Beiträge von kalkwiese

    Um das letzte, leider nicht gute, Buch auszugleichen, habe ich die letzten vier Tage Die Großrussin von Stefan Schwarz gelesen. :)

    Das Buch ist, genau wie der Krimi es war, etwas untypisch für mich, aber sowas hat ja seinen Reiz. Es ist eine Komödie, durchaus leichte Kost, aber intelligent geschrieben und unterhaltsam - also nicht so sehr auf Witz fokussiert, dass es anstrengend wird. Sehr sehr schön! Aber worum geht es?


    Ulrich Hasselmann ist Altphilologe, also er beschäftigt sich mit alten, toten Sprachen und hat sich auf die Verslyrik des späten römischen Kaiserreiches spezialisiert, und er ist unser schrulliger, etwas neurotischer Protagonist. Er hat eine Frau und zwei Töchter (Zwillinge), ist ein kleiner Mann und führt ein harmloses Leben. Nur beginnt das Buch damit, dass er mit den Füßen in einem Eimer voll hartem Beton in einen See geworfen wird. Tja.

    Hasselmann wird von seiner Vergangenheit eingeholt, in der er eine Scheinehe mit einer Russin geführt hat, um seine Doktorzeit zu finanzieren ... und das zieht ihn nun, Jahre später, in absurde Situationen, die er krampfhaft vor seiner Ehefrau zu verheimlichen versucht, während er gleichzeitig auch sehr bemüht ist, am Leben zu bleiben.

    Das Büchlein ist also auch etwas komplex, da es mehrere Zeitebenen parallel laufen lässt. Das war mMn sehr gut umgesetzt.


    Das Büchlein ist etwa 280 Seiten lang und durchweg einfach sehr unterhaltsam. :D Ich kann es eigentlich ohne Einschränkungen empfehlen.

    Ich habe eben ein Buch abgebrochen. :( Schade, aber ich hatte einfach keine, wirklich keine Freude dran.

    Tod im Land der tausend Seen von Jana Jürss. Das ist ein Lokalkrimi in Mecklenburg-Vorpommern, in der Stadt, in der ich zur Schule gegangen bin. Das reizt mich erstmal. :) Leider sonst eigentlich nichts. Auf inhaltlichen Punkten wird zu oft einfach zu viel rumgeritten. Ja, ich weiß, dass die Familie um den verstorbenen Vater trauert. Ist auch traurig, ich kapier das. Aber hätte man in dem Absatz zwei, drei Sätze mit diesem Inhalt gestrichen, wäre es immer noch überdeutlich gewesen. Dx Und die Tendenz kam immer wieder. Das ermüdet, zumindest mich, recht schnell.

    Irgendwie haben sich diese ersten 66 Seiten einfach flach angefühlt. Inhaltlich war, zugegeben, nicht für viel Zeit, aber die Dialoge, die Beschreibungen, die Figuren, alles wirkte irgendwie oberflächlich.

    Mir tut es jedenfalls leid, weil ich wirklich gerne gute Worte für ein Buch in Neustrelitz übrig hätte. :/

    Hab eben mit meinem Vater die Serie Spartacus beendet.

    Man kann ja sicher einiges an der Serie doof finden. Manche Dirty Talk-Dialoge waren ... zum Lachen. Einiges CGI-Blut und viele Animationen aus besonders der ersten Staffel auch. Und die Blutrünstigkeit und den Sex muss man wohl auch abkönnen. Ein Feministisches Manifest ist die Serie auch nicht gerade. Aber die Intrigen waren klasse, ich habe tatsächlich die Figuren liebgewonnen, weil die Charaktere gut waren, und ich war bis zum Ende gespannt, weil natürlich klar war, das der Sklavenaufstand scheitern muss. Wie gibt man einer Serie unter dieser Prämisse ein gutes Ende? Tja, die Serienmacher haben es geschafft. ^^ Ich bin sehr zufrieden.

    So, dann hätte ich Hundert Jahre Einsamkeit (Gabriel Garcia Marquez) geschafft.

    Oh boi, das war richtig gut! Während das Dorf Macondo und die übernatürlichen Ereignisse frei erfunden sind, spiegelt die Entwicklung des Dorfes und der Leute die von Kolumbien und in gewissem Sinne auch allgemein Lateinamerika wider. Die Gründung des Dorfes (Kolonialisierung); die Einbindung in staatliche Infrastruktur, wodurch mehr Einflüsse von Außen kommen; amerikanischer Imperialismus und Verfall.

    Aber offenbar gibt es in Latein Amerika recht aggressive Tendenzen auf verschiedenen Ebenen der Gesellschaft, negative Vergangenheit einfach unter den Tisch zu kehren, was in HJE Figuren zur Wiederholung von Fehlern vergangener Generationen verdammt. Das letzte ist jetzt eine der plakativeren Feststellungen, das Ganze geht noch deutlich nuancierter.

    Der Magische Realismus nimmt hier geradezu biblische Ausmaße und macht die Geschichte zu einer monumentalen Erfahrung.

    Ich bin jedenfalls ziemlich platt. Mein Vater meinte, dass ihn das, als er das damals gelesen hat, nicht so sehr betroffen hat. :pardon:

    Marquez hat sich vielleicht von Grass mal inspirieren lassen, aber er macht hier schon gut sein eigenes Ding und ist längst nicht so effekthascherisch, wie man es einem Grass durchaus vorwerfen kann.


