Beiträge von 20thcenturyman

    Stille umfing sie. Grabesstille. In einem Mausoleum war ja auch nichts anderes zu erwarten. Dieser Gedanke hätte ihr beinahe ein Kichern entlockt. Langsam beruhigte sie sich. Da in der Finsternis nicht das Geringste zu sehen war, nicht einmal grobe Konturen irgendwelcher Gegenstände, kam es ihr sinnlos vor, aufs Geratewohl ins Unbekannte zu stolpern. Sie mußte nachdenken. Warum war es ihr so leicht gefallen, in das Innere des Monuments zu gelangen? Alte Geschichten kamen ihr in den Sinn. Hinter vorgehaltener Hand flüsterte man sich in ihrer Familie ein Geheimnis zu. Dass eine Verbindung existierte zum Hause derer von Wolf. Angeblich waren sie ausgestorben. Doch hatte es illegitime Kinder gegeben, so dass sich die Blutlinie fortsetzen konnte, wenn auch ohne kirchlichen Segen. Wenn das nun der Wahrheit entsprach? Und sie eine Nachfahrin dieser verrufenen Sippe war? Vielleicht konnte sie diesen Umstand zu ihrem Vorteil nutzen und sich und ihre Freundin retten.

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 11

    Das Schloss leuchtete von innen heraus, hell wie der Vollmond. Doch diesem Licht fehlte jede Wärme. Es vermittelte den Eindruck von Leblosigkeit, aber auch von Macht. Bedrohlicher Macht. Lilith hatte das Gebäude als Akademie bezeichnet. Was dort wohl gelehrt wurde? Die Regeln, an die man sich als Vampir zu halten hatte? Zufällig blickte er nach oben. Am Himmel gewahrte er Schatten, die an den Sternen vorbei glitten. Zuerst glaubte er an Fledermäuse, aber dafür waren die Erscheinungen zu groß. Es schien sich um Menschen zu handeln.

    "Sind das welche von uns?", fragte Graf Ernst. "Werden wir hier das Fliegen lernen?"

    "Nur die, die überleben", entgegnete Lilith kühl. "Es wird ausgesiebt. Viele sind berufen, wenige sind auserwählt. Bevor die Sonne aufgeht, müssen wir am Ziel sein. Falls du dich nicht als Häufchen Asche wiederfinden willst."

    Sie nahmen den Aufstieg in Angriff. Der Weg, der zum Schloss führte, stellte hohe Anforderungen an jene, die ihn beschreiten wollten. Ein erheblicher Höhenunterschied war zu überwinden. Sie kämpften sich voran, Schritt für Schritt, ohne dass sie den Eindruck gewannen, der Akademie näher gekommen zu sein. Schließlich veränderte sich etwas. Bäume säumten die Strecke. Nein, keine Bäume. Pfähle. Auf jeden war ein nackter Mensch aufgespiesst. Man hatte den Opfern das Holz durch die Körpermitte getrieben. Eigentlich hätten sie dem Boden entgegengleiten müssen, aber irgendetwas hielt sie fest. Jedes Mal, wenn Graf Ernst und seine Begleiterin an Gepfählten vorbei gingen, ging ein Zittern durch die Körper. Arme und Beine bewegten sich. Als ob sich die Gequälten befreien und hinuntersteigen wollten. Graf Ernsts rechte Hand ruhte auf dem Schwertgriff.

    Er hatte von dieser Hinrichtungsmethode gehört. Nicht, dass er zart besaitet gewesen wäre. Schon als kleinen Jungen hatten ihn die Erwachsenen in seiner Familie zu öffentlichen Hinrichtungen mitgenommen. Dort herrschte Volksfeststimmung. Die Leute kommentierten fachmännisch die Leistungen des Henkers und seiner Gehilfen. Ebenso das Auftreten der Delinquenten. Wer sich mutig gab und würdevoll sein Schicksal annahm, vielleicht sogar Reue bekundete und betete, konnte auf Beifall hoffen. Es wurde auch gelacht, wenn ein Verurteilter Witze riss oder geweint, falls das Publikum Mitleid mit dem Todeskandidaten empfand. Am schlimmsten waren die Hinrichtungen auf dem Scheiterhaufen. Manchmal gewährte der Scharfrichter dem Opfer einen schnelle Tod, bevor die Flammen den Unglücklichen erfassten. Aus Barmherzigkeit oder gegen Bezahlung. Andere verbrannten bei lebendigem Leibe.

    Doch schließlich erlöste sie der Tod. Anders als die Gepfählten. In ihnen schien immer noch Leben zu sein. Ob sie sich ihrer Lage bewusst waren? Nach seiner Schätzung musste es sich um Hunderte handeln, die auf diese Weise gefoltert wurden. Zu einem Angriff kam es nicht. Die Körper kamen zu Ruhe, sobald man an ihnen vorbei geschritten war. Graf Ernst und Lilith ließen diese grausige Allee hinter sich. Sie standen nun direkt vor dem Schloss. Auf einmal war der Weg viel kürzer, als er ihnen zunächst vorgekommen war. Das Gebäude ähnelte keiner Burg und keiner Festung, die er je gesehen hatte. Die Erbauer hatten nicht nur auf die übliche Ringmauer verzichtet, sondern auch auf einen Graben und die zugehörige Zugbrücke. Jeder Feind hätte einfach so hineinspazieren können. Vorsehen musste er sich nur vor Bogenschützen, die sich auf einem der sieben Türme verbergen mochten. Der größte von ihnen, der Bergfried, ragte höher in den Himmel als jede ihm bekannte andere Konstruktion dieser Art. An diesem Schloss war alles ungewöhnlich. Nicht zuletzt das Licht, von dem er immer noch nicht sagen konnte, wo es seinen Ursprung hatte.

    Lilith schaute nach oben. Er folgte ihrem Blick und sah zwei Gestalten langsam zu Boden schweben. Sie hielten einander an den Händen, wie ein Liebespaar. Beide waren sehr blass, ohne kränklich zu wirken. So eine weiße Haut kam entweder bei Adligen vor, die es nicht nötig hatten, wie Bauern unter sengender Sonne zu schuften, oder bei Kreaturen der Nacht. Die Frau sah ihn an. Aus großen, dunklen Augen. Ihr rabenschwarzes, langes Haar wehte im Wind. Tiefschwarz war auch ihre Kleidung. Sie trug einen kostbaren Mantel. Als sie ihm zulächelte, kamen schneeweiße Zähne zum Vorschein.

    Ihrem Gefährten schien diese Freundlichkeit nicht zu gefallen. Für einen Mann war er zu hübsch, um ernst genommen zu werden, wie Graf Ernst fand. Auf seine hellblonde Frisur mußte er größte Mühe verwandt haben. Jedes Haar saß perfekt. Auch er hatte sich in einen Mantel gehüllt, der allerdings makellos weiß war. Als ob er zu einem Fest unterwegs gewesen wäre, wo er den König von Frankreich persönlich beeindrucken wollte. Während die Frau entrückt wirkte, einer Heiligen oder Märtyrerin gleich, strahlte er einfach nur Hochmut aus.

    "Das ist also Vlads neuester Versuch", bemerkte er, ohne Graf Ernst anzusehen. Er schien nur Lilith wahrzunehmen.

    "Immerhin, den Pfad der Gepfählten hat er überstanden. Sie haben ihn nicht in Stücke gerissen. Das bedeutet aber noch gar nichts."

    Graf Ernst war es nicht gewohnt, so herablassend behandelt zu werden. Es war Zeit, sich Respekt zu verschaffen. "Wer seid Ihr eigentlich?", fuhr er den Fremden an. "Unter Männern von Stand stellt man sich erst einmal anständig vor.Ihr scheint mir doch eher ein Gemeiner zu sein!"

    Der Angesprochene sah ihn mit einer Mischung aus Befremden und Überraschung an, als ob irgendein Ungeziefer zu ihm gesprochen hätte.

