Beiträge von kalkwiese

    Ich denke auch, dass alles schwer zu schreiben ist, wenn erzwungen wird. ^^ Manche Dinge entsprechen einfach nicht der eigenen Persönlichkeit als Schreiber. Von mir darf man beispielsweise keine Fantasy-Sprachen oder epische Schlachten erwarten. Pratchett lag der Humor, und dir Alopex Lagopus liegt er auch. :) Dann kommt sowas wahrscheinlich ganz natürlich.


    Kleanthes das ist ein guter Punkt, was Pratchett betrifft. Gerade die frühen Scheibenweltromane gefallen mir gar nicht so gut, denn die sind oft sehr klamaukig, ohne doppelten Boden. Spätestens sowas wie "Einfach Göttlich" spielt dann schon in einer ganz anderen Liga als die frühen Rincewind-Bücher.


    Ich selbst kann hier im Thread leider keine Autoren mehr ergänzen. Mehr Autoren wie Moers oder Pratchett fände ich selbst ja toll, aber die Nische scheint nicht so besetzt zu sein. ^^

    Wobei sich bei Moers und Pratchett schnell herausstellt, dass sie neben der etwas durchgeknallten Fantasywelt nicht viel gemeinsam haben. Sie gehen damot völlig unterschiedlich um mMn. Moers finde ich viel immersiver und skurriler, dafür hat Pratchett mehr Witz und Satire. Moers knüpft sehr an den Gothic Novels aus dem 19. Jahrhundert an. (Laut einem Interview ist da seiner Ansicht nach die beste deutsche Literatur entstanden.) Pratchett ist dafür eher Douglas-Adams-Jünger. (Damit gehört Adams definitiv in diesen Thread rein! Ich muss Per Anhalter durch die Galaxis und die Folgeromane unbedingt mal lesen.)

    Was sie dann wieder gemeinsam haben ist, dass sie sich wohl beide sehr gut sowohl in Fantasy, als auch in SciFi auskennen. :hmm: Das scheint mir generell guter Nährboden zu sein, sich in beiden Gebieten gut auszukennen.

    Mit meiner Freundin habe ich neulich Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär von Walter Moers beendet (das ich jetzt auch nochmal mit Cory und Rainbow lese). :)

    Das ist das erste Zamonien-Buch, und man merkt das auch, denn später gibt es weniger Zeichnungen, die dann aber detaillierter sind, und es gibt nicht mehr so viele Bezüge zur Welt außerhalb von Zamonien.

    Von der Form her ist das, zumindest in einem weiteren Sinne, ein Schelmenroman. Das bedeutet, dass die Geschichte eine episodenhafte Natur hat, dass der Protagonist seine Autobiographie schreibt und dass er durch unterschiedliche Gegenden und Gesellschaftsschichten wandert, die man dadurch kennenlernt. Da gibt es noch ein paar andere Kriterien, die ein "echter" Schelmenroman so sonst noch so hat, aber das ist hier eher uninteressant.

    Jedenfalls birgt so eine Form, in der viel zeitraffend erzählt wird, die Gefahr, einfach viel zu behaupten, was man ja angeblich alles gelernt und getan hat usw, ohne dass man das mal zu sehen bekommt. Moers liefert aber immer auch Szenen mit, in denen diese Dinge Anwendung finden, die Blaubär lernt und in denen er natürlich immer super gut ist. :D

    Auch witzig ist das Lexikon, das sich immer mal zu Wort meldet. Das sind immer so kleine, verdammt unterhaltsame Info-Dumps, die einfach eine Menge Spaß machen.


    Wenn ich etwas kritisieren müsste, wäre es der Beginn des Atlantis-Kapitels, in dem man erstmal alle möglichen Lebensformen nähergebracht bekommt und dann die Architektur etc., bevor die Handlung da endlich weitergeht. Aber danach ist auch das Kapitel komplett großartig. :D Es ist schön zu sehen, dass meine Kindheitsfavoriten sich so gut halten.

    Ich habe in meinem Regal zwei Bücher doppelt, darunter auch das, was mal Preis für den Wettbewerb war, was aber die beiden Gewinner abgelehnt haben (einer hatte es schon, der andere hat gerade kaum Zeit zum Lesen allgemein).

    Sowas würde ich gerne unter die Leute bringen, falls sie Interesse haben. :hmm:

    Wäre das etwas, wofür so ein Marktplatz Sinn ergeben würde?

    Ich versuche, sowas immer auch aus der anderen Richtung zu betrachten. Wenn man jetzt Deutsch dafür nehmen würde, fände ich das wahrscheinlich 1) nicht richtig toll (wenn diese Außerirdischen vor vielen Jahren nicht zufällig ein Deutschwörterbuch in die Hände kam und sie tatsächlich Deutsch sprechen lol) und 2) irgendwie so, als ob der Autor es sich etwas einfach macht. :hmm:

    Da würde ich als Leser wahrscheinlich tatsächlich den fremdartigen Nonsens vorziehen bzw. wenn die Sprache nur angelehnt ist, aber definitiv abgewandelt. Oder eine Umschreibung ohne wörtliche Rede usw. (Aber sowas ist ja auch von der Erzählperspektive abhängig, ob man damit überhaupt arbeiten kann.) Schließlich sind es ja Außerirdische, da wäre eine auf der Erde existierende Sprache einfach etwas merkwürdig mMn. :hmm:


    Grundsätzlich sind das Fragen, die mich im Moment auch beschäftigen. Kontext ist bei sowas der Schlüssel (mal unabhängig von Meinungsmobs betrachtet), und in diesem Kontext fände ich andere Lösungen stimmiger.


    Edit: Bei einer Abwandlung wäre plötzlich auch Rechtschreibung, Grammatik und Ausdruck nicht mehr so wichtig! :D Noch ein Vorteil.

    Ich finde es auch mal spannend, das hier diskutiert zu sehen. SDT hat mich früher auch mal verwirrt, muss ich zugeben.

    Das war dann ungefähr so, dass ich eine Sache schreiben wollte, mich an SDT erinnert habe und das also nicht direkt sagen, sondern umschreiben wollte. Dann kam es mir aber so vor, als seien auch meine Beschreibungen nur Behauptungen. :ugly: Und von da an kann man sich ja Ebene um Ebene tiefer graben. Manche raffen das wohl einfach nicht ganz so intuitiv. :rofl:

    Blaustein Interessanter Diskussionsbeitrag! Und ich bin voll bei dir. :) Willkommen im Forum!

    Wir wollen ja darauf hinaus, ich denke, das seht ihr beide Blaustein und Chaos Rising so, dass man für seine Geschichte auswählen muss, was nun wichtig ist und was nicht. Wenn man wollte, so schreibt das Blaustein ja, könnte man alles mögliche versuchen zu zeigen. Schließlich ist die Welt ja komplex.


