Beiträge von 20thcenturyman

    Es ist mir unter Aufbietung all meiner nicht vorhandenen digitalen Fähigkeiten tatsächlich gelungen, ChatGBT zu installieren.

    Daraufhin habe ich gleich mal ein Experiment gemacht.

    Vor Monaten hatte ich auf diesem Forum nachgefragt, ob jemand seiner KI folgende Aufgabe stellen könnte: Schreibe eine Kurzgeschichte mit dem Inhalt, dass Angela Merkel von einem T.Rex durch den Wald gejagt wird und im letzten Augenblick entkommt.

    Das Ergebnis war ziemlicher Mist, so dass ich dachte, so viel können diese Roboter doch nicht.

    Jetzt habe ich das noch mal wiederholt. Was dabei herauskam, war eine sehr routiniert geschriebene, fehlerlos abgelieferte Geschichte. Die auch von einem Menschen stammen könnte. Erkennen kann man solche Produkte wohl nur an eben dieser Routiniertheit. Da wurde etwas abgearbeitet. So etwas wie Pulp Fiction oder Blade Runner dürften KI aber wohl noch nicht zustandebringen. Dazu müssten sie in der Lage sein, aus den üblichen Erzählstrukturen auszubrechen und etwas ganz Neues, Originelles, vielleicht auch Schräges zu erschaffen. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht.

    Wicked, der Film.

    Habe ich jetzt erst gesehen, nachdem die Preise für Streaming und Blue Rays erheblich gesunken sind.

    Alles in Allem wirklich sehenswert. Zu bemängeln wären nur ein paar überflüssige Szenen, die die Handlung künstlich in die Länge ziehen.

    Die Geschichte finde ich sehr klug ausgedacht, und das bei einem Musical. Der Zauberer von Oz ein Betrüger, der die Magierin, die sich von ihm nicht benutzen lässt, mit raffinierten Propagandamethoden zur Schurkin erklärt. Das könnte man als subtile Kritik an realen politischen Manövern deuten.

    Die Ausstattung großartig. Da hat Hollywood die Heizung wieder mal auf fünf gedreht.

    Nicht alle Songs herausragend, aber einige schon. Natürlich Defying Gravity.

    Da kann man mal sehen, wie unterschiedlich Menschen die Welt wahrnehmen. Ich fand den Film spannend, mitreißend und auch beunruhigend. So etwas kann ja schließlich wirklich passieren. Vielleicht schon nächsten Donnerstag.

    Thirteen Days war ebenfalls sehr gut. Damals sind wir gerade noch um den Dritten Weltkrieg herumgekommen

    A House of Dynamite. Handelt von einem nuklearen Angriff auf die USA. Vom Pazifik aus wird eine Atomrakete abgefeuert, seegestützt, ohne dass klar wird, wer hinter dieser Aktion steckt. Dem Präsidenten bleibt nur wenig Zeit zu reagieren. Soll er, ohne den verantwortlichen Staat zu kennen, gegen die üblichen Verdächtigen losschlagen, Russland, China, Nordkorea? Und somit einen globalen Atomkrieg riskieren? Oder den Schlag einfach einstecken und später den Schuldigen ermitteln?

    Immerhin geht es um die Auslöschung Chicagos.

    Es gibt kein Happy End. Auch wird nicht gezeigt, wie sich der Präsident letztendlich entscheidet.

    Das spiegelt sehr gut die Unsicherheit wieder, in der wir uns ja wirklich befinden. Etwa 12000 Atomsprengköpfe sind weltweit einsatzbereit. Mehr als 30 U-Boote sind zu jeder Zeit unterwegs, die imstande sind, nuklear bestückte ballistische Raketen abzufeuern.

    Auch wenn der Film vielleicht nicht jede Einzelheit korrekt wiedergibt, ist er doch realistischer als unsere üblichen Beruhigungspillennachrichtensendungen.

    Zuerst die gute Nachricht:

    Der letzte Superman-Film ist alles andere als ein weiterer, seelenloser Blockbuster mit CGI-Gewitter, sondern, wie ich finde, rundherum gelungen.

    Die Drehbuchautoren ließen sich wirklich etwas einfallen. Zum Beispiel übersprangen sie die weithin bekannte Ursprungsgeschichte einfach und stiegen sofort in eine dynamische Handlung ein, die Superman in der Defensive zeigt. Lex Luthor treibt ihn vor sich her, zerstört seinen Ruf, erobert mit links die Festung der Einsamkeit und bringt ihn schließlich vor Gericht und anschließend sogar ins Gefängnis.

    Man fragt sich die ganze Zeit, wie er da wieder herauskommen soll. Wie ihm das schließlich gelingt, ist durchaus glaubhaft und kommt ohne hingebogene Drehbuchwunder aus.

    Ich habe mich keine Sekunde gelangweilt. Die Kombination aus Dramatik und Humor haben sie perfekt hinbekommen.

    Es gibt auch ein paar sehr schöne, äußerst originelle Ideen.

    Krypto, der mit Superkräften ausgestattete Hund, der nie hört.

    Ein uraltes, sich mit quälender Langsamkeit emporbewegendes Garagentor, hinter dem sich das hypermoderne, selbstgebastelte Ufo von Mister Terrific befindet.

    Lex Luthors Idee, alle Einsatzorte Supermans abzusuchen, um ein ausgegangenes Haar zu finden, aus dem er dann einen Klon erschafft. ( nicht beantwortet wird allerdings die Frage,wie er sich überhaupt die Haare schneidet oder sich rasiert.)

    Ein alkoholisiertes Supergirl.

    Interessant: Supermans kryptonische Eltern sind gar nicht die Gutmenschen, als die sie sonst immer dargestellt wurden. Kal-El soll den Menschen nicht helfen, sondern sie wie ein Gott beherrschen, sich ihre schönsten Frauen nehmen und eine neue Superrasse begründen. Woraus Lex Luther dann sofort das Propagandamärchen in die Welt setzt, Superman halte sich einen geheimen Harem.

