Beiträge von Dinteyra

    Hallo Schreibfeder ,

    mit dem schwarzen Weg hast du recht, nur wenn da viel mehr Wachen sind, kommen Maja und Mirno da nicht mehr durch. Mein ursprünglicher Gedanke war ja, dass Quayax den Weg bewacht, aber da selbst die Soldaten Angst vor ihm haben, kann es ja eigentlich nicht sein dass er da immer überall ist. Und dass auf dem Weg selbst noch viele Wachen sind macht auch keinen Sinn, sonst wäre Maja denen ja direkt in die Arme gelaufen. Die einfachste Lösung wäre, dass es hier in Andraya einen Eingang/Ausgang für Berechtigte und einen Ausgang für alle Unberechtigten gibt. Dieser Ausgang könnte noch näher am Taumelberg sein und schwerer bewacht direkt in die Gefangenschaft führen. Das müsste ich leicht ändern können und würde auch Sinn machen.

    Ein bisschen habe ich ja beim fiesen Cliffhanger schon weiter geschrieben, aber ich kann dir trotzdem empfehlen noch etwas zu warten.

    Ich werde außerdem vielleicht die Reihenfolge der Kapitel später noch etwas ändern müssen (also Karims und Jinnas Erlebnisse etwas vorziehen). Dass du bei Karim und Jinna weniger Logiklücken siehst, liegt vermutlich daran, dass diese Teile neu ausgedacht sind und ich nicht irgendwie versuche meinen Jugendideen gerecht zu werden. Aber ich werde auf jeden Fall versuchen, das, was du angesprochen hast, zu verbessern.

    Viele Grüße

    Din

    Hallo Schreibfeder ,

    für mich ist es zumindest gut zu wissen, dass es diese Fragen gibt, sodass ich da mehr Klarheit schaffen kann (Z.B. ist Theobald keiner der Wächter. Die Wächter habe ich übrigens nachträglich eingeführt, weil ich es unlogisch fand, dass so gar niemand auf Maja achtet. Das war aber wohl nicht ganz durchdacht. Bei den Tagebüchern hast du theoretisch recht, vielleicht kann ich das mit ein paar kleinen Änderungen retten.) Das ein oder andere lässt sich bestimmt im Nachhinein noch verbessern. (Bei dem Fernsehsender weiß ich aber noch nicht wie, ohne ihn komplett zu streichen. Und er liegt mir so am Herzen :hmm:.)

    Aber zumindest gut zu wissen, was da noch nicht so passt.

    Viele Grüße

    Din

    Schreibfeder

    Wow! Du liest ja gerade wirklich einen Marathon hier. Und ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil ich es nir M Rande mitbekomme. Habe leider gerade genug damit zu tun die Woche über die Bühne zu bringen, obwohl ich am liebsten nur noch schlafen würde. Aber ich freue mich sehr, dass du hier liest und dir die Geschichte trotz der Schwächen gefällt. Auch die Kritik nehme ich gerne an, um in Zukunft diese Fehler zu vermeiden und die Menschen zum Beispiel altersgemäßer handeln zu lassen.

    Jetzt habe ich ein bisschen Bammel wenn du den dritten Band liest. Ich glaube da habe ich vom Storytelling her einen deutlichen Rückschritt gemacht und bin zu sehr meiner ursprünglichen Idee gefolgt. Erst jetzt, am Ende, weiche ich davon ab, weil mir das alles zuuuu undurchdacht erschien und habe mir mal Gedanken zu einigen Hintergründen gemacht. Aber gut, ich bin jedenfalls gespannt, was du dazu schreiben wirst.

    Viele Grüße

    Din

    Hallo Schreibfeder ,

    vielen Dank für deinen Kommi. Ich habe mich sehr gefreut, dass dir die Geschichte so viel Spaß gemacht hat. Viele der Schwächen, die du beschreibst, sind mir selbst klar. Es ist halt schon echt lange her, dass ich mir den Blödsinn ausgedacht habe und nicht alles ließ sich bei den Überarbeitungen zurechtbiegen.

    Was wirklich logisch ist, ist das Verhalten der Soldaten. Sie sind offenbar zum großen Teil Zwangsrekrutierte. Daher ist ihre Motivation gering und sie sind daher nachlässig und ihnen passieren laufend Fehler (die sie lieber vertuschen denn melden).

    Süß von dir, dass du das so siehst 😅 Vielleicht hab ich mir aber auch einfach wenig Gedanken darüber gemacht und wollte bloß den Plot voranbringen 🤫

    Hallo Schreibfeder ,

    danke für deine Nachricht, ich habe mich sehr gefreut.

    Mich überrascht, dass dir der erste Teil langstmig vorkommt, weil die Ereignisse ja doch recht schnell aufeinander folgen. Da habe ich schon in anderen Geschichten ausführlicher geschrieben. Vielleicht weil man so sehr darauf wartet, dass Maja in die andere Welt kommt?

    Ich werde es mir mal notieren, aber ich vermute dass ich so bald keine große Lust habe, den Teil noch einmal zu überarbeiten. Was Rechtschreibfehler betrifft ist die Version im Forum nicht die aktuellste, auch allgemein habe ich seitdem wohl ein paar Änderungen vorgenommen. Vielleicht kann ich bald mal ein freies Wochenende nutzen und alles auf den neuesten Stand bringen.

    Die Links habe ich nicht gesetzt. Sie sind mir schon mal aufgefallen, aber ich dachte das Forum hätte sie automatisch erstellt.

    Viele Grüße

    Din

    Mini-mini-Part ... aber damit ist das Kapitel beendet und es lohnt sich nicht, noch ein neues anzufangen ...


    Lil blieb neben dem Pfosten stehen, der gemeinsam mit einem zweiten das schwere Zeltdach empor hielt. Sie ließ die Augen durch den Raum wandern, bemerkte die Leere. Noch hatte niemand die wenigen Möbelstücke hergetragen, die das Hauptmannszelt gewöhnlich schmückten. Auch Dreizehn trug keinen Schmuck, keine Rüstung, keine Abzeichen. In dem blauen Hemd hätte er als einfacher Handwerker durchgehen können und trotzdem fand Lil, dass seine Ausstrahlung herrschaftlich war.
    „Und?“, fragte sie. „Was meint Ihr?“
    „Sie hat keine Manieren“, antwortete Dreizehn schroff. „Aber darin unterscheidet sie sich nicht von den meisten meiner Untergebenen.“
    Lil verharrte verwirrt. Dann räusperte sie sich. „Was sagt Ihr zu meiner Idee?“
    Dreizehn starrte an ihr vorbei auf den Lichtstrahl, der durch einen Spalt am Zelteingang fiel. „Es ist ein Risiko“, seufzte er.
    „Sie ist nur ein dummes, wütendes Mädchen“, sagte Lil. „Allgemein halte ich die Kamiraen für überschätzt.“
    „Und seit wann bist du Expertin für Kamiraen?“, fragte Dreizehn gereizt. „Oder war deine Bekanntschaft mit Jimo Kandrajimo länger als du zugeben willst?“
    „Nein, natürlich nicht“, antwortete sie erschrocken. Er misstraute ihr immer noch wegen jenes Vorfalls.
    „Die Kamiraen waren einst mächtig“, erklärte Dreizehn, „aber schon seit mehreren Generationen bemerke ich, dass sie unbedeutender werden. Schwächer.“ Er hielt plötzlich wieder Majas Amulett in der Hand. Den ganzen Tag schon hatte er es immer wieder hervorgeholt und betrachtet wie einen Schatz. „Dieses Amulett hat auf jeden Fall an Kraft verloren, die anderen vielleicht ebenfalls. Früher oder später sind sie bloß noch Schmuckstücke. Möglich, dass das Einhorn deshalb sagte, die dreizehnte Generation würde die letzte sein. Und weder ich noch Tabea noch sonst jemand können etwas daran ändern. Helden mit Ablaufdatum. Soll es wirklich so einfach sein?“
    Lil dachte eine Weile darüber nach. „Ich bleibe bei dem, was ich bereits gesagt habe“, erklärte sie schließlich. „Mit oder ohne Amulett, mit oder ohne besondere Kräfte, werden die Kamiraen ihren Namen und ihre Mission weitergeben. Und sind es nicht der Name und die Traditionen, die ihr zerstören wollt? Das Mädchen ist das angreifbare Glied in dieser Kette. Ihr habt bereits ihr Amulett, aber mit ihr habt ihr die Macht, die Kette für immer zu sprengen.“
    „Ich könnte mit ihr noch ganz andere Dinge erreichen“, sagte er. Er stieß ein kurzes, fasziniertes Lachen aus. „Sie ist … interessant …“ Er kam plötzlich auf Lil zu, bis er kurz vor ihr stand und ihr fest in die Augen sah. Die seinen glitzerten merkwürdig. „Die Familie Sonnfeld hat offenbar viele Talente. Ihres ist vollkommen anders als das ihres Bruders, aber noch viel außergewöhnlicher. Und sie hat keine Ahnung. Die Kamiraen haben keine Ahnung … Sie könnte mir tatsächlich nützlich sein. Sehr, sehr nützlich.“

    Ich bin mir nicht sicher, ob die Geschichte hier gerade die richtige Entwicklung nimmt, aber an diesem Punkt gibt es auch kein Zurück mehr. Es ist allerdings sehr, sehr schwer zu schreiben. Hoffe Dreizehn verliert hier nicht all seine Bedrohlichkeit, wobei er für mich ja schon immer eher kurios als bedrohlich war.