    Bevor er etwas sagen konnte, sprach die Frau:" Er trägt keinen Titel wie Ihr, mein lieber Graf Ernst von Schwarzerd. Darauf kommt es aber doch gar nicht an, stimmt Ihr mir da nicht zu? Ich wurde geboren als Comtess Elodie de Vincennes. Und mein Begleiter hier hieß einst Hinz Kunz. Menschennamen! Bedeutungslos nach unserer Wiederauferstehung." Sie hielt inne und ließ die Hand des Blonden los. "Es ist Zeit für einen kleinen Ausflug in die Stadt. Ich könnte eine Stärkung vertragen." Mit diesen Worten erhob sie sich elegant in die Lüfte. Falls man sie in diesem Ort, dem sie zustrebte, nicht schon kannte, würde es ihr nicht schwer fallen, dort arglose Opfer zu finden. So harmlos und freundlich, wie sie sich gab.

    Hinz Kunz sagte nichts mehr. Sein Abflug gestaltete sich nicht so anmutig wie der seiner Freundin.

    "Gratuliere", meldete sich Lilith zu Wort. "Dein erster Feind, und dann gleich einer unserer Mächtigsten. Sieh dich aber lieber bei ihr vor. Sie spielt gern mit den Neuen. Was sie mit denen macht, die sie langweilen, willst du lieber nicht wissen."

    Sie betraten die Eingangshalle. Der Raum war völlig leer. An den Wänden hingen Gemälde. Sie zeigten Menschen aus verschiedenen Epochen. Ihre Augen waren geschlossen, aber nicht wie bei Schlafenden. Sondern wie bei Toten. Immer, wenn er dachte, es könnte nicht noch unheimlicher werden, musste er sich korrigieren.

    "Von den Gängen, die in das Innere führen, nimm den ganz links", riet Lilith. "Da wartet auch dein Quartier auf dich." Er sah ihr nach, als sie das Schloss verließ, und folgte schließlich ihrer Aufforderung. Sein Weg führte in einen Bereich, in dem es viele Zimmer zu geben schien. Tür reihte sich an Tür. Unentschlossen blieb er stehen. Da fiel ihm ein Schatten an einer Wand auf. Der die Form einer Katze hatte. Und sich bewegte. Und zu warten schien. Auf ihn? Nach einigem Zögern folgte er der Erscheinung. Bis sie stehen blieb und mit der Schwanzspitze auf eine Tür zeigte. Ihre Ohren zuckten.

    "Verstanden", sagte Graf Ernst. "Und danke!"

    Wie angekündigt ein Experiment. Ich schrieb eine Kurzgeschichte und ließ anschließend eine Ki ihre Version davon schreiben. Ich wollte mal die Unterschiede sehen und ob man einem Text ansehen kann, dass er von einer KI verfasst wurde.

    Zuerst mein Text.

    Tommy träumt von Dinosauriern.

    Wie immer ärgerte sich Tommy darüber, dass er nichts in seinen Traum mitnehmen konnte. Keinen Stift und kein Notizheft. Eine Taschenlampe wäre auch sehr praktisch gewesen. Ganz zu schweigen von einem Smartphone, dessen Nutzen sich allerdings in engen Grenzen gehalten hätte, wie er sich eingestand. In dieser Welt gab es garantiert kein Netz. Wer Elektrizität benötigte, musste auf Blitze hoffen.

    Wieder einmal begann sein Traum in tiefster Nacht. Es war stockfinster. Wie sollte er da herausfinden, in welcher Epoche er gelandet war? Jura? Kreidezeit? Wenn wenigstens der Mond und die Sterne für etwas Beleuchtung gesorgt hätten. Aber sie verbargen sich hinter einer dichten Wolkendecke. Es regnete.

    Zu den Merkwürdigkeiten dieser seltsamen Umgebung gehörte der Umstand, dass nichts ihn berühren konnte. Selbst im schlimmsten Wolkenbruch blieb er trocken. Von Stürmen entwurzelte Bäume flogen an ihm vorbei. Mücken stachen ihn nicht, Raubtiere ignorierten ihn. Andererseits war er imstande, alles anzufassen, was er wollte. Sogar einen Allosaurus. Er hatte seinen ganzen Mut zusammenkratzen müssen, um sich einem dieser Ungeheuer zu nähern und es sogar zu streicheln.

    Doch nicht alles passte in diese Logik.Er konnte atmen, was wohl kaum möglich gewesen wäre, wenn ihn der Luftsauerstoff gemieden hätte. Bei grosser Hitze schwitzte er durchaus. Auch war er schon über Baumwurzeln gestolpert. Dem Autor einer Erzählung hätte man derlei Unstimmigkeiten ankreiden müssen. Aber das hier war ein Traum. Da galten wohl andere Maßstäbe,

    Endlich riß die Wolkendecke auf. Der Mond kam zum Vorschein. Aus seinem Erscheinungsbild ließ sich leider nicht ableiten, in welcher Vergangenhei sich Tommy befand. Zwar entfernte sich der Trabant stetig von der Erde, aber nur um wenige Zentimeter pro Jahr. In 100 Millionen Jahren summierte sich das auf etwa 5000 Kilometer. Tommy konnte trotzdem keinen Unterschied zu seinem gewohnten Nachthimmel erkennen. Kein Wunder angesichts der Entfernung zwischen Mond und Erde in seiner Zeit, die sich auf 384000 Kilometer belief. Hier waren es eben 379 000 Kilometer. Für den Betrachter lief das beinahe auf dasselbe hinaus. Hätte der Junge eine Armbanduhr dabei gehabt, wäre ihm allerdings aufgefallen, dass die Tage deutlich kürzer waren als bei ihm zu Hause. Damals hatte sich die Erde schneller gedreht.

    Auch der Sternenhimmel half nicht wirklich weiter. Wie sein Vater begeisterte sich Tommy für Amateurastronomie. Daher waren ihm die Sternbilder durchaus vertraut. Er wußte auch, wo er den Polarstern zu suchen hatte.

    Doch den gab es hier nicht. Keine Spur auch vom Großen Wagen. Hier sah das Firmament völlig anders aus. Deshalb hatte Tommy schließlich seine eigenen Sternbilder kreiert. Da gab es beispielsweise die Ketchupflasche, die Dampflok und natürlich Elvis. Einige der fernen Himmelskörper hatten sich, von dieser Urerde aus gesehen, so formiert, dass sie den King recht treffend abbildeten, die Haartolle inklusive. Wenn er das noch hätte erleben dürfen!

    Langsam wurde es hell. Das Tageslicht zeigte ihm den dichten Wald, in welchem er gelandet war und der teils fremdartig, teils aber auch auf seltsame Weise vertraut wirkte. Die Nadelbäume hätten durchaus in den Schwarzwald gepasst. Anders als die Riesenfarne. Sie kamen ihm vor wie Besucher aus einer fernen Welt. Von Unterholz konnte man noch nicht sprechen. Es gab lediglich ein paar kleine, blaßgelbe Blütenpflanzen, natürlich weitere, kleine Farne und eine erstaunlich große Auswahl an Pilzen. Sogar Steinpilze hatte er schon entdeckt, vorsichtshalber aber nicht probiert.

    Ein Geräusch erregte seine Aufmerksamkeit. Als ob etwas Großes, Schweres durch die Naturlandschaft stapfte. Vorsichtig arbeitete er sich weiter vor. Dann sah er das Wesen. Es ähnelte einem Allosaurus. Größe und Schädelform stimmten. Wie gewaltig dieses Untier war! Neben ihm hätten Elefanten gewirkt wie Kleinvieh. Es verfügte auch über die charakteristischen langen Arme, die in dreifingrigen, krallenbewehrten Fingern ausliefen. Doch die Hörner fehlten. Dafür war ein dichtes, grauschwarzes Federkleid vorhanden, das den gesamten Rumpf bedeckte. Das war eine neue Art! Die er entdeckt hatte! Und er wusste auch schon, wie er sie nennen sollte.

