Beiträge von Skadi

    „Aus dem Weg, aus dem Weg, aus dem Weg!!“, grölte Colin Moira und Gwen zu und hechtete hinter der Umkleide hervor, wenige Sekunden bevor zwei monströse, nachtschwarze Wölfe hinter dem Gebäude hervorpreschten und mit aggressiv gesträubtem Balg und entblößten Fängen gewaltbereit aufeinander los gingen. Massive Pfoten trampelten über den Boden und angsteinflößende, raue Drohlaute hallten lautstark quer über den ganzen Fußballplatz. Abby war außer sich vor Zorn. Schon immer war ihr Bruder größer und stärker als sie gewesen, doch angesichts der unberechenbaren Zerstörungswut ihrer blinden Rage vermochte selbst dieser Vorteil Scott nicht zu helfen. Sie sah rot; sie sah rot! Ohne Rücksicht auf seine oder ihre eigene Unversehrtheit fiel Abby Scott frontal an. Dieser schaffte es der Attacke auszuweichen, musste dafür aber er seinen sicheren Stand opfern und als Abby ihn augenblicklich erneut wutentbrannt ansprang, schmetterte die Wucht ihres Gewichts seinen Körper skrupellos in den Dreck. Sofort rammte Abby ihrem Bruder die Vorderpfoten auf die fellbedeckte Brust und nagelte ihn auf diese Weise fest. Da schlug Scott mit den Hinterbeinen aus, traf Abby mitten in den Bauch und stieß sie auf diese Weise rabiat von sich. Hart prallte sie auf dem Rasen auf und ihr Pelz scheuerte über das Gras; die Raserei unterdrückte jedoch jeglichen Schmerz, sodass Abby sich jäh aufrappelte und ehe Scott seinerseits auf die Pfoten gelangte, riss sie im Sprung ihr Maul auf und versenkte ihre Zähne in seiner Schulter. Scotts klägliches, schmerzerfülltes Jaulen zerschnitt daraufhin die Luft. Es wechselte zu einem gefährlichen Knurren, doch davon ließ sich Abby mit Sicherheit nicht einschüchtern, im Gegenteil! Je stärker die Gegenwehr ihres Bruders ausfiel, desto tiefer bohrten sich ihre Reißzähne in sein Fleisch hinein. Mit aller Kraft versuchte Scott seine Schwester abzuschütteln, schnappte nach ihr um einzig die Luft zu erwischen. Abby hatte sich gnadenlos in ihm festgebissen und unter ihrem Zwang beugte Scott unwillig die Läufe.

    „Abby, lass ihn los!“, hörte Abby Moira flehen und erfasste aus den Augenwinkeln heraus die Bewegung ihrer Freundinnen, die todesmutig auf die beiden Wölfe zueilten. Gwen rief ihr zu „Beruhige dich doch, Süße!“, wurde dabei aber von halb Hayes überbrüllt, der aufgebracht an seinen völlig überforderten, Maulaffen feilhaltenden Fußballspielern vorbei humpelte.

    „Dreifach gefickte Mutter Gottes, dreht jetzt etwa diese ganze flohverseuchte Sippe am Rad?!“

    Weder das Bitten noch das Betteln drang bis zu Abbys Vernunft hindurch, denn viel zu laut toste ihr der tobende Furor durch die Ohren. Dennoch spürte sie den plötzlichen Schmerz in ihrer Flanke. Aus Reflex fuhr Abby zu seiner Ursache herum und entließ Scott somit aus ihren Fängen; gleichzeitig drängte sich ein drittes Paar glühend gelber Augen zwischen sie und Scott und von unten schob Colin schützend den Kopf vor die Kehle seines Bruders. Knurrend schnappte der dritte Wolf nach Abby und scheuchte sie auf Abstand, tat sogleich dasselbe mit Scott und baute sich hernach zwischen den Geschwistern auf. Mit aufgestellter Rute und gebleckten Fang belegte er Abby und Scott mit einem warnenden Grollen.

    Auf ihrer Zunge schmeckte Abby Scotts Blut. Das brachte sie zurück zu Verstand.

    Wie eine rauschende Störung das Signal im Fernsehen, durchströmte ein taubes Kribbeln ihre Knochen. Dann fühlte sie einen Windhauch über ihre nackte Haut streichen und anstatt unter ihren Ballen, kitzelte das Gras Abbys Handflächen. Vollkommen menschlich stand sie auf.

    Wenngleich sie die Tobsucht auch befriedigt hatte – ihr Groll auf Scott vergiftete ihr nach wie vor das Gemüt und so starrte sie ihren ebenfalls zurückverwandelten Bruder verbittert an. Eine Hand auf die Bisswunde an seiner linken Schulter gepresst, erwiderte er ihren Blick.

    „Scott, ist alles in Ordnung?“ Moira lief an seine Seite und legte besorgt die Finger an seine Verletzung. Pah! Er durfte sich glücklich schätzen, dass Abby lediglich halbherzig zugebissen hatte! Verdient hätte er eine weit schlimmere Bestrafung; für die Lügen, die er so dreist über Kolja erzählte sowie seine Arroganz, über Abbys Leben bestimmen zu wollen.

    Nein, keinen Augenblick länger konnte Abby seine Gegenwart ertragen. Verächtlich kehrte sie Scott den Rücken zu und stapfte wortlos davon, vorbei an Hayes und seinen überforderten Spielern und vorbei an Gwen. „Schätzchen, jetzt warte doch mal!“, rief ihr ihre Freundin schlichtend nach, doch Abby fehlte jegliches Interesse an irgendwelchen Versöhnungsgesprächen, also lief sie trotzig weiter. Wohin war egal. Hauptsache so weit wie möglich weg von diesem Schuft, der rücksichtslos mit den Füßen auf Abbys Glück eintrat als wäre es nicht mehr denn der schäbige Ersatzball in einem seiner Fußballspiele.

    „Abby!“ Gwen folgte ihr. „Abby, Süße, willst du nicht wenigstens was anziehen? Meine Güte, jetzt rennt die Frau schon wieder vor mir weg!“

    Hallo KruemelKakao ^^


    Also tut mir leid, wenn ich es dir zu viel ist/wird :sack: But i can't! ~

    Nicht schlimm, im Gegenteil :blush: Ich möchte auch mal erfahren wie das ist, gehyped zu werden.

    Deswegen danke schön für deinen Kommentar und das viele Lob!


    Overall haben mir alle deine Parts so mega, mega gut gefallen :love: Ich hab die, die ich noch nachholen musste, gerade quasi einfach verschlugen. So ein toller Schreibstil einfach!!!

    :sack:


    Da hattest du mich!! :rofl: Ich hab mich echt erschrocken und musste dann lachen

    Hehe, gut dass das funktioniert hat :D Das war nämlich genau das, was ich mit dieser Einleitung erreichen wollte :rofl:


    Da sich aktuell die Multiposts häufen, überlege ich meinen Postingrythmus zu reduzieren. Statt ein oder zwei Mal die Woche nur noch alle 2 Wochen oder so (oder noch weniger?). Würde das etwas bringen, was meinst du? Oder sollte ich komplett pausieren? Bringt ja auch nichts, wenn ich den Thread zutapeziere ... .

    Abigail


    „Süße, jetzt flitz' doch nicht so! Meine Güte, dieser Fußballplatz ist wirklich nicht für High Heels geeignet.“

    Abby registrierte Gwens Klagen und unter normalen Umständen hätte sie auf die unpraktische Bekleidung ihrer Freundin Rücksicht genommen und ihren rasanten Gang verlangsamt – gerade blieb ihr dafür aber überhaupt keine Zeit!

    „Ich verstehe ja, dass du dir Sorgen machst“, redete der Sukkubus auf sie ein, „aber dort hineinzustürmen und deinen Bruder zu überfallen ist meiner Meinung nach nicht gerade der sinnvollste Weg um an Antworten zu kommen.“

    „Du verstehst das nicht, Gwen. Ich kann nicht mehr länger warten.“ Die Umkleideräume der Spieler erschienen in Abbys Sichtfeld und als befände sich darin ein Supermagnet für Wölfe, legten ihre Beine automatisch an Tempo zu. Auf das Gebäude fokussiert, hing Abby Gwen ab, stürmte an der verwirrten Moira und ihrer Kamera vorbei, warf die Tür zur Umkleide auf und rief hinein: „Was ist gestern passiert??“

    Statt einer Antwort dröhnte Abby der Protest einer ganzen Fußballmannschaft aufgescheuchter, halbnackter wie nackter Polymorphmännchen entgegen, wovon sich die Wölfin allerdings keineswegs irritieren ließ und schnurstracks zwischen den Männern hindurch auf ihren Bruder Scott zuhielt. Genau wie seine Mitspieler presste er vor Schreck ein wahlloses Stück Textil vor seinen unbedeckten Schritt und glotzte Abby dabei überrumpelt an. Sie wiederholte ihr Anliegen. „Sag mir bitte was gestern Vormittag im Pub passiert ist.“

    „Ey, spinnst du Abby? Das ist 'n Umkleide. Du kannst hier nicht einfach so reinplatzen“, wurde Abby von Colin getadelt, der zumindest in seine Trainingshose geschlüpft war, doch sie ignorierte ihn sowie das zustimmende Gemurmel der restlichen Spieler um sie herum und beharrte auf eine Erklärung von Scott.

    „Bitte Scott. Etwas ist vorgefallen aber niemand will mit mir darüber reden. Ich mache mir wirklich Sorgen! Kieran ist aus irgendeinem Grund so eingeschüchtert, dass er zusammenzuckt sobald dein Name fällt und Kolja ist sogar noch wortkarger als sonst. Nicht mal von Moira oder Colin bekomme ich eine Erklärung, weil beide die ganze Zeit die Verantwortung zwischen sich hin und her schieben und jedes Mal, wenn ich versuche Caomhin darauf anzusprechen, löst dieser sich in Luft auf!“

    Als der Name des Gespenstes fiel, huschten dessen Augen unangenehm berührt von links nach rechts, bevor es zum Beweis der Vorwürfe schwuppdiwupp verpuffte und lediglich ein Häufchen Sportbekleidung auf den Boden zurückließ. Abby deutete darauf. „Siehst du, was ich meine?“

    Ein paar der Spieler trollten sich aus der Umkleide, andere hingegen pochten auf ihr Hausrecht. „Könnt ihr das vielleicht draußen klären?!“, hisste der Dachs der Mannschaft die beiden Wölfe an, bekam allerdings ebenfalls keinerlei Beachtung geschenkt. Weder von Abby, noch von Scott.

    Ihr Bruder presste abschätzig Luft zwischen den Lippen hervor. „Was passiert ist? Diese osteuropäische Seuche bildet sich plötzlich Gefühle für dich ein. Das ist passiert.“

    'Osteuropäische Seuche'? Sprach Scott etwa von Kolja? Oh! Ohh! „Kolja hat dir von uns erzählt?“ Vor Freude darüber, dass ihr Bär ihre Beziehung endlich offiziell gemacht hatte, schlug Abby ihre Hände zusammen. Wie wundervoll! Vorbei war es mit dieser lästigen Zurückhaltung in der Öffentlichkeit und vorbei war es mit der Geheimniskrämerei sowie der vorsichtigen Wortwahl in Scotts Gegenwart. Schieres Glück kitzelte Abby von innen heraus den Bauch und der Wunsch, ganz dringend jemanden zu umarmen, sprudelte durch ihre Muskeln. Schon erkor sie Scott als die Zielperson ihres Freudentaumels aus.

    Doch Abby stockte.

