht bestätigen können. Lilly hat also nur ein wort gesagt, und die frau hat interpretiert, das es eine verbesserung ist, aber es war nur ein wort.
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Kapitel 7
Lustlos pikse ich in dem Frühstücksei herum. Die ganze Nacht, habe ich nicht geschlafen. Ich kann keine fünf Monate bei den Engeln bleiben. Schon jetzt hab ich kaum noch Energie. Ich muss unbedingt eine Möglichkeit finden meine Energie wieder auf zu füllen und ich brauch eine neue Wohnung. Nichts Großes, nur etwas Kleines, Trockenes und vor allem Warmes. Die Vermieterin wird mich, sobald ich etwas habe hoffentlich früher, aus dem Mietvertrag entlassen.
"Willst du das Ei auch essen, oder nur quälen?", fragt Joel.
"Ich hab keinen Hunger." Selbst in meinen Ohren klinge ich wie ein motziges Kind.
"Du musst was essen", kommt es von Ed.
"Ja Mama", knurre ich.
"Wie sind wir den von Daddy auf Mama gekommen."
"Ich glaub wegen deiner Mütterlichen Fürsorge", meint Joel zu Ed.
"Ja klar..."
Die Teller der Engel sind leer und ich entscheide auf zu stehen.
"Lilly." Schon wieder dieser warnende Unterton. "Du bist noch nicht fertig."
"Und die Mütterliche strenge", wirft Joel ein und erntet einen schiefen Blick von Ed.
"Ich nehme es mit auf die Arbeit." Ich nehme meinen Teller und hole eine Brot Dose, um das Restliche Ei hinein zu schieben.
"Du willst jetzt schon los?" Ed kommt zu mir, als ich mir meine Jacke über ziehe "Du musst mir beim spülen..."
"Ich brauch gerade Zeit für mich", unterbreche ich ihn und schnappe meine Schuhe, "tut mir leid."
"Lilly warte, du..."
Die Tür fällt hinter mir zu und ich höre ihn nicht mehr. Schnell eile ich die Treppe runter. Vor der Haustür bleibe ich stehen und ziehe meine Schuhe an. Draußen ist es kalt und nass, ich hasse es, aber immer noch besser als bei den Engeln. Ich gehe in ein warmes, gemütliches Kaffee und setze mich mit einem warmen Kaffee in eine Nische und sehe aus dem Fenster. Im Moment ist es mir sogar Egal, ob mich Ed dabei erwischt oder nicht. Nach der Schocknachricht, darf er mir den "Drogenrausch" nicht verwehren.
Ich muss Umziehen. Das wird wieder anstrengend. Zumal mir die wichtigen Dokumente fehlen. Ich hätte mich damals besser als Flüchtling angemeldet, anstatt alles zu Felchen. Vielleicht sollte ich eine WG suchen, da muss ich kein keine weiteren Anträge für Strom oder Internet stellen. Aber bei allen Umzug Plänen, ich brauche Energie und zwar so schnell wie möglich. Wo bekomme ich schnell etwas Energie her?
Ein Obdachloser geht am Fenster vorbei. Ob Nemo schon etwas Energie sammeln konnte? Gestern war Freitag. Ein guter Abend um auf die Jagd zu gehen. Wenn er sich nicht total dumm angestellt und etwas raus geputzt hat, müsste er eigentlich erfolgreich gewesen sein. Sollte ich zu ihm? Ich sehe auf die Uhr. Bald neun Uhr. Wird etwas knapp zu ihm zu gehen. Abgesehen davon, wenn er Erfolg hatte, wäre er schön doof, die Nacht nicht bei ihr zu verbringen. Ich muss in meiner Pause zu ihm, entscheide ich. Dann sollte ich jetzt besser doch etwas essen. Ich kippe den restlichen Kaffee in mich, kaufe ein Teilchen und esse es auf dem Weg zur Arbeit. Meine Kolleginnen sind schon da, als ich in den Laden komme.
"Lilly." Warum klingt Anita so vorwurfsvoll. Hatte ich irgendetwas Wichtiges vergessen? Etwas falsch gemacht? "Ja...?"
Auch Magda verschränkt die Arme vor der Brust.
Ich muss etwas wirklich Schlimmes getan haben.
"Wolltest du uns nicht etwas schicken?"
Etwas schicken? Mir geht ein Licht auf. Sie meinen das Foto von Ed. Das hatte ich gestern, nach der Schocknachricht ganz vergessen.
"Ihr seid doch doof", stöhne ich, "ich dachte es wäre was ernstes..."
"Das ist ernst", wiederspricht mir Anita.
Die stellen sich vielleicht an. "Ich hab vergessen eins von Ed zu machen."
