Beiträge von Thorsten

    Ich hatte es eher so gemeint, dass Webster Dinge getan hat, die - ja, etwas überspitzt gesehen - dem Menschen nicht möglich sind, um damit eine Situation auf unethische Weise zu seinem Vorteil verändert. Zumindest kenne ich die Redewendung so. Und genauso sollte Ares' Vorwurf auch wirken: als Vorwurf.

    'Jemand spielt Gott' hat so den Beigeschmack von Hybris - gerne eben auch bei Forschern, insofern verstehe ich schon wie Du hier drauf kommst, aber... ich finde es hier trotzdem 'ne Nummer zu klein fuer das Unterfangen. Fuer meine Begriffe hat es auch weniger mit 'unethisch' zu tun als vielmehr mit... Dingen die dem Menschen traditionell nicht moeglich sein sollten und die (erstmal) weithin Entsetzen hervorrufen wuerden wenn sie moeglich waeren. In einer Welt in der BuyRem gang und gaebe ist weiss ich nicht ob ich wirklich die Erinnerung zu manipulieren als so dramatisch sehen wuerde?

    Ich möchte meine Chars eigentlich nicht in Formen oder Schubladen stecken. Findest du, dass eine Geschichte besser funktioniert, wenn jeder Prota in seiner Rolle festgelegt ist? Ich würde eher denken, dass macht jeden Char vorhersehbar und nimmt Spannung heraus

    Nee, festlegen ist dann auch irgendwann schlecht... das Problem ist eher so:

    Grade wenn Du viele aehnliche Protagonisten hast (Ares, Etienne und Julian sind alles Maenner, arbeiten im Ring mit Gefangenen,...) dann ist es nicht so einfach sie auseinander zu halten in dem Sinn dass ich, wenn ich jetzt einen Abschnitt lesen wuerde in dem die Namen unkenntlich gemacht ist, nicht ohne weiteres draufkommen wuerde wer wer ist.

    Mit Frida ist das z.B. total anders, die sticht deutlich hervor, die wuerde ich jederzeit auch ohne Namen und mit Geschlecht unkenntlich gemacht erkennen.

    Fuer den Autor ist das normalerweise kein Problem, weil der von Anfang an ein klares Bild vor Augen hat wie die Typen sind und was sie machen - wenn Ares noch einen Drink am Abend nimmt weisst Du gleich ob er das immer tut oder ob er heute besonders gestresst war - ich aber nicht, ich muss als Leser mein Bild erst aufbauen welches Verhalten jetzt normal ist und was aussergewoehnlich ist. Das ist umso schwieriger je weniger die Perspektive vorkam.

    Grade Etienne und Ares sind sich dann auch noch aehnlich dass sie beide in der Sicherheit sind, dass sie gerne zusammen abhaengen und dann abends auch das gleiche Zeug machen, dass sie beide moralische Menschen sind - die Unterschiede die ich im Kopf habe sind hauptsaechlich dass der eine Vergangenheit hat und der andere ein Vaterproblem mit dem er sich rumschlaegt - aber ich koennte dir ansonsten wenn Du einfach einen bei der Arbeit zeigst und den Namen schwaerzt nicht ehrlich sagen ueber wen der Abschnitt geht.

    Will sagen - ich bin eher an dem Punkt dass ich mir klarere Kanten wuenschen wuerde um den Charakter zu fassen - wenn jeder reihum mal impulsiv ist und jeder mal seine Sorgen in Alkohol ertraenkt ist das bestimmt nicht unrealistisch, aber macht es mir schwer irgendwelche persoenlichen Charakteristika aus dem Text zu ziehen die ich jemandem anheften kann.

    Verstehst Du ein bisschen was ich meine? Ich hatte Julian als den ruhigen Typen der auch unter Stress nicht ausrastet eingeordnet (er steckt ja den Schock dass seine Erinnerung manipuliert ist gut weg, will aber gar nicht zurueck - extrem ruhige Reaktion. Jetzt macht er was ganz anderes, und ich weiss nicht - soll ich mein Bild von ihm grundsaetzlich revidieren oder soll ich die Situation als Ausnahme deuten - und wenn ja, warum?

    Den Twist hattest Du nicht erwartet, oder?:D

    Da frage ich mich ja glatt wer die undurchsichtigen Leute eigentlich geschickt hat die die Gaukler zum Umkehren zwingen wollten.

    Die Verfolger sind schon die fuer die man sie haelt.

    Die Idee die ich hier im Kopf hatte ist eher - so eine Verfolgung ist vom Standpunkt der anderen gar nicht so einfach. Die arbeiten zwar alle am Ende fuer den gleichen Koenig, aber natuerlich haben sie kein Telephon oder Funk um schnell Information auszutauschen - die reist eben genauso schnell wie ein Reiter. Und das fuehrt dazu dass weder die Verfolger so genau wissen wen sie eigentlich schnappen sollen weil sie selber keine Zeugen verhoert haben und nur Info aus dritter Hand haben - und eben auch die Soldaten an der Strassensperre keine Ahnung von irgendwelchen Vorkommnissen in Erbor haben.

    Man kann einfach nicht das Gegenstueck einer modernen Fahndung in einer mittelalterlichen Gesellschaft durchfuehren.

    Aber vom Standpunkt des Verfolgten stellt man sich natuerlich vor dass 'die da alle' zusammenarbeiten - das schlechte Gewissen macht's...

    Ich hatte mir auch vorgestellt dass die Waldwege früher wohl nicht besonders breit waren.

    Die sind auf einer der gepflasterten arianischen Handelsstrassen - im Wesentlichen kann man die Wagen die ich so kenne auf der Stelle wenden, die Raeder sind ja nicht angetrieben, wenn die auf der einen Seite vor und auf der anderen zurueck rollen geht das ganz gut, und Pferde koennen problemlos langsam zur Seite gehen - das ganze Gespann kann also wenden wenn der Wagen selbst auf die Strasse passt und die Pferde dabei durchs Gebuesch gehen - das koennen die ja problemlos.

    Insofern ist das einfacher als mit einem Auto.

    . Sicher, der Film (und ich nehme an Frank Herbert auch?) hat eine sehr zynische Sicht darauf.

    Das ist eine gute Frage - auf der einen Seite geht es darum dass die Bene Gesserit ja lokale Mythen verwenden um ihre Agenda zu foerdern - auf der anderen Seite ist auch und gerade fuer sie Paul der Kwisatz Haderach - und woher dieser Meta-Mythos jetzt kommt bleibt in den Buechern etwas im Unklaren (die werden eh umso raetselhafter je weiter die Serie fortschreitet).

    ***

    Wir haben uns unlaengst mal wieder Fight Club angesehen. Das ist ja so ein Film wo man lange drueber diskutieren kann, und es gibt auch diverse Beitraege im Internet ala 'Why people miss the point of Fight Club'.

    Ich glaube nach einigem Nachdenken - wenn es einen Punkt gibt, ist er dass man Leuten viel Bullshit verkaufen kann wenn man es richtig macht...