    Was … was verzog ihr Bruder denn so finster das Gesicht? „Du freust dich gar nicht?“

    „Freuen?!“, spie Scott ihr angewidert vor die Füße. „Der Typ ist ein Drecksack! Ich hab' den Mistkerl für meinen Freund gehalten und was macht er? Vergreift sich hinter meinem Rücken an meiner kleinen Schwester und hat dann noch nicht mal die Eier in der Hose dazu zustehen, sondern schwafelt irgendwelche Lügen daher, du hättest dich ihm an den Hals geworfen.“

    Um Himmels Willen! Welche Reden führte Scott denn da bloß über seinen Freund? Bestürzt versicherte sie ihrem Bruder: „Kolja hat sich nicht an mir vergriffen. Scott du weißt doch, dass so ein Verhalten überhaupt nicht zu ihm passt. Außerdem sagt er die Wahrheit. Ich war diejenige, die auf ihn zugegangen ist!“ Und die Götter wussten, welche Mühen es ihr abverlangt hatte, Kolja aus seiner Schale zu locken.

    Scott blockte jedoch jegliches Zureden ab. „Hat dich der Penner schon so um den Finger gewickelt? Wie blöd bist du eigentlich, dass du das ernsthaft glaubst? Als ob du einen erwachsenen Mann flachlegen könntest.“

    „Wie bitte?“ Was sollte das denn jetzt bedeuten?

    Er warf das Stück Stoff auf die Umkleidebank hinter ihm, verschränkte die Arme und schlug alsdann einen autoritären Tonfall an, der Abby gehörig gegen den Strich ging. „Aber mit diesen ganzen Hirngespinsten von wegen Beziehung zwischen euch ist jetzt sowieso Schluss, weil du den Pisser nie wieder sehen wirst.“

    Was?! Das meinte Scott unmöglich ernst! „Du kannst mir nicht verbieten mit wem ich mich treffe!“, entgegnete Abby ihm erbost. Was erlaubte sich Scott eigentlich?!

    Keinen Widerspruch duldend, erhob er ebenso die Stimme. „Und ob ich das kann! Du bist meine kleine Schwester also hast du gefälligst zu spuren wenn ich dir etwas befehle. Ab sofort hältst du dich von ihm fern, kapiert?!“

    Nein, das kapierte Abby keineswegs! „Scott, ich liebe Kolja und Kolja liebt mich und ich werde ihn ganz bestimmt niemals aufgeben, nur weil du dich wie ein tobsüchtiger Despot aufführst!“ Kolja und sie gehörten jetzt zueinander und egal ob es ihm gefiel oder nicht, Scott hatte sich damit zu arrangieren. Punkt!

    „Ach bitte!“, spuckte er ihr seine Abscheu regelrecht ins Gesicht. „Du liebst den Kerl nicht! Du weißt ja nicht mal, was das überhaupt bedeutet. Deine kitschigen Romantikschnulzen haben dir so das Hirn zermatscht, dass du den erstbesten Penner für deine große Liebe hältst und dieser Scheißkerl Kolja nutzt das natürlich sofort aus, um dir mit seinen dreckigen Pfoten an die Wäsche zu gehen. Die Sache zwischen euch ist vorbei und das ist mein allerletztes Wort!“

    Abby begann zu zittern.

    Sie spürte das Zittern ihrer Lippen, das Zittern in ihren Muskeln und vor allem das in ihren Fäusten. Wie … wie konnte sich Scott bloß erdreisten ihre Gefühle für Kolja so in den Dreck zu ziehen?! Wer gab ihm das Recht darüber zu entscheiden, wem Abby ihr Herz schenkte?! Längst war die wonnige Wärme von eben aus ihrem Bauch vertrieben worden und dafür brodelte nun heiße Wut darin, ätzend und widerwärtig als hätte man Abby Säure in den Körper gepumpt. Oh, dieser anmaßende ...!

    Auf einmal fasste sie jemand an der Schulter; schon wieder dieser Dachs! „Schreit euch gefälligst draußen an“, verlangte er und obwohl den armen Mann keinerlei Schuld traf, entlud Abby ihren Zorn über ihn wie ein eruptiver Vulkan.

    „VERSCHWINDE!“ Sie riss den Kopf zu ihm herum und vor Schock über die zugegeben viel heftige Reaktion verrutschte Scotts Teamkameraden glatt die Brille auf der Nase. Ein gelbes Schwelen spiegelte sich in den Gläsern. Sofort tat der Dachs wie befohlen und stolperte gemeinsam mit dem Rest der noch anwesenden Spieler fluchtartig auf den Platz hinaus, sodass Abby mit Colin und Scott allein zurückblieb. So nahm sie ihren Bruder in den Fokus. „Hinsetzen“, zischte sie Scott an, doch der rümpfte widerwillig die Nase und peitschte Abbys Rage somit zusätzlich an. Colin schien das zu erkennen und schritt dazwischen.

    „Jetzt reißt euch beide mal zusammen, ja? Ihr-... .“

    „HINSETZEN HABE ICH GESAGT!“

    Synchron platzierten Scott und Colin ihre vier Buchstaben daraufhin auf der Bank. Mit großen Augen und offenstehenden Mäulern gafften sie ihre Schwester von unten an und Abby kämpfte um ihre Contenance, den beiden nicht auf der Stelle … was auch immer anzutun. „Ich habe dich immer unterstützt, Scott“, rief sie ihrem Bruder in Erinnerung und musste die Worte beinahe hervorwürgen, da der Ärger ihr so sehr das Zwerchfell abschnürte. „Und ich habe nie irgendwelche Vorurteile gegen dich oder Hazel aufkommen lassen. Ich habe dich verteidigt, wenn andere darüber gelästert haben wieso du dir keine Wölfin suchst und ich habe dich verteidigt, wenn sie darüber spotteten was Hazel nur an dir finden könnte. Wann immer du wegen Hazel irrational geworden bist, habe ich dir Verständnis und Mitgefühl entgegengebracht und an andere appelliert, dieselbe Nachsicht mit dir zu zeigen. Zu keinem Zeitpunkt ist mir je ein schlechtes Wort über euch beide über die Lippen gekommen und niemals habe ich den Wert eurer Beziehung angezweifelt. Doch genau das tust du Kolja und mir an. Wie kannst du nur?!“

    „Der Schei-... .“

    „Sei ruhig!“, platzte sie Scott ins Wort. Jetzt sprach Abby! „Du bist mein Bruder! Du solltest für mich da sein und dir sollte etwas an meinem Glück liegen. Stattdessen trampelst du auf auf meinen Gefühlen herum und verunglimpfst meinen Freund. Ist es das, was Geschwisterliebe für dich bedeutet?! Respektlosigkeit und Intoleranz? Ich habe geglaubt, dass du meine Situation nachvollziehen kannst, da Kolja genau wie Hazel kein Wolfpoly ist. Es hätte uns alle enger zusammenschweißen können aber dir ist es ja offenbar lieber einen Keil zwischen uns zu treiben. Stell dir vor, jemand würde dir verbieten mit Hazel zusammen zu sein, genauso wie du mir meine Beziehung zu Kolja verbieten willst. Sag mir, Scott. Wie fühlt sich diese Vorstellung für dich an?!“

    An dem überforderten Ausdruck in seinem Gesicht erkannte Abby, dass Scotts Gehirn hoffnungslos überlastet war und wie in vielen dieser Momente reagierte er auf ein und dieselbe Art: mit Aggressionen. Er bleckte grimmig Zähne. „Hätte Kolja n-... .“

    „Fang noch einmal damit an Kolja irgendetwas zu unterstellen und ich wähle auf der Stelle Hazels Nummer, um ihr alles zu petzen!“ Prompt klappte Scott den Kiefer zu und Abby hörte, wie sogar Colin ob dieser Drohung schwer schlucken musste. Richtig. Ihr anderer großer Bruder existierte ebenfalls noch. Abby richtete ihr strafendes Augenmerk auf den jüngeren der beiden Rüden, dessen Kopf vor Furcht fast zwischen den Schultern verschwand. „Und was dich betrifft …“, setzte sie an und musterte Colin dabei von oben herab. „Geh endlich zu Moira und mach mit ihr reinen Tisch, damit ich dir gegenüber meinen Standpunkt klarmachen kann!“

    „Aber ich hab' doch gar nichts getan!“

    „DANN GEH!“

    Das ließ sich Colin kein zweites Mal sagen, denn er sprang umgehend auf und eilte hurtig nach draußen. Zurück zu Scott. „Ich hatte das Glück einen Mann zu treffen, der gute Manieren hat, höflich ist, ehrlich, verantwortungsbewusst, treu, zuverlässig, klug und außerdem optisch genau mein Typ“, zählte Abby ihm mithilfe ihrer Finger all die wunderbaren Eigenschaften von Kolja auf. „Und er ist auch noch dein Freund! Du solltest vor Begeisterung Luftsprünge machen, dass ich mich in jemanden verliebt habe, von dem du selbst eine so große Meinung hast. Zwei Personen, die dir am Herzen liegen haben miteinander ihr Glück gefunden! Wieso kannst du dich nicht einfach darüber freuen?!“

    Da erhob sich Scott und baute sich vor ihr auf; der Größenunterschied zwischen ihnen beiden vermochte Abby jedoch keinen Respekt einzuflößen, weshalb sie ihrem Bruder trotzig in die Augen starrte indes dieser sie zwischen gefletschten Zähnen anschnaubte: „Hätte ich gewusst, was für ein beschissener Drecksack dieser sogenannte Freund in Wirklichkeit ist, hätte ich ihm schon viel früher seinen hässlichen Arsch aufgerissen.“

    Er … er … !

    Fassungslos durchbohrte Abby Scott mit ihrem Blick. Jeglicher Versuch einen artikulierten Laut hervorzubringen scheiterte kläglich, denn ihr Verstand wollte diese Ungerechtigkeit auf unmöglich als die Realität akzeptieren. Wie konnte Scott diese Gemeinheiten bloß wirklich so meinen?! Kolja war sein bester Freund! Oh, diese Uneinsichtigkeit. Diese Anmaßungen! Sie … Scott … er war so … und er... !!

    Die Wut in ihrem Bauch kochte hoch und transmutierte zu purem Zorn, welcher siedend aus Abbys Mund hervorsprudeln und sich auf Scott stürzen wollte, um ihn mit seinen sinnbildlichen Krallen zu zerfleischen. Aber ob Abbys Unfähigkeit ihre Emotionen in Form von Worten auf ihren Bruder loszulassen, brachen sie auf ihre eigene Weise hervor.

    Ein tiefes Grollen erklomm ihre Stimmbänder.

    Scott kniff gereizt die Augen zusammen. „Knurrst du mich etwa an?!“, verlangte er zu erfahren und Abby spürte die Reißzähne, die sich aus ihrem Gebiss hervor über ihre Lippen schoben.

    Ihre Stimme klang heiser.

    „Ja!“



    nächster Teil

    Er tat gut daran am Vormittag hier aufzukreuzen, anderenfalls müsste Kolja den minderjährigen Wolf nämlich vor die Tür setzen. Als wäre er im tiefsten Wald ausgesetzt worden, sondierte Kieran orientierungslos das Innere des Pubs und Kolja musste zugeben, dass er vor der Kulisse einer Kneipe irgendwie verloren wirkte. „Kieran“, rief Kolja nach ihm und legte dem jüngsten Fitzpatrick-Spross auf diese Weise die sinnbildliche Spur aus Brotkrumen aus, die ihn aus dem Unterholz führte. Als Kieran den Bären infolgedessen am Tresen entdeckte, lief er direkt auf ihn zu. „Hey Kol!“

    Sogleich forderte Kolja von ihm erfahren: „Was machst du hier?“ Teenager zählten nämlich keinesfalls zu den üblichen Gästen im Tír na nÓg.

