Beiträge von Voluptuous Mayday

    Danke für eure Rückmeldung LadyK  KruemelKakao !


    Also, falls ihr diese Geschichte tatsächlich zu Ende lesen wollt, muss ich wohl eine Vorwarnung aussprechen: es zeichnet sich mittlerweile ab, dass sich Episode 3 zu einem Ungetüm aufblähen wird. Ich bin mieserabel im Schätzen, rechne für Episode 3 aber mit der doppelten Seitenanzahl von Episode 1 + 2 zusammen.

    Es kann sich demnach noch um Jahre handeln ... .


    Mal sehen, vielleicht meldet sich ja jemand auf Moiras Eintrag

    :ninja: Ja ... Mal gucken, was am schwarzen Brett so abgeht.


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    Ein bisschen ernüchternd war diese Konversation ja schon abgelaufen. Moira hatte gehofft das Notizbuch in gute Hände weiterzugeben, sodass es schlussendlich wohlbehalten seinen Weg nachhause fand. Doch dieser Faulpelz in der Lobby hielt ja so viel von einem zuvorkommenden Kundenservice wie Scott vom gemeinsamen Putzplan der WG. Na gut. Dann pinnte Moira eben eine kurze Mitteillug einschließlich ihrer E-Mail-Adresse an das Brett. Eine schlauere Lösung fiel ihr ad hoc eh nicht ein und unnütz die Däumchen zu drehen während sie darauf wartete, ob der Besitzer des Notizbuches sie wie durch ein Wunder eines Tages von selbst kontaktierte – da würde Moira ja ihren zukünftigen Kindern noch aus dem Buch vorlesen können.

    Was für ein ungünstiger Ort für ein schwarzes Brett. Ob der wechselnden Möblierung bekam Moira das Gefühl, den offiziell begehbaren Teil des Hotels verlassen zu haben und in den Gängen herumzuschleichen, zu denen eigentlich nur dem Personal der Zutritt gestattet war. Irgendwie bezweifelte sie deshalb, das Groß der Gäste würde sich überhaupt bis in diese Ecke verirren.

    Da erreichte Moira wie vorhergesagt eine Tür. Merkwürdig. Sie sah in keiner Weise nach der Bauart aus, hinter der man einen weiteren Raum wähnte; dafür bestand sie aus einem viel zu schwerem Material und ein Riegel deutete darauf hin, dass sie regelmäßig von innen heraus abgeschlossen wurde. Moira musste sogar ihr Gewicht gegen das Metall stemmen, um die Tür überhaupt weit genug zu öffnen. Sie zwängte sich nach draußen und … .

    Augenblick.

    Hier hing kein schwarzes Brett. Das hier war der Innenhof des Gebäudes! Parkende Autos, Mülltonnen und ein Haufen Sperrmüll - dieser Halunke an der Rezeption hatte Moira dreist zur Hintertür hinausgeschickt! Erbost schnappte die Banshee nach Luft. Dieser gemeine Blödmann! Dem würde Moira aber etwas erzählen sie so zu veralbern! Schon kehrte Moira dem Parkplatz den Rücken zu und in ihrer Entschlossenheit, dem Rezeptionisten ordentlich die Meinung zu geigen, griff sie nach der Türklinke.

    Mitten in der Bewegung hielt sie jedoch inne.

    War da ein Geräusch?

    Entweder spielten Moiras Sinne ihr vor lauter Anspannung einen miesen Streich oder die Ohren der Banshee hatten wirklich Schritte zwischen den Autos wahrgenommen. Dabei befand sich außer Moira selbst keine Menschenseele auf dem Parkplatz.

    Oder etwa doch?

    Die fortgeschrittene Dämmerung sowie die spärliche Außenbeleuchtung machte es für Moira schwer zu erkennen, was in den dunklen Schatten vonstattenging; trotzdem hätte sie darauf geschworen, die einzige Person hier draußen zu sein. Jetzt herrschte allerdings Ruhe.

    Irgendwie wurde das gruselig. Eilig wandte Moira ihre suchenden Augen von den Fahrzeugen ab, denn sie hatte genug Horrorfilme gesehen um zu wissen, dass den Einzelkämpfer zu mimen in solchen Situationen die dümmste Idee überhaupt darstellte. Lieber vergeudetet sie ihre Zeit mit einem unhöflichen Rezeptionisten. Dann passierte alles binnen von Sekunden.

    Moira spürte plötzlich eine Hand nach ihren Haaren greifen; beinahe gleichzeitig zerrte sie jemand grob daran nach hinten und der jähe Ruck ließ Moira rücklings über die eigenen Füße stolpern. Hart schlug sie mit dem Steiß auf den Pflastersteinen des Innenhofs auf und vor Schreck und des Schmerzes schrillte ein erschrockenes Quieken über ihre Stimmbänder. Hey, das-... was sollte das denn?! Sie riss den Blick nach oben.

    Und schluckte beklommen.

    Wenige Meter vor Moira lauerte eine zusammengekauerte Gestalt im Zwielicht und Moira erkannte in der Hektik des Moments wenig mehr denn den Schattenwurf eingefallener Gesichtszüge sowie hagere Gliedmaßen und struppiges Haar. Was für ein Schreckgespenst! Es schmetterte Moira ein nach einer Frauenstimme klingendes Fauchen entgegen – gerade so als wäre die Banshee diejenige in dieser Situation, die ihm etwas zu Leide tat und der aggressive Laut fuhr ungehindert wie ein Peitschenhieb in Moiras Muskeln. Bloß-... bloß weg hier! Raus aus der Reichweite dieser Verrückten! In größter Hektik versuchte sich Moira auf die Beine zu kämpfen aber als ihre Angreiferin diese Bemühungen durchschaute, sprang sie der Banshee mit einem schnellen Satz regelrecht ins Gesicht. Reflexartig schlug Moira beide Arme wie einen Schutzschild über ihrem Kopf zusammen und ein einziger, atemloser Schrei nach Rettung wurde krampfhaft von ihrer hämmernden Brust hervor gepumpt. „Hilf-.... !“

    Ein dumpfer Knall ertönte.

    Unmittelbar darauf hörte Moira die raue Frauenstimme jämmerlich aufheulen und weil der erwartete Überfall ausblieb, wagte sie es vorsichtig die Lider zu heben. Was war geschehen? Da stiegen zwei Füße über die Banshee hinweg.

    Moiras Aufmerksamkeit kletterte an einem Paar bekannt vorkommender Schnürboots hinauf und noch weiter höher an den dunkelgrauen Ripped Jeans entlang, unterdessen Colin mit bedrohlicher Gelassenheit auf Moiras Angreiferin zu schritt. Wo kam er denn auf einmal her?! Ein Ende mit der Hand umfasst, trug der Wolf eine alte Holzlatte auf der Schulter. Jetzt realisierte Moira auch wie die Vogelscheuche angeschlagen von links nach rechts torkelte. Sie vollbrachte es jedoch außergewöhnlich schnell ihre Benommenheit abzuschütteln und schoss hernach grunzend auf Colin zu, welcher in exakt diesem Moment das Stück Holz mit beiden Händen packte und es gekonnt in ihre Richtung schwang wie einen Cricketschläger. Statt gegen einen Ball prallte die Latte gegen den Kopf der Frau. Uh, Volltreffer! Ihr schmerzerfülltes Jaulen drang erneut an Moiras Ohren und dieses Mal fiel der Hieb offenbar deutlich stärker aus, denn die Wucht des Aufpralls beförderte die Frau glatt zu Boden. Auf allen Vieren kroch sie über die kalten Steine hinweg als müsse sie ihr Bewusstsein erst von dort unten aufkratzen. Für Colin schien die Sache damit bei Weiten nicht geklärt zu sein. Bewaffnet mit seiner Schlagwaffe stolzierte er auf das Schreckgespenst zu; dieses bleckte vor ihm die Zähne und ehe Moira Colin eine Warnung zuzurufen vermochte, fuhr die Frau plötzlich hoch. Doch es folgte kein Angriff auf Colin. So schnell wie es ihr Zustand erlaubte, ergriff die Frau angesichts von Colins durchschlagenden Argumenten die Flucht, um schlussendlich hinter den Mülltonnen in einer dunklen Ecke zu verschwinden. Colin verzichtete darauf sie zu verfolgen. Mit Sicherheit würde sie vorerst sowieso gebührenden Abstand zu ihm oder zu Moira halten. Das hatte Colin ihr definitiv eingebläut.

    Moira schaute zu ihm auf. Dass der Wolf zu ihrer Hilfe herbeigeeilt war, überspülte sie mit einer Flut an Erleichterung und sie fühlte ihren aufgeregten Puls gegen ihr Trommelfell pochen. Diese Begegnung würde Moira ganz bestimmt noch ein Weilchen mit sich herumtragen müssen, so viel stand fest. „Vielen Dank, Colin. Zum Glück bist du rechtzeitig hier gewesen“, japste sie. „Ob das ein Junkie war?“

    Mit einer legeren Bewegung warf Colin das Holzbrett auf den Sperrmüllhaufen, aus dem er es allen Anschein nach ursprünglich hervorgezogen hatte. Im Anschluss kam er Moira entgegen und dankbar streckte die Banshee eine Hand nach ihm aus. Anstatt ihr – wie Kolja oder Niall es getan hätten – auf die Füße zu helfen, ignorierte Colin diese Geste total und stiefelte schnurgerade an Moira vorbei. Sie seufzte. Na gut, dann wohl eben nicht. Während sie sich also aus eigener Kraft vom Fußboden aufrappelte, beobachtete Moira wie Colin im Halbdunkel die parkenden Fahrzeuge musterte. Suchte er etwas? Oder jemanden? Beiläufig meinte er: „Das war kein Junkie. Das war 'n verdammter Wechselbalg.“

    Ein Wechselbalg? „Bist du sicher?“ Wie sollte ein Wechselbalg denn so nah ans Stadtzentrum gelangen? Die labyrinthartigen Maulwurfsbauten dieser Kreaturen lagen tief unter der Erdoberfläche und um zu verhindern, dass die Wechselbälger unkontrolliert arglose Menschen dort hinab verschleppten, wurden die Zugänge innerhalb des Gemeindegebiets schon vor Dekaden versiegelt. Selbst wenn eines der Wechselbälger durch ein Loch außerhalb der Stadtgrenzen an die Oberfläche drang – um derart weit zur Zivilisation vorzustoßen, müsste es sich für eine ganze Weile dem Tageslicht aussetzen und für die Augen eines Wesens, welches seinen Lebtag in Finsternis zubrachte und deshalb keine Helligkeit kannte, grenzte das vermutlich fast schon an körperlicher Folter. An einem Ort wie diesem hier auf einen Wechselbalg zu stoßen erschien Moira daher abwegig. Woraus zog Colin somit diesen Schluss?

    Seine Erklärung fiel kurz und knapp aus. „Das Ding hat nach Erde gestunken. Und nach nichts sonst.“ Der Wechselbalg besaß keinen eigenen Geruch? Okay. Nun, Colins Nase führte man schwerlich hinters Licht, weshalb Moira keinen Grund sah, ihm oder seiner Einschätzung keinen Glauben zu schenken.

    Wo sie einmal über Freaks redeten, die unverhofft in Hinterhöfen auftauchten … . „Was machst du hier?“, wollte Moira von Colin erfahren und klopfte dabei ein wenig Dreck von ihrem Hosenboden ab. Aus Colins Perspektive betrachtet lag das Rom nämlich auf keiner seiner üblichen Strecken, zumindest auf keiner von der Moira wusste.

    Nach wie vor die Fahrzeuge im Fokus antwortete der Wolf: „Der Typ der mir ein neues Rücklicht schuldet, hat angeblich seine Karre hier geparkt.“

    'Angeblich'? „Du hast Ailbhes Angebot also doch angenommen?“

    „Erstens habe ich es nie abgelehnt und zweitens hat Abby ihr meine Nummer ja sowieso schon zugeschoben.“ Colins muffeliger Tonlage nach zu schließen stellte sich der Hinweis der Fee jedoch als falsche Fährte heraus. „Wie's aussieht komme ich zu spät“, grummelte er in seine Bartstoppeln hinein.

    „Also für mich bist du gerade rechtzeitig gekommen.“ Um Colin zu zeigen, dass sein Beistand ihr wirklich viel bedeutete, schickte Moira ihren Worten ein Lächeln hinterher. Im Gegenzug bekam sie von Colin lediglich einen schiefen Blick zurückgeworfen und seine ungenierte Abweisung fegte die gute Laune aus Moiras Gesicht. Na ja … immerhin würdigte er sie überhaupt seiner Beachtung, nicht wahr?

    „Was für ein erfolgloser Hotelbesuch“, klagte Moira. Durch die Attacke des Wechselbalgs war der Banshee das Notizbuch aus der Hand gefallen, daher hob sie es auf und wischte den Einband sauber. Nach all dem Ärger der letzten Minuten stand ihr der Sinn wahrlich kein Stück danach ein zweites Mal mit dem Rezeptionisten darüber reden zu müssen. Sie wollte das Buch doch bloß ganz unkompliziert mit seinem Besitzer zusammenbringen!

