Beiträge von kalkwiese

    Okay, gehen wir mal weg von der experimentellen Literatur und hin zu guten Büchern. :)


    Ich habe endlich mit dem Testlesen von Die Reifeprüfung von unserem Alopex Lagopus begonnen. :) Es beginnt bereits sehr kurzweilig und ich bemerke das ein oder andere Detail, was sich zu früher verändert hat, besonders in Bezug auf Teatown und Karlheim, die ja erst später Teil des Konzepts wurden


    Und weil ich Fuchsi immer mit Markern anstreiche und ich neulich nicht schlafen konnte, im Bett aber auch nicht mit den Markern hantieren wollte, hab ich noch was anderes angefangen: Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow (Übersetzung von Alexandra Berlina).

    Der Teufel kommt ins stalinistische Moskau und hat zwei Kumpanen im Gepäck - einen riesigen schwarzen Kater, der auf den Hinterbeinen läuft, und einen runtergekommenen Kantor, der so flach ist, dass er unsichtbar wird, wenn er sich auf die Seite dreht. Die sollen das sündige, ungläubige Moskau aufmischen.

    Das Buch ist auch eine Verarbeitung von Faust, nur anscheinend keine so offensichtliche, denn es fühlt sich auch im fünften Kapitel noch alles sehr eigenständig an.

    Was ist es noch? Eine gesellschaftliche Satire, die dafür phantastische Elemente benutzt. :hmm: Sowas scheint mir besonders zu gefallen.

    Und vielleicht bilde ich es mir ja ein, weil ich gerade von einem sperrigen Grass-Türstopper komme, aber ... es ist ziemlich leserfreundlich! Wirklich, teilweise könnte das ein Terry Pratchett sein, vom allwissenden Erzähler, dem szenischen Erzählstil, dem Humor, aber auch der Leichtigkeit.

    Ein paar Fragen kamen bei mir bereits auf, bezüglich warum eine Figur so merkwürdig irrational handelt, aber ich habe Vertrauen, dass das aufgeklärt wird. Schließlich ist der Teufel, wie er sich bisher verhält, auch alles andere als rational - wenn der also seine Finger im Spiel hat, würde das einiges erklären. :)

    Die Rättin ist eines der Bücher, die ich nicht zu ende gelesen habe. Ich kann mit Grass irgendwie nichts anfangen. Es kommt mir so vor, als schreibe er nicht für die Leser, sondern für den Literaturapparat. Naja, da bin ich anscheinend in der Minderheit.

    Das kann sehr gut verstehen. :D Also, diese mosaikartige Art zu erzählen, und das macht dieses Buch ja irgendwie besonders, ist anstrengend.

    Dein Eindruck, dass Grass nicht für Leser schiebe, ist nicht so falsch, auch wenn ich nicht sicher bin, ob er für den Literaturapparat geschrieben hat oder eher für sich selbst und seine Rolle als öffentliche Figur. In einem Interview hat er mal gesagt, dass er früher auch fürs Publikum geschrieben habe, aber nach der Blechtrommel ja finanziell unabhängig war und ihm das dann zunehmend unwichtig wurde. :huh:

    Die Blechtrommel war also auch für Leser geschrieben und - wen wundert's? - das gilt als sein Meisterwerk, auch wenn es Längen hat. Dass ihm das Publikum egal war gipfelte dann irgendwann in Ein weites Feld, das man nur richtig verstehen kann, wenn man gut über die deutsche Geschichte der letzten 250 Jahre bescheid weiß, Theodor Fontanes ganzes Werk kennt und zusätzlich noch seine Biographie. Wie sagt man so schön: Ich glaub es hackt?! Wer, außer Germanisten, soll damit was anfangen können? Ich glaube aber nicht, dass er das bewusst so geschrieben hat - eher fand er einfach Fontane toll, weil seine Frau Fontane toll fand.