    Tommysaurus!

    Das begeisterte ihn so, dass er aufwachte. Sofort sprang er aus dem Bett, machte das Licht an, eilte an seinen Schreibtisch und griff nach seinem Notizheft. Solange die Erinnerung noch frisch war, musste er unbedingt eine akribische Zeichnung des neuen Sauriers anfertigen. Was auch gelang. Stolz betrachtete er sein Werk.

    Die Tür ging auf. "Schon wieder einer dieser Träume?", fragte seine Mutter besorgt. "Das ist doch kein erholsamer Schlaf mehr! Morgen gehen wir zum Arzt. Mach dich jetzt fertig. Ohne Frühstück kommst du mir nicht aus dem Haus!"

    Er fühlte sich wirklich müde und zerschlagen. So faszinierend ihm seine nächtlichen Abenteuer auch vorkamen, sie kosteten ihn genauso viel Kraft wie ein zweites Leben. Eigentlich schlief er gar nicht mehr.

    Kein Wunder, dass er sofort einschlummerte, sobald er sich im Schulbus auf seinen Platz gesetzt hatte.

    Und er träumte. Zum ersten Mal tagsüber. Er stand an einem Fluss, in dem sich irgendetwas auf ihn zubewegte. Er fühlte einen Stich. Entgeistert nahm er die Mücke in Augenschein, die er reaktionsschnell erschlagen und zerquetscht hatte.

    Sie hatte ihn angegriffen! Hinter sich vernahm er ein Grollen.

    Das brachte ihn in die Wirklichkeit zurück. Er erwachte. Bei Tagträumen galten wohl andere Regeln!

    Jetzt die KI.

    Meine Anweisung lautete:

    Schreibe eine Kurzgeschichte.

    800 Worte

    Inhalt: Der zehnjährige Tommy träumt jede Nacht, er sei im Zeitalter der Dinosaurier.

    Dort kann ihn nichts berühren oder gar verletzen.

    Aber er kann alles anfassen.

    Anhand des Sternenhimmels versucht er herauszufinden, in welcher Epoche er sich befindet.

    Er entdeckt eine neue Saurierart.

    Schließlich träumt er erstmals tagsüber. In diesem Traum sticht ihn eine Mücke. Er erkennt, dass Tagträume gefährlich sind.

    Es folgt der Text der KI:

    Der zehnjährige Tommy war ein Grenzgänger. Sobald er den Kopf auf das Kissen legte, verwandelte sich das sanfte Rauschen des Windes vor seinem Fenster in das gewaltige Dröhnen eines urzeitlichen Dschungels.

    In seinen Träumen war Tommy unverwundbar.

    Er war ein Geist in einer Welt aus Giganten, ein unsichtbarer Beobachter, den kein Reißzahn durchdringen und keine Kralle verletzen konnte.

    Er konnte die raue, warme Haut eines schlafenden Triceratops berühren oder seine Hand in das brodelnde Maul eines Vulkans stecken, ohne mehr als ein angenehmes Kribbeln zu spüren.

    In dieser Nacht fand er sich auf einer weiten, farnbewachsenen Hochebene wieder. Die Luft schmeckte dick und süß nach Sauerstoff und Farnsporen.

    Tommy setzte sich ins Hohe Gras und blickte nach oben. Das war seine Routine.

    Er war kein gewöhnlicher Träumer; er war ein Chronist. Er wußte, dass die Kontinente wanderten, aber die Sterne erzählten die wahre Geschichte der Zeit.

    Er suchte nach dem Kreuz des Südens und der Position des Polarsterns, aber das Firmament sah völlig fremd aus.

    Die Sternbilder, die er aus seinen Astronomiebüchern kannte, waren verzerrt, als hätte jemand am Tuch des Universums gezogen.

    Anhand der Präzession und der ungewöhnlichen Dichte des Milchstrassenbandes kombinierte er messerscharf. Er musste sich in der späten Kreidezeit befinden, etwa vor 70 Millionen Jahren. Doch die Konstellationen deuteten auf eine leichte Abweichung hin. Vielleicht war er an einem Ort, den die Paläontologen noch gar nicht auf dem schirm hatten.

    Plötzlich bebte die Erde. Es war kein rhythmisches Stampfen sondern ein schnelles, fast elegantes Trippeln. Aus dem Dickicht der Mammutbäume trat ein Wesen, das Tommy noch nie gesehen hatte. Es war etwa so groß wie ein Pferd, aber von graziler, vogelähnlicher Gestalt.

    Sein Körper war mit schimmernden, pfauenblauen Federn bedeckt, die im fahlen Mondlicht metallisch glänzten. Das erstaunlichste aber war der Kopf. Er besaß einen flachen, knöchernen Kamm, der wie eine Sichel nach hinten gebogen war.

    Und an den Vorderläufen trug er drei lange, feingliedrige Finger mit fast menschlich wirkenden Nägeln,

    "Ein Psilo-Saurus"", flüsterte Tommy ehrfürchtig und erfand den Namen auf der Stelle.

    Das Tier blieb direkt vor ihm stehen. Es sah ihn nicht- niemand sah ihn hier - aber es schnupperte in seine Richtung. Tommy streckte die Hand aus und fuhr über die kühlen, seidigen Federn am Hals des Tieres. Es fühlte sich absolut real an. Er war der einzige Mensch, der wußte, dass die Evolution diesen blauen Jäger hervorgebracht hatte.

    Am nächsten Morgen fiel es Tommy schwer, in der Schule wach zu bleiben. Die Realität war grau, laut und staubig Während Herr Meyer über die Bruchrechnung dozierte,starrte Tommy aus dem Fenster auf den staubigen Schulhof. Die Sonne schien warm auf seinen Nacken. Er schloss die Augen nur für einen Moment, wollte nur kurz zurück zu den blauen Federn und dem fremden Sternenhimmel.

    Plötzlich war er wieder da. Doch etwas war anders. Er stand nicht auf der Hochebene, sondern im dichten Sumpfland. Die Sonne stand hoch im Zenit. Eine brennende weiße Scheibe. Es war sein erster Tagtraum. Tommy fühlte sich schwerer als sonst. Präsenter.

    Ein hohes Summen drang an sein Ohr. Eine prähistorische Mücke, groß wie eine Libelle, kreiste um seinen Arm.

    Tommy lächelte. "Du kannst mir nichts tun", dachte er, wie er es jede Nacht dachte. "Ich bin ein Geist".

    Doch dann landete das Insekt. Tommy spürte das Gewicht der haarigen Beine auf seiner Haut. Er erstarrte. Die Mücke stach zu. Ein brennender, stechender Schmerz schoss durch seinen Unterarm, heisser und realer als alles. was er je im Schlaf erlebt hatte. Er schrie auf und schlug nach dem Tier. Doch seine Hand fühlte sich bleiern an.

    "Tommy, setzt dich hin!"

    Mit einem Ruck riss er die Augen auf. Er stand mitten im Klassenzimmer, sein Stuhl war umgekippt. Die Mitschüler kicherten. Herr Meyer sah ihn streng an Tommy atmete hastig, sein Herz raste wie das eines gejagten Hypsilophodon, Er blickte auf seinen rechten Unterarm. Dort, genau unter der Armbeuge, schwoll eine rote, heiße Pustel. Es brannte höllisch.

    In diesem Moment begriff Tommy die bittere Wahrheit. In der Nacht schützte ihn die Tiefe seines Bewusstseins, die klare Grenze zwischen den Welten. Doch der Tagtraum war eine Brücke ohne Geländer. Wenn er die Realität verliess, während sein Körper noch wach und empfindlich war, verschwanden die Regeln.

    Im Tagtraum war er kein Beobachter; er war Beute. Die Unverwundbarkeit war der Preis für die Dunkelheit der Nacht.