    In der ersten Haelfte zeichnet der Film ganz plausibel das Thema dass man Menschen durch existenzielle Grenzerfahrungen - zum Beispiel eben verpruegelt werden - aus ihrem durchgetakteten Alltag der durch die kapitalistische Welt mehr oder weniger vorgezeichnet ist rausholt. Der Zusammenklang aus Kapitalismus und der Psychologie des Aussteigens ist ganz plausibel entworfen, ich kann mir gut vorstellen dass sowas tatsaechlich fuer den einen oder anderen den Alltag ploetzlich mit Sinn fuellt oder dass eben aus diesem Ausstieg aus allem Freiheit entsteht.

    Nur driftet der Film in der zweiten Haelfte ins genaue Gegenteil - statt irgendwie befreit finden sich die Menschen in einem faschistischen System in Reinkultur wieder, was dann viele 'Botschaften' aus der ersten Haelfte als hohles Blabla entlarvt - genau so wie sich an die beruehmten 'Rules of Fight Club' ganz offensichtlich nie jemand haelt.

    Am Ende raffen weder die Protagonisten noch (vermutlich) die meisten Zuschauer diese Volte ins genaue Gegenteil der scheinbaren Befreiungsagenda, und so scheint es weniger eine konsistente Philosophie hinter dem Fiim zu geben als vielmer - der Protagonist ist halt verrueckt, und wer ihm folgt ist selber schuld.

    "So schnell sieht man sich wieder..."

    Der schwarzhaarige Offizier an der Straßensperre trug keinen Helm, aber ein Umhang über dem dunklen Kettenhemd zeigte sein Rangabzeichen. Er musterte erst die drei Wagen, dann die drei Reiter die die Gaukler eskortierten.

    Ketran seufzte.

    "Uns wurde befohlen, nach Erbor umzudrehen...", erklärte sie und deutete mit einer vagen Geste auf die Reiter.

    "Tatsächlich?", fragte der Offizier gelangweilt, trat auf die Straße, hakte die Daumen unter seinen Schwertgurt und baute sich breitbeinig vor den Reitern auf. "Und warum genau denn das?"

    "Wir haben unsere Befehle!", knurrte ihn der Anführer der Reiter an. "An die wir uns halten. Und jetzt aus dem Weg!"

    Der Offizier kniff die Augen zusammen und musterte den Reiter von oben nach unten, machte aber keinerlei Anstalten aus dem Weg zu gehen. Die Pferde tänzelten nervös und das Klappern ihrer Hufe ertönte in der plötzlichen unangenehmen Stille.

    "Kann ich diese Befehle mal sehen?", fragte er schließlich.

    "Die sind mündlich erteilt worden!"

    "Aha...", meinte der Offizier gedehnt und nickte übertrieben. "Und weshalb genau sollen diese guten Leute zurück nach Erbor gebracht werden?"

    "Das wissen wir nicht, der Befehl war nur, die drei Wagen zurück zu bringen. Also halt' uns hier nicht auf!"

    Der Offizier kratzte sich am Kinn und blickte abschätzig über die drei Reiter.

    "Mir gefällt dein Ton nicht, Freund", stellte er fest. "Absolut nicht. Diese Truppe Gaukler hat ein Dokument mit dem Siegel des Magistrats von Terred das ihnen freies Geleit zusichert. Und ganz offenbar wollen sie nicht nach Erbor sondern in Richtung Terred. Du hingegen hast keinen schriftlichen Befehl und auch keine Ahnung weshalb du sie von ihrer Reise abhalten willst. Also würde ich sagen daß die Wagen wieder umdrehen und dahin fahren wo sie verdammt noch mal hin wollen."

    "Das ist doch lächerlich!", rief der Reiter. "Ich lasse mich von euch doch nicht aufhalten?"

    Plötzliche Bewegung kam bei seinen Worten in die Soldaten, die am Straßenrand warteten - auf einmal wurden Armbrüste zur Hand genommen, Speere und Schilde gepackt und ein paar Männer mehr bauten sich auf der Straße auf und senkten Lanzen.

    "Mir gefällt dein Ton immer noch nicht", sagte der Offizier, diesmal schneidend. "Gar nicht. Einmal bin ich Truppenführer und du nur einfacher Soldat. Und dann unterstehe ich dem Kommando des Militärbezirks Terred - und rate mal - wir sind in Terred. Nicht in Erbor. Von dir brauche ich mir gar nichts sagen zu lassen, und wenn es dir nicht passt, dann beschwer' dich verdammt noch mal bei meinem Kommandanten. Und jetzt rate ich dir, mit deinen Kameraden den Heimweg nach Erbor anzutreten und diese Gaukler ihrer Wege ziehen zu lassen, oder ich lasse euch alle drei in Eisen legen!"

    Der Reiter sah einen Moment aus als wollte er widersprechen, besann sich aber dann eines besseren, preßte die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen machte eine knappe Geste zu den anderen und die drei Pferde preschten die Straße in Richtung Erbor davon.

    Der Offizier schnaubte und wandte sich dann an Ketran.

    "Ich bedaure die unglücklichen Umstände - bitte setzt euren Weg fort!"

    Tanred starrte ihn wie vom Blitz getroffen an während Ketran den Wagen zu wenden begann.

    Das ist ueber weite Strecken ein sehr gelungenes und einfuehlsames Portrait von Emilias Gefuelswelt geworden:thumbsup: Man merkt ihr die Verletzungen an die sie erlitten hat, und kann mit ihr leiden.

    Du hast - grade am Anfang - sehr viel Rueckblende - kann man das eleganter loesen?

    Einmal hier:

    Nie im Leben war sie davon ausgegangen, dass Elias ihrer Bitte nachkommen würde, wieder arbeiten zu dürfen. Nachdem er sie in den vergangenen Wochen nicht mal einen Fuß vor die Tür hatte setzen lassen, glaubte sie den ellenlangen Vortrag bereits hören zu können, in dem er ihr erläutern würde, wie viele hunderttausend Gründe dagegensprachen. Doch statt der erwarteten Abfuhr hatte er sich zu ihr gebeugt, einen unendlich langen Moment verstreichen lassen und ihr dann mit einem ´Aber das Ganze läuft nach meinen Regeln!`, seine Bedingungen mitgeteilt.
    Der eindringliche Blick, mit dem er sie dabei bedachte, hatte sie kurz zweifeln lassen, ob sie bereit war, zu erfahren, wie genau ´seine Regeln` aussehen würden.
    Doch letztlich war die Freude über sein unerwartetes Zugeständnis so groß gewesen, dass sie nicht anders gekonnt hatte, als ihm in einem Anflug grenzenloser Erleichterung mit einem enthusiastischen Nicken zuzustimmen.
    Dass Elias ihre Begeisterung über das Vorstellungsgespräch, welches kurz darauf vereinbart worden war, nicht teilte, lag auf der Hand. Doch entgegen all seiner Befürchtungen schien er zu seinem Wort zu stehen. Und nur das war es, das zählte.

