Beiträge von Tom Stark

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    39,99 € Hardcover
    von Mörs himself illustrierte Ausgabe

    Erscheinungsdatum: 05.11.2025
    Verlag: Penguin Random House

    592 Seiten

    Das Buch war bis vorgestern ein eingepacktes Weihnachtsgeschenk meines besten Kumpel und lag begraben unter einem ganzen Berg Weihnachtsgrüße, amtlichen Schrieben, sogar noch die Wahlbenachrichtigung zur Landtagswahl in BW ^^, kurz, dem Stapel für WICHTIGE Sachen.
    Hab' den ersten Mai genutzt, den mal abzuarbeiten und gleich mal schnell meine Abfallrechnung beglichen (bevor die noch einen Vollstreckungsbescheid schicken, die haben ja echt Geduld ...) Ja, ich weiß, ich könnte Prokrastinieren im Hauptfach an der UNI unterrichten ...

    Zum Inhalt:
    Zu Beginn erfährt man alle vorkommenden Personen was einem ... gar nix sagt. Soweit ich es überschaue, geht es um einen Typ, der (nicht zum ersten Mal) durch ein Dimensionsloch fällt und sich darüber wundert, dass er sich gar nicht darüber wundert. Typischer Mörs-Roman, soweit die ersten 3 Seiten zeigen.
    Obwohl ich W.M. mag, hat es mich nicht so geflasht, dass ich den Roman gleich aufgelesen habe, was an sich schon einem Mai-Wunder gleichkommt. Aber jetzt, wo ich das hier schreibe, bekomme ich Lust zu lesen. Oder ich schreibe einen Katzen-Krähen-Mafia-Cozy-Roman ...oder ich lese, oder ich ... schreibe ... lese ...

    tbc

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    Man hat mich angefragt, ob ich einen Cozy Katzenroman schreiben könnte. Soll in Deutschland oder Irland spielen (interessante Vorgabe, da hat jemand wohl eine ganz bestimmte Sichtweise auf Irland!) und Krimi-Elemente beinhalten. Nun sind Krimis nicht wirklich mein Gebiet. Das ist wie Text-Adventure und 3rd-Person Metzel-Action. Wirklich können, tu ich nur das letztere ...
    Aber der Anfang ist gemacht, jetzt brauch ich nur einen Plot ^^
    Also einen Plot-Plot. Nicht blos eine Idee für einen Plot.

    Catman, Tom Tempest

    Prolog:
    Erstens: Ich bin nicht wahnsinnig.
    Zweitens: Ich kann mit Katzen reden.
    Drittens: Vielleicht bin ich doch wahnsinnig.
    Viertens: Aber aus anderen Gründen.


    Kapitel I
    »Jay ist viel cooler als Silent Bob.«
    Der Sprecher, ein Kater mit ziemlich fragwürdigem Sommerfell, sitzt auf der Fensterbank und sucht kurz meinen Blick, bevor er sich wieder über den Tomaten-Hering aus der Dose hermacht. Anderes Katzenfutter habe ich gerade nicht. Genauer gesagt habe ich gar kein Katzenfutter, denn man kann einfach einem Wesen, mit dem man meist intelligentere Gespräche als mit seinem Mitmenschen führt, einfach kein Essen vorsetzen, was man selbst nicht essen würde. Und man kann es nur schwer als Fressen bezeichnen, auch wenn Nino, der Kater auf der Fensterbank, seiner Art als Schlinger-Fresser alle Ehre macht.
    »Jay würde ohne Silent Bob als Charakter nicht halb so gut funktionieren. Das ist wie Han und Chewie oder Kommissar Rex ohne … Rex.
    »Du weißt schon, dass Rex der Name des Hundes war?«
    »Ja, aber den Namen des Kommissars kenne ich gar nicht, nur den Namen des Schauspielers, woran Du siehst, wie unwichtig der Mensch in diesem Gespann war.«
    Nino schlingt die dritte Hälfte des Doseninhalts hinab, und ja, ich weiß, wie sich das als mathematisch mündiger Bürger anhört. Aber Nino ist ein Kater, der kann so etwas. Überhaupt ist Mathematik und oft auch Physik für Katzen bestenfalls ein Vorschlag.
    Schwer zu glauben? Sicher, aber wer mit Katzen reden kann, der lernt, dass das Unglaubliche manchmal nur eine Art Vorwort ist.
    »Aber als Interpret oder Übersetzer der nicht völlig linguistisch erklärbaren Kommunikationsform kommt dem verständlich sprechenden Part dennoch eine elementare Rolle zu.«
    Tja, da hat er mich. Natürlich sollte ich besser wissen, als mit einem Kater zu diskutieren. Recht zu haben, ist sozusagen Teil seines genetischen Codes. Ich versuche es also, trotz besseren Wissens, immer wieder. Ziemlich genau die Definition von Wahnsinn. Oder von Menschsein.
    »Na schön.« ,gebe ich mich geschlagen und nehme die Hände von der Tastatur. Bevor ich Nino nicht nachgegeben habe, werde ich ohnehin keine Ruhe finden. Zum einen, weil er mich wirklich ausdauernd nerven wird, wenn es ihm wichtig ist, und zum Anderen, weil meine Rolle offenbar von elementarer Bedeutung ist. Es sei denn, ich treibe auf die Schnelle jemand anderes auf, der mit Katzen reden kann. Oder besser gesagt, der ihre Antworten versteht.
    Man kann ja auch mit König Papst Donald von der orangenen Gestalt reden, oder einer fleckigen Wand, wenn man einen sympathischeren Gesprächspartner bevorzugt, und einen intelligenten Dialog erwarten. Aber jemand mit diesen Wunschvorstellungen, nenne dann sogar ich wahnsinnig.
    »Also, was soll ich tun?«
    »Triff mich heute nach Sonnenuntergang in der schrägen Sechshundegasse mit Kleinmenschenlärm aus dem Haus mit dem Nichtzaun am Ameisenbaum.«
    Hey, ich versuche mein Bestes, es adäquat zu übersetzen. Ich gebe aber zu, ich folge auch Ninos Blickrichtung und reime mir den Rest zusammen.
    »Wäre ein Straßenamen wie vom Straßenschild zu viel verlangt?, »seufzte ich.«
    »Kann ich lesen?«
    Seine Frage quittiere ich nur mit einem langen, vorwurfsvollen Blick, den ich in meiner Zeit in Katzengesellschaft vervollkommnet habe.
    Nino schnieft, putzt sich nonchalant zwei, dreimal die Pfote bis er gnädig preisgibt: »Ihr Menschen sagt dazu auch Lerchenstraße.«
    Ich lege den Kopf schief, überlege, überlege länger und dann dämmert es mir. Zum Glück haben meine Eltern früher im Neubaugebiet gewohnt. »Lärchenweg, meinst Du.«, verbessere ich ihn.
    Ein eisiger Katerblick trifft mich. Dann hebt er stolz zuerst Hinterteil, dann Schwanz an und springt sich mit der tödlichen Eleganz eines Terminators auf die Straße.
    »Erscheinen Sie, sonst weinen Sie.«, höre ich noch.
    »Geht klar, Agent N,« rufe ich ihm noch durch das offene Fenster nach und ernte einen irritierten Blick von Frau Waddel auf dem Nachbargrundstück, die gerade Wäsche abhängt. Doch dann sieht sie wohl den Kater und ihr irritierter Blick weicht dem schelmischen Grinsen von jemand, der seinen verrückten Nachbarn wieder einmal erwischt hat, wie er mit einer Katze redet, als wäre sie ein Mensch.
    Und das, an sich, ist unfair. Ich rede mit Menschen nur ganz selten so, wie mit Katzen.
    Die meisten Menschen sind die Mühe gar nicht wert. Da reichen aufgewärmte Platituden, um den notwendigsten sozialen Kontakt zu erhalten. Katzen kommen sich regelrecht verarscht vor, wenn man das mit ihnen versucht.

    Jedenfalls kann ich das restliche Kapitel noch fertig schreiben, bis ich merke, dass es kühler wird und damit Zeit wird, künstliches Licht anzumachen. Und damit auch Zeit, Nino zu treffen.

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    Ich stelle mir den Kater mit falschem italienischen Akzent vor, und seinen Namen hat er von der Pizzeria da Nino, wo man ihn zum ersten Mal gesehen hat. Er könnte ein patenartiges Auftreten haben und der Roman könnte etwas mit Katzen, Hunde oder Krähen-Mafia zu tun haben. Ja, so gaaaaanz langsam steigt ein Plot aus der Ursuppe meines blubbernden Kreativ-Tümpels auf ...

    Tempus Magicat II – Spoiler Alert (Kurzgeschichte)

    Wir standen auf dem Hochhaus, vielleicht einen Kilometer von der Masse in Weiß-Blau, die der Mandarine auf dem Podium frenetisch zujubelte.
    Ok, es sind Amis und frenetisch halten die für etwas Unanständiges, was man in versteckten Läden mit XXX auf dem kaputten Neo-Schild kaufen kann. Jedenfalls solange noch bis die Ice-Truppen sie alle niedergebrannt haben werden. Sie jubeln also wie ein verrückter Haufen Halbgebildeter, die gar nicht kapieren, was für Affentheater da abgeht.
    Aber ich greife vor, und das hasse ich selbst. Hasst ihr das nicht auch, wenn der Erzähler mitten im Roman seinen eigenen Content spoilert?
    Sowas wie: Mein Glück hielt aber nicht lange an. Ja, was aber auch. Überraschung? Hat in etwa soviel Aussagekraft, wie, dass irgendwann nach der Nacht auch ein neuer Tag anbricht.
    Eigentlich nur eine Übung in Zeitverschwendung. Also der des Lesers. Der Autor verdient ja an jeder fu$/§ing Zeile, die er (oder sie, oder beide oder es, ja die KI-Bewegung aus der 73er Jahren wird es nicht ohne Konsequenzen geben) auf die Netzhaut seiner Kunden assasiniert.
    Apropos Assassine. Zurück zur Handlung.
    Mal ehrlich, das war doch jetzt ein gelungener, rhetorisch eloquent, als Überleitung getarnter Spoiler.
    Na was? Ich hab doch Spoiler Alert in die Überschrift gepackt. Mehr Spoiler Alert als Spoiler Alert geht ja nicht. Ich wasche meine Hände in Unschuld. Das Neue, nicht die Alte. Dass sie die Brühe seit Pilatus nicht mehr gewechselt haben, sagt alles über Unschuld im Wandel der Zeit aus.

    »Ich bin die größte Mandarine auf der Welt. Eine großartige Mandarine. Vielleicht die größte Mandarine, die es je gab. Es gibt Leute die sagen, berühmte Leute, nicht irgendwer, sehr berühmte Leute, die sagen, dass ich süß und sauer zugleich bin. Und solche Leute wissen Bescheid. Leute wie mich und … Jeff. Nein nicht du Bezzy, ich meine den Insel Jeff. Er ist großartig. Wie, Du hast auch eine Insel? Und warum habe ich noch kein Mandarin Island. Dort könnten Melania und ich für Mandarin Files sorgen, in Mandarin. Wunderschönem Mandarin. Wusstet Ihr, dass ich jede Sprache der Welt spr … Autsch. Hey, nicht so dolle, Du Deppp!« Mit der einen Hand hielt sich die Mandarine ein Ohr, mit der anderen wedelte sie wütend mit der Faust in der Luft.
    (Angeblich soll er dabei gerufen haben: Fight, fight, fight. Spoiler Altert: Es rief stattdessen: »Dwight, foolish Dwight!!!«)

    »Wow, du kannst auf die Entfernung Lippen lesen, oder war es ein Abhörzauber?«
    Ich grinse. Achso, wer bin ich? Wie unhöflich von mir. Also kurz die Handlung wieder mit der Notbremse abwürgen, für eine Vorstellungsrunde.
    Also der Redner da vorne ist der allergroßartigste Donald Anderthalbohr, von mir liebevoll Mandarine genannt. Mein Ziel ist es, dass er als der Mandarin Candidate unter den US-Präsidenten … unter denen, die so tun, als wären sie es … in die Geschichte eingeht.
    Ich bin Sasha. Kommt von … wie, kennt ihr schon? Wer hat‘s gespoilert? Ich selbst? Shame on me. Ok, und mein Nachname. Na, na? Genau, keiner. Das nächste mal wieder.
    Hrhr, wieder ein Spoiler, der beinahe durchgerutscht wäre, ohne meinen Alarm. Ich bin ja so gut!
    Ich stand hier in meinen Chamäleonanzug aus dem 32. Jahrhundert, neben mir JFK Müller. Ja, Spoiler Alert, die Namengebung bei Kindern wird immer grausamer. Mein anderer Schüler heißt Siebzehn Pfund Pepsi. Da machste nix.
    »Ach, JFK, du bist ziemlich leicht zu verarschen. Nein, ich sehe das auf diese Entfernung nicht. Ich bin hier nur schon zum dritten Mal dabei. Und glaub mir, meine Interpretation der Mandarine und seiner Ansprache, war weitaus besser als das Original.«
    JFK schaute mich skeptisch von der Seite an, nicht, dass ich ihn in seinem Tarnanzug von der Umgebung unterscheiden konnte. Seit diese Art Stoff Usus geworden ist, hätte die Anzahl der Verkehrstoten drastisch zugenommen, wenn Straßen-Verkehr nicht abgeschafft worden wäre. Noch eine Folge der KI-Revolutionen. Oh, ich vergaß: Spoiler Alert! Aber so lange lebt eh keiner aus der aktuellen Leserschaft. Also kein Spoiler, sondern nur das verrückte Geschreibsel eines durchgeknallten Autors, den mitten in der Nacht die Katze geweckt hat.
    Wie, das klingt authentisch? Weil es das - kein SPOILER - auch IST. Aber weil die Geschichte sonst keinen Deut voranschreitet, schenke ich mir die restliche Beschreibung. In den Anzügen sieht uns eh keiner. Ha, was für eine elegante Lösung, drum herum zu kommen. Noch ein blinder und tauber Prota, und man kann sich völlig auf die Action konzentrieren.
    Wie die aussehen sollte? Fragt ihr mich das echt um halb Fünfe in die Frühe? Geht mal besser wieder zu Bett. Da hat euch wohl wer reingesch)§§en?
    Achso, Spoiler Altert , nee, nur ein Scherz. Es sei denn ihr habt ein Kleinkind drin, dann „vielleicht“ doch kein Spoiler. Aber mein herzlichstes empathisches Beileid.
    Außer ihr habt euer Kind JFK, HK27 oder F1c?M1c? genannt. Dann fuck U! Mit Recht.
    »Du erfindest also einfach eine Rede?« Er klang enttäuscht, also weniger enttäuscht von mir, denn von meiner Professionalität als seine Ausbilderin.
    »Ach, kennst Du eine Ansprache, kennst Du alle. Vertrau mir, Du wirst sofort erkennen, wenn Du ihn live hörst, dass ich ihn nachgemacht habe. Gibt kaum jemand, außer dem Deutsch-Össi mit dem 1/20 Vollbart, den ich so leicht imitieren kann.«
    »Hat da nicht gerade jemand auf ihn geschossen?«
    Ich nickte. »Jepp.«
    »Wenn der Typ echt für einen so wichtigen Geschichtsverlauf verantwortlich ist …«
    »Vorsicht, junger Mann, für Spoiler in dieser Geschichte, bin immer noch ich zuständig.«
    »… mutmaßlich, verantwortlich ist ...«
    Ich nickte zufrieden und beschloss als Belohnung, ihn auf das gesetzlich dekretierte Heldenbegräbnis von Big D. mitzunehmen, auf dem sich, außer der alte Biden, der aber glaubte auf Obamas Beerdigung zu sein, kein einziger lebender US-Präsident einfindet. Die auf dem Grab tanzenden Pings, Putins und Khomenis kommentiere ich mal nicht. Sicher so eine altehrwürdige nationale Tradition und ich hätte mir auch so eine gewünscht. Aber die södersche Brauchtums-Vermutung muss man ja auch nicht überall strapazieren.
    »... hätten wir das Attentat nicht verhindern müssen?«
    Oh, der liebe Junge.
    »Nö.«
    Er überlegte und zeigte dann, Spoiler Alert, warum ich ihn als Lehrling überhaupt genommen habe:
    »Oder den Schützen einen Volltreffer landen lassen? Damit die ganze düstere Geschichte einen anderen Verlauf nehmen kann?«
    Ich klopfte ihm stolz - 1+ für den humanistischen Gedanken - auf die Schulter. Zumindest versuchte ich es. Die Schulter fühlte sich eher nach Nase an. Wie dem auch sei.
    »Nee, das klappt leider nicht. Wie schon Sam Hawkings sagte: Die Zeit hat einen eingebauten Mechanismus, damit so etwas nicht passiert.«
    »Steven.«
    »Wie meinen?«
    »Es war Steven Hawkings, der Physiker, Sam Hawkens ist ein kauziger Trapper im frühen Wilden Westen, von einem Karl Merz erfunden.«
    »May.«, konterte ich schnell, um wenigstens einen Punkt zu haben.
    »Ja, sicher. May. Ein Autorenkollege von Dir?«
    Äh, ja, also … Themawechsel. Aber gaaaaanz schnell.
    »Also, worauf ich hinaus will: Wir können nicht gezielt mit einem einzigen Ereignis die ganze Weltgeschichte reparieren.«
    »Was können wir denn tun?«
    Ah, ich liebe meinen Jungen. Richtige Frage, und kein blödes Mimimie. Wer ist Schuld und warum darf ich nicht, was ich nicht kann?
    »Ich habe dafür gesorgt, dass die Patrone ein bisschen, ein ganz kleines bisschen nur, radioaktiv war. Und den Coroner abgefüllt und die Unterlagen angepasst, als er es herausfindet.«
    Er musterte mich schweigend. Also ich glaube, er musterte mich. Dass er schwieg, konnte ich ja ganz gut nicht hören. Gemustert musste er dann wohl die Luft haben. Oder durch Zufall meine Nase.
    »Und das genügt?«
    Ich lachte. »Nein, aber wir reisen gleich nach Wuhan, 2019.«
    »In China? Was wollen wir denn da?«
    »Wir klauen ein teuer designtes, biologisches Weltenvernichtervirus im Anfangsstadium und infizieren eine frittierte Fledermaus damit.«
    »Aber davon werden Millionen sterben?« Er klang schwer betroffen. Wirklich, ein guter Junge.
    »Ja, aber keine Milliarden, wenn der fertige Kampfstoff auf die Welt trifft, insbesondere Taiwan. Und nur die Volksrepublik einen wirksamen Impfstoff parat hat. So haben in ein paar Monaten alle Länder einen Impfstoff und die designten Corona-Viren werden als Kampfstoff obsolet.«
    »Wow, ok. Und was hat das mit Don Mandarino zu tun?«
    Der Name gefällt mir. Besser als meiner. Vielleicht wird es ein JFK sein, der Big D zu Don Mandarino macht. Ich werde mich selbst spoilern und nach der Episode mal ins Jahr 2043 vorspringen und nachsehen. Da gibt es noch digitale Geschichtsbücher, auch wenn man vor lauter Fakes schon sehr zwischen den Zeilen lesen muss. Oh, sorry. Spoiler Alert!
    »Trump hat zuerst die Impfung seiner Bevölkerung abgeblockt, bis es ihn selbst erwischt hat. Danach wurde es plötzlich zur Chefsache. Und es hat ihn wirklich dolle erwischt. Wäre er als US-Präsidenten MonArch nicht quasi der wichtigste Mensch der Welt gewesen und er nicht militärische Hilfe zur Behandlung bekommen hätte … jaja, kein Spoiler, dann hätte er nicht überlebt. Aber es hat ihn Jahre seines Lebens gekostet.«
    »Jahre?«
    Ich grinste. »Wichtige Jahre!«
    »Das ist …gut?«
    »Sehr gut sogar. Und selbst das Universum in seiner Raumzeitmechanik - ja, Spoiler Alertchen, eine Illusion - ist da an eine Konstante gebunden, daher können wir rumtricksen.«
    »Welche Konstante?«
    »Irdische Weltkriege, also, denen man auch diesen Namen gibt, werden nicht von Deutsch-Amis ausgelöst. Darauf hat der universale Schöpfer den Deutsch-Österreichern das Privileg gewährt.«
    »Wenn also nie wieder ein Deutsch-Ösi einen Krieg anfängt, dann …?«
    »Fetter Spoiler Alert, mein Junge. Ganz fetter Spoiler Alert

    Verlag Eichborn

    Format Hardcover-Buch. Kindle-Book

    Genre Humor, Urban Fantasy

    Seitenanzahl 512 Seiten (hier ausnahmsweise :Hardcover)

    Sprache Deutsch

    ISBN 978-3-8479-0222-5

    Erscheinungsdatum 28.11.2025

    Band 4 von 4


    Die Stranger Times ist eine, sagen wir mal, Nischenzeitung, aus Manchester (GB). Der einst sehr berühmte Investigative Chefredakteur Vincent Bancroft (eine Art Lou Grant von GB) leitet das kleine wöchentlich erscheinende Blatt, was man landesüblich als UFO-Zeitung bezeichnen würde. Fing das in Band 1 einfach damit an, weil er an eine umfassende Berichterstattung glaubte, soweit man die Quellen halt überprüfen konnte usw, aber die meisten Redakteure sich selbst und vor allem ihre Quellen nicht ganz ernst nahmen, werden sie zunehmend in die Welt der Übernatürlichen reingezogen. ( Und, wenn wundert es, sogar zu Weltrettern da Manchester, wer hat es nicht geahnt, eine superdünne Membran zu anderen Welten hat, was man aber erst in diesem Band eher nebenher erfährt ...)
    Die Redaktion ist in einer alten Kirche, die zudem (unter anderen) einen Ghul, einen kiffenden (jungen, schwarzen) Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg mitsamt ihn bewohnenden Engel beherbergt - die aber, eher Nebenrollen einnehmen.
    Mein Problem ist, dass ich viel spoilern würde, wenn ich mehr preis gäbe.
    Was ich aber sagen muss, weil ihr sonst womöglich von meinen sonstigen Vorlieben für Action, auf eine falsche Fährte kommen könntet: Das hier sind eher Cozy-Romane (also für mich). Auch wenn wirklich schlimme und blutige Dinge passieren, lebt die Handlung von den skurrilen Figuren und ihren bromancigen Hassliebe-Beziehungen, und der (für mich inzwischen gar nicht mehr so) absurden Handlung. Wirklich kein einziges Mitglied der Redaktion ist wirklich normal. Vielleicht von Grace der Empfangsdame und Chefsekretärin abgesehen - wobei normal, da sehr im Zusammenhang zur "Normalität" der anderen zu sehen ist. Die eigentlichen Helden sind so überhaupt gar keine Helden, aber irgendwo alle sympathisch, sogar die meisten Bösewichte sind irgendwie auf ihre Art putzig. Manchmal erwische ich mich sogar, Mitleid mit den Bösen zu haben, die irgendwie am Ende, so kurz vor knapp, noch aufgehalten werden, dabei waren sie so herrlich stilecht böse. Mit bösem Lachen usw. Dass es heute sowas noch gibt, muss man doch unterstützen!
    Hätten aber mal unsren Thread Oberbösewicht Bösewicht mit Stil besser lesen sollen. ^^

    Mein Rat: Lest Band 1 und wenn es euch gefällt, werdet ihr eh von der Sucht gepackt.
    Ist aber nicht für jeden das Richtige, und das ist mir bewusst. Als Ex-Chefradakteuer bin ich natürlich sehr voreingenommen, wenn es um eine kleine Zeitung geht, die, weit weg von der Küste in GB, als einziges kleines Blatt, den mächtigen Verlagen noch Widerstand leistet ... und in diesem Band den Rat bekommt, wieder zum alten Papier zurückzukehren, weil man das besser zum Hintern abwischen benutzen konnte - doch ja, im Ernst. Und ich wette, die stellvertretende Chef-Redakteurin Hannah, hat das auch schon auf den nächsten Besprechungsplan (im nächsten Band) gesetzt. Man will schließlich eine Zeitung verkaufen. Warum ein Kunde sie kauft, ist ja Teil der Meinungs-Freiheit, die man verteidigt ^^.