    Er setzte sich schweigend hin und versteckte den brennenden Stich unter seinem Ärmel.

    Er würde weiter träumen, natürlich.

    Aber die Sonne gehörte ab jetzt der echten Welt.

    Denn wer am hellichten Tag zwischen den Welten wandelte, riskierte, dass die Urzeit ihre Zähne nicht nur zeigte, sondern auch benutzte.

    SOWEIT DIE KI.

    Sie hat einen blumigeren Stil als ich und einen Hang zum Pathos und zu Phrasen. Kann man daran KI-Texte erkennen?

    Dann muss ich mir den Film noch mal ansehen. Von Einem gehe ich aber nicht ab. Der Schauspieler, der Rincewind verkörperte, ist eine glatte Fehlbesetzung. Als größter Feigling der Scheibenwelt, der schon zu rennen anfängt, wenn sich eine Gefahr nur in Ansätzen bemerkbar macht, und dann wirklich jeden abhängt, stelle ich ihn mir rank und schlank vor. Und auch noch relativ jung, auch wenn er der älteste Langzeitstudent in der Geschichte der Unsichtbaren Universität war.

    Rincewind ist eine meiner Lieblingsfiguren, zusammen mit dem Orang-Utan-Bibliothekar, Oma Wetterwachs und natürlich TOD. Die Verfilmungsversuche allerdings sind meiner Meinung nach allesamt gescheitert. Ähnlich wie bei Riverworld. Peter Jackson kann eben nicht überall sein

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 10

    Der Rest der Reise verlief ereignislos, aber nicht uninteressant. Immer, wenn die Sonne untergegangen war, durfte Graf Ernst seinen Sarg verlassen. Lilith stand schon bereit, um ihm ein weiteres Quantum Blut einzuflössen, eine Prozedur, die etwas in ihm voller Gier herbeisehnte, während er andererseits schon den Geruch der roten Flüssigkeit abscheulich fand und erst recht den Geschmack. Ob alle Vampire dies so empfanden? Oder stimmte irgendetwas nicht mit ihm?

    Nicht zu leugnen waren die Vorteile, die das Trinken von Blut mit sich brachte. Nie waren seine Sinne schärfer gewesen. Wenn er zum Mond empor blickte, konnte er Berge und Täler auf dem Himmelskörper ausmachen. Die Sterne strahlten viel heller und schienen auch zahlreicher geworden zu sein. Um den Jupiter herum gewahrte er vier kleine Punkte. Waren das weitere Planeten? Oder gar Monde?

    Er hätte die ganze Nacht lang das Firmament bewundern können, aber Lilith hatte einen Auftrag für ihn. Er sollte ihr ein Abendessen besorgen. Was kein Problem darstellte. Die Wälder wimmelten vor Wildtieren. Dank seiner Schnelligkeit und Kraft fiel es ihm leicht, ein Reh oder auch einen Hasen zu erwischen. In der Zwischenzeit sorgte seine Begleiterin für ein Lagerfeuer. Die Beute wurde ausgenommen, zerteilt und gebraten, wobei Graf Ernst über die Größe der Portionen staunte, die sich Lilith einverleibte. Er selbst begnügte sich mit wenigen Bissen, nicht, weil er Hunger verspürt hätte. Einfach aus alter Gewohnheit. Austreten musste er nie. Ein weiteres Rätsel, das seine neue Existenz mit sich brachte.

    Nach dem Essen begab sich das Mädchen zur Ruhe. Als Bettstätte diente ihr der Sarg, den sie wohl als ihr künftiges Zuhause ansah, wenn sie erst einmal ihr ersehntes Ziel erreicht haben würde. Den Aufstieg zur Untoten. Darauf hätte Graf Ernst gerne verzichtet. Er wäre lieber am Leben geblieben und irgendwann im hohen Alter, zufrieden und lebenssatt, einen ruhigen, würdigen Tod gestorben. Statt dessen stand er nun hier, zwischen den Bäumen und unter den Sternen, hielt Wache und fragte sich immer noch, ob es nicht besser wäre, dieses Schattendasein, das offenbar zu nichts führte, zu beenden. Er hätte einfach nur davonlaufen und an einem weit entfernten Ort auf die Sonne warten müssen.

    Aber das tat er nicht. Sobald sich die Morgendämmerung ankündigte, kletterte er wieder in sein hölzernes Gefängnis. Dort verliessen ihn nach und nach die Kräfte des Blutes. Zuerst spürte er seine Gliedmaßen nicht mehr. Die Atmung setzte aus, das Herz schlug nicht mehr. Er war tot. Zumindest hätte ein Aussenstehender diesen Eindruck gewonnen. Nichts als eine Leiche hätte er gesehen. Und dennoch war Graf Ernst noch da. Als er selbst, mit all seinen Erinnerungen, Abneigungen und Vorlieben, seiner ganzen Persönlichkeit.

    Ob es sich bei den anderen Toten ähnlich verhielt? Seinen Eltern zum Beispiel? War der Tod nur eine Frage der Perspektive? Etwas unterschied ihn aber von anderen Verstorbenen. Sein Körper zerfiel nicht. Zumindest noch nicht. Was mit ihm geschehen würde, falls er auf Dauer das Trinken von Blut verweigern würde, entzog sich seiner Kenntnis. Ob eine Leiche noch intakt war oder verwest oder, wie er das von den Schlachtfeldern nur zu gut kannte, in Stücke gehackt, kam jedenfalls auf dasselbe hinaus. Tot war tot. Und tot, das wusste er nun aus eigener Erfahrung, war nicht gleichbedeutend mit völliger Auslöschung. Sein Geist war noch da.

    Vielleicht galt das ja für alle Menschen. Dann wäre die Welt erfüllt von Geistern, die das Treiben der Lebenden beobachteten. Ein beuruhigender Gedanke. Wie würden wohl seine Eltern seine bisherigen Taten beurteilen? Das sagten sie ihm womöglich dereinst selbst. Im Himmel oder in der Hölle, sofern die Kirche recht hatte. Für sie kam die erste Alternative in Frage. Bei sich selbst war er da nicht so sicher.

    Er wäre mit seinen Gedanken allein geblieben, in der Finsternis des Sarges, wenn es nicht die Verbindung zu den Raben und den Wölfen gegeben hätte. Durch ihre Augen konnte er sehen, wohin ihn sein Weg führte. Lilith wählte stets abgelegene Pfade, quer durch die Wildnis und in sicherer Entfernung von menschlichen Siedlungen. Größere Städte gab es nicht, nur kleine, ländliche Gemeinden, Einzelhöfe und Köhlerhütten. Er hatte nicht die geringste Ahnung, in welchem Teil der Welt sie sich befanden. Polen vielleicht, oder auch Siebenbürgen, das gelegentlich auch Transsylvanien genannt wurde.

    Sie bewegten sich auf eine dunkle Wolkenbank zu, an der etwas nicht zu stimmen schien. Sowohl die Wölfe als auch die Raben schreckten vor ihr zurück, was Lilith nicht davon abhielt, ihren Kurs beizubehalten. Es wurde finster. Obwohl der Tag noch nicht vorüber war, hätte Graf Ernst jetzt ohne Weiteres sein Gehäuse verlassen können. Wenn er dafür die Kraft gehabt hätte. Schließlich entfernte jemand den Sargdeckel. Seine Begleiterin schaute zu ihm herab. "Wir sind da", verkündete sie. "Wo?", fragte er zurück. Wieder ließ sie ihn Blut schlucken. Er erhob sich und erblickte ein hell erleuchtetes Schloss, das man in dieser Wildnis nicht erwartet hätte.

    "Willkommen in der Akademie", sagte Lilith.

    Ich lese gerade eine Biographie über Philip K.Dick, die aber eher so etwas wie einen Tatsachenroman darstellt, vergleichbar Truman Capotes "Kaltblütig". Auch mit erzählerischen Elementen.