    Vieles davon wissen wir eigentlich schon (oder ahnen es, wir haben ja Elias' Gedanken verfolgt), so richtig viel unerwartetes bringt der Anschnitt nicht, aber es ist ein langer Block Plusquamperfekt - dem in kurzem Abstand noch einer folgt:

    Es war der Abend des Kollegentreffens gewesen, an dem sie Elias etwas mehr als nur angeheitert, in der Innenstadt begegnet war, und er sie nachhause gefahren hatte. Obwohl die anschließende Rückfahrt lediglich eine vage und ineinanderfließende Bildabfolge darstellte, gab es eine Sache, an die Emilia sich noch sehr gut erinnerte. Es war Elias Stimme, die so deutlich in ihr nachklang, als würde er hier und jetzt neben ihr sitzen: Ich bringe dich sicher nachhause, Emilia....Du wirst keine Albträume mehr haben...ich passe auf dich auf .... hatte er ihr damals versprochen.

    Hier verstehe ich den Wunsch an Band 1 anzuknuepfen, es ist halt ungluecklich dass das gleich nach einer langen Rueckblende weiter oben kommt. Beim Lesen hatte ich so das Gefuehl - es geht los - Bremse - okay es geht weiter - Vollbremsung - okay, jetzt geht's los.

    Da kannst Du vielleicht an der Struktur noch ein bisschen was machen:)

    ***

    Ich sehe Kirisha hat das auch zitiert

    Umgehend hatte Emilia das Gefühl, dass der Platz im Wagen nicht mehr ausreichte für sie beide. Als schoben sich mit einem Mal die Wände der Karosserie zusammen und pressten ihr die Luft aus den Lungen, glaubte sie zu spüren, wie Elias Nähe sie regelrecht erdrückte. Oder lag es vielmehr an der Distanz, die zwischen ihnen herrschte? Sie wusste es nicht.

    das finde ich auch eine sehr starke Formulierung und ein Bild das sofort zuendet :nummer1:

    ***

    Auch das

    Häuser, Grünflächen, Reklametafeln, flogen auf der anderen Seite der Scheibe an ihr vorbei, wie ein Film, der im Schnelldurchlauf abgespult wurde. Dabei kam es Emilia so vor, als würde sie nach einem langen Urlaub wieder heimkehren. Irgendwie wirkte das alles auf sie fremd und ohne jeden Bezug, als sei sie der Welt entrückt und inzwischen kein Teil mehr von ihr.

    ist sehr gelungen um dieses driften durch die Realitaet einzufangen.

    Wolkenfetzen zogen über den Himmel. In der Ferne waren Hügel zu sehen die in Regenschleier gehüllt waren, dazwischen lag Heideland, ab und an von einem Weiler der von Feldern umringt war unterbrochen. Tanred starrte in die karge Landschaft ohne viel wahrzunehmen. Er hatte auch die letzte Nacht kaum geschlafen, immer wieder waren die gleichen Bilder hochgekommen, und inzwischen hatte alles um ihn herum irreale Züge bekommen.

    Und sein Herz hämmerte immer noch - vor einer halben Stunde hatten die Wagen einen Kontrollposten der Garde passiert, und obwohl das Pergamment mit dem Siegel des Magistrats von Terred wieder seine Wirkung getan hatte war ihm gewesen als könnte jeder Blick eines Soldaten hinter seine Maske sehen. Doch niemand hatte ihn auch nur zweimal angeschaut...

    Ein kurzer Regenschauer begann, doch er saß nur neben Ketran zusammengesunken auf dem Bock, den Wollumhang über den Kopf gezogen. Wasser rann an ihm herab.

    Er hatte einen Mann getötet. Und seine Seele damit unwiderruflich vor Ädon gezeichnet...

    Plötzliche Hufschläge von hinten drangen in seine Gedanken.

    Einen Moment starrte er auf das was er sah, bis die Wahrheit in seine trägen Gedanken drang.

    Sie waren gekommen. Die Reiter der Schwarzen Garde waren hier!

    Es waren drei, mit dunklen Helmen, Schuppenpanzern über dunklem Lederzeug und kurzen Lanzen in der Hand, und sobald sie die Wagen überholt hatten, bauten sie sich quer auf der Straße auf. Ketran legte warnend eine Hand auf Tanreds Schulter, aber der einzige Gedanke der durch seinen Kopf zog war 'Abrechnung' - er hatte gegen Ädons Gebot verstoßen, und nun kam die Strafe dafür.

    "Ist etwas nicht in Ordnung?", fragte Ketran, scheinbar ungerührt. Nur jemand der sie gut kannte, hätte das leise Zittern in ihrer Stimme wahrgenommen.

    "Wagen wenden!", befahl der erste der Reiter barsch. "Wir eskortieren euch nach Erbor."

    Kein Irrtum möglich... Tanred sank innerlich zusammen. Sie waren nicht schnell genug gewesen, und das war jetzt der Preis...

    "Weshalb denn?", fragte Ketran, diesmal mit einer Spur von Besorgnis in der Stimme. "Wir haben vom Magistrat von Terred freies Geleit zugesichert!"

    Einen Augenblick lang wirkte der Soldat unsicher, aber er schüttelte ärgerlich den Kopf.

    "Spielt keine Rolle - ich habe meine Befehle! Wendet die verdammten Wagen!"

    Ketran zuckte mit den Schultern und begann dann vorsichtig, den Wagen auf der engen Straße zu wenden. Tanreds Gedanken begannen zu rasen als die drei Soldaten zu den anderen Wagen ritten. Wo er vorher wie gelähmt gewesen war, kamen ihm auf einmal Dutzende von Ideen in den Kopf - es waren nur drei Soldaten, wenn die Gaukler sich zusammentaten und sie überraschten, dann war es vielleicht möglich sie zu überwältigen. Oder... sie würden mehr als einen Tag bis Erbor brauchen - während der Nacht konnten vielleicht Dinge getan werden. Oder...

    Ketran drückte seine Schulter. Hart.

    "Mach nichts unüberlegtes, Tan", warnte sie leise. "Ich arbeite an einem Plan, aber wenn du eine Dummheit machst, kann ich auch nichts mehr tun. Und denk' nicht mal über einen Kampf nach - nicht ohne Perren und Wulfgar."

    Er schnaubte, aber nickte schließlich.

    Ein Plan... Als ob Ketran jetzt noch irgend etwas Rettendes tun konnte.

    Langsam rollten die Wagen zurück nach Erbor, immer unter den wachsamen Blicken der drei Reiter. Ein neuer Regenschauer begann, kalte Tropfen über die Wagen zu gießen.

    So, heute habe ich den letzten Abschnitt von Teil 1 fertig bekommen. Damit werde ich mir erst mal eine Pause goennen, ich habe jetzt seit Dezember konsequent jeden Tag 1-2 Seiten Text produziert (mit sehr wenigen Ausnahmen...).

    Im Forum wird das noch eine Weile laufen, wir sind hier erst in Kapitel 7/12.:)

    An dieser Stelle ein :danke:an alle Leser.

    Irgendwann wird wohl die Bombe doch platzen und die ganze Gauklertruppe auseinanderfliegen.