    Mitllerweile bedaure ich, den Film nicht im Kino gesehen zu haben. Aber dafür habe ich Geld gespart, ihn sich bei Amazon auszuleihen, ist viel billiger.

    Und nun die schlechte Nachricht:

    Die 4.Staffel von The Witcher ist uninspirierte Fantasy-Durchschnittskost, die nicht annähernd an die literarische Vorlage heranreicht. Das hat Netflix wirklich verpfuscht.

    Habe aufgeholt bis Kapitel 17. Dass endlich ein mächtiger Dämon auftaucht, macht die Geschichte interessanter. Der Rückblick in Lillys Kindheit, wo sie in der Hölle ums Überleben kämpfen musste, wirft natürlich Fragen auf. Was ist die Hölle? Sind Dämonen keine spirituellen Wesen, sondern eine Art Homininen, die Kinder bekommen genauso wie Menschen?

    Zu Lillys Energieproblem hätte ich noch einen Vorschlag. Könnte Lilly nicht, wie ein Taschendieb, ganz unauffällig Passanten anrempeln und ihnen auf diese Weise etwas Energie abnehmen, so wenig, dass die Engel nichts mitbekommen? Kleinvieh macht auch Mist. Sie könnte auch ganz kurz einen Hund streicheln. Der wäre dann wegen des Energieverlusts ein paar Tage müde, natürlich ohne langfristige Folgen.

    Zu Kapitel 13:

    Ich wundere mich darüber, wie gut Nemo, der Dämon, und die Engel miteinander zurechtkommen. Als Nemo mit dem kleinen Mädchen sich vom Umzug absetzte, dachte ich schon, es würde richtig ernst. Aber es passierte nichts Schlimmes. So etwas würde auch nicht zum humorvollen Grundton der Geschichte passen.

    Lilly wird immer menschlicher. Das ist sehr subtil und nachvollziehbar geschildert. Aber was wollen die Engel eigentlich? Lilly und Nemo in Menschen verwandeln?

    An Sikadian:

    Danke für Deine Hinweise. Man kann sich noch so sehr bemühen, es kommen immer ein paar Flüchtigkeitsfehler durch. Habe ich jetzt korrigiert.

    Zur Handlung:

    Wie Graf Ernst dem Dämon heilige Zeichen mit Blut auf die Stirn malen konnte, obwohl er doch blutleer war? Da musste ich selbst noch mal nachlesen, ob ich daran gedacht hatte. Und ja, auf seinen Wangen waren noch Blutreste. Die hat er benutzt.

    Dass er auch die Kinder töten wollte, ist in der Tat persönlichkeitsfremd. Man muss sich aber vor Augen führen, was für einen Schock es darstellen dürfte, zu sterben und dann wieder in einem leblosen Körper aufzwachen, ohne Puls und Atmung. Da war er nicht er selbst. Darauf gehe ich in weiteren Rückblicken noch ein.

    Seine Tante neigte jenem berechnenden Religionsverständnis zu, das schon Konstantin der Große praktizierte. Der ließ sich erst auf dem Sterbebett taufen, weil nach damaligem Glauben die Taufe alle Sünden weg wusch. Man konnte also lebenslang fröhlich sündigen und kam trotzdem in den Himmel, wenn man den richtigen Sterbezeitpunkt erwischte.

    Margot denkt, sie käme trotz eines Giftmords ins Himmelreich, wenn sie zum Ausgleich fleissig in der Bibel läse, und sie wäre so auch vor allem Bösen geschützt. Diese Illusion dürfte angesichts des Vampirangriffs verflogen sein.

    Zum Zeitablauf:

    Die Schlacht, auf die ich mich beziehe, ist die Schlacht von Crezy, 1346, mit der der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England begann. Ein paar Jahre danach dürfte Ernst zum Vampir geworden sein. Etwa 200 Jahre vergingen, bevor er zum Schloss kam, wo er sich seit 300 Jahren aufhält. Er muss herausfinden, was in diesen Zeiträumen geschehen ist

    Zu a cruel love - the ruth ellis story:

    Ich wusste gar nicht, dass es zu dieser Sache einen Film gibt. Wo bitte kann man den streamen? Oder gibt es ihn auf DVD?

    Der Fall ist auch insoweit interessant, als er eine Rolle spielte bei der Abschaffung der Todesstrafe in Großbritannien.

    Zusammen mit dem Fall des Frauenmörders John Christie. Der hatte eine seiner Taten einem Unschuldigen in die Schuhe geschoben, der dann auch gehängt wurde. Bei der Verhandlung trat Chrstie als Belastungszeuge auf. Als er dann - nach weiteren Morden - entlarvt wurde, musste die Justiz den Unschuldigen nicht nur rehabilitieren. Das Meinungsklima zur Todesstrafe veränderte sich drastisch.

    Hinzu kam dann noch die Hinrichtung von Ruth Ellis. So verrückt das klingt, aber der Umstand, dass sie eine sehr attraktive Frau war, führte dazu, dass die Öffentlichkeit mit ihr symphatisierte. Attraktivität bringt Vorteile, selbst in so einer Situation.

    Auch war sie keine heimtückische Mörderin. Ihren Freund hat sie in aller Öffentlichkeit erschossen, weil der sie betrogen hatte..

    Ein Motiv, das nicht wenigen Frauen eingeleuchtet haben dürfte.

    Schade, dass in manchen US-Staaten Fehlurteile wie im Fall John Christie kein Problem sind. Es wird trotzdem fröhlich weiter hingerichtet.

    WEISS UND ROT

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 6


    Während sich Lilith und Graf Lazlo in ihre Gästequartiere zurückzogen, beschloss Graf Ernst, sich noch ein wenig die Beine zu vertreten. Sofern er nicht schon wieder rote Tränen weinen wollte, war Bewegung die beste Methode, um sich von dem lästigen Blut zu befreien, das ihm das Schloss verabreicht hatte.