    Offenbar hatte sie fast den ganzen Tag geschlafen, denn schon nach kurzer Zeit hielten sie an einem Bachlauf an und die Soldaten begannen, das Lager aufzubauen. Maja und Käse schauten zu, wie in Windeseile das Hauptmannszelt errichtet wurde, erst danach erhoben sich die anderen Zelte nach und nach. Plötzlich erschien Lil neben ihnen.
    „Ich soll dich zu ihm bringen“, sagte sie zu Maja.
    Maja wurde klamm ums Herz. Sie war nicht bereit, Dreizehn gegenüber zu treten. Sie drückte noch einmal Käses Hand. „Wir sehen uns.“ Hoffentlich.
    Sie folgte Lil durch die Baustelle und betrat nach ihr das Zelt. Dreizehn stand in der Mitte, vor seinem thronähnlichen Stuhl. Außer diesem waren im Zelt noch keine Möbel aufgestellt worden, bloß ein paar Vorhänge grenzten einen seitlichen Bereich ab. Dreizehn hatte seine Hauptmannskleidung bereits abgelegt und gegen ein einfaches, dunkelblaues Leinenhemd und eine cremefarbene Lederhose ausgetauscht. Die Schuhe steckten in halbhohen, weichen Stiefeln, die rechte Hand in einem enganliegenden, braun-weißen Lederhandschuh. Sonst trug er nichts. Keinen Gürtel, keine fürstlichen Abzeichen, keinen Schmuck, keine Waffe. Das war beruhigend und nahm Maja zumindest das Gefühl, ihrem Henker entgegen zu treten. Er hatte die Arme verschränkt und betrachtete sie interessiert. Dann blickte er zu Lil. Die Zauberin schien zu verstehen, was er wollte. Wortlos drehte sie sich um und verließ das Zelt. Sie wirkte ein wenig beleidigt darüber, ausgeschlossen zu werden. Maja wünschte sie würde bleiben. Auch wenn Lil nur wenig besser war als Dreizehn, so war sie doch zumindest irgendjemand. Maja wollte nicht allein mit ihm sein. Schon die Art, wie er sie anschaute: Verwundert, neugierig, als hätte er eine Kuriosität entdeckt.
    „Du siehst besser aus als heute Morgen“, kommentierte er.
    Maja antwortete nicht. Sie hatte einen Kloß im Hals.
    Er wartete noch einen Moment ab, dann sprach er weiter: „Ich denke, nun da du geschlafen hast, sollten wir die Bedingungen unserer gemeinsamen Reise festlegen. Gestern warst du dazu anscheinend nicht mehr in der Lage.“
    Maja wollte nicht über irgendwelche Vereinbarungen sprechen. Sie wollte wissen, was hier los war – wollte Antworten. Was hatte er mit ihr und vor allem mit Käse vor? Warum hatte er ihr Leben zerstört, es aber doch nicht ganz genommen, obwohl ihr alle dies immer prophezeit hatten? Wütend schluckte sie den Kloß hinunter und fuhr ihn an: „Was wollen Sie von meinem Bruder? Und was haben Sie ihm für Lügen erzählt? Und was geht hier überhaupt vor? Was tun wir alle ...?“ Ihre Stimme versagte mit einem Krächzen.
    Dreizehn zog bloß eine Augenbraue hoch und ließ sich Zeit mit der Antwort. Zeit, in der Maja dem Drang widerstehen musste, vor ihm zurückzuweichen. Sie spürte, dass er verärgert über die Unterbrechung war.
    „Wäre es dir lieber, wenn ich ihn in Ketten legte?“, fragte er schließlich. „Du hast gut daran getan, ihm nicht die Wahrheit zu sagen und du wirst es auch weiterhin nicht tun. Das ist die erste Bedingung, die ich stelle. Brich sie und es wird sowohl dir als auch deinem Bruder ein ganzes Stück schlechter gehen. Und ich müsste euch trennen.“
    Der bloße Gedanke versetzte ihr einen Stich ins Herz. Bei Käse zu sein war das Einzige, was jetzt noch für sie zählte. „Na schön“, krächzte sie. Sie hatte ja selbst beschlossen, dass es das Beste wäre.
    Dreizehn nickte und eine Weile beobachteten sie sich weiter. Maja hatte das Gefühl, dass ihr Gegenüber seine Worte mit Bedacht wählte. Dass er unentschlossen schien, worüber er mit ihr reden sollte. Er war so anders, als sie ihn sich vorgestellt hatte. Kein spitzer Bösewichtbart, kein vampirblasses Gesicht, kein schwarzer, wehender Umhang mit hochgestelltem Kragen. Nur dieser unscheinbare, dunkelhaarige Mann. Wirklich sehr unscheinbar. Es hieß ja, man könne sich sein Gesicht nicht merken, doch sie hatte ihn heute sofort wiedererkannt. Weil sie wusste, dass es nur er sein konnte, der sie hier empfing? Sie bemerkte, dass er nicht besonders groß war, nur etwas größer als sie selbst. Und er sah jung aus. Viel älter als sie zwar, doch jünger als Kandrajimo. Wie bei Tabea war sein Alter allerdings schwer einzuschätzen. Maja hätte keine genaue Zahl tippen können. Er wirkte jedenfalls wie das komplette Gegenteil von dem, was sie sich vorgestellt hatte, doch das schürte ihre Furcht bloß noch. Denn auch sein Handeln war anders, als sie erwartete und sie hatte keine Vorstellung davon, was er als nächstes tun würde. Ihr kam der Gedanke, dass was auch immer er für sie plante, schlimmer sein konnte als ihre Erwartungen. Schlimmer als der Tod.
    In dem Moment begann er wieder zu sprechen: „Kommen wir zur zweiten Bedingung, ich hatte sie bereits erwähnt: Keine albernen Fluchtversuche. Du würdest nicht weit kommen. Einer meiner Schwarzmagier hat bereits einen Zauber über dich gewirkt, sodass dein Fliehen mich augenblicklich alarmieren würde.“
    „Das hat in Andraya ja schon so gut geklappt“, rutschte es Maja heraus.
    „Bitte was?“ Er wirkte verärgert und verwirrt.'
    Sie verschluckte sich an ihrer eigenen Spucke und musste husten. Am liebsten hätte sie sich selbst geohrfeigt. Dies war nicht der Zeitpunkt für ein loses Mundwerk, aber irgendwie war der Gedanke von sehr weit hinten in ihrem Kopf auf ihre Zunge gerutscht. Seine Nachfrage nun nicht zu beantworten, wäre ebenso unhöflich und gefährlich. Sie senkte den Blick und ihre Stimme. „Man sagte mir, dass Sie es merken würden, wenn ein Kamiraen Andraya betritt, aber ich war dort. Zweimal sogar.“ Sie versuchte demütig zu wirken, aber egal wie vorsichtig sie ausgesprochen wurden – es steckte eine Provokation in diesen Worten. Sie fragte sich, wie er diese aufnehmen würde.
    Doch Dreizehn schmunzelte nur. „Ich kann dir sagen, woran das liegt.“ Er griff in seine Tasche und hielt plötzlich Majas Amulett in der Hand – in seinem Lederhandschuh, was ihn vermutlich davor schützte, sich daran die Finger zu verbrennen. Er betrachtete es nachdenklich. „Es hat viel Kraft verloren“, erklärte er schließlich. „Die mächtigen Verzauberungen, die darauf liegen, sind beinahe verblasst. Deshalb konnten meine Schutzmechanismen es nicht aufspüren.“
    „Warum verblassen sie?“, fragte Maja. Moment – hieß das ohne das Amulett konnte jeder Kamiraen in Andraya herumspazieren? Möglich war es. versucht hatte es mit Sicherheit noch niemand.
    „Nun, das kann ich dir nicht sagen“, antwortete Dreizehn, mehr als würde er mit sich selbst sprechen. „Zuerst dachte ich, es wäre in Kontakt mit dem Schwert aus Taroq gekommen. Ich bin nicht sicher, ob du es weißt, aber es widersteht Magie und kann Zauber brechen.“ Maja wurde heiß. Sie hatte das Schwert einst mit dem Amulett abgewehrt. Hatte sie dafür gesorgt, dass es seine Kraft verloren hatte? „Aber die Magie hierauf ist viel zu alt und mächtig, als dass das Schwert ihr schaden könnte“, fuhr Dreizehn fort und sah Maja in die Augen. „Was eine Waffe nicht schafft, vermag die Zeit wohl durchaus. Vermutlich sind die Zauber einfach in die Jahre gekommen.“
    „Das Amulett hat für mich ganz gut funktioniert“, widersprach Maja. „Es hat mir Kraft gegeben und mir mehrmals das Leben gerettet.“
    Dreizehn betrachtete sie mit leicht verkniffenen Mundwinkeln. „Tja nun, ich sagte auch nicht, dass es seine Macht vollständig verloren hat. Aber du wirst fortan ohne auskommen müssen. Ich hätte die Amulette schon vor vielen Jahren an mich nehmen sollen. Mehr als einmal hatte ich die Gelegenheit dazu. Doch sie schützen sich, sie sind schwer zu bemerken und selbst wenn man genau weiß, dass sie dort sind … im entscheidenden Moment vergisst man sie. Aber auch dieser Zauber scheint schwächer geworden zu sein.“ Er lächelte triumphierend und steckte das Amulett in seine Jackentasche. „Das hier bleibt von jetzt an jedenfalls bei mir. Vielleicht kann es ja wirklich so einfach sein, die Linie der Kamiraen zu beenden. Ich glaube es nicht, aber einen Versuch ist es wert.“
    „Wenn Sie nicht glauben, dass es so einfach ist, warum töten Sie mich dann nicht? Warum haben Sie mich nicht getötet, als ich gestern in Ihr Zelt gebracht wurde. Das hatten Sie doch die ganze Zeit vor.“ Ihr stockte der Atem angesichts der Tatsache, dass sie diese Frage ausgesprochen hatte. War es Mut, Verzweiflung, Dummheit, Trotz? Vielleicht der Wunsch, hier nicht einfach nur zu stehen und abzuwarten, was er mit ihr anstellen würde?
    Er sah sie bloß weiterhin an wie ein Kuriosum. „Auch das wäre viel zu einfach“, antwortete er. „Ich hatte den Plan auf Anraten Lils bereits verworfen, bevor du hierher kamst. Doch spätestens nachdem ich dich sah, hätte ich ihn ohnehin geändert.“
    „Warum?“ Majas Mund wurde trocken.
    Dreizehn schwieg wieder eine Weile, während Maja tief durchatmete und versuchte, in diesem Gewirr aus Furcht und Ratlosigkeit sich selbst wiederzufinden. Manchmal spürte sie sie durchblitzen – die Maja, die sie kannte. Andererseits war sie diese Maja schon seit Wochen nicht mehr gewesen. Vielleicht seit sie damals in Tabeas Auto gestiegen war. Hatte es sie überhaupt jemals gegeben? Wer war sie? Und warum stellte sie sich diese Frage, während sie ihrem schlimmsten Feind gegenüber stand?
    „Du erinnerst mich an jemanden“, antwortete dieser endlich. „Mehr dazu vielleicht ein anderes Mal.“ Er wandte sich ab, ging zu seinem wuchtigen Stuhl und setzte sich hin. „Kommen wir zurück zu den Bedingungen deiner Anwesenheit hier. Ich sagte keine Fluchtversuche und das meine ich bitterernst. Erlebe ich auch nur einen einzigen, endet dieses Abenteuer doch noch mit deinem tragischen Tod. Und zu diesem Wort werde ich stehen. Du lebst noch, weil ich neugierig bin, aber so wichtig ist mir die Sache nicht. Wenn du meinen Plänen im Weg stehst, war es das.“
    „Was für Pläne?“, fragte Maja.
    Dreizehn zog die Augenbrauen hoch. „Wirklich? Meinst du ich plaudere jetzt alle meine Geheimnisse vor dir aus?“
    Nein, meinte sie nicht, aber einen Versuch war es wert. Vielleicht auch einen zweiten: „Immerhin haben diese Pläne etwas mit meinem Bruder zu tun. Also habe ich ein Recht, sie zu erfahren, oder?“
    Dreizehn starrte sie nur an. Er schien nicht zu verstehen, was sie meinte. „Ein Recht? Liegt dieses Recht nicht viel eher bei deinem Bruder selbst?“
    „Vielleicht, aber er ist erst neun und hat keine Ahnung, worum es hier geht, also …“ Sie holte tief Luft. „Also sollten Sie es wenigstens mir sagen.“
    „Ihr“, zischte Dreizehn plötzlich.
    „Was?“
    „Also solltet Ihr es mir sagen“, korrigierte er gereizt. „Als Herrscher eines Landes wirst du mich entsprechend anreden. Das Siezen wird in dieser Welt außerdem nicht benutzt, wie du mittlerweile wissen solltest. Du klingst als hättest du einen albernen Sprachfehler. Abgesehen davon bist du nicht diejenige, die mir sagt, was ich tun oder lassen sollte, haben wir uns verstanden?“
    Maja konnte nicht anders, als erschrocken einen Schritt zurückzutreten. Auf der anderen Seite war sie tatsächlich wütend. Tadelte er sie wegen eines Grammatikfehlers? Am liebsten hätte sie ihn angefaucht, dass es ihr egal war, wie er angeredet werden wollte. Den Kamiraen gegenüber hätte sie das sicherlich getan, aber die hatten ja auch etwas von ihr gewollt und hätten niemals zugelassen, dass ihr etwas zustieß. Dreizehn schien auch etwas von ihr zu wollen, aber was, das verstand sie nicht und es kam ihr eher so vor, als könne er es sich jeden Moment anders überlegen. Sie senkte wieder den Blick und starrte auf ihre Schuhspitzen. „Verzeihung, ich wollte nicht respektlos sein“, sagte sie.
    „Ich hoffe es wird nicht wieder vorkommen“, sagte er. „Kommen wir zur dritten Bedingung, die übrigens auch in deinem Sinne sein dürfte“, sagte er, nun wieder ruhig. „Deine Kleidung wird verbrannt, du bekommst neue. Mal abgesehen davon, dass sie völlig zerrissen und dreckig ist, kann ich dieses Plastikzeug, das sie in der anderen Welt tragen, nicht ausstehen.“ Er rümpfte die Nase angesichts der Turnschuhe. „Du kannst gehen.“
    Maja starrte ihn entsetzt an. Sollte das heißen, sie würde keine Antworten bekommen? Er hatte sie hierher zitiert, um ihr persönlich zu sagen, dass sie nicht fliehen und sich umziehen sollte? Auf der anderen Seite war sie froh, aus diesem Zelt entfleuchen zu können. Sie machte auf dem Absatz kehrt und ging – leicht schwankend – auf das Sonnenlicht hinter dem Ausgang zu. Als sie nach draußen trat, kam ihr Lil entgegen, offenbar hatte sie Majas Entlassung abgewartet und wollte Dreizehn sprechen. Der Aufbau der Zelte war nun ein wenig weiter fortgeschritten. Käse stand am Rande des Lagers und gab seinem und Majas Pferd Wasser zu trinken. Maja blickte an ihm vorbei zu den fernen Bergen. Die Sonne brannte auf ihrem Gesicht, der Boden unter ihren Füßen fühlte sich hart an. Sie schloss die Augen und wünschte sich an einen anderen Ort.