Meine Kolleginnen sehen mich an, als hätte ich ihnen gerade gebeichtet, dass ich das Jahreseinkommen, vom Blumenladen verloren hätte.
"Aber", ich krame mein Handy raus, "ich war mit dem andern Mitbewohner in der Terme und..."
"Was sollen wir mit dem Anderen?", unterbricht mich Magda.
Ich drehe mein Handy, zu den beiden. Mit einem Foto von Joel, was ich gemacht hatte, als wir zu den Umkleiden zurück sind. Er steht dort mit nicht mehr als dem Handtuch um seiner Hüfte und streicht sich ein paar nasse Haare aus dem Gesicht.
Ich beobachte, wie ihnen die Gesichtszüge entgleiten und wie meine Kolleginnen schon fast sabbern, während sie das Bild anstarren.
"Wollt ihr das Foto haben?"
"Der Wohnt auch...", beginnt Anita.
"Ja tut er", bestätige ich. Ich muss plötzlich an meine Vermieterin denken und grinse, "die zwei sind, laut der Vermieterin, schon ziemlich lange zusammen."
"War ja klar", meint Anita, "so gutaussehend und freundliche Männer können ja nur Schwul sein."
Ich verstehe zwar nicht genau wie sie das meint, aber ich begegne Menschen Männern auch nur für das eine.
Das Öffnen der Tür, durch einen Kunden beendet unsere Runde und ich bringe meine Sachen weg. Es ist viel los und ich befürchte schon, dass ich meine Pause nicht nehmen kann. Aber zur Mittagszeit hin wurde es zum Glück weniger. Kaum werde ich zur Pause entlassen renne ich schon aus der Tür. Ich muss Nemo finden.
Ich renne zu seinem üblichen Schlafplatz. Leer. Der Park in dem er gerne ist. Nichts. Wo könnte er sein?
Ich gehe weiter Richtung Kaufhaus. Davor ist ein Springbrunnen, wo er gerne... ich höre seine Stimme, die von seinem Gitarrenspiel begleitet wird. Ich renne zu ihm.
"Nemo" Als ich ihn fast erreicht habe spüre ich schon, das er mehr Energie hat als ich. Das ist das erste Mal, seit wir auf der Erde sind, dass er mehr Energie hat, als ich. Es fühlt sich komisch an. Nemos Bewegungen wirken jetzt viel feiner, eleganter. Seine Stimme ist tiefer und wärmer. Auch seine Haut wirkt ebener, trotz des schmutzes.
"Hallo."
Ich muss ein paar Mal blinzeln um zu merken, dass er aufgehört hat zu singen und mich angesprochen hat. Ich spüre das verlangen meinen Kopf zu beugen, mich ihm zu unterwerfen.
"Was ist?" Er sieht mich fragend an.
Ich versuche, dass instinktive Unterordnungsbedürfnisse ab zu schütteln "Du... du warst erfolgreich?"
"Joa, gestern Abend. Ist ganz schön anstrengend.“
„Gut…“, Ich sehe mich um. Es sind viel zu viele Menschen um uns herum. „Komm, lass uns…“
„Weißt du eigentlich, wie wenig ich laute Clubmusik mag, oder rauch, oder zu viel Deo, oder..."
Ich rolle die Augen und greife um ihn durch eine dünne Gasse, hinter ein Haus zu ziehen. Wobei Nemo weiter aufzählt was er nicht mag.
"... oder wenn sie nach Bier schmeckt, oder zu lange, unechte Nägel haben, oder enge dunkle Gassen, oder schmutzige, enge, dunkle Gassen."
"Meine Pause ist gleich vorbei, Nemo, können wir bitte?"
Seine Hände gleiten unter meinen Pullover. Ich ziehe erschrocken die Luft ein, als sich seine kalten Hände um meine Teile legen.
"Können wir nicht nach deiner Arbeit..."
"Nein, weil mich einer der Engel immer abholen kommt."
"Übel."
Ich drücke mich näher an ihn und beuge mich zu seinen Lippen, "können wir anfangen?"
"Du bist ganz schön ungeduldig, ich bedränge dich nie so..."
"Nemo!"
"Schon gut", stöhnt er und beugt sich zu mir.
Endlich berühren sich unsere Lippen und ich schlinge meine Arme im seinen Hals, vertiefe den Kuss.
Seine kalten Hände wandern meinen Rücken hoch und ziehen mich näher.
"Nemo..."
"Hm?" Er macht seine Augen wieder auf, nachdem ich den Kuss beende.
"Du musst mir auch die Energie geben."
"Mach ich das nicht?"
"Nein du..." Das war jetzt nicht sein Ernst. "Du musst mir bewusst Energie geben. Das ist nicht wie bei Menschen, von denen wir das absaugen können."