    Ihr Kommentar wurde von Colin mit dem üblichen Spott quittiert. „Vielleicht solltest du mal versuchen zum Vordereingang reinzugehen. Auf 'nem Parkplatz ist nämlich meistens nicht gerade der Teufel los. Heute mal ausgeklammert.“

    „Ich war doch schon am Empfang“, klärte Moira den Wolf auf. „Aber der Mann am Tresen ist keine große Hilfe.“ Und diese Formulierung schmeichelte ihm sogar noch. Moira konnte es nicht fassen, ausgerechnet der falschen Wegbeschreibung dieses unhöflichen Kerls auf dem Leim gegangen zu sein. Wie peinlich! Besser, sie behielt gegenüber Colin Stillschweigen über dieses Detail, sonst zog er sie bei der erst besten Gelegenheit damit auf.

    Zum Glück interessierte es Scotts Bruder wenig, weshalb Moira das Hotel über den Parkplatz verließ. Er sagte: „Du hast in dem Buch doch 'nen Namen gefunden. Sag dem Typen da drinnen einfach, er soll sein Gästebuch nach jemanden durchgucken, der so heißt und wenn er was Passendes findet, fragt er bei demjenigen nach. Was soll'n daran so kompliziert sein?“

    Wenn es nur so simpel wäre. Für den Rezeptionisten stellte es ja schon einen zu großen Aufwand dar im System nach einer simplen Notiz seiner Kollegen nachzuschauen und das Gästeverzeichnis zu filtern verlangte sogar noch einige Mausklicks mehr von ihm. Da Moira allerdings ungern schlecht über andere Leute redete, begrenzte sie ihre Antwort auf Colins Vorschlag auf das wahrscheinliche Resultat. „Ich bezweifle, dass er dafür bereit ist.“

    „Dann schaust du halt selbst nach.“

    Wie bitte? „Wie soll ich das anstellen?“, musste Moira fragen. Schließlich würde der Rezeptionist unmöglich so ohne Weiteres einen Schritt zur Seite tun, damit Moira in Ruhe die Kundenkartei seines Arbeitgebers durchforsten konnte – und das vermutlich noch nicht mal wegen des Datenschutzes, sondern aus schierer Faulheit.

    Für Colin lag die Antwort auf der Hand. „Du hast doch früher oft genug für Scott und mich Schmiere gestanden, um zu wissen wie so was geht. Warte, bis der Typ abgelenkt ist und dann vergreifst du dich an seinen Sachen.“ Damit kürzte Colin die damaligen Umstände aber immens ab! So wie er es darstellte bekam man ja den Eindruck, Moira hätte ihm und Scott geholfen, weil sie von den Brüdern lernen wollte. In Wirklichkeit war es ihr immer nur darum gegangen ihnen Ärger vom Hals zu halten, da es seinerzeit wie heute ans Unmögliche grenzte, diese zwei Sturköpfe durch Reden von ihren Dummheiten abzubringen. Um des Friedens willen verzichtete Moira darauf, den Wolf zu korrigieren. Davon abgesehen:

    „Ich halte das für keine gute Idee“, gestand Moira. „Es ist richtig, dass ich dieses Notizbuch loswerden will aber ich will mir dafür keine Schwierigkeiten aufladen.“

    Diese Bedenken wurden von Colin mit einem abwertenden Prusten abgetan, denn er vertrat die Auffassung: „Schwierigkeiten bekommst du nur, wenn du dich erwischen lässt. Und was soll dann passieren? Ist ja nicht so als ob du den Kram mitgehen lässt. Im schlimmsten Fall wirft man dich aus dem Hotel und das war's.“

    Moira legte grüblerisch die Stirn in Falten. Sie wollte Colin gern widersprechen, allerdings fiel ihr partout keine Entgegnung ein, die seinem Standpunkt den Boden nehmen würde. Außer einer unangenehmen Situation … ja, welche Konsequenzen musste Moira schon befürchten? Was hinderte sie daran, im günstigen Moment flugs den Namen aus dem Buch im Hotelcomputer einzugeben und eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse abzuschreiben? Man tat es nicht, richtig. Aber normalerweise erfuhr man in einem Hotel auch einen entgegenkommenden Umgang, von daher … . Verflixt und zugenäht! Weshalb klang Colins pragmatische Herangehensweise bloß so … so … rational?

    Na gut. Solange es Moira dazu diente, das Notizbuch loszuwerden, wollte sie es riskieren. „Stehst du für mich Schmiere?“, bat sie Colin um Hilfe. In der Zeit, in der sie mit der Suchabfrage beschäftigt war, konnte sie schwerlich ein Auge auf den Rezeptionisten werfen.

    Colin schmetterte ihre Bitte allerdings ab. „Ganz bestimmt nicht.“

    „Bitte, Colin. Ich kann nicht den Computer bedienen und gleichzeitig darauf achten, dass die Luft rein ist.“

    „Und das ist mein Problem?“

    Die Banshee presste die Lippen auf einander. Nein, im Grunde war es tatsächlich nicht Colins Problem, wie Moira seinen Vorschlag umsetzte. Doch was, wenn es das plötzlich wurde? Aus den Augenwinkeln flackerte Moiras Blick zu den Fahrzeugen im Innenhof und dann unterbreitete sie Colin folgende Idee: „Wenn der Fahrer, den du suchst, hier geparkt hat, dann ist er mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Gast dieses Hotels. Du hast gesagt, das Kennzeichen würde aus dem County Cork stammen. Wir könnten die Gästeliste nach Adressen aus dieser Region filtern. Danach hättest du zumindest einen Namen nach dem du herumfragen könntest. “

    Trotz der einkehrenden Dunkelheit registrierte Moira die Bewegung in Colins Zügen, mit der der Wolf nachdenklich die Brauen zusammenzog. Sie kannte diese Miene; Colin wägte ab, in welchem Verhältnis der Aufwand zum Nutzen stand und ob diese Aktion überhaupt Erfolg versprach. Scheinbar fehlte noch ein kleiner Schubs, um ihn zu überzeugen. So versetzte Moira ihm diesen, indem sie ihren Worten hinzufügte: „Das ist mehr als du jetzt hast, oder nicht?“

    Daraufhin warf Colin genervt die Hände in die Luft. „Meinetwegen“, stöhnte er. Yay! Er half ihr! Moira schlug freudig die Hände zusammen. „Aber damit das klar ist.“ Er deutete mit dem Finger auf die Banshee. „Falls uns jemand erwischen sollte, dann habe ich nichts mit dir am Hut, verstanden? Dann gehören wir nicht zusammen und wir kennen uns auch nicht. Und jetzt los. Wir nehmen die Hintertür.“

    Moira


    Die niedrigstehende Herbstsonne schmeichelte dem West End Townhouse Hotel kein bisschen. Normalerweise verliehen die speziellen Lichtverhältnisse kurz vor Sonnenuntergang einem Motiv einen ganz besonderen Flair aber diese rotbraune Backsteinfassade … . Selbst der talentierteste Lichttechniker der Welt scheiterte eben daran, eine alternde Diva ins Rampenlicht des strahlenden Sternchens zu rücken, das sie vor zwanzig Jahren einmal war. Das Notizbuch in der Hand schaute Moira die fünf Stockwerke hinauf. Gusseiserne Balustraden sowie verwitterte Blumenkästen dekorierten die hohen, lange nicht mehr gestrichenen Fenster und zusammen mit den altmodischen Vorhängen sorgten sie zumindest für eine einigermaßen wohnliche Atmosphäre. Wie beinahe alle Gebäude im Stadtzentrum schlossen sich die Nachbarhäuser nahtlos Reih an Reih an. Moira wusste den Charme dieses historischen Baustils wirklich zu schätzen; im Falle des Roms hob der direkte Vergleich allerdings recht unvorteilhaft seine diversen Schönheitsmakel hervor. Es wäre unrecht zu behaupten, das Hotel befände sich in einen schmutzigen Zustand. Im Laufe der Zeit hatte man lediglich versäumt, nun ja, mit eben dieser mitzugehen und so glich ein Aufenthalt im Rom einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit – Nostalgiefaktor leider nicht inklusive.

    Soweit Moiras Erinnerungen keine Lücken aufwiesen, wurde das Rom seit je her von den Menschen geleitet. Das erklärte die Löcher in der Markise, welche über der Eingangstür hing um die Gäste des Hotels ins Innere zu lotsen. Vermutlich dachten die Menschen Wind und Wetter würden an dem ausgeblichenen roten Stoff nagen, doch in Wahrheit nutzten die Pixies solches Material gern zum Nestbau und jeder Freak hätte dem Schaden schon im Vorfeld mittels eines kleinen, bereitgestellten Vorrats an wesentlich flauschiger Watte vorgebeugt.

    Neben der Tür hing ein Schild in den Gehweg hinein. In großen Buchstaben verkündete es einem jeden Passanten den Namen des Hotels, allerdings verwendete trotzdem kaum ein Bewohner dieser Stadt die offizielle Bezeichnung. Stattdessen sprachen die Leute nur vom Rom. Unweigerlich betrachtete Moira die Reklame; im Grunde bestand sie viel mehr aus zwei Schildern: aus einer großen, stabilen Platte und darunter baumelte lose an zwei Ketten eine kleine Tafel vor und zurück. Ein Zusatzschildchen, sozusagen. Seit Ewigkeiten stellten die Eigentümer des Hotels darauf mit aufgenagelten Holzbuchstaben die Behauptung auf, die 'best rooms in town' anzubieten, die besten Zimmer in der ganzen Stadt. So gesehen steckte hinter diesem Selbstlob keine Lüge, wobei solche Errungenschaften in Moiras Augen schon ein bisschen ihren Wert verloren, wenn man sowieso als einziger in der Gegend ein Hotel unterhielt. Nein, Moment … Moira korrigierte ihre Gedankengänge. Eigentlich versprach das Hotel gar nicht die 'best rooms in town', sondern die 'best ro_ms in town', da eines der O's schon während Moiras Jugendzeiten herabgefallen und seitdem nie ersetzt worden war. Und weil die Buchstaben relativ eng beieinander gequetscht standen, las man automatisch an Stelle des Wörtchens 'room', 'rom'. Tja, so schnell handelte man sich ungewollt einen Spitznamen ein.

    Das O war herabgefallen. So konnte man das wohl auslegen, wenn man wollte. Selbstverständlich hing Moira es nicht an die große Glocke, aber der Buchstabe hatte seinerzeit keineswegs allein der Schwerkraft wegen den Weg abwärts gesucht. Damals während der Herbstferien in der siebten Klasse hatten sich Scott und Colin einen Wettbewerb darum geliefert, wer von ihnen beiden der Bessere im Steinewerfen sei und dabei das unschuldige Pendelschildchen zum idealen Ziel ihres Kräftemessens auserkoren. Am Ende war Colin als Sieger hervorgegangen, denn sein Wurf hatte nicht nur das Schild ordentlich in Schwung versetzt, sondern zugleich das O zu Fall gebracht, welches er infolgedessen als seine Siegestrophäe beansprucht und Moira geschenkt hatte.

    In den Schubladen ihres Gedächtnisses sammelte Moira zahlreiche Erinnerungen dieser Art. An miteinander verbrachte Ferien, an Geburtstagsfeiern und die vielen alltäglichen Begebenheiten, dank denen der Alltag eines Heranwachsenden ein bisschen spannender wurde. Zum Beispiel der Tanzkurs, zu dem die Banshee Colin überreden konnte oder daran wie er ihr gezeigt hatte, unfallfrei mit dem Fahrrad zu fahren. Wie man auf Bäume kletterte, wie unfassbar gut Nougathörnchen schmeckten, dass sich eine Rutsche auch von unten nach oben hinaufkraxeln ließ und was für eine Bereicherung kreative Hobbies darstellten. Moira erinnerte sich zudem daran, dass Colin sie und Scott jedes Mal ins Freibad begleitet hatte, obwohl es ihm eigentlich kein Bisschen behagte nass zu werden. Aus irgendeinem Grund beharrte er nämlich darauf bei Nässe immer so unangenehm zu stinken und laut Hazels und Koljas Äußerungen in Bezug auf Scott und Abby, entwickelten die Geschwister angeblich wirklich gewisse Gerüche, wann immer sie unvorbereitet in den Regen gerieten. Irgendwie ging das an Moira vorbei. Für sie stank Colin nie, im Gegenteil. Sie mochte Colins Geruch sogar sehr gern.

    Ob er wohl nach wie vor zu ängstlich war, um vom Fünf-Meter-Turm zu springen? Früher schafften es keine zehn Zentauren Colin dazu zu bewegen von so weit oben ins Wasser einzutauchen und allein der Blick über die Kante hinweg hatte genügt, ihn regelrecht in eine Schreckensstarre zu versetzen. Dass Scott es lustig fand, ihn dieses eine Mal ohne Vorwarnung runter zustoßen durfte dem Ganzen sicherlich wenig abgeholfen haben und Moira würde niemals Colins traumatisiertes Gesicht vergessen, mit dem er im Anschluss zum Beckenrand hinausgeklettert war.

    Colin … . So unzählige geteilte Momente existierten zwischen ihm und Moira; mindestens ebenso viele wie mit Scott. Doch irgendwie stammten sie alle aus einer Zeit vor ihrem Erwachsenendasein und Moira wusste sich partout nicht zu erklären, weshalb sie und Colin aufgehört hatten das Album ihrer gemeinsamen Erinnerungen weiter zu füllen.

