Beiträge von Jennagon

    Ich denke das ist aber was anderes als bei Star Wars - denn die Fans hoeren ja nicht auf Episode 4-6 gut zu finden - die finden nur die neuen Filme nicht mehr gut.

    Ja, so ähnlich ist das ja. Ich lache ja noch bei dem Gedanken an den Fabrikverkauf in Nussloch "Keine Tasche kannse tragen, aber Europaletten wegschieben, das geht ..." oder über "Der Käse wusste Bescheid, aber ich nicht!" Das waren halt Shows von 2005? Ich finde deswegen nicht jeden Witz von ihm heute im Nachhinein per se scheiße oder nicht mehr lustig. Es sind halt nur die neuen Shows, die mich jetzt nicht mehr ansprechen. Es kommt mir nur so vor, dass es nun so ist, dass er sich selbst als Krönung der Schöpfung sieht, und sein Umfeld quasi die Lächerlichen/Lachnummern sind.

    Der ganze Unfug nachgewachsener Generationen zum Thema sei den nachgewachsenen Generationen überlassen.

    Ich hatte letzt eine Überlegung in eine andere Richtung zu so etwas. Früher ... heute ... Verändert sich die Welt oder verändere ich mich?

    Ich konnte nachts nicht schlafen und habe mich etwas durch Facebook gezapped.

    Unweigerlich kam ich dann auf einen Sketch von Mario Barth. Der Ausschnitt seiner neuen Show hieß "Mario ist Vater geworden" so oder so ähnlich. Und ich dachte mir "Häh, das hab ich gar nicht mitbekommen ..." und bin drauf gegangen.

    Und nein, er war nicht Vater geworden, vielmehr ging es darum, dass er die Geburt eines Kindes von einem seiner Kumpels parodierte. Das ganze spielte sich während Corona ab und er erzählte erstmal, wie er dank seinem Promistatus dafür sorgen konnte, dass sein Kumpel bei der Geburt dabei sein durfte, obwohl Begleitpersonen im Kreissaal nicht gestattet waren. Weil Verbindungen zum Chefarzt ... Da zog sich schon meine Braue nach oben. Ich weiß nicht, ob ich als Comedian so etwas thematisiert hätte. Natürlich ist mir bewusst, dass Comedy/Stand up immer etwas überzogen ist, bin ja selbst eine Ulknudel, aber ... ne, so ... Da war für mich kein Witz zu finden. Keine Pointe. Sich selbst in den Himmel zu preisen, weil man einem anderen wegen seines Status bei so etwas helfen konnte. Jedenfalls war die Basis des Ausschnittes, dass er sich eigentlich nur über die Frau seines Kumpels lustig gemacht hat. Wie sie wegen Wehen stöhnte, wie es zu einem Missverständnis kam, dass er der Geburt beiwohnte ... Grundlegend hat er sich aber nur über die werdende Mutter amüsiert - darauf bauten seine Witze auf. Ich weiß, dass ich den Mann irgendwann mal ganz lustig fand - so vor 20 Jahren. Da drängte sich mir der Gedanke auf: Wirst du alt? Kannst du schon nicht mehr über dich selbst lachen? (Weil ja auch Mutter und war Schwangere in Wehen) Das hat mich tatsächlich beschäftigt. Ich weiß von mir, dass ich keine Feministin bin. Und ich weiß, dass ich über so etwas lachen könnte, auch, wenn die Geburten bei mir zwecks Frühchen etwas heikler waren. Ich kann so etwas abschalten. Warum habe ich dann nicht ein Mal gelacht? Ich kam zum Schluss, dass ich tatsächlich älter geworden bin und viel analytischer an alles herangehe als mit 16-20. Humor ist immer Geschmackssache, das ist klar. Mit übertriebenen Fekalhumor konnte ich aber noch nie etwas anfangen. Bei dem Sketch kam ich zum Schluss, dass ich nicht drüber lachen kann, wenn ein Comedian die Hilflosigkeit einer Person parodiert - und der ganze Witz darauf beruht, dass man eine andere Person ins Lächerliche zieht - und NUR eine andere Person. Ich habe Micheal Mittermeiers "Achtung Baby!" live gesehen und mich fast bepisst vor lachen. Klar, ist dieser Mann auch net jedermanns Sache, aber bei ihm war "sich selbst als werdender Vater durch den Kakao ziehen" und "anderes durch den Kakao ziehen" ausgewogen. Er machte auch seine Frau als werdende Mutter nicht lächerlich, sondern betonte z.B. wie "sexy" er sie fand, egal, ob sie zugenommen hatte.

    Mario Barths Vorstellung basierte einzig und alleine darauf - anscheinend wie immer - andere lächerlich zu machen. Er simulierte einen Kotzreiz, als man ihm das Kind gab, weil Babys nun mal geknautscht aussehen ect. Einen Kotzreiz ... (wartete auf den Witz, der nie kam) :schiefguck: Nur er stand als Strahlemann da, der letzten Endes die Situation suverän meisterte. Er gab dem Kind dem Namen "Bärbel", was mir irgendwie von Werner Beinhart geklaut vorkam, genauso wie die "Handquetsch"-Situation, die in hunderten Filmen bereits zu Tode getreten wurde ... Humor oder Selbstdarstellung? Beides?

    Der Mann hat seinen Fankreis, das ist auch voll in Ordnung. Genauso wie ihn die Star Wars Filme haben, man kann aber für sich beschließen, das nicht gut zu finden. :rofl: Ich war aber tatsächlich zufriedener mit mir selbst, dass ich für mich begründen konnte, WARUM ich es nicht lustig fand, ohne festzustellen, dass es daran lag, dass ich selbst in der Situation gewesen war oder jetzt zu einer Feministin mutiere.

    Ich habe dann auch beschlossen, seine Videos und Shows denen zu überlassen, die es gut finden. Ich selbst musste sagen, dass diese "Kennste, kennste"-Nummer für mich iwann mal lustig gewesen ist, so vor 20 Jahren ... jetzt wirkt es auf mich wie eine Endlosschleife des immer gleichen Witzes.

    Ich muss sagen, ich identifiziere mich auch nicht über mein Geschlecht oder Hautfarbe mit Figuren. Es kommt ja vielmehr auf den Charakter an, mit dem ich mich identifiziere. :hmm: Also für mich.

    Vielleicht brauch' ich einfach nicht in jedem Film eine weisse (oder auch nur maennliche) Identifikationsfigur? Ich mag durchaus japanische Filme sehr gerne....

    Ich mag die chinesische Verfilmung von Mulan total gerne"Mulan - Legende einer Kriegerin". Finde ich vor allem besser, als die neue Realverfilmung von Disney. Man hat das Gefühl, man ist näher an der Geschichte dran. Ganz ohne Hollywood-Glitzer-Fantasy.

    Leider hat man mit solchen Aktionen die Büchse der Pandora geöffnet.

    Ich denke, genau das ist das Problem. Wenn etwas übertrieben wird, ist es selten gut oder besser als davor. Ich bin der Annahme, dass sich das erst einpendeln muss. Das ist jetzt etwas, wonach geschrien wird und irgendwann flaut das wieder ab und man wird eine Mitte finden. Man muss da bisschen abwarten. Vermutlich sind viele Filme-Serienmacher momentan auch echt verwirrt und vorsichtig. Machen zu viel, anstatt zu dosieren. Wie in der Literatur auch, gibt es die bekannten Hypes und darauf steigen erstmal viele auf, damit es sich "verkauft". Vorher waren es halt keine Ethnien oder sexuellen Orientierungen, aber man bedenke mal der Hype um Vampire. Sie waren überall. "Vampire Diaries" "Twilight" Comic, Mangas, Animes. Und jeder hat seine Interpretation vertreten. Glitzervampire, Internate mit Vampiren bla. Und das hat sich auch erstmal JAHRE gehalten - und alte Vampirfans haben sich über die hübschen Hugo-Boss Models aufgeregt. Dann jetzt immer noch Werwölfe/Vampire - überall die Alpha-Geschichten. Son Hype hält immer erstmal an, bis es abflaut und das nächste in den Fokus gerät.

    Wenn's passt, okay, aber mein Eindruck der forcierten Diversität in Film und TV wird dadurch nicht gemildert.

    Man muss auch nicht alles gut finden, wenn man merkt, dass da bisschen arg abgewichen wurde. Selbst bei HdR wurde jetzt nicht gesagt, dass die Argumente völlig daneben sind, nur, WIE sie rübergebracht werden. Ob sachlich oder vollkommen übertrieben macht den Unterschied. Ich versuche, da immer ojektiv zu sein. Und nicht nur eine Seite zu betrachten. Den Shirtstorm, den solche Serien ausgelöst haben, haben sie eben nicht verdient. Wenn ich mal Filme nehme wie "Kampf der Titanen", oder eine Serie wie "Spartacus" - in welchem Unsiversum waren Griechen und Italiener alle blond?

    Dieses Bild besteht seit Ewigkeiten und fußt, laut einigen Theorien, darauf, dass Römerinnen und Griechinnen sich das Haar von mitteleuropäischen Sklaven in ihr eigenes Haar eingearbeitet haben. Sie haben blonde Haarteile benutzt, um sich blond zu machen. Eigenhaar wurde mit Zitronenwasser und Sonne gebleicht ... ect. Und das hat sich eingebrannt. Trotzdem löst die Darstellung, dass die alle mitteleuropäisch und nicht südeuropäisch aussehen nie einen solchen Shitstorm aus.


    Bei "Bridgerton" habe ich - wie in einem Departtierclub - einfach die Gegenseite eingenommen. :rofl: Und wie man es in den Wald schreit, so schallt es raus ;)

    Das kann man aus Deinem ersten Post im Thread anders verstehen :) Mir ging's darum die Info in den Raum zu setzen, nicht darum ein Argument pro oder contra einer Serie zu machen die ich gar nicht kenne.

    Ja, mir ist bewusst, dass man das anders verstehen kann. Und ich stehe auch dazu, dass ich das für durchaus möglich halte. Ich hatte jetzt auch nur 10Minuten, um das irgendwie zu recherchieren, was Netflix sagt. Und es gibt bei vielen Theorien oder Vermutungen immer Historiker, die sagen, so war etwas, und andere, die sagen, dass das nicht so war. Ohne Zeitmaschinen können wir das wohl nicht alles immer beweisen. :pardon:



    Fakt ist aber, dass Bridgerton eine fiktive Serie ist, in der die Theorie, dass es mal eine etwas dunklere Dame auf dem Thron gab, aufgenommen wurde - und wie es wohl wäre, wenn bereits im 18. Jahrhundert die Rassenschranken gefallen wären. Es ist erfunden, fiktiv, eine "Was wäre wenn"-Geschichte. Und nicht wie GaladrielOfLorien80 behauptet, eine absichtlich anders dargestellte Serie bzw. exakt historische Wiedergebung, die böswillig optisch verändert wurde, weil sie nicht verklagt werden wollen. Die Serie ist extra so gemacht, dass sie quasi ein Paralleluniversum zeigt.


    Mir geht es hier und das nochmal deutlich, darum, dass man nicht alles verallgemeinern kann. Und Äußerungen wie: "Schwarze brauchen kein Talent" oder "Machen alle nur noch, um nicht verklagt zu werden" gehen nunmal gar nicht. Egal wie. No-Go! Pfui Bah ... Böses Faul!

    Generell faengt mein Problem da an wo man anfaengt, einen guten Plot/den besten Schauspieler fuer die Rolle/eine Idee der Originalgeschichte/... wegen anderen Erwaegungen zu opfern - also kuenstlerisch Abstriche am Werk macht (das hatte ich anderswo schon mal geschrieben) - in den Faellen merkt man das dann auch am Werk und nicht nur etwa an der Hautfarbe der Schauspieler.

    Ja, aber da ist ethnisch unabhängig, wie du schon sagst.

    Der Wanderer Du kannst dahingehend gern recherchieren, ich habe nur recherchiert, da in der Erklärung von Netflix genau das stand.

    Dass sie sich an den Gerüchten - und ich habe nicht behauptet, dass sie richtig schwarz gewesen ist, sondern, dass es Indizien dahingehend gibt, dass sie dunkler gewesen sein soll - orientiert haben. Und dass das durchaus möglich sein könnte. Vor allem, da es Gemälde gibt, wo die gute Dame dunkler aussieht. Sowie, dass es dazu Quellen gibt.

    Die Serienmacher haben das als Inspirationsquelle genutzt - für eine fiktive Serie:

    Quelle: https://www.filmstarts.de/nachrichten/18533935.html


    Thorsten Das gleiche, ich sage nicht, dass das so gewesen sein muss, nur, dass es dahingehend Gerüchte gibt, Indizien, Vermutungen, Theorien von einem Historiker, Nachweise von Quellen. Und DAS verwendet wurde. Und man die auch respektieren muss/sollte, wenn es so gewesen war. Dass es möglich ist, dass es auch mal SO jemanden gab, vor allem, wenn es Generationen zurückliegt. Dass man genauer recherchieren muss, und vermutlich dabei rauskommt, dass man sich die Wahrheit aussuchen kann.
    Dass es also historisch nicht an den Haaren herbeigezogen ist, dass es mal eine "schwarze Königin" gegeben hat, sondern, dass es historische Nachweise (Wie die Züge auf alten Gemälden)/Indizien dafür gibt.