    Yep, da steht jetzt was im Raum. Ob das laenger gutgehen kann - ich denke ja, es ist ja ueber weite Strecken ein professioneller Zusammenschluss, selbst wenn jemand ahnt dass der andere Geheimnisse hat - man arbeitet halt bis zum Ende des Jahres weiter zusammen.

    Aber Du hast ein gutes Gespuer fuer Themen - die Fragen die aufgeworfen werden und die Verwicklungen sind natuerlich weiter Thema in der Zukunft...:D

    Zu 50/1:

    Webster macht reinen Tisch - vermutlich der Dramaturgie der Geschichte geschuldet dass wir das erst jetzt alles erfahren (war Ares vorher nicht neugierig?) - aber das faellt gar nicht weiter auf und finde ich komplett okay.:)

    „Sie wollten Gott spielen“, brachte Ares die Sache auf den Punkt.

    Meh... Das finde ich hier ein bisschen Klischee - Gott hat dann doch noch ein paar mehr Moeglichkeiten als Gedaechtnisse zu editieren.

    „Ich würde vorschlagen, Sie achten etwas mehr auf Ihre Wortwahl, Sie Mistkerl.“
    „Ihre Beschimpfung trifft mich nicht, Doktor, ich bin eine KI“, versetzte Webster kalt.

    Hier wundert mich dass der gute sich so gehen laesst - dass es sich um ein Computerprogramm handelt hatten die Protagonisten doch alle akzeptiert - und eigentlich steht doch im Raum dass Webster reinen Tisch macht und die Machenschaften aufzudecken hilft - ihn da fuer seine Wortwahl zu tadeln ist etwas... nun ja, verfehlt den Punkt.

    Willst Du Julian hier als den emotionaleren Typen darstellen? Kurz vorher war es ja noch Ares der wegen Etienne ausgerastet ist, es ist dann schwer zu sehen welchen der Protagonisten du als den spontan reagierenden charakterisieren willst - und der gute Doktor war bisher eigentlich eher ruhig, auch dass er die Nachricht dass sein Gedaechtnis editiert ist ganz gut wegsteckt aber jetzt starken Alkohol braucht ist ein bisschen erklaerungsbeduerftig.

    Will sagen - moeglicherweise ist das witzig, aber traegt es bei die Typen zu charakterisieren? Mich verwirrt es eher ein bisschen...?(

    Tanred betrachtete den Sonnenuntergang. Mächtige Wolken türmten sich über dem Wald auf, und während die Gipfel dieses himmlischen Gebirges noch golden umstrahlte waren, waren die tiefen Regionen schon in blauen Schatten gehüllt. Hohe Schleierwolken leuchteten fast weiß auf, und eine Schicht von niedrigeren verstreuten Wolkenfetzen bot ein Spiel von rötlichem Glanz und grauem Schatten das sich von Minute zu Minute veränderte.

    Wahrscheinlich würde es in der Nacht ein Gewitter geben.

    Aber das war nicht wichtig.

    Ein Stück hinter ihm standen die drei Wagen und ein Kochfeuer prasselte einlandend in der Mitte, aus einem Kessel der darüber hing stieg schon appetitanregender Geruch auf und Tareia war schon dabei Schalen zu verteilen. Die Pferde waren in einen Stall gebracht und gut gefüttert - aber all das bedeutete nur daß sie nicht von der Stelle kamen und die ganze Nacht hier bleiben würden.

    Während vielleicht schon Verfolger unterwegs waren.

    Von nervöser Energie erfüllt ging er unruhig hin und her. Vor seinem inneren Auge konnte er sie sehen, die dunklen, konischen Helme, die schwarzen Umhänge, das dunkle Lederzeug und unter ihnen die Rappen, in vollem Galopp, wie sie Meile auf Meile in rasendem Tempo zurücklegten bis sie die Wagen umringen würden...

    Er trat nach einem Stein, kickte ihn zur Seite. Es half nichts, sie konnten die Nacht nicht weiterfahren - weder die Geschichte die Ketran erzählt hatte gab das her, noch konnten die Pferde ohne Pause die Wagen ziehen. Sie waren schon recht lange gefahren - die letzten Fuhrwerke die hier am Gasthaus angekommen waren.

    Hier an der großen Handelsstraße gab es immer wieder solche Orte für Reisende - große Komplexe mit Stallungen für die Pferde, Esel und Maultiere der Fuhrknechte, einem Gasthaus mit einer Schankstube und Zimmern für die, die sich diesen Luxus leisten konnten und einer großen freien Fläche für Zelte und Wagen für alle anderen. Es war nicht so einsam wie auf den unbefestigten Straßen durch das Hügelland, hier flossen die großen Warenströme durch Gondred - Felle, Leder, Wolle und Roheisen wurden zur See gebracht, dafür kamen Wein, Gewürze, Stoffe, Glas und Keramik von den Häfen ins Hinterland. Und gerade war die ruhige Zeit auf den Straßen - die Galta war schiffbar, und viele Waren wurden von den Flußschiffern auf Barken transportiert - zur Schneeschmelze wenn der Fluß schäumend über die Ufer trat oder im Winter wenn gefährliche Eisschollen auf ihm trieben war keine Schiffahrt möglich und alles mußte über die Straße gebracht werden.

    Er blickte sich um, studierte das kleine Zeltlager das sich gebildet hatte und den Fachwerkbau des Haupthauses - irgendwie kam ihm dieser Ort bekannt vor... Aber er konnte die Erinnerung nicht finden. Schulterzuckend ging er zu den Wagen zurück. Sie sollten hier nicht so viel Zeit verbringen... aber was konnte er machen?

    Die Sonne war unter den Horizont gesunken, und das Licht wurde rasch schwächer. Schatten sammelten sich unter den Bäumen und ließen den Wald zu einer dunklen, fast bedrohlichen Masse verschmelzen. Unzählige Kochfeuer der Reisenden ließen Rauch und Funken in den Himmel steigen, und der Lärm von vielen Stimmen übertönte die Geräusche des Waldes.

    Tanred schlenderte langsam zu den Gauklern, lehnte sich dort schweigend an ein Wagenrad und starrte ins Feuer.

    Ungebeten erschienen wieder die Bilder in seinem Kopf. Der Schwerthieb - erst aufwärts, ein harter metallischer Klang. Dann der Schlag nach unten, die Klinge beißt mit einem feuchten Geräusch in Widerstand. Warmes Blut spritzt. Und dann das entsetzliche, feuchte Röcheln, Blut das aus Mund und Nase quillt...

    "Alles in Ordnung mit dir, Tan?"

    Er schrak hoch, blickte auf Arngard die sich neben ihn setzte. Dann schüttelte er den Kopf.

    "Nein, ich... es geht mir so viel im Kopf rum, zu viel, und ich hab' die letzte Nacht nicht geschlafen..."

    Sie legte ihm mitfühlend die Hand auf die Schulter.

    "Ich kann's mir vorstellen", sagte sie leise. "Du hast gesehen wie bei diesem Gemenge jemand getötet wurde, oder?"

    Tanred seufzte. Wenn es nur das wäre...