    Das Buch war jedenfalls nicht schwer zu lesen, sondern zugänglich, vorausgesetzt man kann mit dem weniger szenischen, mehr zeitraffenden Stil etwas anfangen. Deutliche Leseempfehlung von mir. :) Vielleicht werde ich dieses Jahr nichts besseres mehr lesen. xD

    Eben das Hörbuch zu Die Blechtrommel von Günter Grass ausgehört.


    Ich meinte ja, das wäre wohl die definitive Form des Buch, aber ganz sicher bin ich mir dabei nicht mehr. Sicher, die Prosa wurde gesprochen und dann aufgeschrieben und Grass liest das wunderbar vor. Klasse! Seine Prosa zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass Grass Lyriker war und diesen Ansatz auch in seine erzählenden Texte getragen hat. Manche Stellen, denke ich, wirken als gedruckter Text doch besser, weil sie einem nicht gesprochen durchs Hirn rauschen, sondern man sie bewusst erarbeitet, erarbeiten muss. Trotzdem ist das Hörbuch toll und wenn man es sich ausleihen kann, dann kann das sicher helfen, wenn man nebenher das Buch liest.

    Das ist nämlich weiterhin ein großer Brocken. Es enthält neben der ja schon gelobten, aber gewöhnungsbedürftigen, lyrischen Prosa viele tolle Figuren! Hauptfigur Oskar stolpert ja durch viele kleinbürgerliche Haushalte durch und erlebt die Geschichten vieler Leute mit. Und diese sind sehr lebhaft und plastisch, das macht einen großen Reiz am Buch aus. Auch wie diese vielen Episoden miteinander verwoben sind, ist sehr geschickt gemacht.

    Letztes Mal meinte ich, dass man vielleicht ein paar Kapitel hätte streichen können und das ist auch heute wieder mein Urteil. Andere haben schon festgestellt, dass das Buch im letzten Drittel eine etwas irritierende Richtung einschlägt.

    Aber vielleicht - vielleicht! - hätte man hier und da noch eine auf eine Episode verzichten können. Manche lyrische Passage ist auch etwas zu viel des Guten. Es macht ja Spass sowas zu schreiben und sicher war das eine kompromisslos ehrliche Art, sich auszudrücken - ich verstehe den Reiz -, aber der Grundsatz "Schreiben, um zu unterhalten" ist mMn sehr sehr wichtig. Leser kann man immer mal mit der ein oder anderen Sache etwas strapazieren, aber so weit gehen? Nützt das wem? Ist das wirklich noch ehrlich oder nur Ego? Geht beides? Manchmal kommt es schon eher selbstgefällig daher.
    Im Nachkriegsdeutschland einer halbherzigen Entnazifizierung muss das Ding ja eine Granate gewesen sein. Und ich glaube auch, dass die Kunst damals einfach freier war. Ein bisschen trauere ich dem nach und ziehe meinen Hut.
    Es ist auch interessant, dass Die Blechtrommel trotz aller Eigenheiten ein recht traditionsbewusstes Buch ist und dem Schelmenroman (https://de.wikipedia.org/wiki/Schelmenroman) einen etwas eigenen Twist gibt. Ich wusste bis vor einer Weile nicht, dass das ein Genre ist. ^^

    Fazit: Beim zweiten Mal immer noch ein tolles Buch - wenn auch kein einfaches.

    Edit: Irgendwie kommt es mir im "Fantasy"-Thread doch etwas komisch vor ... dabei gibt es hier drin nunmal fantastische Elemente. :hmm: Keine Ahnung, ich hoffe es irritiert nicht zu sehr.

    Ich stelle leider fest, dass mir 1Q84 keinen guten Nachgeschmack hinterlassen hat, so sehr ich viele Passagen auch mochte. Ich hoffe, dass meine nächste Lektüre das wieder ausbügeln kann und dass anderes von Murakami befriedigender ist.


    Jetzt lese ich also Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel Garcia Marquez. Genau wie Murakami ist Marquez magischer Realist (meistens). 1Q84 war Fantasy, weil da fantastische Elemente überall in der Geschichte waren. Bei Marquez ist das ähnlich, nur sind sie da ein selbstverständlicher Teil der Lebensrealität der Figuren. In einer Episode geht eine Epidemie von Schlaflosigkeit durch das Dorf Macondo und die Leute vergessen langsam die Dinge um sich und auch ihr Leben. Aber vorher sehen sie traumähnliche Gestalten durch das Dorf und die Häuser gehen, und nicht nur die eigenen, sondern auch die der anderen. Zigeuner kommen vorbei und haben allerlei Kuriositäten - unter anderem funktionsfähige fliegende Teppiche. Eine Figur hatte magische Fähigkeiten, starb, kam zurück und verlor als Strafe für seine Treue zum Leben seine magischen Fähigkeiten. Das ist schon cool.

    So wird natürlich ein sehr verklärtes Bild von Lateinamerika gezeichnet (Marquez war Kulumbianer), aber es zeigt auch wie Mythenwelt und Aberglaube selbstverständlicher Alltag für diese Figuren sind.