    Der Mann hatte wohl das abgefahrendste Leben, das man sich vorstellen kann. Die meisten Fantasy-und Science-Fiction-Geschichten können da nicht mithalten.

    Der Titel des Buches lautet: "Ich lebe und ihr seid tot".

    Schon mal sehr vielversprechend. Autor ist Emmanuel Carrere.

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 9

    Die Geschosse bewegten sich sehr langsam. Wenn man nicht genau hinsah, hätte man den Eindruck gewinnen können, sie stünden wie festgefroren in der Luft. Das musste an seiner Wahrnehmung liegen, überlegte Graf Ernst. Eine Wirkung des Blutes, das ihm Lilith verabreicht hatte. Ob er sich nun auch schneller bewegen konnte? Sein Herz jedenfalls schlug heftiger als je zuvor. Jetzt atmete er auch wieder. Sogar sein Magen machte sich bemerkbar. Er verspürte Hunger. Und noch etwas anderes. Gier nach noch mehr Blut. Den Geschmack und auch den Geruch der roten Flüssigkeit fand er abstoßend, und trotzdem wollte er sie haben. In was hatte er sich da verwandelt?

    Die Armbrustbolzen kamen näher, gemächlich, aber stetig. Er musste etwas unternehmen. Also begann er zu rennen. In weiten Sprüngen hetzte er durch den Wald, wich geschickt Hindernissen aus und ließ seine Verfolger mit Leichtigkeit hinter sich. Ermüdung stellte sich nicht ein. Er hätte ewig so weitermachen können. Aber mit welchem Ziel? Wenn die Sonne aufging, würde es mit seiner Herrlichkeit vorbei sein. Daher blieb er stehen und lauschte. Hinter ihm, viele Meilen entfernt, hörte er die Vampirjäger durch das Unterholz stolpern. Lächerlich, wie langsam sie vorankamen. Vor ihm befand sich aber auch etwas. Er vernahm menschliche Stimmen und witterte Blut.

    Vorsichtig schritt er weiter voran, bis er auf eine Waldlichtung stieß, auf der jemand einen kleinen Gutshof errichtet hatte. Bestehend aus einem Fachwerkhaus, einem Schuppen, einem Stall und einem Brunnen. In dem Wohnhaus ertönten fromme Gesänge. Einige kannte er aus den Gottesdiensten, die er seinerzeit besucht hatte. Andere waren ihm unbekannt. Die Darbietung wurde immer wieder von einem unartikulierten Kreischen unterbrochen, wie von einem wilden Tier, das man bis aufs Blut gereizt hatte.

    Eine gute Idee war es wohl nicht, sich der Quelle der Geräusche weiter zu nähern. Doch er konnte seiner Neugier nicht widerstehen, und auch nicht, wie er sich eingestehen musste, dem Aroma des Blutes. Plötzlich öffnete sich die Tür, Vor ihm stand ein junger Mann in einer grauen Mönchskutte. Sein Haar hatte man zu einer Tonsur geschnitten. Schon deswegen wäre Graf Ernst nie in ein Kloster eingetreten.

    "Grüß Euch Gott", begann er das Gespräch. "Wenn ich mich vorstellen darf. Graf Ernst von Schwarzerd. Ich fürchte, ich habe mich verlaufen." Was für ein blöder Vortrag, dachte er sich. Wer würde ihm das abnehmen? Ein adeliger Herr in kostbaren Gewändern - denselben, in denen sie ihn beerdigt hatten -, ohne Pferd und Dienerschaft, einfach so in dieser Abgeschiedenheit?

    Aber er hatte Glück. Der junge Kleriker schien diese befremdliche Situation völlig normal zu finden. "Bruder Raphael", stellte er sich vor." Ein heisses Getränk wird Euch sicherlich gut tun." Schon hatte er sich umgedreht und ging voran. Graf Ernst versuchte, ihm zu folgen. Als er die Schwelle des Hauses betrat, wurde ihm übel. Er musste einen Schritt zurück gehen und sich an die Hauswand lehnen. Es stimmte also. Vampire konnten ein bewohntes Gebäude nicht betreten, wenn sie nicht eingeladen wurden. Und das hatte der Mönch bisher nicht getan, jedenfalls nicht ausdrücklich.

    "Was ist mit Euch?", fragte der Junge besorgt. "Äh, Ihr ladet mich wirklich ein?" Ungeschickter ging es gar nicht. Wenn sein Gegenüber jetzt nicht Verdacht schöpfte, hatte er wirklich mehr Glück als Verstand. "Ja natürlich lade ich Euch ein! Wollt Ihr es vielleicht noch schriftlich?" Wenn das tatsächlich notwendig gewesen wäre, hätten es Vampire wirklich schwer gehabt. Doch die mündliche Einladung reichte. Graf Ernst schloss sich seinem Gastgeber an und gelangte schließlich in eine Wohnstube, der man den Wohlstand ihres Eigentümers ansah. Schwere Truhen aus Eichenholz, aus dem auch der Tisch und die Stühle gemacht waren. Ein großer Kachelofen. Es gab sogar einen Spiegel. In diesem war Bruder Raphael durchaus zu sehen. Graf Ernst aber nicht. Also stimmte auch das. Zum Glück sah in diesem Augenblick niemand in diese Richtung. Die ganze Aufmerksamkeit der sechs Mönche in schwarzen Kutten - Dominikaner, wie Graf ernst vermutete - richtete sich auf ein Bett, das man in die Stube geschafft hatte, oder besser auf die Person, die darin lag.

    Ein junges Mädchen, wohl in Liliths Alter. Ihre Gesichszüge waren verzerrt. Die Augen verdreht, die Zähne gefletscht. Graf Ernst wurde klar, dass er in einen Exorzismus geraten war. Eigentlich war ihm in seinen langen Jahren als Soldat der Glaube an den Teufel und seine Dämonen abhanden gekommen. Sie wurden schlicht nicht gebraucht. Auch ohne ihre Bemühungen waren Menschen zu allen denkbaren Scheußlichkeiten fähig. Für Engel hingegen standen genügend Betätigungsfelder zur Verfügung

    Bruder Raphael zupfte an seinem Ärmel und bedeutete ihm, sich zu dem Bauernpaar zu gesellen, das auf einer Holzbank in der Nähe des Ofens saß und das Geschehen besorgt beobachtete. Vermutlich die Eltern der jungen Frau. Sie nahmen Platz. Der Mönch legte seinen Finger auf den Mund, um Graf Ernst zu bedeuten, dass er sich still zu verhalten habe. Nachdem er sich für einen kurzen Augenblick entfernt hatte, kehrte er mit einem Becher warmer Milch zurück, den er seinem Gast in die Hand drückte. So versorgt, verfolgte Graf Ernst das weitere Geschehen. An jeder Seite des Bettes standen zwei Geistliche und schwenkten Weihrauchgefässe. Man konnte kaum atmen. Vor dem Möbel hatten sich zwei weitere Mönche plaziert. Einer hielt ein Buch in der Hand. Er begann vorzulesen. Graf Ernsts Latein war zwar etwas eingerostet. Dennoch verstand er, worum es ging. Der Mönch rezitierte das Rituale Romanum, ein Gebet, mit dem man Dämonen austreiben konnte.

    Es schien auch zu wirken, zusammen mit der Hymne, die die übrigen Kleriker anstimmten. Das Kreischen des Mädchens durchdrang Mark und Bein. Gleichzeitig begann das Bett zu wackeln. Es erhob sich sogar in die Luft. Der Blick der Besessenen traf sich mit dem des Grafen. Überraschung zeigte sich auf ihrem Gesicht. Während das Schlafmöbel auf den Boden zurückstürzte, begann sie zu lachen.