    "Ich...", begann er, dann brach er ab. Wenn er ihr doch nur alles erzählen könnte, sie einfach ins Vertrauen ziehen statt jetzt Lügen und Halbwahrheiten zu verbreiten wie Ketran. Fast wäre es aus ihm herausgebrochen, aber im letzten Moment schluckte er die Worte wieder herunter. Er konnte es nicht - er hatte seinen Eid als Kerrinsmann geleistet.

    "Kannst du dir das wirklich vorstellen?", fragte er bitter.

    Arngard zögerte lange, blickte starr ins Feuer. Licht und Schatten flackerten in ihem Gesicht, und sie schien auf einmal nicht mehr ganz bei ihm zu sein, tief in Gedanken oder Erinnerungen versunken. Endlich, nach einer halben Ewigkeit, bewegte sie sich.

    "Weißt du, es ist nicht...", begann sie leise. "Ich habe..." Dann brach sie unsicher ab und biß sich auf die Lippen. Tanred blickte sie an, sie hatte irgend etwas sagen wollen, etwas Wichtiges, da war er sich sicher, und es ging ein stummer Kampf in ihr vor, aber schließlich stieß sie leise den Atem aus und nickte zu sich selbst.

    "Was?", fragte er.

    "Nichts", erwiderte sie leise. "Gar nichts, nur eine alte Erinnerung."

    Beide starrten schweigend ins Feuer, während die Dämmerung langsam der Nacht wich und die Schwärze immer näher an die Feuer kroch wie ein geduldiger Verfolger.

    Ich finde das liest sich gut - ich wuerde mir etwas mehr Magie und etwas weniger Personenschuetzer-Team-Slang wuenschen, aber das sind Kleinigkeiten.

    ***

    Mir ist - vom Konzept her - nicht ganz klar wie Du Elias' Gefuehle in der Szene schildern willst. Du deutest im Text an dass sie eher noch unter einer Decke abgedaempft sind

    Beizeiten hatte er sich den schützenden Mantel, bestehend aus Unwissenheit und emotionaler Kühle zurückgewünscht, von dem in den letzten Wochen sein Denken und sein Handeln bestimmt worden war. Doch mit jedem Tag, der vergangen war, hatten die überwältigenden Empfindungen, welche die Menschen als ´Gefühle` bezeichneten, mehr und mehr einen Weg zurück in seinen Geist gefunden. Inzwischen spürte er den Schmerz des Verlustes wie einen pochenden Splitter unter der Haut

    was sich so liest als waere der Prozess der Wiederkehr noch nicht abgeschlossen - gleichzeitig zeigt uns der Text aber eigentlich einen sehr emotionalen Elias (was ihn, nebenbei bemerkt, auch sehr eindringlich macht).

    Einen tiefen Atemzug nehmend fuhr er sich durch das Gesicht.(...) und versuchte, damit das ungute Gefühl zu bekämpfen, welches sich nicht vollends ausblenden lassen wollte.(...) Und egal, wie laut die Stimmen auch waren, die ihm zuriefen, dass das, was er hier tat böse enden konnte. - das sind alles so Ausdruecke die man verwendet um eine sehr emotionale Situation zu schreiben.

    Auf der anderen Seite bringst Du dann sowas

    Das Risiko, dass die Seelenfresser sich ihrer ermächtigen würden, war existent. Noch dazu, wo er nur über eine Handvoll Engel verfügte, um ihren Schutz zu gewährleisten.

    (be-maechtigen meinst Du glaube ich)

    'das Risiko war existent' - da waere ich sonst versucht zu schreiben 'so denkt doch keiner', aber es ist ja ein Engel, vielleicht denkt der doch so bei Dir - nur steht das in Kontrast zu den emotionaleren Passagen.

    ***

    Also, wenn ich Du waere, dann wuerde ich den Engeln mehr Emotion mitgeben, denn auf dem Feld kannst Du punkten - Emotionen kannst Du richtig gut schreiben, sowohl Drama als auch feine Nuancen - Dagon der seine Faust in ohnmaechtigem Zorn ballt oder Elias der sich hier als Versager fuehlt - das sind Passagen die machen echt was her.

    Ich glaube ich hätte Mühe gehabt mir da eine plausible Geschichte auszudenken.

    Come on, Murissa hatte das Problem die ganze Zeit irgendwelche Luegengeschichten zu erfinden :D

    Der Satz ist irgendwie unvollständig?

    Ja, das soll hier eher so eine formelhafte Wendung wie inschallah sein...

    Okay... Ich hab' wenig was mir beim letzten Abschnitt aufgefallen ist, das einzige Ding ist eher subtil:

    Wir haben zwischendrin einen Perspektivenwechsel von Ares zu Julian ohne dass der so genau erkennbar wird. Es faengt alles klar mit Ares an, dann treffen sich die beiden wo der Flug abhebt, dann sind sie im Gespraech und man denkt dass wir immer noch aus Ares' Blickwinkel folgen auch wenn von keinem erst Mal Gedanken zu lesen sind - und ploetzlich ist es Julian dessen Gedanken wir lesen.

    Vermutlich ist also am Anfang des Gespraechs die Perspektive zu ihm gegangen - ohne dass der Leser da einen Hinweis hatte.

    Ich weiss nicht ob das so stoerend ist - ich fand es ein klein bisschen irritierend weil es da gegen meine Erwartung war.

    Aber ansonsten finde ich 49/2 solide geschrieben:thumbup:

    "Wieso halten wir hier? Eine halbe Meile weiter ist ein Dorf, da können wir die Nacht verbringen und eine Vorstellung geben", fragte Rocas gereizt und warf die Hände wütend in die Höhe. "Es ist jetzt die beste Jahreszeit um Geld für den Winter zu verdienen - wir können es uns nicht erlauben mal nach Lust und Laune zu pausieren." -- "Und wo ist eigentlich Perren?", fügte sein Bruder herausfordernd hinzu. "Sollte er nicht sowas entscheiden?"

    Die nördliche Straße von Erbor nach Terred führte durch lichten Auwald, immer wieder unterbrochen von Feldern, Weiden und verstreuten Höfen. In der Ferne war durch die Bäume hindurch an und an das glitzernde Band des Flusses Galta zu sehen, darauf die Kähne der Flußschiffer. Die Straße selbst war eine der alten arianischen Straßen und auch wenn ein Jahrtausend der Benutzung seine Spuren hinterlassen hatte war sie eben, breit und immer noch besser zu befahren als viele der kleinen Verbindungswege im Hinterland - vermutlich ein Grund dafür daß sie recht belebt war. Ein steter Strom von Fuhrwerken und Handkarren zog an den drei Wagen der Gaukler vorbei die bei einem Brunnen angehalten hatten um die Pferde zu tränken.

    Ketran seufzte.

    "Ich denke es wird Zeit euch alle zu sagen warum wir so früh aufgebrochen sind", begann sie und winkte die anderen herbei. "Und warum Perren und Wulfgar momentan nicht hier sind."

    Die Truppe versammelte sich in einem Halbkreis um Ketran. Auf einigen Gesichtern malte sich Besorgnis, auf anderen Ärger. Fret hielt sich nah bei Vinlind, er schien fast den Tränen nahe zu sein.

