Beiträge von 20thcenturyman

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 8

    Zum zweiten Male in dieser Nacht fand sich Graf Ernst in einem Sarg wieder. Zu seinem Schutz, wie ihm Lilith versichert hatte. Untote vertrugen das Licht der Sonne nicht. Es verbrannte sie zu Asche, was bedeutete, dass er sich von nun an als ein Geschöpf der Nacht betrachten musste. Die Welt am Tage würde er nie wieder sehen. Ebensowenig seine Familie. Nichts gehörte ihm mehr. Selbst sein Leben hatte er verloren und gegen ein Schattendasein eingetauscht. Ein Geist in einem abgestorbenen Körper, mehr war von ihm nicht geblieben. Dazu verdammt, in alle Ewigkeit durch die Finsternis zu wandern, immer auf der Suche nach Opfern, denen er das Blut aussaugen konnte. Er hatte den Tod erlebt als einen Zustand der absoluten Bewusstlosigkeit, des Nichtseins. So schlimm war das gar nicht gewesen. Jedenfalls besser als der Weg, den Vlad und Lilith ihm gewiesen hatten.

    War es da nicht sinnvoller, sich aus seinem hölzernen Gehäuse zu befreien und ein letztes Mal die Wärme des Tagesgestirns zu verspüren, vielleicht auch Schmerzen zu erleiden, aber dann endlich frei zu sein? Er musste nur den Sargdeckel beiseite schieben und den Rest der Sonne überlassen.

    Während er noch darüber nachdachte, verspürte er ein leichtes Brennen, als ob er an einem Feuer säße. Ihm war nicht klar, wie er zu dieser Gewissheit gelangen konnte, aber der Ursprung des Gefühls schien im Osten zu liegen. Wo die Sonne aufging. Sogar hier, in der Dunkelheit des Sarges, machte sie sich bemerkbar. Gleichzeitig breitete sich eine unerklärliche Lähmung in seinem Körper aus. So erging es den Untoten also am Tage, auch wenn sie Schutz gesucht hatten. Bewegungslos. Wehrlos. Er entsann sich der gruseligen Schauergeschichten, die er in Tavernen und an Lagerfeuern vernommen hatte und in denen Vampire stets als äußerst verwundbare, ja fast bemitleidenswerte Wesen geschildert worden waren. Weder vertrugen sie das Licht der Sonne, noch waren sie imstande, fließende Gewässer zu überqueren. Knoblauch ließ sie zurückzucken, genauso wie Kreuze und andere Symbole des Glaubens.

    Sogar das Verstreuen von Salz stellte sie vor eine schwer lösbare Aufgabe, denn irgendetwas zwang sie, die einzelnen Körner zählen zu müssen, bevor sie sich auf ihre Opfer stürzen konnten. Wodurch diese genug Zeit gewannen, in aller Ruhe aufzurüsten, mit Weihwasser, Gemüse und Rosenkränzen. Da war ja ein Fuchs im Hühnerstall gefährlicher und schwieriger zu bekämpfen. Graf Ernst entsann sich allerdings der Aura der Macht, die er an Vlad wahrgenommen hatte. Diese Erzählungen konnten nicht allesamt stimmen. Jedenfalls hätte sich Graf Ernst lieber mit einem Rudel Wölfe angelegt als mit seinem neuen Mentor. Er gestand sich ein, dass er viel zu wenig wusste. Vielleicht war es besser, sich etwas Ruhe zu gönnen, anstatt sinnlos vor sich hin zu spekulieren.

    Er schloss die Augen und begann zu träumen. Von oben, so schien es ihm, blickte er auf den Bauernkarren herab, auf dem sein Sarg lag. Die Pferde machten immer noch einen ängstlichen Eindruck, während Lilith, die Zügel in der Hand haltend, tief in Gedanken versunken zu sein schien. Graf Ernst erblickte einen Schwarm schwarzer Vögel. Raben, wie er feststellte. Besonders große Exemplare. Mit ausgebreiteten Flügeln näherte er sich ihnen. Früher, in seiner Kindheit, hatte er häufig solche Flugträume gehabt. Aber nie war er selbst einer der Vögel gewesen. Langsam verloren sie an Höhe. Im Dickicht des Waldes erspähte er graue Schatten. Wölfe, denen er offenbar auffiel. Neugierig schauten sie nach oben. Noch etwas Anderes nahm er wahr. Grün gekleidete Menschen, die er mit seinen eigenen Sinnen nie wahrgenommen hätte. Doch vor seinen Rabenblicken konnten sie sich nicht verbergen. Sie schienen auf etwas zu warten.

    Unvermittelt hielt der Karren an. Jemand entfernte den Sargdeckel und öffnete seinen Mund. Aus einem kleinen Fläschchen ergoss sich Blut. So scheusslich ihm der Geschmack auch vorkam, er spürte, wie seine Kraft zurückkehrte. Die Sonne war mittlerweile untergegangen.

    "Raus da!", befahl das Mädchen. Sie wies auf die Bäume. "Dort verbergen sich Vampirjäger", klärte sie ihn auf. "Ziemlich viele. Sie haben Armbrüste, deren Bolzen in Weihwasser getaucht sind. Sie können jeden Augenblick angreifen."

    "Was machen wir jetzt?", wollte Graf Ernst wissen.

    "Wieso wir?", fragte Lilith zurück.

    Sie wandte sich dem Wald zu und begann zu schreien. "HIlfe,Hilfe! Dieses Ungeheuer will mir das Blut aussaugen! So tut doch etwas, ihr guten Leute! Ich bin nur ein hilfloses junges Mädchen!"

    Sie zwinkerte ihm zu und rannte los. Graf Ernst hörte die ersten Armbrustbolzen durch die Luft sausen. Jetzt wurde es wirklich ernst

    Es ist zwar eine Romantacy, aber ich finde die Serie trotzdem gut:

    A Discovery of Witches.

    Wirkt zunächst wie das übliche Kochrezept. Eine attraktive junge Frau und ein Bad Boy, der sich natürlich als Vampir entpuppt.

    Aber keiner von der Twilight-Milchbubi-Sorte. Auch äußerlich ist er kein junger Mann mehr. Seine Unsterblichkeit wird nicht einfach behauptet. Man sieht ihm die Last der Jahrhunderte an. Man spürt auch die Gefahr, die von ihm ausgeht.

