Beiträge von Stadtnymphe

    Hi Tom Stark ,

    interessanter Einstieg. Frage mich, welche Person wohl nun hinter dem Simulanten steckt, warum sie/ er dieses Spiel spielt und ob das rein aus vergnüglichen Gründen geschieht oder vielleicht, weil die Person aus einer anderen Realität fliehen will. Auch auf den Charakter der Hauptperson bin ich neugierig. Bin demnach gespannt, wie es weitergeht. Deinem Schreibstil merkt man an, dass du ein erfahrener Schreiber bist, ich hab da gar keine Kritikpunkte. Schön, flüssig, detailreich, aber nicht zu ausschweifend, und dazu schön bildreich.


    Hier noch ein winziger Fehler auf sehr hohem Niveau:

    An meinem Hals erscheint ein Amulett, was diverse Metamorphosen durchmacht,

    "was" ist kein Relativpronomen. Entweder käme hier "das" oder "welches" infrage.


    LG

    Stadtnymphe

    Hallo McFee ,

    sehr begeistert bin ich über deine Geschichte gestolpert, denn das Mittelalter ist ein großes Interessensgebiet von mir. Umso mehr freue ich mich, dass du wirklich viele Facetten mit reingebracht hast, typische Wörter und Beschreibungen, was damals so üblich war. Ich habe selber über meine Heimatstadt viel recherchiert und finde gerade viel wieder, was du über Lüneburg auch beschreibst, z.B. das Ratsbuch mit den Kleiderverordnungen etc.

    Aber jetzt zur Geschichte an sich: Deinen Schreibstil mag ich sehr! Die wechselnden Zeitformen stören mich nach wie vor nicht. Sehr lebhafte, malerische und eindrucksvolle Beschreibungen, eine Prise Humor - ich musste manchmal über die Kinder schmunzeln. Alles in allem erweckst du eine sehr leichtfertige Atmosphäre, und manchesmal habe ich an Erich Kästner gedacht, zum Beispiel bei diesem Satz:

    die Augen der Besucher glänzten, als bekämen sie es bezahlt.


    Ich muss Drachenlady2001 in einem Punkt zustimmen, nämlich dass Kinder sehr unbekümmert und begeistert reagieren, als sie sich plötzlich im leibhaftigen Mittelalter wiederfinden. Mein erster Gedanke würde lauten: "Oh Gott, werde ich jemals wieder in die Gegenwart zurückfinden? Und wenn ja, wie?" Das Mittelalter ist ja kein ungefährliches Pflaster, und wenn ich ebenfalls unsichtbar wäre, würde es mir das fürs Überleben nicht unbedingt leichter machen. (Können die Kinder, wenn sie unsichtbar sind, überhaupt etwas essen? Etwas berühren? Warum sind sie unsichtbar? Ist dieser Übertritt ins Mittelalter überhaupt eine echte Zeitreise oder doch nur ein Gedankenexperiment?) Aber es ist typisch für Kinder (wie alt sind Kevin und Taifun überhaupt?), dass sie sich vielleicht erstmal Gedanken um möglichst viele Abenteuer und spannende Erlebnisse machen... Trotzdem bin ich als Leser erst einmal besorgt, wie sie denn den Weg zurück finden. Durch die Rathaustür einfach wieder zurückgehen, erscheint mir eine einfache, aber offensichtliche Lösung...



    Etwas Kleines ist mir noch aufgefallen - diese Erklärung von Ursula wiederholt sich; sie kam schon einmal vorher vor:

    Aus Brennholzmangel!“

    Taifan: „Das ist ja ´n Onk!“

    Kevin: „Du willst uns wohl veräppeln!“

    „Warum sollte ich! Der Rat behauptet, das Brennholz sei zu teuer... Na ja, ich denke, es ist die Rache dafür, dass sich die Prälaten weigern, die neue Salzsteuer zu bezahlen


    Zuletzt würde ich gern wissen: Wie hast du für deine Geschichte recherchiert? Hast du in Lüneburg direkt nachgeforscht? Ich hatte mir damals einen 2000seitigen Wälzer ausgeliehen, in dem von der Kleidung der Universitätsstudenten, den verschiedenen Arten von Brotgewichten, der Anzahl von Schuhmachergesellen etc. wirklich alles aufgelistet war... Auf jeden Fall ist es super, dass du so viel Wissen eingebracht hast, denn die Geschichte wirkt absolut authentisch.