    "Es hat letzte Nacht sowas wie ein... Mißverständnis gegeben", begann Ketren. "Perren und Wulfgar waren unterwegs weil sie mit Händlern Geschäfte machen wollte - ich glaube es ging um Stoffe für Kostüme. Tanred ist mitgekommen um sich umzuhören. Und kaum haben sie sich mit den Händlern zusammengesetzt, kommt ein anderer Mann rein, vielleicht ein ehemaliger Kunde, und schreit was von Betrug und Verbrechern durch die Taverne. Und anscheinend hat er auch Schläger mitgebracht, jedenfalls gibt es ein Handgemenge, jemand ruft den Büttel, irgendwann werden Dolche gezogen und am Ende sind zwei der Händler und der Büttel tot."

    Sie hob den Blick und sah Rocas und Ofyas direkt an.

    "Ich weiß nicht genau wie sowas in eurer Heimat weiter geht, aber in Gondred untersucht der Magistrat der Stadt wenn ein Büttel mit einem Dolch im Bauch stirbt. Jeder in der Taverne hat Perren und Wulfgar mit den Händlern gesehen, sie waren mitten im Getümmel - also würden sie erstmal eingesperrt werden wenn die Wache sie zu fassen bekommt. Wir würden dann - als mögliche Zeugen für den Charakter und die Geschäfte der beiden - festgesetzt werden. Mit Glück irgendwo in der Stadt, mit etwas Pech im Kerker. Bis die Verhandlung zu Ende ist kann gut ein Mond vergehen - in dem wir keine Vorstellung geben und daher nichts einnehmen. Und wie Rocas richtig festgestellt hat ist jetzt eigentlich die beste Zeit für unsere Vorstellungen. Und alles dafür daß der Magistrat am Ende feststellt daß wir nichts mit der Sache zu tun haben. Also haben die beiden beschlossen daß sie sich erst mal nicht mit uns zusammen sehen lassen während wir die Gegend verlassen - und uns später wieder treffen."

    Sie blickte in die Runde, und zu seiner Überraschung sah Tanred, daß die meisten zu dieser Lügengeschichte nachdenklich nickten.

    "Ich hoffe, Rocas, das findet auch deine Zustimmung", fügte sie etwas sarkastisch hinzu.

    Der Perlaner nickte, fast gegen seinen Willen. Er sah aus wie jemand der nach einem Grund suchte, Anstoß zu nehmen, aber einfach keinen finden konnte.

    "Wird es Perren und Wulfgar gut gehen?", fragte Fret leise. Vinlind legte ihm die Hände von hinten auf die Schultern.

    "Ich denke schon", antwortete Ketran. "Sie werden vermutlich erst mal gesucht werden, aber zu Fuß sind sie nicht sehr auffällig, und sie wissen sich durchzuschlagen. Sie werden das schon schaffen..."

    Arngard seufzte leise. Auch sie sah besorgt aus - und müde.

    "Ich wünschte solche Erfahrungen würden uns erspart bleiben", sagte sie. "Aber was hilft das wünschen - wie Ädon will geschieht. Wohin sind wir jetzt unterwegs?"

    "Zum Kloster Sant Erran", antwortete Ketran. "Das ist der Treffpunkt, und aus Erfahrung weiß ich, daß wir in den Dörfern dort auch die eine oder andere Vorstellung geben können. Aber das wichtigste ist, erst einmal etwas Weg hinter uns und den Magistrat von Erbor zu bringen..."

    Es wird über die Story verteilt hin und wieder "kürzere" Rückblenden von 1-3 k geben, da der Titel nunmal Reverie benannt wurde und ich vorhatte, dass die Geschichte schon etwas langsamer und introspektiver ist. Ich will bloß nicht den Fokus auf die Handlung in der Gegenwart und die Reise, die ansteht, und kommende Romanze(n) komplett verlieren.

    Andererseits sagt Thorsten hier, es ist schon zu viel und unfokusiert, daher... ja, weiß ich nicht.

    Wenn diese Rueckblenden das Konzept der Geschichte sind (und der Titel deutet schon darauf hin) dann sind sie an sich ueberhaupt kein Problem fuer den Leser (Du koenntest sie im Prinzip durch den Font etwas absetzten, vielleicht kursiv setzen oder so, das mache ich gerne und habe es auch anderswo schon gesehen,) Es ist mehr die Art wie Dein Text strukturiert ist.

    Ein Beispiel das ich als problematisch empfinde ist z.B. hier:


    Dey hob die Hand und drehte sie in einer Geste, die eine Lichtkugel in deren Handfläche formte. „Morgen.“

    Masha stand an der Türschwelle und ahmte die Geste nach. „Manche eurer Bräuche sind so wunderbar, und man lernt kaum etwas über sie, bis man zusammen mit einem Elfen lebt. Gibt es eine Bedeutung dahinter?

    Die Hohe Harfnerin und ihre Frau kamen in Nachtkleidern aus einem der Wohnräume, den Ruvin zusammen mit deren eigenen Gefährtin erst kürzlich zu einem Gästezimmer für Menschen umgestaltet hatte, ehe Ailevyn zu einer erneuten Reise aufgebrochen war. Mit einem Doppelbett, in dem man nicht aufrecht saß, sondern sich niederlegen konnte.

    Der Dritte der Harfner, Garresh, schlief im Obergeschoss auf einer Fensterbank, wieder in den Tag hinein. Er behauptete, sie sei groß genug um einem Zwergen wie ihm als Bett zu dienen, und denen sollte es recht sein, wenn ein Gast keine hohen Ansprüche stellte.

    Dey ließ die Lichtkugel auf deren Handfläche verblassen. „Symbolisch gesehen die auf- und untergehende Sonne und der Mond. Praktisch gesehen, erkennst du Personen anhand verschiedener Lichtsignale bereits aus größerer Entfernung und weißt, wie sie dir gesonnen sind, oder kannst ihre Clan-Zugehörigkeit erkennen.“

    In rot ist die Frage und die Antwort darauf gesetzt. Wie Du siehst dringt der ganze blaue Text in den Zwischenraum zwischen Frage und Antwort ein - einmal ist es fuer den Leser nicht ganz so einfach, nach zwei Absaetzen wenn endlich die Antwort kommt noch im Kopf zu haben was die Frage war.

    Dann hast Du hier das Problem, dass jemand fragt - aber Du willst erst mal erklaeren wer eigentlich da ist. Von hier kommst Du dann aber zu dem Gedanken wo die Leute untergebracht sind. Und von da zu den Unterschieden zwischen den Betten von Elfen und Menschen - und Zwergen.