    Die Serie spielt zunächst in Oxford, was ich sehr interessant finde. Als er seine Familie besucht, geht es nach Frankreich, in eine sehr schöne, mittelalterlich anmutende Stadt, in der nur Vampire leben. Seine Mutter ist noch um Klassen unheimlicher als er.

    Ich bin erst in der ersten Staffel. Es gibt drei.

    Mal sehen, ob das Niveau gehalten wird.

    Falls hier auch Sachbücher erlaubt sind:

    "Eine Nation unter Erpressung", von Whitney Webb, 2 Bände.

    Untertitel: Jeffrey Epstein, die Geheimdienste und das organisierte Verbrechen.

    Erläutert ganz nüchtern, wie ein Typ wie Epstein, ein Mathematiklehrer ohne Collegeabschluss, zum Multimillionär und dann zum kriminellen Dienstleister großer Teile der Eliten aufsteigen und jahrelang mit schwersten Straftaten durchkommen konnte. Wilder als der abgefahrendste Verschwörungsthriller.

    Geht besonders darauf ein, welche Rolle Geheimdienste gespielt haben könnten und welches Erpressungsmaterial wer gegen wen gesammelt haben könnte.

    Kein Wunder, dass Trump diesen Grönlandzauber veranstaltet. Eine nette Ablenkung.

    Sollte jemals alles herauskommen, was in diesem Zusammenhang relevant ist, werdn viele weg vom Fenster sein

    Weiss und Rot.

    Eine Geschichte von Untoten und Vampiren.

    Kapitel 7

    Graf Ernsts Gedanken wandten sich wieder der Gegenwart zu. Dreihundert Jahre lang hatte er ein Schattendasein geführt. Mit nur bruchstückhaften Erinnerungen an seine Zeit als Mensch und das, was sich unmittelbar nach seiner Auferstehung zutrug

    Vielleicht hatte er sich auch auch gar nicht erinnern wollen. Wie konnte er nur die Ermordung einer ganzen Familie anordnen? Er bereute nicht, was er seiner Tante angetan hatte. Immerhin hatte sie ihn vergiftet. Und das Gleiche auch bei seinem Sohn versucht. Ihre eigenen Söhne dürften wohl eingeweiht gewesen sein. Aber die Enkel? Der Jüngste war noch nicht einmal drei Jahre alt gewesen. Ein niedlicher Bub, immer fröhlich. Wie er wohl gestorben war? Daran wollte Graf Ernst gar nicht denken. Zum Glück war er nicht dabei gewesen. Es musste der Schock des Erwachens gewesen sein, als lebende Leiche, der ihn zu dieser Tat getrieben hatte.

    Was war geschehen, nachdem Vlad, Lilith und er die Gruft verlassen hatten? Neue Erinnerungen strömten auf ihn ein.

    "Kann ich meine Familie noch ein letztes Mal sehen?", fragte er. Das Mädchen sah ihn abschätzend an.

    "Werden wir jetzt sentimental?"

    Graf Ernst spürte die Gefahr. Offenbar wurde er geprüft. Es war ihm zugute gehalten worden, dass er Disziplin bewiesen hatte. Entfesselte Blutgier war nicht erwünscht Grausamkeit hingegen schon. Dass er, ohne einen Augenblick zu zögern, auch den Tod der Kinder verlangt hatte, war mit Befriedigung zur Kenntnis genommen worden. Ebenso die Art und Weise, wie er mit Tante Margot abgerechnet hatte.

    Aber was würde geschehen, wenn er jetzt Schwäche zeigte? Nahmen sie dann eine neue Bewertung vor? Sonderten sie ihn aus? Und was geschah dann? Umbringen konnten sie ihn ja nicht mehr. Aber dafür vernichten, womöglich endgültig. Er war sich nicht im Klaren darüber, ob er sich davor fürchten sollte. Auf den Tod war die Auferstehung als Untoter gefolgt. Vielleicht gab es noch andere Formen der Weiterexistenz. Ein Jenseits. Besser als dieses Dasein hier. Oder schlimmer. Himmel oder Hölle. Er beschloss, vorsichtig zu sein und erst einmal an dem festzuhalten, was er hatte. Anders entscheiden konnte er später immer noch.

    "Ich weiß, was ich zu tun hätte, wenn sie mich als das sehen könnten, was ich jetzt bin," behauptete er. "Ich müsste sie töten. Das würde ich auch tun. Aber Ihr habt recht, ich gönne mir einen letzten Augenblick menschlicher Rührseligkeit. Habt Ihr dieses Bedürfnis denn nicht, Abschied von Eurer Familie zu nehmen, wenn Eure Auferstehung ansteht?"

    Vlad lachte herzlich und bewies damit, dass auch Humor stärker sein konnte als der Tod.

    "Wenn Ihr wüsstet, was sie mit ihren Leuten gemacht hat. Jetzt schon, als Mensch! Gut, ich gebe zu, dass auch ich seinerzeit einen Augenblick der Schwäche erlebt habe. Der Übergang ist nicht so leicht. So gestehe ich Euch dasselbe zu. Einmal. Doch denkt daran. Niemand darf von uns wissen. Ammenmärchen und Aberglaube, das sind wir, nichts Anderes. Begleite ihn, Lilith, ich gehe schon einmal voran."

    Mit diesen Worten verschwand er. Nur sein Schatten verblieb noch ein paar Augenblicke, ehe er davon huschte. Das konnten Vampire also auch, dachte Graf Ernst. Ob sie ihm das beibringen würden?

    "Also los, gehen wir", verkündete das Mädchen und ging voran. Leichtfüssig erklomm sie die schmalen Treppen, die hinauf zu den bescheidenen Kammern der Dienstboten führten. Er selbst fühlte sich durchaus nicht so trittsicher. Die Wirkung des Blutes ließ nach. Sorgsam musste er auf seine Schritte achten. Wenigstens erwies sich die Beleuchtung als zureichend, wobei er sich nicht erklären konnte, woher dieses seltsame Zwielicht kam. Nirgendwo waren Kerzen oder Fackeln zu sehen.

    "Nun kommt es darauf an", stellte das Mädchen fest, als sie vor der Tür des kleinen Zimmers standen. " Niemand darf auch nur einen Blick auf uns erhaschen und am Leben bleiben."

    Entschlossen drückte Graf Ernst die Türklinke hinunter und spähte in den Raum. Das Glück war ihm hold. Da lagen sie, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter, auf einer schmalen Liege, eng aneinander geschmiegt und einander Wärme spendend.In tiefer Bewusstlosigkeit.