Er legt seinen Kopf schief. "Aber bei dir nehme ich die Energie auch, wie bei einem Menschen."
"Ja, weil ich sie dir zur Verfügung stelle."
Verstehen erscheint auf seinem Gesicht "Und wie gebe ich die Energie ab."
Verzweifelt sehe ich ihn an. Warum... andererseits war er noch nie in der Situation, dass er anderen Energie abgeben musste.
"Das ist im Grunde ganz einfach", fang ich an zu erklären, "du musst dich mir nur so öffnen, als wolltest du auf meine Energie zugreifen, nur nimmst du nicht meine Energie..."
"Sondern öffnest dich so für den anderen und lässt zu, dass der andere auf deine Energie zugreift." Ich erstarre, als ich Joels Stimme hinter mir höre. "Was ein sehr intimes und intensives Erlebnis ist.
Würde ich nicht mit jedem machen."
Nemo nickt verständnisvoll. "Ok, ich werde es Versuchen."
Er beugt sich zu mir. Ist ihm nicht aufgefallen, dass Joel ein Engel ist? Aber warum hält Joel, Nemo nicht auf? Stört es ihn nicht, weil wir beide Dämonen sind? Im Grunde Egal, solange ich etwas Energie bekomme. Nemo küsst mich. Sanft legt er seine Lippen auf meine. Seine Augen fallen zu und er bewegt seine Lippen zärtlich gegen meine. Ich erwidere seinen Kuss. Ich küsse ihn genauso, wie er es am meisten mag. Je erregter das gegenüber ist, desto leichter ist es, die Energie zu erreichen. Aber es fließt noch immer keine Energie. Ich habe das Gefühl gegen eine Mauer zu laufen. Ich höre Joel kichern. Hat er sich schon gedacht das Nemo es nicht schafft?
"Klappt es?", fragt Nemo.
Joel lacht jetzt laut los. "Ach Nemo, du bist immer wieder herrlich, haha."
"Hast du nichts Besseres zu tun?", fauche ich Joel an, wären Nemo fragend zwischen uns hin und her sieht.
Joel hält sich den Bauch vor Lachen. "Dieser Blick von dir Lilly hahaha."
Wütend beiß ich die Zähne zusammen, ein knurren ist zu hören. Doch bevor ich mehr machen kann legt Nemo seine Hände über meinen Mund.
"Lass ihn lachen", flüstert er in mein Ohr, "du willst dich doch nicht mit einem Engel anlegen. Ich komme später in den Laden und wir versuchen es nochmal, ok?"
Ich nicke. Trotz meines Zornes spüre ich Neugierde. Woher kennen sich Joel und Nemo? Warum hat Nemo nie etwas erwähnt?
"Das solltest du lassen Nemo", klingt sich Joel wieder ein, "ich hab kein Problem damit, dich frei rum laufen zu lassen, du bist klein, schwach, harmlos. Aber..." Er kommt näher auf uns zu und wirkt irgendwie bedrohlich. "... da gibt es jemanden, der nicht so Tolerant ist wie ich und er holt jeden Abend die kleine Lilly von der Arbeit ab."
Er hatte Recht. Ob Ed das so entspannt sieht? Ich kann Nemo nicht so einer Gefahr aussetzen. Ed könnte Nemo ohne größere Probleme verschwinden lassen. Niemand würde auf ihn kommen. Ich war einigermaßen sicher. Die Vermieterin würde Fragen stellen, wenn ich plötzlich verschwinde. Andererseits würde es mich auch nicht wundern, wenn Ed sie einmal anlächelt und sie alles misstrauen wieder verwirft. Aber da waren ja noch meine Kolleginnen. Obwohl... . Ok ich war auch verloren. Aber vielleicht war das Ed, zu meinem Glück, nicht ganz so bewusst und er lässt mich deswegen mein Leben hier weiter Leben.
"Er hat recht", muss ich leider eingestehen, "bleib besser erstmal auf Abstand."
Nemo lehnt seinen Kopf an meinen, "ich arbeite dran und wenn ich es kann, komme ich zu dir und gebe dir Energie."
Ich sehe in seine warmen sanften Augen. Nemo ist immer an meiner Seite, meine ganze Familie. Er ist gemütlich, faul und nicht die hellste Kerze auf der Torte. Aber er ist Sanft, warmherzig, liebevoll.
Ich würde niemals wollen, dass ihm etwas zustößt.
"Ich denke es ist besser wenn ich zu dir komme."
"Ok"
"Man seid ihr süß, da bekommt man ja Diabetes."
Ich funkle Joel an. "Du musst ja nicht zu sehen."
"Wie lange geht deine Pause nach mal?"
"Seit wann belauschst du uns schon?"