    Ich weiß nicht, wie es sich für euch anfühlt, wenn ein kompletter Neuling plötzlich Kommentare zu Texten von teils deutlich älteren und erfahreneren Forentieren abgibt. Ich selbst bin mir teilweise unsicher, ob oder wie detailliert Feedback gewünscht ist

    Hm, normalerweise spiele ich dieses Hallo-Spielchen nicht mit, in der Erwartung, die sind eh keine Zwei Wochen da. Aber ausnahmsweise ...*Tiefer Seufzer*
    :smoker: Willkommen hier.
    Du hast Kurzgeschichten erwähnt. Wenn sie kurz sind und Geschichten, lese ich sie bestimmt. (und vergesse mal wieder auch nur ein Like dazulassen. Ich bin soooo alt, wenn ich Daumen hoch gebe, dann dürfen noch Gladiatoren überleben)
    Und Kommentare? Hm, kann nur für mich sprechen: Die Schlauen, witzigen, sinnvollen, tiefsinnigen, oberflächlichen, flapsigen, naseweisen, nachdenklichen und hilfreichen, die nehme ich gerne. Die Anderen? Gib die lieber dem Rest, die wollen ja auch welche.

    Ja, man muss auch gönnen können.
    :hi2:

    to love a woman III

    I
    Ich komme zurück mit einem Tablett voller Getränke.
    Da sitzen sie, meine Gefährten, meine Kameraden, meine Mitstreiter. Die letzten fünf Jahre haben wir gemeinsam einen Lich getötet, eine Werrattenplage beendet, in zwei Kriegen gegen böse Zauberer gekämpft und sogar einem Einhorn einen Knoten aus dem Schwanz gekämmt.
    Echte Helden also.
    Brambox, der Bilderbuchzwerg. Feuerroter Bart, felsengraue Augen, eine Rüstung wie ein Drachenpanzer und diese Axt, eines Kriegsgottes würdig.
    Carleon Windmähne, der Löwenmann, Paladin des Lichtgottes und edler Streiter für Recht, Gerechtigkeit und Ehre. Zwei Schritt vierzehn geballte Ritterlichkeit.
    Rzzochn, der Aldenpriester. Keine Wunde, die er nicht zu heilen vermag, keine Krankheit, die ihn schreckt und keine Droge, die er nicht bedenkenlos verwenden kann. In seiner rein weißen Robe, ein leuchtendes Beispiel für Güte und Hilfsbereitschaft.
    Zuletzt Finagorn Elbariel, Schütze, Waldläufer, Tierhüter, edler Held der Natur, Elfenprinz vom Sommerwald und goldhaariger Held der Orkkriege.
    Ich bin beinahe stolz,ihr Anführer zu sein. Stitch, der … Halbelf.
    Ja, meine blasse Haut, meine blütenreine, blasse, fast leuchtende Haut, ohne jegliche Textur, nur die, wie gemeißelten Muskeln. Blaue blitzende Augen und ein androgynes Gesicht, was die halbe Frauenwelt der … Welt … wahnsinnig macht.
    Auch diesmal sitze ich kaum bei meinem Gefährten, verteile die Getränke, als auch schon das Elend losgeht.
    »Sei mir gegrüßt.« Ihre samtweiche Stimme jagt mir Schauer über den Rücken. »Nenn mich Ventura Nachonotte.« Sie lächelt mit ihren blutroten Lippen und sogar der Paladin seufzt angesichts des schmelzenden Blickes, den sie mir zuwirft.
    »Sorry, meine Schöne.«, wiegle ich höflich ab. »Mit Vampiren fange ich nichts an.«
    »Du weißt nicht, was Dir entgeht.« Sie wirft einen sehnsuchtsvollen Blick in die Runde, aber der Rest ist wohl zu edel, zu heilig oder zu bärtig für sie.
    »Was stimmte nicht mit …«, fängt Carleon an, aber schon rutscht eine braunhaarige, rehbraunäugige Elfe mit sehr knappem Lederkleidchen auf meinen Schoß. Finagorn fällt fast der Orangensaftbecher aus der Hand und er bekommt Maulsperre. Ich schließe daraus, die Elfe muss einigermaßen hübsch sein.
    Sie riecht nach Lavendel und Zimt und reibt ihre glatte, warme Haut an meiner Brust und schnurrt: »Sag ein Wort und ich bin für ewig Dein.«
    Armer Finn, denke ich. Er hat gerade diesen Hundeblick, wie manchmal, wenn er einen neuen Bogen auf dem Markt sieht und sich gleich Gold von allen leihen wird. Das ist ok, weil er mit Gold sonst nix anfängt und großzügig auf den Tand bei der Beuteverteilung verzichtet. Ich würde ihm die Braunhaarige ja rüber schubbsen, aber dann streitet er wieder mit mir, dass Frauen selbstbestimmt sein wollen und man sie nicht wie Objekte weiterreichen darf. Und ich würde ihn so gerne fragen, was zum Geier, er für Frauen kennt? Aber ich fürchte, er würde das falsch verstehen.
    »Schau mal, Du bist bestimmt ganz bezaubernd, aber geh von meinem Schoß runter und reib deine Pussy doch lieber an dem Prinz da drüben?«
    Die Elfe schaut mich zutiefst schockiert an. Der Elf schaut mich zutiefst schockiert an. Was habe ich jetzt schon wieder Falsches gesagt?! Dann mustert sie den armen Finn, als wäre er etwas Ungenießbares, was sie gerade an ihrer nackten Fußsohle weggekratzt hat und zieht schnaubend ab.
    Elfen, wer wird sie je verstehen?
    »Hey, die war aber doch gar nicht so ganz übel?« Aus Brambox Mund ist das sogar ein echtes Kompliment. Schade, dass sie das nicht mehr hört.
    »Ney. Ich warte auf die Richtige.«
    »Wie ssssieht dddiee ausss?«
    »Genau, Halbes Blut von meinem Volke, woran machst Du das fest?«
    »Welche Fellfarbe bevorzugst Du? Und welche Maserung?«
    »Redet keinen Orkmist, Jungs. Die Farbe des Bartes, die wird es entscheiden!«
    Ich lächle meine Gefährten an. Meine zwei Reihen perlweißer Beißerchen blitzen mit 1000-Watt.
    »Oh, keine Sorge. Man wird sie sofort erkennen. Jedes Haar wird perfekt sein, die Haut, ah, ja, die Haut und, ihre Stimme wird euch umhauen und erst ihre Glocken … hm, ja die Glocken!«
    Meine Gefährten träumen vor sich hin, während jeder von uns an seinem Getränk nippt.


    II
    »Wow, warum so trübsinnig?«
    Wie Stahl auf Glas klingt sie, als sie an den Tisch herantritt. Ihre stacheligen kupferfarbenen Haare, duften nach Eberfett und Yakdung und ihre Augen reichen kaum bis über die Tischplatte. Die kartoffelförmige Nase wackelt, als sie sie rümpft. Klar, wir riechen viel mehr nach einer Bande parfürmierter Lackaffen, als wie Männer, aber selbst ich habe zugestimmt, nach jedem Abenteuer das Badehaus samt Zusatzoptionen zu besuchen. Auch wenn mir der Wert von geschnittenen Nägeln, sowohl an Füßen wie Händen, immer noch zweifelhaft erscheint.
    Ich fahre fast herum und strahle die göttergleiche Gestalt an.
    Jedes Stück kahle Haut zwischen den Haarpüscheln, die Warzen links und rechts der Nase, der an Krätze erinnernde Hautausschlag, dann das Lächeln mit jeder einzelnen perfekten Zahnlücke und der schielende Blick, das linke Auge milchig, das rechte feurig.
    Ein Meter vierundfünfzig große, geballte Weiblichkeit, Schönheit und Eleganz. Und die Glocken. Meine Güte, ihre Glocken!
    Ich lasse erfreut mein lauwarmes Bier einfach los und umarme sie.
    »Shushi, meine liebste, schönste, allerbeste Shushinalekka«
    Ich muss in die Knie gehen, um sie in ihrer Pracht in meinen Armen halten zu können. Dann spüre ich das spitze Ding zwischen Meinen Rippen.
    Ich schaue unsicher hin, aber dann sehe ich ihn. Nur mein alter, spitzer Knochen aus Drachengebein. Gar kein Vulkanerz oder Stahl. Sie liebt mich also immer noch!
    Ich verstärke meine Umarmung und drehe den Kopf zu meiner Gefährtenschaft deren Gesichter steinern geworden sind.
    »Hey, Freunde. Das ist sie. Shushi, die Liebe meines Lebens. Wegen der ich diese ganze Abenteurerei überhaupt erst angefangen habe.«
    Carleon findet zuerst seine tiefe Stimme wieder. »Für … das da, bist du auf Awentuire ausgezogen, um Dich würdig zu beweisen?« Ich nicke erfreut. Er hat es verstanden.
    Traurig stellt er seinen Weinbecher ab, nimmt sein edles Großschwert und geht wortlos. Angesichts Shushi und dass sie nun mein ist, kann ich seine Enttäuschung verstehen.
    Der echsenhafte Alde schaut mir geradewegs in die Augen. »Ess gibt Wahhhnsssinn, den ssselbst ich nnicht heilen kannnn.« Dann erhebt auch er sich, nimmt sein Bündel und schlurft zum Ausgang, seinen Schwanz ungewohnt betrübt hinter sich her schleifend.
    »Wo wollt ihr denn alle auf einmal hin? Wollt Ihr nicht mit uns feiern?«
    Finn wirft mir einen verwirrten Blick zu, aber außerhalb der Elfenwälder verwirrt ihn ja vieles, also nehme ich das nicht so tragisch. Als er aber seinen Bogen nimmt und mit einem knappen Nicken geht, bin nun langsam ich verwirrt. Habe ich etwas falsch gemacht? Was?!
    »Hey, Junge.« Dem Zwerg fällt gerade in Zeitlupe seine Axt aus der Hand und scheppert auf den Boden, als er mit seinem kräftigen Finger auf mich zeigt. Seine Augenbrauen sind zusammengezogen und mustern einen Punkt intensiv und endlich zeigt er auf die Klinge, die Shushi inzwischen von meiner Seite genommen hat. »Ist das ein Dolch aus Drachenzahn?«
    Ich nicke strahlend. »Ja, der wurde schon seit Generationen vom Sohn dem Vater geklaut. Und eines Tages wird Shushis und mein Sohn, ihn mir stehlen, wenn ich schlafe oder betrunken bin. Das wird der stolzeste Moment in meinem Leben sein. Ich bin froh, dass sie ihn mitgebracht hat. Ich fühlte mich seltsam ohne ihn, die ganzen Jahre.«
    Shushi setzt sich. Sind ja inzwischen mehr als genug Plätze frei und nippt sich durch die freien Getränke.
    »Shushi, das ist Brom, mein Kumpel.«
    Der Zwerg erhebt sich. »Wie bleiben Deine Manieren, Junge. Wenn Du mich Deiner Liebsten vorstellst, dann bitte richtig: Brombox, Sohn von Brummbox und Bromiga. Bin mächtig erfreut, die Herzdame von meinem Jungen mal kennenzulernen.«
    Shushi kichert ihr Zehennägel aufrollendes Kicherkreischen. Ach, wie habe ich das vermisst. »Für einen Zwerg bist Du ja ziemlich gar nicht so ganz übel«, lautet ihr überbordendes Lob und Bram ist eben Bram und neigt, respektvoll dankend, den Kopf.
    »Aber jetzt machen wir erst einmal Deinem Fluch ein Ende, mein lieber Stitch. Es tut mir ja so LEID, dass ich Dich nicht in einen Troll, einen Oger oder wenigstens einen Kobold verwandeln durfte. Aber sie sagten ausdrücklich: Nichts, nachdem ich mich verzehren würde. Es war eine Prüfung für Dich wie für mich.«
    Sie greift zwischen ihre wundervoll prallen, großen, haarigen Brüste und fördert zwei bronzene Glocken hervor und entfernt das Sumpfgras, was verhindert, dass sie läuten.
    »Abllalababblabrabbla«, spricht sie ihre Glocken schüttelnd, die komplexe magische Anrufung der göttlichen Kräfte und mit einem zutiefst angenehmen Jucken, fällt meine Haut von mir ab und meine überflüssigen Knochen fallen knirschend und splitternd ab.
    Endlich! Fünf lange Jahre.
    Und ich rieche wieder wie ich! Ranzige Butter, angegsäurte Yakmilch, Sumpfgas. Ja, endlich rieche ich wieder wie ein anständiger Gobbo. Meine Haut hat endlich wieder Textur, viele liebgewordene Knötchen, Warzen und Schründe verleihen mir meinen Charakter. Vorbei, die haarlose Glatthautphase. Endlich wieder Falten, endlich wieder Furzen und Rülpsen können, wenn mir danach ist. Wie es die Langbeinigen nur aushalten, nur nach zu viel Essen oder zu viel Trinken ehrliche Geräusche abgeben zu können, ist mir nach wie vor unheimlich. Ich meine, selbst Bram furzt und rülpst gelegentlich einfach mal so. Weil ihm danach ist!

    III
    Da sitzen wir nun, wir drei. Normalerweise werden wir bevorzugt bedient, aber es hat sich schon seit einer halben Stunde kein Schankbursch mehr sehen lassen, und keine Schankmagd, was mich noch mehr wundert. Auch hat immer noch keiner gefragt, ob er unsrer geschrumpften Heldentruppe beitreten darf. Sonst haben wir jede Stunde vier bis fünf Bewerber abweisen müssen.
    »Hey, Brombox. Wie es aussieht, mag man mich als Anführer auf einmal nicht mehr. Also wenn Du Dir eine andere Gruppe suchen willst?«
    »Hhm?« Der Zwerg furzt erst einmal ausgiebig und setzt sich bequem hin und das alles ohne einen Tropfen Bier zu verschütten. Ich bewundere Ihn ja so sehr.
    »Mach Dir deswegen keinen Kopf, Junge. Wir haben eine Zauberin, die nur Dir ein schönes Auge macht und Du hast einen verdammten Drachenzahn als Dolch. Vertrau mir, wir werden unsre Truppe bald wieder voll haben, und diesmal werden wir keine Schmusekatzen, Baumkuschler und Eierwärmer bekommen, sondern echte Typen, mit Kanten. Vielen scharfen Kanten. Und darauf einen Humpen! He Wirt, schwing Deinen Arsch herbei, oder ich fange an, Kleinholz aus der Einrichtung zu machen.«
    »Dein Kumpel ist ja fast so krass drauf wie Du.«, kreischt mir Shushi verliebt ins Ohr.
    Ja, finde ich auch und packe mein Prachtweib mit all ihrem Charakter fester.
    Ich bin halt ein echt glücklicher Hundesohn von einem Goblin.

    III.


    Die meisten stellen sich vor, dass man mit einem Raumschiff eine virtuelle Ski-Sprungschanze hochfährt und dann senkrecht hochzieht und mit maximal Speed in die Unendlichkeit und noch viel weiter düst.
    Luke oder Han mit ihrem X-Wing oder dem extrakleinen Frachter, dem 1000er-Falcon machen das in den Filmen ja regelmäßig. Und zugegeben, es juckt mich in den Fingern, das Ruder ganz ran zu ziehen und wie weiland Maverick, den Schubhebel in die Amaturen zu rammen.
    Haben sich tatsächlich schon mehr als eine Handvoll Zuschauer je gefragt, wie schnell Warp wirklich ist, warum ein Shuttle beim Absturz in einem Feuerball runterkommt, beim Aufsteigen aber ganz gechillt in den Wolken verschwindet, wo man doch, zack, in notime, in der nächsten Szene munter am Ziel ankommt?
    Ok, zuerst das Traurige. Gravitation gewinnt immer. Immer!
    Außer bei Sternendrachen, da gewinnt der Drache. Keine Fragen, nicken und winken. Alles Andere führt zu unnötigen Kopfschmerzen.
    Schwere Sachen ziehen leichtere Sachen an. Ist bei überschaulichen Größen, wie etwa, bei dem, was so normalerweise auf einem Planeten rumkreucht und fleucht, keine erwähnenswerte Sache. Aber wenn wir von Planeten, Monden und Sternen reden - man beachte die Mehrzahl! – wird es kniffelig. Zurück auf der Erde, reicht den meisten Erdlingen das Wissen, dass alle Dinge nach unten fallen. Unten! Und zwar so ziemlich, fast immer, und überall. Das sorgt lustiger Weise dafür, dass wir im eigenen Geist, ganz für uns privat, unsere Erde als flach ansehen. (keine Sorge, lieber Leser, das macht Dich noch nicht zum Flat-Earthler) Ok, wir hätten Flugzeuge, um die größten Wasserflächen und Berge zu überspringen, aber in der Regel kriechen wir unten, wo wir nicht weiterfallen, entlang. Den Berg zwar hoch und wieder runter, aber irgendwie eben doch am Boden und nicht durch die Luft.
    Davon musste mich als eine der ersten, völlig unbemerkt, aber extrem liebgewordenen Angewohnheiten verabschieden, als ich hier ankam. Tja, willkommen in den Zivilisationsstufen 1+. Auf der Erde haben wir vielleicht Zivilisationsgrad 0,5 (mutig geschätzt!). Mit den ganzen Sachen, die noch abgingen, als ich da weg bin, würde ich sagen, Tendenz abnehmend.
    Hier wissen schon Kinder in Krabbelgruppen über simple 3D-Modelle der Wirklichkeit Bescheid. Direkte Entfernungen zwischen Punkten einer Ebene oder im Raum zu berechnen (ja, Freunde, dafür habt Ihr in Mathe mal Pythagoras gelernt) ist für die ein Kinderspiel. Wortwörtlich.
    Dass man irgendwie eine Kraft braucht, um von einem Planeten abzuheben, die mindestens einen Tick größer ist, als die Kraft die einen runterzieht, ist nun wirklich jedem Vorschulkind klar. Und, dass man eine Menge, Menge Power braucht, um mit Maverick-Need4Speed in den Nachthimmel zu rauschen, ist für uns auf der Erde Raketenwissenschaft, auch wortwörtlich, aber hier … Sagen wir einfach, ich musste schnell meinen Horizont in jede Richtung erweitern, um nicht von Kleinkindern als zurückgeblieben bemitleidet zu werden. Kindermund tut auch hier Wahrheit kund. Scheint eine der wirklich universellen Naturkonstanten sein, wenn ihr mal eine braucht.
    Die Atmosphäre, die ab einer bestimmten Geschwindigkeit extrem fest wird, wie Wasser, wenn man von 100 Metern Höhe draufknallt, hat zwar immer noch keine Balken, ist aber dann auch hart wie Beton oder wenigstens vier Wochen offen stehengelassene Götterspeise. Wirklich lustig, in der Rückbetrachtung. Das ist alles gar nicht so schwer zu kapieren, und doch musste ich es mir erstmal klarmachen.

    »Kurs?« Reds sanfte Stimme klingt in unseren Köpfen, nur nicht bei Chan. Die NOID hat nichts oder zu wenig mit organischen Neuronalfunktionen und damit auch mit Telepathie zu tun.
    »Kurs?«, wiederhole ich daher, die Frage inkludierend laut aussprechend. Auch etwas, was ich hier als selbstverständlich erfahren und übernommen habe. Zivilisationsgrad 1+, heißt eben nicht einfach nur mehr Technik. Dinge, die diverse foodbloggenden Volksvertreter als woken Scheiß abgetan haben, sind hier so normal, dass man als Hinterwälder mit genetischen Defiziten angesehen wird, wenn man sie nicht von klein auf beherrscht.
    Iggy nennt einen ungefähren Vektor, zuckt aber die Schultern. Weltraumnavigation ist nämlich eine Sache für sich. Ist ja nicht so, dass irgendwas im Universum auch nur für einen Moment mal am selben Platz bliebe. Alles bewegt sich. Immer und zu jeder Zeit. Sogar der dicke Stern, der sein System einigermaßen mit seiner fetten Gravitation organisiert, rast wild durch seine Galaxie. Dieses sonst so dominante Zentralgestirn eines Systems hat nicht mal genug Anstand im Verhältnis zum eigenen System ruhig zu stehen. Ja, willkommen in meiner Welt. Also ist eine ungefähre Richtung besser als nichts, und da wir uns gemütlich aus der Atmosphäre schrauben, bleibt genug Zeit den Bordrechner mal in der Richtung suchen zu lassen.
    »ISV Sharlethin geortet.«, Red lässt die Bombe sogar über Inter-Com platzen und mir rutscht ein Oh, Kacke immerhin lautlos über die Lippen. Die Paladin-Klasse gehört zu den Imperial Finest, eine nahezu perfekte Mischung aus, Kreuzer, Zerstörer, Waffen und Wissenschaftsplattform für Deep-Space Missionen. Also, habe ich mir sagen lassen. Mich würden keine zehn Drachen dazu bringen, in einem unter Druck stehenden, kleinen High-Tech-Dorf im Weltraum, mit etwa 1000 anderen zusammen zu leben. Ja, selbst Raumstationen haben ihren Sinn, aber wenn ich in eine Stadt will, dann bitte auf einem Planeten mit atembarer Luft und ordentlicher Umgebung. Nennt mich kleingeistig, aber ich finde es einfach toll, jederzeit ins Freie gehen zu können, ohne Vakuum oder tödlicher Strahlung ausgesetzt zu sein. Diese Faszination, ewig lange im leeren Raum herumzufliegen, entgeht mir ebenso, wie in der Dunkelheit der Tiefsee rumzuhängen.
    Aber klar, Daroa ist eine Kernwelt, und natürlich hat sie eine eigene Paladin im Orbit. Vermutlich aber auch eher von der Parade-Space-Navy. Wahre Krieger werden selten im Kern stationiert.
    »Haben die uns schon geortet?«
    »Nein, aber es ist klar, sie scannen aktiv.«
    »Tarnmodus, Alpha-Level.« Ich grinse breit. Ok, Susu wird toben, aber zumindest noch nicht jetzt und vielleicht beruhigt sie sich ja wieder. Und mit dem Prätoren eines Paladins habe ich echt im Moment keine Lust, herum zu eiern. Ich weiß, dass er nur den Willen der Kaiserin überbringt. Und er weiß, dass es mir am Arsch vorbeigeht, solange sie mich nicht selbst zusammenstaucht. Wir beide versuchen dann so zu tun, als wäre unsere ganze Kommunikation, uns nicht furchtbar unangenehm und keine reine staatspolitische Übung in der Hyperfluidizierung von Wasser.
    Ich werfe einen Blick auf die Aktiv-Scans und suche mir geeignete Luftschichten, um darin zu verschwinden, als der Bougie-Alarm zirpt.
    »Was ist das?« Igoldid zeigt auf einen kleinen blitzenden Punkt, der relativ nahe des Symbols der Drake auf der holographischen Nahbereichsdarstellung inmitten der Brücke auftaucht.
    »Unbestimmtes Signal. Die Scans der Paladine haben etwas aufgescheucht.«
    Das blitzende Symbol wird schwarz und bekommt eine rote Aura.
    »Massiv erhöhter Energieanstieg. Aktivtarnung. Geschätzte 280.000 metrische Tonnen.«, lässt Red weitere Nachrichten vom Stapel.
    Uff, etwa 200.000 Tonnen mehr als die Drake. Aber keine Paladin mit etwa 3 Mio Tonnen. Wobei es beim Gewicht natürlich auch die Frage ist, was das Gewicht ausmacht.
    »Red, highlighte Igoldid bitte die entsprechenden Optionen. Sergeant, Impulslaser aufladen und Gausgatlings anlaufen lassen.«
    Der Leonide schaut mich zweifelnd an, aber ein Soldat ist und bleibt Soldat und führt das Kommando aus.
    Ich lasse die Drake nach unten durchsacken und ziehe sie einem weitem Immelmann wieder hoch. Unsere Tarnung ist nun natürlich weg, aber wenn wir ein getarntes Schiff orten können, kann es uns wahrscheinlich auch orten. Irgendwo in den 200.000 Tonnen mehr Masse müssen ja auch ein paar zusätzliche Sensortechniken drinstecken.
    »Wir werden beschossen.« Iggy klingt ungläubig, als da, wo wir eben noch waren, vier Plasmaladungen hochgehen.
    »Feuer erwidern, nur Laser und Gaus, kein Plasma. Torpedorampen bereitmachen.«
    Kurz checke ich unsere Lage im Vergleich zu den beiden anderen Raumschiffen.
    »Ryu Tan an ISV Sharlethin. Getarntes, feindliches Schiff in der Atmosphäre. Haltet Abstand, wir jagen sie zu euch raus.«