    "Ihr Narren", rief sie. "Mich wollt ihr austreiben, aber den Blutsauger lasst ihr ins Haus. Da, am Ofen. Seht ihr ihn denn nicht? Da, am Ofen!" Alle Blicke richteten sich jetzt auf den Grafen.

    "Klassisch!", bemerkte der Kleriker, der das Buch hielt. "Ein typisches Ablenkungsmanöver, um uns zu verwirren und aus dem Konzept zu bringen! So etwas versuchen die Dämonen immer! Als ob ein Vampir einfach so zu uns hereinspazieren könnte!" Die anderen Mönche nickten. Nur der junge Bruder Raphael machte plötzlich einen sehr nachdenklichen Eindruck.

    "Du musst dir schon etwas Besseres einfallen lassen, Kreatur der Hölle!. So, jetzt die Kreuze!" Alle Mönche holten Kreuze aus ihren Gewändern hervor und hielten sie dem Mädchen direkt vors Gesicht.

    "Aber es ist wahr", protestierte der Dämon. "Seht doch hin!"

    "Schweig, Lügenmaul", donnerte der Wortführer der Exorzistenschar. "Die Kraft Jesu Christi bezwingt dich. Fahre aus!" Und tatsächlich, nach einem letzten Aufheulen beruhigte sich das Mädchen. Um sicher zu gehen, benetzten ihre Helfer sie mit Weihwasser und pressten ihr eines der Kreuze auf die Stirn. Sie zeigte keine Anzeichen von Besessenheit mehr.

    "Ein voller Erfolg", stellte einer der anderen Mönche fest. "Der Unhold ist über seinen eigenen Trick gestolpert. Am Ende machte er einen verwirrten Eindruck."

    "So etwas kommt vor", verkündete der Anführer fachmännisch. Er wandte sich Graf Ernst zu. "Ich muss mich entschuldigen, dass man Euch als Blutsauger bezeichnet hat."

    "Das war ja der Dämon", wurde er beschwichtigt. "Ich danke Euch für Eure Gastfreundschaft. Und spreche Euch meine Bewunderung aus. Ohne Eure schwierige und gefährliche Arbeit wäre die Menschheit dem Bösen ausgeliefert. Jetzt muss ich aber gehen. Meine Leute sind sicher schon auf der Suche nach mir". Er verbeugte sich und strebte dem Ausgang entgegen, wobei er möglichst rasch an dem Spiegel vorbei huschte. Niemand sah hin, bis auf Bruder Raphael, der nun wirklich blass wurde.

    Draussen vor der Tür horchte Graf Ernst nach Geräuschen, die die Vampirjäger verursachen mochten. Er fing Gesprächsfetzen auf, denen er entnahm, dass sie bereits an dem Gutshof vorbeigezogen waren, von dem sie wussten, dass dort gerade ein Exorzismus stattfand. Sicherlich der letzte Ort, wo sich ein Blutsauger finden ließ.

    Für den Augenblick war er in Sicherheit. Doch würden sie weiter hinter ihm her sein. Er spürte die Anwesenheit der Raben, hoch in den Lüften. Wieder hatte er das Gefühl, er sei einer von ihnen. Er konnte die grün gekleideten Verfolger von oben gut sehen. Einer blickte empor zum Himmel. Seine Augen! Raben hackten ihren Opfern immer erst die Augen aus. Los!, dachte er. Schwarze Schatten ließen sich fallen. Er zog sich zurück, bevor die Vögel ihr blutiges Werk begannen. Aber er hörte die Schreie der Männer. Waren da nicht noch die Wölfe? Er stellte sich vor, wie er auf seinen vier Beinen auf die Vampirjäger zurannte und ihnen die Kehlen durchbiss. Dieses Gedankenbild sandte er seinen neuen Gefährten. Die Schreie verstummten schnell.

    "Nicht übel", stellte Lilith fest. Irgendwie war es ihr gelungen, unbemerkt in seine Nähe zu gelangen. "Gehen wir. Aber sei dir gewiss. Die Dämonen sind jetzt deine Feinde".

    Weiss und Rot

    Eine Geschichte von Vampiren und Untoten

    Kapitel 8

    Zum zweiten Male in dieser Nacht fand sich Graf Ernst in einem Sarg wieder. Zu seinem Schutz, wie ihm Lilith versichert hatte. Untote vertrugen das Licht der Sonne nicht. Es verbrannte sie zu Asche, was bedeutete, dass er sich von nun an als ein Geschöpf der Nacht betrachten musste. Die Welt am Tage würde er nie wieder sehen. Ebensowenig seine Familie. Nichts gehörte ihm mehr. Selbst sein Leben hatte er verloren und gegen ein Schattendasein eingetauscht. Ein Geist in einem abgestorbenen Körper, mehr war von ihm nicht geblieben. Dazu verdammt, in alle Ewigkeit durch die Finsternis zu wandern, immer auf der Suche nach Opfern, denen er das Blut aussaugen konnte. Er hatte den Tod erlebt als einen Zustand der absoluten Bewusstlosigkeit, des Nichtseins. So schlimm war das gar nicht gewesen. Jedenfalls besser als der Weg, den Vlad und Lilith ihm gewiesen hatten.

    War es da nicht sinnvoller, sich aus seinem hölzernen Gehäuse zu befreien und ein letztes Mal die Wärme des Tagesgestirns zu verspüren, vielleicht auch Schmerzen zu erleiden, aber dann endlich frei zu sein? Er musste nur den Sargdeckel beiseite schieben und den Rest der Sonne überlassen.

    Während er noch darüber nachdachte, verspürte er ein leichtes Brennen, als ob er an einem Feuer säße. Ihm war nicht klar, wie er zu dieser Gewissheit gelangen konnte, aber der Ursprung des Gefühls schien im Osten zu liegen. Wo die Sonne aufging. Sogar hier, in der Dunkelheit des Sarges, machte sie sich bemerkbar. Gleichzeitig breitete sich eine unerklärliche Lähmung in seinem Körper aus. So erging es den Untoten also am Tage, auch wenn sie Schutz gesucht hatten. Bewegungslos. Wehrlos. Er entsann sich der gruseligen Schauergeschichten, die er in Tavernen und an Lagerfeuern vernommen hatte und in denen Vampire stets als äußerst verwundbare, ja fast bemitleidenswerte Wesen geschildert worden waren. Weder vertrugen sie das Licht der Sonne, noch waren sie imstande, fließende Gewässer zu überqueren. Knoblauch ließ sie zurückzucken, genauso wie Kreuze und andere Symbole des Glaubens.

    Sogar das Verstreuen von Salz stellte sie vor eine schwer lösbare Aufgabe, denn irgendetwas zwang sie, die einzelnen Körner zählen zu müssen, bevor sie sich auf ihre Opfer stürzen konnten. Wodurch diese genug Zeit gewannen, in aller Ruhe aufzurüsten, mit Weihwasser, Gemüse und Rosenkränzen. Da war ja ein Fuchs im Hühnerstall gefährlicher und schwieriger zu bekämpfen. Graf Ernst entsann sich allerdings der Aura der Macht, die er an Vlad wahrgenommen hatte. Diese Erzählungen konnten nicht allesamt stimmen. Jedenfalls hätte sich Graf Ernst lieber mit einem Rudel Wölfe angelegt als mit seinem neuen Mentor. Er gestand sich ein, dass er viel zu wenig wusste. Vielleicht war es besser, sich etwas Ruhe zu gönnen, anstatt sinnlos vor sich hin zu spekulieren.