    Ich hab mich gegen den Vorwurf gewehrt, dass diese Serie wegen "Wir brauchen Schwarze in der Serie" die Entscheidung getroffen hat, was nachweislich nicht so ist, sondern genutzt haben, was da ist.

    Und habe dann die Quellen zitiert, auf die sich Netflix in ihrer Entscheidung quasi stützt!

    Selbst wenn Sophie Charlotte weiß gewesen ist - die Gerüchte sind da. Viele historische Dinge fußen auf Überlieferungen. Man nehme mal die Gerüchte, dass Elisabeth I eigentlich keine Frau war, sondern ein femininer Mann, den man in Kleider gesteckt hat, weil die richtige Elisabeth I an einer Krankheit gestorben sein soll - und das ein Desaster gewesen wäre. Das Beispiel der Päpstin. Vieles lässt sich heute nicht mehr 100%ig nachvollziehen oder beweisen. Aber als Fantasyautoren nutzen wir solche Dinge, um unsere eigenen Geschichten zusammenzuspinnen. Darum ging es mir. Die Freiheit zu haben, in einer fiktiven Geschichte mit Wahrheit und Fiktion spielen zu können. Ich finde es falsch, alles, was jetzt "anders" ist, auf blackfacing zu schieben - oder gar sich darüber aufzuregen. Und das so massiv, dass es rassistisch wirkt.


    Edit: Daher brauche ich keinen 100%igen Beweis, ob sie nun weiß oder etwas dunkler war. Mir reicht es, dass Netflix bei seiner Entscheidung sagt, dass sie sich an dieser Geschichte orientiert haben und deshalb die Wahl getroffen haben, mal eine schwarze Königin einzubauen. Um diese Fantasy-Serie zu gestalten. Dass sie nicht gewollt historische Fakten verfälschen, sondern rein fiktiv mit etwas Inspiration aus der realen Welt gearbeitet haben. Das respektiere ich - und finde es gut, auch wenn die Serie allgemein nichts für mich ist. Aber nur, weil ich sage, dass sie mich jetzt nicht anspricht, ist sie per se nicht scheiße. Sie wird schon ihre Zielgruppe und Puplikum haben. :pardon:

    Selbst wenn vor 6 Generationen oder länger mal eine Mulattin unter ihren Vorfahren gewesen sein sollte, so wäre Charlotte mit größter Wahrscheinlichkeit weiß gewesen, da alle anderen Vorfahren von ihr weiß wären.

    Stimmt nicht. Das nennt sich Genetik - und entlädt sich manchmal sogar erst Generationen danach. Meine Cousins sind zum Beispiel recht hell, obwohl ihr Vater wirklich dunkel war. Eine Oma ausm Dorf einer Bekannten hat schwarze Enkel, während ihr Sohn komplett weiß aussieht (auch einen schwarzen Vater) ... Bei uns sind 90% blond, aber meine Tanten, mein Vater und ich haben schwarzes Haar (ich habe Naturlocken), schneeweiße Haut und dunkle Augen (Weil wir nach einer Genuntersuchung Griechen in der Erblinie haben) Es können 9 Generationen dazwischen liegen und plötzlich kommt ein dunkelhäutiges Kind zur Welt. Und meinen Cousins hast du bei der Geburt nicht mal angesehen, dass sie afroamerikanischer Abstammung sind. Wenn es bei Charlotte nicht extrem war, dann war sie einfach etwas dunkler. Ein Experte dafür ist aber Sensenbach Er darf mich als Biologe gern korrigieren :rofl:

    Du bist nur auf die Fake-Königin von Bridgerton hereingefallen, einer Serie in der rein gar nichts historisch korrekt ist.

    Kein Herzog hätte sich damals so ein schwarzes Kuckucksei ins Nest legen lassen....und bei Mulatten sieht man, dass der Vater nicht weiß war, das wussten die Menschen schon damals

    Ich kenne die Serie nicht einmal, das war Recherche. Und meine Quellen sind teils ÄLTER als diese Serie. Viel älter!!! Und nein, man hätte random nicht eine Frau verstoßen - und das weiß ich, da ich mich viel mit Mittelalter, Renaissance, Barock befasse. So einfach war das damals nicht, wenn an das Haus einer Frau zum Beispiel ein Vermögen und recht viel Land gebunden war, hätte kein Mann seine Frau verstoßen. Das sind diese Mainstream Annahmen, was das damalige Leben angeht, das aber nur halb wahr ist. Das ist viel komplexer. Und natürlich wäre sie auch mit leicht farbigen Teint verheiratet worden, da den Engländern die Verbindung nach "Deutschland" immer sehr wichtig war. Finanziell, militärisch ect. Zudem haben die Engländer auch nach Spanien geheiratet und Spanier sind jetzt auch nicht bekannt dafür, eine schneeweiße Haut zu haben ... Daher werden sie einen Teint jetzt nicht für allzu schlimm gehalten haben. Wurde halt weißer gemalt als sie war ... Aber das darf sich eine Autorin ruhig als Inspirationsquelle nehmen, was die Autorin der Serie/Buches auch gemacht hat. Nicht SIE hat die schwarze Königin erfunden, sondern sie hat sich an der Geschichte der Charlotte ORIENTIERT.


    Du hast hier selbst erschreckend bewiesen, wie solche Serien Geschichte so extrem verfälschen, dass die Zuschauer ernsthaft glauben, Königin Charlotte wäre schwarz gewesen.

    "Bridgerton" macht Menschen nicht gerade klüger, im Gegenteil, es jubelt ihnen erschreckend peinliches, total verfälschtes Geschichtswissen unter.

    Die Königin war weiß, das beweisen alle Gemälde dieser Zeit.

    Eine schwarze Königin hätte der Hof gar nicht akzeptiert, wäre sie schwarz gewesen, oder auch nur Mulattin(was sie aber nicht war) hätte man sie sofort nach Mecklenburg-Strehlitz zurückgeschickt.

    Charlotte von Mecklenburg (19. Mai 1744 – 17. November 1818) ..."Als Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz – einem kleinen Herzogtum innerhalb des Heiligen Römischen Reiches – stammte sie über sechs verschiedene Linien von Margarita de Castro, der Tochter von Alfons III. von Portugal und seiner Geliebten Mourana Gil, einer Afrikanerin maurischer Abstammung, ab.

    Es gab anscheinend auch das Gerücht, Königin Charlottes ungewöhnliche Hautfarbe beweise, daß sie nicht die legitime Tochter des Herzos von Mecklenburg-Strelitz sei, sondern ihre Mutter eine Affäre mit einem aus Äthiopien stammenden Sklaven gehabt haben soll. Charlotte sei demnach das Ergebnis dieser Affäre mit einem Mann, namens Abram Petrowitsch Gannibal...

    (quelle:https://erinlawless.wordpress.com/tag/queen-charlotte/)

    Inwieweit die Gerüchte nun stimmen, sei dahin gestellt, jedoch war Charlotte nachweislich maurischer Abstammung. Die Portraits von ihr wurden oft "übertüncht und somit versucht, ihre wahre Identität zu verheimlichen".


    <--- Recherchier etwas genauer. In ihrer Erblinie finden sich anscheinend Farbige.

    Inwieweit das nun durch eine Affäre oder durch die afrikanische Geliebte gegeben war, ist umstritten.

    Quelle: https://www.biologie-seite.de/…_von_Mecklenburg-Strelitz

    Man hat sie nur weiß gemalt, weil farbig ja nicht ging, wah ...

    Bei den Hobbits gab es auch welche mit dunkler Haut, das hat Tolkien geschrieben, aber bei den Zwergen und Elben waren alle weiß, und diesen Fakt haben die Produzenten der Serie nicht respektiert und heraus kommt ein Schundwerk, das genauso eine nicht ernst zu nehmende Lachnummer ist wie "Bridgerton"

    Es geht hier aber nicht um HdR, sondern um deine Verallgemeinerungen. Zudem ist Bridgerton fiktiv, also eher Fantasy. Da kann man machen, was man will, und wenn alles Marsmännchen wären. Zudem stützt sich die schwarze Königin auf realen Fakten!


    Königin Charlotte

    • Born 1744, Untere Schloss [Mirow, Germany]
    • Died 1818, Kew Palace

    (Quelle:https://www.rct.uk/collection/people/queen-charlotte-of-the-united-kingdom-1744-1818#/type/subject)


    Sie war die schon die 2. Königin Englands, mit auffallend dunklem Teint (als Mulattin, mit subsaharischen Aspekten beschrieben) und nachweislich afrikanisch maurischer Abstammung. Sie wurde damals als gesund bezeichnet, jedoch nicht dem vorherrschenden Schönheitsideal entsprechend empfunden.


    Es wurde sich an historischen Fakten/Vermutungen orientiert, auch wenn es nicht an die große Glocke gehängt wird, dass eine Königin Englands vielleicht farbig war!


    Also haben die keine schwarzen Schauspieler wahllos genommen, sondern historische Fakten etwas ausgeweitet, weil Fantasy!

    Ich mache sowas nicht gerne, aber ich werde das hier mal verwarnen.

    Aus dem Grund, liebe GaladrielOfLorien80, dass solche Äußerungen jetzt nicht mehr okay sind. (Und auf die Pns bekam ich keine Antwort)

    Es ist doch keine Kunst, und auch keine künstlerische Freiheit mehr, wenn Produzenten bei wirklich jedem Film und jeder Serie(selbst wenn es unpassend ist) schwarzen Schauspielern eine Rolle geben, nur aus Angst sonst wegen Rassismus verklagt zu werden.

    Bei HdR kann ich eine Debatte verstehen, dass man sich fragt, ob das sein musste, wenn es die Vorlage nicht hergibt. Allerdings spreche ich mich - so wie das Forum - klar von einer Verallgemeinerung dieses Themas ab. Asiaten, Schwarze, Hawaianer, Koreaner und und und haben das gleiche Recht in 0/8/15 Serien vorzukommen wie jeder Weiße. Man achtet heute darauf, dass es in Serien und Filmen etwas bunter zugeht, um gegen die Trennung vorzugehen, die damals geherrscht hat, wenn man an "Die Bill Cosby Show", "Alle unter einem Dach", "Der Prinz von Bel Air" - und im Gegenzug auf "Eine himmlische Familie", "Hör mal wer da hämmert" und Konsorten zurückblickt. Ich hab mich schon bei der gemischrassigen Liebesgeschichte zurückgehalten, weil meine Cousins einen schwarzen Vater, aber eine weiße Mutter haben. ABER ...

    Bei Castings brauchen schwarze Schauspieler nicht mal Talent zu zeigen, sie bekommen trotzdem Rollen, weil die Produzenten Angst haben, sonst wegen Rassismus verklagt zu werden.

    Das halte ich für eine wirklich böswillige Behauptung. Die Leute können sich die Schauspieler trotzdem noch aussuchen, die sie nehmen ... Und ich hab bisher wenige erlebt, die "schlecht" geschausspielert haben. Nicht mehr als bei anderen Ethnien. Diese Hetze endet hier!

    Bei uns wurde in einer regionalen Zeitung sogar Rowlings "Harry Potter" als rassistisch bezeichnet, und das nur, weil bei Harry Potter die Charaktere alle weiß sind.

    Es ist doch nicht rassistisch, wenn Autoren oder Produzenten sich die Freiheit nehmen, eben keine Schwarze in ihre Werke einzubauen.

    Sie ist eine Person des öffentlichen Lebens. Zeitungen suchen immer in der Dreckwäsche und wenn man dann noch Zeug tweetet, der sich so oder so interpretieren lässt, hat man eben mal schnell negative Schlagzeilen. Das ist normal.

    Und wenn du diese neue Galadriel(die abstoßend kriegerisch ist) gut findest, zeigt das doch vor allem, was für einen schlechten Frauengeschmack du hast

    Ich selbst sehe mich als starke Frau, hab als junge Frau Kampfsport gemacht, Fußball gespielt, mich mit meinen Cousins mit Schwertern geprügelt und hab schon einiges durchlebt. Muss meinem Mann gleich mal sagen, dass er einen ziemlich miesen Frauengeschmack hat ... Echt jetzt? Ich würde mal raten, vier Gänge zurückzuschalten, und erst zu überlegen, was man schreibt. Beleidigungen müssen echt nicht sein.

    Diese Serie ist widerlicher Trash und ich bin sicher, dass sie krachend scheitern wird, weil sie nicht genügend Quote machen wird, um weiter produziert werden zu können.

    Schon andere Amazon-Serien sind gescheitert, weil die Leute eben keinen Wokenessmüll sehen wollten.

    Ja und? Lass sie doch. Das ist Netflix schon passiert, Disney und vielen anderen. Dann ist das eben so. An die Armutsgrenze wird es die nicht bringen ...