    Ertappt presste Moira ihre Lippen aufeinander. Sie tat es schon wieder; schon wieder flocht sie Colin in ihre Gedankengänge ein. Hätte Niall Moira nicht mit seinen Andeutungen geneckt, wäre ihr vermutlich niemals bewusst geworden mit welcher Häufigkeit Scotts Bruder durch ihren Verstand spazierte. Moiras gesamte Gefühlswelt stand deswegen völlig auf dem Kopf! Hegte sie tatsächlich eine tiefere Zuneigung zu Colin? Woher sollte diese nach all den Jahren plötzlich kommen und wieso füllte sich ihr Bauch mit einem knisternden Cocktail aus lauter positiven Empfindungen, sobald sie die Möglichkeit, in Colin verliebt zu sein, in Erwägung zog?

    Ein Gast trat aus dem Inneren des Roms auf die Straße und weckte Moira auf diese Weise auf. Richtig, sie wollte dieses Notizbuch abgeben. Besser sie kam in die Puschen, sonst stand Moira demnächst noch im Dunkeln herum. So schritt die Banshee also unter der alten Markise zum Hoteleingang hindurch, öffnete die Tür und dann stand sie in der Lobby.

    Moira musste gestehen, dass der Begriff 'Lobby' ein bisschen hoch gegriffen war. Kein weitläufiger Raum mit Sitzmöglichkeiten für Gäste, die darauf warteten ein- oder auszuchecken, breitete sich vor ihr aus; viel mehr hatte man in einem langen Flur einen Teppich ausgerollt und auf einer Seite einen Holztresen errichtet. Die Einrichtung wirkte ebensowenig modern wie das Gebäude an sich und Moira überlegte, ob die grüne Tapete wohl eine intensivere Farbe vorwies, wenn man hinter die gerahmten Fotografien an der Wand linste.

    Gegenüber des Tresens führte eine Treppe in die oberen Stockwerke. Darüber erreichte man die Zimmer und der Rezeptionist am Empfang vermochte ob seiner Position hervorragend im Blick zu behalten, wer alles dort hinaufging, beziehungsweise von oben herabstieg.

    Das hieß … vorausgesetzt, es interessierte ihn.

    Ein junger Mann stand vornübergebeugt hinter dem Tresen und anhand des Geflimmers auf seinen Wangen erkannte Moira, dass er aller Wahrscheinlichkeit nach auf seinem Smartphone herumspielte. Insgesamt hinterließ er einen recht lustlosen Eindruck auf Moira; er schaute ja noch nicht einmal auf, als die Tür hinter der Banshee hörbar ins Schloss fiel.

    „Hallo“, machte sich Moira bemerkbar, während sie zum Tresen lief und davor stehen blieb. Ohne von seiner Beschäftigung aufzusehen erwiderte der Rezeptionist gelangweilt die Begrüßung und obgleich Moira ihm ein paar Sekunden dafür zugestand, legte er weder das Telefon weg, noch fragte er, was er für sie tun durfte. Vielleicht besaß Moira ja falsche Vorstellungen davon wie ein Hotel geführt wurde aber sollte ein Etablissement, welches davon lebte Gäste zu beherbergen nicht ... nun ja … Gäste auch willkommen heißen? Kurz flackerte ihr Augenmerk zu der jungfräulichen Zigarette, die ihrem Gegenüber hinter dem Ohr klemmte. Welchen Zweck das wohl verfolgte?

    Weil der Hotelangestellte keinerlei Anstalten unternahm auf Moira einzugehen, brachte sie ihr Anliegen unaufgefordert vor: „Hat sich einer Ihrer Gäste zufällig nach einem vermissten Notizbuch erkundigt? Ich habe eins gefunden und ich gehe davon aus, dass der Besitzer ein Zimmer bei Ihnen gemietet hat.“

    „Nope“, lautete die knapp gefasste Antwort, dabei hatte er doch überhaupt nicht über Moiras Frage nachgedacht.

    Sie blieb daher hartnäckig. „Sind Sie sicher? Keiner Ihrer Kollegen hat eine Anfrage entgegengenommen?“

    „Glaube nicht.“

    Moira kräuselte die Stirn. Eine etwas spezifischere Auskunft wäre wirklich nett. „Können Sie vielleicht nachsehen? Eventuell wurde ja ein Vermerk im System hinterlegt.“ In dem Fachgeschäft für Fotografie, in dem Moira arbeitete, gehörte es unter den Angestellten zur gängigen Praxis füreinander Notizen zu hinterlassen, damit jeder von ihnen gleichermaßen über eine Bestellung oder einen Auftrag Bescheid wusste und somit die Kundschaft bedienen konnte.

    Genervt rollte der Rezeptionist daraufhin mit den Augen und versetzte der Maus seines Computers einen patzigen Stoß. „Kein Vermerk“, nuschelte er, obwohl er seine Aufmerksamkeit keine einzige Sekunde lang auf den Monitor richtete. Also das war doch … !

    So einiges lag Moira auf der Zunge, doch aus Höflichkeit verkniff sie sich jeglichen Kommentar über die Arbeitsmoral dieses Kerls. Es kümmerte ihn wahrscheinlich sowieso kein bisschen und Moira wollte endlich dieses Notizbuch loswerden. „Ist es dann vielleicht möglich, das Buch bei Ihnen zu lassen? Ich bin mir sicher, dass es einem Ihrer Gäste gehört. Bestimmt wird demnächst jemand danach fragen.“

    „Ne, ist nicht möglich.“

    „Wieso denn nicht?“

    Sodann hob der Rezeptionist erstmalig den Blick zu Moira und blaffte sie unhöflich an: „Weil das nicht mein Job ist“ und unterdessen Moira verdutzt den Mund zuklappte, wedelte er die Banshee lapidar davon. „Da hinten hängt ein schwarzes Brett. Klemmen Sie halt eine Nachricht dran, wenn es Ihnen so wichtig ist.“

    Mit den Augen verfolgte Moira den laxen Fingerzeig des Angestellten zum hinteren Ende des Flurs, entdeckte von ihrem Standpunkt am Tresen jedoch keinen besagten Aushang. „Wo denn?“, hakte sie deswegen nach, worauf ihr der Rezeptionist eine Wegbeschreibung vor die Füße spukte.

    „Hinten rechts um die Ecke und den Flur entlang bis zur ersten Tür auf der linken Seite. Da gehen Sie halt durch und dann laufen Sie praktisch schon dagegen.“

    Na okay. Moira zwang sich ein Danke für diese Information ab, welches dem Mann am Empfang allerdings schnurgerade am Allerwertesten vorbei ging. Er klebte sowieso bereits wieder am Smartphone, also begab sich Moira auf die Suche nach dem schwarzen Brett.

    Rabatt im sinne von "Blumenbeet" kenne ich überhaupt nicht xD Das kommt mir fast vor wie Autokorrektur :rofl:

    Eine Rabatte (feminin) ist ein schmaler, bepflanzter Zierstreifen, der Teile eines Grundstücks optisch unterteilt. Im Gegensatz dazu impliziert ein einfaches Beet meistens die pragmatische Option, die Anpflanzung zu ernten. Dieser Zweck wird von einer Rabatte nicht erfüllt.

    Guten Morgen,


    ich weiß nicht, ob und wie es mit diesem Thread weitergeht.

    Im Startpost hatte ich ja schon angekündigt, keine neuen Teile bereitzustellen, wenn sich die Situation mit den Mehrfachposts aus Ep2 fortsetzt. Jetzt bin ich mittlerweile bei Vierfachposts, wenn ich stumpfsinnig weitergepostet hätte, bei Sechsfachposts und das ist demotivierend.

    Mein Hauptantrieb meine Geschichte hier zu veröffentlichen besteht daraus, eine Möglichkeit zu haben mich über meine Charaktere und die Welt austauschen zu können, weil außerhalb dieses Threads niemanden dazu bereit oder in der Lage ist. Nun passiert das aber nicht, weshalb hier zu Posten für mich derzeit nicht mehr ist als Aufwand, für den ich mich schlecht fühle.


    Sorry, dass ich dir keine Antwort geben kann.

    Ich bin großer Fan von humoristischen Texten, also habe ich mir deinen gleich mal reingezogen ^^

    Für meine Gewohnheiten ist der Humor sehr bodenständig und brav, was aber nicht schlimm ist oder so :D Man muss es ja nicht immer auf die Spitze treiben. Ich mag die Pointen, die du verwendest, z. B. die Wiederholung vom Taft-Slogan.


    Wo hat der Staatsanwalt denn diesen Zeugen ausgebuddelt?! Der sieht ja schon total unglaubwürdig aus mit seiner Lederjacke und dem Piercing. Nee, nee, mein Lieber sooo wird das nix!

    Leider leider ein sehr wahres Vorurteil ^^ Wobei es in meinem Fall schon öfter für grandiose Blicke gesorgt hat, wenn ich lederjacken- und sidecutetragende Person auf einmal mit Paragraphen um mich geschmissen habe xD


    Wie jetzt, Überraschungszeuge? Das war so aber nicht geplant!

    Achtung Kluggscheißermodus: Alle Zeugen müssen vorher geladen werden und sowas wie einen Überraschungszeugen gibt es somit nicht :D Es gibt höchstens einen überraschenden Zeugen, aber der tritt nicht ohne Wissen der Anwälte auf.

    Ansonsten was Lady bereits erwähnt hat ^^

    Eigentlich sollte es nur eine Kurzgeschichte werden, aber mittlerweile hat sich herausgestellt, dass ich da mindestens 3 Teile in Romanlänge schreiben muss/kann/darf.

    Ja ... ich hab meinen Text auch auf drei Episoden angelegt, um überhaupt auf eine einigermaßen hinnehmbare Romanlänge zu kommen, da ich dachte pro Teilhandlung keine 100 Seiten zusammenzukriegen und jetzt, fast 1000 Normseiten später, ist das Ende dieses Projekt immer noch nicht greifbar :S

    Hallo 🐇💨

    Ich weiß nicht, ob das dein Ziel war, aber die Szene mit Jakop und Delgars hat mir ziemlich deutlich gemacht, wie lächerlich schlecht die Exekutive von Catrellak funktioniert ô.o Es gibt eine korrupte Garde, denen in Form der Krieger eine Gegenpartei vor die Nase gesetzt wird und die jeder Zeit die Entscheidungen der Gardisten in Frage stellen kann. Das raubt der Garde ihre Autorität aber gleichzeitig haben die Krieger scheinbar keine Befugnisse, z. B. wie in Jakops Fall eine Art zusätzliche Investigation anzuordnen, was das Einschreiten von Sira und Harka zumindest in meinen Augen von Anfang an in gewisser Weise zwecklos macht. Da muss erst zufällig Rüstan als Magier vorbei spazieren, um die zwei Basispfeiler für Recht und Ordnung in der Stadt daran zu erinnern, dass im Zweifelsfall die Judikative entscheiden muss und außerdem hebelt er noch eine festgeschriebene Strafe für ein Vergehen aus, indem er auf Jakops Berufsstand verweist. Mal ein Beispiel zurecht gesponnen, erlaubt diese Logik Delgars Hochverrat zu begehen aber weil Gardisten ja dringend gebraucht werden um für die Sicherheit in der Stadt zu sorgen (oder auch nicht), wird er nicht hingerichtet und darf weiter in der Garde arbeiten.

    Mir persönlich ist an dieser Stelle auch egal, ob das "damals"™ wirklich so lief. Als Leser bringt mich die Szene dazu, grundsätzlichdas ganze System anzuzweifeln xD


    Was Delgars Motivation angeht, denke (hoffe?) ich, dass nicht einfach nur schiere Bosheit dahinter steckt. Vlt trägt Jakop ja ein Stück vom bösen Untoten Zauberer in sich, was Delgars durch seine Kontakte - von denen ich an dieser Stelle ja eigentlich nichts weiß - bekannt ist :hmm:



    „Dein Rücklicht ist demoliert“, teilte das Gespenst Colin bei seiner Ankunft mit. Offenbar war Kevin bei seinem Weg ins Tír na nÓg an Colins parkenden Wagen vorbeigelaufen und hatte den Schaden daran bemerkt. Er belehrte den Wolf: „Du musst es reparieren lassen, sonst wirst du von der Polizei angehalten.“

    „Ich weiß. Morgen hab' ich 'nen Termin mit der Werkstatt.“ Dann würden diese Kfz-Heinis Colin das sowieso schon knappe Geld aus der Tasche ziehen, obwohl er keinerlei Schuld an dem Schlamassel trug. Was für ein behinderter Rotz! Nicht Colin sollte für die Reparatur blechen müssen, sondern dieser Penner in seiner roten Rostlaube. Colins Laune legte schlagartig einen Sinkflug in den Keller hin. Dem Typen gehörte für seine Fahrerflucht der Hals umgedreht, gottverdammt!

    Mit seinem Hinweis sah Kevin seinen Freundschaftsdienst gegenüber Colin als erfüllt, denn er kehrte dem Rüden wortlos den Rücken zu und startete seine Schicht, was im Hinblick auf die Persönlichkeit des Gespenstes einem verstehenden Nicken mit anschließendem 'Okay' entsprach. Dafür wollte Scott von seinem Bruder erfahren: „Was willst du jetzt wegen dem Idioten machen?“

    Wenn Colin das wüsste. Er kannte ja noch nicht einmal das vollständige Kennzeichen. So gesehen fehlte ihm jeder Ansatzpunkt, der ihm dabei half den Drecksack aufzuspüren und die Kohle von ihm einzufordern. Und bis sich die Behörden in dieser Stadt endlich einmal auskästen, würde Colin schon längst Rente beziehen. Nein, ihm blieb keine andere Option als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Wie er das tun sollte? Keinen Schimmer! „Ich halte die Augen auf und sobald ich seine Schrottmühle sehe, knöpfe ich ihn mir vor.“ Colin war bewusst, dass sein Plan die Bezeichnung 'wasserdicht' ungefähr im gleichen Maße verdiente wie ein kaputtes Fischernetz und sogar Scott stolperte über die klaffenden Lücken darin.

