Beiträge von Tom Stark

    ----------------------------------------------

    ----------------------------------------------

    Schiffe:
    Mercury Starrunner - kleines (Daten)Kurierschiff, extrem wendig, recht schnell und mit viel High-Tech, 3-6 Mann Besatzung
    Vulcan - Tanker für Raum-Jäger und mittlere Raumschiffe

    Idris - militärische Fregatte
    Gladius Valiant- Raumjäger, Einsitzer

    Nautilus - Minenleger


    Rassen:

    Menschen - Menschen eben

    Xi'an - langlebige Alienrasse, seit einiger Zeit loser Frieden mit den Menschen

    Hadesianer - beinahe mythische Alienrasse, vor ca 300000 Jahren ausgestorben/verschwunden


    Personen:

    Rye - Captain und Chefin einer kleiner Schmugglercrew; Mensch, weiblich
    iVetu: Copilot und Bordschütze, Xi'an, männlich

    Ike - Bord-Ingenieur, Mensch, männlich


    ----------------------------------------------

    ----------------------------------------------


    Starrunner


    »Ike, wo zum Teufel bleiben die Jammer?«

    Rye, die junge Frau und Captain des kleinen Mercury Starrunners, der in der Logfiles des örtlichen Systems als ESR Scarlett Johanson aufgelistet war, schaute über ihre Schulter, als könnte sie ihren Partner so sehen, obwohl er zwei Schotts weiter und ein halbes Deck tiefer versuchte, das frisch erworbene Alien-Gerät zu aktivieren.

    »Ich habe Dir gesagt, dass ich mindestens noch zwei Tage brauche, um diese ET-Tech mit den Systemen des Schiffes abzustimmen!« Er klang einigermaßen gelassen angesichts der heiklen Situation. Immerhin kannten er und Rye sich schon eine ganze Weile und das war nicht ihr erstes Ding was drohte, sich von einem ernsten Schlamassel in eine ausgewachsene Katastrophe zu verschlimmern.

    Der Einschlag einer Energiewaffe ließ die Schilde für einen Millisekunde ausfallen und diverse Systeme wurden das Opfer einer Überlastung. Genervt warf Ike den neuen Baustellen einen halben Blick zu, konzentrierte sich aber sofort wieder auf seine Aufgabe.

    »Du hast keine zwei Tage, nicht einmal zwei Minuten. Eigentlich brauchten wir die Jammer schon vor zwei Minuten!«

    Die Rothaarige in ihrem knallbunten Space-Suit ließ ihr Schiff in einer unmöglich scheinenden Flugbahn wegkippen und die beiden NN-14 Neutron Cannons der Gladius Valiant schickten ihre Nächste Salve in die Unendlichkeit des Alls.

    »Der Saftsack lässt nicht locker.« In Ryes Stimme schwang ein respektvoller Unterton mit. Der kleine Jäger war zwar schwer bewaffnet aber hier inmitten des Nirgendwo, war Feuerkraft das Eine, aber kleine Tanks das Andere. Der leistungsfähige Regulus-Generator machte den Jäger zwar ultra-schnell und seine geringe Größe machte ihn sogar noch wendiger als den ebenfalls flinken Starrunner, aber die Gladius war eindeutig ein Sprinter, während der Starrunner seinen Namen nicht umsonst trug. Und das Rennen zwischen beiden lief für den RaumjJäger inzwischen schon sicher in die Overtime.

    Ein weiteres Manöver brachte die Space-Suits der Mercury-Besatzung an ihre Grenzen. Ike grunzte und hielt sich routiniert fest, als die hohen G-Kräfte ihm für einen Moment die Lichter ausknipsten und sogar Ryes Hände rutschten von den Steuerhebeln.

    Automatisch übernahm iVetu, ihr Copilot und Bordschütze die Kontrolle. Als Xi’an konnte er beinahe das Doppelte an Beschleunigungskräften aushalten, wie seine menschlichen Kameraden, aber es wäre dem höflichen Alien niemals in den Sinn gekommen, diese Unzulänglichkeit seines Captains auch nur offensichtlich zu bemerken.

    Als er sah, dass Rye wieder Herrin ihre Sinne war, übertrug er ungerührt die Flugkontrollen zurück und kümmerte sich um die Steuerung der Geschütztürme. Noch feuerte er nicht zurück, denn wie die ganze Besatzung versuchte er, den Schaden an Material und Leben bei Geschäftsgegnern stets in Grenzen zu halten. Der Feind von heute war mit Sicherheit der Auftraggeber von Morgen oder im nächsten Jahr, seinetwegen auch im nächsten Jahrzehnt. Als langlebiger Xi’an dachte er eben auch längerfristig.

    Rye schenkte iVetu ein knappes dankbares Lächeln, aber das Alien gab mit keiner Regung seiner echsenartigen Gesichtszüge zu erkennen, dass er es überhaupt registriert hatte.

    Sie ließ ihr Schiff so viel Gegenschub erzeugen, wie es auch für die menschliche Besatzung noch zu ertragen war und die schlanke Gladius schoss an ihnen vorbei und war schon zwei Sekunden später nicht mehr für das menschliche Auge zu erkennen.

    »Ike, wie lange noch?«

    »Hetzt mich nicht. Das ist Hadesianer-Technologie. Gemacht für viele Tentakel und so. Also hetzt mich nicht!«

    Rye schüttelte ihren Kopf, überlegte sich gerade eine trockene und passende Antwort, als iVetu sie unterbrach, etwas, was er wirklich nur sehr selten tat und beinahe als schmerzhaft unhöflich empfand.