    "Natürlich haben wir sie betäubt", erläuterte Lilith. "Genauso wie das Gesinde. Hättet Ihr es wirklich getan?"

    Das hätte er. Allerdings wären nicht seine Leute auf der Strecke geblieben, sondern seine Begleiterin. Noch war sie ein Mensch. Er wäre mit ihr fertig geworden, glaubte er zumindest. Noch immer ging ihm die Familie über alles.

    "Los jetzt", drängte Lilith. "Der Sonnenaufgang ist nahe!"

    "Wie erklärt ihr der Welt, was hier geschehen ist?", wollte er wissen, während sie dem Ausgang zustrebten.

    "Einfach", gab Lilith zurück. "Deine Tante hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Handschriften kann ich ganz gut nachmachen. Ihre ganze Sippe wäre nach Ungarn ausgewandert, wo eine reiche Erbschaft wartete."

    "Und das Verschwinden meiner Leiche?"

    "Ist nicht verschwunden. Sondern in der Familiengruft, bedeckt von einer schweren Steinplatte. Freundlicherweise hat dich deine liebe Tante noch schnell bestattet, um deiner Gattin die Mühe zu ersparen. Rate einmal, wer wirklich in dem Sarg liegt!"

    Sie lachte. Sie und Vlad, musste er zugeben, hatten wirklich an alles gedacht.


    Als sie ins Freie gelangten, widerstand Graf Ernst dem Verlangen, sich noch einmal umzudrehen. Ein wehmütiger Blick zurück wäre vielleicht als weitere sentimentale Schwäche wahrgenommen worden.

    Entschädigt wurde er für diesen Verlust nicht, denn der Anblick, der sich ihm nun bot, konnte als deprimierend bezeichnet werden. Auf einem Bauernkarren lag ein schlichter Holzsarg.

    "Rein da!", kommandierte das Mädchen. "Und achtet auf Abstand zu den Pferden!"

    Da sie sich eine Erklärung sparte, wagte er ein kleines Experiment. Zwei Schritte auf die Tiere zu, und schon gaben sie ein ängstliches Wiehern von sich, wild mit den Augen rollend.

    "Pferde haben mich immer gemocht", erinnerte sich Graf Ernst erstaunt.

    "Jetzt nicht mehr. Alles, was lebt, schreckt vor Euch zurück."

    Widerwillig kletterte Graf Ernst in den Sarg. Lilith sorgte dafür, dass der Deckel richtig saß.

    "Wohin fahren wir?", wollte er wissen. Aber sie antwortete nicht. Das Gespann setzte sich in Bewegung. Nach einer Weile verspürte er eine seltsame Schwäche. Schließlich sogar eine Lähmung, die sich langsam ausbreitete, von den Gliedmaßen ausgehend und zuletzt seinen ganzen Leib umfassend.

    "Das Tageslicht", hörte er Lilith rufen. "Macht dich unbeweglich und hilflos. Jetzt bist du mir ausgeliefert!"

    Es ist mir unter Aufbietung all meiner nicht vorhandenen digitalen Fähigkeiten tatsächlich gelungen, ChatGBT zu installieren.

    Daraufhin habe ich gleich mal ein Experiment gemacht.

    Vor Monaten hatte ich auf diesem Forum nachgefragt, ob jemand seiner KI folgende Aufgabe stellen könnte: Schreibe eine Kurzgeschichte mit dem Inhalt, dass Angela Merkel von einem T.Rex durch den Wald gejagt wird und im letzten Augenblick entkommt.

    Das Ergebnis war ziemlicher Mist, so dass ich dachte, so viel können diese Roboter doch nicht.

    Jetzt habe ich das noch mal wiederholt. Was dabei herauskam, war eine sehr routiniert geschriebene, fehlerlos abgelieferte Geschichte. Die auch von einem Menschen stammen könnte. Erkennen kann man solche Produkte wohl nur an eben dieser Routiniertheit. Da wurde etwas abgearbeitet. So etwas wie Pulp Fiction oder Blade Runner dürften KI aber wohl noch nicht zustandebringen. Dazu müssten sie in der Lage sein, aus den üblichen Erzählstrukturen auszubrechen und etwas ganz Neues, Originelles, vielleicht auch Schräges zu erschaffen. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht.

    Wicked, der Film.

    Habe ich jetzt erst gesehen, nachdem die Preise für Streaming und Blue Rays erheblich gesunken sind.

    Alles in Allem wirklich sehenswert. Zu bemängeln wären nur ein paar überflüssige Szenen, die die Handlung künstlich in die Länge ziehen.

    Die Geschichte finde ich sehr klug ausgedacht, und das bei einem Musical. Der Zauberer von Oz ein Betrüger, der die Magierin, die sich von ihm nicht benutzen lässt, mit raffinierten Propagandamethoden zur Schurkin erklärt. Das könnte man als subtile Kritik an realen politischen Manövern deuten.

    Die Ausstattung großartig. Da hat Hollywood die Heizung wieder mal auf fünf gedreht.

    Nicht alle Songs herausragend, aber einige schon. Natürlich Defying Gravity.

    Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Menschen die Welt wahrnehmen. Ich fand den Film spannend, mitreißend und auch beunruhigend. So etwas kann ja schließlich wirklich passieren. Vielleicht schon nächsten Donnerstag.

    Thirteen Days war ebenfalls sehr gut. Damals sind wir gerade noch um den Dritten Weltkrieg herumgekommen

    A House of Dynamite. Handelt von einem nuklearen Angriff auf die USA. Vom Pazifik aus wird eine Atomrakete abgefeuert, seegestützt, ohne dass klar wird, wer hinter dieser Aktion steckt. Dem Präsidenten bleibt nur wenig Zeit zu reagieren. Soll er, ohne den verantwortlichen Staat zu kennen, gegen die üblichen Verdächtigen losschlagen, Russland, China, Nordkorea? Und somit einen globalen Atomkrieg riskieren? Oder den Schlag einfach einstecken und später den Schuldigen ermitteln?

    Immerhin geht es um die Auslöschung Chicagos.

    Es gibt kein Happy End. Auch wird nicht gezeigt, wie sich der Präsident letztendlich entscheidet.