    „Ernsthaft? Dein Plan besteht daraus zu hoffen, dass der Typ dir mal eben so über den Weg läuft? Das ist dämlich.“

    „Außerdem kannst du dir nicht sicher sein, ob derjenige überhaupt noch in der Stadt ist“, warf Abby ein. „Es könnte genauso gut jemand gewesen sein, der sich nur auf der Durchreise befunden hat. Ein Tourist aus Dublin, beispielsweise.“

    Da redeten seine Geschwister so oberschlau daher als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen; brachten sie jetzt eventuell auch noch einen vernünftigen Gegenvorschlag zustande? Mürrisch verkrampfte Colin den Kiefer. „Und was soll ich eurer Meinung nach stattdessen tun?“

    Sogleich bellte Scott großmäulig los: „Einen besseren Plan entwickeln!“ und wurde dafür von Abby mit einem tadelnden Blick bestraft. Danach redete sie mit sanfter Stimme auf Colin ein:

    „Colin, du siehst doch sicher ein, dass dein Ansatz ein bisschen zu dünn ist, um dich bei deiner Suche tatsächlich weiterbringen zu können.“ Ach was. Er würde sich ja gern noch mehr Hinweise aus den Fingern saugen, aber das Talent aus einem verdammten Furz einen Kriminalfall zurecht zuspinnen, war ja allein Abby zugefallen. Davon abgesehen:

    „Ihr zwei gehört auch zu der Sorte, die rumnörgelt, dass die Handlung von 'nem Roman angeblich keinen Sinn macht, obwohl ihr nicht mal mit dem ersten Kapitel durch seid, was?“

    „Ich kann dir helfen, wenn du willst.“ Ungläubig registrierte Colin, wie sich Ailbhe neben ihm zu Wort meldete. Was? Ausgerechnet diese Pappnase glaubte, in irgendeiner Weise von Nutzen zu sein? Die Fee erklärte: „Ich arbeite für einen Pizzalieferdienst und komme deswegen viel herum. Wenn du mir sagst, wonach ich Ausschau halten soll, dann kann ich dir Bescheid geben sobald ich das Auto sehe.“

    „Ailbhe, das ist ein toller Vorschlag!“, trötete Abby umgehend los. „Ich kann dir Colins Telefonnummer auch direkt weiterleiten. Dann müsst ihr nicht erst umständlich eure Kontaktdaten austauschen.“ Warte, halt! Wann sollte Colin auf Ailbhes Angebot eingegangen sein!? Schon tippten die Fingerspitzen seiner Schwester emsig auf ihrem Smartphonedisplay herum und ehe Colin seinen Mund aufmachen und intervenieren konnte, ließ Ailbhes Telefon piepend den Eingang seiner Nummer verlauten. Spann Abby jetzt total?

    „Abby, lass die Scheiße gefälligst sein!“

    „Ach komm schon, Colin. Was hast du zu verlieren? Eine bessere Idee hast du doch sowieso nicht und wenn sich der Fahrer noch in der Stadt aufhält, dann hat Ailbhe große Chancen ihn auf einer ihrer Routen zu treffen.“

    So lief das nicht! Colin schlug einen bevormundenden Tonfall an. „Hör mal gut zu, Abby. Wenn ich dir sage, dass du-... hey, Abby!“ Doch Abby hörte ihm nicht zu. Für sie schien der Schlusssatz gesprochen und noch während Colin auf sie einredete, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf Moira.

    „Was ist los, Liebes?“, fragte sie die Banshee, welche ratlos den abgegriffenen Einband des Notizbuches musterte.

    Diese antwortete: „Ich weiß nicht so recht was ich mit dem Notizbuch anfangen soll. Mit nachhause nehmen möchte ich es eigentlich nicht aber ich habe auch keine Ahnung wo ich es sonst lassen könnte. Und … “, Moira schaute zu Abby hinauf, „nichts für ungut, Abby. Aber ich denke nicht, dass deine Herangehensweise, wie man seinen Besitzer ausfindig macht, für mich funktioniert.“

    Da mischte sich Scott ein: „Jetzt macht es doch nicht komplizierter als es ist. Guckt rein ob ihr einen Namen oder so findet. Hazel hat auf die erste Seite eine E-Mail-Adresse geschrieben, damit man sie in so einem Fall anschreiben kann.“ Wow, der Hinweis war sogar hilfreich.

    Ein bisschen zögerlich klappte Moira den Buchdeckel herum und wie von Scott vermutet, kauerte in einer Ecke eine handschriftlich verfasste Notiz. „Ich glaube das ist ein Name“, vermutete die Banshee und legte sodann den Kopf schief. Angestrengt verengte sie die Augen zu Schlitzen. „Heißt das … Elliot Murphy? Oder Eoin? Evelyn? Ich kann es nicht entziffern. Die Schrift ist schrecklich unleserlich.“

    „Dann ist der Besitzer ein Arzt!“, schlussfolgerte Abby überzeugt aus dieser Information und hob dabei lehrerhaft den ausgestreckten Zeigefinger in die Luft. „Ärzte haben schließlich grundsätzlich eine schlimme Handschrift. Ärzte und Männer.“

    Mit dieser Theorie ging Moira jedoch keineswegs konform. „Ich bezweifle irgendwie, dass sich das so pauschal behaupten lässt. Es gibt Frauen, die unleserlich schreiben und einige Männer mit einer sehr sauberen Schrift.“

    „Ja Mann, Colin zum Beispiel“, erwähnte Scott und deutete mit einem Nicken beiläufig in die Richtung seines Bruders. Natürlich schrieb Colin ordentlich. Was brachte es ihm denn irgendwas zu notieren, wenn er zum Schluss nur noch die Hälfte davon zu entziffern vermochte? Da konnte er sich die Mühe auch direkt schenken.

    Der Rüde beobachtete wie Moira auf der Suche nach weiteren Anhaltspunkten die nachfolgenden Seiten durchblätterte und urteilte man anhand ihrer gekräuselten Lippen, stieß sie auf keine einzige heiße Spur. Bei der Sauklaue auf dem Papier wunderte das Colin kein Stück; dieses Geschmiere sah aus, als ob ein Huhn im betrunkenen Zustand erst über ein Tintenfass und im Anschluss über die Notizen gestolpert wäre. Er vernahm das leise Seufzen, mit dem Moira ihrer Ratlosigkeit Luft machte. Was kümmerte es sie denn überhaupt, ob irgendein fremder Kerl seine Aufzeichnungen zurückbekam? Sie sollte das Notizbuch einfach entsorgen. Doch so tickte Moira Kavanagh nicht. Nein, sie musste ja einmal mehr ihren wundervollen Charakter unter Beweis stellen, indem sie Empathie und Verantwortungsbewusstsein demonstrierte.

    Dann flatterte Moira auf einmal ein loses Stück Papier in die Hände.

    „Was ist denn das?“, wollte Abby sogleich erfahren und schielte neugierig auf den Zettel, den die Banshee beim Schmökern zwischen den Seiten zum Vorschein gebracht hatte.

    Nach kurzem Betrachten murmelte Moira: „Das ist eine Buchungsbestätigung für eine Pension oder so etwas. Leider fehlt der Teil mit den persönlichen Daten.“ Moiras Fingerspitze fuhr über die unsaubere Kante im Papier. Es war offensichtlich, dass das Blatt an einer willkürlichen Stelle zerrissen und lediglich ein Fetzen zwischen die Notizen geschoben wurde – als provisorisches Lesezeichen, mutmaßte Colin. Was wusste er schon? „Schade, ...“, meinte die Banshee, „ein Name hätte mir verraten, wo man das Notizbuch abgeben kann.“

    „Wer hat die Buchungsbestätigung denn ausgestellt? Vielleicht lässt sich darüber etwas herausfinden.“ Weil Abbys Idee für Moira scheinbar einen Sinn ergab, ließ Moira ihren Blick zum Briefkopf des Schreibens wandern. Sodann verkündete sie:

    „Die Buchungsbestätigung stammt vom West End Townhouse Hotel.“

    „Vom Rom?“ Unisono erklangen Scotts und Colins Stimmen und Moira nickte zur Bestätigung. Das Rom … . Diese Kaschemme lag ein paar Minuten vom Stadtzentrum entfernt und wenn man in die Situation geriet, als Ortsfremder eine Übernachtungsmöglichkeit zu benötigen, blieb einem keine Option denn dort nach einem Zimmer zu fragen. Für eine Kleinstadt war die beschränkte Auswahl an Unterkünften wahrscheinlich legitim; bestünde jedoch irgendwann eine Konkurrenz, dann würde das West End Townhouse Hotel, oder eben Rom, wie die Einheimischen es nannten, ziemlich schnell ziemlich alt aussehen – noch mehr, als es das gegenwärtig schon tat. Dass es jetzt Thema wurde, verpasste Abbys Einbildungskraft jedenfalls ordentlich Aufwind und sie überrollte Moira abermals mit einer ihrer Theorien: „Ein Tourist also! Oder eine Person auf einer Geschäftsreise. Moira Liebes, du solltest unbedingt dort vorbeischauen. Das Rom ist für dich der beste Ort um Hinweise zu sammeln.“

    „Abby … .“ Erneut ermahnte Kolja seine Freundin und schüttelte tadelnd den Kopf, aber Moira zeigte sich bereits vom Plan der Wölfin überzeugt. Oder … so ähnlich?

    „Na ja, ich komme auf dem Nachhauseweg von der Arbeit sowieso daran vorbei. Es kann nicht schaden, kurz am Empfang nachzufragen ob sich einer der Gäste wegen seines Notizbuches gemeldet hat“, meinte Moira und ihre Betonung verriet Colin, dass ihre Hoffnung, auf diesem Wege das Buch tatsächlich loszuwerden, gegen Null tendierte. „Im schlimmsten Fall werde ich abgewiesen.“

    „Fitzpatrick!“ Scott und Colin rissen die Köpfe herum, als unvermittelt Hayes' Stimme durch das Tír na nÓg brüllte. Schnaubend wie eine Dampflok stand der Leprechaun vor der Pfütze zwischen Eingangstür und Tresen, deutete mit seinem Wurstfinger auf die Wasserlache und schnauzte auf Scott fixiert los: „Fitzpatrick, schwing gefälligst deinen Arsch hier herüber und sorge dafür, dass diese Schweinerei von meinem Parkett verschwindet, sonst zerre ich dich eigenhändig auf die Knie und benutze deine verkeimte Zunge als Wischlappen! Und wenn's möglich ist, heute noch!“ Colin sah, wie Hayes genervt die Nasenflügel aufblähte. „Verdammte Hacke“, zischte der Kurze. „Am Ende rutscht noch irgend so ein Trottel aus.“

    Ehrlich gesagt ist mir bisher nicht so stark aufgefallen, dass die Sätze alle gleich anfangen!!!

    Mein Tipp: Lass dir den Text von einem Vorlesetool laut vorlesen. Ich nutzte zum Beispiel dieses hier:

    Text zu Sprache (text vorlesen lassen)

    Die Stimme trägt den Text zwar mit der Inbrust eines Badezimmerspiegels vor, aber um Dinge wie repetitive Strukturen rauszufiltern, taugt das Tool allemal etwas. Außerdem lassen sich damit Rechtschreib- und Grammatikfehler easy peasy auf fast Null runterreduzieren.

    Wie von der Tarantel gestochen fegte Colins kleine Schwester mit einmal hinter seinem Rücken vorbei und zum anderen Ende des Tresens. Was lief denn jetzt bei der schon wieder ab? Dann entdeckte Colin Nero und damit wurde die Sache für ihn ziemlich klar.

    Mit Abby war es immer dasselbe. Beim ersten Anzeichen eines Tieres gingen vor lauter Tierliebe augenblicklich sämtliche Pferde mit ihr durch, womit Abby ebenjene im selben Moment völlig scheu machte. Dass Colin ihr dieses Fehlverhalten schon öfter vorgekaut hatte als eine Kuh ein Büschel Gras, darauf pfiff die Wölfin fröhlich und Ohli nahm wegen ihrer viel zu übermütigen Art bereits fluchtartig Reißaus sobald er Abby bloß in der Nähe witterte. Und mit genau dieser maßlosen Zuneigung drohte sie nun Hayes' Phönix niederzuwalzen. Das arme Vieh. Eben noch hockte es friedlich vor einem Metallgestell voller Papierservietten, um sich einen Spaß daraus zu machen jedes einzelne der weißen Zellstofftücher mit dem Schnabel heraus zu pflücken und anschließend auf den dreckigen Fußboden fallen zu lassen, da preschte Abby auf Nero zu und flötete dabei vor Entzücken in hohen Tönen durch den Schankraum, die selbst Colins Fluchtinstinkte Alarm schlugen ließen. Das gab den Startschuss für das Spektakel, das im Anschluss folgte.

    Der Phönix wusste nicht wie ihm geschah, als dieser Freudensturm auf zwei Beinen plötzlich auf ihn zu brauste. Erschrocken fuhr Nero zusammen, bevor er instinktiv panisch flatternd vor Abby zu entkommen versuchte und dabei mit den Fittichen ein paar leere Gläser umriss. Das Scheppern des Geschirrs wurde von Neros ohrenbetäubend lauten, verängstigten Krächzen überdeckt, was Abby jedoch in keiner Weise abschreckte, im Drang ihn zu streicheln nach dem Phönix zu fassen und so tat Nero in seiner Verzweiflung das, was seinesgleichen auszeichnete: Er spuckte Feuer.