    GaladrielOfLorien80 Ja, wie gesagt, du musst es nicht schauen. Mir gefallen immerhin bestimmte Umsetzungen auch nicht. Vermutlich macht es mir nichts aus, oder noch weniger aus, weil ich nicht in der Materie drin bin und naja ... aber eine Frage an dich GaladrielOfLorien80 Hast du dich jetzt hier angemeldet, weil du auch zu der Welt der Autoren oder Fantasy-Leser gehörst - oder nur, um den Frust an der Serie loszuwerden? :blush: Wenn der erste Punkt auf dich zutrifft, stell dich doch gerne, wie Sensenbach meinte, im Empfangssaal vor. Das gehört hier ein bisschen zum guten Ton :smoker: Sonst wirkt es etwas wie mit der Tür ins Haus gefallen.

    Ich hatte immer das Gefühl, ohne jetzt ein wahrer Tolkien Anhänger zu sein, dass sich die Geschichten stark an der Edda orientieren und überhaupt an der germanischen/ nordischen Mythologie. Hab mich damit niemals ausführlich befasst. Dann betrachte ich die Zeit, in der Tolkien gelebt und geschrieben hat. Er bewegte sich im europäischen Raum und da ist es irgendwie klar, welche Hautfarben dann die Protagonisten einer Geschichte hauptsächlich haben. Ich denke, würde Tolkien zu unserer Zeit leben, wo man nichts mehr von Rassentrennung hält und wo man auf Gleichberechtigung aus ist, hätte er die Welt vielleicht auch "bunter" gemacht. Wer weiß ... Und ich denke nicht, dass es in Tolkiens Sinne wäre, gerade als intelligenter Mann mit viel Phantasie, darauf zu bestehen, dass alle Darsteller weiß sind. Unsere Zeit ist anders. Die Produzenten versuchen, ein breiteres Publikum für solche Projekte zu erreichen und anzusprechen ... Darunter zählen auf dem internationalen Markt eben auch Menschen dunklerer Hautfarben ect. :pardon: Musst es ja nicht gucken, GaladrielOfLorien80 :pardon:

    So genauso funktioniert das bei mir.

    Nein, tut es nicht. Supernatural ist eine Serie. Serien arbeiten visuell, nicht durch eine Erzählung in Wort und Schrift. Du vergleichst wieder einmal Äpfel mit Birnen.
    Du solltest aufhören, irgendwelche Vergleiche zu deinem Geschriebenen zu suchen, sondern versuchen, zu schreiben. Vor allem nicht Personen wie Tolkien oder bekannte Serien und Werke.
    Dir wurde jetzt schon 100x gesagt, dass dir gewisse Skills fehlen. Das sagen wir dir seit Jahren. Vor allem auch, dass du mehr lesen solltest.

    Vor allem lernt man ab Staffel 1 erstmal Sam und Dean kennen, bevor man mit dem Plot niedergeprügelt wird. Durch ihre Äußerungen, ihr Leben, ihre Reaktionen. Und auch das funktioniert visuell etwas anders als in einem Text. Allein, weil Mimiken schneller getan, als beschrieben sind.


    Kirisha hat dir eine super Antwort auf deinen Text geschrieben, und du antwortest damit, dass sie es ja nur nicht versteht, weil sie den Prolog nicht gelesen hat. Logiklücken oder Verständnisprobleme IM Text haben nicht zwangsläufig mit einem anderen Textabschnitt zutun. Und haben sie auch in diesem Fall nicht. Ich hab den Text überflogen. Der Prolog hätte das auch nicht beantwortet. Du solltest erstmal verinnerlichen, WAS dir jemand antwortet, bevor DU antwortest.

    Alessandro riecht einen Geruch, die "seine Rasse" kennzeichnet, also Vampire.

    Wieso kann dieser Geruch, der seine gesamte Rasse klassifiziert, dann so eindeutig sein Vater sein? Da fehlt noch die Besonderheit, die den Vater auszeichnet, sonst kommt es mir hier unlogisch vor.

    <-- da hat sie dich auf einen Fehler hingewiesen, und du gehst NULL drauf ein.

    Eine schwarze Masse wäre für mich ein Gegenstand. Etwas, das man anfassen kann. Eine Person oder eine Mauer. Gemeint ist aber die Dunkelheit? Daher bin ich hier etwas verwirrt.

    (Rechtschreibung: ließ seine Augen nicht durch)

    Genauso wie der Hinweis hier. Das sind alles Sachen, auf die andere Autoren hier eingehen würden, wenn jemand so eine ausführliche Antwort bekommen würde. Du tust das nie. Du erklärst dann immer nur, warum das, was da steht, genau so sein soll, wie du es gemacht hast und schiebst lieber Posts hinterher, die dann erklären sollen, was dein Plan ist. An dem du auch nie was änderst. Das musst du auch nicht, aber dann frag nicht immer nach Hilfe, damit sich irgendwer erbarmt, deinen Text zu lesen. Ich hab manchmal das Gefühl, du versuchst es nur auf die "HELFT MIR!"- Schiene, damit irgendwer deinen Kram liest und dir antwortet. Und das dich die Meinung eigentlich keinen Meter interessiert, Hauptsache, es wurde Aufmerksamkeit generiert. Wir können dir einfach nicht mehr helfen. Alles, was die User hier reinschreiben, wurde dir über JAHRE hinweg schon mehrfach erzählt. Immer und immer wieder. In deinen Threads, im Chat ... selbst in anderen Foren erzählt man dir das Gleiche. Also, irgendwann muss doch mal irgendwas hängenbleiben an den Tipps und Anregungen, die dir gegeben wurden. Und es gibt hier unzählige User, die sich echt Mühe geben, dir irgendwas zu erklären oder zu helfen.
    Und dein letzter Post ist echt frech!

    Die Leute haben hier kein Verständnisproblem, sondern wollen dir beim Fokus und beim Aufbau helfen, von dem, WAS du erzählen willst.

    Das mag jetzt alles hart klingen, aber bevor hier noch mehr versuchen, dir irgendwas zu erklären, solltest du dich erstmal an deinen Text setzen, und die Tipps, die dir gegeben wurden, verinnerlichen und schauen, was dann dabei rauskommt.

    Charaktereliste und Steckis folgen

    Meph, das braucht ein Autor nicht zwangläufig. Zumindest nicht am Anfang. In manchen Büchern gibt es ein Glossar, aber das werden die meisten Autoren final am Ende erstellen. Wenn du gescheiht deine Geschichte von Anfang an erzählst ... also mit Vorwort oder Prolog, einem ersten Kapitel, einem Mittelteil und einem Ende ... lernt der Leser alles kennen. Und das macht auch viel der Spannung in einem Buch aus. Wenn ich ein Buch kaufe, will ich auch nicht erst die Charakterliste sehen. Das verwirrt dich nur wieder und raubt dir Zeit. Und die wenigstens werden das lesen. Erpar es dir und dem Rest. Mach ein Glossar, wenn du fertig bist.

    Der späte Nachmittag war hereingebrochen. Trevor und Edmund standen vor dem Gerüst und begutachteten ihre Arbeit. Edmund und Esther wirkten ausgeruhter, als noch die Tage zuvor. Nelli hatte jeden Morgen einen Tee für die Gruppe gekocht, der sie besser schlafen ließ. Trevor hatte allerdings auf den Tee verzichtet. Wer zwischen knapp hundert Männern unter Deck schlafen konnte, dem machte etwas Sonnenlicht auch nichts aus. Zudem wollte er nicht, dass irgendetwas seinen Geist beeinflusste. Nicht jetzt, wo er lernte, sich und seine Fähigkeiten zu beherrschen. Und sein seit einiger Zeit immer wiederkehrender Traum störte ihn nicht. Es war weder ein Albtraum noch etwas anderes. Er sah lediglich ein weißes Blatt Papier vor sich, das aus der Finsternis hervorstach. Jede Nacht aufs Neue tropfte schwarze Tinte auf dieses Blatt und floss zu einem aufrechtstehenden Bären, dessen Beine sich in Ketten befanden. Er wusste nichts damit anzufangen, aber vielleicht waren Träume auch nur das, was sie waren – Träume.

    Edmund nickte die Zeichnung ihres Gerüstes ab. Alles wirkte solide. Es sollte das Schiff tragen können. Trevor hoffte nun innerlich, dass das Schiff die Tortur mitmachen würde. Sie würden es mit dem Heck voran an auf das Gerüst ziehen. Der Bug war zu sehr beschädigt, um zwei dicke Taue daran zu befestigen.

    „Dann kann es wohl losgehen …“, erklang Nellis Stimme hinter den beiden.

    Trevor schluckte trocken. Ob er es schaffte, das Schiff überhaupt zu ziehen? Er konnte es nicht sagen. Das war mehr als ein paar Holzstämme umherzuziehen oder zu tragen. Allerdings war es sein Vorschlag gewesen, es so zu versuchen. Er selbst hatte sich diese Aufgabe aufgebürdet. Jetzt einen Rückzieher zu machen, kam daher nicht infrage.

    „Ist Esther so weit?“, wollte der Formwandler wissen und schaute sich nach der Magierin um, die das Schiff mit einem Schild schützen sollte. Gerade das beschädigte Bug wollten sie nicht ohne Schutz auf die Holzstämme ziehen.

    Die junge Frau hatte sich bereits neben dem Gerüst positioniert und schien darauf zu warten, dass es losging.

    Abschätzend schaute er sie an. Beide teilten einen Gesichtsausdruck, als gestanden sie sich ihre Bedenken gegenseitig ein. Trevor lächelte ihr schlussendlich zu, nickte und begab sich zu den Tauen. Wie schon zuvor, legte er sich diese über Kreuz über seinen blanken Oberkörper; seine Haut nur geschützt durch ein paar Stofffetzen.

    Nelli gesellte sich zu Esther. Vermutlich war sie ihre emotionale Stütze, während Edmund sich wortlos in etwas Entfernung vor Trevor positionierte. Der Händlersohn sollte dem Formwandler zurufen, wenn etwas schiefging oder es genug war, denn Trevor besaß am Hinterkopf keine Augen.

    Bevor Trevor begann zu ziehen, lockerte er durch Schütteln seine Oberarme. Vermutlich versuchte er nur, Zeit zu schinden. Sein Herz schlug ihm bis in den Hals. Wenn er versagte, mussten sie sich was anderes einfallen lassen – und das konnte wiederum Tage kosten.

    Ein paar Mal atmete er tief ein und aus.

    Dann mal los …

    Langsam lehnte er sich in die Taue und begann, zu ziehen. Wie sonst auch, versuchte er seine Gedanken auf seine Zeit als Pirat zu fokussieren. Dass er nun viele Anordnungen von Johnny besser verstand. Vor allem, warum Johnny gewisse Äußerungen und Befehle ihm gegenüber ausgesprochen hatte. Er kam zum Schluss, dass in all den Jahren, Johnny angefangen hatte, sich vor seinem eigenen Sohn zu fürchten. Trevor hatte seinen Kapitän stolz machen wollen, weswegen er sich mehr Mühe im Zweikampf gegeben hatte als die anderen. Der Formwandler hätte sich aber nie vorgestellt, dass ihm das eines Tages zum Nachteil gereicht hatte. Ja, er hatte irgendwann Johnny im Kampf geschlagen. Irgendwann konnte er ihm nichts mehr beibringen und alles weitere erlernte Trevor im Kampf. Vielleicht befürchtete Johnny auch, dass Trevor mit wachsenden Talenten irgendwann seinen Vater ablösen würde. Als Kapitän des Schiffes. Andererseits fragte sich Trevor, warum sein Vater ihn dann gerettet hatte. Warum hat er ihn nicht wie die anderen von der Marine gefangen nehmen lassen? Viele Dinge verwirrten Trevor, was wiederum seine Wut kanalisierte.

    Es tat sich noch nicht viel. Der Formwandler hatte alle mühe damit, auf dem Sand festen Stand zu finden, sodass er überhaupt vorankam.

    Gib dir etwas mehr Mühe!

    Trevor zog und zog, aber kam nicht voran. Er spürte, dass seine Muskeln brannten, dass er all seine Kraft in das Ziehen legte, aber es schien nicht zu reichen. Vielleicht war es für einen Formwandler schlichtweg zu viel … zu schwer …

    Ein Schrei entwich ihm, woraufhin er die Brauen in Edmunds Gesicht nach oben gehen sah. Vermutlich verstand der Händlersohn, dass es nicht funktionieren wollte.

    Esther stand vermutlich wartend neben dem Schiff. Bereit, ihren Schild aufzubauen, sobald es begann, sich zu bewegen. Nur leider tat es das nicht.

    „Du wirst versagen“, hörte Trevor seine innere Stimme zu ihm sagen. „Wie mit allem!“

    Die drei zählten auf ihn, und er würde sie enttäuschen. Wie er auf Dauer anscheinend jeden enttäuschte. Dennoch zog er weiter. Die kleine Gruppe hatte so viel für ihn getan, dass er nicht umgehend aufgeben wollte. Edmund hatte ihn aus der Kiste befreit. Esther sich um seine Wunden gekümmert und Oma viel ihrer eigenen Lebensenergie hergegeben, um ihn Vollidioten zu heilen. Er konnte jetzt nicht einfach schulterzuckend aufhören. Er biss die Zähne zusammen, raunte zunehmend lauter und zog …

    Plötzlich merkte er, wie er einen Schritt nach vorne schaffte. Einen Schritt, aber es war ein Anfang.