    Worum es dir wohl eher geht Chaos Rising , ist diese Behauptungsprosa. :hmm: "Sie war nett und freundlich", und dann wird über 5 Kapitel nur geflennt und gestritten. :thumbdown: Sowas ist natürlich totaler Mist. Außerdem kann man auf viele Weisen nett und freundlich sein. Auf welche Weise die Figur das ist, muss sich erstmal durch ihre Handlungen bestätigen.

    Ähnlich wäre "Es regnete." Ja, schön, es regnet ja andauernd, wenn man nicht gerade in einer Wüste ist. Anschaulich finde ich das immer noch nicht. Man könnte stattdessen beschreiben, wie es regnet und in die Beschreibung bereits ein paar Leitmotive einflechten, aber dafür muss einem natürlich klar sein, worum es in der Geschichte geht. (Außerdem ist mein Beispiel auch ein schlimmes Klischee, aber als Beispiel sollte es trotzdem taugen. :hmm: )


    Es ist für einen Anfänger, so war das zumindest bei mir damals, aber oft schwierig zu unterscheiden, was "Show" und was "Tell" ist. :hmm: SDT ist mMn schwammig und nicht unbedingt selbsterklärend. Wenn Gabriel Garcia Marquez ein Kapitel so eröffnet:

    Zitat von Gabriel Garcia Marquez in "Hunder Jahre Einsamkeit"

    Oberst Aureliano Buendia zettelte zweiunddreißig bewaffnete Aufstände an und verlor sie alle.

    ... ist das dann "Tell"? Zu sehen bekommen wir sie nicht. Wir könnten ja auch dabei sein, wenn er seine brutalen Feldzüge macht und verliert. Aber eigentlich interessiert das gar nicht. Denn eigentlich geht es um die Leidenschaftlichkeit und die Vergeblichkeit der revolutionären Aufstände in Südamerika. Solche Dinge sind im Buch Thema. Darum bekommen wir die Aufstände nie zu Gesicht und sie werden uns vertellt, statt ausführlich gezeigt.


    Am Ende sehe ich SDT auch als unzuverlässigen Ratgeber. Es reicht nicht zu wissen, wie man anschaulich wird, man sollte auch wissen, wann man es nicht sein sollte. Mir gefällt beispielsweise ganz außerordentlich gut, wie man bei A Song of Ice and Fire von George R. R. Martin NICHT bei den Schlachten dabei ist, sondern von diesen nur erfährt. Trotzdem zeigt Martin dem Leser, wie die Leute unter dem Krieg zu leiden haben und nebenbei noch die Intrigen der Oberschicht. Martin macht in einzelnen Szenen vieles gleichzeitig, und das kann er nur, weil er sein Thema - den Krieg - kennt.


    Ich muss zugeben, dass ich bei Hemmingways Eisberg auch immer mal mit den Augen rolle. ^^ Es ist für mich eine etwas umständliche Weise, "keet it simple" zu sagen. Und ich mag ja durchaus Bücher mit knapper Prosa, aber aich bin eben auch ein Freund von Satzkaskaden, wie ein Günter Grass sie schreibt ... darum geht mir die Maxime mit der knappen, präzisen, spräden Prosa auch durchaus mal auf die Nerven. ^^ Aber selbst ein Grass, der ein Meister der Anschaulichkeit war, schrieb absichtsvoll und auf ein Thema hin.

    Kirisha Ich glaube, das kann man sehr gut verstehen. ^^

    Man muss dazu sagen, dass die deutsche Literaturtradition tendenziell etwas ... langweilig ist, mit ihren Bildungsromanen etc. In anderen Ländern gibt es ja auch noch diese Gothic-Novel-Tradition (Mary Shelley mit Frankenstein, Egar Allen Poe, alles sowas). In Deutschland wird es da nach der Schauerromantik mit Leuten wie E.T.A. Hoffmann einfach sehr, sehr dünn. :hmm: Und das liegt ja jetzt auch schon eine Weile zurück.

    Will sagen, vielleicht könnte andere Literatur aus anderen Länden dich etwas mehr reizen.

    Dieses Mal mache ich wieder so einen Post. :) Fühlt euch frei, über euer Lesejahr zu reflektieren, Highlight rauszusuchen etc., mir reicht eine Auflistung der Bücher ohne Ranking. :)


