Beiträge von Iskaral

    Juhu, ich komme auch noch dazu hier was zu schreiben!


    Thema 16 - Dämonen


    Mein Lieber Lukratius,


    wie dir sicherlich bekannt ist, galt meine Aufmerksamkeit in den letzten Monaten den Dagrain-Hügeln. Die Anwohner bezeichnen das Gebiet, welches sich meinen Berechnungen nach beinahe vier Meilen in jede Richtung erstreckt, als Grablande. Sie fürchten sich ohnehin schon außerordentlich vor dem Gebiet, doch nun wagen nicht mal mehr außenstehende die Straßen zu nutzten, welche in Sichtweite der Hügel verlaufen. Alles Abergläubische Einfaltspinsel, wenn du mich fragst. Jedenfalls scheint ihre Furcht sie nicht von Gotteslästerlichen Praktiken abgehalten zu haben, denn sonst hätte sich wohl kaum ein Dämon hier eingenistet.

    Meine Nachforschungen haben ergeben, dass der Wurzel allen Übels unter einem großen Weidenbaum liegt. Er befindet sich genau in der Mitte des Gebietes und ist alt und knorrig. Erinnere dich an die Einbände der Fabeln unseres lieben Erzmagisters, dann hast du eine ungefähre Vorstellung von diesem verfluchten Baum.

    Jedenfalls habe ich mit einem der beschränkteren Burschen aus der Umgebung gesprochen, da dieser als letzter noch dumm genug ist sich der Weide zu nähern. Er berichtete mir von Stimmen verlorener Seelen und einem glühen, dessen Ursprung unter dem Wurzelwerk zu liegen schien. Was für ein Kokolores, sage ich dir!

    Abergläubisches Landvolk, es müsste schon mit Mephistopholes höchst selbst zugehen, wenn das stimmt. Aber meinen Beobachtungen zur Folge ist es ein ganz gewöhnlicher Dämon, einer der sich von der Sünde der hier Lebenden ernährt.

    Mit so etwas wird der alte Eutakritus schon fertig! Wie du weißt habe ich schon bald ein halbes dutzend dieser Höllenkreaturen in diesem Jahr erlegt. Die Welt verkommt immer mehr, sage ich dir!

    Wie dem auch sei, ich werde im Morgengrauen mit Weihwasser und dem heiligen Kranz unseres Erlösers auf die Pirsch gehen. Wir werden schon noch sehen was für ein mickriger Werwurm sich da bei der Weide versteckt.

    Ich hoffe wir können uns diesen Winter noch sehen, ich habe einige ganz besondere Geschenke für deine Kinder auf meinen Reisen besorgt.


    Waidmannsheil,

    Dein ergebenster Eutakritus

    Charon, danke für dein Feedback und sorry, dass ich auf dein vorheriges nicht geantwortet habe, wollte erstmal die Geschichte zu Ende bringen.

    Freut mich, dass sie dir scheinbar gefallen hat:)


    ich hoffe, irgendwann noch mehr über Seda zu erfahren. Da steckt noch viel Potenzial dahinter und vermutlich sind es viele Geschichten, die sie noch zu erzählen hat.

    Da magst du recht haben;)


    Das kam jetzt doch sehr plötzlich, würde da vielleicht doch noch einen Satz drauf verwenden, um zu beschreiben, dass er die Gruppe verlassen wird.

    Eigentlich hast du recht. Ich wollte eigentlich die Geschichte noch etwas verlängern, sodass der endgültige Abschied erst etwas später kommt, habe mich aber dagegen Entschieden, weil meine Entwürfe dafür etwas gezwungen daherkamen. Unglücklicherweise habe ich dabei wohl übersehen, dass diese Szene dann etwas mehr auszubauen ist.


    In jedem Fall kommt noch was. Ich bin mir nur noch nicht so ganz sicher auf welchem Weg es mit den dreien weitergehen soll. Habe vermutlich zu viele verschiedene Ideen, was das anbelangt.

    Der letzte Teil, vorerst...


    Ein Pfad aus Blut 4


    Aras Zahn war nicht viel mehr, als ein verfallener Turm. Vielleicht ein Überbleibsel eines uralten Volkes, denn solch eine Bauweise hatte Munakil noch nie gesehen. Er war achtseitig angelegt worden, und graue Ziegelsteine wurden von roten, blauen und sandfarbenen unterbrochen. An jeder der Ecken befand sich ein runder Pfeiler.

    „Nun denn, lasst uns die Ratte im Gemäuer treffen“, Seda stieg von ihrem Pferd, „Datu ist ein guter Magier, aber er überschätzt seine eigene Schläue so sehr, wie er die der anderen unterschätzt.“

    Munakil wollte schon seinen Säbel ziehen, als ihm die Alchemistin einen vielsagenden Blick zuwarf: „Wir wollen ihm keinen Grund geben zuerst loszuschlagen, hol unseren abtrünnigen Freund.“

    Feofen schien noch immer zu schlafen, seine Brust hob und senkte sich. Wenn Munakil so daran dachte schlief er schon seit drei Tagen. Was hatte die Alchemistin mit ihm gemacht?

    Seda warf Mordaine einen Dolch zu und wies sie an: „Ich werde so beschäftigt mit dem Dämpfen sein, dass ich nichts anderes tun kann.“

    Dabei blickte sie Munakil an, der sich den drahtigen Körper des Pan wieder über seine Schulter gelegt hatte. Die Alchemistin holte einen weiteren Talisman hervor, diesmal in Form einer Silbernen Feder. Sie schloss die Augen und begann sich zu konzentrieren. Eine unangenehme Aura breitete sich aus und

    Munakil wurde beinahe übel. Dann erwachte Feofen plötzlich, er begann zu schreien und zu zappeln, doch er hielt ihn fest, musste aber die eiserne Kraft beider Arme aufwenden.

    So traten sie in den Turm ein, Seda als erste, dann folgte Munakil mit dem wehrhaften Feofen und Mordaine zu guter letzt.

    Datu war groß, selbst für einen Pan, er trug ein Langes Gewand aus Leinenstoff und er hatte ein Fuchsgesicht mit hinterlistigen Augen, die vor verborgenen Absichten nur so blitzten.

    Seine Stimme klang wie so süß und zähflüssig wie Honig: „Ich sehe Sedaja, Eure Gnade hat Euch wieder in Angelegenheiten geführt die Euch nichts angehen.“ Dabei schaute er auf Mordaine mit einem Blick, wie zwei glühende Kohlen. Das Mädchen machte sich dabei ganz klein und schien gleich im Boden zu versinken.

    „Wenn Ihr versucht Feofen zu holen, ohne zu bezahlen, dann ist das sehr wohl meine Angelegenheit.“

    „Gute Frau, ihr werdet doch verstehen, dass ich euch nicht verraten kann wo sich das Buch befindet, ich muss an meinen Ruf denken, mein Leben.“

    Munakil stutzte Ein Buch, ich dachte es geht hier um freies Geleiht und Zuflucht im Arbonon.

    „Schulden müssen beglichen werden“, gab Seda zurück, ihr Blick schien nicht weniger furchteinflößend als der Datus.

    „Ah, aber manche Schuldschaften reichen Tiefer als andere,“ er deutete auf den Pan, „bringt mir den Abtrünnigen.“

    Munakil zögerte und schaute Seda hilflos an, doch sie zeigte keine Regung. „So sei es, es ist ohnehin gleich wann sein Leben endet.“ Mit diesen Worten holte der Pan-Priester einen kleinen Ball aus seinem Gewand hervor und warf es nach ihnen. „Die Schuld gegenüber Fefér ist die tiefste.“

    Seda und Mordaine stürzten sich sofort zur Seite, doch Munakil wusste nicht wie ihm geschah. Als er endlich verstand, war es fast zu spät. Er ließ den Pan auf seiner Schulter fallen und warf sich flach neben die kauernde Mordaine. Der Ball explodierte und Fetzten von dunklem Fleisch und grünem Blut flogen durch die Luft. Munakil wusste, dass nichts weiter von Feofen übrig geblieben war.

    „Elender!“ rief Seda aus, in ihrer Stimme lag unverhohlener Zorn. „Mörder, Verräter, …!“

    Die nächsten Worte waren nicht zu verstehen, denn schon Landete die nächste Munition in ihre Mitte. Diesmal schrie er auf, ein Splitter hatte ihn im Gesicht getroffen und er spürte wie Blut aus einer Stelle über seinem Auge rann. „Es ist vorbei Sedaja“, rief Datu und Munakil spürte wie eine Woge der Macht von ihm ausging. Mordaine schrie, doch sie griff nicht an. Sedas Gesicht verzerrte sich vor Anstrengung.


    Als sie alle drei dastanden und sich keiner Bewegte, holte Datu einen weiteren Ball hervor. Mordaines Augen weiteten sich vor entsetzten, als sie auf ihn los sprang, mit dem Dolch in der linken Hand. Datu lächelte spöttisch und Warf den Ball. Eine Krähe, kam plötzlich durch das offene Dach des Turmes geflogen und Fing den Balls auf. Staunend sahen sie dem Vogel nach, als er wieder in die Lüfte stieg und von der Explosion zerfetzt wurde. Blut, Federn und Eingeweide regneten herab, doch Mordaine zögerte keinen Augenblick mehr. Sie stieß dem Pan den Dolch in die Brust. Keuchend wich er zurück, als er sie von sich wegschlagen wollte, tauchte die kleine Frau unter seinem Arm hinweg und rammte ihn den Ellbogen mit voller Wucht zwischen die Beine. Der Priester des Fefér sank in sich zusammen. Mordaine zog den Dolch aus der Brust und durchschnitt seine Kehle mit einer Blitzschnellen Bewegung. Er war tot noch ehe er auf dem Boden aufkam. Mordaine wandte sich um und ihr eröffnete sich eine grausige Szene: Munakil lag auf dem Boden, ein Blutlache bildete sich um seinen Kopf, Seda kniete neben ihm, sie Blutete selbst aus zahlreichen Wunden. Überall waren Fleischfetzen und Innereien verteilt. Noch immer sanken schwarze Federn zu Boden.

    Sie ließ sich niedersinken, neben dem Mann, der sie so viele Jahre gefangen hielt, sie misshandelte und folterte, sie sich seinem Willen unterwarf.

    Seda half Munakil sich aufzusetzen. Seine rechte Gesichtshälfte war mit Blut überströmt und an seiner Hüfte klaffte ein blutiges Loch. Mordaine begann den Leichnam Datus zu durchsuchen, sie wollte etwas finden, irgendetwas das ihnen vielleicht helfen konnte, einen Verband, Wein, einen Talisman, doch sie fand nur noch zwei weitere der zerstörerischen Bälle.

    „Lass ihn liegen“, die Stimme der Alchemistin klang erschöpft.

    „Aber euer Buch“, gab Mordaine zu bedenken.

    „Ich weiß wo es ist, zumindest glaube ich das“, antwortete Seda.

    „Ein Buch“, stöhnte Munakil, „alles nur wegen einem verdammten Buch?“ Seda seufzte, während sie eine weitere Woge der Magie ihres Celdatis durch seinen Körper gleiten ließ.

    „Es ist nicht irgendein Buch, es ist das Girim-Dovha, das Buch der verlorenen Städte.“

    „Und wenn es die heilige Schrift des ersten Priesters des ersten verdammten Gottes wäre“, schrie Munakil auf.

    In Mordaine schien wieder eine alte Erinnerung aufzusteigen, aufgeregt zog sie Seda am zerschlissenen Ärmel.

    „Ich habe davon gehört, vor langer Zeit. Als ich noch beim Roten Bund war, bevor sie mich an ihn verkauften.“, dabei stieß Mordaine Datus Leichnam an. Als sie geendet hatte, erkannte sie, dass Seda in ihre Gedanken verfallen war und die Wogen aus ihrem Talisman mittlerweile immer schwächer und in größeren Abständen schickte.

    „Was war das überhaupt mit der Krähe, war das Euer Werk?“, brachte Munakil hinter zusammengepressten Zähnen hervor.

    „Nein, ich hatte damit nichts zu tun.“

    Er stöhnte erneut: „Eines ist jedenfalls klar, ich gehe nicht mit, wenn ihr zum Roten Bund wollt.“

    „Einen Tagesritt von hier entfernt haben sie so etwas wie ein Lager, behütet in den Bergen. Dort halten sie Gefangene fest um sie in die Sklaverei zu verkaufen,“ gab das Mädchen zu bedenken.

    Seda schaute Mordaine in die Augen, als sie mit Bestimmtheit sagte: „Nein, er hat recht, er hat zu viel für nichts ertragen, ich kann nicht verlangen, dass er mitkommt.“ „Aber ich komme mit“, rief Mordaine aus, „Herrin Seda, ich stehe in Eurer Schuld.“

    Munakil lachte auf: „Siehst du nicht was dir die Schuld ihr gegenüber einbringt, Mädchen?“

    Seda lächelt schwach: „Wir müssen ihn aber zuerst in Sicherheit bringen, ich habe schon zu viel von ihm verlangt.“


    Er hatte sich ein Stück Leinen von Datus Gewand, als behelfsmäßiger Verband um den Kopf gewickelt und richtete sich nun auf.

    „Sedaja, ich kann auf eure Hilfe und die der kleinen verzichten, den Weg ab hier finde ich alleine. Dem Pfad aus Blut den ihr beide beschreitet will ich nicht folgen.“

    Mordaine nickte stumm. Seda führte ihre Hand von der Stirn zur Brust und wieder zurück. Eine Geste der Anerkennung und des Respekts, die Munakil jedoch vollkommen unbekannt war, sodass er ohne ein Wort zu sagen auf seinem Juivi davon ritt.


    Sie sahen beide zu wie der Verletzte und Einhändige sich davon machte. Hinaus aus dem Lichten Walde, über den Thir bis an die Ausläufer des Arbonons, wo er sich Sicherheit vor Mingbals Schergen erwartete. Ihr weg würde sie in die andere Richtung führen, bergauf, zum Gefangenenlager des Roten Bundes. Seda wusste nicht was sie dort erwarten würde, aber sie glaubte fest daran jemanden zu finden, der ihnen das Buch, oder zumindest seine Position preisgeben könnte. Fast zwanzig Jahre hatte sie danach gesucht und diese Suche hatte sie bis nach Mingbal geführt.

    Bereits während ihrer Ausbildung hatte sie vom Buch der verlorenen Städte gehört und von dem, was zwischen seinen Zeilen verborgen lag.

    Den Großteil ihres Lebens hatte sie dem hinterher gejagt und war nicht bereit so kurz vorm Ziel aufzugeben.

    Mordaine stellte allerdings eine andere Angelegenheit dar. Sie war vielleicht fünfzehn oder sechzehn, hatte ein Leben der Grausamkeit hinter sich und diese Überwindung hatte sie zur Mörderin gemacht. Ohne zu zögern hatte sie ihrem Hass freien Lauf gelassen, nachdem sie Datus Willen entkam.

    Jemand müsse sich dem Mädchen annehmen, jemand müsse ihr beibringen mehr zu sein als eine Kampfmaschine, immer nur den Befehlen anderer folgend. Eine schwere Bürde, wie Seda wusste, aber nur eine der vielen, die sie bereits trug.

    Dies ist der vorletzte Teil der Kurzgeschichte.


    Ein Pfad aus Blut 3


    Die Juivis trugen sie den ganzen Tag tapfer immer in eine Richtung. Mordaine sagte kein Wort und blickte stumm ihren Ziel entgegen. Ob wir ihr wirklich einen Gefallen damit tun? Was wird der Rote Bund tun, wenn sie sie in die Finger bekämen? Munakils Gedanken kreisten ständig nur um diese Fragen.

    „Wo genau ist eigentlich dieser Treffpunkt?“, fragte er schließlich.

    „Aras Zahn, ein verlassene Festung. Nein, keine Sorge, er liegt zu weit ab von jeglichen Straßen, der Rote Bund hat diese Festung nie beansprucht.“

    Es hatte ihn beruhigen sollen, doch die Tatsache, dass sie fern ab der üblichen Pfade nach einem Mann suchen mussten, der auf sie wartete und sie alle vier tot sehen wollte, führte eher zum Gegenteiligen. Ein Schauer lief ihm über den Rücken, als es ihm klar wurde.

    Sie hatten insgesamt drei Juivis mitgebracht, je eines für die Alchemistin und den einhändigen Krieger, sowie eines, dass Feofen und den Großteil ihrer Vorräte tragen sollte.

    Doch nun am Abend fragte sich Munakil, ob sie nicht zu wenig Vorräte, während ihrer Flucht gestohlen hatten.

    Denn die kleine Teufelin Mordaine, fraß wie ein Wywern und Seda ließ sie gewähren, obwohl die kleine noch immer keinen Ton von sich gegeben hatte.

    Während sie am Lagerfeuer saßen und hartes Brot, Pökelfleisch und eingelegte Früchte aßen, beobachtete er, dass Mordaines Haare, ohne den Dreck, der ihre Strähnen verklebte, im Schein des Feuers eher rötlich als schwarz schienen.


    Der Morgen blieb diesmal ohne Überraschung, keine Ungeheuer, keine Banditen. Nur eine Krähe, die ungewöhnlich tief über das Nachtlager flog, als sie es abbrachen, sorgte für Abwechslung. Mordaine schien Munakil gegenüber zwar stumm, aber sie war tüchtig und rollte die Zelte, Decken und Planen mit größter Konzentration zu kleineren Rollen zusammen, als er es je vermocht hatte. Demnach brachen sie schneller auf, als die vorherigen Tage. Ihr Weg führte sie immer näher an den Wald heran. Im Osten erhob sich ein Gebirge, welches als Holdars Zuflucht bekannt war. Einst soll ein Wildläufer namens Holdar sich hier, am Ende der Welt, vor einer erzürnten Gottheit versteckt haben. Das dort lebende Volk leitete seinen Ursprung bis zu ihm zurück.


    Ein Lichter Wald bedeckte die Berghänge und ein schmaler Bach führte ins Thir. Sie gestatteten sich und ihren Reittieren eine kurze Rast.

    „Aras Zahn, liegt entlang diesen Wassers“, sagte Seda und deutete in Richtung des Wäldchens. Es sah kläglich aus und würde das Ende der Zeit der Sonne wohl kaum erleben. „Dieser Bach wird zu einem reißenden Fluss, wenn das Eis in den Bergen schmilzt. Ich denke in einigen Wochen wird er allerdings vertrocknet sein.“

    „Warst du schon einmal hier, oder vertraust du den Informationen des Mannes der uns töten will?“, fragte Munakil spöttisch, er war recht guter Laune, trotz der nahenden Entscheidung.

    „Ich vertraue ihm zur Hälfte, die andere Hälfte gab mir Mordaine, als sie die Position bestätigte.“

    „Vielleicht ein doppeltes Spiel? Es könnte eine sorgsam ausgelegte Falle sein“, bemerkte er mehr zu sich selbst.

    Dann öffnete die kleine Frau ihren Mund. Ihre Stimme klang rau, als hätte sie eine ausgetrocknete Kehle, dabei hatte sie letzte Nacht ihren halben Weinvorrat geleert: „Nein, ist es nicht. Ich will nicht, dass er euch kriegt, ich will, dass er stirbt!“ Unverhohlener Zorn klang in diesen Worten mit.

    Seda hob beschwichtigend die Hand: „Ich glaube dir, aber es gibt da etwas, dass du vielleicht nicht weißt.“

    Die Augen der Kleinen schienen aufzublitzen, als würde eine längst verblasste Erinnerung in ihr aufkommen.

    „Munakil, wenn du so freundlich wärst, ihr Rücken“, bedeutete ihm die Alchemistin.

    Stirnrunzelnd ritt er näher an Mordaine heran, und mit einer vorsichtigen Bewegung streifte er den Saum ihrer Tunika beiseite. Mit vor entsetzen aufgerissenen Augen starrte er auf das Geflecht von kleinen rot leuchtenden Steinen, die mit ihrem Fleisch verwachsen zu sein schienen.

    „Ein Tanulen, ein Talisman, der sie zu einer gefügigen Sklavin machen kann. Ich glaube eine der Angreifer sollte uns in die Hände fallen. Datu will uns ein Messer in den Rücken rammen, während er mit uns um sein Leben feilscht. Ich kann seine Macht dämpfen, sodass ihr Einfluss abgeschwächt wird.

    Das wird unser Vorteil sein, wenn Worte versagen.“, Seda schien tatsächlich entzückt über diese Tatsache.

    Mordaines Stimme klang jetzt schwach und sie zitterte, Tränen liefen ihr über die Wangen: „Ich wusste nichts davon.“

    „Deshalb befindet er sich auf deinem Rücken, Mädchen. Wie sollst du das schon sehen?“

    Dann schien in ihr die Erkenntnis über die genaue Bedeutung von Sedas Worten aufzusteigen: „Ich soll ihn töten?“

    „Wenn es so weit kommt, bleibt uns vielleicht nichts anderes mehr übrig. Aber es wird nicht einfach für mich, seinen einfluss zu überdecken. Die Fassung des Tanulen geht nicht tief, aber er ist groß und ich bin keine erfahrene Dämpferin.“

    „Ich werde euch den Rücken frei halten,“ meldete Munakil sich zu Wort und spielte bereits in Erwartung eines Kampfes mit dem Knauf seines Säbels.

    Hallo Charon,

    deine Geschichte gefällt mir soweit sehr gut. Zwar ist noch nicht so wahnsinnig viel passiert, aber du lässt dir Zeit um Samuel an den Leser heranzuführen und seine Denkweisen darzulegen.

    Ich glaube, an einigen Stellen könnte ich vielleicht noch etwas bildhafter sein, statt nur zu erzählen.

    Da magst du recht haben, aber es bieten sich dafür einige Möglichkeiten z.B. könntest du das Haus etwas genauer beschreiben ("Efeu kletterte die verputzten Wände empor, das Blattwerk reichte bis in die Giebel." - oder etwas in der Art;))

    Auch wenn es nicht zur Geschichte beiträgt, bekommt man als Leser einen besseren Eindruck von der Umgebung.


    Eine andere Stelle wäre die hier:

    Erst jetzt begriff Samuel die Auswirkungen seiner Tat, seiner grenzenlosen Wut, die jetzt auch seinem Vater überkam.

    Du erzählst uns Samuels Gedanken teilweise wortwörtlich, dann bietet es sich in dieser Situation an, dass du seine Gefühlswelt genauer beschreibst. Immerhin hat er seinen Bruder gerade beinahe umgebracht.

    Beispielsweise so: "Mit der Erkenntnis überkam ihn eine eisige Dunkelheit. Er glaubte ins vollkommende Nichts zu sinken und er schien nur noch mit glasigen Augen, von einem fernen kalten Ort aus, auf die schreckliche Realität zu blicken."


    Das sind nur Beispiele, dir fällt bestimmt etwas passenderes ein:)


    Die Kunst ist dann, nach langen beschreibenden Passagen wieder den Einstieg in die eigentliche Erzählung zu finden.

    Ein Pfad aus Blut 2


    „Wo ist eigentlich unser… Paket?“, fragte er, während er die Leichen der Angreifer nach Abzeichen durchsuchte, eine Aufgabe die sich mit nur einer Hand als recht schwierig gestaltete. „Ich habe ihn in Sicherheit gebracht, ich lasse nicht zu, dass Feofen etwas zustößt.“

    „Jetzt hat er auch noch einen Namen,“ murmelte Munakil. Es war Teil der Abmachung, dass sie den flüchtigen Priester Feférs zu einem Schrein bringen sollten, wo sich dann ein loyaler Diener des Gottes, sich um ihn kümmern sollte. Nicht zum ersten mal dachte Munakil, dass sie ihn hätten töten sollen als sie Möglichkeit dazu hatten.

    Pan-Angelegenheiten bedeuten immer Ärger und die Beteiligung eines Gottes deutete auf eine Katastrophe hin.


