Beiträge von Iskaral

    Kirisha, da verlangt man einfach nur eine klitzekleine Kurzgeschichte und am Ende bekommt man einen Dreiteiler. :rofl:

    Aber Spaß beiseite: Ich freu mich sehr darauf die Geschichte lesen zu dürfen. Zum ersten Teil habe ich leider nicht mehr so viel zu sagen, was nicht schon gesagt worden wäre.


    Vielleicht noch etwas mehr Lametta dran, also Schilderungen von der Umgebung, dem Dorf und sowas.

    Dem würde ich nicht so uneingeschränkt zustimmen. Ich finde es vor allem am Anfang gut, dass du nicht allzu viel Zeit damit verschwendest die Umgebung und so zu schildern, nur das was wirklich nötig ist und das dann mit so tollen Formulierungen wie:

    Riesenhaft tauchte die Höhle vor ihnen auf. Ihr Eingang öffnete sich wie das Maul eines Drachen.

    Das schafft sofort eine bedrückende Atmosphäre und zieht einen geradezu in die Geschichte hinein. Genauere Beschreibungen wären da mMn eher etwas störend.

    Außerdem würde die Geschichte dann noch länger werden (nicht, dass das anfängliche Limit von 250 Wörter nicht ohnehin schon vaporisiert wurde :D )

    Damit wir nicht einschlafen…

    So, ich hätte auf jeden Fall noch Lust eine Kurzgeschichte zu schreiben und nach Sensenbach und Kirisha würde ich diesmal den Anstoss geben.

    Vielleicht kann diesmal jeder etwas mit den Vorgaben anfangen.


    Genre: High Fantasy

    Protagonist: Ein Zauberer/Eine Zauberin

    Ort: Ein Wald/eine Höhle/eine Ruine

    Darüber hinaus maximal zwei Figuren und ein weiterer Ort, etwa 250 Wörter.


    Ich würde mich einfach weiterhin auf das bekannte Schema beziehen. Für die, die nochmal nachlesen wollen: Hier


    Ich hoffe, dass noch mehr Lust haben und dass wieder so gute Geschichten dabei rumkommen, wie die letzten Male :)

    kalkwiese Du weißt ja, dass ich diese Geschichten von Dalia und dem Kätzchen liebe und auch diese ist wieder sehr gelungen. Was mir hier besonders gefällt, ist die Diskrepanz zwischen dem ulkigen, fast schon „blödeligem“ Inhalt und dem Schreibstil, der dann doch sehr ausgefeilt und anspruchsvoll ist. Daher las sich diese Geschichte zwar nicht ganz so leicht, aber der Stil ist dennoch von sehr hoher Qualität.


    „Frau Doktor denkt wieder nach“, erklärte das klitzekleine Kätzchen. „Und so wie ihr die Gabel im Gesicht hängt, scheint es doll anstrengend zu sein.“

    Ich bin vor Lachen fast vom Stuhl gefallen, da ich ebenfalls gegessen habe, während ich deine Geschichte gelesen hab und weil ich nicht multi-tasking-fähig bin, dabei selbst bloß auf der Gabel rumgekaut habe. :rofl:

    Ich habe versucht die Geschichte von Enkidu (Inmitten der Alptraum-Wüste) neu zu arrangieren und teilweise neu zu schreiben. Dabei bin ich irgendwann in eine Sackgasse geraten und habe deswegen eine neue Perspektive auf die Ereignisse eingenommen.
    Ich habe diesen Text einfach mal so runter geschrieben, um die Hintergründe der Welt zu erklären und auch als potenziellen Prolog für die Geschichte.

    Ich kann allerdings nicht wirklich beurteilen ob es in der jetztigen Form funktioniert. Wirkt es einigermaßen interessant, oder ist zu viel Exposition dabei?


    Aus den Erinnerungen von Undine Meadows


    An den Tag, als ich den Pakt mit den Teufeln schloss, kann ich mich kaum noch erinnern. Nur wenige Fetzten der Erinnerung sind mit verblieben und ich versuche nun die Stunde der Entscheidung zu rekonstruieren. Den Moment, als der kahlköpfige Mann mit seinem ausdruckslosem Gesicht und seiner monotonen Stimme, mich einweihte.


    „Miss Meadows“, begann er, „können Sie sich vorstellen, warum Sie hier sind?“

    Wir befanden uns in einem schlichten, geradezu lächerlich nichtssagendem Raum, der nur aus grauen Wänden zu bestehen schien. Der Mann saß mir gegenüber, unsere Stühle waren beide niedrig, grau und unbequem.

    „Die VASEA braucht einen Sündenbock und weil mein gesamtes Team während des Scheiterns des Experimentes umgekommen sind, bleibe nur noch ich übrig.“ Meine Stimme war tonlos und matt, denn ich war während der letzten Tage in Einsamkeit zu diesem Schluss gekommen und war bereit mein Schicksal zu akzeptieren. Umso erstaunter war ich, als ich die folgenden Worte des Mannes vernahm:

    „Keineswegs. Sie liegen in mehreren Punkten falsch. Weder war das Experiment ein Fehlschlag, noch will die Vereinigte allmenschliche Solar- und Erdadministration sie für irgendetwas verantwortlich machen.“

    „Aber sie sind gestorben! Ich habe nur überlebt, weil ich zufällig nicht im Labor war!“ Seine Worte hatten mich weniger erleichtert, sonder eher wütend gemacht.

    „Ihre Aufgabe, Miss Meadows, war es, eine Biowaffe zu entwickeln, um die fungoide Lebensform 3E-TH zu vernichten und es ist ihnen geglückt. Ihr Virus ist aktiv, es zersetzt die Zellen des Pilzes, ebenso wie die aller anderen Lebewesen. Was den bedauerlichen Tod ihrer Kollegen zur Folge hatte.“

    „Dann war das Projekt doch nicht erfolgreich, wenn das Virus alle Zellen angreift.“

    „Den Kalkulatoren war es nur wichtig, dass sie diese extraterrestrische Lebensform vernichten können, alles andere spielte dabei keine Rolle.“

    In diesem Moment begann mein Hirn zu arbeiten. Der 3E-TH war aus den tiefen des Alls gekommen und auf der Erde gelandet. Rasend schnell hatte er sich ausgebreitet und ganze Kontinente waren durch ihn entvölkert worden. Mein Projekt wurde von der VASEA unterstützt, wir hatten sogar ein ganzes Segment als Labor auf der orbitalen ringförmigen Raumstation Sham-Bala erhalten und soweit ich wusste befand ich mich noch auf der Station. Ein dunkler Verdacht drängte sich mir auf, doch ich wagte es noch nicht ihn zu formulieren. Die Kalkulatoren galten als gefühllos und entrückt. „Was haben sie vor? Was soll jetzt geschehen?“

    „Die Berechnungen unserer Kalkulatoren sind eindeutig. Die Erdadministration stellt sich quer und verweigert die Zustimmung zum Einsatz ihres Virus. Die Administration von Sham-Bala wird ihn dennoch einsetzten, zum Wohle der Erde als solche. Die Folge wird ein vernichtender Vergeltungsschlag sein. Die VASEA wird im atomaren Kataklysmus untergehen.“

    Mir entglitten sämtliche Gesichtszüge. Ich konnte nicht fassen, was dieser kalte, herzlose Bastard mir gerade mit seiner ausdruckslosen Miene erzählt hatte.