"Naja, ich hab gesehen wie du Nemo in die Gasse hier gezogen hast und bin neugierig geworden."
"Hast du nichts Besseres zu tun", frage ich ein zweites Mal.
"Und du", Joel beugt sich vor, "bekommst du kein Ärger, wenn du zu spät kommst?"
Ich sehe auf die Handy Uhr, das wird knapp. Ich fluche leise. Wenn ich mich beeile bin ich gerade noch pünktlich.
"Lilly", meint Nemo, gerade als ich an ihm vorbei will, "deine Hörner."
Wan kamen die raus? Egal. Ich ziehe die Hörner wieder ein und renne zurück zu meiner Arbeit. Zum Glück ist wieder so viel los, das meinen Kolleginnen meine schlechte Laune nicht auffällt. Ich brauche einen neuen Plan, um an Energie zu kommen.
Pünktlich fünf Minuten vor Ladenschluss kommt Ed in den Blumenladen. Wie immer Flirtet er mit den andern Frauen. Obwohl die beiden jetzt glauben, er sei Schwul, verfallen sie immer noch seinem Scharm. Ich verdrehe die Augen.
"Hast du dich wieder beruhigt?", fragt mich Ed, als wir aus dem Laden gehen, "oder muss ich dich festhalten, damit du nicht wieder weg läufst?"
"Ich bin nicht weg gelaufen...", wieso klinge und fühle ich mich bei ihm immer wie ein schmollendes Kind?
"Ach und wie nennst du das dann, taktischer Rückzug?"
"Ich brauchte einfach mal Zeit. Ist das so schlimm?"
Sein Blick sagt alles.
„Wenn dich das so stört, warum bist du mir dann nicht hinterher?“
Er lacht auf. „Als ob ich so naiv wäre zu versuchen mit der Geschwindigkeit eines Dämons mit zuhalten. Fliegend könnte ich dich zwar einholen, aber nicht Laufend. Kamst du den zu irgendeiner Erkenntnis, als du Zeit für dich hattest?"
Ich bleibe stehen. Plan A, Energie von Nemo bekommen hat nicht funktioniert. Also gehen wir über zu Plan B. Ed ist auch stehen geblieben und sieht mich erwartungsvoll, aber auch irgendwie skeptisch an.
"Da ich ja jetzt länger als drei Wochen bleibe, müssen wir einiges anpassen", beginne ich, "Erstens..."
"Du hast eine Liste?"
"Ja, hab ich."
Sein Blick verändert sich und er verschränkt die Arme vor der Brust, aber ich versuche mich nicht davon einschüchtern zu lassen.
"Also erstens, ich will einen Tag in der Woche, an dem ich länger aus bleiben darf. Zweitens ich will am Sonntag ausschlafen. Drittens, ich will..."
"Lilly", ein Schauer läuft über meinen Rücken, bei seiner Stimmlage.
Ich mache einen Schritt zurück. „D... du kannst auch entscheiden, an welchem Tag ich länger aus bleiben darf..."
"Was genau lässt dich glauben, du seist in irgendeiner Position, um Forderungen zu stellen?"
"Ich… ich...", warum war er auf einmal so sauer?
"Du hast kein zuhause und wir sind so nett dich auf zu nehmen. Seid du bei uns bist, muss ich dich fast schon zwingen, unser Regeln zu befolgen. Wenn ich dich nicht direkt abhole, bist du direkt in Schwierigkeiten. Du beteiligst dich nicht am Geld für Lebensmittel, du Kochst nicht. Du machst nichts in der Wohnung sauber. Nachdem du Duschen warst, muss ich immer hinter dir aufräumen. Spülen tust du auch nur, weil ich dich jedes Mal aufs Neue bitten muss. Jeden Morgen, wenn ich dich wecke stellst du dich an, als würde ich sonst was verlangen. Du bist kein bisschen dankbar, du benimmst dich wie ein Parasit und jetzt meinst du, du müsstest unsere Regeln ändern? Wir alle halten uns an die Regeln und ich sehe keinen Grund warum ich für dich eine Ausnahme machen sollte!"
Ich starre ihn mit offenem Mund an das war doch nicht sein Ernst oder?
"Aber.."
"Nein Lilly, kein 'aber' das Thema ist hiermit beendet", mit diesen Worten wendet er sich von mir ab und geht.
Ich starre noch immer an den Punkt, wo noch eben sein Gesicht war.
Das lief ja super.
"Kommst du jetzt oder muss ich dich tragen?"
Wie gerne würde ich ihm meine Meinung sagen. Aber wenn ich jetzt nicht gehorsam bin, wird er mich wohl wirklich nachhause tragen und dann richtig sauer sein.