    Er schloss die Augen und begann zu träumen. Von oben, so schien es ihm, blickte er auf den Bauernkarren herab, auf dem sein Sarg lag. Die Pferde machten immer noch einen ängstlichen Eindruck, während Lilith, die Zügel in der Hand haltend, tief in Gedanken versunken zu sein schien. Graf Ernst erblickte einen Schwarm schwarzer Vögel. Raben, wie er feststellte. Besonders große Exemplare. Mit ausgebreiteten Flügeln näherte er sich ihnen. Früher, in seiner Kindheit, hatte er häufig solche Flugträume gehabt. Aber nie war er selbst einer der Vögel gewesen. Langsam verloren sie an Höhe. Im Dickicht des Waldes erspähte er graue Schatten. Wölfe, denen er offenbar auffiel. Neugierig schauten sie nach oben. Noch etwas anderes nahm er wahr. Grün gekleidete Menschen, die er mit seinen eigenen Sinnen nie bemerkt hätte. Doch vor seinen Rabenblicken konnten sie sich nicht verbergen. Sie schienen auf etwas zu warten.

    Unvermittelt hielt der Karren an. Jemand entfernte den Sargdeckel und öffnete seinen Mund. Aus einem kleinen Fläschchen ergoss sich Blut. So scheusslich ihm der Geschmack auch vorkam, er spürte, wie seine Kraft zurückkehrte. Die Sonne war mittlerweile untergegangen.

    "Raus da!", befahl das Mädchen. Sie wies auf die Bäume. "Dort verbergen sich Vampirjäger", klärte sie ihn auf. "Ziemlich viele. Sie haben Armbrüste, deren Bolzen in Weihwasser getaucht sind. Sie können jeden Augenblick angreifen."

    "Was machen wir jetzt?", wollte Graf Ernst wissen.

    "Wieso wir?", fragte Lilith zurück.

    Sie wandte sich dem Wald zu und begann zu schreien. "HIlfe,Hilfe! Dieses Ungeheuer will mir das Blut aussaugen! So tut doch etwas, ihr guten Leute! Ich bin nur ein hilfloses junges Mädchen!"

    Sie zwinkerte ihm zu und rannte los. Graf Ernst hörte die ersten Armbrustbolzen durch die Luft sausen. Jetzt wurde es wirklich ernst

    Falls hier auch Sachbücher erlaubt sind:

    "Eine Nation unter Erpressung", von Whitney Webb, 2 Bände.

    Untertitel: Jeffrey Epstein, die Geheimdienste und das organisierte Verbrechen.

    Erläutert ganz nüchtern, wie ein Typ wie Epstein, ein Mathematiklehrer ohne Collegeabschluss, zum Multimillionär und dann zum kriminellen Dienstleister großer Teile der Eliten aufsteigen und jahrelang mit schwersten Straftaten durchkommen konnte. Wilder als der abgefahrendste Verschwörungsthriller.

    Geht besonders darauf ein, welche Rolle Geheimdienste gespielt haben könnten und welches Erpressungsmaterial wer gegen wen gesammelt haben könnte.

    Kein Wunder, dass Trump diesen Grönlandzauber veranstaltet. Eine nette Ablenkung.

    Sollte jemals alles herauskommen, was in diesem Zusammenhang relevant ist, werdn viele weg vom Fenster sein

    Weiss und Rot.

    Eine Geschichte von Untoten und Vampiren.

    Kapitel 7

    Graf Ernsts Gedanken wandten sich wieder der Gegenwart zu. Dreihundert Jahre lang hatte er ein Schattendasein geführt. Mit nur bruchstückhaften Erinnerungen an seine Zeit als Mensch und das, was sich unmittelbar nach seiner Auferstehung zutrug

    Vielleicht hatte er sich auch auch gar nicht erinnern wollen. Wie konnte er nur die Ermordung einer ganzen Familie anordnen? Er bereute nicht, was er seiner Tante angetan hatte. Immerhin hatte sie ihn vergiftet. Und das Gleiche auch bei seinem Sohn versucht. Ihre eigenen Söhne dürften wohl eingeweiht gewesen sein. Aber die Enkel? Der Jüngste war noch nicht einmal drei Jahre alt gewesen. Ein niedlicher Bub, immer fröhlich. Wie er wohl gestorben war? Daran wollte Graf Ernst gar nicht denken. Zum Glück war er nicht dabei gewesen. Es musste der Schock des Erwachens gewesen sein, als lebende Leiche, der ihn zu dieser Tat getrieben hatte.

    Was war geschehen, nachdem Vlad, Lilith und er die Gruft verlassen hatten? Neue Erinnerungen strömten auf ihn ein.

    "Kann ich meine Familie noch ein letztes Mal sehen?", fragte er. Das Mädchen sah ihn abschätzend an.

    "Werden wir jetzt sentimental?"

    Graf Ernst spürte die Gefahr. Offenbar wurde er geprüft. Es war ihm zugute gehalten worden, dass er Disziplin bewiesen hatte. Entfesselte Blutgier war nicht erwünscht Grausamkeit hingegen schon. Dass er, ohne einen Augenblick zu zögern, auch den Tod der Kinder verlangt hatte, war mit Befriedigung zur Kenntnis genommen worden. Ebenso die Art und Weise, wie er mit Tante Margot abgerechnet hatte.

    Aber was würde geschehen, wenn er jetzt Schwäche zeigte? Nahmen sie dann eine neue Bewertung vor? Sonderten sie ihn aus? Und was geschah dann? Umbringen konnten sie ihn ja nicht mehr. Aber dafür vernichten, womöglich endgültig. Er war sich nicht im Klaren darüber, ob er sich davor fürchten sollte. Auf den Tod war die Auferstehung als Untoter gefolgt. Vielleicht gab es noch andere Formen der Weiterexistenz. Ein Jenseits. Besser als dieses Dasein hier. Oder schlimmer. Himmel oder Hölle. Er beschloss, vorsichtig zu sein und erst einmal an dem festzuhalten, was er hatte. Anders entscheiden konnte er später immer noch.

    "Ich weiß, was ich zu tun hätte, wenn sie mich als das sehen könnten, was ich jetzt bin," behauptete er. "Ich müsste sie töten. Das würde ich auch tun. Aber Ihr habt recht, ich gönne mir einen letzten Augenblick menschlicher Rührseligkeit. Habt Ihr dieses Bedürfnis denn nicht, Abschied von Eurer Familie zu nehmen, wenn Eure Auferstehung ansteht?"

    Vlad lachte herzlich und bewies damit, dass auch Humor stärker sein konnte als der Tod.

    "Wenn Ihr wüsstet, was sie mit ihren Leuten gemacht hat. Jetzt schon, als Mensch! Gut, ich gebe zu, dass auch ich seinerzeit einen Augenblick der Schwäche erlebt habe. Der Übergang ist nicht so leicht. So gestehe ich Euch dasselbe zu. Einmal. Doch denkt daran. Niemand darf von uns wissen. Ammenmärchen und Aberglaube, das sind wir, nichts Anderes. Begleite ihn, Lilith, ich gehe schon einmal voran."

    Mit diesen Worten verschwand er. Nur sein Schatten verblieb noch ein paar Augenblicke, ehe er davon huschte. Das konnten Vampire also auch, dachte Graf Ernst. Ob sie ihm das beibringen würden?

    "Also los, gehen wir", verkündete das Mädchen und ging voran. Leichtfüssig erklomm sie die schmalen Treppen, die hinauf zu den bescheidenen Kammern der Dienstboten führten. Er selbst fühlte sich durchaus nicht so trittsicher. Die Wirkung des Blutes ließ nach. Sorgsam musste er auf seine Schritte achten. Wenigstens erwies sich die Beleuchtung als zureichend, wobei er sich nicht erklären konnte, woher dieses seltsame Zwielicht kam. Nirgendwo waren Kerzen oder Fackeln zu sehen.

    "Nun kommt es darauf an", stellte das Mädchen fest, als sie vor der Tür des kleinen Zimmers standen. " Niemand darf auch nur einen Blick auf uns erhaschen und am Leben bleiben."

    Entschlossen drückte Graf Ernst die Türklinke hinunter und spähte in den Raum. Das Glück war ihm hold. Da lagen sie, seine Frau, sein Sohn und seine Tochter, auf einer schmalen Liege, eng aneinander geschmiegt und einander Wärme spendend.In tiefer Bewusstlosigkeit.