    »Tarnung aus, Energiereserve auf den Schilden.« Red ist mir, natürlich, weit voraus, immerhin steuert sie das Schiff mehr oder weniger wie Ironman seinen Anzug, aber auch der Blutbär macht seinen Job. Die Impulslaser verdampfen die Wolken um uns herum und bringen das unheimliche schwarze Feindschiff zum Glühen, als dessen Schilde arbeiten müssen und sogar zu flackern beginnen. Dann spucken die beiden Gausgatlings ihre 20 Ladungen aus. Die kleine Drake versucht sich am Ziel zu stabilisieren, aber die Gaus sind eigentlich nicht für den Einsatz inmitten von Ausweichsmanövern gedacht. Das Allermeiste geht fehl, aber zwei oder drei Geschosse treffen den Gegner doch am Heck und etwas explodiert heftig.
    »Dein Raumschiff benutzt ungelenkte Festgeschosse?« Ich nehme gerade wieder 90% Schub weg, was uns wegtaumeln lässt.
    »Ja, genau weil es kein echtes Raumschiff ist, also nicht nur. Einen Grund dafür, hast Du ja gerade miterlebt.«
    Das große Feindschiff antwortet mit einem Feuerwerk aus Nahbereichslasern zur Verteidigung. So verwandelt es sich aus einem kaum sichtbaren schwarzen Schatten zwischen den Wolken, in eine leuchtende Casinoreklame.
    Als wir gute zehn Kilometer gefallen sind, fange ich die Drake wieder ab.
    »Iggy, Torpedobänke Eins und Zwei bereitmachen. Konventionelle Ladung, Mittelreichweite, 10 Prozent Ladung. Log das Ziel ein, damit bei denen alle FF-Alarme angehen.«
    Er tippt und sucht, aber ich weiß, Red hilft ihm diskret. Ich sehe, wie der Feind abdreht und alles in seine Antriebe wirft, was ihn irgendwie aus dem Schwerkrafttopf herauskatapultieren kann.
    Ich setze mich in gefühlt sicheren Abstand hinter ihn. Plasma ist immer noch eine Gefahr, aber zwischen den Wolken kann er gerne versuchen uns mit seinen Lasern zu erwischen.
    »Das ist Satainbauweise. Aber in Deiner Datenbank gibt es keine genau Typenzuordnung.«
    »Weil die Satains und das Imperium schon seit Ewigkeiten nur ab zu mal ein paar Salven über die Demarkationslinien ballern, um zu zeigen, dass es sie noch gibt und man sich ansonsten aber wie leeren Raum behandelt. Zumindest bis heute.«
    »Sie erreichen die äußere Atmosphäre. Die Sharlethin ruft sie an.«
    Ich grunze. »Ja, alles nach Vorschrift. Aber gut, damit habe ich gerechnet.«
    Igoldid schaut sichtlich überrascht. »Hast Du?«
    »Aber ja. Wir wollen ja, dass sie abhauen.«
    »Und warum genau, wollen … wir … das?«
    »Gleich. – Torpedos, Feuer bitte.«
    Die Trägheitssysteme der Drake ruckeln leicht, als die schweren Werfer ihre Ladungen losjagen.
    Das schwarze Satainschiff, ich würde es als Corvette oder mittelschweren Aufklärer kennzeichnen, dreht ab und wirft seinen Sprungantrieb an.
    »Sis, sag mir bitte, dass du deren Vektoren mitzeichnest.«
    »Was denkst Du? Ich spiele diese Art Jagdspiele ja nur seit siebeneinhalb Tausenden deiner Erdlingsjahre.«
    Ich hebe beschwichtigend meine Hände: »Hey, hey, ich frag doch nur.«
    Bevor die Torpedos einschlagen können und mit ihrer geringen Ladung bestenfalls die Schilde um ein Prozent geschwächt hätten, sind die Satains verschwunden.
    »Com-Anfrage von Prätor Zinh.«
    Ich atme tief ein und aus. Wäre wohl auch zu schön gewesen, ganz drum herum zu kommen.
    »Auf‘s Holo, bitte.«
    Ich drehe meinen Sessel und sehe auf einen blauhäutigen Mariner. Doch, so heißen die echt, zumindest übersetzt mein Uni-Translator es so.
    »Prätor, immer ein Vergnügen.« ich schraube mir das ehrlichste Lächeln ins Gesicht, was ich gerade vorrätig habe.
    »Ryu Tan. Das Vergnügen ist ganz meinerseits. Darf ich fragen, warum Ihre Exzellenz es angemessen findet, auf ein Schiff zu schießen, mit dessen Sternenbund wir uns nicht im Krieg befinden und was im Begriff war, beizudrehen?«
    Beidrehen? Am Arsch. Die haben auf Zeit gespielt, wie ich es auch getan hätte, bis der WJD (Warp-Jump-Drive) aufgeladen war.
    Ich runzle die Stirn und sortiere alle unhöflichen, patzigen und großkotzigen Antworten aus, die mir durch den Kopf schießen. Nach etwa zwanzig Sekunden finde ich etwas, was Susu vielleicht zum Schmunzeln bringt und mir diese Woche Stubenarrest schon aus Erziehungs-Prinzip erspart.
    »Ich schlage vor, Sie checken ihr Sensorlogbuch eingehend. Die meisten Fragen klären sich dann. Zudem wollte ich, dass der Angreifer mit Volldampf die Beine in die Hand nimmt.«
    »Mein Translator scheint mit diesem Idiom unvertraut …«
    Ich räuspere mich. »Ich wollte ihm, mit Eurer Hilfe Prätor, soviel Angst einjagen, dass er auf möglichst direktem Weg nach Haus flüchtet. Und Ihr habt Eure Rolle ausgezeichnet gespielt, danke dafür.«
    Der gute Prätor ist offensichtlich verwirrt. Ich vermute, fast so verwirrt wie der Idiot gewesen sein muss, der ihn in den Kommandosessel einer Paladin gesetzt hat.
    »Nun, dann … gern geschehen.«
    »Danke nochmal.« Ich mache das Halsabschneiden-Daumen-Zeichen. »Voller Tarnmodus und hol den nötigen Schwung. Wann immer Du bereit bist, Sis.«
    Iggy und Chan schauen mich erwartungsvoll an. Achso, da ist ja noch etwas.
    »Seht mal, Red ist ein Drache. Derzeit vielleicht körperlich nicht ganz auf der Höhe, deswegen dieses Schiff als Hülle und Rüstung, aber immer noch ein Sternendrache.«
    Wie ich sehe, sehen sie nicht, was ich sehe.
    »Drachen brauchen keinen Sprungantrieb und keine Raumzeitkoordinaten, um die Leere zwischen den Sternen zu überwinden. Sie tun es einfach. Es gibt einen unglaublich schlau klingenden Fachterminus dazu, und eine wahnsinnig geheime und hochwissenschaftliche Forschung dazu. Aber ich nenne es einfach P2P-Sprung. Red holt nur etwas Schwung, dass wir in Bewegung rauskommen und nicht einfach an Ort und Stelle mit kalten Triebwerken auftauchen.«
    Ich sehe Chans Augen aufleuchten und auch bei Sergeant Bubesi scheint die Erkenntnis zu reifen, dass man noch nie von Sternendrachen gehört hat, die einen Fusionsantrieb oder Brennstoff brauchten, um aus dem Nichts aufzutauchen, um das zu tun, was immer sie tun.
    Worüber es im Übrigen auch eine hochgeheime Forschung und ungefähr soviel wahre Geschichten, wie über Einhörner gibt.
    »Ich bin soweit.« Reds sanfte Stimme hat den üblichen mitleidigen Unterton. Chan wird wohl wenig merken, die Glückliche.
    Ich werfe Iggy einen Beutel mit Vakuumansauger zu, meine ureigene Erfindung.
    »Wofür soll das sein?«
    Ich grinse schief und halte meinen eigenen schon mal vors Gesicht.
    »Das muss man erleben, um es vollumfänglich zu erfassen. Sis, wir sind soweit.«
    Ohne weitere Warnung springt Redwing durch die Leere und nimmt die Drake, samt Inhalt, mit.
    Man wird es erraten, Sternendrachen sind uns organischen Humanoiden ein paar Zivilisationsstufen voraus. Und unsere Mägen wissen das ganz genau!



    IV.


    Wir sind angekommen und unsere Mägen sind leer. Für mich nicht unerwartet, daher mache ich solche Sprünge normalerweise nüchtern. Sofern ich es vorher weiß.
    »Du bist Dir sicher, dass unsre Tarnung hält?« Iggy hat natürlich seine Zweifel. Bisher ist ja nicht gerade alles reibungsarm verlaufen.
    »Aber sicher.« Ich gebe mich betont selbstsicher. »Ein Warpsprung ist zwar eine tolle Sache, mit dem ganzen Raum vor einem schrumpfen und hinter einem ausbreiten.« Wenn ich ehrlich bin, kommt mir das immer noch wie Magie vor, andererseits war das bei den meisten Apps auf meinem Handy nicht viel anders.
    »Aber trotz verkürzter Strecke hat man eben doch noch Strecke. Wir haben einen Punkt zu Punkt-Transfer gemacht. Keine Ahnung, wie stark sie warpen, aber wir sind wenigstens zwei Stunden vor ihnen. Wir haben genügend Zeit, uns umzusehen. und dann sehen wir sie zudem ankommen. Die machen mir keine Sorge. Der getarnte Planet im System schon.«
    »Ich bin immer noch überrascht, dass Du den sofort entdeckt hast. Als ob Du einen Abschluss in Raumnavigation hast.«
    Ich grinse. Habe ich doch. Quasi das Seepferdchen, aber ein Abschluss. Aber ich habe aufgepasst und daher sehe ich vielleicht manchmal Dinge, die diese alten Raumfahrernationen inzwischen schon aus lauter Betriebsblindheit erstmal übersehen.
    »Ich kann gar nicht genau sagen, woran es liegt, aber nachdem ich vielleicht dreihundert Systeme angeflogen bin, habe ich so ein Gefühl, wo Planeten zu finden sein müssten.
    Ich deute auf die Holodarstellung des Systems inmitten der Brücke.
    »Und hier scheint mir die habitable Goldylocks-Zone zu sein und sehr viel freier Raum zwischen innerstem und äußerstem Planeten. Angenommen, die Satains haben sich eine halbwegs angenehme Welt für Kohlestofforganismen ausgesucht, dann müsste sie ja wohl hier sein. Und da sie dieses System als Warpziel ausgewählt haben?«
    Klar, sie könnten hier auch nur ein unbewohntes System für ihre klandestinen Treffen benutzen. Aber da ist mein mir eigener Bias im Weg. Ich nehme an, auch andere hätten gerne atembare Luft, freie Natur mit Himmel und dem Ganzen, und insgesamt einen Platz, wo nicht ein technisches Problem sehr schnell zum untechnischen Tod führen kann.
    Ich stehe auf uns trecke mich. »Aber jetzt gibt es erst einmal eine Tour durchs Schiff, ihr sucht Euch Eure Kabinen aus und vielleicht willst Du ja auch etwas Kotze aus deinem Fell waschen.«
    Automatisch wischt er sich über den Mund und ich grinse: »Erwischt! Keine Sorge, dafür habe ich extra den VakSaBeu (sprich: Waxa-Boy) entwickelt und deute auf seine sehr viel praller gefüllte Kotztüte.
    »Sis, Du hast das Ruder und suchst uns mal den verlorenen Planeten der bösen Männer?«
    »Gib dem armen Leoniden wenigstens eine Chance, sich an Deine exotisch idiomische Wortwahl zu gewöhnen.«
    »Hast Du meine Wortwahl gerade idiotisch genannt?« Ich grinse.
    »Ich sagte, idiomisch
    »Aber gedacht hast Du: Idiotisch.«
    »Ich führe diese idiotische Idiom-Interaktion nicht weiter fort.«
    Igoldids Augen werden immer größer, als er unserer knochentrocken geführten Unterhaltung folgt. Selbst Chan, die nur meine Hälfte des Dialogs mitbekommt, wirft mir schräge Blicke zu. Fragt mich nicht warum, aber meine Art von albernem Humor ist genau Reds Ding. Ich schätze, auch als überkluger Geist, lacht man gerne über harmlosen Quatsch.
    »Also, das hier sind die Bereitschaftsräume für die Brückenbesatzung. Das seltsame Ding da hinten, was ihr vermutlich noch nie gesehen habt, ist eine Kaffee-Maschine, Marke Eigenbau. Vielleicht wartet ihr noch damit, davon zu trinken. Koffein macht aus Kaffeejungfrauen schnell mal Flummies.«
    »Idiome, Tan. Gib ihnen eine Chance …«, kommt mahnend aus dem InterCom. So weit ist es mir gekommen! Erhalte Knigge-Lektionen von einem Drachen in Yachtgröße.
    »Ok, ok. Das Zeug macht einen furchtbar unternehmungslustig. Wie eine Droge.«
    »Es ist eine Droge.«
    »Das nimmst Du zurück.«
    »Niemals. Und Du schaufelst erschwerend spatelweise Zucker hinein!«
    »Es heißt Löffel und …, jetzt habe ich den Faden verloren. Fortsetzung folgt.«
    »Ich erwarte sie mit atemloser Spannung.«
    Als ob nichts passiert wäre, was ja auch der Fall ist, wende ich mich an meine Tour Gäste:
    »Hier sind die Escape-Pods von diesem Deck, aber wundert euch nicht, wir sind frisch verproviantiert und benutzen sie deswegen auch als Stauraum. Mal ehrlich, wenn wir von der Drake runter müssen, ist Redwing verloren und dann … naja, ich weiß nicht wie ich es netter sagen soll, sind wir anderen schon zweimal im Arsch.
    »Idiome!«
    »Ach, jetzt mach mal halblang. DAS haben sie kapiert, oder?«
    Panter und Löwe nicken einhellig, vielleicht einen Tick verunsichert.


    »Hier geht es zum Red-Deck Eins. Sie hat zweieinhalb davon. Ich zeig es Euch mal, aber dort treiben wir uns normalerweis nicht rum. Ihr werdet gleich sehen warum. Sis, Dein OK, dass ich ihnen deine Gebeine zeige und wünschte, da wären keine?«
    »Es sind nicht …«, diese Drachin hat tatsächlich gelernt zu seufzen. »Zeig es Ihnen, aber macht schnell. Der Sprung war anstrengend.«
    Ich öffne eine versiegelte Luke und der Leonide muss sich klein machen, um überhaupt durch zu passen. Das ist unter anderem auch die Idee. Wenn Red nicht will, dann passiert niemand diese Luken lebend.
    Wir betreten den Backbordflügelbereich, gefüllt mit einem Flüssigkeit-Gas-Gemisch. Es ist rote Haut zu sehen und auch Schuppen, die meinen auf meiner Jacke nicht zufällig ähneln, haben sie doch denselben Ursprung. Viel zu viel nacktes Fleisch, teilweise immer noch in einem Zustand der Nekrose, schwimmt in der Flüssigkeit und nur die Heillösung und die Milliarden von Naniten bei der Arbeit, verhindern das weitere Sterben meiner großen Freundin. Sogar Teile des Skelettes sind zu erahnen, auch wenn die Naniten und die Heillösung da sehr gute Arbeit geleistet haben und das meiste wieder von Gewebe bewachsen ist.
    Sogar ein NOID-Panter kann betroffen starren, maunzt mitfühlend. Vielleicht überinterpretiere ich hier aber auch.
    Igoldid starrt minutenlang, um Fassung ringend, in die neblige Lösung. Trotzdem fasst er sich weitaus schneller, als die Meisten anderen, denen dieser Anblick gestattet wurde.
    »Das ist der Grund, warum ich die Drake so entworfen haben, wie sie nun ist. Als ich Red damals getroffen habe, steckte sie in … Schwierigkeiten.« Ich vermeide Einzelheiten bewusst, denn ich weiß, dass Red die Sache auf gleich mehreren Ebenen unangenehm ist, und nicht alle kann ich überhaupt begreifen. Muss ich aber auch nicht. Wenn wir Menschen überhaupt einen Vorteil gegenüber den hochentwickelten Wesen da draußen haben, dann ist es unsere tiefgehende Erfahrung mit Nichtwissen. Wir leben quasi unser ganzes Leben in dem Wissen, dass wir das Meiste nicht wissen, gar nicht wissen wollen. Nicht immer ganz leicht, diese leichtfertige Ignoranz meiner Art, den Leuten hier draußen zu vermitteln. Warum sollte ein intelligentes Wesen, sich freiwillig Wissen verweigern? Nunja, das mit der Intelligenz eben, die noch untersucht werden muss und sowas, wie hier gerade. Manchmal ist es einfach anständig, dem anderen seine Geheimnisse zu lassen.
    »Es gab die Möglichkeit, sie in eine extra entworfene Einrichtung zu schaffen, ich nenne es mal, aus Mangel an … Idiomen … ein Privatpflegeheim, gebaut und geeignet für genau einen Patienten in der Galaxie. Dann hätte Red aber Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte irgendwo festgesessen. Und euch ist klar, was manchen allein der Aufenthaltsort eines Sternendrachens schon wert ist, von der Gefahr, die für den entsprechenden Ort ausginge, brauche ich ja nicht anfangen.«
    Iggy dreht sich zu mir und schaut mich an, als ob er vor einem Einhorn stünde. »Und da kamst du auf die Idee, sie auf ein Schiff zu packen, so hochmobil zu bleiben und stets in der Lage zu sein, einen Jagdkampf zu führen?«
    So wie er das sagt, klingt das ziemlich militärisch.
    »Hm, zu viel der Ehre. Soweit habe ich gar nicht gedacht. Aber da wo ich herkomme, gibt es … eine Legende von einem Mann, dessen Herz nur deswegen weiterschlagen konnte, weil er eine Art Maschine gebaut hat, die verhindert, dass sich ein Splitter vollends hineinbohrt. Diese Maschine hat er in eine Art gepanzerten Umweltanzug eingebaut und weil die Maschine irre viel Energie brauchte, hat er für eine solche Energiequelle gesorgt und dabei etwas übertrieben. Und mit der überschüssigen Energie fing er an Zusatzfunktionen über das Überleben hinaus, am Anzug anzubringen. Triebwerke zum Fliegen und als Nahkampfwaffen einsetzbar, Schutzschilde, hochauflösende Scanner, Soundanlage, Schwerlastservos, Mega-dupa-ultralaser …«
    Ich breite die Arme aus. »Im Prinzip sowas. Nur, dass der Mann aus der Legende ein Mensch ist, und ich etwas für eine verletzte Drachin mit den Gardemaßen 90-60-90 bastelt habe. Naja, so ungefähr. Ich werde natürlich nicht die genauen Maße einer Frau rausposaunen.« Ich zwinkere, aber ernte nur Unverständnis. Wieder einmal.
    Wir verlassen den Red-Pod, wie ich diese Bereiche für mich nenne, da sie ja im Prinzip ein durchgehendes Deck sind. Als die Luke mit ihrem Zischen das Infektionssiegel widerherstellt, atme ich auf und bin selbst überrascht. Red so in der Medic-Lösung zu sehen, macht mich immer noch fertig.
    »Ich dachte immer, man wird zum Ryu, wenn man einen Sternendrachen erschlägt und den Körper zum Beweis der Kaiserin vorlegt.«
    Der Leonide spricht aus, was nahezu alle glauben.
    »Ryu bedeutet eigentlich Drachenreiter. Irgendeine Art Bedeutungswandel in den letzten zig tausend Generationen oder so.» Ich winke ab, völlig unwesentlich. »Ihr kennt sicher die Geschichten, wenn alle paar hundert Jahre ein Sternedrache auf die Jagd geht und wie er ganze Handelsrouten ausdünnt, Planeten abfarmt und so ziemlich die größte Gefahr im All wird?«
    Ich führe meine kleine Crew in die Messe, die ich mit Smartledersofas und erstklassigen Imitaten aus noblem Holzmobiliar beinahe mit dem Flair eines Rotary-Privat-Clubhaus aus den fetten 90ger Jahren ausgestattet habe. Sagen wir einfach, Creds haben bei Entwicklung, Bau und Einrichtung der Drake wirklich überhaupt keine Rolle gespielt.
    Ich fläze mich in meinen Lieblingssessel und ein schwebendes Tablett bringt mir meine Lieblings-Coke, 100% Geschmack, 0% schädlicher Inhalt. Keine Werbung, einfach Fakt.
    Iggy wirft sich auf ein Sofa und Chan nimmt, nach reichlicher Inspektion, des für sie wohl zu leicht zu beschädigenden Leders, den Tisch als Liegeplatz. Im ersten Moment kommt mir das seltsam vor, aber dann zucke ich die Schultern. Auch eine der ersten 100 Dinge, die man zurücklässt. Andere Wesen handeln in aller Regel logischer, als wir Menschen. Hat man sich erst einmal davon verabschiedet, der Richter über Moral und Anstand sein zu können und der Schlauste im Raum sein zu müssen, lebt es sich viel entspannter.
    »Den unsterblichen und wiedergeborenen … hier bitte angemessene Titelfolge einfügen … Kaisern ist irgendwann aufgegangen, dass es ziemlich nützlich ist, auf der Seite der Drachen und nicht auf ihrem Speiseplan zu stehen. Und was soll ich sagen? Als man den Drachen erstmal klargemacht hat, dass man intelligent, kommunikationsbereit und vor allem an kulturellem Austausch interessiert ist, ging auf einmal was.«
    »So einfach?«
    Ich hebe die Schultern. »Nichts ist je SO einfach. Aber so, wie man mich damals von der Erde geholt hat und aus allen Wolken gefallen ist, dass ich es nicht „sofort“ als Wohltat empfand, aus dem stinkenden, kriegsverseuchten, sich selbst vergiftenden, korrupten und Bodenschätze verbrennenden Alptraum „gerettet“ zu werden, so war den Drachen einfach nicht bewusst, dass ihre Beute, die eben noch aus kaum geradeaus denkenden Wesen bestand, zack, kaum 200.000 Jahre später, plötzlich so etwas wie eine Kultur entwickelt haben … und dazu Waffen, die sie am Ende sogar aus dem Leben blasen können.«
    Sogar Chan schaut beeindruckt. Ich finde es ja klasse, wie viel Mimik der NOID sich selbst eingebaut hat. Der Wunsch den Organischen näher zu sein, muss groß sein. Wenn ich dran denke, wie viele Organische sich kybernetisch aufwerten, gibt es da auch eine Gegenströmung. Vielleicht in einigen Generationen sind die Unterschiede nur noch in der Betriebssoftware zu erkennen?
    Ich schüttle den ungewohnt fortschrittlichen Gedanken ab. Diese ganzen schlauen Wesen und vielen neuen Sichtweisen … wenn ich nicht aufpasse, bin ich vielleicht schon bald so wenig ein Homo Sapiens, dass ich auf der Erde nicht mehr funktionieren könnte. Wobei, warum sollte ich das überhaupt wollen?
    »Und dann haben die Drachen sich mit dem Imperium zusammengetan?« Igoldid ist fast so naiv, wie ich es damals war.
    Mein Lachen wie auch Reds Lachen kommen zeitgleich. Ja, das wäre die Kinderbuchversion.
    »Nein, nicht wirklich. Aber ganz selten einmal, gibt es eine Möglichkeit für so unwürdige Würmchen wie mich …«
    »Lass das bitte. Du weißt, ich schätze Deine flapsige, scheinbare Bescheidenheit in diesem Zusammenhang nicht
    » …äh, ja, richtig. Sorry. Echt. Also manchmal haben auch wir kleinen, kurzlebigen Lebensformen, die Chance, den Sternendrachen eine echte Hilfe zu sein. Meistens, wenn wir uns als etwas schlauer herausstellen, als der Rest, oder eine wirklich, wirklich bemerkenswerte Gabe oder Idee haben. Wie gesagt, sie stehen total auf Kultur. Ok, machen wir uns nichts vor, für sie sind wir Krabbler die erst anfangen zu kapieren, was das ist, aber ein paar Wenige von uns, beginnen gerade wackelnd aufzustehen, und erste Gehversuche zu unternehmen. Ihr versteht mein … Idiom?«
    Der Leonide nickt und Chans Stimme erklingt seit langer Zeit wieder einmal. Beinahe habe ich vergessen, dass sie ja einen Sprachprozessor hat. »So ähnlich empfinden manche meiner Art und entscheiden sich für eine temporal eingeschränkte und entwicklungsverzögerte Existenz. Um die Organischen leichter zu begreifen und an deren emotionaler und zufallsbasierter Innovationsgabe zu partizipieren.«
    »Hast du gerade gesagt, ihr tretet absichtlich voll auf die Bremse, damit wir wenigstens eine Weile mit euch Schritt halten können und euch, eher zufällig, vielleicht zu Ideen inspirieren, auf die ihr mit euren Algorithmen nicht gekommen wärt?«
    Red lacht in meinem Kopf. Ganz privat, nur für mich. Mitfühlend und freundschaftlich.
    Wie eigentlich immer, wenn ich mal wieder begreife, evolutionsmäßig hier vergleichsweise eine Maus zu sein. Vielleicht Mighty Mouse oder Speedy Gonzales, aber nichts desto trotz die Maus. Umgeben von Alpha Prädatoren, die aus irgendwelchen Gründen beschlossen haben, mir zu helfen und mich nicht zu fressen.
    Ich wäre einen Tick weniger beschämt, wenn ich wüsste, dass wir auf der Erde wenigstens unsresgleichen, dasselbe Maß an Freundlichkeit entgegenbringen würden.
    »Na, jedenfalls, willkommen an Bord. Ist ja wohl klar, dass wir Reds Zustand oder sogar ihre Anwesenheit für uns behalten. Für alle anderen ist sie die Schiffs-Ki. Die gesperrten Teile des Schiffs erklären wir als Teile für die Nährlösung, die unsere untere organische Schiffshaut stetig erneuert. Und wer noch mehr Fragen stellt, den werfen wir durch die Luftschleuse. Befehl der Kaiserin.«
    Ich schaue in zwei erstaunte Augenpaar.
    »Nein, kein Witz, das Geheimnis um die Ryus ist Staatsraison. Also, psst.«
    Und jetzt ein schneller Themenwechsel, bevor die peinliche Stille einsetzt: »Willst Du ein Bier, Iggy? Keine Cervicia, ein Bier. 100 Creds, danach willst Du nie wieder tauschen.«