    Nach dem ersten folgte wie durch ein Wunder der zweite Schritt, aber Trevor verstand nicht umgehend, warum es plötzlich zu funktionieren schien. Dann schaute er in das Gesicht von Edmund und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Er dachte an die Gruppe. Daran, was sie für ihn bereits getan hatten, daran, was er nun für sie tun konnte. Dass er nicht seinetwegen nicht versagen wollte, sondern wegen ihnen.

    „Esther hat das Schild aufgebaut!“, schrie Nelli. „Zieh weiter, Junge!“

    Und das tat er. Er verlagerte seine Gefühle; rief sich Bilder ihrer Reise ins Gedächtnis. Davon, wie Edmund ihn hatte neu einkleiden lassen, wie Esther die Kiste von Trevor weggedrückt hatte … von dem Abend unter Deck, an dem sie alle mehr getrunken hatten, als gut für sie war. Von Edmunds und seinem Tavernenausflug, von dem Kuss mit Esther, Nellis stets aufmunternden Worten und ihrer teils verstörenden Wandlung in eine junge Frau … Ihr Lachen, ihre Streitigkeiten und Entschuldigungen … Es konnte nicht immer nur Wut sein, die Trevor beherrschte. Da waren auch andere Gefühle. Gefühle, die viel mehr Macht besaßen als blanker Hass.

    „Noch weiter!“, brüllte unterdessen Edmund.

    Ein plötzlicher Ruck signalisierte Trevor, dass er anscheinend das Schiff gerade auf die Rampe gezogen hatte. Jetzt galt alles oder nichts. Schritt für Schritt versenkte er seine Füße im Sand, versuchte, genug Halt für den nächsten zu finden. Aber auf der Rampe wurde das Ziehen nicht leichter. Ganz im Gegenteil. Er musste alle Kraft aufbringen, die er in sich finden konnte und dabei durfte er seine Konzentration nicht verlieren. Dabei merkte er, wie die Stofffetzen verrutschten. Die rauen Taue rissen an seiner Haut an Schulter und Oberkörper, aber eine Pause einlegen war nicht möglich.

    Der Sand rutschte unter seinen Füßen weg, woraufhin er einen Schritt zurückfiel. Wiederholt ließ er einen Schrei los. Das konnte nicht wahr sein …

    Doch plötzlich merkte er einen Widerstand an seinem Rücken. Kurz riskierte er einen Blick zurück, bei dem er bemerkte, dass Esther einen zweiten Schild aufgebaut hatte. Einen hinter seinem Rücken, der ihn davon abhielt, weiter zurückzufallen.

    „Bitte beeile dich!“, hörte er die Magierin rufen. „Beide Schilde kosten zu viel Energie!“

    Trevor schaute wieder voraus und hatte nicht vor, Esthers Hilfe allzu lange zu benötigen. Mit dem Schild im Rücken, fand Trevor schneller festen Stand und zog das Schiff immer weiter auf das Gerüst. Dabei schnaubte er sicherlich wie ein Bulle. Nicht viel anders kam er sich mit der Last im Rücken vor. Sicherlich ein amüsanter Anblick.

    Auf dem letzten Stück galt es, noch einmal die Zähne zusammenzubeißen und alles zu geben.

    Trevor konnte den Kraftakt nicht verbergen und stieß unkontrolliertes Brüllen aus. Es half ihm ebenfalls, über die Schmerzen auf seiner Haut hinwegzusehen, bei denen er das Gefühl hatte, seine Haut wurde ihm bei vollem Bewusstsein vom Körper gerissen.

    „Nicht mehr viel …“, wies ihn Edmund lautstark an. „Noch ein kleines Stück!“

    Endlich …

    Trevor schnaufte und tat drei Schritte, ehe Edmund rief, dass es genug sei.

    Das Schiff stand sicher auf dem Gerüst, und Trevor sackte auf seine Knie in den Sand. Augenblicklich streifte er sich die Taue vom Körper und senkte seinen Kopf. Er spürte, wie Blut an seinen Schultern und an seinem Bauch hinunterfloss, aber entgegen den vorherigen Schmerzen, handelte es sich bei seinen Verletzungen nur um Schürfwunden. Nichts, das nicht schnell verheilen würde.

    Trevor hörte Edmunds Schritte im Sand. „Ich hätte nicht gedacht, dass unser Gerüst hält“, meinte der Händlersohn

    Trevor lachte. „Wenn das deine einzigen Bedenken waren …“

    Der Formwandler öffnete seine Augen und starrte beharrlich vor sich in den Sand. Es kostete all seine Selbstbeherrschung, nicht vor Erleichterung einfach zu weinen. Die Erkenntnis, dass nicht nur Wut, sondern ebenso das Gefühl von Sorge, Freundschaft und Geborgenheit seine Kräfte auslösen konnten, übermannten ihn geradezu. Das hieß vor allem, dass er nicht das Monster sein musste, vor das ihn sein Vater gewarnt hatte. Seine Stärke konnte ebenso durch etwas Gutes hervorgerufen werden. Er konnte damit Gutes tun. Mehr, als sie zum Töten anderer einzusetzen. Das Schiff aus dem Wasser zu ziehen hatte mehr mit ihm gemacht, als ihm nur das Ausmaß der Fähigkeiten von Formwandlern zu offenbaren. Auch, wenn er sich geschwächt und ausgelaugt fühlte. Er fühlte sich gut. Hungrig, aber gut.

    „Nein, aber es wäre frustrierend gewesen, wenn nach der Schinderei das Gerüst samt Schiff einfach umgefallen wäre.“

    Trevor schloss noch einmal seine Augen und warf seine Stirn in Falten. Er konnte nicht verhindern, dass sich eine einzelne Träne löste, über seine Wange floss und sich schlussendlich mit dem Blut auf seinem Oberkörper vermischte.

    „Kein Grund zu heulen, du bekommst auch eine Extraportion Essen“, erwiderte Edmund und reichte ihm die Hand.

    Trevor ergriff sie und stand auf. „Ich heule nicht … Ich schwitze … durch meine Augen.“

    Edmund lachte. „Natürlich.“

    „Das hat doch wunderbar funktioniert“, hörte er Nelli sagen, deren Stimme sich näherte.

    Schnell wischte sich Trevor die Tränenspur von der Wange und nickte. Noch einmal atmete er tief durch und wandte sich den beiden Frauen zu.

    „Ohne Esthers Hilfe hätte ich das aber nicht geschafft“, gestand der Formwandler und grinste.

    Esther lächelte und wirkte etwas zurückhaltend. „Ich bin froh, dass es so gut … geklappt hat!“ Sie musterte ihn. „Geht es dir gut?“

    Trevor sah überrascht an sich hinunter. „Ja, alles in Ordnung. Taue sind nicht aus Seide … leider. Und dir?“

    Sie nickte. „Mir geht es gut!“

    Darum sollten wir uns kümmern“, wandte Nelli ein und zeigte auf die Schürfwunden, aber Trevor winkte ab.

    „Nein, das ist schon gut. Das heilt auch ohne Hilfe. Ich werde mich nur waschen gehen.“

    „Ich habe noch so viel Salbe übrig“, konterte Oma. „Die muss weg, bevor sie ranzig wird.“

    Trevor lächelte beschwichtigend und gab nach. Bevor er schlafen ging, war sicherlich Zeit, sich etwas Salbe aufzutragen, bevor er sich anhören musste, dass sich jede Art Wunde entzünden konnte.

    „Dann können wir anfangen, das Schiff richtig zu reparieren“, verkündete Edmund, und alle stimmten zu.

    „Wir sollten gleich nach dem Essen anfangen“, erwiderte Trevor, und sein Magen stimmte diesem Vorschlag lautstark zu. Anscheinend verbrauchten seine Fähigkeiten ähnlich der Magie Energie. Bei Trevor äußerte sich das durch einen gesteigerten Appetit und Schwindel, wenn er seinem Hunger nicht nachkam.


    Trevor lief zum Süßwasserteich, von wo aus sie ihr Trinkwasser bezogen und schüttete sich aus Eimern etwas Wasser über den Körper, sodass das Blut abgewaschen wurde. Sich noch mit Salzwasser quälen wollte er dann doch nicht. Danach lief er zurück und gesellte sich zu den anderen zum Essen. Dabei besprachen sie, welchen Teil des Schiffes sie sich zuerst widmen wollten. Alle waren für das Bug. Denn, wenn ihnen das Material ausging, waren ein paar Löcher oberhalb der Wasserkante egal, aber unten musste das Schiff dicht werden. Somit begannen sie, die alte Nussschale wieder instand zu setzen.

    Immer wieder kam Nelli auf ihre Kosten, wenn Edmund sich mit dem Hammer auf seine Finger haute. Trevor fand es erstaunlich, wie oft das einem einzelnen Menschen passieren konnte. Aber vermutlich konnten sie schon froh sein, dass er den Hammer richtig herum hielt. Trevor reichte Esther das Kalfaterwerkzeug. Damit sollte sie die Kauder- und Baumwollstreifen, die sie gefunden hatten, in die Ritze der Planken klopfen, nachdem Edmund sie angebracht hatte. Das alles war nicht einfach. Weder die eine noch die andere Arbeit. Allerdings zog es Trevor vor, sich alleine um das heiße Pech zu kümmern, das danach mit einem Dweiel – einer Art Stoffbommel an einem Stock – aufgetragen wurde, um alles abzudichten. Er wollte nicht riskieren, dass sich einer von ihnen verbrannte. Und bei den handwerklichen Künsten von Esther und Edmund, sah Trevor das leider kommen. Das sagte er ihnen aber nicht. Viel lieber lobte er sie für das, was sie schafften, und rügte sie nicht dafür, was sie nicht an einem Tag erlernten. Das hatte er an Bord eines Schiffes immerhin auch nicht. Die Arbeitseinteilung sorgte zudem dafür, dass sie schnell vorankamen, während Nelli sich um das Innere des Schiffes kümmerte. Die kleinen Zimmer unter Deck wurden von ihr akribisch gesäubert, alte Kissen und Decken gewaschen und nach kurzer Zeit erstrahlte die alte Nussschale geradezu in neuem Glanz.

    Trevor war nach dem Gespräch mit Esther ins Lager zurückgekehrt. Nelli wollte noch einmal zu einer Entschuldigung ansetzen, aber der Formwandler wiegelte dies gleich ab. Nelli traf immerhin wirklich keine Schuld. Er legte der Alten seine Hand auf die Schulter und lächelte sie an. „Vergiss es einfach. Das werde ich auch tun.“

    Nelli musterte ihn sichtlich besorgt, zuckte aber schließlich mit den Schultern. „Wenn du meinst, Bursche.“

    „Übrigens …“, kam von Edmund aus der anderen Richtung. „… dein Vater bleibt auf der Insel. An Bord dulde ich keine Geister!“

    Trevor begann zu lachen. Das war ihm auch am liebsten. Und er war froh, dass Edmund keine Fragen stellte. Der Händlersohn hatte bereits die Zeichnung für das Gerüst in der Hand, auf die Trevor einen Blick warf. Beide waren sich einig, dass es Zeit wurde, von der Insel zu verschwinden.

    Die paar Seile, die sie gefunden hatten, würden sie noch brauchen, deswegen warf er den Frauen einen Blick zu. „Wir brauchen lange Seile!“, meinte Trevor dann. „Am besten ist, wir nutzen, was der Dschungel hergibt! Ihr könnt Lianen sammeln und sie zu langen Seilen drehen. Damit ziehen Edmund und ich dann das Holz aus dem Dschungel!“

    „Das machen wir, Junge“, bestätigte Nelli.

    Esther nickte, und Trevor kam nicht umhin, ihre roten Wangen zu bemerken. Erstaunt zog er die Brauen hoch.

    „Vielleicht solltest du erstmal eine Weile aus der Sonne, bevor dein Gesicht verbrennt“, schlug er Esther vor.

    „Das kommt nicht von der Sonne …“, antwortete Nelli kichernd.

    „Mir geht es gut!“, erwiderte Esther und schaute die Alte von der Seite an.

    Trevor zuckte mit den Schultern. Vielleicht hatte sie nicht ausreichend getrunken oder Ähnliches.

    Räuspernd stand Edmund neben Trevor und erhob seinen Finger. „Sehe ich aus, als würde ich bei dieser Hitze Holz aus dem Dschungel ziehen?“

    Trevor rollte mit seinen Augen.

    „Du kannst auch gerne den Frauen bei der Seilherstellung helfen, wenn das dem edlen Herrn genehmer ist?!“, murrte Nelli.

    Esther sah Edmund derweil an. „Ihr wollt doch auch von der Insel runter. Also solltet Ihr vielleicht mitanpacken“, ergänzte sie.

