Das Narrenschiff von Christoph Hein
Ein Roman, der die Geschichte der DDR in verschiedenen Familienschicksalen beleuchten soll. Thematisch ist das durchaus interessant, mit der unpolitischen Yvonne Goretzka die erst ueber ihren politisch aktiven Mann in die Partei findet, dann aber Gefallen an den Machtspielchen da findet, Professor Benaja Kuckuck, der nach dem Exil in Grossbritannien kein Bein mehr in Deutschland auf den Boden bekommt, weil der fuer den Westen als Mitglied der kommunistischen Partei zu links ist, fuer Ostdeutschland aber als Exilant in Grossbritannien verdaechtig (warum nicht Russland?) und der dann auf einen Bullshit-Job bei der Filmaufsicht geschoben wird,...
Nur: Muss man eigentlich schreiben koennen, wenn man Schriftsteller ist?
Ich finde den Text handwerklich grottig. Die Erzaehlperspektive irrlichtert hin und her, mal wird innerer Monolog als er dachte 'ich muss etwas tun' erzaehlt, mal in indirekter Form er dachte er muesse etwas tun, generell wirkt es als wuerde der Autor der Maxime 'tell, don't under any circumstances show' folgen, der Aufbau ist wirr, Gedanken springen mal vor oder zurueck in der Zeit, etwa vor Yvonne's Hochzeit erfahren wir schon, dass ihr Ehemann drei Jahre spaeter keinen Sex mehr mit ihr haben wird, bevor es zurueck zur Hochzeit geht und sie heiraten darf - aergerlich ist das, wo selbst minimale Spannung noch unterminiert wird, etwa wo Yvonne entdeckt dass ihr Mann - gluehender Kommunist - vorher bei den Nazis aktiv war. Der Leser weiss das schon vorher, weil das mit der Kurzbiographie dieses Mannes kommt als er das Buch betritt - warum? Ich weiss es nicht.
Ab und an hat man den Eindruck, Hein ist foermlich berauscht von seinen eigenen Ideen - etwas nennt die kleine Tochter von Yvonne aus der vorigen Ehe den neuen Ehemann 'unlustig' (weil er einen so ernsten Eindruck macht) - diese Wortpraegung findet Hein so toll, dass es noch 5x im Text kommt - jedesmal mit der Erklaerung dass die Tochter das so gesagt hatte Verdammt ich weiss es, Christoph - DAS HAST DU VORHER GESCHRIEBEN! bin ich irgendwann versucht zu bruellen. Als Kuckuck mal in der Schweiz nach einer Stelle vorfuehlt, fuehrt uns Hein vor dass er Schweizerdeutsch kann (komischerweise reden in Berlin und Sachsen alle Hochdeutsch, aber was soll's...) - nur kann der Leser das halt nicht unbedingt, so dass der Gespraechspartner zwar Schweizerdeutsch redet aber nach jedem Halbsatz erklaert was er eigentlich meint - was das Gespraech dann voellig bescheuert wirken laesst.
Ich kann kein kuenstlerisches Konzept hinter dieser Textstruktur erkennen, es liest sich einfach schlecht und hoelzern - hatte der Mann nicht mal einen Lektor?
Schade, nachdem das Thema eigentlich echt was hermacht.