    Ich lese dieses Buch aus zwei Gründen. 1) Reif Larsen ("Die Karte meiner Träume", eng. "The Selected Works of T. S. Spivet") nannte Marquez als einen seiner Einflüsse. 2) Angeblich war es das frühe Schaffen von Günter Grass, in dessen Blechtrommel und Hundejahren auch reale bzw. realistische Ereignisse gleichwertig neben phantastischen passierten, das Marquez den Mut gab, dieses Buch zu schreiben. Es ist unheimlich spannend, diese Beziehungen hier jetzt nachzulesen. Ist die kleine Waisin Receba eine Hommage an das zigeunerische Findelkind Jenny Brunies aus Grass' Hundejahren? Mal sehen.

    Was Marquez auch wie Grass kann, sind die fließenden Übergänge zwischen Zeitebenen. Schon der erste Satz:

    Zitat von Gabriel Garcia Marquez

    Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendia sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, um das Eis kennenzulernen.

    Der Rest des Kapitels ist diese Episode über das Eis. Hin und wieder wird man daran erinnert, dass Oberst Aureliano vor dem Erschießungskommando seinem Ende entgegensieht. Sowas finde ich irgendwie immer sehr befriedigend zu lesen, wie diese Übergänge flüssig gestaltet sind und man dem einfach folgen kann.

    Bisher bin ich nicht sicher, was genau diese Geschichte sein wird. Es scheint eine Familiensaga zu sein und andererseits auch um das fiktive Dorf Macondo zu gehen.

    Was erstmal irritiert, sind die Namen der Figuren. Da ist der Großvater Aureliano Buendia, der hat einen Sohn, Jose Arcadio Buendia, dieser hat zwei Söhne: Jose Arcadio und Aurelio, ersterer hat ein Kind gezeugt, das sie Jose Arcadio nennen, aber nur Arcadio rufen ... Von einer Spanierin habe ich mir sagen lassen, dass der in spanischsprachigen Gegenden durchaus üblich ist. Wenn sie die wenigstens nummerieren würden, wie die preußischen Friedrichs, Wilhelms und Friedrich-Wilhelms. Aber auch ein Wilhelm der Zweite ist nicht gleich Wilhelm der Zweite ...

    Die Erzählperspektive ist sehr berichtend und distanziert, erlaubt aber dafurch die fluide Übergänge zwischen den Episoden der Figuren, ganz ohne Leerzeilen. Das ganze ist nicht unbedingt szenisch geschrieben. Man steckt nicht in den Köpfen der Figuren, es geht viel mehr um die Ereignisse an sich. Viele modernere Bücher, die ich gelesen habe, sind viel näher an den Figuren dran. Man fühlt viel mehr mit. Aber da geht es dann auch um dieses kleine Set von Figuren und nicht um ein ganzes Dorf oder mehrere Generationen einer Familie. Es ist interessant, wie die Art der Geschichte die Perspektive und den Stil diktiert.

    Ich bleibe dran, den das hier ist bisher einfach furchtbar interessant. :)

    Ich habe heute 1Q84 von Haruki Murakami ausgelesen und ich bin recht zwiegespalten.

    Dieses 1500 Seiten starke Ding (Buch 1 und 2 in einem Band, Buch 3 gibt es als zusätzlichen Band) ist eines der ereignisärmsten Bücher, die ich seit langem gelesen habe. Das Buch besteht überwiegend aus Gesprächsprosa und inneren Gedankengängen der Figuren. Das ist bisher nichts Negatives mMn, denn Murakami scheint in sowas irgendwie aufzugehen. Das und in bizarren Situationen, für deren Beschreibung ich wieder Ausdrücke wie "Magischer Realismus" herholen muss.

    Die Auftragsmörderin Aomame stellt fest, dass die Polizei plötzlich schwerere Waffen trägt, quasi von einem Tag zum anderen. Der Wechsel der Waffen lag aber bereits zwei Jahre zurück. Aomame folgert daraus - und aus anderen Beobachtungen gleicher Art -, dass sie sich nicht mehr in ihrer Welt des Jahres 1984 befindet, sondern in einer alternativen Welt, die sie 1Q84 tauft. Q steht für Question Mark. Außerdem wird die 9 im Japanischen wohl als Kyu ausgesprochen.

    Es gibt Episoden zu verschiedensten Themen, Machenschaften einer Sekte spielen auch eine Rolle, aber man sollte keine Action erwarten oder dass man diese Sekte mal von Innen zu sehen bekommt. Denn dieses Buch - und das wird recht spät erst klar - ist vor allem eines:

    Manche Themen (wie die Sekte und ihre Machenschaften) weckten große Erwartungen bei mir und die wurden nicht nur nicht erfüllt, was völlig in Ordnung ist, sondern wie wurden auch nicht durch etwas ersetzt, das ich stattdessen richtig cool finden könnte. :hmm:

    Am Ende lebt das Buch vor allem von seiner hypnotischen, sehr zugänglichen Prosa (Pluspunkt!) und seinen Figuren.


    Also, ich mochte es schon. Aber ich bin mir irgendwie sicher, dass der Murakami auch besseres zu bieten hat.

    Der Inhalt erschließt sich mir jetzt nicht unbedingt so klar, dass ich es selbst formulieren könnte, aber der Ton und die Stimmung bringen trotzdem viel Bedeutungsgefühl rüber.

    Ich habe befürchtet, dass es etwas on the nose wäre. ^^

    Rhythmisch finde ich es sehr gelungen! Es macht Spaß, es aufzusagen! ^^ Vor allem die letzte Zeile gefällt mir gut, die bietet rhythmisch einen schönen Abschluss.