    Trevor hob schlichtend seine Hände, bevor die Frauen Edmund noch als Galionsfigur ans Schiff binden würden. „So meinte ich das auch gar nicht. Die schweren Sachen übernehme ich! Allerdings kann Edmund bereits andere Bäume fällen, während ich die Gefällten zusammentrage, festbinde und dann hierherbringe.“

    „In welcher Welt ist Bäume zu fällen eine leichte Arbeit?“, wollte Edmund wissen.

    Aber auf diese Diskussion ließ sich Trevor nicht ein. Ein bisschen würde der Händlersohn schon schwitzen müssen. Und wenn Trevor die Gesichter der Damen betrachtete, würde er das spätestens, wenn er mit ihnen ging.

    Trevor legte sein Hemd ins Lager. Die Hitze würde sicherlich auch ihm zu schaffen machen, und das Hemd zerreißen wollte er auch nicht, wenn er die Stämme hinter sich herzog.

    Er schnappte sich die Axt, ein paar Stofffetzen und Edmund am Kragen dessen Hemdes und zog ihn kurzerhand hinter sich her.

    Nelli und Esther verschwanden derweil im Dschungel, um sich direkt an die Seile zu machen.

    „Was soll das?“, beschwerte sich Edmund und richtete seine Kleidung, nachdem Trevor ihn losgelassen hatte.

    „Ich wollte nur sichergehen, dass du nicht doch noch Seile flechten gehst!“

    „Ich werde keine Bäume fällen!“, wiederholte Edmund und ging Trevor nach.

    „Und wie du das wirst!“, widersprach der Formwandler ernst. Trevor wusste nicht für was, aber schaden konnte Edmund das Wissen darüber nicht. Wenn der Händlersohn mit der Arbeit nicht nachkam, konnte er ihm immer noch helfen.

    An einigen Bäumen zeigte Trevor Edmund, wie man Bäume fällte. Dass die Fallkerbe wichtig war, und er den Baum nicht komplett bis zur Kerbe durchhacken sollte. Die Bruchkante sollte stehenbleiben, damit der Baum nicht doch noch unkontrolliert umfiel. Trevor würde dann am Seil den Baum kontrolliert umziehen. So war auch sichergestellt, dass sich Edmund aus der Gefahrenzone begeben konnte.

    Edmund schien genervt und nicht wirklich zuzuhören.

    Trevor war klar, dass der Händlersohn solche Arbeiten nicht gewohnt war. Er bekam das Gefühl, es mit einem trotzigen Schiffsjungen zutun zu haben. Das half ihnen aber auf der Insel nicht weiter. Wenn Trevor all diese Arbeiten alleine erledigen musste, würde es noch länger dauern, von der Insel herunterzukommen. „Ich hoffe, du hast zugehört“, fuhr Trevor fort. „Wenn nicht, brauchst du dir vielleicht über harte Arbeit alsbald keine Sorgen mehr zu machen.“

    „Jaja“, erwiderte Edmund und winkte ab.

    Trevor reichte ihm die Axt und betrachtete die gefällten Bäume. Diese hatten sie bereits entastet, sodass der Formwandler sie direkt zum Lager bringen konnte. Nur … Konnte er diese Stämme wirklich einfach anheben, um sie am Strand zu stapeln?

    Trevor begab sich zum unteren Ende des Stammes und versuchte, ihn anzuheben. Wie ein Kind an einem zu schweren Stein hing er an dem Ende und schaffte es nicht. Immer wieder setzte er an, aber das Holz bewegte sich keinen fingerbreit.

    Urplötzlich hörte Trevor ein Lachen aus Edmunds Richtung, der den Anblick des Formwandlers anscheinend mehr als amüsant fand. „Schön, wenn es dich amüsiert …“, presste Trevor zwischen seinen Zähne empor, während er immer noch versuchte, den Stamm anzuheben.

    „Was genau versuchst du da?“, wollte Edmund wissen.

    „Ich versuche, den Baumstamm hochzuheben!“

    „Klappt wohl nicht ganz“, kam spöttisch zurück.

    „Das Gleiche könnte ich über deine Fällarbeiten sagen …“, antwortete Trevor.

    „Ich habe noch nicht mal angefangen …“

    Trevor stöhnte. Irgendwie hätte ihm das klar sein müssen. „Dann fang an!“, befahl er.

    „Ich nehme keine Befehle von einem Piraten entgegen!“ Edmund griff aber trotzdem nach der Axt.

    Trevor knirschte mit seinen Zähnen. „Hör auf, dich wie ein reiches Kind zu benehmen, das man zwingt, seine eigenen Räumlichkeiten zu säubern! Wir arbeiten hier alle zusammen am gleichen Ziel!“

    „Was ist dein Problem? Ich habe die blöde Axt doch genommen! Wag es nochmal mich als Kind zu bezeichnen, und du kannst deine blöden Bäume allein fällen!“

    „Ich. Habe. Kein. Problem!“, maulte Trevor, hob den Stamm an, allerdings so schwungvoll, dass er rotierend aus dem Dschungel katapultiert wurde. Sichtlich überrascht starrte der Formwandler dem Stück Holz nach, das im Sand zum Erliegen kam. „Geht doch!“, stieß Trevor danach erfreut aus und wandte sich Edmund zu. „Mach ruhig weiter!“

    Edmund sah Trevor blinzelnd an. „Womit?“

    „Mich wütend zu machen. So scheint es zu funktionieren.“

    „Funktioniert was?“

    „Die Stärke eines Formwandlers hervorzurufen. Oder was glaubst du, warum ich einen halben Baum anheben konnte? Das ist das, was mein Vater mir unbedingt ausrichten wollte … Dass ein Formwandler mehr kann, als andere Menschen nachzumachen …“

    „Aha. Dein Vater.“ Edmund verdrehte die Augen, hob die Axt an und wandte sich einem Baum zu. „Der Geist ...“, fuhr Edmund spöttisch fort und schlug mit der Axt zu. „Ihr seid doch alle nicht mehr zurechnungsfähig! Diese schräge Alte belügt dich mit irgendwelchem Klamauk, und du glaubst ihr den Schwachsinn auch noch!“ Die Axt verkeilte sich im Baum, und Edmund versuchte sie herauszuziehen, indem er seinen Fuß gegen den Stamm stemmte.

    Trevor stemmte unterdessen seine Arme in die Hüfte. „Sie hat nicht gelogen. Der Geist war Johnny, der sich als mein Vater herausgestellt hat. Er wusste Sachen, die ich keinem von euch erzählt habe. Wie den Vorfall von der Rosalie. Das war etwas zwischen ihm und mir. Oma mag viele Talente haben, aber das hätte sie nicht wissen können.“ Trevor lachte. „Und nach allem, was wir durchgestanden haben, zweifelst du an ein paar Geistern? Und das ich den Baum gerade zum Strand geworfen habe, erscheint mir auch ziemlich echt.“

    „Was weiß denn ich?! Nur, dass ich auf einer verfluchten Insel mit verfluchter Hitze und einer Hand voll Spinnern festsitze, die nicht mehr alle beisammen haben! Ihr seid alle komplett wahnsinnig! Ich kann wahrscheinlich froh sein, wenn ich das überlebe und nicht ende wie der Steuermann!“

    Edmund schien mit allem überfordert zu sein, aber anstatt innerlich das Verhalten zu entschuldigen, nutzte Trevor die gefallenen Anschuldigungen. Er ging zum nächsten Baum, umfasste das Gefühl, das die Worte ihn ihm auslösten und hob langsam den Baumstamm an. Und diesmal gelang es ihm auf Anhieb. Trevor platzierte ihn auf seiner Schulter, balancierte ihn aus und lief damit zum Rand des Dschungels. Hier ließ er ihn fallen und kehrte zu den anderen zurück. Mit jedem Mal, den er einen Baumstamm hochhob, wurden sie leichter. Er beachtete Edmund nicht. Sprach zu ihm kein Wort, damit er dieses Gefühl in sich nicht losließ.

    Er befürchtet, zu enden wie der Steuermann …

    Wir sind ein Haufen Spinner? Dann ist er unser König!

    Er durfte die Wut nicht verebben lassen. Deshalb musste er aufhören, sich durch Gedanken noch selbst zum Lachen zu bringen. Trevor schulterte den letzten Baumstamm, den Edmund gefällt und entastet hatte und ging zum Strand.


    „Hier sind die …“, hörte er plötzlich eine Stimme neben sich und wandte sich dieser überrascht zu. Ein spitzer Schrei folgte und er sah, wie sich Esther unter dem Stamm durchduckte.

    Trevor ließ sofort das Holz über seinen Rücken auf den Boden fallen, wo es hinter ihm im Sand landete. Direkt vor den anderen Holzstämmen, die er bereits hier platziert hatte. „Entschuldige, ich habe dich nicht gesehen. Alles in Ordnung?“

    „Ja … alles in Ordnung, denke ich …“, antwortete sie mit zittriger Stimme und streifte sich eine Haarsträhne zurück. „Hier sind die Seile.“

    „Danke …“ Trevor musterte sie. „Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich musste mich nur konzentrieren und hatte anscheinend alles andere ausgeblendet.“ Er begann umgehend, die Baumstämme zusammenzubinden, sodass sie ein großes Paket ergaben.

    „Es ist ja nichts passiert“, erwiderte sie und musterte die Baumstämme. „War das nicht anstrengend? Die Stämme müssten doch schwer sein?“

    Trevor nickte. „Sind sie auch. Zumindest, wenn ich nicht … konzentriert genug bin. Aber Formwandler können anscheinend mehr, als die Form anderer Menschen anzunehmen. Das ist das, was mein Vater mir eigentlich in unserer Situation sagen wollte.“ Und wiederholte somit, was er bereits Edmund gesagt hatte.

    Esther sah Trevor an. „Scheinen nützliche Fähigkeiten zu sein.“

    „So nützlich wie sie sein können, wenn man nicht als richtiger Formwandler erzogen wurde, weil der eigene Vater einem nicht vertraute. Aber ja, etwas mehr Muskelkraft schadet uns wohl nicht.“ Er legte sich die Seile zurecht, die er nutzen wollte, um die Stämme zu ziehen. Sie sollten in etwas Entfernung seine Brust überkreuzen. Ähnlich wie bei einem Kaltblut, das eigentlich für solche Arbeiten genutzt wurde. Aber Trevor ging nicht davon aus, irgendwo auf der Insel ein Lastentier zu finden.

    Die junge Magierin dachte anscheinend nach. „Das tut mir leid mit deinem Vater.“ Sie zögerte etwas, bevor sie weitersprach. „Falls du Hilfe brauchst oder mit jemanden reden willst … Ich höre dir zu.“

    Auf ihrem Gesicht zeichnete sich ein zaghaftes Lächeln ab, das bei Trevor Stirnrunzeln verursachte.

    Sie muss verschwinden! Sie ist viel zu nett! So kann ich meine Fähigkeiten vergessen! Vor allem, wenn sie mich anlächelt wie einen verletzten Hundewelpen.

    Das Gefühl, das er vorher umklammert hatte, war gänzlich verschwunden und während er Esther ansah, konnte er es auch nicht in sich finden.

    Im gleichen Moment kam Edmund mit geschulterter Axt aus dem Wald. „Ich glaube, ihr beiden solltet endlich mal zur Sache kommen, das kann man sich ja nicht anschauen …“, sprach der Händlersohn im Vorbeigehen.

    „Bitte was?“, entglitt es Trevor, der dabei war, sich die Seile umzulegen und die Stofffetzen zwischen seiner Haut und den Seilen zu platzieren. Hatte er was nicht mitbekommen?

    „Was meint er?“, murmelte Esther neben Trevor ebenso unwissend.

    „Sowas staut sich an. Ist sicher nicht gesund. Kein Wunder neigst du zur Gewalttätigkeit.“

    Trevor fiel metaphorisch das Kinn in den Sand. Er starrte Edmund an, der sich anscheinend auf den Rückweg begab.

    Unterdessen spannte Trevor die Seile. „Ich staue dir gleich was …“, antwortete er und sah abwechselnd von Esther zu Edmund.

    Die Gräfin schien nicht wirklich zu verstehen, was der Händlersohn da von sich gab. Also, entweder wollte sie es nicht verstehen oder tat es nicht.

    „Was? Hat die Gräfin dir eine Abfuhr gegeben?“ Edmund klopfte Trevor grinsend auf die Schulter. „Armer kleiner Pirat. Das wird schon noch.“

    Trevor schnappte nach Edmund, aber dieser sprang lachend zur Seite und bedachte den Formwandler mit einem mitleidigem Blick. Trevor begann, sich in Bewegung zu setzen, vor allem, weil er Edmund an den Kragen wollte. „Dir ist klar, dass du die Gräfin beleidigst und nicht mich …“

    „Ich beleidige niemanden. Ich gebe nur den Ratschlag. Wo bietet sich das besser an, als auf einer einsamen Insel.“

    „Ich kann dir versichern, dass es da nichts gibt, das einen Ratschlag bedarf! Vor allem nicht von dir“, äußerte Trevor und zog die Stämme hinter sich her.

