Dann wollen wir mal 
Was übrig bleibt Sikadian
Ich fand deine KG vor allem mysteriös. Was genau ist da los? Die Kerze scheint eine Art Lebenslicht zu sein, denn sie erlischt mit Jorens Tod. Aber warum wird dem Gefangenen nicht die Schriftrolle abgenommen? Wer hält ihn überhaupt gefangen und warum? Es ist nicht, dass ich unbedingt Antworten auf diese Fragen brauche, aber sie machen sie eben so mysteriös. Das Ergebnis ist, dass ich die Geschichte eher wie ein Metapher lese, fast wie was von Kafka (siehe "Vor dem Gesetz"). Es scheint um jemanden zu gehen, der stirbt. Wofür steht die Schriftrolle, die in die falschen Hände gerät? Ist es die Seele, die an den Teufel geht?
Ich bleibe aber bis zuletzt unsicher, ob die Geschichte wirklich so verstanden werden soll. Ich bleibe etwas verwirrt zurück.
Die kleinen Tode des Bruder Simon
Mensch, kalki, da ist dir ja ein Ding geglückt!
Spaß beiseite. Ich versuche mich gerade darin, Geschichten besser zu planen und zu plotten. Es fühlt sich an wie eine neue Schaffensphase und diese Geschichte ist der erste Versuch davon. Ich bin recht zufrieden. Einmal habe ich mich an meinen Plan gehalten und dann habe ich die Geschichte in dem Ton schreiben können, in dem ich es von Anfang an beabsichtigt habe. Bei der Planung ist sie nämlich ständig in düstere Gefilde abgeglitten ... Für mich ist das ein Erfolg. 
Den Letzten beißt der Hund Tom Stark
War ja klar, dass die von dir ist! In Memoriam Terry Pratchett. Und dann kommen Tod, Rattentod und Binky noch hinein in diese Geschichte über einen aus der Art geschlagenen Ork. Natürlich hat mir das gefallen. Trotzdem dachte ich mir: Mensch, du unterbrichst die eigentliche Kurzgeschichte völlig willkürlich, um die Cameos zu bringen? Ist das denn wirklich gute Kurzgeschichten-Praxis?
Also gabs die Zweitstimme für dich.
Sieh hin Ruka
Jetzt wurde es inhaltlich heftig. Ich gebe zu, es ist ein, zwei Wochen her, dass ich diesen Text gelesen habe, daher weiß ich nicht mehr alles. Ich glaube, die Beschreibungen lasen sich für mich etwas redundant. Recht schnell habe ich verstanden, worum es ging, aber der Text hat diese Punkte oft wiederholt. Das erinnert mich an Texte, die ich früher auch geschrieben habe. Da ging es mir damals darum, ein bestimmtes Empfinden möglichst intensiv festzuhalten. Mein Geschmack hat sich davon einfach wegbewegt, schätze ich.
Ich merke einfach, dass ich es konkreter mag. Beispielsweise hat die Protagonistin keinen Namen. Damit ist sie ein bisschen eine Jederfrau, eine allgemeine Person ohne jemand bestimmtes zu sein.
Leider nicht mein Fall, ich mag es dann doch kürzer und auf den Punkt. Aber ich glaube, ich begreife, wo der Text in dieser Form herkommt. 
Hasenherz Amafiori
Ich habe das Gefühl, dass hier die märchenhafte Art deiner letzten beiden Wettbewerbsgeschichten zu einem Höhepunkt kommt. Dieses Mal fand ich den Text nicht zu lang oder hatte das Gefühl, einige wichtige Punkte vage ahnen, aber nicht verstehen zu können. Dieses Mal war die Geschichte einfach rund. Die erzählerische Distanz es allwissenden Erzählers erschafft diesen märchenhaften Effekt. Ich mag sowas.
Und bei dir wirkt das einfach natürlich, ob man jetzt die Gedanken verschiedener Figuren erfährt oder ob der Erzähler mal für einen Satz in die Zukunft schaut, das sitzt einfach. Wunderbar!
Déjà-vu? Zarkaras Jade
Von wem soll eine Geschichte mit einem Fragezeichen im Titel kommen, wenn nicht von dir, Jade?
Das offene Ende war auch ein starker Hinweis. Ich mag diese Geschichte gerne. Die Idee mit Pandora, der skurrilen Wohnung ohne geschlossene oder nicht einsehbare Behältnisse und der Geburtstagparty ist cool, man kommt Pandora sehr nahe und kann sowohl die Angst als auch Verführung durch die Schachtel sehr gut nachvollziehen. Das ist ja fast wieder ein Todestrieb, das Ding öffnen zu wollen. Hätte das nicht vielleicht auch jemand für Pandora machen können?
Aber nein, das Geburtstagskind sollte es öffnen, das ist stimmig.
Ich bin mir nicht sicher, wie ich das offene Ende finde. Denn irgendwie ist für mich damit alles gesagt, dass sie die Schachtel öffnet. Was dann passiert, ist eigentlich irrelevant für mich, denn die eigentliche Geschichte ist ihr innerer Kampf mit den beiden Trieben: Angst und Neugier. Also ... ne, ich bin mir jetzt sicher. Ich mag das offene Ende. 
So Leute, das war eine schöne Runde!
Wir sehen uns dann beim nächsten mal. Auf ein Neues!