    1. David Mitchell - Utopia Avenue: Ein Roman über eine fiktive Band, die den Summer of Love miterlebt und unter all den Musikern der Szene aufsteigt und dann - ja, das sage ich nicht, denn das Buch hat schon so wenig Plot. ^^ Ich habe eine Menge Spaß gehabt, aber man muss zugeben, dass das Buch recht konfliktfrei verläuft bzw. Konflikte selten über Kapitelgrenzen hinausgehen. Es ist eher ein Portrait der Szene, ein Buch über Kunst, schließlich wird aus jedem Kapitel ein Song der Band. Und das ist es, was ich mochte.
    2. Haruki Murakami - 1Q84: 1600 Seiten voller Gesprächsprosa, mit faszinierenden Ereignissen, die dann am Ende alle Konflikte fallenlassen, damit das Buch sich als Romanze entpuppen kann. Ich war selten so enttäuscht.
    3. Paul Wade - Trainieren wie im Knast: Das gab mir in der Isolation Struktur. :D
    4. Günter Grass - Die Blechtrommel: Und es war nicht das letzte Mal, dass ich dieses Buch lese. Dieses Mal via Hörbuch. Kann ich nur empfehlen. Wenn man Die Blechtrommel nicht gelesen hat, weiß man dann überhaupt was alles möglich ist?
    5. Gabriel Garcia Marquez - Hundert Jahre Einsamkeit: Eines der besten Bücher, die ich jemals lesen durfte. Phantastik und reale Wahrheiten gehen Hand in Hand, wurden wahrscheinlich selten so elegant und so leicht erzählt. Wunderbar, das gibt mindestens noch eine zweite und dritte Lektüre.
    6. Jana Jürss - Tod im Land der tausend Seen: Ein ziemlich flacher Lokalkrimi. Die Lektüre war kurz, weil ich sie schnell abbrach. Hab es nicht bereut.
    7. Stefan Schwarz - Die Großrussin: Eine tolle Komödie über einen schrulligen Altphilologen, der seinen Sohn aus Klauen einer Mafia retten will und nichts, einfach gar nichts begreift. Und dann ist da natürlich noch die Frage, wie er den Jungen denn gezeugt haben soll, denn daran kann er sich gar nicht erinnern ...
    8. Mark Dunn - Ella Minnow Pea: Eine schöne kleine Spielerei. Ein Briefroman, bei dem nach und nach immer mehr Buchstaben verboten werden, weswegen die Kommunikation immer weiter eingeschränkt wird. Ein sprachliches Kunststück mehr als alles andere, aber trotzdem ganz cool. :)
    9. Günter Grass - Die Vorzüge der Windhühner: Ein Gedichtband. Ist mal was neues für mich. Habe aber keine Ahnung, wie sowas kommentieren soll. Gefiel mir? Ist nicht einfach zu greifen, aber irgendwie ist das auch eine Gewöhnungssache.
    10. Walter Moers - Die Stadt der träumenden Bücher: Achja, so eine schöne Liebeserklärung an die Literatur und ans Lesen und ans Schreiben ... und auch eine Satire auf den Literaturbetrieb, der mit Mittelmäßigkeit sein Geld macht.
    11. Kai Meyer - Die Seiten der Welt: Blutbuch: Das Finale einer schönen kleinen Jugendbuch-Trilogie. Leidet mMn unter einer blassen Protagonisten und einer Überfrachtung an Plot, wodurch vieles Interessantes etwas zu kurz kommt mMn. Aber vielleicht ist das auch einfach das Problem, dass ich mit Jugendbüchern habe? Kai Meyer kann jedenfalls toll schreiben. Von dem kann man sich das ein oder andere abschauen.
    12. Walter Moers - Ensel und Krete: Das war eine Lücke, die endlich mal geschlossen werden musste. :) Trotzdem, musste das mit 10 Seiten Infodump losgehen? Naja, war trotzdem ein schönes Büchlein, auch wenn ich verstehe, warum es selten als ein Favorit genannt wird. Dafür ist es vielleicht einfach etwas zu meta.
    13. Terry Pratchett - Helle Barden: Einer der besten Scheibenweltromane bisher. :) Zusammen mit Einfach Göttlich für mich ganz oben.
    14. Walter Moers - Rumo: Von Dirk Bach vorgelesen. Wunderbar! Einer meiner Favoriten, vielleicht auch, weil es etwas blutiger zugeht. :D
    15. Ingrid Noll - Der Mittagstisch: Hörbuch. Irgendwo zwischen Krimi und Gesellschafts/Familienroman. Noll kann toll erzählen, es ist unglaublich. Die Geschichte ist aber absolut harmlos und tut keinem weh. Kann man mal machen.
    16. Theodor Fontane - Effi Briest: Auch als Hörbuch. Wäre mir als Text wahrscheinlich etwas zu verwinkelt. Die Figuren und das Setting und alles waren toll. Die Brüche, die Motive, alles das war wunderbar geschrieben und ausgeführt. Aber dieses Genre des bürgerlichen Realismus mit all diesen Spaziergängen und Plaudereien ... finde ich einfach ein bisschen langweilig. Als Hörbuch geht das aber ganz gut. Da hat das auch irgendwie etwas beruhigendes.
    17. Leo Perutz - Der Meister des jüngsten Tages: Perutz kann super schreiben. Dass man hier bis zu den letzten Kapiteln und dem Nachwort einen eher unglaubwürdigen Krimi liest, ist aber eher frustrierend. Es macht mich aber neugierig auf Perutz' andere Bücher - dieses hier mochte er wohl selbst nicht.
    18. J. R. R. Tolkien - Der Herr der Ringe: Endlich hab ich das mal nachgeholt. Das bereue ich definitiv nicht, es gab auch vieles, was mir gefiel. Einen Fan hat aber nicht aus mir gemacht. Vielleicht muss, ganz wie bei Star Wars, als Kind zum Fan geworden sein, sonst wird man es später einfach nicht mehr.
    19. Theodor Fontane - Irrungen, Wirrungen: Gefiel mir durchaus besser als Effi Briest, vielleicht weil es etwas knapper war. Wie eine etwas traurige, warme Decke.
    20. Günter Grass - Ein weites Feld: Hörbuch, anders hätte ich das nicht fertig gebracht. Dieses Buch kann wahrscheinlich nur von Germanisten und Fontane-Experten richtig genossen werden. Künstlerisch bestimmt super realisiert - setzt für die meisten (da schließe ich mich mit ein) aber wahrscheinlich zu viel Bildung voraus.
    21. Günter Grass - Unkenrufe: Hörbuch. Nicht ganz so langweilig wie EwF, aber doch irgendwie zahnlos. Er konnte das besser.
    22. Ingrid Noll - Ehrenwort: Hörbuch. Im Prinzip gilt das gleiche, wie bei "Der Mittagstisch", aber dieses Mal mit einem Hand in die Pflegeproblematik hinein, weil die Familie den Opa um die Ecke bringen will. Damit ist das Buch bei mir deutlich mehr hängen geblieben. Außerdem gab ein bisschen mehr Ambivalenz bei den Figuren, was auch gut gefiel. :) Sehr gutes Buch.
    23. Tamsyn Muir - Gideon The Ninth: Das war schon etwas schwierigeres Englisch, aber es hat sich sehr gelohnt. Sicher der Plot war recht klassisch in diesem ersten Teil, aber: Die Locked-Tomb- Bücher kombinieren Humor, tolle Figuren mit nem Knacks, Tragik, literarische Tradition (allein, dass eine Figur Dulcinea heißt, wie eine Figur aus Don Quijote ...) und literarische Techniken, die ich in Fantasy so noch nicht gesehen habe. Das begeistert mich. :)
    24. Terry Pratchett - Rollende Steine: Rock-Roman! War definitiv gut, sticht aber nicht besonders bei TP heraus.
    25. H. P. Lovecraft - Berge des Wahnsinn: Ja, das war eine interessante Reise. Ich sollte mich mal mehr mit Lovecraft beschäftigen.
    26. Jules Verne - Die Reise zum Mittelpunkt der Erde: Hörbuch. Das hätte ich wirklich als Kind schon lesen sollen. Das erfüllt mich mit einer Nostalgie, die ich gar nicht haben sollte ... wunderschön.
    27. Laurent Binet - Die siebte Sprachfunktion: Ein bescheuerter Krimi in der Szene der Semiotiker und sogenannten postmodernen Denker der 1980er, der bei allen kleinen Ausflügen in die Semiotik auch einfach herrlich derbe und witzig ist. Vielleicht kommt das dabei raus, wenn man Tarantino mit Umberto Eco kreuzt.
    28. Günter Grass - Im Krebsgang: Hörbuch. Der Schlussstein in Grass' fiktionalem Schaffen enthält erstaunlich wenig Fiktion. Der Inhalt dieser Novelle, die über weite Teile ein Bericht ist, ist aber verdammt packend: Der Untergang der Wilhelm Gustloff, die größte Schiffskatastrophe der Menschheitsgeschichte, wie sie von Nazis für ihre Zwecke missbraucht wird, die realen Zusammenhänge, wie darüber berichtet wurde und warum der fiktionale Autor des Berichts sich weigert, einen Roman daraus zu machen, weil er Leuten sonst Gedanken und Gefühle andichten müsste, die er nicht belegen kann. Es ist vieles ... nur eben kein immersives Buch. Muss ja auch nicht sein.
    29. Günter Grass - Die Box: Hörbuch. Zweiter Band von Grass Autobiographie. Stellt ihn als Vater dar und ist erstaunlich ehrlich dabei, weil es sich zeigt, dass er da definitiv einen besseren Job hätte machen können, aber er war so sehr aufs Schreiben fixiert. War sehr intim, das war schön.
    30. Günter Grass - Beim Häuten der Zwiebel: Hörbuch. Grass' Kindheit bis zur Veröffentlichung der Blechtrommel. Und da ist er wieder, der sinnliche Erzähler Grass. Eines seiner besten Bücher.
    31. Günter Grass - Gleisdreieck: Wieder ein Gedichtband. Nenne ich eher wegen der Vollständigkeit. ^^
    32. Miriam und Ezra Elia - Das Tagebuch von Edward dem Hamster (1990 - 1990): So ein niedliches kleines Ding vom Grabbeltisch. Ist auch erstaunlich düster.
    33. Haruki Murakami - Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki: Hörbuch. Murakami bleibt hier komplett im Realismus. Das funktioniert erstaunlich gut. Über 300 Seiten hält er alle Versprechen im Buch ein. 1Q84 kann ich ihm damit wieder verzeihen. :)
    34. Tamsyn Muir - Harrow The Ninth: Oh Junge! Das ist ein Buch. Man darf sich nichts vormachen, das Ding polarisiert sicher, denn es fordert viel vom Leser und zahlt es erst spät zurück - aber es lohnt sich eben auch. Dass man das in Fantasy tatsächlich erfolgreich bringen kann, überrascht mich. Ich kann es nur bewundern.
    35. Walter Moers - Der Schrecksenmeister: Hab ich mit meiner Freundin gelesen. Diese Ästhetik eines Gothic-Novels tut den Moers'schen Büchern unglaublich gut.
    36. Ocean Vuong - Auf Erden sind wir kurz grandios: irgendwo zwischen Jugenderinnerungs-Roman, Lyrik und Essay. Dabei recht fragmentarisch und sehr gefühlvoll und tiefgreifend.
    37. David Mitchell - Der Wolkenatlas: Ein gutes Buch, definitiv. Aber auch etwas überschätzt mMn.
    38. Fantastisches Blattwerk - Eine Anthologie von Mitgliedern des Fantasy-Geschichten-Forums: :D Das habe ich zwei Freundinnen vorgelesen und mich so nochmal von den Früchten unserer Arbeit überzeugt. Es war einfach schön zu sehen, wie viele Geschichten nochmal besser waren, als vor dem Lektorat.