    Liebe Grüße

    Stadtnymphe

    Hallo Werluchs ,

    auf der Suche nach neuen Geschichten bin ich gerade auf deinen Anfang hier gestoßen und ich muss sagen: Wow! Was für ein schöner Schreibstil. Sehr malerisch, sehr nachvollziehbar, es entstehen direkt Bilder.


    Besonders die Anfangsszene mit der Beschreibung der Schnee-Umgebung hatte es mir angetan. Ich wäre sogar gern länger auf dem Friedhof geblieben, obwohl es da bitterkalt sein muss. ;( Aber auch abseits davon habe ich viele tolle kleine Beschreibungen deinerseits gefunden, die ich absolut liebe:


    wie die wild tanzenden Flocken im Licht der Parklaternen glitzerten

    das hier zum Beispiel ist superschön


    Steinsarkophage, die letzten Zeugen des einstigen Friedhofs, stachen schwarz aus dem Weiß.

    Und das auch...


    Ganz langsam kämpfte sich Lians Bewusstsein an die Oberfläche

    Auch dieser Satz ist wirklich toll geschrieben, es ist mal was anderes als das 0815 "Er erwachte..."


    Und so könnte ich noch eine Weile weiter machen.

    Was mir aber aufgefallen ist: Als Leser erfahre ich nur sehr wenig über die Hauptperson Lian. Ich weiß, dass er eine Kochausbildung macht, und das wars. Was mich primär interessiert hat, nämlich: warum war er abends bei heftigem Schneefall auf einem Friedhof? Wenn er doch vorher auf der Arbeit war? War es nur eine Abkürzung oder steckt da mehr dahinter?, wurde nicht geklärt. Und auch sonst ist charaktertechnisch oder auch aussehenstechnisch nicht viel über besagten Lian verraten worden. Das stört die Handlung nicht, aber vielleicht könntest du fast beiläufig noch ein paar Informationen über deinen Protagonisten einstreuen, während er handelt.

    An die Meinung der vorigen Kommentatoren, dass sein Erwachen in dem neuen Areal etwas unrealistische Emotionen bei ihm weckt, kann ich mich nur anschließen.


    Hier ist dir ein kleiner Fehler unterlaufen:

    die weiße Pracht in Match zu verwandeln.

    * Matsch



    Und hier finde ich die Zeitform etwas unpassend:

    Gestern Morgen stritt er sich mit seinen Eltern

    Ich würde es ändern zu "Gestern Morgen HATTE er sich mit seinen Eltern gestritten", da du ja sowieso schon im Präteritum schreibst. Allerdings hat Sabrina sehr sinnvoll angemerkt, dass die Zeitangabe ja sowieso nicht so genau sein muss.


    Ansonsten bin ich begeistert. Ein guter Schreibstil macht für mich schon mal die Hälfte aus, um weiterzulesen. Die Story ist die andere Hälfte, und auf die bin ich gespannt. Vielleicht schreibst du ja demnächst weiter, obwohl dein Post ja schon eine Weile her ist.


    Liebe Grüße

    Stadtnymphe

    Liebe Tariq


    (das mit dem Schraubstock hab ich nicht verstanden. Vielleicht solltest du die Formulierung so ändern, dass man direkt sieht, welchen Vergleich du anstrebst... oder ich bin einfach zu dumm. :P)

    ausdruckslos

    Ist Johannes in dieser Situation wirklich ausdruckslos? Gerade eben ist er noch völlig wutentbrannt und verzweifelt gewesen. Jetzt so schnell ins Ausdruckslose zu schalten, finde ich gerade bei einem impulsiv handelndem Kind etwas seltsam. Das wäre eher etwas, was Erwachsene machen, um ihre Gefühle zu verbergen.

    des vor ihm davon stapfenden.