    „Abby hat mich gebeten, dir in meiner Freistunde deine Brille vorbeizubringen“, begründete Kieran seine Anwesenheit und holte tatsächlich Koljas Etui aus seiner Schultasche hervor, um es ihm in die Hand zu drücken. „Du hast sie gestern Abend bei uns liegen lassen.“

    Dafür war Kieran extra von der Schule hierhergelaufen? Kolja hatte das Fehlen seiner Sehhilfe ja noch nicht einmal bemerkt. „Danke. Aber es hätte gereicht, wenn Abby sie mir bei unserem nächsten Treffen gegeben hätte.“

    Mit einem Schulterzucken meinte Kieran: „Ich weiß. Das habe ich Abby auch gesagt aber sie hat darauf bestanden, dass du sie heute noch wiederbekommst. Vielleicht hat sie ja Angst, dass du ohne deine Brille mit der falschen Frau nachhause gehst.“ Er lachte über seinen eigenen Scherz. „Stell dir das mal vor. Du willst eigentlich Abby küssen, aber anstatt mit meiner Schwester knutscht du aus Versehen mit einer Fremden rum.“

    „WAS MACHT DER SCHEIßKERL?!“

    Plötzlich donnerte hinter Kolja eine Stimme los. Erschrocken fuhren Kieran und er zum Ursprung des Krachs herum und dann verlor Koljas Gesicht schlagartig jede Farbe.

    Scott!

    Aufgebracht – nein –, zornig starrte er Kolja in Grund und Boden - die Muskeln zum Zerreißen angespannt und praktisch auf den Sprung, seinem Freund an die Kehle zu gehen. Er war doch eben noch-...! Woher-...?! „DU DRECKSACK VERGREIFST DICH AN MEINER SCHWESTER?!“, brüllte Scott den ganzen Pub zusammen und aus lauter Angst vor dem wütenden Wolf wich Kieran mit eingezogenem Haupt zurück. Gleichzeitig schlugen auch Koljas Instinkte Alarm und rüttelten und zerrten angesichts der Bedrohung durch ein anderes Raubtier an den Gitterstäben seiner Beherrschung herum.

    Um Scott zu beschwichtigen – oder ihn im Notfall abzuwehren – hob Kolja langsam die Hände vor die Brust. „Lass mich das erklären“, versuchte er die Situation zu entschärfen und obgleich Kolja um eine ruhige Wortwahl kämpfte, spürte er das Zittern in seinen Stimmbändern, als würden ihnen wegen Scotts Aggressionen die imaginären Knie schlottern. Jedoch wühlte keine Furcht Kolja so auf. „Ich wollte dir das schon viel eher sagen. Abby ist meine Freundin.“

    „Laber' keine Scheiße!!“

    „Scott, es hat sich einfach so entwickelt. Ich spiele nicht mit ihr, das schwöre ich. Es ist uns beiden erst miteinander.“ Hier ging es um Abbys persönliches Glück mit Kolja; dieses Argument musste etwas bei Scott bewirken!

    Doch das tat es kein Bisschen. Stattdessen unterjochte die Wut jegliche Vernunft. Einzig Scotts langsamer Denkprozess rettete den Bären davor, von dem Wolf angefallen zu werden, denn vorher drängten sich aus dem Nichts rechtzeitig Moira und Colin zwischen die Fronten. Bestürzt verlangte die Banshee sofortige Aufklärung. „Was ist los?“

    „Der Pisser da hat sich an Abby rangemacht!“, wurde sie von Scott angebellt, der in einer angewiderten Geste seine Hand in Koljas Richtung schleuderte. Aber so war das gar nicht! Nie hatte Kolja Abby in irgendeiner Weise bedrängt. Ganz im Gegenteil.

    „Sie hat sich an mich rangemacht.“

    Daraufhin durchfuhr ein Ruck Scotts Körper und fast hätte er sich allen Ernstes auf Kolja gestürzt, wenn die beiden anderen ihn nicht augenblicklich gestoppt hätten - Moira, indem sie auf Scott einredete und Colin mittels eines kräftigen Stoßes gegen seine Brust. Über ihre Köpfe hinweg spie Scott Kolja seine ganze Aversion entgegen. „Du bist ein verschissener Verräter! Ich hab' dir meine Schwester anvertraut und du Pestfetzen nutzt das rotzfrech aus und steigst hinten rum mit ihr in die Kiste?! Wenn ich gewusst hätte, was für ein notgeiles Stück Dreck du bist, hätte ich dich niemals in ihre Nähe gelassen!“

    Wie gelähmt stand Kolja seinem besten Freund gegenüber. Seine Feindseligkeit und all die Anschuldigungen zertrampelten ihm die Eingeweide wie die desaströse Stampede eines heranstürmenden Nashorns und Kolja befürchtete, Scott die Überreste seines Innenlebens jeden Moment vor die Füße zu kotzen. Dabei war es keineswegs der Steinschlag an Beleidigungen oder die Beschimpfungen, die Kolja so vernichtend zermalmten – sondern die Härte in Scotts Blick sowie die ungeheuchelte Abscheu, die Kolja bis zu diesem Zeitpunkt niemals hatte ertragen müssen. Kein noch so kläglicher Rest Zuneigung ließ sich in Scotts braunen Augen wiederfinden.

    Etwas ekelerregendes blockierte Kolja die Atemwege.

    Als ob ein Choleriker nicht reichen würde, flog auf einmal die Tür zum Büro auf und Hayes humpelte gereizt in den Schankraum. „Was zur verfickten Scheiße veranstaltet ihr hier für ein Theater?! Seid ihr völlig-....“ Der Kobold verstummte abrupt als er sah, um wen es sich bei den Streithähnen handelte. Ausgerechnet Scott und Kolja miteinander im Zwist vorzufinden verschlug ihm glatt die Sprache. „Was zur Hölle- …!“, presste Hayes verdutzt hervor, ehe Ärger die Konsternation in seiner Mimik ablöste und er Scott von der Seite anschnauzte. „Fitzpatrick, du gottverdammte Dreckstöle! Ich habe dich gewarnt: Wenn du noch einmal eine Schlägerei innerhalb der Belegschaft anzettelst, dann schmeiß ich dich hochkant raus!“

    „Nein, bitte nicht Mister Hayes! Es ist doch noch gar nicht zu einer Schlägerei gekommen!“, stand Moira eiligst für ihren Kindheitsfreund ein und wurde dafür von Hayes angefahren:

    „Dann sorge gefälligst dafür, dass es so bleibt, Kavanagh!“

    Überfordert flehte sie um Hilfe. „Colin!“

    „Reg dich mal ab, Scott. Du machst hier grade echt 'ne Szene.“ Colin packte seinen wutschnaubenden Bruder an der Schulter und bemühte sich, ihn trotz heftiger Gegenwehr aus dem Pub zu bugsieren. Dagegen fühlte sich Kolja in einem Alptraum gefangen. Die Realität schien an ihm vorbeizuziehen und Kolja blieb nichts anderes übrig, als machtlos zuzusehen wie alles um ihn herum eskalierte. Auf Scott und nur auf ihn fixiert, beobachtete der Bär ohnmächtig wie seinen Freund von Colin an ihm vorbei und bis zur Tür gezerrt wurde, hinter der er schlussendlich verschwand.

    Geräuschvoll fiel die Tür ins Schloss.

    Dadurch erwachte Kolja endlich.

    Ein Reflex Scott zu folgen schoss durch Koljas Glieder, da es sonst meist er war, der dem Wolf in solchen Situationen freundschaftlichen Beistand leistete. Zugleich lähmte ihm die Erkenntnis, keiner üblen Halluzination aufgesessen zu sein die Nerven, sodass Kolja versteinert und erschlagen an Ort und Stelle verharrte, als ob seine Beine bleischwer und kalt in das Fundament des Gebäudes einbetoniert worden waren. Hayes' Anweisung drang lediglich als fernes Echo zu Koljas durch. „Bring deine verdammte Schicht zu Ende und scher dich dann heim. Und wenn ich bis dahin einen Mucks von einen von euch beiden höre, könnt ihr euch gemeinsam neue Jobs suchen.“ Mit einem ungläubigen Kopfschütteln zog der Leprechaun ab. Dann spürte Kolja Moiras tröstende Berührung auf seinem Arm.

    „Mach dir keine Sorgen. Scott kriegt sich schon wieder ein“, versuchte die Banshee ihm Mut zuzusprechen.

    Ja … .

    Hoffentlich würde er das.


    „Drei Jahre und sieben Monate später … .“ Mit gerunzelter Stirn schaute Kolja auf. „Das ist ein langer Zeitsprung.“

    „Ja, nicht? Mich hat das beim Lesen auch voll aus der Geschichte geworfen. Ich mein, ich hab' echt kurz gedacht, die hätten jetzt 'ne halbe Ewigkeit in diesem Kabuff rumgelungert.“

    Auf der anderen Seite des Tresens hockte Colin auf einem Barhocker, langte in eine Schale gesalzene Erdnüsse und deutete hernach auf das Buch, welches aufgeschlagen vor Koljas Nase lag. Eigentlich hatte der Bär Scotts Bruder bloß aus Verwunderung darauf angesprochen, ihn lesend im Pub anzutreffen aber irgendwie war daraus eine Literaturkritik geworden, in deren Verlauf Kolja selbst einige Zeilen aus besagtem Werk lesen wollte. „Abby meint, sie hat's nicht gestört aber ich weiß nicht. Irgendwie reißt das 'ne klaffende Lücke in die Handlung“, philosophierte Colin kauend herum, unterdessen Kolja die restlichen Zeilen bis zum Ende der Seite überflog, um dann die Illustration auf dem Cover zu begutachten: ein Mann mit adretter Frisur und weit offenstehendem Hemd, der eine liebestrunkene Schönheit mit wehenden Haaren in seinen übertrieben muskulösen Armen hielt. Huh … woran erinnerte diese Abbildung Kolja nur? Insgesamt fiel Colins Fazit nichtsdestotrotz recht positiv aus, da er meinte: „Sonst kann man's ganz gut lesen. Langsam versteh ich, wieso Abby auf diese Kitschromane steht.“

    „Der Konsum historischer Liebesromane erschafft beim Leser die Illusion von Romantik, die ihm im wahren Leben wahrscheinlich niemals in dieser Form widerfahren wird, wobei der Aufbau der Texte mit dem Ziel konzipiert wird, die Emotionen fiktiver Figuren auf die reale Person zu übertragen und somit das unbewusste Bedürfnis nach Dramatik, Leidenschaft und einem Happy End zu befriedigen, ohne die damit einhergehenden psychischen sowie physischen Konsequenzen tragen zu müssen. In Kontrast zur Realität bietet Romantikliteratur Raum für einen gezielten Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen sowie die Reflexion von romantischen Gefühlen, insbesondere für gefühlsbetonte Persönlichkeitsgruppen, die im modernen Alltag einen akuten Mangel an gelebten Emotionen zu beklagen haben.“

    Zeitgleich richteten Colin und Kolja ihre Blicke auf Scott.

    Desinteressiert rechnete der Wolf gerade die Kasse ab und als er das Augenmerk der beiden Männer auf sich ruhen spürte, blinzelte er sie stumpf an. „Was ist?“

    Offensichtlich spuckte Colins Verstand dieselben Gedanken aus wie Koljas, da der Rüde skeptisch das Gesicht verzog. „Alter, du und Hazel wart effektiv nur einen Monat zusammen bevor sie ins Ausland abgewandert ist. Wie oft habt ihr es in dieser Zeit getrieben?“

    Darüber schien Scott tatsächlich erst einmal nachdenken zu müssen. Mit offenstehendem Mund suchte er die Antwort in der Luft und dachte dabei laut: „So zwei oder drei Mal in der Woche … “

    Huh. Angesichts der Libido zwischen Scott und Hazel kam das Kolja überraschend wenig vor. Auch Colin hatte wohl eine bei weitem höhere Zahl erwartet. „Das geht ja noch … .“, murmelte er erstaunt, doch da drehten sich die rostigen Zahnräder in Scotts Gehirn ein Stück weiter und er beendete seinen angefangenen Satz:

    „... mussten wir schon eine neue Packung Kondome kaufen.“

    Aha? So eben überschlug Kolja diese Rechnung im Kopf; eine Packung Kondome beinhaltete im Schnitt acht bis zehn Stück, das mit drei multipliziert und durch sieben Wochentage dividiert ergab pro Tag … .