    „Madras!“, keuchte er und hielt eine Münze hoch, die er einem der leblosen Körper abgenommen hatte. Sie schimmerte in einem leicht kupfernen Ton, doch er wusste, was es bedeutete. „Der rote Bund! Irgendwo muss ein Lager sein. Verflucht und zugenäht und wieder aufgetrennt! Wenn wir gefunden wurden, dann...“ Seda winkte ab: „Diese hier waren höchsten die Helfershelfer von irgendwem. Keine Kopfjäger des Bundes.“

    Mit gerunzelter Stirn wusch sie die Wunden des Mädchens mit dem Wein aus.

    „Wo hast du ihn abgelegt?“, fragte er ungeduldig. Ihm war nicht wohl dabei, den Abtrünnigen aus den Augen zu lassen. „Feofen? Ach, der liegt irgendwo dahinten“, dabei deutete sie in keine bestimmte Richtung, denn sie war zu sehr mit ihrer derzeitigen Arbeit beschäftigt. Wr wusste, dass er ohne sie in irgendeinem Verlies angekettet und sabbernd für den Rest der Ewigkeit dahinvegetieren würde, aber nun schien die Alchemistin ihm außerordentlich unbrauchbar, fast wie eine Eisenkugel an seinem Bein, die ihn daran hinderte so schnell wie möglich den Häschern von Mingbals Obrigkeit zu entkommen.

    Feofen lag gefesselt hinter einem halb verfaulten Baumstamm.

    Die Termiten, welche den Baumstamm befallen hatten, begannen bereits auf ihm herumzukrabbeln und in sein eigenartiges Fleisch einzudrungen. Er wehrte sich nicht dagegen und über Munakils Lippen huschte ein gemeines Lächeln.

    Er verstand noch immer nicht, warum Seda dieses Abkommen einhalten wollte, denn der die Höchsten Kronen an den Ausläufern des Arbonon waren am Horizont bereits als undeutliche Schemen zu erkennen. Ein permanenter Wald, der durch alle Zyklen hindurch standhaft der Witterung trotzte und der dadurch Geheimnisse längst vergangener Zeitalter bewahrte.

    Es schien ihm so viel sicherer als die Weiten Waydenthirs, dass er sogar Sedas Anweisungen folgen würde, auch wenn er sie nicht nachvollziehen konnte. Er vertraute ihr bis zu einem gewissen Grad.

    So wuchtete er den Körper des großen, aber dünnen und leichten Pans auf seine Schulter.

    Das Mädchen hatte sich mittlerweile aufgerichtet und blickte sich verwirrt um. Seda redete ihr zu: „Wer hat euch geschickt?“ Keine Antwort.

    „Wir tun dir nichts mehr, es ist vorbei.“

    Munakil hatte für diese Bemühungen nur ein müdes Lächeln übrig. Er warf den Körper des Pan über den Rücken eines der Juivi, welche sie am Fuße einer Anhöhe, nicht weit entfernt angebunden hatten.

    Die Straußähnlichen Tiere hatten sie seit ihrer Flucht als treue Reittiere begleitet. Da sie Wochenlang ohne Nahrung und Wasser auskamen, waren sie bei den Völkern in und um der Yeodhan sehr beliebt. Er klopfte einem der Tiere auf den Schenkel und dieses gab mit seinem Rüssel ein gleichgültiges Schnauben von sich.

    Als er zurückkam, war das Mädchen wieder zusammengesackt. Seda hielt sie in ihren Armen und war Aschfahl geworden. „Ihr Name ist Mordaine, sie sagt sie seien von einem Mann namens Datu angeheuert worden.“

    Munakil legte seine Stirn in Falten: „Datu bedeutet Vater auf Waydenthiri.“

    „Es bedeutet in erster Linie Priester,“ berichtigte sie ihn.

    „Da scheint jemand nicht bezahlen zu wollen.“

    „Ich wusste, dass es ein risikoreiches unterfangen ist, aber ich hätte niemals gedacht, dass er soweit geht.“

    „Machen wir dann weiter, oder töten wir den Pan einfach?“

    In seinem Ton lag etwas mehr hoffnungsvolle Erwartung als er beabsichtigt hatte.

    „Wir werden weitergehen, aber unsere Absichten haben sich geändert, zudem werden wir sie mitnehmen, wenigstens ein Stück.“

    Munakil fluchte. „Der Rote Bund wäre mir lieber.“

    „Es ist durchaus möglich, dass Datu in Kontakt mit ihnen steht.“

    „Verdammt nochmal, worin hast du mich da reingeritten?“

    „Du wirst es noch früh genug erfahren,“ diesmal klang Seda wirklich gereizt.

    Er schnaubte und drehte sich um.

    Hi,

    die nächste Geschichte ist etwas länger. Ich habe sie vor einigen Wochen so peu á peu entworfen und schreibe sie momentan sozusagen ein zweites Mal. Es ist die längste Geschichte die ich je verfasst (und abgeschlossen) habe.


    Ein Pfad aus Blut 1


    Klinge prallte an Klinge, mit Eisen beschlagene Stiefel wirbelten den Staub Waydenthirs auf und zertrampelten die kläglichen Grashalme, die sich über dutzende dürre Sommer so tapfer gehalten hatten. Munakil knurrte, als er seinen Feind durch einen Tritt zwischen die Bein überwältigte. Er rammte seinen Säbel in den Rücken des Unglücklichen. Obwohl er nur eine Hand hatte, war seine Kraft gewaltig. Kaum hatte er sich vom, immer noch zuckenden Leichnam abgewendet, als er auch schon den nächsten Feind brüllend auf ihn zustürmen hörte. Als er sich umwandte sah er eine Frau, eine sehr junge Frau, deren Gesicht hinter einem geschlossenen Helm verborgen lag, doch sie reichte ihm nur bis zur Hüfte und ihre langen schwarzen verdreckten Haare wirbelten wie ein Banner hinter ihr her. Er zögerte keinen Augenblick, wich zur Seite aus und Schwang seinen Säbel mit voller Wucht. Er schlitzte ihr den ungeschützten linken Arm auf und als sie versuchte dem nächsten seiner Hiebe auszuweichen war es auch schon zu spät. Auf Höhe des Nabels fand er einen Streifen nackter Haut den ihre Rüstung offenbarte und Schnitt ihr tief ins Fleisch. Blutend und schwer atmend fiel sie zu Boden. „Das war die letzte,“ rief er keuchend und wandte sich um. Sein Blick streifte sechs Leichen. So hatte er sich ihre Aufgabe nicht vorgestellt. Nachdem sie der Hitze der Yeodhan entkommen waren, zogen sie nun gen des Arbonons, einem riesigen Waldgebiet. Doch zuvor führte ihr Weg sie durch Waydenthir, eine Grassteppe, welche sich in der Zeit des Wachstums in einen Sumpf verwandelte, wenn die Pflanzen zu wachsen beginnen und von den Bergen die Eisschmelze das Tiefland flutete. Doch nun brannte die Sonne. Alle Pflanzen waren verdorrt und das Wasser verdunstet. In dieser Zeit war es das Land des Fefér, einem Gott in Vogelgestalt, der vor allem von den pflanzenartigen Pan verehrt wird. Mit einem der Priester hatten sie ein Abkommen für freies Geleit geschlossen. Doch die Pan waren ebenso sprunghaft wie die Witterung in den Übergangszeiten.

    Sie waren am Morgengrauen überrascht worden. Es waren keine einfachen Wegelagerer, aber sie waren äußerst unerfahren gewesen. „Sie wollten ihn, aber wo steckte er? Munakil strich sich den Schweiß von der Stirn und sah sich erneut um. „Und wo war Seda?“ Noch während er das dachte ertönte hinter ihm ihre melodische und dennoch besorgte Stimme: „Munakil, sie lebt noch, schnell etwas Wein.“ Er spuckte auf den Boden, nur Speichel wie er erfreut feststellte. „Fefér selbst soll mich holen, wenn ich zulasse, dass diese da überlebt.“ Abschätzig betrachtete er das junge Mädchen, die Blut spuckend ihm zu Füßen kauerte. Seda kniete sich neben sie und hatte ihr bereits den Helm und den altmodischen Lederharnisch abgenommen, während sie die Wunden betrachtete. „Ihr macht euer Kleid ganz schmutzig Herrin Sedaja“, sagte er es mit einem sarkastischen Unterton, den er nicht einmal zu verbergen versuchte. Die Kleidung der Zauberin war ebenso zerschlissen und abgetragen wie seine eigene. „Seda, bei Kylas Gnaden, nennt mich einmal bei meinem richtigen Namen, Schatten.“ Er sah nicht, dass sie zwinkerte, denn er hatte sich bereits abgewandt, doch er konnte es sich denken. „Zaubert sie doch wieder Gesund, wenn euch so viel an ihr liegt.“

    Da er ihr den Rücken zugewandt hatte sah er nicht, dass sie bereits in ihrer Tasche kramte und einen Celdatis, einen Talisman, herauszog. Er hatte die Form eines Messers, doch Munakil wusste, dass dieser Talisman nur zum Heilen im Stande war. Er fragte sich, ob er noch aufgeladen war, denn sie hatte seine Kraft bereits verwendet, um damals ihre Wunden zu heilen, als sie beide den Gott Amon-Ghul getötet hatten.

