Snow Crash von Neal Stephenson
Ein Cyberpunk-Roman von 1992 (!) - damals schon ziemlich spannend, inzwischen kann ich auch viele der Nebenstraenge besser schaetzen. Manches gewinnt auch aus der heutigen Sicht, zum Beispiel fuehrt Stephenson das Konzept des Meme ein (ohne diese Bezeichnung zu verwenden), es gibt eine Software namens Earth durch die alle geospezifischen Daten verlinkt sind, es gibt ein Metaverse in dem die Nutzer mit ihren Avataren unterwegs sind...
Was mich damals schon ziemlich angefixt hatte - das Buch geht ueber die Thematik - inwieweit kann man das menschliche Gehirn mit einem Computer vergleichen - und wenn der Vergleich zutrifft, kann man das Gehirn 'hacken' wie man das Betriebssystem eines Computers hacken kann? Stephenson hat wahnsinnig Hintergrundwissen, es kommen Bezuege auf die sumerische Sprache, auf Religion, Linguistik - und ebenso beschreibt er tatsaechlich plausible Hacks in seinem Metaversum (was nicht jeder Cyberpunk-Autor tut...)
Eingebettet ist das in eine auf ihre Art ziemlich witzige Dystopie - Hiro Protagonist beginnt die Geschichte als bewaffneter hochgeschwindigkeits-Pizzalieferfahrer fuer die Mafia (niemand liefert besser Pizza aus...), im Zuge einer missglueckenden Auslieferung rettet ihm Y.T. ('your's truly'), eine 15-jaehrige Skateboard-Kurierin den Arsch, durch Hiros Vergangenheit als Hacker stolpern beide aber in etwas das Hiros Ex-Freundin 'Infocalypse' genannt hat - naemlich dass ein Medienmogul versucht, tatsaechlich Hacking mit dem menschlichen Gehirn zu betreiben.
Im Zuge der Geschichte lernen wir ein Amerika kennen das von verschiedenen Firmen in Parzellen die teilweise schon ihr eigener Staat sind aufgeteilt ist - so gibt es 'Mr. Lee's Greater Hong Kong', Narcolombia oder eben Nova Sicilia, man wohnt in ueberall identischen Enklaven wie 'The Mews at Windsor Heights', die nationale Sicherheit macht 'Admiral Jim's Global Security' und - nun ja, fuer Gerichtsurteile wendet man sich an 'Judge Bob's'.
Zwischendrin liegen noch einzelne Parzellen Fedland.
Und ein paar Individuen sind ihre eigene Atommacht...
Das alles wirkt so herrlich absurd - aber verstanden habe ich es erst als ich dann in USA gewohnt habe und die gated communities und die Malls kennengelernt habe - total nach aussen abgeschlossene Themenparks in denen man wohnt oder Einkauft (Southpoint Mall war ein sehr schraeger Nachbau eines italienischen Stadtkerns...)
Man kann das gar nicht richtig beschreiben, das Buch ist ein einziges Trommelfeuer an Ideen - Technologie, Gesellschaft, Plottwists- aus einem Zehntel dieses ganzen Materials koennte man schon einen guten Roman machen, Stephenson legt einfach nach und nach...
Definitiv lesenswert.