    In denselben abgehakten Abständen seiner Papageienschreie schossen Flammen in der Größe von Colins Feuerzeug zu Neros aufgerissenen Schnabel hervor. Colin erkannte, dass Nero keineswegs darauf abzielte Abby tatsächlich zu verbrennen. Viel mehr diente seine Gegenwehr dazu sie auf Abstand zu scheuchen. Die Taktik zeigte Erfolg, denn Abby sprang postwendend einen Satz zurück. Doch ein Funke verirrte sich, landete auf Neros Serviettenhäufchen und plötzlich stand binnen eines Augenaufschlags der Boden vor Abbys Füßen in Flammen! Sofort fuhr Colin von seinem Barhocker hoch; Kolja war jedoch zur Stelle und mit dem Feuerlöscher bewaffnet erstickte er den lodernden Brand kurzerhand unter einer Schicht pulvrigen Schaums. Scheiße Mann. Das hätte echt schief gehen können!

    Abby betrachtete bestürzt das Unheil unmittelbar vor ihren Schuhspitzen. Hernach hob sie den Blick zu ihrem Freund. „Du hast mich gerettet, mein Hase!“, blubberte sie ihm verliebt zu. Na super, jetzt fing Abby erneut mit diesem Rumgeschmachte an.

    „Abby, lass den Vogel gefälligst in Frieden. Ich muss schon genug hinter dem Federvieh her putzen!“, kläffte Scott unwirsch zu dem Pärchen herüber, unterdessen Nero über ihre Häupter hinweg an einen sicheren Ort segelte: zu einem kleinen Hohlraum zwischen den Deckenbalken. Eilig hüpfte der Phönix in die Nische und Colin sah, wie sein kleiner Körper regelrecht vor Aufregung zitterte. Tja. Ebenso wie Colins Haustier, erwiderte auch das Brathuhn da oben Abbys Tierliebe kein bisschen.

    Was für ein Stress, Mann. Ohli richtete an seinen wilden Tagen ja schon einen Haufen Unsinn an aber einen Brand zu toppen, das schaffte das kleine Höllenmonster nie im Leben. Und nicht nur im unteren Teil des Schankraums sorgte Nero für ordentlich Wirbel. Durch seinen Landeanflug stieb die zentimeterdicke Staubschicht auf den Balken gründlich auf und nun krümelten die feinen Schmutzpartikel zum Tresen hinab. Das blöde dabei: sie rieselten geradewegs auf Ailbhe, die mit in den Nacken gelegten Kopf Nero nachglotzte und anstatt ihren allergischen Hintern vielleicht einmal zur Seite zu schieben, blinzelte die Fee bloß wie so ein Blobbfisch unnütz herum. Es dauerte keine zwanzig Sekunden, da verfärbte eine leichte Röte ihre Augen und Tränen stiegen darin auf. Ailbhes Nasenflügel zuckten, röchelnd schnappte sie nach Luft und dann brach ein heftiges Niesen aus ihr hervor, dem sich ein zweites, ein drittes und ein viertes anschloss. Von jetzt auf gleich wurde die Fee von einem niemals enden wollenden Trommelfeuer durchgeschüttelt – und plötzlich sah Colin Feenstaub.

    Kleine Wölkchen lilafarbenen Glitzers explodierten regelrecht aus Ailbhes Nasenlöchern hervor. Ob des Drucks verteilte sich das feine Puder in der Luft und hüllten den Kopf der Fee in sanft wabernde Schwaden ein, die Ailbhe wiederum inhalierte und ihrer allergischen Reaktion somit zusätzlichen Zündstoff lieferten. „Hatschu! Haaatschu!! Haaaaatschuuu!!“, prustete sie unkontrolliert und blies Colin dabei eine Ladung Feenstaub ins Gesicht.

    „Kannst du das mal sein lassen?!“ Seine Klamotten fingen ja noch an zu glitzern. Unterdessen der Wolf mit wedelnden Handbewegungen den Feenstaub von seinen Atemwegen vertrieb, fasste Abby die Fee fürsorglich an den Schultern und riet ihrer Freundin:

    „Lauf besser ins Bad und wasch dir das Gesicht mit kaltem Wasser, Liebes. Danach geht es dir bestimmt besser.“

    Niesend und keuchend wankte Ailbhe wie geheißen zwischen den Tischen hindurch zu den Toilettenräumen des Pubs. Eine schimmernde Spur zog sich hinter ihr her, die zwangsläufig vor der Schwerkraft kapitulierte und gemächlich auf das Parkett runterfiel. Colin hätte den Mist ja sofort aufgekehrt, sonst blieben noch irgendwelche Flecken zurück aber im Gegensatz zu ihm hielt Scott es für unnötig, einen Besen zur Hand zu nehmen. „Der Typ ist die dussligste Fee, die ich jemals gesehen habe“, stellte Scott lieber fest, ehe sich auf einmal ein verwirrter Blick auf seinen Zügen breit machte. „Oder … das Weib …?“ Huh? Was schaute er Colin denn da so ratlos an? Dachte Scott, sein kleiner Bruder hätte der Fee in die Hose gegrabscht oder woher sollte Colin ahnen was zwischen Ailbhes Beinen abging?

    Es war Abby, die eine abschließende Klärung lieferte: „Ailbhe meint, dass sie selbst nicht wirklich weiß wonach sie sich fühlt. Wir dürfen aber ruhig 'sie' zu ihr sagen, weil sie schließlich eine Fee ist und das grammatikalische Geschlecht davon sowieso weiblich ist.“ Aha. Als ob Colin plante, Abbys neue Freundin zum regelmäßigen Gesprächsthema werden zu lassen.

    Aus den Augenwinkeln registrierte der Rüde, wie sich Moira auf ihrem Barhocker aufrichtete um hinter den Tresen zu linsen. Irgendwas musste die Aufmerksamkeit der Banshee erregt haben, doch woraus dieses Etwas bestand, interessierte Colin in diesem Moment herzlich wenig. Zu sehr lenkte ihn der zarte Hauch lila Feenstaubs ab, der auf Moiras aschblonden Scheitel lag und Colin an die Puderzuckerschicht auf einem Kuchen erinnerte. Der Anblick verleitete ihn unweigerlich zu Phantasien darüber, wie er mit den Fingern durch Moiras Strähnen fuhr und Colin schnaufte deswegen frustriert. In der Realität blieb das einzige, womit er spielen durfte, sein Feuerzeug. Zur Ablenkung versetzte er es in zusätzlichen Schwung.

    „Scott, ist das etwa das Notizbuch von neulich?“, fragte die Banshee ihren Mitbewohner und deutete auf einen Punkt neben der Kasse. Scotts Augen folgten ihrem Fingerzeig und schließlich antwortete er kurz und bündig: „Jap.“

    „Es wurde noch nicht abgeholt?“

    Würde es sonst noch daliegen? Mit einem Kopfschütteln bestätigte Scott Moira das Offensichtliche. „Wir haben es das ganze Wochenende dort stehen lassen ohne dass jemand danach gefragt hat. Jetzt hat Hayes beschlossen, dass es in den Müll fliegt.“

    „Was? Scott, das könnt ihr nicht machen“, legte Moira ihren Einspruch ein. „Die Aufzeichnungen in dem Buch könnten wichtig für seinen Eigentümer sein. Du weißt doch welchen Ärger es Hazel bereitet hat, als ihr Bullet Journal verloren ging.“

    Bei der Erwähnung von Hazels Notizbuch bleckte Scott mürrisch die Zähne und Colin konnte seine Reaktion echt nachvollziehen. Mann, sein Bruder hatte damals echt Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, damit seine seinerzeit-noch-nicht Freundin ihre Unterlagen zurückerlangte und zum Dank wanderte sie frisch fröhlich aufs Festland aus. Vorübergehend jedenfalls. Ihre Rückkehr stand in knapp zwei Monaten an; trotzdem änderte das in Colins Augen null daran, dass sie in erster Linie überhaupt ohne ihn abgedüst war. So lief das mit einem Wolf nicht! Und dieser Quatsch von wegen Fernbeziehung und so ... so ein Blödsinn würde Colin sowieso niemals in die Birne gehen.

    Zurecht hielt Scott dagegen: „Kann ich was dafür, wenn jeder in dieser Stadt zu dusslig ist, sein dämliches Notizbuch bei sich zu halten? Außerdem ist das nicht meine Entscheidung, okay? Hayes meint, sein Pub sei kein Fundbüro und wenn 'irgendwelche Möchtegernautoren ihre Manuskripte an den Mann bringen wollen, sollen sie gefälligst zum Wertstoffhof fahren.'“ Um zu unterstreichen, lediglich die Wortwahl seines Chefs wiederzugeben, formte Scott mit den Fingern kleine Häkchen in der Luft.

    Da eilte Abby zu Moiras Unterstützung herbei. „Stell dir doch nur einmal vor das wäre Hazels Notizbuch, Scott. Sie wäre furchtbar niedergeschlagen, wenn sie erfahren müsste, jemand hätte es entsorgt. Bestimmt ergeht es dem Besitzer dieses Buches ganz genauso!“ Das war kein Hinterhalt, den die Wölfin da um den größten Schwachpunkt ihres Bruders herum legte - es war ein verdammter Frontalangriff darauf! Kaum etwas schaffte es Scott derart aus dem Gleichgewicht zu bringen denn das Gefühlsleben seiner Freundin. Natürlich knickte er da ein.

    „Nehmt es halt mit, wenn ihr es für so wichtig haltet“, forderte er die beiden Frauen auf und warf besagtes Notizbuch vor Moira auf den Tresen. „Hauptsache Hayes geht mir deswegen nicht mehr auf die Nüsse.“

    Diesem Teil schenkte zumindest Abby schon kein Gehör mehr; sie begann bereits das Notizbuch neugierig von außen zu untersuchen. „Oh Moira, das wird ja so spannend! Anhand der Notizen werden wir Hinweise sammeln, die uns nach und nach zu ihrem Verfasser führen werden. Wir werden Rätsel lösen, Orte erkunden und Leute befragen! Klingt das nicht aufregend?“

    „Nein“, lautete die Antwort darauf. Jedoch erklang sie keineswegs in Moiras Sopran, sondern im tiefen Bass von Kolja. Die Stirn kritisch in Falten gelegt, schaute der Bär Abby an und offenbar passierte zwischen den beiden gerade irgendeine nonverbale Kommunikation. Scheiße, so streng wie Kolja seine Freundin betrachtete, bekam man ja den Eindruck er erteilte ihr gleich Hausarrest. Die Masche zeigte ihre Wirkung, denn Abby schob das Notizbuch kurzerhand zu Moira herüber. „Aber vielleicht ist das ja gar nicht nötig“, ruderte die Wölfin zurück, wobei der Ausdruck in ihren Augen irgendwie den Anschein erweckte, sie würde Kolja in dieser Sekunde insgeheim anlechzen. Was lief nur falsch mit der Frau?

    Plötzlich schmetterte Scott quer durch den Pub: „Du kommst zu spät, Ward!“ Tatsächlich schlurfte das Gespenst just zur Eingangstür hinein und als ihm unmittelbar auf den Fersen ein glücklich schnurrender O'Maley nach schlenderte, konnte sich Colin denken, weshalb Kevin an diesem Tag später aus dem Bett geklettert war. Wie immer interessierte Scotts Rumgekläffe den Geist einen feuchten Husten und daher wanderte er mit gewohntem Gleichmut zur Kasse herüber. Zum selben Zeitpunkt verließ auch Ailbhe die Toilette und weil die zwei ob der Raumaufteilung mehr oder weniger aufeinander zu latschten, fanden sich Fee und Gespenst nach ein paar Schritten auf einmal im Weg des jeweils anderen wieder. Beziehungsweise aus Sicht der beiden formuliert: Sie fanden den jeweils anderen in ihrem Weg wieder.

    Ailbhe schaute Kevin an.

    Kevin schaute Ailbhe an.

    Ein bisschen verloren wirkte Ailbhe angesichts des leichenblassen Mannes schon, welcher ihr – eigentlich nicht wirklich aber für Ailbhe scheinbar doch – gleich einer unüberwindbaren Betonmauer das Weiterkommen versperrte. Im Gegenzug harrte Kevin lethargisch auf eine Handlung seitens der Fee; wahrscheinlich, weil ihm die Zeit sowieso niemals ausging und er deswegen keine Dringlichkeit verspürte, seiner Gegenüber zuvorzukommen. Kam denn ernsthaft keinem der beiden der Gedanke, einfach mal zur Seite zu rutschen?

    „Du musst einen Schritt um ihn herum machen, Ailbhe Liebes!“, rief Abby ihrer Freundin aus der Ferne zu. Es dauerte bis diese Anweisung den Verstand der Fee erreichte, aber dann führte sie sie aus und schien im Resultat ehrlich verblüfft zu sein, nun wieder freie Bahn zu haben. Und Kevin? Der reihte sich indolent hinter Ailbhe ein und so watschelten die zwei im Gänsemarsch auf den Tresen zu.