Zähneknirschend gehe ich hinter ihm her. Plan B ist wohl auch gescheitert. Ich muss unbedingt an einem Plan C arbeiten. Ausziehen?
"Hey", begrüßt uns Joel, es riecht herrlich nach Essen, jetzt merke ich erst dass ich den ganzen Tag noch nichts Richtiges gegessen habe.
"Ich bin so gut wie fertig. Deckt schon mal den Tisch."
"Lilly wird heute Abend nicht mit essen", entscheidet Ed, "sie wird heute fasten."
Ich starre ihn an.
"Gute Nacht Lilly."
"Das ist ein Scherz oder? Du willst mich ohne Essen ins Bett schicken?"
"Ja, genau das will ich."
"Das kannst du nicht machen", protestiere ich.
Ed geht einen Schritt auf mich zu, "du wärst überrascht, was ich alles kann."
"Darf ich wenigstens vorher noch Duschen gehen?"
"Du hast doch morgen frei. Da hast du genug Zeit, um duschen zu gehen."
"Aber..."
"Gute Nacht, Lilly."
Ich will ihn schlagen, ich will ihn so gerne schlagen. Wütend balle ich die Faust. Ein paar Augenblicke starre ich zornig zu ihm hoch. Dan rausche ich an ihm vorbei, in mein Zimmer und knall die Tür hinter mir zu.
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vielen dank für die Rückmeldungen.
Mich interessiert in dieser Geschichte in erster Linie dieser Konflikt zwischen den Engeln und den Dämonen. Was hinter der scheinbar großzügigen Aufnahme der Dämonin durch die Engel steckt. Ob sie vielleicht die Havarie in ihrer Wohnung selber verursacht haben,, um sie unter ihre Kontrolle zu bekommen, was sie mit ihr vorhaben, wann die gefährlicheren Dämonen auftauchen, wie es in Himmel und Hölle aussieht, und so weiter.
es freut mich sehr das du dir darüber gedanken machst und ich will auch darauf noch näher eingehen, aber ich möchte informationen nur stück für stück in die geschichte rein werfen.
Vielleicht habe ich da irgendwas nicht mehr auf dem Schirm, aber warum genau müssen sich jetzt Joel und Lilly vor der Vermieterin verstecken?
vielen dank, dass du es erwähnst. ich schreibe die geschichte auf dem handy, immer dann wenn ich mal etwas zeit habe. wenn ich dann mal mehr zeit finde schreibe ich das am pc nochmal ins reine und da muss ich bei all dem koregieren und ausbessern das gelöscht haben, denn natürlich gibt es einen grund. ich versuche das heute mal noch wieder zu verbessern.
Es geht gar nicht um die Frage an sich...dass er die stellt, würde zu seiner durchgängigen Provozierei passen.
es soll wirklich nur etwas provokation sein. ja ein bischen knistern wollte ich auch mal rein bringen, aber keine sorge, in erster lienie war es ein streich und etwas "rache" dafür das sie ihn in der Sauna liegen gelassen hat. ich hoffe du kannst ein auge zudrücken.
Ich würde das glaube ich anders nennen...Wo ist das Problem, wenn sie sich ein bisschen Spaß verschafft ... oder so.
ich hab es so offensichtlich geschrieben, damit jeder weiß, worum es geht. aber vielleicht unterschätze ich da die leser ein wenig...
Die Fehlerquote im Text ist sehr hoch, was die Lesbarkeit stark beeinflusst. Vielleicht magst du doch vor dem Posten mal ein Rechtschreibprogramm benutzen?
ja, es wird wohl zeit, word hat aufgehört mir alle rechtschreibfehler an zu zeigen, es hat mich aufgegeben....

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Moin,
nun nach langer Pause geht es jetzt in (hoffendlich) regelmäßigen abständen weiter. Auch diesmal freue ich mich sehr über euer feedback, Gedanken und Komentare:
Kapitel 6
Am Ende bin ich die restliche Zeit, nach dem Essen in der Sauna gewesen. Noch immer dampfe ich vor Hitze, während wir im Bus nachhause sitzen. Es ist weniger los als auf der Hinfahrt. Sanfter Regen Prasselt gegen die Fensterscheibe.
"Sag mal", beginnt Joel, der neben mir sitzt, "als du mich da liegengelassen hast, bist du doch diesem Mann hinterher, der kurz in der Sauna war."
Ich hatte gehofft das Thema wäre durch. "Ja und?"
"Wie kommt es, dass du so schnell wieder da warst? Hast du ihn nicht gefunden?"
Ich entscheide ihm nicht zu antworten, also sehe ich weiter still aus dem Fenster.
"Oder, hat er dich abblitzen lassen."