    Edmund grinste weiter. „Ja, offenbar. So viele Ratschläge kann man dir gar nicht geben, wie du sie bräuchtest.“

    „So viele gleich … Da bin ich wahnsinnig gespannt …“, nuschelte Trevor hörbar sarkastisch. Spürbar lastete das Gewicht auf seiner Brust, aber er ignorierte es gekonnt.

    „Wo soll ich anfangen?“

    „Wie wäre es mit dem gravierendsten Punkt?“, schlug Trevor schwer atmend vor, während sich alle seine Muskeln anspannten.

    „Der gravierendste Punkt? Bitte! Es wäre sicherlich hilfreich, keine Baumstämme durch die Gegend zu tragen als wären es Zahnstocher! Das ist nicht normal! Oder Leute zu morden wie ein völlig Gestörter! Da will ich gar nicht wissen, was du mit dem jemanden machst, mit dem du vögelst!“

    „Derjenigen!“, blökte Trevor. „Wenn überhaupt wäre es eine Frau!“

    „Von mir aus! Aber oh Wunder, auch Frauen finden es nicht gerade erheiternd, wenn vor ihren Augen ein Schädel zu Mus geschlagen oder aufgespießt wird! Du bist völlig übergeschnappt!“

    Trevor schwieg erstmal. Dem Punkt konnte er wohl kaum widersprechen. Allerdings waren Frauen bei solchen Dingen auch seltener dabei. Zumindest sollten sie das nicht sein. Dass es in ihrer Situation anders gekommen war, dafür konnte Trevor nichts. Zum Thema Beischlaf war das auch unerheblich. Nelli war Trevor ein paar Tage zu alt und mehr eine Großmutter. Und Esther? Allein daran einen Gedanken zu verschwenden, wäre völlig unnütz gewesen. Trevor musste zugeben, dass bei Esthers Anblick sicherlich einige Männer mit dem Gedanken des Umwerbens spielten, aber … Für Trevor war das Aussehen einer Frau zwar nicht unwichtig, was Esther aber vielmehr von vielen anderen unterschied, war ihr guter Charakter. Hilfsbereit, besorgt. Das hatte Trevor bisher selten am eigenen Leib erfahren. Das änderte aber nichts daran, dass die Gräfin für Männer wie ihn unerreichbar war. In seinem Fall konnte er höchstens eine Obdachlose beeindrucken. Und die waren nicht dafür bekannt, sonderlich ansehnlich noch höflich zu sein.

    Konzentration!

    Er konnte den Lagerplatz bereits sehen. Er musste nur noch ein Stück durchhalten. Hinzu kam, dass er den Schwindel unterdrücken musste, der sich allmählich in sein Bewusstsein kämpfte. Schwere Lasten zu tragen war alles andere als leicht auf Dauer. „Noch mehr so weise Ratschläge?“, presste er hervor und zog weiter.

    „Eigentlich schon. Aber ich habe auch keine Lust mehr weiterhin Atem an jemanden zu verschwenden, der es sowieso nicht wert ist. Ein dreckiger Pirat, der einem in den Rücken fällt! Ich hätte dich damals in dem Käfig lassen sollen. Im Nachhinein war der Käfig sogar gut, um alle um dich herum vor dir zu schützen ... Du beschützt niemanden vor Gefahren, du bist die Gefahr!“

    Trevor blieb stehen und hob die rechte Augenbraue. „Echt jetzt?“, fragte er und atmete ein paarmal tief durch. Wenn er sich genauer umsah, reichten die paar Meter zum Schiff und Lager aus. Er befreite sich von den Seilen und fuhr sich über sein Gesicht. Seine Sicht war bereits verschwommen und er brauchte eindeutig eine Pause. Die acht Holzstämme, die er zum Schiff gebracht hatte, waren fürs Erste genug. Später ging es sicherlich wieder. „Du hättest vielleicht beim Thema Frauen bleiben sollen“, sprach Trevor weiter, als ihm mehr Atem zu Verfügung stand.

    Edmund seufzte. „Heißt das, ich darf aufhören, dich wütend zu machen? Ich habe nämlich keine Lust mehr.“

    Trevor nickte. „Ich habe auch keine Lust mehr, wütend zu sein. Ich muss mir dazu etwas anderes einfallen lassen.“

    „Super. Ich weiß nicht mehr, was ich mir noch aus den Fingern saugen soll.“

    Esther kam ihnen nach und schaute beide fragend an. „Was genau war das?“

    Die Männer sahen sich an, dann schauten sie zu Esther. „Was genau meinst du?“, fragten sie synchron.

    „Diese Beschimpfungen und diese Aussprache! Musste das sein?“ Sie klang nicht wirklich wütend, wenn das Trevor beurteilen musste. Mehr verwirrt. Vielleicht doch eher beides?

    „Trevor kann nur, wenn er wütend ist“, erklärte Edmund trocken und zuckte mit seinen Schultern.

    Trevor plusterte seine Wangen auf und wurde wahrscheinlich rot im Gesicht. „Musst du das so formulieren?“, beschwerte er sich. „Wenn, dann erkläre es richtig …“ Der Formwandler wandte sich Esther zu. „I… Ich kann diese Kräfte bisher nur … hervorrufen, wenn ich wütend bin.“

    „Stimmt, das andere kann ich nicht beurteilen“, mischte sich Edmund grinsend ein.

    Trevor seufzte. „Ich musste mich wieder konzentrieren, nachdem du die Seile gebracht hattest. Deswegen half mir Edmund dabei.“

    Bei Esther war trotz der Erklärung noch ihre Zornesfalte zu sehen. Aber sie atmete einmal tief durch und nickte verstehend.

    Die drei liefen zum Lager, wo Nelli Wasser und etwas Obst bereitgestellt hatte. Als sie Trevor sah, nickte sie anerkennend und schlug ihm auf die Schulter. „Gut gemacht, Junge. Ihr alle habt das gut gemacht!“

    Trevor nahm das lächelnd hin und trank etwas Wasser aus einer Holzschale.

    Es würde noch ein paar Tage dauern, bis sie genug Holz für das Gerüst zusammen hatten, aber alle schienen optimistisch, es zu schaffen.

    Trevor betrat den Dschungel. Er hatte gar keine Ahnung, wohin er laufen sollte oder wollte. Das Einzige, was er wusste, war, dass er irgendwo Ruhe finden wollte. Ein Sturm tobte in seinem Kopf, den er so noch nie zuvor verspürt hatte. Nicht nur, dass sein Kapitän, nein Vater, ihn jahrelang belogen hatte … Johnny hatte ihn gehalten wie ein wildes Tier, das er nur von der Leine gelassen hatte, wenn es anscheinend zu seinem Vorteil gewesen war. Nun dachte der tote Seebär, dass Trevor ohne ihn anscheinend vollkommen außer Kontrolle geraten würde. Mürbe lehnte er sich an einen Baum und rutschte auf den Boden. Seine offenen Handflächen ruhten auf seinen angewinkelten Knien, und er betrachtete sie ausgiebig. Ja, es klebte Blut an diesen Händen, aber er hatte nie grundlos getötet. Die oftmals übertriebene Art diente nur dazu, ihm andere Schläger, Mörder oder Piraten vom Hals zu halten, aber er hatte sich nie zu ihnen gezählt. Hätte so jemand eine junge Frau vor einer Entführung bewahrt? Vermutlich nicht. Trevor schloss seine Augen und hob seinen Kopf Richtung Baumkronen. Vielleicht war er etwas zwischen ihnen, denn als Held würde er sich auch nicht bezeichnen. Etliche Kämpfe passierten sein inneres Auge, und unfreiwillig warf er seine Stirn in Falten. Eines musste er zugeben: Es lag ihm tatsächlich im Blut!
    Aber musste das etwas Schlechtes sein? Sein Vater hatte sich gegen das Leben eines Formwandlers entschieden. Trevor kannte das Leben von ihnen nicht und er hatte auch nicht vor, ein Leben wie sie zu führen. Aber vielleicht konnte er den Teil akzeptieren, der seinen neuen Freunden und ihm weiterhelfen würde. Er war nun mal der Einzige unter ihnen, der Kampferfahrung vorweisen konnte. Dafür konnte er nicht zaubern oder Tränke brauen.
    Plötzlich spürte Trevor einen Wassertropfen in seinem Gesicht und er öffnete daraufhin seine Augen wieder. Dunkle Wolken waren aufgezogen und Donnergrollen war zu vernehmen.
    Hoffentlich ziehen sich die anderen ins Schiff zurück!
    Kaum waren die ersten Tropfen gefallen, schienen die Wolken aufzureißen und ein starker Regen setzte ein. Der ganze Dschungel trommelte, und Trevor blieb sitzen. Wasser lief ihm am Gesicht hinunter, das er nur gelegentlich mit seiner Hand von seinem Kinn wischte.
    „… und du hast das Gefühl, die Magierin fühlt sich allein mit dir wohl?“, hallte es in Trevors Kopf wider. „Wenn das in ihren Kreisen herauskommen würde, würde diese junge Frau vollständig ihr Ansehen verlieren.“ Das waren Sätze, gegen die sich Trevor nicht wehren konnte. Taten, für die es keine wirkliche Entschuldigung gab. Er konnte solch einen Vorfall nur für sich behalten und hoffen, dass es andere ebenso taten. Er war nicht hochgeboren, aber das hatte er sich nicht ausgesucht. Niemand konnte sich aussuchen, als was oder wer er zur Welt kam. Dennoch bestimmte die Welt den Platz eines jeden. Jemand wie er wurde nicht plötzlich geachtet. Das Einzige, was ihm übrigblieb, war, dass er gefürchtet wurde. So war es zumindest in seiner bisherigen Welt gewesen. Piraten brauchten nicht nur ein loyales Gefolge, sie brauchten auch einen Ruf, der ihre Schiffe beschützte. Trevor war sich im Klaren darüber, dass er nie wieder ein Pirat sein wollte. Dennoch galt für ihn wahrscheinlich das gleiche. Wenn er die kleine Gruppe beschützen wollte, dann ging das nicht mit Geld oder einem Gefolge. Es ging nur darüber, wer er war und was er konnte. Er musste damit ins Reine kommen. Er musste sich entscheiden! Trevor hatte immer versucht, der gute Kerl zu sein. So zu sein, wie seine Mutter ihn haben wollte. Danach hatte er versucht, so zu sein, wie Johnny ihn haben wollte. Vielleicht musste damit Schluss sein. Es war an der Zeit, herauszufinden, wie er sein wollte. Edmund, Nelli und Esther waren immerhin bisher nicht schreiend vor ihm weggelaufen. Und Esther hatte ihm den Dolch zurückgegeben. Würde sie in seiner Nähe Todesängste ausstehen, hätte sie ihm wohl kaum eine Waffe in die Hand gedrückt. Jetzt war ihm offenbart worden, dass er noch viel mehr konnte, als geschickt eine Waffe zu schwingen. Über das Ausmaß seiner Fähigkeiten war er sich nicht bewusst, aber er würde es auch nicht herausfinden, wenn er hier sitzenblieb.
    Trevor rappelte sich auf und schaute sich durchnässt um. Der Baum, an dem er gelehnt hatte, war vom Stamm her gerade so breit, dass er als einer der Pfosten für das Gerüst herhalten konnte. Davon brauchten sie ein paar. Gut war, dass ihm keiner zusah. Zur Sicherheit schaute er sich aber noch einmal um. Danach stemmte er sich gegen den Baum und begann, zu drücken. Mit aller Kraft versuchte er, den Baum umzuwerfen, aber es geschah … nichts. Durch den Regen wurde die Rinde rutschig, was es nicht einfacherer machte.
    Von wegen stärker ….
    Trevor konnte von dieser Stärke nichts spüren. Er hing wie jeder andere Sterbliche an dem Baum. Aus der Ferne würde es jeder wahrscheinlich für eine innige Umarmung halten.