    Oh. Wow.

    Die Kaubewegungen von Colins Kiefer stoppten und fast schon fassungslos gaffte er seinen großen Bruder an. „Ihr zwei seid verdammte Tiere!“

    In der nächsten Sekunde wurde die Tür des Pubs geöffnet und Moira trat ein. Dieses Mal vermisste Kolja die Kameratasche an der Banshee, aber dafür schulterte sie den Rucksack mit ihrem Laptop, stellte ihn vor dem Tresen ab und hopste auf den freien Platz neben Colin. „Habt ihr Mister Hayes gesehen?“

    An diesem Vormittag noch nicht, nein. Synchron schüttelten Scott und Kolja ihre Köpfe, also schielte Moira kurz auf Colins Armbanduhr und stellte fest: „Ich bin wohl etwas zu früh da.“

    „Was habt ihr vor?“, wollte Scott wissen. Wahrscheinlich hoffte er, die Banshee würde seinen Chef für ein Weilchen ablenken, damit er sich in dieser Zeit auf die faule Haut legen konnte.

    Sie erklärte: „Wir wollen die Fotos der letzten Woche durchgehen und klären, was er sich noch an Bildmaterial wünscht. Abgesehen von dem fehlenden Spielerporträt.“ Aus den Augenwinkeln heraus warf Moira einen Seitenblick zu Colin, der jedoch ungestört seine Erdnüsse futterte und dabei so tat, als wäre ihr Kommentar zu einer Öffnung seines Gehörgangs hinein- und ungefiltert zur anderen wieder herausgewandert.

    „Willst du was trinken, während du wartest?“, fragte Scott seine Kindheitsfreundin, woraufhin diese nickte.

    „Ginger Ale, bitte.“

    „Colin? Pint?“

    „Ne, Danke“, lehnte der Wolf Scotts Frage nach einem Getränk ab. „Ich verzichte besser. Hab' mir vorhin erst 'ne Tablette gegen meine Kopfschmerzen eingeworfen, da ist Alkohol 'ne echt schlechte Idee.“

    Kopfschmerzen, mh? Kolja machte sich keine weiteren Gedanken darüber, aber dafür sprach Scott seinen Bruder auf sein Leiden an. „Schon wieder? Mann, du beschwerst dich jetzt seit dem Wochenende ständig über Kopfschmerzen. Nicht mal der schlimmste Kater der Welt dauert so lange.“

    „Vielleicht bekommst du eine Grippe“, mutmaßte Moira, wohingegen Scott eine ganz eigene Theorie entwickelte und er grinste dabei so breit, dass Kolja seine Eckzähne aufblitzen sah.

    „Oder das ist die Nervosität.“

    Nervosität?

    „Nervosität weswegen?“, kam Moira Kolja mit ihrer Frage zuvor, also tratschte Scott sensationshungrig los:

    „Er will Gwen klarmachen.“

    Wie bitte?

    „Wie bitte??“ Abermals sprach Moira aus was Kolja dachte und aus irgendeinem Grund wirkte sie von dieser Nachricht regelrecht vor den Kopf gestoßen. Colin schob dem Buschfunk seines Bruders jedoch umgehend einen Riegel vor.

    „Quatsch. Ich will sie nur nach 'nem Date fragen. Mehr isses noch gar nicht. Alles andere muss sich erst entwickeln und außerdem steht ja gar nicht fest, ob sie überhaupt Lust darauf hat mit mir auszugehen.“

    Okay. Also wenn Kolja eine Sache mit absoluter Sicherheit über Gwen behaupten durfte, dann, dass mangelnde Lust in ihrem Fall beileibe nicht zu den Dingen gehörte, über die sich Colin Gedanken machen brauchte – auf die eine, wie die andere Weise. Schließlich lebte der Sukkubus sein Interesse an Colin schon seit ihrer ersten Begegnung ziemlich schamlos aus. Na so was. Demnach plante Abbys Bruder seine Beziehung zu Gwen in eine eindeutige Richtung zu schubsen.

    „Ja klar“, zog Scott Colins Behauptungen ins Lächerliche. „Und ich hab' Hazel damals auch nur nach einem Date gefragt, weil ich gucken wollte wie sie so drauf ist.“ In der Zwischenzeit hatte der Wolf Moiras Getränk abgefüllt und schob es der Banshee unter die Nase. Diese schien ihren Durst allerdings verloren zu haben, denn sie rutschte vom Hocker herab und nahm ihren Rucksack. „Ich bereite mich besser auf mein Gespräch mit Mister Hayes vor“, piepste sie und verschwand an einen freien Tisch weit weg in der hintersten Ecke des Schankraums – ohne ihr Ginger Ale. Merkwürdig. Was hatte die Banshee denn auf einmal? Überfragt sah Kolja seiner Mitbewohnerin nach und dabei streiften seine Augen Colin, den Moiras Abgang zwar herzlich wenig interessierte, aber dennoch warf er ihr über die Schulter hinweg einen langandauernden Blick hinterher.

    Scott dagegen schnaufte genervt. „Und was fang ich jetzt mit dem Ginger Ale an?“

    „Dann nehm' ich es halt. Ist ja alkoholfrei“, meinte Colin und kramte aus seiner Hosentasche einen Geldschein hervor, zusammen mit seinem Autoschlüssel sowie seinem Feuerzeug, und warf ihn neben das verschmähte Glas Ginger Ale. Stimmt. Es musste mittlerweile Wochen her sein, seitdem Kolja den Wolf letztmalig mit seinem Feuerzeug hatte spielen sehen. Ob es ihm wohl abhandengekommen war? Der Bär deutete darauf und fragte: „War es weg?“

    „Das Feuerzeug? Ne“, antwortete Colin. „In letzter Zeit hab' ich's bloß nie gebraucht, deswegen hat es immer nur zuhause rumgelegen. Aber heute Morgen waren die Konzentrationsstörungen auf einmal wieder da, also hab' ich es vorsorglich eingesteckt.“

    Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen also. Mh. Na gut. Alsdann ließ sich Colin von Scott sein Wechselgeld geben, stopfte sein ganzes Eigentum zurück in die Hosentasche und stand ebenfalls von seinem Platz auf, um mit seinem Getränk in der Hand ein Schwätzchen mit Ward zu halten. Auch Scott beendete endlich seinen Kassensturz und ging anderen Aufgaben nach. Um ein Haar hätte Kolja es ihm gleichgetan und sich eine sinnvolle Beschäftigung in der Küche gesucht, da tauchte zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit ein bekanntes Gesicht im Eingangsbereich des Tír na nÓgs auf - mit braunen Augen, kurzem schwarzen Haar und viel zu großen Füßen für seine jugendliche Statur. Kieran! Was trieb den Welpen denn hier her?

    Wir schließen heute den Romantik-Plot ab.

    ______




    Kolja schloss die Wohnungstür hinter sich. Er holte ein großes Handtuch und breitete es auf der Sitzfläche des Sofas aus, damit er und Abby darauf platznehmen konnten ohne das Mobiliar durch Dreckflecken zu ruinieren, die ihre staubigen Kleider auf den Bezügen hinterließen. Eigentlich hatte Kolja beabsichtigt, Abby bei ihren Eltern abzuliefern; allerdings beharrte die Wölfin darauf ihren Sturz bestens überstanden zu haben, sodass sie unbedingt an ihrer gemeinsamen Abendplanung mit Kolja festhalten wollte – was auch immer ihr dabei vorschwebte. Zu irgendwelchen Schandtaten fehlte Kolja nach diesem Tag nämlich absolut jede Lust. Der Schrecken darüber, hilflos zusehen zu müssen wie all dieses Geröll über Abby hereinbrach und sie unter sich begrub, erschütterte ihn selbst jetzt noch bis ins Mark seiner Knochen.

    Im Vergleich zu ihm verkraftete Abby ihr Trauma hingegen wesentlich besser. Frisch und munter wie die Morgensonne hopste sie guter Laune auf das Sofa und plauderte redselig drauf los. „Puh, endlich zuhause. Das war wirklich ein ereignisreicher Nachmittag aber ich finde, es hat sich gelohnt. Es hat sogar richtig Spaß gemacht dieses alte Haus zu erkunden! Wir sollten Caomhin beizeiten wieder einen Besuch abstatten, meinst du nicht auch, mein Hase? Aber dann nehmen wir auf jeden Fall Gwen und Moira mit. Mit den beiden würde es richtig lustig werden!“

    Richtig lu-… . Wollte sie ihn veralbern? Nachdem ihr buchstäblich die Decke auf den Kopf gestürzt war, plante Abby direkt in diese Ruine zurückzukehren? Ihretwegen hatte Kolja schreckliche Ängste durchstehen müssen und ihr herzzerreißendes Winseln sowie ihr Schluchzen hallten immer noch in seinem Gehörgang nach! Mit jeder Faser seines Herzens wünschte Kolja, dieses elende Gebäude nie betreten zu haben, wohingegen Abby gerade so tat, als kehrten sie von einem fröhlichen Ausflug auf dem Rummel mit Zuckerwatte und Rundfahrten auf dem Karussell zurück. Ihr Frohmut spottete all den Sorgen, die Kolja wegen ihr erlitt. Wie konnte Abby das alles bloß so leichthin verdrängen? Schon wieder!

    Kolja wusste wirklich nicht mehr weiter. Entnervt ließ er sich neben der Wölfin auf das Sofa fallen und verbarg das Gesicht hinter den Fingern. Sein zerrüttetes Schweigen verunsicherte Abby. „Du sagst gar nichts“, stellte sie fest, worauf Kolja mit Resignation in seiner Stimme einräumte:

    „Mir sind die Worte ausgegangen.“

    „Was meinst du damit?“

    Er senkte seine Hand und schaute Abby an. „Ich weiß nicht mehr, was ich dir noch sagen soll. Du hast heute wieder einmal alle meine Warnung ignoriert und dich damit selbst in Gefahr bracht. Dir hätte in dieser Ruine das schlimmste passieren können. Ist dir das denn völlig egal?“

    „Natürlich nicht“, lautete Abbys Antwort, weshalb Kolja von ihr wissen wollte:

    „Wieso benimmst du dich dann so? So wie du redest und dich verhältst bekommt man den Eindruck, dir wäre keine komplette Zimmerdecke auf den Kopf gerauscht.“ Allein die Erinnerung daran versetzte Kolja in Unruhe und Abby schien es ihm anzumerken, da sie ihm fürsorglich ihre staubigen Hände auf den Arm legte.