Wütend beiße ich meine Zähne zusammen, als ich den Hohn in seiner Stimme höre. Sein Lachen verrät mir, das er seine Antwort hat.
Das nächste Mal werde ich doch mit ihm auf dem Motorrad fahren. Da kann er weniger nicht mit mir reden.
Schon wie bei dem Weg zur Terme, ist er jetzt auch wieder nur am Kichern und ich habe das Bedürfnis ihn zu schlagen.
Nur langsam kämpft Joel sich Kichernd die alte Flurtreppe hoch und ich überhole ihn Kopfschüttelnd. Gerade habe ich die Wohnungstür erreicht, als ich Stimmen höre, die eine ist von Ed und die andere...
Joel ist fast bei mir und will gerade kichernd was sagen, als ich mich schnell umdrehe, zu ihm springe und meine Hände auf seinen Mund drücke. Er prallt gegen die Wand und sieht mich überrascht an. Sein ganzer Körper ist angespannt. Sein blick wird stechend und er stößt meine Arme weg. Auch seine Stimme klingt bedrohlich. "Was..."
"Sch…", unterbreche ich ihn, "die Vermieterin ist da."
Joels Gesichtsausdruck ändert sich und er sieht zur Tür. Meine Augen weiten sich als die Türklinke runter geht. Lautlos husche ich ein Stockwerk tiefer, in eine Nische unter der Treppe. Als ich mich umdrehe, um zu beobachten wann sie vorbei ist, steht Joel vor mir. Wortlos drängt er mich zurück so, dass er auch in die Nische passt.
„Was wird das?“, flüstre ich, als ich von seinem Duft umhüllt werde. Herb aber auch würzig.
„Ob du es glaubst oder nicht, ich hab auch gerade keine Lust mir ihre Abschweifungen an zu hören. Ed ist bestimmt der einzige der da gerne zuhört.“
„Was denn, ausgerechnet du…“
„Sei leise sonst hört sie uns“, zischt er und kommt noch etwas näher.
Weiter zurück kann ich nicht mehr, ich presse mich jetzt schon gegen die Wand. Würde Joel noch etwas näher kommen, könnte ich seinen perfekten Körper gegen meinen spüren. Aber er hält diesen kleinen aber unüberwindbaren abstand. Wäre sein Kreislauf in der Sauna nicht zusammen gebrochen, hatten wir uns noch gar nicht berührt, wird mir klar. Ed betatscht mich die ganze Zeit. Aber Joel hält klaren Abstand zu mir. Er macht zwar immer zweideutige Andeutungen und ärgert mich aber er Berührt mich nie. So wie jetzt. Wie würde er wohl reagieren, wenn ich ihn berühre?
Langsam sehe ich zu ihm hoch. Sein Kopf ist zur Seite geneigt und er achtet ganz offensichtlich auf die Geräusche hinter sich. Seine Lippen sind leicht geöffnet. Sie haben eine so schöne Form, wenn er sie nicht gerade zu diesem Gehässigen grinsen verzogen hat. Wie sie sich wohl auf meinen Anfühlen würden? Wie küsst er wohl? Sanft und süß? Leidenschaftlich? Grob? Wird er das Tempo vorgeben, oder würde er mich den Ton vorgeben lassen? Würde es vielleicht ein verspielter, neckender Küss werden? Vorsichtig gehe ich auf die Zehenspitzen und lehne mich etwas zu ihm.
„Sie ist weg“, bemerkt Joel und geht einen Schritt zurück.
Schwankend halte ich mein Gleichgewicht und versuche nicht gegen ihn zu fallen, als im Erdgeschoss die Haustür zu fällt.
"Was ist?" Er sieht mich fragend an, dann grinst er wieder so doof. "Was genau wolltest du da gerade machen?"
"Ich… ich war nur in Gedanken." Versuche ich es ab zu tun und gehe die Treppen wieder hoch.
Joel folgt mir, "ach wirklich? Ich wüste zu gerne was da eben in deinem kleinen Kopf vorging."
Ich beschleunige mein Tempo. Auf garkeinen Fall werde ich ihm erzählen, dass ich mir vorgestellt habe ihn zu Küssen. Als ich die Wohnungstür erreicht habe klingle ich. Einen Schlüssel habe ich nicht, weder für Wohnung noch für Haustür.
Als Joel ebenfalls oben ist, stützt er sich rechts und links am Türrahmen ab, beugt sich zu meinem Ohr und flüstert mit tiefer Stimme, "war es was versautes?"
Ein Schauer geht durch mich durch und ich bin froh, dass ich mit dem Rücken zu ihm stehe und er nicht mein Gesicht sieht. Denn es ist ganz klar, dass ich jetzt an etwas absolut versautes denke. Eins ist jedenfalls klar, unschuldig ist Joel ist und sein dummes kichern verrät mir, das er genau weiß was er gerade in mir auslöst.