    „Sorgen Sie sich nicht, Miss Meadows, die Kalkulatoren haben einen Plan. Seit der Ankunft der 3E-TH auf der Erde, ging es nur darum die Menschheit als Ganzes zu retten und deren Zukunft sicherzustellen. Bereits jetzt in diesem Moment befinden sich millionen Flüchtlinge an Bord von Archen, ihr Ziel sind die Habitatsstationen im Sonnensystem und der künstliche Planet Meru. Das Projekt Noah befindet sich bereits in der Durchführung.“ Er machte eine kurze Pause, in der er mich musterte mit eisblauen, berechnenden Augen. Ich war wie gelähmt und konnte nichts anderes tun als zuzuhören.

    „Das führt uns zum Grund ihrer Anwesenheit, Miss Meadows. Projekt Noah beinhaltet auch einen geheimen Zusatz. Da die Kalkulatoren bezweifeln, dass es auf Meru zur Bildung einer Zivilisation ohne fremde Hilfe kommen kann und da die Habitatsstationen jetzt schon überfüllt sind und von zersetzenden Individuen beherrscht werden, müssen wir das Überdauern der Zivilisation auf andere Weise sicherstellen. Sie werden den Platz ihres Mentors Dr. Hazred einnehmen und zur Architektin einer neuen Welt werden.“

    Ich verschränkte die Arme ineinander und versuchte dadurch das Zittern meiner Hände zu verbergen. Sie zitterten nicht nur vor Angst, sondern auch aus Wut und vor Frustration. Ich beugte mich vor und begegnete dem kalten Blick meines Gegenübers.

    „Nur ein Kalkulator kann solch verqueren Gedankengängen folgen und einen derartig absurden Plan konstruieren. Ich habe schon immer gesagt, dass es eine beschissene Idee war, menschliche Hirne in Biocomputer umzufunktionieren.“

    „Miss Meadows, sie erhalten eine einmalige Gelegenheit. In einem Monat wird es keine VASEA mehr geben, keine menschliche Zivilisation, nur noch Anarchie unter den Überlebenden. Lasst die Menschheit sich in ihrer Barbarei einige Jahrhunderte austoben und dann werdet Ihr auf der Bildfläche erscheinen. Als lebendige Archive, als Quelle des alten Wissens werden die Barbaren euch verehren, als Messias könnt ihr eine neue Gesellschaft aufbauen, eine neue Welt erschaffen.“

    Ich konnte nicht anders, als mich von dieser Vorstellung verführen zu lassen, doch wenige Zweifel plagten mich noch: „Was, wenn wir zum falschen Zeitpunkt erwachen?“

    „Wenn die Zeiger der Uhr sich zurückdrehen und die Stunde 0 erfolgt ist, dann wird es dafür keinen falschen Zeitpunkt mehr geben.“

    „Wie stellen sich die Kalkulatoren das denn vor? Wenn ich erwache, was sollte ich dann tun. Ich bin Wissenschaftlerin, keine Göttin. Ich kann nichts aus dem Nichts erschaffen.“

    Neben Individuen wie ihnen, werden wir auch das Überleben der meisten Kalkulatoren sicherstellen und wir haben bereits mehrere verborgene Fabrikanlagen errichtet. Sie müssen nur einen der Kalkulatoren oder eine der Fabriken finden. Autorisierungscodes und Karten mit den entsprechenden Lagen werden wir ihnen natürlich mit auf die Reise geben.“

    Ich hatte die Wahl, entweder ich spielte bei diesem Schreckensspiel mit und hatte die Chance an einer Gründung einer neuen Welt mitzuwirken, oder ich ging in dem unausweichlichen, zerstörerischem Chaos unter. Wie hätte ich mich angesichts dessen anders entscheiden sollen?

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich mir nicht zu viele Freiheiten genommen habe und wie gesagt: Urban ist nicht so meins.


    Hier ist noch ein Fan der Reihe. :nummer1:

    Bin gerade dabei die Bücher zu lesen und verfolge die Serie sehr gespannt. Ich finde auch, dass die Kostüme und das Farbschema stellenweise sehr seltsam wirken. Aber mit jeder Folge hat sich die Serie mMn gesteigert und ich komme immer besser rein. Frage mich aber häufig, wie die Serie auf jene wirkt, die sich noch gar nicht in der Welt oder mit der Geschichte auskennen. Ich glaube, dass wäre auch mal interessant zu wissen :hmm:

    Die einzige Sache, die mich wirklich stört ist, dass aus irgendeinem Grund die Mythologie hinter dem Drachen total verändert wurde und ich mir keinen Grund vorstellen kann.


    Alcarinque

    Ich bin jetzt nicht immer hundertprozentig mit der Anzahl der Satzvorgaben ausgekommen, aber das nehme ich mir jetzt einfach frech heraus (künstlerischer Interpretationsspielraum und so :P)

    Danke Tariq, für das Feedback. Gerade finde ich leider nicht so die Zeit an der Geschichte weiterzuarbeiten. Zudem hat mir dein Kommentar sehr zu denken gegeben.


    Mir sind sie auch schon aufgefallen und nachdem du den letzten Absatz im Post 13 gelesen hast, hast du angekündigt, vermehrt darauf zu achten. Leider merke ich davon aber nicht viel. Ich mach dir das mal in diesem Part farbig deutlich.