    In den letzten Wochen nicht viel geschafft, aber das hier hatte ich noch auf Lager. In Gedanken bin ich aber gut weiter gekommen, ich lasse die Geschichte gerade einfach ein wenig fließen und habe ein paar Pläne gemacht. Das Thema dieser Geschichte, dass Maja einen Gegenstand nach dem anderen verliert, setzt sich übrigens fort :rolleyes: Dabei waren da so viele Erinnerungsstücke bei, von denen ich dachte sie würde sie noch auf Jahre herumtragen. (Naja, von meiner Seite aus waren es Jahre :rofl: )


    Orientierung

    Als Maja erwachte, fühlte sie sich immer noch schwach, aber das Chaos in ihrem Kopf hatte sich ein wenig gelegt. Außerdem hatte sie Hunger. Sie brauchte allerdings ein wenig Zeit, um ihre Umgebung zu verstehen. Sie lag bäuchlings auf etwas Großem, das regelmäßige Bewegungen machte, ihr Kopf lehnte an einer Art Balken – warm und fellig. Majas Augen starrten auf Heidekraut, das langsam an ihrem Blickfeld vorbei zog. Schließlich wurde ihr klar, dass sie auf einem Pferd lag und sie versuchte sich aufzurichten. Es war nicht so einfach, jemand hatte sie am Sattel festgebunden und sie brauchte einen Moment, um wenigstens den Oberkörper aus dem Seil zu befreien. Als sie sich schließlich umsah, erkannte sie, dass Käse neben ihr ritt.
    „Was ist passiert?“, fragte sie.
    Er zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Ich glaube du bist einfach eingeschlafen. Also mussten sie dich am Pferd festbinden. Das ist aber schon ewig her.“
    Vor und hinter ihnen schritten weitere Reittiere durch das Heidekraut, ein paar Soldaten waren auch zu Fuß unterwegs, einige Pferde zogen Karren mit Gepäck. Das letzte, woran Maja sich erinnerte, war Dreizehn, der vor ihr gestanden hatte. Er musste sie irgendwie verzaubert haben, sodass sie eingeschlafen war. Ein beunruhigender Gedanke. Oder war sie tatsächlich so müde gewesen, dass sie einfach eingenickt war? Vielleicht auch … war sie vor Angst ohnmächtig geworden? Wie peinlich.
    Majas Magen knurrte plötzlich so laut, dass selbst Käse es hören konnte.
    „Ich glaube sie haben Essen an deinen Sattel gebunden“, erklärte er.
    Sie fand einen Lederbeutel mit Brot, Nüssen und Trockenfrüchten. Der Anblick sandte Glücksgefühle durch ihr Gehirn. Wann hatte sie das letzte Mal gegessen? Vorsichtig begann sie daran zu knabbern und blickte sich dabei fortwährend um. Weit und breit konnte man nichts als Heidekraut und ein paar entfernte Berge erkennen. Nicht weit vor ihr ritten Fürst Dreizehn und Lil, jedoch so weit weg, dass sie vermutlich nicht hören würden, was Maja sagte.
    „Was ist hier eigentlich los?“, fragte sie Käse leise. „Was ist dir zugestoßen? Wie kannst du so sorglos sein?“
    „Ich dachte das wüsstest du“, antwortete er.
    „Geh einfach mal davon aus, dass ich von nichts weiß. Was ist passiert, nachdem sie dich aus unserem Haus entführt haben?“
    Käse runzelte die Stirn. „Sie sind nicht weit gekommen. Yowin hat mich befreit.“
    „Yowin?“ Maja war verwirrt.
    „So heißt der Hauptmann wirklich, aber hier soll ich ihn Lemiok nennen.“ Er meinte also Fürst Dreizehn, dachte Maja. Dreizehn, Demir, Lemiok, Yowin … wie viele Namen trug er noch? „Die Entführer haben mich drei Tage mit dem Auto weggefahren“, fuhr Käse fort, „aber er konnte mich befreien. Aber er meinte leider, dass sie mich sofort wieder entführen würden, wenn er mich nach Hause zurückbringen würde. Ich habe besondere Fähigkeiten, deshalb wollen diese bösen Entführer mich benutzen.“
    „Was für Fähigkeiten?“, fragte Maja. Ihr Kopf spann noch viele weitere Fragen, aber sie konnte nur eine nach der anderen stellen. In ihrem Hals bildete sich ein Kloß. Dreizehn hatte scheinbar eine Befreiung ihres Bruders inszeniert, um ihn auf seine Seite zu ziehen. Was er anschließend zu Käse gesagt hatte, hatte sie so ähnlich selbst vor etwas über einem Jahr aus Tabeas Mund gehört.
    „Ich kann Dinge benutzen“, erklärte Käse. „Zum Beispiel das hier.“ Er hielt den Arm hoch und Maja erkannte das metallene Armband, das er daran trug. Sie erinnerte sich dunkel, wie er es einst auf einem Flohmarkt entdeckt und sie so lange bearbeitet hatte, bis sie ihm fünf Euro dafür geliehen hatte. Seither hatte er es kaum noch abgelegt, aber Maja hatte dieses Verhalten niemals für bedeutsam gehalten. „Durch dieses Armband träume ich von der Zukunft.“
    Sie stutzte. Das passte tatsächlich zu einigen der Gespräche, die sie mit ihm geführt hatte.
    „Demir hat gesagt, dass es einen Weg gibt, meine Verfolger für immer loszuwerden und dass sie dich damals schon verfolgt haben, weil auch du Fähigkeiten besitzt. Du hast einen Gegenstand, der dir Kräfte verleiht, genau wie ich, oder? Deshalb wollten sie dich damals holen, aber auch du wurdest gerettet, nicht wahr? Er meinte du hättest es nicht geschafft, aber ich könnte dein Werk enden.“
    „Beenden“, verbesserte Maja ihn gedankenverloren. Sie hatte Schwierigkeiten, aus der Mischung aus Halbwahrheiten und Lügen schlau zu werden. Ja, die schwarze Garde hatte auch sie versucht zu holen. Aber Dreizehn war der, der dahinter steckte, wie konnte er sich erdreisten, sich als Käses Retter aufzuspielen? Und was war das mit dem Armband? Hatte ihr Bruder wirklich eine besondere Gabe? Es ging hier also tatsächlich nicht um sie, sondern um ihn? Dreizehn hatte sich zumindest Mühe gegeben, ihn auf seine Seite zu ziehen. Er hatte ihm scheinbar eine Geschichte erzählt, die grob zu Majas Erlebnissen passen würde, nicht wissend, dass Maja ihrem Bruder niemals ein Wort davon erzählt hatte. Ja, auch sie war entführt und gerettet worden. Ja, auch sie hatte einen Gegenstand, der ihr besondere Kräfte verlieh. Sie griff an ihre Brust und wollte das Amulett berühren. Es war nicht da.
    Maja taumelte, wurde bleich, vergaß zu atmen und wäre beinahe vom Pferd gefallen. Eine Erinnerung durchfuhr sie – Dreizehn, wie er sie an der Schulter berührte, bevor sie das Bewusstsein verloren hatte. Er musste es ihr abgenommen haben. Das konnte nicht sein!
    Sie brauchte alle Kraft, um sich wieder zu beruhigen und sich einzureden, dass es keine Rolle spielte, ob er das Amulett hatte. Er hatte schließlich sie und wie es aussah, konnte er mit ihr machen, was er wollte. Aber mit dem Amulett hatte sie noch eine entfernte Hoffnung verbunden, dass dieses irgendein Wunder vollbringen und sie befreien konnte. Nun hatte sich auch diese Hoffnung zerstreut.
    Sie kaute verbissen auf einem Stück getrocknetem Apfel herum, während sie Käses weiterer Erzählung lauschte. Dreizehn hatte ihn anscheinend zu einem Weltentor gebracht. Käse glaubte, dass es in Italien war, aber Maja wusste, dass er weder von Sprachen noch von Ländern große Ahnung hatte, deshalb war auf seine Worte nicht viel Verlass. Sie waren jedenfalls mit einem Flugzeug dorthin geflogen.
    In der Welt ohne Namen angekommen, hatte man Käse mit einem Schiff zu einem kleinen Land mit einer riesigen, düsteren Burg gebracht. Maja vermutete, dass er von Andraya sprach. Nach einem kurzen Aufenthalt waren sie hierher gekommen.
    „Aber warum?“, fragte Maja.
    „Er sucht etwas, das mir helfen soll“, sagte Käse. „Damit sie uns nicht mehr verfolgen können.“
    Maja wurde zornig. „Er ist es doch, der …“ Doch sie stockte. Sie konnte es Käse nicht sagen. Was würde die Wahrheit ändern, außer dass er schreckliche Angst bekommen würde.
    Sie hätte gerne mehr seiner Erlebnisse angehört, doch nachdem sie beschlossen hatte, ihn vorerst nicht über die Gefahr aufzuklären, in der sie beide steckten, fand sie es schwierig mit ihm zu sprechen, ohne sich zu verraten. Stattdessen kaute sie wie verrückt die trockenen Früchte und kam – ganz langsam – wieder zu Kräften.

    Der Inka-Tempel


    Kandrajimo, Tabea und Niber kamen gut voran, so gut, dass sich Tabea in eine Eule verwandelte, um die umliegenden Berge schon mal nach dem Inka-Tempel abzusuchen. Kandrajimo machte sich Sorgen um sie. Hier gab es wilde Tiere, die einer Eule durchaus gefährlich werden konnten, wie zum Beispiel Raubkatzen oder diese unheimlichen riesigen Raubvögel, von denen sie am Vortag ein Exemplar entdeckt hatten: Harpyien. Wunderschön und doch unheimlich.
    Währenddessen kämpften die beiden Kamiraen sich weiter durch den Dschungel. Kandrajimo hielt sie ein wenig auf. Zwar machte sein Bein keine Probleme mehr, aber seine Gesamtverfassung war doch nicht so gut, wie er erwartet hatte. Er brauchte immer wieder Pausen, um seine Kräfte zu sammeln.
    Leises Rascheln ließ sie aufblicken: Eine weiße Eule hatte ein paar Zweige gestreift und schwebte nun lautlos auf sie zu. Kurz bevor sie sie erreichte, verwandelte sie sich zurück in Tabea und landete leichtfüßig auf dem Waldboden.
    „Ich hab ihn gefunden!“, stieß sie triumphierend hervor. „Vier Kilometer östlich von hier: ein Wasserfall und eine steile Treppe. Der Tempel selbst ist auf dem Berg, aber ihn sieht man nur, wenn man unter das Blätterdach fliegt. Aus der Luft hätten wir ihn nie entdeckt.“
    Vier Kilometer! Kandrajimo stieß erleichtert die Luft aus. Die würde er noch schaffen.
    Tabea musterte ihn kritisch. „Du siehst nicht gut aus“, bemerkte sie.
    „Charmant.“
    „Ich meine es ernst. Wir sollten ein Lager aufschlagen und rasten.“
    Doch Kandrajimo schüttelte den Kopf. „Wir rasten jetzt nicht mehr. Vier Kilometer noch. Machen wir uns in der anderen Welt erst einmal ein Bild der Lage, dann können wir immer noch eine Pause machen. Außerdem habe ich keine Lust, noch einmal von einem Tiger geweckt zu werden.“
    „Wir sind in Südamerika, hier gibt es keine Tiger. Das war etwas Anderes gestern Nacht“, entgegnete Tabea.
    „Es hatte die Größe und Form eines Tigers. Und vor allem die scharfen Zähne. Reicht das nicht?“
    „Tiger sind größer“, widersprach Tabea. „Es hätte ein Jaguar sein können, aber seien wir ehrlich, vielleicht war es auch bloß ein Schatten. Außerdem: Wer weiß, welchen Raubtieren wir in unserer Welt begegnen. Wenn ich die Wahl zwischen einem Jaguar und einem Halbdrachen habe …“
    „Keine Sorge, die halten gerade Sommerschlaf“, erklärte Kandrajimo. „Lass uns jetzt bitte nicht streiten und vor allem keine Zeit verlieren. Wenn das hier die entscheidenden Minuten sind, die wir Maja verpassen …“
    „Sie wird nicht dort am Tor sein, Jimo“, sagte Tabea. „Sie ist seit Wochen in der anderen Welt, sie könnte überall sein – oder tot.“
    „Sie ist eine Kamiraen, sie ist nicht tot.“
    „Ihr seid nicht unsterblich“, mahnte Tabea. „Weit davon entfernt.“
    „Aber zäh. Und deshalb weiß ich auch, dass ich diese vier Kilometer schaffen werde.“