Die Tür öffnet sich und Ed mustert mich, "warum bist du so rot?"
Ich sehe weg und Joel fängt an laut zu lachen.
Ed stöhnt genervt, "Joel was hast du gemacht?"
"Ich schwöre", prustet Joel lachend, "ich hab sie nicht angefasst."
Ich husche in die Wohnung, ich will nur noch in mein Zimmer und nicht mehr raus kommen. Auf dem Tisch stehen zwei Umzug Kartons und ich bleibe stehen.
"Was ist das?"
Auch Joel kommt in die Wohnung und Ed schließt die Tür.
"Deine Sachen aus deiner Wohnung."
Ich sehe in einen der Kartons. Meine Klamotten sind gewaschen, gebügelt und gefaltet, der Geruch von Waschmittel kommt mir entgegen.
"Das hat sie für mich gemacht?" Ich hole ein T-Shirt raus. Ich glaube so sauber waren meine Sachen noch nie.
"Sie wissen jetzt auch wie lange es wohl dauern wird, bis du wieder in deine Wohnung kannst."
Erwartungs- und hoffnungsvoll sehe ich zu Ed."Natürlich ist noch nicht ganz genau klar, wie groß der Schaden ist und sie haben deswegen nur eine grobe Einschätzung."
Warum muss er so weit ausholen, kann er nicht einfach die Wochen, oder Tage sagen, die ich noch warten muss?
"Die Handwerker meinen, dass es mindestens fünf Monate dauern wird. Natürlich nur wen..."
Ich bin mir ziemlich sicher, dass mein Herz gerade aufgehört hat zu schlagen. Ich starre stumpf ins lehre. Fünf Monate. Fünf Monate. Wie soll das gehen? Wie soll ich das überleben? Fünf Monate. Das ist zu lang um ein Hotel zu buchen. Fünf Monate, das ist fast ein halbes Jahr. Fünf... .Eine Hand wedelt vor meinem Gesicht und ich blinzle ein paar Mal. Ed hat sich zu mir gebeugt. Sein Kopf liegt schräg und er mustert mich genau, "wieder da?"
"Fünf Monate?"
"Wenn alles gut läuft", er lächelt sanft, "natürlich darfst du in der Zeit hier unterkommen. Deine und unsere Miete wird auch etwas niedriger und..."
"Ich glaube nicht, dass sie das beruhigt", unterbricht ihn Joel, während ich Ed nur ungläubig anstarre.
Ich sinke auf einen Stuhl. Ich bin tot, einfach tot. Nur am Rand bemerke ich, dass einer der Engel mir ein Glas mit Wasser hin hält und mir sanft der Kopf getätschelt wird. Auch Eds sanfte Stimme, ist da.
Ich sehe zu den beiden Kisten. Ich bin etwas überrascht aus wie wenig mein Leben besteht. Andererseits, viel brauchte ich auch nicht. Was mache ich schon außer arbeiten, Männer abschleppen und...Ed und Joel sehen überrascht zu mir, als ich plötzlich aufspringe und anfange eine der Kisten zu durchwühle.
"Muss das sein?", höre ich Ed, als ich anfange die sorgsam gebügelt und gefalteten Klamotten aus dem Karton zu schmeißen.
Ich Quiche vergnügt auf, als ich finde, was ich suche. "Oh, ja."
"Oh, nein." Ed greift meine Hände und zieht mich von dem Karton weg.
"Was ist denn?", fragend kommt Joel zu uns. Seine Augen weiten sich als er in den Karton sieht. "Heilige scheiße, was ist denn das?"
"Nicht was hier etwas verloren hat", grummelt Ed.
"Nein, nein, diesmal nimmst du mir das nicht weg, dass gehört mir und..."
"Joel, nimm Bitte eine Tüte und pack das Zeug da rein."
"Was? Nein!", ich versuche mich aus Eds griff zu lösen, aber es scheint ihn nicht mal anzustrengen mich fest zu halten.
"Warum, lass ihr das doch."
Ich sehe überrascht zu Joel. War er etwa auf meiner Seite?
"Spinnst du?", knurrt Ed jetzt ihn an, wobei sein Griff sich an meinen Handgelenken deutlich verstärkt.
"Wo ist das Problem, wenn sie sich im Zimmer ein wenig selbstbefriedigt?"