    Das spiegelt sehr gut die Unsicherheit wieder, in der wir uns ja wirklich befinden. Etwa 12000 Atomsprengköpfe sind weltweit einsatzbereit. Mehr als 30 U-Boote sind zu jeder Zeit unterwegs, die imstande sind, nuklear bestückte ballistische Raketen abzufeuern.

    Auch wenn der Film vielleicht nicht jede Einzelheit korrekt wiedergibt, ist er doch realistischer als unsere üblichen Beruhigungspillennachrichtensendungen.

    Zuerst die gute Nachricht:

    Der letzte Superman-Film ist alles andere als ein weiterer, seelenloser Blockbuster mit CGI-Gewitter, sondern, wie ich finde, rundherum gelungen.

    Die Drehbuchautoren ließen sich wirklich etwas einfallen. Zum Beispiel übersprangen sie die weithin bekannte Ursprungsgeschichte einfach und stiegen sofort in eine dynamische Handlung ein, die Superman in der Defensive zeigt. Lex Luthor treibt ihn vor sich her, zerstört seinen Ruf, erobert mit links die Festung der Einsamkeit und bringt ihn schließlich vor Gericht und anschließend sogar ins Gefängnis.

    Man fragt sich die ganze Zeit, wie er da wieder herauskommen soll. Wie ihm das schließlich gelingt, ist durchaus glaubhaft und kommt ohne hingebogene Drehbuchwunder aus.

    Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Die Kombination aus Dramatik und Humor haben sie perfekt hinbekommen.

    Es gibt auch ein paar sehr schöne, äußerst originelle Ideen.

    Krypto, der mit Superkräften ausgestattete Hund, der nie hört.

    Ein uraltes, sich mit quälender Langsamkeit emporbewegendes Garagentor, hinter dem sich das hypermoderne, selbstgebastelte Ufo von Mister Terrific befindet.

    Lex Luthors Idee, alle Einsatzorte Supermans abzusuchen, um ein ausgegangenes Haar zu finden, aus dem er dann einen Klon erschafft. ( nicht beantwortet wird allerdings die Frage,wie er sich überhaupt die Haare schneidet oder sich rasiert.)

    Ein alkoholisiertes Supergirl.

    Interessant: Supermans kryptonische Eltern sind gar nicht die Gutmenschen, als die sie sonst immer dargestellt wurden. Kal-El soll den Menschen nicht helfen, sondern sie wie ein Gott beherrschen, sich ihre schönsten Frauen nehmen und eine neue Superrasse begründen. Woraus Lex Luther dann sofort das Propagandamärchen in die Welt setzt, Superman halte sich einen geheimen Harem.

    Mitllerweile bedaure ich, den Film nicht im Kino gesehen zu haben. Aber dafür habe ich Geld gespart, ihn sich bei Amazon auszuleihen, ist viel billiger.

    Und nun die schlechte Nachricht:

    Die 4.Staffel von The Witcher ist uninspirierte Fantasy-Durchschnittskost, die nicht annähernd an die literarische Vorlage heranreicht. Das hat Netflix wirklich verpfuscht.

    Habe aufgeholt bis Kapitel 17. Dass endlich ein mächtiger Dämon auftaucht, macht die Geschichte interessanter. Der Rückblick in Lillys Kindheit, wo sie in der Hölle ums Überleben kämpfen musste, wirft natürlich Fragen auf. Was ist die Hölle? Sind Dämonen keine spirituellen Wesen, sondern eine Art Homininen, die Kinder bekommen genauso wie Menschen?

    Zu Lillys Energieproblem hätte ich noch einen Vorschlag. Könnte Lilly nicht, wie ein Taschendieb, ganz unauffällig Passanten anrempeln und ihnen auf diese Weise etwas Energie abnehmen, so wenig, dass die Engel nichts mitbekommen? Kleinvieh macht auch Mist. Sie könnte auch ganz kurz einen Hund streicheln. Der wäre dann wegen des Energieverlusts ein paar Tage müde, natürlich ohne langfristige Folgen.

    Zu Kapitel 13:

    Ich wundere mich darüber, wie gut Nemo, der Dämon, und die Engel miteinander zurechtkommen. Als Nemo mit dem kleinen Mädchen sich vom Umzug absetzte, dachte ich schon, es würde richtig ernst. Aber es passierte nichts Schlimmes. So etwas würde auch nicht zum humorvollen Grundton der Geschichte passen.

    Lilly wird immer menschlicher. Das ist sehr subtil und nachvollziehbar geschildert. Aber was wollen die Engel eigentlich? Lilly und Nemo in Menschen verwandeln?

    An Sikadian:

    Danke für Deine Hinweise. Man kann sich noch so sehr bemühen, es kommen immer ein paar Flüchtigkeitsfehler durch. Habe ich jetzt korrigiert.

    Zur Handlung:

    Wie Graf Ernst dem Dämon heilige Zeichen mit Blut auf die Stirn malen konnte, obwohl er doch blutleer war? Da musste ich selbst noch mal nachlesen, ob ich daran gedacht hatte. Und ja, auf seinen Wangen waren noch Blutreste. Die hat er benutzt.

    Dass er auch die Kinder töten wollte, ist in der Tat persönlichkeitsfremd. Man muss sich aber vor Augen führen, was für einen Schock es darstellen dürfte, zu sterben und dann wieder in einem leblosen Körper aufzwachen, ohne Puls und Atmung. Da war er nicht er selbst. Darauf gehe ich in weiteren Rückblicken noch ein.

    Seine Tante neigte jenem berechnenden Religionsverständnis zu, das schon Konstantin der Große praktizierte. Der ließ sich erst auf dem Sterbebett taufen, weil nach damaligem Glauben die Taufe alle Sünden weg wusch. Man konnte also lebenslang fröhlich sündigen und kam trotzdem in den Himmel, wenn man den richtigen Sterbezeitpunkt erwischte.

    Margot denkt, sie käme trotz eines Giftmords ins Himmelreich, wenn sie zum Ausgleich fleissig in der Bibel läse, und sie wäre so auch vor allem Bösen geschützt. Diese Illusion dürfte angesichts des Vampirangriffs verflogen sein.

    Zum Zeitablauf:

    Die Schlacht, auf die ich mich beziehe, ist die Schlacht von Crezy, 1346, mit der der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England begann. Ein paar Jahre danach dürfte Ernst zum Vampir geworden sein. Etwa 200 Jahre vergingen, bevor er zum Schloss kam, wo er sich seit 300 Jahren aufhält. Er muss herausfinden, was in diesen Zeiträumen geschehen ist

    Zu a cruel love - the ruth ellis story:

    Ich wusste gar nicht, dass es zu dieser Sache einen Film gibt. Wo bitte kann man den streamen? Oder gibt es ihn auf DVD?