    „Bitte beruhige dich, mein Hase. Es ist doch überhaupt nichts passiert.“

    „Aber das hätte es“, versuchte Kolja ihr beizubringen. Begriff sie das denn nicht? „Was, wenn ich nicht dagewesen wäre? Wenn Ward nicht dagewesen wäre? Wenn die Balken dir den Schädel zertrümmert hätten, anstatt dich zu beschützen? Was hätte ich dann machen sollen? Wie hätte ich das Scott und deiner Familie erklären sollen? Unseren Freunden?“ Dutzende Szenarien entsprangen Koljas Vorstellungsvermögen und jedes davon erschuf schrecklichere Bilder als das vorhergehende. „Ist dir klar was für eine Angst ich um dich hatte? Kurzzeitig war ich der Überzeugung dich nie mehr lebend wiederzusehen. Du dagegen benimmst dich, als würde die Leichtsinnigkeit, die du zum wievielten Male unter Beweis gestellt hast, keinerlei Konsequenzen heraufbeschwören.“ Weder schwang Ärger in seinem Tonfall mit, noch Vorwurf. Trotzdem bewirkte Koljas direkter Weckruf etwas bei Abby; zumindest irgendwas, denn sie unterbrach die sanfte Berührung und zupfte nachdenklich an ihrer ehemals schwarzen, doch nunmehr staubgrauen Leggins herum. „Ich habe es im Guten versucht“, fasste Kolja seine ganzen Bemühungen zusammen, Abby Vernunft einzubläuen. „Ich habe gebeten und gebettelt. Ich habe sogar mit dir geschimpft und dir Vorschriften gemacht. Nichts davon konnte dich abhalten, direkt die nächste Dummheit zu begehen. Jetzt bin ich mit meinem Latein am Ende und ich kann so nicht weitermachen. So funktioniert unsere Beziehung nicht.“

    Kaum hatte er ausgesprochen, wurde Abbys Mimik von einem plötzlichen Anflug an Panik überrollt. Ihre Augen wurden glasig, huschten überfordert umher und Kolja hörte, wie Abby trocken Luft schluckte, ehe sie letztlich den Blick zu ihm hob. Offenbar kamen ihr die Worte nur schwer über die Lippen. „Das bedeutet, … du trennst dich von mir?“

    Was? Nein. Wie kam sie denn auf diesen Unsinn? „Das habe ich nicht gesagt“, betonte Kolja in der Absicht, Abby von ihrem Trugschluss abzubringen. „Aber ich kann nicht den Rest unseres Lebens mit der ständigen Sorge leben, dass du dich in Schwierigkeiten hineinreitest sobald ich kurz wegsehe. Was soll ich deiner Ansicht nach machen? Dir lebenslangen Hausarrest geben und dich in dein Zimmer einsperren? Denn das ist die einzige Option, die ich noch nicht ausprobiert habe.“

    Kolja atmete schwer aus. Jetzt hielt er Abby erneut eine Predigt, obwohl er sich jedes Mal schrecklich dabei fühlte. Er hatte sich wegen ihrer Lebhaftigkeit und ihres Engagements in Abby verliebt und liebte sie auch immer noch dafür – doch diese ganzen Spinnereien über Verschwörungen und Konspirationen schienen diese wundervollen Charaktereigenschaften an ihr regelrecht zu verseuchen. Es war einfach unendlich falsch, dass er Abby ausgerechnet deswegen tadeln musste, weil sie auslebte wofür Kolja sie eigentlich so sehr anschmachtete. Wie konnte sich alles nur in diese Richtung entwickeln? „Wegen dieser Pechsträhne tust du Dinge, die ich bis vor einem Monat niemals von dir erwartet hätte“, sagte Kolja zu ihr. „Du willst mit allen Mitteln mit dem Kopf durch die Wand und ich habe wirklich keine Ahnung wieso.“

    Schweigend hielt Abby ihren Blick auf einen willkürlichen Punkt im Raum fixiert. Vielleicht bildete es sich Kolja nur ein; vielleicht erlag er gerade seinem Wunschdenken – aber er meinte so etwas wie Schuldbewusstsein in ihren Zügen zu entdecken. Zwischen den Fingerspitzen zwirbelte Abby in sich gekehrt eine ihrer Haarsträhnen, die ob der dicken Staubschicht nach wie vor so grau wirkte als säße anstatt einer jungen, hübschen Frau eine Greisin neben Kolja. Ihre Lippen zuckten ein paar Mal dezent. Dann rückte sie mit der Sprache heraus. „Du solltest mich als erwachsene Frau wahrnehmen.“

    Wie bitte? Dieses Geständnis gab Kolja ja noch mehr Rätsel auf, als es für sein Verständnis löste.

    „Natürlich will ich meinen Brüdern helfen und die Feen sind wirklich gemein“, beichtete Abby ihm und Kolja beobachtete das nervöse Spiel ihrer Finger. „Ich wollte aber auch beweisen, dass ich selbstständig bin und alleine zurechtkomme, und dass ich keinen Aufpasser brauche als wäre ich ein kleines Mädchen. Ich hatte gehofft, du würdest anfangen mich als Frau ernst zu nehmen, wenn ich dir zeige wozu ich fähig bin.“

    Es brauchte einen Augenblick ehe Kolja das Gesagte einigermaßen verarbeitet hatte und automatisch begann er sein eigenes Verhalten zu evaluieren. Wie musste er sich Abby gegenüber geäußert, beziehungsweise, sich ihr gegenüber benommen haben, dass sie derart absurde Gedanken entwickelte? „Abby, ...“, versuchte er sie von diesem Missverständnis abzubringen, „du musst mir das nicht beweisen.“

    „Nicht?“ Endlich wagte Abby es Kolja anzuschauen und zur Verdeutlichung seiner Erklärung schüttelte er den Kopf.

    „Nein. Du bist monatelang ohne deine Eltern zurechtgekommen und hast es in dieser Zeit nicht nur geschafft dich selbst zu versorgen, du hast auch gleichzeitig das Haus in einem guten Zustand gehalten und dich um Kieran und um deine Noten gekümmert. Ich weiß, dass du auf dich selbst aufpassen kannst. Davon abgesehen hätte ich mich nie in dich verliebt, wenn ich in dir keine aufregende, attraktive Erwachsene sehen würde. Und schon gar nicht hätte ich mich von dir zum Sex verleiten lassen.“ Er runzelte nachdenklich die Stirn. „Ehrlich gesagt: Bevor du dich in diese Spurensuche verrannt hast, war ich der festen Überzeugung, dass Scotts Beschützerinstinkte für dich völlig übertrieben sind.“

    „Ich habe also das komplette Gegenteil erreicht?“ Als Kolja nickte, versank Abby in Grübeleien.

    Dann veränderte sich ihre Haltung; sie schob die Schultern zurück, reckte entschlossen das Kinn empor und ergriff Koljas Hand. „Dann höre ich damit auf“, entschied sie und ein Funkeln in ihren Augen bezeugte den Eifer, der hinter ihren Absichten steckte. Abby gelobte: „Ich kann dir nicht versprechen, nie wieder etwas Dummes zu tun, aber ich werde mir Mühe geben es zu vermeiden und auf dich hören, wenn du mich davon abhalten willst. Was immer ich tun kann, damit unsere Beziehung für uns beide zu einer wunderbaren Erfahrung wird, will ich auch tun. Bitte glaub mir das!“

    Von ihrem unerwarteten Sinneswandel überrumpelt, blinzelte Kolja die Wölfin verdutzt an. Die Befürchtung, er könnte sie wegen ihrer Unvernunft tatsächlich eines Tages verlassen, wühlte Abby offensichtlich zutiefst auf, denn sie versicherte ihm: „Wenn in Zukunft deine Gedanken zu mir wandern, dann nur, weil du mich so sehr vermisst und nicht aus Angst um mich. Ich bessere mich, versprochen! Und dann musst du mich auch nicht in meinem Zimmer einsperren. Außer natürlich, … .“ Abby biss verspielt auf ihrer Unterlippe herum. „Außer natürlich, du sperrst dich zusammen mit mir ein.“ Sogleich wurden ihre Wangen von einer leichten Röte verziert, als sendete Abbys Kopfkino bereits die Filmvorschau für dieses Kammerspiel. „Könntest du dir das vorstellen?“

    „Mich mit dir einzusperren?“, neckte Kolja sie und entlockte Abby auf diese Weise ein belustigtes Gickeln. Im Anschluss rutschte sie dicht zu ihm heran, um ihm mit den Handflächen zutraulich über die Schultern zu streichen.

    „Ich verstehe, mein Hase. Aber weißt du? Es gibt da einen Gefallen, den du mir tun könntest, damit mir meine Vorsätze ein wenig leichter fallen … .“ So? Und wie sollte sich dieser Gefallen gestalten? „Du könntest mir hin und wieder sagen, dass du mich liebst. Zur Erinnerung, damit ich nicht wieder anfange an deinem Eindruck von mir zu zweifeln.“ Ihre Lippen formten einen bittenden, süßen Schmollmund und wie sollte Kolja dem schon widerstehen können? Zudem Abby ihr Bestreben auf Besserung anscheinend wirklich am Herzen lag und lieber hielt Kolja ihr ellenlange Monologe darüber wie unfassbar toll er sie fand, denn Standpauken über ihr Fehlverhalten. Eine komplette Kehrtwende würde Abby vermutlich nicht von heute auf morgen hinlegen; dieser Illusion räumte er erst gar keinen Platz zwischen seinen Erwartungen an ihre Versprechungen ein. Doch sollte sie doch einmal wieder in die falsche Richtung flitzen, dann wusste Kolja, was er zu tun hatte: Sie von den Füßen heben und umdrehen.

    „Okay“, stimmte er Abbys Kompromiss daher zu und vor Freude darüber fing Abby an zu strahlen wie beide Sonnen im Keppler-47-System zusammen.

    Erwartungsvoll blickte sie ihn an.

    „Du möchtest es gleich von mir hören, nicht wahr?“

    „Das wäre wundervoll!“

    Na gut. Da es Abby so viel bedeutete, wollte Kolja ihr ihren Wunsch erfüllen. „Ich liebe dich“, sagte er und als Reaktion auf seinen Liebesschwur entfuhr Abby ein überglückliches jauchzen, mit dem sie sich ihm schwungvoll an den Hals warf.

    „Ich liebe dich auch, mein Hase. Du bist einfach mein einzig wahres Ein-für-alle-Mal.“ Sie schloss die Augen und spitzte die Lippen um Kolja einen Kuss zu geben – aber da kitzelte sie der Staub in seiner Kleidung in der Nase und brachte Abby kräftig zum Niesen. Eine Priese Schmutz rieselte von ihrem Schopf herab.

    „Du brauchst ein Bad“, stellte Kolja daraufhin fest und mit Sicherheit traf dieser Umstand gleichermaßen auch auf ihn zu. Dank des ganzen Drecks würde seine Jeans wahrscheinlich sogar von alleine stehen, sobald er aus ihr herauskroch. Abby für ihren Teil interpretierte seine Aussage scheinbar als eine Aufforderung, denn sie stand vom Sofa hoch und zog Kolja dabei an den Händen mit sich hinauf.

    „Du hast Recht, das habe ich wirklich bitternötig. Wir beide haben das.“ Sie zupfte ihn an den eingestaubten Haaren und auf einmal wurde Abbys Mund von einem einladenden Lächeln umspielt. „Um genau zu sein bin ich wohl so schmutzig, dass ich ein wenig Hilfe brauchen werde. Es gibt ein paar Stellen an meinen Körper, an die ich allein so schlecht herankomme. Vielleicht kannst du mir eine helfende Hand leihen? Oder zwei … .“

    Ihr koketter Singsang lockte Kolja die Mundwinkel nach oben. So-so … . Eine helfende Hand suchte Abby also. Hm, was wäre Kolja für ein Mann, seiner Freundin diese Bitte auszuschlagen? „Was immer du von mir brauchst“, raunte er ihr zu und ob der Zweideutigkeit seiner Worte verfiel Abby abermals in ein aufgekratztes Kichern, in Folge dessen sie Kolja ungeduldig aus dem Wohnzimmer drängelte. Hoffentlich würden Moira und Scott nicht so bald heimkehren, dachte sich Kolja. Denn für ein Weilchen würde das Badezimmer erst einmal besetzt sein.



    nächster Teil

    „Wie meinst du das?“, fragte Abby verwirrt und Kolja schloss sich ihr stumm an. Ja, wie meinte Ward das?

