Beiträge von Tarani

    Das liegt glaub ich nicht nur an der Technik, sondern auch am Zeitgeist. Damals gehörte es sich einfach nicht, auf Fotos zu lächeln oder gar zu lachen. Zumindest meine ich, das mal gelesen zu haben.

    Zum Kapitel:

    Auch ich finde es wieder sehr schön und anrührend. Das Hannche ihre eigenen Bilder nicht sehen kann, weil sie so doof aufgestellt sind, ja, das hätte das Personal oder ihre Tochter besser machen können. Das ist wirklich traurig.

    Wie immer sehr gerne gelesen und gespannt auf Weiteres!

    Ich bin ja ein großer Comedy-Fan und als ich vor ein paar Tagen im Supermarkt das Buch "Es ist nicht alles Mett, was glänzt" von Mirja Boes entdeckt habe, gab es kein Zögern und ich hab es trotz des wie ich im Nachhinein finde, doch recht stolzen Preises ( 16, 99 für234 Seiten) spontan gekauft. Mittlerweile habe ich es zweimal gelesen. (Ich lese alle Bücher mehrfach, weil ich beim zweiten Mal oft noch Dinge entdecke, die mir beim ersten Mal entgangen sind)


    Wie der Titel schon verrät, geht es ums Essen. Mirja Boes nimmt den Leser (den sie immer wieder persönlich anspricht) mit auf eine Reise ihrer persönlichen kulinarischen Abenteuer. LEIDER sind darunter auch gleich mehrere Kapitel, in denen es um das genaue Gegenteil geht, nämlich ums Übergeben (sie selbst drückt es kräftiger aus). Nun ist Mirja Boes ja bekannt für ihre freche und deftige, direkte Klappe, aber diese Kapitel hätte sie sich sparen können, ich weiß jetzt mehr über sie und ihren Mageninhalt, als ich wissen wollte.

    Dagegen finde ich das Kapitel zum Thema veganes Essen sehr gelungen und es spricht mir aus der Seele, bzw. aus dem Magen! Top!

    Was mir dann wieder sauer aufgestoßen ist, war das Eigenwerbungskapitel, in dem sie von ihrem eigenen Restaurant berichtet - natürlich mit "dezenter" Aufforderung an den Leser, da mal vorbei zu kommen. (Die Vorhänge im Rondell hat sie laut eigener Aussage selbst gewaschen.) Direkt im Anschluss kommt ein Kapitel über Meckerer im Restaurant. Nun ja ... Ich hab mal ein paar Rezessionen über ihr Restaurant gelesen und verstehe dieses Kapitel seither besser. Die sind nämlich teilweise gar nicht mal sooo toll.

    Die Kapitel über ihre zig Küchengeräte, die bei ihr im Keller stehen und die sie fast nie benutzt, sind eher langweilig. Interessant fand ich daran eigentlich nur, dass Dirk Bach ihr mal einen Hello Kitty Toaster geschenkt hat.


    Im großen und Ganzen hab ich das Buch recht gern gelesen, aber ein drittes Mal werde ich es mir wohl nicht vornehmen. Ich hab es mir auch lustiger vorgestellt. Ich gebe ihm 6 von 10 Punkten.


    Huhu!

    Ich les hier auch noch fleißig mit XD

    Hannches Kämpferwillen beeindruckt mich tief. Und was mir immer wieder bewusst wird: dass Menschen z.B. nach Schlaganfällen trotz motorischen Schwierigkeiten immer noch ganz klar im Kopf sein können. Ich glaub, das müsste ich mir immer wieder bewusst machen, um solche Menschen nicht wie ein debiles Kleinkind zu behandeln ...

    Moin Kirisha und Der Wanderer!


    Erstmal vielen Dank für die Rückmeldung!

    Kirisha: Das mit den Wiederholungen ist tatsächlich Absicht, wie Der Wanderer richtig erkannt hat XD Stell dir einfach vor, Lucius wird bei jedem Satz lauter, hysterischer und panischer. Zudem ist das eine Art Tribut an einen Film, den ich sehr mag: "Asterix, der Gallier". Ich sage nur: Erdbeeren! Ebenso ist es mit dem Schlusssatz. Eine Art Tribut an "Der Schuh des Manitu". Der Film endet mit einem ähnlichen Satz und ich fands einfach nur toll. Deshalb, sei mir nicht böse, lasse ich den Text auch so, wie er ist.


    Der Wanderer: Ja, das mit dem Avatar ist mir auch aufgefallen XDDD Scheint ein recht beliebtes Bild zu sein.

    Und ja, ich finde auch, dass Wurmschwanz dem Lord wirklich dringend sagen muss, dass der immer gegen die Regeln verstößt. Geht doch gar nicht! Das muss der Lord ja einsehen. XD

    Hallo, Tariq!


    Eigentlich wollte ich nur mal ein bissel reinlesen, aber dann hab ich die ganze Geschichte bis hierher in eins durchgelesen. Es hat mich einfach gepackt. Du kannst dich unglaublich gut in Hannche hineinversetzen und deine Leser dabei mitnehmen. Das letzte Kapitel hat mich sehr traurig gestimmt, weil ich an meine Oma denken musste. Als mein Opa starb, hat sie sich ins Bett gelegt und ist von jetzt auf gleich zum Pflegefall geworden. Sie wollte nur noch sterben und bei ihrem Mann sein, hat auch jeden Abend darum gebetet, nicht mehr aufwachen zu müssen. Sie hat ihn um gut 10 Jahre überlebt, die sie im Bett verbracht hat.

    Entschuldige, ich schweife ab, aber deine Geschichte und dein mitreißender Schreibstil sind dermaßen emotional, dass mir gar nichts anders übrigbleibt, als mich an jene Zeit zu erinnern.


    Ich freue mich auf mehr von Hannche!


    LG

    Tarani

    Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an den handelnden Personen, diese liegen bei J.K Rowling



    Die verflixte Sieben - oder: Hilfe, der dunkle Lord will spielen


    eine Harry Potter Parodie in 4 Akten




    1. Akt: Die Kartoffelchips sind alle!



    „Sir, wir haben keine Kartoffelchips mehr!“

    Wurmschwanz krümmte sich in Erwartung eines Schlages vor Lucius Malfoy. Dieser geriet in Panik.

    „Was soll das heißen, wir haben keine Kartoffelchips mehr?! Der dunkle Lord wird jeden Moment erscheinen, und da sagst du mir, dass keine Kartoffelchips mehr da sind?! Du weißt doch, wie gerne der dunkle Lord an diesen Abenden Kartoffelchips isst. Also beeil dich gefälligst und besorg welche!“

    „Aber, Sir, es ist nach neun, die Geschäfte haben längst zu.“

    „Bei Merlin, irgendwo wird doch wohl noch eine Tankstelle geöffnet haben! Und jetzt beeil dich, bevor ...“

    „Lucius!“, erklang in diesem Augenblick die Stimme des dunklen Lords aus der Eingangshalle von Malfoy-Manor.

    „Bei Merlins Bart, da ist er schon. Sieh zu, dass du so schnell wie möglich Kartoffelchips besorgst, egal, wo her!“

    Wurmschwanz verbeugte sich demütig vor Lucius und verschwand.


    Lucius warf noch einen Blick durch das Wohnzimmer und überprüfte, ob alles so angeordnet war, wie der dunkle Lord es beauftragt hatte, dann eilte er in die Eingangshalle.

    „Herr, mein Lord, welche Ehre! Wie immer bringt Ihr Licht in diese düsteren Hallen!“, schleimte er. Der dunkle Lord verdrehte die Augen, schob den katzbuckelnden Lucius ungeduldig zu Seite und ging voran ins Wohnzimmer.

    Er ließ sich demonstrativ im Sessel des Hausherrn nieder und streckte gebieterisch die Hand aus.

    Lucius beeilte sich, ihm ein Glas Elfenwein einzuschenken und zu reichen.

    Voldemort nippte vom Wein, dann sah er Lucius mit stechendem Blick an.

    „Wo sind die anderen, Lucius?“

    „Herr“, wand dieser sich, „Narzissa bittet, sich entschuldigen zu dürfen, ihre Migräne, Draco ist in der Schule, Yaxley liegt mit Angina im Bett ...“

    „Angina? Die Tochter des alten Montgomery Salisbury?"

    „Äh ... ja, Herr. Die Carrows sind in Wales, um an der Beerdigung ihrer Großmutter teilzunehmen, Bellatrix wurde bedauerlicherweise von Greyback gefressen, welcher sich gerade im St Mungos den Magen auspumpen lassen muss, weil er sie wohl nicht so gut vertragen hat, haha, und Snape ...“


    „Ist hier!“, sagte der Meister der Zaubertränke mit dumpfer Stimme von der Wohnzimmertür her. Lucius zuckte zusammen. Wie machte dieser Mann es bloß, so leise zu sein?

    „Nun, dann sind wir heute Abend wohl nur zu dritt. Wollen wir dann anfangen?“, sagte Voldemort, stand auf und nahm an dem runden Wohnzimmertisch Platz.

    „Lucius!“, fragte er leise und gespielt sanft, „Lucius, wo sind die Kartoffelchips?“


    Wird es Wurmschwanz gelingen, Kartoffelchips aufzutreiben, bevor der dunkle Lord Amok läuft? Wird Greyback sich von seiner Lebensmittelvergiftung erholen? Muss Lucius im Gästezimmer übernachten, oder wird Narzissas Migräne noch rechtzeitig verschwinden? Und vor allem: was machen die Zentauren da mit Dracos Glücksunterhose?



    2. Akt: In letzter Sekunde!


    Lucius schwitzte Blut und Wasser.

    „Die Kartoffelchips, Herr? Ja, wo sind die denn bloß abgeblieben? Ich könnte schwören, eben waren sie noch da.“

    Er blickte verzweifelt im Raum hin und her.


    „Narzissa, Darling, weißt du, wo die Kartoffelchips sind?“, rief er dann. Aber Narzissa lag im Schlafzimmer in ihrem Bett, sah sich via Kristallkugel die 3784. Folge von „Orkan der Sehnsucht“ an und zog es vor, ihrem Mann nicht zu antworten. Und außerdem hatte sie ja sowieso offiziell Migräne.


    „Lucius!“, sagte der dunkle Lord und klang dabei wie ein italienischer Mafiaboss, „Lucius! Wie kannst du mir so etwas nur antun? War ich nicht immer wie ein Vater zu dir? Warum enttäuschst du mich so? Mein letztes Hemd würde ich für dich geben, werde dir sogar möglicherweise irgendwann einmal einen Gefallen tun, und du? Du bringst es nicht einmal zustande, mir Kartoffelchips zu servieren. Lucius, ich bin traurig über dein Verhalten, sehr, sehr traurig!“

    „Herr!“, wimmerte Lucius. „Herr, bitte!“

    Er sah sich schon mit Betonschuhen in der Themse schwimmen. Zum Glück tauchte Wurmschwanz in diesem Moment auf.


