Beiträge von epochAal

    Danke für den echt guten Input.


    Also grundlegend halte ich mal für mich fest, dass die Urteilsverkündung als solche eher dramatisch-erzählerischen Ursprungs ist. :) Was ich auch so unterschreibe, weil ohne, würde etwas meiner Szene fehlen und sie vom Tempo seltsam machen.


    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Verurteilte bei keinem öffentlichen Interesse irgendwann einfach aus ihrer Zelle gezogen wurden und man dann z.B. fünf Leute gleichzeitig gehängt hat, ohne von jedem die Sünden aufzuzählen.


    Gleichzeitig kann ich mir, wie von Moog erwähnt, nicht vorstellen, dass nie ein Urteil verkündet wurde. Gerade um als Druckmittel zu wirken, wird es sich gelegentlich angeboten haben, das Urteil in Verbindung mit der Straftat zu benennen. Und der Rest war dann Show don't tell, wenn der Kopf gerollt ist. :pupillen:


    Vermutlich wird dafür dann für die Verlesung aber einfach irgendwer abbestellt worden sein, der lesen konnte und die in die Hand gedrückt bekommen hat.


    Der Wanderer Das mit dem Herold war nochmal eine richtig gute Erklärung, das ich praktisch gut gebrauchen kann. Danke dafür.


    In der ersten und auch aktuellen Fassung habe ich mich in der Szene tatsächlich für den Herold entschieden. Wobei ich den Einwand von Moog durchaus berechtigt finde, aber gleichzeitig ist ein Herold vielleicht deswegen passend, weil er mit dem Urteil nichts zu tun hat und lediglich den Willen des Königs verkündet? Also für das Volk auch nicht zu kritisieren ist, weil er einfach seinen Job macht?

    Was bei mir in der Szene nicht ganz passen würde, weil der Herold sich durchaus in Rage redet. Aber so random irgendeinen Adligen hinstellen, fände ich seltsam. Zumal eine Hinrichtung wegen Hochverrat in erster Linie eine Warnung an den Adel sein soll.

    Vielleicht ist es einfach ein schlechter Herold, der das mit der politischen Neutralität nicht so kapiert hat, aber genau deswegen vom König für die Aufgabe instrumentalisiert wurde. xD

    Sodele, wollte hier noch Danke fürs Feedback schreiben!


    Das ist ja mega positiv geworden. Ich werte das mal als, ich habe eure Anmerkungen soweit gut verstanden und passend umgesetzt. Freut mich echt sehr, dass sich das Tüfteln ausgezahlt hat.


    Tariq Ich hab deinen Punkt für das Script auf meinem Rechner auch noch mal aufgenommen und ihn mehr versuchen lassen, sein Problem anzumerken. Fand den Einwurf nämlich sehr berechtigt. xD


    Kirisha Uh, gruselig war gar nicht so die Absicht.

    Habe deine Anmerkungen bei mir ausgebessert und auch noch mal gut ein paar Wörter herausgestrichen. Aus "Auf diese komische Audienz" ist jetzt einfach "Auf diese Audienz" geworden. Das tut dem Text glaube ich allgemein besser, wenn ich nicht mit so vielen Adjektiven herumwerfe. :D



    Hier geht es ein Stück weiter. Bin noch nicht so 100% happy, habe ein bisschen das Gefühl, dass die Interaktion und die Dialoge zwischen den Figuren noch steif sind. Und die Beschreibungen sind safe auch ausgeartet, aber ich tue mir echt mit noch mehr Kürzen schwer. Freu mich wirklich über eine Einschätzung von euch.

    Kapitel 2

    Ich ließ mir beim Essen Zeit und unter dem strengen Blick des Hauptmanns, kam es mir bereits wie meine Henkersmahlzeit vor. Andererseits drohte mir wohl keine Hinrichtung, sondern der Willkür dieses Kerls ausgesetzt zu sein, der wie ein Möchtegern-Paladin herumlief. An seiner Hüfte baumelte sogar ein silber-glänzender Talisman mit der Rune für Licht. Aber ansonsten wirkte alles an ihm ziemlich stumpf und grau. Sein Schwertgriff sah abgewetzt aus und der Knauf war von beißendem Schweiß angelaufen. In seinen hellen Haaren schimmerte eine Spur von Pfeffer und Salz, aber deshalb wirkte er noch lange nicht alt. Denn im Grunde sah er nicht älter aus als vierzig – wie mürrische, hart gesottene, stählerne Vierzig.

    Die Tür ging auf und der Adlige, dem wir auf dem Gang begegnet waren, trat ein. Er sah erst zu Hauptmann Garbahn und dann zu mir.

    »Seine Hoheit empfängt Euch jetzt, Meister Neith.«

    Ich schluckte den Pfifferling herunter, den ich mir gerade in den Mund geschoben hatte. Meister war eine neue Betitelung. Also war ich wirklich irgendein höhergestellter Lakai? Machte das meine Verhandlungsposition besser oder schlechter?

    »Erklärt ihm einfach, was passiert ist«, sagte er aufmunternd, da er wohl die Sorge in meinem Blick erkannte. Er behandelte mich so vollkommen anders als der Hauptmann. Für einen guten Freund wirkte er jedoch zu distanziert. Für einen Vorgesetzten zu höflich.

    Mit dem Hauptmann im Nacken blieb mir keine große Wahl, als der Aufforderung folge zu leisten. Wider Erwarten wurde ich nicht in einen Thronsaal geführt, sondern in ein Arbeitszimmer.