    Mich hat diese Frage schon eine Weile beschäftigt und ich hatte einfach keine gute Antwort darauf. :hmm:


    Manche Fantasy macht etwas ähnliches wie Science-Fiction. In David Mitchells "Die Knochenuhren" gibt es unsterbliche Figuren, und Unsterblichkeit wirft natürlich Fragen auf - Sorgen, Ängste, Probleme -, die jeden etwas angehen. Es müssen nicht unbedingt Unsterblichkeitsgeschichten sein, Gesellschaftsstrukturen kann man auch darstellen etc., aber irgendwie vermittelt das etwas ganz menschliches. - Hm, das macht Fantasy jetzt nicht so besonders, andere Literatur macht das ja auch. :hmm:


    Dann ist da natürlich Eskapismus. Finde ich jetzt nicht so schlagend als Argument, aber hin und wieder gefällt mir das ja auch. Kann man ebenfalls in anderen Genres finden.


    Ich denke am Ende ist es, dass Phantastik einfach alles ermöglicht, was mir an guten Büchern gefällt. Es ist einfach schön, mal der Wirklichkeit rausgeholt zu werden, in etwas Märchenhaftes einzutreten, dabei aber auch wirkliche Dinge und Konflikte zu erleben, also wieder bei Dingen zu sein, die alle etwas angehen.

    Nicht alle Fantasy tut das und nicht alle Bücher, die das tun, werden als Fantasy eingeteilt, aber das ist es wohl, was mich daran so fasziniert. :)

    Alopex Lagopus

    Ja, deinen Beobachtungen stimme so völlig zu.

    Es ging mir natürlich auch darum, diese Geschichte sehr anders zu machen als Das Mondkäsefondue. Ich hatte das damals auch schon als Kindergeschichte für Erwachsene verstanden, diese hier ist natürlich nochmal viel ernster. Mit den langen Sätzen hatte ich auch einfach Spaß, muss ich sagen. Diese Seite von mir wollte sich mal so richtig ausleben.

    Falls ich jemals eine Sammlung von den Geschichte um das klitzekleine Kätzchen machen sollte, sollten aber wahrscheinlich ein paar Sätze nochmal unters Messer. Zwar ist es mein Konzept, dass die Geschichten sich unterscheiden sollen, aber ich habe es hier vielleicht auch ein bisschen weit getrieben. Rücksicht auf den Leser und der Spaß am Schreiben stehen sich bei mir manchmal leider im Wege. ^^ Ich weiß noch nicht so richtig, wie ich damit umgehen soll, genauso wenig wie ich weiß, was für eine Art Autor ich sein will.

    Vielleicht bin ich sowas aber auch einfach nicht mehr gewohnt mehr, seit ich aus dem Studium raus bin und meine tägliche Lektüre nun aus Spagetthicode besteht :rolleyes:

    Das kann natürlich sein, aber generell hat man heute wahrscheinlich weniger die Zeit, mit Büchern so richtig in Resonanz zu treten. Satzkonstrukte wie die längeren hier sind auch Trotzreaktionen von mir darauf, dass generell diese nüchterne Kahlschlag-Prosa als Idealbild gilt. Hin und wieder denke ich mir dann: "Ihr könnt mich mal alle ..." Mit nüchternem Verstand weiß ich natürlich auch, dass man sich um seine Leser sorgen sollte. Da stellt sich mir die Frage, wie weit man es in diesem Spannungsfeld zwischen Verspieltheit und Leichtigkeit eigentlich treiben kann, und sich gedanklich in so einem Spannungsfeld zu bewegen, ist ... anstrengend. ^^ Manchmal wünschte ich, ich wäre da einfacher gestrickt, aber irgendwie muss ich doch zu meinem Vorteil nutzen können :hmm:


    So experimentell im Stil finde ich die Geschichte eigentlich gar nicht, wenn ich ehrlich bin. ^^

    Und die Moral von der Geschicht: "Es ist okay, böse Monopolisten zu beklauen" :whistling:

    Ist das nicht etwas doppelt gemoppelt? :D

    Am Ende stellst du eine interessante Frage in den Raum, Ob es nun etwas am Problem ändert, wenn ein netterer Riese das Land besäße. Das gefällt mir. Hinterlässt für mich einen nachdenklichen Nachklang, den ich als angenehmen Ausklang empfinde. Da kann man sicher lange drüber debattieren und ich wäre auch sofort mit dabei :fox:

    Das freut mich, dass es dir gefällt. Ich kam mir mitunter durchaus so vor, als käme ich mit der Brechstange an. Vielleicht tue ich das ja auch. Aber ich gebe keine simple Antwort auf diese Frage, weil ich auch keine simple Antwort habe. Aber Strukturen und Prinzipien wie diesen Riesen gibt es und ich bin überzeugt, dass Leute mit gutem Willen, die aber die gleiche Funktion ausüben, das eigentliche Problem nicht lösen. Hollywood strickt ja gerne solche Märchen und das geht mir gegen den Strich.