    Es freut mich, dass es funktioniert. :rofl: Das hat mir einige Kopfschmerzen bereitet!
    Während der Großteil des Gedichts jambisch ist, steht die letzte Zeile im Trochäus. :hmm: Das scheint mir ein passender Abschluss zu sein, gerade weil die Form in diesem Gedicht ja doch etwas freier ist

    Etwas sperrig im Aufbau möchte ich sagen.

    Das kann gut sein. ^^ Ich habe mich zwar um eine einheitliche Form bemüht, also Jambus mit vier Hebungen, aber als ich alles inhaltlich drin hatte und mir inhaltliche Punkte durch Wortwahl usw. passend gewichtet erschienen, hätte ich weitere Änderungen nur noch der Form wegen gemacht. :hmm: Das fühlte sich irgendwie unnatürlich an. Vielleicht liegt es daran, dass ich einfach mehr Prosaist als Lyriker bin.

    Gleichwohl eine schöne Homage an das menschliche Sein und die Tatsache das wir die Makel des anderen erinnern und er uns so im Gedächtnis bleibt

    So hoffe ich recht interpretiert zu haben.

    Ja, das passt schon gut, denke ich. :) Ich selbst hatte beim Verfassen nichts allgemeines sondern ein spezielles persönliches Empfinden im Blick.

    Ich würde eher sagen, dass man vielleicht zu Extremen tendiert. Wenn das Positive überwiegt, glorifiziert man die Menschen leichter, wenn das Negative überwiegt, vergisst man die positiven Qualitäten eher. :hmm: Das steht natürlich nicht im Gedicht, was meine Zeilen also bedeuten, musst du mit dem Text ausmachen, ich habe da keine Kontrolle mehr drüber.

    Ein schönes, wie kurzes Werk.

    Danke ^^ Das Gedicht ist eine sehr interessante Form, die wohl etwas unterschätzt wird mMn.

    Ich weiß du bist ein guter Mensch –
    erinnern würd’st du sicher mich,
    damit ich nicht vergesse,
    wie du es immer fürchtest.


    Und doch erinn’re immer ich
    mich selbst – ich muss.


    Denn was geblieben ist,
    was selten mich besuchen kommt,
    sind weder Verstand noch Schönheit –
    einzig deine Makel.


    Moin, CatsPaw ! :) Willkommen bei uns.
    Science Fiction, Fantasy - das sind doch bürgerliche Kategorien. :whistling: Wir haben hier auch SciFi-Geschichten drin und ich denke generell lieber in Grenzen von "SciFantasy". Du bist hier definitiv nicht falsch. :D

    Vor ein paar Stunden Utopia Avenue von David Mitchell beendet.

    Utopia Avenue ist eine fiktive Band, die 1967 gegründet wird und verschiedenste Strömungen der damaligen Zeit miteinander vereint: Tasteninstrumente, Gesang - Elf Holloway, Folksängerin; Bass, Gesang - Dean Moss, hat einen R'n'B und Rock'n'Roll-Hintergrung; Gitarre, Gesang - Jasper de Zoet (ein Nachfahre von Jacob de Zoet, nach dem ein anderer Roman von Mitchell benannt ist), spielt virtuos in einer Liga mit Eric Clapton und Jimi Hendrix, und Schlagzeug - Griff Griffin, Jazzdrummer.
    Protagonisten sind Elf, Jasper und Dean, wobei der Manager Levon und Griff auch jeweils ein Kapitel bekommen. Das Buch ist interessant strukturiert. Es gibt größere Kapitel, die nach den LP-Seiten der Alben benannt sind (bspw. "Paradise is the Road to Paradise, Side One"), mit einzelnen Kapiteln, die nach Liedern benannt und aus Perspektive des Songwriters erzählt sind.

    Ähnlich wie "Der Dreizehnte Monat" sind es die Einzelepisoden, die die große Erzählung ausmachen - die Geschichte der Band eben. Ihre Gründung, ihre Sorgen, ihre Liebschaften, ihre Krisen, Drogen, Sex, die Ekstase der Liveshows, Abgründe der eigenen Sexualität, feministische Problematiken, Schizophrenie, echte und falsche Freunde - die Musikszene in ihrer ganze Pracht. Für einen Nerd wie mich ist das hier ein Fest gewesen. :D Vor allem auch bei den ganzen Auftritten von Figuren wie David Bowie, Leonard Cohen, Janis Joplin usw.

    Wahrscheinlich ist das ganze auch ein bisschen verklärt, aber man spürt, dass hier ein kurzes, aber goldenes Zeitalter eingefangen wurde.

    Die Prosa war wieder angenehm einfach, kreativ und reich. Statt wechselnden Ich-Erzählern hat er sich für personale Erzähler entschieden, was vielleicht damit zusammenhängt, dass hier ca. alle 20 Seiten die Perspektive wechselt und nicht erst alle 100.

    Ich bin auch sehr froh, dass nach dem Doppel von Die Knochenuhren und Slade House, die einen deutlichen Fantasy-Einschlag hatten, diese Elemente erstmal wieder in den Hintergrund treten. So sehr ich die auch mag, die realen Probleme und Sorgen der Figuren interessieren mich etwas mehr.