    Ein Mann Ende dreißig stand hinter einem schweren Schreibtisch auf. Eine eiserne, schmucklose Krone auf dem Haupt. Rot-blonde Locken auf der Stirn und ein faustgroßer, dreieckiger Anhänger aus Gold um den Hals, der ihn als Mann des Glaubens auswies – wenn auch nicht einen bescheidenen. Er hatte breite Schultern, ein muskulöses Kinn und einen sehnigen Hals. Kurzum, er wirkte nicht wie ein Mann, der sich nur mit Reden begnügte, sondern es ohne Probleme mit Garbahn aufnehmen konnte.

    Ein Paladin in weißer Uniform und mit der Goldstickerei von Engelsflügeln auf der Brust stand in soldatischer Grundhaltung im Hintergrund. An der Hüfte kein Schwert, dafür eine Menge Talismane, die kurz meine Aufmerksamkeit einforderten. Einige davon hatten glühende Runen. Insgesamt ging von dem Mann ein seltsamer Druck aus – abstoßend, und gleichzeitig machte er mich einen Hauch neugierig.

    »Meister Neith«, grüßte mich König Allerik mit ruhiger und wohlklingender Stimme.

    Ich ließ mich auf ein Knie sinken und neigte den Kopf. »Eure Königliche Hoheit.«

    »Keine zu großen Formalitäten.« Er lächelte, doch es wirkte reserviert, während ich mich wieder erhob und nun etwas wenig formal den Kopf neigte. »Du scheinst die letzten Wochen ziemlich viel durchgemacht zu haben. Ich nehme an, dass du entsprechend Interessantes berichten kannst.«

    »Ihr sprecht von den Mortems, Eure Hoheit?« Ich hatte beim Essen unter Garbahns strengem Blick beschlossen, dass ich mich vorsichtig mit Fragen herantastete. So konnte ich hoffentlich am besten herausfinden, was für Möglichkeiten ich überhaupt noch hatte, um nicht im Kerker zu enden.

    »Es gibt noch andere Themen?«, fragte König Allerik mit zusammengezogenen Augenbrauen und trat um den Tisch herum. Er war wie der Hauptmann gut einen Kopf größer als ich und auch wenn ich es nicht gerne zugab, fühlte ich mich eingeschüchtert. Im Grunde zurecht. Ich war geliefert. Aber lobe nicht den Tag vor dem Abend, oder? Nein, das war ein wirklich falsch platziertes Sprichwort. Verdammt. Mein Kopf war wirklich Matsch.

    »Ihr wolltet Informationen …«, begann ich unsicher, stockte aber abrupt, als ich sah, wie sich eine Falte auf seiner Stirn bildete. »Ich meine, nicht nur Informationen«, änderte ich hastig die Richtung, in die ich mich vorantastete. »Ihr wolltet einen Mortem, Eure Hoheit.«

    Er ließ seinen Blick zu Garbahn an meiner Seite gleiten und dann zurück zu mir. »Ihr habt keinen auftreiben können, korrekt, Meister Neith?«

    »Noch nicht, Eure Hoheit.«

    Der Hauptmann neben mir verschränkte die Arme, wobei die Platten seiner Unterarmschienen übereinander knirschten. »Er ist nicht mal in Reichweite von einem, Majestät«, wandte er ein.

    »Lasst ihn doch erst mal ausreden«, fuhr Blondie ihn an. Der Hauptmann schwieg und blickte gelangweilt drein, als ob das hier die reinste Zeitverschwendung wäre.

    Eigentlich wäre es mir ganz lieb, wenn jemand anderes sprechen würde und überlegte fieberhaft, was ich zu meiner Verteidigung sagen konnte. Ich musste es einfach noch mal mit der Wahrheit versuchen, auch wenn das bei dem Hauptmann nicht sonderlich gut funktioniert hatte.

    »Meister Neith«, sagte König Allerik und rückte einen Ring mit schwerem Obsidian an seinem Zeigefinger zurecht, ohne seinen strengen Blick von mir zu lösen. »Ihr hattet von zehn Tagen gesprochen. Mittlerweile sind es zwanzig. Im Grunde ist mir das egal, solange es Fortschritte bei der Suche gibt. Ihr hattet große Töne gespuckt, eine beachtliche Vorauszahlung und eine Menge Zugeständnisse erhalten. Gebt mir irgendetwas, damit ich nicht den Eindruck gewinne, einen riesigen Fehler begangen zu haben.«

    Okay, krass. Mir war durchaus bewusst, dass es sich an Kultur und Zeit orientiert, aber trotzdem hätte ich damit gerechnet, dass es da ein allgemeines Amt für gab. xD So etwas wie Henker und Richter eben.

    Vermutlich macht es in einem europäischen Mittelalter Sinn, diese Person einfach als "Urteilsverkünder" zu betiteln oder eben dem Vogt zuzuordnen.


    Für ein bisschen konkreten Kontext zu meinem aktuellen "Problem":

    In der Szene, die ich gerade schreibe, geht es um eine öffentliche Hinrichtung mit politischer Bedeutung. Die Hinrichtung eines hohen Adligen wegen Hochverrats, allerdings soll der König selbst das Urteil nicht verkünden, sondern sich im Hintergrund halten.


    Gibt es vielleicht noch irgendwelche Beispiele aus dem antiken Rom? Öffentliche Hinrichtungen verbindet man ja nicht unbedingt mit dem römischen Reich. Also ich zumindest nicht. Eher Hinrichtungen im Militär (Dezimierung und sowas) oder eben die Gladiatorenspiele.

    Hey zusammen,


    das ist eine ziemlich explizite Frage und ich hoffe, dass hier jemand weiterhelfen kann.

    Wie nennt man die Person, die auf dem Schafott steht und die Anklage sowie das Urteil verkündet?

    Gibt es da vielleicht sogar eine spezielle Amtsbezeichnung?

    Ein Herold des Königs ist ja eher jemand, der neue Gesetze und dergleichen verkündet, oder?


    Ich suche seit Ewigkeiten eine Antwort auf diese Frage und bin gerade beim Schreiben wieder daran hängen geblieben.

    Freue mich sehr über euren Input!

    Ok, mit so einer Varianz habe ich überhaupt nicht gerechnet.

    Andererseits ist das Spektrum an Fantasy ja schon ziemlich weit.


    Ich lese nicht gern Krimis und will nicht wissen, was irgendwelche Psychopathen dazu treibt, Serienmorde zu begehen. (interessiert mich null).

    Geht mir genau so. Wobei ich glaube, dass es bei mir sogar weniger um Interesse geht, sondern absolut nicht unterhält und tendenziell sogar belastet. Das brauch ich abends vorm Einschlafen nicht. :)


    Ich bin in meiner Schulzeit dem Wahn verfallen, möglichst viel "gute" Literatur lesen zu sollen

    Hatte das eher nach der Schulzeit, weil ich mich in der Hinsicht nicht gut gebildet gefühlt hatte. So nach dem Motto, jeder hat über die Leiden des jungen Werther gesprochen, aber keiner hatte es gelesen. Wäre uns Literatur näher gebracht worden und vom System nicht so Rechtschreibfehlern herumgehakt worden, hätte ich sehr wahrscheinlich meine große Leidenschaft in einem Literatur- oder Sprachwissenschaftsstudium gefunden, statt ein bescheuertes Informatikstudium anzufangen. (Will nicht heißen, dass ein Informatikstudium bescheuert ist - für mich war es nur das dümmste, das ich hätte je angehen können xD)


    Die Welten basieren erschreckend oft auf schlechten 19Jhdt Klischees des Mittelalters,

    Ich weiß, dass mich das als Kind nie gestört hat oder besser gesagt, genau das wollte. Wobei ich sogar eher von 6. bis 15. Jahrhundert sprechen würde. Und wenn ich nicht gerade einen Sci-Fi Roman lese, stört mich sogar zu viel Fortschritt.

    Aber es hat mich auch erfrischend begeistert, als ich die Sturmlichtchroniken gelesen habe, so eine komplett andersartige Welt geliefert zu bekommen. Andererseits hat mich gestört, dass es irgendwann Uhren gab xD Ich weiß auch nicht, was ich da für ein Problem mit hab.


    Das Setting ist einfach schon bekannt (und immer London :ugly: )

    Wo du's gerade erwähnst ... verdammt, ich hab auch ne Urban Fantasy Geschichte und sie spielt in London :pupillen:


    Grundsätzlich gehe ich trotzdem in die Bibliothek und versuche ein Buch auszuwählen, ohne mir den Klappentext vorher durchzulesen.

    Das ist echt mutig xD


    Da verwaltet er halt Felder und Menschen statt Zahlen und Konten.

    Wobei, das geht ja schon so ein bisschen in Richtung historischer Roman oder historische Fantasy. Wenn so was mit gut recherchierten Details gespickt ist, begeistert mich das schon immer wieder. :D

    Mich würde sehr interessieren, mal allgemein so zu hören, wie das bei anderen ist.


    • Gibt es Themen, zu denen ihr automatisch immer wieder greift? (Hexen, nordische Mythologie, Drachen, Diebe, Ritter …)
    • Achtet ihr stark aufs Genre oder habt gemerkt, dass es eine Sparte gibt, die euch sehr gefällt? (Völkerfantasy, Grim Dark, Dystopie, Weird Fiction, Steampunk …)
    • Hat sich das in den Jahren bei euch geändert? Oder ist das sogar eine „Phasen“-Frage übers Jahr verteilt?


    Ich hab bei mir selbst, da eine sehr starke Veränderung gemerkt. Mit dreizehn musste es immer um Magie und Drachen gehen.

    Dann hatte ich so eine Pubertätsphase, wo ich nur Sachen über Assassinen und Diebe gelesen habe.

    In beiden Phasen aber ausschließlich High Fantasy – also es musste unbedingt Mittelaltersetting sein. Es gab damals eine einzige Urban Fantasy Reihe, die ich gelesen habe, und das war die absolute Ausnahme.


    Und mittlerweile kann ich gar nicht in genug verschiedene Subgenres eintauchen. Ich habe so das Gefühl, dass es nichts gibt, was mich nicht interessiert (wobei ich aber im Fantasy- und Sci-Fi Genre bleibe.) Mit klassischen Krimis kann ich bis heute nichts anfangen und langweile mich zu Tode. Ganz seltsam.


    Bin gespannt, ob ihr einen ähnlichen Interessenwandel durchlebt habt.

    Kirisha

    Hier wieder ein kurzes Feedback :D

    Kirisha

    Tariq


    Rebirz


    Alles klar, ich hab bei Part 2 alias #9 die Überarbeitung reingesetzt. Also dort ohne Überleitung, weil ich sonst glaube, ich einen neuen Thread aufmachen müsste, damit das nicht zu verwirrend wird.

    Hier Part 3 von Kapitel 1, das damit dieses Kapitel auch abschließt.
    Bin gespannt, ob es sich besser liest als die Teile zuvor.

    Es gibt Kleinigkeiten, die ich beibehalten habe. Zum Großteil habe ich versucht die Ich-Konsetaltionen herauszubekommen. Dialoge gelegentlich ein bisschen umgeschrieben. Ein paar Adjektive gekillt.
    Ist jetzt nicht komplett was anderes, aber ich meine, eine Spur besser. :) Seid aber ruhig rigoros ehrlich, falls es sich nicht anders liest.


    »Wohin bist du unterwegs?«, fragte er scharf.

    »Ist das wichtig?«, fragte ich mit einem Lächeln.

    »Ist es, Ratte.«

    Das klang nicht besonders nett. Der Kerl mochte mich irgendwie nicht. Aber Blondie hatte einen ziemlich respektvollen Ton mir gegenüber angeschlagen und da ich Bedienstete offenbar mit einer Litanei an Wünschen eindecken konnte, beschloss ich, meine Autorität auf die Probe zu stellen.

    Das Lächeln fiel von meinem Gesicht. »Geh mir aus dem Weg.«

    Garbahn sah mich überrascht an und lachte plötzlich, ohne, dass es eine Spur fröhlich klang. »Was bildest du kleiner Bastard dir eigentlich ein?«

    Verdammt. »Ich mein’s ernst«, knurrte ich. »Es gibt ein paar wichtige -«

    »Du hast Ergebnisse versprochen«, fuhr Garbahn mir über den Mund. »Und du wirst jetzt erst mal den Mist erklären, den du die letzten Wochen abgezogen hast. Deine ganzen anderen Anliegen sind mir sowas von egal.«

    Ich sah ihn herausfordernd an, doch merkte anhand seiner Haltung, dass ich mich mit ihm prügeln müsste, um mich durchzusetzen. Aber weder war ich in der besten körperlichen Verfassung, noch besonders scharf darauf, mich mit Fäusten einem Mann in Plattenrüstung entgegenzustellen. Der Kerl hatte nicht gerade ein Gesicht, das so aussah, als ob man ihn mit einem Schlag umhauen könnte.

    »Beweg dich, Neith.«

    Mit einem Schnauben wich ich vor ihm zurück. »Nur weil du’s so nett gesagt hast.«

    Wir gingen zurück die Treppen hoch und den Gang wie bei der Ankunft entlang. Zu unserer Linken standen in regelmäßigen Abständen Rüstungen und dazwischen hingen Gobelins an den Wänden. Sie zeigten vorwiegend barbrüstige Engel und Paladine im Kampf gegen Dämonen. Hauptmann Garbahn hielt den Blick starr gerade aus und seinen Schritt zügig.

    »Ich hab mir gerade etwas zu Essen bestellt«, erklärte ich, da in mir die Angst aufkam, dass er mich diesmal direkt zum König bringen könnte. Auf diese komische Audienz war ich so gar nicht vorbereitet. Weder emotional noch inhaltlich.

    »Das einzige Essen, das noch auf dich warten sollte, ist eine Henkersmahlzeit.«

    Meine Muskeln spannten sich an und unwillkürlich blickte ich den Gang zurück. Hatte ich noch genügend Kraftreserven, um vielleicht einfach wegzulaufen?

    »Denk nicht mal daran«, drohte er mir.

    Ein stumpfes Lächeln zeichnete sich auf meinem Gesicht ab. Der Kerl war sowas von nervig. »Ich wollte nur schauen, ob der Bursche schon mit dem Essen kommt. Der lässt sich ganz schön Zeit.«

    »Findest du nicht, dass deine Lage ein wenig zu ernst für Späße ist?«

    »Bekomme ich Zeit, um über eine Antwort nachzudenken?«

    Er wandte den Blick von mir ab.

    »Ich gebe euch Antworten«, erklärte ich in ernstem Ton. »Aber ich brauch wirklich Zeit und muss ein paar Sachen erledigen.« Zum Beispiel mein Gedächtnis wiederfinden. Ich seufzte. »Und ’ne Mütze voll Schlaf. Können wir das Gespräch mit seiner Hoheit nicht auf morgen verschieben? Du kannst das doch regeln, oder? Das wäre sicher im Interesse aller Beteiligten.«

    Sein Blick tastete mich ab. »Du hast viel zu viele Chancen versaut, die ich dir gegeben habe. Und offenbar kann ich dich nicht mal fünf Minuten in einem Zimmer lassen. Jedes Zugeständnis an dich ist verschwendetes Vertrauen.«

    »Ich hab das Gefühl«, entgegnete ich zerknirscht, »dass du ziemlich nachtragend bist.«

    Der Hauptmann packte mich unvermittelt am Kragen und drückte mich neben einem Goblin gegen die Wand. »Ich habe den König davor gewarnt, was für eine verlogene Ratte du bist«, zischte er. »Wir wissen beide, dass du immer nur auf deinen eigenen Vorteil aus bist und dir die Welt so zurechtbiegst, als ob du der Gute wärst. Aber heute wirst du für deine Betrügereien geradestehen, vorausgesetzt du kannst keine Ergebnisse vorweisen. Und wir beide wissen, dass du das nicht kannst.«

    Ich schluckte, da seine Augen nun abgrundtiefen Hass versprühten. Doch es ging mir eindeutig gegen den Strich, mich für etwas anklagen zu lassen, an das ich mich nicht einmal erinnerte.

    »Du bist Abschaum, Neith. Und ich verfluche mich, dass ich die Hoffnung gehegt hatte, dass du diesmal Verantwortung übernehmen würdest. Als ob dir einmal irgendetwas wichtig wäre und es dir nicht ums Geld gehen würde.«

    »Ich erinnere mich an nichts«, gab ich endlich kleinlaut zu. »Ich meine … Ich kann nicht sagen, was die letzten Wochen passiert ist.«

    Sein Griff spannte sich an. »Wenn ich hundert Pallat auf den Kopf gehauen hätte, wüsste ich auch nichts mehr.«

    »Ich mein es ernst«, entgegnete ich eindringlich. »Ich bin am Flussufer bei der Brücke aufgewacht und wusste nichts. Weder kann ich dir sagen, wie meine Kindheit ausgesehen hat, noch wie die letzten drei Wochen waren. Aber so wie es meinem Körper geht, scheint das eine echt beschissene Zeit gewesen zu sein. Zur Hölle, ich weiß nicht einmal, wer du bist, geschweige denn dieser Blondschopf von vorhin. Ich weiß nicht, wer ich bin, was ihr von mir wollt, oder was ich verbrochen haben soll!«

    Er sah eine Weile forschend in meine Augen und ließ schließlich meinen Kragen los.

    Ich atmete durch und richtete meine Weste.

    »Wenn ich nicht wüsste, was für ein verdammt guter Schauspieler du bist, hätte ich dir das eben vielleicht abgekauft.« Seine Stimme klang amüsiert, aber sein Blick blieb eiskalt.

    »Das war keine Schauspielerei!«

    Er zog die Nase hoch.

    »Verdammt noch mal, erklär mir doch nur ein einziges Mal, was hier los ist.«

    Er ließ seine Hand neben meinem Kopf gegen das Gemäuer einschlagen und sah mit einem perfiden Grinsen auf mich herab. »Die Situation ist die, dass du dem König erklären wirst, wo der Mortem ist, den du ihm versprochen hast. Darauf wirst du eingestehen, dass es diese Mortems überhaupt nicht gibt und dann, mein Freund, gehörst du mir.«

    Ich verzog das Gesicht. »Wir müssen aber nicht heiraten, oder?« Sein Grinsen wurde breiter, wobei, ehrlich gesagt, der Spruch gar nicht so lustig gewesen war.

    »Glaub mir«, zischte er. »Ich werde dich in eine klitzekleinen, modrigen Zelle stecken und dafür sorgen, dass du nur noch graues Gestein um dich hast, mit dem du bis in alle Ewigkeit deine dummen Sprüche teilen kannst.«

    Tariq

    Rebirz


    Der Wanderer


    Kirisha

    Okay Leute, es hat gedauert, aber hier ist die Karte.

    Sie ist ziemlich detailliert geworden ... Vielleicht auch ein bisschen groß. Andererseits passt es so vom angestrebten Fantasy-Setting schon ziemlich gut.
    In der Stadt selbst gibt es wenig Grünflächen, wobei es halt eine zugewucherte Stadt an Häusern sein soll, die so bisschen aus den Nähten platzt. Deshalb habe ich auch überlegt, ob sie sich stärker auch außerhalb der Stadtmauern ausbreiten sollte (z.B. bei den unteren Bleichwiesen). Aber vielleicht ist das auch etwas, das auf dem Zeitstrahl während der Handlung passiert.


    Das rote X beschreibt in der Karte lediglich den Aufenthaltsort meiner Hauptfigur. :)


    Ich hab mir sehr viel Mühe geben, wenngleich ich noch Dinge sehe, die ich ausschmücken und verbessern möchte.

    Aber fürs Erste find ich’s ganz geil.


    Vielleicht findet ihr es ja auch cool und ich freu mich in dem Sinne auch gerne über Kritik, wie ich Dinge noch aufwerten kann oder was ihr an eingezeichneten Orten vermisst. Freilich habe ich nicht alles hingeschrieben, was da ist. Ich denke, dergleichen wird auch davon abhängig sein, welche Handlungsorte im Roman relevant werden.


    Hi Kirisha,

    mir gefallen die Details, die du beschreibst, ziemlich gut. Dadurch hat das ganze noch mal einen ganz eigenen Reiz für mich, weshalb ich das sehr gerne lese.

    Zum letzten Post drei kleine Formulierungsanmerkungen:


    Hier geht es weiter:


    »Bei der Schöpfung, was ist mit Euch denn passiert?«, fragte ein junger Blondschopf. Er trug feinen Zwirn und seine Statur verriet verborgene, sehnige Kraft.

    Ich hatte das verschwommene Gefühl, dass ich ihn kannte. Aber mir war nach wie vor zu schlecht, um meine grauen Zellen anstrengen zu wollen. Ich wollte einfach nur in ein Bett.

    »Dieser Nichtsnutz hat sich mit meinen Wachen am Westtor geprügelt«, erklärte der Hauptmann an meiner Seite.

    Der junge Mann sah zu ihm und zog die Augenbrauen zusammen. »So wie ich Eure Männer kenne, haben sie die Schlägerei angefangen.«

    Ich grunzte.

    Blondschopf warf mir einen strengen Blick zu. »Ich hoffe, dass Ihr in dem Aufzug nicht vor den König treten wolltet.«

    Zum König? Was ging hier vor? War … das hier vielleicht eine Verwechslung? Bei der Verdammnis, ich konnte mich einfach an nichts erinnern!

    »Unfassbar«, stieß er aus. »Ihr werdet in eine Badewanne steigen, Euch angemessen kleiden und ich werde mich in der Zwischenzeit um eine Audienz für Euch bemühen. Ich denke, es gibt eine Menge zu besprechen und Ihr habe sicher viel zu erzählen, so wie Ihr ausseht.«

    »Ich finde, dass wir ihn genau so vor seine Majestät schleifen sollten«, wandte der Hauptmann ein.

    Der Blick des jungen Adligen wurde stechend. »Ihr findet das vielleicht amüsant, Hauptmann Garbahn, aber seine Majestät sicher nicht.« Er wandte sich mir wieder zu. »Bekommt diesen Dreck aus Euren Haaren, lasst Euch richtig einkleiden und dann erzählt Ihr uns in Ruhe, was vorgefallen ist.«

    »Ich fürchte, letzteres wird ziemlich schwierig«, gab ich vorsichtig zu.

    Der Hauptmann neben mir stieß ein trockenes Lachen aus. »Rühmst dich sonst damit, dass du dich überall herausreden kannst. Aber diesmal wird es schwierig, wie?« Mir entging die Selbstgefälligkeit auf seinen Gesichtszügen nicht.

    »Das Problem ist …« Beide spannten sich augenblicklich an. Das Wort Problem, schien etwas zu sein, dass sie ganz und gar nicht hören wollten. Sie würden mir an die Kehle gehen, wenn ich ihnen erklärte, dass ich mich weder an sie, noch an die letzten drei Wochen, geschweige denn irgendetwas außer meinen eigenen Namen erinnerte. Hastig räusperte ich mich. »Baden ist gut. Und dann reden wir.«


    Verflucht, was soll ich tun?, schimpfte ich innerlich. Das lauwarme Badewasser brannten in den Schnitten, die sich über meine Arme, Hände, Rücken, Oberschenkel – ach, verdammt, meinen ganzen Körper zogen. Ich war mit Hämatomen in allen möglichen Farben bedeckt, folglich stammten nicht alle von letzter Nacht. Gleichzeitig hatte ich nicht das Gefühl, dass ich aus dem Gröbsten heraus war, sondern verdammt tief in der Scheiße steckte. Vielleicht sollte ich mir eilig ein paar Klamotten überwerfen und die Biege machen. Warum sollte ich vor den König geschleift werden? Und warum musste ich erklären, wo ich die letzten Wochen gesteckt hatte?

    Sicher stehen wir in keiner familiären Beziehung, überlegte ich. Als königlicher Sohn oder Neffe hätten die Wachen mich erkannt. Und wenn ich so etwas wie einen Adelstitel besäße, hätten der Hauptmann und Blondschopf diesen sicher genutzt. War ich ein höhergestellter Lakai, der seine Pflichten vernachlässigt hatte?

    Ein Diener in einer blau-gelben Livree legte eine frische Kleidergarnitur für mich ab und platzierte dazu ein Paar Schuhe.

    »Wäre es möglich, etwas zu Essen zu bekommen?«, erkundigte ich mich, während ich aus dem trüben Wasser stieg und er mir ein Handtuch reichte.

    »Natürlich, Herr.« Der Diener legte die Hände in den Rücken. »Habt Ihr einen speziellen Wunsch?«

    Ich lächelte. »Frisches Brot mit Salzbutter wäre wundervoll.«

    Er nickte.

    »Und Ziegenkäse. Oh, und Datteln. Vielleicht auch ein paar in Essig eingelegte Pfifferlinge. Habt ihr Walnüsse in der Vorratskammer? Die, mit ein wenig Fischöl angebraten, wäre jetzt genau das richtige.«

    Er verzog nicht eine einzige Miene. »Ich werde nachsehen, was die Küche zu bieten hat, Herr.«

    »Und ein Krug Wein. Aber einen kalten aus dem Keller.«

    »Selbstredend, Herr.« Er schien noch einen Moment zu warten, ob ich etwas anfügen wollte, und verschwand dann mit einem Kopfneigen.

    Ich ließ das Handtuch fallen. Meine Haut sah schrecklich aus. Puterrot, ausgetrocknet und tat nach dem Baden mehr weh als zuvor.

    In einer Mischung aus Eile und Behutsamkeit streifte ich mir die Kleidung über, schlüpfte in die Schuhe und legte mir meinen Gürtel um. Dann trat ich an die Tür, öffnete sie einen Spalt und spähte auf den Gang. Da ich niemanden sehen oder hören konnte, schlüpfte ich nach draußen.

    In schnellen Schritten lief ich nach unten und versteckte mich vor einem Botenläufer hinter einer Statue, die eine eigene Mauernische hatte. Vermutlich hätte sich der Bote nicht für mich interessiert, aber es war mir lieber so, als jemand in die Arme zu laufen, der mich kannte und womöglich in ein Gespräch verwickelte. Ich erreichte gerade die Empfangshalle, als sich dort die Eingangstür öffnete.

    Hauptmann Garbahn stand mir jäh gegenüber.

    Hallo zusammen und Danke für eure coole Rückmeldung sowie das Aufzeigen der Fehler! :D


    Hallo in die Runde,

    das hier ist ein Sideprojekt für einen Roman. Will heißen, ich werde da nicht sonderlich schnell mit vorankommen. :)

    Aber ich habe die Geschichte bereits fertig geplottet und würde mich sehr über Feedback zum Einstieg freuen.

    Gerade bei den Figuren bin ich mir noch nicht sicher, ob sie sich zu sprunghaft lesen.

    Danke für eure ehrliche Meinung!

    Euer epochAal


    Kapitel 1

    Ich öffnete die Augen und vom Tageslicht geblendet, schloss ich sie mit einem Stöhnen wieder.

    Ich fühlte mich elend, aber wusste nicht so recht, warum. Hatte ich gestern zu viel getrunken? Ächzend drehte ich mich auf die Seite und blinzelte gegen das grelle Licht an.

    Mir tat alles schrecklich weh. Hatte ich mich geprügelt?

    Zwischen den Fingern spürte ich Kies und Schlamm und stellte fest, dass ich an einem Flussufer lag.

    »Scheiße«, knurrte ich und richtete mich mit zitternden Armen auf.

    Ich hatte mich noch nie so elend gefühlt. Zumindest … glaubte ich das.

    Denn desto mehr ich mich an irgendetwas zu erinnern versuchte, desto mehr wurde mir klar, dass ich mich an absolut nichts erinnerte.

    Doch!

    Da war eine Sache.

    Neith.

    Ein Name?

    Mein Name!

    Ich drückte meine Handflächen gegen meine hämmernden Schläfen und ein jämmerlich leidendes Stöhnen glitt über meine Lippen.

    Mir fehlte ein Stiefel. Mein großer Zeh zeigte sich durch einen löchrigen grauen Strumpf. Mit einem tiefen Atemzug löste ich meine Hände von meiner Stirn und machte eine Bestandsaufnahme. An meiner Hüfte war ein Gürtel mit zwei Täschchen. Eine Geldbörse, in der sich wider Erwarten Münzen befanden und ein schwarzer Schlüssel, auf den ich mir keinen Reim machen konnte. Das zweite Ledertäschchen konnte ich ausrollen und erblickte darin Dinge, die mir so gar nicht geheuer waren. Ein Set Dietriche, drei fingerhutgroße Glasfläschchen mit zäher Flüssigkeit, Nadeln, ein aufgeweichtes, verklebtes Stück Papier und einen Angelhaken.

    Ich saß eine Weile da und starrte die Sachen an.

    Meine Kehle brannte vor Durst. Mit einer Hand strich ich mir über das von der Sonne verbrannte Gesicht und stieß ein Zischen aus. Jedes Stück freie Haut an mir leuchtete Rot wie eine Garnele. Ich packte das Täschchen wieder an meinen Gürtel und stand humpelnd auf. Mein Fuß ohne Stiefel fühlte sich verstaucht an, aber es war nicht allzu schlimm. Missmutig sah ich das in der Sonne glitzernde Flusswasser an und biss mir auf die rissige Unterlippe. Eine mir unbegreifliche Angst hielt mich davon ab, ein paar Schritte in das flache Wasser zu treten und mit den Händen aus der Strömung zu schöpfen, um meinen elenden Durst zu stillen. Als ob das kühle Nass eine bedenkliche Gefahr darstellte. Statt mein Bedürfnis zu befriedigen, beschloss ich, dass es weiser war, diesem Gefühl zu vertrauen. Unwohl wandte ich den Blick ab. In der Nähe spannte sich eine steinerne Bogenbrücke über den Fluss, auf dessen Mauerbrüstung drei Angler saßen.

    Ich zog meinen verbliebenen Stiefel und die löchrigen Socken aus. Immerhin war es warm und ich fühlte mich weniger dämlich, ganz barfuß herumzulaufen, statt nur mit einem Stiefel.

    Während ich auf die drei Angler zukam, schielten sie skeptisch in meine Richtung.

    »He, in welcher Richtung liegt die nächste Stadt?«, erkundigte ich mich mit kratziger Kehle.

    Die älteren Männer mit der wettergegerbten Haut tauschten einen Blick aus.

    Der hagerste, und vermeintlich auch jüngste von ihnen, wandte sich mir zu. Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter. »Dre‘ Kilomedder Flussaufwährds lieschd Remmisch.«

    Ich zog die Stirn kraus. Der Mann hatte einen heftigen sindetter Dialekt. Warum zum Teufel war ich im Norden des Reiches? Ein Stechen durchzuckte meinen Kopf und ich kniff die Augen zusammen.

    Die Männer beäugten mich.

    Drei Kilometer mit einem gestauchten Fuß und meiner miserablen Verfassung klang nicht sehr erbaulich. Andererseits … wie war ich hier überhaupt gelandet?

    »Ehm … wir kennen uns nicht, oder?«, fragte ich die drei Männer wenig hoffnungsvoll.

    Sie sahen mich stumm an, als ob sie herausfinden wollten, ob ich gerade irgendeine Masche abzog.

    »Ich … Ich glaube, ich hatte eine harte Nacht und …« Sie wichen meinem Blick aus und ich konnte förmlich mitansehen, wie sich in ihrer Körperhaltung ihr Argwohn verdeutlichte. Ich stieß den Atem aus.

    »Ach, vergesst es. Danke für die Richtung.«

    Ich wandte mich ab und ging meiner Wege. Die brennende Sonne am Höhepunkt des Firmaments begleitete mich bei jedem müden Schritt. Zweifelsohne sah ich wie ein abgerissener Landstreicher aus, der Skepsis verdient hatte, aber ich hatte Geld. Ich brauchte neue Schuhe, etwas zu Essen und eine Mütze voll Schlaf in einem richtigen Bett. Dann würde mir schon mit der Zeit einfallen, was zur Hölle gestern passiert war.

    In der Ferne tauchten Wachtürme und Zinnen auf. Remmisch, wiederholte ich in Gedanken, als mir jäh ein Geistesblitz kam. Remming! Das war eine riesige Stadt im Norden und die Residenz von König Allerik III. Na, wenn’s da kein kaltes Bier gibt, dachte ich mit einem Grinsen, doch in dem Moment, in dem ich das Gesicht breit verzog, wurde mir der heftige Sonnenbrand darauf wieder bewusst. Ich ließ das Lächeln bleiben und verfluchte grummelnd die Sonne, der ich hilflos ausgeliefert war.

    An dem Tor mit Burggraben und Zugbrücke standen mehrere Wachen. Zwei von ihnen mit Hellebarde. Einer von ihnen rollte mit den Augen und trat mir in den Weg.

    »He, zieh Leine, Landstreicher.«

    Beschwichtigend hob ich die Hände. »Ich bin nicht zum Betteln hier. Ich …«

    »Ich hab gesagt, zieh Leine!« Er trat einen Schritt auf mich zu und stieß mir die Stange entgegen. In einem Reflex griff ich danach, machte einen Seitschritt, wobei ich ihm die Hellebarde erst gegen die Nase schlug und dann aus der Hand riss.

    Der andere Wächter stieß ein Fluchen aus und nahm seine Hellebarde in Angriffshaltung. »Lass die Waffe fallen!«

    Ich zögerte. Nicht, weil ich es auf einen Kampf abgesehen hatte, ich hatte nur keine Lust, mich aufspießen oder gar zerhacken zu lassen, wenn ich meine einzige Verteidigungsmöglichkeit sinken ließ.

    Bevor ich richtig wusste, was ich machen sollte, griff er mich an.

    »Warte«, stieß ich aus. Ich schlug seinen Angriff zur Seite, doch er nutzte den Schwung und stieß unvermittelt mit der stumpfen Unterseite der Stange nach oben. Ich stolperte zurück und presste die Zähne aufeinander, als ich dabei meinen gestauchten Fuß belastete. Der Wachmann setzte nach. Ein Schmerz schoss durch meine Finger, als er sie mit einer rückwärtigen Bewegung mit seiner Stange erwischte, und ich ließ die Hellebarde fallen. Dann traf mich das stumpfe Ende auf der Brust und drückte mir sämtliche Kraft aus den Lungen. Ich landete auf dem Rücken, japste nach Luft und wurde im nächsten Moment von zwei Männern gepackt. Keuchend lehnte ich mich dagegen auf und verpasste einem einen Ellbogen.

    Ein Arm schlang sich um meinen Hals und ich zog im letzten Moment das Kinn herunter, damit mir der Wachmann die Kehle nicht abdrücken konnte. Schwer atmend trat ich aus und versuchte mich erfolglos herauszuwinden. Auch wenn ich Verzweiflung in mir aufkommen spürte, so nahm ich in meinem Inneren einen Ausweg wahr. Wie eine Tür, nach der ich nur greifen musste. Mein Pulsschlag verlangsamte sich, ich streckte die Finger aus …

    »Was zur Hölle wird das hier?«, brüllte eine autoritäre Stimme.

    Scheppernde Schritte näherten sich uns und ich öffnete keuchend die Augen, während ich immer noch im Schwitzkasten festhing.

    »Der Landstreicher hat uns angegriffen, Hauptmann«, erklärte der Mann mit der Hellebarde, die er auf mich gerichtet hielt, während ihm Blut aus der Nase lief.

    »Der Bastard hat angefangen«, rief ich aus und bäumte mich wütend wieder gegen die zwei Kerle auf, die mich immer noch festhielten.

    »Neith?«, stieß der Hauptmann mit glänzendem Brustpanzer ungläubig aus.

    Ich verengte die Augen. Kenn ich den Kerl? Ein Schmerz fuhr durch meinen Kopf und ich zuckte zusammen. Zischend kniff ich die Augen zu und wartete hilflos darauf, dass das Pulsieren in meinen Schädel nachließ.

    »Lasst ihn verdammt noch mal los, ihr Idioten«, befahl der Hauptmann.

    Die Griffe lösten sich endlich und ich schnappte nach Luft. Der Mann über mir sah mit entsetztem Gesichtsausdruck auf mich herab.

    Ächzend drehte ich mich auf die Seite und drückte mich keuchend auf alle Viere. Übelkeit übermannte mich und ich spuckte saure Galle aus. Ich stieß mehrere Flüche aus, setzte mich schließlich nach hinten und zog zitternd die Knie an, wobei ich den schmerzenden Kopf hängen ließ. Der Hauptmann reichte mir eine Feldflasche. Es war zwar lauwarmes Wasser statt dem ersehnten, kalten Bier, aber besser als nichts. Ich spülte meinen Mund aus und trank drei große Schlücke.

    »Ich weiß, ich seh mies aus«, erklärte ich, als er mich mit gekräuselter Nase immer noch wortlos von oben herab musterte.

    »Mies?«, stieß er überraschend laut und von Zorn erfasst aus. »Du bist seit drei Wochen verschollen! Und jetzt tauchst du wie ein Penner vor den Stadttoren auf, um dich mit meinen Leuten zu prügeln.« Er riss mir die Flasche aus der Hand. »Es gibt Leute, die auf deine scheiß Kompetenz geschworen haben, und ich hoffe, dass du eine verdammt gute Erklärung für dein Auftreten hast.«

    Ich sah ihn unsicher an.

    Er wandte sich mit einem Kopfschütteln von mir ab und marschierte voraus. »Mitkommen.«


    Sensenbach Das mit dem Vertrauensvorschuss kenne ich, aber ich habe noch nie etwas von Glen Cook gelesen.

    Mit der Zeit entwickle ich mich zu einem Feind von "schwierigen" Texten. Natürlich kommt es auf das Genre an, aber Unterhaltungsliteratur sollte meiner Meinung nach gut zu verstehen sein. Alias ich habe manchmal den Eindruck, dass es Autorinnen und Autoren gibt, die sich so ausdrücken, als ob sie nicht verstanden werden wollen.

    Das Gefühl habe ich bei Glen Cook nicht. Es liest sich hingegen einfach extrem sprunghaft.


    Eegon2 Ja, auf der Warteliste ist wahrlich genug Lesestoff :D

    Ich hatte nur "The Black Company" auf einer der Toplisten von Fantasy und für Grim Dark in einem Reddit-Forum gelesen und dachte mir entsprechend, dass das etwas ist, das man mal gelesen haben sollte. Bis jetzt liest es sich aber für mich wie Zeitverschwendung, aber ich war mir nicht sicher, ob der magische Moment bis alles Klick macht, einfach noch kommt und ich durchhalten muss.


    Ich leg es jetzt erstmal auf die Seite. Vielleicht überfällt mich ein andern mal die Muse, es nochmal in die Hand zu nehmen :/

    Hi zusammen,

    ich habe mir "The Black Company" von Glen Cook geholt.

    Es lag Ewigkeiten in meiner Wunschliste. Jetzt hänge ich mitten im ersten Kapitel und frage mich, ob die Verwirrung anhalten wird.

    Kann jemand empfehlen, dranzubleiben und weiterzulesen? Oder bleibt das seltsame Hin- und Herspringen so? Oft bin ich mir nicht sicher, ob es Gegenwart oder Vergangenheit ist und dann springt es als von Ort zu Ort.

    Bis jetzt komme ich so gar nicht mit zurecht. :( Und dann lese ich vielleicht lieber etwas anderes.