    Und dann merkt man bei Grass noch diese ganzen Einflüsse aus der Moderne, also so von Leuten wie Döblin wie James Joyce. Hab keinen von beiden gelesen, aber wenn man mal eine Leseprobe von Ein Portrait des Künstlers als jungen Mann von Joyce öffnet ... Solche Autoren hat zu deren Lebzeiten schon keiner verstanden.

    Jedenfalls denke ich Grass hatte einfach einen sperrigen Geschmack.


    Ich denke nicht, dass du in der Minderheit bist, Sensenbach. ^^ Im Gegenteil, solche Autoren haben es geschafft, eine Karriere darauf auzubauen, Bücher zu schreiben, die keiner liest.

    Meine Faszination kommt wahrscheinlich daher, dass 1. mir sowas zeigt, was eigentlich alles so geht, zumindest theoretisch, und 2. Grass immer wieder so coole phantatische Elemente hat ^^


    Zu W. G. Sebald: Ich hab von ihm viel gutes gehört! Hab's definitiv auf dem Schirm. :)

    Okay, bin durch.

    Also, das ist eines der merkwürdigsten Bücher, die ich je gelesen habe. In einem Taum unterhalten sich Autor und Rättin, wobei irgendwann keinem mehr klar ist, wer hier wen träumt. Die Geschichten, die sie sich erzählen, beeinflussen einander. Da ist beispielsweise der Maler Malskat, der als Kunstfälscher berühmt wurde, der täuschend echtaussehende gotische Malereien in Kirchen pinselte, dessen Geschichte historisch korrekt erzählt wird. Witzig ist, dass Malskat sich teilweise Scherze erlaubt und Truthähne in die Gewölbe malt, was die Nazis, die das natürlich für jahrhundertealt halten, als Beweis dafür sehen, dass die Wikinger die Truthähne nach Europa gebracht haben müssen.

    Dann aber steigt der Autor persönlich zu Malskat ins Baugerüst und fragt ihn, ob er nicht auch ein paar Rattenmenschen malen könnte - was dieser dann auch erledigt. Später treten in einem anderen, nicht historisch verbürgtem, sondern streng fiktionalen Erzählstrang tatsächlich Rattenmenschen oder Menschenratten auf.

    Also, das mal so als Beispiel, wie diese Handlungen ineinander übergehen. Es ist ziemlich schwierig für mich, dem mit Worten beizukommen.

    Es ist schon mächtig skurril teilweise. Die Menschen löschen sich aus, und die Ratten schauen sich von massengefertigten Plastikschlümpfen den Ackerbau ab und werden religiös. Die Märchen erheben sich gegen die Regierung der BRD, die nichts gegen das Waldsterben unternimmt und legen die Republik lahm. Und noch einiges mehr. Alles ist in irgendeiner Weise Fiktion, die der Autor erzählt, entweder sich oder der Rättin oder einer seiner Figuren aus den anderen Fiktionen (sehr ihr, was ich meine?).


    Insgesamt war die Leseerfahrung für mich etwa so: Ich war zu gleichen Anteilen mal begeistert und mal gelangweilt. Aber immer fasziniert. Da wird keine Liebe draus, aber für Respekt und eine befriedigende Leseerfahrung reicht es bei mir. Fantasie hatte der Mann jedenfalls.

    Hey epochAal , ich kenne das Buch leider auch nicht, aber mir kam gerade der Gedanke, dass du dir vielleicht ein paar Rezensionen dazu anschauen könntest. :) Wenn es jetzt zufällig darin heißt, dass die ersten 350 Seiten sich ziehen, die restlichen 750 Seiten aber toll sind (siehe Der Herr der Ringe), dann kannst du vielleicht besser abschätzen, ob das etwas für dich sein könnte. :)

    Habe mittlerweile das Hörbuch zu Naokos Lächeln (Untertitel: Nur eine Liebesgeschichte) von Haruki Murakami begonnen.

    Bisher scheint es mit das beste Buch von Murakami zu sein, das ich lese. :hmm: Schwierig zu sagen, woran ich das festmache. Murakami soll ja irgendwie immer wieder das gleiche Schreiben: städtische Langeweile, verschwindende Menschen, ausgetrocknete Brunnen, merkwürdige geradezu klinisch beschriebene Sexszenen ... Und hier finde ich das einfach irgendwie ansprechender als in 1Q84 (hat mich sehr enttäuscht) oder Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki (fand ich solide, hielt, was es versprach, soll angeblich aber eher so Mittelfeld in Murakamis Schaffen sein).


    Naja, gefällt mir bisher jedenfalls. Der Protagonist beginnt eine Beziehung mit einer zurückhaltenden Freundin namens Naoko, die vor Jahren mit einem Schulfreund zusammen war, der aber Selbstmord beging. Doch nach dem ersten Sex verschwindet sie und lässt erstmal nichts von sich hören. Etwas später küsst er eine lebensfrohe Studentin aus einem früheren Semester namens Midori, aber beide stellen fest, das ihnen doch immer noch andere wichtig sind. Bald kommt ein Brief von Naoko an: Sie befindet sich in einem Sanatorium ...


    Ich bleibe dran :)

    Neulich Der Bücherdrache von Walter Moers gelesen. Endlich!

    Hildegunst von Mythenmetz träumt in einem Traum von Hildegunst Zwei, dem Buchling, der sein gesamtes Werk memoriert, spricht mit ihm, und dieser geträumt Buchling erzählt ihm von seiner Begegnung und dem Gespräch mit dem Bücherdrachen.

    Das ist schon verschachtelt ohne so richtig verschachtelt zu sein, sehr interessant. Man verfolgt also einen Dialog in einem Dialog, was nur deswegen funktionieren kann, weil Buchlinge ein gutes Gedächtnis haben und Hildegunst Zwei sich eben an alles haargenau erinnern kann.


    Insgesamt ist es ein kleiner Happen für zwischendurch. Viel mehr Lust macht mir die Leseprobe für den Briefroman "Die Insel der trausend Leuchttürme". Das könnte vielleicht das nächste Zamonienbuch sein, das erscheint.

    Neulich beendet: Das wirkliche Leben von Adeline Dieudonné.

    Das ist jetzt nicht wirklich realistische Literatur, aber die Phantastik-Elemente könnten auch nur die Wahrnehmung der Ich-Erzählerin sein ... also passt es wahrscheinlich hier besser. :)


    Das ist ein 240-seitiger Roman mit no bullshit-Attitüde. Er handelt von der namenlosen Protagonistin, die in einer Reihenhaussiedlung in Belgien lebt und versucht sich und ihren Bruder vor dem Einfluss ihres gewalttätigen Vaters zu schützen.

    Eines Tages explodiert dem Eismann die Schlagsahne in der Hand und zertrümmert ihm den Schädel. Von da an verändert sich ihr Bruder, was damit beginnt, dass er seinen Hamster mit einer Reißzwecke foltert. Und dann gerät die Protagonistin noch zunehmend ins Fadenkreuz ihres Vaters, je weiblicher ihr Körper wird ...


    Ein Roman mit starker Dringlichkeit, der mich immer wieder zu sich gezogen hat. Damit kann man wirklich nichts falsch machen, außer man hat etwas gegen Brutalität ^^


    Edit: Achja. Sie büffelt wie besessen Physik, um in der Zeit zurück zu reisen und das Unglück des Eismanns ungeschehen zu machen. Solche kindlichen Perspektiven liebe ich einfach.

    Lese im Moment Die Rättin von Günter Grass.

    In den 80ern war Grass fasziniert vom Waldsterben, Umweltkatastrophen und der atomaren Bedrohung. Der Roman erschien 1986, vor dem Unglück von Tschernobyl. Kann man prophetisch finden, kann man aber auch sein lassen. :D

    Worum geht's?

    Eine Figur, die mit dem Autoren Grass identisch ist (habe mittlerweile rausgefunden, dass man das "Autofiktion" nennt), wünscht sich zu Weihnachten eine Ratte. Von der träumt er nachts und sie erzählt ihm, wie die Menschheit unterging nun die Ratten die Welt beherrschen. Grass kann das nicht glauben, dass die Menschheit aussterben wird/bereits ausgestorben ist, wo es doch noch so viel zu tun gibt/gab. In seinen Träumen umkreist er in einer Raumkapsel die Erde und die Rättin spricht zu ihm über Funk.

    Gegen die Apokalypse, die die Rättin ihm berichtet, hält er seine eigenen Geschichten: Hänsel und Gretel fliehen vor dem sterbenden Wald in die Stadt und werden Punks. Der Maler Malskat fälscht wunderbar talentiert gotische Kirchenmalereien (als einziges keine Fiktion, sondern tatsächlich so passiert). Oskar Matzerath, der Protagonist der Blechtrommel, kehrt zurück als stinkreicher Filmemacher. Eine Gruppe von Meeresforscherinnen sucht in der Ostsee die versunkene Stadt Vineta (wusstet ihr, dass die Ostsee sein eigenes Atlantis hat?!).

    Diese ganzen Geschichten fügen sich zusammen in einem postmodernen Mosaik. Kann man nervig finden, muss man sich drauf einlassen - wie immer bei Grass -, aber er macht das mal wieder meisterhaft. Ist keine Spannungsliteratur, aber wie das alles verknüpft wird ist schon toll, da gucke ich sehr gerne bei zu.

    Nun muss er mir natürlich am Ende noch beweisen, dass es das alles wert ist. Bisher hat Grass das (fast) immer getan, darum bin ich eigentlich guter Dinge. :)

    Ich habe den Verdacht, dass Die Rättin deutlich besser als ihr Ruf sein könnte. Marcel Reich-Ranicki hat das Buch damals ja, wie fast alles von Grass, verrissen. Die anderen Kritiken waren damals aber wohl recht positiv, was überrascht und eben zeigt, was für eine Strahlkraft MRR damals hatte.
    Naja, ein endgültiges Urteil gibt es erst, wenn ich durch bin. Habe jetzt vielleicht ein Fünftel oder so. :)

    Ich habe gestern bei meinem Aushilfsjob das Hörbuch zu Wilde Reise durch die Nacht von Walter Moers angehört. Gelesen von Dirk Bach ist das wiedermal wunderbar umgesetzt. :)


    Wilde Reise durch die Nacht ist kein Zamonien-Roman. Es zollt Tribut an Gustave Doré, das war ein Maler und Grafiker, der vor allem für seine Illustrationen von Don Quijote, Gargantua und Pantagruel, Die Göttliche Komödie, Paradise Lost, Der Rabe (Edgar Allan Poe) etc. bekannt ist. Der Roman ist nach 21 Illustrationen von Doré entworfen, heißt: Die Illustrationen zeigen Szenen, die exakt so in der Geschichte passieren. Ist relativ willkürlich teilweise, aber man befindet sich auch nicht in einer Realität, die viel Wert darauf legt, wie unsere zu sein. :D


    Also, der zwölfjährige Gustave gerät mit seiner Schiffsmannschaft in einen Zwillingstornado und stirbt - fast jedenfalls, denn der Tod gibt ihm noch eine Chance: Wenn er sechs Aufgaben besteht, dann darf er weiterleben. Nun muss Gustave eine Jungfrau aus den Klauen eines Drachen retten, die Namen von fünf Riesen erraten etc.

    Sehr unterhaltsam, man spürt deutlich Moers Handschrift in Sprache und Absurdität der Geschichte. Ganz nach meinem Geschmack also :D


    Empfehlung an alle, die nicht Realismus suchen und es nach düsterem Spaß dürstet.

    Bin mit dem Buch mittlerweile fertig. :) Seit einer Woche schon eigentlich, aber ich kam bisher nicht dazu, das hier abzutippen. ^^'


    Andreas Eschbach hat mit diesem Buch eine Utopie geschrieben, denke ich mir da. Die geflügelten Menschen leben insgesamt sehr harmonisch zusammen und ich musste hin und wieder stutzen, wie nett sie doch zueinander sind und was für düstere Taten sie sich teilweise gar nicht vorstellen konnten. Es stellt sich heraus, dass genau das ein gut begründetes Konzept in der Geschichte ist. :)


    Also, musste dieses Buch wirklich 1260 Seiten lang sein?

    Ja und nein.

    Nein, weil die Hauptgeschichte, wenn sie nur aus Perspektive einer Handvoll Personen erzählt wäre, hunderte Seiten kürzer gewesen wäre.

    Ja, weil es eben nicht nur um die Hauptgeschichte ging, sondern um die Welt. Die sollte erzählt werden. Darum gibt es all diese verschiedenen Perspektiven, Schicksale, Orte, Handwerke, Sorgen, Ängste, Hoffnungen.

    Diese Art Buch hat ihre eigene Magie, die auch gleichzeitig ihre besondere Schwäche ist. Warum soll ich mich für eine Welt interessieren, in der die Menschen auf Bäumen leben und Flügel haben? Tja, wenn man sich das fragt, dann kann man Buch gleich liegen lassen. Mich interessiert's. Und wenn man dafür offen ist, dann bietet das Buch eines ganz besonders: Eskapismus feinster Sorte.

    Ehrlich, das Buch kam 2020 raus und war damit sicher wunderbare Lockdown-Lektüre. Ich habe es genossen, mal einen Monat lang nur ein Buch zu lesen und in einer Welt zu versinken, ohne meinen Kopf dabei anstrengen zu müssen oder mir einen Spiegel vorhalten zu lassen, wie andere gute Bücher das ja so oft tun.


    Eschbach zeigt auch eine wunderbare, volle Sprache, ich habe das vorher schon geschrieben. Das hat mich noch einmal auf einer ganz anderen, einer ästhetischen Ebene abgeholt, wie das irgendwie nicht selbstverständlich ist. Damit wird diese Welt wunderbar sinnlich erfahrbar. :)

    Achja, ich könnte bestimmt noch mehr drüber reden, aber ich sollte mal lieber der Vorlesung lauschen ...


    Aztiluth du wolltest, glaube ich, dass erzähle, wie ich das Buch finde, richtig? Hat ja nur ein Jahr gedauert oder so, bis ich es endlich in die Hand genommen habe :D

    Um mal nahe am Titel zu bleiben:

    - Potzdonner!

    - Potztausend!

    Die klingen vielleicht etwas altertümelnder als Plotzblitz :) Vielleicht gibt es noch andere Variationen davon.

    Hey, herzlich willkommen George !

    So doof das jetzt vielleicht von mir klingt, aber ... vielleicht zeigst du deinen ersten Band nochmal im Forum, bevor zu ihn auf die Welt loslässt? In letzter Zeit kommen irgendwie vermehrt Selfpublisher her, aber deren Bücher hätten meiner Meinung nach doch nochmal unser Forum nötig gehabt. :pardon: Vielleicht bist du die berühmte Ausnahme, aber ... ich hoffe, du verstehst. :)

    Aber natürlich ist das hier ein Geben und Nehmen. Wenn es dir hier gefällt, dann klemm dich hier gern hinter eine Geschichte und kommentiere. Ist Arbeit, aber es macht auch Spaß. :)


    Also viel Spaß beim Lesen, Kommentieren und beim Austausch :) Oder beim Spammen in der Taverne :D

    Nun habe ich etwa ein Drittel von Eines Menschen Flügel gelesen und Teil 1 von 3 im Buch geschafft und war bisher bestens unterhalten. :)

    Die Entscheidung, jedes Kapitel einer anderen Figur zu folgen ohne bisher zu einer zurückzukehren, lässt einen die Welt breiter erleben, während man doch irgendwie immer etwas von der Haupthandlung mitbekommt, zumindest ein bisschen. ^^ Ich habe gerade auch einfach Lust dazu, in dieser Welt zu versinken und an den Figuren nah dran zu sein, ohne einen allzu rasanten Plot.

    Trotzdem habe ich nun langsam das Gefühl, dass die Geschichte langsam aus dem Knick kommen sollte. Ich sehe die Gefahr, dass die Geschichte zerfasert und auf der Stelle treten könnte. Hoffentlich bewahrheitet sich das nicht, denn bisher habe ich hier einen wirklich liebenswürdigen Sci-Fi/Fantasy-Roman in den Händen. Vielleicht kann man es auch ein Jugendbuch nennen, aber so richtig drängt sich mir das Wort auch gar nicht auf. Finde ich positiv.

    Eschbach zeigt auch sowohl eine reiche, volle Sprache, als auch eine durchweg gute Lesbarkeit, ohne Störungen.

    Irgendwie fällt mir auf, wie, ja, nett die Geschichte bisher auch ist. Ich habe definitiv heftigere Romane gelesen, aber darum geht es hier ganz offensichtlich gar nicht :hmm:


    Ich bleibe dran :search:

    Für viele Leser sind es halt dann doch keine Klischees.

    Ich denke, um an Thorstens Definition von einem Klischee anzuknüpfen, dass das Klischee dem Leser erst altbacken vorkommen muss, weil er es schon kennt. ^^ Was bedeutet ...

    Ich lebe grade mit meiner 10 Jahre alten Fantasynerdtochter zusammen, die Harry Potter liebt. Wenn ich ihr "Die Zauberer" zum lesen gäbe, würde sie es lieben. Aber sollte ich ihr nicht vorher LeGuinn zum Lesen geben und den Herrn der Ringe? Sonst denkt sie noch Peinkofer hätte Zwerge, Elfen und Zauberer erfunden?

    ... dass du da schon irgendwie einen Punkt hast. Deine Tochter wird, wenn sie nicht schon zig-mal von Zwergen, Elfen usw. gelesen hat, die erstmal als ganz frisch wahrnehmen. Ich denke, so werden vor allem auch eher so mittelprächtige Fantasy-Jugendbücher durchaus zu gern gelesenen Bestsellern. (Ich denke da spontan mal wieder an "Die Gilde der Schwarzen Magier" von Trudi Canavan, aber über diese Bücher habe ich in diesem Leben schon zu viel geredet ...) Die müssen nicht unbedingt so innovativ oder unvorhersehbar sein, weil das Publikum sich noch nicht so lange so intensiv mit dem Genre beschäftigt.

    Ob sie jetzt gleich den Herrn der Ringe lesen muss, kommt dann aber auch eher auf sie an. Ich war jetzt erst mit Mitte Zwanzig wirklich bereit für den. Sie sollte lesen, was ihr Spaß macht. :)


    In einem Interview mit dem Autoren David Mitchell ging es auch mal um die Frage nach dem Genre. Da meinte ein Lektor mal zu ihm, dass so genre-typische Elemente dem Leser eine gewisse Sicherheit geben, weil er eben weiß, was er erwarten kann. Aber man läuft dann eben Gefahr, zu langweilen und austauschbar zu werden. Das ist ja genau der Zwiespalt, um den es dir geht, wenn ich das richtig verstehe.


    Grundsätzlich würde ich also sagen: Wenn du diese Elemente, also den Spiegel und die Diebin, toll findest, dann verwende sie! Wenn sie aber das interessanteste an der Geschichte sind, dann hat sie definitiv ein Problem. Nach dem, was ich von dir in der Anthologie gelesen habe, hatte ich weniger den Eindruck, dass du damit Probleme hast.

    Und noch ein anderes, von dem ich schreiben werde, wenn ich es angefangen habe.

    So, der Sci-Fi-Marathon geht weiter! Also, falls man drei Bücher in Folge einen Marathon nennen will :rofl:

    Ich lese jetzt Eines Menschen Flügel von Andreas Eschbach.

    In einer fernen Zukunft haben Menschen einen fernen Planeten besiedelt, doch auf dem Boden lauern üble Gefahren, also haben sie ihre Kinder gentechnisch verändert und ihnen die Flügel der Pfeilfalken gegeben. Seit her bauen die Menschen Nester und leben in den Lüften. Die Technik der Ahnen ist verlorengegangen, seit sie vor tausend Jahren von den Sternen kamen, und der Himmel ist mit einer undurchdringlichen Schicht umgeben, durch die man die Sterne nicht sehen kann. (Wenn ich es recht überlege, bedeutet dass, dass es dort für unsere Erdenverhältnisse ziemlich dunkel sein muss, auch wenn es heller Tag ist. Die Menschen sprechen auch nicht von "Sonne" und "Mond", sondern vom "großen Licht des Tages" und dem "kleinen Licht der Nacht".)


    Bereits das erste Kapitel ist schon grandios mMn. Der junge Owen will unbedingt die Sterne sehen und gibt sich nicht damit zufrieden, dass der Himmel als unerreichbar hoch gilt. Er trainiert und lernt von den Vögeln, wie man Höhe gewinnt ... Klasse, einfach klasse, wie das erzählt ist. An Owens Tatent entlang erklärt sich die Welt, die man also wie nebenbei kennenlernt. Ich liebe auch diesen zeitraffenden Erzählstil, der Zeit und Raum auflösen kann. Das gibt dem ganzen etwas märchenhaftes.


    Ich vermute, dass das vielleicht Eschbachs Mittelerde sein könnte. Angeblich hat er jahrzehntelang an dieser Welt gearbeitet, aber sie war eben nie so weit, dass er die Geschichte hätte schreiben können. Außerdem das Teil mit 1250 Seiten auch echt ein dicker Klopper. :rofl: Überhaupt habe ich mir ein paar dicke Teile dieses Jahr vorgenommen. Wir mal Zeit, sich die vorzunehmen. :whistling:

    Ich werde mich jetzt mal nur komplett auf dieses Buch konzentrieren. Auf Spotify gibt es das Hörbuch dazu auch in ungekürzter Fassung. Mal sehen, wie lange ich brauche, wenn ich nebenher nichts anderes lese oder höre :)

    Und nun werde ich einen kleinen Sci-Fi-Marathon machen, glaube ich. :D Als nächstes ist Per Anhalter durch die Galaxis dran, von Douglas Adams. Und noch ein anderes, von dem ich schreiben werde, wenn ich es angefangen habe.

    Achja, Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams hat mir sehr gut gefallen. Ist mit seinen 200 Seiten natürlich kurz und es passiert zwar viel, aber so richtig große Bögen kann man da natürlich nicht spannen.

    Ein bisschen erinnert es mich an die Scheibenweltromane, bei denen Schlag auf Schlag der Plot vorangepeitscht wird, dass es irgendwie wieder beliebig wird, was passiert. Das sind die Pratchett-Bücher, die ich nicht so mag, Der Zauberhut war beispielsweise so eins. ^^

    Hier bei Adams ist es durch die Kürze deutlich angenehmer und ich kann damit besser leben. Solche Bücher sind wohl sehr plot-getrieben und das ist nicht immer mein Fall, stelle ich so fest.


    Ansonsten sind die Ideen natürlich grandios. :D Klar, ich kannte viel schon von dem Film von damals, die Mäuse, die Delphine, der Supercomputer. Aber es war dann doch alles ein bisschen anders und im Roman-Format gefällt es mir deutlich besser, vielleicht auch, weil Sci-Fantasy-Adaptionen so oft viel CGI haben (weil sie sonst einfach sauteuer wären).