    Danke, dass du mich nochmal darauf aufmerksam gemacht hast, ich verstehe jetzt viel besser, was damit präzise gemeint war bzw. wie ich das besser machen kann. Dieser Teil war schon fertig bevor ich überhaupt den ersten hochgeladen habe. Mir ist beim überarbeiten wohl viel (fast alles) durch die Lappen gegangen. Ehrlich gesagt ist mir bisher nicht so stark aufgefallen, dass die Sätze alle gleich anfangen!!! :sack:


    Insgesamt enthält der neue Teil für mich so viel geballte Info, dass ich den wohl ein zweites Mal lesen muss, um alles zu verstehen. Es mag eine geschickte Lösung sein, die Geschichtsstunde in diese Unterhaltung einzuflechten, aber Jerem redet von Dingen, die Enkidu kennt, ich als Leser jedoch nicht.

    Das hat mir zu denken gegeben. Denn mir ist aufgefallen, dass viele genannten Dinge, die im Text erwähnt werden eigentlich nicht so wichtig sind, für das was ich eigentlich erzählen will. Deswegen will ich einen Cut machen.

    Diese Episode der Geschichte habe ich schon fertig geschrieben und versuche sie, wenn ich im Moment Zeit finde, in Bezug auf das Monotonie-Problem zu überarbeiten.


    P.S.: Allerdings stört mich die Monotonie jetzt selber so sehr, dass ich nicht weiß, ob ich die Geschichte noch zuende führen kann/will. Eben weil der Rest in eben jenem Stil geschrieben ist und es wahrscheinlich einfacher wäre, alles von neu auf zu schreiben. Hätte nie gedacht, dass ein so dämlicher Perfektionist in mir steckt. :cursing:

    Als erstes fiele mir Der Herr der Ringe ein. Frodo muss sich gleich in mehreren Situationen zwischen dem entscheiden, was die Bürde des Ringträgers verlangt und dem, was für ihn eigentlich bequemer wäre.

    Wenn ich einen Wendepunkt aussuchen müsste, würde ich den wählen, als Frodo sich nach der Konfrontation mit Boromir an den Ufern des Anduins dazu entscheidet, allein weiterzuziehen. Er erkennt, dass seine Freunde ihn nicht schützen können und der Ring sie korrumpiert. Spätestens danach gibt es für ihn kein zurück mehr, kein entkommen vor seiner Aufgabe und er zieht los, diesmal ohne Hilfe oder Führung von Gandalf, Aragorn etc.


    Ich hätte noch ein Beispiel, wie man es anders angehen könnte (auch wenn es kaum auf Kurzgeschichten anwendbar ist)

    Ich liebe die Memory, Sorrow and Thorn-Reihe von Tad Williams (obwohl ich den den deutschen Titel nicht besonders mag ;) ) und hier ist es so, dass der Held der Geschichte, Simon, mehrmals in Situationen gerät, wo man als Leser erwarten würde:

    "Nun ist es soweit, jetzt überwindet er seine Ängste, steigt über sich selbst hinaus und entkommt irgendwie aus dieser Notlage"

    Nur um dann zu lesen, dass er sich doch nur wie ein normaler Mensch verhält. Also ängstlich, ohne Courage, ohne heroischen Moment, ohne Entscheidung, die er selbst treffen würde. Der Wandel passiert eher schleichend, Stückchen für Stückchen und Simon wird eher von Anderen immer weiter und weiter durch die Geschichte mitgezogen, über vier ellenlange Bücher hinweg. Erst ganz am Ende ist er durch zahlreiche Abenteuer, Gefahren und (wirklich entsetzlichen) Qualen, so sehr verändert, dass er seine Furcht bezwingen kann und als Held (auf seine Art und Weise) die Welt rettet.

    (4)

    Er hörte leise, dumpfe Schritte. Sie mussten von außerhalb des Raumes kommen, doch sie entfernten sich rasch wieder. Er stand von der Pritsche auf und seine Beine gaben nach, er fand sich wieder auf dem Boden vor und war erneut auf die rechte Seite gefallen. Er schrie vor Schmerz kurz auf und erschrak selbst darüber, wie rau seine Stimme klang.

    Ein Riss tat sich in einer der Wände auf und das rötliche Licht der Dämmerung fiel auf ihn. Eine Gestalt drängte sich in das Innere des Raumes. Kalte, stählerne Hände wurden nach ihm ausgestreckt, um ihm aufzuhelfen. Er fand kaum die Kraft sich zu wehren, als die steifen, eisigen Finger ihn packten und aufrichteten. Er schaute in ein von Falten zerfurchtes Gesicht, dessen Haut im dimmen Licht noch dunkler als seine eigene wirkte. Enkidu blinzelte und erkannte, dass das Gesicht lächelte, als sein Besitzer ihn auf die Pritsche setzte.

    „Verdammt, du lebst“, stellte eine tiefe, sonore Stimme fest. Es dauerte einige Momente, bis Enkidu merkte, dass das Gesicht gesprochen hatte. Er wollte antworten, sein Mund klappte jedoch auf und zu, ohne etwas von sich zu geben.

    „Wenn du das nächste Mal vom Durst übermannt wirst, trink einfach irgendetwas anderes als Ghoul-Blut, verstanden? Das ist mein ärztlicher Rat. Ich gehe sogar noch weiter: Bevor du jemals wieder etwas von dem Zeug über deine Lippen lässt, trinkst du lieber deine eigene Pisse.“

    Die Gedanken kreisten in Enkidus Kopf, doch einen konnte er fassen und sprach ihn aus, bevor er ihm wieder entwischen konnte: „Gegengift?“

    „Pah!“, lachte die Stimme auf, „du hast ´ne volle Ladung Ghoul-Blut abbekommen, direkt in den Hals. Das Zeug will ich sehen, dass dagegen ankommt. Sie haben dir den Magen ausgepumpt und dich mit haufenweise Medikamenten vollgestopft, bis du einigermaßen über´n Berg warst. Ich bin übrigens überrascht, dass du´s überlebt hast. Das Geschirr und die Maschine, die sie dazu verwendet haben, benutzten sie eigentlich für die Kamelechsen. Ab und zu kommt es nämlich vor, dass sie an einem Ghoul knabbern.“

    Der nächste Gedanke drängte sich ihm auf und er wurde ihn los, indem er auf seinen Arm deutete.