    »Captain, darf ich Dein Augenmerk auf die Langreichweitenscanner lenken? Ich zähle mindestens zwölf Bogeys.«

    Er durfte und Rye fluchte ausgiebig in einer Sprache, die schon fast vergessen war, als die Menschheit ihre ersten Schritte ins All unternommen hatte. »Sicíní cac mallach! Der Drecksack hat uns nur vor sich her getrieben und beinahe in einen Hinterhalt gejagt. Kein Wunder, dass er seinen Treibstoff so verballert hat, als gäbe es kein Morgen!«

    Überall auf dem Display wechselten die neutralen blauen Zeichen in rote.

    »Korrektur. Es sind definitiv Bandits. Sie schalten alles auf uns auf, was sie haben. Eines davon ist eine Vulcan, die von einer Idris flankiert wird.« iVetu würde nie sagen, dass er von Anfang an der Seriosität ihres neusten Auftraggebers Zweifel angemeldet hatte. Er war auch viel zu höflich, Rye daran zu erinnern, dass er geraten hatte zu warten, bis dieses angeblich Wunder bewirkende Hadesianergerät installiert und getestet war, bevor man neue, hochriskante Aufträge annahm. Doch seine Augen zuckten als Äquivalent zu einem menschlichen Besserwisserlächeln.

    »Sie haben eine verdammte Fregatte auf uns angesetzt? Ich weiß, ein Deal ist ein Deal und niemals das Paket öffnen, aber was, beim Abyss, für Daten haben wir uns da nur andrehen lassen?«

    »Sie hätten vielleicht das Doppelte fordern sollen, Captain?« , iVetu war zwar beunruhigt, aber noch nicht nahe genug an einer Panik, um sich diese kleine Spitze entgehen zu lassen.

    »Nicht hilfreich, iVy, nicht hilfreich.« Doch dann stahl sich ein Grinsen auf ihre Lippen und sie rieb sich über das millimeterkurz geschnittene Haar.

    »iVetu, Waffen deaktivieren. Alle. Fahr sie ganz runter.«

    »Ike, lass die Jammer mal und lade die Booty Betties aus ihren Kisten und platziere sie an der Laderampe.«

    Der Bordingenieur kniff ein Auge zusammen. »Du meinst die Minen von dem Nautilus, das wir neulich … gerettet haben?«

    »Ja, genau. Es waren doch drei, oder?«

    »Schon. Drei. Aber mit drei Minen werden wir keinen Teppich legen können, der einer Fregatte auch nur einen winzigen Kurswechsel abringen wird.«

    Rye lachte. Wenn Ike nicht darauf kam, würden es diese eindimensional denken Systemsicherheitsidioten erst recht nicht.

    »Keine Sorge. Wir greifen damit nicht die SysSecs an. Wir werden uns damit selbst hochjagen.«

    »Ah, gut. Ich hatte schon Angst, Du würdest etwas total verrücktes machen, Captain!«, meinte IVetu trocken. Der Xi’an wünschte sich bisweilen genauso schwitzen zu können, wie die Menschen in diesem Schiff. Es roch zwar grauenhaft, aber es half den Primaten-Nachkömmlingen eindeutig, ihren Stress besser abzubauen. Ihm selbst blieb nur stoische Gelassenheit oder einen Teil seines hormongeschwängerten Speichels hier und jetzt loszuwerden.

    »Also, Ike, hör zu, wir werden Folgendes machen …«


    Der Bordingenieur fluchte, schimpfte und machte sich schließlich an die Arbeit, während Rye System um System des Schiffes abschaltete, bis sie hilflos im Nichts trieben und die Kälte des Alls bereits begann, sich ihren Weg durch die Außenhaut des Schiffes zu bahnen.

    »Keine Panik, iVy, das klappt bestimmt.« Sie versuchte viel zuversichtlicher zu klingen, als sie war.

    Doch der Xi’an war keine 213 Jahre alt geworden, weil er niemals gelernt hatte, die Menschen zu lesen. Rye hatte nicht nur vage Zweifel an ihrem Plan, sie rechnete fast sicher damit, dass er nicht aufging. Nur war sie zu stur, sich das selbst einzugestehen.

    iVetu warf, zum ersten Mal auf diesem Schiff und in Gesellschaft von Menschen, seine Manieren über Bord und kotzte neben seinen Sitz, was seine Drüsen hergaben.

    »Ich wäre dankbar, wenn Du kein Wort darüber verlierst, Captain.«, sagte er zu Rye endlich, als er sich genügend Erleichterung verschafft hatte.

    Diese bestätigte feierlich: »Ich bin der festen Ansicht, dass es dazu auch rein gar nichts zu sagen gibt.«

    Beide nickten sich zu.

    »Ike, sind wir soweit?«

    »Alles vorbereitet, aber Du weißt, dass es ein ganz furchtbar dummer Plan ist der noch furchtbarer schief gehen wird?«

    »Klar. Und jetzt Countdown zum Öffnen der Ladeluke und zum Sprengen der Minen. Drückt uns die Daumen.«

    Wer Daumen hatte, drückte, wer nicht, wünschte sich, er hätte welche.

    :::: Connceting to Cerebra :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint One ::::::

    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint Two :::::::::::::::::::::::

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Checkpoint Three ::::::::::::::::::::::::::::::::

    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Connection Completed ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::


    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Joining Cerebra:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::: Server Europe :::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
    ::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::



    »Willkommen auf Cerebra. Mein Name ist Lux und ich werde Dich durch Deine Abenteuer begleiten«


    Für einen Moment bin ich desorientiert. Aber darauf bin ich vorbereitet. Die Hardware braucht immer einen Moment, um sich mit der Software zu synchronisieren, wie ich in dem hundertzwölfminütigen Einführungsvideo unter anderem erfahren hatte.

    Eigentlich sollte mein Puls vor Aufregung rasen. Immerhin bin ich einer von nur 22 Millionen Glücklichen weltweit, die sich beworben, das Losglück hatten und die Castingrunden überstanden hatten.