    *des vor ihm Davonstapfenden [oder davon Stapfenden] (ja, sieht komisch aus, müsste meiner Meinung aber hier eine Substantivierung sein)

    denn nichts wollte er weniger als den Herrscher verärgern

    Ich kann das sehr nachvollziehen, aber es passt nicht ganz zu seinem vorherigen Entschluss, sich beim Trollkönig nicht zu entschuldigen. Also, wenn er schon ins Fettnäpfchen getreten ist, dann war das ja vorhin. Damit hat er ihn ja eh schon verärgert. Vielleicht: "nicht noch mehr verärgern..."?

    den mit Reif überhauchten Türknauf

    Oh, sehr schön geschrieben!:love: (aber: ist der Türknauf dasselbe wie der Riegel? Bei beiden schreibst du, dass sie vereist bzw. reifbedeckt sind, ist ja irgendwie dasselbe...)


    Bin gespannt, ob noch eine Erklärung folgt, wie denn diese "Seelenentnahme" vonstatten ging. Das würde mich wirklich interessieren. ;)

    Bis bald!

    Hi Tariq

    Mal wieder ein paar klitzekleine Anmerkungen.


    in den blau leuchtenden Saal hinein

    sie in einer dieser blau leuchtenden Stelen zu sehen

    Hier doppelt sich die Beschreibung. Vielleicht könnte man das anders formulieren, dann wird es gleich ein bisschen malerischer. Generell finde ich, taucht das Wort "blau" sehr oft auf (Augen etc). Möglicherweise könntest du das Blau ja ein bisschen konkretisieren, dann lässt es sich gut austauschen. Cyan, Indigo, Ultramarin, Himmelfarben etc. etc.

    es war nicht die Kälte, die ihn schlottern ließ. Hilflos presste er die Lippen zusammen und knetete den Stoff des schweren Winterumhangs zwischen den schweißfeuchten, eiskalten Fingern.

    Hier doppelt sich die "Kälte". Wir wissen ja bereits, dass ihm kalt ist, vielleicht können die Finger auch nur "eisig" sein. Oder auch nur schweißfeucht. Da er ja ohnehin zittert, ist die Info schon gegeben.


    Zur Story:

    Ich ahne natürlich, was der Trollkönig jetzt vorschlägt. Was Johannes' Dilemma wohl nicht lösen wird. Ich frage mich auch, warum die Trolle alle so hässlich/derb etc. beschrieben werden, dann aber einen scheinbar exquisiten ästhetischen Geschmack haben, wenn der König nur schöne Personen und Dinge einschließt. Vielleicht, weil sie alle selber so abstoßend aussehen?


    Bis bald. :)

    Liebe Tariq ,

    weiter geht's...


    Deine Änderung mit den Gesichtern im vorigen Teil gefällt mir nun gut. Ich hatte vorher überlesen, dass der Wächtertroll so klein ist. Jetzt stelle ich ihn mir irgendwie so vor wie diese komischen Steintrolle in "Frozen". Ob das wohl so beabsichtigt ist?:D


    Hier nun zum aktuellen Part:

    ohne zu weinen anzufangen.

    Ich bin da ein bisschen über die Syntax gestolpert. Vielleicht lieber: "Ohne anfangen zu weinen" ? Ist aber Geschmackssache.

    eisigen Stuhl

    In dieser Formulierung ist es eine auktoriale Perspektive. Ich dachte aber, es wäre aus Johannes' Sichtweise geschrieben, der ja gar nicht wissen kann, dass der Stuhl eisig ist. Er kann es nur vermuten, daher vlt. eher: "eisig aussehenden..."? Eine auktoriale Perspektive passt allerdings gut zu einem Märchen. Andererseits hebt sich deine Geschichte klar von einem klassischen Märchen ab, ich würde also bei einer Art der Erzählperspektive bleiben. :)

    des Bündels wie ein Schraubstock

    *wie einen Schraubstock

    Sonnenlicht?

    Ich warte ja schon darauf, den Titel deiner Geschichte erklärt zu bekommen. Vielleicht ist das ein Hinweis? :blush:

    um zu sehen, wo die zarten Lichtfinger herkamen

    sehr schöne Formulierung.