    Mittlerweile war die Nacht zu Ende gegangen. Die Sonne musste er dennoch nicht fürchten. Denn stets bei Tagesanbruch ließ seine Gastgeberin dunkle Wolken aufsteigen, die die gefährlichen Strahlen zuverlässig abhielten. Benötigte das Schloss diesen Schutz für sich selbst? Was würde geschehen, wenn es der Helligkeit ausgesetzt würde? Immerhin konnte man es auch als vampirisch ansehen, trank es doch ebenfalls Blut, wenn sich die Gelegenheit bot. Daher sollte man es eigentlich unter die Roten einordnen. Seltsam, dass es sich für einen Weißen als Dauergast entschieden hatte.

    Er trat hinaus in den Garten. Blumen hatte er dort nie erblickt. Nur Sträucher und kleine Bäume von einem blassen Grün. Die wohl kein Sonnenlicht benötigten. Wovon lebten sie? Ebenfalls von Blut? Dreihundert Jahre hatte er hier verbracht und wusste so wenig. Fragen stellte er sich schon, aber er vergass sie auch schnell wieder.

    Nicht nur Pflanzen, auch Statuen aus weißem Marmor schmückten den kleinen Park, über den sie in unregelmäßigen Abständen verteilt waren. Er schritt an einer Gruppe bösartig starrender Satyrn vorbei. Ihre Mäuler hatten sie weit aufgerissen. Spitze Zähne drohten. Es folgten eine Medusa mit dem Schlangenhaupt, ein riesiger Zyklop und die Zauberin Kirke, die gerade einen Mann in ein Schwein verwandelte. Für antike Mythologie hatte das Schloss etwas übrig. Leider nur für deren düstere Aspekte.

    Während er sich fragte, ob dieser Spaziergang durch ein Spalier grauenerregender Gestalten wirklich eine gute Idee gewesen war, fiel ihm etwas auf. Eine neue Figur. Sie stellte eine große, schlanke Frau dar, die in ein antikes Gewand gekleidet war. Eine Schulter blieb unbedeckt. Ihr Haar hatte sie zu einer komplizierten Frisur aus vielen kleinen Zöpfen gestaltet. Er wunderte sich über ihren stechenden Blick. Aus leeren, steinernen Augenhöhlen. An diesem Ort wurde es nie langweilig. Dafür aber immer unheimlicher, selbst für ein Wesen wie ihn.

    Wie war er überhaupt hierher gekommen? Seine Erinnerungen lieferten nur verschwommene Bilder, auf die er sich keinen Reim machen konnte. Er setzte sich auf eine Bank, dachte nach und versuchte, sich geistig in die Zeit zurückzuversetzen, als er noch ein Mensch gewesen war. Vor seinem Tod. Und der Auferstehung.

    Als drittem Sohn eines böhmischen Grafen deutscher Abstammung waren ihm nicht viele Möglichkeiten geblieben, da das Familienerbe natürlich dem ältesten Bruder zustand. Entweder Kirche, Kriegsdienst oder reiche Heirat. Und nicht einmal das konnte er sich frei aussuchen. Sobald sich die Möglichkeit bot, eine vermögende Erbin heimzuführen, hatte sein Vater auch schon die entsprechenden Vorkehrungen getroffen. Arrangierte Ehen waren in seinen Kreisen die Regel. Die große Liebe konnte man da nicht erwarten.

    Doch er hatte Glück. Seine Braut erwies sich als recht hübsch und verträglich. Gerne übernahm sie die langweiligen Aufgaben, die mit der Bewirtschaftung ihrer Ländereien verbunden waren, so dass er seine Zeit mit Lesen verbringen konnte. Sie bekamen drei Kinder. Als der König von Böhmen beschloss, in den Krieg zu ziehen, um den Franzosen gegen die Engländer beizustehen, erhob sie keine Einwände gegen seinen Wunsch, sich den Truppen anzuschließen. Sie verstand, dass er endlich Abenteuer erleben wollte. Und kam auch gut ohne ihn zurecht.

    Die erste große Schlacht verlief übel. Der Könif fiel. Eine Katastrophe. Er selbst kam nur knapp mit dem Leben davon. Dennoch fand er Gefallen am Kriegerdasein. Entweder, so stellte er sich vor, würde er einst ruhmbedeckt nach Hause zurückkehren, oder einen glorreichen Heldentod sterben. Aber es kam anders. Durch einen Lanzenstich in seine linke Seite wurde er schwer verletzt. Sie brachten ihn zu seiner Familie, wo er auf eine bessere Pflege hoffen konnte als an den Orten, die damals Lazarette oder Hospitäler nannte. Seine Gattin kümmerte sich rührend um ihn, unterstützt von seiner Tante Margot, einer verwitwetten Schwester seines Vaters, die zu ihnen zog. Dennoch verschlechterte sich ein Zustand immer mehr. Die Wunde, obschon gar nicht so tief, wollte einfach nicht heilen. Bald war er so weit, sich den Tod herbeizuwünschen. Sogar an Selbstmord dachte er. Nicht, dass er jemals besonders fromm gewesen wäre. Vor einer Todsünde schreckte er aber dennoch zurück.

    Plötzlich ging es ihm etwas besser. Sogar sein Appetit kehrte zurück. Davon ließ er sich nicht täuschen, hatte er doch genug Tod und Sterben gesehen. Was er erlebte, war das letzte Strohfeuer vor dem endgültigen Erlöschen. Nichts anderes wünschte er sich. Kein Jenseits, nicht einmal den Himmel. Kein Dasein mehr, welcher Art auch immer. Nur noch das Verlöschen. Das Nichts. Und als er es herannahen fühlte, ließ er sich fallen. Endlich frei.

    Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, als er wieder erwachte. Seine Schmerzen waren verflogen. Mühsam öffnete er die Augen. Ein seltsames Zwielicht erfüllte den Raum, den er als die Hauskapelle ihres Herrschaftssitzes erkannte. Sie hatten ihn aufgebahrt und in einen offenen Sarg gelegt. Er trug seine Rüstung. Sein Schwert lag neben ihm. Es gelang ihm nicht, sich aufzurichten. Für seinen Körper hatte er kein Gefühl mehr. Immerhin vermochte er seinen Kopf zur Seite zu drehen, so dass er seine rechte Hand im Blick hatte. Jetzt spürte er sie wieder. Indem er sich auf sie stützte, brachte er seinen Oberkörper in die Senkrechte.

    Nun konnte er die Kapelle überblicken. Vor ihm standen zwei Fremde. Ein älterer Mann, gehüllt in einen Kapuzenmantel, und ein sehr junges, ausgemergelt wirkendes Mädchen in einem dünnen Kleidchen. In dem Raum musste es sehr kalt sein. Doch schien sie nicht zu frieren. Genausowenig wie er.

    "Ich bin Vlad", stellte sich der Mann vor. Selten hatte Graf Ernst eine so warme, vertrauenerweckende Stimme vernommen.

    "Wie geht es Euch, mein lieber Graf? Schlägt Euer Herz regelmäßig? Fühlt Ihr es?"

    Wegen der Rüstung war es ihm zwar unmöglich, seine Brust zu betasten, aber er fühlte unwillkürlich seinen Puls. Nichts. Seine Haut fühlte sich kalt an. Leichenkalt.

    "Fällt Euch das Atmen leicht?"

    Atmen? Ihm fiel auf, dass er seit seinem Erwachen nicht einmal Luft geholt hatte.

    "Was ist mit mir passiert?", fragte er erregt. "Was bin ich?"

    "Was glaubt Ihr, was Ihr seid?"

    Alte, abergläubische Geschichten kamen ihm in den Sinn. Von Untoten, lebenden Leichen und Vampiren.

    Er berührte seine Zähne. Das schien den Mann, der sich Vlad nannte, zu erheitern.

    " Noch nicht", erläuterte er. "Dafür müsstet Ihr Blut zu Euch nehmen. Im Augenblick seit Ihr einfach ein Auferstandener. So nennen wir uns. Sagt, was wollt Ihr jetzt unternehmen?"

    "Ich muss weg von hier", antwortete Graf Ernst unwillkürlich. "Wenn bekannt wird, was mit mir geschehen ist, stürmt eine wütende Menge das Schloss und bringt meine Famile um."

    "Stimmt die Sache mit dem Sonnenlicht?"

    "Allerdings", bestätigte Vlad.

    "Wie lange bis zum Sonnenaufgang?"

    "Zu lange. So langsam, wie Ihr Euch bewegt, werdet Ihr es nicht in den schützenden Wald schaffen."

    "Ich muss es versuchen", beharrte Graf Ernst.

    "Wenn er auf seine Beine blickte, so stellte er fest, bekam er wieder ein Gefühl für sie. Langsam stand er auf."

    "Mit dem könnten wir Glück haben", meldete sich das Mädchen erstmals zu Wort. "Ein disziplinierter Soldat. Macht sich sofort ein Bild von der Lage und einen Plan. Hat den Schock schnell überwunden. Nach den letzten Fehlschlägen endlich mal ein Lichtblick."

    "Wir helfen Euch", fügte der Mann hinzu. "Aber womöglich habt Ihr noch etwas zu erledigen?"

    Graf Ernst sah ihn verständnislos an.

    "Wundert Ihr Euch nicht, dass Eure Wunde nicht heilen wollte? Ist Euch nicht aufgefallen, dass Eure Gemahlin immer blasser und schwächer wurde? So dass Eure Tante Margot und ihre Familie sich immer mehr ausbreiten konnten? Ihre drei Söhne und deren Frauen und Kinder sind bereits eingezogen. Eure Güter behandeln sie schon wie die eigenen."

    Aus seinem Dämmerzustand erwacht, sah er es selbst. Die Seinen wurden systematisch verdrängt. Und die Verletzung? Konnte nicht die einzige Ursache für seine Beschwerden sein.

    "Vergiftet!" stellte er fest.

    "Nicht nur Euch", gab Vlad zurück. "Auch Eure Frau und Euren Sohn."

    Graf Ernst griff nach seinem Schwert.

    "Zu wenig Zeit", wiederholte der Fremde. "Wir erledigen das für Euch. Wie soll es geschehen? Wen soll es treffen?"

    "Alle", verlangte Graf Ernst erbittert. "Die ganze, verdammte Sippschaft!"

    "Auch die Kinder? Einige sind noch sehr klein."

    "Alle. Aber die Giftmischerin will ich selbst erledigen!"

    Vlad schnippte mit den Fingern. Die Tür der Kapelle wurde geöffnet.

    "Ihr habt es gehört", stellte Vlad fest.

    Die vermummte, schattenhafte Gestalt, die Graf Ernst nur verschwommen wahrnehmen konnte, schien zu nicken und verschwand genauso schnell, wie sie erschienen war.

    Als er versuchte, aus dem Sarg zu klettern, winkte Vlad ab. Aus den Taschen seines Umhangs förderte er eine gläserne Phiole zu Tage. Sie enthielt eine rötliche Flüssigkeit, die er Graf Ernst einflösste. Blut! Es schmeckte scheußlich, weckte aber seine Lebensgeister. Sein Körpergefühl stellte sich wieder ein. Er sah klarer. Nur Vlads Gesicht verblieb im Schatten seiner Kapuze.

    Graf Ernst schwang sich aus dem Sarg. Mit dem Schwert in der Hand stürmte er die Treppen hinauf, aus der Kapelle hoch zu den Gemächern seiner Tante. Als er eintrat, staunte er über die kostbare Einrichtung. Dafür musste sie viel Geld ausgegeben haben. Sein Geld. In ihrem Schlafraum brannte noch Licht. Die vielen Kerzen waren sicherlich sehr teuer gewesen. Sie lag in ihrem Himmelbett und las in der Bibel. Glaubte diese Mörderin wirklich, das brächte ihr das Himmelreich ein?