    Der Weg war tatsächlich machbar, allerdings wurde er zum Abschluss von der Treppe des Todes gekrönt. Steile, unregelmäßige Stufen wanden sich den Berg hinauf. Doch Kandrajimo dachte nicht ans Aufgeben und kämpfte sich Schritt für Schritt weiter. Beobachtet wurde er dabei von Tieren, Menschen und dämonenhaften Fratzen, die jemand in den Fels neben ihn gemeißelt hatte. Endlich erreichten Kandrajimo und Niber das Ende der Treppe und folgten dem Pfad in den Urwald. Tabea wartete vorm Eingang des Tempels auf sie. Sie hatte sich geweigert, den Berg zu Fuß zu erklimmen. Nun saß sie als weißes Federknäuel auf einer flachen Mauer neben ein paar Stufen.
    Ein Kloß aus moosbewachsenen Steinstufen, mehr war vom Inka-Tempel nicht mehr zu erkennen. Teilweise hatte über Jahrhunderte herabgefallenes Laub schon eine neue Schicht Erde darüber gezogen, den Rest überwucherten Wurzeln und Farne. Auch das halb eingebrochene Eingangstor war zugewachsen und es bedurfte einiger Schwerthiebe Jonathan Nibers, um einen Pfad in die Büsche zu schlagen.
    Hoffentlich fällt uns das ganze Gebilde nicht auf den Kopf, dachte Kandrajimo, als er seinen Begleitern voran in die Finsternis des Tempels trat. Nur ein paar Schritte und sie erreichten einen dämmrigen Raum und als sie ihn durchquert hatten, gelangten sie wieder ans Tageslicht, auch wenn es ein dämmriges, geheimnisvolles Licht war. Kandrajimo sah sich staunend auf einer Art Innenhof mit herabfallenden Stufen um. Umrandet wurde er von ruinenhaften Tempelmauern, doch nach oben war er offen, begrenzt einzig durch das Dach des Waldes. Lianen hingen von dort herab, Wurzeln krochen über die Stufen, Gräser und Blumen quetschten sich zwischen Mauerspalten hervor und ein paar steinerne Säulen wurden von Kletterpflanzen erklommen… Und in der Mitte dieser wilden Schönheit ragte das Weltentor hervor: vertraut und doch so fremd.
    Der Anblick des Tores erfüllte sie mit Ehrfurcht, obwohl sie alle bereits Weltentore durchquert hatten: Über zehn Meter hoch, mit einer schimmernden Membran im Inneren.
    „Wir haben es tatsächlich gefunden“, sagte Niber. „Das erste Tor, das in den anderen Teil unserer Welt führt. Dieser Tag könnte unser aller Schicksal verändern.“
    „Wir werden es verstecken müssen“, sagte Tabea. „Möglicherweise mit Hilfe mächtiger Magie.“
    „Darum können wir uns später kümmern“, meinte Kandrajimo. „Jetzt müssen wir zuerst nach Maja suchen.“ Sicherheitshalber zog er sein Schwert und mit einem letzten, leicht bedauernden Blick auf die Schönheit um ihn, die er gerne länger betrachtet hätte, humpelte er die Stufen hinab und trat durch das Tor.

    Das Gefühl war das gleiche, welches er in den letzten Wochen viel zu oft verspürt hatte. Dann erreichten ihn ein warmer Wind und blendendes Sonnenlicht. Es dauerte ein paar Sekunden, bis seine Augen sich daran gewöhnt hatten und die weite, grasbewachsene Ebene wahrnahmen. Die Sonne stand tief an einem pfirsichfarbenen Himmel. Tabea und Jonathan erschienen neben ihm.
    „Sonnenaufgang“, stellte der andere Kamiraen fest. „War es nicht eben noch Nachmittag?“
    „Zeitverschiebung“, erklärte Kandrajimo. „Wenn man durch das norwegische Tor tritt, hat man einen halben Tag Unterschied, das wird hier ähnlich sein.“
    „Das gibt uns einen ganzen Tag Licht, um uns zu orientieren und die Suche nach Maja zu beginnen“, sagte Tabea voller Tatendrang. „Wir sollten zunächst die Gegend nach Feinden absuchen und dann versuchen, MacLyarks Weg in dieser Welt zurückzuvollziehen. Dann finden wir die silbernen Wiesen, von denen er geschrieben hat und mit etwas Glück einen Hinweis, wo Maja sein könnte.“
    Jonathan Niber seufzte. „Kommt euch das nicht auch alles ziemlich hoffnungslos vor? Es heißt, dieser Teil unserer Welt sei noch größer als der bewohnte. Wie sollen wir sie jemals finden?“
    „Indem wir anfangen zu suchen. Erkundet ihr schon mal einen Unterschlupf, hier stehen wir wie auf dem Präsentierteller. Ich suche die Umgebung ab.“ Mit diesen Worten verschwamm sie in einem Wirbel aus Farben und eine weiße Eule jagte in den Nachthimmel.
    Kandrajimo sah sich weiter um. Die Graslandschaft erstreckte sich in alle Richtungen, doch es gab Auffälligkeiten: „Im Westen sind die Felsen, von denen Amara erzählt hat“, stellte er fest. „Ich glaube ich sehe die Gebäude darauf. Dahinter erkenne ich außerdem eine Bergkette, genau wie im Süden. Richtung Osten ist möglicherweise ein Wald.“
    „Dann lass uns dorthin gehen und zwischen den Bäumen ein Lager errichten“, sagte Niber. „Nach dem, was die Alte über dieses Spukhaus erzählt hat, möchte ich es nicht mal aus der Ferne sehen.“
    Kandrajimo blickte bedauernd nach Westen. Er fand das Bauwerk um einiges anziehender als den Wald, aber sie brauchten einen sicheren Unterschlupf. Ein Ort, an dem siebzig Jahre zuvor eine ganze Gruppe von Menschen unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommen war, schied ohne Frage aus.

    Ich möchte mal hier ein wenig weiter an meiner Welt basteln. Hier im Schrank liegt ein altes Schulheft, in dem neben der oben gezeigten Karte auch noch Informationen über die Welt stehen. Die könnte ich mal von Zeit zu Zeit aktualisieren und hier einstellen.

    Das erste Thema ist jetzt nicht direkt Weltenbau, aber über die Jahre habe ich zu jedem der Welt-ohne-Namen-Romane, die ich bisher geschrieben habe, ein Symbol erstellt. In der von mir ausgedruckten Version zieren sie die erste Seite sowie den Buchrücken und ich würde sie hier gerne einmal vorstellen.

    Das ist einmal Majas Amulett für den ersten Band:

    Der Ring der Libellen für den zweiten:

    Und das dritte Tor für den dritten:


    Und damit es ein bisschen in den Weltenbau-Bereich passt, schreibe ich noch ein bisschen zu den Kamiraen, den Libellen und den Ringen:

    Kamiraen
    In meiner Welt gibt es einen Rat von zwölf auserwählten Menschen, den Kamiraen, die sich in der Stadt Miriam beraten und im ganzen Land berühmt sind. Ihre Aufgaben sind der Schutz und die Geheimhaltung der Welt ohne Namen, aber auch diplomatische Verbindungen zu unserer Welt aufzubauen. Außerdem haben sie natürlich das Ziel, ihre eigene Autonomie und ihre Einflussmöglichkeiten zu bewahren. Die Kamiraen besitzen besondere Kräfte und Fähigkeiten und werden als Helden verehrt. Geschichten über sie hört man an jedem Lagerfeuer gerne.

    Libellen
    Die Libellen sind sowas wie die Angestellten, Diener und Helfer der Kamiraen. Das Hauptquartier der Kamiraen in Miriam ist ein großer Gebäudekomplex, ähnlich wie eine Regierungszentrale. Die Menschen, die dort arbeiten, von der Putzkraft, über Lehrer und Krieger, bis zu ranghohen Beratern und Botschaftern, werden Libellen genannt. Einige von ihnen sind noch recht jung und absolvieren dort ihre Ausbildung. Libelle zu werden ist sehr erstrebenswert, da die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung gut sind und eine Ausbildung dort Tür und Tor auch in anderen Städten öffnet (die meisten wollen aber gar nicht weg).

    Ringe
    Die meisten Libellen tragen Ringe, deren Farbe etwas über ihren Rang aussagt:

    Weiß: Tabeas einzigartiger Ring (sie hat eine besondere Stellung unter den Libellen)
    Dunkelblau: Libellen von höchstem Rang
    Violett: Libellen, die die Abläufe im Hauptquartier organisieren
    Rot: bewährte Libellen, die bereits für anspruchsvolle Missionen zugelassen sind (Kämpfer)
    Grün: bewährte Libellen, die bereits für anspruchsvolle Missionen zugelassen sind
    Rosa/hellrot: Kämpfer, die erst für kleine Aufgaben in der Umgebung des Hauptquartiers zugelassen sind
    Hellgrün: Libellen, die erst für kleine Aufgaben in der Umgebung des Hauptquartiers zugelassen sind
    Orange: Magier im Dienste der Kamiraen
    Gelb: Zauberlehrlinge im Dienste der Kamiraen
    Indigo: Schlüsselwächter
    Türkis: Botschafter
    Hellblau: ?

    Tja, bei Hellblau steht in meinem schlauen Heftchen noch nichts, aber man muss sich ja für Notfälle noch Farben freihalten. Magier und Zauberlehrlinge im Dienste der Kamiraen gibt es übrigens aktuell nicht (sonst würden sie ja nicht ständig Meister Wolf, Feodor und Tamor um irgendetwas bitten müssen - vielleicht sollte sie die mal einstellen ;)). Und ich weiß nicht mehr, was ich mir damals bei dem Schlüsselwächter gedacht habe. Er muss wichtig sein, sonst gäbe es dafür keinen eigenen Ring. Aber vielleicht ist das auch so ein Job, den es vor langer Zeit mal gab und der passende Ring staubt in einer Schachtel in Sonkons Büro ein.

    Ein bisschen seltsam im Moment, hier ohne Leser zu schreiben, denn ich schreibe gerade den Showdown, auf den alle gewartet haben, aber ich bin sicher irgendjemand wird es irgendwann lesen.