    „Wir sind weit weg von der Zivilisation, mein Freund“, sagte er, aber der Eselstrauß – er war sich noch immer nicht sicher, wie er das Tier nennen sollte

    Na Straußel :>


    Also diese Geschichte scheint stark handlungsfokusiert zu sein, jedenfalls ist das mein Eindruck beim Lesen gewesen. Enkidus Emotionen und Gedanken werden oberflächlich behandelt, weshalb er (oder der Text im generellen, das müsste der weitere Fortgang zeigen) ziemlich nüchtern auf mich wirkt - was ja okay ist, dann ist es eben diese Art Geschichte ^^


    Wieso hast du dich für den Bezeichnung "Sucher" entschieden? Mein Kopf wollte die ganze Zeit "Suchender" draus machen.


    zuzüglich jener, die bereits erregt im Lauf der Waffe wartete,

    Peng, peng - Feuer frei 👀 Ich verstehe schon.


    Falls du auf sowas Wert legst (und ich habe bereits festgestellt, dass meine Ansprüche diesbezüglich von den wenigsten im Forum geteilt werden ^^°): Allein im ersten Teil hast du auf den knapp 1 1/2 Seiten Text zehn Mal das Wort "war" verwendet, was mir persönlich sieben bis acht Mal zu viel wäre. Ich bin mir sicher, dass sich Formulierungen gefunden hätten, durch die man diese Häufung hätte entzerren können. Die Deutsche Sprache bietet eine ungeheure Bandbreite an Worten und meiner Meinung nach sollte man keine Hemmungen haben, diesen Fundus auszuschöpfen.

    Außerdem beginnen auffällig viele Sätze nach dem Schema "Er begutachtete seine Wunde.", "Die Analyse war abgeschlossen", "Enkidus kramte hervor" usw, oftmals gefolgt von einer ähnlichen bis gleichen Satzlänge bzw. -struktur. Damit belastest du deinen Text mit einer Monotonie und stiehlst ihm gleichzeitig seine Metrik. An manchen Stellen habe ich meine Augen erwischt, wie sie deswegen Absätze überspringen wollten.

    Kolja passte es kein Stück, dass Abby neuerdings mit ihr abhing und nach der Scheiße, die Ailbhes Schwarm letzten Sommer abgezogen hatte, konnte Colin das dem Bären echt nachfühlen. Soweit er wusste war Ailbhe an der ganzen Soße zwar allerhöchstens marginal beteiligt gewesen, einen fahlen Beigeschmack hinterließ ihr Anblick trotzdem irgendwie. Beziehungsweise … sein Anblick? So wirklich eindeutig vermochte Colin nicht zu bestimmen, ob die Person an Abbys Seite nun eine Frau oder einen Mann repräsentierte. Das Gesicht der Fee besaß sowohl feminine Züge als auch maskuline Ecken und Kanten und sollte ihr dünner, drahtiger Körper an irgendeiner Stelle weibliche Kurven aufweisen, so wurden sie von den schwarzen, ärmellosen Kapuzenpullovern versteckt, die Ailbhe bei egal welcher Wetterlage trug.

    Weshalb Colins Schwester Zeit mit dieser Fee verbrachte, ließ sich schnell auf den Punkt bringen. Die Auseinandersetzung mit dem Schwarm hatte Abby zum Thema ihrer Bachelorarbeit inspiriert und Ailbhe lieferte ihr das nötige Insiderwissen für den Praxisbezug. Irgendwas von wegen sozialen Strukturen und ihrem Zerfall von innen heraus oder so. Um bei der Wahrheit zu bleiben: Colin fehlte der nötige Grips um ein College zu besuchen und Abbys fachkundiges Geblubber ging deswegen schnurgerade über seinen Kopf hinweg wie eine Überlandleitung. Tja, und weil Abby eine Bekanntschaft ja niemals bei einer solchen belassen konnte, zählte Ailbhe mittlerweile zum festen Freundeskreis der Wölfin.

    Auf seinem Weg zum Tresen umschiffte das A-Team die Pfütze und wie zuvor schon von Colin, wurde Scott von seiner Schwester auf die potentielle Unfallgefahr hingewiesen. „Scott, da schwimmt Wasser auf dem Boden. Du solltest es wegwischen bevor jemand darauf ausrutscht und sich verletzt.“ Für diese Warnung durfte es wohl zu spät sein.

    Von ihrem Platz neben Colin suchte Moira das Gespräch zu Ailbhe. „Wie ergeht es dir so ohne deinen Schwarm?“, wollte sie mit ehrlichem Interesse von der Fee erfahren. Colin verzichtete darauf zu hinterfragen, was genau seine Geschwister gemeinsam mit Kolja auf den Feenhügel angerichtet hatten, aber im Nachgang der Ereignisse war es unter den Feen zu argen Zerwürfnissen gekommen und der Schwarm in Splittergruppen zerfallen. Nicht mal die verdammte IRA war dermaßen gespalten, wie die Feen dieser Stadt.

    Im ersten Moment machte es den Anschein, Ailbhe würde Moira überhören. Ziellos wanderten ihre grünen Augen umher, bis sie endlich der Aufmerksamkeit der Banshee gewahr wurde und dadurch aus ihrer Geistesabwesenheit erwachte. Über ihre Antwort brauchte die Fee keine großartigen Überlegungen anstellen. „Oh, ich? Äh ... . Soweit ganz gut. Ich muss mich nur erst daran gewöhnen, dass ich jetzt mein eigenes Ding durchziehe und mir niemand mehr sagt, was ich tun oder wohin ich gehen soll. Das fühlt sich echt merkwürdig an und manchmal vergesse ich deswegen auch, was ich eigentlich gerade machen wollte.“ Die träge Sprechweise der Fee sorgte für ein eigenartiges Zittern in Colins Ohren. Sie redete mit der hohen Stimme einer Frau; zugleich überlagerte jedoch ein untypisches, tiefes Krächzen den vermeintlichen Mezzosopran, wodurch sich Colin der Eindruck aufzwang, es mit einem von Kierans pubertierenden Teenager-Kumpels im Stimmbruch zu tun zu haben. Der Wolf runzelte die Stirn. Sollte man diese Entwicklungsphase mit einundzwanzig Jahren nicht längst abgeschlossen haben?

    „Das glaube ich dir“, behauptete Moira und angesichts der himmelschreienden Ironie ihrer darauffolgenden Worte verdrehte Colin die Augen. „Es muss ein Schock für dich gewesen sein, dass sich dein Freundeskreis von jetzt auf gleich aufgelöst hat. Ihr habt schließlich viele Jahre miteinander verbracht.“

    Anstatt der Banshee direkt zuzustimmen, bestand Ailbhes erste Reaktion darin, nachdenklich den kurzgeschnittenen, von einer Beanie-Mütze bedeckten Schopf zu neigen. „Ach, na ja … . Ganz so wild ist es nicht. Viele Gemeinsamkeiten bestanden eh nicht zwischen uns. Mit ihrem ständigen Geheisch um Aufmerksamkeit sind sie mir immer irgendwie auf die Nerven gegangen und wie sie ständig grundlos auf anderen Freaks herumhacken, das finde ich schon mies.“ Gott, die schlief ja fast beim Reden ein. Colin hätte ja vermutet, die Fee neben seiner Schwester wäre bekifft oder von irgendwelchen anderen berauschenden Substanzen benebelt wie eine Makrele im Räucherofen. Aber von wegen! Die Alte war einfach nur hoffnungslos phlegmatisch. Beiläufig zupfte Ailbhe an einer roten Locke, die unter dem Rand ihrer Kopfbedeckung hervorragte. „Ich denke, ich bin ohne den Rest besser dran.“

    „Dafür hast du ja jetzt sowieso uns“, warf Abby an dieser Stelle ein und berührte die Fee freundschaftlich an ihrem mit Tätowierungen übersäten Arm. 'Uns' … wann hatte Colin eigentlich zugestimmt, dass Abby die Schriftführung seines inexistenten Freundschaftsbuchs an sich reißen durfte?

    Aus Ailbhes Erzählungen schlussfolgerte Moira: „Das heißt, du hast überhaupt keinen Kontakt mehr zu den anderen Feen?“

    Es folgte ein Schulterzucken von Ailbhe. „Mit Oonagh und Fiadh habe ich manchmal noch zu tun aber die beiden sprechen nicht mehr miteinander. Wenn doch, dann zanken sie sich. Seit Oonagh mit Odhrán zusammen ist, ist es noch schlimmer geworden, weil Fiadh ihre YouTube-Scheinromanze mit ihm wohl doch ernst genommen hat und sich nun von den beiden verraten fühlt. Im Gegenzug ist Oonagh sauer, dass Fiadh ihre gemeinsamen Vorräte an Feenstaub leergeräumt hat. Dabei bleibt es doch eh in der Familie.“ Auf Moiras überfragte Mimik hin überkreuzte Ailbhe die Arme, um mit den Zeigefingern in entgegengesetzte Richtungen zu deuten. „Die zwei sind meine Cousinen. Aus unterschiedlichen Seiten der Sippe.“

    Na, das klang ja nach einer super Familie. „Eure Familientreffen müssen echte Spaßveranstaltungen sein“, kommentierte Colin das Gehörte trocken, wohingegen Ailbhe das Positive an dem ganzen Drama betrachtete:

    „Man bekommt jedenfalls einen guten Ersatz geboten, wenn man deswegen seine Lieblingsseifenoper verpasst.“ Von ihrem eigenen Scherz amüsiert, zog die Fee kichernd die sommersprossige Nase hoch und Colin hob skeptisch eine Braue, weil der abrupte Luftzug in ihren Atemwegen für einen vereinzelten, abgebrochenen Schnarchlaut sorgte. Ernsthaft jetzt? Eine grunzende Fee?

    Das beiläufige Gerede über Feenstaub führte in Moiras hübschen Köpfchen zu der nächsten Frage. „Dass sich der Schwarm aufgelöst hat, hat doch sicher Auswirkungen auf euren Handel mit Feenstaub, oder?“

    „Hm, ich glaube nicht. Man bekommt ihn nach wie vor zu kaufen, nur eben von mehreren kleinen Gruppen. So genau weiß ich darüber aber auch nicht Bescheid. Wegen meiner Allergie habe ich mich schon immer von dem Kram ferngehalten.“

    Halt, was laberte die Fee da herum? „Du bist 'ne Fee mit 'ner Allergie gegen Feenstaub?“ Verständnislos schaute Colin Ailbhe an, die ihm sodann im gewohnt säumigen Tonfall folgende Erklärung lieferte:

    „Nicht direkt gegen Feenstaub. Gegen Hausstaub. Für meinen Körper scheint beides dasselbe zu sein.“

    „Bei einer Hausstauballergie reagiert man doch eigentlich auf den Kot von Milben sensibel und nicht auf den Staub als solchen“, wandte Moira ein aber Ailbhe hob auf die Entgegnung der Banshee bloß neutral die Achseln.

    „Wir haben nie behauptet, unser Feenstaub sei klinisch rein.“

    Genau wie Kolja ging Scott Abbys neu geschlossene Freundschaft mit einer Fee tierisch gegen den Strich und dass er sie überhaupt duldete, lag einzig und allein an der durcheinandergewürfelten Rangordnung zwischen ihm und seiner Schwester. Damals auf dem Sportplatz hatte Abby ihm echt deftig den Arsch versohlt und von der Bissverletzung einmal abgesehen, war ihre aggressive Reaktion wirklich gruselig gewesen. Selbst Colin tat seitdem sein Bestes, es tunlichst zu vermeiden in irgendeiner Weise Abbys Ärger zu erregen - und das obwohl er bloß als unfreiwilliger Zaungast zwischen die Fronten geraten war. Dementsprechend beschränkte sich Scott die meiste Zeit auf einen stillen Protest und verfiel in Ailbhes Gegenwart in grummeliges Schweigen. Dass eine Fee an einer Allergie gegen ihr eigenes Markenprodukt litt, schien ihm allerdings zu hoch zu sein. „Häh?“, brach der Wolf sein trotziges Schweigegelübde. „Wie soll das denn funktionieren? Ihr Feen schmeißt doch ständig mit dem Mist um euch.“

    Ailbhe räumte ein: „Mhja, das fand ich auch irgendwie blöd von den anderen. Ein bisschen Rücksicht hätten sie schon auf mich nehmen können. Aber mein Arzt verschreibt mir zum Glück regelmäßig ein starkes Antiallergikum, damit lässt es sich ertragen.“ Und so vollgedröhnt wie Ailbhe sprach, knallte der Kram nicht nur gegen irgendwelche Allergene ordentlich rein. „Zumindest fühlen sich meine Schleimhäute damit nicht an wie … wie … .“ Da verstummte die Fee und gaffte mit offenstehendem Mund zur Decke. Beendete sie ihren angefangenen Satz heute noch mal, oder was? Wonach fühlten sich ihre Schleimhäute nicht mehr an? Erfolglos suchte Ailbhe in der Luft nach dem passenden Begriff für das, was ihr auf der Zunge lag, als würde er sich irgendwo da oben zwischen den Deckenbalken versteckt halten. Aber indem sie Maulaffen feilhaltend ihre Milchzähne sauer werden ließ, lockte Ailbhe höchstens eine lumpige Zahnfee hervor. Schließlich resignierte sie. „Na, ihr wisst schon. Das Ding mit dem man Käse reibt.“

    „… eine Käsereibe?“, half Moira ihr auf die Sprünge und nach Ailbhes beeindruckter Miene zu urteilen, traf die Banshee damit ins Schwarze. Als ob man ein verdammtes Genie sein musste, um darauf zu kommen! Für Colin stand eines fest: Scott und Kolja brauchten sich wirklich absolut keine Sorgen machen, Ailbhe könne Abby in Schwierigkeiten hineinreiten. Dafür war die Fee nämlich eine viel zu große Trantüte. „Das Teil mit dem man den Rasen mäht, nennt man übrigens Rasenmäher“, ließ Colin seinem Spott freien Lauf. In der Folge blinzelte Ailbhe ihn verwirrt an, bevor Abby unvermittelt zu Jauchzen begann.

    „Ooh!“, quiekte sie. „Wie niedlich!“


    „Ich hab' ja gesagt, die Marke ist super“, nutzte Colin sie und griff Scotts Kommentar über die Ohrenstöpsel auf. Das Hörvermögen vieler Polymorphen war überaus empfindlich, vor allem das der Wölfe und wenn zur Hälfte ein Tier in einem steckte, wurde die eigene Sinneswahrnehmung wegen des ganzen Alltagslärms schnell einer Belastungsprobe ausgesetzt. Durch krächzende Musik in den Geschäften beispielsweise, Klingeltöne mit viel zu hoher Frequenz und nicht zu vergessen durch diesen hirnrissigen Quatsch, dass die Werbung im Fernsehen grundsätzlich viel lauter sein musste, als die Sendung, die sie unterbrach. Ehrlich, welcher Idiot traf solche Festlegungen? In Colins Fall stellte die enorme Lautstärke auf Konzerten ein echtes Problem dar aber er liebte diese Events zu sehr um auf sie verzichten zu wollen. Schutzmaßnahmen mussten daher getroffen werden und so wie andere Leute ständig eine Schachtel Kondome im Schrank aufbewahrten, fand man in Colins Schublade zusätzlich einen Vorrat an Ohrenstöpsel.

    Scott sprang auf den Richtungswechsel der Unterhaltung an. „Alles was ich bisher ausprobiert habe, hat immer gedrückt oder so abartig gejuckt“, berichtete er und bohrte demonstrativ mit dem Finger in seinem Gehörgang herum. „Die Teile von dir bekommt man dagegen echt gut rein und wieder raus und man merkt sie gar nicht, wenn sie einmal drinstecken.“

    Genau aus diesem Grund blieb Colin dem Hersteller ein treuer Kunde. Und außerdem: „Sie trocknen einen auch nicht so aus. Bei den Dingern, die ich vorher benutzt habe, hab' ich gedacht, dass die mich von Innen aussaugen wie so 'n Schwamm“, ergänzte Colin. Was für ein abartiges Gefühl; eine Nacktschnecke die man unter einem Berg an Streusalz begrub litt unter keiner dermaßen ausgetrockneten Haut.

    Zwar leistete Kolja keinen aktiven Beitrag zum Gespräch, dennoch registrierte Colin ein subtiles Zucken in den Zügen des Bären. „Is' was?“, sprach er ihn darauf an und erhielt die Antwort:

    „Ich habe Gwen und Abby neulich die gleiche Unterhaltung führen hören.“

    Aha? „Gwen benutzt doch gar keine Ohrenstöpsel.“ Das wusste Colin hundertprozentig. Aber Kolja meinte:

    „Sie haben nicht über Ohrenstöpsel geredet.“

    „Sondern?“

    Der Bär hob die Brauen. „Über Tampons.“

    Weil Scotts Auffassungsgabe für Gedankensprünge dieser Art viel zu langsam arbeitete, hing Colins Bruder noch beim ursprünglichen Thema fest und so erteilte er Kolja den Ratschlag: „Du solltest dir auch Ohrenstöpsel zulegen. Denk dran, dein Schlafzimmer und das von Moira liegen direkt nebeneinander.“

    „Ich glaube nicht, dass das im Moment eine kluge Idee ist“, äußerte der Bär seine Bedenken. „Mein Geruchssinn funktioniert nach wie vor nicht gut. Wenn ich zusätzlich noch schlecht höre, verliere ich vollkommen die Orientierung.“

    „Was stimmt 'n nicht mit deiner Nase?“ Dass Kolja Probleme mit dem Riechen hatte erfuhr Colin heute zum ersten Mal. Ein Schnupfen schien den Bärenpoly augenscheinlich nicht zu plagen und für irgendwelche Allergien flogen im Herbst zu wenig Pollen in der Luft herum. Oder schluckte Kolja seit neuesten Medikamente, deren Nebenwirkungen ihm den Riechkolben verkleisterten?

    Ratlos erklärte der Bär: „Ich weiß es nicht. Seit ein paar Wochen rieche ich schlecht. Ich kann nicht einmal mehr Abby an mir wittern, nachdem wir intim miteinander waren.“

    Alter … .

    Alter! Musste Kolja ausgerechnet das als Beispiel heranziehen?? Okay, dass er nach einer Nummer mit Abby ihren Duft nicht mehr wahrnahm, verdeutlichte den Wolfsrüden ziemlich effektiv das Ausmaß seines Geruchsverlusts. Trotzdem! Mit solchen Sachen sollte er Colin gefälligst in Ruhe lassen, verdammt. Denn wenn Colin irgendetwas genauso wenig zu Ohren bekommen wollte wie Moiras ellenlange Liste an Liebhabern, dann stand das Sexleben seiner kleinen Schwester mit diesem Meister Petz an oberster Stelle der Rangfolge. Unweigerlich spürte er ein unwilliges Knurren seine Stimmbänder in Vibration versetzen, unisono zu den übellaunigen Lauten aus Scotts Kehle. Beide Brüder akzeptierten die Beziehung zwischen Abby und Kolja. Doch bedeutete das automatisch, sich auch freiwillig die Details darüber zu geben auf welche Weise der Bettvorleger Abby beackerte wie so ein Pflug? Pustekuchen!

    Dann blieb Colin das Murren plötzlich im Halse stecken.

    Zur Tür des Tír na nÓgs kam Moira hineinspaziert. Wobei … nein. Die Beschreibung 'spazieren' tat ihrem leichtfüßigen Gang keinerlei Gerechtigkeit an. Ihre Füße berührten den Boden mit der sanften Ruhe und der Schwerelosigkeit einer herabfallenden Feder und so wie das friedliche hin- und herschaukeln einer solchen ihre hypnotische Wirkung auf einen Betrachter ausübte, zog Moiras Präsenz Colin völlig in ihren Bann. Alles an der Banshee strahlte für den Wolf: die blasse, ebenmäßige Haut, ihre graublauen Augen und nicht zu vergessen Moiras langes, aschblondes Haar. Eventuell trug auch die künstlich-grelle Beleuchtung des Pubs zu diesen Effekt bei aber wen interessierte es? Moira war das helle Leuchten am Ende des finsteren Tunnels, welches Colin aus der Dunkelheit locken wollte ohne ihm jemals die ehrliche Chance zu geben in seine Nähe zu gelangen. Was für eine verfluchte, unfaire Scheiße.

    So schlenderte Moira auf den Tresen zu. Rasch lenkte Colin seinen Blick von ihr ab, sonst gaffte er sie vor lauter Verliebtheit noch an als hätte er sein Gehirn zum Klo runter gespült. Wegen ihres Erscheinens fühlte sich das Innenleben seines Bauchs sowieso schon an wie ein brodelnder Topf frisch gekochtes Chili Con Carne. Schon bereute Colin es, im Vorfeld kein Glas Whiskey bei Scott bestellt zu haben, denn er brauchte ganz dringend etwas, womit er die Wärme in ihm ablöschte und zugleich seine Zuneigung zu Moira in einen tauben Dämmerzustand versetzte – oder was er ein seinem Frust zumindest gegen die nächste Wand donnern konnte.

    Da fraß sich auf einmal ein spitzer Schrei durch Colins Trommelfell. Mehr vor Qual als vor Schreck zuckte der Wolf zusammen und riss den Kopf zur Quelle des schrillen Quiekens herum, nur um Moiras Schopf wortwörtlich Knall auf Fall hinter den Barhockern verschwinden zu sehen. Es folgte ein unüberhörbares Rumpeln mit anschließenden Wimmern.

    „Alles okay?“, rief Scott seiner Mitbewohnerin über den Tresen hinweg zu, die zur Antwort ein leises „Aua“ winselte. In dieser Zeit stapfte Kolja bereits zu der Banshee herüber, sammelte sie wie ein paar fallengelassene Klamotten vom Parkett auf und stellte Moira hernach sicher auf beiden Beinen ab. Ihr Sturz schien den zierlichen Körper ganz schön erschüttert zu haben, da Moira wehleidig das Gesicht verzog und zur Linderung des Schmerzes mit beiden Händen über ihren mitgenommenen Steiß rieb. Gebannt beobachtete Colin die Bewegung. Wenn an Stelle ihrer Handflächen seine über die Rundung ihres Pos streicheln würden, könnte er- … . Fuck! 'Reiß dich zusammen, du Vollidiot', verpasste sich Colin gedanklich einen Arschtritt und zwang seine Augen dazu, regungslos auf die Wanddekoration vor seiner Nase zu stieren. Leider half ihm das kein bisschen das aufkommende nervöse Jucken in seinen Fingern auszublenden. Scheiße, er musste eine Beschäftigung für seine Hände finden, bevor sie noch eigenmächtig irgendwohin langten. In seiner Not kramte Colin also sein Feuerzeug aus der Hosentasche hervor und fing an, es in gewohnter Weise rotieren zu lassen. Der eigentliche Nutzen dieser Fingerübungen bestand darin Colins Gedankengänge an der Leine zu halten, damit er nicht so stumpfsinnig Löcher in die Luft starrte wie Scott es ständig tat oder anderen Leuten unkoordiniert ein Ohr abkaute. Diese Aufgabe wurde nämlich schon vollauf von Abby erfüllt. Wie sich gezeigt hatte, legten die Tricks mit dem Feuerzeug nicht nur seinen sprunghaften Geistesblitzen einen Maulkorb an; ebenso wirksam verhinderten sie, dass sich Colin in irgendwelchen überkochenden Emotionen verhedderte. Er hätte mit größter Freude darauf verzichtet diese Erfahrung überhaupt zu sammeln aber das Leben spielte nun mal auf keinem gottverdammten Wunschkonzert.

    „Ich bin irgendwie ausgerutscht“, erklärte Moira und schaute zu Scotts gepanschten Versuch Neros Misthaufen vom Parkett zu wischen. Natürlich. Wenn es auf der Welt eine Person gab, die mit absoluter Zuverlässigkeit eine Schlitterpartie auf einer Wasserlache hinlegte, dann war es dieser süße Tollpatsch. Moiras kleiner Unfall hatte sie jedenfalls ordentlich durchgeschüttelt, weshalb sich die ein oder andere Haarsträhne aus ihren Zöpfen gelöst hatte. In Colins Augen tat das der Schönheit der Banshee keinerlei Abbruch, zudem ihre Frisuren sowieso grundsätzlich echte Hingucker boten. Heute stellte da keine Ausnahme dar. Von ihrem Seitenscheitel aus führten zwei Flechtzöpfe an der einen Kopfhälfte hinter Moiras Ohr entlang und im Nacken auf die andere Seite, um dort mit einem weiteren Zopf ähnlicher Frisiertechnik zu einem einzigen, großen verflochten zu werden. Colin konnte sich partout nicht vorstellen, wie zum Geier es Moira mit nur zwei Händen schaffte, ihre Strähnen derart kompliziert unter Kontrolle zu bringen. Standen Scott und Kolja früh morgens etwa hinter ihr und liehen ihr ihre Griffel, oder wie?

    Während er in seiner Bewunderung versuchte auf eine Lösung für dieses Rätsel zu kommen, musste er Moira offenbar ziemlich lange angeglotzt haben, denn Moira nahm unversehens Blickkontakt zu ihm auf und wie es nun mal ihrem liebenswerten Wesen entsprach, beschenkte sie Colin mit ihrem zarten Lächeln. Konnte das Weib nicht wenigstens eine arrogante Ziege sein, damit es einem Mann wie ihm ein bisschen schwerer fiel, sie zu lieben? Behutsam fuhr sie mit ihren schlanken Fingern durch das Ende ihres Zopfes und bat Colin um seine Meinung. „Gefällt dir meine Frisur?“

    Darauf durfte Moira ihre Kamera verwetten. Dennoch trieb Colin die Frage umher: „Hat dir 'n Oktopus die Haare gemacht oder was?“

    Schlagartig sackten Moiras Mundwinkel nach unten. Moment, halt. So war das auf keinen Fall gemeint gewesen! Colin wollte doch nur erfahren, wie sie- … . Fuck! Fuck, Mann! Die Zunge wollte er sich abbeißen, verfickte Scheiße noch eins. Moira für ihren Teil machte keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung aber weil Colin gelähmt vom eigenen Selbsthass keinerlei Regung zustande brachte, schüttelte sie die negativen Emotionen ab und nahm Haltung an. So war sie eben. Hinfallen, aufrappeln und weitermachen - egal ob man metaphorisch sprach oder buchstäblich. „Scott?“, suchte sie das Gespräch zu Colins Bruder. „Hast du am Wochenende vielleicht Zeit mir auf dem Friedhof zur Hand zu gehen? Ich will die Blumenschale auf Vatis Grab neubepflanzen aber ich bekomme ja den schweren Topf allein immer so schlecht bewegt.“

    „Klar, kein Ding“, lautete die Antwort, über welche Moira offenkundig froh zu sein schien. Um ein Haar hätte Colin deswegen ein abschätziges Zischen hervorgepresst. Was erwartete sie bitte? Die Freundschaft zwischen ihr und Scott bestand seit der Grundschule; selbstverständlich half Scott ihr. Und sowieso latschte sie ja eh immer zu ihm. Sobald ein Problem bestand, um eine gute Nachricht loszuwerden, wenn sie etwas unternehmen wollte oder sie einen beschissenen Mitbewohner suchte und Colin ab dem Moment, in dem sie und Scott die Sache klar machten, wie einem räudigen Straßenköter die neue Wohnungstür vor der Nase zuschlug. Zum Teufel nochmal, wieso hatte Colin nichts zum zerschmettern parat?!

    „Huhu ihr Lieben, huhu!“ Eine bekannte Stimme trällerte durch den Schankraum. Am Eingang stand Abby und winkte ihren Brüdern und Freunden fröhlich zu, ehe sie guter Laune zu ihnen herüber trabte. Sie, gemeinsam mit dieser Fee Ailbhe im Schlepptau.

    Guten Morgen LadyK 🍐 Danke für die Rückmeldung und entschuldige bitte meine säumige Reaktion darauf. Meine Motivation für dieses Forum bewegt sich mittlerweile im Minusbereich, deshalb dauert alles länger mit mir.

    (Ich möchte versuchen regelmäßig neue Teile zu posten, kann aber auch verstehen wenn du sagst, dass es dir unter diesen Umständen zu dumm ist, die Geschichte weiter zu verfolgen).


    _____



    „Und dann ist der Penner einfach weggefahren“, beendete Colin seinen Redeschwall und warf stinkig die Hände in die Luft. Normalerweise lud der Wolf seinen Frust ja immer bei Scott ab; sein Bruder wischte in diesem Moment allerdings murrend einen Haufen Vogelscheiße vom Parkett des Tír na nÓgs auf und um sich auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, fehlte Scott mehr als nur eine funktionierende Hirnwindung. Daher lieh Kolja stellvertretend sein Ohr.

    „Hast du dir das Kennzeichen gemerkt?“

    Gestern nach dem Training war irgend so ein Depp mit seiner Karre gegen Colins Golf geknallt und anstatt für seinen Fehler geradezustehen, hatte der Mistkerl direkt vor seiner Nase Fahrerflucht begangen. Was für ein Arschloch, Mann! Zähneknirschend verkrampfte Colin den Kiefer. „Keine Chance, der Affe ist direkt vom Parkplatz gedüst.“ Und dank seiner Unfähigkeit rückwärts auszuparken, war Colins Rücklicht jetzt völlig im Eimer. Es reparieren zu lassen kostete einen Haufen Asche und im Gegensatz zu anderen Leuten zauberte der Wolf das dafür nötige Kleingeld unmöglich mal eben so aus der Hosentasche hervor. Fuck, mit eingeschlagenem Rücklicht fischte ihn die Polizei doch schneller aus dem Verkehr, als Colin 'Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer durch unzureichende Schlussbeleuchtung' runter rattern konnte. „Ich hab nur noch erkannt, dass das Kennzeichen aus dem County Cork stammt. Alter, der Typ ist erst mal voll durch das Schlagloch auf der Ausfahrt gebrettert. Hoffentlich hat er sich dabei schön die Stoßdämpfer ruiniert, wobei das bei der alten Kiste, die der fährt, wahrscheinlich eh keinen Unterschied macht.“ Zusätzlich erinnerte sich Colin an die echt hässlich rote Lackierung, durch die das Fahrzeug wirkte wie eine übergroße Paprika und nahm man das alles zusammen, fuhren im Stadtgebiet nicht gerade viele Fahrzeuge herum, auf die diese Beschreibung passte. Mehrmals tippte Colin energisch mit dem Zeigefinger auf die glatt geschmirgelte Holzoberfläche des Tresens. „Sobald ich den Typen auf der Straße sehe, erlebt der sein blaues Wunder und die Rechnung von der Werkstatt darf er mir auch bezahlen, darauf kann er sich verlassen.“ Das brachte Kolja zu der Frage:

    „Übernimmt so was nicht die Versicherung?“

    „Die zahlt nur, wenn ich einen Schaden bei jemand anderen verursache“, klärte Colin den Bären auf. „Für die Reparatur an meinem Wagen müsste die Versicherung dieses Typen aufkommen aber solange ich keinen Schimmer habe, wer mir überhaupt reingefahren ist, bleibe ich vorerst auf den Kosten sitzen. Ich hab' bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt gestellt aber von der Truppe darfst'e ja eh nichts erwarten. Ich meine, die haben bis heute nicht gechecked was wirklich mit Donnelly auf dem Dach passiert ist.“

    Wie aufs Stichwort kam Scott zum Tresen gestapft und ließ verrichteter Dinge seinen noch feuchten Wischmopp in die nächste Ecke fallen. „Scheiß Phönix, ey“, meckerte er herum. „Ich bin Kellner verdammt! Ich werde nicht dafür bezahlt, wie eine Putze ständig die Haufen dieser Dungmaschine vom Parkett zu schrubben. Irgendwann schnappe ich mir das Mistvieh und verkork' ihm den Hintern.“

    Daraufhin hörte man von der Seite ein verunsichertes Krächzen. Nero, die befiederte Ursache für die beschissene Situation des Pubs, hockte auf der Kasse und neigte seinen Kopf um Scott misstrauisch in sein kohlrabenschwarzes Auge zu fassen. Er stellte die Haube auf als der Wolf ihn anschnauzte: „Du dämlicher Vogel, komm bloß nicht auf die Idee mir vor den Tresen zu scheißen!“ Unversehens griff Colins Bruder nach einer leer gefutterten Snackschale und schleuderte das Geschirr wie ein Frisbee in Neros Richtung, der infolgedessen aufgescheucht davonflatterte. Daneben. Hätte Scott die Schale lieber mal dafür verwendet, ein paar Erdnussflips an Colin rüberwachsen zu lassen. Das wäre eine viel sinnvollere Verwendung gewesen und lauter Krümel lagen jetzt außerdem ebenfalls auf dem Boden herum.

    „Du darfst ihn nicht aufregen.“ Mit gerunzelter Stirn blickte Kolja den davonfliegenden Phönix hinterher. „Sonst müssen wir wirklich noch die Feuerwehr rufen und mir fällt keine glaubhafte Ausrede über die Brandursache ein“

    Feuerwehr? „Was'n passiert?“, wollte Colin wissen und bekam von seinem Bruder erzählt:

    „Der Vogel hat uns neulich fast die Bar abgefackelt, weil er sich vor seinem eigenen Spiegelbild erschrocken hat.“ Er deutete auf das verspiegelte Regal hinter ihm, in dem der Bestand an hartem Alkohol den Pub dekorierte. „Gleich zwei Mal und natürlich muss das feige Vieh immer gleich Feuer spucken wie so ein verstopfter Schweißbrenner. Das hat uns den Papierkorb neben der Kasse in Brand gesteckt. Mann, zum Glück wusste Kolja auf Anhieb wo der Feuerlöscher steht.“

    „Wir bewahren ihn seitdem griffbereit unter dem Tresen auf“, ergänzte der Bär. Besser war das wohl auch.

    Fort vom Feuer und dafür hin zum Wasser. Kritisch begutachtete Colin die Pfütze auf dem Boden, welche nach Scotts Wischaktion das Parkett aufweichte. „Willst du das so lassen?“

    Sein Bruder warf einen desinteressierten Blick auf sein Werk. „Jap“, meinte er sodann leichthin, obwohl das Wasser mitten im Weg herumschwamm und der nächste unaufmerksame Tropf, der zum Tresen lief, mit ziemlicher Sicherheit darauf ausrutschte. Davon abgesehen hinterließen solche Lachen immer echt schmuddelige Flecken. Colin würde niemals nachvollziehen können, was so schwer daran sein sollte unnötigen Schmutz von Anfang an zu vermeiden aber was das Thema Ordnung anbelangte, gingen Colins Einstellung und die seines Bruders schon immer weit auseinander. Dementsprechend legte Scott die Frage bereits als hinreichend erledigt ad acta und wandte sich Kolja zu. „Wo haben wir vorhin aufgehört?“

    Der Bär antwortete: „Sie war mit dem Elfen aus eurer Parallelklasse zusammen und später mit dem Hexer, der bei ihrer Trennung so gemein zu ihr war.“

    „Stimmt, und danach kam der eifersüchtige Vampir. Bin ich froh, dass daraus nichts geworden ist. Der Typ ist mir mit seinem ständigen Drama so auf die Eier gegangen.“

    Elf? Hexer? Eifersüchtige Vampire? Worüber quasselten die zwei denn jetzt? Während Colin versuchte den Faden des Gesprächs zu erfassen, zog Scotts Zeigefinger erklärende Kreise in der Luft. „Es gab auch noch diesen Grufti-Spinner und Scott. Also nicht mich, den anderen Scott. Außerdem hatte sie mal was mit einem Nachtalb. Erinnerst du dich? Der Typ hat ihr so einige schlaflose Nächte bereitet und ich meine nicht auf die geile Art. Und der letzte war dann Ken.“

    „Mit all diesen Männern hat sie aber nie eine Beziehung geführt, sondern ist nur kurzzeitig mit ihnen ausgegangen. Da besteht ein Unterschied“, gab Kolja seinem Freund zu bedenken.

    An der Stelle platzte Colins Sarkasmus aus dem Wolf hervor. „Seid ihr zwei seit neusten Gwens Sekretärinnen oder warum listet ihr lauter Kerle auf wie 'n Telefonbuch?“

    Die Erklärung, die Scott ihm daraufhin lieferte, erwischte Colin kalt wie ein mit Eiszapfen gespickter rechter Haken von Väterchen Frost höchstpersönlich. „Wir fassen zusammen, mit welchen Männern Moira bisher so zusammen war. Es ist schon ein halbes Jahr her seit sie wegen diesem Ken rumgeflennt hat. Das heißt, es kann nicht mehr lange dauern bis sie wieder jemanden nachrennt.“ Verschwörerisch lehnte sich Scott zu Kolja vor. „Würde mich nicht wundern, wenn sie sich bereits verknallt hätte.“

    Der Bär widersprach dem. „Aus Moiras Liebesleben lässt sich keine plausible Normalverteilung herleiten, Scott. Zwischen manche ihrer Bekanntschaften lagen wenige Monate und zwischen anderen ein Jahr oder noch mehr. Reduziert man es auf aussagefähige Werte, also die Romanzen die über eine oberflächliche Zuneigung hinausgingen, dann bemisst sich Moiras Statistik auf lediglich drei feste Freunde. Für eine Dreiunddreißigjährige ist das nicht außergewöhnlich viel. Ich hatte genauso viele Beziehungen, bevor ich Abby kennengelernt habe.“

    „Ach komm schon, Mann“, wischte Scott Koljas Einschätzung selbstüberzeugt beiseite. „Ich kenne Moira schon mein ganzes Leben. Ich sage dir: die Frau schleppt uns demnächst einen neuen Typen an.“

    „Scott, es lässt sich unmöglich vorhersagen, wann Moira Interesse an einem Mann entwickelt.“ Kolja beharrte auf seiner Meinung, ebenso wie Scott es tat und unterdessen Colin mit verkrampften Fäusten darum kämpfte seine aufsteigende, zerstörungswütige Frustration nicht am nächststehenden Barhocker auszulassen, kam sein Bruder dem Bären mit einem Vorschlag um die Ecke:

    „Wir können ja darauf wetten. Mein Einsatz darauf, dass Moira bis zum Ende des Herbstes einen neuen Freund hat und du hältst dagegen.“

    An dieser Idee fand Kolja offensichtlich wenig Gefallen. „Ich halte es für falsch auf Moiras Liebesleben zu wetten.“

    „Aber darauf zu wetten ob ich mit Hazel ausgehe ist in Ordnung oder was?“, bellte Scott seinen Freund an und Colin spürte seine Backenzähne wie Mühlsteine aufeinander reiben. Da sein Bruder unbedingt sein Geld auf etwas setzen wollte, dann sollte er es darauf tun, dass hier jeden Augenblick ein paar Tische durch den Pub flogen, denn wenn Colin noch eine einzige Silbe davon ertragen musste, welchen Pennern sich Moira in ihrem Leben schon an den Hals geworfen hatte ohne Colin jemals auch nur mit einer noch so nichtig kleinen Faser ihres Herzens in Erwägung zu ziehen, passierte ein Unglück.

    Völlig auf seine Verbitterung fokussiert, blendete Colins Bewusstsein die Debatte zwischen den zwei anderen Männern komplett aus und erst als Scott seinen Namen erwähnte, erwachte der Rüde aus seinem Gram. Äußerlich unbewegt hob er die Augen zu seinem Bruder. „Dieses Mal bin ich vorbereitet. Die Ohrstöpsel, die Colin mir empfohlen hat sind richtig gut. Mit den Dingern in den Ohren kann Moira im Nebenraum vor Liebeskummer schluchzen und heulen wie sie will und ich muss nicht wieder auf der Couch meiner Eltern übernachten.“ Sodann kratzte sich Scott nachdenklich am Haaransatz und am Ende dieses Denkprozesses murmelte der Wolf in seinen Bart hinein: „Was ja eh nicht mehr geht, weil Mama und Papa schon lange aus dem Urlaub zurück sind. Abgesehen davon ist auf der Couch gar nicht genug Platz für Hazel und mich.“

    Ohne es zu ahnen bot Scott seinem Bruder damit die Gelegenheit eines Themenwechsels.



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