    Eines musste er ihr lassen. Sie hatte gute Nerven. Anstatt vor Grauen zu erstarren, riss sie das Kruzifix von der Wand und hielt es ihm entgegen. Er zuckte zurück. Ihm war, als ob er gleich in Flammen aufginge."

    "Einen Augenblick mal", mischte sich das Mädchen ein, das ihm gefolgt war. Sie entriss der Frau das Kreuz und vollführte in Graf Ernsts Richtung eine einladende Geste. "Bitte!"

    Langsam ging er auf seine Tante zu. In ihren Augen las er Todesangst, aber auch Trotz.

    "Durch den Biss des Vampirs", begann er, "bin ich verflucht. Auf ewig muss ich in der Finsternis wandeln, ohne Hoffnung auf Erlösung. Und auch du wirst nun diese Verdammnis erfahren."

    Er fletschte die Zähne. Lange, spitze Vampirzähne, die ihm wohl das Blut beschert hatte. Die Todesangst Margots wurde zu etwas Schlimmerem. Unsagbarem Grauen. Kein Himmelreich für sie . Als sie schon glaubte, er würde sie sogleich beissen, brach er ihr mit eine schnellen Bewegung das Genick. So weit war er noch nicht, Menschen das Blut auszusaugen. Sie sollte mit einem Höchstmaß an Hoffnungslosigkeit sterben, voller Angst davor, was sie nach dem Tod erwarten mochte. Das hatte er erreicht.

    Hinter ihm vernahm er Beifall. Das Mädchen klatschte in die Hände und hüpfte vor Freude.

    "Sehr gut", lobte sie. "Schon hatte ich befürchtet, Ihr würdet der Blutgier nachgeben. Wir hätten Euch neu bewerten müssen. Denn seht Ihr, entfesselte Bestien können wir nicht brauchen. Sie erregen zu viel Aufsehen. Aber Ihr habt überlegt gehandelt. Mit erlesener Bösartigkeit. Das nenne ich mal eine Rache! . Sehr lustig war auch der Blödsinn, den Ihr dem Weib erzählt habt. Man wird nicht zum Auferstandenen durch einen Biss. Oder einen Fluch. Es ist eine Veranlagung, die seit der Geburt feststeht. Ganz unabhängig von Moral oder Glaube. Die anderen Auferstandenen spüren das an einem Menschen. Im Augenblick seines Todes stehen sie an seinem Sarg und schauen, wie er sich macht."

    "Es wird Zeit", mahnte Vlad.

    "Aber Ihr seid keine Auferstandene", wandte sich Graf Ernst an das Mädchen. "Ihr konntet das Kreuz anfassen."

    "Noch nicht", antwortete sie. "Doch schlummert die Veranlagung in mir. Nach meinem Tod werde ich dazugehören. Im Augenblick nütze ich unserer Sache als Lebende aber mehr."

    "Wie heißt Ihr eigentlich, wenn ich fragen darf?"

    "Oh", gab sie zurück. "Nennt mich Lilith!"

    Nach kurzer krankheitsbedingter Pause habe ich jetzt Kapitel 12 gelesen. Sehr schön, wie Lillys fremdartige Dämonennatur dargestellt wird. Es kommt ihr gar nicht in den Sinn, dass man ihre Geschichte merkwürdig finden könnte. Ausgesetzt und auf der Strasse aufgewachsen. Ist das bei Dämonen so? Wie entstehen sie eigentlich. Die Kabbelei mit den beiden Engeln ist nach wie vor sehr lustig.

    Sehe zu, dass ich schnell aufhole.

    Weiß und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    5.Kapitel

    "Lass mich die Befragung durchführen, bevor du sie tötest", bat Graf Lanzlo. "Zu Lebzeiten war ich nämlich bei der Inquisition, musst du wissen. Da habe ich so Einiges gelernt."

    "Nur nicht so bescheiden", mischte sich die Gefangene ein. "Er wirkte auch als Exorzist. Hat Dämonen ausgetrieben. Üble Burschen. Von der schlimmsten Sorte. Du erinnerst dich doch noch an mich, alter Freund? Warte, ich helfe dir auf die Sprünge.

    Das Gesicht der Frau veränderte sich. Gelbe Raubtieraugen glitzerten boshaft. Aus einem Mund wurde ein Rachen, aus dem spitze Vamirzähne herausragten. Das Wesen lachte bellend. Andere Stimmen fielen ein. Es klang, als ob sich ein ganzes Heer einem Heiterkeitsausbruch hingab.

    "Lass mich raten", antwortete Graf Lazlo gelassen. "Dein Name ist Legion. Das hast du immer wieder behauptet. Aber du bist nur einer."

    "Aber was für einer!", trumpfte der Fremde auf. "Sieh dir meine neuen Kunststücke an. Langsam erhob sich sich der Körper, der ben noch einem Menschen gehört hatte, in die Lüfte. Sein Kopf drehte sich. Um dreihundertsechzig Grad.

    "Ein Dämon", dachte Graf Ernst. Er hatte viel über diese Kreaturen gelesen, wenn man sie überhaupt als solche bezeichnen konnte. Da er nie eine getroffen hatte, hielt er es durchaus für möglich, dass es sich nur um erfundene Fabelwesen handelte. Zwar existierten Untote wirklich, wie ihm nur allzu bewusst war. Trotzdem musste nicht jede phantastisch anmutende Geschichte wahr sein. Über Einhörner, zum Beispiel. Ein solches wäre ihm in diesem Moment aber aber deutlich lieber gewesen.