    Auch in diesem Part kann man mit Johannes gut mitfühlen und wird sehr oft ganz diskret daran erinnert, dass er noch ein Kind ist. Diese naive, ein wenig blauäugige Sicht auf die Welt finde ich sehr rührend. Bin gespannt, wie es weitergeht. Bis bald!^^

    Liebe Tariq ,


    das hier ist mir beim Lesen aufgefallen:

    Mehrere Augen sollten sie haben

    Ich habe diesen Satz mehrere Male gelesen. Auf welche Anzahl willst du hinaus? Dass die Trolle mehr als 2 Augen haben und somit nicht menschlich sind? Denn auch Menschen haben ja "mehrere Augen" und das wäre ja nichts besonderes. Der Satz impliziert zwei Sachen:

    a) Mehrere Augen sollten sie haben - ist etwas besonderes, denn normale Wesen hätten nur ein Auge. Was ja nicht der Fall ist.

    b) Man weiß nicht, wie viele Augen Trolle genau haben. Aber mehr als eins. Was ja seltsam wäre, denn wenn jemand mal einen Troll gesehen hat, wird er doch nicht nur wissen, dass der Troll mehr als ein Auge hat, sondern auch wie viel.

    - Hui, das war jetzt schon wieder verwirrend formuliert und ich hoffe, du verstehst, was ich meine. :/



    Johannes hatte noch nie einen Troll gesehen. Aus der Entfernung erschienen sie ihm riesenhaft, um einiges größer als Elmar, und beide hielten einen hölzernen Speer in der Faust. Die Erzählungen von Lene und Mutter ließen sie in seiner Fantasie als turmhohe, furchterregende Monster erscheinen. Mehrere Augen sollten sie haben, in die ein Mensch nicht schauen durfte, weil er sonst seinen freien Willen verlor. Ihr Fell enthielte Eisennadeln, die einem die Haut aufrissen, wenn man damit in Berührung kam. Ihre Hände würden fast über den Boden schleifen, so lang seien ihre Arme.

    Was er nun vor sich sah, beruhigte Johannes sichtlich. Die Trolle ragten nicht turmhoch auf. Die muskelbepackten Arme waren nur wenig länger als normal und sie endeten in Pranken von der Größe eines Schubkarrenrades. Die grobschlächtigen Wesen hielten sich gebückt, wodurch tatsächlich der Eindruck entstand, dass die kräftigen Hände am Boden schleiften. Ihr Fell war verfilzt, von undefinierbarer Farbe und sicher kratzig. Stellenweise sah man kahle Hautstellen. Da drin gab es ganz bestimmt keine Eisenspitzen, versicherte sich der Junge im Stillen.

    Ich finde die Beschreibung der Trolle sehr anschaulich. Ich kann mir in etwa vorstellen, wie sie aussehen. Mir fehlt ein wenig, wie ihre Gesichter aussehen. (Besonders das mit den Augen lässt mich nach wie vor nicht los:alien:.) Außerdem ist die Beschreibung tatsächlich sehr lang, bevor irgendeine Art von Dialog startet. Ich als Leser frage mich da schnell, was in der Zeit passiert, in der ich nur die Beobachtung mache. Währenddessen steht ja die Zeit nicht still. Vielleicht könnte man die Beschreibung in die aktive Handlung (nicht nur herumstehen und sich anstarren) einfließen lassen. So wird es gleich noch spannender.

    Dabei bemerkte er entgegen aller Schilderungen nur zwei im Vergleich zu dem massigen Körper winzige Augen, in die er nicht zu blicken wagte.

    Ahhh! Also "nur" zwei Augen. Dann würde ich oben schreiben, dass die Menschen von den Trollen mehr als zwei Augen erwarten.^^ So werden die Trolle gleich noch un-menschlicher, gruseliger... etc.

    Es hab keinen Thron

    *gab ;)

    Er hatte den Kopf an die Lehne gelegt und schnarchte.

    DAS finde ich spitze. Es unterstreicht den nicht gerade königlichen Charakter, denn Trolle sind ja vermutlich nicht so sehr auf Etikette bedacht. Und außerdem hasse ich das Klischee, wenn Leute in einen Thronsaal kommen und der König da einfach rumsitzt und ihn scheinbar erwartet... und nichts anderes macht. Sehr amüsant. ^^


    Netter kleiner Cliffhanger am Ende. Dann bin ich gespannt, wie es weitergeht. Deinen Schreibstil finde ich wie gesagt sehr gut. Bis bald. :)

    Hallo liebe Tariq ,

    ich freu mich, dass du meine Kommentare halbwegs nützlich fandest. Und natürlich, dass es weitergeht mit deinem Märchen.