    „Hier sind die Kartoffelchips, Mylord. Ich bin eine brave Ratte, Mylord!“

    In seinen Händen hielt er eine große rote Plastikschüssel, an der unübersehbar das Gryffindorzeichen prangte.


    Snape riss vor Entsetzen die Augen weit auf, dann trat er Lucius heftig auf den Fuß. Dieser jaulte laut auf, dass es einem Werwolf zur Ehre gereicht hätte, und während der dunkle Lord den auf einem Bein hüpfenden Mann missbilligend ansah, griff Snape schnell zu seinem Zauberstab und verwandelte die Schüssel in eine grüne mit dem Slytherinsymbol.


    Gerade noch rechtzeitig, denn schon wandte Voldemort sich von Lucius ab und Wurmschwanz zu.

    „Wenigstens auf einen kann ich mich verlassen.“

    Er griff in die Tasche seinen Umhangs, holte einen Hundekuchen hervor und warf ihn Wurmschwanz zu. Dieser versuchte ihn zu fangen, ließ dabei die Schüssel los und hätte Snape nicht erneut mit einem Zauber eingegriffen, hätte es in Malfoy-Manor wohl Ratte am Spieß gegeben.


    Endlich standen die Kartoffelchips sicher auf dem Tisch. Der dunkle Lord nahm sich einige, kaute, schluckte, schmeckte nach und urteilte dann:

    „Ja, die sind annehmbar.“

    Lucius und Snape atmeten heimlich auf und entspannten sich etwas.

    Voldemort bedeutete ihnen mit einer Handbewegung, ebenfalls am Tisch Platz zu nehmen. Als die beiden auf ihren Plätzen saßen, wandte der dunkle Lord sich an Wurmschwanz, der auf dem Boden hockte und an seinem Hundekuchen knabberte:

    „Wurmschwanz, bring die Spiele!“

    „Oh bitte“, betete Lucius innerlich, „bitte lass ihn nicht schon wieder „Monopoly“ spielen wollen!“


    Lucius hasste „Monopoly“!

    Als Großgrundbesitzer und einer der reichsten Zauberer des Landes, fand er es unerträglich, anderen für ihre Grundstücke Miete zahlen zu müssen. Und außerdem schummelte der dunkle Lord immer. Jedes Mal, wenn er ein Grundstück gekauft hatte, stellte er sofort zwei Hotels auf das betreffende Feld - sogar auf die Bahnhöfe. Das war gegen die Regeln!



    Wird der dunkle Lord wieder „Monopoly“ spielen wollen? Wird Wurmschwanz an seinem Hundekuchen ersticken? Werde ich dieses Jahr endlich eine Steuerrückerstattung kriegen? Und vor allem: wie geht die Folge von „Orkan der Sehnsucht“ aus?



    3. Akt: Mögen die Spiele beginnen!



    Wurmschwanz kam eilfertig mit den Armen voller Gesellschaftsspiele zurück. Erleichtert stellte Lucius fest, dass die Ratte das „Monopoly“ vergessen hatte.

    „Nun, lasst mich überlegen. Womit sollen wir beginnen?“

    Der dunkle Lord legte die Fingerspitzen seiner Hände aneinander, stützte das Kinn darauf und dachte nach. Schließlich entschied er sich für die Harry-Potter-Edition von „Cluedo“.


    Während Snape das Spielbrett aufbaute, mischte und verteilte Lucius die Spielkarten. Wie vorgegeben steckte er eine Täterkarte, eine Mordwaffenkarte und eine Raumkarte in den beiliegenden Umschlag. Er wollte ihn gerade auf den Tisch legen, als Voldemort sagte:

    „Es war Bellatrix mit dem „Avada Kedavra“ in der Eulerei.“


    Lucius öffnete den Mund, um den dunklen Lord darauf hinzuweisen, dass dieser ja noch nicht einmal einen Blick auf seine Karten geworfen hatte und dass der Todesfluch im Spiel gar nicht vorkam, als Snape ihm den Umschlag abnahm, die drei Karten herausholte und betrachtete.


    Er sah den dunklen Lord bewundernd an.

    „In der Tat, Mylord! Ich gratuliere, Ihr habt den Fall gelöst! Nur ein Genie wie Ihr war dazu in der Lage!“

    „Alter Schleimer!“, murmelte Lucius. Snape sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Lucius beeilte sich, Voldemort ebenfalls Komplimente zu seinem überragenden Scharfsinn zu machen, hatte aber das Gefühl, dass der dunkle Lord ihm das nicht so ganz abnahm.

    Während er das Spiel wieder zusammen räumte, warf Lucius einen heimlichen Blick auf die drei Rätselkarten: es war Greyback mit dem Verschwindekabinett im Verbotenen Wald gewesen ...


    Als nächstes wollte der dunkle Lord „Trivial Pursuit“ spielen.


    Natürlich sagten Snape und Lucius ihm jedesmal, wenn er eine der Fragen beantwortete, dass er Recht habe, auch, wenn er total falsch lag und statt der Themse den Nil durch London fließen ließ. Sie selbst beantworteten absichtlich all ihre Fragen falsch. Nur einmal gab Lucius aus Versehen eine richtige Antwort, was ihm einen misstrauischen Blick von Voldemort und einen Tritt gegen das Schienbein von Snape einbrachte.


    Voldemort, sehr zufrieden damit, wieder gewonnen zu haben, griff nach einem Päckchen mit Spielkarten.

    „Und jetzt“, verkündete er, „spielen wir Mau-Mau!“


    Er warf seinem Liebling Snape die Karten zu. Dieser mischte und teilte aus. Schweigend spielten die Männer.

    Lucius spielte eine Karo-Zehn aus. Voldemort konterte mit der Karo-Sieben. Insgeheim frohlockte Lucius, weil dieser eingebildete Fatzke von einem Halbblut zwei Karten ziehen musste. Da legte Snape, schmallippig lächelnd, die Herz-Sieben aus und sah Lucius herausfordernd an.


    Lucius betrachtete seine Karten und dachte angestrengt nach. Sollte er es wagen, die Pik-Sieben auszuspielen? Aber was, wenn der dunkle Lord die vierte Sieben nicht hatte? Dann wäre er, Lucius, geliefert. Andererseits, wenn er sie hatte, dann müsste Snape, diese zu groß geratene Fledermaus, acht Karten ziehen.


    Er schielte unauffällig zu Voldemort hinüber. Dieser sah seine Karten an und lächelte leicht. Lucius deutete das als gutes Zeichen - und spielte die Pik-Sieben aus.


    Sofort verschwand das Lächeln von Voldemorts Gesicht und er starrte Lucius hasserfüllt an. Und diesem wurde klar: der dunkle Lord hatte die vierte Sieben nicht, musste jetzt sechs Karten ziehen und er selbst saß bis zum Hals in Drachenmist!



    Wird Voldemort sechs Karten ziehen? Wird Snape zum „König des Mau-Mau“ gekürt? Färbt Molly Weasley ihre Haare? Und vor allem: kann mal jemand das Licht im Badezimmer ausmachen?



    4. Akt: Wo bleibt eigentlich der Tee?


    Außer sich vor Wut sprang der dunkle Lord auf, brüllte laut und stieß den Tisch um. Spielkarten und Kartoffelchips flogen in alle Richtungen.

    Snape brachte sich mit einer eleganten Flugrolle aus der Gefahrenzone. Hinter dem Sofa suchte er Schutz und beobachtete hämisch, wie Lucius auf allen Vieren auf dem Boden herumkrabbelte und versuchte, den Flüchen des dunklen Lords auszuweichen, was ihm, seinen Schmerzensschreien nach zu urteilen, nicht besonders gut gelang.

    Endlich hatte sich der dunkle Lord abreagiert.


    Das ehemals so vornehm gestaltete Wohnzimmer der Malfoys glich einem Trümmerfeld. Lucius hatte sich in Embryohaltung zusammengerollt und wimmerte leise vor sich hin. Wurmschwanz schaute vorsichtig unter dem Teppich hervor und Narzissa schrie aus dem Schlafzimmer, ob ihr Mann denn nicht mal in seinem eigenen Hause für Ruhe sorgen könne und überhaupt, wo bliebe eigentlich ihr Tee, es wäre ja wohl nicht zu viel verlangt, einer Schwerkranken eine Tasse Tee zu bringen, vielen Dank!


    Snape kam hinter dem Sofa hervor, richtete seinen Zauberstab auf den Tisch und stellte ihn wieder richtig hin. Es gelang ihm sogar, die völlig zerkrümelten Kartoffelchips mit einem leise gemurmelten „Reparo“ zu retten.


    Voldemort nickte ihm zu und er und Snape nahmen ihre Plätze am Tisch wieder ein. Gerade wollte der dunkle Lord Lucius sagen, dass er sich bitte nicht so anstellen möge, als sich draußen etwas tat.


    Eine recht jugendlich klingende Stimme schrie:

    „Bombarda!“

    Die Haustür des Malfoy-Manor explodierte förmlich und kurz darauf stürmte Harry Potter ins Wohnzimmer.

    „Wurmschwanz!“, brüllte er und zielte mit seinem Zauberstab auf die vor Angst zitternde Ratte, „Wo sind meine Kartoffelchips? Ich hab genau gesehen, dass du es warst, der mir die Schüssel geklaut hat!“


    Voldemort, der sich gerade eine Handvoll Chips in den Mund stecken wollte, erstarrte mitten in der Bewegung. Er ließ die Chips in die grüne Schüssel zurückfallen, richtete seinen Zauberstab auf sie und sagte:

    „Offenbare, was du wirklich bist!“

    Die Luft um die Schüssel herum waberte ein bisschen und die Schüssel nahm ihre ursprüngliche Farbe an. Auch das Gryffindorsymbol war deutlich zu sehen.


    Snape trat der kalte Schweiß auf die Stirn. Würde der dunkle Lord ihn als den Schuldigen identifizieren?

    Es sah nicht so aus.

    Voldemort wechselte einen kurzen Blick mit Harry, dann sah er Lucius an:

    „Und du hast das zugelassen, Lucius? In deinem eigenen Haus?

    Nun, du weißt ja, was das bedeutet.“


    „Bitte nicht, Herr!“, flehte Lucius, doch der dunkle Lord kannte kein Erbarmen.

    Resigniert ging Lucius an den Spieleschrank und holte das „Monopoly“.


    Wird Harry Potter mitspielen dürfen? Werden er und der dunkle Lord Freunde? Findet der nächste Spieleabend bei Hagrid statt? Und vor allem: welche Sorte Kartoffelchips bevorzugt Voldemort?


    Wir werden es nie erfahren!






    Hi, Der Wanderer!

    Danke für die Büchertipps, da werd ich mich mal näher mit beschäftigen.