    Kälte breitete sich aus. Nein, keine Kälte. Eher die Abwesenheit von Wärme. Etwas Lebloses. Eine Leere. Das gefiel Graf Ernst gar nicht so schlecht. Anders verhielt es sich mit dem plötzlich aufkommenden, widerlichen Gestank. Schon zu Lebzeiten war er äußerst geruchsempfindlich gewesen. Das hatte sich nach seiner Auferstehung noch verstärkt, aber nur, wenn er Blut getrunken hatte. Das er nun sehr schnell loswerden musste. Dafür hatte er schon vor geraumer Zeit eine Methode entwickelt. Er konzentrierte sich auf den unerwünschten Lebenssaft, der auf seinen gesamten Körper verteilt war, und lenkte ihn zu seinen Augen. Es sah aus, als ob er rote Tränen weinte. Ein gruseliger Anblick. Von dem sich ein Dämon wohl kaum beeindrucken ließ.

    Tatsächlich redete das Wesen munter weiter. "Jetzt wird es aber Zeit für die Austreibung!", rief es. "Diese Chance gebe ich dir, mein lieber Lazlo. Hol sie raus, die heiligen Gegenstände. Sprich die Gebete. Ach nein, das geht ja gar nicht mehr. Kreuze kannst du nicht anfassen. Fromme Sprüche würden dir den Mund verbrennen. Jetzt, wo du selbst eine Kreatur der Finsternis geworden bist." Wieder ertönte das vielstimmige Gelächter.

    "Na eben", gab Graf Lazlo zu bedenken. "Wir stehen doch nun auf derselben Seite. Sollten wir das nicht zusammenarbeiten. Gegen die Kräfte des Lichts?"

    Der Dämon, der mittlerweile in eine aufrechte Haltung angenommen hatte und wieder mit beiden Beinen auf derm Boden stand, lächelte mitleidig. Wofür seine scheußliche Fratze ganz und gar nicht geeignet war. "Es gibt keine Kameradschaft im Bösen", sagte er fast bedauernd. "Mein kleiner Vampir. Du störst unsere Pläne. Daher werde ich dich vernichten. Sehr langsam, mit großem Vergnügen. Nach allem, was du mir angetan hast. Wie lange habe ich darauf gewartet. Die blonde Schlampe darf als unsere Sklavin weiter dienen. Ebenso der andere Vampir, der im Schloss lebt. Wo ist er überhaupt?"

    Das Ungeheuer sah sich wild um. "Er kann doch nicht einfach verschwunden sein!"

    Graf Ernst konnte sein Glück kaum fassen. Was bei den Satanisten gewirkt hatte, funktionierte auch bei dem Dämon. Im leblosen Zustand befand er sich außerhalb seiner Wahrnehmung. Nur, wie lange? Er musste schleunigst etwas unternehmen. Auf seinen Wangen war noch etwas von dem Blut übrig geblieben, das er augeschieden hatte. Mit sehr langsamen, vorsichtigen Bewegungen trug er etwas davon auf seine rechte Hand auf. Dann näherte er sich mit wenigen Schritten dem Wesen und malte ein Kreuz auf seine buckelige Stirn. Im durchbluteten Zustand wäre ihm dies genauso unmöglich gewesen, wie jedem anderen Vampir. Als Lebloser hingegen machten ihm heilige Symbole nichts aus. Er konnte sogar Kirchen betreten. Wenn auch sehr langsam.

    Der Dämon griff sich keuchend an die Stirn, von der Rauchfahnen aufstiegen. Doch er schien nur verwundet zu sein. Wenn ein Kreuz nun nicht reichte? Wenn eine Religion nicht reichte? Wie wäre es zusätzlich mit einem Halbmond? Und mit einem Davidsstern? Während Graf Ernst sein Gegenüber mit diesen Zeichen versah, versuchte er sich darn zu erinnern, welche spirituellen Symbole in den fernöstlichen Glaubensrichtungen Verwendung fanden, von denen er gelesen hatte.

    Ein tierischer Aufschrei riss ihn aus seinen Gedanken. Jetzt rotierte der Kopf der Kreatur wieder, und zwar mit wesentlich größerer Geschwindigkeit. Flammen schossen aus ihrem Körper. Ein weiterer Schrei, und die Erscheinung fiel in sich zusammen. Nur schwarze Asche war übrig geblieben.

    "Donnerwetter", bemerkte Lilith. "Das ging aber schnell. Nimm dir das nächste Mal ein bisschen mehr Zeit, Ernst, so konnten wir ihn ja gar nicht verhören!" Sie winkte ab, als Graf Ernst sich rechtfertigen wollte. "Du bist eben noch besser, als du dachtest." Das klang fast bewundernd.

    "Die Taktiken der Weißen haben es eben in sich", stellte Graf Lazlo fest. "Du musst mir demnächst mal erklären, wie du das gemacht hast, Ernst."

    "Du kanntest diesen Dämon", wandte sich Lilith an Graf Lazlo. " Was kannst du uns über ihn sagen? Was wollte er hier?"

    "Ich muss in Ruhe nachdenken", lautete die Antwort. "Gehen wir nach oben und ruhen uns etwas aus. Morgen können wir dann Kriegsrat halten.

    "Ich komme nach", kündigte Graf Ernst an. "In meinem Zustand kann ich mich nur sehr langsam bewegen. Es dürfte dauern, bis ich diese endlosen Treppen erklommen habe.

    Lilith hielt ihm ihr rechtes Handgelenk hin. "Hier, nimm. Ich habe genug davon." Das glaubte er ihr gerne.

    "Da hat jemand aber eine andere Idee", ließ sich Graf Lazlo vernehmen und wies au eine Stelle an der Wand, aus der Blut sickerte.

    "Das ist doch sehr fürsorglich von unserer großzügigen Gastgeberin, findest du nicht?" Er warf Lilith einen warnenden Blick zu.

    Ergeben trottete Graf Ernst zu dem angegebenen Punkt und öffnete den Mund. Ein kräftiger roter Strahl ergoss sich in seinen Rachen. Da waren sie wieder, die lästigen Erscheinungen. Körpergefühl und grelle Lichtempfindungen. Wenigstens war der grässliche Gestank des Dämons verflogen.