    Im Schattental des heulenden Todes
    eine Ryu Tan Story

    I.

    Zugegeben, mein Aufzug ist alles andere als diskret.
    Rotes Smart-Leder, goldene Sternendrachenschuppen in Brust und Schuppenpartie, dazu glänzend schwarze Blasterholster samt passenden mattschwarzen Dragon&Tiger-IVer Spezialanfertigungen, Handschuhe und Stiefel in gleichem Schwarz und das alles noch mit goldenen Nieten verziert.
    Meine schwarzen, blau metallic schimmernden Haare, fallen unter den Nichtmenschen dabei kaum ins Gewicht.
    Alles an mir schreit förmlich nach: Bad Big Ego, Big Bad Vibes.
    Dabei bin ich eigentlich eine friedfertige Natur. Da kann man jeden fragen. Außer den Typen, die mir krumm gekommen sind. Immerhin leben die Meisten davon noch. Ok, manche leben noch. Aber ich fange fast nie den Kampf an.
    Friedfertige Natur. Man erinnert sich?

    Meine überaus friedfertige Ader ist es auch, die mich in der Mad-Dog Söldner Bar mal wieder in Schwierigkeiten bringt.
    Ein Haufen schlechte Raubkopien von Mandalorianern veranstaltet Energie-Käfig-Kämpfe und dagegen ist an sich nichts zu sagen. Nur wenn sie sich selbst bewusste NOIDen (Nichtorganische Identitäten) per Kontroll-Chips oder gar Kompulsion-Devices (ziemliche fiese, meist elektronische Zwangs und Quäl-Vorrichtungen) gegen ihren Willen zu solchen Kämpfen zwingen, dann schwillt meine friedfertige Ader rapide an und beginnt zu pulsieren. Wenn man genau meine Stirn beachtet, kann man besagte Ader gerade sehr leicht erkennen.
    Ein Rockanar, nicht mit den friedlichen, Sneeze schnupfenden und Hotelzimmer verwüstenden Hard-Rockern zu verwechseln, steht in dem Strahlenkäfig, einer wunderschönen, eleganten Metall-Großkatze gegenüber. Anstatt den üblichen Vorderpranken hat sie handähnliche Klauen mit opponierbaren Daumen, nicht immer, aber doch sehr oft Zeichen von Handwerkskunst und damit mehr Intelligenz, als ich den meisten Steelplast tragenden Vollidioten hier zubillige.
    Oh, woher ich Mandos kenne, die es natürlich nur in einer ganz weit entfernten Galaxie vor langer, langer Zeit gegeben hat? Darauf komme ich vielleicht zu gegebener Zeit zurück.
    Gerade mustere ich die Anwesenden und checke ab, wer von denen eine echte Gefahr und wer nur eine, in eine eindrucksvolle Rüstung verkleidete, feige Pussy ist.
    Wobei gegen Pussys nichts einzuwenden ist. Die Feigheit ist mein Problem, bzw. heute Abend ist es das Problem, der sich lautstark gegenseitig übertönenden Bieter.
    »100 Creds auf den Rocky.« »200 auf die Robomietze.« »80 Creds, dass der Rocky zuerst zu Boden geht.« »Das halte ich und erhöhe um 100 …«
    Schnell habe ich den Buchmacher gefunden, ein Caldore, der ziemlich zufrieden die Wetten annimmt und verwaltet. Die Chancen scheinen ausgeglichen und damit ist sein Buch rund, wie wir Fachleute sagen. Ok, erwischt. Ich habe auch schon ein paarmal als Buchmacherin ein paar Creds nebenher gemacht. Was man dabei als Erstes lernt, ist die Wetten so anzunehmen, dass man am Ende immer Gewinn macht, egal wessen Wette nun gewinnt. Diversifizierung des Risikos, würden die Börsianer dazu sagen, im Prinzip ja auch nur Buchmacher, aber auf einem ganz anderen Niveau.
    Der spitzgesichtige Caldore ist kaum einsfünzig groß, aber er hat einen beeindruckenden Riesen als Bodyguard dabei. Ein Taurine, wenn ich raten müsste. Er ist so in Steelplast eingeschweißt, dass er zu den Space-Marines könnte – ja, die kenne ich auch, man befrage mich einfach nicht weiter dazu. Zu seinem Pech ist der Riese auch beeindruckend beindruckt vom Kampfgeschehen im Energiering und hat beeindruckend wenig die Umgebung im Auge.
    Dann ist da noch der Blutbär-Sergeant auf dem Hocker an der Ecke des Tresens. Die Blutbären sind eine der wenigen wirklich, wirklich harten Söldnertruppen in den Kernsystemen. Hier im Kern trifft man zu neunzig Prozent auf spiegelblank polierte Parade-Kameraden, die ihre Waffen sehr publikumswirksam spazieren tragen können, aber wenn es um einen echten Kampf geht, würde ich allemal lieber einen kaum gerüsteten Street-Cop mit Schockstab und Nadler aus den unteren Ebenen an meiner Seite haben wollen. Der weiß wenigstens, in welche Richtung er seine Waffe zu halten hat, wenn der Feind kommt. Und meisten sogar, woher der Feind kommt, bevor er da ist. Eine gute Grundvoraussetzung für einen anständigen Kampf.
    Ich suche den Blick des Sergeants und nicke ihm zu. Er mustert mich mit schmalen Augen. Was er sieht, beeindruckt ihn zunächst wenig. Ich sage ja, ich trage etwas dick auf. Doch dann erkennt er, dass meine Schuppen keine Imitate oder sogar nur Schau sind. Dann fällt sein Blick auf meine D&T-IVer und ihm geht eine ganze Flugdeckbeleuchtung auf. Es gibt kaum Waffen, die sowohl Energie als auch Treibladungsgeschosse verwenden, oder wie man bei uns zu Hause sagt: Kugeln. Eines der ersten Dinge, die ich hier lernen musste, war dass man unbedingt seinen persönlichen Schutzschild braucht. Gegen lebensfeindliche Umgebungen, schädliche Gase, Viren, Pilze und halt alles Zeug, was einen auf anderen Planeten oder auf anderen Raumschiffen ununterbrochen begegnet und umbringen will. Zudem hilft es Energiestöße abzuwehren, zumindest eine Weile, aber besonders gut hilft es gegen Kleinzeug, wie Insekten oder eben Kugeln. Und daher schießt man, außer auf ganz primitiven Welten, hier mit mächtigen Energiewummen aufeinander, um den persönlichen Schild möglichst schnell zum Kollabieren zu bringen. Was ich lustig finde ist, dass kaum einer den nächsten Schritt denkt. Klar, wenn man durch ist, brutzelt einem so ein Megawatt-Laser ratz-fatz das Fell durch und meistens ist man dann auch ratz-fatz tot. Nur, was, wenn man gar nicht töten will? Oder Steelplast die Energie eines Lasers so effizient über seine Oberfläche verteilt, dass man damit bestenfalls eine lauwarme Cervisia noch lauwärmer bekommt? APDS (Panzerbrechende Munition) regelt das dann weitaus schneller. Aber genug des Exkurs in meine persönliche Gegnerlocher-Techniken.
    Ich sehe, wie er mit sich hadert, aber schließlich nickt er zurück und hebt, gut sichtbar, beide Hände auf die Tresenplatte.
    Zufrieden werfe ich die Booster meiner D&Ts an. In etwa das Gegenstück zur Abzugsicherung ballistischer Schusswaffen. Nur Volltrottel rennen unnötig mit scharfen Waffen herum. Die Zehen, welche man versehentlich damit flambiert, sind wahrscheinlich die Eigenen.
    Ich trete an zwei der heftigsten Schreihälse heran, packe ihre unbehelmten Schädel und stoße sie mit Schmackes und Hochgenuss so heftig gegeneinander, dass ihre Hohlbirnen ein sattes Geräusch abgeben. Einer knickt weg, der andere hat offenbar noch nicht genug, also verpasse ich ihm noch einen trockenen Haken gegen das Kinn. Noch eine Lektion, die ich schnell kapiert habe. Alles was einen Unterkiefer hat, kann man ausknocken. Die Knochenaugmente in der Hand haben sich jedenfalls mal wieder gelohnt.
    Ich ziehe die Beiden etwas vom Energiekäfig weg und schaue zum Buchmacher, während ich nonchalant über die unselig Schlummernden hinweg steige.
    »So, das war genug Spaß. Wer auch immer meine Mietze gecatnappt hat, ich hole sie mir jetzt wieder. Sie scheint unbeschädigt, also sehe ich von drastischen Vergeltungsmaßnahmen ab.«
    Erwartungsgemäß bin ich nun im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
    »Wenn also jemand das Energiefeld ausschalten würde, dann nehme ich meine Katze mit und ihr könnt weitermachen, oder auch nicht.« Ich wedle betont versnobt mit der Rechten. Die Linke ist ganz zufällig über der D&T am Gürtel festgehakt.
    »Wird‘s bald? Ich werde nicht jünger, nur ungeduldiger.«
    »200 Creds, wer die Schlampe …« Der Caldore zeigt keine halbe Sekunde mit seinen beiden langen Fingern auf mich, als meine Linke schon hochfährt und meine voll aufgeladene D&T ihm seinen Körperschild wegbrennt. Zwei hustende Feuerstöße und die vorderen drei Glieder seiner langen Finger sind nur noch blutiges Rohfleisch auf Stummel.
    Meine Schusswaffe ist schon wieder geholstert, bevor die meisten überhaupt registrieren, was passiert ist.
    »Tja, nennt mich ruhig Katastrophen Johanna (AdA: Calamity Jane), wenn ihr wollt. Aber der Nächste, der mich blöd anmacht, verliert nicht nur ein paar Finger, die er sich bei jedem Doc-Pod wieder nachwachsen lassen kann.«
    Natürlich gibt es immer jemand, der meine Warnungen nicht ernst nimmt oder versteht. Wobei, was ist an Katastrophen Johanna nicht zu verstehen?
    Der Taurinen-Bodyguard schiebt sich vor seinen Kunden. Beeindruckend spät, wenn man mich fragt, was aber mal wieder niemand tut.
    »Ein Menschenmädchen!«, grollt es unter seinem Helm heraus. »Lauf besser schnell weg, kleiner Menschling.«
    Links und rechts bauen sich zwei Weitere auf. Hilfskräfte. Wobei ich sowohl an ihren Kräften als auch ihren Helferfähigkeiten meine Zweifel habe, so gezwungen lässig verrenkt, wie sie dastehen, ihre Klauen über ihre Blaster gewölbt. Sie ähneln sich beide auffällig, Brüder vielleicht, aber ich bin nun lange genug hier, um menschliche Analogien, was Verwandtschaftsgrade von Nichtmenschen mit aller gebotenen Vorsicht anzuwenden. Es könnten genauso gut Bruder und Schwester, Mann und Frau oder sogar Mitglieder verschiedener Spezies sein. Jedenfalls eine (oder zwei?) mir unbekannte Rassen, aus echsenhaften Humanoiden. Man sehe es mir nach, aber es gibt so viele Völker, Rassen und Mischlinge und alle, alle stellen sich fast nie vor, bevor sie in mein Waffenfeuer geraten. Höflichkeit ist einfach eine aussterbende Tugend in diesem Teil des Universums.
    »200 Creds, für jeden von uns.« Sie schauen zum Buchmacher, um die Abmachung zu besiegeln.
    Amateure! Ich bin umgeben von blutigen Amateuren! Also gleich blutigen …
    Ich ziehe mit beiden Händen und zolle dem Taurinen widerwillig Respekt. Er reagiert gar nicht mal so spät.
    Meine beiden D&Ts schmirgeln die Körperschilde der Echsenleute weg und dann lässt meine APDs ihre Schädel spektakulär platzen.
    Schon bin ich in der Hocke und entgehe dem ersten Schuss des Taurinen. Uff, der ist wirklich fix. Beeindruckend. Doch, durchaus.
    Aber jetzt bin ich dran. Ich verbrauche die letzte Energie-Ladung der linken D&T um seinen Körperschild zu shreddern und perforiere dann mit der Rechten seine schöne Steelplast mitten in der Brust. APDS macht‘s möglich. Er knickt ein und sinkt auf die Knie, wo er langsam in sich zusammensackt. Ich höre die Servos seiner Rüstung surren, als sie ihn aufrecht halten.
    Ich holstere meine linke Waffe und lasse sie summend nachladen. Der Akku braucht vielleicht zehn, fünfzehn Sekunden für den nächsten Schuss, und vielleicht eine Minute, um voll aufzuboosten. Die rechte Waffe fährt zum Rockanar herum, der die Gunst der Stunde nutzen will, um seinen Robo-Gegner platt zu walzen.
    »Keine Bewegung, Steingesicht.« Dann schweife ich mit der Mündung über den Rest der Zuschauer, die pflichtschuldig zurückweichen. »Wer meine Pussy auch nur dumm anschaut, der ist der Nächste.«
    Ok, unglückliche Wortwahl.
    Vereinzelte Schnaufer zeigen mir unterdrückte Lacher. Gut, wenn sie lachen, ballern sie nicht. Ich nehme, was ich bekommen kann.
    Menschliche Frauen sind in diesem Teil der Universumsgeschichte irgendwie oft der feuchte Traum egal welcher Spezies. Vielleicht, weil Menschen hier ungefähr so selten und so exotisch sind, wie Elfen. Also, nicht, dass es hier Elfen gäbe. Zumindest habe ich noch keine getroffen. Wir wenigen Menschen sind quasi die Elfen. Und wer steht nicht auf heiße Elfencowgirls in rotem Leder mit der Feuerkraft des Guten, des Bösen und des Hässlichen auf einmal. (siehe: The good, the bad and the ugly)
    »Caldor-Bursche. Energiefeld aus. Jetzt! Und dann besorg deinem Bodyguard einen Trauma-Doc. Der war nämlich jede Summe wert, die Du Geizkragen ihm garantiert nicht bezahlt hast.«
    Der Buchmacher zögert kurz, als er meine patentiert hochgezogene Augenbraue sieht:
    Im Ernst? Willst Du es wirklich, wirklich wissen?
    Er will nicht. Das Energiefeld bricht zischend zusammen und Steingesicht schaut ungläubig in meine Richtung. Ich fürchte, er ist geistig so unbeweglich wie der Fels, aus dem er angeblich geboren wurde. Der Robo-Panter schleicht heran und setzt sich neben mich, als wäre er tatsächlich mein tagtäglicher Begleiter. Fehlt nur noch, dass er schnurrend seinen Kopf gegen mein Bein schmust.
    Der Rockanar ballt seine Fäuste, nimmt mich sichtlich ins Visier und ich komme mir vor, wie weiland eine Torera. Der Steinklops bringt sicher eine halbe Tonne auf die Waage und ich bin mir gar nicht sicher, ob Energiewaffen viel gegen ihn ausrichten.
    »Nicht, Du Narr!«
    Hilfe kommt von unerwarteter Seite. Der Blutbär ist aufgestanden, die Hände immer noch deutlich vom Körper weghaltend.
    »Erkennt hier etwa keiner Ryu Tan, die rote Drachin? Bisher hat sie doch nur herumgealbert. Wollt Ihr wirklich, dass sie anfängt, hier alles niederzumachen?«
    Also echt jetzt. Ich bin im Grunde meines Herzens friedfertig. Solche Unterstellungen tun mir auch weh?
    Den Rest der Leute scheinen sie aber auch zu schmerzen, oder daran zu erinnern, wie sehr sie schmerzen könnten. Mit erhobenen Händen, heimlich erhobenen Daumen und vielsagendem Blinzeln und dem unvermeidlichen Gemecker, verstreut sich die Wettgemeinschaft. Den Caldoren sehe ich betont unauffällig durch den Hinterausgang verschwinden. Ich bin gespannt, wann der erste Wetter auf die Idee kommt, seinen Wetteinsatz wiederhaben zu wollen.

    Ich stelle mich an die Bar neben den Blutbären. »Eine auf vier Grad gekühlte Cervisia für mich und für ihn, was immer er möchte«, lade ich den Söldner ein.
    Der NOID setzt sich erstaunlich geübt auf den Hocker neben mich. Auf den ersten Blick sieht er nach Katze aus, aber es steckt wohl viel von einem Affen in ihm.
    »Na, Drachin?« Sein Sprachprozessor lässt ihn weiblich klingen, zumindest für meine Ohren. »Gibst Du Deiner … Pussy … einen oder zwei Energiewürfel aus? Als sie mich geschnappt haben, haben sie mich wochenlang ohne Nahrung in einer Hochsicherheitsbox transportiert.«
    Der Söldner hustet heftig und seine Augen tränen, aber zu seinem Glück lacht er nicht.
    Jetzt, wo er den Helm abgelegt hat, sehe ich, dass er einer dieser Leoniden ist - die Spezies, nicht der Kometenschauer. Die Löwenmähne passt zu einem gar nicht hässlichen Gesicht, auch wenn die Zähne etwas lang, ziemlich dolchartig und die Augen etwas löwisch sind. Nein, ganz und gar nicht hässlich.
    Ich ordere mit einer Geste zwei Energiewürfel für meine P… anterfreundin.
    »Danke. Auch für meine Befreiung. Nenn mich Chan, und falls es Dir recht ist, werde ich Dich eine Weile begleiten. Ich schulde Dir etwas.«
    Ich nicke zustimmend.
    Und da sind wir auf einmal zwei. Unverhofft und so weiter.
    »Sergeant Igoldid Bubesi« Der Söldner reicht mir die Hand, ein Zeichen, dass er Menschen kennt. So gut wie keine andere Spezies ist so irre, die bloße Hand in die Klaue eines möglicherweise feindlichen Fremden zu legen. »Ich bräuchte eine Mitfluggelegenheit. Dann ein zusätzliches Paar Augen und Ohren und vielleicht additive Feuerkraft für einen Job, der selbst der Ehre der Roten Drachin genügen sollte.«
    Ich mustere ihn noch einmal und was ich sehe, gefällt mir zunehmend besser. Dann lächle ich:
    »Sag mir einfach, um was es geht, und dann besprechen wir die Modalitäten.«
    Seine goldenen Löwenaugen suchen meine blaugrünen Menschenaugen.
    Ich würde glatt 200 Creds verwetten, wir denken im Moment an ganz ähnliche Modalitäten.


    II.