    Auch bei Bradley hat Lancelot einen Sohn namens Galahad, der wird aber erst ganz zum Schluss in einem einzigen Satz erwähnt, glaub ich.

    Die Sache mit Merlin finde ich wunderbar, dass "Merlin" hier kein Eigenname ist, sondern eine Art Berufsbezeichnung. "DER" Merlin. Taliesin, der das Gute verkörpert, und Kevin, der das Böse, Dunkle verkörpert. Überhaupt liegt bei Bradley der Fokus ja immer mehr bei Avalon, statt bei Artus.

    Mir gefällt auch, dass Morgaine, anders als in anderen Interpretationen, nicht die böse Hexe ist, sondern hier die Gute ist. Klar, sie macht einige Fehler, aber aus ihrer Sicht will sie nur das Beste - für Avalon. Sie ist stark, für die Göttin ist sie bereit, auch über Leichen zu gehen - selbst über die ihres Bruders, wenns sein muss. Und dennoch kann zumindest ich sie dafür nicht verdammen.



    KAPITEL 4


    König Uther hatte zu den Waffen gerufen. Ein weiteres Mal waren die Sachsen in Britannien eingefallen. Auch Ban von Benwick war mit seinen Mannen dem Ruf des Großkönigs gefolgt.

    Es war nicht Galahads erste Schlacht. In kleineren Grenzscharmützeln hatte er sich schon öfter bewiesen und auch die ein oder andere Schlacht gegen die in Britannien einfallenden Feinde mitgemacht. Ban hatte ihn dabei immer nah an seiner Seite gehalten. Galahad hatte beobachtet und gelernt. Auch dieses Mal sollte er sich im Hintergrund halten, aber der junge Krieger wollte nicht mehr warten. Er brannte darauf, zu kämpfen und löste sein Pferd schließlich von der Seite seines Vaters.

    „Galahad! Bleib hier! Du bist noch nicht soweit!“


    Doch taub für dessen Rufe warf er sich in die Schlacht. Der junge Mann, der noch nicht einmal den Ritterschlag erhalten hatte, schien überall zugleich zu sein. Wie aus dem Nichts schien er plötzlich inmitten der Sachsen aufzutauchen. Seine Pfeile schwirrten und trafen mit tödlicher Präzision. Sein Schwert troff vor Blut und seine eigenen Wunden nicht achtend, brachte er Furcht und Verheerung über die feindlichen Krieger. Besessen davon, sich als wahrer Krieger und echter Mann zu beweisen, war er grausamer als jeder Ritter des großen Heeres. Und doch waren seine Attacken kühl und präzise geplant. Mit einem Blick sah er die Schwachstellen der Feinde und nutzte sie gnadenlos aus. Wie feiner Nebel legte sich der Dampf, der von den erhitzten Leibern der Pferde und Männer ausging, über das Schlachtfeld und trübte die Sicht. Die Luft stank nach Blut und in den umliegenden Bäumen krächzten die Raben, während sie darauf warteten, unter den Toten ihre Lese halten zu können. Und noch immer erlahmte Galahads Arm nicht. Längst war sein Pferd tot unter ihm zusammengebrochen, getroffen von Pfeilen des Gegners. Jede mögliche Deckung nutzend, in aller Hast Pfeile aufsammelnd, um sie sofort wieder abzuschießen, sobald sich auch nur die geringste Möglichkeit bot, die Wendigkeit seines kleinen schmalen Körpers nutzend und sein Schwert klirrend auf das eines Sachsenkriegers prallen zu lassen, immer wieder, bis dieser, durchbohrt von der Waffe tot zusammenbrach - Galahad hatte sich noch niemals so lebendig gefühlt! Das hier, so spürte, das hier, das war das wahre Leben! Das hier war sein Schicksal, das hier hatten die Götter für ihn gewollt!


    Als der Feind geschlagen war, stand er hoch aufgerichtet inmitten der anderen Krieger Uthers und sein Blick glitt kühl über die Gefangenen. Was für ein großer Moment in seinem Leben, als die überlebenden Häuptlinge der Sachsen sich weigerten, Uther den Treueeid zu leisten und stattdessen vor ihm niederknieten und sich seiner Führung anvertrauten.

    „Nur dem Besten unterwerfen wir uns und niemand anderes als Lancelot, der Elfenpfeil, soll sich dessen rühmen!“

    Was erkannten sie ihn ihm, was andere nicht sahen? Uther jedenfalls wirkte eher amüsiert als beleidigt, als er sich an Galahad wandte.

    „Nehmt sie und macht ein anständiges britisches Heer aus ihnen!“

    Heerführer! Von jetzt auf gleich. Eben noch ein unbekannter kleiner Bastard, und nun … Jetzt würde er es ihnen allen zeigen!


    Als später, im Schein der Lagerfeuer, als Bier und Wein reichlich flossen, einer von Uthers Rittern ihm ein eindeutiges Zeichen machte, wendete Galahad – Lancelot! – unwillig den Kopf ab. Nicht heute Nacht! Stattdessen stand er auf und suchte sich eines der Weiber, die den Tross begleiteten. Es war das erste Mal, dass er mit einer Frau schlief. Die erfahrene Hure bemerkte seine Unerfahrenheit und half ihm einfühlsam. Doch als er sich schweratmend von ihr herunter und auf den Rücken rollte und zu den Sternen empor sah, da fühlte er sich keineswegs befriedigt, sondern empfand nur eine unheimliche Leere in sich. Er zog sich an, warf ihr schweigend ein paar Münzen zu und kehrte in sein Zelt zurück.


    Im Zelt des Großkönigs saß Uther mit seinen Kleinkönigen beisammen.

    „Der junge Mann …“, begann er und sah Ban an.

    „Mein Sohn“, erwiderte dieser. Uther hob fragend die Augenbrauen.

    „Ich zeugte ihn, als ich die Große Ehe mit der Herrin vom See vollzog.“ Ban war nicht ganz wohl in seiner Haut, als er diese Worte sprach. Uther war Christ. Jener runzelte denn auch die Stirn, wenn auch aus anderen Gründen.

    „So ist er der Neffe meiner Gemahlin und der Vetter meiner Stieftochter? Warum wusste ich bisher nichts von seiner Existenz?“

    „Ich zeugte viele Bastarde, mein König. Galahad ist nur einer von ihnen. Und er sollte es aus eigener Kraft zu etwas bringen, nicht, weil er mein Sohn ist.“

    „Nun, das hat er heute zweifelsfrei geschafft“, bemerkte Lot, König der Orkney-Inseln. Uther wandte sich ihm zu.

    „Ihr seid mit einer weiteren Schwester meiner Königin verheiratet. Sagt mir, Lot, wusstet ihr von dem jungen Mann?“

    Lot schüttelte den Kopf.

    „Nein, Majestät, aber ich glaube, wir werden in Zukunft noch viel von ihm hören.“

    Uther nickte und beschloss, Galahad im Auge zu behalten.


    In den folgenden Monaten widmete dieser sich einzig und allein der Aufgabe, aus den Barbaren noch bessere Krieger zu machen. Er erkannte das Potenzial dieser Männer und schöpfte es voll aus. Besonders fasziniert war er von ihren Reitkenntnissen. Sie hatten etwas ins Land gebracht, was hier bisher noch unbekannt gewesen war: den Steigbügel. Mit einem Blick erkannte Galahad, wie wertvoll dieses Ding im Kampf war. Die Reiter saßen sicherer im Sattel und konnten beide Hände zum Kämpfen gebrauchen. Es dauerte seine Zeit, aber nach und nach gelang es ihm, nicht nur die Krieger seines Vaters, sondern auch die Pferde an die Steigbügel zu gewöhnen. Überhaupt, die Pferde! Er liebte diese edlen Geschöpfe und wurde niemals müde, sich um sie zu kümmern und sie zu trainieren. Betrat er den Stall, so hoben sie ihre Köpfe und schnaubten, denn sie erkannten ihren Freund. Mit einer Sanftheit, die man ihm nicht zugetraut hätte, strich er dann über ihre warmen Nüstern oder lehnte gar für einen Augenblick seine Stirn an ihre Hälse. Wehe dem Stallburschen, der seine Pflicht vernachlässigte! Wie ein Gewitter kam er dann über ihn und die Lektion, die er ihm verpasste, spürte dieser noch Tage später.


    Als er sein Sachsenheer schließlich zum ersten Mal in den Kampf führte und dieses sich mehr als bewährte, verdiente er sich nicht nur den Respekt von Bans Rittern, die den Jungen bisher immer noch leicht belächelt hatten, sondern auch den des Großkönigs selbst. Galahad, oder Lancelot, wie er sich nun nannte, wurde an Uthers Hof berufen. Dort machte er sich nicht nur schon bald einen Ruf als Krieger, sondern auch als gnadenloser Schürzenjäger. Keine Magd, die vor ihm sicher war! Wahllos nahm er sie in sein Bett, suchte nicht nur sich selbst, sondern auch sie zu befriedigen und blieb doch seltsam ungerührt und mit dieser Leere in sich, die er nicht erklären konnte, zurück, nachdem er sie fortgeschickt hatte. Er war auf der Suche, und wusste nicht, wonach. Auch das ein oder andere heimliche Techtelmechtel mit einem der Stallburschen brachte ihm nicht das, was er zu finden gehofft hatte.


    Eines Morgens erwachte er mit dem Duft von Apfelblüten in seiner Nase und zum ersten Mal seit langer Zeit dachte er wieder an Avalon. Gleichzeitig erwachte in ihm eine Sehnsucht nach der heiligen Insel, die er nicht zu unterdrücken vermochte. Mit allen Fasern seines Körpers, seines Herzens und seiner Seele zog es ihn dorthin. Und dennoch war das Lächeln, mit dem er die Schlangen von Avalon, die sich seit seiner Kindheit um seine Handgelenke wanden und mit ihm zusammen wuchsen, ansah, bitter. Sie rief nach ihm! Sie hatte diese Sehnsucht, die wie ein Fluch für ihn geworden war, in ihn gelegt. Und er musste ihrem Ruf folgen!


    Die junge Priesterin, die ihn am Ufer des Sommersees mit der Barke erwartete, kam ihm merkwürdig vertraut vor. Doch erst durch eine bestimmte Bewegung erkannte er sie schließlich.

    „Morgaine!“

    Sie drehte sich zu ihm um, sah ihn ernst an und legte den Zeigefinger an ihre Lippen. Er schwieg verwirrt und sein freudiges Lächeln verblasste. Als sie sich wieder von ihm abwandte und die Arme hob, wirkte sie plötzlich groß und unnahbar wie die Göttin selbst. Lancelot schluckte. War das noch seine kleine Feenprinzessin? Plötzlich schämte er sich, so lange nicht an sie gedacht zu haben. Die Welt der Männer, in der die Frauen sich unterzuordnen hatten anstatt den Ton anzugeben, hatte ihn wohl weit mehr geprägt als es ihm bewusst gewesen war. Jetzt aber erinnerte er sich an die Sanftheit ihrer Stimme und die Weichheit ihrer Haut. Sein Herz begann schneller zu schlagen.