    Der Boden hier war trocken, unfruchtbar und heiß. Sie musste sich anstrengen und ihren Geist weit schweifen lassen. Doch anscheinend fand sie genug Lebenskraft in ihrer Umgebung, um den Celdatis aufzuladen.

    „Ard´Celda“, flüsterte Seda und der Talisman begann zu leuchten.

    „Es linderte ihre schmerzen und wird die Heilung beschleunigen, doch ohne Wein könnte sich die Wunde noch immer entzünden und das verlorene Blut kann ich auch nicht wieder herstellen. Hier gibt es nicht genug Energie für weitergehende Magie.“

    Knurrend ging er zu ihrem Lager und holte den Weinschlauch. Er warf ihn der Zauberfrau vor die Füße. Sie sah ihn lange und eindringlich an, bis er sich abwenden musste. Auf seiner Reise mit ihr hatte er feststellen müssen, dass Magie weitaus weniger vermochte, als er gedacht hatte, nun zumindest die, die Seda praktizierte.

    Danke an McFee und Der Wanderer für das Feedback:)

    Zuerst einmal ist diese Onan-Sache wirklich nur Zufall. Als ich das Magiesystem für meine Welt gebaut habe, brauchte ich

    "magisch klingende" Bezeichnungen und ich wollte, dass jedes der bedeutenderen Worte einen anderen Anfangsbuchstaben hat und relativ kurz ist, sodass sie leichter auseinanderzuhalten sind (in dieser Geschichte merkt man davon nicht so viel^^).


    besser als diese aus dem Lateinischen überkommene Satzkonstruktion.

    Der Latein-Leistungskurs scheint langsam seine Spuren auf mir zu hinterlassen. Ich musste feststellen, dass ich auch in Alltagsgesprächen mittlerweile ähnliche Sätze benutzte.:D


    Nimm´s mir nicht übel, aber ich habe den Eindruck, dass du dir zu wenig Zeit nimmst.

    Möglicherweise (eigentlich ziemlich sicher) hast du Recht. Den letzten Teil habe ich in einem Rausch, an einem Abend zusammengeschrieben und am nächsten morgen zweimal Probegelesen. Viele der Fehler, die du angesprochen hast sind mir zunächst nicht aufgefallen und auch deine Anmerkungen zur Wortwahl werden mir erst jetzt klar. Allerdings stimme ich dir bei jedem deiner Punkte zu und ich werde den Text dahingehend noch einmal überarebeiten und mir deine Vorschläge auch für die nächste Geschichte im Kopf behalten.

    Danke nochmals :thumbup:

    Der letzte und etwas längere Teil der ersten Kurzgeschichte.


    Das Mal des Verräters 3


    Die Frau hob den Kopf, obwohl ihr Gesicht von Wunden und Blutergüssen übersät war, konnte Munakil in ihre Augen blicken. Diese waren so klar und blau wie einst das Wasser Mingbals, bevor es durch das Blut Unschuldiger verunreinigt wurde.

    Das alles war falsch, kein Gott sollte so viel Macht über Sterbliche haben, welch Wahn und ich habe das alles getan, ich habe dieses Blut vergossen.

    Munakil spürte, wie sich in ihm etwas regte, eine dunkle Präsenz, die mit jedem Atemzug stärker zu werden schien.

    „Nehme er diesen Dolch, auf dass ihre Seele in die Schatten fällt.“ Der Chor der Stimmen hatte sich zu einer Kakophonie des unbeschreiblichen Grauens gewandelt. Er würde alles tun um dies zu Beenden, alles. Sein Herz klopfte und sein Kopf schmerzte. Plötzlich fühlte er den Dolch in seiner Hand. Ein Schemen unbeschreiblicher Kälte hielt diese Hand ergriffen und er wagte nicht aufzublicken. Er wusste es, Amon-Gul war gekommen um seine Loyalität zu prüfen.

    Munakil stieg in die Grube, die Frau vor ihm zitterte nicht, sie starrte ihn aus ihren blauen Augen an. Er stutzte, denn eines dieser Augen, so fiel ihm auf, war anders. Es sah nicht natürlich aus und schien von selbst zu leuchten, anstatt die Lichter um es herum zu reflektieren. Das eigenartige Funkeln des Sandes schien zu schwinden, als wenn jemand ihm die Leuchtkraft absaugt. Munakil stolperte weiter auf die Frau zu, nun schien seine Hand mit dem Dolch und der Berührung Amon-Guls ihn zu ziehen, immer zu der Frau hin. Er spürte wie seine Hand vor Mordlust zitterte. Während sein Ganzer Körper sich sträubte, schien die Hand den Willen des Gottes um jeden Preis ausführen zu wollen.

    Die Frau hob ihrerseits die blutigen Hände, als wolle sie den Dolch abwehren. Stattdessen reif sie ein Wort, welches Munakil bis ins Mark erschütterte: „Ard´Onan.“


    Es kam ihm vor, als wenn er zum ersten Mal wieder sehen könnte. Er nahm die Welt um sich herum jetzt nicht nur wahr, sondern er sah sie. Ein Moment vollkommener Klarheit und er begriff. Er musste etwas tun, was jeder Vernunft widersprach und gleichzeitig das einzig vernünftige war. Er wechselte den Dolch von der rechten in die linke Hand. Er sah das Mal des Gottes, er sah die Schatten, welche sich wie Egel an seinem Fleisch festkrallten.

    Während in seinem inneren die Entschlossenheit zur Tat wuchs, begann die Präsenz in seinen Gedanken zu schwinden. Sie kreischte vor entsetzen und vor dem was nun geschehen würde.

    Munakil schlug mit dem Dolch zu. Er war unnatürlich scharf und so durchschnitt er Fleisch, Nerven, Muskeln, Adern und Knochen, bis er sich endgültig befreit hatte.

    Blut spritzte aus der offenen Wunde und die Stimmen von der Tribüne wurden zu einem Pandämonium. Schreiend warf sich Munakil auf die Seite und versuchte sich mit dem blutigen Stumpf sein Ohr zuzuhalten. Die Stimmen steigerten sich noch weiter in ungeahnte Höhen, während sich vom Rande der Grube pure Schwärze hinein ergoss.

    In diese Schwärze gehüllt, so wusste Munakil kam nun sein Ende. Er sah ein langes vielgliedriges Bein, ein Paar gewaltige Fangscheren, einen Stachel der einem Speer glich und sechs hasserfüllte Augen zwischen den Schatten.

    Amon-Gul baute sich in seiner ganzen fürchterlichen Macht vor Munakil auf, doch anstatt Furcht überkam ihn nur die Genugtuung seinem Gott ein mächtiges Werkzeug entrissen zu haben.

    Ein weiteres Mal erschütterte die Stimme der Frau den gesamten Saal. Ihre genauen Worte konnte Munakil nicht hören, denn die Stimmen der Advokaten übertönten sie. Dennoch wusste er, dass sie sprach und fühlte nun nicht mehr Genugtuung, sondern brennende Wut.

    Hass auf Amon-Gul, auf das was er mit Mingabl getat hatte, auf das zu was er ihn, Munakil, gemacht hatte, loderte nun in ihm.

    Während sich die Schwarze Gestalt des Gottes auf ihn stürzte, sammelte er seine Kräfte und entkam der gewaltigen Masse aus Schatten, indem er sich nach hinten warf.

    Er sah auf zu der Frau, welche sich nun, ihre Hände ausgestreckt und ihr seltsames Auge leuchtend, vor den Gott stellte. Amon-Gul holte mit einem seiner Fangscheren aus und schlug sie beiseite. Sie krachte in die grob behauene Wand der Grube, wo sie liegen blieb.

    Munakil meinte dabei ein knacken gehört zu haben.

    Nun wandte sich die unförmige Gestalt wieder dem widerspenstigen Diener zu, der sich nun aufgerafft hatte, den Dolch noch immer in der linken Hand fest umschlossen. Munakil spürte wie sich ein schiefes Grinsen auf seine Lippen schlich und er wusste, dass es den Gott rasend machen würde.

    Dieser stürzte sich nun zischend und brüllend auf ihn, in alle Richtungen schlagend, schnappend und beißend, während Munakil sich ihm nun entgegenwarf.

    Die Schatten hüllten ihn ein und sie brannten wie Feuer. Sein Blut begann zu kochen und seine Augen drohten in ihren Höhlen zu platzen.

    Nur ein Stich, dann ist alles vorbei, nur ein Stich.

    Mit der gesamten Kraft, die ihm in seinem linken Arm verblieb stieß er den Dolch voran. Zunächst glaubte er nur Dunkelheit zu treffen, doch dann hörte er ein erneutes kreischen. Seine Ohren begannen zu bluten und er wich zurück. Ein unerträglicher Schmerz überkam ihn und er warf sich in den Sand, wo er sich krümmend liegen blieb.

    Die Gestalt aus Schatten schwankte, taumelte und fiel schließlich ebenfalls nieder. Zuckend blieben die Schatten liegend.

    Munakil wurde die Gnade der Ohnmacht nicht zu Teil, er krümmte sich vor Schmerzen weiter, während die Zeit verstrich.

    Er hatte keine Ahnung wie lange er im Sand gelegen hatte, doch als er sich wieder zu rühren wagte, zuckte das was einst Amon-Gul gewesen war immer noch.

    Als er sich umwandte sah er, dass die Frau mit der er gegen den Gott gekämpft hatte, an der Grubenwand lehnte und Blut spuckte. Sie schien jedoch nicht in größerer Lebensgefahr zu schweben wie er selbst. Mit einem Akt aus purer Willenskraft stand er auf und betrachtete sein Werk. Die Stimmen der Advokaten waren alle verstummt, es hätte ihn nicht überrascht wenn diese Kreaturen sich nach dem Tod ihres Herren umgebracht hätten. Doch noch schien etwas Leben in dem Körper des Gottes zu stecken, denn er hörte nicht auf zu zucken. Munakil trat näher heran, weiterhin zuckte die Masse aus Schatten, Beinen und Augen.

    Plötzlich schnellte einer der Schatten vor und traf den Arglosen am Kopf. Er taumelte zurück und hielt sich die Stirn, wo sich nun ein brennender Schmerz entfachte.

    Er hörte eine Stimme in seinem Kopf, dieselbe Stimme die ihm einst in die Schattne gelockt hatte, dieselbe Stimme die zu lange sein Handeln bestimmt hatte.

    Verräter.

    Damit endete die Existenz von Amon-Gul endgültig, als ob er seine ganze verbleibende Lebenskraft für diesen letzten Schlag aufgespart hat.

    Munakil fiel auf die Knie und drückte seine Stirn in den Sand, in der Hoffnung den Brand so zu löschen.

    Er betastete seine Stirn und stellte fest, dass dort wo ihn der Schatten getroffen hatte, nun ein Brandmal prangte. „Das Mal eines Verräters, du nun bist für alle als Gottesschlächter erkennbar,“ stellte die Frau fest, während sie auf ihn zukroch, noch immer tropfte Blut aus ihrem Mund und ihre Beine verrenkten sich in unnatürlichen Posen, sie schienen gebrochen zu sein.

    Erschrocken musste Munakil feststellen, dass seine Stimme schwach und dünn klang, als er fragte: „Was habt ihr vorhin überhaupt gemacht, wer sei ihr?“

    „Seda ist mein Name, ich bin Alchimistin. Das ist alles was du wissen musst,“ stellte sie fest.

    Munakil versuchte seine Stimme wiederzufinden doch es wollte ihm nicht gelinge.

    Seda zog eine Augenbraue hoch: „Ich glaube noch sind wir hier allein, aber bald wird die ganze Stadt wie aus dem Häuschen sein. Meine Beine sind gerade etwas unbrauchbar, also musst du uns beide wohl hier heraus bringen.“

    Er nickte und hievte sie auf seinen Rücken, wo sie sich mit ihren Armen um seinen Hals geschlungen festhielt, während er begann einen ausweg aus der Grube zu suchen.

    Das Mal des Verräters 2


    Der Weg vom Malventurm in die Gewölbe unterhalb der Zitadelle, war gespickt mit Feuerschalen, die zu ehren Amon-Guls brannten. Die Flammen loderten in Grün und Blau und stiegen stets hoch zur Decken, niemals glimmte es nur. Es warf lange und unheimliche Schatten, die nach den unglücklichen Seelen zu greifen schienen, welche die Korridore durchstreiften.

    Das Gewölbe, gestützt durch Säulen, deren Form früher an Wasserfälle erinnerten und nun sich windenden Körpern glichen, erstreckte sich bis weit unter die Stadt. Dort wo früher die Alkoven zu kleinen Affären und dem Austauschen von Nettigkeiten und Geheimnissen einluden, waren nun bemitleidenswerte Seelen gefesselt, ohne Wasser und Brot, bis zu ihrem Ende nicht anderes sehend als die Schattenspiele, welche die Flammen warfen.

    Munakils Herz begann immer weiter zu rasen während er an den Ausgezehrten vorbeischritt, den Blick stets nach vorne gerichtet, auf eine schwere Eisentür.

    Die Hohepriesterin schritt zielstrebig vor ihm her, genau auf eben jene Tür zu, hinter der sich das Gericht Amon-Guls befand.


    Der hohe Saal der sich vor ihm auftat glänzte in fremdartigen Farben. In der Mitte des Raumes tat sich ein tiefes Loch auf, dessen Boden mit Sand gefüllt war, er schien zu funkeln, ebenso wie die zahlreichen Säulen aus unbekanntem Gestein, welche die Last der Decke trugen. Zwischen den Säulen machte Munakil eine Tribüne aus, dort auf ihren Sitzen thronend waren die Herrin und die Advokaten Amon-Guls. Erstere verbarg ihr Gesicht hinter einer augenlosen Maske. Die Advokaten, welche direkte Gesandte des Gottes waren, saßen dort in ihrer ganzen gehörnten Schrecklichkeit, wie Spinnen in ihren Netzen. Sie waren bleich wie Knochen und so dünn, dass man beinahe durch ihr Flaich hindurchsehen konnte. Die Blassen stammten aus den Unterreichen und waren über längst vergessene Tunnel und Katakomben, welche noch unter dem Gewölbe verliefen, in die Stadt gekommen. Das war nachdem Amon-Gul den Pakt mit der Herrin Quur´Tal schloss und diese seinem Wille unterwarf.

    Feierlichen Schrittes nahm Teiph neben diesen Gestalten Platz und mit ihren leeren ausdruckslosen Augen, ergänzte sie die Prozession, welche sich nun zu bewegen begann. Ihre Bewegungen wurden von einer Musik gelenkt, welche Munakil nur im äußersten Winkel seiner Gedankenwelt erahnen konnte. Amon-Gul hatte ihn noch nicht vollständug korrumpiert, wurde ihm klar, vielleicht gibt es noch einen Ausweg.

    Die Gestalten wankten weiter, während sie wie aus einem Munde sprachen:

    „Champion, vollstrecke das Urteil deines Gottes, sei die Verhängnis seiner Feinde und stürze ihre Seelen in die Schatten.“

    Während sie sprachen veränderte sich das Licht, sodass Munakil nun nicht nur das Funkeln des Sandes in der Grube sehen konnte, sondern nun auch eine dort kniende Gestalt. Eine Frau, deren ausgezehrter Körper mit zahlreichen Wunden bedeckt war, ihre kupferroten Haare waren verfilzt und von Blut verklebt. Sie sah nicht auf.

    „Vollstrecke das Urteil, Schatten, im Angesicht unseres Gottes, für das wohl deiner Stadt. Töte die Feindin des Amon-Guls.“

    Der Wanderer

    Vielen Dank für die Rückmeldung, konstruktiv wie immer :thumbup:.


    Das mit den Zeiten fällt mir erst jetzt auf, aber du hast vollkommen Recht. Eigentlich ist dieser Zeitenwechsel ein no-go. Muss ich dringend überarbeiten.


    Die verschachtelten Sätze sind eher so aus versehen Entstanden, in den nachfolgenden Teilen treten sie auch eher weniger auf.

    Der Satz mit dem Namen ist schon echt doof formuliert, in meinem Kopf hörte er sich logisch an, aber du hast vollkommen Recht.

    Es liegt wohl auch an der Wortwahl, weil in diesem Fall "Schatten" der Name ist, Champion wäre der Titel, darüber hinaus ist mindestens einmal Punkt und Komma vertauscht, sowie ein oder zwei erläuternde Worte zu wenig.

    Ich glaube mit einer etwas anderen Wortwahl und einem anderen Satzbau ist das Problem leicht zu beheben.


    Nochmals vielen Dank :thumbsup:

    Das Mal des Verräters 1


    Es war einst schön gewesen, das Juwel des Südens, daran konnte sich Munakil noch erinnern. Seitdem er als Champion dem Gott Amon-Gul diente und sich ihm verschrieben hatte, legte sich ein grauer Schleier über seine Erinnerungen. Die Schönheit der Stadt Mingbal jedoch, mit ihrem azurblauen Wasser, welches von den Oasen, durch die Kanäle fließt und die zahlreichen Springbrunnen speiste, mit dem Gelächter und der Musik, welche vom bunten Treiben in den breiten Straßen herrührte, hatte ihn immer verzaubert. Ein Juwel mitten im Yeodhan-Ödland. Allein der Anblick hatte ihm immer das Gefühl gegeben, dass er Teil von etwas besonderem war. Ein Leuchtturm der Zivilisation längst vergangener Tage, nun in einer Welt der Wüstenei und des Grams.

    Doch die Verheerung hatte nun auch die Stadt des blauen Wassers erreicht. Amon-Guls Hand, die einst so fürsorglich und hilfsbereit erschien, hatte sich zur Faust geballt und die Seelen der Sterblichen ergriffen.

    Aus allen Himmelsrichtungen waren sie einst gekommen, die kleinen Dairu, die lichtscheuen Hadoren, selbst die Nieri, die sonst niemals das Festland betreten, hatten sich in die Yeodhan gewagt, um Mingbal zu bewundern.

    Doch nun erblicken die wenigen Reisenden nur Kummer, Hoffnungslosigkeit und Tristheit. Das Wasser ist noch immer blau, doch die Stimmen, die einst die Straßen mit Leben füllten, waren nun gedämpft. Man wagte nur flüsternd zu sprechen, stets gewahr der strengen Faust, die sie ergriffen hielt.

    Das Banner der Herrin Quur´Tal, der Erkorenen des Amon-Gul, wehte über den Turmdächern und Zinnen. Der Großschild, in alten Tagen so transparent, dass man den strahlenden Himmel erkennen konnte, schützte die Stadt vor erbarmungslosen Stürmen, unerbittlicher Hitze und beständiger Kälte. Nun war er nur noch ein Grau-in-Grau, ein Abbild des Grams der Stadt unter ihm.

    Innerlich trauerte Munakil um seine Stadt, deren strahlendes vergangenes Abbild das einzige war woran er sich noch erinnern konnte. Das und seinen Namen, der ihm von einem längst vergessenen Schemen, der einmal Mutter hieß, gegeben wurde.

    Er stand am Fenster eines hohen Turmes, dem Malventurm, welcher der Zitadelle von Mingbal vorgelagert stand, als seine Gedanken weiter von Kummer beherrscht wurden.

    „Achte auf Farben, Schatten, die Farben weisen dir stets den Weg.“ Die Hohepriesterin Teiph, Munakil hasste diesen Namen, er war ihm von Amon-Gul gegeben worden, zu einer Zeit, als die Welt noch voller Hoffnung war. Teiph schien mit ihrem leeren Blick an ihm vorbei zu schauen, doch sie war Blind und dennoch sprach sie von Farben, niemand wusste genau, was sie damit meinte.

    „Hohepriesterin, verlangt die Herrin nach mir?“

    „Sehr wohl, Schatten, im Gewölbe, dort ist sie. Ein Urteil muss gesprochen werden und der Champion muss es ausführen.“

    Einen Ausdruck seines Unwillens wagte er nicht, er schaute nur auf seine Hände, so viele Leben hatten diese schon für Gott und Stadt ausgelöscht.

    „Schatten, sie warten,“ drängte Teiph, sie schien aufgeregt zu sein.

    Hi,

    nach einer etwas längeren Pause bin ich auch wieder etwas kreativ aktiver geworden. Mein erstes "Metoria" Projekt habe ich erstmal auf Eis gelegt, weil ich es ab einem gewissen Punkt einfach nicht mehr gut fand und mir die Zeit fehlte, um mich so einer großen Geschichte zu widmen.

    Dafür hat sich eine andere Idee in meinen Gedanken eingenistet: Kurzgeschichten (oh, wie originell:S)

    Zu Anfang wollte ich einfach nur irgendwas schreiben, um des Schreibens willen und um mich und meine Schreibfähigkeiten weiterentwickeln zu können.


    (Vor allem die Sache mit den Expositionen habe ich mir durch den Kopf gehen lassen und einfach viele Begriffe und Sachverhalte meiner Welt so abgewandelt, dass sie teilweise selbsterklärend bzw. besser nachvollziebarer sind (zumindest hoffe ich das))


    Die Idee ist nun, die Welt mit leben zu füllen und Geschichten zu erzählen, die mir so durch den Kopf gehen.


    Lange Rede kurzer Sinn: ich habe einen haufen Ideen für Kurzgeschichten mit einigen Figuren ausgearbeitet und möchte sie hier Stück für Stück veröffentlichen und hoffe dabei wieder auf Feedback.:)

    Hey AFG,

    wie schon gesagt wurde, finde ich auch, dass dieser Abschnitt besser als der vorherige ist und weiterhin starkes Interresse weckt.

    Gut finde ich auch, dass du weiterhin so einen engängigen und angenehmen Schreibstil an den Tag legst.


    Suchenden Blickes sah sich der alte Mann um.

    Ich weiß nicht genau, ob der Satz grammatikalsich so richtig ist, aber wenn, dann ist er wirklich herrlich formuliert.


    "Ach, weißt du was?", sprach er auf den Eimer ein, "Du kannst dir einfach selbst einen aussuchen, sobald du dazu in der Lage bist."

    Das ist genau mein Humor^^


    Alles im allen bin ich wirklich gespannt wie es weiter geht, zumal das erste Kapitel deutlich gemächlicher scheint als der Prolog.

    Weiter so:thumbup:

    AFG

    Abgesehen von der Formalia finde ich den Text, als ersten Auswurf eines Gedanken, gelungen. Ich glaube, dass sich eine spannende Geschichte um diesen Aufhänger stricken lässt und finde den Schreibstil (wenn man über die bereits ausführlich angesprochenen Fehler in der RS hinwegsieht) auch durchaus angenhem.

    "Rasant, direkt und dreckig - Gerne mehr davon!" :D

    Charon,

    Danke für dein Feedback. Auch ich war nicht so einhundert Prozenzig zufrieden mit dem Abschnitt und habe ihn deshalb vielleicht etwas zu häufig überarbeitet. Viele der angesprochenen Probleme rühren vielleicht daher.


    Der Absatz aus dem Buch...

    Ich persönlich hatte sehr viel Spaß diesen Teil zu schreiben, auch weil viele Hintergründe, die einmal wichtig werden sollen, hier aufgegriffen werden. Aber du hast recht, es steht jetzt so im Raum und ist voller seltsamer nichtssagender Namen. Das sollte ich besser machen.


    Ich kann deine Kritikpunkte alle nachvollziehen und muss gestehen, dass auch die nächsten Abschnitte allesamt ähnlich Probleme aufweisen. Mittlerweile bin ich zu dem Schluss gekommen alles, noch einmal neu zu schreiben und zu versuchen die vielen Angesprochenen Probleme zu beseitigen.


    Vor allem nehme ich mit:

    - genauere Beschreibungen

    - besseres einbetten und verknüpfen der Hintergrundinformationen

    - fanatisch-akribische Rechtschreibkontrollen


    Danke nochmals :)

    Nissa stand in der Studierstube. Die Fenster waren wie, immer verriegelt, die Tür geschlossen. Meister Aktolius´ Abwesenheit schien hier noch nicht bemerkt worden zu sein. Er hatte immer in seinem großen Holzstuhl, eine abgetragene Kutte am Leib, welche übersät war von Wein und Fettflecken. Sie erinnerte sich, dass sich auf seinem linken Ärmel eine Kruste gebildet hatte, vermutlich war es einmal eine Soße. Jedes mal wenn er den Arm bewegt hatte begann sie zu bröckeln und es bildeten sich Risse welche wie das Narbengewebe aussahen, welches der Ärmel verdeckte.

    In einer Ecke des Raumes stand ein verrostetes Schwert. Das Rot hatte sich vom Griff bis zur Spitzte ausgebreitet. Es wurde einst bei arbeiten auf den Monweizenfeldern vor der Stadt gefunden.


    Meister Aktolius hatte angeordnet alle derartiger Fundstücke zu ihm zu bringen. Seit dem stand es in seiner Studierstube in einer Ecke und setzte zusätzlich zum Rost noch Staub an.

    Alle deine Herren hast du bis her überlebt. Auch sie rosteten und sind nun weg, doch du bist noch hier.

    Sie erinnerte sich, wie sich


    seine Lippen bewegt haben, doch ohne, dass ihnen ein Laut entsprang. Seine kleinen blauen Augen waren hinter der dünnen Brille geradezu über die Seiten gehuscht, während seine Hand wie automatisch weitergeblättert hatte. Wenn sie ihn dann etwas gefragt hatte, hatte er nie geantwortet und brütete stattdessen weiter über seinen Schriften, zum spärlichen Licht einer Kerze. Diese Kerze stand nun erloschen auf dem Schreibtisch. Vielleicht würde sie nie wieder entzündet werden.

    Nissa drehte sich zum Fenster. Sie hatte nie verstanden warum ihr Meister immer zum Kerzenlicht arbeitete. Er hatte behauptet, dass Astonlaternen schlecht für die Augen seien.

    Sie hatte damals wie heute daran gezweifelt. Nun dachte sie, was einem gute Augen bringen würden, wenn man tot war.


    Sie blickte aus dem Fenster und sah die Straßen, welche rechts und links von hohen Felswänden begrenzt und nur durch die Laternen erleuchtet waren. Das bläuliche Glimmen spendete den wenigen Leuten, die dort im Schnee ihren Besorgungen nachgingen, wenigstens etwas Licht, ohne es würden sie Blind durch die Dunkelheit der Zeit des Eises wanken. Wenigstens bewahrte der Großschild die Stadt vor den ärgsten Schneestürmen. Diese Zeit erschien Nissa immer besonders unerbittlich, da sie nichts gutes, sondern nur Dunkelheit bracht und das was sich in ihr verbarg.

    Allerdings zeigte sich die Sonne nun immer länger. Noch gestern, hatte Aktolius gesagt, es seien sogar vier Stunden gewesen.

    Sie sah zu der großen Uhr, die in seinem Arbeitszimmer auf einer Kommode stand, welche mit Pergamentrollen vollgestopft war. Mit dem kryptischen Ziffernblatt konnte sie nichts anfangen. Statt einfacher Zahlen zeigte es seltsame Symbole, die in verschiedenen Farben pulsierten. Darüber hinaus waren es nicht zwölf, sondern vier und es schlich auch nur ein einziger Zeiger über sie her. Den einzigen Hinweis, dass sie nicht kaputt war lieferte das unaufhörliche Glimmen des Metonen, welcher den Apparat antrieb und den Zeiger immer weiter im Kreis umhertrieb.


    Als sie ihn einmal darauf angesprochen hatte, hatte er nur irgendetwas von „vier Monden“ gemurmelt und ihr anschließend aufgetragen den Korridor vor seiner Studierstube auszufegen. Innerhalb seines Heiligtum durfte aber kein bediensteter und keine gelangweilte Schülerin den Kampf gegen den Staub antreten.

    Sie sah sich im Zimmer um und bestaunte zum wiederholten mal wie sich so enorme Mengen an Staub in einem Raum anhäufen konnte. Die Stapel von Folianten sahen aus, als wenn ihnen Kopfhaar gewachsen wäre. Den Büchern und Schriftrollen die irgendwie in die Regale gestopft waren erging es kaum besser.

    Sie vernahm Schritte auf der Wendeltreppe, welche in die Studierstube führte.

    Sie hatte es immer gehasst, wenn Aktolius in seine Arbeit vertiefte und sich nicht um sie kümmerte. Nun wusste sie nicht, ob sie um diese vergangene Zeit trauern sollte.


    Ihre Eltern hatten sie eines Tages in den Sonnenturm geschleift und dem Alten ihre Tochter vorgesetzt mit den Worten: „Kümmer dich um sie und sieh zu, dass sie was lernt.“ Zunächst hatte Aktolius sich bemüht und ihr lesen und schreiben beigebracht, sowohl in der Gemeinsprache, als auch in Hoch-Armynelin. Sie war immer der Überzeugung schnell lernen zu können, doch ihr Lehrer verlor schnell die Geduld mit ihr und nach dem ersten Zyklus war sie für ihn kaum mehr als ein Ärgernis, welches ihn von wichtigen Forschungen abhielt.


    Nissa entschloss sich einen der Folianten zu greifen und zu lesen. Sie hatte es früher als furchtbar langweilig empfunden, da diese Bücher keine spannenden Geschichten, sondern trockene Schilderungen ferner Orte und Zeiten enthielten. Doch nun hoffte sie auf Antworten, oder zumindest auf Ablenkung von all den Dingen, die ihr im Kopf umhergingen.


    „… es ist jedoch eine unumstrittene Tatsache, dass Muiels Verrat an seiner eigenen Familie das Haus der tanzenden Flamme derart schwächte, dass die Stadt Kyleths Horden ohne göttlichen Schutz gegenüber treten musste. Man geht nicht falsch in der Annahme, dass dieser Ansturm als Racheakt für die längst vergangene Schlacht am Nyx, nahe des Ortes an dem Guilmius Paravades den Standort Ontaris´ vermutete, geplant war. Jedoch entsann sich Muiel seiner Wurzeln nicht, während der Scherbenkönig in den längst vergangen Tagen Celduviens an eben dieser Stelle seiner Sippe die Treue hielt und die letzten der Ruva, ein letztes Mal gegen die Thiem und Ögdims geschwächte Hülle anführte. Kyleths Horden wurden weder von dem tosenden Sturm, noch von den Wassermassen die Anonzan höchst selbst auf Metoria schütten zu scheinen lies, davon abgehalten, dass…“


    Die Tür öffnete sich mit einem Knarren und Gaspot Leveyen trat ein. Er war ein Mann, der hinter einer steinernen Maske Jahrzehnte der Wut und Frustration aufstaute. Nicht zum ersten Mal hoffte Nissa sich am anderen Ende der Welt, falls diese Wut losbrach.

    „Es ist Zeit,“ sagte er mit harter Stimme.

    Auf ihren fragenden Blick entgegnete er nur ein tiefes Grollen.

    Der Moment war also gekommen, Nissa würde ihrem Meister den letzten Dienst erweisen.

    Resigniert trottete sie an ihrem Vater vorbei und die Wendeltreppe hinunter. Dabei verdrängte eine Frage alle anderen in ihrem Kopf: Warum ich?

    Beim 2. Teil habe ich ein bisschen was anderes versucht, ehrlich gesagt entstand er vor dem ersten Part und noch bevor ich die Geschichte überhaupt ausgearbeitet habe. Daher ist er vielleicht etwas anders, als der erste Part, zumal bereits die POV wechselt.