    „Ah ja, sie sind Chirurgen und geübt in Prothetik, darüber hinaus sind sie aber keine guten Heiler, jedenfalls nicht gut genug, um deinen Arm zu retten. Ihnen ist wichtiger, dass du arbeiten kannst, als dass du dich mit deinem Körper wohlfühlst.“

    Wie um seine Worte zu unterstreichen hielt der andere Mann seine Hände vor Enkidus Augen. Sie bestanden aus schwarz glänzendem Metall und er vernahm einen leichten Geruch von Schmieröl, der von ihnen ausging. „Mir geht es nicht anders.“

    „Sie?“, brachte Enkidu heraus.

    „Die Gothra. Sie durchstreifen diesen Teil der Wüste, seitdem sie durch einen Krieg aus ihrer Heimat Kharn vertrieben wurden. Wenn du wieder zu Kräften gekommen bist, werden sie dir auch eine Prothese ansetzten. Du betrittst dann den Maschinen-Pfad, der dich fort von der Schwäche des Fleisches führt“, der Mann lächelte gequält, „doch zuvor will Jerem mit dir reden. Er ist so etwas wie der Anführer von uns Fremden.“

    Enkidu wurde schwindelig, als er auf die Prothesen starrte und die Worte Maschinen-Pfad klangen in seinen Ohren keineswegs nach etwas, dass er anzustreben gedachte. Der Mann hatte in einer Hinsicht recht, er hing an seinem Fleisch.

    Erneut öffnete sich der Spalt in der Wand und ein schwarz gewandeter Mann trat ein, dessen Hautfarbe jedoch deutlich heller war, sie schien sogar bläulich. Auch war das Gesicht dieses Mannes nicht so zerfurcht und vernarbt, stattdessen hatte es eher die gepflegten Züge eines Adligen.

    „Hulun, du kannst gehen.“ Die Worte klangen nicht unfreundlich, doch sie bedeuteten dem Mann, der Enkidu geholfen hatte, nachdrücklich den Raum zu verlassen. Hulun sprang auf und nach einer tiefen Verbeugung huschte er davon.

    Der Neuankömmling reichte ihm die Hand, wobei er die Finger weit spreizte. Erleichtert stellte Enkidu fest, dass die Hand vollständig aus Fleisch und Blut bestand. Die Begrüßungsgeste war unter dem Volk der Heimatlosen und Suchenden Sangas weit verbreitet, was seinen Verdacht bestätigte, dass dieser Mann ebenso wenig in die Wüste gehörte, wie er selbst. Er erwiderte den Gruß, indem er seine eigene, verbleibende linke Hand, ihm entgegenstreckte und sie ihre Finger ineinander verschränkten.

    „Willkommen, Freund“, sagte der Mann und lächelte Enkidu an, der nur nickte. „Ich bin Jerem.“

    „Enkidu“, entgegnete er knapp.

    „Ah, wie unhöflich von mir. Kann ich dir vielleicht einen Tee anbieten? Ich habe in vor zwei Wochen einen schönen Seerosentee von unseren Herren erbeten. Er benetzt die Kehle für ein langes Gespräch und stärkt die Glieder.“

    Enkidu nickte und lächelte zögerlich, wobei seine spröden Lippen aufplatzten. Jerem verließ ihn und er konnte hören, wie der Fremde einige Worte mit jemandem wechselte, bevor er sich wieder zu Enkidu gesellte.

    „Wo bin ich?“, brachte dieser schließlich heraus.

    „Du bist immer noch inmitten der Alptraum-Wüste, der Cajatajanara, wie die Gothra und die anderen Wüstenstämme sie nennen.“

    „Was bist du?“, war das nächste, dass er hervorbrachte.

    „Jerem, wie ich schon sagte. Nicht mehr und nicht weniger. Was wir an diesem Ort sind, nun dass ist komplizierter. Die Gothra sagen: Es gibt nur Geben und Nehmen und wenn die Wüste nimmt, dann müssen die Menschen geben.“ Den Gesichtsausdruck von Jerem, konnte Enkidu nicht deuten. Vielleicht war es Geringschätzigkeit, vielleicht auch Belustigung. „Sie lesen arme, verirrte Schafe auf, wie dich und machen dich zum fremden Gast. Ihrer Ansicht nach, bist du aufgrund ihrer Hilfe und ihres Geschenks, dem Maschinen-Pfad, ihnen zur Schuldknechtschaft verpflichtet. Im Prinzip sind wir Sklaven und sie unsere Herren.“ Erneut hatte er diesen eigenartigen Ausdruck in den Zügen. „Wir sind viele und aus verschiedensten Gründen hier. Ich selbst habe sie einmal um Hilfe gebeten und trage jetzt meine Schuld ab“, er lächelte höhnisch bei dem Wort Schuld, „eigentlich bin ich ein Metallpriester, ein Gelehrter der Mechanik und Ingenieur im heiligen Dienste der Erbauer. Daher sehen mich die anderen unsere Kaste auch als ihren Anführer und die Gothra respektieren mich.“ Er breitete stolz die Hände aus. „Das hier ist eigentlich mein Zelt, aber ich habe verfügt, dass du, als schwer Verletzter, es haben sollst.“

    „Danke“, brachte Enkidu heraus, doch es klang hohl und bedeutungslos.

    Jerem lächelte wieder: „Wie gesagt, wenn die Wüste nur nimmt, müssen wir Menschen eben geben. Daher glaube ich, du solltest mir nun die Antworten auf meine Fragen geben.“ Bei diesen letzten Worten klang seine Stimme streng und gebieterisch.

    Der Metallpriester kniete sich nieder und hob etwas vom Boden auf. Er wischte den Staub von diesem Objekt und setzte sich neben dem Verletzten auf die Pritsche. Das Objekt bettete er auf seinen Schoß. Es war die Box aus Synth-Stahl. Doch weiter sagte er nichts und die Momente verstrichen in angespannter Stille.

    Schließlich öffnete sich erneut der Zelteingang und Hulun trat ein. Er stellte ein Tablett vor ihnen hin, mit einer schlichten Teekanne und zwei Bechern aus Eisen, bevor er wieder verschwand. Jerem goss ihnen beiden Tee ein und bedeutete Enkidu zu trinken. Der Tee roch süßlich und er war etwas zu stark für seinen Geschmack. Er spürte aber, wie ihn neuer Kraft durchströmte und fühlte sich nun gewappnet für das, was jetzt kommen mochte.

    Das nächste, was der Metallpriester sagte, kam unerwartet: „Enkidu, ich würde mich gerne eines Details vergewissern. Es ist völlig unwichtig und eigentlich nichts, aber ich interessiere mich doch ein wenig dafür. Kannst du mir deinen Bauchnabel zeigen?“

    Enkidu war perplex und es bedarf mehreren Nachfragen Jerems, bis Enkidu sein zerschlissenes Hemd hochhob und seinen Bauch entblößte. Es war ihm unangenehm, denn dort befand sich gar kein Nabel. Die Haut war glatt und es gab kein Anzeichen darauf, dass es jemals einen gegeben hätte. Da Enkidu an sich hinuntersah, sah er nicht Jerems Blick, in dem triumphierender Funke aufleuchtete.

    Ohne näher auf seine erste Frage einzugehen oder den Sinn zu erläutern, ging Jerem zur nächsten über. „Weißt du was das ist, da drin?“, fragte er und deutete auf die Box. „Die Sphäre ist ein Artefakt der Erbauer! Jene untergegangene Spezies, die diesen Planeten ursprünglich bevölkerte, sie legten den Grundstein für unsere Gesellschaft, verstehst du? Von da, wo ich herkomme, stand eine ihrer Schmieden. Dort haben sie ihre Artefakte hergestellt und wir, die Metallpriester-Gilde, tun dies immer noch.“

    Enkidu zuckte unbeeindruckt mit den Schultern, was ihm nicht wenige Schmerzen bereitete, doch er ließ sich nichts anmerken. Eine feine Gesellschaft war ihm das, von der Jerem da sprach. Despotische Könige, die sich gegenseitig mit den Artefakten uralter Aliens bekriegten und ein ganzes Volk vertrieben, dazu noch an einen Ort der Alptraum-Wüste genannt wurde. Diese Exilanten wurden dann zu Sklavenhaltern und zwangen diesen Sklaven wiederum ihre mechanischen Prothesen auf, damit sie besser dienen konnten. So ist es im zivilisierten Teil Sangas.

    „Ich weiß, dass das Ding etwas Besonderes ist, brauche also keine Lehrstunde. Hab auch schon von diesen Erbauern gehört, soweit ich weiß gibt es sie aber nicht mehr und das schon sehr lange Zeit“, entgegnete Enkidu entnervt. Ihm gefiel nicht, worauf die Unterhaltung hinauslief.

    Jerem winkte ab: „Entscheidend ist, dass Meinesgleichen großes Interesse an derartigen Artefakten hat. Aber in den Händen unkundiger ist es gefährlich.“ Er betonte das letzte Wort besonders.

    „Wenn es dir so wichtig ist, warum hast du es dir nicht schon selbst geholt. Warum wartest du, bis du mit einem halbtoten Wanderer aus der Wüste Tee trinkst, der zum Krüppel gemach wurde und bestiehlst ihn erst dann?“ Sobald er die Worte ausgesprochen hatte, bereute er sie. Aber nur für einen kurzen Moment. Der Tee hatte in ihm nicht nur neue Kräfte freigelegt, sondern auch ein inneres Feuer entfacht. Jerem schien jedoch nicht beleidigt zu sein.

    „Oh, ich will dich nicht bestehlen. Ich will mich als dein …, dein Partner anbieten. Die Sphäre gehört dir, ich möchte nur nicht, dass du einer jener Unkundigen bist.“

    „Ich denk drüber nach“, brummte Enkidu, doch er verschwendete in Wahrheit nicht einen Gedanken daran. Jerem musterte ihn, doch ließ dann ab. Er stand auf und bevor er das Zelt verließ, drehte er sich noch einmal zu ihm um und sagte: „Die Operation findet morgen statt. Wie ich sehe, bist du stark und zäh. Deine Kraft wird ausreichen, um sie zu überleben.“

    Er ließ Enkidu allein im Zelt zurück. Die Box lag ihm gegenüber auf der Pritsche.


    Interludium

    Da war er wieder, zwischen Schwaden und Nebeln ritt der Reiter mit dem Eisenarm. In der synthetischen Hand trug er eine schwach leuchtende Kugel, so viel war dem sehenden Auge des Beobachters bisher offenbart worden. Doch nun sah er, dass der Reiter ebenfalls ein Licht in sich trug. Eines, das stärker leuchtete, viel stärker und dazu in allen Farben, die ein menschlicher Geist nur erdenken konnte. Als er, der Beobachter, an sich hinunterblickte, sah er dasselbe Licht aus seiner Brust austreten. Er spürte, dass es ihn von innen heraus verbrannte. Lächelnd gab er sich dem Schmerz hin und stellte sich vor, wie seine inneren Organe in seinem Körper zu glühender Asche wurden.

    Die Vision verblasste und die Dampfschwaden verzogen sich.

    „So ist das also“, sagte eine Stimme in seinem Kopf, sie klang zufrieden. Es war der Ehrgeiz. Eine andere Stimme, die Paranoia, meldete sich: „Hast du es nicht gesehen? Wir werden verbrennen!“

    „Und doch werden wir wieder auferstehen, wie der Phönix aus der Asche“, entgegnete der Ehrgeiz.

    Ein Streit entbrannte zwischen ihnen und drohte die Gedanken des Beobachters zu sprengen. Seine Hand tastete nach einem Schalter und betätigte ihn. Ventile öffneten sich, Blut strömte

    durch Schläuche aus seinem Körper, in ein Gefäß mit einer trüben, bläulichen Flüssigkeit und gereinigt strömte es wieder von dem Gefäß in den Körper zurück. Die Stimmen verstummten langsam und der Beobachter setzte sich auf.

    „Mein Prinz, konntet Ihr etwas erkennen?“

    Die neue Stimme kam nicht aus dem seinem Inneren, sondern sie traf von Außen auf seine Ohren, so wie es sein sollte.

    Der Prinz nickte bedächtig. Er stand in der Wanne auf und dickflüssiger Schleim tropfte von seinem Körper. „Der Verdacht hat sich erhärtet“, er strich sich mit langen Fingern über den glatten Bauch, der keinen Nabel besaß, „Magistrat, wir müssen ihn finden. Sendet Nachricht an all Eure Spione, Spitzel, Attentäter und wer Euch sonst noch gehorcht. Und sorgt dafür, dass der König nichts davon erfährt.“

    Er spuckte die letzten Worte förmlich aus. Jener Mann, der ihn als seinen Sohn bezeichnete, jener Tyrann, der sich selbst König nannte, jener der ihn sein Leben lang belogen und missbraucht hatte, jener den er mehr als jeden anderen hasste, jener sollte am wenigsten über das wissen, was der Magistrat und er hier planten.

    Magistrat Batu Uliman nickte. „Gewiss, doch Prinz Iztubar.“

    Der Prinz fasste sich an den Kopf und erinnerte sich an das Gefühl des Verbrennens.

    Der Magistrat bedachte ihm mit einem besorgten Blick und gab zu bedenken: „Die Wesenswandler sind ein gefährliches Spielzeug, diese psychoaktiven Viren dann auch noch gepaart mit reinem Oura“, er schüttelte den Kopf, „nicht einmal jemand wie Ihr solltet diese Mischung an Euren Körper lassen.“ Er stockte, doch fügte dann hinzu: „Ganz abgesehen von dem Vermögen, das Eure Séancen verschlingen, wird es nicht mehr lange dauern, bis Ihr Eure Aktivitäten nicht mehr verheimlichen könnt. Die Blicke hinter den Schleier der Zunkunft, welche die Wesenswandler Euch erlauben, müsst Ihr Euch in Zukunft verkneifen.“

    „Ich weiß“, stieß Iztubar aus, „aber mein Bruder steht mir zur Seite. Mit seiner Hilfe werde ich den meinen Verstand nicht an ihre Stimmen verlieren.“ Damit wischte er den kondensierten Dampf vom Gefäß, mit der trüben Flüssigkeit und gab den Blick auf das frei, was sich im Inneren befand. Ein Fötus, ohne Nabel, dafür aber unzähligen haarfeinen Nadeln und Schläuchen in seinem Fleisch.

    Also von den MICE-Elementen habe ich noch nie gehört, klingt aber äußerst praktisch und nützlich, auch um sich darüber im klaren zu werden, was man eigentlich schreiben will.

    Da habe ich leider das "Pech" nur einen sehr kurzen Einstieg gemacht zu haben. Nun ich will es dennoch versuchen.

    Also ich würde sagen, dass bei meiner Variante es am ehesten in Richtung Event-Geschichte gehen würde. Der Drachenjäger, der noch eben im Kampf auf Leben und Tod mit einem Drachen war, wird jetzt mit dem Nachwuchs eben jenes Drachens konfrontiert. Er muss eine Lösung dafür finden, um wieder in den Alltagstrott eines Drachenjägers zurückkehren zu können.

    In dem Sinne könnte man auch "Inquiry" da hinein interpretieren, aber das mache ich jetzt mal nicht, denn das sind Spekulationen, die weit darüber hinausgehen, was ich geschrieben habe ^^

    Ich bedanke mich wieder für die vielen konstruktiven Rückmeldungen, das hilft mir ungemein. :danke:

    Als ich angefangen habe, wollte ich nicht viel weiter schreiben, als bis hier. Doch jetzt habe ich noch fünf weitere Parts in der Hinterhand, Tendenz steigend. Ich fürchte Enkidu wird noch so einiges erleben. Ich glaube ich werde den Titel auch irgendwann abändern, weil die Geschichte sich definitiv aus der Wüste herausbewegt. :hmm:

    Bei diesem Teil kann ich kaum einschätzen, ob er gelungen ist und ob er vielleicht nicht aus den falschen Gründen verwirrend ist.



    (3)

    Obwohl der Sand, der Schweiß und die Erschöpfung seine Sicht trübten, meinte Enkidu in der Ferne verschwommene menschliche Gestalten zu sehen, als Gittu gerade eine Düne erklomm. Sie marschierten geradezu über die Dünen und ihre langen Gewänder flatterten im Wind. Es schien ihm, als wenn ihre Haut in der Sonne blitzte und funkelte, doch dies musste eine Halluzination sein. Er gestand sich ein, dass er es wohl kaum aus der Wüste schaffen würde. Zu schwach und ausgezehrt war sein Körper. Es sei denn, er fände eine Oase, die nicht durch Oura kontaminiert wurde. Gittu trabte weiter, es war Enkidu unbegreiflich, wie er selbst so entkräftet auf dem Sattel seines zähen und noch munteren Tiers sitzen konnte. Warum war er so unendlich müde? Er lehnte sich vor, um am Halse Gittus seinen Kopf betten zu können und mit der Mähne als Kissen etwas zu schlafen. Dabei fiel er aus dem Sattel und in den Sand. Seine rechte Schulter schmerzte unerträglich, als sein ganzes Gewicht auf ihr lag. Er versuchte sich umzudrehen und mit dem linken Arm aufzustützen, doch er übergab sich prompt. Was er da ausspie, war tiefschwarz und Klumpen von Blut schwammen in der stinkenden Substanz. Sein Mund fühlte sich noch trockener an als zuvor und er schmeckte das Ghoulblut wieder deutlich auf der Zunge. „Scheiße“, hauchte er noch gerade so aus, als er zusammensackte und erneut in den Sand fiel. Er hörte Gittu schreien.


    Als sein Herr, mit dem Gesicht nach unten, in seinem eigenen Erbrochenen lag, stupste der Eselstrauß ihn an. Er rührte sich nicht und das Tier packte sein Gewand mit dem Schnabel und zog ihn auf die Düne hinauf. Es stieß laute Schreie aus, die ihren Weg durch die Wüste bahnten, bis sie schlussendlich vom Sand der Dünen verschluckt wurden.

    Eine Gruppe schwarzer Silhouetten näherten sich dem verzweifelten Tier und seinem bewusstlosen Reiter.


    In der Dunkelheit gab es keine Rettung, keine Erlösung, nur Kälte und noch mehr Schmerzen. So hatte Enkidu sich den Tod nicht vorgestellt. Bestünde dann die Möglichkeit, dass er noch nicht tot war? Er spürte seinen Körper nicht, versuchte zu atmen, doch etwas steckte in seinem Mund. Er spürte Metall an seinen Zähnen, konnte nicht schlucken, nur durch die Nasenlöcher atmen. Seine Augenlider schienen ihm nicht zu gehorchen, denn so sehr er sich anstrengte, sie öffneten sich nicht und die Dunkelheit blieb. Er glaubte allerdings einen seiner Finger zu spüren. Das Gefühl breitete sich aus und er glaubte den ganzen rechten Arm nun bewegen zu können. Doch nur ein unkontrolliertes zucken ging durch ihn und daraufhin verließ ihn wieder völlig das Leben. Enkidu war jedoch so, als könnte er aus der Ferne etwas klirren hören. Dann durchfuhr ihn stechender Schmerz, ihm fehlte jedoch die Kraft zu schreien.

    In die Schwärze, die seinen Geist umgab, gesellte sich ein Licht. Es kam näher und verschwand wieder. Dann tauchte es erneut auf und schien mit einem Mal die gesamte Dunkelheit zu vertreiben. Er sah etwas, oder vielmehr glaubte er etwas zu sehen. Eine Gestalt, die sich aus dem Licht herausbildete. Sie hatte Flügel, oder waren es Flossen? Sie hatte Federn, oder waren es Zähne und Hornplatten, die aus der Haut wuchsen? Hatte es überhaupt eine Haut, oder waren es Schuppen? Ihm war, als blickten ihn hunderte Augen ohne Lider zugleich an. Es schien ihm, als befände sich hinter all diesen Augen nur ein einziges Wesen. Und ein Gefühl breitete sich in ihm aus, das aus weiter Ferne zu stammen schien, ein wohliges Gefühl, als ob ein uraltes Rätsel, ein uraltes Problem gelöst wurde. Dann machte sich das Gefühl der Verwunderung breit und das Licht zerstob in unzählige winzige Fäden. Das Wesen schien auf einmal verschwunden zu sein und hinterließ dabei nicht nur Leere, sondern eine Fehlstelle. Das Gefühl, dass etwas nicht da war, was aber da sein müsste. So sehr er sich auch anstrengte, konnte Enkidu das Nichts, oder vielmehr das Fehlen des Nichts nicht begreifen.


    Die Zeit zog sich für ihn wie eine Ewigkeit hin, bis er die Kraft fand, um die Augen zu öffnen. Die Finsternis zerbrach in tausend Stücke, nur um einer anderen Dunkelheit Platz zu machen, wie es schien. Diesmal fühlte sie sich jedoch nicht befremdlich an, sondern vertraut, insofern, als er sie mit seinen Sinnen fassen konnte.

    Er erkannte, dass er sich in einem Raum befand, schlecht ausgeleuchtet und ohne Fenster, sodass er nicht sehen konnte, was sich, außer ihm, noch da befand. Er glaubte auf einem Bett zu liegen, doch sicher war er sich nicht. Das Gefühl kehrte in seine Glieder zurück, nur der rechte Arm blieb weiterhin taub. Er nahm seine ganze Kraft zusammen und tastete nach ihm. Er konnte ihn nicht unter den Fingerkuppen der linken Hand spüren. Da war nichts. Entsetzt setzte er sich auf, so gut es ging. Er sah an sich herunter und schüttelte ungläubig den Kopf. Alles drehte sich um ihn herum und ihm war, als wenn er sich gleich übergeben müsste. Da wo sein rechter Arm eigentlich sein sollte, war nichts. Nichtmal ein Stumpf. Im Halbdunkel sah er, dass ein Verband um seine Schulter lag und unter ihm war kein bisschen Arm zu erkennen. Er saß nun keuchend, aufrecht auf einer Pritsche. Er konnte es noch immer nicht fassen. Die Fragen nach dem Wie und dem Warum spielten in diesem Moment keine Rolle. Er wollte nur eines wissen: Was, zur Hölle, war mit seinem Arm passiert?

    Überlege dir den Einstieg in die Geschichte des Drachenjägers

    Okay, ich würde direkt mit ein bisschen Action beginnen und dann sofort auf das eigentlich wesentliche für die Handlung überleiten. So ungefähr:


    Das spritzende Blut des Drachens verätzte den Schild des Jägers, als dieser seinen Speer durch das Herz der Bestie stieß. Das Ungetüm bäumte sich ein letztes Mal brüllend auf und stürzte dann rücklings zu Boden. Die Stille, die nach dem Tod des Drachens einkehrte, wurde zerrissen durch hohe, wehklagende Schreie aus dem hinteren Teil der Höhle. Als der Drachenjäger nachsah, entdeckte er eine kleine, zusammengekauerte, schuppige Gestalt.

    Wow, danke für das viele Feedback. :) Ich habe den ersten Teil noch einmal euren Vorschlägen und Bemerkungen nach überarbeitet, will aber noch das eine oder andere Wörtchen verlieren:


    (2)

    Nachdem die Schreie endlich verebbt waren, holte er eine kleine Phiole aus einer Tasche, die in den Falten seines Gewandes verborgen war. Sie enthielt eine rosa schimmernde Flüssigkeit, welche er in einem Zug austrank. Das Blut des Ghouls würde ihn nicht auch zu so einer Abscheulichkeit mutieren lassen, war aber dennoch hoch giftig. Dem Sucher war noch kein Fall bekannt, in dem jemand das Blut getrunken hätte. Er hoffte einfach, dass die Dosierung seines Gegengiftes ausreichen würde. Weil dieses normalerweise einen so widerlich bitteren Geschmack hatte, dass er sich immer beinahe übergeben musste, hatte er es diesmal mit Himbeer-Aroma versetzt. Trotzdem verzog er das Gesicht und musste sich sehr beherrschen, seinen Mageninhalt bei sich zu halten und das Mittel runter zu schlucken.

    Er begutachtete seine Wunde. Der Schnitt auf der Brust war nicht allzu tief, nur seine Jacke hing in Fetzten. Dramatischer war da schon seine Schulter, denn die Klaue des Ghouls hatte hier den Knochen getroffen und war in das Gelenk eingedrungen. Gegen die Schmerzen trank er erneut den Inhalt einer anderen Phiole leer, doch würde er den Arm in nächster Zeit nicht belasten können. Der Sucher konnte ihn nicht einmal bewegen und er hing ihm einfach an der rechten Seite nach unten.

    Während er behelfsmäßig versuchte seine Wunde zu säubern und zu verbinden richtete er sich an sein Reittier: „Mich nennt man Enkidu, das bedeutet sinngemäß der Stille. Du, mein stoischer Freund, sollst Gittu, der Laute, heißen.“

    Zufrieden schnaubte das Tier und schüttelte den Kopf, wobei seine langen Ohren schlackerten und Enkidu über der Schläfe trafen. Lachend nahm er seinem tierischen Gefährten die Gasmaske ab, was sich als schwierig erwies, mit nur einer funktionierenden Hand.

    „Aber nur für einen Moment, verstanden? Wenn wir haben, was wir suchen, dann brauchst du die Maske wieder.“

    Gittu klappte seinen Schnabel auf und zu und blähte die Nüstern.

    Die Sonde lag immer noch unbeeindruckt neben dem nun zerstörten Brunnenschacht.