    Morgaine war sich seiner Blicke in ihrem Rücken nur allzu deutlich bewusst. Obwohl man es ihr nicht anmerkte, fühlten ihre Beine sich so schwach an, dass sie ihr beinahe den Dienst verweigerten. Das war Galahad? Ihr Feenritter? Wie konnte er nur gleichzeitig so männlich und doch so schön sein? Mit leichtem Unwillen verbannte sie diese Gedanken aus ihrem Kopf und konzentrierte sich darauf, die Nebel zu beschwören. Als sie die Arme hob und die Macht der Göttin über sie kam, wusste sie, was Galahad sah. Und sie wollte, dass er es sah. Sie wollte, dass er die Göttin sah und ihre Macht! Doch tief in ihr schrie eine Stimme: Nein, ich bin es, die er sehen soll, ich, Morgaine! Nur die Frau soll er in mir sehen, nicht die Göttin!

    Sie senkte die Arme und mit ihnen senkten sich die Nebel, die Avalon umgaben und schützten. Im hellen Sonnenlicht lag die Insel vor ihnen und Morgaine hörte, wie Galahad tief die Luft einsog. Jetzt erst lächelte sie.

    „Willkommen zuhause, mein Feenritter!“

    Der Wanderer: Ups, das hab ich am Anfangspost tatsächlich vergessen zu erwähnen, muss ich nachtragen.

    Meine Geschichte ist eine FF zu dem Buch "Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley. Da wird die Geschichte von Artus und Co aus der Sicht von Morgaine Le Fey erzählt. Die Artussage aus Frauensicht, quasi. Lohnt sich aber auch für Männer, es zu lesen XD. Ist halt mehr mädchenhaft -romantisch und Morgaine mehr Opfer als Täterin. Natürlich wandle ich die FF hier und da etwas ab, sonst wärs ja eine reine Nacherzählung, aber den Rahmen bildet halt "Die Nebel von Avalon".

    Der Wanderer: Danke für dein Feedback. Rechtschreibfehler und doppelt Gemoppeltes ausgemerzt XDD

    Galahad ist Lancelots Geburtsname, den Namen Lancelot bekam er erst später, von den Sachsen. So wie Artus mit Geburtsnamen Gwydion hieß und erst zu Artus wurde, als er Uthers Hof aus Sicherheitsgründen verlassen musste und zu Sir Ectorius kam. (zumindest laut dem Buch, an das ich mich für diese FF so gut wie möglich halte)


    epochAal: Auch dir vielen lieben Dank für dein Feedback. Freut mich, dass dir die Geschichte bis hierher gefällt. Ich hoffe, das bleibt auch so XDDD


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    Kapitel 3


    Lancelot erzählt:


    Viele Jahre nachdem ich Avalon verlassen hatte, stand ich einem leibhaftigen Drachen gegenüber. Doch als ich ihn bezwungen hatte und sein blutiges Herz in den Händen hielt, da waren Stolz und Glück in mir nicht einmal halb so groß wie an jenem Tag, als ich Morgaine einen Apfel als Drachenherz entgegenhielt. Und der Kuss, den mir König Pellinores Tochter zur Belohnung für meinen Sieg über den Drachen gab, schmeckte nicht halb so süß wie der, den Morgaine mir gab. Ich wusste es damals noch nicht, aber von dem Augenblick an, als ihre Lippen zum ersten Mal meine Haut berührten, war ich meiner Base rettungslos verfallen. Doch um nichts in der Welt hätte ich jemals gerettet werden wollen und mein Schwert hätte jeden durchbohrt, der auch nur den Versuch unternommen hätte!


    Der Herrin entging unser harmloses Spiel nicht und mehr als einmal bestrafte sie Morgaine hart, weil sie meiner Sehnsucht nach der Welt außerhalb der Nebel auch noch Vorschub leistete. Doch das erfuhr ich erst Jahre später. Morgaine nahm die Strafen klaglos hin und spielte, wenn sie etwas freie Zeit hatte, doch immer wieder das Drachenspiel mit mir. Wenn die Sonne sich neigte und rot im See versank, dann saßen wir nebeneinander auf unserem Apfelbaum, die Arme umeinander gelegt und sie erzählte mir vom Leben am Hofe des Großkönigs. Von den Pferden und Rittern, den Festen und Turnieren. Nur von ihrem Bruder redete sie nie. Heute weiß ich, wie sehr sein Verlust sie immer noch schmerzte. So sehr, dass selbst an ihn zu denken, ihr weh tat. Oh, Mutter, wie konntest du es ihr nur antun?!


    Je mehr ich über die Welt da draußen erfuhr, umso sehnlicher wollte ich dorthin. Immer wieder schwärmte ich Morgaine davon vor, wie ich ein Ritter werden würde und Schlachten und Kriege gewinnen würde, um anschließend ruhmreich zu ihr zurück zu kehren. Die Unschuld der Kindheit … Was wusste ein kleiner Junge, der nur den Frieden der heiligen Insel kannte, schon von Krieg? Was davon, dass er Elend und Schmerz brachte, Blut und Tod? Oh, ich wusste, dass im Krieg Menschen getötet wurden – aber ich konnte mir keine rechte Vorstellung davon machen. Dass die toten Männer Väter waren, Brüder, Söhne … der Gedanke kam mir nicht. Und auch später in den vielen Schlachten, in denen ich kämpfte, vermied ich jeden Gedanken daran. Ich hätte das Schwert sonst nicht führen können.


    Kurz nach der Sommersonnenwende rief die Herrin vom See mich zu sich. Im Beisein des Merlin erklärte sie mir, dass sie meinem Wunsch nachgeben und mich, wie meinen Halbbruder, in die Äußere Welt schicken wolle. Ich war selig. Endlich ging mein Wunsch in Erfüllung. Als ich es Morgaine erzählte, wurde sie blass.

    „Geh nicht, Galahad, bitte. Lass mich nicht alleine!“ Ich blickte sie erstaunt an und sah Angst in ihren Augen.

    „Aber Morgaine!“, versuchte ich ihre Angst wegzulachen, „Ich komme doch wieder. Sobald ich ein Ritter bin und einen Drachen erschlagen habe, komme ich zu dir und bringe dir sein Herz.“

    Aber sie sah mich nur ganz verstört an und lief davon. Ich schaute ihr kopfschüttelnd nach. Ich verstand sie einfach nicht. So sicher war ich mir gewesen, dass sie sich für mich freuen würde.


    Ich sah meine Feenprinzessin bis zum Tag meiner Abreise nicht wieder. Mutter hatte mich zur Anlegestelle begleitet. Morgaine stand blass und mit verweinten Augen neben ihr.

    „Bitte, Herrin, lasst ihn nicht gehen!“, flehte sie, doch die Herrin war unerbittlich. Ihre Stimme klang kalt, als sie sagte:

    „Er wird ohnehin bald zurück gekrochen kommen. Sobald er merkt, wie es dort draußen wirklich zugeht. Nicht wahr, Galahad?!“, wandte sie sich an mich. Ich presste mein Holzschwert, das mich auf meiner Reise begleitete, fest an mich und schüttelte trotzig den Kopf. Ich würde ganz bestimmt nicht zurück gekrochen kommen! Erst, wenn ich ein Ritter war und ein Held, dann würde ich voller Stolz, mit hoch erhobenem Kopf, zurück nach Avalon kommen.


    Morgaine umarmte mich zum Abschied.

    „Sei vorsichtig. Pass auf dich auf, ja?! Ich hab solche Angst um dich!“

    „Das genügt, Morgaine! Kehre auf der Stelle ins Haus der Jungfrauen zurück!“, befahl die Herrin und Morgaine, die gelernt hatte, zu gehorchen, ließ mich los und ging mit hängenden Schultern davon. Hätte ich damals gewusst, was ich heute weiß, ich hätte mich an unseren Apfelbaum gekettet und niemand hätte mich jemals von dort wegbekommen. So aber schaute ich nicht einmal zurück, als die Barke mit mir über den See fuhr und kaum war ich am anderen Ufer angekommen und von den Rittern meines Vaters in Empfang genommen worden, waren Avalon und Morgaine aus meinen Gedanken verschwunden, als hätten sie dort nie existiert. Bis heute brennt die Scham heiß in mir, wenn ich daran zurück denke.


    Ich vermag nicht zu sagen, was genau ich mir vorgestellt hatte vom Leben an Bans Hof, aber sicherlich nicht das, was mich dort tatsächlich erwartete. Dass ich der Sohn des Königs war, spielte keine Rolle und half mir nicht im Geringsten. Ban hatte noch weitere Bastarde. Ich war nur einer von vielen. Und wie jeder andere Junge musste ich ganz unten beginnen. Die ersten Jahre waren hart und mehr als einmal war ich in Versuchung, aufzugeben und heimzukehren zu meiner Feenprinzessin. Doch dann klangen die harten Worte meiner Mutter in meinen Ohren und ich biss die Zähne zusammen und machte weiter. Ich lernte nicht nur schwere körperliche Arbeit kennen, sondern auch Schmähreden und Prügel. Und ich lernte, mich gegen beides zu wehren, mit Worten und Fäusten. Doch gegen das, was mir dann bevorstand, vermochte ich mich nicht zu wehren. Sie waren zu stark für mich …


    Dass ich mit meinen feinen weichen Gesichtszügen, den großen braunen Augen und den langen Wimpern geradezu mädchenhaft schön war, hatte mir nie jemand gesagt. Ich selbst fand mich nicht besonders gutaussehend. Das Ideal eines Mannes definierte ich mittels seiner Muskeln und seiner Narben, die er in Kämpfen davongetragen und überlebt hatte. Ich war immer noch knabenhaft schlank und auf meiner Oberlippe zeigte sich noch nicht der leichteste Flaum. Jeden Morgen nach dem Aufstehen sah ich in den Spiegel und ärgerte mich, weil mir noch immer der Bart nicht spross. Andere Jungen in meinem Alter barbierten sich bereits. Dass die jungen Mädchen mir begehrliche Blicke zuwarfen, bemerkte ich in meiner Unschuld überhaupt nicht. Oh, natürlich hatte ich schon das ein oder andere Mal ein Liebespärchen aufgescheucht, wenn ich spätabends noch einmal durch die Stallungen ging, um nach den Pferden zu sehen, aber ich hatte mir nichts Großartiges dabei gedacht. Auf Avalon hatte ich in der Beltanenacht immer im Haus bleiben müssen. Von den Vorgängen zwischen Mann und Frau wusste ich also kaum etwas. Sicher, ich hatte mehr als einmal gesehen, wie die Tiere sich paarten und dass nach Beltane der ein oder anderen Priesterin der Bauch dick wurde und Monate später ein Säugling in die Äußere Welt gebracht wurde, aber genaue Vorstellungen, wie es dazu gekommen war, hatte ich nicht. Dass ich mir diese kindliche Unschuld an einem Hof wie dem von König Ban überhaupt so lange erhalten konnte, grenzte an ein Wunder. Es ging amourös zu in seinem Reiche, das treu der Göttin folgte und nicht dem strengen und verklemmten Christengott. Ob es nun Ban selbst war, der mich schützte, ohne dass ich es erfuhr, oder ob es am Zauber von Avalon lag, weiß ich nicht, jedoch wurde ich eines Tages grausam aus meiner bis dahin so unschuldigen Welt herausgerissen.


    Wie schon angedeutet, die begehrlichen Blicke, die mir von Seiten der Mädchen zugeworfen wurden, heimlich oder auch ganz offen, nahm ich nicht bewusst zur Kenntnis, und dass selbst einige der jungen Männer sich vielsagende Blicke zuwarfen und sich die Lippen leckten, wenn ich an ihnen vorüberging, irritierte mich zwar, aber auch darüber machte ich mir keine weiteren Gedanken. Bis sie mich eines Abends in eine Stallecke drängten, mir die Hosen herunterließen und über mich herfielen. Niemals zuvor hatte ich solchen Schmerz gespürt, solche Demütigung, mich niemals zuvor so schmutzig gefühlt. Die Tränen, die mir über das Gesicht liefen, rührten sie nicht, sondern schienen sie im Gegenteil noch anzustacheln. Ich empfand keine Lust bei diesem ersten Mal, dem viele weitere Male folgen sollten, nicht einmal unwillkürliche, nur Angst und Schmerz und Scham. Als sie endlich von mir abgelassen hatten und mich allein ließen, verkroch ich mich tief ins Stroh und flehte die Göttin an, mich sterben zu lassen. Sie hörte mich nicht. Oder war mein Leid ihr einfach nur gleichgültig?


    In diesem Augenblick entstand vor meinen Augen das Bild eines kleinen Mädchens, das mit einem noch kleineren Jungen um die Ringsteine herumrannte. Morgaine! Ich musste zu ihr, sie würde mich in den Arm nehmen und mich trösten und beschützen und mich niemals wieder fortgehen lassen in diese grausame Welt! Ich rappelte mich hoch, richtete notdürftig meine Kleidung und … zögerte. Konnte ich denn wirklich so zu ihr zurückkehren? So … beschmutzt? Gewiss würde sie sich voller Ekel von mir abwenden. Und hatte ich ihr nicht versprochen, mit einem Drachenherzen in den Händen zu ihr zurück zu kommen, als tapferer Ritter? Was sollte sie denn von mir denken, wenn ich so erbärmlich vor ihr stehen würde?! Nein, ich konnte nicht zurück nach Avalon. Nicht so. Ich hätte ihr vor Scham nicht in die Augen sehen können. Also blieb ich. Und ließ die Vergewaltigungen weiter über mich ergehen. Bis mein Körper mich zum ersten Mal verriet und ich begann, Lust zu empfinden. Und schließlich kam der Tag, an dem sie mich nicht mehr mit Gewalt nehmen mussten, sondern ich mich ihnen freiwillig und voller Verlangen hingab. Es wurde ein normaler Teil meines Lebens.

    Ich quäle mich derzeit durch ein Buch, das laut Klappentext Kultstatus haben soll. Ich frag mich nur, bei wem?! Ein verfetteter Werwolf, der gemeinsam mit einem von Scientology erleuchtetem Vampir Zombiekühe killt ... Die Rede ist von "Diner des Grauens" von A. Lee Martinez.

    Was ich witzig finde: ohne das Buch vorher gekannt zu haben, hab ich vor einigen Jahren was ganz ähnliches geschrieben. Gut, meine Story hieß "Diner des Schreckens", und es kamen weder Werwölfe, noch Vampire noch Zombiekühe vor, aber es ähnelt dem Buch schon irgendwie. Creepy ...

    Naja, zum Buch. Ich finds so dämlich, dass es schon wieder gut ist. Auf jeden Fall bringt es mich zum Schmunzeln . Und zum entnervt die Hände zum Himmel heben und rufen : Oh bitte, nicht das auch noch! :patsch: :D

    Eine sehr schöne und tragischromantische Geschichte, Tariq.

    Am Anfang war ich total auf dem Holzweg, geschuldet dem Vollmond und meiner Werwolfvorliebe XD Hab wirklich drauf gewartet, dass die beiden sich verwandeln, war aber kein Stück enttäuscht, als es nicht so kam.

    Die Idee, dass nicht einmal der Tod die beiden für immer trennen konnte, ist sehr bewegend. Auch wenn es nur einmal im Monat ist, das ist besser als gar nichts. Wobei sich mir die Frage aufdrängt, ob sie nicht eines Tages wird lernen müssen, loszulassen. Sie scheint ja noch recht jung zu sein und ihr Leben geht weiter. Ob sie sich wirklich ihr ganzes Leben lang an einen Toten klammern wird/soll? Und was, wenn ihre Familie eines Tages davon erfährt? Ihre Schwester schläft ja sogar mit ihr im gleichen Bett, wie wahrscheinlich ist es, dass sie nie etwas mitbekommt?

    Entschuldige, wahrscheinlich denke ich zu viel über die Story nach, anstatt sie einfach zu genießen.


    LG

    Tarani

    Hallo, Der Wanderer!


    Bitte, bitte entschuldige, dass ich erst jetzt antworte ...


    Ich dank dir sehr für dein Feedback. Die beiden Tippfehler hab ich verbessert, gut, dass sie dir aufgefallen sind.


    Was den Ausdruck Base und weitere veraltete Worte angeht: das ist tatsächlich Absicht. Die Geschichte spielt im MA zur Zeit der Christianisierung Britanniens, und da war es gebräuchlicher, Base und Vetter zu sagen, denke ich. Ich verwende im Laufe der Geschichte auch Worte, die aus der damaligen Zeit stammen z.B. Brouche (die damalige Unterhose XD) So wirkt der Text mMn authentischer. Ich mag Texte nicht, die im MA spielen, sich aber der heutigen Sprache bedienen. Ich bezweifle, dass man z.B. im MA verfi*** Schei*** oder so gesagt hat - auch wenn ich es natürlich nicht beschwören kann, ich war ja nicht dabei XDDD.

    Sollten solche alten Ausdrücke vorkommen, werde ich sie zukünftig am Ende des Textes erläutern.

    Zur Frage des Alters: puh, nicht leicht, weil die Angaben im Buch widersprüchlich sind. Mal ist Galahad zwei, dann wieder vier Jahre jünger als Morgaine. Ich hab mich für 2 Jahre entschieden. Morgaine ist elf, als sie nach Avalon kommt, also ist Galahad neun.

    Das nächste Kapitel kommt, sobald ich es nochmal akribisch nach Tippfehlern abgesucht habe XDDD


    LG

    Tarani


    Kapitel 2


    „Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen, du Bestie! Nimm dich in Acht, denn Galahad, der Ritter vom See, steht vor dir. Nimm dies! Und dies!“ Galahad fuchtelte wild mit einem Stock in der Luft herum, ganz versunken in sein Spiel, in dem er als tapferer Ritter gegen einen feuerspeienden Drachen kämpfte. Er machte eine halbe Drehung – und erschrak. Die Hände auf dem Rücken verschränkt stand Morgaine vor ihm und sah ihn ernst an. Sofort ließ er den Stock fallen und stieß ihn mit dem Fuß weg. Er errötete unter dem Blick seiner Base. Ob sie nun mit ihm schimpfen würde? Oder schlimmer, ihn auslachen? Morgaine tat nichts dergleichen. Ruhig, so als hätte sie sein Spiel nicht bemerkt, sagte sie:

    „Die Herrin hat erlaubt, dass ich meine freie Zeit mit dir verbringe.“

    Galahad nickte. Wenn die Hohepriesterin es Morgaine erlaubt hatte, dann bedeutete dies für ihn den Befehl, mit seiner Base zu spielen.

    „Ich habe außer dem Haus der Jungfrauen bisher nur wenig von Avalon gesehen. Zeigst du mir die Insel ein bisschen?“

    Er nickte und fragte:

    „Wo möchtest du denn hin?“

    Morgaine zuckte mit den Schultern, dachte eine Weile nach.

    „Dürfen wir hoch zu den Ringsteinen? Oder dürfen nur die Priesterinnen da hin?“

    Galahad empfand einen Anflug von Stolz, weil er mehr wusste als sie. Er reckte sein Näschen ein wenig in die Luft und erklärte, ein wenig herablassend:

    „Wenn dort keins der Rituale abgehalten wird, bei dem wir stören würden, dürfen wir dorthin gehen.“

    Morgaine überlegte, dann schmunzelte sie leicht.

    „Und jetzt findet dort kein Ritual statt, also dürfen wir."


    Schweigend gingen sie nebeneinander den alten Prozessionsweg hinauf. Galahad überlegte krampfhaft, worüber er mit seiner Base reden könnte. Schließlich platzte er heraus:

    „Warum hast du dich von mir weggedreht, als du angekommen bist?“

    Ein Schatten glitt über Morgaines Gesicht und er fürchtete schon, sie verärgert zu haben, als sie leise antwortete:

    „Als ich dich gesehen habe, musste ich an meinen kleinen Bruder denken. Wir waren noch nie voneinander getrennt und ich vermisse ihn so sehr. Ich wusste nicht, dass es hier auch einen kl …“ in letzter Sekunde verschluckte sie das Wort, sie wusste, wie empfindlich Buben reagieren konnten, wenn man sie als klein bezeichnete, „einen Jungen gibt, wie Gwydion. Da hab ich erst richtig gemerkt, wie sehr er mir fehlt und hab deshalb über den See zurückgeschaut.“

    Sie seufzte leise und warf ihm einen entschuldigenden Blick zu. Jetzt verstand sie, warum er einfach ohne ein Wort weggegangen war.

    „Ich hab dir sehr weh getan in dem Moment, nicht wahr? Bitte verzeih mir, ich hab es nicht böse gemeint. Und die Blumen waren wunderschön. Mir hat noch nie jemand Blumen geschenkt zuvor. Ich danke dir schön dafür.“


    Galahad wurde ganz warm im Bauch, als er ihre Worte hörte. Na ja, wenn das so war … und wo sie sich doch so über die Blumen gefreut hatte … Plötzlich schämte er sich dafür, sie einfach so im Rennen wahllos ausgerissen zu haben.

    „Ich schenk dir jeden Tag Blumen, wenn du magst“, erklärte er, „und wenn du deinen Bruder so sehr vermisst, dann … dann kann ja ich vielleicht jetzt dein Bruder sein.“ Aber Morgaine schüttelte den Kopf.

    „Nein, das geht nicht. Du kannst nicht mein Bruder sein.“ Als sie sah, dass er traurig den Kopf hängen ließ, streckte sie die Hand aus und legte sie ihm im Gehen auf die Schulter.

    „Du bist doch schon mein Vetter. Und das ist genauso gut.“

    Galahad blieb stehen und drehte sich zu ihr um.

    „Ganz bestimmt?“

    „Ganz bestimmt, versprochen!“, lächelte Morgaine. Da lächelte auch er und ließ seine Hand in ihre gleiten. Hand in Hand stiegen sie den restlichen Weg zu den Ringsteinen empor.


    Als sie zwischen den mächtigen Monolithen standen, erschauerte Morgaine vor Ehrfurcht. Ihre Blicke wanderten weit über die Insel. Dass Avalon so groß war, das hatte sie nicht gewusst. Sie hatte nur verschwommene Vorstellungen von der heiligen Insel gehabt, hatte an ein kleines Eiland gedacht, mit ein paar Häusern und einem geheimnisvollen Ritualplatz. Jetzt sah sie Felder, Wiesen und einen so großen Wald, wir sie noch nie zuvor einen gesehen hatte. Und dort, noch weiter im See, lag eine zweite Insel.

    „Da leben die Druiden“, erklärte Galahad, der ihrem Blick gefolgt war. „Und irgendwo da“, er deutete auf den Wald, „gelangt man ins Reich der Feen. Da dürfen wir nicht hin, das ist gefährlich. Die Feen verzaubern einen und dann bleibt man eine Nacht da und wenn man zurückkommt, sind hundert Jahre vergangen. Oder so ähnlich.“ Ganz sicher war er sich da nicht. Aber ausprobieren wollte er es auch nicht. Am Ende stimmte es, was die alten Priesterinnen raunten und dann würde sich niemand mehr an ihn erinnern, wenn er nach hundert Jahren wiederkam.

    „Ich glaube, ich mag Feen nicht“, stellte er fest. Morgaine löste sich von ihm und sah ihn ernst an.

    „Dann magst du mich also auch nicht?“

    „Wieso?“, fragte er erstaunt, „du bist doch ein Mädchen und keine Fee.“

    „Aber ich hab Feenblut in den Adern. Und du doch auch.“ Damit, dass sie Feenblut in sich trug, hatte ihre Tante Morgause sie immer und immer wieder aufgezogen. Du bist eine Fee, Morgaine, du bist klein und hässlich wie eine Fee, hallten die Worte von Morgause durch ihren Kopf und sie schüttelte ihn, um die Worte zu vertreiben. Sie sieht ja aus wie du, so hatte ihre Mutter einst ausgerufen, als Viviane sie besucht hatte, und Viviane war nicht hässlich. Im Gegenteil, sie erschien Morgaine schön wie die Göttin selbst. War also auch sie schön? Galahad war auf jeden Fall hübsch, und er war Vivianes Sohn!


    Galahad hob seine Hände vors Gesicht und betrachtete sie.

    „Ja, schon, aber …“ Etwas ratlos drehte er die Hände hin und her. Morgaine lachte plötzlich hell auf.

    „Ach was, kein Aber! Du bist gut, so wie du bist, mein Feenjunge! Und jetzt fang mich!“

    Ehe er es sich versah, war sie bereits davongestoben und rannte um die Ringsteine herum. Ein Leuchten ging über sein Gesicht und er vergaß seine Bedenken. Lachend rannte er hinter ihr her.

    „Ich krieg dich schon, mein Feenmädchen!“


    In den folgenden Wochen bekam Galahad Morgaine immer nur ganz kurz zu sehen. Wie er es ihr versprochen hatte, legte er jeden Tag ein kleines Blumensträußchen neben die Tür des Hauses der Jungfrauen. Jeden Tag wartete er bei den Apfelbäumen auf sie, aber Morgaines Freizeit war rar bemessen und wenn sie doch einmal eine freie Stunde hatte, dann rannte sie immer sofort in den Wald, so schnell, dass Galahad ihr nicht folgen konnte. Hatte er denn irgendwas falsch gemacht? Sie hatten doch so schön zusammen gespielt. Warum ging sie ihm denn jetzt immerzu aus dem Weg? Galahad verstand die Welt nicht mehr. Er wurde noch stiller, als er es ohnehin schon war, zog sich mehr und mehr in seine Traumwelt zurück und weinte manchmal heimlich, wenn niemand es sah.


    Bemerkte die Herrin vom See, dass ihr Sohn immer blasser und schmaler wurde? Und ahnte sie, warum das so war? Wenn dem so war, dann reagierte sie jedenfalls nicht darauf. Eines Tages stand jedoch Morgaine völlig unvermutet vor Galahad, die Hände wie beim ersten Mal hinter dem Rücken verborgen, ein leichtes, geheimnisvolles Lächeln auf den Lippen. Hatte seine Mutter sie zu ihm geschickt? Etwas misstrauisch betrachtete Galahad sie, innerlich schwankend zwischen Freude und Ärger.

    „Du bist die ganze Zeit vor mir weggelaufen, ich hab’s genau gesehen. Jetzt brauchst du auch nicht mehr mit mir spielen“, meinte er trotzig und senkte den Kopf, während er mit dem Fuß immer wieder gegen ein Grasbüschel stieß.

    „Sei mir nicht böse“, gab Morgaine zurück, „schau lieber, was ich für dich habe.“

    Was konnte das schon sein! Ein Stück Kuchen wahrscheinlich, die Priesterinnen hatten heute gebacken. Pah, mit etwas Süßem konnte sie das alles auch nicht wieder gut machen. Er blickte auf.

    „Ich hab keinen Hunger, und außerdem …“

    Weiter kam er nicht. Denn Morgaine hatte die Hände hinter dem Rücken hervorgeholt und hielt ihm ein Holzschwert entgegen. Es war nicht besonders groß, genau richtig für ihn, und nur grob geschnitzt, aber es war das Schönste, das er jemals gesehen hatte.

    „Für mich?“, fragte er ungläubig. Morgaine nickte.

    „Ja, ich hab’s ganz allein geschnitzt, nur für dich. Jetzt brauchst du keinen Stock mehr zu nehmen, um gegen den Drachen zu kämpfen, jetzt bist du ein echter Ritter mit einem Schwert!“


    Darum also hatte sie keine Zeit für ihn gehabt. Er kam sich so dumm vor! Während er mit ihr gegrollt hatte, hatte sie in jeder freien Minute an einem Schwert für ihn geschnitzt! Anstatt nach dem Schwert griff er nach einer ihrer Hände, drehte sie so, dass er ihre Handinnenfläche sehen konnte und betrachtete die Schwielen und kleinen Schnittverletzungen. Er schluckte.

    „Für mich?“, fragte er noch einmal, ganz leise, und spürte, wie die Tränen in seine Augen drangen. Und er hatte sich Sorgen gemacht, dass sie ihn auslachen könnte wegen seines Spiels. Stattdessen hatte sie ihn verstanden, hatte verstanden, wie viel ihm gerade dieses Spiel bedeutete und hatte …


    „Gefällt es dir nicht?“, drang ihre besorgt klingende Stimme in seine Gedanken. „Ich weiß, es ist nicht so gut geworden, ich hab sowas zum ersten Mal gemacht. Ich kann’s nochmal versuchen, wenn du willst. Beim nächsten Mal wird’s bestimmt besser.“

    „Nein!“ rief er und drückte ihre Hand, die er noch immer in seiner hielt, „Es ist wunderbar! Das ist bestimmt das schönste und beste Schwert auf der ganzen Welt!“

    Morgaine strahlte vor Freude und löste ihre Hand aus seiner. Sie räusperte sich und bemühte sich, ein würdevolles Gesicht zu machen.

    „Nun denn … knie nieder, Galahad oft he Lake!“

    Sie nahm das Schwert in beide Hände und hielt es ausgestreckt vor sich. Galahads Augen leuchteten auf und er ließ sich auf ein Knie herunter. Wie sie es am Hofe König Uthers gesehen hatte, legte Morgaine ihm die Schwertspitze erst auf die eine, dann auf die andere Schulter.

    „Im Namen der Göttin schlage ich Euch hiermit zum Ritter. Erhebt Euch, Sir Galahad oft he Lake!“


    Galahad stand auf und Morgaine überreichte ihm mit feierlicher Gebärde sein Schwert.

    „Ich danke Euch, Mylady“, strahlte er und presste das Schwert fest an seine Brust. In diesem Augenblick gab es in ganz Britannien keinen stolzeren und glücklicheren Jungen als ihn.

    „Und jetzt, mein tapferer Feenritter, rettet Eure Prinzessin vor dem furchtbaren Drachen, der sie gefangen hält!“

    Morgaine raffte ihr Gewand, kletterte auf einen der Apfelbäume und tat so, als würde sie sich vor einem Drachen fürchten. Galahad sah zu ihr hinauf und rief:

    „Habt keine Angst, meine Feenprinzessin, ich, Sir Galahad oft he Lake, werde Euch retten!“


    Sein Schwert fest in der Hand, drehte er sich um und bot dem Drachen mutig die Stirn.

    Moin, Rewa! Entschuldige bitte, dass ich erst jetzt antworte ... Hab mir deinen Vorschlag gründlich durch den Kopf gehen lassen. Ich weiß nicht, das mit dem dünner schmelzen gefällt mir iwie nicht so. Aber trotzdem vielen lieben Dank für den Hinweis. Vl fällt mir für die Stelle noch was ein.



    So, und jetzt nach langer Zeit mal wieder was Neues von mir. Es geht mit einem Akrostichon auf eine kleine Reise in die nordische Götterwelt.


    ODINS CHOR


    Wild heult das Rudel im Wald,

    Odin zum Ruhme, zur Ehr,

    Leise rennen hunderte Pfoten

    Für Asgard durch Midgard, seht her!

    Schneller und schneller, durch mondhelle Nacht,

    Nacht, die den Wölfen gehört,

    Alben und Riesen erzittern,

    Christen, sie schweigen empört.

    Heervater zu singen ewige Macht

    Tausende Wölfe heulen heut Nacht...



    Ich bin mir übrigens nie sicher, ob ich bei einem Akrostichon die entsprechenden Buchstaben oder Worte fett markieren soll oder nicht. Was meint ihr, soll man die hervorheben oder nicht?

    Der Wanderer: Gute Antwort! Dann bin ich mal gespannt, was du zum nächsten Teil sagst.


    Kapitel 1


    Der zarte Junge mit den dunklen Locken wirkte weit jünger, als er wirklich war. Und doch sprach eine Ernsthaftigkeit aus seinen Augen, die es schwer machte, das Kind in ihm zu sehen. Er war der Sohn der Herrin. Doch es war ein zweischneidiges Schwert, denn es bedeutete auch, dass er Erwartungen erfüllen musste, denen er, das wusste er, niemals gerecht werden konnte. Aber er war Kind genug, um es immer wieder zu versuchen. SIE sollte doch zufrieden mit ihm sein. Jedoch schien jedes Scheitern ihn weiter von IHR zu entfernen. Was er auch tat, es schien nie gut genug zu sein in IHREN Augen. Oder wichtig genug. Er war eben nur ein kleiner Junge.


    Seine Blicke glitten über das Wasser des Sees und blieben an dem dichten Nebel, der Avalon weiträumig umgab und schützte, hängen. Dahinter lag die äußere Welt, eine Welt in der es anders war, wo kleine Jungen große Abenteuer bestehen und zu Helden werden konnten. Irgendwann würde er dort hingehen und dann würde er gegen einen Drachen kämpfen. Und er würde das Herz der Bestie in den Händen halten und es IHR zu Füßen legen, und SIE würde lächeln und sagen …


    „Galahad!“, riss die Stimme der alten Priesterin ihn aus seinem Tagtraum. Das Drachenherz wurde wieder zur Harfe und der mutige Ritter in strahlender Rüstung zum kleinen Jungen in grüner Brouche und weißer Tunika, die mit einem dünnen Lederband gegürtet war.

    „Verzeiht“, murmelte er und erneut griffen seine zierlichen Finger in die Saiten, erhob seine helle Stimme sich zum Lobe der Göttin. Doch bald schon drifteten seine Gedanken wieder ab.

    „Und sie kommen wirklich heute Abend an? Ganz sicher?“

    „Ja. Und die Herrin wird sehr unzufrieden mit dir sein, wenn sie erfährt, dass du die Göttin mit deiner Unaufmerksamkeit beleidigt hast.“


    Galahad erbleichte und versuchte, sich einzig und allein auf das Instrument auf seinem Schoss zu konzentrieren. Welch unerträglicher Gedanke, seine Mutter und Herrin zu enttäuschen! Wieder und wieder mühte er sich, die komplizierte Melodie fehlerfrei zu spielen, doch die gerunzelte Stirn der Priesterin, die ihn lehrte, zeigte ihm, dass er immer noch zu oft danebengriff. Seine Verzweiflung wuchs und mit ihr die Anspannung, bis schließlich eine der Saiten unter seinen Fingern riss. Erschrocken sah er auf. Die Priesterin öffnete bereits den Mund, um den Jungen scharf zurechtzuweisen, als hinter ihnen eine Stimme voller Freundlichkeit und Güte erklang:


    „Das war bereits sehr hübsch, Galahad. Du machst Fortschritte. Doch nun lege die Harfe beiseite. Deine Mutter wird bald eintreffen und bestimmt freut deine Base sich, wenn du sie mit einem kleinen Blumenstrauß begrüßt.“

    Die Priesterin hatte sich erhoben und verneigte sich vor dem Ehrwürdigen Merlin, wagte aber dennoch, ihm zu widersprechen:

    „Es ist der ausdrückliche Wunsch der Herrin …“

    „… dass unsere kleine Morgaine sich hier wohlfühlt und der Göttin mit Freuden dient. Und wie könnte man dieses besser beginnen, als dass man ihr schon im Moment ihres Ankommens zeigt, dass sie willkommen ist und sich über ihr Hiersein freut?! Nun lauf schon“, fügte er lächelnd an Galahad gewandt hinzu.


    Diese hier? Oder ist die da vielleicht schöner? Galahad konnte sich nicht entscheiden, welche Blumen er seinem Sträußchen noch hinzufügen sollte. Welche Blumen mochte seine Base überhaupt? Wenn er nun welche pflückte, die ihr nicht gefielen?

    Er wusste wenig über Morgaine, aber das hatte er begriffen: sie war etwas Besonderes. Sie war wichtig.

    Ein leises Seufzen entfuhr ihm. Es musste schön sein, wichtig und besonders zu sein. Freute er sich überhaupt auf seine Base? Sie war noch nicht einmal hier und doch machten alle solch ein Gewese um sie. Eins war ihm klar: war Morgaine erstmal auf Avalon, würde seine Mutter noch weniger Zeit für ihn haben. Und Morgaine selbst? Würde sie sich überhaupt um ihn kümmern? Nein, wahrscheinlich würde sie verächtlich auf ihn herabsehen. Er warf die Blumen weit von sich, weil sie plötzlich in seiner Hand zu brennen schienen. Er legte sich ins Gras, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und sah den Wolken zu, die im leichten Sommerwind über Avalon hinwegschwebten. Wenn er doch mit ihnen fliegen könnte! Er schloss die Augen und sah sich selbst auf einer Wolke sitzen, die ihn weit, weit fort brachte. Um ihn herum summten die Insekten, der Wind brachte die nah liegenden Getreidefelder zum Rascheln und über all dem lag das Zwitschern der Vögel. Die Stimme der Göttin, dachte Galahad schläfrig, sie spricht zu mir.


    Erst der Ruf einer Priesterin weckte ihn und er stand hastig auf, noch ganz benommen von Schlaf und Sommerhitze. Die Blumen, schoss es ihm erschrocken durch den Kopf. Schon im Rennen, riss er wahllos irgendwelche Blüten ab und lief zum Seeufer. Die Barke hatte bereits angelegt und soeben trat seine Mutter ans Ufer. So klein war sie und doch erschien sie ihm wie eine Riesin, als sie ihn nun mit unzufriedenem Blick musterte, wie er vor ihr stand, mit zerzausten Haaren, grasfleckiger Tunika und noch vom Schlaf verquollenen Augen. Sie sog scharf die Luft durch die Nase ein, was ihn ebenso traf, als hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen, wandte sich aber von ihm ab und half einem kleinen Mädchen aus der Barke.

    „So, Morgaine, mein Liebes, da sind wir. Dies ist dein neues Zuhause und ich hoffe, dass du hier sehr glücklich sein wirst.“


    Mit einer Mischung aus Neugier und Unbehagen musterte Galahad seine Base. Sie war schon fast so groß wie seine Mutter. Erschöpft sah sie aus und traurig. Als sie ihn bemerkte, presste sie für einen Augenblick die Lippen fest aufeinander und schaute über den See zurück.

    Sie mag mich nicht, dachte er. Na schön, dann mag ich sie auch nicht!

    Er konnte ja nicht wissen, dass sein Anblick sie an einen anderen kleinen Jungen erinnert hatte, den sie schmerzlich vermisste: ihren Bruder.


    Erst in diesem Moment der Enttäuschung, die ihn bitter in der Kehle würgte, merkte Galahad, wie sehr er sich tatsächlich auf seine Base gefreut hatte. Es gab hier zurzeit keine anderen Kinder, mit denen er spielen konnte und sie kam noch dazu aus der äußeren Welt und konnte bestimmt so viel darüber erzählen. Und nun wollte sie nicht einmal etwas von ihm wissen. Als sie sich wieder umdrehte, drückte er ihr einfach die Blumen in die Hand, verbeugte sich steif vor ihr und ging gemessenen Schrittes davon. So sah er nicht, dass Morgaine ihr Näschen tief in die Blüten steckte und ihren Duft einsog. Und er sah auch nicht das Lächeln, das dabei über ihr Gesicht ging. Es war das erste Lächeln, seit sie und Gwydion voneinander getrennt worden waren.


    Galahad war auf einen der Apfelbäume geklettert, so hoch, wie er nur konnte. Auf einem der Äste hatte er sich schließlich hingesetzt, den Rücken an den Stamm gelegt und die Beine eng an den Körper gezogen. Seine Arme umklammerten seine Knie. Immer wieder sah er hinüber zum Haus der Herrin. Es wurde schon dunkel und innen waren Lichter angezündet worden.

    Niemand kümmert sich um mich. Denen ist gar nicht aufgefallen, dass ich nicht da bin. Die müssen sich ja alle um Morgaine kümmern. Der Duft von frischem Brot drang in seine Nase und sein Magen knurrte. Er hatte seit dem Mittag nichts mehr gegessen. Schon streckte er seine Hand nach einem der unreifen Äpfel aus, als er zögerte.

    Nein, dann verhungere ich eben, dachte er trotzig, dann können die mich verbrennen und meine Asche in den See schmeißen. Dann sind die mich endlich los!

    Eine Träne lief ihm übers Gesicht.


    Das letzte Abendrot wurde von der Nacht verschluckt und der zunehmende Mond begann seine Reise über die Insel. Galahad rieb sich die brennenden Augen. Im Haus verlöschte das letzte Licht.

    Die können mich doch nicht wirklich die ganze Nacht hier draußen alleine lassen!

    Über ihm raschelte etwas in der Baumkrone und Galahad sah furchtsam nach oben. Er war noch nie allein so spät noch draußen gewesen. Die Äste der Apfelbäume, bei Tag so vertraut, wirkten in der Dunkelheit bedrohlich. Da, hatte sich da nicht gerade einer bewegt? Galahad blinzelte. Nein. Doch, da, jetzt wieder. Gierig streckten die Äste sich nach ihm aus, wie lange Arme mit dürren Fingern. Sie griffen nach ihm und wenn sie ihn hatten, würden sie ihn zerquetschen. Die dünnen Äste würden sich um seinen Hals legen und ihn erwürgen. Wieder raschelte es im Laub und Galahad stieß einen leisen Schrei aus und kletterte so schnell er konnte vom Baum. Sein Herz raste vor Angst. Sobald er den Boden erreicht hatte, rannte er um sein Leben. Erst als er das Haus der Herrin erreicht hatte und sich an die Türklinke klammerte, wagte er es, zurück zu den Bäumen zu sehen. Hatten sie ihn verfolgt? Er hatte das Gefühl, als seien sie näher gekommen. Schnell schlüpfte er ins Haus und verriegelte die Tür.


    Schwer atmend und noch immer mit verängstigt schlagendem Herzen suchte er sich seinen Weg durch das dunkle Haus. Als er die Schlafkammer seiner Mutter erreicht hatte, erstarrte er.

    Auf weiche Felle gebettet lag Morgaine neben seiner Mutter.

    Das ist nicht richtig, sie muss doch im Haus der Jungfrauen wohnen.

    Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich hasse sie!


    Morgaine hatte in der ungewohnten Umgebung noch nicht in den Schlaf gefunden. Unter halb geschlossenen Lidern beobachtete sie den kleinen Jungen. Was machte er hier im Haus? Tante Viviane hatte ihn nicht erwähnt und Morgaine hatte sich nicht getraut, nach ihm zu fragen. Auf jeden Fall war er niedlich, mit seinen braunen Löckchen. Und wie lieb es von ihm gewesen war, ihr Blumen zu schenken. Nie zuvor hatte jemand ihr Blumen geschenkt.

    Ihre Gedanken wanderten erneut zu Gwydion. Wo er jetzt wohl war? Ob er noch lange geweint hatte? Ging es ihm gut dort, wo er jetzt war, konnte er schlafen?


    Der kleine Junge stand noch immer in der Tür und starrte sie an. Morgaine setzte sich langsam auf. Sie wagte nicht zu sprechen, um ihre Tante nicht zu wecken. Vorsichtig streckte sie dem Kleinen ihre Hand entgegen, aber er drehte sich um und verschwand irgendwo in den Tiefen des Hauses. Morgaine seufzte leise und legte sich wieder hin. Gwydion, mein kleiner Bruder, wo bist du? Kannst du mich hören? Ich hab dich lieb. Ich hab dich so lieb.


    In seiner Kammer hatte Galahad sich auf seine Schlafstelle geworfen und sich die Decke über den Kopf gezogen. Er hatte sich noch nie so einsam und verlassen gefühlt. Der Hunger wühlte in seinem Magen und seine Mutter war einfach schlafen gegangen, ohne nach ihm zu fragen. Und neben ihr lag dieses schreckliche Mädchen. Das war zu viel und er begann leise zu weinen. Mit einem Mal, als er gerade wieder aufschluchzte, strich ihm jemand über den Kopf. Mutter! Du hast mich also doch nicht vergessen. Aber als er die Decke weggestrampelt hatte, erkannte er, dass es nicht seine Mutter war, die sich an sein Bett gesetzt hatte.


    Morgaine hatte das leise Weinen gehört und nach einem kurzen Blick zu ihrer Tante, die selbst jetzt weiterschlief, war sie aufgestanden und dem Klang des Weinens gefolgt, bis sie Galahad gefunden hatte. Ihr Herz zog sich schmerzlich zusammen, als sie daran dachte, dass irgendwo jetzt auch vielleicht Gwydion in einem fremden Bett lag und weinte. Wer tröstete ihn?

    Ohne zu überlegen, was sie tat, beugte Morgaine sich über den weinenden Jungen, zog ihn hoch in ihre Arme und hielt ihn fest. Sanft strich ihre Hand über sein dunkles Haar und den schmalen Rücken, leicht wiegte sie ihn, wie sie es so oft bei Gwydion getan hatte.


    Im ersten Moment war er starr in ihren Armen. Was tat sie denn da? So etwas war er überhaupt nicht gewöhnt. Sein erster Impuls war, sie wegzuschubsen, aber … irgendwie war das, was sie tat, schön. Langsam entspannte er sich und schließlich schmiegte er seinen Kopf an ihre Schulter. Das Schluchzen schüttelte ihn immer noch und er klammerte sich mit seinen dünnen Ärmchen an sie. Morgaine gab leise, beruhigende Laute von sich. Auch sie hatte Tränen in den Augen, aber gleichzeitig lächelte sie leicht. Hier war wieder ein kleiner Junge, den sie lieb haben und für den sie sorgen konnte!

    Moin!


    Ich hol die Geschichte mal zurück xD


    Dem Genre bist du wirklich gerecht geworden, ich hab mich köstlich amüsiert. Vor allem ist es dir gelungen, Sympathie und Mitgefühl für den bösen Hexenmeister zu wecken. Der Ärmste. Kein Kissen unterm Hintern und noch nicht mal vierlagiges Klopapier! Wie kann die Welt so grausam sein!


    Eine Stelle hat mich ein wenig irritiert:


    Wehmütig betrachtete er das überlebensgroße Wandgemälde seiner selbst, das, in einen stilvollen Mantel - natürlich schwarz - gehüllt, auf der Schädelpyramide erschlagener Feinde thronte.

    Mir ist klar, dass das Gemälde ihn im Mantel zeigt, aber die Formulierung klingt so, als sei das Gemälde selbst in einen Mantel gehüllt ...

    Das ist aber auch das Einzige, was ich zu meckern habe.

    Ich hatte sehr viel Vergnügen an deiner kleinen Geschichte!


    LG

    Tarani

    Fanfiktion zu dem Buch : "Die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley



    Kurzbeschreibung: Die Götter haben Lancelot ein schweres Schicksal auferlegt. In einer Welt, die sich wandelt, soll er für den alten Glauben kämpfen. Doch nicht alle Kämpfe werden mit dem Schwert geführt ...


    ab 18



    Prolog



    Lancelot erzählt:



    Zu meiner Zeit hat man mir viele Namen gegeben: Elfenpfeil, Lancelot, Feenritter, Vetter, Freund, Geliebter, Gemahl, Vater, Verräter, … einen Mann gab es, der mich Kleiner nannte. Ich habe es gehasst – und doch, nach seinem Tod habe ich dieses Wort aus seinem Mund vermisst.

    Doch der Name, den meine Mutter mir gab und unter dem ich die ersten Jahre meines Lebens verbrachte, lautet Galahad. Nur drei Menschen gab es, die mich auch später so nannten: meine Mutter, mein Vetter Gwydion, den man auch als Artus kennt, und meine Base, Morgaine le Fay.


    Ich war ein Kind der Großen Ehe, die meine Mutter Viviane, Hohepriesterin von Avalon, Herrin vom See, mit König Ban von Benwick vollzog, zu einem Zeitpunkt, da sie selbst sich bereits zu alt für ein Kind fühlte. War das einer der Gründe, warum wir uns nie wirklich nahestanden? War ich unerwünscht? Hatte sie bis zuletzt gehofft, dass die Vereinigung mit meinem Vater für sie ohne Folgen bleiben würde?


    Für mich war sie weniger Mutter als Göttin. Ich habe sie angebetet, sie gefürchtet, gehasst und geliebt. Wie sehr sehnte ich mich als Kind nach ihrer Aufmerksamkeit, danach, von ihr liebkost und geküsst zu werden, auf ihrem Schoss sitzen zu dürfen und ihrer Stimme zu lauschen, mit der sie mir eines der uralten Märchen erzählt. Doch so etwas gab es nicht für mich. Meine Mutter war die Stimme, die Verkörperung der Göttin, und die Göttin ist für alle Menschen da, niemals nur für einen alleine – nicht einmal für ihren eigenen Sohn. Und so war ich, auf einer Insel voll ernster Frauen, die niemals laut zu lachen schienen, einsam bis zu dem Tag, als die Herrin vom See von einem Besuch bei ihrer Schwester Igraine zurückkehrte und mit ihr ein kleines Mädchen nach Avalon kam.


    Ich wusste nicht viel über die Welt außerhalb Avalons. Manchmal schnappte ich ein paar Sätze von neu angekommenen Mädchen auf, die hier zur Priesterin ausgebildet werden sollten, oder der Merlin erzählte mir eine Geschichte von Drachen und heldenhaften Rittern, die gegen diese Ungetüme kämpften. Ritter, allein das Wort zerging auf meiner Zunge wie die süßen Kuchen, die ich manchmal stibitzte. Doch was es wirklich bedeutete, ein Ritter, ein Krieger zu sein, erschloss sich mir in diesen jungen Jahren noch nicht. Meine Tage vergingen in Stille und Gleichmaß, geprägt von Ritualen, alt wie die Zeit selbst. Wenn ich ihren Sinn oft auch nicht nachvollziehen konnte, so wusste ich doch, dass sie wichtig waren. Warum das so war, ahnte ich nicht. Dass ein anderer Gott dabei war, die alten Götter zu verdrängen, dass seine Priester und Krieger mit Feuer und Schwert unsere Heiligtümer zerstörten und die Menschen, die dem alten Glauben anhingen, verfolgten, mit Gewalt zwangen, zu diesem neuen Gott zu beten und den wahren Göttern abzuschwören, oder sie auch einfach töteten, konnte ich mir nicht einmal vorstellen. Ich hätte es wohl auch nicht geglaubt. Jahre später sollte ich all das Leid sehen, das die Christen über unser Land brachten im Namen ihres Gottes und ich sollte Zeuge werden, wie der, der die Menschen und Religionen einen sollte, zum Verräter wurde an meiner Heimat und meinen Göttern.


    Es war der Wunsch meiner Mutter und Herrin, dass ich Druide werden sollte. All ihre anderen Söhne – die Göttin hatte sie nie mit einer Tochter gesegnet – hatte sie in die äußere Welt zu Pflegefamilien gegeben. Ich als ihr jüngster und letzter Sohn sollte den Heiligen Inseln gehören. Doch so sehr ich die weisen Männer auch bewunderte, einer von ihnen zu sein, konnte ich mir schon als Kind nicht vorstellen. Mich drängte es hinaus, zu den Rittern und Drachen. Ein Held wollte ich sein, Abenteuer erleben, ein Teil jener aufregenden Welt werden. Mein Wunsch erfüllte sich, doch der Preis, den ich dafür zahlte, war hoch. Zu hoch vielleicht. Und ich wäre wohl an meinem eigenen Schicksal zerbrochen, hätte es nicht einen Menschen gegeben, der mir Halt und Zuflucht war, Heimat und Teil meiner selbst.


    Morgaine … meine liebe kleine Feenprinzessin. Was gäbe ich nicht, um noch einmal mit dir im Abendsonnenschein auf unserem Apfelbaum zu sitzen, die Arme umeinander gelegt, mein Kopf an deiner Schulter ruhend. Niemals war Liebe so unschuldig und rein wie in diesen Tagen. Viel zu schnell vergingen sie und was danach kam …

    Oh, ich kenne die Geschichten, die man sich über mich erzählt. Sir Lancelot of the lake – Liebhaber der Königin, der Gemahlin meines Vetters und besten Freundes. Und doch, so munkelt man bis heute, soll es tatsächlich Artus gewesen sein, den ich liebte und begehrte und dem ich durch das Beisammensein mit seiner Gemahlin nahe sein konnte.

    Ja, ich liebte Frauen und Männer. Und ich ließ mich von Frauen und Männern lieben. Ich benutzte sie und ließ mich von ihnen benutzen. Gwenhwyfar und Artus … Es war anders, als erzählt wird. Ganz anders. Ich bin Galahad, Ritter im Dienste der Göttin, und dies ist meine Geschichte.







    Moin, Der Wanderer!


    Joah, als später noch Robin Hood auftauchte und die ganze Bande "Polonaise Blankenese" singend durch die Gegend gezogen ist, hätte ich es auch beinahe aus dem Fenster geworfen. Aber letztendlich: es gibt Tage, da liebe ich so flaches Zeug und das war wohl so einer. Letztendlich hat die ganze Geschichte von vorn bis hinten nicht das geringste mit Avalon zu tun, nicht ein einziger Chara aus der Artus-Sage kommt vor. Aber die Idee, im Mittelalter die Pille erfunden zu haben, fand ich schon interessant.

    Rewa: Ich hab mich ungeschickt ausgedrückt, entschuldige. Ich meinte, dass ich an das EDDA-Niveau nicht heranreiche. Ich kann nicht kopieren, ich hab meinen ganz eigenen Stil. Und solche Stilarten nachzuahmen, gelingt mir einfach nicht. Das ist dann iwie nicht "mein" Text, wenn du verstehst, was ich meine.

    Ob mein eigener Stil gut oder schlecht ist, darüber sollen sich die Gelehrten streiten xD