    Der Einschub selber ist also nicht nur recht lang, sondern geht auch noch drei (!) Ebenen von Gedanken die aneinander gereiht werden in die Tiefe - in einer Rueckblende die schon eine Abstraktionsebene von der Hauptebene der Geschichte entfernt ist. Als Diagramm:

    Ruvin ist gefangen

    -> Ruvins Erinnerungen, Masha stellt die Frage

    -> -> Masha wohnt in einem Gaestezimmer das Ruvin umgestaltet hat

    -> -> -> Betten fuer Elfen sind anders als die fuer Menschen

    -> -> Garresh schlaeft auf einer Fensterbank

    -> -> -> Zwerge schlafen wieder anders als Menschen, brauchen kein Bett

    und jetzt springen wir nicht eine Ebene raus sondern zwei zu

    -> Ruvin antwortet auf Maschas Frage

    Das ist ein gutes Beispiel fuer was ich mit 'unfokussiert' meine - was willst Du uns sagen? Die Info kommt in eher in der Form wie Deine Gedanken beim Schreiben vom einen zum anderen springen, Du machst keinen Versuch das fuer den Leser zu ordnen und die ganze Szene auf einen Punkt hin zu strukturieren den Du machen willst.

    Du servierst von allem etwas, bunt durcheinander - und damit kann der Leser nichts richtig aufnehmen weil gar nicht klar ist was Dir eigentlich jetzt wichtig ist.

    Ich wuerde mir ueberlegen - wann ist ein guter Zeitpunkt die Gaeste in der Szene vorzustellen? Was will/ muss der Leser ueber sie wissen? Muss er z.B. wirklich gleich zu Anfang wissen wo sie untergebracht sind? Die Szene meines Erachtens wuerde viel schluessiger wirken wenn Du den Dialog mit Masha in einem Zug bringst und dann die anderen Gaeste einfuehrst.

    Der Horizont im Osten wurde schon heller, als sich die Wagen endlich in Bewegung setzten und über den unbefestigten Dorfweg in Richtung der Handelsstraße davonratterten. Niemand schaute dem Aufbruch der Gaukler zu, kein Fenster wurde geöffnet, keine Laterne entzündet und keine Hand hob sich um ihnen zuzuwinken. Niedrige Hecken, Felder und kleine Baumgruppen, schemenhaft in der Dunkelheit zu erkennen, zogen langsam an den Wagen vorbei und Tanred blickte auf den Weg vor ihm ohne viel zu sehen. Er hatte einen Mantel um sich geschlungen und fühlte sich endlich wieder halbwegs warm, aber seine Gedanken kreisten und wollten nicht zur Ruhe kommen.

    "Wird es nicht auffallen, wenn wir so früh von hier aufbrechen?", fragte er schließlich Ketran die neben ihm auf dem Wagen saß und die Zügel hielt. "Machen wir uns so nicht erst recht verdächtig?"

    Ketran lachte kurz auf.

    "Wir sind nicht die erste Truppe die mitten in der Nacht aufbrechen muß, Tan", erklärte sie. "Es ist nicht einmal das erste Mal daß diese Truppe das tut... Auch wenn es meistens bei solchen Dingen um eine Bauerntochter geht und man Land gewinnen will bevor der Vater von der Sache Wind bekommt..."

    Er nickte, betrachtete dabei nachdenklich einen winzigen Ädonsschrein am Wegrand.

    Was sie sagte ergab Sinn, aber er hatte trotzdem das Gefühl als wüßte die ganze Gegend davon was in der Nacht geschehen war, als würden sich jetzt schon Verfolger aus Erbor aufmachen - und die Wagen waren so viel langsamer als Reiterei...

    "Niemand weiß von unserer Verwicklung in die Sache", fuhr Ketran leise fort als hätte sie seine Gedanken gelesen. "Perren ist vorsichtig bei solchen Treffen. An einem kleinen Ort ist es unvermeidbar daß jemand ahnt daß er Teil der Gauklertruppe sind, weil das die einzigen Fremden sind die da sind. Aber nahe einer Stadt wie Erbor wo jeden Tag Kaufleute kommen und gehen und andere Gaukler unterwegs sind - da weiß niemand wie er angekommen ist. Der Verräter kann der Garde nicht gesteckt haben daß sie uns suchen müssen, denn er weiß nicht genau wer Perren ist. Also können sie noch nicht hinter uns her sein."

    Noch nicht...

    Tanred hatte die Bedeutung die in diesen Worten lag durchaus erfaßt.

    "Aber wenn sie mal anfangen die Vorfälle zu untersuchen und Fragen zu stellen - dann können sie hinter uns her sein", murmelte er, ob zu sich selbst oder Ketran wußte er nicht genau.

    Ketran widersprach nicht, sondern blickte statt dessen nach Osten. Der Himmel über einer Reihe von Eichen wurde definitiv heller, nicht mehr nachtschwarz, sondern tiefblau.

    Tanreds Gedanken kehrten zu Perren und Wulfgar zurück. Die beiden hatten es mit vermutlich sechs Soldaten der Garde zu tun - wenn sie den Kampf verloren hatten, wenn einer von ihnen gefangen genommen war... Dann konnten die Verfolger schon viel schneller kommen...

    "Machst du dir keine Sorgen um Perren?", fragte er leise.

    Ketran zuckte mit den Schultern.

    "Nicht mehr als sonst", antwortete sie. "Er weiß was er tut. Und du machst dir keine Vorstellung was zwei geübte Kämpfer anrichten können wenn sie Deckung, den Schutz der Nacht und eine Armbrust haben - und die Zeit einen Hinterhalt vorzubereiten. Das ist kein offener Kampf, das ist ein Katz- und Maus Spiel bei dem aus dem Verborgenen zugeschlagen wird. Perren und Wulfgar kennen diese Art der Kriegsführung gut, die Soldaten wahrscheinlich nicht."

    Sie blickte einen Moment in die Nacht.

    "Die Soldaten sind wahrscheinlich schon tot...", setzte sie dann hinzu. "Das bedeutet, es wird noch länger dauern bevor irgend jemand in Erbor etwas erfährt. Vermutlich passiert das nicht vor Mittag - und bis dahin sind wir schon weit."

    Tanred seufzte. So viele Tote... Der Verräter Godhelm, der Armbrustschütze, ein Dutzend Soldaten der Garde... Es hätte sich gut anfühlen müssen, diese... Rache an den Soldaten die sein Heimatdorf zerstört hatten mitzuerleben. Aber alles was er spüren konnte war Ekel vor sich selbst, vor dem Blut das über ihn gespritzt war. Und dahinter nur Leere. Obwohl er sich mehrmals mit kaltem Wasser abgerieben hatte, hatte er das Gefühl immer noch nicht sauber zu sein...

    "Es ist so anders als in den Geschichten...", murmelte er.

    "Ja, so ganz anders...", bestätigte Ketran. "Jemanden im Kampf zu töten ist nie schön, Tan. Aber manchmal nötig. Und ich würde mir Sorgen um dich machen wenn du jetzt nicht nachdenklich und unsicher wärst, sondern begeistert von deinem Kampfgeschick erzählen würdest. Die Kerrinsmänner brauchen keine Mörder die Freude am Töten haben, sondern Menschen wie dich, die im entscheidenden Moment das tun was nötig ist und sich danach fragen ob es richtig war."

    Sie seufzte.

    "Ich wünschte ich könnte es dir einfacher machen, Tan - aber ich weiß nicht wie. Wir alle mußten da durch..."