    „Und was hast du gefunden, mein kleiner Freund? Hoffentlich hast du dir bei diesem Hechtsprung nichts getan.“ Er streckte die Hand aus und sie schien ihre winzigen Antennen und Messinstrumente wie Arme nach ihm auszustrecken.

    Die Synchronisierung der Daten der Sonde dem entsprechenden Auslesegerät gestaltete sich als kompliziert, wenn man nur einen funktionierenden Arm zur Verfügung hatte. Schlussendlich gelang es ihm, die entsprechenden Verbindungsdrähte zu verknüpfen. Nicht zum ersten Mal fluchte er, dass er mit so veralteter Technik hantieren musste und dass keine Ersatzteile mehr für derart rudimentäre Roboter hergestellt wurden. Hier in der Wüste hatte kaum jemand das Geld, geschweige denn die Energiereserven um einen Biocomputer der neusten Generation zu benutzen. Die minder intelligenten, aber auch pflegeleichteren KIs waren viel besser geeignet für seine Zwecke.

    Die Ergebnisse der Untersuchung waren eindeutig. Auf dem Display des Auslesegeräts wurde eine Umgebungskarte angezeigt, auf der die Konzentration von Oura-Partikeln im Untergrund angezeigt wurde. Alles ging von einem geballten Punkt aus, der etwa 6 Meter rechts vom Brunnen lag. Jetzt war er sich sicher zu wissen, wo sich die Quelle befand. Unterirdisch, wahrscheinlich in direktem Kontakt mit dem Wasser, oder nur durch eine dünne Erdschicht davon getrennt. Die Menschen, die durch diese Oase kamen, mussten durch das Wasser mit dem Oura in Kontakt getreten sein. Bei jenen, die auf ihren Wegen durch die Wüste öfter an diese Oase kamen, musste die Dosierung ausgereicht haben, um das Brechen ausgelöst zu haben, die Transformation in einen Ghoul.

    Enkidu kramte aus den Satteltaschen seines Reittiers einen pneumatischen Spaten und seine Ersatzgasmaske. Sie war zwar weniger bequem, aber er wollte verdammt sein, wenn er die andere Maske je wieder tragen würde, die vom Speichel und Blut des Ghouls ganz durchnässt war. Unter den entschiedenen Protesten Gittus, der ebenfalls wieder seine Maske tragen musste, machte sich Enkidu an die Arbeit. An der Oberfläche war die Konzentration nicht so stark, dass es ihnen in dieser kurzen Zeit schaden würde, aber das was er da ausgrub war von einem ganz anderem Kaliber.

    Die Arbeit ging schleppend voran. Nach jedem Stich des Spatens und nach jeder Ladung Erde und Sand, die er beiseite schaffen konnte, musste sich die pneumatische Vorrichtung des Werkzeugs erst einmal mehrere Sekunden neu aufladen, bevor er den nächsten Stich tun konnte.

    Der Gedanke, dass er sich nach diesem Auftrag die beste und modernste Ausrüstung würde leisten können, ließ ihn den Spaten immer energischer in die Erde treiben.

    Schließlich traf das Werkzeug auf etwas Hartes. Kein Stein, keine ausgedehnte Wurzel einer Wüstenpflanze, nein, die Spitze des Spatens splitterte und zwischen der gelockerten Erde leuchtete ein schwaches Licht.

    „Gelobtes Galiläa!“, stieß Enkidu aus und grub nun ungeduldig mit der linken Hand weiter, so gut es eben ging, bis er es freigelegt hatte: Einen kleinen, etwa faustgroßen Orb, von dessen Inneren ein bläuliches Licht ausging. Viddit-Shakti, eine Sphäre der Macht, ein Artefakt längst vergangener Äonen. Aus einer Zeit, als es auf der Erde noch kaum ein Leben gab, das man als solches bezeichnen durfte. Eine der Quellen des Oura.

    Aus dem Gepäck holte er eine schwarze Box aus Synth-Stahl, der einzigen Substanz, welche Oura abschirmen konnte. Seine Handschuhe waren zwar dick und mit eben jenem Metall verstärkt, doch lag eine große Gefahr darin, etwas derartiges nahe an seinem Körper zu tragen. Der Kubus aus drei Zentimeter dickem Synth-Stahl bot da Abhilfe. Die Öffnung der Box gestaltete sich zwar herausfordernd, mit nur einer Hand, es gelang ihm allerdings nach mehreren frustrierenden Versuchen, den Verschluss zu entriegeln. Er ließ den Orb hineingleiten und steckte die Box ein. Sie passte gerade so in eine der freien Taschen, verursachte aber eine seltsam kantige Ausbeulung in seinem Gewand.

    Er nahm sich und Gittu die Gasmasken ab und streichelte den Schnabel seines Gefährten, bevor er sich in den Sattel schwang und die Oase verließ. Erst jetzt merkte er, wie ausgelaugt er durch den Kampf und die Anstrengungen des Tages war und während er auf dem Eselstrauß ritt, schwanden seine Kräfte immer weiter.

    Ich finde diese Einteilung in Merkmalen so lange sinnvoll, wie sie im Deutschunterricht oder in der Germanistik helfen, die Kurzgeschichte als solche zu charakterisieren. In dem Fall ist es bestimmt voll wichtig zu unterscheiden, ob es nun eine Kurzgeschichte ist, oder einfach nur eine kurze Geschichte :P


    Manches ergibt schon Sinn, nämlich, dass der Einstieg unvermittelt sein soll, oder dass die Geschichte eher etwas verdichtet erzählt werden soll. So kann man mehr, auf weniger Platz erzählen, anstatt die Geschichte, wie bei einem Roman, ausufern zu lassen.

    Ich glaube es kann schon sinnvoll sein sich zu orientieren, aber wenn das Genre der Kurzgeschichte da nicht unbedingt mitmacht (wie z.B. SciFi, bereits oben erwähnt) oder diese Merkmale mit der Idee des Schreiberlings kollidieren, sollte das Merkmal nachgeben.

    Andererseits, können diese auch als Richtlinien gesehen werden und es gilt herauszufinden wie man damit spielen, sie umgehen oder brechen kann. Dann wäre es wiederum der Kreativität zugänglich.


    In jedem Fall ist ein sklavisches Halten an diese Merkmale wohl kaum zuträglich für die Qualität einer Geschichte. Wenn diese Eigenschaften als Schema aufgefasst werden, dann ist die Kurzgeschichte genau das. Eine schematische und keine kreative Arbeit.