    Ich hoffe, es hat am Ende auch einfach etwas Spaß gemacht. Mir hat es das auf jeden Fall. :)

    Voriger Abschnitt.


    Das Palladium (Abschnitt 4 von 4)


    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das lauschte gerade einem erbitterten Wortgefecht voller Spott und Hohn zwischen seiner Freundin Doktor Dalia Dunkeldussel und dem Wirtschaftsriesen Ekoul, als es plötzlich von zwei kruden Krallen gepackt – ein Gefühl, das ihm merkwürdig bekannt vorkam –, in den Himmel und dann wieder Richtung Boden gerissen wurde, wobei es langgezogen quiekte. Es sah auf (zumindest dorthin, wo immer oben war, wenn es mit allen Pfoten auf dem Boden stand) und erblickte, mit heftigem Fahrtwind in den Augen – Flugwind? Flugwind. –, die Bauchschuppen des Dieseldracos.
    „Da ist ja Nummer drei!“, brüllte der Riese, und seine Riesenhand schoss in die Lüfte, dem Dieseldraco hinterher.
    Der tauchte ab, was der Riese nicht erwartet hatte, und pflückte Dalia vom Boden. („Huuuh!“, rief sie.) Dem Kätzchen fiel sofort auf, dass der Dieseldraco nicht so schnell flog wie sonst. Als es zu Boden sah, entdeckte es auch kein aufgebautes Zelt mehr und ahnte, was sich hier vielleicht abspielte.
    Eine Riesenhand raste direkt an den Schnurrhaaren des Kätzchens vorbei, erzeugte eine Fallbö und der Dieseldraco sackte ab. Das klitzekleine Kätzchen hatte ihn noch nie so stöhnen und schnaufen hören.
    Es war einmal ein Dieseldraco, der hatte mit einer Freundin, die Wissenschaftlerin war und ihn unwissentlich zum Komplizen eines Diebstahls gemacht hatte, einen Plan geschmiedet. Nein, wenn er ehrlich war, dann hatte er ihn völlig allein gesponnen, Dalia hatte nur noch eingewilligt. Der Draco und Doktor Dunkeldussel versteckten sich, bis der Wirtschaftsriese seine Wache im Lager beendete. Dann folgten sie ihm Heim – der Draco improvisierte seinen Plan, strenggenommen war es also gar keiner –, und dort entdeckten sie auf seinem gigantischen Hof, als der Riese später noch einmal nach draußen kam, seinen Lagerschuppen aus Metall. Für den Riesen musste er eher ein begehbarer Safe sein – für Dalia und den Draco hatte er mehr etwas von einer Halle. Der Draco und Dalia entschieden sich dafür, sich aufzuteilen. Dalia sollte auf das Lager aufpassen, denn es war wahrscheinlich, dass der Riese am nächsten Tag zurückkehren würde. Der Draco würde hier Wache halten und versuchen, das Kätzchen zu retten und Palladium aus der Schuppenhalle zu stehlen – ob sie ihm vertraue?
    Sie tat.
    Gut, dann würde er sie nun zurückbringen und sich danach auf die Lauer legen. Ja, doch, er komme da schon rein. Stahl würde schließlich weich, machte man ihn nur heiß genug.
    Und nun floh der Dieseldraco vor dem Riesen, beladen mit einem klitzekleinen Kätzchen in den einen Klauen und Doktor Dunkeldussel in den anderen, und, nicht zu vergessen, lauter Palladiumbarren in den Taschen seines Sattels. Diese zu befüllen, nur mit klauenbesetzten Händen, war zum Mäusemelken schwierig gewesen, da hatte er noch einige Verbesserungsvorschläge an Frau Doktor zu richten. Gerade aber beschäftigte ihn etwas anderes: Die Gewichtskraft – hätte Dalia vielleicht gesagt – zerrte an ihm, und dann war da noch der Riese, der seine Hände immer wieder nach ihm warf. Dalia griff nach den Schlaufen und Ösen des Sattels und zog sich hinauf.
    Wieder ein Luftloch. Dalia und das Kätzchen schrien auf. Der Draco ächzte, als er sie wieder auf Kurs hob, und noch ein Stückchen höher; nach jedem Luftloch, das die Hand des Riesen riss, etwas höher ... noch ein kleines bisschen und sie könnten –
    Aber der Riese Ekoul setzte zum Sprung an, griff nach dem Draco, packte ihn am Schwanz, und so sehr dieser mit den Flügeln schlug, so wenig konnte er doch ausrichten. Dennoch leistete der Draco ganze Arbeit. Langsam und zäh nur konnte Ekoul sie näher und näher zu sich ziehen. Dalia krallte sich fest an den Sattel und ihr Gesicht hellte sich auf: „Du hast es geschafft, du hast die Barren besorgt!“ Sie griff in eine Tasche, holte einen 1-kg-Barren heraus und vergaß darüber, sich festzuhalten.
    Ein Ruck vom Riesen, als er ihnen kurz ein paar Zentimeter ließ, um dann noch fester anziehen zu können. Dalia fiel nach vorn über, der Barren entglitt ihr – im Schreck fasste sie gerade noch den Sattel.
    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das wollte seiner Freundin helfen, ein Projekt für ihr Haus zu bauen, zog dafür mit ihr in den Süden zum Palladiumsammeln, kam sich dabei reichlich nutzlos vor, wurde unwissentlich Komplize in einem Diebstahl und von einem Riesen entführt. Als es gerade in den Klauen des Dieseldracos hing, der vom Riesen gepackt und langsam immer tiefer Richtung Erde gezogen wurde und nicht entkommen konnte – als die drei gerade in einer ausweglosen Situation gefangen schienen –, sah das Kätzchen an seinem klitzekleinen Köpfchen vorbei einen Palladiumbarren zu Boden stürzen. Da hatte es eine Idee.
    Es rief: „Die Barren, Frau Doktor! Wirf die Barren!“
    Dalia, die Augen weit aufgerissen, wurde bleich. „Ich kann doch nicht einfach das Palladium wegwerfen!“
    Der Dieseldraco, dem der Schwanz im Griff des Riesen bereits mächtig schmerzte, rief mit qualmenden Nüstern: „Verdammter Mist, Dalia! Das bist du uns schuldig!“
    Das Kätzchen sah ihr leidendes Gesicht, als sie in die Tiefe blickte, dann verschwand sie aus seinem Blickfeld. Wenige Augenblicke später war dem Kätzchen, als beginne ein leichter Nieselregen aus 1-kg-schweren Palladiumbarren.
    Es war einmal ein Wirtschaftsriese, der wollte nicht, dass sein Monopol auf Rohpalladium von drei Dieben untergraben wurde, und lernte eines Tages, dass ein Hagelschauer, auch wenn die Körner klein sind, nicht angenehm ist, wenn er aus 1-kg-schweren Palladiumbarren besteht. Besonders, wenn man einen davon ins Auge bekommt. Es war ein Reflex: er ließ die Diebe los. Als er noch dastand, sich das getroffene Auge rieb, waren sie schon außer Reichweite. Er konnte nur noch hinterherschauen.
    Es waren einmal eine geniale Wissenschaftlerin, eine feuerspeiende Flugechse und ein klitzekleines Kätzchen, die waren mit einem Diebstahl von Palladium davongekommen, weil die Wissenschaftlerin durch einen glücklichen Wurf (oder weil sie gut zielen konnte oder beides) nicht alle gestohlenen Palladiumbarren auf die Augen eines Wirtschaftsriesen werfen musste. Ein paar – drei – waren übrig geblieben. Es würde noch ein paar Stunden dauern, für manche von ihnen vielleicht einen ganzen Tag, bis sie sich darüber freuen konnten. Und wenn sie nicht gestorben sind, so erleben sie noch heute wunderbare Abenteuer – für den Moment aber schwiegen sie. Und ordneten sich, nachdem die Ereignisse ihr Inneres durcheinandergewürfelt hatten.
    Dann seufzte das klitzekleine Kätzchen: „Wenn doch nur ein netterer Riese das Land gekauft hätte ...“
    Dalia schwieg.
    Zuletzt sprach der Dieseldraco: „Am eigentlichen Problem ändert das auch nichts, fürchte ich.“