    „Maja, du siehst schrecklich aus“, sagte Käse.
    Sie konnte nur müde schnauben. „Ich hatte ein paar harte Tage. Wochen, wenn ich ehrlich sein soll.“ Und er sah selber nicht gut aus. „Wie geht es dir? Was hat er dir angetan?“
    Er zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht einfach, vor allem weil ich euch vermisst habe: dich und Mama und Papa. Aber ich gebe mein Bestes, um den Auftrag zu erfüllen.“
    „Welchen Auftrag?“
    „Deinen Auftrag. Ich musste doch fortsetzen, was du angefangen hast.“
    Maja verstand nicht. Was hatte sie angefangen? Und sie hatte das Gefühl, dass auch weitergehende Erklärungen ihr nicht weiterhelfen würden. Ihr Gehirn war wie ein wirbelnder Strudel, die Gedanken kreisten darin so schnell, dass sie nicht einmal mehr erkennbar waren. Ihr Kopf war zum Platzen voll und gleichzeitig leer. Sie war einfach nur froh, Käses Gesicht noch einmal zu sehen. Egal, was danach kommen würde. Seine Augen, sein Lächeln … Wieder überkam sie ein Schwindelgefühl, sodass sie sich an Käse festklammern musste. „Ich glaub ich mmmm setzn …“ murmelte sie unverständlich und ließ sich zu Boden sinken.
    Käse zerrte an ihr und half ihr, wenigstens noch die Schlafmatte zu erreichen. Dort legte sie sich auf den Rücken und schloss die Augen. Sie lauschte dem Klopfen ihres Herzens. Es klang unregelmäßig und viel zu laut. Ihr ganzer Körper zitterte.
    Dann spürte sie, wie Käse zu ihr auf die Matte krabbelte und sich an sie schmiegte. „Ich weiß nicht, wie lange ich das noch ohne dich durchgehalten hätte. Ich will nach Hause.“
    Nach Hause …, dachte Maja. Ja da wollte sie auch hin. Aber sie wusste dort nicht hinzukommen. In ihrem Plan gab es kein Kapitel für den Rückweg, nicht einmal eine Fußnote. Wie hätte sie das auch planen sollen? Hatte es überhaupt einen Plan für irgendwas gegeben? Maja hatte einfach immer nur versucht irgendwas zu tun – ihrer Verzweiflung zu entgehen, bis sie schließlich getötet wurde. Aber das war sie nicht und hier lag sie nun und hielt den kleinen Menschen in den Armen, den sie schon verloren geglaubt hatte. Es war ein Wunder.
    Doch was jetzt kam … sie hatte nicht die Kraft, sich darüber Gedanken zu machen. Und dann war da auch noch Dreizehn. Aber sie wollte jetzt nicht an ihn denken, sie wollte bloß hier liegen und Kasimir festhalten.
    Er regte sich in ihren Armen. „Maja?“, fragte er. Sicher hatte er so viele Fragen.
    Aber Maja antwortete nicht. Sie stellte sich schlafend.
    Er musste ihr ihre Erschöpfung ansehen, denn er sprach sie nicht weiter an. Maja hatte ein schlechtes Gewissen, aber sie konnte sich jetzt nicht mit ihm auseinandersetzen. Mit nichts hiervon. Sie war so müde … und doch fand der Schlaf sie nicht.
    Es wurde langsam dunkler im Zelt und mit der Nacht wurde es schwerer, die Fragen auf Abstand zu halten: Warum hatte Dreizehn sie nicht getötet? Monatelang hatte er sie von seinen Leuten verfolgen lassen. Sie hatten darüber gesprochen, sie töten zu wollen. Hatte Tabea nicht gesagt, dass er nur jemanden aus ihrer Generation erledigen musste, um die Kamiraen für immer zu vernichten? Oder wusste er gar nichts von dieser Prophezeiung? Selbst wenn nicht, so hatte er es in der Hand, die Linie der Kamiraen zu beenden. Er musste sie nur umbringen und das Amulett an sich nehmen. Tabea würde es nicht finden. Niemand würde es finden. Und Maja hätte keine Chance gegen ihn, das war ihr klar. Er war unmenschlich schnell und stark. Selbst mit ihren Kamiraen-Kräften, selbst in wachem Zustand kam sie nicht gegen ihn an. Es war ihm so leicht gefallen sie abzuwehren.
    Vielleicht war er wirklich ein Unglücklicher, gegen den diese Kräfte versagten. Oder nährte Magie seine Kraft? Was er auch war, er war mächtig, das spürte Maja. Wie sollte sie ihm nur entkommen? Sie hatte das Gefühl, auf Messers Schneide zu stehen – ein falscher Schritt … und vielleicht brauchte es nicht mal das, vielleicht wäre ihr Leben am Morgen schon verwirkt. Maja hatte nicht den Eindruck, dass Dreizehn jemand war, den man verstehen, dessen Handlungen man nachvollziehen konnte. Vielleicht entschied er in diesem Moment, dass er sie doch sterben sehen wollte. Und warum er Käse entführt hatte, wusste sie immer noch nicht.
    Diese Gedanken wiederholten sich ein paar Mal, verhakten sich zu einem komplizierten Wirrwarr und strudelten schließlich wieder wild umher. Währenddessen ging draußen die Sonne wieder auf. Maja hatte nicht eine Sekunde geschlafen. Wie sollte sie auch in dieser Situation. Das Problem war nur, dass sie seit Tagen auf den Beinen war und sich nicht einmal mehr erinnerte, wann der Schlaf sie das letzte Mal mit seinen Armen umfangen hatte.

    Der Zelteingang öffnete sich mich einem Ratschen und Flattern und gab den Weg für einen Lichtstrahl frei, dann erschien ein wuscheliger, schwarzhaariger Kopf darin, gefolgt von einem einfachen, blauen Kleid mit weißen Schnüren. Es war eine mittelalte, sehr energiereiche Frau, die mit einer Schüssel undefinierbarer Pampe herein kam.
    „Guten Morgen, junger Herr“, verkündete sie munter, dann stockte sie, als sie Maja entdeckte. „Wer ist das?“
    „Meine Schwester!“ Käse strahlte glücklich.
    Die Frau hielt erschrocken den Atem an. „Weiß der Hauptmann, dass sie hier ist?“
    Der Hauptmann – damit meinte sie wohl Dreizehn. „Er hat mich hergebracht“, erklärte Maja.
    „Ach wirklich? Na dann ist wohl alles in Ordnung“, überlegte die Frau. „Ich bringe noch eine zweite Schüssel und dann noch etwas zum Waschen.“ Sie musterte Maja von oben bis unten und rümpfte die Nase.
    Käse sprang auf, nahm die Schüssel entgegen und probierte gleich einen Happen. „Köstlich – Ahornsirup – danke Wanja“, rief er, drehte sich zu Maja um und strahlte sie an. „Ich dachte ich hätte vielleicht nur geträumt, dass du gekommen bist. Aber es war Wirklichkeit.“
    Maja betrachtete ihn aus müden Augen. Wie konnte er so fröhlich und aufgeweckt sein angesichts dessen, was ihm passiert war? Es gab nur eine mögliche Erklärung: Er wusste gar nicht, dass er ein Gefangener war. Das war einerseits gut, denn es bedeutete, dass er die Angst nicht spürte, die sie umtrieb. Aber was hatten sie ihm nur erzählt? Sie wollte fragen, doch sie brachte die Worte einfach nicht heraus.
    Dann war die Frau wieder da, reichte Maja ebenfalls eine Schale mit Nahrung und stellte eine Waschschüssel im Zelt auf.
    Maja betrachtete das Essen in ihren Händen, es sah aus wie Haferschleim. Sie wusste, dass ihr Magen es wieder ausspeien würde, sollte sie auch nur wagen einen Löffel davon zu sich zu nehmen. Ihre Sicht verschwamm. Sie hatte zu lange nicht geschlafen und nicht gegessen. Nun schien beides nicht mehr möglich zu sein, als hätte sie es verlernt. Nicht mal einen klaren Gedanken fassen konnte sie.
    Sie stellte die Schüssel ab und schwankte zur Zelttür, trat hinaus ins Lager. Hier war schon einiges los: Männer liefen hin und her, ein paar Frauen waren auch dabei, die ersten Zelte wurden abgebaut, Pferde gefüttert und gesattelt, Essen heruntergeschlungen. In der Mitte des Lagers stand das Zelt des Hauptmannes noch ungestört im Sonnenlicht, genau wie das von Käse hatte es noch niemand abgebaut. Vor dem Eingang stand Dreizehn in seiner Uniform und blickte sie an. Maja starrte zurück. Er setzte sich in Bewegung und kam auf sie zu. Majas Augen brannten, als ihr Tränen in die Augen traten. Sie spürte ihr Herz wieder rasen. Hatte es überhaupt in der letzten Nacht einmal damit aufgehört? Es klopfte so unregelmäßig … das war definitiv nicht gesund, aber was spielte es für eine Rolle, wenn sie ihrem Erzfeind ins Antlitz blickte? Er blieb vor ihr stehen und betrachtete sie vom Kopf bis zu den Füßen.
    „Wann hast du das letzte Mal geschlafen?“, fragte er.
    Sie antwortete nicht. Ihm gegenüber fand sie ihre Stimme nicht. Sie hatte vergessen, die Tage zu zählen. Nur eines war klar: ein normaler Mensch, ohne die Kräfte der Kamiraen, wäre vielleicht schon gestorben.
    „Du bist ja völlig fertig. So kann ich dich nicht mitnehmen.“
    Und plötzlich stand er direkt vor ihr. Maja kniff die Augen zusammen, als sie seine Hand auf ihrer Schulter spürte. Dann merkte sie plötzlich, wie ihr Körper schwach wurde, wie sämtliche Gliedmaßen ihre Körperspannung verloren. Einen Moment lang schien sie außerhalb ihres Körpers zu stehen, dann drückte etwas Mächtiges dieses Gefühl erbarmungslos zusammen und alles wurde schwarz.

    Tja, ich löse den Vorsatz ein, wenn auch jetzt nur ein kurzer Teil kommt. Die Szene hatte ich mir so oft auf unterschiedlichste Weise ausgemalt und auch schon mehrere Versionen geschrieben Aber irgendwie fühlte sich alles nicht ganz rund an. Zu viel Dialog, zu viel "Der Bösewicht plaudert jetzt mal eben seinen ganzen Plan aus". Was haben sie sich schon zu sagen? Majas Reaktion wirkte auch nicht realistisch. Deshalb habe ich das meiste gelöscht und probiere es erstmal so, aber zu hundert Prozent bin ich nicht zufrieden.