    "Natürlich haben wir sie betäubt", erläuterte Lilith. "Genauso wie das Gesinde. Hättet Ihr es wirklich getan?"

    Das hätte er. Allerdings wären nicht seine Leute auf der Strecke geblieben, sondern seine Begleiterin. Noch war sie ein Mensch. Er wäre mit ihr fertig geworden, glaubte er zumindest. Noch immer ging ihm die Familie über alles.

    "Los jetzt", drängte Lilith. "Der Sonnenaufgang ist nahe!"

    "Wie erklärt ihr der Welt, was hier geschehen ist?", wollte er wissen, während sie dem Ausgang zustrebten.

    "Einfach", gab Lilith zurück. "Deine Tante hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. Handschriften kann ich ganz gut nachmachen. Ihre ganze Sippe wäre nach Ungarn ausgewandert, wo eine reiche Erbschaft wartete."

    "Und das Verschwinden meiner Leiche?"

    "Ist nicht verschwunden. Sondern in der Familiengruft, bedeckt von einer schweren Steinplatte. Freundlicherweise hat dich deine liebe Tante noch schnell bestattet, um deiner Gattin die Mühe zu ersparen. Rate einmal, wer wirklich in dem Sarg liegt!"

    Sie lachte. Sie und Vlad, musste er zugeben, hatten wirklich an alles gedacht.


    Als sie ins Freie gelangten, widerstand Graf Ernst dem Verlangen, sich noch einmal umzudrehen. Ein wehmütiger Blick zurück wäre vielleicht als weitere sentimentale Schwäche wahrgenommen worden.

    Entschädigt wurde er für diesen Verlust nicht, denn der Anblick, der sich ihm nun bot, konnte als deprimierend bezeichnet werden. Auf einem Bauernkarren lag ein schlichter Holzsarg.

    "Rein da!", kommandierte das Mädchen. "Und achtet auf Abstand zu den Pferden!"

    Da sie sich eine Erklärung sparte, wagte er ein kleines Experiment. Zwei Schritte auf die Tiere zu, und schon gaben sie ein ängstliches Wiehern von sich, wild mit den Augen rollend.

    "Pferde haben mich immer gemocht", erinnerte sich Graf Ernst erstaunt.

    "Jetzt nicht mehr. Alles, was lebt, schreckt vor Euch zurück."

    Widerwillig kletterte Graf Ernst in den Sarg. Lilith sorgte dafür, dass der Deckel richtig saß.

    "Wohin fahren wir?", wollte er wissen. Aber sie antwortete nicht. Das Gespann setzte sich in Bewegung. Nach einer Weile verspürte er eine seltsame Schwäche. Schließlich sogar eine Lähmung, die sich langsam ausbreitete, von den Gliedmaßen ausgehend und zuletzt seinen ganzen Leib umfassend.

    "Das Tageslicht", hörte er Lilith rufen. "Macht dich unbeweglich und hilflos. Jetzt bist du mir ausgeliefert!"

    Es ist mir unter Aufbietung all meiner nicht vorhandenen digitalen Fähigkeiten tatsächlich gelungen, ChatGBT zu installieren.

    Daraufhin habe ich gleich mal ein Experiment gemacht.

    Vor Monaten hatte ich auf diesem Forum nachgefragt, ob jemand seiner KI folgende Aufgabe stellen könnte: Schreibe eine Kurzgeschichte mit dem Inhalt, dass Angela Merkel von einem T.Rex durch den Wald gejagt wird und im letzten Augenblick entkommt.

    Das Ergebnis war ziemlicher Mist, so dass ich dachte, so viel können diese Roboter doch nicht.

    Jetzt habe ich das noch mal wiederholt. Was dabei herauskam, war eine sehr routiniert geschriebene, fehlerlos abgelieferte Geschichte. Die auch von einem Menschen stammen könnte. Erkennen kann man solche Produkte wohl nur an eben dieser Routiniertheit. Da wurde etwas abgearbeitet. So etwas wie Pulp Fiction oder Blade Runner dürften KI aber wohl noch nicht zustandebringen. Dazu müssten sie in der Lage sein, aus den üblichen Erzählstrukturen auszubrechen und etwas ganz Neues, Originelles, vielleicht auch Schräges zu erschaffen. Ganz sicher bin ich mir da aber nicht.

    Habe aufgeholt bis Kapitel 17. Dass endlich ein mächtiger Dämon auftaucht, macht die Geschichte interessanter. Der Rückblick in Lillys Kindheit, wo sie in der Hölle ums Überleben kämpfen musste, wirft natürlich Fragen auf. Was ist die Hölle? Sind Dämonen keine spirituellen Wesen, sondern eine Art Homininen, die Kinder bekommen genauso wie Menschen?

    Zu Lillys Energieproblem hätte ich noch einen Vorschlag. Könnte Lilly nicht, wie ein Taschendieb, ganz unauffällig Passanten anrempeln und ihnen auf diese Weise etwas Energie abnehmen, so wenig, dass die Engel nichts mitbekommen? Kleinvieh macht auch Mist. Sie könnte auch ganz kurz einen Hund streicheln. Der wäre dann wegen des Energieverlusts ein paar Tage müde, natürlich ohne langfristige Folgen.

    Zu Kapitel 13:

    Ich wundere mich darüber, wie gut Nemo, der Dämon, und die Engel miteinander zurechtkommen. Als Nemo mit dem kleinen Mädchen sich vom Umzug absetzte, dachte ich schon, es würde richtig ernst. Aber es passierte nichts Schlimmes. So etwas würde auch nicht zum humorvollen Grundton der Geschichte passen.

    Lilly wird immer menschlicher. Das ist sehr subtil und nachvollziehbar geschildert. Aber was wollen die Engel eigentlich? Lilly und Nemo in Menschen verwandeln?

    An Sikadian:

    Danke für Deine Hinweise. Man kann sich noch so sehr bemühen, es kommen immer ein paar Flüchtigkeitsfehler durch. Habe ich jetzt korrigiert.

    Zur Handlung:

    Wie Graf Ernst dem Dämon heilige Zeichen mit Blut auf die Stirn malen konnte, obwohl er doch blutleer war? Da musste ich selbst noch mal nachlesen, ob ich daran gedacht hatte. Und ja, auf seinen Wangen waren noch Blutreste. Die hat er benutzt.

    Dass er auch die Kinder töten wollte, ist in der Tat persönlichkeitsfremd. Man muss sich aber vor Augen führen, was für einen Schock es darstellen dürfte, zu sterben und dann wieder in einem leblosen Körper aufzwachen, ohne Puls und Atmung. Da war er nicht er selbst. Darauf gehe ich in weiteren Rückblicken noch ein.

    Seine Tante neigte jenem berechnenden Religionsverständnis zu, das schon Konstantin der Große praktizierte. Der ließ sich erst auf dem Sterbebett taufen, weil nach damaligem Glauben die Taufe alle Sünden weg wusch. Man konnte also lebenslang fröhlich sündigen und kam trotzdem in den Himmel, wenn man den richtigen Sterbezeitpunkt erwischte.

    Margot denkt, sie käme trotz eines Giftmords ins Himmelreich, wenn sie zum Ausgleich fleissig in der Bibel läse, und sie wäre so auch vor allem Bösen geschützt. Diese Illusion dürfte angesichts des Vampirangriffs verflogen sein.

    Zum Zeitablauf:

    Die Schlacht, auf die ich mich beziehe, ist die Schlacht von Crezy, 1346, mit der der Hundertjährige Krieg zwischen Frankreich und England begann. Ein paar Jahre danach dürfte Ernst zum Vampir geworden sein. Etwa 200 Jahre vergingen, bevor er zum Schloss kam, wo er sich seit 300 Jahren aufhält. Er muss herausfinden, was in diesen Zeiträumen geschehen ist