    Drei Stunden später … hing Trevor immer noch am gleichen Baum. Mittlerweile war es dunkel geworden. Er sah kaum die eigene Hand vor Augen. Schwer atmend hing er mit der Schulter am Stamm und das Mistding hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Sein Haarband hatte er irgendwo verloren, sodass ihm sein langes, dunkles Haar am Rücken und im Gesicht klebte. Zumindest hatte es aufgehört zu regnen, und es war schwül geworden. Trevor konnte nicht mehr unterscheiden, ob er geschwitzt oder nassgeregnet war. Vermutlich war es eine Mischung aus beidem.
    „So funktioniert das nicht!“, sprach er zu sich selbst und richtete sich auf. „Ich weiß ja nicht, was du für eine Stärke gemeint hast, aber allem Anschein nach besitze ich sie nicht!“
    Anstatt auf Trevor herumzuhacken, hätte Johnny ihm lieber genau beschreiben sollen, wie er sie nutzen konnte. Geister … Der Formwandler war also genauso hilfreich wie vorher. Sie würden mühselig jeden einzelnen Baum fällen und an den Strand transportieren müssen. Trevor war sich bewusst, dass das Tage, wenn nicht Wochen, dauern konnte. Wütend schlug er deswegen gegen den Baum, woraufhin ein Stück Rinde abplatzte. Überrascht zog Trevor die Brauen hoch und kniff die Augen zusammen. Im wenigen Licht des Mondes, der durch das Blätterdach schien, erkannte er seine die kahle Stelle des Baumes und die Delle, die er ins Holz gehauen hatte. „Wut …“, erinnerte er sich. Johnny sagte, dass Wut sein Antrieb war. Aber wie sollte er diese kontrollieren? Wütend zu sein war wie Lachen. Das geschah einfach.
    Werd wütend, Trevor …
    Während er versuchte, sich einen Weg auszudenken, wütend zu werden, sammelte er lange Lianen, die er zu einem dicken Tau verband. Wütend zu werden, konnte nicht so schwer sein. Oder? Er rief sich alle Beschimpfungen sind Gedächtnis, die man ihm jemals gegen den Kopf geworfen hatte, band das eine Ende des Taus währenddessen um sich und ging zum Baum zurück. Das andere Ende band er um den schmalen Baum. Und das so weit oben, dass er davon ausging, den Baum umziehen zu können. Als alles fertig war, startete er einen neuen Versuch. Trevor zog und zog. Dabei dachte er daran, wie Johnny ihn als außer Kontrolle geratenes Etwas beschrieben hatte. Dass er ein Nichts war. Und was soll man sagen? Es half! Er merkte, wie der Baum ein bisschen nachgab und sich in seine Richtung neigte. Aber bevor Trevor einen Erfolg verbuchen konnte, riss das Seil.
    „So eine verfickte Scheiße!“, brüllte er. „Wie soll Mann hier Bäume fällen?“
    „Mit einer Axt?“, hakte seine innere Stimme trocken nach. Natürlich, aber die lag im Lager. Aber Trevor musste zugeben, dass die Lösung vielleicht nicht war, einen Baum umzuziehen, sondern sie erstmal herkömmlich zu fällen. Er konnte danach aber versuchen, mehr als einen gleichzeitig aus dem Dschungel zu ziehen. Edmund konnte sie immerhin auch entasten, während Trevor welche zum Strand brachte. Diese Erkenntnis war schlau, aber trotzdem nervte Trevor der Baum. Der würde bei Tageslicht als erstes fallen, so viel stand fest.
    Apropos Tageslicht … Kaum hatte sich Trevor damit abgefunden, dass er Bäume fällen musste wie ein Normalsterblicher, bemerkte er den rosafarbenen Himmel. Doch bevor er zurückging, wollte er zunächst den Schweiß loswerden. Also lief er erstmal zum Strand, von wo aus er das Schiff sehen konnte. Dort angekommen, streifte er sich das Hemd vom Körper, das an ihm hing wie eine zweite Haut. Danach waren seine Stiefel dran, die er im Sand liegen ließ. Das Hemd tauchte er kurzerhand unter Wasser, rang es aus und warf es dann zu den Stiefeln. Die Hose war auch schmutzig, aber nach all den Vorwürfen seines Vaters, wollte er vermeiden, nackt gesehen zu werden. Ihm persönlich war das ja egal, aber wenn die Obrigkeiten schon bei einem Kuss einer anderen Person den Rang und Namen absprachen … Was geschah dann, wenn Trevor nackt herumlief?
    Sie können sich umdrehen, scheiß drauf!
    Trevor knurrte. Es waren Damen anwesend. Da war es wohl falsch, sich wie die Axt im Wald zu benehmen. Nörgelnd lief er ins Wasser und das samt Hose. Im hüfthohen Wasser versuchte er, etwas die Moosflecken abzureiben, was aber nicht einfach war. Deshalb schaute er sich um, zog die Hose zumindest unter Wasser aus und rieb den Stoff vehement gegeneinander. Das tat er so lange, bis die Flecken auf dem dunklen Stoff verblassten.
    Geht doch …
    Zufrieden mit seiner Arbeit knäulte er die Hose zusammen und warf sie an den Strand. Er warf sie … AN DEN STRAND! Das klatschende Geräusch seiner Hand gegen die Stirn vertrieb die Möwen in der Nähe.
    „Ich bin das nicht gewohnt!“, rechtfertigte er sich vor sich selbst. Was sollte man tun? Aus einem Gossenkind machte niemand binnen weniger Tage einen Gentleman. Aber noch war niemand wach, wie es schien. Deshalb wusch sich Trevor zunächst und hoffte das Beste.

    Zwei Tage waren vergangen, seit Nelli Trevor geheilt hatte. Die alte Dame erholte sich rasch, aber der Formwandler kam nicht umhin, sich mehrfach zu bedanken und sie zu bitten, das nicht mehr zu tun. Nelli quittierte allerdings jeglichen Einwand mit einem zaghaften Lächeln.
    „Du hast dein Leben noch vor dir“, hatte sie gesagt. „Pass aber etwas besser darauf auf!“
    Trevor konnte nur nicken. Dann war diese Zusage zumindest nicht gänzlich gelogen. Wenn er in die Runde sah, würde ihm nichts anderes übrigbleiben, als sich immer wieder ins Kreuzfeuer zu werfen. Jeder besaß seine Talente, und seines war eben …
    Er atmete durch und starrte auf die Zeichnung, die Edmund und er angefertigt hatten. Zu ihrem Glück war noch etwas Tinte in einem Tintenfass an Bord der Nussschale verblieben, sodass sie das Notwendigste hatten aufschreiben können, was ihre Konstruktion anging. Das Schiff musste auf ein Gestell, damit sie auch den Rumpf reparieren konnten. Dazu benötigten sie eine Menge Holz. Holz, das es zu schlagen galt.
    Trevor fuhr sich über die Stirn. Das würde etwas dauern und es war bereits Nachmittag. Die Hitze trieb allen den Schweiß auf die Stirn, weshalb sie einfacheren Arbeiten nachgingen.
    Er setzte sich neben Nelli und schärfte zunächst die Axt, die er zum Schlagen der Bäume benötigte. Er beträufelte den gefundenen Schleifstein mit etwas Wasser und begann, die Schneide der Axt darüber zu reiben.
    „Ich glaube, ich bin fit genug, mit dem Nähen der Segel anzufangen“, erklärte Nelli.
    Trevor schmunzelte. „Du kannst dir Zeit lassen“, erwiderte er. „Zuerst brauchen wir mal einen Mast!“
    Die Alte gluckste. „Was erledigt ist, ist erledigt.“
    Aus der Ferne sah man erneut Esther an ihren Schilden üben, während Edmund am Fischen Gefallen gefunden zu haben schien. Und er wurde immer besser. Dafür hatte Trevor ihm das Messer zum Ausnehmen ebenfalls geschliffen und so vom Rost befreit.
    „Erinnerst du dich noch an unsere Unterhaltung?“, wollte Nelli plötzlich wissen. „Über die mit den Geistern?“
    Trevor stoppte und sah Nelli an. „Aye …“, antwortete er zögerlich.
    Sie richtete sich etwas auf, trank etwas und sah ihn dann eindringlich an. „Ich war da nicht ganz ehrlich zu dir, Junge. Dich verfolgt ein Geist. Naja, vielmehr will er Klarheit schaffen“, fuhr sie fort.
    Trevor schluckte trocken. Es gab nicht viele, die ihn vermutlich verfolgen würden. Eigentlich fiel ihm nur einer ein. „Ist es Johnny?“
    Nelli war es nun, die nickte.
    „Und was will er?“
    „Zu Lebzeiten hat er verpasst, dir einiges zu sagen. Er würde das gerne nachholen wollen.“
    Trevor runzelte die Stirn. Was sollte das sein? Eine Entschuldigung, dass sie ihn einfach über Bord geworfen hatten? Sollte er sich für seine Rettung vielleicht bedanken? Was wollten Tote von einem? Nicht, dass Trevor sich nicht gerne von ihm verabschiedet hätte, aber …
    „Ich könnte ihn mit dir sprechen lassen, wenn du das möchtest.“
    „Nicht, wenn es dich schwächt. Du hast genug für mich getan“, erwiderte Trevor bestimmt. „Ich wüsste nicht, was so wichtig sein sollte, dass ich es jetzt erfahren muss.“
    „Da gibt es anscheinend einiges“, antwortete Nelli und ließ ein schiefes Lächeln folgen. Wenn sie so schaute, wusste Trevor nicht, ob er es überhaupt erfahren wollte. Er schaute zu den anderen, die ihrer Arbeit nachgingen. Wenn man es so bezeichnen konnte. „Aye“, wandte er dann ein. „Ich will schließlich nicht, dass dich Johnny vehement nervt.“
    Ein leises Lachen folgte von der Hexe. „Er kann ziemlich penetrant sein, das stimmt wohl.“
    Trevor nickte. „Dann … lass ihn schnell erzählen, was er zu erzählen hat, bevor Edmund und Esther zurückkommen.“
    Nelli atmete tief durch und richtete sich etwas auf. Sie schien sich zu konzentrieren. Ihre Atmung wurde ruhiger und sie schloss ihre Augen.
    Trevor bemerkte, wie sein Herz etwas schneller schlug. Er wusste nicht, ob er es gut fand, dass Tote doch nie ganz fort waren. Eigentlich sollte er sich freuen, dass er noch einmal mit Johnny reden konnte, aber aus irgendeinem Grund tat er es nicht. Eine Vorahnung machte sich in ihm breit, die er sich nicht einmal gedanklich eingestehen wollte.
    „Trevor?“, erklang es plötzlich von Nelli. Die Tonlage war so anders, dass der Formwandler sofort wusste, dass nicht Nelli zu ihm sprach. „Kannst du mich verstehen?“
    „Aye …“, antwortete Trevor zögerlich und starrte Nelli an. „Johnny?“
    Der Geist in Nellis Körper lachte und nickte. „Äußerst interessant … Ich stecke im Körper der alten Vettel!“
    Trevor zog seine Brauen zusammen. „Als das würde ich Nelli nicht bezeichnen …“
    „Schon gut, schon gut, ich sollte dankbar sein.“
    Der Formwandler schwieg zunächst, aber dann überwand er sich, zu fragen, was so wichtig sei, dass Johnny Nelli verfolgte.
    „Eigentlich hätte sie dir das auch alles erzählen können“, meinte Johnny, „aber sie wollte nicht. Deshalb … muss ich das wohl selbst tun …“
    Trevor zog die Brauen hoch. „Solltest du dann nicht anfangen, zu reden?“, fragte er.
    Johnny atmete tief durch. „Junge, ich hätte dir vielleicht früher sagen sollen, dass ich dich nicht aus reinem Zufall vor sechszehn Jahren gefunden habe.“
    Trevor hörte zu, bemerkte aber den Knoten, der sich in seinem Bauchraum bildete.
    Johnny stockte kurz. „Ich war ein Formwandler auf der Suche nach seinem einzigen Sohn …“
    Keine Reaktion. Trevor starrte seinen ehemaligen Kapitän nur an. Es war, als hätte er es immer gewusst, was Johnny ihm damit sagen wollte. Trevor war kein Kind mehr, dass umgehend freudestrahlend oder schockiert aufsprang. Vielmehr musste er zugeben, dass sich Wut in seinem Inneren breitmachte. Er drückte sie hinunter, wie eine leere Flasche unter Wasser, aber an seinen zitternden Händen erkannte er, dass sich dieses Gefühl nicht gänzlich ersticken ließ.
    „Hast du dazu nichts zu sagen?“, wollte Johnny wissen.
    Trevor schüttelte nur langsam seinen Kopf. „Fahre fort …“, entgegnete er dann.
    Noch einmal atmete Johnny tief durch. „Ich wollte dich nicht wie einen normalen Formwandler großziehen. Ich hatte irgendwann erkannt, dass unser Leben leer ist. Wir ziehen jedes Jahr los, in dem wir entweder Söhne zeugen oder sie einsammeln. Dann verfrachten wir sie auf eine Insel, auf der wir sie zu Kriegern erziehen. Nur für was? Um uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen? Um jeden Tag auf das Neue zu beweisen, wer der Stärkere ist? Ich wollte das irgendwann nicht mehr. Eigentlich von Anfang an nicht.“
    Er rechtfertigt sich … Das heißt, das war noch nicht alles.
    Trevor ballte seine Hände zu Fäuste. Damit versuchte er auch, seine zitternden Hände zu verbergen. Ein Kloß steckte ihm im Hals. Er fühlte sich unwohl, konnte aber noch nicht sagen, woran es lag. Vielleicht daran, dass das Gespräch nicht wie ein wohlwollendes Wiedersehen klang, sondern mehr nach einer Belehrung.
    „Aber wenn ich dich sehe, dann weiß ich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich wollte dich zu einem guten Menschen erziehen. Einem besseren Menschen als ich war. Aber deine Natur ist eine völlig andere als meine.“
    „Meine Natur?“, wiederholte Trevor mit gebrochener Stimme.
    „Ich konnte fast zwanzig Jahre mein Formwandlerdasein verstecken. Ich lebte nur als Pirat. Nicht stärker oder besser als meine Crew. Du kannst das nicht.“
    „Woher willst du wissen, was ich kann oder nicht kann?“
    „Ich habe es am Bord des Schiffes dieses … peinlichen Händlersohnes gesehen. Du kannst nicht aus deiner eigenen Haut, egal, wie häufig du deine Form wandelst.“
    „Er ist nicht peinlich …“
    , war alles, was Trevor antwortete.
    „Du bist unberechenbar! Du bist mein Sohn, aber auch der Sohn deiner Mutter. Sie war nicht irgendwer, sondern die Tochter eines Formwandlers. Das heißt, du bist durch und durch ein Krieger. Nicht nur einseitig, wie in den meisten Fällen.“
    „Was?“, unterbrach Trevor Johnnys Ausführungen. „Sie war … was?“
    „Sie sagte es mir, nachdem wir einige Zeit zusammengelebt hatten. Am Anfang dachte ich, es sei der Fang für mich, aber … auch wenn Frauen sich nicht wandeln können, sie geben die Talente eines Formwandlers weiter, auch wenn sich diese Nachkommen ebenfalls nicht wandeln können. Sie sind hitzköpfiger und geschickt im Umgang mit Waffen. Es liegt ihnen ebenso im Blut wie uns.“
    „Großartig …“
    „Hinzukommt, dass Formwandler noch andere Talente haben. Sie sind stärker als Menschen. Etwas, das ich nicht bereit war, dir zu sagen …“
    „Und warum? Weil ich … unberechenbar bin? Weil ich nicht so bin wie du?“
    „Trevor … ich konnte es nicht nach der Sache mit der Crew von Dexter dem Pickligen!“