    Aber noch habe ich keinen Körper, also kann ich keine körperlichen Gefühle registrieren. Die Reaktionen meines Körpers außerhalb der Cerebra-Realität werden weitgehend ausgeblendet. Immerhin soll man ja vollkommen in die künstliche Welt eintauchen können, während das Fleisch, sicher in einem komaähnlichen Tiefschlaf geborgen, die lange Reise übersteht.

    Konturen werden sichtbar und um mich herum entstehen Szenen, wie aus hochwertig produzierten Filmen. Ich sehe mich als Bogenschütze auf der Pirsch. Die Szene wechselt, wie ich als Amazone auf meinem Pferd an der Seite meiner Schwestern in die Schlacht reite. Dann bin ich ein Gelehrter, der in einer gewaltigen Universität unterrichtet, ein Bäckerjunge, der vor der Arbeit davonläuft, ein Paladin, der seiner Gottheit den Treueid schwört. Endlich eine Orkschamanin, welche in ihrem verrauchten Zelt die Geister der Ahnen anruft und dann ein Zauberer, der mit Magie einen Angreifer abwehrt.

    Etwas an der letzten Szene berührt mich und die Umgebung ändert sich.

    Ich stehe in einem Ankleideraum, vor mir ein dreigeteilter, raumhoher Spiegel. Der Spiegel in der Mitte zeigt einen undeutlichen, vage humanoiden Umriss, links scheint die Person im Spiegel weiblich, rechts männlich zu sein.

    Über die Geschlechterfrage habe ich bereits intensiv nachgedacht und sofort nimmt die weibliche Form in allen drei Spiegeln Platz. Eine schlanke, aber keineswegs model-dürre Frau zeigt sich nun, und zum ersten Mal spüre ich etwas. Hände, Füße, Arme, Beine, alles, was das Gefühl für den Körper ausmacht, stellt sich nach und nach ein. Noch ist mein Spiegelbild ein wenig unscharf, ändert sich nach und nach, wie meine Gedanken und Gefühle mein neues Selbstbildnis formen.

    Zuerst sind die Haare kurz, beinahe militärisch, dann werden sie immer länger und voller, bis sie mir schließlich als scharlachroter Wasserfall in weichen Wellen bis über die Schultern fließen.

    Die Augen brauchen etwas, um sich zu entscheiden, aber endlich weißen sie einen hellen Grünton auf, die im leicht gebräunten Gesicht beinahe unauffällig wirken.

    Mein Gesicht durchläuft diverse Formen, doch schließlich bin ich auch hier zufrieden. Schön, sicher, wer würde sich freiwillig für ein Dutzendgesicht entscheiden, aber mit einer leicht schiefen Nase, ein wenig asymmetrisch versetzten Augen und einer etwas zu großen Unterlippe, die mich aussehen lässt, als würde ich ständig mit einem Lachen über einen Scherz kämpfen, den nur ich verstehe.

    Zunächst habe ich keine Ahnung, wie groß ich genau bin, es ist mir aber auch egal, denn als es soweit ist, fühlen sich die restlichen Proportionen meines Körpers einfach perfekt an.

    Als Kleidung entscheide ich mich für Stiefel, Hose und ein zugegeben sehr offenherziges Mieder aus grauem Wildleder, dazu modische Schnallen an Oberschenkel und Stiefel und einem zweifach gewundenen Gürtel, fertig bin ich.

    An meinem Hals erscheint ein Amulett, was diverse Metamorphosen durchmacht, von einem blau leuchtenden Riesendiamenten bis hin zu einem kleinen Drachenbaby-Totenschädel an einem Lederband. Ich weiß instinktiv, dass dies mein Fokus ist. Ohne ihn kann ich zwar auch Magie wirken, aber es wird mich viel schneller erschöpfen und ich werde länger brauchen um die Kraft für neue Zauber zu sammeln.

    Schon trete ich zur Tür, die sich neben einem Fenster befindet und strecke die Hand nach der Klinke aus, als ich das Wetter draußen sehe: Stürmisch mit leichtem Regen. Schnell drehe ich mich noch einmal um und besorge mir eine Jacke, die zuerst dick und warm und am Ende vermutlich viel zu knapp und kurz wird. Aber ich weiß ja, dass ich mir für den Anfang keine Sorgen machen muss. Ich werde alle Ausrüstung finden, die ich brauche. Wie in jedem Tutorial eben.


    »Deine Fertigkeiten und Berufe sind angepasst, Deine Startzauber zugewießen. Du hast Dich für Kraft als Haupt-Richtung entschieden. Du kannst bei jedem neuen Weltrang eine weitere Hauptrichtung hinzuwählen oder die andere vertiefen.« Lux hat eine angenehme, weibliche Stimme, ein bisschen kindlich vielleicht, aber sie bringt mich zum Schmunzeln.

    »Wünscht Du, dass ich Dir unsichtbar als Guide zur Seite stehe oder soll ich dich als Familiar begleiten? Als Zauberkundiger kannst Du einen wählen.«

    Ich überlege kurz. »Und wie ist das bei den Charakteren, die keinen Familiar haben?«

    »Da bin ich in Form eines Haustieres, Begleiters oder Reittiers, wenn nötig als Wildtier, wie eine Amsel zur Stelle, wenn es nötig wird. Es muss niemand in die Verlegenheit kommen, mit der Luft zu sprechen. Das Brechen der Rolle im Spiel ist, wie Du weißt, auf ein Minimum zu beschränken und wird bei Missbrauch bestraft.«

    Mir entfährt ein unwilliges Schnauben. Strafe in einem Spiel! Aber natürlich ist Cerebra nicht einfach ein Spiel, weit eher eine Simulation. Dort sollen soziale Kontakte ebenso gepflegt werden, wie alle anderen Aspekte des Lebens. Auf den Sex bin ich, natürlich, am Meisten gespannt. Wer ist das denn nicht?

    »Ja, ist mir klar. Wie wäre es, wenn Du mich als kleine leichtende Kugel begleitest, eine Art Irrlicht? Dann kannst Du Dich auch an und abschalten, wie es gerade passt, und«, ich grinse verschmitzt, »ich habe immer kostenlos eine Leuchtquelle dabei.«

    »Das ist im Rahmen der Regularien. Aber bedenke, dass Begleiter mit Händen, Füßen oder Zähnen andere nützliche Fähigkeiten mitbringen.«

    »Hm, im Moment gefällt mir meine Idee. Kann man es später nicht ändern?«

    »Mit Erreichen eines neuen Weltrangs kann man auch das anpassen. Aber bedenke, dass es eine ganze Weile dauern kann, bis Du den ersten Weltrang erreichst.«

    Ich zucke die Schultern. Ein herrliches Gefühl. »Wenn es Dir gefällt, ist es auch ok, für mich, sonst wähle Du etwas, was Dir zusagt.«

    Lux zögert, was bislang noch nie der Fall war.

    »Ich soll wählen? Du überlässt mir die Wahl?« Höre ich da Unglauben heraus?

    »Ja sicher, warum nicht?« Man hatte im Video wiederholt darauf hingewiesen, dass unsre persönlichen Guide-KIs sogar ihre eigenen Persönlichkeiten besitzen. Mir ist zwar klar, dass die Meisten sie dennoch in der Regel ignorieren werden und nur als Helferlein zu Rate ziehen, doch warum sie nicht aktiv mit einbinden? Ich habe zwar keine Ahnung, ob meine KI Spaß daran hat, ob es ihr eher lästig ist oder ob sie sonst vor Langweile stirbt, ich sie womöglich sogar von anderen Aufgaben abhalte. Aber fragen kostet ja nichts.

    »Falls es für Dich ok ist, begleite Dich in Form eines kleinen Drachens.«

    Ein wenig peinlich berührt, berühre ich den winzigen Drachenschädel an seinem Lederband, aber ich nicke zustimmend. »Klar, warum auch nicht?«

    Ein winziger, kaum Handspann langer Drache macht es sich daraufhin in meiner Armbeuge bequem.

    »Dann kann es losgehen«, zirpt Lux nun laut und nicht mehr nur in meinem Kopf. Eine winzige Flamme züngelt aus seinem Maul und der Minidrache zwinkert mir zu, als ich sie verblüfft musterte.


    Mein Herz schlägt schneller und die Aufregung lässt meine Wangen warm werden, als ich den Türgriff ergreife und die Welt von Cerebra betrete.

    "Dolch der Schande"
    Effekt: öffnet jedes Schloss und jeden Knoten. Als Waffe benutzt massiver Malus auf jede Kampfart, im Equipment massiver Malus Etikette, nach Herstellung 24 Stunden massiver Malus auf Schmiedetalent.


    Der Sage nach prophezeite ein Orakel, dass derjenige die Herrschaft über Asien erringen werde, der den Gordischen Knoten lösen könne. Viele kluge und starke Männer versuchten sich an dieser Aufgabe, aber keinem gelang es. Doch wie Blutarsch, der große Geschichtsschreiber beschrieb, begab es sich im Frühjahr 333 v. Chr. dass "The Great Mazed One", Alex der Große auf seinem Zug Richtung Persien diesen Knoten lösen sollte um damit seinen Siegeszug durch Asien einzuläuten.
    Weniger bekannt ist der peinliche Heulkrampf zusätzlich zu verkrampfenden Fingern, weil dem zukünftigen Persionator selbst nach dem vierten abgebrochenen Fingernagel die Lösung des Knotens nicht gelingen wollte. Aus Verzweiflung, und weil selbst die letzten Zuschauer inzwischen enttäuscht nach Hause gegangen waren, schmiedete er aus seinem Kopflauskamm, dem königlichen Nasenhaarschneider und dem silbernen Löffel, der ihm seit Geburt an im Mund steckte, eine Klinge.
    Nagut, es war vielmehr ein Ding, was an einer Seite ein bisschen scharf war und vorne in etwa spitz zulief. Mit diesem Dolch pfriemelte der verpeilte Mazedone hartnäckig den Knoten auseinander. Rechtzeitig zur Rückkehr des ersten Zuschauers, der zufällig ein veritables Kurzschwert an der Seite trug, verlangte er dieses Mödermesser und hieb mit großartiger Geste auf den ohnehin gelockerten Knoten ein und futsch war er.
    Natürlich war das nicht nur einfacher, sondern doppelter Beschiss, aber nach einigen angemessenen Drohungen und Versprechungen trat Plutarch (wie er sich aus verständlichen Gründen hinfort nannte) dem Public Relation Team des Feldherrn bei. Dann peppte er die ganze Story so auf, dass das große Staunen und die fette Bewunderung für die Klugheit des angehenden Weltherrschers sich in einer karmatischen Akkumulation in dem Dolch sammelte.

    Aber Karma is' 'ne Bitch, das weiß ja jeder!




    -------------- -------------- --------------- -------------

    Taulirandualudrion, der elfische Wunderbogen

    Effekt: Beim Zurückziehen der Sehne erscheint durch Zauberhand ein silberner Pfeil, der nie sein Ziel verfehlt.

    Der Knechtungsring:

    Zwingt den Träger, sich in die Person zu verlieben, die ihn angesteckt hat.

    Effekt: Schaden, welcher der geliebten Person zugefügt wird, wird mit dem Träger des Ringes geteilt.


    Viele Jahre lang war der Ring verschollen, seine Wirkung begehrt und zugleich gefürchtet. Es war im Jahr 2015, als er schließlich, es wird gemunkelt als Geschenk eines russischen Oligarchen, in die Hände eines gelbhäutigen Rentners mit einem orangenen Hamsterfell auf dem Kopf gelangte. Als er ihn sich selbst ansteckte, vertiefte sich die ohnehin vorhandene Selbstbewunderung zur unverbrüchlichen Selbstliebe, die schließlich in einem Messias-Komplex mündete, die ihn zwang anzunehmen, er sei der einzige Retter und die letzte vernünftige Stimme seines Landes.
    Zeitgleich traten auch die negativen Aspekte des Ringes auf, die zu einer enormen Dünnhäutigkeit führten, da er jede Art ihm zugefügten Schmerz, körperlich wie emotional , noch einmal mit sich selbst teilte, also gleichsam doppelt empfand. Doch die enorme Selbstliebe steuerte gegen und er erfand Schutzmechanismen wie Teflonhaut, Fake-News und das Kurzzeitgedächtnis eines Dreijährigen.
    Und so lebt er seitdem glücklich in seiner eigenen Welt, mit dem Menschen zusammen, der ihm am liebsten ist: Sich selbst.

    Es bleibt die Hoffnung, das teuflische Artefakt werde dereinst mit seinem aktuellen Träger beerdigt. Doch es ist allgemein bekannt, dass derartige Ringe, die einen wie die anderen, immer wieder einen Weg in die Hände jener finden, in denen sie das meiste Unheil anzurichten vermögen.




    ---------- ---------- ----------- ------------

    Der Füllfederhalter des Grauens:

    Selbst die wortgewaltigste Prosa oder die ergreifendste Lyrik verwandelt sich unter dem Einfluss des Füllers in einen deutschen Schlagertext. Das Vortragen dieser Texte verwandeln die Einen in hirnlose Schunkelzombies, andere jedoch in nervös nach einem Ausweg suchende Mitglieder des zweiten Kreis der Hölle.

    Effekt: Verfluchtes Artefakt. Auswirkungen variabel. Von findigen Bösewichtern mit Stil (nachzulesen .a.a.O) oft als Waffe benutzt.

    Ich schließe mich an. Ganz vielleicht gibt es noch ein Sinistre Weihnachten, aber dieses Jahr habe ich einfach sehr viel Familie.

    Wünsche allen ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins Neue.


    Tom

    Der Auktoriale Erzähler ist allwissend, also weiß er auch zu jedem Zeitpunkt was war, ist und sein wird. Ebenso, was ein Charakter zu jedem Zeitpunkt tut und denkt. Daher ist dieser Stil oft berichtend und nicht gerade der Beste um Spannung zu erzeugen. (meine Ansicht)

    Ich sehe das hin und herspringen aber nicht als Problem, weil so ein Erzähler einfach nur seinen Fokus dahin verlagert, wo gerade die "Action" ist.

    Die Stärke eines Aukt. Erzählers ist aber, dass er die dritte Wand sehr leicht durchbrechen und mit dem Leser Kontakt aufnehmen kann, da dieser ja jederzeit weiß, dass er nicht Teil der Geschichte ist und daher dem Erzähler gewissermaßen ebenbürtig ist.


    Um auf Dein Beispiel einzugehen: Ja, genau so kann man es machen.

    Es macht wenig Sinn, sich als aukt. Erzähler all zu sehr auf eine Perspektive festzulegen, da man sich ja damit des größten Vorteils beraubt, den diese Erzählweise hat.

    An: S. Holmes Baker Street 221b, London, Vereinigtes Königreich

    Von: X. Holmes, Jahrmarkt, Valentine, Vereinigte Staaten


    Lieber Sherlock,

    hier eine aktuelle Photographie, gemacht von einem reisenden Photographen eines durchziehenden Jahrmarkts.
    Die ständig leicht entrückte Madame Nazar, eine Wahrsagerin desselben Markts, hat mir geweissagt, dass ich sehr bald einen großen dunkelhaarigen Mann treffen werde. Ich war erstaunt von ihrer Klarsicht. Auf meine Frage, ob ich ihn mit dem Gewehr, dem Revolver oder dem Messer treffen werde, hat sie mich allerdings deutlich weniger entrückt aber umso panischer gemustert, mir schnell meine drei Dollar für die Handlesung zurückerstattet und mich gebeten zu gehen.
    Diese Kolonisten sind mitunter seltsame Zeitgenossen.


    Dich liebend,
    Xinestra



    An: S. Holmes Baker Street 221b, London, Vereinigtes Königreich

    Von: X. Holmes, Hotel Saint Claire, Blackwater, Vereinigte Staaten


    Lieber Sherlock,

    ich habe gerade einen weiteren Fall von Dir durch Dr Watsons Augen in Schriftfform miterlebt. Ich kann unmöglich glauben, dass Du so lange gebraucht haben sollst, um hinter das Geheimnis der Napoleons zu kommen. Selbst mir war schon auf der zweiten Seite klar, was mit großer Sicherheit dahinterstecken musste.
    Für Deine Gedanken und Anregungen bezüglich Horley und der LeClercs bedanke ich mich herzlich, zumal sie mir zeigen, dass ich wohl in die richtige Richtung denke.
    Mich hat es wieder nach Blackwater verschlagen, wo ich mich in dem geheimen Lager mit Horley und Mrs LeClerc getroffen habe. Die trauernde und wütende Witwe war sich mittlerweile sehr sicher, die vier Hauptschuldigen an ihrem Mann herausgefunden zu haben. Sein Partner, dessen Frau und ihr Bruder, sowie einen windigen Anwalt, der auch seit kurzer Zeit als Buchhalter der gemeinsamen Firma tätig ist, sollen sich in verschwörerischer Weise gegen den ehrbaren und gutmütigen LeClerc zusammengetan haben.
    Du wirst den ironischen Unterton in meinen Zeilen bemerken, denn auch wenn ich das alles für durchaus plausibel halte, habe ich inzwischen selbst ein paar diskrete Nachforschungen angestellt. Der kometenhafte Aufstieg der einst kleinen, wenngleich soliden Firma, zu jenem gebietsbeherrschenden Unternehmen, hatte nicht überall mit sauberen Geschäftspraktiken stattgefunden. Konkurrenten waren genötigt worden, deren Warenlieferungen unauffindbar verschwunden und Kredite vorzeitig von der Blackwater-Bank zurückgefordert worden. Undenkbar, dass die so ehrbaren Mr und Mrs LeClerc von all dem nichts mitbekommen haben. Mir ist also inzwischen klar, dass man Mrs LeClercs Racheschwüren durchaus die angekündigte Brutalität zutrauen darf. Mein nicht sehr ausgeprägtes Mitgefühl lobte sie jedenfalls gleich zweimal scheinbar beiläufig. Ich fürchte, die Witwe und ich werden da eines Tages ernsthafte Differenzen bekommen, da sie mangelnde Weinerlichkeit mit fehlenden moralischen Grundsätzen gleichsetzt.

    Wie dem auch sei, es gibt auch erfreuliche, wenngleich skurrile Neuigkeiten. Ich besitze nun einen Angestellten. Sein Name ist Crisp und auf den ersten, zweiten und dritten Blick ist er ein alter Mann, der eine Menge Ideen aber wenig Glück im Leben hatte. Vom Bankräuber bis zum Akrobaten in einem weltweit auftretenden Zirkus, hat der Alte schon fast alles einmal gemacht, aber es schien ihn irgendwo länger zu halten. Ich hatte ihn in einem Saloon vor einer unsanften Abreibung durch zwei Bahnarbeiter bewahrt und er hat mir während oder eher zwischen einem halben Dutzend Bieren und einer deftigen Mahlzeit von seiner Idee erzählt, die wohl schon seit langem in ihm reift. Er will herumziehen und ganze Tiere von Trappern erwerben, um die Einzelteile in einem besonderen Verfahren zu verwerten. Daraus will er Waren herstellen, die er als Zulieferer für die großen Fabriken im Osten für gute Dollar loswerden kann, so sein Plan. Ihm fehlt – natürlich – Startkapital und jemand, der die Waren auch sicher an die entsprechenden Handelsstationen schaffen kann. Und da komme ich ins Spiel. Auch wenn ich nicht weiß, ob das alles kein gewaltiger Reinfall wird, so liefert mir dieses Unternehmen einen plausiblen Hintergrund herumzureisen und in der Geschäftswelt weitere Nachforschungen anzustellen.
    Natürlich halte ich Dich weiterhin auf dem Laufenden.



    Dich liebend,
    Xinestra

    Das wäre dann eher die Grundidee des Romans. Ist das nicht etwas anderes als die Prämisse?

    Gute Frage.


    Obwohl ich dazu tendiere zu sagen, dass eine Grundidee noch einmal etwas Anderes ist. Tolkien mag sich wohl gedacht haben (reine Spekulation meinerseits als Gedankenspiel):

    Wie wäre es eigentlich, wenn ich meine Linguistik-Kenntnisse mal in eine eigene Sprache fließen lasse.
    Wie wäre noch eine Sprache?
    Cool, jetzt Leute, welche die Sprachen sprechen!
    Hm, wo ich schon mal das Setting habe, warum das nicht in Romanform zu etwas zusammenbasteln? (Oh, und meine ganzen Gedichte und Lieder bringe ich da auch noch unter, ganz sicher!


    Das Ganze würde ich als Grundidee sehen, es muss ja nicht ganz am Anfang der EINE RING gestanden haben, in seinen (meinen ^^) Überlegungen.

    Prämissen wären hier aber dann wieder, dass Tolkien überhaupt die Skills hatte, eine eigene Sprache zu entwickeln, oder den Fließ, das alles noch unter einen Hut zu bringen.

    Hm, ich denke, in manchen Fällen (nicht allen!) verwechselst Du Prämisse mit Quintessenz.


    Prämisse ist eher eine Grundlage, auf der etwas beruht, etwa ein Roman. Das kann tatsächlich auch mal eine Kernaussage sein, wie die Sache mit dem "Jeder Stand hat seine Ehre, übt er treulich seine Pflicht (aber wehe nicht!)", aber beim Herrn der Ringe ist die Voraussetzung, dass der böse Sauron einfach keine Ruhe gibt. Oder einfach der Fakt, dass es Elben, Zwerge und Hobbits überhaupt gibt.
    Anders gesagt, gibt es meist mehrere Prämissen.

    Ich versuche es einmal anhand einer Aussage zu zeigen, wie sie im "täglichen" Leben vorkommen könnte:


    Unter der Prämisse, dass Du Deinen Teil der Vereinbarung diesmal einhältst, gebe ich Dir eine letzte Chance.

    Kernaussage Quintessenz: Letzte Chance für Dich. (oder: Ich bin ein Trottel, der immer wieder auf Dich reinfällt :patsch: )
    Voraussetzung (Prämisse) : Ich gehe davon aus, dass Du Deinen Teil diesmal auch erfüllst und mich nicht hängen lässt.

    An: S. Holmes, Baker Street 221b, London, Vereinigtes Königreich
    Von: X. Holmes, Pension Miller, Valentine, Vereinigte Staaten


    Lieber Sherlock,

    hasst Du es auch so wie ich, wenn man Dich engagiert, aber Dir zum Einen nur die eine Hälfte der Geschichte erzählt und zum Anderen diese Hälfte selbst nur bedingt wahr ist? Als wir endlich Bob Crafish und seine Leute aufgestöbert hatten, liefen wir geradewegs in eine ganze Bande aus gut einem Dutzend zu Allem bereiten Banditen hinein. Zum Glück konnte ich meine Mitstreiter überzeugen, uns so leise es geht von allen Seiten dem ehemaligen Postkutschenörtchen zu nähern. Außer dem Saloon, von dem auch nur noch der untere Stock stand, hatte nur ein gemauertes Lagerhaus den Brand überlebt, den die winzige Siedlung heimgesucht hatte. Kaum wurden sie uns angesichtig, eröffneten sie das Feuer. Es war offensichtlich, dass man uns, oder Leute wie uns erwartet hatte. Es gelang uns die Gegner auszuschalten oder in die Flucht zu schlagen, doch dann öffnete sich das Tor der Lagerhalle und Crawfisch und drei seiner Männer brachen im Galopp auf ihren Pferden hervor und suchten ihr Heil in der Flucht. »Nehmt die Lassos, wir brauchen sie lebend!«, rief Black Mad Jack, der zumindest von den drei Männern in meiner Truppe stillschweigend als Anführer akzeptiert wurde. Ich sah zwar den Sinn der Anweisung ein, hatte aber weder ein Lasso, noch wusste ich damit umzugehen. Rick, falls überhaupt möglich, der zivilisiertest aussehendste, nahm kommentarlos ein Lasso von einem der herumstehenden Pferde und warf es mir zu, bevor er, ebenfalls im gestreckten Galopp unsrer Beute nachjagte, die sich nun klugerweise aufteilte. King George muss sich jedoch bei keinem Rennen verstecken und selbst als die Banditen einen flachen Fluss überquerten, hielt sich der Hengst wacker. Zwei Wurfversuche später gab ich es auf, mein Ziel mit dem Lasso vom Pferd zu holen, ließ meinen Hengst anhalten, nahm die neue langläufige Flinte und schoss. Ob Können oder Glück, ich erwischte die Schulter meines Ziels und das warf ihn aus dem Sattel. Als wir unsre vier Gefangenen am vereinbarten Ort ablieferten, verlangte Arndale tatsächlich von uns, sie auf die Schienen zu legen und er erpresste die vier Gefangen zu Aussagen. Es stellte sich heraus, dass Arndale die vier Männer kümmerte, sie sogar zusammen die Kunstobjekte erworben hatten. Die Beute lagerte nun bei Arndales Schwester im Keller. Hochinteressante Familienverhältnisse. Und dabei bilden wir uns immer ein, Unsre Familie hätte eine komplizierte Beziehung! Woher sie das Geld hatten oder warum Arndale uns zuvor nichts über die Zusammenarbeit mit Crawfish berichtet hatte, schien außer mir keinen zu interessieren. Als beim nicht allzu fernen Bahnhof von Valentine der Zug einfuhr, zahlte uns Arndale schnell aus mit dem Auftrag, die vier hier liegen zu lassen. Bevor ich noch nachhaken konnte, immerhin war das ein eindeutiger Mordauftrag, war er auch schon davon. Natürlich konnte ich nicht hinterher, denn ich konnte unmöglich die vier Männer so einfach dem Tod überlassen. Selbstverteidigung ist das Eine, völlig normal hier im Westen, kaltblütiger Mord eine ganz andere Sache. Wir ließen sie schließlich laufen, als sie versicherten, mit uns keinen Streit zu haben. Was denkst Du, sollte ich an Arndale dranbleiben, oder soll ich diese Sache lieber die Wölfe unter sich austragen lassen? Ich werde auf jeden Fall erneut Kontakt mit Horley aufnehmen.


    Dich liebend,
    Xinestra

    An: S. Holmes, Baker Street 221b, London, Vereinigtes Königreich
    Von: X. Holmes, Pension Miller, Valentine, Vereinigte Staaten


    Lieber Sherlock,

    Sheriff Malloy ist ein echtes Original, oder vielmehr ziemlich genau so, wie man sich den Ordnungshüter einer Stadt vorstellt, die ihre wilden Tage zum Großteil hinter sich hat, wo aber Schlägereien und vereinzelte Schießereien nicht völlig ungewöhnlich sind. Mit seinem Deputy Butch taucht er im Saloon auf – so nennt man hierzulande die Pubs – bevor es Tote gibt, und sammelt die Betrunkensten und geistig Beschränktesten ein. Man muss schon ziemlich blöd sein, auf die Beiden zu warten, denn sie schießen am Vordereingang erst ein paarmal in die Luft, zählen dann bis zehn, bevor sie ganz gemächlich reinkommen. Mehr als genug Zeit durch die beiden Hintertüren zu entkommen. Schießereien auf der Straße unterbindet der Sheriff strikt und man erzählt sich, er habe sogar in jungen Jahren ein High-Noon-Duell mit Charles o’Harper gehabt, dem gutaussehenden, aber stets betrunkenen Wortführer der Two-And-A-Half-Gang. Dieser Ruf verhinderte bisher weitere gewaltsame Ausschreitungen von Möchtegern-Gunmen. Zuletzt sorgt er noch dafür, dass die Kirchgänger am Sonntag ihre Messe in Ruhe feiern können und die Dirnen aus dem High-Five-Lady-Salon nicht über Gebühr ihre Geschäftspraktiken auf die ganze Stadt ausbreiten.
    Das war es aber dann. Für alles Weitere setzt er Kopfgelder aus oder vielmehr der Staat, oder aber er vermittelt Bürger in Not an freischaffende Messer, Revolver, Gewehre oder Bogen. Ja, ehrlich, Bogen sind auch unter Weißen eine sehr häufige Waffe. Gerade Trapper, die sich nebenher etwas Bares dazuverdienen wollen, sind damit nicht zu unterschätzen.
    Wir sind zu viert. Ich will nicht sagen, dass meine Mitstreiter auch wie Galgenvögel aussehen, da ich selbst derzeit kaum einen besseren Anblick biete. Ein gewisser Clinton Arndale, ein unsympathischer, offensichtlich wohlhabender Gentleman aus Valentine, wurde beraubt. Auch einen Schuldigen hatte Arndale schon ausgemacht: Bob Crawfish und seine Bande. Malloy hatte festgestellt, dass es erstens keine Beweise gegen sie gab und sie zweitens – für ihn viel entscheidender – nicht in der Stadt waren, er also rein gar nichts tun konnte. Aber er vermittelte uns vieren den Job, die Bande samt Beute zu suchen. Arndale wollte einen fetten Bonus drauflegen, wenn wir die vier Halunken lebend zum Bahnübergang nahe seines Anwesens bringen. Auf meine Frage, warum ausgerechnet eine Banditenbande ihm Dinge wie ein wertvolles Gemälde aus Italien, eine französische Porzellansammlung oder die Schwarzwälder Kuckucksuhr gestohlen hatte, wich er mir wiederholt aus. Auch meine Anmerkung, dass ich erstaunt sei, dass ein respektabler Mann überhaupt solche Halunken mit Namen kenne, ignorierte er geflissentlich. Er sprach auch viel lieber mit meinen drei männlichen Partnern, die schienen mehr am Geld als an der Aufklärung irgendeines Verbrechens interessiert zu sein und waren daher weitaus zugänglicher. Morgen bei Dämmerung wollen wir los. Der Sheriff hat eine Idee, wo die Bande untergekrochen sein könnte, und da wollen wir ansetzen.

    Wie ich aus einer zwei Monate alten London Times erfahren musste, hat man Dir und Dr. Watson eine Audienz bei Ihrer Majestät gewährt. Schande über Dich, dass Du das nicht einmal in Deinen Briefen erwähnst! Verkehrt ihr nun gar in der besseren Gesellschaft? Aber nein, das denke ich eher nicht. Die Gassen und Gossen der Stadt würden Dir zu sehr fehlen.


    Dich liebend,
    Xinestra

    An: S. Holmes, Baker Street 221b, London, Vereinigtes Königreich
    Von: X. Holmes, Hotel Salvage, Saint Denise, Vereinigte Staaten


    Lieber Sherlock,

    meine Wohltäterin stellte sich als Jessica LeClerc, die Witwe des angeblich von mir ermordeten Geschäftsmanns in Blackwater heraus. Den Mann, der mich befreit hat nennt sie Mr. Horley, aber ich wette, diesen Namen trug er auch nicht immer. Wenn er sich unbeobachtet fühlt, ist sein Blick kalt und ich bemerkte, dass es seine Entscheidung ist, seiner Dienstherrin zu helfen, auch wenn es gerade wenig opportun erscheint. Seine Moral ist eine Frage des Standpunkts, den er einnehmen will, würde Mycroft sagen. Ich weiß, das gerade Du mich da verstehst, ist diese soziophatische Ader auch in unsrer Familie teilweise sehr ausgeprägt.
    Mrs. LeClerc, eine auf vornehme Weise schöne Frau, hatte mich aber nicht aus Güte befreien lassen, sondern weil sie genau wusste, dass ich unschuldig war und sie will meine Motivation auf Rache für ihre Zwecke einspannen, meinetwegen, solange sich unsre Ziele decken?
    Die Witwe hat vier Personen in Verdacht, die für den Mord an ihrem Mann in Frage kommen, aber sie wollte nicht recht mit der Sprache heraus. Ihre Emotionen schwankten teilweise irritierend zwischen der jammernden, trauernden Witwe und der schäumenden, rachedurstigen Ehefrau und allem was dazwischen liegt. Zwischen den Zeilen lese ich heraus, dass sie sich auch eine Mitschuld am Tod ihres Mannes gibt. Sie muss ihn sehr angetrieben haben, um selbst ein gutes Leben führen zu können, womöglich ließ er sich daher mit den falschen Leuten ein?
    Da sie mir aber noch nicht ganz traut, ich zudem selbst Nachforschungen anstellen wollte, riet mir Mr. Horley mich mit den Sheriffs der Umgebung und mit Marshall Tom Davis im Besonderen gut zustellen. Ich denke, ich werde meine Fähigkeiten nutzen um ein paar der übelsten Strolche aus dem Verkehr zu ziehen und dabei wieder meine Barschaft aufzustocken. Zum Glück stand King George - Du erinnerst Dich an das Vollblut, was ich aus der Heimat mitgebracht hatte - immer noch in seinem Stall, hier in Saint Denise. Es lohnt sich eben doch, die Stellgebühr immer gleich jahrweise im Voraus zu entrichten. Ein gutes Pferd ist hier in den Kolonien nicht mit Gold aufzuwiegen, abgemagerte Klepper oder kurzbeinige Arbeitspferde gibt es natürlich für wenige Dollar.

    Mein erster Weg führt mich nun nach Valentine zu Sheriff Curtis Malloy. Er hat offenbar Schwierigkeiten mit einer Diebesbande und ich will sehen, ob ich in diesem recht einfach erscheinenden Fall nicht beginnen kann einen guten Ruf aufzubauen. Zum Einen will ich gerne auf die Ressourcen der Lawman zurückgreifen um meinen eigenen Fall aufzuklären, zum Anderen dürfte eine zuverlässige Helfern der Gesetzeshüter keinen Verdacht erwecken mit einer gewissen ausgebrochenen Mörderin ein paar unwesentliche körperliche Ähnlichkeiten aufzuweisen.
    Mit Schmunzeln habe ich einen Roman eines gewissen John Hamish Watson gelesen, der beschreibt, wie ein gewisser Sherlock Holmes den Fall des Hundes von Baskerville löst.
    Du trägst doch nicht wirklich diese alberne Deerstalker-Mütze, oder? Falls ja, erwarte ich mit dem nächsten Brief eine Photographie und am besten mit Watson neben Dir.



    Dich liebend,
    Xinestra