    Der Fall ist auch insoweit interessant, als er eine Rolle spielte bei der Abschaffung der Todesstrafe in Großbritannien.

    Zusammen mit dem Fall des Frauenmörders John Christie. Der hatte eine seiner Taten einem Unschuldigen in die Schuhe geschoben, der dann auch gehängt wurde. Bei der Verhandlung trat Chrstie als Belastungszeuge auf. Als er dann - nach weiteren Morden - entlarvt wurde, musste die Justiz den Unschuldigen nicht nur rehabilitieren. Das Meinungsklima zur Todesstrafe veränderte sich drastisch.

    Hinzu kam dann noch die Hinrichtung von Ruth Ellis. So verrückt das klingt, aber der Umstand, dass sie eine sehr attraktive Frau war, führte dazu, dass die Öffentlichkeit mit ihr symphatisierte. Attraktivität bringt Vorteile, selbst in so einer Situation.

    Auch war sie keine heimtückische Mörderin. Ihren Freund hat sie in aller Öffentlichkeit erschossen, weil der sie betrogen hatte..

    Ein Motiv, das nicht wenigen Frauen eingeleuchtet haben dürfte.

    Schade, dass in manchen US-Staaten Fehlurteile wie im Fall John Christie kein Problem sind. Es wird trotzdem fröhlich weiter hingerichtet.

    WEISS UND ROT

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 6


    Während sich Lilith und Graf Lazlo in ihre Gästequartiere zurückzogen, beschloss Graf Ernst, sich noch ein wenig die Beine zu vertreten. Sofern er nicht schon wieder rote Tränen weinen wollte, war Bewegung die beste Methode, um sich von dem lästigen Blut zu befreien, das ihm das Schloss verabreicht hatte.

    Mittlerweile war die Nacht zu Ende gegangen. Die Sonne musste er dennoch nicht fürchten. Denn stets bei Tagesanbruch ließ seine Gastgeberin dunkle Wolken aufsteigen, die die gefährlichen Strahlen zuverlässig abhielten. Benötigte das Schloss diesen Schutz für sich selbst? Was würde geschehen, wenn es der Helligkeit ausgesetzt würde? Immerhin konnte man es auch als vampirisch ansehen, trank es doch ebenfalls Blut, wenn sich die Gelegenheit bot. Daher sollte man es eigentlich unter die Roten einordnen. Seltsam, dass es sich für einen Weißen als Dauergast entschieden hatte.

    Er trat hinaus in den Garten. Blumen hatte er dort nie erblickt. Nur Sträucher und kleine Bäume von einem blassen Grün. Die wohl kein Sonnenlicht benötigten. Wovon lebten sie? Ebenfalls von Blut? Dreihundert Jahre hatte er hier verbracht und wusste so wenig. Fragen stellte er sich schon, aber er vergass sie auch schnell wieder.

    Nicht nur Pflanzen, auch Statuen aus weißem Marmor schmückten den kleinen Park, über den sie in unregelmäßigen Abständen verteilt waren. Er schritt an einer Gruppe bösartig starrender Satyrn vorbei. Ihre Mäuler hatten sie weit aufgerissen. Spitze Zähne drohten. Es folgten eine Medusa mit dem Schlangenhaupt, ein riesiger Zyklop und die Zauberin Kirke, die gerade einen Mann in ein Schwein verwandelte. Für antike Mythologie hatte das Schloss etwas übrig. Leider nur für deren düstere Aspekte.

    Während er sich fragte, ob dieser Spaziergang durch ein Spalier grauenerregender Gestalten wirklich eine gute Idee gewesen war, fiel ihm etwas auf. Eine neue Figur. Sie stellte eine große, schlanke Frau dar, die in ein antikes Gewand gekleidet war. Eine Schulter blieb unbedeckt. Ihr Haar hatte sie zu einer komplizierten Frisur aus vielen kleinen Zöpfen gestaltet. Er wunderte sich über ihren stechenden Blick. Aus leeren, steinernen Augenhöhlen. An diesem Ort wurde es nie langweilig. Dafür aber immer unheimlicher, selbst für ein Wesen wie ihn.

    Wie war er überhaupt hierher gekommen? Seine Erinnerungen lieferten nur verschwommene Bilder, auf die er sich keinen Reim machen konnte. Er setzte sich auf eine Bank, dachte nach und versuchte, sich geistig in die Zeit zurückzuversetzen, als er noch ein Mensch gewesen war. Vor seinem Tod. Und der Auferstehung.

    Als drittem Sohn eines böhmischen Grafen deutscher Abstammung waren ihm nicht viele Möglichkeiten geblieben, da das Familienerbe natürlich dem ältesten Bruder zustand. Entweder Kirche, Kriegsdienst oder reiche Heirat. Und nicht einmal das konnte er sich frei aussuchen. Sobald sich die Möglichkeit bot, eine vermögende Erbin heimzuführen, hatte sein Vater auch schon die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Arrangierte Ehen waren in seinen Kreisen die Regel. Die große Liebe konnte man da nicht erwarten.

    Doch er hatte Glück. Seine Braut erwies sich als recht hübsch und verträglich. Gerne übernahm sie die langweiligen Aufgaben, die mit der Bewirtschaftung ihrer Ländereien verbunden waren, so dass er seine Zeit mit Lesen verbringen konnte. Sie bekamen drei Kinder. Als der König von Böhmen beschloss, in den Krieg zu ziehen, um den Franzosen gegen die Engländer beizustehen, erhob sie keine Einwände gegen seinen Wunsch, sich den Truppen anzuschließen. Sie verstand, dass er endlich Abenteuer erleben wollte. Und kam auch gut ohne ihn zurecht.

    Die erste große Schlacht verlief übel. Der König fiel. Eine Katastrophe. Er selbst kam nur knapp mit dem Leben davon. Dennoch fand er Gefallen am Kriegerdasein. Entweder, so stellte er sich vor, würde er einst ruhmbedeckt nach Hause zurückkehren, oder einen glorreichen Heldentod sterben. Aber es kam anders. Durch einen Lanzenstich in seine linke Seite wurde er schwer verletzt. Sie brachten ihn zu seiner Familie, wo er auf eine bessere Pflege hoffen konnte als an den Orten, die man damals Lazarette oder Hospitäler nannte. Seine Gattin kümmerte sich rührend um ihn, unterstützt von seiner Tante Margot, einer verwitwetten Schwester seines Vaters, die zu ihnen zog. Dennoch verschlechterte sich ein Zustand immer mehr. Die Wunde, obschon gar nicht so tief, wollte einfach nicht heilen. Bald war er so weit, sich den Tod herbeizuwünschen. Sogar an Selbstmord dachte er. Nicht, dass er jemals besonders fromm gewesen wäre. Vor einer Todsünde schreckte er aber dennoch zurück.

    Plötzlich ging es ihm etwas besser. Sogar sein Appetit kehrte zurück. Davon ließ er sich nicht täuschen, hatte er doch genug Tod und Sterben gesehen. Was er erlebte, war das letzte Strohfeuer vor dem endgültigen Erlöschen. Nichts anderes wünschte er sich. Kein Jenseits, nicht einmal den Himmel. Kein Dasein mehr, welcher Art auch immer. Nur noch die Auflösung . Das Nichts. Und als er es herannahen fühlte, ließ er sich fallen. Endlich frei.

    Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als er wieder erwachte. Seine Schmerzen waren verflogen. Mühsam öffnete er die Augen. Ein seltsames Zwielicht erfüllte den Raum, den er als die Hauskapelle ihres Herrschaftssitzes erkannte. Sie hatten ihn aufgebahrt und in einen offenen Sarg gelegt. Er trug seine Rüstung. Sein Schwert lag neben ihm. Es gelang ihm nicht, sich aufzurichten. Für seinen Körper hatte er kein Gefühl mehr. Immerhin vermochte er seinen Kopf zur Seite zu drehen, so dass er seine rechte Hand im Blick hatte. Jetzt spürte er sie wieder. Indem er sich auf sie stützte, brachte er seinen Oberkörper in die Senkrechte.

    Nun konnte er die Kapelle überblicken. Vor ihm standen zwei Fremde. Ein älterer Mann, gehüllt in einen Kapuzenmantel, und ein sehr junges, ausgemergelt wirkendes Mädchen in einem dünnen Kleidchen. In dem Raum musste es sehr kalt sein. Doch schien sie nicht zu frieren. Genausowenig wie er.

    "Ich bin Vlad", stellte sich der Mann vor. Selten hatte Graf Ernst eine so warme, vertrauenerweckende Stimme vernommen.

    "Wie geht es Euch, mein lieber Graf? Schlägt Euer Herz regelmäßig? Fühlt Ihr es?"

    Wegen der Rüstung war es ihm zwar unmöglich, seine Brust zu betasten, aber er fühlte unwillkürlich seinen Puls. Nichts. Seine Haut fühlte sich kalt an. Leichenkalt.

    "Fällt Euch das Atmen leicht?"

    Atmen? Ihm fiel auf, dass er seit seinem Erwachen nicht einmal Luft geholt hatte.

    "Was ist mit mir passiert?", fragte er erregt. "Was bin ich?"

    "Was glaubt Ihr, was Ihr seid?"

    Alte, abergläubische Geschichten kamen ihm in den Sinn. Von Untoten, lebenden Leichen und Vampiren.

    Er berührte seine Zähne. Das schien den Mann, der sich Vlad nannte, zu erheitern.

    " Noch nicht", erläuterte er. "Dafür müsstet Ihr Blut zu Euch nehmen. Im Augenblick seit Ihr einfach ein Auferstandener. So nennen wir uns. Sagt, was wollt Ihr jetzt unternehmen?"

    "Ich muss weg von hier", antwortete Graf Ernst unwillkürlich. "Wenn bekannt wird, was mit mir geschehen ist, stürmt eine wütende Menge das Schloss und bringt meine Famile um."

    "Stimmt die Sache mit dem Sonnenlicht?"

    "Allerdings", bestätigte Vlad.

    "Wie lange bis zum Sonnenaufgang?"

    "Nicht lange genug. So langsam, wie Ihr Euch bewegt, werdet Ihr es nicht in den schützenden Wald schaffen."

    "Ich muss es versuchen", beharrte Graf Ernst.

    "Wenn er auf seine Beine blickte, so stellte er fest, bekam er wieder ein Gefühl für sie. Langsam stand er auf."

    "Mit dem könnten wir Glück haben", meldete sich das Mädchen erstmals zu Wort. "Ein disziplinierter Soldat. Macht sich sofort ein Bild von der Lage und einen Plan. Hat den Schock schnell überwunden. Nach den letzten Fehlschlägen endlich mal ein Lichtblick."

    "Wir helfen Euch", fügte der Mann hinzu. "Aber womöglich habt Ihr noch etwas zu erledigen?"

    Graf Ernst sah ihn verständnislos an.

    "Wundert Ihr Euch nicht, dass Eure Wunde nicht heilen wollte? Ist Euch nicht aufgefallen, dass Eure Gemahlin immer blasser und schwächer wurde? So dass Eure Tante Margot und ihre Familie sich immer mehr ausbreiten konnten? Ihre drei Söhne und deren Frauen und Kinder sind bereits eingezogen. Eure Güter behandeln sie schon wie die eigenen."

    Aus seinem Dämmerzustand erwacht, sah er es selbst. Die Seinen wurden systematisch verdrängt. Und die Verletzung? Konnte nicht die einzige Ursache für seine Beschwerden sein.

    "Vergiftet!" stellte er fest.

    "Nicht nur Euch", gab Vlad zurück. "Auch Eure Frau und Euren Sohn."

    Graf Ernst griff nach seinem Schwert.

    "Zu wenig Zeit", wiederholte der Fremde. "Wir erledigen das für Euch. Wie soll es geschehen? Wen soll es treffen?"

    "Alle", verlangte Graf Ernst erbittert. "Die ganze, verdammte Sippschaft!"

    "Auch die Kinder? Einige sind noch sehr klein."

    "Alle. Aber die Giftmischerin will ich selbst erledigen!"

    Vlad schnippte mit den Fingern. Die Tür der Kapelle wurde geöffnet.

    "Ihr habt es gehört", stellte Vlad fest.

    Die vermummte, schattenhafte Gestalt, die Graf Ernst nur verschwommen wahrnehmen konnte, schien zu nicken und verschwand genauso schnell, wie sie erschienen war.

    Als er versuchte, aus dem Sarg zu klettern, winkte Vlad ab. Aus den Taschen seines Umhangs förderte er eine gläserne Phiole zu Tage. Sie enthielt eine rötliche Flüssigkeit, die er Graf Ernst einflösste. Blut! Es schmeckte scheußlich, weckte aber seine Lebensgeister. Sein Körpergefühl stellte sich wieder ein. Er sah klarer. Nur Vlads Gesicht verblieb im Schatten seiner Kapuze.

    Graf Ernst schwang sich aus dem Sarg. Mit dem Schwert in der Hand stürmte er die Treppen hinauf, aus der Kapelle hoch zu den Gemächern seiner Tante. Als er eintrat, staunte er über die kostbare Einrichtung. Dafür musste sie viel Geld ausgegeben haben. Sein Geld. In ihrem Schlafraum brannte noch Licht. Die vielen Kerzen waren sicherlich sehr teuer gewesen. Sie lag in ihrem Himmelbett und las in der Bibel. Glaubte diese Mörderin wirklich, das brächte ihr das Himmelreich ein?

    Eines musste er ihr lassen. Sie hatte gute Nerven. Anstatt vor Grauen zu erstarren, riss sie das Kruzifix von der Wand und hielt es ihm entgegen. Er zuckte zurück. Ihm war, als ob er gleich in Flammen aufginge."

    "Einen Augenblick mal", mischte sich das Mädchen ein, das ihm gefolgt war. Sie entriss der Frau das Kreuz und vollführte in Graf Ernsts Richtung eine einladende Geste. "Bitte!"

    Langsam ging er auf seine Tante zu. In ihren Augen las er Todesangst, aber auch Trotz.

    "Durch den Biss des Vampirs", begann er, "bin ich verflucht. Auf ewig muss ich in der Finsternis wandeln, ohne Hoffnung auf Erlösung. Und auch du wirst nun diese Verdammnis erfahren."

    Er fletschte die Zähne. Lange, spitze Vampirzähne, die ihm wohl das Blut beschert hatte. Die Todesangst Margots wurde zu etwas Schlimmerem. Unsagbarem Grauen. Kein Himmelreich für sie . Als sie schon glaubte, er würde sie sogleich beissen, brach er ihr mit eine schnellen Bewegung das Genick. So weit war er noch nicht, Menschen das Blut auszusaugen. Sie sollte mit einem Höchstmaß an Hoffnungslosigkeit sterben, voller Angst davor, was sie nach dem Tod erwarten mochte. Das hatte er erreicht.

    Hinter ihm vernahm er Beifall. Das Mädchen klatschte in die Hände und hüpfte vor Freude.

    "Sehr gut", lobte sie. "Schon hatte ich befürchtet, Ihr würdet der Blutgier nachgeben. Wir hätten Euch neu bewerten müssen. Denn seht Ihr, entfesselte Bestien können wir nicht brauchen. Sie erregen zu viel Aufsehen. Aber Ihr habt überlegt gehandelt. Mit erlesener Bösartigkeit. Das nenne ich mal eine Rache! . Sehr lustig war auch der Blödsinn, den Ihr dem Weib erzählt habt. Man wird nicht zum Auferstandenen durch einen Biss. Oder einen Fluch. Es ist eine Veranlagung, die seit der Geburt feststeht. Ganz unabhängig von Moral oder Glaube. Die anderen Auferstandenen spüren das an einem Menschen. Im Augenblick seines Todes stehen sie an seinem Sarg und schauen, wie er sich macht."

    "Es wird Zeit", mahnte Vlad.

    "Aber Ihr seid keine Auferstandene", wandte sich Graf Ernst an das Mädchen. "Ihr konntet das Kreuz anfassen."

    "Noch nicht", antwortete sie. "Doch schlummert die Veranlagung in mir. Nach meinem Tod werde ich dazugehören. Im Augenblick nütze ich unserer Sache als Lebende aber mehr."

    "Wie heißt Ihr eigentlich, wenn ich fragen darf?"

    "Oh", gab sie zurück. "Nennt mich Lilith!"

    Nach kurzer krankheitsbedingter Pause habe ich jetzt Kapitel 12 gelesen. Sehr schön, wie Lillys fremdartige Dämonennatur dargestellt wird. Es kommt ihr gar nicht in den Sinn, dass man ihre Geschichte merkwürdig finden könnte. Ausgesetzt und auf der Strasse aufgewachsen. Ist das bei Dämonen so? Wie entstehen sie eigentlich. Die Kabbelei mit den beiden Engeln ist nach wie vor sehr lustig.

    Sehe zu, dass ich schnell aufhole.

    Weiß und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    5.Kapitel

    "Lass mich die Befragung durchführen, bevor du sie tötest", bat Graf Lanzlo. "Zu Lebzeiten war ich nämlich bei der Inquisition, musst du wissen. Da habe ich so Einiges gelernt."

    "Nur nicht so bescheiden", mischte sich die Gefangene ein. "Er wirkte auch als Exorzist. Hat Dämonen ausgetrieben. Üble Burschen. Von der schlimmsten Sorte. Du erinnerst dich doch noch an mich, alter Freund? Warte, ich helfe dir auf die Sprünge.

    Das Gesicht der Frau veränderte sich. Gelbe Raubtieraugen glitzerten boshaft. Aus einem Mund wurde ein Rachen, aus dem spitze Vamirzähne herausragten. Das Wesen lachte bellend. Andere Stimmen fielen ein. Es klang, als ob sich ein ganzes Heer einem Heiterkeitsausbruch hingab.

    "Lass mich raten", antwortete Graf Lazlo gelassen. "Dein Name ist Legion. Das hast du immer wieder behauptet. Aber du bist nur einer."

    "Aber was für einer!", trumpfte der Fremde auf. "Sieh dir meine neuen Kunststücke an. Langsam erhob sich sich der Körper, der ben noch einem Menschen gehört hatte, in die Lüfte. Sein Kopf drehte sich. Um dreihundertsechzig Grad.

    "Ein Dämon", dachte Graf Ernst. Er hatte viel über diese Kreaturen gelesen, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen konnte. Da er nie eine getroffen hatte, hielt er es durchaus für möglich, dass es sich nur um erfundene Fabelwesen handelte. Zwar existierten Untote wirklich, wie ihm nur allzu bewusst war. Trotzdem musste nicht jede phantastisch anmutende Geschichte wahr sein. Über Einhörner, zum Beispiel. Ein solches wäre ihm in diesem Moment aber aber deutlich lieber gewesen.

    Kälte breitete sich aus. Nein, keine Kälte. Eher die Abwesenheit von Wärme. Etwas Lebloses. Eine Leere. Das gefiel Graf Ernst gar nicht so schlecht. Anders verhielt es sich mit dem plötzlich aufkommenden, widerlichen Gestank. Schon zu Lebzeiten war er äußerst geruchsempfindlich gewesen. Das hatte sich nach seiner Auferstehung noch verstärkt, aber nur, wenn er Blut getrunken hatte. Das er nun sehr schnell loswerden musste. Dafür hatte er schon vor geraumer Zeit eine Methode entwickelt. Er konzentrierte sich auf den unerwünschten Lebenssaft, der auf seinen gesamten Körper verteilt war, und lenkte ihn zu seinen Augen. Es sah aus, als ob er rote Tränen weinte. Ein gruseliger Anblick. Von dem sich ein Dämon wohl kaum beeindrucken ließ.

    Tatsächlich redete das Wesen munter weiter. "Jetzt wird es aber Zeit für die Austreibung!", rief es. "Diese Chance gebe ich dir, mein lieber Lazlo. Hol sie raus, die heiligen Gegenstände. Sprich die Gebete. Ach nein, das geht ja gar nicht mehr. Kreuze kannst du nicht anfassen. Fromme Sprüche würden dir den Mund verbrennen. Jetzt, wo du selbst eine Kreatur der Finsternis geworden bist." Wieder ertönte das vielstimmige Gelächter.

    "Na eben", gab Graf Lazlo zu bedenken. "Wir stehen doch nun auf derselben Seite. Sollten wir das nicht zusammenarbeiten. Gegen die Kräfte des Lichts?"

    Der Dämon, der mittlerweile in eine aufrechte Haltung angenommen hatte und wieder mit beiden Beinen auf derm Boden stand, lächelte mitleidig. Wofür seine scheußliche Fratze ganz und gar nicht geeignet war. "Es gibt keine Kameradschaft im Bösen", sagte er fast bedauernd. "Mein kleiner Vampir. Du störst unsere Pläne. Daher werde ich dich vernichten. Sehr langsam, mit großem Vergnügen. Nach allem, was du mir angetan hast. Wie lange habe ich darauf gewartet. Die blonde Schlampe darf als unsere Sklavin weiter dienen. Ebenso der andere Vampir, der im Schloss lebt. Wo ist er überhaupt?"

    Das Ungeheuer sah sich wild um. "Er kann doch nicht einfach verschwunden sein!"

    Graf Ernst konnte sein Glück kaum fassen. Was bei den Satanisten gewirkt hatte, funktionierte auch bei dem Dämon. Im leblosen Zustand befand er sich außerhalb seiner Wahrnehmung. Nur, wie lange? Er musste schleunigst etwas unternehmen. Auf seinen Wangen war noch etwas von dem Blut übrig geblieben, das er augeschieden hatte. Mit sehr langsamen, vorsichtigen Bewegungen trug er etwas davon auf seine rechte Hand auf. Dann näherte er sich mit wenigen Schritten dem Wesen und malte ein Kreuz auf seine buckelige Stirn. Im durchbluteten Zustand wäre ihm dies genauso unmöglich gewesen, wie jedem anderen Vampir. Als Lebloser hingegen machten ihm heilige Symbole nichts aus. Er konnte sogar Kirchen betreten. Wenn auch sehr langsam.

    Der Dämon griff sich keuchend an die Stirn, von der Rauchfahnen aufstiegen. Doch er schien nur verwundet zu sein. Wenn ein Kreuz nun nicht reichte? Wenn eine Religion nicht reichte? Wie wäre es zusätzlich mit einem Halbmond? Und mit einem Davidsstern? Während Graf Ernst sein Gegenüber mit diesen Zeichen versah, versuchte er sich darn zu erinnern, welche spirituellen Symbole in den fernöstlichen Glaubensrichtungen Verwendung fanden, von denen er gelesen hatte.

    Ein tierischer Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Jetzt rotierte der Kopf der Kreatur wieder, und zwar mit wesentlich größerer Geschwindigkeit. Flammen schossen aus ihrem Körper. Ein weiterer Schrei, und die Erscheinung fiel in sich zusammen. Nur schwarze Asche war übrig geblieben.

    "Donnerwetter", bemerkte Lilith. "Das ging aber schnell. Nimm dir das nächste Mal ein bisschen mehr Zeit, Ernst, so konnten wir ihn ja gar nicht verhören!" Sie winkte ab, als Graf Ernst sich rechtfertigen wollte. "Du bist eben noch besser, als du dachtest." Das klang fast bewundernd.

    "Die Taktiken der Weißen haben es eben in sich", stellte Graf Lazlo fest. "Du musst mir demnächst mal erklären, wie du das gemacht hast, Ernst."

    "Du kanntest diesen Dämon", wandte sich Lilith an Graf Lazlo. " Was kannst du uns über ihn sagen? Was wollte er hier?"

    "Ich muss in Ruhe nachdenken", lautete die Antwort. "Gehen wir nach oben und ruhen uns etwas aus. Morgen können wir dann Kriegsrat halten.

    "Ich komme nach", kündigte Graf Ernst an. "In meinem Zustand kann ich mich nur sehr langsam bewegen. Es dürfte dauern, bis ich diese endlosen Treppen erklommen habe.

    Lilith hielt ihm ihr rechtes Handgelenk hin. "Hier, nimm. Ich habe genug davon." Das glaubte er ihr gerne.

    "Da hat jemand aber eine andere Idee", ließ sich Graf Lazlo vernehmen und wies au eine Stelle an der Wand, aus der Blut sickerte.

    "Das ist doch sehr fürsorglich von unserer großzügigen Gastgeberin, findest du nicht?" Er warf Lilith einen warnenden Blick zu.

    Ergeben trottete Graf Ernst zu dem angegebenen Punkt und öffnete den Mund. Ein kräftiger roter Strahl ergoss sich in seinen Rachen. Da waren sie wieder, die lästigen Erscheinungen. Körpergefühl und grelle Lichtempfindungen. Wenigstens war der grässliche Gestank des Dämons verflogen.