    Moog

    Meinen herzlichen Glückwunsch zum Sieg! :party: Den hast du mit der Geschichte definitiv verdient. Sie ist unterhaltsam, verarbeitet kreativ die ganzen Märchen, ist keinen Buchstaben zu lang oder zu kurz und sitzt einfach. :thumbup: Viel mehr kann ich kaum sagen. Es ist toll zu sehen, was es alles für gute Erzähler hier im Forum gibt.


    Zu den anderen beiden Geschichten:


    Wielin Meinen Respekt, wenn ich deine Geschichte mit der vom Wettbewerb davor vergleiche, hast du dich gewaltig verbessert. :thumbup: Mach so weiter, denn du bist auf einem guten Weg. Hier und da gab es mal ein paar Sätze, die man hätte streichen können oder das Präsenz ist mal aufgetaucht, obwohl die Geschichte in der Vergangenheitsform geschrieben ist und sowas, aber das geht mit der Übung auch weg. Also bleib am Ball. :)


    Kamar Mutig, hier so offen Erotik reinzubringen. Habe ich definitiv nicht erwartet, das gab schon mal Pluspunkte. :) Aber mit dem Titel habe ich schon geahnt, dass es wahrscheinlich viele falsch gesetzte Kommata geben würde. Einer Wettbewerbsgeschichte kann ich allein dadurch schon nicht mit gutem Gewissen meine Stimme geben. :( Das ist (für mich) so grundlegend, dass ich mich nicht mehr richtig auf die erzählte Geschichte konzentrieren kann. Ich habe sie noch vage als vielversprechend in Erinnerung (und dass du schon mal eine Wettbewerbsgeschichte hattest, die ich ganz ähnlich bewertet habe). Will sagen, da steckt definitiv was drin, aber so ist es mMn noch nicht ganz stimmig. :hmm: Ich hoffe, das ist als Feedback hilfreich.

    Voriger Abschnitt.


    Das Palladium (Abschnitt 3 von 4)