    Dieses Mal habe ich schreibstiltechnisch ABSOLUT NICHTS auszusetzen. Eine einzige Sache wundert mich ein wenig...


    Elmar hatte ihn bis ans Dorfende begleitet und war dort stehen geblieben.

    Hm. Der Junge ist 10? Und da hat keiner der eingeweihten Erwachsenen irgend so was wie Verantwortungsbewusstsein? Nun ja, es ist ja eine Art Märchen, aber trotzdem... ?( Ich verstehe natürlich, dass das Grad der Sinn der Story ist, finde es aber trotzdem krass. Als angehende Lehrerin habe ich sehr viel Kontakt mit zehnjährigen Jungs. Ich bin mir sicher, dass einige von ihnen so eine Reise theoretisch schaffen würden. Aber eine Begegnung mit potentiell gefährlichen Trollen... das ist ja jenseits von Verantwortungsbewusstsein. :/ Der arme Johannes! Diese Erwachsenen, also pfff... :sarcastic:


    Ansonsten möchte ich noch folgendes hervorheben:

    Der Wind wurde stärker und pfiff ihm um die frostgeröteten Ohren. Er brachte Millionen winziger Eiskristalle mit sich, die dem Jungen wie Nadeln ins Gesicht stachen, als wollten sie ihn damit zur Umkehr bewegen.

    Sehr, sehr schön und malerisch geschrieben. Mir wird direkt kalt. =O

    Freders Fell fester

    Schöne Alliteration! ^^


    Ich bin nun sehr gespannt auf die Konfrontation des armen, von den Erwachsenen vernachlässigten Jungen mit den Trollen. Also bis bald. :)

    Dir ist wahrsch. auch aufgefallen, dass Komm. Troysch = 'der Gute' von treu kommte, der schlechte, Toysch, von täuschen.

    Das hatte ich mir einmal gedacht. Es klingt aber auch etwas nach Sci-Fi (könnte jetzt nicht begründen, warum ich das so empfinde), deshalb habe ich es nicht weiter beachtet:):patsch:

    Hallo liebe Tariq ,


    ich komme mir ein wenig vor, als hätte ich mich in einem Märchen verirrt, so schön poetisch ist dein Schreibstil! :love: Dazu passt auch die Namensgebung, das leicht mittelalterliche oder jedenfalls altmodische Flair der kleinen Welt, die du da entwirfst, und das rasche Voranschreiten der Handlung. Davon bin ich übrigens ein großer Fan. Ich kann es gar nicht leiden, wenn Geschichten Ewigkeiten lang nicht losgehen, aber du baust sofort Spannung auf. Auch deine Charakterdarstellung der beiden Kinder ist sehr empathisch. Die Geschwister kommen tatsächlich wie unschuldige Kinder herüber, mit denen der Leser natürlich automatisch Mitleid hat.


    Ansonsten schreibe ich einfach mal auf, was mir ins Auge gestochen ist; du kannst es nutzen, musst es aber selbstverständlich nicht.:)


    Ihre großen angstvollen Augen waren weit aufgerissen und ihre Lippen bebten. Er wusste, dass er ihr Angst machte, aber wollte erstmal alleine ins Haus gehen.

    Hier doppelst du die "Angst". Deshalb könnte das "angstvolle" im ersten Satz weggelassen werden.

    Weggeworfen wie eine nutzlose Strohpuppe lag die alte Frau neben der aus den Angeln gerissenen Haustür. Ihre gebrochenen Augen starrten blicklos in den Himmel.

    Das finde ich sehr schön umschrieben. Obwohl es ja ein grässliches Bild ist, wird es trotzdem malerisch dargestellt.


    meinte er nach einer Weile. Ich halte deinen Plan für sehr gefährlich,

    Hier fehlt das Anführungszeichen.