    An Ferron:

    Ich muss mal etwas von dir lesen, damit ich einen Eindruck von deiner Vorstellung davon bekomme, wie ein Text sein sollte.

    Die offenbar etwas anders ist als meine.

    Zum Beispiel: Beschreibungen.

    So sehr ich Leute wie Tad Williams bewundere, der über mehrere Seiten mit einem beeindruckenden Wortschatz einen Winterwald bis in die kleinsten Einzelheiten darstellen kann, all zu lange Beschreibungen langweilen mich. Ich pflege sie dann doch zu überschlagen. Besser gefällt mir die Art und Weise, wie Joanne Rowling Hermine beschrieben hat. Mit einem Satz! Sie hat wuschelige Haare und grosse Vorderzähne. Schon entsteht ein plastisches Bild im Kopf des Lesers, dessen Phantasie sie sich bedient.

    So kann man das auch machen. "Düster ragte das Schloss in den Abendhimmel". Wir haben alle schon in vielen Filmen unheimliche Gemäuer gesehen. Sofort haben wir sie vor Augen. Natürlich passt das nicht auf jeden Handlungsabschnitt, aber auf manche schon.

    Ich bevorzuge auch kurze Sätze. James Ellroy hat mir in dieser Hinsicht gut gefallen, bis er es übertrieb.

    Oder: Handlung und Erklärungen

    Mir kommt es in erster Linie darauf an, die Geschichte voranzutreiben, ohne vorhergegangene Expositionen. Offene Fragen werden später beantwortet, wenn es zur Handlung passt.

    Wieso gibt es immer wieder Angriffe auf das Schloss?

    Warum weiß der Graf nach 300 Jahren so wenig über seine Umgebung?

    Was ist seine Vorgeschichte?

    Welche Beziehung hat er zum Schloss?

    Das streue ich alles in die Handlung ein.

    Bei dieser Vorgehensweise besteht allerdings wirklich die Gefahr, dass man etwas übersieht oder sich widerspricht. Da muss ich aufpassen.

    Zu Kapitel 11:

    Als der drogenumnebelte Blumenlieferant Max erscheint, verwendest du drei Mal hintereinander das Wort "freundlich".

    Da könnte man vielleicht an Synonyme denken.

    Ansonsten gefällt mir dieses Kapitel bislang am besten. Mein neuer Held ist Ed, der konservative Engel, der mit seinem asbachuralten Handy kämpft. Mit ihm kann ich mich gut identifizieren, denn mir geht es mit diesem ganzen modernen Zeug, Computer und Smartphone, ganz ähnlich. Als Engel würde ich auf all dies pfeiffen und meine übernatürlichen Fähigkeiten einsetzen. Aber vielleicht darf er das nicht? Womöglich haben die beiden etwas ausgefressen, wofür sie in die Verbannung geschickt wurden, in die Welt der Sterblichen? Das würde Sinn machen. Bin nach wie vor gespannt, wie es weiter geht.

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    4. Kapitel

    Graf Ernst wusste nicht, wie viele Esszimmer im Schloss zu finden waren. Er hatte immer nur eines benutzt. Oder besser benutzen müssen. Jedesmal, wenn er sich gezwungen sah, Blut zu sich zu nehmen, erwachten auch wieder diese lästigen körperlichen Bedürfnisse. Und so zuwider ihm Essen und Trinken auch waren, Hungern mochte er noch weniger. Also knabberte er lustlos an einem Hühnerschenkel und sah Lilith befremdet dabei zu, wie sie systematisch ein ganzes Huhn nach dem anderen vertilgte Die Gemüsebeilagen verschmähte sie.

    Als sie bemerkte, dass er sie ansah, schenkte sie ihm ein Lächeln. Das bezaubernd gewirkt hätte bei Leuten, die nicht wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Hinzu kam, dass sie in der harmlosen Tracht der Hutterer für junge Mädchen gekleidet war. Eine weiße Bluse, natürlich hochgeschlossen, ein schlichter schwarzer Rock und eine Haube, die ihr blondes Haar verbarg. Dank der flackernden Kerzen, die den Raum erhellten und Schatten an die Wände warfen, entstand sogar so etwas wie eine romantische Stimmung.

    "Na?", flüsterte sie mit sanfter Stimme, " da ist wohl jemand verliebt?"

    "Wie bitte?", fragte Graf Ernst irritiert.

    "Das Blut hat deine Lebensgeister geweckt. Jetzt wird dir bewusst, dass du ein Mann bist, nicht nur ein blasser Schatten. Es ist völlig natürlich, dass du auf weibliche Schönheit reagierst. Deine Blicke empfinde ich als schmeichelhaft. Du hast durchaus Chancen. Mit einem Weißen hatte ich noch nie etwas."

    Plötzlich schien sie zu frösteln. Unbehaglich sah sie sich um. Was ihr entging, war das Schattenbild einer Katze auf der Wand, die zum Sprung ansetzte. Graf Lazlo, der neben Ernst saß, hatte es gesehen.

    "Anstatt deine üblichen Spielchen zu spielen", sprach er Lilith an, "erzähle uns lieber einmal, wie du in diese Lage geraten konntest. Wer hat dich überwältigt? So dass wir dich retten mussten?"

    Auch wenn Graf Ernst wenig Erfahrung im Umgang mit Menschen oder anderen Vampiren vorweisen konnte, war ihm klar, dass man bei Lilith auf diese Weise nichts herausbekommen würde. Er entschied sich für ein anderes Vorgehen.

    "Ich habe gesehen, wie du ein ganzes Heer auseinandergenommen hast, allein, sobald du dieses Halsband los warst. Du bist viel mächtiger als Lazlo und ich zusammen. Wenn sie dich erwischt haben, welche Chancen haben dann wir? Du verstehst, dass wir uns Sorgen machen."

    Lilith dachte kurz über diese Worte nach. "Keine Chance", antwortete sie. "Nicht die geringste. Ich habe wenigstens noch eine Weile Widerstand geleistet, aber ihr? Sie hätten euch sofort unterworfen. Nun gut, ich erzähle euch, was geschehen ist. Hört aufmerksam zu".

    Die Schattenkatze entspannte sich und spitzte die Ohren. Was auch immer den Zorn des Schlosses hervorgerufen hatte, jetzt hatte die Neugier Vorrang.

    "Ich erhielt einen Hilferuf von Graf Orlok", begann Lilith ihren Bericht. "Durch einen Boten. In seinem Schlupfwinkel werde er von päpstlichen Truppen belagert. Höchste Eile sei geboten. Natürlich eilte ich ihm zur Hilfe. Erledigte die Soldaten, riß die Dominikaner, die das Kommando führten, in Stücke, nachdem ich ihnen ihre Kreuze in den Rachen gestopft hatte, und bahnte mir so meinen Weg zu Orlok. Er gab sich sehr dankbar, aber als er mir nahe genug gekommen war, legte er mir blitzschnell das Halsband an.

    "Es tut mir sehr leid", sagte er noch. Stundenlang kämpfte ich gegen den Zwang an, der sich endlich als stärker erwies. Dann lieferte er mich den Teufelsanbetern aus. Euch hätte er sofort unter Kontrolle gehabt!" Dies zu betonen, schien ihr sehr wichtig zu sein.

    "Orlok trug auch so ein Halsband?", fragte Lazlo.

    "Sie erwischten ihn ähnlich wie mich", gab sie zurück. "Immer dieselbe Methode. Einer von uns dient als Köder, um den Nächsten zu fangen. Ich sollte zum Schein fliehen, Ernst um Hilfe anflehen, und wenn er in meine Reichweite gelangt wäre...."

    "Ich hätte nichts dagegen tun können" fügte sie mit Bedauern hinzu.

    "Und bevor ihr fragt. In meiner Anwesenheit sprachen sie nie über ihre Pläne. Ich weiß nur, dass sie nicht nur Ernst gefangen nehmen wollten. Es ging auch um das Schloss. Sie wollten es für sich erobern."

    Der Schattenkatze, die bislang ruhig zugehört hatte, sträubten sich die Haare. Ihr Bild verschwand und wurde ersetzt durch die Darstellung einer Frau in Ketten, die auf einem Sarkophag lag.

    "Unsere Gefangene", erinnerte sich Graf Lazlo. "Zeit, sie endlich zu verhören."

    "Wo ist sie?", wollte Lilith wissen.

    "Das Schloss wird uns den Weg weisen", verkündete Graf Ernst. "Ich schlage vor, wir brechen auf."

    "Nehmen wir sie uns vor", rief Lilith voller Vorfreude.

    Da sie im Dunkeln sehen konnten, machte sich das Schloss nicht die Mühe, ihnen ihren Marsch mit Fackeln zu erhellen. Über endlose Treppen ging es immer weiter in die Tiefe, bis sie schließlich vor einer eisernen Tür standen. Dahinter befand sich ein schmaler Raum, der einer Grabkammer ähnelte. Ein Sarkophag aus gelbem Marmor nahm den meisten Platz ein. Fackeln flammten auf, die an den Wänden befestigt waren. Für das, was nun folgen würde, war wohl Beleuchtung erwünscht. Die Oberfläche des Steinkastens schien zu verschwimmen. Etwas löste sich von ihr und nahm Gestalt an. Eine junge Frau lag jetzt auf dem Sarkophag.

    Die Anführerin der Satanisten, die versucht hatten, die Mauern des Schlosses zu erklimmen. Sie war nackt und wirkte ausgezehrt. Lautlos bewegten sich ihre Lippen.

    "Sie betet!", rief Lilith verblüfft. "Zu Luzifer. Als ob der ihr helfen würde!"

    "Aus ihr kriegen wir nichts raus", meinte Lazlo resigniert. "Eingeschlossen von Stein, langsam aufgelöst und zersetzt, und sie hält immer noch an ihrem Glauben fest. Womit wollen wir sie foltern? Etwas Schlimmeres als die Qualen, die sie bisher erlitten hat, fällt mir jedenfalls nicht ein."

    "Keine Folter", sagte Graf Ernst bestimmt und sah die Teufelsanbeterin an. "Ein schneller, sauberer Tod. Wenn du all unsere Fragen wahrheitsgemäß beantwortest.

    Die Frau hörte auf zu beten. "Das kannst du nicht versprechen", sagte sie. "Das kann nur Es. Es will mich bestrafen. Auf ewig."

    "Mit Recht", stellte er fest. "Aber wir brauchen die Informationen. Dies war der erste ernsthafte Angriff seit langer Zeit. Weitere werden folgen. Wir müssen wissen, was sie weiß. Das ist jetzt wichtiger."

    Nach einigem Zögern erschien eine Schrift an der Wand. "Du machst es".

    Es war lange her, dass Graf Ernst getötet hatte. Leicht war ihm das nie gefallen. Jetzt hatte er keine andere Wahl.

    "Ich mache es", sagte er.

    Ich warte ja schon darauf, dass es ein bisschen übernatürlicher wird. Als Lilly die alte Dame auf den Friedhof begleitete, dachte ich, jetzt ist es so weit. Aber nein, es blieb alles weltlich, wenn man das so nennen kann. Die Dame war einfach nur aus dem Altersheim entwischt, und da sie sich nicht mehr an den Namen ihres Mannes erinnern konnte, wurde der Blumenstrauss auf einem anderen Grab niedergelegt.

    So kann man das auch machen. Geschichten aus dem ganz normalen Wahnsinn des Lebens und das Übernatürliche nur sehr sparsam eingesetzt.

    Eine Horde Rentner, die über einen Blumenladen herfällt, ist ja auch schon Horror genug.

    Ist Ed ein mormonischer Engel? Kein Kaffee? Da würde ich auch rebellieren.