    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, dem war nicht wohl, weil ein wütender Riese in ihrem Lager seinen Freunden auflauerte. Es zitterte vor Angst und bekam zu allem Überfluss auch langsam Hunger. Zu warten hatte auch seine Wirkung auf den Riesen. Mittlerweile waren seine Züge längst nicht mehr so hart und er wirkte deutlich träger in seinen Bewegungen.
    Das Kätzchen dachte kurz nach, traute sich dann und fragte.
    Der Riese war nicht erfreut, aber natürlich würde es zu essen bekommen, später, wenn es mit seinen Freunden hinter Gittern war.
    Aber die anderen kamen nicht. Bald wurde es dunkel und der Riese machte sich doch noch auf den Heimweg, das klitzekleine Kätzchen weiter auf seiner Schulter. Des Riesen Höhle lag in einem alten Steinbruch, der mit einem hohen Zaun gesichert war, über den der Riese einfach hinweg stieg. Nachdem das gigantische Hausportal ins Schloss fiel, konnte das klitzekleine Kätzchen auf der Riesenschulter nur staunen. Der Riese wirkte grob, aber seine Höhle war schlichter, lakonischer eingerichtet als erwartet. Mit weißgefliesten Wänden, Möbeln wie geometrische Formen und bewegungsmeldenden Lichtschaltern. So schmucklos, schnörkellos war kein Zuhause, so konnte nur die Höhle einer gemeinen Kreatur aussehen.
    „Modern, nicht wahr?“, fragte der Riese nicht ohne Stolz. Er gab dem klitzekleinen Kätzchen ein winziges Stück einer Formschinkenscheibe (für Riesen) aus dem Kühlschrank – es war noch immer doppelt so groß wie das Kätzchen selbst. Nachdem es sich sattgegessen hatte, wollte der Riese noch einmal alles über des Kätzchens Freunde wissen.
    „Aber ich habe schon alles erzählt – ehrlich!
    „Ich glaube nicht an ehrliche Diebe.“
    Langsam war das Kätzchen es satt, ein Dieb sein zu müssen. Es erzählte noch einmal alles von vorne.
    „Was möchte deine Freundin überhaupt mit dem Palladium?“
    „Sie möchte mit Wasser Energie speichern, in Tanks, so mit Brennstoff oder in Zellen oder so, ich weiß es nicht, aber es klang toll!“
    „Power to gas?“ Wow, der Riese verstand das ja! „So weit kommt’s noch. Ich habe gerade erst in ein paar Ölfelder investiert! Für sowas würde ich nichtmal einem Kollegen mein Palladium geben.“
    „Heißt das, wir können das gar nicht bauen?“, fragte das Kätzchen, die Ohren angelegt.
    Der Riese lachte. „Na, wenn sie mir ihr Patent verkauft, dann denke ich vielleicht mal drüber nach, ob ich sowas gut finden könnte – oder ob das Patent in den Giftschrank gehört.“
    Da wurde das Kätzchen nur noch trauriger – trauriger und sehr, sehr müde. Aus dieser Müdigkeit heraus und aus der Hoffnung, sich selbst damit etwas aufzuheitern, kamen ihm folgende Worte über die Lippen gepiepst: „Kannst du mir vielleicht eine Geschichte erzählen?“
    „Glaubst du ernsthaft, ich spiele dir den Unterhalter?“
    Das war wie ein Tritt, nur aus Worten.
    „In dem Fall ...“, das Kätzchen traute ich kaum weiterzusprechen, „würde ich gerne eine Geschichte erzählen ...“
    Der Riese war darüber so erstaunt wie das Kätzchen selbst – und nickte schließlich. Da erzählte das klitzekleine Kätzchen die Geschichte einer greisen Katzendame, die eines Nachts im Frühling auf einen Friedhof ging, um dort auf den Tod zu warten. Es war eine Geschichte, die Frau Doktor dem Kätzchen erzählt hatte und die es noch immer tief berührte, auch wenn es nicht wusste warum. Der Riese lauschte gebannt. Über das Erzählen jedoch schlief das Kätzchen vor Erschöpfung ein – fiel einfach mitten im Satz auf die Seite und war tief und fest ins Reich der Träume entschwunden.
    Es war einmal ein Wirtschaftsriese, der hatte einer Geschichte gelauscht, deren Ende er nicht erfuhr, weil das erzählende klitzekleine Kätzchen einfach eingeschlafen war. Er ließ die hundemüde Katze schlafen, ging noch einmal vor die Tür und inspizierte das kleine, metallene Lagerhäuschen nebenan, in dem er einige Palladiumbarren lagerte. Da er vor allem an Menschen verkaufte, hatte er 1-kg-Barren gießen lassen, für ihn waren sie eher wie bleierner Sand zwischen den Fingern. Das Schloss saß fest, aber er befestigte die Tür zusätzlich mit einer Kette. Die ganze Zeit kreiste ihm die unfertige Geschichte im Geist, wie eine nervige kleine Fliege, die er einfach nicht zu fassen bekam. Was hatte der Geist der greisen Katzendame bloß vorgeschlagen? Schließlich ging er zu Bett, verschloss aber alle Türen, damit das diebische Kätzchen nicht entkam ... und er die Geschichte zu Ende hören konnte.
    Es war einmal ein klitzekleines Kätzchen, das erwachte eines Morgens in der Höhle eines Riesen, als es von ihm gepackt und auf seine Schulter gehoben wurde. Wie am Vortag wurde dem Kätzchen ganz schwummrig, je tiefer der Boden unter ihm wegsackte.
    „Wir statten deinen Freunden noch einen Besuch ab.“
    Auf dem Weg zum Lager forderte der Riese das Ende der Geschichte ein und war nicht ganz zufrieden, weil sie so zügig und abrupt zum Ende kam.
    „Das ist, als würde eine Hälfte fehlen!“
    Das Kätzchen legte die Ohren an. „Das ist aber das Ende der Geschichte. So hat es mir Frau Doktor erzählt ...“
    Eine Weile wanderten sie stumm weiter und nun, im Licht eines anderen Tages, fielen dem Kätzchen die riesigen, sandigen Krater auf, die die Hacken des Riesen in den Boden gerissen hatten. Fast so wie der Krater, in dem es gestern festgesessen hatte.
    Es war einmal eine Wissenschaftlerin, die erwartete in ihrem Lager in der Sonnigen Savanne einen Riesen, dem sie hatte Palladium stehlen wollen. Die Trümmer ihrer Schüttelbox lagen noch immer im Krater, den der Riese mit seinem beherzten Stampfen hinterlassen hatte – aber die wenigen Palladiumkörnchen, die Dalia gesammelt hatte, die hatte sie noch zusammenklauben können. Nun stand sie dort, die Füße schulterbreit, und schaute fest zum Riesen auf. Die Erde zitterte unter jedem seiner Schritte. Schließlich blieb er vor ihr stehen und hockte sich hin.
    „Du musst Doktor Dalia Dunkeldussel sein. Ich habe gehört, du machst ein fantastisches Fondue aus Käse vom Mond.“
    Auf seiner Schulter regte sich etwas, das ganz kläglich miauen konnte: „Frau Doktor! Ich bin hier oben!“
    Dalia, rief: „Ganz ruhig, kleine Miez! Wir holen dich da runter!“ Dann, seufzend, an den Riesen gewandt: „In der Fachwelt kennt man mich auch für meine Forschung.“
    Der Riese: „Was wären Schaffende ohne das Werk, für das sie am bekanntesten sind? Mein Name ist Ekoul. Und ich bin es, dem dieses Land gehört.“
    Dalia, schulterzuckend: „Man wäre freier. Du hast meine Schüttelbox zerstört. Hätten wir nicht vorher darüber sprechen können?“
    So begann das Wortgefecht:
    Natürlich, wenn sie etwas von ihm wollten, hätten sie sich bei ihm melden können. Der Riese hätte ihnen den Preis pro Gramm Palladium genannt, sie hätten eingewilligt, ihr Palladium gesammelt, bei ihm eingewogen – fertig. So und nicht anders laufe das auf SEINEM Boden!
    Und wenn sie den Preis nicht akzeptabel gefunden hätten?, fragte Dalia.
    Dann hätten sie nach Hause gehen können! Sollten sie sich doch ein anderes Palladiumvorkommen suchen!
    Er wisse genau, dass es kein anderes gäbe! So könne Dalia ihre Projekte nicht bauen ...
    Der Riese, mit unbewegtem Gesicht: Das Leben sei eben nicht fair. Was wolle Dalia denn entwickeln? Wenn ihm die Idee gefalle, würde er sie vielleicht sponsoren.
    Sie wolle mit überschüssiger Elektrizität Wasser in seine Einzelteile aufspalten und die Energie so chemisch speichern. Dann, wenn man die Elektrizität benötigte, wolle sie den entstandenen Sauerstoff und Wasserstoff unter Stromerzeugung wieder zu Wasser reagieren zu lassen. Damit wolle sie Häuser ausstatten und energietechnisch unabhängiger machen.
    Energieunabhängige Häuser! Der Riese lachte. Das Kätzchen habe bereits davon erzählt. Ob sie verrückt sei?
    Dalia hielt dagegen: Einer seiner Kollegen hätte sicher Interesse und könnte mit ihrer Idee eine Menge Geld machen.
    Doch der Riese durchschaute den Bluff: Konnte einer seiner Kollegen eine Versorgung mit Palladium sicherstellen? Natürlich nicht! Aber die Idee gefalle ihm. Wenn sie bereit sei, die Rechte an ihrer Anlage an ihn zu verkaufen, stelle er sie vielleicht ein.
    Dalia kullerten erste salzig nasse Perlen von der Stirn, hervorgelockt von der steigenden Sonne und der Anstrengung. Noch musste sie durchhalten. Der Dieseldraco würde sicher kommen. Bald. Hoffentlich ... Auf der Schulter des Riesen schlängelte sich ein klitzekleiner Kätzchenschwanz. Sie hob wieder das Wort: Auf gar keinen Fall!


    Nächster Abschnitt.

    Moin Sensenbach,

    danke, deine Erklärungen zeigen mir jetzt besser, wo das Problem zu liegen scheint. :hmm:

    Also, deine Auslegung dieser Sätze und meine Absichten gehen anscheinend teils massiv auseinander. Über die Gründe kann ich nur spekulieren.