    Igoldid ist ein Mann schneller Entschlüsse und natürlich brennt ihm die Zeit unter den Krallen.
    »Sie sind seit über einer Woche überfällig für ihren letzten Meldetermin. Die letzten beiden haben sie bereits verpasst und daher weiß ich nur von den ersten beiden Meldungen, dass sie den Raum der Satains erreicht haben und den geplanten Schleichkurs nach Alkawan eingeschlagen haben. Die ersten beiden Tage hatten sie keinen Kontakt zu irgendwem, weswegen sie ja auch sämtliche Handelsrouten und Grenzpatrouillen gemieden haben. Seitdem, nichts mehr. Weder eine Hinweis auf Funkstille noch auf Feindkontakt.«
    Der Leonide trägt die große Transportkiste, die Rüstung, Waffen und Hilfsmittel smart gepackt beinhaltet auf der Schulter, als wäre es nur ein Reisekoffer mit Urlaubsklamotten. Eigentlich habe ich wenig übrig für Kraftmaierei, aber der Sergeant tut einfach, was er immer tut. Da ist keine Angeberei im Spiel, einfach nur selbstverständliche Stärke. Ich bin durch meine Augments selbst nicht gerade schwach, aber für was gibt es denn Transportgleiter?
    »Gut, aber was meinst Du? Haben sie Deine Leute erwischt, ohne dass sie einen Notruf absetzen konnten? Immerhin hattet ihr ja einen Fernaufklärer in imperialer Militärqualität. Ich dachte immer, die können sogar Gravitationswellen von einem Flohhusten am anderen Ende der Galaxis wahrnehmen?«
    Er lacht. »Vielleicht nicht ganz das, aber ja, keine Schiffe, die ihnen gefährlich werden können, sollten sich an sie heranschleichen können und wenn man nicht gerade Jump-Racer als Jäger annimmt, sollten sie immer in der Lage sein, einen erfolgreichen Rückzug durchzuführen.«
    »Also nehmen wir an, sie kamen auf Alkawan an und sind dort verschollen?«
    Er nickt nachdenklich. »Das ist der naheliegende Schluss.«
    Wir gehen einige Dutzend Schritte stumm nebeneinander, aufmerksam beobachtet von den Mechanikern, Crewmitgliedern und Sicherheitskräften des Spaceports. Ein zwei Meter großer und anderthalb Meter breiter Löwenmann und ein NOID-Panter sind ja schon Grund genug, um alarmiert zu sein. Aber eine Irre in Rot, die wahrscheinlich bereits wegen Totschlag gesucht wurde, bis die Datenbanken einen fetten roten Balken auf dem Schirm zeigten und das Siegel der Kaiserin den Haftbefehl zurückgepfiffen hat, das sollte auch den gechilltesten Securityposten in Panik versetzen. Also ich würde uns jedenfalls sehr genau im Auge behalten und beten, dass wir so bald wie möglich abfliegen. Vielleicht sollte ich wenigstens in den Kernwelten die Drachenfiebel tragen, damit jedem, der sie kennt klar ist, wer vor ihm steht. Andererseits sind wir derzeit gerade mal drei imperiale Drachen. Ryu Midori, die grüne Drachin weilt bei Hofe und lässt sich dort den Hintern pudern, ganz wie es sich für eine Hochadlige wohl gehört und Ryu Ao, der Blaue, befriedet mal wieder irgend einen Aufstand. One Riot, one Ryu, (AdA: Ein Aufstand, ein Drache – angeblich früher das inoffizielle Motto der Texas Ranger) wie er doch tatsächlich meinen witzig gemeinten Ausspruch zu seinem Motto gemacht hat. Als Ritter alter Schule braucht er das wohl für sein Ego. Ich hingegen suche noch nach meiner Bestimmung. Gut, das ist nicht wahr, aber ich tue mein Bestes, es so aussehen zu lassen. Niemand hat Angst vor einer Herumtreiberin, richtig? Und wer weiß schon was das Siegel einer Ryu ist.
    Chan rempelt mich verspielt an und wirft einen kurzen, aber warnenden Blick zu einer großen Halle, bestimmt zweihundert Meter von uns entfernt.
    Ich nutze meine Augments, um einen auf Falkenauge zu machen. Leider kann ich anders als ein Falke, nicht ständig damit herumlaufen. Ich würde zwar die Haare auf einem Fliegenbein in hundert Metern Entfernung zählen können, aber gnadenlos über jede Bodenwelle vor meiner Nase stolpern. Augmentiert ist eben nicht natürlich.
    »Du denkst das aber nicht.« Feststellung.
    Er nickt langsam. »Gut beobachtet. Was hat mich verraten?«
    Ich strecke mich gähnend und schaue unauffällig zur Hangartür der Privathalle. Man braucht eine Menge Creds und Einfluss, um im Kern überhaupt in die Nähe von so etwas zu kommen. Oder ein Siegel der Kaiserin. Da ich aber hier meines Wissens die Einzige bin …
    »Deckung!«, sage ich leise, aber bestimmt, und sprinte hinter einen Schwerlastheber.
    Der Leonide zeigt, warum die Blutbären zu den Besten der Besten gehören und fackelt ebenfalls nicht lange. Er lässt seine Transportbox neben einem Terminal für Schmiermittel fallen und öffnet sie, kaum, dass sie Bodenkontakt hat.
    Ich ziehe im Laufen meine beiden B&Ts und gebe vier schnelle Feuerstöße auf den Spalt des Hangartors ab. Die kleinen Explosionen der APDS bringen sogar den Heckenschützen aus dem Konzept, der dort auf uns angelegt hat. Vielleicht schlägt sogar eine durch. Von wegen panzerbrechend und so. Hoffen darf man ja.
    Jedenfalls ist sein Plasmabolzen viel zu hoch angesetzt oder er hat ordentlich verrissen.
    Ich hechte hinter den Lader und sehe, wie da ,wo ich gerade noch stand, ein Plasmabolzen den Dureton kurzfristig in Treibbeton verwandelt. Leider kann ich mir weitere Schüsse sparen. Auf 200 Meter sind meine D&Ts mit der APDS viel zu ungenau und der Impulslaser verliert zu sehr an Leistung.
    Zeit, für eine weitere kleine Waffenkunde?
    Laserstrahlen divergieren mit zunehmender Entfernung, was in etwa heißt, dass sie auseinanderfasern und so die Energie wie eine Schrotflinte streuen. Lichtbrechungseffekte wie Staub oder Wasserdampf schlucken nochmal fett Leistung. Als Prinzip kann man die Intensitätsabnahme mit dem Quadrat der Entfernung annehmen, insbesondere über große Strecken und für meine, doch sehr handlichen D&Ts, sind zweihundert Meter auf einem Planeten mit atembarem Gasgemisch schon eine ordentliche Distanz.
    Waffenkundelektion beendet.
    Ich schaue zum Leoniden, der seine eigene Plasmaspritze fertigmacht, aber der Schütze im Hangar hat inzwischen gerafft, dass ich ihm ungefähr gar nichts kann und nimmt den Sergeant unter Beschuss und verhindert so, dass er in Ruhe seine PLR-104 zusammenschrauben kann. Kaum zu glauben, aber in Kernwelten ist es streng untersagt, zusammengebaute Minihaubitzen mit sich herumzutragen. Ich meine, ich dürfte das … vielleicht, mal nachfragen. Ich hab‘s nur nicht so sehr mit Langwaffen. Einfach zu lang, um bequem zu sein.
    »Iggy?«
    Ich kann förmlich spüren, wie mich seine Blicke durch zwei Sichtbarrieren aufspießen.
    »Ich hol mal die schwere Artillerie. Mach Dich so klein wie möglich, schütze deine Ohren und Deine Augen.«
    »Du holst was, bitte? Woher denn?«
    Ich kann verstehen, dass er zweifelt. Immerhin sitzen wir auf hunderte Meter in alle Richtungen auf dem Präsentierteller, und weit und breit keine Hilfe in Sicht. Tja, nun nicht in Sicht. Nur mit dem weit und breit, das ist relativ.
    Ich taste nach einer der scheinbaren Schmucknieten am Gürtel und aktiviere so die Funkverbindung.
    »Tan an Redwing, Süße, ich hoffe, Du bist wach. Wir könnten hier Deinen heißen Atem brauchen.«
    Die meisten, nein, eigentlich alle denken, man wird zum Ryu, indem man einen Sternendrachen getötet hat. Was keiner wissen muss: Das genaue Gegenteil ist der Fall. Auch wenn bei mir sogar dieser höchst seltene Sonderfall, höchst superspeziell ist. Normal kann ja … Ao und Midori. Jeder zu sagen, wäre jetzt echt gemein.
    »Drake of Prey im Anflug. Dieses Satainmännchen in der Halle ist mein Ziel?«
    Ah, ein Satain. Gut zu wissen: »Genau, Sis, blas ihn bitte weg.«
    Die Luft über uns kommt in Bewegung und vereinzelte, aber kräftige Wirbel zwingen mich dazu, mich am Lastenheber festzuklammern.
    Ich höre Igoldid überrascht aufschreien. Ich wette, er hat gerade tief in sich, das kleine, sehr menschliche Mädchen entdeckt, das jetzt schreiend weglaufen will.
    Vom Himmel senkt sich ein roter Schatten, der aus dem Nichts zu kommen scheint. Natürlich kommen die Luftwirbel nicht irgendwoher und Tarnung im Weltraum ist nicht gleich Tarnung in der Atmosphäre. Ich wette aber trotzdem 10 Creds, dass auch der tapfere Blutbärensergeant jetzt etwas Angstpippi in der Hose hat. Zu Recht!
    Wären hier in dieser galaktischen Ecke irgendwelche anderen Trekkies außer mir, würde der Vergleich zu einem der kleinen klingonischen Raubvögel sofort auffallen. Andere würden Ähnlichkeiten zu dem Shuttle von Earth, the Final Conflict oder zur Andromeda Ascendent und weitere Anleihen zu anderen Raumschiffen erkennen. Da die Erde ja nicht wirklich Raumfahrt hatte, musste ich mich beim Design irgendwo bedienen und Red, meine Drachenfreundin, sollte eine Rüstung haben, die ihrer auch würdig ist.
    Mit einer Länge von 78 Metern, einer Breite von 96 Metern und 5 Decks, ist die Drake nicht gerade eine Riesin, aber was ihr an Größe fehlt, macht sie durch ihr furchteinflößendes Raubvogel oder Drachendesign mehr als wett.
    Als sie sich eindreht, schwingen sechs der acht Geschütze ins Ziel.
    »Oh, Scheiße, Sis, doch nic …«
    In einem spektakulären Feuerball, den man sicher noch auf dem nächsten Spaceport in 300 km Entfernung sieht, stirbt der Luxushangar einen schnellen, aber sehr endgültigen Feuertod, als vier Hochleistungspulslaser und zwei schwere Plasmakanonen einen Satainattentäter, vermutlich auf subatomare Teilchengröße zusammenschießen.
    Nungut, wenigstens hat sie keine Torpedos oder die Gausgatlings benutzt. Dann müssten wir nämlich einen neuen Spaceport bauen … und dazu gleich eine neue Raumhafen-Siedlung.
    Als ob Redwing es nachträglich einfällt, spielt sie über die Außenlautsprecher: Highway to the Dangerzone ab. Zum Glück für unser Gehör nur ein paar Zeilen.
    »Oh, Mann. Wie soll ich das nur Susu erklären?«, seufze ich ganz leise. Suzurika Ezmerial die Vierte ist gerade unsre hochverehrte und allermajestätiglichste, unsterbliche und wiedergeborene Kaiserin und meine Freundin Susu in Personalunion. Wobei ich vermute, das mit der Freundschaft könnte sich gerade hier und jetzt eher schwieriger gestallten.
    Iggy kommt angelaufen, sichtlich noch mit seinem inneren Gleichgewicht kämpfend, ob physisch oder psychisch, überlasse ich ausnahmsweise ganz ihm.
    »Ryu, alles ok?«
    Ich erhebe mich und schnippe demonstrativ etwas Staub von der Schulter, obwohl ich natürlich vollkörpergepudert bin, von dem ganzen Staub, der sich gerade und wohl noch die nächste Stunde hier wieder senkt. »Klar. Iggy, darf ich vorstellen: Redwing, rote Drachin meines Vertrauens, Partnerin, Freundin, Familie und Hauptbewohnerin der Drake of Prey. Red, ich stelle vor, Igoldid Bubesi, Sergeant der Blutbären und unser neustes temporäres Crewmitglied.«
    Die Raubdrache setzt so sanft auf, dass ich nicht mal eine leichte Erschütterung fühle. Als der Drachenkopf sein Maul öffnet und so die Zugangsrampe ausfährt, taucht schließlich auch Chan wieder auf. Das kluge Robo-Panter-Mädchen hatte sich erstmal verdünnisiert, als die Lage chaotisch wurde.
    »Oh und das ist Chan, unsre neuste Partnerin und ständiges Crewmitglied, bis auf Weiteres jedenfalls.«
    Ich lasse den Sergeant und den Panter mit offenen Mäulern langsam die Rampe hochgehen, schnappe mir Iggys PLR-104 und zerre seine Transportbox hinter mir her, bis ich an der Rampe ankomme. Ein schmales Transportband an der rechten Seite bietet gerade genug Platz meine Ladung dort abzugeben. Diese Schlepperei ist echt nichts für mich.
    Ich schaue mich ein letztes Mal um und höre die Sirenen mehr, als dass ich durch den Staub die Gleiter und Rettungsfahrzeuge sehen kann.
    »Platz da! Sitz suchen und anschnallen!«
    Ich drängle mich vorbei und während Red die Rampe wieder einfährt, schlüpfe ich auf den Pilotensitz.
    »Sis, Alarmstart. Blos weg hier.«
    »Droht uns Gefahr?«, ertönt die sanfte Stimme der Drachin in unseren Köpfen. Jetzt, wo wir ihren Nervenbahnen so nahe sind, kann sie telepathisch kommunizieren. Funk hasst sie und nutzt ihn nur, wenn es nicht anders geht.
    »Gefahr? Ja, nein, keine Ahnung. Aber ich will weg sein, bevor Susu uns anfunkt und mit ihrer Herrscherstimme befielt, dass wir stillhalten müssen, bis sie uns den Arsch aufreißen kann …«
    Igoldid hat sich schon einen der vier restlichen Plätze gesichert. Witziger Weise die Waffenstation. Ob er sich dessen bewusst ist?
    »Und ab die Post!«
    Ich gebe meine KI-erstellte Version eines anderen unsterblichen Königs auf die Lautsprecher, innen wie außen. Sollen ja alle was von haben:
    Let's rock. Everybody, let's rock.
    Everybody in the whole cell block.
    Let‘s dancin' to the Jailhouse Rock.
    Sollte Susu uns noch erwischen, könnte uns das durchaus blühen …, zumindest mir, weil ja immer ich Schuld habe.
    Dabei bin ich so friedfertig.

    Ab sich simples SciFa ein kleines Bisschen im Style von Captain Future oder erinnert mich an eine Jugendbuchreihe, die ich vor Ewigkeiten Mal gelesen hatte. Zwei Menschen (Blonder Mann, Schwarzhaarige Frau natürlich), ein Entenwesen ein Energiewirbelwesen ... komme leider nicht mehr auf den Titel. Jedenfalls locker ein leicht zu lesen, an sich wohl auch eher an die Jugend gerichtet, aber hey, ich bin auch ein Kindskopf geblieben, 7 von 8 Ex-Freundinnen können das bestätigen ^^
    Was ich sonst von ihm kenne, ist ähnlich unterhaltsam, aber die ganz großen Gefühle und inneren Einsichten muss da da nicht suchen, will er aber wohl auch nicht vermitteln. Auch Wortwitz oder gesellschaftliche Seitenhiebe ist nicht unbedingt zu erwarten. Dennoch ist er auf meiner Abo-Liste. Es kann eben nicht jeden Tag ein Ivan Ertlov, ein Sklyer Ramirez, ein Forbes oder [hier Lieblingsautor einfügen] veröffentlicht werden.


    Dane Rahlmeyer (deutscher Autor btw) ist auch durch

    bekannt.
    Zudem, und da kam ich auf diese Reihe, gibt's zu Captain, sorry, Rick Future eine Hörspielreihe, sogar frei verfügbar auf Youtube (soweit ich gesehen habe)
    https://www.youtube.com/results?search_query=rick+future+1
    Ob die Hörspiele mit den Romanen deckungsgleich sind, weiß ich nicht, meine aber, sie haben dieselben Titel.
    Werde Morgen unterwegs mal reinhören, obwohl ich nicht mehr so der große Hörspielfreund bin.

    Rick Future, Autor: Dane Rahlmeyer, bisher Band 1-5, je 12 Euro oder Kindle Unlimited

    Old Henry führt mit einer Sicherheit, die nur ein Einheimischer haben kann.
    Meine Blitze umhüllen mich wie eine Energieschicht und mein ganzer Körper steht unter Hochspannung. Ich kann es kaum erwarten, die Baumgrenze zu erreichen und mich auszubreiten. Es ist lange her, fast zu lange. Kaum kann ich den Instinkt unterdrücken und ein wildes Knurren entfährt mir wider Willen. Old Henry knurrt fast ebenso wild von vorne zurück.
    Ja, ich bin ja schon leise. Seit wann lässt sich meine Art eigentlich von Werbären herumkommandieren? Aber ich habe ja beschlossen, dass ich den Alten mag. Also kein Zwischensnack, um mich abzureagieren.
    Endlich erreichen wir die Waldgrenze und schauen auf einen halb abgetragenen Berg. Ein Steinbruch, nennen das die Menschen wohl, obwohl es eher wie eine klaffende Wunde in einem Berghang aussieht, der schon alt war, als die haarlosen Affen in diesem Teil der Welt aufgetaucht sind. Meine Wut erwacht. Diese alte Wut, auf diese winzigen, unbedeutenden, wimmeligen Parasiten, die diese Welt behandeln, als hätten sie noch eine weitere irgendwo auf Lager. Aber dann denke ich an meine Mentorin, an Wolfen, an die vielen anderen kleinen wimmeligen Wesen, die lieben lernte, ein Gefühl, dass nur in diesem menschlichen Körper möglich ist. Ich fühle Trauer, dass ich es verlieren könnte, und fühle noch mehr Wut auf diejenigen, die mich dazu zwingen.
    Ich laufe auf Old Henrys dicken, pelzigen Hintern auf. Ich muss meine Wut zügeln. Noch bin ich winzig und verwundbar.
    »Was?«
    Er knurrt leise und deutet mit der Nase auf eine kleine Gestalt, die von vielen anderen, ekelerregenden Aberrationen der Natur gejagt wird. Nein, gejagt ist das falsche Wort. Sie bestimmt das Tempo, sorgt dafür, dass man sie nicht aus den Augen verliert. Die Frau führt die Horde in die Berge. Weg von den kleinen Menschen in ihren kleinen, zerbrechlichen Hüllen.
    »Eine Kriegerin.«, stelle ich fest. Ich sehe mit meiner magischen Sicht und erstarre. In Ehrfurcht.
    »Ein Uralter. Ein Erster.«
    Old Henry legt den Kopf zur Seite und sieht so verwirrt aus, wie ich mich fühle.
    »Diese Verdrehungen alles Lebens. Hetzen. Einen. Uralten!«
    Warum der Uralte sie nicht einfach selbst in Sekundenschnelle vernichtet, wage ich gar nicht laut zu denken. Ein Uralter hat immer Gründe.
    Da wird es mir klar. Deswegen bin ich hier. Deswegen ist alles das passiert, was passiert ist. Viele kleine Puzzleteile, die nun ihren Platz finden.
    Ich lächle frei. Befreit. Erlöst.
    »Old Henry, die Frau da hinten. Kannst Du sie vor ihren Verfolgern erreichen und euch ein Versteck suchen? Tief in der Erde oder einen Höhle. Und mir ein Zeichen geben, wenn es soweit ist?«
    Der Bär setzt sich hin, hebt eine Pfote. Der Abschied.
    Ich hebe ebenfalls meine Hand, die bereits nur noch aus vier Fingern mit langen Krallen besteht.
    »Beeile Dich, mein Freund. Meine Wandlung beginnt bereits und wenn sie erst beendet ist, mag sein, ich erkenne nicht sofort Freund und Feind. Es ist eine Weile her.«
    Der Bär brummt verstehend und läuft los. Es sieht beinahe gemütlich aus, hoppelnd vielleicht, aber er bringt die Entfernung schneller zurück, als jeder menschliche Läufer. Immer wieder amüsant zu hören, wie man Geschichten von Jägern hört, die vor einem Bär davongelaufen sind. Nein, ihr Narren, ihr seid nicht davongelaufen. Der Bär ist euch einfach nicht weiter hinterhergerannt.
    Mein Hals wird lang, meine Kiefer vergrößern sich.
    Endlich. Als ob ich Verbände nach einer langen Genesungszeit loswerde. Meine Arme werden kräftiger, mein Körper breiter, robuster, größer.
    Die Welt wird kleiner, oder vielmehr schrumpft sie auf die richtige Größe. Meine Schwingen wachsen, spannen sich auf, fangen bereits die warme Luft vom Wald ein. Ah, mein Schwanz. Den habe ich am meisten vermisst. Kräftig und ein Allzweckwerkzeug.
    Am Ende bin ich gewandelt. Azurblau, Normalgroß und voller Blitze, die in meinem Inneren geboren werden und sich nach außen ausbreiten.
    Da höre ich eine Stimme. Eine tiefe wohltönende Glocke in meinem Geist. Meine Wut verschwindet und macht innerer Gelassenheit Platz.
    »Wir sind versteckt, gute Freundin. Ich freue mich, Dich wohlauf zu sehen.«
    Sonastroel. Mein Freund und Meister. Aber er klingt müde, angeschlagen.
    Wer war das? Niemand darf ihm etwas antun. Niemand!
    Meine Wut kehrt tausendfach verstärkt zurück.

    Ich erhebe mich in die Luft. Vergessen die Sorge, ich könnte nicht mehr wissen, wie es ist. Nichts habe ich vergessen. Gar nichts.
    Einige Flügelschläge bringen mich über die Horde der Verfolger. Inmitten der Horde ein Wagen mit einem Thron auf der Ladefläche. Ein lächerlicher Spielzeugkönig auf einem lächerlichen Spielzeugauto!
    Der König zeigt in meine Richtung, ruft Worte von jenseits dieser Welt.
    Eine einzelne Schuppe verwest und fällt ab. Nur die oberste eines Schuppenpanzers. War das schon alles?
    Na dann, jetzt ich!
    Ich entfessele meinen Zorn, erleichtert, wie er endlich wieder fließen kann. Sturm und Blitze gehen auf die Horde nieder. Felsen werden gesprengt und chaotisch hochgewirbelt. Mein erster Überflug hat die Horde erwischt und nur die größten und ihr König bewegen sich noch. Das Spielzeugauto hat sich erstaunlich gut gegen meine Blitze gehalten. Nur der Sturm und die Felsen haben es verbeult. Was immer das für eine Magie sein mag, die meine Blitze wie über einen Käfig abgeleitet haben mögen, sie ist mächtig.
    Der Zombikönig hebt noch einmal seinen Arm, aber mein Kettenblitzzauber reißt ihn und den großen verdorbener Bären auseinander. Wieder erschüttert der Sturm aus meinem Rachen die Region. Berghänge rutschen ab, Bäume knicken um und ein Geröllfeld verwandelt sich in chaotische Geschosse.
    Ich wende noch einmal, aber es ist nichts mehr übrig. Kein Leben, kein Untot, nur noch die Reinheit der Natur im Urzustand.
    Tief in einer Spalte fühle ich ein kleines, altes Leben. Ich erkenne es als einen Freund an. Seit wann habe ich Winzlinge als Freunde? Und da ist der Uralte. Aber er ist nicht allein. Ein anderer Geist, der einer mir bekannten Kriegerin umhüllt ihn, schützend, sorgsam wie eine Mutter ihr Ei.
    Ich lande in der Nähe. Behutsam lege ich den Spalt frei, den meine Wut verschüttet hat. So winzige Wesen hätten bestimmt Schwierigkeiten herauszukommen. Nicht der Uralte, das steht fest. Aber ihm geht es nicht gut.
    Wieder kommt die Wut in mir hoch. Was kann passiert sein, dass mein Freund und Meister so verletzt ist?
    Ich brülle laut auf und erhebe mich in die Lüfte.
    Ich muss nachdenken, sehen und hören. Und wenn ich den Schuldigen finde, wird er erfahren, was es bedeutet, dass die Azurne zurück ist und ihren Platz an den Himmeln wieder einnimmt.