    Er war in seiner Jugend einmal dort gewesen

    Das berühmte Plusquamperfekt, das auch Prominente wie Heidi Klum so gern benutzen! Manchen Lesern stößt es ja ein bisschen gallig auf. Du könntest den Satz zu "Er war in seiner Jugend einmal dort" oder "Er ist in seiner Jugend einmal dort gewesen" ändern. Immerhin spricht Elmar in der einfachen Vergangenheit. Da würden also Präteritum oder Perfekt besser passen. Das Plusquamperfekt würde erfordern, dass noch ein anderes Ereignis nach dem Geschilderten passiert ist, worauf Elmar sich dann ebenfalls bezieht, im Sinne von "Er war dort gewesen, bevor/nachdem... er [irgendwas mit Präteritum]." Ich hoffe, das kommt nicht zu streberisch rüber. Im Endeffekt ist es auch eine Geschmacksfrage. :saint:


    (Sorry, hier kam die Germanistin in mir durch...)



    Ich bin sicher, der Tod der Greisin war ein Unfall. Sie ist gebrechlich gewesen

    Hmmm, ob das wirklich ein Unfall war? ;( Hier könntest du übrigens auch schreiben "Sie war gebrechlich." Passt dann besser zur vorher gewählten Zeitform. Würde andererseits eine Wiederholung des Wörtchens "war" bedeuten, demzufolge müsste man Satz 2 umschreiben/anders anfügen.



    Ich hoffe, das hilft dir etwas. Ich bleibe dran! ^^

    Man muss natürlich bereit sein, einiges an Text zu lesen, worin ich aber sowieso die Grundvorrausetzung sehe, wenn man hier aktiv sein will :P

    Na klar :D Ich finde es momentan nur noch etwas unübersichtlich und wollte zu Beginn mit etwas kürzerem starten. Aber hier scheint es ja auch richtige Epen zu geben, die ich natürlich auch noch lesen will. Falls du Empfehlungen hast, immer her damit.^^

    Ich bin nicht Sabrina, aber mal provokant gefragt: Welche Rolle spielt das in einem Forum, dass extra für fortlaufende Texte und Bilder gedacht ist? ^^

    Liebe Skadi ,

    für mich spielt das besonders plottechnisch eine Rolle. Aber natürlich auch, weil ich neu bin und die meisten Geschichten vermutlich schon sehr fortgeschritten sind. Deswegen suche ich nach neuen Storys, wo ich mich noch gut einklinken kann. :)

    Hallo Der Wanderer

    Meiner Meinung nach würde es jeweils reichen, eins der Wörter zu benutzen, es käme auf dieselbe Bedeutung heraus. Daher habe ich das angemerkt. Natürlich sind die Wörter nicht immer vollkommen dasselbe, aber ob es jetzt nur ein breiter oder nur ein massiger Troll wäre, ist kein großer Unterschied. Jeder weiß ja, wie so ein Troll im Prinzip aussieht. :alien:

    Es sind sowieso nur kleine Detailfragen, die N. Kalinina im Endeffekt selbst entscheidet, und selbst wenn beide Wörter jeweils drin gelassen würden, wäre das ja gar nicht schlimm, ist nur meine persönliche Ansicht.

    Hallo liebe N. Kalinina ,

    schön, dass ich dir helfen konnte. Und aus diesem Grund mach ich jetzt auch direkt weiter, während meine Acryl-Leinwand trocknet. :saint:


    Dmitrij war in seinem Leben schon öfters

    Hier kann ich verstehen, dass du eine Redewendung benutzt. Aber "in seinem Leben" würde ich weglassen. Ist wieder so ein Partikel, der den Satz in die Länge zieht. Im Endeffekt kommen dann Beschreibungen raus, die ein ungeduldiger Leser vielleicht etwas überspringen würde.


    ein echter Heimscheißer, durch und durch,

    ein "echter" verdeutlicht hier bereits, dass diese Eigenschaft ihn sehr stark kennzeichnet. Daher könntest du "durch und durch" wieder weglassen. (Du siehst, ich bin auf Partikeljagd, da ich es ansonsten äußerst gelungen finde!)



    eine schmierige Stimme. Sie kam aus einer dunklen Ecke, irgendwo zu Dmitrijs Linken. Er kannte diese ölige Stimme

    ölige und schmierige Stimme... ist ebenfalls dasselbe. Ich würde kürzen auf: "Er kannte sie."