    Das betrifft deine Interpretation von Punkt 2, also das hier:

    Diese Interpretation kann ich mir nur erklären, wenn nicht ganz klar wurde, dass diese Sätze aus dem zweiten Post einer Geschichte sind, die ich in mehreren posten muss, weil sie zu lang ist. Hast du den davor auch gelesen? In meinem Textdokument ist der Post, aus dem du da zitierst, nämlich mitten im Fließtext drin. Wenn das wirklich nicht als Fortsetzung erkennbar gewesen sein sollte, muss ich das besser kennzeichnen (wahrscheinlich dann als "Das Palladium (1 von x bzw. 2 von x, etc.).

    Wenn es aber doch erkennbar war und du diese Sätze trotzdem so verstehst ... dann muss ich da noch eine Weile drüber brüten. Wenn diese Sätze so daneben gehen, will ich das natürlich ernst nehmen.


    Jetzt aber dazu, was ich mit dem Satz eigentlich wollte. :)

    1.

    Es war einmal eine Wissenschaftlerin, die wusste nicht, doch ahnte,

    „die wusste nicht“ könnte ja eigentlich weg. „Ahnte“ reicht ja. Du hast „die wusste nicht“ also für einen bestimmten Effekt eingefügt. Ist es in Nachahmung eines bestimmten Schreibstils? Oder soll dadurch ein extra an Unsicherheit der Wissenschaftlerin vermittelt werden.

    Stimmt, ich habe "wusste nicht" und "ahnte" bewusst beide eingebaut. Im ersten Post der Geschichte macht sich die Truppe auf den Weg in die Sonnige Savanne, weil es dort die einzige Palladiumlagerstätte des Planeten gibt. Nach Doktor Dunkeldussels Kenntnisstand sollte das Land frei zugänglich sein und das teilt sie den anderen auch mit. Sie verschweigt aber, dass sie gehört hat, dass es auch Leute gibt, die das Land kaufen wollen. Ob das Land nun wirklich noch nicht in jemandes Privatbesitz ist, das weiß sie nicht. Sicher könnte ich "wusste nicht" weglassen, aber ich finde, dass das die Figur von Dalia Dunkeldussel gut darstellt, im Sinne von "Ich wusste es ja nicht, also habe ich auch nicht gelogen." In dem Absatz beschreibt der Erzähler ja ihre Perspektive. Ich fand, dass das aus dem Kontext klar wird, aber wenn das nicht beim Leser ankommt, muss ich nachbessern. :)

    Nachahmung eines Stils, joa, so ein bisschen orientiert man sich ja immer an seinen Helden, glaube ich. Ich schaue hier schon sehr auf das Kapitel "Glaube Hoffnung Liebe" aus Grass' Blechtrommel, wo mit jedem "Es war einmal" die Geschichte ein kleines Reset erfährt, die Perspektive zu einer anderen Figur wechselt und auch Informationen immer wieder wiederholt werden, aber eben mit einem kleinen Twist. Sowas wollte ich auch mal machen. Ansonsten hatte ich dieses Mal einfach keine Lust auf kurz, knapp und trocken, sondern wollte diesen längeren, etwas distanzierten Sätze schreiben. Ich glaube auch, dass das dieses märchenhafte irgendwie transportiert, falls das Sinn ergibt.


    Wie oben bereits gesagt, dass "freies Palladium" der Name eines Landes sein könnte, das er gibt für mich nur Sinn, wenn nicht klar wurde, dass man sich hier mitten im Fließtext befindet. Ohne Kontext sehe ich den Bezug, den du da meinst, aber mit Kontext würde ich eigentlich niemals auf die Idee kommen. Es geht nur das chemische Element, nichts anderes.


    3.

    Sie schüttelte und schüttelte und schüttelte. Die ersten, silbrig glänzenden Klumpen ließen sich auf dem Grund der Box bereits erahnen, aber noch blieb es ein flüchtiger Hauch.

    a) Hier schreibst du „bereits“. Gibt es also einen Zusammenhang mit dem Schütteln?

    b) „Bereits“ suggeriert auch, dass es mehr Klumpen werden. Diesem Gedanken wird jedoch die Grundlage entzogen, indem dann nur noch „ein flüchtiger Hauch“ bleibt.

    a) Die Gruppe hat eine Erzwiege mit in die Sonnige Savanne genommen. Man kennt das ja vielleicht aus Western oder so, wenn Menschen in einem Fluss stehen und mit Tellern Gold aus dem Kies waschen. Das konnte man früher auch an manchen Orten mit Palladium machen, bevor diese Vorkommen erschöpf waren. Heute gewinnt man das eher als Nebenprodukt beim Abbau von anderen Metallen. Man muss es aber nicht diesen Waschtellern machen, es geht auch im großen Stil.

    Hier der Wikipedia-Artikel, der enthält auch ein paar Bilder davon, wie so eine Rockerbox bzw. bei mir Erzwiege und später liebevoll "Schüttelbox" genannt, aussehen könnte. :) Den Waschvorgang habe ich auch im ersten Post beschrieben, die Parallele zum Gold könnte ich aber noch hinzufügen.


    b) Genau, es werden mehr. Jaa, das "blieb" könnte man vielleicht durch "war" ersetzen. Selbst finde ich das nicht so schlimm, aber wenn Leser das tatsächlich anmerken, dann mache ich mir natürlich einen Kopf. :hmm: Ich habe mir auch ein paar Videos zu dieser Art von Goldgewinnung angeschaut, und da hat man ganz schön gesehen, wie sich nach und nach immer mehr Gold zwischen den Steinen angesammelt hat. Anfangs, wenn man noch nicht viel gesammelt hat, ist das wirklich nicht mehr als ein Hauch. Die Beschreibung finde ich so eigentlich passend.


    Die grundsätzliche Frage ist für mich. Sind die Wortspielereien zum Selbstzweck da, weil sie ja für sich genommen ganz hübsch sind, oder verfolgt der Autor ein bestimmtes Ziel? Wohin möchte er den Leser führen? Das erschließt sich mir nicht.

    Also, wie gesagt, für mich gibt es hier überhaupt keine Wortspielereien. ^^ Ich wollte hier an keiner Stelle den Poeten raushängen lassen, sondern immer nur gerade raus sagen wollen, was los ist.

    Lieber kalkwiese

    Diese Geschichte entzieht sich dem Zugang durch meinen überragenden Intellekt.

    Es war einmal eine Wissenschaftlerin, die wusste nicht, doch ahnte, dass sie in ihrer Schüttelbox kein freies Palladium sammelte, sondern dass das Land, in dem die Nuggets lagerten, mittlerweile nach dem Gesetz jemandem gehörte.

    Das ist, nach allen durchgeführten Analysen, … einfach Unsinn.

    Hey Sensenbach, ich verstehe leider nicht, was du meinst. :huh: Kannst du es mir erklären?