    Der tiefe Schnee macht uns das Vorankommen nicht einfach. Kurz überlege ich, ob ich uns mit Beasts Hilfe etwas leichter über den Schnee helfe, als wir erneut die rufe hören. Sie klingen als ob sie aus einem Schacht kämen.
    Wir verdoppeln unsre Anstrengungen und die Rufe werden deutlicher.
    »Hört uns jemand. Bitte, holt uns raus!«
    »Da vorne.« Mandy winkt aufgeregt und will los spurten.
    »Langsam. Wenn die alleine rauskämen, wären sie es schon. Warum sie aber so nahe an der Straße unterbringen?«
    »Huh?«
    Ich reiche ihr meine Knarre. »Pass auf, Explosiv geladen. Wenn Dich die Polizei damit erwischt, ist I.C.E Dein kleinstes Problem. Du hast die Silberkugeln?«
    Sie nimmt meine Waffe und mustert sie, als ob sie jeden Moment in ihrer Hand hochgehen könnte.
    »Wieso hast Du sie mit so einem Teufelszeug geladen?«
    »War nicht ich, war Ella.«
    »Du sagtest doch, sie benutzt keine Waffen?«
    »Genau.«
    »Und trotzdem benutzt Du ihre Munition?«
    Ich grinse. »Besorg Dir eine eigene Ella, dann wirst Du solche Fragen bald nicht mehr stellen.«
    »Und was ist mit Dir?«
    »Ich gebe Dir Rückendeckung.« Ich ziehe meine beiden Krummdolche und lasse sie zweimal in der Hand kreisen. Alte Freunde, zuverlässig und tödlich, wie immer.«
    Mandy mustert mich aufmerksam. »Oh, mein Gott!?«
    »Nicht mal annähernd. Was ist denn?«
    »Du bist verliebt in Deine Messer!«
    »Bin ich nicht!«
    »Wohl.«
    »Bin ich n…« Lasse ich mich gerade ernsthaft wieder auf so eine kindische Diskussion ein? Mandy macht definitiv etwas mit einem. Bevor ich nicht weiß was, halte ich sie besser auf Abstand.
    »Hier nimm die Schaufel noch und geh zu den Kids. Wenn etwas auftaucht, was nicht ich bin, gib ihm zwei Schüsse Silber in die Brust. Wenn es danach noch Zicken macht, zwei Explosiv. Und falls es dann noch zappelt, Rückzug und amerikanisches Waffenfeuer.«
    »Amerikanisches?« Sie schaut verwirrt.
    »Ja. Einfach maximal viele Schüsse in minimaler Zeit auf den Gegner abgeben, bloß nicht zu genau zielen.«
    Sie lacht aber sieht an meinem Kopfschütteln, dass ich das ernst meine. »Ok, und Du hältst mir den Rücken frei?«
    »Den ersten Balrog halte ich auf jeden Fall auf. Beim nächsten? Denk an das amerikanische Schießen.«
    »Haha, Du bist ja sooo witzig.« Halb grinsend zieht sie los.
    Wenn die Gute wüsste, dass sie mein Köder ist, würde sie wohl weniger locker sein. Zeit, für meine neue Partnerin zu erkennen, was es heißt, an meiner Seite zu reisen.

    »Großer?« Ich greife nach Innen, um Beast zu erreichen, aber der ist schon dicht an der Oberfläche. Wir wittern es beide. Schon eine Weile. Wolfsgeruch und Verwesung, etwa gleich stark. Angesichts des Vampir-Möchtegern-Lich rechne ich schon die ganze Zeit mit so etwas. Das Problem mit Untoten ist, dass man sie nur durch pure Zerstörung vernichten kann, oder die Quelle ausschalten muss. Da ich die Quelle nicht kenne … gut, wenn Mandy nicht im Weg steht.
    »Ich habe das Gefühl, wir werden Sonastroel brauchen. Bist Du bereit?«
    Meine ganze Haut beginnt sich zu erhitzen, meine Glieder pulsieren vor Kraft und ich fühle das immer noch unvertraute Jucken unter den Schulterblättern.

    Ich trample scheinbar ungerührt einen großen Kreis im Schnee platt, als hätte ich alle Zeit der Welt. Meine Earbuds sind längst drin, aber ich warte noch, bis ich den ersten Partysong starte.
    Da hören wir das Knurren.
    Es sind nur drei von ihnen. Einer ist aber fast so schwer wie die beiden anderen zusammen und noch einmal die Hälfte größer. Meine scheinbare Ruhe lässt sie zögern und der große Wolf richtet sich auf und wechselt zu einer grotesken Hybridform. Mit Beasts Boost meiner Sinne, haut mich der Untotengeruch fast um. Habe ich früher auch so extrem unwürdig gemüffelt?
    Begleitet von seinen zwei Minions stapft er näher. Er sinkt tief in den Schnee ein. Er muss das Gewicht eines Kleinwagens haben.
    »Du wirst meinem Herrn dienen, es liegt an Dir, ob Deine Gestalt wie jetzt ist, oder ob du nur noch ein gebrochenes Stück Leichnam sein wirst.«
    Ich stelle mich mitten in den Kreis, drehe den Dolch in der Linken mit der Klinge nach unten.
    »Nettes Angebot. Gegenangebot. Du sagst mir, wer Dein Meister ist, wo ich ihn finde und ich beende sein Dasein und damit euer, für stolze Wölfe unwürdiges Dasein, als Haustiere eines Nekros.«
    Drei Augenpaare mustern mich und für eine Viertelsekunde habe ich Hoffnung, dass in den Kreaturen noch genug stolzer Wolf steckt, um mein durchaus ernstes Angebot anzunehmen. Einer meiner ältesten Freunde ist der Alpha des New Yorker Rudels. Keine Ahnung, wann ich zum Hundemenschen geworden bin, nasses Katzenfell müffelt doch deutlich weniger.
    Sie bewegen sich langsam, umzingeln mich. Wenigstens nehmen sie mich ernst.
    »Du wirst nicht entkommen. Niemand wird Dir zu Hilfe kommen. Akzeptiere Dein Schicksal.«
    Ich aktiviere meine Playlist. Ich erwarte Metal, oder etwas Poppiges. Stattdessen Jazz, Bluegrass.
    Ella! Warum folterst Du mich? Aber Biest gefällt es. Natürlich. Hätte ich mir denken können. Also wenn es nach blauem Gras riecht und wie blaues Gras klingt … ok, Kumpel. Du hast das Kommando.
    »Um mal einen fiktiven Watchman und Bruder im Geiste zu zitieren: Ihr denkt wohl, ich bin hier mit euch alleine? Ihr seid hier mit …«
    Sonastroel!
    Meine Glieder scheinen in Feuer zu stehen, etwas bricht aus meinem Rücken und lässt mit seiner Hitze den festen Schnee als Wasserdampf hochgehen. Eine gute Deckung gegen Sicht und Geruchssinn. Ahja, und das Wasser wird gleichzeitig geweiht, normalerweise kein erwähnenswerter Effekt, aber gerade heute …
    Dann greifen wir an. Zuerst den kleinen Wolf in meinem Rücken. Beast, vor Äonen als Sonastroel und aus dem himmlischen Heer geschasster Teilzeitpazifist bekannt, hat die Kontrolle. Ich bin nur Beifahrer, nicht völlig untätig, denn ich sehe die anderen Gegner, analysiere, sehe Schwächen, schätze Optionen ab, entwickle Plan B und C. Nicht meine Lieblingsrolle, aber ich habe Jahrhunderte lang vom Besten gelernt.
    Die rechte Klinge wird von heiligem Feuer erfüllt und ächzt unter der Last der Kraft in unserer Hand. »Mach ihn nicht kaputt!«, bitte ich meinen cälestrischen Seelenteilhaber.
    »Vertau‘ mir, hab einfach Spaß an der Show.«, ist seine viel zu lockere Antwort. Jetzt da er die Oberhand hat, ist unsre Kommunikation erstaunlich direkt. Er klingt irgendwie, als würde die Sache ein großer Spaß werden und unser Sieg wäre gar nicht zu vermeiden.
    Moment, klinge ICH etwa auch so?
    Beasts Lachen mischt sich in den ersten Hieb, der den kleinen Wolf nicht nur in Einzelteile zerlegt, sondern diese Einzelteile gleich noch abfackelt.
    Scheiße, Beast ist echt ein Biest.
    Pass auf, der Große!
    Wir springen hoch und schrauben uns in die Luft. Fünf, zehn, fünfzehn Meter, bevor wir in der Luft zum Stehen kommen, wie dereinst Michael Jordan, wenn er die Blockbemühungen der restlichen Liga unter sich mit heraushängender Zunge belächelte.
    Der Werwolfzombie springt und erreicht fast unsere Beine. Beast, hör auf herumzuspielen.
    Ich frage mich, wie oft er mich schon um dasselbe gebeten hat. Natürlich vergeblich. Wer nicht spielt hat keinen Spaß bei der Arbeit. Und wir sind beide viel zu alt, um etwas zu arbeiten, was uns keinen Spaß macht. Und wenn wir nur Teilzeit arbeiten wollen, dann tun wir sogar das!
    Beast stimmt mir aber zu. Zumal mein Körper seine cälestrische Erscheinung nur eine kleine Weile ohne Schäden verkraftet, ganz egal, wie genial Vince ihn damals entworfen hat.
    Wir breiten unsere Feuerflügel aus und wirbeln herum, während wir zu Boden sinken. Wir sind längst inmitten einer gewaltigen Dampfwolke und ohne Beast erweiterte Sinne wäre unsre Sichtweite bei Null. So erahne ich, dass der zweite kleine Wolf springt und von den Flügeln zwei, dreimal erwischt wird und in brennenden Scheiben in alle Richtungen gesprengt wird.
    Der Große hat sich geduckt und ist mit einem gewaltigen Sprung aus unsrer Reichweite entwischt.
    Wir landen und schauen uns um. Da zwischen den Bäumen. Der Zombie haut ab. Wer immer diese Zombies erschafft, gelingt es, ihnen ihre Klugheit zumindest bei manchen zu erhalten.
    Beast wirft uns in die Luft und der Schnee unter uns verpufft in Sekundenbruchteilen zu Wasserdampf und bietet uns eine Art Gleitkissen, auf dem wir dem großen Werzombie folgen. Bäume gehen in Flammen auf, verkohlen aber genauso schnell. Trotzdem bremst uns der Wald. Beast zieht hoch und wir verlassen das kleine Wäldchen, was auf einer Linie von dreihundert Metern einfach nur noch eine verkohle Feuerschneise ist.
    »Beast, piano, ja? Wir sind nicht im großen Endkampf am Ende der Tage. Wäre fein, wenn es danach noch etwas Welt gäbe in der man leben kann.«
    Ich fühle Bestürzung. Der Große hat gar keine Ahnung, was er anrichtet. Und er ist noch nicht mal aufgewärmt. Die Vision von ganzen verdrehten Städten, definitiv nicht menschlich, die er an der Seite Michaels im Tiefflug ausgelöscht hat, lässt mich ins Mark schaudern. Engels-PTBS? Ich wusste nicht mal, dass ich derart tiefe Gefühle überhaupt in mir habe.
    Wir verlieren rapide an Höhe, als er sich zurückzieht. »He, warte, landen wi …« Dann sitze ich wieder am Steuer. In einem halben Kilometer Höhe. Danke auch!
    Aber ich sehe den großen Wolf, wie er auf eine Ansammlung von Wägen in einem alten Steinbruch zu hetzt. Und ich sehe, viele, viele, viele …. Heilige Sch ...!?
    »Beast, komm sofort wieder hoch. Los?! Sonastroel?« Aber Beast ist einer Art Schockstarre. Es hat schon seinen Grund, warum seit Jahrhunderten nur den Copiloten macht. Ob es Seelenklempner für Engel gibt?
    Gut, dieser Tag ist so gut wie alle anderen zum Sterben. Oder zum Überleben.
    Ich breite meine Arme und Beine aus um meinen Fall zu steuern und als ich die Baumwipfel schon fast abbeißen kann, blinzle ich.
    Es ist nicht die beste Landung aller Zeiten, und dass ich wie ein nerviger deutscher Footblogger einen Baum umarmen muss, um meinen Vorwärtsimplus abzubremsen, ist auch nicht gerade meinem Stolz förderlich, aber ich bin einigermaßen heil … abgestützt.
    Obwohl ich weiß, was ich gesehen habe, gehe ich weiter. Bestimmt zwanzig, eher dreißig von diesen Untoten. Nicht nur Wölfe, auch Bären, Hirsche und normale Menschenzombies. Auf einer Art Thron sitzt wieder ein Typ in Robe mit einer Krone und dem Charm einer Speer-Fallgrube. Imitieren die eigentlich absichtlich Dungeons and Fury oder haben D&F es von denen?
    Am Rand des Waldes angekommen, sehe ich den Werzombiwolf vor mir. Ein Vorderbein ist nur noch ein verkohlter Stumpf, seine ganze Oberfläche ist wie von Säure verätzt und mit jedem stolpernden Schritt verliert er kleine Teile seines Körpers.
    »Gute Arbeit Beast«, versuche ich meinen traumatisierten Seelenpartner aufzubauen. »Ich sammle nur eben die Reste ein.«
    Ich blinzle und komme perfekt auf dem Rücken meine Feindes an. Ich versenke meine Dolche tief an beiden Seiten des Halses und reiße sie kreuzförmig hin und zurück. Ungläubig muss ich zugestehen, dass das wirklich ein harter Brocken im Sinne von stahlhart ist. Was immer der Nekro mit seinem Zombies macht, ich bin froh, dass Beast so gute Vorarbeit geleistet hat.
    Der Wolf richtet sich auf, versucht mich mit seinem verbliebenen Arm vom Rücken zu reißen, aber ich nehme das zum Anlass meine Krummdolche in seinen Oberarm zu stoßen. Dieselbe Schnitttechnik, die beim Kopf nur bedingt Wirkung zeigte, ist beim Schultergelenk wirksamer.
    Ich werde durch das wilde Herumwerfen des Wolfs abgeschüttelt und rolle durch den Schnee und richte mich wieder auf. Elegant und geschmeidig. Für die Galerie.
    Ohne Arme ist der Wolf ein leichtes Opfer. Ich zucke vor, schneide, weiche zurück. Trotz allem ist dieser Zombie unglaublich stabil und kämpft nicht mit dem Mut der Verzweiflung eines weidwunden Gegners, sondern überlegt und rational. Eigentlich meine Stärke. Fast beängstigend.
    Schließlich trenne ich das letzte Bein ab und mache mich bereit, den Kopf mit gezielten Stößen zu vernichten, da legt der Wolf den Kopf in den Nacken und das schaurigste Heulen aller Gruselschocker ever ertönt. Laut, widerhallend und alarmierend. Kacke!
    Während ich dem Heulen ein schnelles Ende setze, wacht die Horde am Steinbruch sichtlich auf.
    Kacke, Kacke!
    Mein erster Impuls ist, zu kämpfen. Das ist immer meine erste Wahl. Aber das sind richtig viele. Die beiden Bären kommen in etwa meinem Wolf zu meinen Füßen gleich. Und den hätte ich ohne Beasts Vorarbeit nicht so schnell erledigt.
    Zurück zum Auto geht auch nicht. Da finden sie Mandy und ich führe sie womöglich zu weiteren Opfern. Ich kann mir nicht helfen, aber das hier sieht mir nach einer Armee aus, mit Unteranführern, Spähern etc. Wenn die erstmal in Bewegung sind …
    Ich seufze und beginne zu laufen. Tiefer in die Wälder und in die Berge. Weg von Mandy, weg von Carters Springs. Wenn es mir gelingt sie einzeln oder kleinen Gruppen zu erwischen, habe ich eine gute Chance.
    Ja, kommt mir nur nach.
    Brav so.

    Wie man es schnell errät, es geht um eine Neuinterpretation der Arthus-Excalibur-Saga.
    In einem Isekai-Ansatz wird ein vom Schicksal und/oder schlechten Entscheidungen gebeutelter Kurierfahrer in Manchester zum Neuen Piloten eines alten Raumschiffs, gefunden, halb versunken im Stein, unter einem See in England.
    Die Galaxie, wo es dann hingeht, heißt Avalon, und man trifft (vermutlich) auf Lancelot und die Mentor-KI heißt Merlin.
    Die Oberbösewichtin (soweit bekannt) ist eine gewissen Halbschwester von Arthus namens Morgana ... also wer die Arthus-Sage kennt, wird nicht wahnsinnig überrascht. Aber es ist zumindest für mich immerhin ein erfrischender Ansatz und ich lese an sich eher weiter, weil ich wissen will, wer noch auftaucht und wie er dargestellt wird, als dass mich die Story selbst interessiert.
    Falls da nicht der große Twist kommt, kenne ich den Plot jetzt schon.

    Buch 1 von 3 (bisher)
    Military Science Fiction
    Erscheinungstermin 1. Januar 2026
    M.R.Forbes
    480 Seiten
    Hrsg: konnte ich nicht herausfinden
    18 Euro Taschenbuch bzw. Kindle Unlimited


    M.R.Forbes gehört tatsächlich zu meiner Leseliste, allein schon wegen

    derzeit 12 Bücher und eine kurzweilige Serie, die das Rad nicht neu erfindet und wer diese kennt, erahnt den Plot Raumschiff im Stein schnell. Forbes schreibt gerne Science Military und ich finde, das kann er auch gut. Entweder er hat begriffen, dass er damit gut verdienen kann, oder ist einfach der Schuster, der bei seinen Leisten bleibt. Ich jedenfalls bin ein Fan. Nicht im Sinne von Pratchett oder Ertlov, aber doch Fan genug, um ihn als Autor zu abonnieren.

    Die Thematik kommt mir sehr bekannt vor.
    Mein innerer Clown scharrt schon mit dem übergroßen Hufen.

    An ihrer breiten Hüfte glänzte „La Llorona“, die legendäre Pistole, geschmiedet aus einer Handvoll Sarg-Nägeln.

    Die Luchsin lehnte den Kopf in den Nacken und spuckte einen Sprühregen aus Alkohol hinauf in den Kronleuchter. Das Gebilde aus Hirschgeweihen ging in Flammen auf, und ein Regen aus brennendem Whisky ging wie das Jüngste Gericht auf die Banditen nieder.

    Die Mole-Brothers

    Bitte mehr davon. Mehr, mehr mehr!
    Für eine Handvoll Sargnägel.
    und
    für ein paar Sargnägel mehr!

    Für eine Handvoll Illusionen

    »Meine Herren. Eure Abzeichen!«
    Der Oberst-Marshall blickt mich und Lev ernst an.
    Wir haben Haltung angenommen und nehmen mit der zu erwartenden Zerknirschtheit unsre 12-Stars ab.
    »Wie konnte es nur soweit mit Euch beiden kommen. Ihr ward die Hoffnung der Grafschaft. Ausgerechnet ihr beiden.«
    Der alte Adlermann schaut zutiefst enttäuscht als er unsre Abzeichen entgegennimmt.
    »Aufgrund Eurer Verdienste, werdet Ihr lediglich aus dem 12-Stern-Marshall-Dienst entfernt. Eure Rechte und Privilegien werden Euch hiermit entzogen. Ich kann nur hoffen, dass es das wert war.«
    Wie in einem klingonischen Verbannungs-Ritual wenden nun die Anwesenden Zeugen uns ihre Rücken zu, bis uns nur noch der Oberst-Marshall ansieht. Als keiner es mehr sehen kann, formt er mit seinen Lippen „Danke, Viel Glück und gutes Gelingen. Die Götter segnen Euch.“ Laut sagt er dann: »Geht mir aus dem Augen und findet zurück auf den Pfad der Rechtschaffenheit. Sonst seien Euch die Götter gnädig.«

    Wir verlassen mit steifen Schritten und mühsam aufrechterhaltener Würde das Hauptquartier und treffen uns mit Vally im Himmlischen Bier.
    »Und? Wie war’s? Hat wenigstens einer ein Träne verdrückt?«
    Ich schmunzle, mich vorsichtig umsehend. Die ganze Scharade wäre ja echt nutzlos, wenn ich mich nun gehen lasse.
    Jinny, die kleine Rattenfrau sitzt in einer Ecke, weit weg von uns, und als ich zur ihr sehe, weist sie mit einem Blick auf zwei absolut durchschnittliche Luftschiffer. Ich stupse Lev mit dem Fuß an und zeige mit dem Finger auf dem Tisch in deren Richtung. Er nickt nur. Vermutlich hat er ihr Aftershave gerochen, was nicht hierher passt, oder sogar ein Gespräch belauscht. Wenn meine Geschichte irgendwann verfilmt wird, bekommt Lev ein Spin Off, dass zehnmal erfolgreicher wird, das ist mal sicher.
    »Dann sind wir jetzt endlich von euren dummen Regeln befreit und können das tun, was Korsaren nun mal tun?« Vally klingt so überzeugend, dass ich ihr das sogar für eine Sekunde erschrocken abkaufe. Bis sie mir einen Kuss aufdrückt und ins Ohr flüstert: »Wir haben zwei von denen es sicher ist und einen Wackelkandidaten in der Crew. Die haben es irgendwie geschafft, nicht zu den Prisencrews zu gehören.«
    Ich lache leise, als hätte sie mit mir geflirtet.
    »Bin mir nicht sicher, ob das für Lev und mich ganz das Richtige ist. Der Oberst-Marshall ist einfach zu pingelig. Aber Leute abmurksen, nur um an schnelle Dalleros zu kommen, das ist nicht unsere Art.«
    Vally rückt sichtlich von mir ab. Auch wenn ihr Fuß immer noch meinen Knöchel streichelt, muss es für alle Anderen so aussehen, als beginne unsere Partnerschaft bereits jetzt zu bröckeln.

    Nach einer Woche, in der Vally und ich den halben Tag damit zubringen, uns durch alle vier Decks zu streiten (und nachts extra intensiven Versöhnungssex zu haben), hat die rote Korsarin endgültig genug.
    »Mir reicht es jetzt mit Euch beiden. Wenn ihr nicht mehr mitziehen wollt, dann müsst ihr uns eben verlassen. Dieses Gemecker und das Querstellen bei der Auswahl der Kaperziele sollte doch mit Eurem Rauswurf Geschichte sein?«
    »Vally, Schatz. Überlege es Dir nochmal.«
    »Es hat sich ausgeschatzt. Vielleicht wird Euch klarwerden, wie sehr Ihr uns braucht, wenn Ihr mal eine Weile alleine unterwegs seid. Bei Tulip-Town nehmen wir Proviant auf und Ihr werdet von Bord gehen. Vielleicht sehen wir uns wieder und falls Ihr dann wieder bei Sinnen seid, mal sehen. Aber jetzt, packt Euren Krempel und verpisst Euch. Wenn Ihr noch an Bord seid, wenn wir ablegen, lernt ihr fliegen!« Dann stemmt sie ihre Hände in die Hüfte und lässt ein ärgerliches Schnauben hören.
    Valentina gehört eigentlich auf eine ganz große Bühne. Oder auf die Brücke der Voyager.