    Er roch und schmeckte sein eigenes Blut

    hier bin ein bisschen drüber gestolpert. Keine Ahnung, ob man sein eigenes Blut riechen kann. Als Werwolf vermutlich schon? Aber da es sowieso bei beiden Verben darum geht, dass sein Blut fließt, würde ich auf eins von beiden reduzieren.



    seine gefangenen Hände und Füße

    dass seine Hände und Füße gefangen sind, ist vorher schon aus der detaillierten Beschreibung des Stuhls hervorgegangen. Außerdem würde er sie sonst ja nicht befreien wollen :D



    Nichts passierte. Die Kamera blinkte fröhlich weiter. Die Tür blieb verschlossen

    Dass die Tür verschlossen bleibt, ergibt sich bereits aus dem Satz "Nichts passierte."


    sichtlich

    "sichtlich" ist meiner Meinung nach so ein Adverb, das generell überflüssig ist. Denn wenn es nicht sichtlich wäre, würde man das Folgende ja nicht hinschreiben. (Es gibt ein paar wenige Ausnahmen.)

    Männer wie Below waren beim Militär rausgeflogen, weil sie ihren Vorgesetzten zu intrigant waren. Man konnte ihnen nicht trauen, besonders nicht mit einer Waffe in der Hand.

    Der erste Satz erklärt den zweiten. Das mit der Waffe in der Hand ist ja auch logisch.:)



    Und schwieg.

    Ich verstehe, dass du hier ein Stilmittel mit der Wiederholung machst, aber ich glaube, es wäre wirkungsvoller "Und schwieg." wegzulassen. Somit wird der vorangestellte Satz noch klarer herausgestellt. Außerdem kommt das Stilmittel später ja nochmal.



    zu seinem Gefangenen

    würde ich weglassen. Leser und Dmitrij wissen, dass er der Gefangene ist, daher kommt plötzlich so ein auktorialer Touch rüber. Aber wie gesagt. Das ist Meckern auf EXTREM hohem Niveau.


    Der Strom fiel aus.

    Brillant!!!

    Schön, kurz, knackig, und dadurch Spannung schaffend!


    gar nicht wirklich realisierte. Er blinzelte mehrmals, da er kurz glaubte, dass er sich die schlagartige Dunkelheit nur einbildete

    Auch wieder "doppelt gemoppelt". Ich würde den zweiten Satz nach "Er blinzelte mehrmals" löschen. Dadurch erübrigt sich die Wiederholung von "einbilden" und "Einbildung" im daran anschließenden Satz :P



    Es war ein junger Mann, höchstens achtzehn oder neunzehn Jahre alt, der eine ziemlich harte Jugend hinter sich zu haben schien. Er war dürr, schreckhaft und hatte den wahnsinnigen Ausdruck eines Mannes, der schon lange die Kontrolle über sein Leben verloren hatte. Er war ein Vampir

    Hier beginnen alle drei Sätze sehr ähnlich: Es war/ Er war / Er war. Ach ja, und der nächste Satz geht nochmal mit "Er war" los :D


    mageren und zittrigen Fingern. Er klappte förmlich vor Dmitrijs Thron aus Silber und Ketten zusammen. Die zittrigen Finger

    Hier eine Wiederholung. Würde ich im ersten Satz streichen



    Dieser Mistkerl Graf konnte Dmitrij schlecht selbst retten, wie ein edler Ritter aus einem beschissenen Märchen,

    Hier haben wir es mit einem "Wie"-Vergleich zu tun, daher kommt das Komma weg :)



    Der junge und zahnlose Vampir

    Nun ja, wer aufmerksam gelesen hat, weiß bereits, dass der Vampir sowohl jung als auch zahnlos ist. Ich würde daher auf eine der beiden Eigenschaften verzichten, die andere kann ja gern nochmal in Erinnerung gerufen werden, aber so kommt es ein bisschen zaunpfahlmäßig :)


    Einmal arbeiten mit Profis

    Falsche Satzstellung (im Russischen vielleicht anders?) :) --> Einmal mit Profis arbeiten.



    auf die freien Beine

    dass seine Beine jetzt befreit sind, wissen wir aus der vorangegangenen detaillierten Beschreibung, dass der Vampir ihn befreit :dead:



    Er war jung, aber kein Anfänger. Er ballerte um sich, als gäbe es keinen Morgen mehr, wobei er den erneut in Deckung hechtenden Dmitrij verfehlte, dafür aber seinen Kollegen erwischte.

    Hmmm... Würde ein Polizist, der kein Anfänger mehr ist, wild um sich ballern und dabei seinen Kollegen treffen?:/



    Dmitrij stolperte und stürzte

    Bedeutung dasselbe, eins würde reichen.



    massige und breite

    dito



    trocken, während er blind und sichtlich verzweifelt

    ich finde, die Beschreibung "trocken" passt nicht ganz zur Gefühlslage dieses Trolls. Trocken ist ja eher so lasch, entspannt, ein bisschen witzig... aber nicht verzweifelt. (Hier ist das "sichtlich" gut, da es ja aus Dmitrijs point of view kommt und somit einen auktorialen Einschlag verhindert.)



    Diese Schlampen saugten einem schneller die Seele aus, als empörte Mittvierziger nach einer halben Flasche Wein über Politik schwadronieren konnten

    Hier erschließt sich mir der untergeordnete Satz nicht ganz. Du willst andeuten, dass Mittvierziger nach einem halben Wein SCHNELL über Politik schwadronieren, richtig? Ich finde das nicht gerade typisch für "schnell", vielleicht findest du ein anderes Beispiel. Lustig ist es aber allemal :)



    Der Schütze war jedoch um einiges talentierter als der schießwütige Revolverheld von gerade eben, denn die Silberkugel verfehlte nur knapp Dmitrijs Kopf. Es wurde nicht hysterisch herumgeballert, sondern sauber auf ihn gezielt.

    Dies bestätigt meine Annahme, dass der Polizist von eben, den du als "kein Anfänger" bezeichnet hast, vielleicht doch einer war. :D



    weiter unten

    ist logisch :P



    Hoffe, du kannst damit was anfangen, freue mich auf das nächste Kapitel! Dann werde ich mich auch mal zur Story an sich äußern, bisher hab ich ja nur nach grammatikalischen Peanuts gepickt. ^^

    Bis dahin,

    Stadtnymphe

    Jepp - die Buecher meiner Kindheit:) (Inzwischen bin ich ein bisschen rausgewachsen, wie ich beim letzten Mal Lesen gemerkt habe...)

    Ich könnte aus denen niemals rauswachsen! :pupillen::pupillen: Waren meine erste Fantasy-Begegnung...


    Hi N. Kalinina , ich hab dir sogar schon eine Rezension da gelassen! Habe dein Werk schon durchgestöbert, bevor ich mich hier überhaupt angemeldet habe. :) Finde es sehr anregend! :)

    Grüße aus Leipzig

    Hi, ich möchte mich hier auch mal äußern, bezweifle, dass es jemand liest. Aber ich habe gerade ein wirklich gutes Buch gelesen und empfehle es gern weiter!

    Es handelt sich um "Odinskind" von Siri Pettersen

    Laut der Autorin eignet es sich

    Zitat

    [...] für alle, die immer Bücher gelesen haben, von denen noch nie jemand gehört hat. Für alle, die etwas anders waren und in der Klasse immer ganz hinten saßen [...]." (Quelle: https://www.amazon.de/Die-Rabenringe-Odinskind-Siri-Pettersen/dp/3038800139/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=odinskind&qid=1581634949&sr=8-1)

    Das Buch spielt in einer, dem mittelalterlichen Norwegen nachempfundenen mythischen Welt, in der alle Lebewesen einen Schwanz besitzen - alle außer das Mädchen Hirka, die deswegen eine Art Ausgestoßene ist. Das typische "die Protagonistin ist etwas ganz Besonderes und hat magische Fähigkeiten" wird hier also ins Gegenteil abgewandelt. Die Figuren sind lebendig, nicht schwarz-weiß, sondern absolut nachvollziehbar und echt. Authentische und spannende Situationen, politische Intrigen und Raffinessen, magische Rituale und Gesellschaftskritik verstecken sich in einer detaillierten und zunehmend rasanten Handlung.