    Teil 5


    Im Angesicht des Feindes


    „Nein.“ Majas Furcht vor Lil war auf einen Schlag vergessen. Es war, als existierte die Zauberin nicht einmal mehr. Alles was zählte war der Mann vor ihr, der nun die Arme verschränkte. „Nein“, flüsterte sie erneut.
    Der Mann machte sich nicht die Mühe, Lils Worte noch einmal zu bestätigen. Wozu auch, sie hatte keinen Grund zu lügen. Er war eindeutig Dreizehn, es gab keinen Zweifel. Sie war ihm direkt in die Arme gelaufen. Und dann spürte sie Wut. Kochend heiße Wut. Angst und Wut, wie sie sie nie gespürt hatte, vermischten sich und weckten die Kräfte der Kamiraen, stärker als je zuvor. Sie spürte, wie das Erbe der Kamiraen sie erfüllte. Es ließ sie nicht im Stich, nicht im Angesicht ihres ärgsten Feindes. Sie fühlte sich stärker als je zuvor. Sie griff in ihre Tasche, zog das Messer heraus und stürzte sich auf Dreizehn.
    „Vorsicht!“, rief Lil.
    Dreizehn rührte sich nicht von der Stelle, doch als Maja bei ihm war und mit dem Messer auf seinen Hals zielte, die einzige ungeschützte Stelle, die sie sehen konnte, packte er ihr Handgelenk, drehte es herum, legte seine andere Hand, die den Knauf des Schwertes aus Taroq hielt, auf Majas linke Schulter und drückte sie so fest zu Boden, dass sie auf die Knie fiel. Dort hielt er sie fest und Maja konnte sich kaum noch bewegen, obwohl sie die Kraft der Kamiraen immer noch in sich spürte. Er war stark und verdammt schnell. Dann nahm er die Hand von ihrer Schulter und hielt er ihr das Schwert an die Kehle.
    Es war seltsam, doch in diesem Moment stellte Maja sich zum ersten Mal die Frage, wie es sich wohl anfühlte, zu sterben. Nach allem, was sie in den letzten Wochen durchgemacht hatte, machte ihr der Gedanke, tot zu sein, nicht mehr so viel aus. Nur das Sterben fürchtete sie. Den Schmerz.
    „Ihr erinnert Euch doch noch an unser Gespräch über das Schwarze Einhorn?“, fragte Lil besorgt.
    „Sehr deutlich, allerdings finde ich den Gedanken, es zu ignorieren gerade sehr reizvoll.“ Dann fiel sein Blick plötzlich auf das Messer in Majas Hand. Er entwand es ihren Fingern, ließ Maja los und trat einen Schritt zurück. „Sieh dir das an, Lil. Das Schicksal meint es heute gut mit uns.“
    Er hielt ihr das Messer hin. Lil trat heran und nahm es in die Hand. „Das ist eines der Messer von Telaor.“
    „Eines ebenjener Messer, die wir gerade suchen. Ich danke dir, Maja, du hast mir einen weiten Weg und eine anstrengende Suche erspart. Und hierfür danke ich ebenfalls.“ Er betrachtete das Schwert aus Taroq, das Licht spiegelte sich auf der leicht glimmenden Klinge.
    Maja fühlte sich mehr als unwohl, wie sie hier vor ihm kniete. Sie versuchte sich aufzurichten, doch ein Blick von ihm und eine leichte Bewegung des Schwertes wiesen sie an, sitzen zu bleiben. Stattdessen ging Dreizehn in die Hocke und sah Maja ins Gesicht. Seine Augen waren nur Zentimeter von ihren entfernt. „Ich werde dich nicht töten, Maja, nicht heute. Ich hatte es lange Zeit vor, aber Lil meint, es wäre möglicherweise ein Fehler. Und es ist meistens eine gute Idee auf sie zu hören. Zumindest habe ich in meinem recht langen Leben die Erfahrung gemacht, dass übereilte Entscheidungen sich später rächen. Tote lassen sich nicht einfach wiederbeleben, wenn man sie plötzlich braucht. Du wirst uns aber von jetzt an begleiten. Und fang bloß nicht an, hier irgendwas zu versuchen – denk nicht mal an Flucht. Du würdest keine hundert Meter weit kommen.“
    Maja starrte zurück. Es fiel ihr schwer, einen klaren Gedanken zu fassen oder auch nur zu verstehen, was er sagte. Er fragte noch etwas, doch die Worte perlten einfach an ihr ab, sie konnte sie gar nicht hören.
    Dreizehn starrte sie einen Moment an, blickte schließlich zu Lil, wechselte ein paar Worte mit ihr und schnaubte dann. Maja fühlte sich erstarrt. Selbst als er plötzlich aufstand und sie am Arm packte, konnte sie nicht reagieren. Alles was sie tun konnte, war nicht zu fallen, als er sie zum Eingang des Zeltes schob.
    Draußen schien die Sonne gleißend hell auf das verlassen wirkende Lager. Während Dreizehn sie an einigen Zelten vorbei führte, drehten sich nur zwei Köpfe zu ihnen um. Als sie ihren Hauptmann sahen, blickten sie jedoch schnell in eine andere Richtung. Angst lag in der Luft.
    Lil folgte ihnen mit etwas Abstand und blieb schließlich stehen. Auch sie wagte offenbar nicht, sich weiter einzumischen.
    Sie erreichten ein kleines, viereckiges Zelt. Dreizehn ließ Maja los, um einige Knoten am Eingang zu lösen, dann schlug er die Zeltwand ein Stück auf. „Ich bin noch nicht mit dir fertig“, sagte er, „aber in diesem Zustand kann ich nichts mit dir anfangen. Wir sprechen uns morgen.“ Seine Hand stieß Maja durch die Öffnung – nicht besonders heftig, jedoch so, dass sie ins Taumeln geriet.
    Sie war mehr damit beschäftigt, ihr Gleichgewicht wiederzuerlangen, als ihre Umgebung wahrzunehmen, deshalb erkannte sie bloß eine Schlafmatte mit Decken und eine Tasche. Vielleicht lag es auch daran, dass es in diesem Zelt nichts weiter gab. Dann stürzte eine kleine Gestalt auf sie zu und klammerte sich an ihr fest. Maja hatte nicht einmal die Kraft, sich loszureißen und irgendwo tief in sich spürte sie, dass sie das auch gar nicht wollte. Sie blickte hinab auf einen Schopf brauner Haare. Dann kippte dieser zur Seite und offenbarte ein vertrautes Gesicht: Käse.
    Maja wurde schwindelig und sie klammerte sich ebenso an ihm fest, wie er sich an ihr. Nie, nie wieder wollte sie ihn loslassen. Nach all der Suche und all den Strapazen hatte sie ihn endlich gefunden. Hier stand er und blickte sie an. Auch wenn seine Augen ein wenig von ihrer Strahlkraft verloren hatten, auch wenn tiefe Ringe sie untermalten und seine Wangen hager geworden waren – er lebte.
    „Endlich bist du da“, sagte er.
    „Ja, hier bin ich“, antwortete sie.
    Dann drehte sie sich zum Zelteingang um. Dreizehn stand dort und beobachtete sie. Ihren Blick erwiderte er mit einem spöttischen Kräuseln seiner Lippen. Dann schlug er die Zeltplane zu und war nicht mehr zu sehen.

    Hallo Park Bom ,

    ich weiß nicht ob es hier noch weiter geht. Hatte die Geschichte in meinen Lesezeichen gespeichert und sie jetzt, in einem freien Moment, endlich gelesen. Im Allgemeinen finde ich, dass du einen guten Schreibstil hast. Es war klar und nachvollziehbar. Ein wenig könntest du noch bei Wörtern oder Satzstellungen variieren. Außerdem hätte ich mir mehr Gefühle und Gedanken gewünscht, auch Erklärungen. Da du in der Ich-Perspektive schreibst, wäre so etwas leicht einzubauen.

    Die Geschichte selbst weckt Interesse. Ich würde jedenfalls noch ein wenig weiter darin schnuppern, auch wenn ich nicht völlig überzeugt bin. Mit dem Tunnel scheint sich die Handlung gerade sehr plötzlich gewandelt zu haben. Ich abboniere sie mal, dann bekomme ich ja mit, falls du weiter schreibst.

    Viele Grüße

    Din

    Hallo liebe Leserinnen und Leser,

    hier kommt eine kleine Warnung: Ich beende nun dieses Jahr mit einem fiesen Cliffhanger und starte erst im neuen wieder mit Teil 5. Da werde ich mich aber bemühen, direkt in der ersten Woche wieder einzusteigen. Das Kapitel ist schon geschrieben.

    Viel Spaß beim Lesen wünscht

    Din


    Mit letzter Kraft

    Maja war seit drei Tagen unterwegs. Sie hatte mehrere kleine Bäche überquert und der Gebirgszug vor ihr kam immer näher. Auch hinter ihr waren vereinzelte Berge, das große Gebirge, das auch in dieser Richtung liegen musste, konnte man jedoch nicht sehen. Es musste noch weiter entfernt sein. Die Landschaft war ziemlich karg geworden. Flache Hügel soweit das Auge reichte, bewachsen mit violettem Heidekraut, Beeren und struppigem Gras, sandige Wege und Waldstücke mit niedrigen, dunkelgrünen Bäumen. Für Maja, deren Augen grünes Gras und helle Wälder gewohnt waren, hatte diese Heidelandschaft etwas Fremdes. Sie wirkte karg und voller Leben zugleich.
    Maja mobilisierte ihre letzten Kräfte – Kräfte, von denen sie gar nicht gewusst hatte, dass sie sie besaß. Und es schien ihr, als wären diese Kräfte nicht mehr sonderlich menschlich. Ihr war klar, woher sie kamen: das Amulett auf ihrer Brust fühlte sich warm an. Maja wusste immer noch nicht, wie es eigentlich funktionierte oder auch nur, wann es funktionierte, doch es hatte sie die letzten Tage mit einer unfassbaren Kraft versorgt. Sie war drei Tage gewandert ohne ein einziges Mal zu schlafen. Unermüdlich schleppte sie sich vorwärts. Sie wusste nicht, wie lange sie das noch durchhalten würde, aber jetzt, wo auch ihre letzten Lebensmittel verbraucht waren, wollte sie nicht mehr rasten, bevor sie ihr Ziel erreicht hatte. Wenn sie sich jetzt schlafen legte, wenn sie sich auch nur hinsetzte, würde sie nicht mehr weiter gehen können. Und so setzte sie einen Fuß vor den anderen. Sie fühlte sich nicht so erschöpft, wie sie eigentlich sein sollte. Sie hatte noch Kraft und sie war noch klar bei Verstand. Und sie wusste, dass sie das einzig und allein dem Zeichen von Pheris zu verdanken hatte. Allerdings fühlte sie den Abgrund der Erschöpfung und der Verzweiflung bereits lauern. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis sie hinabfiel.
    Irgendwann am Nachmittag des dritten Tages schleppte sie sich auf den Gipfel einer kleinen Hügelkette und erblickte plötzlich unter sich ein provisorisches Lager. Rot-Grüne Zelte, sowohl rund als auch eckig, waren dort aufgebaut, in ihrer Mitte blieb ein kleiner Platz frei. Dort hatte man eine Fahnenstange aufgestellt, an der die grün-weiße Flagge Andrayas wehte. Sofort war Maja ganz aufgeregt. Sie ließ sich zu Boden sinken und begann, in Richtung des Lagers zu schleichen. Alles an ihr war aufs Äußerste gespannt. Sie würde endlich ihren Bruder finden, ihn retten können ... An die Möglichkeit, dass er vielleicht gar nicht dort war, versuchte sie lieber nicht zu denken. Sie wusste, dass sie das nicht überstehen würde. Dies war ihre letzte Chance. Aber es gab hier nur so wenig Gelegenheiten, sich zu verstecken. Sollte sie wirklich auf ihr Glück und das Amulett vertrauen? Oder sollte sie bis zur Dunkelheit warten? Nein, wenn sie wartete, würde sie einschlafen und wer wusste schon, wann sie wieder aufwachen würde. Außerdem konnte sie keine Sekunde länger warten. Jetzt oder nie!
    Sie erreichte tatsächlich beinahe die ersten Zelte, doch dann stand plötzlich eine große Gestalt in der Ausrüstung der Dreizehnten Armee vor ihr. Der Mann stützte sich auf seinen Speer und sah Maja interessiert an.
    „Hey Luko!“, rief er, „schau mal, hier ist jemand.“
    „Wer soll denn da sein?“
    „Äh. Ein Mädchen. Ich weiß auch nicht, ob ich sie mir einbilde.“
    „Lass mich in Ruhe, du Spinner. Du willst mich doch nur reinlegen.“
    Maja und der Soldat sahen sich in die Augen. Maja ärgerte sich über ihre eigene Dummheit, wusste aber gleichzeitig, dass sie keine andere Entscheidung hatte treffen können. Dann sprang sie auf, zog das Schwert aus Taroq und stürzte sich auf den Soldaten.
    Er war so überrascht, dass er es nur mit Mühe schaffte, den Speer hochzuheben und ihren Schlag abzublocken. Das Holz des Schaftes zersplitterte unter der Wucht, der Soldat fiel zu Boden und Maja mit ihm. Sie rollte sich über ihn hinweg und lief auf das Lager zu. Die Plane eines Zeltes war schnell angehoben und Maja quetschte sich darunter hindurch in das Innere des Zeltes. Vorsichtig sah sie sich um. Niemand war hier, sie hatte Glück gehabt. Aber noch einmal sollte sie das wohl besser nicht wagen. Sie musste ihren Bruder finden ohne zuvor gefangen zu werden und das, obwohl sie bereits entdeckt worden war. Keine leichte Aufgabe. Sie versteckte sich hinter ein paar großen Kisten und ließ ein wenig Zeit vergehen. Draußen waren wütende Stimmen zu hören. Der Soldat erklärte seinen Kollegen, was passiert war, aber die hielten ihn für bescheuert. Ein kleines Mädchen sollte ihn mitten in der Heidelandschaft mit einem Schwert attackiert haben? Das klang eher, als hätte der gute Mann zu lange in der Sonne gelegen.
    „Sie ist da lang gelaufen. Wir müssen ihr folgen“, rief der Soldat, aber sie lachten ihn bloß aus.
    Maja hingegen kämpfte im dämmrigen Zelt mit Müdigkeit und Schwindel. Sie entschied, dass es Zeit war, zu gehen. Dieser eine Soldat wusste, was er gesehen hatte, und er würde nach ihr suchen. Sie schlich durch das Zelt und verließ es, wie sie hereingekommen war, nur diesmal auf der anderen Seite. Dann huschte sie geduckt zwischen zwei Reihen eckiger Zelte entlang. Als sie Stimmen aus dem Zelt neben sich hörte, verharrte sie regungslos. Vielleicht konnte sie etwas über ihren Bruder erfahren. Doch das Gespräch drehte sich bloß um das Waschen der Unterhosen der werten Herren. Leise schnaubend setzte Maja ihren Weg fort. Doch dann schlich sie ausgerechnet in dem Moment an einem Zelteingang vorbei, in dem ein halb bekleideter Soldat heraus trat. Er reagierte schneller als sein Kollege. Bevor sie ihre Situation begriffen hatte, hatte er sie schon im Schwitzkasten und brüllte nach Verstärkung. Maja rammte ihm ihren Hinterkopf ins Gesicht, gerade als fünf weitere Soldaten zu ihnen stießen. Das Mädchen wirbelte herum und versetzte dem ersten Angreifer einen Schwerthieb gegen den Helm, der ihn zu Boden schleuderte. Dann wurde sie von mehreren Händen gepackt und überwältigt, das Schwert wurde ihren Händen entrissen und sie auf den zentralen Platz geschleift.
    „Lasst mich los!“, brüllte Maja und begann, die Männer wüst zu beschimpfen. Diese sahen sich ein wenig ratlos an und entschieden dann, Maja zu ihrem Hauptmann zu bringen. Ihrem Gespräch entnahm Maja, dass der Mann Lemiok hieß und dass seine Männer offenbar so viel Angst vor ihm hatten, dass sie ganze fünf Minuten und genauso viele Holzstäbe in verschiedenen Längen benötigten, um zu entscheiden, wer Maja dorthin bringen sollte. Als sich schließlich zwei Unfreiwillige gefunden hatten, schleiften diese Maja auf das größte Zelt zu. Sie schlugen das Tuch, das den Eingang bedeckte, beiseite und schleiften Maja hinein. Diese weigerte sich, auch nur einen Fuß vor den anderen zu setzen. Ihr war schwindelig und sie hatte das Gefühl, bloß Beobachterin dieser Situation zu sein. Im wahrsten Sinne neben sich zu stehen. Was hatte sie bloß geritten, völlig übermüdet in dieser Lager zu marschieren? Es war später Nachmittag, das Lager wäre auch am Morgen noch hier gewesen. Sie hätte versuchen sollen ein paar Stunden zu schlafen und dann mit Bedacht vorzugehen. Aber offensichtlich war sie nicht mehr zurechnungsfähig.
    Der Innenraum des Zeltes war rund und relativ schlicht. Kisten standen an den Wänden und jemand hatte einen Tisch und Stühle aufgestellt. An einer Zeltwand gab es eine kleine Öffnung, die wohl in eine Art Anbau führte.
    Gegenüber von Maja war ein großer, bequemer Stuhl aufgestellt, den zu transportieren sicherlich einiges an Aufwand erforderte. Darauf saß ein Mann mittleren Alters mit kurzem, braunem Haar und dunkelblauen Augen. Seine Haut hatte einen leichten Goldschimmer. Über seiner grünen Kleidung trug er einen silbergrünen Brustharnisch. Seiner Aufmachung war eindeutig anzusehen, dass er ranghöher als die anderen Soldaten im Lager war.
    „Hauptmann Lemiok, wir haben dieses Mädchen zwischen den Zelten erwischt. Wir können uns nicht erklären, wie sie hierher kommt.“
    Die Augen des Hauptmannes blieben an Maja hängen und sein Mund klappte überrascht auf. Eine Weile schien er sprachlos. Maja funkelte ihn bedrohlich an. „Das ist doch nicht zu fassen“, sagte er endlich. „Maja Sonnfeld.“
    „Woher - “ Ihr blieb die Frage im Hals stecken. Ihr Mund wurde trocken.
    „Woher ich deinen Namen kenne? Ich habe Bilder von dir gesehen. Du siehst dem kleinen Mädchen darauf nicht mehr sonderlich ähnlich, aber ich habe ein ausgesprochen gutes Gedächtnis für Gesichter.“ Er schmunzelte, als habe er einen Witz erzählt, den nur er verstand und betrachtete sie. Seine dunklen Augen glitzerten vor Faszination. „Wie hast du das bloß angestellt?“, fragte er. „Von der anderen Welt in diese und dann noch bis hierher. Du musst Hunderte von Kilometern zurückgelegt haben. Wieso nur? Was hat dich bloß dazu getrieben?“
    „Ich will meinen Bruder zurück“, sagte Maja. Es klang so leise, dass sie glaubte, er habe sie nicht verstehen können. Sie räusperte sich. „Ich fordere meinen Bruder zurück“, verkündete sie mit mehr Nachdruck. „Er ist doch hier, nicht wahr? Gebt ihn mir und lasst uns beide gehen.“
    „Ich verstehe nicht ganz“, sagte der Hauptmann. „Die Reise hierher muss dich fast umgebracht haben. Und das alles nur für deinen kleinen Bruder?“
    Maja verstand nicht, was er meinte, und sie war nicht die Einzige mit Verständnisproblemen:
    „Du meinst ...“, begann der rechte Soldat, der Maja festhielt, zu stammeln, „Du meinst, dieses Mädchen ist Maja Sonnfeld? Aber wie kommt sie hierher?“
    „Ist doch egal“, sagte Majas linke Wache. „Wir müssen es Fürst Dreizehn mitteilen. Wir müssen sie zu ihm bringen. Oder sollen wir sie gleich töten?“
    Maja verkrampfte sich. Der Hauptmann betrachtete die Szene mit unbeteiligter Miene. Die beiden Soldaten sahen ihn fragend an.
    „Hier wird niemand getötet, bevor ich keine anders lautenden Anweisungen gebe“, sagte er. „Meinetwegen könnt ihr Fürst Dreizehn schreiben. Aber jetzt erstmal werdet ihr mich und Maja alleine lassen.“
    „Seid Ihr sicher, Hauptmann? Sie ist eine Kamiraen und Ihr wisst, was man sich über die erzählt.“
    „Raus!“
    Der Soldat grummelte sich noch irgendetwas in den Bart, dann ließ er Maja los und verließ das Zelt.
    Der andere hob das Schwert aus Taroq, das er Maja abgeknöpft hatte. „Das hier trug sie bei sich“, sagte er.
    Die Augen des Hauptmannes weiteten sich, mit einem Ruck erhob er sich aus seinem Stuhl, durchschritt das Zelt und nahm die Waffe an sich. Er betrachtete sie wie einen alten Freund. Dann sah er Maja in die Augen.
    „Ein außergewöhnliches Schwert“, sagte er leise. „Geh jetzt“, wies er den Soldaten an, der sich so schnell von dannen machte, wie er vermochte, offenbar sehr erleichtert, den Raum verlassen zu dürfen. Es bedeutete, dass Maja nun wieder auf ihren eigenen Füßen stehen musste. Im ersten Moment fiel es ihr sehr schwer und sie schwankte leicht. Jetzt waren nur noch sie und der Hauptmann im Zelt.
    „Spar uns Zeit und versuche nicht, abzuhauen“, sagte er. „Du würdest nicht weit kommen. Hier gibt es nichts, wohin du fliehen könntest.“
    „Geben Sie mir meinen Bruder zurück“, zischte Maja.
    „Nein“, antwortete er schlicht.
    „Ich habe nicht die halbe Welt durchquert, um mich jetzt von jemandem wie Ihnen aufhalten zu lassen.“
    „Ich fürchte doch. Dein Bruder ist ein viel zu wichtiger Teil dieser Mission als dass ich ihn mir von einem vierzehnjährigen Mädchen wegnehmen lassen würde.“
    „Ich bin eine Kamiraen“, sagte Maja drohend.
    Einen Moment blitzte Zorn in seinen Augen auf, dann trat wieder Gelassenheit an seine Stelle. „Ach tatsächlich?“, meinte der Mann unbeeindruckt. „Stell dir vor, das wusste ich bereits.“ Er sah sie an. Seine Augen betrachteten die zerfetzten Turnschuhe, die schmutzstarre Jeans und blieben schließlich an der roten Jacke mit dem langen Riss im Ärmel hängen. „All das, um einen kleinen Jungen zu retten. Du musst ihn wirklich lieben.“
    „Er ist mein Bruder.“
    „Was hat das damit zu tun? Ich habe meinen Bruder getötet.“
    „Warum?“, fragte sie erschrocken.
    „Rache.“
    Maja starrte ihn an. „Messen Sie mich nicht mit Ihren Maßstäben“, sagte sie dann zornig. „Sie arbeiten für Dreizehn.“
    Er sah sie bloß an. In dem Moment schwang der Vorhang, der das Zelt von dem Anbau trennte, zur Seite und eine Frau in einem grünen Kleid kam herein. Maja erkannte sie sofort: Die dunklen Haare, das stark geschminkte Gesicht und diese Art sich zu bewegen. Diese magische Aura.
    „Lil“, stieß sie hervor. Dreizehns rechte Hand.
    Maja wurde bleich und wich zurück. Lil und sie waren sich schon einmal begegnet, damals hatte diese in Dreizehns Auftrag die Burg Basilius Kocks besucht und ihm geholfen, den Dark Forest abzuholzen. Bis der neunte Desprit plötzlich beschlossen hatte, einen Dämon zu beschwören und damit die ganze Welt beinahe ins Chaos gestürzt hatte. An dem Punkt hatte Lil sich gegen ihn gewandt. Die Frau war eine mächtige Magierin und Dreizehn treu ergeben. Wenn er sie hergeschickt hatte, musste diese Mission ziemlich wichtig sein. Doch noch etwas anderes wurde Maja klar, als sie Lil sah: Sie saß in der Falle. Der Magierin würde sie nicht entkommen, dafür war sie zu mächtig und sie würde nicht den Fehler ihrer letzten Begegnung wiederholen und Maja unterschätzen. Auch dass Feodor hier auftauchte und mit seiner Magie das Lager auseinandernahm, war mehr als unwahrscheinlich.
    Lils Augen wurden groß, als sie Maja erkannte. „Unfassbar“, hauchte sie. „Sie kann nicht hier sein, sie sollte ...“
    „Faszinierend“, sagte der Hauptmann.
    „Ja. Faszinierend.“
    „Nicht das. Schau sie dir an: sie hat Angst vor dir.“
    Lils Augen blieben an Majas hängen. „Ja. Ja, wir sind uns begegnet. Oh. Sie weiß es nicht?“
    Weiß was nicht? Maja ging noch einen Schritt zurück.
    „Darf ich es ihr sagen, bitte?“ Lil wirkte mit einem Mal ganz aufgeregt. Ihre Augen leuchteten boshaft.
    Was sagen?
    Der Hauptmann hob die Schultern. „Meinetwegen, aber mach es kurz.“
    Lil begann breit zu lächeln und sah Maja fest in die Augen. „Hierher zu kommen war ein Fehler“, begann sie.
    „Nicht so dramatisch, bitte“, sagte der Hauptmann und fixierte Maja mit seinen dunklen Augen.
    Lil ließ sich nicht aus dem Konzept bringen. „Ich bin nicht die, vor der du hier Angst haben solltest. Der Mann, der vor dir steht“, verkündete sie und ihr Lächeln wurde immer breiter, „ist Fürst Dreizehn höchstpersönlich.“

    Dieses Kapitel über Karim noch, dann geht es bei Maja weiter. Wir nähern uns dem Finale.


    Anziehungskraft


    Mit schwachen Beinen stand Karim vor dem Wirtshaus an ein Geländer gelehnt und beobachtete, wie Merin ein weiche Decke auf dem Karren ausbreitete, den er extra für seinen jungen Begleiter besorgt hatte. Karims Pferd, Darlino, hatte er dafür eingetauscht, sein eigenes würde den Karren ziehen. Der Verlust seines tierischen Begleiters schmerzte Karim, aber es war nicht der einzige Grund für das beklemmende Gefühl, das sich in seiner Kehle ausbreitete. Sie würden in die falsche Richtung aufbrechen. Schattenschrei lag im Norden, doch Merin wollte nach Westen, nach Illster, wo er hoffte einen Heiler zu finden. Und das nur wegen ihm. Weil er krank war. Seine Gedanken streiften das Wort „schwach“, aber er verbot es sich. Niemand wusste, was dieser Spuk mit dem menschlichen Körper anrichtete, gut möglich, dass es jedem anderen genauso ergangen wäre. Wenn er doch nur schnellere Reflexe gehabt hätte – dem Spuk ausgewichen wäre. Er dachte an Jonah … auch dieser hatte etwas von der seltsamen schwarzen Masse abbekommen. Ob er auch krank geworden war? So wie Karim?
    Dieser fühlte sich seit den Tränken des Arztes Mylonas wieder etwas besser, auch wenn sich in seinem Körper eine seltsame Schwäche ausgebreitet hatte. Laut Mylonas würde es nur eine vorübergehende Besserung sein – der Spuk habe sich in Karims Zellen festgesetzt und würde sich bald erneut ausbreiten. Aber andererseits hatte er selbst zugegeben, dass diese Krankheit Neuland für ihn war. Dass er keine Ahnung hatte, was wirklich passieren würde. Es konnte genauso gut sein, dass Karim es überstanden hatte und nun bloß noch ein paar Tage brauchte, um wieder zu Kräften zu kommen.
    Doch Merin wollte kein Risiko eingehen. Neben der Decke stellte er nun ihr Gepäck auf den Wagen und winkte Karim herbei. „Mach es dir gemütlich.“
    Widerwillig kletterte Karim hinauf und setzte sich dorthin. Er würde es vermeiden sich hinzulegen – er war doch nicht schwerkrank. Merin warf ihm noch einen Schlauch mit Wasser zu, dann stieg er auf das Pferd und trieb es an. Gemächlich setzte sich der Karren in Bewegung.
    Sie überquerten mehrere Wassergräben, bevor sie die Häuser Gegos’ hinter sich ließen. In der Ferne konnte Karim den Berg sehen, auf dem Schattenschrei gestanden hatte. Er glaubte sogar, die Umrisse der Ruine auf dessen Kuppe auszumachen. Darüber hingen dunkle Wolken. Eigentlich sollten sie dorthin unterwegs sein. Sie war nur wenige Stunden entfernt.
    Plötzlich richtete Karim sich auf und drehte sich zu Merin um. „Bis Schattenschrei ist es gar nicht weit“, sagte er. „Wir sollten zuerst dort hingehen. Es ist nicht so ein großer Umweg. Und ich fühle mich wirklich besser.“
    Doch Merin schüttelte den Kopf. „Ich will auf dieser Unternehmung nicht noch jemanden verlieren. Dein Zustand kann sich jederzeit wieder verschlechtern und mit diesem Karren brauchen wir mehr als einen Tag nach Illster.“
    „Was, wenn das hier wichtiger ist als ich?“, fragte Karim. „Das Schicksal unserer Welt könnte davon abhängen.“
    „Jetzt übertreib mal nicht. Wenn bei ihnen alles gut gegangen ist, haben Idela und Jonah die Flasche mit den Spuk bereits nach Miriam gebracht. Die Magier werden sich darum kümmern und dieses Rätsel lösen.“
    Karim verschränkte frustriert die Arme und wandte sich ab. „Das dachten wir schon einmal und dann hat sich niemand dafür interessiert“, grummelte er. Dann blickte er wieder zu den Burgruinen, die immer mehr mit dem Himmel verschwammen. Warum nur hatte er dieses nagende Gefühl, sie erreichen zu wollen? War es nur der Wunsch, das Rätsel zu lösen? Nicht darauf warten zu wollen, bis sich irgendwer in Miriam der Sache annahm, sondern diese selbst in die Hand zu nehmen? Die Bedrohung für diese Welt abzuwehren? Oder zog ihn noch etwas anderes nach Schattenschrei? Nachdenklich rieb er sich über den Hals. Die Stelle, an der ihn der Spuk berührt hatte, prickelte unangenehm, als er darüber strich.
    Im nächsten Moment legte sich ein Schatten über ihn, als sie einen Wald erreichten und unter dessen Blätterdach eintauchten.

    Es war sicherlich einfacher, auf dem Wagen zu liegen, als ein Pferd zu reiten, doch dieser war nicht gefedert und so entpuppte sich die Fahrt als holprig und unruhig – umso heftiger, je schlechter die Straße war. Nach einiger Zeit bekam Karim Kopfschmerzen davon und schließlich bat er Merin um eine Pause. Sie setzten sich am Wegesrand ins Gras, aßen ein paar Kleinigkeiten und Karim schloss ein Weilchen die Augen. Es war ein herrlicher Sommertag und hier im Wald herrschte genau die richtige Temperatur. Die Vögel zwitscherten und es war schwer sich vorzustellen, dass es in dieser perfekten Welt irgendwelche Probleme und Sorgen geben könnte. Doch diese holten Karim ein, als er zu träumen begann:
    Er kämpfte sich durch hohes Gras und Efeuranken, die von den Bäumen herabhingen. Alle paar Meter musste er erschöpft stehen bleiben und nach Luft schnappen – die Hände auf die Knie gelegt, den Oberkörper nach vorne gelehnt, stand er dort und versuchte den Schwindel zu bekämpfen und seine Umgebung scharf zu sehen. Dann entdeckte er etwas im Gras: eine schwarze, faserige Substanz, langgezogen und klebrig, wie geschmolzener Käse. Wie ein Faden zog sie sich durch die Wiese. Sein Blick fuhr daran entlang, bis sie einige Meter vor ihm nicht mehr zu erkennen war – in der Ferne mit dem Unterholz verschmolz. Er begann, dem Faden zu folgen.
    Zwischen Sträuchern und Gestrüpp, wilden Blumen und Felsen hindurch führte er ihn. Dann trat Karim zwischen kahlen Bäumen hervor und vor ihm tauchte Burg Schattenschrei auf - nicht als Ruine, sondern so, wie er sie zum ersten Mal gesehen hatte. Mit hohen Mauern, noch höheren Türmen, unheilvoll und bedrohlich. Doch vollkommen verlassen.
    Karim folgte dem schwarzen Faden auf das Tor der Burg zu. Jener war breiter geworden und hatte unheimlich zu glühen begonnen – glimmende Funken zogen sich darüber. Einen Moment waren sie alles, was er sah, als er durch den ungewöhnlich düsteren Torbogen schritt. Dann erschien vor ihm der Hof der Burg und in seiner Mitte wieder das Tor – das Weltentor. Noch dichter war die schwarze Masse darüber gewachsen, die schimmernde, hellblaue Membran war kaum noch zu erkennen. Unheilvoll ragte es in den Himmel. Obwohl kleiner als die Gebäude der Burg, schien es diese zu überragen. Wieder hatte Karim das Gefühl, dass er dringend hindurch musste, dass dahinter etwas Überlebenswichtiges auf ihn wartete, doch dieses Mal hielt die Angst vor dem schwarzen Spuk ihn davon ab. So stand er nur davor und starrte sehnsüchtig auf die hellblauen Lichtflecken, die durch das schwarze, klebrige Netz drangen.
    Dann wachte er auf.
    Es dauerte eine Weile, bis Karim sich wieder orientiert hatte und wusste, wo er war. Er lag im Gras am Wegesrand, das Pferd fraß die grünen Büschel neben seinen Füßen und Merin lehnte neben ihm an einem Baum und schnarchte. Karim konnte es ihm nicht verübeln, soweit er wusste, hatte der Schwertkämpfer die ganze Nacht damit zugebracht, herauszufinden wo der nächste Heiler lebte und den Karren aufzutreiben. Viel Schlaf hatte er jedenfalls nicht bekommen und hier, auf diesem idyllischen Fleckchen Wald fiel es leicht, seine Sorgen und Vorsicht zu vergessen.
    Karim stand auf, humpelte zum Karren und griff nach seiner Tasche. Was er tat war keine bewusste Entscheidung in diesem Moment. Vielleicht hatte er sie schon lange zuvor getroffen, vielleicht hatte auch jemand anderes sie für ihn getroffen. Während er sich die Tasche umschnallte, war er sich sicher, seine Sinne nicht mehr ganz beisammen zu haben, trotzdem ließ er nicht ab. Einen Moment überlegte er, das Pferd zu nehmen, doch es gehörte Merin und selbst ohne alle seine Sinne war Karim kein Pferdedieb. Stattdessen nahm er die Decke vom Karren. Er tätschelte dem Tier noch einmal den Hals und mit einem letzten Blick auf den schlafenden Schwertkämpfer machte er sich auf den Weg in den Wald. Wenn Merin bloß noch ein wenig länger schlief, würde er ihn abseits der Wege nicht mehr finden.

    Sobald er zu Fuß unterwegs war, fühlte er sich gut. Gesund, stark, eins mit sich. Er war auf dem richtigen Weg, das spürte er einfach. Zielstrebig lief er in nordöstlicher Richtung. Wieder war es nicht sein Bewusstsein, das diesen Weg vorgab. Die Sonne konnte er hier unter dem Blätterdach nicht sehen und trotzdem wusste er genau, in welche Richtung er gehen musste. Als würde ihn etwas dorthin ziehen – ein unsichtbarer Faden.
    Karim erreichte den Waldrand, als die Abendsonne den Himmel in Flammen setzte. Die weite, offene Fläche vor ihm, mit ihren Feldern und Wiesen, überforderte seine Augen. Die Luft schien zu flirren und er hatte Schwierigkeiten, Einzelheiten zu fokussieren. Er fasste sich an die Stirn, sie kam ihm heiß vor. Er brauchte Schlaf und Nahrung, also breitete er die Decke aus, nahm etwas Brot, Wurst und einen Apfel aus seiner Tasche und begann ein knappes Abendessen. Dann rollte er sich auf der Decke ein und versank in tiefem Schlaf. Wieder träumte er von dem Spuk, von Schattenschrei und dem Weltentor.

    Hallo sophia_me

    danke für dein neugieriges Hereinschnuppern und es freut mich, dass es dir gefallen hat. :) Die Geschichte ist so halbaktuell. Ich möchte auf jeden Fall weiter schreiben, aber es dauert immer ein bisschen, manchmal auch ein paar Monate. In der letzten Woche habe ich zum Beispiel wieder drei Kapitel gepostet.

    Du solltest wissen, dass Amara nicht die Hauptperson der Geschichte ist und dass dies außerdem der dritte Teil einer Reihe ist. Also könnten Dinge passieren, bei denen dir Vorwissen fehlt. Ich habe natürlich im Text versucht, solche Dinge ein wenig zu erklären - nicht immer ist das gelungen. Trotzdem bist du natürlich herzlich eingeladen zu lesen und ich beantworte auch gerne Fragen.

    Für Feedback bin ich natürlich immer offen, solange niemand erwartet, dass ich jetzt im Nachhinein noch ganze Handlungsstränge auf den Kopf stelle. Kleine Verbesserungen kann ich aber ausmerzen, also immer her mit Ungereimtheiten und Stilhilfen. :newspaper: Nur Rechtschreibfehler kann behalten, wer sie findet. Da ich die Geschichte schon mehrfach erneut gelesen habe, sind die meisten vermutlich schon verbessert worden. ;)

    Viele liebe Grüße

    Din