Ed antwortet auf einer Sprache die ich nicht kenne. Obwohl er wütend redet, klingt es wie ein wundervoller Gesang. Joel antwortet in derselben Sprache. Es klingt einfach wunderschön. Doch als ich plötzlich Kopfschmerzen bekomme und ein schrilles piepsen erklingt, wird mir klar, dass dies die Himmelssprache ist. Wie bei einem Schraubstock habe ich das Gefühl, das mein Kopf mehr und mehr zusammen gedrückt wird und meine Sicht wird unscharf. Winselnd gehe ich in die Knie und endlich verstummen die beiden.
Ed sieht auf mich runter, noch immer hält er meine Handgelenke. "Ich bin immer wieder überrascht, wie schwach du bist."
Wütend funkle ich ihn an, während die Kopfschmerzen, langsam wieder abschwächen und das piepsen leiser wird, aber ein leichtes Schwindelgefühl bleibt.
"Lass ihr wenigstens eins von den Spielzeugen", meldet sich Joel zu Wort.
Genervt stöhnt Ed auf. "Na gut, aber ich entscheide welches und ihr hört auf zu diskutieren."
Eins ist nicht viel, aber immer noch mehr als nichts, ich nicke.
Endlich lässt Ed mich los und ich bleibe erstmal am Boden Sitzen, um zu warten, bis das Schwindelgefühl weg ist. Ed greift in den Karton. Ich bin überrascht, dass er so weit geht und eins meiner Sexspielzeuge anfasst. Auch Joel sieht überrascht aus.
"Sei aber leise, wenn du damit spielst."
"Ja, ich werde leise... " Ich verstumme als er mir das ausgewählte Objekt gibt. Ein Halsband mit Leine dran. "W.. w.. was..." Ich sehe zu Ed. "Was soll ich damit? Das ist doch nichts was ich alleine..."
"Ist das mein Problem?"
Joel lehnt sich runter. "Jetzt reg dich nicht auf, schließlich sind das sogar zwei Sachen."
"Was soll das? Ich dachte du wärst auf meiner Seite."
Er zuckt die Achseln und fängt an die restlichen Spielsachen in eine Tüte zu packen. Ich hätte nicht gedacht, dass Joel die Sachen anfasst, er ist wohl wirklich kein unbeschriebenes Blatt. Bei Ed bin ich mir allerding sicher, dass er noch eine Heilige Jungfrau ist.
"Habt ihr in der Terme was gegessen", beginnt Ed ein Gespräch, als wäre nichts gewesen, während er meine Klamotten vom Boden aufsammelt und wieder faltet.
„Ja haben wir“, antwortet Joel während ich ihn dabei beobachte, wie er ein Spielzeug nach dem anderen in die Tüte packt. Wobei er sich jedes Teil genau ansieht. Mach er das mit Absicht, um mich noch mehr zu ärgern?
"Wirst du sie weg schmeißen?", frage ich Ed.
"Was?" Er sieht zu mir runter, ich sitze noch immer auf dem Boden. "Nein, wo denkst du hin. Ich schmeiße deine Sachen doch nicht weg."
Das heißt er muss sie irgendwo lagern. Wenn ich also aufpasse und sehe wo er sie versteckt, kann ich versuchen, in einem unauffälligen Moment, wenigstens eins zu holen. Ihm wird bestimmt nicht auffallen, wenn eins fehlt.
Joel sieht nochmal in den Karton. "Das waren alle."
Er reicht die Tüte zu Ed.
"Danke." Ed schnipst mit dem Finger und die Tüte ist weg.
Mir klappt der Unterkiefer runter. Er hat es weg teleportiert? Ich habe plötzlich das Bedürfnisse zu weinen.
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hey Rainbow
Es tut mir leid, wenn dich mein letzter Kommentar so verunsichert hat. Das war sicher nicht meine Absicht.
es stimmt das du mich erstmal verunsichert hast. aber im nachhienein bin ich dir dankbar, so hatte ich die möglichkeit mich in ruhe (mehr oder weniger ruhe) mit meiner geschichte nochmal auseinander zu setzen und mich selber zu hinterfragen. natürlich würde ich mich wie vermutlich jeder über (nur) positives feetback sehr freuen, aber daran kann ich nicht wachsen. und dank deinem Komentar und auch den Komentaren der anderen, war ich angehalten mich selber nochmal zu reflektieren. dadurch kann ich auch selbstsicherer weiterschreiben, weil ich für mich einen klaren standpunkt gefunden habe und den jetzt auch für mich besser vertreten kann. also bin ich wirklich außerordendlich dankbar für das feedbeck, auch wenn es mich erstmal verunsichert hat. aber es macht mich auch sehr froh zu hören das es dir trotzallem gefällt und unterhalten kann.
"aus dem Tagebuch einer Dämonin"
das wäre vieleicht garkein schlechter untertietel

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Ich habe die bisheriegen Kapitel 1-5 überarbeitet und hoffe das ich eure vorschläge umsetzen konnte.