    Mit großem Sack und kleinem Pack betreten wir Tulip-Town.
    »Denkst Du, man hat es uns abgekauft, Boss?«
    Ich lache leise »Scheiße, Kumpel, ICH habe es uns beinahe abgekauft. Ich habe außerdem heute nacht Vally die Century überschrieben. Weiß ja keiner, wie es von hier aus weitergeht. Wir können ja schlecht am Hafen fragen, welche Familie die Fracht übergeben hat, ohne dass wir sofort auffliegen.«
    »Laut KGIA (königlich gräfliche Investigation Agentur), sind es zwei Familien, die dieses Grenznest beherrschen. Hundeartige und Katzenartige. Wie die Frieden halten können, ist mir ein Rätsel, Boss.«
    Ich schmunzle. »Egal, wie sie es bisher geschafft haben, ich denke, wir werden den Frieden mal etwas erschüttern.«
    »Du willst sie gegeneinander aufbringen?«
    »Wenn ich mir das so ansehe, reicht ein Streichholz und die ganze Stadt geht hoch, wie ein Pulverfass. Und alles nur für eine Handvoll Dalleros.«

    Wir sehen, wie zwei Wolftypen böse blickend an zwei mit Katzenohren vorbeigehen. Beide scheinen auf einer festen Patrouillenroute zu gehen.
    Wir halten an. »Hunde?«, frage ich.
    »Hunde, Boss.«
    »Du oder ich?«
    »Du, Dich hält man für harmloser«
    Das kommt daher, dass ich harmloser bin. Sage ich ihm aber nicht. Wissen wir ja beide.
    »Ok. Drei Minuten?«
    »Zwei reichen, hab schon meinen Platz. Und Boss? Sei nicht leichtsinnig.«
    »Wann war ich jemals leichtsinnig?«
    »Willst Du es chronologisch oder alphabetisch?«
    Wir grinsen einander an.
    »Nicht unser erstes Rodeo, Partner.«
    Ich halte ihm die Faust hin und er klopft ab. Unbemerkt, außer vielleicht von einem besoffenen Mino, der wohl darauf wartet, als Fracht-Packer einen Tages-Job zu bekommen, trennen wir uns.
    Dann hole ich meinen Waffengurt aus dem Seesack. Niemand mit etwas Hirn im Kopf, läuft bewaffnet auf einem Luftschiff herum. Je weniger irgendwo hängen bleiben kann, umso besser.
    Ich schnalle ihn links an. Meine schwächere Hand, aber ich will ja nicht zu gut aussehen. Und es ist echt schwer, schlechter auszusehen, als man ist, ohne dass es albern wirkt. Dann werfe ich mir einen Poncho über und packe den Seesack am Tragegurt. Gut, zwei Minuten sind um. Zeit, schlafende Hunde zu wecken.
    Langsam, mich genau umsehend, betrete ich die kleine Stadt, halte mich mitten auf der Straße, meinen Hut etwas tiefer ins Gesicht geschoben. Lev meint, mein Gang hätte etwas katzenartiges, wenn ich mich auf das Gewebe konzentriere. Wenn sie mich zuerst anmachen, wäre das von taktischem Vorteil.
    Also ändere ich meine Sicht und betrachte die Gegend.
    Der Wolf und der Hundemann, die von rechts in mein Blickfeld kommen, sind mit dem größten Haus der Stadt verbunden, ein dreistöckiges Gebäude, was den Eindruck eines Hotels oder Gasthaus erweckt, obwohl alle Anzeichen der Gastlichkeit verschwunden sind.
    Ganz am Horizont meines Sichtfelds mache ich eine Hazienda aus und dort sieht das Gewebe aus, als hätte ein Hai wütend ganze Stücke herausgerissen. Auch wenn ich sowas zum ersten mal sehen, gruselt mich der Anblick. Schnell wende ich meinen Blick ab und schaue mich wieder in der Nähe um.
    Ich sehe nur ganz wenige Leute, die es vermutlich nicht rechtzeitig aus Tulip-Town geschafft haben. Ein hagerer Kerl mit rauer Glatze und ewig langem Hals nickt mir interessiert zu. Sein Zylinder hat schon bessere Zeiten gesehen und sein Frack wirkt zerfleddert. Bis mir auffällt, dass das gar kein Frack ist. Das sind Federn. Ich halte an und schaue genauer hin. Ein Geiermann?
    »Noch nie einen Totengräber gesehen, Mann?« Seine Stimme klingt passend zur Figur, wie das Krächzten eines Todesvogels. Warum sehe ich dann nirgends Särge?
    »Keine Särge?«, frage ich daher.
    »Särge sind barbarisch. Wir bestatten in Urnen.«
    Und wieder was gelernt.
    Ich nicke höflich, sehe aber dann wie die beiden Männer anhalten. Ein Dritter kommt angelaufen und deutet auf mich. Sie reden kurz, und kommen auf mich zu. Seite an Seite, zwei, ihre Hände über Blitzern, ein Dritter verbirgt mehr schlecht als Recht ein magisches Funkeln in den Handfläche.
    Es geht los!

    Ich schaue zum Undertaker. »Mach drei Urnen einzugsfer …«, knurre ich in meiner besten Eastwood-Imitation. Aber es klingt sowohl von der Tonlage als vom Inhalt albern, also winke ich ab und schüttle traurig über mich den Kopf. Manchmal merkt man zum Glück, während man es ausspricht, was für ausgemachten Blödsinn man sagt.
    Dann muss es eben DiPalma-Style gehen, mit original eingemachtem Blödsinn. Und schon grinse ich wieder. Niedere Existenzform eben. Da machste nix.
    »Hallo, Jungs. Ihr seht aus, als hätte man Euch Euren Kauknochen geklaut?« Jep, ich hab‘s noch drauf! Definitiv rassistisch, auch nicht gerade originell, aber die große Klappe ist viel mehr mein Ding, als der schweigsame Fremde.
    Der Wolfmann scheint so etwas wie der Wortführer zu sein. Bei den Hunde/Wolfartigen scheint es noch etwas mehr eine Rangordnung zu geben, als bei normalen Gangs.
    Er knurrt ungefähr so, wie ich es vorhin versucht habe. Allein das nehme ich ihm schon übel.
    »Fremde sind hier nicht willkommen. Dreh um und versuch Dein Glück in der Wüste.«
    »Irgendwer hat mir mal gesagt, das hier wäre ein freies Land.« Ist ausgemachter Blödsinn, aber wenigstens ein bisschen will ich meine Film-Kenntnisse ins Gespräch einfließen lassen. Ich gebe zu, richtig gute Einzeiler fallen mir auch nicht immer auf die Schnelle ein, aber mein Action-Movie-Zitate-Wissen ist zu profund, um es ungenutzt zu lassen.
    Die drei schauen sich entsprechend ratlos an.
    »Wer erzählt denn so 'nen Scheiß?«
    Ich hasse es, wenn der Gegner sich nicht ans Skript hält. Also doch improvisieren.
    »Deine Mudda.« Ok, ich schäme mich. Ehrlich!
    Da hellen sich die ratlosen Minen wieder auf. Ich habe damit wohl ihr gewohntes Niveau genau getroffen. Wozu mache ich mir eigentlich immer die Mühe?
    »Niemand beleidigt meine Mutter ungestraft« Der Wolfsmann spannt seine Muskeln an.
    Sein Kumpel neben ihm fragt darauf treuherzig: »Aber Du hast selbst gesagt, dass Deine Mutter eine dumme Schlampe ist, die mit allem und jedem rumhu …«
    Der Hundemann bekommt einen kräftigen Schlag an den Hinterkopf. Ich und der letzte Gegner verbeißen uns mit aller Macht das Gelächter, ihm geht sogar die Magie in der Hand verloren. Ein echter Vollprofi!
    Scheiße, ich kann diese Jungs nicht einfach so wegputzen. Einer ist zu lieb und zu doof und der andere hat zu viel Humor, um sie einfach umzulegen. Und der letzte liebt seine Mutter, trotz ihrer … Unzulänglichkeiten.
    Scheiß auf den Plan.
    Ich heb meine Hände. »Ok, ok, Jungs. Das war ein schlechter Start. Eigentlich wollte ich einen oder euch alle umlegen, um Eurem Boss oder dem Boss der anderen Gang zu zeigen, was für ein scheißkrasser Jippijajey Motherfucker ich bin. Aber ihr seid wohl ziemlich in Ordnung. Und ganz unter uns, von harten Gangstern seid ihr meilenweit entfernt, no offense, just saying.«
    Ich trete einen Schritt auf sie zu, entspanne meine Haltung und siehe da, sie spiegeln mein Verhalten. Jep, sowas von keine Gangstergene, die Boys.
    »Wie wäre es, wenn ihr mich auf ein Bier einladet und mich eurem Boss vorstellt. Hab echt keinen Bock, so nette Kerle wie euch, bloß wegen eines Einstellungsgesprächs umzunieten.«
    »Du willst einen Job?« Der Wolfmann taut richtig auf. »Warum hast Du das nicht gleich gesagt?«
    Ich zucke die Schultern. Ja, warum nicht? Blöde Filmvorlagen, oder die Bösen sind auch nicht mehr das, was sie zu Hollywoods Zeiten mal waren. Oh illusiones, oh mores!
    »Sorry, hatte lange Zeit mit Piraten zu tun. Meine Manieren sind echt eingerostet.«
    »Ah, klar. Das erklärt alles. Komm mal mit. Erstmal ein paar Biere. Der Boss ist gerade nicht in der Stadt. Aber wir zeigen Dir schon mal, wie das hier so läuft.«
    Ich seufze und schließe mich den drei bellenden aber nicht beißenden Hunden an. Kann es wirklich so einfach sein?
    Ein Blick geht zum Gebäude auf dem Lev Stellung bezogen hat. Ich hebe kurz die Hände und zucke mit den Schultern. Mal sehen, wohin das führt.
    Ich folge den Dreien und sie steuern geradewegs das dreistöckige Gebäude an.
    »Wie heißt Du eigentlich?«
    Gute Frage. John Smith, oder der Freeeemde und seltsamerweise auch Deine Mudda toben wie kreischende Furien durch meinen Geist und ich bekomme selbst Angst vor mir. Die Jungs laden mich auf ein Bier ein und mein erster Impuls ist es, sie zu verarschen? Der Arsch bin ja wohl eher ich.
    »Pat.« Ich räuspere mich. Um die Furien völlig loszuwerden. »Hab noch einen Kumpel in der Gegend. Wenn es ok ist, stößt der nachher zu uns.«
    »Wes«, der Wolfmann rempelt mich kurz freundlich an und schaut zu der etwas trüben Kerze von Mann und dem Magier. »Das sind Timo, mein kleiner Bruder und Turk.«
    Ich musterte Timo, dann Wes. »Brüder?«, entfährt mir ungläubig.
    Wes lacht. »Kaum zu glauben, was? Nein, nicht derselbe Wurf. Ich bin bei Timos Familie früh untergekommen. Meine Mutter war nicht so der mütterliche Typ.«
    Hatte sich ja angedeutet, aber ich nicke nur verstehend und grunze männlich undifferenziert.
    Die Drei antworten mir mit Nicken und ähnlichem Grunzen. Wir verstehen uns.
    Als wir das alte Hotel betreten, bin ich erstaunt, kein Chaos vorzufinden. Ganz im Gegenteil, wurde auf die Lobby einige Mühe verwendet, sie mit Möbeln aus anderen Häusern gemütlich zu gestallten.
    Zwei weitere Männer mit Hundenasen und Wolfsaugen erscheinen. Einer mit einer Küchenschürze, der andere mit einem Stiefel und Putzzeug in der Hand.
    Und die wollte ich allen Ernstes platt machen? Ich fühle mich nun wirklich schlecht. Meine Zeit auf Piratenjagd hat wohl wirklich etwas mit mir gemacht. Muss dringend mit Lev mal drüber reden, obwohl der mit seinen Katzengenen eher in Freund und Feind, Jäger und Beute kategorisiert. Trotzdem, er kennt mich am Besten.
    »Das sind Kurt und Leinus.« Ich winke den beiden zu, die rufen beide ein paar freundliche Worte und verschwinden dann wieder.
    »Leinus ist unser Koch. Ist zwar schon ne Weile her, dass wir frisches Sachen bekommen haben, aber Du und Dein Kumpel könnt mitessen. Wo es für Fünf reicht, reicht es auch für Sieben.
    Ich muss grinsen. »Warte mit deiner Zuversicht, bis Du Lev kennenlernst, der isst für uns restliche Sechs. Aber wie muss ich das verstehen. Ihr seid knapp an Essen? Wie das?«
    Wir setzen uns an einem Tisch mit nur unterschiedlichen, aber gemütlichen Stühlen und Sesseln. Wie gesagt, die haben es sich hier nett eingerichtet. Auch ist es überall einigermaßen sauber. Da bekomme ich gleich nochmal ein schlechtes Gewissen.
    Mir wir Bier eingeschenkt und mir gelingt ein Blick auf das Etikett. Ich muss laut auflachen und deute darauf. »Das ist die mieseste Fälschung ... ok, nein, nicht miese, lustigste … die ich je gesehen habe.«
    Die Jungs grinsen und stoßen mit an. Aber gut schmeckt es trotzdem.
    »Die haben hier eine alte Druckerpresse und weil mir langweilig war, habe ich für die nackten Flaschen was entworfen.« Turk, der Zauberkundige grinst stolz und ich schaue mir das Machwerk nochmal genauer an.
    Altbierbacher Pissler. Und Zwei Mönche. Einer hält den Krug, der andere pinkelt ihm Bier hinein.
    Ich lache beim Trinken. Ja, definitiv meine Art von Humor.
    »Göttlich!« Und etwas Bier kommt mir tatsächlich aus der Nase.
    Zum Glück sind wir nicht auf einem zugefrorenen Teich, denn das Eis wird nun endgültig gebrochen.
    Wes erzählt mir während der kommenden Stunde, dass sie schon seit zwei Monaten auf die Rückkehr ihres Bosses und ihrer zwei Unteranführer warten, die zu einem Treffen mit den Lieferanten gegangen waren. Die betreiben hier ganz ordinären - obwohl das Zeug ist echt gut - also nicht ganz so ordinären Alkoholschmuggel. Früher haben sie noch die Leute in Tulip etwas rumgeschubbst, aber Wes und Turk, denen irgendwie das Kommando zugefallen ist, sind nicht einmal das, was man als Schulhoftyrannen bezeichnen könnte. Im Gegenteil besteht die Truppe aus einem fast ausgelerntem Koch, einem rausgeworfenen Hausdiener, einem abgehauenen Magie-Studenten und einem zu Unrecht des Diebstahl beschuldigter Cowboys. .. Kuhüte-Wolfs … ihr wisst schon und seinem jüngeren Bruder. Ja sowas ist der Stoff, aus dem knallharte Schwerverbrecher geschmiedet werden.
    Oder in diesem Fall, kuschelweiche Kleinganoven, gehäkelt.
    Ich will sie gerade zu ihrer Gangsterkarriere beglückwünschen oder bemitleiden, ich bin mir noch unsicher, als wir aus der Küche ein entsetztes Stottern hören:
    »Wes, Turk ….Tuuuuurk? Hier ist was drin ….«
    Wir stürzen förmlich zu der Großküche und mein Respekt vor Wes und Turk wächst sogleich an. Während die Anderen erstmal zurückweichen, schiebt Wes seinen Bruder hinter sich und greift zu seinem Blitzer. Ich nehme an, ihm ist klar, dass ihm das Spielzeug gar nichts bringt, aber zumindest vermittelt er seinem Rudel ein dringend benötigtes Gefühl von Sicherheit.
    Turk geht am Türeingang in Deckung und bereitet einen magischen Blitzschlag vor, die eigene Panik heldenhaft verdrängend.
    Ich hingegen, spaziere ungerührt in die Küche.
    »Hey, Kumpel. Wie ich sehe, hast Du Essen besorgt? Wie lange hörst Du unsre Gespräche schon mit?«
    Die fünf mehr oder weniger heldenhaften Beinahegangster schauen mich entsetzt an, wie locker ich mit diesem Säbelzahnalptraum aus der Hundehölle umgehe, der ein kopfloses rehartiges Tier mitten in der Küche, ganz gesittet auf die größte Anrichte abgelegt hat. Auch Lev mag sein Essen gerne ohne Steinchen und gegen Braten hat er sowieso nichts. Nur wenn jemand sein Fleisch garen will, da wird er pampig.
    Eine tiefe Stimme aus der Urzeit, als wir alle anderen noch nichts als verängstigte Beute waren, dringt aus dem Flusspferd großen Smilodon: »Bin gegangen, als klar war, dass ich nicht satt werden würde. Ist doch unter Wolfsköpfen nicht unüblich, was zum Essen mitzubringen?«
    Ich weiß, er versucht lustig zu sein, aber selbst in mir, tief drin, reißt das kleine Mädchen die Augen auf und schüttelt schnell den Kopf. Bring ruhig alles mit, was Du willst, aber friss bitte mich nicht!   
    Wes erweist sich als durchaus würdiger Anführer: »Nein, ganz im Gegenteil. Willkommen. Das da ist Leinus, unser Koch. Wenn Du aufhören könntest, Ihn zu Tode zu ängstigen, dann bereitet er uns garantiert ein Festmahl daraus. Garantiert!«
    Leinus nickt so eifrig, dass ihm das Kinn mehrfach gegen die Brust hämmert.
    Lev knurrt zufrieden und beginnt zu schrumpfen und zu schrumpfen und zu …, naja, kennt man ja inzwischen.
    Als er sich in humanoider Form erhebt und kurz in die Runde nickt, sammeln ein paar der Anwesenden ihre Unterkiefer vom Boden auf. Manchmal hat Lev diese Wirkung auf Menschen.
    »Gleich wieder da.« Und draußen ist er.
    »Das ist Lev, mein Kumpel. Hatte ihn vorhin erwähnt, erinnert Ihr Euch?« Ich schmunzle. »Wirklich, ich hatte keine Ahnung, dass er den ganz großen Auftritt hinlegt. Das ist so unser Ding, zwischen mir und ihm.«
    Turk lässt seine Magie wieder versiegen. »Euer Ding?«
    Ich gehe zurück in die Lobby. »Dem anderen die Show stehlen, wenn wir unter Freunden sind. Zugegeben, er gewinnt meistens.«
    Die Lacher sind noch einen Tick zu gezwungen, aber dass wir unter „Freunden“ sind, wird mehr oder weniger bewusst zur Kenntnis genommen. Ich bin mir sicher, dass die Jungs nun ganz sicherstellen werden, dass wir alle auch weiterhin Freunde bleiben. Ja, Lev und ich, wir haben diese Art Auftritt über die Jahre perfektioniert. Es tut gut, einen Partner zu haben. Noch besser, wenn er soviel wie ein Panzer wiegen und das Charisma einer taktischen Nuklearbombe haben kann.
    Als Lev sich schließlich, frisch gebadet und angezogen, zu uns gesellt, ist die Stimmung ziemlich ausgelassen. Mag sein, dass die Jungs auf den Schreck etwas schneller und mehr trinken als sonst. Und da sie eher von der netten Sorte sind, macht ihr Zustand sie eher lockerer als bissiger.

    »Die Sache ist die, Leute. Lev und ich sind aus einem ganz bestimmten Grund hier. Vielleicht könnt Ihr uns ja helfen?«
    Können sie.
    Wollen sie. Sogar viel lieber, als wir vermuten konnten.
    Manchmal ist es gut, zuerst zu reden und danach … die echten Bösen umzulegen.

    12 Bände, 1-3 sind auf Deutsch, am 26.02.26 soll Band 4 folgen
    Eine Art Jack Reacher, Mary Sue-Held (bzw Gary Stu ^^), aber im Action-Stil geschrieben und daher kurzweilig und leichte Kost. Mir als Autor fallen natürlich die vielen Copy-Paste-Action-Versatzstücke auf, aber bei den vielen Kampfszenen, braucht man schon den gewissen Ehrgeiz um jede einzelne einzigartig zu machen.

    Verlag: Runner House Books, London
    Im Deutschen 380 Seiten, im Englischen etwa 320 Seiten
    Kindle Unlimited oder 16 Euro als Taschenbuch

    Ist im Prinzip eine Art Stargate, was nicht weiter verwundert, hat Ertlov ja an Stargate mitgewirkt. Es ist bislang nicht mit Gesellschaftskritik und absurd witzigen Szenen gespickt, wie zum Beispiel die Stargazer-Reihe (sehr zu empfehlen) , aber er wollte mal eine "neue" Art SciFi-Fantasy versuchen und da wir ja meistens mit Humor und Weltsicht auf einer Wellenlänge liegen, gebe ich dem mal ne Chance. Geschrieben wie immer, solide auf Charaktere und deren Persönlichkeit bedacht.
    Ich würde es bisher vom Humor-Faktor mit seiner Doktor Death-Reihe vergleichen, aber ich steh noch am Anfang und es sind zu wenig Seiten, damit er seine große Stärke, die symphytischen und skurrilen Charaktere, groß ausbauen konnte.
    Edit: Bin jetzt bei 35% und es geht los mit den skurrilen Charakteren. Igor, z, B, hat zwei Tage nach dem 16. Geburtstag ein Kind mit seiner französischen Austauschlehrerin bekommen und hatte danach lange Schulterschmerzen. ... von den ganzen High-Fives seiner Kameraden ^^


    322 Seiten, 6.99 Euro oder Kindle Unlimited, Hrsg: Homegrown Games Australia

    Und noch einige Illusionen weiter

    Der Blitz schlug erneut ein und gleich noch einer. Und das in einem wunderschönen wolkenlosen Mittagshimmel. Morgenmond und Abendmond schauen über den Horizont und während Sorin, der Abendmond sich schnell vor dem Gemetzel davonmacht, scheint Surin neugierig aufzusteigen, um eine bessere Sicht zu haben.
    »Sie versuchen nun koordinierte Schläge. Endlich. Ich hätte mich nicht mehr lange als so unfähig, denen zu entwischen, darstellen können.«
    Kapitänin Valentina, meine rote Korsarin, grinst übers ganze Gesicht.
    »Bagbordseite, Steuerbordseite, Luftstacheln bereithalten. Zielen und Abschuss bei Treffsicherheit nach Kommando!«
    Jetzt hatten wir sie endlich da, wo Vally sie haben wollte. Die drei Piratenschiffe waren im Laufe der Luftschlacht immer näher gekommen, hatten eifrig versucht, den Haken und der scheinbaren Flucht der Century Eagle entgegenzusteuern.
    Beinahe hätte ich unsere Neuerwerbung doch „Millennium Falke genannt“, aber dann kam mir der Gedanke, dass es George L. durch einen dummen Zufall auf diese Welt verschlagen könnte. Klar, Eins zu einer Million, aber ich bin ja auch hier gelandet und wie hoch war die Chance wohl dafür? Und wenn ich eines nicht will, dann einen meiner wenigen geistigen Väter in die peinliche Lage zu bringen, bei Bedarf seinem Schiff nicht seinen Namen geben zu können. Genau deswegen schied ja auch Enterprise aus.
    Aber meine Jahrhundertadler hat sich selbst einen guten Namen gemacht. So gut, dass nun die Luftpiraten sich zusammenschließen, um uns zu jagen. Oder wie die Rote Vally es ausdrückt: Das Vieh kommt von selbst zur Schlachtbank.
    »Pat, wirst Du wieder Entermannschaft Zwei anführen?«
    Ich lächle meine schöne rotmilanartige Freundin an. Sie ähnelt ein wenig der Sorceress aus Master of the Universe. Und zu meinem Liebesglück hat sie keine Krallen und außer den sehr sexy Federn an Kopf, Rücken und Armen einen überaus menschenfraulichen Körperbau. Ok, Krallen hat sie schon auch …
    »Klar. Muss ich ja. Keiner traut sich sonst, den Blitzableiter zu halten.«
    Außer Lev, der Enterkommando Nummer Eins anführt.
    »Ich verstehe immer noch nicht, warum du die Rüstung von Sankt Ben Franklin nicht auch unseren Sturmbooten anlegen kannst.«
    Ich seufze und versuche ein weiteres Mal das zu erklären, vermutlich wie immer, ohne nachhaltige Wirkung. »Diese Rüstung habe ich doch nur so genannt, damit unsre Leute sich nicht eingesperrt fühlen. Eigentlich heißt sie Faradayscher Käfig. Aber einmal die Panik, unsrer tapferen aber einfach gestrickten Dumpfbacken, die während des Gewitters den Käfig aufschneiden, damit sie im Notfall raus können, hat mir gereicht. Die hätten uns mit dieser Aktion beinahe umgebracht. Der Kä … die Rüstung muss rundherum geschlossen sein und anfassen darf man sie auch nicht, sonst bekommt man ja die Macht der Blitze trotzdem ab. Und da unsre Jungs und Mädels nicht imstande sind, die gummierten Absprungstellen zu nutzen, können wir uns einen schweren Käfig um die Sturmboote sparen.«
    Ich habe inzwischen lernen müssen, dass die wenigstens Leute, sich für SWAT, die Navy Seals oder das A-Team eignen.
    Vally schaut auch schon leicht abwesend. Physik ist in dieser Welt einfach … Physik.
    »Du sagst also, die Magie wendet sich gegen uns, wenn wir die magische Rüstung berühren.«
    »Äh, ja, genau.« Was soll ich denn sonst sagen?
    »Und deswegen hast du die Reling und Luken für den Hangar anbringen lassen?«
    Nein, die habe ich anbringen lassen, weil uns schon drei Leute bei einem Sturm vom offenen Startdeck geweht wurden. Die Sicherheitsanweisung, „Wer sich nicht selbst genügend sichert, ist aus gutem Grund tot“, erscheint mir als verantwortlicher alter Erdling nicht ausreichend.
    »Ja, genau.« Was soll ich denn sonst sagen?
    Sie lächelt und bei dem Lächeln, ist mir völlig egal, wie physisch die Magie oder umkehrt ist. Ihr Lächeln ist mit Sicherheit magisch.
    »Die Rüstung war teuer und macht uns träge, aber damit werden wir sogar diese zwei Zerstörer und die Korvette bezwingen. Das wird eine reiche Prise. Schon eine Idee, was Du mit Deinem Anteil machen wirst?«
    Ihr vielversprechendes Lächeln lässt mich zurückgrinsen. »Ein größeres Bett für unsre Kabine kaufen.« Wir lachen beide. Dann gibt sie das Kommando.
    Die Century Eagle schießt genau zwischen der „böser Karnickel“ und „No’Sink“ durch, normalerweise der Tod jedes Luftschiffs unsrer geringen Größe. Die Blitzbatterien würden uns durch grillen und hilflos in der Luft treiben lassen. Aber durch den Drahtkäfig sind wir ja „magisch“ vor ihren Blitzen geschützt. Wenn unsere „Luftstacheln“ treffen, werden sie sogar ihr elektroblaues Wunder erleben. Falls Michi Faraday oder Benny Franklin eines Tages hier auftauchen, spendiere ich ihnen lebenslang Bier in einer Spelunke ihrer Wahl.
    »Stacheln schleudern!«
    Sechs Torsionsgeschütze auf beiden Seiten spucken ihre Ladung aus, übergroße Speere mit langen Drahtseilen, verbunden mit unserer „magischen Rüstung“.
    »Zwei Backbord, Vier Steuerbordtreffer!«, meldet der Erste Geschützmaat.
    »Maschinen aus, Hände weg von der Außenhaut. Sturmboote klarmachen!«
    Ich salutiere Valentina mit der Hand an der Stirn, ein witziger Brauch, den ich irgendwann anfangen habe und der sich bei der Mannschaft durchgesetzt hat. Normalerweise stampft man hier mit dem linken Fuß auf und hämmert sich mit Rechts an die Brust. Sehr unpraktisch auf einem bockenden Schiff und wenn man sich gerade an einer Waffe festhält.
    Das blaue Wunder geschieht. Zuerst beginnt der böse Karnickel zu treiben, dann verwandelt sich No‘Sink in Sinktwohl.
    Als die Korvette erkennt, dass wir mit einem einzigen Angriff ihre beiden größeren Begleitschiffe ausgeschaltet haben und nun entern, macht sie ihrem Namen „Freiheitssucher“ alle Ehre und nutzt ihre Schnelligkeit voll aus.
    Nun beginnt der Teil, den ich hasse: Die Suche und Exekution der überlebenden Piraten.

    »Marshall, wir haben in der Kapitänskajüte etwas gefunden, was Dich interessieren dürfte. Du suchst doch nach bestimmten Frachtlisten …?«
    Im zunehmend lauter werdenden Jubel der Mannschaft eile ich dorthin. Die Jungs und Mädels beginnen inzwischen zu tanzen. Wie es aussieht, haben wir nicht einfach zwei Schiffe getroffen, die uns extra gejagt haben. Vielmehr sind wir auf einen vollbeladenen Konvoy getroffen, der dachte, er könnte das schnelles Kopfgeld für die kleine Century Eagle nebenbei mitnehmen.
    Unwillkürlich schaue ich in die Richtung, in welche die Freiheitssucher geflohen ist und merke sie mir. Die wenigsten Piraten sind taktische Rückzüge gewohnt. Da heißt es, siegen oder untergehen. Ich wette, der ist geradewegs Richtung Zielhafen davon gedüst.
    Während ich die Schriftstücke durchsehe, die der Kapitän der bösen Karnickel einfach herumliegen ließ – wir waren denen nicht mal ein „Alle Stationen sichern“ wert – wird mein Grinsen breiter und breiter.
    Ich halte eine kleine Rattenfrau an. »Jinny? Nimm dir eine Seilrutsche zur Adler und und frag die Kapitänin, was in dieser Richtung liegt.« Ich lese auf dem Polweiser und der großen Karte am Kartentisch die nötigen Daten ab. Was waren das noch Zeiten, mit GPS und genordeten Karten.
    »Sie soll zwei Prisenmannschaften zusammenstellen und Kurs setzen. Ich komme so schnell wie ich kann.«
    Ein enttäuschtes Zucken geht durch die Schnurrhaare der kleinen Frau. Ich nehme ihr ja gerade Plünderungszeit weg, aber ich sehe, dass sie dennoch ohne zu Zögern gehorchen würde. Für einen Haufen wilder Ex-Söldner, Kopfgeldjäger und Quasipiraten, hat sich unsere Crew ganz schon gemausert. Oder gerattet.
    »Warte noch.«
    Sie hält fragend inne, erwartet, dass ich ihr noch einen Auftrag gebe. Habe ich auch vor.
    Ich greife eine der Devisentaschen des Kapitäns und schaue hinein. Zehntausend Dalleros in Bonds, Wechsel, die man nahezu überall wie Geld nutzen kann. »Hier nimm die an Dich, pass drauf auf. Ich bin mir sicher, dass ich versäume, sie mir wieder abzuholen. Behalte es aber für Dich. In meinem Kopf ist so viel wichtigeres Marshall-Zeugs, ich will aber trotzdem nicht als vergesslich gelten.« Ich zwinkere ihr zu.
    Es dauert eine Sekunde, bis sie versteht. Strahlend eilt sie ein paar Schritte davon, wirbelt dann herum und salutiert. Ich erwidere den Salut, der sonst dem Kapitän vorbehalten ist, mit gebührendem Ernst.
    Dann ist sie verschwunden und ich versenke mich in die Frachtlisten.
    »Heilige Sch … das ist es, was der Oberst-Marshall gemeint hat …«

    (Illusorisch) kurze Zwischenspiele

    Ah, so man sich wieder. Ich grüße den Engel freundlich, nur dass er diesmal keine Toga und Flügel hat, sondern total casual in Jeans und Flanellhemd auf mich wartet.
    »Genau pünktlich.« Da ist er wieder, dieser onkelhaft gönnerische Tonfall.
    Habe mich beeilt.
    »Wirklich? Oh, ha. Ha, haha. Sehr lustig, wie gewohnt. Bereit, fortzufahren?«
    Fortzufahren. Bin ich nicht tot?
    »Nein. Also nicht so ganz. Ich will nicht spoilern, euch linearen Lebensformen missfällt das doch.«
    Oh, spoilere ruhig, macht mir nix aus, so gar nix …
    »Ha, schon wieder ein Scherz. Ich freue mich immer, wenn wir uns treffen. So eine Frohnatur!«
    Immer wenn? Wie oft … ?
    »Bis zum nächsten Mal!«
    Er winkt noch und …

    *****

    Vor einigen Illusionen

    … ich stehe vor dem Akademietor zur Trainingsanlage.
    Königlich Gräfliche Investigations Agentur
    12-Länder-Marshall-Corps
    Das steht da auf einem blitzeblanken, bronzenen Schild neben dem Tor. Darunter ist ein Kreis mit einem zwölfzackigen Stern. Moment, mein Stern hat doch nur sechs Zacken?
    Ich suche nach dem Abzeichen, aber keine Weste, keine Waffen, kein Hut.
    Kein Hut!
    Außer einem ziemlich südlich anmutendem Freizeit-Anzug und eigenartig gewickelten Stoffschuhen, irre bequem, mit absolut einzigartigem Gefühl für Bodenkontakt, trage ich nichts.
    Aus der Trainingsarena höre ich unverkennbaren Lärm. Da spielen sie entweder American Football, machen Baumstammwerfen oder da prügeln sich eine Menge Leute.
    Baumstammwerfen, woher ich das kenne? Das ist die Frage, echt jetzt?
    Dazu komme ich vielleicht ein andermal.
    Jetzt beschleunige ich erst einmal. Nennen wir es ruhig die Neugier eines Gesetzeshüters. Genau, klingt hinreichend plausibel. Sensationsgier kenne ich schließlich gar nicht. Ist mir völlig fremd, weswegen ich noch etwas schneller gehe.
    Grobgeschätzt ein Dutzend Leute, alle in eine Kluft wie ich gewandet, (ja GEWANDET), prügeln auf jemanden am Boden ein, der es aber offenbar immer wieder schafft, einen der Angreifer einige Meter wegzustoßen.
    Tatsächlich kommt derjenige wohl gerade wieder auf die Beine. Darauf haben aber zwei Minos nur gewartet und stürmen ohne Rücksicht auf Verluste in das Knäuel Leute, um alle, auch den Hünen in der Mitte umzuwerfen. Mann will wohl um jeden Preis den Großen am Boden halten.
    Dann erkenne ich den Großen. Das hat verständlicherweise gedauert, denn er trägt diesen gleichen schlafanzugartigen Anzug wie wir alle, und, ihr wisst, ich liebe den Großen, aber darin sieht er einfach zum Schießen aus.
    Er schaut in meine Richtung, blockt ein halbes Dutzend Schläge mit seinem Unterarm. »Boss, kannst Du Dich nachher totlachen und mir hier mal helfen?« Lev klingt etwas angestrengt und wenn mein Kumpel angestrengt klingt, dann bewege ich besser meinen Hintern, bevor er nicht nur so klingt. Bisher ist er in seiner humanoiden Form und klatscht mit flacher Pfote seine Angreifer weg. Um fair zu sein, sie versuchen auch ihn nicht vorsätzlich am Kopf oder in der Strafzone zu treffen. Aber es sind fucking 11 gegen 1 und die Jungs und Mädels kämpfen koordiniert, wie man es von ausgebildeten Marshalls auch erwarten kann.
    Ganz automatisch legt sich das Netz, das Gewebe, der Stoff, der alles verbindet, über meine Sicht. Ich sehe Dinge, wie sie im Entstehen sind, wo sich Kraft aufbaut, wo sie sich verliert, wo sie sich konzentriert oder wo sie fast ganz fehlt. Und vor allem ist da das starke Seil zwischen mir und Lev. Das ist alles was ich brauche. Ich greife danach und lasse mich von der Kraft durch die Luft tragen.
    Um nicht immer mit der besonderen Weltsicht, wie sie sich wohl nur mir bietet, zu nerven, erwähne ich sie nur noch in speziellen Fällen. Und wenn ich damit angeben will. Also noch oft genug, keine Sorge.
    Die Kraft katapultiert mich genau auf Lev zu. Ich erkenne Schwachstellen an den Gelenken der flinken Katzenartigen, bei Brustkörben der Minos, in den unteren Rücken der Orks, in den Schädelknochen der Elfen, und, und, und natürlich nutze ich keine davon aus. Das hier sind Kameraden und auch wenn das Sparring ziemlich hart ist, will hier niemand einen Anderen vorsätzlich verkrüppeln. Hoffe ich wenigstens.
    Also packe ich einen Arm mit dem Bein und klemme ihn mit dem Kniegelenk ein, drehe mich in der Luft und zwinge den Elf, der an seinem Arm hängt, so oder so, mit mir mitzugehen und schleudere ihn von Lev weg. Der Orks, der gerade ein wenig seinen Standpunkt verlagert, bekommt einen schon zärtlichen Stoß mit der Ferse auf einen Kraftpunkt und es reißt ihm das Standbein weg. Autsch, das hat sicher wehgetan. Hätte ihm aber auch den Knöchel brechen können.
    Mit der Hand packe ich das Horn des einen Minos, nutze meinen Schwung und dessen Masse, um über ihn zu setzen und eine Menschenfrau per Dropkick gegen die Schulter in den Sand zu befördern.
    Dann ist Lev auf den Beinen. Er wischt sich Blut von der Nase und knurrt warnend, als sich ein anderer Elf vorwagt. Der zieht sich schlauerweise gleich zurück.
    Ich beziehe neben meinem Kumpel Stellung. Ein gutes Gefühl.
    »Wo warst Du solange? Der Engel hat gemeint, ich treffe Dich hier.«
    »Was soll ich sagen: Zeit ist eine Illusion?«
    Er knurrt: »Sag das meinen lädierten Knochen. Und ihren!« Er deutet auf die zerschlagene Mannschaft, die sich langsam wieder aufrappelt und im Kreis um uns herum postiert.
    »Ich wurde aufgehalten. Aber jetzt bin ich ja da. Bereit für unser erstes Rodeo?«
    Er lacht und hält mir die Faust hin. Ich schlage meine dagegen.
    Das ist das Zeichen für unsere Kameraden.
    Die folgende Prügelei kann ich mit einem Wort, zwei Silben beschreiben:
    E-PISCH!
    Was vermöbeln die uns! Und was vermöbeln wir sie! Kein Kopf und keine Weichteile, alles andere ist erlaubt. Und alles andere wird getroffen. Oft. Sehr, sehr oft.
    Irgendwann geht Lev als Erster von uns wieder zu Boden, zu meinem maßlosen Erstaunen. Meine Fähigkeit, Angriffe zu antizipieren, ist wirklich ein echter Ausgleich zu einer urzeitlichen Wildheit. Aber keine zehn Sekunden später haben sie dann auch mich. Es ist einfach Tatsache: Ich bin nur mit meinem Partner (fast) unbesiegbar.
    Dann ertönt die Pfeife des obersten Ausbilders, ein grauer, alter Wolfsbärmann. Ja, es gibt gemischte Menschenrassen, selten zwar, weil die Muttergene meist dominant sind, aber es kommt vor. Ich meine, für die Genetiker unter uns: Klar sind alle Gene vorhanden, also sind sie schon immer gemischtrassig gewesen, aber seien wir mal nicht päpstlicher als der Papst. Zumal es in dieser Welt keinen Papst gibt. Soweit ich weiß.
    »Heiler, versorgt die Truppe, aber nicht zu gut. Schmerzen sind Fehler, die den Körper verlassen.«
    Ich grinse und flüstere Lev zu: »In jeder Welt muss es wohl Vollmantelgeschosse geben.«
    Lev ist ohnehin fein raus. Dessen Regenerationsfähigkeiten können mit denen von Wolverine um die Wette generieren.
    Ich zupfe ganz diskret ein paar Kraftfäden an, während der kleine Hamsterheiler mir seine Heilkraft durch den Körper schickt und verstärke sie dadurch. Überrascht reißt der kleine Medizinmann seine Augen auf, als er es bemerkt, aber ich hebe schnell grinsend meinen Finger vor die Lippen. Er versteht und lächelt zustimmend. Später gehen seine Drinks auf mich, nehme ich mir fest vor.
    »Du kannst Magie?« Levs Sinnen entgeht nichts. »Nein, keine Magie. Ich bin „Patrick-Wang-kennt-Opi“, der wirklich und echt allerletzte Jedi.«
    »Ist das nicht geschummelt?«
    Ich lache. »Klar ist das geschummelt. Seit wann spiele ich fair, wenn es darum geht, mir Dresche zu ersparen?«
    »Oder Arbeit zu vermeiden. Oder nicht dran zu sein, mit Pizza holen …«
    Ich unterbreche ihn, weil er vermutlich noch minutenlang so weitermachen könnte.
    »Ja, ich bin einfach schlecht. Ok? Eine niedere Existenzform. Zufrieden?«
    Lev grinst zufrieden, was unseren Ausbilder auf den Plan ruft.
    »So, Kadett Bendi. Du scheinst ja sehr zufrieden mit Dir zu sein.« Kadett Bendi schaut hilfesuchend zu Kadett DiPalma und der, also ich, springt ihm innerlich seufzend zur Seite.
    »Sicher sind wir zufrieden, Master General Marshall, Sir. Wir haben an jeden soviel ausgeteilt, wie alle anderen und die haben soviel eingesteckt wie jeder von uns. Lev und ich sind ein erstklassiges Team.«
    Schweigen breitet sich über dem Hof aus. Man kann den leichten Wind hören, wie er den Sand bewegt. Die eisigen Augen des Wolfs starren uns förmlich nieder. Die Spannung steigt bis ins Unerträgliche, als einer der Orks es nicht mehr aushält und hingebungsvoll furzt.
    Der General Marschall ist der erste, der sich vor Lachen fast nicht mehr einkriegt und schnell liegt sich der ganze Ausbildungszug lachend in den Armen.
    »Ja, ihr zwei seid wirklich ein gutes Team. Nur lasst Euch das nicht zu Kopf steigen. Ein Zwölfstern-Marshall arbeitet meistens alleine. Ihr könnt Euch also nicht immer aufeinander verlassen …«
    Also die Wette halte ich.


    *****


    Ein paar Illusionen weiter

    »Das ist nicht üblich.«
    »Das ist uns bekannt, Hauptmann-Marshall. Aber wir sind schon ewig Freunde und haben uns nur deswegen hier gemeinsam beworben, um zusammen für den König Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten.« Ich finde, ich klinge ehrenhaft, plausibel und durch und durch marshallig. Gibt es das Wort überhaupt?
    Warum der Hauptmann nun schmunzelt, kann ich nicht nachvollziehen.
    »Aber natürlich. Keine andere Antwort hätte ich von einem Königlich Gräflichen Investigations Agenten erwartet.«
    Ich grinse pflichtschuldig. Niemand nennt uns so, außer wir bekommen einen hochoffiziellen Orden oder eine hochoffizielle Beisetzung. Wer aber sowas erwartet, sollte wirklich kein 12Star-Marshall werden. Orden gibt’s fast nie und gestorben wird meistens einsam in einem Drecksloch.
    »Angesichts der letzten drei hochriskanten Missionen, die ihr nachweislich nur durch Eure optimale Zusammenarbeit so erfolgreich gestallten konntet …«
    »… nicht zu vergessen unser gutes Aussehen und unsere beispiellose Bescheidenheit …«, huch, habe ich das laut gesagt?
    Der Hauptmann räuspert sich und Lev schaut verzweifelt zur Decke, um nicht im Boden versinken zu müssen. »… hat das 12Star-Mashall-Kommando beschlossen, Euch weiterhin als Team zusammen zu lassen. Um die erhöhten Einsatzkosten zu decken, werden aber Eure Lohnerhöhungen jeweils immer um ein Jahr später erfolgen.«
    Ich will schon Einspruch gegen diese bodenlose Ungerechtigkeit erheben, bekomme aber einen warnend verhaltenen Schlag von Lev zwischen die Beine. Nein, Lev hat keinen einzigen Muskel an den Armen oder den Beinen bewegt. Unfair!
    »Ich gratuliere euch. Und jetzt Marshalls, schwingt Eure Ärsche aus meinem Büro und holt Euch euren nächsten Auftrag. Ich hörte sie haben da etwas für Euch in den wilden Landen, ganz, ganz weit weg von hier …«

    Im Saloon feiern wir ausgiebig.
    »Als ob sie eine Wahl hatten, Boss. Wir wären einfach ohne unsre Sterne losgezogen. Banditenjagen kann man auch als Kopfgeldjäger.«
    Ich proste ihm zu. »Und man verdient weitaus besser.«
    »Wenn man am Leben bleibt und den Heiler bezahlen kann. Dann Unterkunft, Verpflegung und Transport, die der Königliche Schatzmeister für uns übernimmt, ein Kopfgeldjäger immer selbst trägt. Und wir haben Zugriff auf das Militär …«
    »Ja, ja, schon gut, Spaßverderber. Ich hab‘s kapiert. Die Kopfgeldjäger sind die armen Schweine.«
    Lev winkt der Kellnerin, um einen neuen Hafen voll Bier zu ordern. Bei einer Feier hält er sich nicht mit Humpen auf. Er will schließlich etwas davon haben, bis sein rasanter Stoffwechsel jede Wirkung zunichte macht. »Als ob wir nicht genug dazuverdienen würden. Immerhin gibt da jemand, der kein Banditennest auslassen kann, jedem Gerücht nach einer Schatztruhe nachgehen muss und Piraten schon nachsetzt, wenn er nur den Jolly Roger am Horizont erahnt.«
    Schuldbewusst versenke ich meine Nase im Bierkrug. Schon möglich, dass mich der alte Komplettierungszwang aus der Gamerzeit nicht völlig verlassen hat.
    Lev klopft mir freundschaftlich auf den Arm. »Ich beklage mich gar nicht, Boss. Mit Dir ist immer was los. Und die vielen heißen Mietzen, die Du immer ausschlägst, sind auch nicht zu verachten.«
    Mit heißen Mietzen, meint er heiße MIETZEN, also Katzenmenschendamen. Nicht, dass ich nicht schon Levs Flügelmann bei Doppeldates war und diese Katzenmädchen echt der Hammer waren, aber ich bin wohl eher der Mann für langfristige Beziehungen. Und diese … Mädels und Lev, bei denen ist eine schnelle Nummer oft mit Gekreische, Liebesbissen und blutigen Streifen auf Rücken und Schenkelinnenseiten verbunden. Ab und zu ist das ja mal was, aber meine Vorstellung von Zärtlichkeit ist eben doch deutlich weniger krallenorientiert. Zum Glück ist Lev Kater genug für zwei. Oder drei.
    »Hm, wir brauchen wohl ein Luftschiff.«
    »Liegen doch genug im Hafen, Boss. Eines wird schon in unsere Richtung fahren.«
    »Du missverstehst mich. Ich meinte wir brauchen ein Luftschiff. Wird Zeit, etwas unabhängiger zu agieren. Und eine Mannschaft.«
    Er lacht. »Es geht um Kapitänin Valentina, stimmt’s. Die Rote Korsarin hat es Dir angetan. Und ihr Gejammer, mit Ihrer Crew auf dem Trockenen festzusitzen?«
    Ich räuspere mich empört. »Wie kannst Du so etwas sagen. Ich habe nur unsre Missionen und den Auftrag des Kaisers im Sinn!«
    »König.«
    »Hm?«
    »Wir dienen einem König.«
    »Ja, wegen mir auch dem ...«