    Kapitän Dexter. Eine der unliebsameren Erinnerungen in Trevors Leben. Dennoch bereute er nichts und verzog wütend sein Gesicht. „Sie hatten es verdient!“, erwiderte der junge Formwandler.
    „Hatten sie nicht, und das weißt du!“, konterte Johnny.
    „Sie haben drei unserer Leute getötet …“
    „Auf Landgang!“
    „Was spielt das für eine Rolle?“
    , wurde Trevor laut.
    „Wir Piraten unterliegen Regeln. Dinge, die auf Landgang geschehen, bleiben an Land! Du hattest kein Recht Richter und Henker zu spielen. Ich hätte dich dafür ersäufen müssen.“
    „Dann ist ja gut, dass mich dabei niemand gesehen hat, richtig? Nicht, dass du deinen eigenen Sohn hättest hinrichten lassen müssen.“

    Trevors Wut wuchs. Er war damals achtzehn gewesen. Weit entfernt von dem Mann, der er heute war. Oder?
    „Wut! Genau das ist es bei dir. Deine Stärke tritt zutage, wenn du wütend bist. Oder glaubst du, für einen normalen Menschen wäre es leicht, einfach einen Kopf auf einer Reling zu zerquetschen? So leicht, wie es dir fällt?“
    Trevors Kieferknochen bebten. Was wollte Johnny ihm sagen? Dass er ein Mörder war? Ein Wahnsinniger? Ja, er hatte sich nachts auf die Rosalie geschlichen und drei von Dexters Männern am Großmast erhängt, aber nur jene, die seine Freunde getötet hatten. Das war nicht grausam in Trevors Augen gewesen, sondern Gerechtigkeit. Johnny hatte gar nichts tun wollen. Wollte Johnny ihm damit zu verstehen geben, dass Trevor ein schlechter Mensch war? Wenn er sich überhaupt als solches bezeichnen durfte.
    Und jetzt reist du mit einer adligen Magierin, einem verwöhnten Wassermann und einer alten Frau durchs Land. Du solltest sie loswerden, bevor sie dich verkaufen …“
    „Das würden sie nicht tun!“
    , widersprach Trevor vehement. „Sie sind … Freunde.“
    „Freunde, solange ihr alle in einem Boot sitzt. Was glaubst du, passiert, sobald sie Land sehen? Glaubst du, sie werden keine Angst vor dir haben, wenn sie dich erstmal richtig kennen? Wenn sie erkennen, zu was du fähig bist? Wie du sein kannst?“
    „Das haben sie bereits gesehen, wenn es nach deiner Äußerung geht.“
    „Aye, und du hast das Gefühl, die Magierin fühlt sich allein mit dir wohl? Ich finde nicht, dass das danach aussieht. Vor allem, da auch der Kuss erzwungen und ohne ihre Erlaubnis geschehen ist. Wenn das in ihren Kreisen herauskommen würde, würde diese junge Frau vollständig ihr Ansehen verlieren.“
    „Das war nicht das, woran ich in diesem Moment gedacht habe. Sondern, daran …“
    „Dass es für dich die Gelegenheit war? Du denkst nicht nach!“
    „Ihr Leben zu retten!“
    , schimpfte Trevor laut. Natürlich war er nicht unglücklich über den Umstand, eine junge Frau geküsst zu haben, die vor allem nicht an einem Hafen herumlungerte, aber dennoch … In dem Moment, als es geschehen war, hatte er nur im Sinn, ihr Leben zu bewahren. Etwas unkonventionell, das musste er zugeben, aber da kamen ihm die Regeln der Piraten zugute. Nicht wie sonst. Und er war sich sehr wohl darüber bewusst, dass er weit unter ihrem Niveau war. Es war nicht so, dass er sich irgendetwas zwischen den beiden ausmalte. Und selbst wenn, ging es Johnny nichts an!
    Johnny stöhnte. „So sollte das alles gar nicht laufen …“, nuschelte er. „Eigentlich wollte ich dir nur sagen, dass du hilfreich sein kannst, wenn es darum geht, das Schiff zu reparieren. Dass du deine Stärke finden musst. Dass du sie vor allem kontrollieren musst.“
    „Aye, stattdessen bezeichnest du mich als Mörder und Vollidioten. Gute Entwicklung.“

    „Du bist eben teils noch ein Kind, das in einem viel zu starken Körper steckt! Du denkst immerhin auch, dass diese Leute deine Freunde sind. Freunde … wie in einem Kinderbuch. So läuft es im Leben aber nicht!“
    Mittlerweile drehten sich in der Ferne bereits Edmund und Esther zu den beiden um.
    Trevor wollte sich gar nicht ausmalen, was die beiden dachten. Wenn sie ihn nicht vorher schon für bescheuert gehalten haben, dann sicherlich ab jetzt.
    „Sagt der Mann, der tot ist!“, spie Trevor zwischen zusammengebissenen Zähnen empor und schaute Johnny wieder an. „Deine Methode lief nicht so gut.“
    „Was erlaubst du dir …“, erwiderte Johnny. „Ich habe dein Leben gerettet und mehrfach verschont, obwohl ich anders hätte handeln müssen!“
    „Du bist mein Vater! Ich würde meinen Kindern das nicht vorhalten, sondern jederzeit tun.“
    „Oh natürlich. Du wirst ein großartiger Vater! Das ist auch alles so furchtbar einfach“
    , frotzelte Johnny abfällig. „Vor allem in der Welt, in der wir leben.“
    Trevor stand auf und fuhr sich durch sein Haar. Besser wurde die Unterhaltung nicht. „Für einen schlechten Vater hältst du mich also auch. Sehr gut.“
    „So meinte ich das nicht“, erwiderte Johnny. „Aber du denkst immer noch, dass du leben kannst, wie sie …“ Johnny zeigte auf Edmund und Esther in der Ferne. „Mit einem netten Haus, einer Familie, Geld und Ansehen … Ich weiß, ich wollte dir eine Art Familie vermitteln, das habe ich vielleicht auch zu sehr, denn ich habe gleichzeitig dafür gesorgt, dass du vergisst, was du bist. So ein Leben ist für Formwandler nicht vorgesehen. Schon lange nicht mehr.“
    „Und wenn ich es ändern kann?“
    „Noch mehr Träume!“

    Trevor atmete tief durch. „War es das dann? Du hältst mich für einen unberechenbaren Mörder, der aber gleichzeitig so naiv ist, zu hoffen, dass ich anders leben kann, als ständig auf der Flucht zu sein? Aye, und eine adlige Frau habe ich auch … befleckt? Sagt man das so? Weil ich unter jedermanns Niveau bin. Selbst unter dem Niveau meiner noch ungeborenen Kinder“, zählte Trevor lautstark zusammen. „Dann ist es wohl besser, wenn sie mich verkaufen!“
    „Das klingt so jetzt alles ziemlich hart …“, gab Johnny stotternd zu. „Und ganz so meine ich es nicht. Du musst dennoch lernen, mit deiner Art umzugehen.“
    „Mit meiner Art, natürlich … und meiner Stärke und solchem Zeug auch. Am besten, ich ändere meinen vollständigen Charakter. Meine Art …“ Trevor musste sich nach den Worten seines Vaters zusammenreißen. Als solchen Vollversager hatte er sich nicht einmal betrachtet. Hatte er überhaupt mal etwas richtig gemacht? Irgendwann? „Es ist nicht so, dass ich aus reiner Mordlust töte. Ich tue es, wenn mir keine Wahl bleibt.“
    „Und dann machst du daraus dein persönliches Kunstwerk. Dein Katz- und Mausspiel, weil du es kannst. Weil du weißt, dass du vielen überlegen bist. Und das ist die Arroganz der Formwandler.“
    Trevor biss sich auf die Unterlippe.
    Arrogant bin ich jetzt auch noch.
    Noch einmal sah Trevor zu Edmund und Esther. Die beiden standen mittlerweile beieinander und sahen zu Trevor. Auch schienen sie sich zu unterhalten. Das würde später ein seltsames Gespräch werden, den Streit mit „Nelli“ zu erklären. Wenn sie nicht die Hälfte mitgehört hatten. Was einen Gedanken in seinen Kopf pflanzte.
    Daraufhin wandte sich Trevor vollständig von Johnny ab.
    „Was machst du? Wo willst du hin?“, fragte Johnny.
    „Weg von dir!“, antwortete der Formwandler, aber nicht, ohne sich noch einmal zu ihm herumzudrehen. „Ich will, dass du dich für immer verpisst. Auch aus Nellis Nähe!“
    „Was?“, fragte Johnny erneut und klang überaus erstaunt.
    „Du liegst falsch! Mit allem!“, konterte Trevor mit beinah bedrohlich ruhiger Stimme. Und er wusste selbst nicht, vorher diese kam. Vielleicht davon, dass er Edmund und Esther beobachtet hatte. „Bin ich gut darin, zu töten? Ja, bin ich! Aber deswegen sind wir auf dieser Insel. Naja, Edmund und der Rest haben sich auch gut geschlagen … aber trotzdem … Ich habe ein Gewissen, es entspricht nur nicht deinen Vorstellungen, weil ich niemals ein Pirat war. Wie du sagst, ich komme nicht aus meiner Haut heraus. Ich war nie ein Pirat, zu dem du mich machen wolltest. Ich bin ein Formwandler! Und jene haben früher für andere gekämpft … und das tue ich wieder. Und ich tue es auf meine Art, damit andere es sich zweimal überlegen, mich herauszufordern oder Menschen, die mir nahestehen, zu bedrohen. Ich war bereit, zu sterben, aber sie haben es nicht zugelassen! Hätten sie das getan, wenn sie mich so sehr fürchten? Und was den Kuss angeht … Wenn irgendeiner der überlebenden Piraten auch nur auf die Idee käme, irgendetwas zu erzählen, was bei der Meuterei geschehen ist, weiß ich, dass ich Zungen zum Schweigen bringen könnte. Denn aye, das kann ich wirklich, wirklich gut. Das alles hat vielleicht nicht dir geholfen, aber ich kenne ein paar Personen, denen es das hat und weiterhin wird!“
    Über Trevors Körper glitt ein musternder Blick. „Du bist wie dein Großvater … nicht nur optisch“, kam flüsternd von Johnny. „Er würde dich vermutlich vergöttern. Aber ich kann dir sagen, dass man so nicht unter Menschen leben kann.“
    „Als Pirat aber auch nicht. Und wer weiß, ob ich das jemals werde …“, erwiderte Trevor mit fiesem Grinsen und lief Richtung Dschungel. Er musste erstmal alles verarbeiten. Zudem wollte er zunächst nicht dabei sein, wenn sich Edmund und Esther trauten, zu Nelli zu gehen.
    Trevor wollte die nächsten Stunden nichts erklären müssen. Vielleicht war Nelli so nett, das zu übernehmen, sodass er die Gelegenheit besaß, seinen Verstand zu klären. Jetzt bereute er es fast, dass sie keinen Rum hatten, mit dem er sich in den Urwald setzen konnte. Vermutlich wäre das auch nicht wirklich hilfreich gewesen. Wie auch immer … Er brauchte einen Moment, um sich selbst von dem zu überzeugen, was er Johnny, seinem Vater, gesagt hatte. Dazu brauchte es Ruhe!
    „Trevor …“, erklang es hinter ihm. „Hör nicht auf ihn! Hätte ich gewusst, was dieses nutzlose Stück Abschaum zu sagen hatte …“
    „Alles gut, Oma“, erwiderte Trevor beschwichtigend, der wusste, dass Nelli nichts für die Äußerungen seines Vaters konnte. „Mir geht es gut!“