    Er sah sie mit großen Augen an.

    "Du auch?", fragte er.

    Ketran nickte langsam und in Gedanken.

    Ich denke also dass Elias hier das Verderben noch provozieren wird. Daher finde ich die Szene so sehr spannend.

    Interessant...

    Ich hatte die damalige Szene auch nicht so dramatisch auf dem Schirm.. irgendwie gehoert es ja zum Konzept dass die Warnungen der <Voraussehenden Parteien> in den Wind Geschlagen werden...

    Trotzdem sterben Menschen...mal ganz abgesehen von dem einen oder anderen Statisten, der Dagon zum Opfer gefallen ist :rofl:

    Ich glaube wenn Elias nach Band 2 tot waere, koennten wir den Punkt ernsthaft beackern... Silas... ist nicht ganz das Kaliber das Du hier brauchst um diesen Ruf als Autor zu bekommen, sorry.:)

    Ich will die Engel hier nicht als "fies" darstellen, sondern ihre Beweggründe eigentlich plausibel machen. Unterm Strich entscheiden sie natürlich zum Wohle der Menschheit und des himmlischen Reiches, wobei das Einzelschicksal (Emilia) weniger zählt. Sie entscheiden rational, was ja irgendwie grundsätzlich nachvollziehbar sein sollte.

    Du kommst mit diesem Anliegen zu einem Problem das weniger mit dem Text selbst zu tun hat als vielmehr mit dem Wissen des Lesers dass es ein Text ist (und der Ahnung was es fuer ein Text ist).

    Elias ist einer der Helden der Geschichte - und bisher lag er mit seinen Entscheidungen eher richtig. Seine Abneigung gegen Maruf stellte sich als gut begruendet heraus, seine Zuneigung zu Emilia auch,...

    Die Engelsfuersten auf der anderen Seite sind bisher nicht durch besonders weise Entscheidungen aufgefallen. Noch haben sie bisher viel Sympathie des Lesers verdient. Noch traegt die unfreiwillige Untersuchung in der Szene dazu bei Sympathie zu empfinden.

    Wir wissen dass Emilia sich verwandelt, das hast Du schoen aufgebaut in den Szenen vorher, wir wissen also dass die Gefahr echt ist.

    Der voraussichtliche und erwartete Plot fuer die allermeisten Leser duerfte also sein dass Elias wieder Recht hat und Emilia frei sein muss und dass die Fuersten wieder danebenliegen. Es traut Dir aufgrund des bisherigen Textes vermutlich keiner zu dass Elias grotesk danebenliegt und deswegen Millionen von Menschen sterben (Du hast glaube ich bisher noch keine Hauptfigur sterben lassen ?) Wir erwarten irgendwie die Romanze zwischen Elias und Emilia - was bedeutet dass sie am Ende nicht zum Boesen ueberlaufen wird und er seine Gefuehlskaelte ablegen wird - und damit sind die Fuersten auf dem Abstellgleis, weil die das nicht erwarten (ich verwende jetzt hier keine Info ueber Plotplanung die ich anderweitig bekommen habe...)

    Dieser Kontrast zwischen Lesererwartung storyextern und Erwartung der Fuersten storyintern macht es sehr sehr schwierig, die Szene so aufzubauen dass man wirklich ernsthaft die Sorge der Fuersten nachvollziehen kann.

    Ich weiss (leider) jetzt keine gute Loesung dafuer. Manche Autoren kommen damit ueber die Runden dass sie fruehzeitig wichtige Figuren opfern so dass man ihnen ueble Wendungen zutraut - ist vermutlich nicht Dein Ding. Vielleicht wirkt der Konflikt besser wenn Elias den mit sich selbst ausmacht - er also eigentlich die Position der Fuersten vertreten will - aber es nicht schafft und es als Niederlage oder Schwaeche wertet, wenn er Emilia befreit? Immerhin glauben wir ihm eher als den Fuersten...

    Oder Du kannst natuerlich sagen - das ist ein story-externes Problem und muss deswegen nicht angegangen werden...

    Ich bleib' jedenfalls dran und ueberlege weiter... vielleicht kommt mir noch ein sinnvoller Gedanke.

    Der Zweifel, dass alles, was da verkündet wird, gut und richtig ist, war ja schon gesät in ihm. Jetzt scheint er zu wachsen.

    Ich finde es spannend hier immer wieder mal eure Gedanken zu lesen - mein Blick auf die Szene war eher, dass man erfaehrt dass Tanred die Predigten seiner Kindheit einfach falsch interpretiert hat - ich finde die Idee dass er hier tatsaechlich einen Betrug begeht eher abwegig - er erwirbt ja kein Geld durch Betrug wie in dem Zitat das ihm im Kopf rumgeht, sondern er hat es geschenkt bekommen...

    Fuer mich ist die Szene so was wie der Abschied von seinem eher naiven und woertlichen Kinderglauben... den wir spaeter mit sehr viel reiferen Interpretationen des Lehrsatzes kontrastiert sehen werden...

    Zwei Kleinigkeiten sind mir aufgefallen.

    Danke - leicht zu korrigieren:danke:

    Zu 2/1:


    und dich, in meinen Augen, zu wenig mit dem Hier und Jetzt deiner Charaktere auseinandersetzt

    Da stimme ich zu.

    Ich haette den Text jetzt als unfokussiert bezeichnet, es kommen immer wieder Ideen, Einfaelle und Beobachtungen aber nachher koennte ich nicht genau sagen was eigentlich passiert ist - Ruvin sinnt irgendwie ueber die Lage nach...

    Grundsaetzlich ist das moeglicherweise gar nicht so schlecht - Ruvin ist ja gefangen und hat nichts zu tun, und moeglicherweise ist dey einfach unfokussiert und es geht <keineAhnungwiedasPronomenimDativwar> alles moegliche durch den Kopf. Aber irgendwie... ist die Flucht schon fast vorweggenommen, ich vermisse Zweifel daran dass das alles klappen koennte, Angst oder Nervositaet... Soll ich mir Elfen als so abgeklaert vorstellen?

    Bei der Rueckblende werden auch ganz viele Einzelheiten eingepackt die alle auf Abwege fuehren... ich wuerde auch hier dazu tendieren zu sagen - das ist zu viel, ein bisschen fokussierter waere besser. Das ist echt zaeh zu lesen, nicht nur durch die nicht-Standard Pronomenbezuege sondern eben weil es von einem Gedanken zum naechsten geht und man irgendwie als Leser selbst den Fokus behalten soll wo wir grade sind...

    Ich hatte mir eigentlich überlegt, wie ich bisschen Lore und die Welt lebendiger wirken lassen und gleichzeitig mit den Charakteren, deren Aktionen und Plot verbinden könnte, weil es ja auch für Ruvins eigenen Charakter und bisheriges Leben wichtig ist.

    Die Idee an sich ist gut, und das Material (die Sache mit den Lichtkugeln etwa, oder die Frage der sauberen Schrift) ist es auch - es muesste nur ein bisschen eleganter im Erzaehlfluss passieren so dass es weniger bemueht wirkt.