    Bei all meiner Lobhubelei für Mitchell zeichnen sich für mich als Langzeitfan auch langsam die Muster ab und vielleicht auch die ein oder andere Schwäche.

    Das ganze Buch ist sehr unterhaltsam. Das ist wichtiger als vieles anderes. Aber es fällt schon auf, dass viele der Figuren den gleichen Witz an den Tag legen. Öfter als mir lieb ist fühlen sich viele der Nebenfiguren damit irgendwie ähnlich an. Die sind sozusagen der Grundzustand. Nur Figuren, die ausdrücklich einen Grund dazu haben, sind deutlich anders. Vielleicht muss man mit seinen Statisten in einem Roman voller Figuren so verfahren?

    Es fällt auch auf, dass es sehr viele One Liner gibt, die sich super zitieren lassen und dann natürlich tiefsinnig klingen. Solche One Liner haben dann eine "X ist wie Y, man tut es, um nicht Z tun zu müssen." Mitchell versteht sein Handwerk und sucht nach genau diesen Dingen, damit er seinen Lesern geben kann, was sie von Mitchell erwarten.

    Das liest sich jetzt natürlich sehr negativ, aber mir fällt es ja nur deshalb so auf, weil ich diesen Autoren so bewundere. Auch furchtbar talentierte Künstler zeigen Licht und Schatten, wenn man ihnen analytisch auf die Pelle rückt. Terry Pratchett muss sich das auch von mir gefallen lassen. :D


    Ich habe dieses Buch auf Englisch gelesen. Wenn ich es jetzt mit A Game of Thrones vergleiche, dann ist Mitchells Stil deutlich flexibler und nahbarer, nicht so kühl distanziert wie der von Martin. Er ist aber auch deutlich britischer, was für mich viel Googlen bedeutet hat. Mit Urban Dictionary habe ich mir auch den Slang erschließen können und auf lange Sicht hat das positiv zur Erfahrung beigetragen. :thumbup: Sehr sehr cool.


    Leseempfehlung von mir, für Fans von Mitchell und Musikfans. Wer mit Pop/Rock/Psychedelia und Livemusik nichts anfangen kann, der würde mit diesem Buch vielleicht seine Schwierigkeiten haben. Irgendwann dieses Jahr kommt es bestimmt auch auf Deutsch raus. :D

    Heyho kalkwiese


    Verstehe ich jetzt nicht.

    Übers Jahr kann jeder hier mitteilen, was er gerade liest.Und das hast Du ja auch gemacht. Wofür braucht's denn jetzt noch ein Kompenium darüber...??? ?(

    Hey, Der Wanderer , du hast sicherlich recht, dass man so eine Jahresendliste nicht unbedingt 'braucht', aber ich finde es als Rückblick einfach schön und es hat auch etwas von einem Ritual. Außerdem erinnere ich mich bei sowas gerne an das, was am Anfang des Jahres so los war, denn das ist in der Regel schon weit weg für mich. ^^

    Ich hätte natürlich ein Ranking machen können, das hätte vielleicht 'neue' Informationen gegeben, aber mit Rankings tue ich mich in der Regel etwas schwer. :hmm:

    Ich kriege nen schlechtes Gewissen, wenn ich sehe, was ihr alles gelesen habt ^^.

    DIe Menge kann einem aber wirklich egal sein, finde ich. Manches liest man besser gut als schnell. Und wenn du stattdessen viel geschrieben hast, ist das vielleicht sogar mehr wert. :D

    Eben "Vier Federn" gesehen, die Verfilmung von 1939. Die müssen sie richtig gut aufbereitet haben, denn das Rauscht kaum und das Bild sieht auch ziemlich gut aus. Ich war auch überrascht, dass Farbfilm da anscheinend schon eine Sache war. Die Nazis haben ja auch noch alles schwarzweiß gemacht, die Briten hatten aber wohl die Mittel dazu.

    Guter Film über einen jungen Mann, Offizier wurde, um es seinem Vater recht zu machen. Als sein Vater tot war und ein Befehl kam, im heutigen Sudan einen Kalifen zurückzudrängen, trat er aus der Armee aus - mit schwerwiegenden sozialen Konsequenzen.

    Ein guter Film über Heldentum, der das ganze aber durchaus etwas verklärt. Die Roman Vorlage "Die vier Federn" ist von Alfred Edward Woodley Mason.


    Vor einigen Tagen habe ich auch mit Papa "Die verborgene Festung" (1958) gesehen. Das ist einer von Kurosawas Samurai-Filmen, wobei das Wort hier nicht ganz passt, denn im Fokus stehen zwei Anti-Helden, die für Geld wirklich alles tun würden und die meiste Zeit gar keine Ahnung haben, wie ihnen geschieht. Sie werden von einem ehemaligen General benutzt, um eine Prinzessin zu eskortieren. Doch dieser Plan erweist sich als nicht unbedingt gut durchdacht ...

    Deutlich weniger ernst als ich es erwartet habe. Und schwarzweiß. Was mich wieder zu meiner Eingangsfrage bringt, wie lange es eigentlich gedauert hat, bis der Farbfilm zum Standard wurde. :hmm:

    John Wick 3 und Once Upon A Time ... in Hollywood gab es die letzten Tage. Sehr unterhaltsam. :)


    Und eben mit meinem Vater "Der dezente Charme der Bougoisie" (1972) geschaut. Regisseur war Luis Bunuel, den mein Vater sehr schätzt. Als ich gehört habe, dass Bunuel Surrealist sei - von Surrealismus habe ich keine Ahnung! - habe ich mit etwas noch Abstrakterem gerechnet.^^ Nein, es war sehr unterhaltsam, es wurden einige interessante Entscheidungen getroffen, um bestimmte Dinge darzustellen, aber es war nie unverständlich und der Sinn dahinter war meist einfach zu deuten. Jetzt habe ich auch mal endlich einen ArtHaus-Film gesehen. :P

    Im Moment liegt mein Hauptfokus auf Utopia Avenue von David Mitchell (Als Fan und Kenner des Mitchell-verses habe ich auch schon Fantasyelemente ausgemacht, deswegen bin ich hier im richtigen Thread, ha! Wer das Buch aber für sich stehend liest, könnte die unter Umständen übersehen oder anders interpretieren). Es Ist ein bisschen wie Once Upon A Time in Hollywood, wo der Regisseur so richtig Bock hatte, die Filmszene in L. A. aus den 60ern wieder aufleben zu lassen. Nur halt in Großbritannien und über Musik und nicht mit so viel Gewalt.

    Es macht gerade jedenfalls sehr viel Spaß und ich begrüße die neue Richtung, die nach Die Knochenuhren und Slade House hier eingeschlagen wurde.


    Warum ich den Post aber eigentlich mache: Ich habe jetzt 1Q84 von Haruki Murakami begonnen. Die Geschichte ist als Trilogie veröffentlicht worden, mit Teil 1 und 2 im selben Band. Geht man also in die Buchhandlung, wird man Bücher mit den Titeln "1Q84" und "1Q84 3" finden und diese beiden werden die gesamte Trilogie abdecken. Verlage und ihre Veröffentlichungspolitik ...

    Band 3 habe ich noch nicht und das Buch aus Teil 1 und 2 ist über 1000 Seiten dick. Aber was steht drin?

    Gute Frage. Bisher gibt es zwei Protagonisten: Aomame, eine junge, schöne, aber etwas exzentrische Auftragsmöderin; und Tengo, ein junger, werdender Autor, der mit der Überarbeitung eines Manuskripts beauftragt wird.

    Noch weiß ich keine Details, aber die Realität scheint aus den Fugen zu geraten, darum poste ich es unter Fantasy.

    Murakami hat irgendwie einen Hang zum Redundanten. Öfter kommt es mal vor, dass er mit zwei oder sogar drei Sätzen den gleichen Sachverhalt beschreibt, ohne wirklich etwas hinzuzufügen. Im Forum würde ich sowas sofort anmerken. :pardon: Aber der Erfolg gibt wohl Recht, ob ich das mag oder nicht. Im Japanischen ist Redundanz wohl auch nicht so gravierend wie in den eher westlichen Sprachen. Da kommt einem glatt die Frage auf, wie groß die Rolle der Übersetzer eigentlich bei Murakamis internationalem Erfolg sein mag.

    Er benutzt auch einen sehr sehr einfachen Stil, den er aber abwechslungsreich und eigenwillig zu benutzen versteht. Es ist interessant zu sehen, wie man alle möglichen Stile stimmig und zugänglich umsetzen kann, seien es kurze oder lange Sätze, Ein-Wort-Sätze, Sätze wie Aufzählungen, viele Absätze, kaum Absätze, alles zusammen - man kann alles stimmig einsetzen. Je mehr man die Regeln lernt, desto freier werden sie interpretierbar und desto besser gelingen einem die Experimente.

    Ich habe vorhin wie ein Weltmeister diesen Post hier geschrieben ... und dann war beim Absenden das Wlan weg. Damit gab es auch keinen gespeichterten Entwurf. :( Hier jetzt mein zweiter Anlauf.

    Die Endjahresliste für 2020! Was habt ihr gelesen? Wie fandet ihr es? Hier ist der Ort, seine gelesenen Bücher zu teilen und zu jedem ein paar knappe Worte zu verlieren.


    1. Haruki Murakami - Die unheimliche Bibliothek
      • Eine merkwürdige Kurzgeschichte über einen Jungen, der in einer Bibliothek Bücher über die Steuerfahndung im Osmanischen Reich ausleihen möchte. Eine bizarre kleine Geschichte, die sich wie ein Traum anfühlt.
    2. David Mitchell - Slade House
      • Dieses Buch bedient alle Mitchell-ismen und liest sich natürlich wieder toll. Grundsätzlich ist es aber ein schwächeres Buch aus seiner Feder und zum Einstieg in sein Werk würde ich es nicht empfehlen. Das liegt wohl vor allem daran, dass die Ereignisse hier nicht so richtig Gewicht bekommen wollen.
    3. Mark-Uwe Kling - Qualityland
      • Als Hörbuch gehört, das natürlich wieder toll vom Autoren vorgelesen wurde. Diese spätkapitalistische, konzerngesteuerte Dystopie wird vielleicht nicht allen Känguru-Fans munden, denn die Ästhetik hier ist eine völlig andere als in den Känguru-Chroniken, aber die hier entworfene Gesellschaft wirkt durchweg inspiriert und unangenehm oft plausibel.
    4. Trudi Canaven - Die Meisterin
      • Das beste Buch einer sehr mittelmäßigen Trilogie.
    5. David Mitchell - Number9Dream
      • Ein verspielter und vor Kreativität sprühender Roman über einen jungen Mann in Tokyo, der seinen Vater sucht, den er nie kennengelernt hat. Manche sagen diesem Buch Ähnlichkeiten zu Haruki Murakamis Werken nach. Ich kann zumindest feststellen, dass sich Number9Dream in der Grundstimmung von Mitchells anderen Büchern sehr unterscheidet. Das erzählerische Konzept des Buchs besteht aus neun Kapiteln, die alle eigene Konzepte verfolgen bspw. Tagträume, Rückblenden, Fabeln etc.
    6. Markus Zusak - Underdog
    7. Markus Zusak - Vorstadtfighter
    8. Markus Zusak - Getting The Girl (oder: When Wolfs Cry)
      • Die Wolfe-Trilogie nimmt viele Ideen und Motive vorweg, die die Zusaks andere Bücher ausmachen: Boxen, Brüder, Vorstadt, Zusammenhalt etc. Das ist eher was für Fans von Zusak, weil diese Bücher noch nicht auf dem Niveau von dem sind, was danach kam.
    9. Terry Pratchett - Einfach Göttlich
      • Der bisher beste Scheibenweltroman mMn.
    10. Manuel Hirner - Symphonie der Stille
      • Eine sehr eigenwillige Geschichte, die schon erstaunlich Reif umgesetzt ist. Schade, dass Teil 2 noch fehlt. Ich weiß aber, dass Myrtana222 das noch besser kann, weil ich als Beta-Leser seine "Schatten der Magie" lesen durfte. Manu, bleib dran, denn ich will Schatten der Magie gedruckt im Regal haben!
    11. Fiona Macleod - Das Reich der Träume. Keltische Sagen und Legenden
      • Habs abgebrochen. Du findest Der Herr der Ringe oder Die Blechtrommel anstrengend geschrieben? Pff, die sind doch Pipifax! Wenn du wirklich mal willst, dass dir die Lust am Lesen vergeht, dann versuch es mal mit dem Vorwort hiervon ...
    12. Walter Moers - Der Schrecksenmeister
      • Hab es erneut gelesen. Ein kulinarischer Fantasyroman und nebenbei noch eine Adaption von Gottfried Kellers Novelle "Spiegel, das Kätzchen". Moers wirft man ja gerne mal Langatmigkeit vor, aber das kann ich hier nicht unterschreiben, denn alles hat seinen Sinn und am Ende, wenn dann Trumpf um Trumpf aus dem Ärmel gezogen wird ... wirklich gut!
    13. Reif Larsen - Die Karte meiner Träume
      • Die Geschichte eines Schuljungen, der einen Wissenschaftspreis im Smithsonian verliehen bekommen soll und dafür durch Amerika reist - von West nach Ost. Der Roman bedient sich kreativ vieler Fußnoten, Diagramme, Tabellen und Illustrationen und verarbeitet viele Themen, die ihm vielen zusätzlichen literarischen Wert geben. Das Ende plätschert etwas aus, was schade ist, aber ansonsten ein wirklich brillantes Buch.
    14. Antoine de Saint-Exupéry - Der kleine Prinz
      • Magisch. Tragisch. Tiefgreifend. Eine wunderbare kleine Novelle.

    15. Tatjana Karg - Die Weiße Magierin: Kampf um Prelon
      • Der zweite Teil der Reihe sollte unbedingt in Verbindung mit dem ersten Teil "Gefährliche Mächte" gelesen werden, denn leider musste für die Veröffentlichung von Rael s Romandebüt getrennt werden, was zusammen gehört ... man sollte die beiden Bücher wie eines behandeln und alle 900 Seiten lesen. Es mag ein bisschen schwach starten und nicht jeder Satz sitzt perfekt, aber die Geschichte wird immer besser und erreicht tolle Höhen. Ich bin definitiv auf den drittel Teil gespannt.
    16. Mai Meyer - Die Seiten der Welt
      • Jugendbuchfantasy done right. Eine kreative, unberechenbare Welt mit einem ebenso coolen und unberechenbaren Magiesystem: Buchmagie. Man sollte keine tiefgreifenden Diskussionen erwarten - es ist wirklich ein plottorientiertes Jugendbuch zur Unterhaltung -, aber es macht was es macht wirklich toll.
    17. Norman Ohler - Der totale Rausch: Drogen im Dritten Reich
      • Eine spannende Aufarbeitung der Rolle der Drogen im dritten Reich, besonders wie Hitler fitgespritzt wurde und das seinen Verfall wahrscheinlich beschleunigte. Die totale Verantwortungslosigkeit ist beängstigend. Es zeigt aber auch, dass man definitiv kein Genie sein muss, um Diktator zu sein. Wir können jedenfalls froh sein, dass wir nicht in einem autokratischen System leben - das wäre wahrscheinlich ziemlich ungesund.
    18. Günter Grass - Katz und Maus
      • Eine Novelle über Freundschaft und falsches Heldentum im dritten Reich. Sie steckt voller toller Kunstgriffe von denen man auch viel lernen kann - die Fülle hier, in Verbindung mit deutlich zu detaillierten Beschreibungen, macht diese auf dem Papier tolle Novelle leider unnötig anstrengend zu lesen.
    19. Jun'ichiro Tanizaki - Der Schlüssel
      • Ein packender Tagebuchroman, der auch eine wahre Lehrstunde in dieser Form ist. Ein Ehepaar schreibt Tagebuch - jeder für sich - in der Hoffnung, dass der andere es liest und sich die ehelichen Probleme lösen lassen. Böse Geschichte, gutes Buch.
    20. George R. R. Martin - A Game of Thrones
      • Toller Plot, tolle Figuren, tolle Welt. Es gibt so viel zu mögen, Martin erzählt sie Geschichte sehr gekonnt und schafft es, neun Protagonisten zu haben. Leider ist der trockene, distanzierte Stil auch irgendwie langweilig - was lustigerweise dabei geholfen hat, es auf Englisch zu lesen, weil es so simpel ist. Dennoch, eine Übersetzung würde ich mir wahrscheinlich nicht antun wollen, die ja Qualitativ etwas leiden würde. Im Original ist aber trotzdem angenehm genug.
    21. David Mitchell - Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet
      • Hat auch einen sehr reduzierten Still, lässt im Gegensatz zu AGoT aber nichts an Kreativität vermissen. In Verbindung mit einem saucoolen Setting - dem kulturell abgeriegelten Japan -, einer Fülle toller Figuren und einer interessanten Geschichte, macht es für mich zu meinem Liebling von Mitchells Büchern.
    22. Jorge Amado - Der Gestreifte Kater und die Schwalbe Sinhá
      • Eine echte Fabel mit sehr eigenwilliger Erzählweise. Die Liebesgeschichte vom Gestreiften Kater und der Schwalbe Sinhá wäre an sich schon rührend gewesen, aber mit den Erzählinstanzen runderheum steckt noch etwas mehr hier drin.
    23. Günter Grass - Hundejahre
      • Hier war Grass völlig entfesselt in seiner Kreativität. Man nehme alle Ideen aus Die Blechtrommel und Katz und Maus, vermenge sie, jage sie durch einen Verstärker, bei dem man alle Regler auf 10 dreht und dann noch ein bisschen weiter, und man erhält Hundejahre. Das dieses Monstrum überhaupt funktioniert, verdient schon tiefen Respekt. Es ist wahrscheinlich Grass' technisches Meisterwerk, von dem man als lernender Author einiges mitnehmen kann. Dennoch überrascht es nicht, dass Hundejahre kein Kassenschlager wurde ... es macht es niemandem leicht. Nicht dem Leser, nicht dem Buch selbst und auch nicht dem Autoren. Unterm Strich ist Die Blechtrommel - obwohl oder gerade weil einfacher - einfach das bessere Buch.
    24. Terry Pratchett - Lords und Ladies
      • Ein schon deutlich reiferer Scheibenweltroman. Mit "Einfach Göttlich" kann er aber nicht konkurrieren.
    25. Yasushi Inoue - Liebe. Drei Erzählungen
      • Eine schöne kleine Anthologie mit tiefgreifenden Geschichten. Und Japan als Setting zieht als Argument irgendwie auch immer.
    26. Kai Meyer - Die Seiten der Welt: Nachtland
    • Der zweite Teil der Trilogie setzt die gute Arbeit des Vorgängers fort. Zwischendurch wurde es mir vom Plot ein bisschen zu viel auf einmal, aber kurz darauf lief alles wieder zusammen. ^^ Weiterhin gute Reihe, das Finale kommt bald.

    Einmal wäre da "Die Seiten der Welt: Nachtland" von Kai Meyer, der zweite Band der Die Seiten der Welt Trilogie. Es liest sich bisher so, als ware DSdW als Einzelband geplant gewesen. Die Bibliomantik ist ziemlich cool und als Figuren aus Büchern wurde ein wilder Mix gewählt, unter anderen der Protsgonist aus Kafkas "Die Verwandlung" als Nebenfigur. :D Es werden auch viele angedeutete Dinge aus dem ersten Band aufgegriffen.

    Bin damit nun durch. Es bleibt eine gute Jugendbuchreihe, mit einer tollen, lebhaften Prosa, vielen gut umgesetzten Charakteren und einem sehr coolen Magiesystem. An all diesen Dingen hatte ich viel Freude. An den Exlibri, an Furias kleinem Bruder Pip und wie er "Die Verwandlung" so schrecklich langweilig fand und das Ungeziefer lieber menschenfressend durch die Stadt geschickt hätte, damit es von Panzern niedergemacht wird. Die Nebenwirkungen der Bibliomantik sind interessant, weil man da ein eher lockeres Magiesystem hat, das allerlei Unsinn anstellen kann, den man eigentlich nicht haben möchte ... Alles sowas ist interessant.


    So ganz restlos begeistert bin ich aber irgendwie nicht, und ich glaube ich weiß jetzt was das ist.

    Das Buch wird sehr vom Plot getrieben. Das ist natürlich in Ordnung so. Aber ich als Leser mag es, in einer Figur zu versinken und ihren Gedankenspielen, Philosophien und Zerwürfnissen zu folgen. Und das gibt ea hier einfach nicht so sehr. Für ein Jugendbuch ist das aber sicher nicht schlecht, trifft halt nicht meinen Geschmack. :pardon:

    Zwischendurch, als man mal drei oder vier Handlungssträngen gefolgt ist, war mir das manchmal etwas zu zerfasert und unübersichtlich, aber am Ende kam alles ja wieder zusammen. ^^

    Gute Reihe jedenfalls.