    Das Gespenst sagte: „Oonagh war wegen des Schuppens über allen Maßen aufgebracht und hat in Bezug auf die Fußballer einige üble Dinge geäußert. In meinen Augen hat sie mit ihren Verwünschungen eine völlig überzogene Reaktion an den Tag gelehnt, doch etwas anderes darf man zwischen Litha und Samhain vermutlich nicht von einem magiebegabten Wesen erwarten.“

    Verwünschungen? Augenblick. Deutete Ward damit etwa an, die Feen hätten die Mannschaft-... .

    „Die Feen haben die Mannschaft verflucht??“ Erneut sprudelten Koljas Gedanken geradewegs aus Abbys aufgeregten Mund hervor.

    „Meine Kenntnisse in Bezug auf Magie sind minimal“, gab Ward zu bedenken. „Für mich hat es sich allerdings danach angehört.“

    Verdattert starrte Kolja ihn an. Ein Fluch … . So etwas kam tatsächlich in Frage. Je länger Kolja darüber nachdachte, desto naheliegender hielt er es angesichts der Pechsträhne sogar und wenn er es jemanden zutraute, anderen leichtfertig das Unheil der Welt an den Hals zu wünschen, dann waren das in Koljas Augen die Feen. Unglaublich. Wie konnte bisher niemand diese Möglichkeit in Erwägung ziehen?

    Abby forderte von Ward zu erfahren: „Wieso hast du denn niemanden von dem Fluch erzählt, Caomhin?“

    „Wie ich schon sagte: Ich kenne mich mit Flüchen nicht aus und könnte Oonaghs Schmährede womöglich bloß missverstanden haben. Außerdem habe ich es vergessen.“

    Sodann wandte sich die Wölfin an Kolja. „Hast du das gehört, mein Hase? Das bedeutet, dass keiner von uns beiden mit seiner Theorie Unrecht hatte. Ist das nicht toll? Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, wie wir meine Brüder und die anderen Spieler von ihrem Fluch befreien.“

    So gern Kolja Scott helfen wollte … „Das werden wir nicht können“, nahm er Abby den Wind aus den Segeln.

    „Warum nicht?“

    Also unterrichtete Kolja Abby darüber, weshalb keine einzige ihrer Bemühungen Scott und Colin in irgendeiner Weise helfen würde. Dafür musste er jedoch ein bisschen weiter ausholen. „Ein Fluch kann auf verschiedene Weise seine Wirkung verlieren“, sagte er. „Der einfachste Weg ist, dass der Verfluchende ihn aufhebt.“ Diese Option durften sie mit ziemlicher Sicherheit ausschließen. „Eine andere Variante ist ein Fluchbrecher, ein magisch begabter Freak, der den Fluch mit seiner Magie zerstört. Oder der Fluch lässt von alleine nach, weil er das Ziel erfüllt, mit dem er ausgesprochen wurde. Das war beispielsweise damals bei Nikolay dem Zweiten, dem letzten Zaren von Russland der Fall. Der Fluch der auf ihm lastete ist versiegt nachdem schlussendlich das letzte Familienmitglied der Romanows umgekommen ist.“ Auch ohne Oonaghs konkrete Absichten zu kennen, führte dieses Szenario in keinem Fall zu einem wünschenswerten Endergebnis – das stand nach Koljas Auffassung fest. Kam er also zur Kernaussage seiner Ausführungen: „Egal auf welche Weise man vorgeht, die Initiative muss von dem Verfluchten ausgehen. Demzufolge von Scott und seinen Mitspielern. Eine dritte, unbeteiligte Person kann sich da nicht einmischen.“ Der Bär schaute Ward an. „Ich bin mir nicht einmal sicher ob du etwas ausrichten könntest, da du der Mannschaft beigetreten bist, nachdem Oonagh den Fluch ausgesprochen hat.“

    Als Kolja sein Referat beendet hatte, bemerkte er den bewundernden Blick, mit dem Abby ihn von unten anhimmelte. „Woher weißt du so viel über Flüche?“, fragte sie und Kolja überlegte, ob er ihr von seiner Zauberin erzählen sollte oder seine Ex-Freundin besser unerwähnt ließ.

    Er entschied sich für eine diplomatische Formulierung. „Eine ehemalige Freundin ist eine Zauberin.“

    Mit dieser Antwort schien Abbys Neugier hinreichend befriedigt zu sein, denn die Wölfin schmiedete bereits wieder ihre Pläne. „Damit liegt ja nun auf der Hand, was wir als nächstes zu tun haben!“, behauptete sie überzeugt. So? Tat es das? „Wir werden einen magisch begabten Freak ausfindig machen, ihn zu Scott und den anderen bringen und dann können sie ihn bitten, den Fluch zu brechen. Es leben so viele Freaks in dieser Stadt. Bestimmt wird irgendeiner von ihnen in der Lage sein uns zu helfen oder zumindest jemanden kennen, der das kann.“

    Kolja hörte ihr zu – und stöhnte dann innerlich.

    Es war nicht so, dass er Scott nicht unbedingt helfen wollte und in der Theorie klang Abbys Idee unproblematisch … aber in diesem Moment fühlte sich Kolja selbst für die Ausstellung fossiler Knochen im Museum zu alt. Ob der Kraftanstrengung kreischten seine Muskeln nach Ruhe und Dreck verkleisterte ihm die Augen sowie die Atemwege. Für einen Tag hatte er definitiv genug Abenteuer erlebt. „Bitte nicht mehr heute“, appellierte er ausgelaugt an Abbys Mitgefühl und zu seiner Erleichterung zeigte sie Gnade mit ihm und dem ramponierten Wrack, was er ein Nervenkostüm schimpfte.

    „Keine Sorge, mein Hase. Für heute haben wir genug erreicht.“ Sie fasste ihn an der Hand. „Jetzt gehen wir erst einmal nachhause. Ich brauche nämlich ganz dringend ein Bad.“

    Guten Morgen LadyK  KruemelKakao und danke für eure Kommentare und das Lob ^^

    Freut mich, dass euch der Part gefällt, auch die Aufdröselung der Ereignisse - auch wenn wir noch nicht durch sind, hihi.


    Geklärt ist aber immer noch nicht, wieso die Trikots der Wolfsbrüder in der Waschmaschine kaputt gegangen sind. Doch nur ein Unfall? Schauen wir mal, denn Ward scheint ja noch was zu wissen.

    :ninja: Ja. Schauen wir mal.


    deine Geschichte ist es nämlich absolut Wert, gelesen zu werden

    Oh, ähm. Danke :sack:


    Machst du das alles im Kopf oder hast du dazu dir Notizen gemacht um nicht etwas zu vergessen?

    Ich hab das alles im Kopf ^^ Bzw wenn ich beim Schreiben feststelle, dass was fehlt, denke ich es mir schnell aus :rofl:

    Wie bitte? Neben Kolja japste Abby „Habe ich es doch gewusst!“ und Ward begann die Ereignisse zu rekapitulieren:

    „Ich habe versehentlich meinen Energydrink auf den Stufen zu seiner Wohnung verschüttet und er ist darauf ausgerutscht und gestürzt.“

    „Wieso warst du dort oben?“, hakte Kolja nach. Die Treppe im Büro führte in Hayes' private Räume, dort hatte niemand etwas zu suchen.

    Ward erklärte ihm: „Hayes will nicht, dass ich mein Insulin im Kühlschrank des Pubs lagere. Er hat mich daher angewiesen, es bei ihm abzulegen.“

    „Ooh!“ Abbys Augen wurden groß. „Stimmt, du bist Diabetiker! In den Spritzen im Kühlschrank, da ist dein Insulin drin. Und die süßlich riechenden Flecken auf Mister Hayes Treppe waren die Reste deines Energydrinks. Das erklärt einiges.“

    Schön, dass es das Abbys Meinung nach tat; für Kolja ergab das alles nämlich wenig Sinn. Insulin? Diabetes? „Du spritzt dir Insulin und trinkst Energydrinks?“ Skeptisch runzelte Kolja darüber die Stirn. „Hältst du das für eine schlaue Mischung?“

    „Soll es mich umbringen?“

    Mh. Das war irgendwie ein Argument.

    „Das fast leere Fläschchen Feenstaub, das ich im Büro gefunden habe“, schlussfolgerte Abby, „das gehört auch dir?“ und ihre Vermutung wurde von Ward bestätigt.

    „Das ist anzunehmen. Dass ich den Energydrink verschüttet habe, ist meiner Tollpatschigkeit geschuldet, weil mir beides aus der Hand gerutscht ist, als ich den Feenstaub in die Dose umfüllte.“

    „Für den Trip?“

    Abermals lag Abby mit ihrer Annahme richtig. „Für den Trip. Die Lebenden haben keine Vorstellung davon wie es ist, wenn man keinen Genuss empfindet. Wenn Alkohol keinen Rausch erzeugt, wenn Kaffee den Kreislauf nicht mehr anregt oder Chili einen kalt lässt. Der Feenstaub befriedigt die Sehnsucht irgendetwas zu spüren.“ Insofern Ward zu derartigen Gefühlsregungen fähig sein sollte, wirkte er sogar ein wenig geknickt auf Kolja, als er hinzufügte: „Ich vermisse Schokoladeneis.“

    Zumindest in Hinblick auf den Unfall lieferte Ward eine glaubwürdige Erklärung. Selbst Abby sah das ein. „Na gut. Hinter Mister Hayes' Verletzung stecken also keine bösen Absichten. Aber was ist mit meinen Brüdern? Wegen deiner paranormalen Präsenz hat unsere Waschmaschine ihre Trikots ruiniert! Und versuch nicht dich mit der Arbeit rauszureden. Laut Schichtplan hattest du gestern Nachmittag frei.“

    „Trotzdem war ich beschäftigt.“

    „Womit?“

    Auf einmal wurde Ward schweigsam. Er senkte seinen Blick zum Boden und fing an unangenehm berührt die Hände aneinander zu reiben. Perplex registrierte Kolja sein Verhalten; zeigte das Gespenst gerade wirklich Emotionen? Es antwortete: „Ich bin zur Entzugsklinik gefahren.“

    „Wieso denn?“ Abby stahl Kolja die Frage aus dem Munde. Vor wenigen Sekunden hatte Ward schließlich darüber philosophiert, dass kaum eine Substanz einen Effekt bei ihm hervorrief und das allein schloss ein Suchtverhalten vollkommen aus.

    „Ich wollte Brian besuchen.“ Brian O'Maley? In welcher Verbindung stand Ward denn zu ihm? Gleich darauf gestand das Gespenst: „Aber ich habe mich nicht zu ihm getraut.“

    „Weil er die Katzenminze von dir bekommen hat, richtig?“, stellte Abby weitere Mutmaßungen an und vollführte damit erneut eine Punktlandung, da Ward betroffen nickte.

    „Ich wollte ihm nie wehtun. Er war in letzter Zeit immer so gestresst und hat kaum eine Nacht genug Schlaf bekommen. Ich hatte gehofft, ihm mit der Katzenminze helfen zu können und ihm Entspannung zu verschaffen. Dass er so heftig darauf reagieren würde, wusste ich nicht.“ Und dann fiel Kolja endgültig vom Glauben ab, denn der sonst so prosaische Ward schob zutiefst betrübt die Brauen zusammen. „Ich habe den ganzen Nachmittag vor der Klinik gestanden und versucht genug Mut zusammenzubringen, um Brian unter die Augen zu treten“, presste er mit belegter Stimme hervor. „Als mich irgendwann ein Klinikmitarbeiter angesprochen hat, habe ich mich vor Schreck in Luft aufgelöst und bin nachhause geflüchtet. Wahrscheinlich will mich Brian sowieso nie wieder sehen, nachdem er meinetwegen leiden musste. Ich bin ein Narr, dass ich ernsthaft geglaubt habe, ein quicklebendiger Poly wie er würde etwas für mich empfinden können.“

    „Sag doch so was nicht.“ Voller Anteilnahme machte Abby einen Schritt auf Ward zu und berührte ihm aufmunternd am Arm. „Du kannst nicht wissen wie er fühlt, wenn du ihm aus dem Weg gehst. Ich habe auch sehr lange nichts von Koljas Gefühlen für mich gewusst und jetzt sind wir ein Paar. Wenn du und Brian euch so nahesteht wie du sagst, dann vermisst er dich sicher schrecklich und wartet schon auf deinen Besuch. Du hast es lieb gemeint. Bestimmt wird er dir verzeihen.“ Sie schenkte ihm ein sanftes Lächeln. „Jetzt erzähl mir von den Feen. Wie stehst du zu ihnen?“

    „Sie verkaufen mir Feenstaub. Eine andere Verbindung existiert zwischen uns nicht.“

    Diese Aussage nahm Abby nicht so einfach hin. „Weshalb bist du dann mit Oonagh beim Geräteschuppen gewesen?“

    „Das habe ich eben gesagt. Sie verkauft mir Feenstaub”, wiederholte Ward. „Beziehungsweise hätte sie es, wenn sie in den Schuppen gekommen wäre. Die Feen haben ihn lange Zeit als Zwischenlager für den Straßenverkauf benutzt, bevor Hayes das Nutzungsrecht erworben und ihn verriegelt hat. Oonagh war äußerst wütend darüber nicht mehr an ihre Ware zu gelangen. Durch den Einbruch hat sie dieses Problem jedoch offensichtlich gelöst.“

    „Also sind tatsächlich die Feen in den Schuppen eingebrochen! Nur aus anderen Gründen als wir angenommen haben.“ Aufgeregt zupfte Abby Kolja deswegen am Ärmel. Was meinte sie bitte mit 'wir'? Im selben Atemzug sortierte die Wölfin die Geschehnisse in eine sinnvolle Zeitschiene ein. „Der Schuppen diente also den Feen als Versteck für ihren Feenstaub. Irgendwann hat Hayes die Feen sozusagen ausgesperrt und um an ihre wertvolle Ware zu kommen, sind sie in den Schuppen eingebrochen. Eine Flasche müssen sie bei ihrer Nacht- und Nebelaktion allerdings übersehen haben, sonst hätte ich sie nicht aus dem Geheimversteck gefischt. Habe ich das so richtig zusammengefasst, Caomhin?“ Mit einem gleichgültigen Heben der Achsel stimmte Ward ihrer Chronologie zu und in gewisser Weise empfand Kolja es als befriedigend, dieses ganze Geflecht aus Vorkommnissen und Verdächtigungen endlich aufgedröselt vor sich liegen zu sehen – und dass Abbys Verschwörungstheorien genau das blieben: Theorien. Auch Abbys Überlegungen führten zu dieser Einsicht. „Bitte verzeih, dass ich dich zu Unrecht beschuldigt habe, Caomhin. Es hat wirklich alles darauf hingedeutet, dass du die Mannschaft vom Spielen abhalten willst.“

    Durch ein erneutes Schulterzucken symbolisierte Ward, ihr bereits alles vergeben und vergessen zu haben. Er wollte lediglich wissen: „Wenn das mein Plan gewesen wäre, weswegen bin ich dann beigetreten? Ohne mich als zusätzlichen Spieler hätten sie nie antreten dürfen.“

    Abby suchte daraufhin überfragt den Blickkontakt zu Kolja, aber er verschränkte bloß schweigend die Arme vor der Brust. Das durfte sie sich mal schön selbst aus den Fingern saugen. „Nun ...“, versuchte sie drumherum zu reden, „eigentlich ist das doch egal. Mein Verdacht hat sich schließlich als falsch herausgestellt und du bist unschuldig. Obwohl ich immer noch nicht fassen kann, dass alles am Ende wirklich nur eine unglückliche Verkettung von Zufällen sein soll.“

    Da neigte Ward nachdenklich das Haupt zur Seite. „So würde ich das nicht ausdrücken.“



    nächster Teil

    Hallo!


    Vielleicht lag es an den behexten Bändern voller spitzer Nägel, Zacken und Hörner, die er sich um Stirn, Schultern und Arme wand und die ihm ein raubtierartiges Aussehen gaben.

    Hehe, ich stell mir Raven gerade wie dieses eine Bandmitglied von Slipknot vor oder wie den einen Biker aus "Mandy" :D


    Er versuchte seine Blicke gleich wieder abzuwenden, konnte aber nicht verhindern, dass ihm der alte Ärger in den Hinterkopf kroch, den er die ganze Zeit schon nach Kräften verdrängt hatte. Immer diese verfluchten Entführungen von Mädchen, welches kranke Hirn dachte sich das eigentlich aus?

    Hm, zeigt Raven da etwa ein Gewi-...


    Pfui Teufel, nur ein Schwächling attackiert ein hilfloses Weibsbild

    okay, nerver mind. Doch ein sexistischer Mistkerl xD

    Was mir hierzu generell an dem Part aufgefallen ist: Raven zeigt an mehreren Stellen, dass ihm seine Befehle gegen den Strich gehen und in diesen Momenten flackert so eine Andeutung hervor, er sei nicht aus tiefsten Herzen ein Mistkerl - was dann in jedem Fall aber sofort durch irgendeine sich anschließende, miese Aussage relativiert wird. Auf mich wirkt das ein bisschen erzwungen, muss ich sagen :hmm:


    Zwei Tempeldienerinnen in schwarzen Gewändern lösten sich aus der Menge und traten zum Brautpaar vor. Raven beobachtete, wie sie den beiden die Ringe ansteckten. Das war ja mal ein steifes Pärchen.

    Moment, da draußen wird Alarmgeschlagen und Schutzschilde hochgefahren und die ziehen ihre Trauung durch? Hardcore xD

    Guten Morgen, KruemelKakao

    Freut mich, dass dich der Part mitreißen konnte :D

    Mit dem Spoiler muss ich auch immer ewig rumfummeln, denn leider lässt der Editor da keine einfache Vorgehensweise zu. Ich persönliche füge immer den Spoiler und die Zitate ein, wechsel dann zu der Quellcode anzeige über den ersten Button in der Kopfzeile und verschiebe dort die entsprechenden Befehle so, dass sie bewirken, was sie bewirken sollen.


    Dass du das Russische tatsächlich übersetzt hast xD Ich versuche diese Einwürfe immer so zu halten, dass man nichts verpasst, wenn man sie nicht versteht. Meist kommt eine Art Übersetzung danach oder die Bedeutung erschließt sich aus Koljas Gemütslage oder der Reaktion der anderen. Man hat also höchstens einen kleinen Mehrwert, wenn man sich die Mühe macht. Dass Kolja hier überhaupt so losbabbelt spielt auf seine Einführung an, in der Scott über Kolja philosophiert, dass seine Muttersprache durchkommt sobald er in heller Aufregung ist - was Scott aber noch nie erlebt hätte.


    Können deine Geister das?

    Wenn ihr Ektoplasmalevel hoch genug ist, ja. Tut mir leid, ich kann an dieser Stelle unmöglich wiederholen, was ich in 2 Episoden über meine Gespenster und Wards Charakter erzählt habe ^^°

    In derselben Sekunde, in der Kolja den Blick von der Katze ab- und zu Abby wandte, ertönte plötzlich ein lautes Krachen, der Boden zerbarst unter Abbys Füßen und riss mit desaströser Zerstörungswut Planken, Gips und Beton in die Tiefe hinab. „Abby!“ Aufgescheucht stürzte Kolja seiner Freundin zur Hilfe, doch von jetzt auf gleich rauschte vor ihm der halbe Raum wie eine Lawine in sich zusammen, verschlang dabei zu Koljas schierem Entsetzen Abby und kotzte mit ohrenbetäubenden Lärm Schutt und Geröll ins Erdgeschoss hernieder. Staub und Asbest schlugen Kolja durch den klaffenden Schlund entgegen. Der Bär keuchte und hustete, versuchte Abbys Namen hervor zupressen doch der tosende Dreck verbarrikadierte undurchdringlich wie eine Grabplatte Koljas Lunge und seine Augen. Nein! Nein, nein, nein, nein, nein!! Das durfte doch gerade unmöglich passiert sein! 'Abby! Abby!! So schnell Koljas Beine ihn zu tragen vermochten, sprintete er aus dem Raum und zur Treppe runter. Stufen zersplitterten unter seinen polternden Schritten, die im Gleichtakt mit seinem angsterfüllten Herzen um die Wette donnerten. Er nahm die letzten von ihnen in einem einzigen Satz, stürmte durch den Flur bis zur versperrten Tür und riss diese kurzerhand aus den Angeln. „Abby!!“, schrie er in der bangen Hoffnung auf eine Antwort nach ihr. Eine Wolke aus Staub behinderten ihm die Sicht. Kolja bekam keine Reaktion; wieso reagierte Abby nicht auf ihn?! Noch einmal: „ABBY!!“ Daraufhin vernahm Kolja endlich einen leisen Laut, ein kraftloses Husten, dem er eiligst bis zu einem Trümmerhaufen folgte.

    „Kolja … !“, hörte er Abby darunter winseln und oh Gott! Vor lauter Glück sie am Leben zu wissen, vollführte sein Herz einen so großen Hüpfer, dass Kolja es beinahe ausgewürgt hätte.

    „Не бояться! Я помогу тебе, Abby!“ Mit bloßen Händen schaufelte Kolja hastig die Brocken zur Seite, um seine Freundin aus ihrem Gefängnis zu retten. Da betrat jemand den Raum.

    „Hey! Was hast du hier zu suchen, Dmitrijew?“ Es war Ward aber Kolja ignorierte das Gespenst völlig und wuchtete einen unförmigen Klotz Beton aus dem Weg. Abbys herzzerreißendes Wimmern erklang erneut und auf einmal stand Ward neben Kolja und kämpfte sich mit ihm zusammen durch den Berg an Geröll. Der Geist zerrte zerschellte Bretter herunter; Kolja trug eine Ladung Schotter ab und als Ward hernach eine durchgebrochene Gipsplatte wegschob, offenbarte sich darunter die Öffnung zu einem Hohlraum. An diesem Tag mussten wahrlich irgendwelche Mächte ihre Hände über Abby gehalten haben, denn Holzbalken umfingen die Wölfin schützend wie etliche überkreuzte Arme und bewahrten sie davor bei lebendigem Leib begraben zu werden. Ihr Kopf erschien vor dem Loch. „Versuch dich durchzuwinden!“, ermutigte Ward Abby dazu, sich zu befreien doch ihre Anstrengungen zeigten keinen Erfolg.

    „Meine Schultern sind zu breit.“ Vergeblich versuchte sie einen der massiven Balken zu bewegen, der ihr den Fluchtweg versperrte. Das-... das schaffte sie doch niemals. Dieses Ding wog gut und gern mehrere hundert Kilogramm!

    Ohne zu zögern schritt Kolja dazwischen. Er befahl den beiden „Rutscht zur Seite!“, packte ein Ende des Balkens und dann stemmte er ihn mit aller Kraft empor. An einer anderen Stelle rutschten deswegen Trümmer zusammen und Dreck rieselte in Abbys Kammer hinein. Mit stechenden Schmerzen protestierten Koljas Muskeln gegen die unangekündigte Belastung, doch der Schutthaufen öffnete sein Maul, Ward griff hinein und sämtliche Organe in Koljas Bauch überschlugen sich vor überwältigender Freude, als der Geist Abby endlich hervorzog. Sie war in Sicherheit! Großer Gott, Abby war in Sicherheit!

    Der Bär stieß das Gewicht von sich. „Abby! Все в порядке?? Ты ранен?? моя любимая, я так волновалась за тебя!“, stolperten die Erleichterung zusammen mit Koljas Gefühlen ungeschickt über seine Zunge, während er zu der Wölfin eilte um sie nach all dem stürmisch in seine Arme zuschließen. Für kurze Zeit hatte ihn die schreckliche Angst beherrscht, nie wieder die Möglichkeit dafür zu bekommen aber jetzt hielt er Abby fest umarmt und wollte niemals wieder loslassen. Der Staub in ihren Haaren färbte ihr den Schopf aschfahl und Kolja wischte ihr fürsorglich eine dicke Schmutzschicht von den Wangen. In ihren Augen konnte er deutlich den Schock erkennen, unter dem sie litt und ein Rammbock hätte ihm schwerlich einen heftigeren Hieb in den Magen versetzen können. Aufgewühlt blinzelte Abby ihn an. „W-wie bitte ...?“

    „Bist du verletzt??“

    Sie horchte in ihren Körper hinein und meinte schließlich zu Koljas Beruhigung: „Nein … ich glaube nicht.“ Dann begann Abby zu schniefen und im nächsten Moment spülten Tränen den Schmutz aus ihren Augenwinkeln. Schluchzend drückte sie sich an Koljas Brust. „Oh Kolja, ich hatte solche Angst. Es war so dunkel und stickig und der Sturz hat so wehgetan. Ich habe gedacht, dass ich da unten sterben muss.“

    „Es ist jetzt alles in Ordnung“, sprach Kolja ihr tröstlich zu und streichelte ihr dabei liebevoll über den Scheitel. „Wir haben dich da rausgeholt.“

    Apropos.

    Kolja schaute zu Ward. Zwischenzeitlich hatte das Gespenst die Fenster im Zimmer aufgestoßen, weshalb der Staub allmählich absackte und Kolja einen erstmaligen Blick auf seine Umgebung erlaubte. Im Unterschied zu allen anderen Bereichen des Hauses existierte in diesem Raum tatsächlich eine Einrichtung, was vermutlich der Grund dafür war, weshalb Ward den Zugang überhaupt versperrt hielt. In einer Ecke lehnte ein Regal mit allerhand Kleinkram an der Wand - Farbtuben, irgendwelche Dosen, Pinsel und anderes Mal- und Zeichenwerkzeug. Daneben stapelten sich Leinwände und Zeichenblöcke auf und ein unfertiges Gemälde von einer Katze in napoleonischer Uniform badete auf einer Staffelei im Sonnenlicht. Nun wusste Kolja auch den beißenden Geruch zu identifizieren, den Abby von der anderen Seite der Tür wahrgenommen hatte: Lösungsmittel. Ward reinigte darin seine benutzten Pinsel. Unter den Fenstern musste außerdem ein Zeichentisch gestanden zu haben aber er war offenbar der Schuttlawine zum Opfer gefallen, weswegen Ward gegenwärtig mit indolenter Miene die kläglichen Überreste seines Möbelstücks betrachtete, die unter einem Haufen Dreck hervorragten. „Ich ersetze dir den Tisch“, versprach Kolja dem Gespenst. Und alles, was noch unter dem Geröll begraben lag. Das war das mindeste, was Kolja tun konnte um sich bei Ward für Abbys Rettung zu revanchieren. Sogleich schloss Kolja die Wölfin noch enger in seine Arme.

    Ward lehnte desinteressiert ab. „Nicht nötig. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Decke einstürzt. Außerdem sind die Kosten für meinen Lebensunterhalt gering, beziehungsweise …“, er hob sein Augenmerk zu Kolja, „nicht vorhanden. Meine finanzielle Situation erlaubt mir aus eigenen Mitteln für Ersatz zu sorgen. Dein Geld ist nichtig für mich.“ Trotzdem würde Kolja Ward den Schaden auf irgendeine Weise begleichen. Alsdann drehte der Geist der Zerstörung den Rücken zu und sprach zur Kolja: „Und nun erklärt mir, was ihr überhaupt in meinem Haus treibt.“

    „Wieso treibst du dich hier herum?“, gab Abby die Frage zurück und löste sich aus Koljas Griff. Ihre Stimme klang immer noch ein bisschen zittrig; alles in allem schien sie den größten Schrecken allerdings verkraftet zu haben. „Du solltest doch eigentlich arbeiten.“

    Gleichgültig erklärte ihr das Gespenst „Ich habe heute frei“, was Abby ihm keineswegs abkaufte.

    „Auf dem Schichtplan steht, du würdest die Abendschicht übernehmen.“

    „Morgen.“

    „Wie bitte?“

    Der Geist schaute sie unbeeindruckt an. „Ich übernehme morgen die Abendschicht.“

    Aus Abbys Mimik las Kolja Verwirrung heraus, welche sodann zu Einsicht transformierte. „Oh, …“, gab sie zu, „dann habe ich da wohl etwas vertauscht.“ Ganz offensichtlich hatte sie das. Kolja hätte sich ja gefragt, wie Abby überhaupt an den Schichtplan gelangt war, läge die Antwort nicht auf der Hand: Über Gwen. Wer auch sonst sollte Abby frisch fröhlich Informationen zuspielen, die die Wölfin kein Bisschen angingen?

    In diesem Moment kümmerte der Sukkubus Kolja jedoch herzlich wenig. Nach all der Aufregung verlangte es ihm nur nach einem: Er wollte nachhause. „Danke für die Hilfe, Ward“, richtete er seine Wertschätzung an das Gespenst. „Wir reden morgen im Pub über den Schaden.“ Gleichzeitig nahm Kolja Abbys Hand, um mit ihr diese vermaledeite Ruine endlich zu verlassen, doch Abby hielt ihn zurück.

    „Ich habe Caomhin noch nicht gefragt, warum er die Fußballmannschaft sabotiert!“

    „Weshalb sollte ich die Mannschaft sabotieren?“

    Ehe Kolja intervenieren konnte, lud Abby bereits ihre wilden Theorien auf dem Gespenst ab. „Das will ich von dir wissen! Ich weiß, dass du hinter den ganzen Rückschlägen steckst, die dem Fußballteam meiner Brüder in letzter Zeit ständig zusetzen. Du hast ihre Trikots ruiniert und Mister Hayes die Treppe hinabgestoßen und deinetwegen haben die Feen das Gerätelager demoliert.“

    Etwas in Wards Zügen zuckte – eine Regung, die Kolja niemals zuvor bei dem Geist beobachtete hatte. Zeigte er … Verständnislosigkeit? Weil er Abby mit ratlosem Schweigen begegnete, forderte sie eine Reaktion von ihm. „Oder willst du das etwa abstreiten?“

    Kolja hörte Ward tief Luft holen. „Dass Hayes gestürzt ist“, sagte er schließlich, „das war tatsächlich meine Schuld.“



    nächster Teil

    Achsooo du nimmst an dass der Wolf außerhalb des Geländes ist. Aber das ist ja nicht der Fall, wie Scott unter Anderem hier feststellt:

    So widerwärtig, wie es nach verwandeltem Wolf stank, hielt sich Sulley irgendwo am hinteren Ende des Geländes auf.

    Die Truppe ist durchs Tor hinein auf das Gelände, hat O'Rourke getroffen und ihn dann aus dem Geröll befreit, das laut der Umgebungsbeschreibung auf dem Gelände herum liegt. Dass sie zurück auf die Straße gelaufen wären, wurde nie erwähnt.

    Es würde auch keinen Sinn machen, Abby und Kolja zu holen ^^ Scott wollte ja von Anfang an nicht, dass Abby mit zum Gelände kommt und indem Kolja sie allein lässt, stünde sie ohne Beschützer da.

    Hallo Eti und danke für die Kommentare in der letzten Zeit ^^


    oh, urde das am Anfang sogar schon mal erwähnt?

    Am Anfang und auch ein oder zwei Mal zwischendrin in der Geschichte ^^° Zum Beispiel als Abby Moira die Silberkette umlegt, als sich die ganze Truppe in der Küche von Abbys Eltern versammelt haben.


    Also besitzt Kolja kein Auto?

    Nein, wie am Anfang der Geschichte beschrieben, spielt die Handlung in einer Kleistadt und Scott sagt sogar, dass man alles auch zu Fuß erreicht. Und Colin müsste ja auch nicht ständig den Taxifahrer spielen, wenn die anderen mobil wären.


    Es geht mir nur darum, dass ich die ganze Zeit gedacht habe, sie sind erstmal sicher, wenn sie das Gebäude nicht verlassen. Aber gut ... Der große böse Wolf (wer auch immer das jetzt ist/war) könnte sich natürlich auch wen schnappen, der gerade neu auf das Gelände kommt.

    Ähm... ich muss gestehen, dass ich nicht verstehe worauf du hinaus willst oder welcher Zusammenhang zur aktuellen Situation besteht ...?

    Hallo Ondine,


    um direkt auf den Monolog zukommen: Ich finde, er liest sich flüssig und wirkt keineswegs gestellt oder so. Lediglich an einer Stelle habe ich kurz gestutzt:

    „Aber… woher können Sie das alles wissen?“, flüsterte sie schließlich mit erstickter Stimme.

    Diese Behörde, bzw. Institut scheint ja nun etwas großes im Leben der Menschen zu sein, sonst besäße es schwerlich die Kompetenzen, die Bevölkerung zur Abtreibung zu zwingen. Demzufolge passt Sams Frage meiner Meinung nach hier nicht so recht :hmm: So was sollte sie in meinen Augen schon wissen. Sie könnte stattdessen so was fragen wie "und das hat ihnen eine einzige Blutprobe gesagt...?" oder sowas in der Art ^^ Das täte den selben Zweck, das Gespräch in die gewünschte Richtung zu lenken.


    Inhaltlich erinnert es mich an Werke wie 1984, Quality Land und diverse andere Dystopien, weshalb mir gleich am Anfang klar war, worauf das ganze Hinausläuft ^^ Der Werbeclip am Anfang ... liegt vlt daran dass ich mich im Studium auf Marketing spezialisiert habe, aber der war meiner Meinung nach etwas plump. Aber das ist Propaganda ja meistens, von daher passt der schon in diese Sparte :D


    „Mrs. Balck, setzen Sie sich bitte.“

    kleiner Buchstabendreher ^^


    dass der Fortpflanzungsversuch Sommersprossen entwickeln wird, was natürlich einige Punkte Abzug gegeben hat

    Aber... aber Sommersprossen sind doch toll! D:

    Hallo!


    „Auf uns“, bölkte Bernador.

    „Schwert- und Flügelbruch!“, rief Isert.

    „Fertigmachen zum Abflug“, kommandierte Raven.

    Ach Raven, du Spielverderber :rolleyes:


    Raven selber war ohne Flügel geboren, was ihn schon immer gewurmt hatte.

    Das finde ich interessant :hmm: Mich würde interessieren, ob Raven damit ein Einzelfall ist oder ob das ein gängiges öhm ... "Leiden" unter den Skeff ist, bzw. ob es einen Grund dafür gibt, dass Raven keine Flügel hat. Genauso der Sinn dahinter, wieso sie ihm aus erzähltechnischer Sicht fehlen ^^ Na, du wirst es uns im Laufe der Geschichte schon erzählen ^^


    Er würde mit seinen Leuten wie ein Adler herunterstürzen, die Braut packen und mit ihr durch die Luft davonjagen.

    Huh, ich habe da so eine Vorahnung, dass dieser Plan eventuell nicht 100% so klappen wird, wie Raven sich das vorstellt :rofl: