Beiträge von kalkwiese

    Dieser Gedanke ist mir ehrlich gesagt nie gekommen, und ich glaube er waere dem griechischen Zuhoerer Homers auch eher fremd.

    Unzuverlässige Erzähler sind für meine Begriffe auch eher etwas, was im 20. Jahrhundert populär wurde. Für einen modernen Leser ist diese Interpretation aber schon stimmig, finde ich. Und dass die Odyssee das so hergibt, obwohl es wahrscheinlich in dieser Zeit kein gängiges Stilmittel war, spricht mMn nur für das Kunstwerk :D

    Wenn ich die Odyssee eingebettet in den gesamten Sagenschatz betrachte, wuerde ich sagen das Thema ist eher 'die Magie geht aus der Welt'.

    Ganz am Anfang haben wir die Theogonie, der Kampf der Titanen gegen die Olympier mit einem riesigen magischen Feuerwerk. Dann kommen die heroischen Sagen der Halbgoetter - Herakles ist ja nur ein Beispiel eines Zeussohns, Goetter und Sterbliche mischen sich froh und es sind noch ueberall Monster in der Welt, die Hydra, die Chimaera, die Medusa, der Minotauros, Cetus,...

    Mit der Ilias und der Odyssee ist auch diese Zeit fast vorbei - Achilleus als Halbgott ist 'nur' noch der Sohn von Thetis, einer Nymphe - kein Spross von Zeus mehr, viele andere haben nur unter ihren Vorfahren noch olympisches Blut.

    Die Zeit der Monster ist auch vorbei, fast ueberall ist die Zivilisation - ausser eben als Odysseus sozusagen aus 'Midgard' rausfaehrt nach 'Utgard' (wenn ich die Begriffe die mir hier sehr passend erscheinen mal borge) - eben an die Grenzen der Welt wo die alte Welt noch existiert.

    Ah, interessant! Ich stehe mit meiner Reise durch die griechischen Mythen noch recht am Anfang, darum halte ich danach mal die Augen offen. :search:

    Un nach den homerischen Epen kommen wir eben dann in die Zeit der Geschichte, wo sich Goetter nur noch im Orakel zeigen, Halbgoetter nicht mehr ueber die Erde laufen und der Alltag halt... alltaeglich ist.

    Odysseus ist sozusagen ein Grenzgaenger der nochmal fuer seine Irrfahrt in die alte Welt der Helden und Mythen eintauchen kann - die ueberall sonst schon verloren ist.

    Das macht Odysseus also fast zu einem Hobbit, oder? :D Mein lieber Tolkien, du standest auch nur auf den Schultern von Riesen :thinking:

    Ich habe über die letzten Wochen von Homer die Odyssee als Hörbuch gehört, gelesen von Christian Brückner und in der Übersetzung von Kurt Steinmann. Das ist mein zweites Mal mit der Odyssee und ich habe es wieder sehr genossen.

    Dieses Mal wusste ich auch mehr über den Trojanischen Krieg und wusste manche Passagen besser zu schätzen: Beispielsweise unterhalten sich im letzten Kapitel in der Unterwelt Agamemnon und Achilleus eine ganze Weile, was mit Odysseus' Geschichte nicht viel am Hut hat. Da mir jetzt klar ist, dass der Streit zwischen Achilleus und Agamemnon ein zentraler Konflikt der Ilias ist, kann ich damit plötzlich mehr anfangen. Die griechische Mythologie ist eben ein kreuzvernetzter Wust aus Geschichten, fast wie ein Comic-Universum. Das ist schon echt schön. :D

    Auch die Rückkehr des Odysseus, also die Ankunft in Ithaka bis zum Mord an den Freiern und dem Bürgerkrieg, den das lostritt, war so ein Punkt, der mich beim ersten Mal erstaunt hat. Das nimmt die Hälfte des Gedichts ein! Dieses Mal wusste ich das auch besser zu schätzen. Odysseus will in diesem Abschnitt der Geschichte nicht fliehen, sondern bleiben. Er muss herausfinden, wem er trauen kann, wen er töten muss und wie er das bewerkstelligen soll.

    Auch muss ich betonen: Die Irrfahrten des Odysseus sind ja eine Binnenerzählung, die Odysseus den Phaiaken vertellt. Will sagen, es gibt einen gewissen Freiraum, den wir als Leser in der Auslegung seiner Geschichte haben. Sind die wirklich passiert oder macht der größte Lügner der griechischen Helden einfach das, was er am besten kann und im ganzen Text immer wieder tut: lügen? Dass es Götter und Magie gibt, bestätigt der Text außerhalb seiner Erzählung. Trotzdem bleibt dieses Element bestehen, wir wissen nicht zu 100%, dass seine Geschichte stimmt. Und das finde ich irgendwie besser so.

    Nolans Film habe ich noch nicht gesehen, aber ich habe immer noch vor, das zu ändern. :)

    Gutes Buch. Ich kann es nur empfehlen.

    Der Letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski.

    Das erste Buch der Hexer-Reihe ist ja eine Kurzgeschichtensammlung. Vielleicht liegt es an der Elric-Saga, aber das gefällt mir bisher richtig gut. Ich mag das Format!

    Bisher ist liest sich die Sammlung jedenfalls wie eine Monster-of-the-day-Serie, in der ein Elric-Klon fast wie ein gewalttätiger Detektiv Fälle löst. Was genau Geralt von Riva eigentlich ist, wird wahrscheinlich langsam offenbart. :) Ist ein wenig alberner als ich dachte, bisher subtil wie eine Schubkarre voller Backsteine, aber hey, das macht Spaß!

    Es scheint sehr von Märchen inspiriert zu sein.

    So, ich habe in letzter Zeit viele Bücher parallel, darum ist es ganz schön, dass ich gerade immer mal was beende.

    Der Letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski!

    Wirklich, ich habe nicht damit gerechnet, dass dieses Buch so albern sein würde, aber ich nehme es gerne! Es ist wirklich, als träfe Moorcocks Elric auf Terry Pratchett, nur dass der Humor eher platt ist. Ich mag auch das Format gerne. Die Geschichten um Geralt sind eingerahmt von Geralts Reha-Aufenthalt nachdem er von einer Striege (sowas wie einem Vampir, nur anders, denn Vampire gibt es hier auch) am Hals verletzt wurde. Von mir aus können alle Hexer-Bücher so sein.

    Was ich auch erwähnenswert finde: Ich habe immer mal von Leuten gelesen, die die deutsche Übersetzung unlesbar finden (aber es nicht genau benennen können) und deswegen die englische Übersetzung bevorzugen. Dann habe ich englischsprachige Leute erlebt, die die Reihe nicht lesen, weil die die englische Übersetzung irgendwie komisch finden. Aha? Dann liegt es vielleicht doch an Sapkowski? Wer es kann, mag ja ins polnische Original reinschauen. :D Ich jedenfalls habe an meiner deutschen Ausgabe absolut nichts auszusetzen und finde sie toll zu lesen. :)

    Also, ein kurzweiliges Buch. Sicherlich nichts, was mich erschüttert, aber es ist sehr charmant, auf seine Weise. Mal sehen, ob ich mit "Zeit des Sturms" (Roman, eine spätere Interpolation und auf dem Zeitstrahl als nächstes dran) oder "Das Schwert der Vorsehung" (Kurzgeschichten, der nächste Band in Veröffentlichungsreihenfolge) weitermache. :hmm: Meistens ziehe ich die Veröffentlichungsreihenfolge vor. Bei Elric würde ich es zumindest empfehlen.

    Es ist jetzt eine Woche vergangen, dass ich The Tale of Genji von Murasaki Shikibu, in der Übersetzung von Dennis Washburn beendet habe.

    Wenn man die 5 Monate zwischen Wacken und Weihnachten rausrechnet, habe ich an dem Teil 13 Monate gelesen - immer mal mit Ablenkungen, versteht sich, denn diese Lektüre bedeutet absolute Entschleunigung, was bedeutete, dass sie mich schnell ermüdet hat. Das mag negativ klingen und Längen sind bei diesem Slice-of-Life-(Harem)-Anime des japanischen Mittelalters nicht zu leugnen, aber ich habe die Sache genossen.

    Genji ist ein Sohn des Kaisers von Japan, gezeugt mit seiner Lieblingsfrau, aber er ist eben nicht der Thronerbe, was Genji neben dem kaiserlichen Wohlwollen eine Menge Freiraum gibt. Da er so unglaublich schön ist, dass er immer wieder als der shining prince bezeichnet wird, kommt er auch mit jeder Sache irgendwie durch - Genji existiert und die Welt bekommt Schnappatmung und bricht ergriffen in Tränen aus. Die Handlung beginnt zunächst sehr episodisch und handelt von Genjis Geilhei-, pardon, von Genjis Liebschaften mit einer Vielzahl von Frauen, bei denen alle möglichen Varianten der Einvernehmlichkeit und Nicht-Einvernehmlichkeit vorkommen. Einfach nur, dass Leser gewarnt sind - das Buch ist 1000 Jahre alt.

    Jedenfalls geht die Sache für Genji so lange gut, bis er mit eine Konkubine des Kaisers erwischt wird und ins Exil gehen muss. Dort gibt es dann eine Leidensphase, die er mit Hilfe von - natürlich - einer jungen Frau tapfer übersteht. Irgendwann kommt dann die frohe Nachricht aus der Hauptstadt, dass Genji zurück kommen darf. Die politischen Gegenspieler sind mittlerweile gestorben. Jetzt beginnt Genjis politischer Aufstieg am Hof. Er versammelt alle seine Geliebten auf seinem Anwesen, wobei die von ihm entführte und dann zur perfekten Ehefrau erzogenen Murasaki* immer seine große Liebe bleibt.

    Genji wird alt und will sich eigentlich als Mönch zurückziehen, aber er hat ja viele Leute, um die er sich kümmern muss, bevor er das tun kann. In späteren Kapiteln geraten diese Leute mehr in den Fokus und Genji tritt etwas in den Hintergrund. Die Handlung wird auch romanhafter, weniger episodisch, und die Kapitel werden länger. Es wird deutlich, dass gewisse Situationen und Motive über den Roman wiederkehren, wie Jahreszeiten, und dass die Figuren auf diese Dinge unterschiedlich reagieren. Das macht für mich viel vom Reiz des Buchs aus.

    In den letzten 13 Kapiteln ist Genji dann schon tot und eine neue Generation von Figuren übernimmt. Dieser Teil des Buchs ist dann deutlich düsterer. Während die Männer wie gehabt in ihrer Sehnsucht vergehen, liegt ein großer Fokus auf dem Innenleben der Frauen, für die die Liebschaften fast ausnahmslos Horrorgeschichten sind, gerade mit Blick auf die sozialen Konsequenzen.

    Und dann endet das Buch unvermittelt, während eine Figur an einem Scheideweg steht und lässt und Leser in dieser Spannung zurück. Die Meinungen gehen auseinander, ob das ein bewusst gesetztes Ende ist, ob die nachfolgenden Kapitel verlorengegangen sind oder ob Murasaki Shikibu einfach nicht weiterschreiben konnte, aber es wahrscheinlich getan hätte. Das weiß man einfach nicht. Für mich steht aber fest, dass dieses Buch in dieser Form funktioniert, obwohl es auch gerne hätte weitergehen können. Nach 1600 Seiten (e-book) keine schlechte Bilanz.

    Es kann sich lohnen, noch andere englische Übersetzungen anzuschauen (Waley, Seidensticker, Tyler). Meine deutsche Ausgabe las sich eher steif und hölzern. Die Übersetzung von Washburn war für mich jedenfalls eine gute Erstlektüre.


    *Der Name der Autorin Murasaki Shikibu ist eigentlich unbekannt. Da man von ihrem Leben weiß und dass sie sehr intelligent war, scheint sie Genjis Lieblingsfrau Murasaki sehr geähnelt zu haben, weshalb man die Autorin nach ihrer Figur benannte. Klingt komisch, ist aber so.

    Moin Feron !

    Ich habe den ersten Post der Geschichte gelesen und der macht richtig Bock. Du kannst super schreiben. :D Vorweg: Ich bin kein Kenner von Western, habe nur das ein oder andere mal geschaut. Mich holt das aber schon mal ab.

    Was für eine Art von Feedback ist für dich wichtig? Ich sehe einige Tippfehler, aber vielleicht sind die in diesem Stadium der Geschichte auch noch nebensächlich. :hmm: Sag mal, ob du sowas möchtest, sonst klemme ich mir Rechtschreibung und Line Edits, wenn ich sie nicht für total notwendig halte (oder ich sie mir nicht verkneifen kann).

    Meine Anmerkungen mit Zitaten jetzt im Spoiler:

    Spoiler anzeigen

    Silverstream klammerte sich ans Leben. Auf die eine oder andere Weise warteten auch sie auf einen Funken. Einen Wink des Schicksals, um alle ihre Mühen rückwirkend zu rechtfertigen.

    Ist die Ambivalenz hier Absicht? Eine ausgetrocknete Stadt wartet auf einen Funken ... Das klingt, als würde die Stadt echt gut brennen und eine Todessehnsucht haben, während ich die Aussage der Sätze so verstehe, dass die Leute auf eine Belohnung für ihre Mühen warten. Das könnte natürlich ein cleveres Foreshadowing sein :hmm: :D

    An guten Tagen sprang er einfach ab, aber heute fühlten sich seine Beine an wie vertrocknete Äste, die brechen würden, wenn er noch einen falschen Schritt tat.

    "An guten Tagen" impliziert für mich sowas wie ein körperliches Gebrechen an dieser Stelle. Interessant! Vielleicht meinst du auch nur die Hitze.

    Schrottkugeln flogen durch die Bar, knapp über Wispers Rücken hinweg. Das Fass mit dem Kaktus-Bite explodierte in tausend Splitter, und der scharfe Alkoholgeruch überschwemmte sie alle.

    Hier kommt jetzt der Chemiker in mir durch. Meinst du wirklich eine Explosion, also eine plötzliche Volumenentwicklung, also dass der Schuss den Alkohol entzündet und das Fass explodiert? Oder meinst du, dass es durch die Projektile völlig zersplittert? Je nach dem würde ich nämlich bewerten, wie krass dieser Cactus Bite vom Alkoholgehalt her ist :D

    An ihrer breiten Hüfte glänzte „La Llorona“, die legendäre Pistole, geschmiedet aus einer Handvoll Sargnägeln.

    Geil, richtig cooler Name, wie Tom schon schrieb, unbedingt mehr davon! Die Sargnägel machen es richtig pulpig cool, dafür bin ich zu haben :D

    Ich bleibe dran - mal sehen in welchem Tempo ^^

    Ich habe jetzt gesehen, dass es die Geschichte auch im Scriptorium gibt. Ich wechsle ab dem nächsten Post dann wohl dort hin xD

    Moin Jade! Danke für die Rückmeldung.

    Als Antwort auf die Fragen:

    Auch wenn du versucht hast, eine eher ernste Stimmung rüberzubringen, einen gewissen Hauch von Humoristik konnte ich dennoch (zumindest für mich) herauslesen. :hmm: War vielleicht nicht deine Intention und es wäre jetzt auch schwer in einem kurzen Feedback das genauer zu erörtern.

    Ich wollte keine sehr düstere Geschichte schreiben. Der Humor ist in meinem Verständnis ein essentieller Bestandteil dieser Geschichte, den ich aktiv gesucht habe. :) Allein die Sex-Metaphern, die die Details nie explizit machen, aber trotzdem Fokus darauf lenken. Das hat Spaß gemacht :D

    Ich weiß jetzt nicht, ob du das vermeiden wolltest, aber ich glaube, das ist es, was ich mir in dieser Geschichte etwas mehr gewünscht hätte. :hmm: Ich finde, die Story gibt das her, dass es ruhig etwas mehr in diese Kerbe hätte einhauen können.

    Ich könnte mir die Geschichte auch in sehr düster und depressiv vorstellen. Aber ich weiß nicht, für mich war das der offensichtliche Weg, auf dem ich euer keine Lust hatte. Ich wollte David Mitchell (der Romancier, nicht der Komiker), nicht George R. R. Martin, falls man mir folgen kann. ^^

    Vielleicht lehne ich mich beim nächsten Mal wieder in die andere Richtung, das weiß man nie, aber wetten würde ich nicht darauf.

    Dann wollen wir mal :)


    Was übrig bleibt  Sikadian

    Ich fand deine KG vor allem mysteriös. Was genau ist da los? Die Kerze scheint eine Art Lebenslicht zu sein, denn sie erlischt mit Jorens Tod. Aber warum wird dem Gefangenen nicht die Schriftrolle abgenommen? Wer hält ihn überhaupt gefangen und warum? Es ist nicht, dass ich unbedingt Antworten auf diese Fragen brauche, aber sie machen sie eben so mysteriös. Das Ergebnis ist, dass ich die Geschichte eher wie ein Metapher lese, fast wie was von Kafka (siehe "Vor dem Gesetz"). Es scheint um jemanden zu gehen, der stirbt. Wofür steht die Schriftrolle, die in die falschen Hände gerät? Ist es die Seele, die an den Teufel geht?
    Ich bleibe aber bis zuletzt unsicher, ob die Geschichte wirklich so verstanden werden soll. Ich bleibe etwas verwirrt zurück.


    Die kleinen Tode des Bruder Simon

    Mensch, kalki, da ist dir ja ein Ding geglückt!
    Spaß beiseite. Ich versuche mich gerade darin, Geschichten besser zu planen und zu plotten. Es fühlt sich an wie eine neue Schaffensphase und diese Geschichte ist der erste Versuch davon. Ich bin recht zufrieden. Einmal habe ich mich an meinen Plan gehalten und dann habe ich die Geschichte in dem Ton schreiben können, in dem ich es von Anfang an beabsichtigt habe. Bei der Planung ist sie nämlich ständig in düstere Gefilde abgeglitten ... Für mich ist das ein Erfolg. :)


    Den Letzten beißt der Hund  Tom Stark

    War ja klar, dass die von dir ist! In Memoriam Terry Pratchett. Und dann kommen Tod, Rattentod und Binky noch hinein in diese Geschichte über einen aus der Art geschlagenen Ork. Natürlich hat mir das gefallen. Trotzdem dachte ich mir: Mensch, du unterbrichst die eigentliche Kurzgeschichte völlig willkürlich, um die Cameos zu bringen? Ist das denn wirklich gute Kurzgeschichten-Praxis? :thinking: Also gabs die Zweitstimme für dich.


    Sieh hin  Ruka

    Jetzt wurde es inhaltlich heftig. Ich gebe zu, es ist ein, zwei Wochen her, dass ich diesen Text gelesen habe, daher weiß ich nicht mehr alles. Ich glaube, die Beschreibungen lasen sich für mich etwas redundant. Recht schnell habe ich verstanden, worum es ging, aber der Text hat diese Punkte oft wiederholt. Das erinnert mich an Texte, die ich früher auch geschrieben habe. Da ging es mir damals darum, ein bestimmtes Empfinden möglichst intensiv festzuhalten. Mein Geschmack hat sich davon einfach wegbewegt, schätze ich.
    Ich merke einfach, dass ich es konkreter mag. Beispielsweise hat die Protagonistin keinen Namen. Damit ist sie ein bisschen eine Jederfrau, eine allgemeine Person ohne jemand bestimmtes zu sein.

    Leider nicht mein Fall, ich mag es dann doch kürzer und auf den Punkt. Aber ich glaube, ich begreife, wo der Text in dieser Form herkommt. :hmm:


    Hasenherz  Amafiori

    Ich habe das Gefühl, dass hier die märchenhafte Art deiner letzten beiden Wettbewerbsgeschichten zu einem Höhepunkt kommt. Dieses Mal fand ich den Text nicht zu lang oder hatte das Gefühl, einige wichtige Punkte vage ahnen, aber nicht verstehen zu können. Dieses Mal war die Geschichte einfach rund. Die erzählerische Distanz es allwissenden Erzählers erschafft diesen märchenhaften Effekt. Ich mag sowas. :D Und bei dir wirkt das einfach natürlich, ob man jetzt die Gedanken verschiedener Figuren erfährt oder ob der Erzähler mal für einen Satz in die Zukunft schaut, das sitzt einfach. Wunderbar!


    Déjà-vu? Zarkaras Jade

    Von wem soll eine Geschichte mit einem Fragezeichen im Titel kommen, wenn nicht von dir, Jade? :D Das offene Ende war auch ein starker Hinweis. Ich mag diese Geschichte gerne. Die Idee mit Pandora, der skurrilen Wohnung ohne geschlossene oder nicht einsehbare Behältnisse und der Geburtstagparty ist cool, man kommt Pandora sehr nahe und kann sowohl die Angst als auch Verführung durch die Schachtel sehr gut nachvollziehen. Das ist ja fast wieder ein Todestrieb, das Ding öffnen zu wollen. Hätte das nicht vielleicht auch jemand für Pandora machen können? :hmm: Aber nein, das Geburtstagskind sollte es öffnen, das ist stimmig.
    Ich bin mir nicht sicher, wie ich das offene Ende finde. Denn irgendwie ist für mich damit alles gesagt, dass sie die Schachtel öffnet. Was dann passiert, ist eigentlich irrelevant für mich, denn die eigentliche Geschichte ist ihr innerer Kampf mit den beiden Trieben: Angst und Neugier. Also ... ne, ich bin mir jetzt sicher. Ich mag das offene Ende. :D


    So Leute, das war eine schöne Runde! :D Wir sehen uns dann beim nächsten mal. Auf ein Neues!

    Der Letzte Wunsch von Andrzej Sapkowski.

    Das erste Buch der Hexer-Reihe ist ja eine Kurzgeschichtensammlung. Vielleicht liegt es an der Elric-Saga, aber das gefällt mir bisher richtig gut. Ich mag das Format!

    Bisher ist liest sich die Sammlung jedenfalls wie eine Monster-of-the-day-Serie, in der ein Elric-Klon fast wie ein gewalttätiger Detektiv Fälle löst. Was genau Geralt von Riva eigentlich ist, wird wahrscheinlich langsam offenbart. :) Ist ein wenig alberner als ich dachte, bisher subtil wie eine Schubkarre voller Backsteine, aber hey, das macht Spaß!

    Es scheint sehr von Märchen inspiriert zu sein.

    Ich habe jetzt To Sleep in a Sea of Stars (deutsch: Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne) von Christopher Paolini begonnen.

    Und einen Monat später habe ich das Buch durch.

    Ganz ehrlich, es war leider recht langweilig. Weder geht Paolini nah an seine Protagonistin Kira ran, noch gibt es auf diesen 900 Seiten eine besonders packende Charakterentwicklung. Es wird viel Zeit damit verbracht, auf Raumschiffen miteinander zu reden, in Kryoschlaf zu gehen und wieder aufzutauen ... Ja, es gibt Kämpfe mit zwei Alien-Spezies, aber diese 900 Seiten haben sich wirklich erstaunlich leer angefühlt.

    Auf der Haben-Seite sind ein paar sympathische Nebenfiguren, eine Verbindung zur Eragon-Reihe (Inare ... bist du das, Angela?!) und ein paar nette Konzepte. Beispielsweise gibt es ein eigenes System zu Reisen mit Überlichtgeschwindigkeit, für dessen Erklärung mir gerade der Atem fehlt (und das Verständnis, sind wir ehrlich; aber es lässt sich im Anhang nachlesen).

    Nein, keine Empfehlung von mir. Schade eigentlich, aber irgendwie verstehe ich jetzt, warum ich im Internet kaum jemanden über dieses Buch sprechen sehe.

    Ich habe die Geschichten neulich endlich nachgeholt. Da dachte ich mir, ich lasse mal meine Eindrücke zu den Geschichten da. :)

    Schattenwacht  Sensenbach

    Ein verdienter Sieg! Deine Geschichte kommt am besten zum Punkt, stellt sehr schön eine echte pädagogische Methode dar, der Zusammenhalt auf der Schattenwacht wird durch die Gesellschaftsschichten hindurch gestärkt ... und ist das eine Referenz auf "Finsterwacht" von Saltatio Mortis? :D Ich mochte auch gerne den allwissenden Erzähler. Ich kann schwer erklären warum, aber ich lese den einfach sehr gerne und man sieht ihn in dieser Form mittlerweile selten.

    In den Gedanken des Lehrmeisters kam mir der junge Adlige zuerst viel schlimmer vor, als er dann am Ende war. Ich denke, der Umschwung bei ihm erschien mir also sehr abrupt, fast wie eine 180°-Wende, während ich eben noch dachte, dass der mal ein Joffrey Baratheon wird. :hmm: Das wäre wohl mein großer Kritikpunkt.

    Dann, was mehr mit dem Wettbewerb als mit der Geschichte an sich zu tun hat, wird für mein Verständnis das Thema nur am Ende ganz leicht gestreift. Deswegen wäre mir die Wahl tatsächlich etwas schwer gefallen zwischen dieser Geschichte und der von Amafiori, die mMn das Thema besser trifft.


    Die Seedrachin  Amafiori

    Ich mochte den Tagebuchstil sehr gerne. Es bleiben einige Fragen offen, was mich als Leser dazu bringt, über die Geschichte nachzudenken. Warum bringt die Seedrachen die anderen beiden Leute um, den Protagonisten aber nicht? Warum erwähnt der eine Kerl am Anfang sie, wenn es schon Unheil bringt "Seedrachin" auszusprechen? Ist der der eigentliche Böse der Geschichte? Warum schreibt der Protagonist jahrelang nichts ins Tagebuch, während er hinter Gitters sitzt und fängt dann plötzlich wieder damit an? Ich hatte das Gefühl, dass du dir bei manchem davon wahrscheinlich etwas gedacht hast, was bei mir als Leser aber nicht ganz ankam, falls das für dich Sinn ergibt. :hmm: Ich habe jedenfalls über diese Geschichte noch ein paar Tage nachgedacht. Außerdem fand ich die Seedrachin als Gestalt einfach ziemlich cool.


    Der Eid  Lehep

    Mit einer Binnenerzählung im Dialog einzusteigen, ist schon ein Zug, der mächtig Eier erfordert. :D Ich glaube nicht, dass das so richtig aufgegangen ist. Mir fällt es schwer zu glauben, dass der Protagonist da wirklich vor seinem Vorgesetzten die wörtliche Rede anderer nachspricht. Ich weiß, ältere Literatur benutzt solche Erzähltechniken durchaus und ich kann sie auch schätzen, aber auf mich wirkt es auch da eher albern, selbst im Herrn der Ringe.

    Es ging also ein bisschen drunter und drüber, durch Zeitebenen und mit einigen Figuren. Letztere habe ich beim Lesen auch schnell mal durcheinander gebracht, weil es im Text dann gleich weiter ging mit den nächsten Figuren. Auf mich wirkte diese Geschichte noch nicht ganz zuende gebacken, falls das für dich Sinn ergibt. Es erinnert mich an manche frühe Version von Geschichten, die ich auch geschrieben habe und die noch ein paar Überarbeitungsschritte nötig hatten.

    Nimms auf jeden Fall nicht so tragisch, denn ich erinnere mich noch an deine vorige Einsendung und die fand ich fast durchweg klasse geschrieben. :thumbup:

    Ich habe jetzt To Sleep in a Sea of Stars (deutsch: Infinitum - Die Ewigkeit der Sterne) von Christopher Paolini begonnen.

    Es ist eigentlich traurig, wie wenig Ahnung ich von Sci-Fi habe, und weil ich sowieso überlegt habe, ob ich Paolinis Eragon nochmal lesen möchte, warum nicht gleich eines seiner neueren Bücher lesen? Da sehe ich dann vielleicht auch einen gereiften Autoren. Dank der Bibliothek habe ich das Hörbuch.

    "To Sleep [...]" ist (auf den ersten 130 Seiten) eine Geschichte über einen Erstkontakt mit Aliens. Kira Navarez ist eine junge Xenobiologin und schwer verliebt. Ihr Geliebter hat ihr einen Antrag gemacht und beide sind bereit, als Kolonisten auf einem Planeten sesshaft zu werden. Doch bei einer letzten Mission bevor dieser Plan umgesetzt werden soll, wird sie mit einer unbekannten Lebensform (einem Xeno) infiziert, das sich über ihren ganzen Körper legt, wie ein hautenger Anzug. Plötzlich ist das Militär im Aufruhr, ein Alienartefakt wurde gefunden, es muss untersucht werden und jede Gefahr einer Ausbreitung muss unterbunden werden (unbekannte Lebensform, was kann sie, was macht sie eigentlich?). Dann greifen tatsächlich Aliens an, und sie fragen nicht, sie schlagen direkt zu.

    So weit so gut. Kritik von der Eragon-Reihe scheint auch an dieses Buch heranzuschwappen: Es sei nicht originell. Okay, ist in Ordnung, da ich mich ja nicht auskenne, kann mich das noch nicht langweilen. :whistling: Irgendwo muss man ja anfangen.

    Seit Kuangs "Babel" denke ich vermehrt über die Prosa und den Subtext nach, der dem Buch sehr gefehlt hat. Paolini schreibt auch alles aus, viele Emotionen werden direkt benannt. Ich glaube beispielsweise George R. R. Martin oder Tamsyn Muir würden da subtiler arbeiten, sodass man als Leser das Belohnungsgefühl bekommen kann, die Figur selbst verstanden zu haben. Das kommt sicher auch vom Unterschied zwischen Charakter-Geschichte und einer Plot-Geschichte. Paolini scheint es um die Welt, die Konzepte und den Plot zu gehen. Kira Navarez nimmt zwar langsam Farbe an, wie viele Figuren beginnt sie aber relativ farblos. Ich denke für diese Art Geschichte, die mich an einen Hollywood-Blockbuster erinnert, passt das einfach.

    Tja, so weit so gut. Ich bleibe dran.

    Clark Ashton Smith hat mich auch immer fasziniert. Ich finde er ist ein wirklich talentierter Horror-Autor. Durch ihn bin ich auch auf die Horrorgeschichten Robert E. Howard gekommen, der Conan der Barbar Autor kann durchaus auch gute Horrorgeschichten erzählen. Ich könnte ansonsten noch ein paar Geschichten empfehlen: "Die Schrecken der Venus" (Der Film "Alien" hat einiges von diesem Konzept übernommen) von CAS oder "Der Grabhügel" oder "Garten der Furcht" von Robert E. Howard.

    Wenn ich mich an "Die Schrecken der Venus" richtig erinnere, stimme ich bei der Empfehlung völlig zu :D

    Ich muss aber gestehen, dass mich die Horror-Geschichten eher kalt lassen. Keine Ahnung, warum genau. CAS bekommt mich tatsächlich eher mit seiner bösen Ironie, den absurden Geschichten, den sexuellen Anklängen usw. Beispielsweise finde ich "Der Raub der neununddreißig Keuschheitsgürtel" ganz stark oder "Das Tor zum Saturn" oder "Das Ungeheuer aus der Prophezeiung". :D Da kann ich kaum aus meiner Haut. Schade, dass der Horror bei mir nicht zünden will, aber wahrscheinlich habe ich einfach noch nicht mein Subgenre gefunden. Kosmischer Horror ist es wahrscheinlich nicht.

    Ich hatte jetzt Band 3 der gesammelten Geschichten von Clark Ashton Smith vor mir: Das Labyrinth das Maal Dweb.

    Gesammelte Werke sind ja grundsätzlich ein Kessel Buntes, da hat man eben alles drin, nicht nur die Juwelen. Diese Bände sammeln ein bisschen Geschichten, die zusammen gehören, beispielsweise die Geschichten in Hyperborea im ersten Band, die interplanetaren Stories im zweiten Band, die Averoigne-Geschichten in Band 4, Zothique in Band 5 ...

    Band 3 scheint da ein bisschen eine Resterampe zu sein. Im Bonusmaterial steht oft, dass Smith diese oder jene Geschichte nicht wirklich mochte oder dass auch Lovecraft, der CAS eigentlich immer lobt, mal gesteht, dass er eine Geschichte schwächer findet. Vielleicht muss so ein Band existieren, damit die anderen heller strahlen können.

    Na ja, ein paar wirklich gute Geschichten waren aber auch dabei, beispielsweise:

    - Die Kette des Aforgomon
    - Genius Loci
    - Das Labyrinth des Maal Dweb
    - Das Wagnis des Maal Dweb

    Das waren so meine Favoriten, die ich nicht missen möchte.

    Die drei übrigen Bände der gesammelten Geschichten sind auf deutsch jetzt leider vergriffen (die hätten so schön in meinem Regal neben den ersten dreien ausgesehen ...), aber dann geht die Reise eben auf Englisch weiter. Gerade auf Averoigne habe ich viel Lust, weil CAS da wohl seine Liebschaften drin verarbeitet hat. :D

    Ich kenne tatsächlich nur einen Band davon - Die Abenteuer auf der Scheibenwelt mit dem Touristen Herr Zweiblum und dem Koffer. Ist leider nicht ganz so das, was mich mitnimmt.

    Ganz ehrlich? Mich auch nicht. Das sollte "Die Farbe der Magie" oder "Das Licht der Fantasie" sein, und die finde ich im Vergleich eher schwach. :) Überhaupt holen mich die Bücher über Rincewind den Zauberer nicht ab.

    Wenn ich dagegen "Die volle Wahrheit", "Helle Barden", "Hohle Köpfe" oder "Einfach Göttlich" halte, dann spielen die in einer ganz anderen Liga.

    Das siebte Kreuz von Anna Seghers.

    Ich habe jetzt etwa 20% gelesen. Das ist eine alte Schullektüre, die ich nie beendet habe - für den Vortrag gab es trotzdem eine 1 -, jetzt hole ich mal nach.

    Erstaunlicherweise das Buch fast ein Thriller! Klar, die Sprache ist heute eher altbacken und die fluide, allwissende Erzählweise wahrscheinlich auch. Aber es ist ein multiperspektivisch Roman über eine Flucht aus einem Konzentrationslager. Der Protagonist Georg kann niemandem wirklich trauen. Es gibt gebrochene Herzen, verratene Freundschaften, ein bisschen christliche Symbolik - das ist ziemlich spannend erzählt.

    Ich glaube, damals hat mich der Zwang der Schullektüre aus dem Buch rausgehauen, das und das enge Schriftbild auf der Seite, brr ... Das Hörbuch hat letzteres natürlich nicht, das hilft also. :) Dieses Mal wird das was.

    Die volle Wahrheit von Terry Pratchett.

    Das war meine dritte Lektüre und damals mein allererster Pratchett, entsprechend ist der Nostalgiefaktor bei mir groß. :)

    Protagonist ist William de Worde, ein junger Schreiber, der als Spitzel für hochrangige Personen außerhalb von Ankh-Morpork arbeitet, indem er ihnen Briefe mit Gerüchten und Neuigkeiten schickt. Da er zu der fantasielosen Sorte gehört, schreibt er ohne viel auzuschmücken. Eines Tages wird er fast von einer Kutsche mit einer Druckerpresse überfahren, was dazu führt, dass er und die Zwerge mit der Presse versehentlich die Zeitung erfinden. Parallel dazu gibt es eine Verschwörung, den Patrizier von Ankh-Morpork aus dem Amt zu heben und einen anderen, konservativen (rassistischen) Mann auf seinen Platz zu setzen. Plötzlich sticht also der Patrizier aus dem Nichts seinen Sekretär nieder, völlig stümperhaft, denn der Patrizier ist eigentlich ausgebildeter Assassine. Die Ankh-Morpork Times hilft der Stadtwache bei den Ermittlungen ... oder ähnlich.

    Was Die volle Wahrheit zu einem der besten Scheibenweltromane mMn macht, ist der Plot, der nie an Momentum verliert. Gerade verglichen mit dem Vorgänger Der fünfte Elephant - der hatte diesen Durchhänger in der Mitte - stellen sich solche Probleme hier einfach nicht ein. Ich glaube auch, dass Ankh-Morpork als Gewimmel noch nie so gut in Szene gesetzt war. Alle möglichen Fraktionen und Spezies treten auf und machen diese Großstadt wunderbar lebendig.

    Das Buch als Satire zu lesen, ist heute wahrscheinlich nicht mehr so effektiv. Manches ist ja immer universell, aber verglichen mit den Schwierigkeiten, mit denen Neuigkeiten und Presse in unserer Zeit konfrontiert sind, ist dieses Buch eher niedlich. Viel eher funktioniert es als witziger Fantasy-Roman, in dem eben die Zeitung erfunden wird. Und das reicht ja eigentlich auch, finde ich.

    Gestern hat der Buddy-Read mit einem Kumpel gestartet. Wir lesen Empire of the Vampire von Jay Kristoff.

    Es geht in einem rotzigen Ton los. In einer Art Vorrede spricht ein verbitterter Ich-Erzähler in rotzigem Ton von seinem verlorenen Glauben und dem Bösen in der Welt, gegen das Gott nichts unternimmt. Welcher Gott das ist, wird hoffentlich noch erklärt.

    Dann kommt ein richtiges Kapitel mit dem Titel "Sunset". Vor 27 Jahren wurde die Sonne verdunkelt. Seither herrschen (wohl) die Vampire über die Welt. Der Protagonist ist Gabriel, der letzte "silversaint", der den Kaiser der Vampire getötet hat und jetzt auf seine Hinrichtung wartet. Vor seinem Ende soll dem Historiker (auch ein Vampir) noch seine Geschichte erzählen, die dieser übernatürlich schnell niederschreiben kann. Gabriel will nicht, aber der Vampir nutzt seine Drogenabhängigkeit aus ...

    Der Rest des Buchs wird dann also von Gabriel erzählt. Ich nehme an, dass dieser Stil sowohl Interview With The Vampire von Anne Rice und The Name of the Wind von Patrick Rothfuss Tribut zollen soll - diesen Kniff finde ich auch ziemlich attraktiv muss ich sagen. Es ist mit ein Grund, warum ich das Buch lesen wollte. Wahrscheinlich gebe ich mir dieses Jahr auch die beiden genannten Bücher zum Vergleich. :hmm:

    Es verspricht jedenfalls eine düstere Reise mit ziemlich miesen Leuten zu werden, und darauf habe ich Bock.

    Okay, Empire of the Vampire von Jay Kristoff. Das war eine Leserunde mit einem Kumpel, das heißt, dass wir jedes Kapitel miteinander besprochen, Ideen, Interpretationen und Details geteilt haben usw. So kommt man nur langsam durch einen dicken Band von High Fantasy, aber es ist auch echt schön so ^^

    Das Buch erzählt in sechs größeren Abschnitten abwechselnd die Geschichte, wie Gabriel de Leon der größte aller Silversaints (vampirjagende Halbvampire) wurde und wie er 17 Jahre später den Heiligen Gral gefunden hat. Das wird von einem Vampir-Historiker aufgeschrieben, denn Gabriel ist ein Gefangener und die Vampire haben die Weltherrschaft. Der Historiker kann übernatürlich schnell schreiben und zeichnen, wodurch 1) die Illustrationen (schön!) auf einer Metaebene gerechtfertigt werden und 2) alles in Anführungszeichen steht. Der Eindruck soll also sein, dass wir Gabriels Worte direkt auf der Seite lesen und er zitiert wird. Das Ding ist nur ... so stilsicher und mit der wörtlichen Rede anderer Figuren spricht vielleicht (vielleicht!) jemand mit einer Ausbildung zum Rhetoriker - ob Gabriel so eine hat oder ob diese Form nochmal mit Magie gerechtfertigt werden kann, bleibt erstmal offen. Insofern gehe ich erstmal davon aus, dass diese Form also ... Unsinn ist.

    Gabriel beginnt als junger Underdog ohne spezielle Vampir-Superkräfte, verliebt sich, sündigt fröhlich mit seiner Geliebten und ist hungrig nach Anerkennung.

    In der späteren Zeitlinie ist er ein verbitterter Säufer, der offensichtlich ein dunkles Geheimnis hat und von seiner liebsten in Vampirform heimgesucht wird.

    Und durch die Rahmenhandlung weiß man von Anfang an, dass alle Erfolge Gabriels ihn am Ende in die Gefangenschaft geführt haben und die Bösen siegen konnten.

    Was aber nicht von der Hand gewiesen werden kann, ist Kristoffs Talent als Erzähler. Das Buch ist durchweg spannend erzählt, man hat als Leser das Gefühl, sich in einem sorgfältig ausgearbeiteten Uhrwerk von einem Plot zu befinden. Und das war klasse.

    Da das Buch über die meiste Zeit von Gabriel erzählt ist, wird eine rotzige Sprache benutzt und viel geflucht und Kristoff lehnt sich da zu 100% rein. Das macht Spaß!

    Irgendwer (vielleicht war es der Autor) hat noch behauptet, dass es keine sympathischen Figuren im Buch geben würde. Aber ganz ehrlich? Am Ende sind es doch die düsteren, liebenswürdigen Charaktere, deren Motive man versteht. Es ist keine Schwarz-Weiß-Zeichnung, zumindest nicht bei den Menschen, und eigentlich riecht jeder irgendwie nach Tragödie.

    Ein Loblied also von mir, vor allem weil es einfach verdammt gut erzählt ist. Dass es hier und da ein paar Momente gab, die ich schwächer erzählt fand, die Form der Erzählung mMn unglaubwürdig ist oder ein paar Dinge wie Plot-Löcher aussehen, ist mir am Ende des Buchs dann eigentlich egal.

    Die Figuren sind leider doch eher zweidimensional. Ich empfinde die ganze Clique (Robin, Ramy, Victoire und Letty) als ein tolles Gespann mit Chemie und Dynamik, und doch ... sind die Figuren auch mal über etwas anderes als ihre Herkunft und der Zerrissenheit daraus definiert?

    Ja, das war so genau mein Gedanke bei dem Buch - die erste Haelfte wo es um Uebersetzung ging fand ich toll und subtil - und dann, im zweiten Teil, kann man praktisch an der Hautfarbe ablesen wer gut und wer boese ist, Subtilitaet braucht es da nicht mehr wenn die politische Richtung stimmt.


    Spoiler, darum im ... Spoiler ^^'

    Ja, das stimmt wohl. Wobei ich als Gegenbeispiel schon noch Professor Craft anführen möchte, die bis zum Schluss mit dabei war. Schade, dass es da nur eine Nebenfigur gab, aber sie lässt doch eine Hintertür offen, finde ich.

    Ich bin auch nicht ganz glücklich damit, wie mit Letty umgegangen wird. Sie ist sicher eine der interessanteren Figuren, gerade durch ihre Zerrissenheit. Wenn es im Epilog heißt, dass sie Victoire wahrscheinlich verfolgen würde ... dann verstehe ich das nicht wirklich. War das der Eindruck, denn ich von Letty bekommen sollte? Ich weiß nicht. Das Ende finde ich deswegen tragisch, weil ich glaube, dass diese Freundschaft nicht hätte zerbrechen müssen. Wenn ich es so deute, ist der Fehler aber mangelhafte Kommunikation - und das ist ziemlich unbefriedigend. :hmm: