Beiträge von Zarkaras Jade

    Hier werde ich ab und an ein paar Kurzgeschichten reinpacken (meistens über Gefühle und Eindrücke), deren Geschehen ich in der Großstadt Stanville spielen lassen werde, vorrangig um der Stadt mehr Charakter und Charme zu verleihen.



    -Augenblicke -


    Stanville: 20.12.2019


    Mit einmal warst du da. Auf einer Bank sah ich dich sitzen, die Hände in den Seitentaschen deiner roten Daunenjacke vergraben. Was genau der Indikator war, wusste ich nicht, aber ich fixierte mich spontan auf dich. Weder Totenstille noch Großstadtlärm, die anderen Passanten oder sonstige Geschehnisse brachten mich davon ab, dich anzuschauen. Irgendwas Magisches veranlasste mich dazu, meine Augen auf dir ruhen zu lassen.
    Winzige Details. Kleine Schneeflocken auf deiner königsblauen Jeans, die wie Sterne glitzerten. Deine Turnschuhe, die eindeutig nicht für dieses Winterwetter gemacht waren. Aber bestimmt war es deine völlige Absicht, diese zu tragen. Und im Endeffekt erlaubte ich mir nicht, diesbezüglich zu urteilen. Denn ich selbst besaß auch kein passendes Schuhwerk.
    Dafür war dein Hals gut geschützt im grau nuancierten, grobmaschig gestrickten Schal eingewickelt, auf dem sanft dein blondes Haar ruhte. Dein bescheidenes Pony verdeckte nur schwer die in Denkfalten gelegte Stirn. Was ich aber überhaupt nicht schlimm fand. Im Gegenteil. Es brachte mich zur Annahme, dass du womöglich ein ebenso nachdenklicher Mensch warst wie ich.
    Dein Aussehen war so ansprechend, dass meine Augen länger auf dir verweilen wollten. Wider allen Vermutungen, es könnte mich ein Lächeln oder Ähnliches zu dem veranlasst haben, war dein Gesicht von keiner solchen Mimik geprägt. Es wirkte neutral, vielleicht auch etwas nachdenklich melancholisch.
    Allein deine fest aufeinander gepressten blassrosa Lippen, die unbedacht die ungesagte Ehrlichkeit wiedergaben, und die ruhigen Augen, die für mich heller strahlten, als die Sonne es jemals könnte, waren mir Grund genug. Jeder andere hätte darin nichts Besonderes gesehen, aber mich ließ dein wärmender Blick die Eiseskälte für einen Moment vergessen.
    Kein Schmerz, kein Leid betrübte mich.
    Doch Frust und Einsamkeit …
    Das erdrückende Gefühl der Erkenntnis, dass ich dich niemals näher kennenlernen würde und mich dadurch umso mehr zu dir hingezogen fühlte.
    Der herabfallende Schnee verwischte deine Gestalt. Zwanghaft versuchte ich, dein Gesicht besser erkennen zu können. Schon allein deshalb wünschte ich mir, dir näher zu sein. Und sei es nur ein Hauch gewesen. Ein einziger Schritt.
    Für andere mochte es keine erkennbare Hürde darstellen, sich einfach zu erheben und auf dich zuzugehen. Es schien so einfach, so simpel.
    Aber für mich blieb es ein unüberwindbares Hindernis.
    Weniger Schnee fiel hinab, die Sicht klarte auf und die durch die Wolken brechende Sonne nahm mir die Trägheit aus den Augen. Folglich konnte ich dich besser erkennen. Was es für mich umso schwerer machte, dir zu widerstehen.
    Offenbar veranlasste dieses Ereignis auch dich zu einer neuen, unerwarteten Aktion. Dein Blick schwenkte zu mir um.
    Mein Herz begann zu rasen. Der plötzliche Schweißausbruch und Unsicherheit trieben mich in die Verzweiflung und ließen mich schnell kapitulieren. Stechende Angst lastete auf mir, schnürte mir die Kehle zu.
    In Panik versetzt ließ ich meine Augen nur an dir vorbeiziehen, als würde ich etwas hinter dir fokussieren. Ich war zu schwach, auch nur einen längeren Blick zu wagen, geschweige denn dich direkt anzusehen. In jene smaragdgrünen Augen, eines jenen makellosen Gesichtes, das mich von erster Sekunde an in den Bann gezogen hatte.

    Doch so schnell du zu mir starrtest, so schnell starrtest du auch wieder auf den Boden vor dir.
    Es verstrich kaum Zeit, da wagte ich wieder einen Blick auf dich.
    Gefangen im Wechselspiel zwischen Selbsthass und Unersättlichkeit war ich auf der Suche nach einem Makel, der mich dich hoffentlich vergessen lassen würde und zugleich nach einem neuen Detail, das mein aktuelles Empfinden untermauern sollte.
    Doch ich erlag schnell dem Drang nach seelischer Befriedigung. Meine größte Schwäche, die stetige Sehnsucht nach Glückseligkeit. Auf Kosten der inneren Ruhe und Balance.
    Du warst wie eine Droge. Ich wurde süchtig nach dir.
    Es war dieser von Schicksal erfüllte Moment, noch kürzer als ein einzelner Wimpernschlag, und dennoch tief in Gedanken Äonen verstreichen ließ.
    Ganze Geschichten baute ich darauf auf, komponierte Symphonien und schuf gigantische Bilder in bunter Farbenpracht.
    Wie sollte ich wissen, ob du mich überhaupt wahrgenommen hattest. Wirkte ich bestimmt so unbedeutend auf dich wie ein herabfallender Wassertropfen des Eiszapfens am Geländer neben dir. Und er selbst schon so irrelevant, dass sogar die große Schneeflocke auf der Haarsträhnenspitze, die dir in jenem Moment ins Gesicht gerutscht war, noch mehr Wichtigkeit besaß. Vielleicht trug allein sie mit ihrem geringen Gewicht dazu bei, dass eben genau dies passierte. Was dich weiterführend dazu veranlasste, sie mit mit einem Fingerwisch wieder aus dem Gesicht zu streifen.
    Aber meinen Zweck in dieser Gleichung konnte ich nicht erkennen.
    Du warst vermutlich der exakte Gegenpol zu mir.

    Gerade, als ich endlich meine Ängste überwinden konnte und meine Beine mich zu dir tragen wollten, standest du auf und gingst fort.
    Und ich blieb zurück. Ich bekam einen Rückfall und verkroch mich wieder in mein Innerstes.
    Wie jedes Mal war ich zu langsam im Leben. Wie jedes Mal war ich zu ängstlich.
    Und auch dieses Mal schaute ich meinem Glück bedauernd hinterher und verurteilte mich für meine Feigheit.


    Für mich warst du es, das eine Besondere ...

    Der Meckerjade ist da!:ninja: Zieht euch warm an und verdreht die Augen!

    Nein, ernsthaft, ich habe nichts gefunden, woran ich rummeckern kann. Bisher vollkommen solide. Aber das sind wir ja nicht anders gewohnt von euch. Sirrah kann ich noch nicht so richtig einschätzen, ob sie tatsächlich so kühl ist, wie sie tut, es nur Fassade gegenüber ihrer Ware ist oder nur Fassade speziell in Jasons Fall. Denn er ist schon sehr direkt und forsch. Ob sie seine Bemerkungen auch in Zukunft eiskalt von sich abprallen lässt, oder doch etwas genauer auf diese und seine womöglichen Bedürfnisse eingeht, wird sich bestimmt noch zeigen. Dass er bisher noch aussieht wie ein Autounfall kommt ihm zumindest vorerst nicht zugute. Aber seinen Haarschnitt find ich toll!

    Die Inneinrichtung seines Quartiers erinnerte mich ein Wenig an die Quartiere in meiner Geschichte. Und euer Quartier ist "nur" 9 Quadratmeter größer!:P Welch Luxus!

    Am meisten freue ich mich ohnehin auf die Reise an Bord der Pollux!:alien:

    Aber eine Frage habe ich noch! Die ist sehr sehr wichtig!

    Was ist aus dem kleinen Becher für die DNA-Probe geworden?:ninja:

    Da es eine Fantasy Geschichte ist nehme ich trotz des Mittelalters einfach so Plizisten wie sie heute ... ach nee ... vergest es wieder ... wenn ihr Deutsche seit versteht ihr das nicht. :whistling:

    In Österreich funktioniert die Polizei ja ganz anders.:D

    Als deutsche finde ich das jetzt etwas beleidigend, aber lassen wir das mal beiseite....

    Also ich würde das schon gerne etwas genauer wissen, was wickie damit gemeint hat.

    Es gab da ja mal so einen Östereicher. :hmm:Und ich meine nicht Falco.:ninja:

    Makaberer Scherz beiseite. Ich würde trotzdem schon gern wissen, wie wickie es gemeint hat.

    Flipflop Lack (niemand kann mir sagen wie das natürliche Material heißt.

    Grob gesagt Metall. Man unterscheidet halt bei diesem Lack zwischen Metalliclack und Perlglanzlack. Metalliclack verändert die Helligkeit und Perlglanzlack die Farbfrequenz. In beiden Fällen werden dafür Metallpigmente genommen, also kleine Metallplättchen oder "Perlen", die entweder "nur" Metall oder eine chemische Verbindung aus Metall und anderen Bindestoffen sind. Das ist jetzt die grobe Erklärung dazu. :thinking:

    Und nur so nebenbei, Bücher habe ich auch schon 3 veröffentlicht das 4. ist kurz vor der Fertigstellung (die Kurzgeschichte), ein 5. und 6. ist in arbeit, das 7. Buch habe ich hier angefangen und darüber hinaus bin ich noch in einer 40 Stunden Festanstellung. Ich kann nachvollziehen wie du dich fühlen musst.

    Kann man die Bücher irgendwo käuflich erwerben oder dort irgendwie reinlesen? Nur, um zu sehen, wie eventuell dein Schreibstil ist. Das könnte vermutlich auch sehr hielfreich sein, dir im weiteren Schritt Tipps zum Inhalt und Ausdruck zu geben. Denn laut dieser Aussage hättest du bestimmt bereits gewisse Erfahrung darin, effektiv zu plotten. Denn aus dem Nichts kommen dir ja keine kompletten Plottideen zugeflogen für 6 Geschichten.

    Wegen der Perspektive oder der vergangenheitsvorm habe ich mir eigentlich noch nie Gedanken gemacht, ich lasse meine Texte sonst immer korrigieren.

    Wie jetzt? 3 Geschichten bereits veröffentlicht und drei weitere in Arbeit bzw. fast fertig. Wurde dir das bei diesen Geschichten angestrichen/ vorgelegt, wo du Perspektiven- oder Zeitformwechsel hattest? Oder wurde das still und heimlich korrigiert? Es geht mir darum, ob es in der Fülle der Texte gehäuft vorkam oder vielleicht doch nur vereinzelt. Uns passieren solche Fehlerchen auch ab und zu. Und da wir auch nach abermaligem Lesen nicht immer all diese Fauxpas finden, hoffen und vertrauen wir auch auf die analytischen Augen der Leser.

    Ich kann von meinem Teil nur sagen, ich habe leider nicht die Zeit mir jeden der Komentare durch zulesen, in dem es um irgendwelche Vorwürfe und co. geht.

    Ich finde das etwas ungünstig ausgedrückt.:hmm: Sagen wir mal lieber: "irgendwelche angeblichen Vorwürfe und co. geht."

    Ich habe hier bereits deutlich offensivere Kommentare zu lesen bekommen und zum Teil auch in meinen Geschichten. Und selbst die fand ich am Ende entweder total lächerlich oder einfach nur zu absurd, um mich längerfristig darüber aufzuregen. Außerdem gelten ja in erster Linie immer noch die Forenregeln und wenn tatsächlich ein Beitrag deutlich zu angreifend sein sollte, dann wird der auch schnellstmöglich von den Moderatoren (geprüft und) gelöscht. Natürlich könnte man nun auch argumentieren, dass ein Moderator ja wohl kaum seinen eigenen Beitrag zensieren würde, sollte dieser eventuell doch gegen die Forenregeln verstoßen. Aber da gilt, dass wiederum auch die anderen Moderatoren diesen Text bestimmt nochmal querlesen und auch andere Forenmitglieder ein Ticket schreiben können, falls sie der Meinung sind, dass es nötig ist.


    Ich persönlich habe hier alle Beiträge durchgelesen. Manche sogar mehrmals. Ich kann wickie in groben Zügen verstehen, warum er sich angegriffen fühlte. Andererseits verstehe ich seine Intention, sich hier angemeldet zu haben, nicht komplett. Ich schätze dieses Forum sehr, einfach weil man hier in den meisten Fällen ehrliche und konstruktive Kritik erhält, außerdem andere Leute bei ihren Geschichten aktiv helfen kann, live miterlebt, wie deren Geschichten entstehen und mit dem Schreiber mitwachsen. Es ist sehr benutzerfreundlich angelegt, eine wirklich gute Community und vieles mehr. Wir helfen auch gern Leuten etwas mehr als "normal" üblich. Aber wir erhoffen uns von jedem Neuzugang auch, dass dieser sich mit am Forenleben beteiligt und nicht nur in seinen eigenen Threads herumgeistert. Da kommt bei einigen schnell das Gefühl auf, ausgenutzt zu werden.


    Übrigens finde ich die Aussage zwecks Motto "Geben und Nehmen" eigentlich falsch.:ninja: Denn wenn dem so wäre, dann wäre es quasi Jedem, der etwas aktiv gibt, erlaubt, sich auch etwas aktiv zu nehmen. Aber wer möchte sich schon nehmen lassen? Ob aktiv oder passiv?

    Ich würde als Motto eher "Geben und sich geben lassen" sagen.:ninja:

    Lieber wickie ich muss eingestehen, das mir der Anfang deiner Geschichte deswegen etwas unter gegangen ist. Da ich noch nicht mal meine Geschichten auf anhieb finde, wäre es für mich hilfreich wenn du mir ein Link zukommen lassen könnest, damit auch ich deine Geschichte lesen kann.

    Siehe Post Nr. 36 ganz unten der Spoiler.

    aller Anfang ist schwer (zum Mitmachen)



    Nun zum bisherigen Text der Geschichte.


    Ich finde, du schreibst vieles doppelt und dreifach. Einmal lässt du es den Erzähler uns mitteilen und dann kommen dieselben Informationen nochmal von den einzelnen Charakteren. Wie das mit der Dürre zum Beispiel. Bereits am Anfang berichtet der Erzähler davon und später noch einmal Person 1 und 2.

    Ebenso driftest du schnell in Umgangssprache ab. Ich muss gestehen, auf mich wirkte der Text dadurch stellenweise eher als Parodie.

    Ebenso fand ich die Geschichte bisher eher semi spannend. Der Brunnenbau kam mir nicht so glaubwürdig rüber, weil ich mich frage, ob Vater und Sohn den Brunnen nur für sich allein bauen oder für die Stadt. Zu zweit einen Brunnen bauen ist schon sehr anstrengend und woher wissen die überhaupt, dass dort Grundwasser zu finden ist? Oder erweitern die nur einen bereits vorhandenen Brunnen? Du sprichst von einer Karte, aber gibt es in einem mittelalterlichen System wirklich Landkarten, auf denen unterirdische Wasserquellen abgezeichnet sind? Nagut früher war halt Vieles Moor und Sumpf und der Grundwasserspiegel vermutlich um einiges höher als heute. Da konnte man vermutlich irgendwo ein Loch buddeln und das Wasser quoll nur so heraus. Aber bei einer so starken Dürre, dass anscheinend jegliche Vegetation zu Grunde geht? Wie tief wollen die denn da graben?

    Ach übrigens -weil du schon wieder meinst, du wüsstest nicht weiter mit der Geschichte- hast du doch mit den Magistraten und der Genehmigung zum Brunnenbau bereits einen weiteren großen Ansatz zur Story geliefert. Denn warum sollten die Magistraten den Brunnenbau einfach so genehmigen, wenn dies offenbar nicht Gang und Gäbe ist? Und dann findet der Sohn anscheinend auch noch genau an dieser Stelle ein Bruchstück der Krone. Welch Zufall!:rolleyes:

    Frank


    Frank steuerte seinen Wagen von der asphaltierten Straße auf einen Schotterweg, der auf direktem Weg in den Wald führte. Schon jetzt konnte er die frische Luft der kanadischen Natur förmlich riechen. Bereits seit Wochen hatte er diese Zeit herbeigesehnt und dabei hatte er mehr als einmal das Gefühl gehabt, mit jeder Stunde, die er seinem Urlaub näher gekommen war, hatte sich seine Arbeit verlangsamt. Witzigerweise konnte das gar nicht sein. Als Uhrmacher hatte er die Zeit schließlich buchstäblich im Blick.

    Neben ihm beugte sich Renée vor und schaltete das Radio aus, aus dem bis eben noch der Mainstream-Pop des 21. Jahrhunderts gequollen gekommen war.

    „Jetzt gibt es drei Tage nur noch Vogelgezwitscher und den Klang des Waldes“, meinte sie und öffnete demonstrativ das Fenster.

    Frank nickte stumm.

    Wie jedes Jahr um die gleiche Zeit unternahmen er und Renée einen mehrtägigen Jagdausflug in die wunderschönen kanadischen Wälder nahe Shamattawa. Bei Shamattawa handelte es sich um eine sehr kleine Gemeinde in mitten eines sehr weitläufigen und beinahe unberührten Waldgebiet. Perfekt für die Jagd.

    Nebst seiner Tätigkeit als Uhrmacher brauchte Frank ein weniger anspruchsvolles Hobby zum Ausgleich. Das Angebot in seiner Gegend war mau, aber die Ansprüche ebenso. Das Angeln allein konnte ihn jedoch nicht befriedigen, also trat er nach langem Überlegen doch einem Jagdclub bei. Wobei er sich schnell mehr für Renée interessierte als für den Club.

    Sie waren nicht zum ersten Mal in diesem Gebiet des Waldes unterwegs, weshalb sie sich etwas orientieren konnten an markanten Bäumen, Hügeln und Felsen.

    Obwohl es nur eine Straße gab, konnte man sich zwar nicht verfahren, aber trotzdem schnell verirren. Für einen Laien sah es hinter jedem Hügel und jeder Hecke gleich aus, was für die beiden Kollegen den besonderen Reiz ausmachte. Abgelegene unberührte Natur, dem drögen Alltag entrinnen, die Seele baumeln lassen.


    Den Jeep in einer Niesche am Straßenrand abgestellt, machten sie sich in voller Montur auf dem Weg querfeldein durch den Wald. Neben dem Genießen der farbenprächtigen Umgebung mit all ihren Gerüchen und Klängen blieb immer ein Auge auf der Suche nach verdächtigen Hinweisen. Neben zertrampelten Gras und angefressenen Pilzen machten sie auch erste Spuren von Wild ausfindig. Diese Erkenntnisse verhießen ihm bereits jetzt eine spannungsreiche Jagd. Er sah sich schon mit Renée durch die Büsche schleichen und über den Boden kriechen. In vollster Zuversicht, dieses Mal etwas Großes ins Visier zu bekommen. Nicht immer nur Waschbären oder Dachse.

    Wie auch zuvor im Wagen hatten sie sich während des Spazierganges nicht viel zu sagen, sie empfanden eine Unterhaltung in dieser bedächtigen Ruhe als störend. Obgleich sie sich sonst immer etwas zu sagen hatten. Selbst das Hinweisen auf Spuren erledigten sie nur flüsternd oder mit Handgesten.

    Eine gute Stunde waren sie unterwegs, bis sie ihr bereits zuvor ausgesuchtes Ziel erreichten. Eine kleine Lichtung bot einen hervorragenden Platz fürs Lager.

    Bedächtig legte der Mittdreißiger seine Handvoll Äste, die er unterwegs im Wald aufgesammelt hat, im leicht feuchten Gras ab, um den ersten Beitrag fürs Lagerfeuer zu liefern.

    Beide atmeten tief durch, füllten ihre Lungen mit erfrischender Waldluft und lauschten dem sanften Plätschern des nahegelegenen Baches.

    Es zauberte ein Lächeln auf seine Lippen, als er in Renées zufriedenes, durch die erröteten Wangen belebtes Gesicht schaute.

    Zum Glück schaffte es die wärmende Sonne noch das raue Klima erträglich zu machen. Denn beim Blick in die Ferne sahen sie noch weite Waldstriche in Nebel eingehüllt. Eine stetige Melancholie lag in der Luft, die aber keineswegs störend wirkte.

    Ungestüm hielt Renée Frank mit dem Arm zurück, nahm ihren Fotoapparat und verewigte diesen malerischen Fleck Natur auf einem Bild.

    Er schmunzelte, er wusste ihren Enthusiasmus sehr zu schätzen. Sie würde alles tun für das perfekte Foto einer perfekten Kulisse. Sie war immer die erste, die irgendwas Neues entdeckte und erkunden wollte.

    Aber trotz allem hatten gewisse Dinge Priorität. Auch wenn es erst Mittag war, wollten sie bereits alles für die Nacht vorbereiten. Umso mehr Zeit hatten sie, ihre Zelte aufzubauen. Sie machten sich immer einen Spaß draus, wer als erstes seine Unterkunft aufgebaut bekam. Denn Renée wusste, dass Frank, obwohl er es schon unzählige Male gemacht hatte, stets die Beschreibung benutzte. Für sie völlig unverständlich, ihr war das zu umständlich.

    Kopfschüttelnd beobachtete sie ihn aus den Augenwinkeln, während sie selbst ihre Zeltstangen zusammensteckte.

    Natürlich war Renée deutlich eher fertig und konnte es sich nicht nehmen lassen, seinen mutigen Einsatz mit dem Fotoapparat festzuhalten. Er ließ sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen und beharrte auf seine übersichere Methode. Ein Grinsen konnte sie sich nicht verkneifen.

    Aber es war noch allerhand zu tun und ihn weiter ablenken wollte sie nicht. Also ließ sie ihn mit seinem Zelt allein, nahm sich die Axt und zog in den Wald, um noch etwas mehr Feuerholz zu suchen.

    Kurze Frage, ImmoE.Hefter .

    Du hast vor einiger Zeit angegeben, dass du bereits eine Geschichte veröffentlicht hast. Und nach langem Recherchieren (1 Minute) habe ich herausgefunden, dass diese Geschichte exakt denselben Titel wie diese Geschichte hier hat. Ist das nun auch genau diese Geschichte, die ich käuflich erwerben kann, oder wird das eine komplett neue Geschichte? Also wird das jetzt quasi ein aufmerksam machen auf deine bereits veröffentlichte Geschichte, aufdass du eventuell Leser/ Käufer dafür bekommst? Würde das dann schon als Schleichwerbung zählen? Oder wie ist das hier gemeint?

    Dies ist der Ansatz meines Skipts, bzw.Buches.

    Da ich ja ein blaues Alien bin und das hier als SciFi gekennzeichnet ist, habe ich mal reingeschaut und es mir durchgelesen. :alien: Ich fand es bisher gut geschrieben. Die Welt war gut beschrieben, obgleich ich es persönlich mehr gestreckt hätte. Auf zwei drei Sätze mehr aufgeteilt, denn stellenweise waren es mir doch zu viele besondere Umgebungsdetails, um alles sofort perfekt wahrzunehmen. Gerade weil es der erste Part war, empfand ich das Tempo recht stramm. Du wolltest den Cut als Cliffhanger machen. Aber der Part hätte für mich ruhig noch ein paar Zeilen länger sein können bis zum Cliffhanger.


    Zuerst dachte ich, Ivy wäre eine erwachsene Frau, dann hast du erwähnt, dass sie ein Mädchen ist. Da dachte ich, sie sei so um die 15 und dann erfahre ich, dass sie erst 4 Jahre ist. Da fragte ich mich, warum Ivy abgehauen ist. Oder besser gesagt frage ich mich, warum man es überhaupt zugelassen hat, dass sie abhauen konnte.
    Wenn das natürlich in dieser Gegend/Welt Gang und Gäbe ist, dass die Menschen bereits in so jungem Alter so auf Zack sind, dann finde ich das verständlich. Aber die Welt klingt nicht gerade rosig und stark von Kriminalität beeinflusst. Mir fehlte da irgendwie der Bezug zu Ivy selbst. Ja, ich bin ein Meckerfritze. Aber ich konnte um ehrlich zu sein im ersten Part keine Empathie für irgendjemanden empfinden, da ich Ivy so absolut nicht einschätzen konnte. Ich hatte außer dem Alter keinerlei Wissen über sie und mir war sie quasi egal. Denn du musst dir ja etwas dabei gedacht haben, dass sie verschwunden ist, es aber anscheinend keine Entführung war. Somit musste Ivy aus eigenen Stücken zu der Entscheidung gekommen sein, dass sie meinte, sie könnte einfach so abhauen. Was war ihr Anlass dazu?
    Keine Ahnung, ob meine Gedanken dazu berechtigt sind, hat ja bisher keiner angemerkt. :ninja: Vielleicht könntest du das im ersten Teil durch ein paar Sätze noch etwas klären, dass die Tür eventuell zuvor abgeschlossen war, falls sie es tatsächlich gewesen sein sollte. Und ob das für Ivy untypisch ist.


    Im zweiten Teil hab ich das auch so verstanden, dass sie eigentlich blind sei. Vielleicht könntest du das auch schon im ersten Part erwähnen, dann hat man noch mehr Bezug zu Ivy und könnte sich vielleicht noch besser in die angespannte Situation einfühlen. Das mit der leuchtenden Frau fand ich sehr spannend. Obgleich ich jetzt nicht ganz verstanden habe, on Nate auch das Leuchten gesehen hat. Es klang nicht so. :hmm:
    Oder ist das eine besondere Gabe von Ivy? :hmm:



    Ich versuche mal, mit dran zu bleiben. :alien:

    @Kyelia

    Teil 19


    Zurück auf der Brücke informierten sie die anderen Schiffe über den Plan und koordinierten gemeinsam den Ablauf. Sie wählten das eh schon halb zerstörte Schiff als köder und bereiteten alles vor. Autopilot, Geschwindigkeitsregler, Kurskorrekturen und vieles mehr. Anschließend verfrachteten sie die gesamte Mannschaft bis auf den Kapitän mit auf die Mana. Sie bot als einziges Schiff noch genügend Mehrplatz und sollte ohnehin am meisten geschützt werden.
    Alle Schiffe gingen in Startaufstellung und gaben nochmal jedes für sich die Reihenfolge durch, in der sie den Ereignishorizont durchqueren sollten. Die gesamte Gefolgschaft war hochgradig angespannt. Dann setzte die fast leere Fregatte den Kurs und kurz vorm Passieren wurde auch noch der letzte Tashi von Bord geholt.


    Nun war die Zeit gekommen, es gab kein Zurück mehr. Jetzt mussten sie ihren Plan weiter durchführen und in ein Gefecht ziehen, deren Ausgang noch weniger als unbestimmt war. Zu gern hätte die frischgebackene Kommandantin die ganze Sache abgeblasen, aber nun einen Rückzieher zu machen, war in vielerlei Hinsicht nicht gut. Sie würde viel Autorität einbüßen, vermutlich sogar einen Großteil ihres Freundeskreis verlieren, Tashi'Aras Zorn auf sich ziehen, Puru in die Karten spielen aber vorallem Dere im Stich lassen.
    Das Schiff verschwand in der silbrigen Oberfläche und tauchte kurz darauf in Lumo-Arc wieder auf. Wie erhofft setzten die Ych sofort ihre Superwaffe ein. Die fehlende Besatzung realisierten sie dabei nicht.


    Manas Plan wurde ausgeführt. Alle hielten den Atem an und hofften innig, beim Eintreffen in Lumo-Arc doch nicht sofort vom Feindfeuer in Empfang genommen zu werden. Vor allem Mana hatte schwer zu kämpfen, ihre Nerven zu behalten. Zu viel Spekulation für sie. Zu viel Verantwortung für den ersten Einsatz als Flottenkommandantin.
    Unter dauerhafter Anspannung verfolgte sie die Bildwand, jeder einzelne Befehl wich flüsternd aus ihren zittrigen Lippen. Und keine Rückmeldung zu erhalten, verschlechterte ihre Laune zusätzlich. Nur Sono bewahrte genug Kühle in seiner Stimme, ihre Worte autoritärer an die anderen Kapitäne weiterzutragen.
    Nun entschied es sich. Die Zeit war gekommen, dass auch sie die Sternenbrücke durchquerten. Kaum wurden sie vom silbrigen Ereignishorizont verschluckt, verließen sie ihn auch schon wieder. Abgesehen davon, dass stets die Gefahr der sofortigen Vernichtung im Raum stand, hatte Mana trotzdem nur wenige Augenblicke Zeit, die neue Situation zu analysieren und richtig zu interpretieren.
    Der erwartete Beschuss durch den Feind war vorhanden und nicht zu knapp. Doch als die Tashi das Feuer erwiderten, wehrte sich das Kanonenboot als Einziges nicht. Stattdessen wandten sie dieselbe Taktik wie zuvor an.
    Mana erkannte dieses Muster sofort wieder. „Wie ich es vermutet habe, der Kreuzer soll erneut als Kugelfang dienen! Zielt alle auf das Trägerschiff, solange es nicht hinter dem Kanonenboot verschwunden ist!“
    „Kapitän, die Superwaffe!“
    Ohne diesen Hinweis hätte sie ihren ersten Befehl stehengelassen und vermutlich einen gravierenden Fehler begangen. Sofort revidierte sie diesen und gab neue Anweisungen. „Aufteilen! Eine Fregatte mit uns und Roro nach Westen.“
    Die Mana und ihre letzte Begleitfregatte Hala drifteten schnell Richtung Äquatorosten ab, während die anderen beiden, Jizi und Luju, einen direkten Angriff starteten. Deren Panzerung war dick genug, um dem brutalen Sperrfeuer des Feindes standzuhalten. Sie begannen das gigantische Kanonenboot in engen Schleifen von wenigen hundert Metern Abstand zu umfliegen und es mit gezielten Treffern auf zuvor ausgewählte Sektoren zu beschießen. Bei jeder Umrundung platzierten sie einige Bomben um die Front, dicht genug, dass die Ych selbst sie nicht beschießen würden. Die Bomben explodierten von selbst aber auch nicht, sondern dienten der Mana zur Verstärkung der Durchschlagskraft.
    Schon nach wenigen Minuten war das Flaggschiff weit genug abgedriftet, um eine freie Schussbahn auf die eingegraute Stahlhülle des Bootes zu haben.
    „Jetzt oder nie!“, schrie die von Wut elektrisierte Tashifrau und hielt sich mit beiden Händen am Geländer fest, denn sogleich begann der schwere Beschuss mit den Railguns. Ein dumpfes Dröhnen ratterte durch das Schiff, während dieses sich leicht rotierend immer weiter gen Osten bewegte. Wie im Tunnelblick fixierte sie ihre Sicht auf das kleine Bildschirmfeld, das als Ziel markiert war. Kaum zu glauben, dass dieser Sektor mehrere Hektar groß war.
    Die ersten Versuche, die Bomben aus sicherer Distanz durch gezielte Treffer zum Explodieren zu bringen, scheiterten. Was an sich nicht weiter schlimm war, da sie ohnehin das Boot trafen.
    Doch nach der zweiten Salve wurden die Geschütze genauer, durch die Wucht der Massentreiberprojektile hatten die Detonationn eine viel größere Wirkung. Und tatsächlich gelang es ihnen, zumindest etwas Schaden am vordersten Oberflügel anzurichten. Aus den kleinen Explosionen gingen Sekundärexplosionen hervor, die sich rasch zum Unterflügel ausbreiteten.
    Für die Besatzung der Mana ein erleichterndes Gefühl, bereits jetzt einen ersten Hoffnungsschimmer zu verspüren. Und jeder weitere Treffer gab ihnen noch mehr Bestätigung, aus diesem Kampf mit einem kleinen Sieg hervorzugehen.
    Mana wollte kurzen Kontakt mit Jizi und Luju aufnehmen, aber irgendwie konnten sie keine gute Verbindung herstellen. Etwas merkwürdig, denn zwischen ihrem Schiff und der Hala herrschte durchweg Funkkontakt. Sie vermutete, dass eines der Ych-Schiffe ebenso wie die Tashi Störanlagen besaß, um die Kommunikation der Feinde zu erschweren. Etwas, was die Tashi ohnehin auch einsetzten, aber gegen die Ych schien diese Taktik nicht hilfreich zu sein. Was es für die einäugigen Aliens bedeuten würde, quasi mit den eigenen Kampftaktiken konfrontiert zu werden, stand in den Sternen.
    Die vermeintlich schweren Schäden an der Außenhülle des Kanonenboots waren tatsächlich aber insgesamt nur ein Kratzen an der Oberfläche. Jedoch wollten die Ych nichts riskieren und so schob sich der schwere Kreuzer wieder dazwischen, um abermals dem wichtigsten Schiff die Sicherheit zu bieten, um sich auf das eigentliche Ziel zu konzentrieren. Die Superwaffe, so mächtig und klobig sie auch aussah, war am Ende doch eine sehr empfindliche Konstruktion, die unter keinen Umständen leichtfertig geopfert werden sollte. Da waren den Ych offenbar sogar die anderen Großkampfschiffe weniger wert. Nur vereinzelte Abwehrgeschütze waren aktiviert, denn es bedarf einen Großteil der Energie, um die Hauptwaffe in Betrieb zu halten. Und die Zeit bis zum nächsten Einsatz wurde immer knapper.
    Durch deren ungeheure Größe nahmen sie so viel Platz ein, dass ein weiterer Parabolflug der beiden Tashi-Fregatten unterbunden wurde und sie quasi gezwungen waren, ihre Route zu ändern, um nicht ständig ins Kreuzfeuer beider Schiffe zu geraten. Natürlich kein Problem für diese, im Vergleich zu den Ych-Schiffen, wendigen kleinen Flitzer, aber trotzdem ein Manöver, das sie bevorzugt nicht getan hätten. Unweigerlich mussten die Tashi zugeben, dass in diesem Raumkampf die Größe sehrwohl etwas zu sagen hatte. Selbst die gesamte Flotte unter Manas Befehl war zusammen gerade mal so groß wie das kleinste Schiff der Ych. Und so ähnlich verhielt es sich auch mit der Kampfkraft. Obgleich die Tashi eindeutig einen Vorteil auf große Distanz hatten.
    Der schwere Kreuzer positionierte sich im rechten Winkel und war so in der Lage, ein paar der besonders großem Kaliber in Manas Richtung abzufeuern, die zwar sehr präzise waren, aber auch verhältnismäßig langsam. Nichtdestotrotz musste das Flaggschiff diesen tonnenschweren Projektilen ständig ausweichen, denn schon ein Treffer hätte mühelos die Hülle durchschlagen können. Dazu mussten sie andauernd ihre Geschwindigkeit und Flugbahn abändern, um dem Feind keine präzisen Vorhersagen machen zu lassen. Und die zwanzig Sekunden Flugzeit waren dabei sehr hilfreich. In diesem Fall war es von Vorteil, ein deutlich wendigeres Schiff zu besitzen. Selbst die Raketen, die staffelweise losgeschickt wurden, waren für die Hala kein Problem. Ganz auf die Abwehr konzentriert missten sie kein einziges Objekt und konnten sogar soweit gehen, dass sie manche Raketen schon kurz nach dem Verlassen der Rampen mit Lasern ausschalten konnten.
    Bisher konnten also die Tashi mehr austeilen und ihre kleinen Stärken besser ausspielen.


    Inzwischen auf der anderen Seite des Schlachtfeldes war Roro damit beschäftigt, sich dem feindlichen Kreuzer von hinten zu nähern und wollte den Antrieb ins Visier nehmen. Da kam plötzlich das Trägerschiff dazu und benutzte ihre Defensivsysteme und Jägerdrohnen, um einen Großteil des Bombardements zu neutralisieren. Mit hochenergetischen Abwehrlasern und mehreren Tonnen Gestein, das in den leeren Raum geschleudert wurde, wurde die kinetische Energie der Railgungeschosse stark genug absorbiert, um den Aufprall ausreichend abzumindern. Die Jägedrohnen waren zusätzlich noch mit Streukanonen ausgestattet, deren Wirkungsweise gigantischen Schrotflinten gleichkam. Teilweise schienen die Drohnen sich sogar selbst zu opfern, um die beiden Großkampfschiffe bestmöglich zu beschützen. Dass die Ych so leichtfertig mit ihren Jägern umgingen, irritierte Roro und seine Crew so sehr, dass sie fast schon Mitleid mit den Piloten hatten.
    Aber in der Realität waren diese Vehikel unbemannt, gar nur Maschinen, deren einziger Zweck es war, sich Massenweise ins Gefecht zu stürzen. Denn sie waren so konzipiert, dass sie im Falle einer Zerstörung kleine Splitterbomben verteilten und großflächigen Schaden anrichteten.
    Dem in die Jahre gekommenen Tashi war dieses Feuerwerk ein Fest fürs Auge, wusste er schließlich, dass er selbst keine Verluste davontragen würde.
    So sehr ihm aber auch eine Schlacht generell gegen den Strich ging, so sehr erfreute er sich an diesem Spektakel und konnte es sich nicht entgehen lassen, ein paar Schnappschüsse der Kriegskulisse zu machen. Von jeder seiner Schlachten hatte er ein paar Fotos gemacht, allein schon der anschließenden Analyse halber.
    Seine spontane Euphorie verflog jedoch genauso schnell, wie sie aufgekeimt war. Denn allen Bemühungen zum Trotz, dieses nahezu wehrlose Ungetüm in die Knie zu zwingen, schien es den Kampf allmählich für sich zu gewinnen. Anstatt, dass die Drohnen weiterhin die Projektile abfangen sollten, nahmen sie eher direkten Kurs auf die Roro und Vereinzelte durchbrachen sogar den Mindestabstand von 20 km, um ebenfalls die abwehrenden Streukanonen zum Einschreiten zu zwingen, was das eigentliche Bombardement erheblich abschwächte.
    Der Kapitän sach sich in der Pflicht, schnell eine aggressivere Vorgehensweise anzustreben und befahl, den Beschuss auf den Träger einzustellen. Er brauchte mehr Energie für den Antrieb
    Er hatte vor, ein neues Manöver auszutesten, das er bisher nur von Manas Theorien kannte.
    Das Aktivieren beider Antriebsdüsen, um quasi zum Bug hin mit brennender Lunte und zum Heck hin mit flammendem Schub durch den Raum zu fliegen. Wie eine übergroße Sturmfackel, die beidseitig eine Feuerfontäne spuckte. Die effektive Schubkraft war dabei zwar gedrosselt, aber ausreichend groß, um den Träger immer noch einzuholen. Die Drohnen trauten sich nun nicht mehr an das Schiff heran, ohne ein Verglühen im Schubstrahl zu riskieren. Im Endeffekt zwar eine starke Belastung für den Antrieb, aber dafür wurde viel Munition eingespart, die man ungern an solcherlei Asselschmeiß verpulvern wollte.
    Sofort zogen sich die Ych-Jäger zurück und steuerten nun auf die Luju zu, die das Kanonenboot umkreiste.
    Roro war sich bewusst, dass es seine Aufgabe war, dies zu verhindern und ließ die Schubkraft neu verteilen. Mehr zum Heck und weniger zum Bug. Der Träger zog noch kilometerweit eine Geröllbarriere hinter sich her und verwehrte dem Verfolger einen direkten Kurs. Im engen Bogen umflogen sie mit rasch ansteigender Geschwindigkeit den löchrigen Gesteinsteppich und gaben zur erstbesten Möglichkeit gezielte Blockadeschüsse auf den Bereich vor dem Träger ab, um diesen vom gewünschten Kurs abzubringen.
    Nun richteten sich auch einige Heckgeschütze des schweren Kreuzers nach ihnen aus und versuchten ebenfalls die Roro mit Sperrfeuer zur Kursänderung zu bringen.
    Das Kanonenboot, das ohnehin wie eine Begrenzungsmauer wirkte, hielt sich weiterhin zurück und fraß mit Freuden die Einschläge und Erschütterungen, als wären es nur sanfte Regentropfen auf heißes Blech.
    Roro versuchte seine neue Vorgesetzte zu kontaktieren, aber er hatte auch Probleme, eine gute Übertragung durchzuführen. Funkstörungen, obwohl sogar Sichtkontakt bestand. Roros gleichsamer Gedanke, dass eines der Ych-Schiffe Breitbandstörsender einsetzte, schien also Manas und Halas Anmerkungen zu bestätigen.
    Etwas, wodurch sich die tentakeligen Wesen aber nicht aus der Ruhe bringen lassen sollten. Dann wurde eben stumm gekämpft.
    Die Drohnen waren auf direkten Kollissionskurs. Sie flitzten nur weniger Meter über dem Deck des Kanonenboots und wurden regelrecht eins mit der Umgebung. Ihre optische Tarnung war perfekt, völlig grau in grau. Die Luju hatte sie zwar noch bemerkt, aber bei so hohen Geschwindigkeiten und mit halbem Auge blind war es nahezu unmöglich, auszuweichen.
    Als würde man mit Schrot frontal auf eine fliegende Rakete schießen, potenzierte sich die Aufprallenergie und perforierte allmählich die dicke Panzerung des kleinen Zigarrenförmigen Objektes. Da half selbst das rotierende Sperrfeuer nichts mehr, um den drohenden Tod abzuwenden. Den unpräzisen Waffen der Großkampfschiffe konnten sie widerstehen, aber gegen zusätzlich tausende kleine Nadelstiche waren sie machtlos.

    Teil 18


    „Ausbrechen! Ausbrechen!“
    Auf allen verfügbaren Kanälen wurde Manas Befehl übermittelt und unverzüglich zündeten alle Schiffe ihren Antrieb und drifteten auseinander. Manas Schiff hatte es am schwierigsten, war sie schließlich umkreist von den Fregatten, die etwas träge waren.
    Doch für eine Fregatte kam die Anweisung zu spät. Mit voller Wucht krachte das Heck auf die geschmiedeten Stahlplatten und wurde dabei weggerissen.
    Das Ungetüm schlitterte ungebremst hindurch und ließ die Tashischiffe fast schon wie Spielzeuge wirken.
    Manas Gedanken sprangen durch unzählige Szenarien, aber alle mit einem ähnlichen Ausgang. Unvermeidbare Kollision mit dem metallenen Monstrum.
    Aber das wollte sie nicht mehr akzeptieren! Nicht, nachdem sie bereits ein Schiff in den Tod geschickt hatte.
    Mit vollem Schub flohen sie vor dem immer näher kommenden schweren Kreuzer, dessen stählerner Frontschild nur darauf wartete, sich in ihren Antrieb zu rammen.
    Der Jäger und seine Beute.
    „Feuert weiter auf das andere Schiff!“, eine letzte Durchsage an die gesamte Flotte, bevor sie die Videokonferenz vorläufig beendete und sich nur noch ihrer eigenen Crew widmete.


    Fast die halbe LED-Wand war vom sie verfolgenden Stahlriesen eingenommen und versperrte die Sicht komplett auf den Stern, wodurch sich ein diffuser Lichtkranz am Rand abzeichnete, während sie selbst im Vollschatten waren.
    Inständig hoffend, dass der hochgerüstete Tashiantrieb leistungsstärker war als die gigantischen Booster des feindlichen Schiffes, versuchte Mana ein waghalsiges Manöver, das sie bisher nur von Purus Glanzzeiten her kannte. Dabei steckte sie vollstes Vertrauen in ihre Leute, die dabei mit Abstand die schwerste Arbeit hatten.
    „Passt unsere beiden Geschwindigkeiten an und verringert dann den Abstand zueinander, bis unser Schubstrahl deren Panzerung trifft!“
    „Ich habe große Bedenken dabei“, streute Sono ein.
    „Zur Kenntnis genommen. Befehl ausführen! Grillt sie!“
    Und tatsächlich schien der gehärtete Stahl unter der Dauerbefeuerung des Schubstrahls weicher zu werden. Das sonst matte Grau verschob sich langsam ins schwimmende Orange.
    Aber die Ych machten keine Anstalten, langsamer zu werden oder abzudrehen. Im Gegenteil, sie beschleunigten sogar! Sie meinten es offensichtlich ernst und feuerten nun auch noch mit den Railguns nach ihnen, auch wenn es nur Sperrfeuer um sie herum war.
    Mana begrüßte diese Geste und erwiderte sie sofort, nur war ihr Ziel zentraler gelegen. Ebenso war es ihr egal, dass jene Geschütze eigentlich nur für Langstrecken gedacht waren.
    Für das kleine Flaggschiff war die Situation äußerst brenzlich. Immer wenn die Ych den Kurs leicht änderten, musste auch die Mana den Kurs neu anpassen. Einmal reagierten sie nur einen Augenblick zu spät und der Bug kassierte einen heftigen Treffer, der das Schiff in leichtes Schlackern versetzte.
    Für die Crew ein Höllentrip, für Mana fast schon ein Vergnügen.


    Unterdessen nahmen die anderen Schiffe wieder Position und versuchten den Verseucher aus sicherer Distanz aufzuhalten. Eine Verfolgung wurde schließlich nicht angeordnet. Solange sie nicht wussten, was dieses verkrüppelte Gebilde ihnen entgegenzusetzen hatte, wollten sie ohne ihre Kommandantin keinen Selbstversuch wagen.
    Als sie dann mehr durch Zufall einige Treffer erzielten, beschädigten sie dabei einen der Haupttanks, woraufhin Unmengen an hochtoxischem Gas ausströmten. Wie der Schweif eines Kometen verschleierte diese Wolke die Sicht auf das Schiff, doch verriet er zugleich ihre Position.


    Die Mana hatte es geschafft. Die Panzerung war durchbrochen und ein großes Loch klaffte inmitten der Front, das immer weiter wuchs. Stahlträger, Getriebeeinheiten und ganze Räume brachen heraus und rutschten in den geschmolzenen Schlot. Vereinzelt waren Ych zu sehen, die erstaunlicherweise der enormen Hitze und den Dauerexplosionen gut standhalten konnten. Sie wirkten im Verhältnis fast schon robuster als ihr Schiff.
    Und langsam wurde auch ihnen bewusst, dass sie diesen Zweikampf nicht gewinnen würden.
    Nun entpuppte sich die Beute allmählich als Jäger und der anfängliche Jäger blutete langsam aus.
    Auf dieser langen Strecke waren sie tatsächlich einen großen Bogen geflogen und kurz davor, den Sichtkontakt zur Flotte zu verlieren. Und just in diesem Moment ließen sich die Ych zurückfallen und drehten schnell ab.
    Jubelschreie hallten durch die Gänge und ließen kurzzeitig die wenigen Verluste aus den Erinnerungen verschwinden.
    Bis die Ych ein Warp-Fenster öffneten und binnen Sekunden verschwanden.
    Erst jetzt realisierten sie, dass die Ych sie ausgetrickst hatten.
    Dennoch, die Kommandantin legte es als quasi Sieg aus. Oder zumindest nicht als Niederlage.
    Aber der Stolz hielt sich in Grenzen, als sie sofort kehrt machten und kaum später eine Nachricht der Flotte erhielten. Denn auch der Verseucher war entkommen und allein die kleine Gaswolke gab einen Hinweis auf das etwaige Reiseziel.
    Unverzüglich rief sie wieder eine Konferenzschaltung mit den anderen Schiffen ein, um ihre neuen Befehle durchzugeben. Alle waren aufgewühlt und fühlten sich auf ihre Tentakeln getreten. Keiner wollte die Schuld bei sich selbst suchen, vielmehr wurde die Kommandantin von einigen stark im Stich gelassen und sogar verbal beleidigt. Mana versuchte es zu überhören und konzentrierte sich mehr auf Roros und Halas Stimmen, die weniger negativ und mehr analytisch ausfielen. Für Luju war es ein gefundenes Fressen, es Mana ordentlich in den Rachen zu schieben, wie sehr er sie verachtete. Eine unfähigere Tashi hätte er sich nicht vorstellen können. Lieber wäre er mit seiner Fregatte als erstes durch den Ereignishorizont gereist, um diese Schmach unter ihrer Peitsche nicht mehr ertragen zu müssen.
    Irgendwann wurde es dann auch Roro zu viel und er sprang für sie in die Schusslinie. „Wenn ich kurz einhaken darf Luju?! Es war eines meiner Fregatten, das wir verloren haben! Und ich akzeptiere diesen Verlust! Ich selbst hätte vermutlich ähnlich gehandelt. Kommandantin Mana hat nichts Falsches getan.“
    Hala stimmte ihm kopfnickend zu. „Lasst uns wieder zum Wesentlichen zurückkehren. Die Situation hat sich geändert, also müssen auch neue Vorgehensweisen gefunden werden.“
    Sie übergab das Wort wieder an die Befehlshaberin.
    Und diese hatte bereits einen Plan. „Roro, Ihr und Eure Fregatten erkundet die Umgebung der Station und ermittelt, ob es noch mehr Ych gibt. Die Zoto soll nach Mila heimkehren, sobald es ihr möglich ist, und Unterstützung anfordern!“
    Sono hatte schwere Bedenken dabei, ihre Flotte nur wegen eines Verdachtes aufzulösen und fühlte sich in der Pflicht, sie in der Konferenz zu unterbrechen und seinen Einwand vorzutragen. „Kapitän, wir wissen nicht genau, wohin die Ych geflohen sind. Vielleicht wollen sie gar nicht nach Mila.“
    „Ich auch nicht“, gab sie offen zu und nahm zähneknirschend ihre Fliegerbrille ab, um ihrem tränenden Auge etwas Entspannung zu verschaffen. Während sie mit gesenktem Kopf das beschlagene Glas putzte, sprach sie gleichgültig weiter: „Aber Quue ist sicher und die Ych würden keine fünf Minuten im Orbit überstehen.“
    Der daraufhin folgende Blick zu ihrem Besten bedeutete ihm, ihr nicht zu widersprechen. Vielmehr fügte er sich und die genannten Kapitäne führten ihren Befehl aus.
    Anschließend ordnete Mana eine kurze Pause an, um allen die Möglichkeit zu geben, die Befehle auszuführen und sich auf die neue Situation vorzubereiten.
    Sie setzte sich derweilen nochmal mit den Latacai in Verbindung, um so viele Informationen wie möglich über die Ych zu erhalten. Und überraschenderweise waren sie nun deutlich redseliger.
    „Eure Schiffe werden in Lumo-Arc vom Kanonenboot sofort vernichtet.“
    „Augenzeugen? Was kann das Ding?“
    „Soweit wir das beurteilen können, ist es unbesiegbar.“
    „Pah!“, spuckte Mana empört. Unbesiegbarkeit? Ein Begriff, der sowohl bei Tashi als auch bei Latacai stark abweichende Bedeutung hatte. „Nichts ist unbesiegbar! Alles hat irgendeine Schwachstelle!“
    „Gut, wir nehmen an, dass sie die anderen Waffensysteme abschalten müssen, um die Hauptwaffe zu laden.“
    „Gibt es ein Zeitfenster? Wie lange dauert dieses Aufladen?“
    „Vierhundert Sekunden“, kam die sehr präzise Angabe, von deren Wahrheitsgehalt Mana wiederum überzeugt war.
    „Das sind keine sieben Minuten“, merkte Sono zweifelnd an, was ironischerweise die Kernaussage der Latacai unterstützte. Für die Gelbhäuter fiel solch ein Schiff mit derartiger Technologie, die alle anderen Rassen alt aussehen ließ, in die verbotene Kategorie.


    Einige Minuten später und um viele Erkenntnisse reicher zogen sich beide stillschweigend in Manas Quartier zurück, um sich einen Schlachtplan auszudenken, der über einen stupiden Angriffsbefehl hinausging. In einer Sache waren sie sich sofort einig: Die Zeit ausharren und auf Hilfe hoffen konnten sie nicht. Dafür waren die zu rettenden Personen zu wichtig und die Feinde zu aggressiv.
    „Nur drei Schiffe?“, presste Sono empört die Frage aus, die er schon die ganze Zeit über unterdrücken musste. „Und deswegen ziehen wir unsere Tentakeln ein?“
    „Bisher haben wir es nicht mal geschafft, auch nur eines zu zerstören!“, brummte Mana gekränkt und setzte sich unter tiefem Schnaufen aufs Bett. „Und wenn die alle so groß sind, wie die beiden vorhin, sehe ich keinen Lichtschweif am Firmament.“
    Er stand weiterhin mit verschränkten Armen bei der Tür und riskierte nur flüchtigen Augenkontakt mit ihr. Gedankenlos flutschte ihm aus Reflex folgender Satz heraus: „Das klingt ganz so, als wolltet Ihr aufgeben.“
    Schlagartig riss sie sich wieder hoch, setzte ein finsteres Gesicht auf und stampfte wie ein Dampfkessel schnaufend auf ihn zu und drängte ihn bis an die Tür. „Ich fasse das mal als Sarkasmus auf, ja?!“
    Er nickte nur kleinlaut.
    Harsch schwenkte sie wieder um und klatschte ihm dabei unbedacht die Tentakeln ins Gesicht. Sofort fühlte sie sich mies deswegen, aber zeigen wollte sie das nicht. Der Zeitpunkt war zu ungünstig für Zärtlichkeiten. Drum konzentrierte sie sich wieder auf das Wesentliche und ging nochmal die wichtigsten Informationen durch. „Beide Parteien haben einen entscheidenden Nachteil. Wir wissen beide nicht, was auf der jeweils anderen Seite vor sich geht …“
    „Aber die haben den Vorteil, dass sie einkommende Schiffe sofort vernichten können.“
    „Nur alle sieben Minuten“, merkte sie besonders betonend an, um die Lächerlichkeit dahinter nochmals hervorzuheben. „Ich glaube nicht, dass die lange zögern werden mit dem Einsatz.“
    Nachdenkliches Schweigen.
    Sie fing an zu rechen, grübeln und zu spekulieren. Auch Sono versuchte sich darin, aber fand keinen richtigen Ansatz, wie er vorgehen sollte.
    Dann, nach gefühlt einer Ewigkeit, fuhr sie um und streckte die Finger entgegen, mit denen sie grob den Plan vorspielte. „Wir machen es so: Wir schicken eine leere Fregatte durch und spekulieren auf deren sofortigen Erstschlag. Zwanzig Sekunden später schicken wir die restlichen Fregatten durch, dann den Kreuzer und wir spätestens nach einer Minute.“
    Für den Offizier klang dies allemal besser als gar nichts und auch sonst sehr durchdacht. Einvernehmlich nickte er. „Dann bleiben uns noch knapp fünfeinhalb Minuten bis zum nächsten Einsatz.“
    „Und wir wissen beide, dass wir das Ziel sein werden.“


    Teil 17


    „Hala und Jizi, schön euch zu sehen.“
    Stolz grüßten sie rassentypisch zurück.
    Manas Blick schwenkte zur oberen, rechten Ecke der Bildwand, um ihrem guten Bekannten ein fröhliches Lächeln zuzuwerfen. „Ein großes Danke noch an Roro und seine Crew. Euer Kreuzer wird die Hyru ordentlich aufmischten.“
    Er lächelte ebenso fröhlich zurück. „Alles nur Metallschrott!“
    So sehr sie es vermieden hätte, aber auch die weniger beliebten Kapitäne mussten begrüßt werden. “An die anderen: Die Gründe, warum ihr mit mir auf dieser Mission seid, sind trivial. Ich verlange ebenso wie jeder andere Kommandeur Gehorsamkeit und Disziplin! Nur ist mein Toleranzbereich etwas größer.“
    Sie legte eine kurze Pause ein, niemand äußerte sich dazu. Für sie Grund genug, fortzufahren.
    „Zur Mission an sich: Auch wenn sie einigen von euch zu langweilig erscheint“, ihr Blick ging zu Luju: „für mich ist sie aufregend genug. Also macht es mir nicht unnötig schwer mit eurer Leichtsinnigkeit.“
    Inzwischen waren die Latacai kontaktiert worden, die Verbindung war bereits in der Warteschleife. Sie ging noch schnell die Missionsabfolge durch und beendete die Konferenz, um anknüpfend das Gespräch mit der Raumstation zu beginnen.
    In einem kleinen, hell erleuchteten Raum saßen zwei dieser gelbgrünhäutigen, glitschig schimmernden Wesen, mit schlanker Statur und enorm hochgewachsen vor ihren Bedienpulten und tippten munter auf den Displays umher. Überall blinkte es und summte. Es wirkte steril, aber doch einladend. Nicht so dreckig und schetterich wie auf einem Raumschiff. Die beiden Latacai wirkten nicht so, als hätten sie mitgekriegt, dass die Übertragung bereits begonnen hatte. Völlig abgelenkt und kaum den Bildschirm beachtend.
    Es lag wohl an der Flottenführerin, das Gespräch zu beginnen. „Ich, Mana, grüße euch und euer Volk. Wir kommen im Auftrag der Tashi'Ara und …“
    „Geht es um die Fregatte, die letztens Kurs nach Mila nahm?“, fiel ihr unerwartet der eine Latacai ins Wort. Was die Kommandantin sauer aufstoßen ließ. Aber sie blieb noch ruhig, wusste sie doch, dass jene Spezies zu schneller Arroganz neigte.
    Sie beließ es bei einem leichten Nicken. „In gewisser Weise schon. Ich bin mir sicher, ihr wisst bereits …“
    „Die Dere.“
    spitzte sie ihre Lippen und „Exakt … Wir bitten um Freigabe zur Passierung der Sternenbrücke.“
    „Deine Bitte ist vernommen.“
    „Wir werden das Geld sofort überweisen.“
    Das Stichwort für Sono, der sofort den Geldtransfer durchführte.
    Sie wandte sich mit einem saloppen Spruch wieder zurück an die Station: „Ich hoffe doch, wir sind nicht umsonst angereist.“
    Sie schauten sich gegenseitig an,
    und schwenkten wieder zur Tashi um. „Das können wir nicht beurteilen.“
    Stutzig fragte sie nach: „Aber die Dere ist noch existent, oder?“
    Und wieder schauten sie sich an, um danach wieder zu Mana zurückzublicken. „Absolut!“
    Bisher hatte sie nur wenig mit diesen Wesen zu tun gehabt, aber verstand allmählich die Vorurteile gegenüber dieser. Etwas vorlaut, schnippisch und immer nur aufs Geld fixiert.
    Ein kurzer Blick zum ersten Offizier rüber, aber dieser war noch voll beschäftigt mit dem Transfer. Keine Ahnung, wie lang so etwas dauern sollte. Und auch wenn die Zeit drängte, auf ein paar Minuten mehr kam es auch nicht an. Trotzdem war es ihr etwas peinlich.
    Sie versuchte, sie in Gespräche zu verwickeln. „Ich habe bemerkt, dass ihr den Preis für Rhanid erheblich angehoben habt. Gibt es einen Grund dafür?“
    Auch wenn es teilweise in ihrem Interesse lag, es zu erfahren, wirklich wichtig war es ihr nicht.
    Erwartet knapp viel auch die Antwort aus. „Zur Zeit ist wenig Güterverkehr.“
    „Die Hyru?“, versuchte sie die beiden aus der Reserve zu locken.
    „Nur geringfügig.“ Deren Pokerface blieb unverändert. „Andere Umstände, die wir nicht weiter erläutern wollen.“
    Wieder schaute die junge Tashi zu ihrem Kameraden rüber, aber von ihm kam keine Reaktion. Also musste sie sich erneut an die Latacai wenden und das zähe Gespräch weiterführen.
    „Gibt es sonst irgendwelche wichtigen Nachrichten? Irgendwelche Forschungsmissionen in Planung …?“
    Es erklang ein lautes Räuspern auf der Tribüne neben ihr. Es war Sono. „Kapitän, ich habe hier ein Problem.“
    „Inwiefern?“ Noch ohne seine Antwort abzuwarten ging sie zu ihm ans Bedienpult.
    Er tippte wild auf den Tasten und Eingabefeldern rum, aber nichts passierte. „Ist Euer Konto eventuell gesperrt oder das Passwort falsch?“
    Mana verstand nicht, was genau er von ihr wollte, denn beides war so wie immer. Dennoch versuchte sie es auch nochmal, vielleicht hatte er sich ja beim Passwort vertippt. Aber auch nach mehrmaligem Versuchen wollte die Station die Überweisung nicht durchführen.
    Verwirrt und sehr misstrauisch schaute Mana vom Pult auf und direkt zu den Latacai hinüber. „Warum blockiert ihr den Geldtransfer?“
    Im leicht aggressiven Ton antworteten beide: „Wir können euch nicht passieren lassen!“
    „Wie bitte?“, hakte Mana angesäuert nach und richtete drohend den Finger auf sie. „Ich hoffe für euch, ich habe mich verhört!“
    „Nein hast du nicht“, kam nur arrogant zurück, während sich der eine Latacai bereits aus dem Bild schlich. „Wir können es nicht verantworten, euch die Reise gewähren zu lassen.“
    Dann wurde die Videoübertragung abrupt beendet, was die junge Kommandantin spontan aus der Fassung brachte. Den Tashi so frech zu kommen und dann nicht mal bereit sein, ordentliche Argumente vorzulegen. Das galt unter der tentakeligen Edelrasse als schweres Vergehen, das nur mit gleicher Ignoranz beglichen werden konnte.
    „Wir reisen los!“, brüllte sie. „Erstes Schiff losschicken! Die Latacai und deren Bürokratie können mich heute nicht aufhalten!“
    Die Anweisung wurde ausgeführt und die erste Fregatte setzte sich wieder in Bewegung Richtung Ereignishorizont.
    Nur eine Minute später, das Schiff war nur noch drei Schiffslängen entfernt, wurde Mana plötzlich wieder von den Latacai per Bildübertragung kontaktiert. Und als sie den Anruf abermals entgegennahm, wirkten die Gesichter der Gelbhäuter extremst angespannt. Aufgewühlt schauten sie sich panisch um, atmeten hektisch und legten große Verzweiflung in ihre Stimmen: „Ruf bitte euer Schiff zurück.“
    „Nein! Wir müssen eine dringende Mission erfüllen! Wir müssen passieren!“
    „Kapitän, zwei unbekannte Schiffe entdeckt!“
    „Was? Wo?“ Aufgeschreckt wich ihr Blick weg von der Sternenbrücke und Richtung offenem Weltraum, doch sie konnte keine typische Bewegung sehen. „Position bitte!“
    Und eigentlich hätte sie sich bereits denken können, dass die atypische Konstruktion, die sie vorhin am Horizont gesichtet hatte, eben doch nicht von den Latacai stammen konnte. Schnell zeichneten sich vertraute Merkmale für gepanzerte Kriegsschiffe ab, die in Manas Gedächtnis aber keiner Rasse zugeordnet werden konnten. Auch, als sie den Bildausschnitt um ein Vielfaches vergrößerte, konnte sie mit diesen gigantischen Objekten nichts anfangen.
    „Diese Bautypen sind mir unbekannt!“ Leicht in Panik versetzt zeigte sie starr darauf und keifte die Latacai wütend an. „Was treibt ihr hier für Spielchen?! Was sind das für Schiffe?! Warum wurden wir darüber nicht informiert?!“
    Die glitschigen Gelbhäuter hüllten sich in Schweigen und wirkten fast schon eingeschüchtert. Kaum verwunderlich bei Manas cholerischer Stimmfarbe.
    Sono warf zögerlich einen Gedanken ein: „Kapitän, ich spekuliere auf Ych.“
    Und als sie dieses Wort hörte, gingen bei ihr sämtliche Alarmsirenen an. Da kam sogar ihr der Angstschweiß aus dem Hals gequollen. Umso mehr wollte sie die Bestätigung der Latacai dafür haben.
    „Ist das wahr, was mein erster Offizier sagt?! Antwortet!“
    „Es ist wahr“, bestätigten sie kleinlaut. „Es sind Ych.“
    Unverzüglich beendete sie das Gespräch und fokussierte das Bild auf die Fregatte.
    „Ruft die Fregatte zurück! Sie soll wieder umkehren!“
    „Unsere Funksignale werden gestört“, wurde ihr mit leidvollem Schnaufen mitgeteilt. Auch auf abermaligem Versuchen brachte man ihr nur verzweifeltes Kopfschütteln entgegen. „Wir können sie nicht erreichen...“
    Und so geschah es, dass die Fregatte den Ereignishorizont passierte und kurz darauf auf der anderen Seite der Galaxis von den bereits lauernden Ych durch das voll aufgeladene Hauptgeschütz des Kanonenboots in Empfang genommen wurde. Ein mit Antimaterie beladener Torpedo, der mit halber Lichtgeschwindigkeit abgefeuert wurde, jegliche Panzerung durchschlug und im Innern des Schiffes einen Gammablitz freiließ. Dieses wurde dabei unweigerlich zu Staub zermahlen.
    Die Besatzung war bereits atomisiert, bevor auch nur ein Gehirn die Information hätte verarbeiten können.
    Ein gewaltiger Schwall an hochkonzentrierter Strahlung und Metallstaub traf auf den Ereignishorizont und entwich wie ein feiner Nebel auf der anderen Seite.
    Mana war entsetzt! Sie wusste zwar nicht, was genau passiert war, aber sie wusste, dass diese Tashi einen vermeidbaren Tod erlitten hatten. Etwas, das sie sich niemals verzeihen konnte.
    Aber andererseits war ihr bewusst, dass Trauer und Schuldzuweisungen niemandem helfen würden. Der bisher nur schleichende Krieg schwappte nun offenbar auch über ihre Grenzen hinweg.
    Schlecht nur, dass sie nicht darauf vorbereitet waren, sonst hätte die Tashi'Ara eine ganze Armada an Kriegsschiffen losgeschickt.
    Doch an Rückkehr war für Mana vorerst nicht zu denken. Eine weitere Verzögerung von mehreren Tagen hätte ein garantiertes Ende für Dere und seine Crew bedeutet. Zumal die Ych auch schon auf den Riecher gekommen sein konnten, dass sich bei Lumo-Arc ein wertvolles Druckmittel befand. Und die Hyru-Cri nicht zu vergessen. Zwei mächtige Feinde und keinen weiteren Verbündeten in der Nähe.
    Manas Karten standen äußerst schlecht. Umso energischer suchte sie nach pfiffigen Tricks, ihre offene Hand in ein halbwegs gutes Blatt zu verwandeln.
    Weder wusste sie, wie stark die Ych tatsächlich waren noch welche Taktiken sie anwenden würden. So sehr sie auch den kriegerischen Erstkontakt mit ihnen hätte vermeiden wollen, so sehr wusste sie aber auch, dass nur ein Kampf wichtige Erfahrungen bringen würde.
    Über Bildkonferenz übermittelte sie vollster Überzeugung ihre Befehle an alle Kapitäne. „Richtet alle Waffen auf das längliche Schiff! Der Antrieb bietet eine große Angriffsfläche!“
    Die erste Salve wurde losgeschickt, wies aber auf diese Entfernung eine zu große Streuung auf, weshalb die Projektile meilenweit am Ziel vorbeisausten.
    Dem Ych-Kreuzer war das Grund genug, aus dem Kurs auszubrechen und den schwer gepanzerten Hammerkopf wie einen Rammbock auf die Tashiflotte zu richten.
    „Was haben die vor?“, grübelte Mana mit fixiertem Blick auf gemeintes Objekt. „Das ist Selbstmord.“
    Unermüdlich feuerten die Tashi schwere Salven und Raketen ab, doch die Frontpanzerung war zu stark.
    „Kapitän, unsere Waffen scheinen keine Wirkung auf sie zu haben“, äußerte Sono bestürzt.
    „Unsinn!“ Die junge Tashi wollte das nicht akzeptieren. „Niemand kann so einem Beschuss standhalten!“
    Aber die Ych schienen sie eines besseren zu belehren und rasten weiterhin unbeeindruckt auf sie zu.
    „Zielt auf das andere Schiff!“, befahl sie nun von leichter Panik überrumpelt. Aber das erwies sich schwerer als gedacht. Der Ych-Kreuzer schob sich absichtlich in die Schussbahn. Der Verseucher musste um jeden Preis intakt bleiben!

    [Spezies 14 Ych]


    Aussehen und Verhalten:

    Kleidung:

    Raumflotte:

    Trägerschiff:
    Breite: ~500 m
    Höhe: ~600 m
    Länge: 2 Km
    Sie ist der kleinste Schiffstyp, aber trotzdem noch größer als die meisten Bautypen der anderen Spezies.


    Verseucher:
    Breite: 1 Km
    Höhe: ~300 m
    Länge: 2 Km


    Kreuzer:
    Breite: 1 Km
    Höhe: ~600 m
    Länge: 3,3 Km
    Sein Hammerkopf hat die stärkste Panzerung, die sogar Dauerbeschuss von Railguns und ähnlichen Waffen sehr lang standhalten kann. Neben gehärteten Stahl wurde ein kleiner Teil Rhanid beigemischt, um den Frontschild zusätzlich noch gegen Strahlen- und Chemiewaffen zu schützen. An der dicksten Stelle misst die Panzerung gute 100 Meter. Aufgrund dieser Bauweise wird der Kreuzer neben der Patroullie- und Aufklärfunktion als Abwehrschild und Frontbrecher verwendet. Durch seinen Leistungsstarken Antrieb sind schnelle Kampfeinsätze möglich und nicht selten wird er auch als Rammbock eingesetzt, um die Formationen feindlicher Flotten aufzubrechen oder bestenfalls zu durchschlagen.


    Kanonenboot:
    Breite: 4 Km
    Höhe: 1 Km
    Länge: 3 Km
    Wie der Name schon vermuten lässt hat es mit Abstand die stärksten Waffen aller vier Typen. Neben zahlreichen Langstreckengeschützen, Streukanonen, Gatling-Geschützen und Railruns besitzt es noch eine Superwaffe, die Antimaterie-Torpedos mit hoher Geschwindigkeit abfeuert und somit jedes feindliche Schiff sofort zerstören kann. Da diese Waffe enorm viel Energie verbraucht, um geladen zu werden und aufgeladen zu bleiben, muss das Kanonenboot dafür alle anderen Waffen zum Großteil abschalten. Das Aufladen dauert 400 Sekunden. Während dieser Zeit ist das Kanonenboot am verwundbarsten.
    Da das Schiff vorrangig durch Feuerkraft und Größe glänzt, sind die Abwehrsysteme verhältnismäßig mau. Neben einer stark gepanzerten Hülle (bis zu 20 Meter dicker Stahl) und wenigen Vierlingsgeschützen besitzt es noch ein paar Abwehrlaser, um zumindest die wichtigsten Bereiche abzusichern.


    Fortpflanzung: Die starke genetische Veränderung hatte auch zur Folge, dass ihre Geschlechtsorgane nicht mehr ausgebildet wurden. Als Ersatz dienen nun Polypen, welche sich während der körperlichen Reife am Bauch entwickeln. Ab einem bestimmten Alter werden sie operativ entfernt und im Labor zu Embryonen hochgezüchtet, bis die Organbildung beginnt. Dann wird den Embryonen unter einem sehr komplizierten Verfahren ein Nuklearmikrochip (Wachstumsregler) eingepflanzt, welcher sich mit den sich bildenden Nerven verbindet und den weiteren Reifeprozess steuert und überwacht. Dies ist das einzige künstliche Bauteil in einem Ychkörper, das nicht vom Körper selbst hergestellt wurde. Die Ych können Schätzungen zufolge bis zu 2000 Jahre (3400 irdische Jahre) alt werden, bevor der Nuklearmikrochip seine komplette Energie verbraucht hat und somit die körpereigene Abwehrreaktion nicht mehr davon abgehalten wird, die künstlichen Bauteile abzustoßen.


    *Wird weiter editiert*

    @AlexGiovanni, aber natürlich kann es auch SciFi geben, die nur wenig auf Geballer und Zerstörung setzt.
    Um mal ein paar Filme zu nennen:
    2001 - Odyssee im Weltraum
    The Time Machine
    Sunshine
    Metropolis
    Der 200 Jahre Mann
    AI - Künstliche Intelligenz
    E.T.
    The Explorers
    Ex Machina
    Interstellar


    Gravity
    Der Marsianer


    Bitte nicht falsch verstehen. Mal eine Pistole zu nehmen zur Selbstverteidigung zähle ich jetzt nicht zu Geballer oder Zerstörung.
    Auch wenn nun nicht alle viel mit Liebe und Romantik zu tun haben, beschäftigen sie sich trotzdem irgendwie mit den Gefühlen und Empfindungen, gesellschaftskritischen Themen und anderen Aspekten der (Astro)Wissenschaft.
    "Geballer" ist halt gerade in der Filmindustrie allgemein sehr beliebt, weil man dadurch zumeist weniger Wert auf Tiefgang legen brauch und die Sehnsucht nach rascher, effektreicher Unterhaltung gestillt wird, ohne seinen Kopf zu viel anstrengen zu müssen. Der Mensch ist faul und kann schnell das Interesse an etwas verlieren, wenn es ihm mit zu viel Arbeit verbunden ist.


    Übrigens gibt es sogar eine SciFi-Geschichte hier im Forum, die mehr auf Gesellschaftliches und weniger aufs Geballer aufbaut. Und die ist auch recht groß. Vorausgesetzt du möchtest überhaupt eine solche Geschichte lesen und nicht nur Meinungen zu deinem Vorhaben, eine solche zu schreiben. :alien: Denn wie ich deine Antwort auf die wirklich sehr guten Kommentare von den anderen Usern interpretieren soll, weiß ich gerade nicht. :hmm:

    Danke, @Kyelia, für deinen Kommentar und deine Anmerkungen/ Analysen. :alien: Es freut mich, dass es dir (weiterhin) gefällt und dir die Tashi'Ara auch so gut gefällt. Ich habe versucht, bei ihr besonders viel Charaktertiefe und Ausdrucksstärke einzubauen, da sie ja quasi diese Spezies repräsentiert. Dass dir Puru unsympatisch bleibt, war natürlich von mir beabsichtigt. Ich weiß auch noch nicht, ob ich ihn irgendwie auch beliebter machen kann. :hmm: Allerhöchstens, wenn ich näher seine Gefühle und sein Privatleben beleuchten würde. Aber das ist, finde ich, in dieser Geschichte zweitrangig.
    Ich weiß, die beiden Geschwister Kara und Dere wirken noch etwas unstimmig. Aber ich denke, besonders Kara werde ich noch mehr Charaktertiefe verleihen und sie etwas mehr ins Geschehen einbeziehen.
    Wegen des roten Fadens habe ich dir ja bereits gesagt, dass mir das immer sehr schwer fällt, wenn ich nicht sofort ein klares Ende vor Augen habe. Aber ich denke, der rote Faden ist hier mehr zu erkennen als bei Helios III. Ich werde die Geschichte erstmal komplett fertig schreiben und am Ende kann man ja noch mal hier und dort am roten Faden stricken, wenn's von Nöten ist.
    Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Weiterlesen. Auch wenn mir der letzte Abschnitt noch nicht so gut gefällt.


    Teil 16


    *


    Mit einer Standardflotte von acht Schiffen, davon ein Kreuzer und ein Flaggschiff, traten sie die Reise an. Für solch eine Mission eigentlich vollkommen übertrieben, aber wegen der Tatsache, dass es Manas erste Eigene war, doch angemessen. Noch anschließend auf dem Bankett hatte sie es kaum erwarten können, bald ihr eigenes Flaggschiff zu besitzen. Natürlich hatte sie es sich nicht nehmen lassen, zugleich ihre engsten Kollegen darüber zu informieren. Sono war geteilter Meinung, aber ließ sich nur die befürwortenden Gedanken anmerken. Einerseits freute er sich für sie über die Beförderung, anderseits befürchtete er, dass dadurch eine noch größere Kluft zwischen ihnen entstehen könnte. Eine Hürde, die für ihn bereits schwer genug war.
    Manas erster Höhepunkt nach der Verkündung der Ehrerweisung durch die Allwissende war zweifelsohne die Übergabe des Reisepasses für die Benutzung der Sternenbrücke. Wenige Stunden vor dem Abflug erhielt sie ihn persönlich von der Obersten überreicht, und wie ein Heiligtum hielt sie den gläsernen Stick in ihren Händen und bewunderte ihn kaum weniger als Deres Antlitz es verdient hätte. Wer diesen Reisepass erhielt, der hatte es quasi in die oberste Liga geschafft. Natürlich war er bisher auf zwei Durchquerungen begrenzt, mehr waren auch nicht nötig. Von den utopischen Preisen ganz abzusehen.
    Es war nur noch eine Stunde bis zum Eintreffen auf Dox. Und bis zur letzten Minute flogen die einzelnen Schiffe regelrecht blind und taub. Denn selbst bei so relativ naher Entfernung zueinander war auf Warp keine Kommunikation möglich, was eine Koordination schwer machte. Nur anhand von starken Signalverzögerungen und extrem langen Intervallen untereinander konnten und mussten sie das Timing bestimmen, damit die Flotte auch geschlossen zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort aus dem Hyperraum springen würde. Auch wenn es für Mana durch hochkomplexe Systeme und geschultes Personal nach vielen Jahren schon zur Routine geworden war, durfte es jedoch niemals vernachlässigt werden. Ab und an kam es doch vor, dass Bordcomputer und Navigatoren sich verrechnet hatten und ein Schiff mehrere Millionen Kilometer vom Kurs abgekommen war. Peinlich, wenn dies auf ihrer ersten eigenen Mission ebenfalls passieren sollte.
    Auf der Mana wurden die letzten Vorbereitungen getroffen, um sich auf die Konferenzschaltung unmittelbar nach der Ankunft auf Dox einzustellen.
    Sono hatte allerhand zu tun, seine Vorgesetzte hatte ihm jede Menge Aufgaben erteilt. Einige missions- und andere ausbildungsbedingt. Er war auf dem Rundgang unmittelbar auf dem Weg zu ihrem Quartier zu einem letzten persönlichen Gespräch. Sie hatte es so verlangt vor einigen Stunden.
    Diese Zeit wollte sie wiederum nutzen, um etwas Schlaf zu bekommen. Aber sie war zu aufgeregt und lag stattdessen nachdenklich auf dem Bett und philosophierte still vor sich hin. Ihr quamlte der Kopf von den verrückten Szenarien, die sie sich zurechtsponn und den verworrenen Gedanken an vermeintlich belanglose Dinge. Ruhelos hastete ihr inneres Auge durch das Schiff, die engen Korridore und Räume, bis hinaus ins All, wo es sich in den Weiten des Kosmos verlor und nagende Fragen säte.
    Sono war angekommen und eigentlich hatte er noch massig Zeit, aber er wollte ungern warten. Er wusste auch nicht, was er noch machen sollte, ohne sich dann zu sehr abzulenken und eventuell sogar die Zeit zu verpassen. Bisher war Mana wegen solchen Situationen immer flexibel und nachsichtig gewesen. Aber da sie nun Kommandantin war, fühlte er sich unsicherer denn je. Mehr Verantwortung brachte in der Regel auch mehr Stress und weniger Freizeit mit sich.
    Ungern wollte er sie zu früh stören, aber ebenso nicht zu spät aufkreuzen. Vielleicht wartete sie auch schon ungeduldig auf ihn und wollte das Gespräch umso eher hinter sich bringen.
    Noch eh er sich länger darüber Gedanken machen wollte, schüttelte er die Zweifel von sich ab und schlich sich leise in ihr Zimmer. Doch als er es betreten hatte, machte er erstmal einen halben Schritt zurück und musste kurz schlucken. Seine Vorgesetzte lag auf dem Bett und starrte nachdenklich an die Decke. Ohne Fliegerbrille, Gürtel und Turnschuhe wirkte sie fast schon nackt. Ein Anblick, den Sono gern in anderer Angelegenheit genossen hätte. Er hätte nichts dagegen gehabt, hätte sie ihm angewiesen, sich dazuzusetzen, doch wusste er, dass dies niemals passieren würde. Und anständig wie er war, blieb er in aufrechter Haltung mitten im Raum stehen, den Blick starr geradeaus und die Arme mit Kommunikator hinter dem Rücken verschränkt. Sein Atem war wegen ihrer Schönheit spontan aus dem Takt geraten.
    Sie war weiterhin in Gedanken vertieft und bekam von seiner Beklommenheit nichts mit.
    Mit jeder weiteren Minute in dieser peinlichen Situation fragte er sich mehr, ob sie ihn immer noch nicht bemerkt hatte oder es ihr egal war. Ab und an kam ein seichtes Seufzen oder sanftes Rascheln, was ihn ungeduldig machte.
    Bis dann plötzlich ihre Stimme erklang. „Bin ich wirklich so unbeliebt?“
    Sie beugte sich langsam auf, schüttelte leicht die Tentakeln und zupfte ihrer Ärmel zurecht. Angespannt rieb sich über Hals und Nacken und begab sich in sitzende Position.
    „Was meint Ihr?“, fragte er verunsichert.
    „Ihr wisst schon“, meinte sie weiter und schlupfte mit ihren grazilen Füßen in die Schuhe. „Meine Flotte.“
    Er schwieg, erlaubte sich einen flüchtigen Blick auf sie. Nur geringschätzig suchte er eine passende Antwort.
    Die sie ihm kurz darauf selbst lieferte: „Bis auf Hala und Jizi sind alle wild zusammengewürfelt.“
    „Da-das hat nichts mit Euch zutun, das garantiere ich... Und Roro hatte doch selbst abgelehnt.“
    Mit zugekniffenem Auge linste sie zu ihm hoch, bevor sie die Brille anlegte.
    Er fühlte sich unter Druck gesetzt, seine Tentakeln begannen nervös zu zucken. „Also ich sehe das eher umgekehrt. Also dass er sich Euch freiwillig angeboten hat. Das zeigt mir, dass Ihr sehr beliebt seid ... Also im Vergleich zu manchem Veteran meine ich.“
    „Aber Luju?“, hinterfragte sie skeptisch und ging enttäuscht zum Tisch rüber. „Der musste nun wirklich nicht sein.“
    Obwohl der Offizier sich zu jedem Kapitän und jeder Mannschaft eingehend informiert hatte, gab ihm das auch zu denken. Trotzdem verpflichtete er sich, ihr Mut zuzusprechen. „Gebt ihm eine Chance. Er wird sich schon zurückhalten. Was soll schon passieren?“
    Schief schaute sie ihn an. Nicht sein Ernst, oder?
    Luju war einer der Jahrgangsbesten der Jungkapitäne. Er hatte sein Potential sehr früh erkannt, weshalb er seine taktischen und kämpferischen Fähigkeiten gut ausbauen konnte. Leider schwoll dabei sein Ego so stark an, dass er fast jeglichen Respekt gegenüber weniger Begabten und vor allem den Frauen verlor. Umso ironischer war es nun, dass er unter Manas Tentakeln kuschen sollte.


    „Wie auch immer“, sprach sie und schob die Gedanken an ihn beiseite. Sich darüber aufzuregen, war nicht förderlich für die anstehende Mission.
    Sono nahm ihre Aussage als Aufforderung wahr, sich ebenfalls an den Tisch zu setzen und platzierte seinen gläsernen Kommunikator mittig darauf. Er öffnete die Datei und ein Hologramm mit dem Bericht erschien darüber.
    „Der Statusbericht und meine Vorgehensweisen für alternative Szenarien. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen.“
    Da das Hologramm nur für sie seitenrichtig war, konnte auch nur sie es problemlos lesen.


    Einige Minuten vergingen, sie überflog es mehr, als dass sie es las. Aber es reichte aus, dass sie sich einen ersten Eindruck davon machen konnte. „Grundsätzlich zufriedenstellend. Wobei ... Den Todesfall der Natii habt Ihr nicht angeführt.“
    Sonos Blick ging unsicher zu ihr. „Tatsächlich?“
    Sie verneinte kopfschüttelnd und begann zu schmunzeln.
    Verlegen strich er sich über den Hals. „Dann fand ich das offenbar am unwahrscheinlichsten, als dass es jemals eintreffen könnte.“
    „Ist nun auch nicht so wichtig“, merkte sie an, begann zu lächeln und schloss das Hologramm wieder. „Verhandeln müssen wir sowieso.“
    Dann reichte sie den Kommunikator zurück und erhob sich vom viel zu harten Stuhl, der ihr jetzt bereits leichte Schmerzen am Hintern verursachte. Sie hatte eindeutig zu wenig Sitzfleisch. Die Zeit war gekommen, zur Brücke zu gehen und sich auf die Ankunft vorzubereiten. Ungeduldig wartend einige Runden über den Laufsteg.
    Ein roter Signalton, ähnlich einem starken Kribbeln, kündigte zusammen mit einem leichten Ruckeln den Austritt aus dem Hyperraum an. Ein starker Lufthauch durchströmte das Schiff, hervorgerufen von minimalen Zeitverzögerungen. Die Stimmen und Bewegungen waren kurzzeitig verzerrt, wirkten abgekackt und flüchtig. Vollzählig und nahezu zeitgleich trafen Schiffe nur knapp außerhalb der Friedenszone im 2E-System ein. Viel weiter hätten sie nicht reisen dürfen, sonst wäre ein Gerichtsverfahren wegen Provokation nicht weitgewesen. In der Friedenszone einen Warpsprung auszuführen war verboten. Die Flotte wollte keinen Moment vergeuden und flog unverzüglich weiter zur Sternenbrücke. Das Flaggschiff funkte inzwischen die Schiffe an. Nach ein paar Minuten war es dann geglückt und alle Kapitäne waren zur Videokonferenz hinzugeschaltet worden.

    Teil 15


    Irgendwann konnte Dere seine Hände befreien und presste sie sofort gegen ihren speichelverschmierten Mund. Ihr Heulen wurde gedämpft, aber blieb trotzdem unerträglich schrill. Mit gutem Zureden und sanften Worten versuchte er sie wieder zu beruhigen, merkte dabei an, dass es keine weiteren Erschütterungen gab. Was darauf schließen ließ, dass es nur ein einmaliges Ereignis war. Und tatsächlich war außer den Sirenen und vereinzelten Rufen, sowie übliche Maschinengeräusche nichts Ungewöhnliches zu hören.
    Seine Schwester fasste sich ihr Herz und versuchte, sich von ihm zu lösen. Das anfängliche Ziehen in der Wade verschlimmerte sich und wurde zu einem Krampf. Reflexartig krümmte sie sich und krallte ihre Finger in die Wade. Dann fiel ihr Blick auf die große Schürfwunde an ihrer Hand und sie realisierte, woher dieser brennende Schmerz kam. Weitere Schreie wurden aber diesmal unterdrückt.
    Dere holte seinen Kommunikator hervor und rief sofort auf der Brücke an. Es dauerte einen Moment, viel zu lange für seinen Geschmack, bevor man sich meldete.
    „War das bei uns?!“, forderte er harsch eine Antwort.
    „Scheint nicht so …“, kam unsicher zurück.
    „Findet heraus, was das war …“
    Kaum den Satz zuende gesprochen, wurde er auch schon von Kele kontaktiert. „Ist alles in Ordnung bei Euch?“
    Kurz schaute er zu seiner Schwester rüber, die sich hektisch ihr Bein massierte.
    „Kara hat sich wieder beruhigt, also scheint es ihr auch gut zu gehen …“
    Argwöhnisch grimmte sie ihn an. Er verdrehte höhnisch sein Auge.
    „Ich war nahe der Explosion. Soweit ich das beurteilen kann, war sie nicht auf unserem Schiff …“
    Und als hätte man's geahnt, wurde er schon wieder unterbrochen. Diesmal rief die Brücke zurück.
    Leicht angesäuert raunte er ein „Ja“ heraus.
    „Kapitän, das Epizentrum lag auf dem Hyru-Schiff. Offenbar waren es Gastanks.“
    Für ihn trotzdem keine Nachricht, die ihn zum Aufatmen brachte.
    „Beschädigungen? Verletzte?“
    „Ja …“, keuchte seine Schwester. „Ich bin verletzt …“
    Dere überhörte es gekonnt und missachtete ihr gespieltes Leiden.
    „Keine gravierenden Beschädigungen. Ein paar Leichtverletzte in unmittelbarer Nähe des Epizentrums.“
    Eine Sache, der Dere unbedingt mehr Aufmerksamkeit schenken musste. Aber dies ging schwer vom Boden aus. Und abgesehen von der Ungemütlichkeit wurde es auch langsam kalt dort unten. Genug Gründe, der Natii auf die Beine zu helfen sie zum Bett zu führen. Ihr Humpeln war schlimmer geworden und die große Schürfwunde an ihrer Hand blutete auch immer mehr. Aber für ihn war es keine Sache, wegen der man ein Theater mit dreißig Akten veranstalten müsste.
    Für ihn als Militär galten erst Verletzungen mit Gliedmaßenverlust als Grund zur Aufregung. Doch weil es seine Schwester war und dazu noch die Erstgeborene der Ehrwürdigen, musste er seine Messlatte stark herabsetzen und es ihr irgendwie recht zu machen.
    Er versprach ihr, sofort eine Handvoll Ärzte zu ihr zu schicken, die ihr jedes Wehwehchen kurieren sollten. Aber ihr waren seine Aufmunterungsversuche egal. Für sie war das alles wie ein Weltuntergang. Eine Tochter der Tashi'Ara, verletzt auf einem zertrümmerten Schiff, ziellos treibend im Weltall. Wieviel schlimmer konnte es noch werden? Für sie war es schon kurz vorm Abgrund, es fehlte nur noch ein kleiner Tritt und sie würde vor Hysterie in Ohnmacht fallen. Eine Sache, die Dere in gewisser Weise befürwortet hätte.
    Erneut wurde er von Kele kontaktiert.
    Aber dieses Mal wirkte er anders. Viel hektischer und angespannter. Er hatte große Schweißperlen auf Stirn und Wangen und seine Lippen zitterten wie elektrisiert. Unruhig hastete sein Auge umher und auch das Bild wackelte mit. „Kapitän, die Hyru planen irgendwas. Kommt schnell zum Kesselraum zwölf.“
    Dere war angefixt. Er spürte, dass sein erster Offizier es bitterernst meinte. Grundlos würde er nicht so aufgebracht sein. „Was genau planen sie?“
    „Schwer zu sagen.“ Ungewiss strich er sich über den Nacken. Die Ansicht schwenkte um zur Wand, die stark vibrierte. „Es sieht so aus, als wollen sie einen Durchgang fräsen.“
    „In unser Schiff?“, fragte er von Panik erfüllt bis in die Tentakelspitzen.
    Kele nickte.
    „Ich komme sofort!“, erwiderte er, beendete den Anruf und wandte sich augenblicklich Kara zu, die offensichtlich alles mitbekommen hatte, an ihrem entgleisten Gesichtszügen klar zu erkennen.
    „Ihr bleibt hier“, ermahnte er sie, bevor sie auch nur auf die Idee kam, mitzugehen. „Egal, was passiert, Ihr bleibt hier.“
    Ohne Widerwillen stimmte sie nickend zu und blieb hocken. Das war ihr dann doch zu abenteuerlich. Auch wenn ihre Mentalität es nicht erahnen ließ, sie machte sich große Sorgen um ihren Bruder.
    Bevor er wieder auf unwichtige Gedanken kam, kehrte er ihr den Rücken zu und verließ schnurstraks den Raum. Kaum machte er einen Schritt, legte einen Blick auf den Bereich vor sich, sah er bereits das Ausmaß der schweren Erschütterung. Zuerst trat er ins Leere unter sich. Dort, wo einst ein kiloschweres Eisengitter verschraubt war, offenbarte sich eine knietiefe Trittfurche bis runter auf die Heizungsrohre. Dies zog sich quer durch den Gang wie ein Flickenteppich. Einige Stahlpfeiler hatten sich deutlich verbogen, wodurch sich die Wände leicht verzogen hatten und einzelne Bleche kaum noch von den Nieten gehalten wurden. Ein meterlanger Abschnitt des Luftschachtes hatte sich in die Gangmitte verschoben und hing auch nur noch mit wenigen Schrauben am Deckengerüst.
    Auf dem Weg zu Kele rief er in der Krankenstation an und beorderte einen Arzt zu seinem Zimmer, bevor er anschließend die Brückenmannschaft kontaktierte und befahl, den Alarm auszulösen. Wenige Sekunden später heulten die Sirenen los.
    Sie gingen die wakelige Treppe hinab, deren Geländer seitlich abgeknickt war, um dann auf einem T-Pfeiler entlang zu balancieren, der quer über den offenen Boden lag.
    Ein reines Abenteuer, bei dem er immer mehr begrüßte, es Kara verboten zu haben, mitzukommen. Wenn sie nicht schon an der Treppe gescheitert wäre, bei dieser wackeligen Angelegenheit spätestens.
    Diesen Hindernisparkour bewältigt, bog er bei der nächsten Kreuzung ab und eilte zu einem der Waffenschränke, die dort in den Wänden versteckt waren, und öffnete diesen mittels Handscanner daneben. Die Schränke waren durch ein tashitypisches Symbol gekennzeichnet, da sie keine anderen Merkmale aufwiesen, um sie von der restlichen Wand unterscheiden zu können.
    Mit ihm nahmen sich auch noch andere Tashi ein Plasmagewehr und folgten dem Kapitän im Eilschritt zum Kesselraum.
    Auf halber Strecke wurde er abermals von der Brücke angerufen, mit erschreckenden Nachrichten.
    „Kapitän, offenbar bewirkte die Explosion der Gastanks, dass unser Schiff noch stärker in ihres gedrückt wurde und ihre Hülle sich in unsere schnitt. Dadurch entstand ein schmaler Schacht, durch den sie nun versuchen, in unser Schiff einzudringen.“
    „Wie groß ist der Schacht?“
    „Zu klein für die Hyru. Aber sie schneiden sich bereits einen größeren Weg frei.“
    Sofort beschleunigten sie ihre Schritte, gingen ins Rennen über und legten auf der langen Geraden einen kurzen Sprint hin. Zum Glück waren die Zerstörungen ab diesem Abschnitt überschaubar, vermutlich weil er weiter weg von der Erschütterung lag.


    Als er Minuten später angekommen war, waren die Anwesenden bereits damit beschäftigt, die Wand mit großen Stahlblechen zu verstärken. Eine Verzweiflungstaktik, um die Roboter so lang wie möglich aufzuhalten. Nebendran standen andere Soldaten mit Hochspannungskabeln und setzten die Wand zwischendurch unter Strom. Ob sie damit die Hyru tatsächlich aufhalten konnten, wussten sie nicht. Das markerschütternde Schlagen und Kratzen wurde stets lauter und ein leises Surren mischte sich dazu. Es klang tatsächlich wie ein großer Bohrer, der sich kontinuierlich durch den Stahl fräste.
    „Wie weit sind sie?“, traute sich Dere kaum zu fragen beim Anblick dieses chaotischen Haufens, der zu seiner Crew zählen sollte.
    Und Kele traute sich noch weniger, darauf zu antworten. Unerfreut strich er sich über den Hals und knirschte kleinlaut: „Nur noch dreißig Zentimeter.“
    „W-w-wie lang fräsen die schon?“, stammelte er erschüttert.
    „Erst seit zehn Minuten …“
    „Wie bitte?!“
    Sein erster Offizier hob unschludig die Hände und wich einen großen Schritt zurück. „W-wir haben Euch unverzüglich nach Bemerken informiert …“
    „Aber …“, Dere zeigte zur Wand: „das sind über zwei Meter gehärteter Stahl!“
    „Darum sind wir ja auch so verzweifelt.“
    Ein letztes Mal beäugte der das Geschehen, konnte sich aber auch nicht helfen, die Situation schnell zu retten. Wenn die Cri bereits so weit waren, dann halfen nur noch drastische Maßnahmen.
    „Das wird so nichts! Das ist Zeitverschwendung! Wir müssen den Raum aufgeben …“
    Die Brücke rief zurück. Ein sehr ungünstiger Moment, wie Dere fand.
    Erwartungsvoll waren die Blicke auf ihn gerichtet. Aber er musste die anderen noch kurz vertrösten. Kele nahm kurzerhand den Befehl wieder auf und dirigierte die Soldaten, während der Kommandant sich in eine ruhigere Ecke begab.
    „Wir haben neue Erkenntnisse von Lumo-Arc. Es scheinen Ych zu sein.“
    Er dachte zuerst, er hätte sich verhört und fragte sicherheitshalber nach, in der Hoffnung, dass er sich tatsächlich verhört hatte. „Die Ych? Seid ihr euch sicher? Was wollen dir hier?“
    Aber diese Fragen konnte man nicht klar beantworten. Eigentlich konnte man nichts weiter dazu sagen. Und eigentlich bedurfte es auch keiner weiteren Worte, wenn schon deren Namen so leichtfertig gefallen war. Mit dieser Spezies wollte sich man noch weniger anlegen. Dagegen waren selbst die Hyru-Cri erfreuliche Nachbarn.
    „Nehmt Kontakt mit den Hyru auf!“, befahl er unverzüglich, mit erster Priorität. „Ich will wissen, was die dazu meinen …“
    Das Kratzen war augenblicklich verschwunden, dafür wurde das Surren viel pregnanter. Mit diesem ging ein grelles Licht einher, gefolgt von bläulichvioletten Blitzen, die wie zuckende Flares umher peitschten. Schlagartig wurde die Luft versengt, lautes Knallen ertönte. Entsetzliche Schreie und technotronische Klänge.
    „Sie sind durchgebrochen!“
    Panisch versuchten sie den feindlichen Beschuss zu erwidern. Vergebens. Diesen hochtechnisierten Roboterwaffen, die rein aufs Töten ausgelegt waren, hatten die Tashi aktuell nichts entgegenzusetzen. Gegen Blitzgewehre und Schrapnellgeschosse in solch engen Räumen konnte man nichts ausrichten. Man konnte nur in direkten Nahkampf gehen oder fliehen.
    Zwei Maschinenwesen traten mit schweren Schritten aus dem Staub hervor, ihre Körper fast doppelt so groß wie der Schacht. Von der gebückten Haltung streckten sie sich in die Aufrechte. Die Metallgerippe mit mattgrauen Brustplatten beschlagen, überzogen von Maschendraht, und die angerosteten Eisenfratzen voller Zorn und Hass, mit den rotglühenden Augen. Der Schock zerfraß einen innerlich, beim Anblick dieser schauderhaften Gestalten aus dreckigem Metall und chaotischem Innenleben zerfledderter Kabelage. Eines grässlicher als das andere.
    Aber der dritte Hyru, der nach den beiden Riesen aus dem Schacht gekrochen kam, war noch bedrohlicher. Das grimmige Antlitz eines mit Nieten und Nägeln beschlagenen Gesichtes, das so abscheulich war, dass man sich am liebsten Das Auge ausgestochen hätte. Das, was man als Arme bezeichnet hätte, waren eher Antennen oder Zangen. Messerscharfen Klingen, die wie Scheren zuschnippten. Der halb offene Torso, im Innern ein Gemenge aus filigranen Zahnrädern und komplexer Hydraulik. Sechs spindeldürre Beine hatte dieses Ungetüm, es bewegte sich wie eine Spinne voran. Was es umso fürchterlicher machte.


    Alle anwesenden Tashi zielten auf diesen Hyru und feuerten mehrere Salven ab. Jedem anderen Angreifer hätte es den Lebenshauch mehrmals ausgetrieben. Aber diesem Ding schien es nichts auszumachen. Es drehte seinen Torso samt Kopf um und krabbelte nun rückwärts auf sie zu. Am Hinterkopf, was zuvor wie ein spitzer Dorn aussah, war ein kurzläufiges Gewehr, dessen Infrarotlinse zielgerichtet die Tashi anvisierte. Der Reihe nach wurden sie dann mit Kopfschüssen ausgeschaltet. Ein viel zu grausamer Anblick, wie die Tashi einzeln nach hinten umgeworfen wurden, teilweise mit halb zerfetztem Kopf, und das Blut meterweit verspritzt wurde.
    Schon nach dem ersten Opfer ergriff Dere die Flucht nach hinten. Er war nicht feige, aber wusste, wann ein Kampf nicht zu gewinnen war. Eigentlich wehrten die anwesenden Tashi sich nur, um den Kapitän zu schützen. Er wusste das zu schätzen, aber wollte nicht zulassen, dass sich seine Mannschaft kaltblütig ermorden ließ.
    „Gebt den Sektor auf!“ Einen nach dem anderen zerrte er seine Crew aus der Schusslinie. „Wir müssen uns zurückziehen!“
    Nun begriffen auch die anderen den Ernst der Lage, kamen zur Vernunft und entfernten sich vom Durchgang. Mit vereinten Kräften schoben sie die schwere Eisentür zu und stemmten sich dagegen. Mehrere Projektile prasselten dagegen, sowie auch der Hyru selbst davor rannte. Eilig begannen sie, die Tür zuzuschweißen.

    Einen großen Dank an dich, @MieszkoVI, dass die Geschichte dir im Großen und Ganzen gefällt. Ich weiß, ich habe mir extremst viel Zeit gelassen, dir zu antworten und auch hier weiterzuschreiben, aber ich bin da etwas eigen und mache das am liebsten immer gleich zusammen (antworten und neuen Part reinstellen), weil ich das gerne sehr übersichtlich halten möchte und dann oftmals die Gefahr besteht, wenn man einen Part editiert, dass der nicht nochmal gelesen wird.
    Im Spoiler ein paar Dinge zu deinen Anmerkungen. Nach dem Spoiler dann direkt der neue Part.


    Teil 14


    *


    In der Zwischenzeit auf der Dere hatte sich die Lage deutlich verschlechtert. Die letzten Tage waren sehr anstrengend gewesen. Niemand hätte gedacht, dass sie auch nur eine Stunde überleben würden, bei den massiven Schäden, die das Schiff erlitten hatte. Einige Sektoren waren starken Gravitationschwankungen ausgesetzt, andere wiederum mit giftigem Rauch überflutet. Ein Großteil der Waffen und Munition aus den Hauptlagern waren entweder bei Bränden detoniert oder wurden tonnenweise ins All geschleudert.
    Zugerümpelte Wege, lose Geländer und herabhängende Kabelbündel, die provisorisch mit Ketten und Gurten an den Stützstreben fixiert wurden. Die Mechaniker waren rund um die Uhr damit beschäftigt, die Wände mit zusätzlichen Stahlblechen und Nieten zu stabilisieren, um einem plötzlichen Hüllenbruch entgegenzuwirken.
    Obwohl von dem Schiff nur noch knapp die Hälfte übrig war, blieb der Energieverbrauch verhältnismäßig hoch. Sie waren gezwungen, drastische Energiesparmaßnahmen einzuleiten, was unter anderem auch die Drosselung der Heizungen bedeutete. Eisige zehn Grad Celsius herrschten nur noch. Das Schiff kühlte langsam aus.
    An den Wänden war bereits der Wasserdampf der Atemluft kondensiert, welcher normalerweise von den Luftentfeuchtern aufgefangen wurde. Ein ernsthaftes Problem, was schon für einige Kurzschlüsse und Frostschäden gesorgt hatte.
    Sogar in der Kombüse waren die Köche gezwungen, kaltes Essen zuzubereiten.
    Und selbst die Krankenstation war von den harten Erschütterungen nicht verschont geblieben und zählte nur mit zu den dreckigsten und verkeimtesten Räumen auf dem Schiff. Behandelt wurden die Verletzten daher in den Fluren und Sanitäranlagen. Nahrungsknappheit, überbelastete Luftfilter und temporäre Stromausfälle erschwerten zusätzlich die Bedinungen auf dem so schon völlig zerstörten Schiff.
    Untermauert wurden all diese Eindrücke von der ständigen Anspannung, nicht zu wissen, ob vielleicht doch der Feind eher als die eigene Unterstützung eintreffen würde. Ein Kampf im Kopf aller Tashi, der dem Wahnsinn von Stunde zu Stunde mehr Stärke verlieh.
    Sogar dem Kapitän, dem wohl kühnsten an Bord, brachte es langsam zum Rand der Verzweiflung. Es gab keine rosigen Aussichten auf irgendeine Rettung und er war sich sicher, dass bald ein weiterer Notfallplan anstand, um einen finalen Verzweiflungsakt anzuordern. Das bewusste Ermorden seiner Crew, um das Überleben der Natii länger zu gewährleisten.
    Zwar konnte man die Sensoren wieder in Gang bringen, aber großartig ändern tat es nichts. Unzählige Funksprüche wurden abgesetzt, aber bisher kam keine Antwort zurück. Weder von Lumo-Arc noch von irgendwoher.
    Bisher war es ihnen nur gelungen, einige der übrigen Waffen wieder in Betrieb zu nehmen. Aber ohne Antrieb und Steuerdüsen konnten sie die Hyru nicht ins Visiert nehmen. Zumal sie eh zu dicht dran waren.
    Aber am Ende würden die Hyru den Kampf gewinnen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Nahrung und Wasser komplett aufgebraucht sein würden und die Tashi sich wirklich entscheiden mussten, die Vorderungen der Hyru zu akzeptieren.


    Mit Handtuch um den Hals und perlenförmigen Kopfhörern eingesteckt lief er im Schnellritt durch die Gänge und lauschte der leisen basslastigen Musik. Er kam gerade vom Reaktorraum und war auf dem Weg zu seinem Quartier. Auch wenn er stets ein optimistisches Lächeln auf den Lippen hatte, trügte der Schein. Auf ihm lastete nicht nur die schwere Bürde eines Kommandeurs, sondern auch eines Motivators, durch positives Auftreten die Truppenmoral aufrechtzuerhalten. Ein starker innerer Konflikt, der ihm schlaflose Nächte bereitete und ihn unterbewusst gespaltener stimmte. Depression und Selbstzweifel fraßen sich allmählich durch seine steinernde Fassade und drohten, ihn immer mehr unzurechtnungsfähig zu machen.
    Und Sport und Musik halfen ihm nunmal, sich genügend abzulenken, um den emotionalen Druck abzubauen. Das kam nicht bei jedem gut an, aber seine Offiziere standen hinter ihm.
    Einige Korridore weiter kam Kele sein erster Offizier völlig erschöpft zu ihm und setze eine flüchtige Begrüßung hin.
    Dere verlangsamte seinen Gang und Kele passte sich zusätzlich seiner Geschwindigkeit an. „Wir haben gerade einen Soldaten tot in seinem Quartier aufgefunden. Offenbar Selbstmord.“
    Verbittert erstaunt schaute Dere ihn an. Mit vielem hätte er gerechnet, aber damit am wenigsten. Er schluckte die Gedanken herunter und fragte flüsternd: „Wieviele wissen bereits davon?“
    Kele hob die Schultern an und gab grübelnd eine unsichere Antwort: „Eine Hand voll vielleicht?“
    Dere nickte verstehend. In diesem Fall war eine vage Aussage akzeptabel, schließlich konnte man in so einer Situation nicht immer einen klaren Kopf behalten.
    „Sorgt dafür, dass es auch so bleibt. Ich kümmere mich später darum.“
    Kele nickte.
    Aber Dere merkte, dass da noch mehr war. „Sonst noch was? Hat sich inzwischen jemand gemeldet?“
    Dies wurde aber verneint.
    Dere glotzte ungläubig. „Wirklich niemand? Ignorieren die uns?“
    „Allen Anschein nach“, theoretisierte Kele und fügte an: „Offenbar scheinen auch keine Schiffe mehr Lumo-Arc zu verlassen.“
    „Seid Ihr Euch sicher?“
    Wieder ein verhaltenes Nicken. Vielmehr, als die wenigen einkommenden Daten, konnte er nicht anbieten.
    „Viel bedenklicher finde ich das hier.“ Er überreichte dem Kapitän seinen Kommunikator, auf dem stark überstrahlte Bilder von der Sternenbrücke zu sehen waren und deutete auf das Objekte zentral der Silberscheibe. „Wir informierten die Hyru darüber, aber sie stritten ab, dass es zu ihnen gehört.“
    Wie ein erstaunter Frosch glubschäugelte er darauf und runzelte hart die Stirn.
    Zu sehen war ein sehr breitgezogenes, rhombusförmiges Gebilde, das ungewöhnlich große Maße aufwies. Über vier Kilometer!
    Mit gewissen Bedenken tippte er darauf und fragte: „Ist das die geschätzte Größe?“
    Unfreiwillig bestätigte der Offizier, räumte aber gleich ein, dass die Messungen durch einige Faktoren stark ungenau sein konnten.
    Dies versuchte Dere auch zu berücksichtigen, aber dennoch meinte er: „Mir ist kein einziges Schiff von irgendeiner Spezies bekannt, das dieser Größe und Form entspricht.“
    „Ein neues Schiffsmodell vielleicht?“, fragte Kele erstaunt, woraufhin der Kapitän entgegnete: „Oder ein illegales Modell.“
    „Ich kümmere mich später darum“, sagte Dere mit lauer Stimme und drückte den Kommunikator wieder in die Hand seines Kammeraden. „Geht Ihr zum Reaktorraum und schaut nach dem Rechten.“
    Nach dieser kurzen Unterbrechung setzte er den Gang zu seinem Quartier fort. Zu gern hätte er auch noch vielen anderen Tashi auf dem Weg dorthin geholfen, aber er konnte die eine Sache nicht länger aufschieben.
    Kurz schaute er sich noch einmal um, um sich zu vergewissern, dass kein Notleidender in der Nähe war und ging dann hinein. Sein Blick musste nicht lange suchen, um seinen Besuch zu erspähen.
    „Seid Ihr also auch schon da?!“, kam es sofort schnippisch, ehe er auch nur die Tür geschlossen hatte. Es war Kara, die mit ihrem schwarz-grün-gestreiften Anzug lässig auf seinem Bett lag, die Tentakeln auf ihren Brustkorb drapiert und daran herumspielend. Ihr strenger Blick zum Bruder hätte mieser nicht sein können. „Ist denn endlich Hilfe eingetroffen?“
    Mit zuckendem Finger winkte er sie aus dem Bett, behielt dabei einen ebenso grimmigen Ausdruck bei. „Kara …“
    Augerollend schwang sie ihren grazielen Körper in eine sitzende Position, zog sich das Netzoberteil zurecht und hielt ihm provokant die geknickte Hand entgegen.
    Aber er machte keine Anstalten, diese zu ergreifen und stielte sie weiter böse an. „Ich habe zur Zeit Wichtigeres zutun, als ständig auf Euch aufzupassen, Schwester.“
    „Ich brauche keinen Aufpasser“, erwiderte sie bissig und erhob sich von selbst. Ihre Wade war noch leicht gereizt von der Verletzung und zuckte etwas, was ihr anfänglich einen unsicheren Stand bescherte. Nur auf Zehenspitzen konnte sie das Bein absetzen. Sie rückte ihre violette Brille zurecht.
    „Mein Auge ist aufmerksam genug“, sprach er und korrigierte seine ebenso. „Für Eure Langeweile ist hier weder die richtige Zeit noch der richtige Ort. Und tut nicht so, als wüsstet Ihr nicht, wovon ich spreche.“
    Sie verschrenkte bockig die Arme vor der Brust, kniff ihr Auge fest zusammen und schüttelte sich heftig, sodass ihr Tentakelstrang wie eine Peitsche umherschwang. Anschließend stieß sie ein grässlich kratziges Surren aus. Ein seltenes Phänomen, das bei sehr starker Unzufriedenheit auftreten konnte. Wer einen Tashi dabei erwischen sollte, konnte sich entweder sehr glücklich oder traurig schätzen. Es war quasi ein Hilferuf, der im Normalfall unbedingt erwidert werden sollte. Eine Tashi in solch einem Zustand war unzurechnungsfähiger als ein Stein.
    Aber ihr Bruder blieb konsequent und tat nichts. Er sah es nicht ein, sie zu trösten. Zumal bei ihr immer die Möglichkeit bestand, dass sie es absichtlich tat. Und bevor er ihr noch unbedacht in die Karten spielen würde, ließ er sie lieber wie einen Schlickwurm zappeln.
    Immerhin schrie sie nicht um sich. Das hätte ihm noch den letzten Nerv geraubt.


    Nach einigen Minuten der völligen Verausgabung war sie so erschöpft, dass sie beinahe das Gleichgewicht verlor und mit ihrem Arm schnell die rettende Tischkante suchte. Das nervöse Bein schleifte sie leicht hinter sich her.
    Erst jetzt zog Dere es in Erwägung, einen Schritt auf sie zuzugehen. Aber dieser Gedanke verpuffte schnell, als sie sich seufzend auf die Tischkante setzte und ihm störrisch den Rücken zuwandte.
    „Wisst Ihr überhaupt, was Ihr von mir verlangt? Als Erstgeborene der Tashi’Ara bin ich darauf gedrillt worden, immer und überall etwas zu lernen und ständig zu anderen Systemen reisen, um alle Eindrücke und Informationen wie ein Schwamm aufzusaugen. Ich kann nicht einfach nichts tun.“
    „Es ist aber zu gefährlich für Euch“, veräußerte er und versuchte, etwas Mitleid in seine Stimme zu legen. Seine Haltung wurde lockerer. „Ich kann es nicht verantworten, dass Ihr auf dem Schiff herumschleicht.“
    „Und wenn ich die ganze Zeit im Quartier bleibe, werd' ich verrückt!“ Gesagt, drehte sie sich um, fauchte ihn an und wischte sich im selben Moment den Speichel vom Mund. Die Wangen eingezogen züngelte sie: „Außerdem, wenn die mich sehen, wissen die, dass ich noch nicht tot bin.“
    „Wenn die Euch sehen“, konterte Dere mit langem Finger auf sie gerichtet: „werden sie zu sehr abgelenkt. Vorallem die Jüngeren.“
    Stark angewidert presste sie die Zunge in die Unterlippe und fuhr ihre Hand hart über den Hals. „Die wollen auch mal ein wenig Abwechslung haben.“
    „Wenn die Abwechslung haben wollen, dann gehen die schlafen“, brachte ihr Bruder angewidert entgegen und verstärkte es noch mit einem gepressten: „Allein!“
    Mochte die Oberste persönlich die Natii bestrafen für solche Gedanken.
    Entnervt rollte sie ihr Auge und wollte erneut das Wort ergreifen, aber Dere unterband das mit: „Also, bleibt Ihr nun im Quartier, oder soll ich Wachen aufstellen? Weibliche Wachen … Aber eigentlich ich hab' Euch nicht deswegen hergebeten. Ich soll Euch beschützen …“
    Plötzlich erschütterte das gesamte Schiff, gefolgt von einem lauten rasselnden Knall, der durch die Gänge ratterte und den Stahl zum Ächzen brachte. Schrauben und Nieten platzten heraus, LED-Lampen zerbarsten. Lose Stahlgitter erhoben sich, tänzelten über den Boden und fielen wieder hinab. Die Besatzung auf den Gängen stoplerte reihenweise über die eigenen Füße und fand sich kurz darauf kriechend am Boden wieder. An einigen Stellen lösten sich wieder die provisorisch befestigten Kabelstränge und hingen wie Lametta herab, zischend und fauchend vor Elektrizität.
    Auch Deres Zimmer traf die Erschütterung mit voller Wucht. Kara wurde regelrecht vom Tisch geworfen, ihr Bruder fiel mehr durch Zufall in ihre Richtung und fing ungelenk ihren Sturz mit umher schlackernden Armen ab. Sie fing an zu schreien, kreischte ihrem Gegenüber panisch ins Gesicht, spuckte und geiferte. Dere fauchte zurück, wollte sie davon abbringen, ihn weiter anzuschreien. Mit Armen, Beinen und Tentakeln zu einem Seemannsknoten verwickelt lagen sie beide am Boden und funkelten sich mit schmerzgeplagtem Auge an. Das, was Kara zuvor unterdrückt hatte, brach nun aus ihr heraus. Zusätzlich kam das Ziehen von ihrer vergangenen Wadenverletzung dazu und entlud sich in wilden Beschimpfungen und fäkalen Kraftausdrücken. Sie brüllte lauter und schiefer als die Alarmsirenen und der Knall zusammen. Ein Kreischen, so gepresst, dass man damit hätte Glas zertrümmern können.

    Kraki fand sich wieder auf dem Raumschiff der Piraten mit klobigen Metallschellen um Fuß- und Handgelenke sowie schweren Eisenketten in der Raummitte am Boden verankert. Nur gut einen Meter in jede Richtung konnte sie sich bewegen. Sich loszureißen war sogar für sie unmöglich. In nahezu völliger Dunkelheit, nur von wenigen LEDs begleitet und in sinnesbetäubende Geräuschkulisse von schweren Maschinen eingehüllt, hockte sie da und schaute sich hecktisch um. Erst seit wenigen Minuten war sie wach, doch kamen sie ihr wie Stunden vor. Panik suchte sie mit jedem weiteren Moment mehr heim und machte ihrem Gemüt zu schaffen. Sie wusste nicht, wo genau sie war, wie lange sie dort bereits war und wo zur Hölle ihr Toaster abgeblieben war.
    Plötzlich hörte sie dumpfe Schritte in ihre Richtung kommen. Ein Klirren, Rascheln und Klacken. Dann wurde die Tür vor ihr etwas aufgeschoben. Sofort kam ihr das grelle Licht entgegen, was sogar ihr als Denk für einen Augenblick lang die Sehnerven quälte. Unbewusst kniff sie die Augen kurz zu, um sie nur Sekunden später wieder zu öffnen und in die grässlichen Gesichter zweier Piraten zu schauen, die in voller Rüstung und mit Atemschutz sich vor ihr aufbauten. Sie überragten Kraki um fast einen Kopf und wirkten sehr erzürnt.
    Die junge Denk blieb noch immer paralysiert von den ganzen Eindrücken, aber der vordere von beiden, vermutlich der Höherrangigere, ließ ihr keine Zeit mehr, sich an diese ungewohnte Situation anzupassen. Mit einer überdimensionalen zweizinkigen Gabel in der Hand stapfte er auf sie zu, drückte diese an Krakis eingezogenen Hals und hob ihren Kopf nach oben. Kraki gab mit dem Hals nach und streckte ihn einen halben Meter.
    "Wenn wir auf Kutrazan sind, werden wir dein Schiff und diesen Metallkasten verkaufen", sagte er mit beitem, grässlichen Grinsen im Gesicht. "Außer du arbeitest für uns."
    Zuerst realisierte sie nicht, was dieses Wesen von ihr wollte, denn sein Denk war sehr rudimentär.
    Aber als sein Kammerad Henk vorzeigte, wurde sie ganz hysterisch.
    "Nicht Henk! Ihr draakte Steenlotscha, lasst meinen Toaster in Ruhe!"
    Verwundert schauten die beiden Piraten sich gegenseitig an und dann zum Toaster.
    "Ach, das Ding hat einen Namen?", fragte der eine und schwenkte im selben Satz zu Kraki zurück.
    "Ich kann sogar sprechen", äußerte plötzlich Henk im metallischen Klang und begann wild zu blinken. "Und wenn du deine dreckigen Finger nicht endlich aus mir rausnimmst, werd' ich sie vulkanisieren!"


    "Was meint die Box?", fragte der Niedere nach, was der andere nur mit Schulterzucken erwiderte.
    "Ich sagte, ich werde deine dreckigen Finger vulkanisieren!", quietschte Henk erneut und begann mit dem Röstvorgang auf höchster Stufe. Binnen Sekunden begann es zu knistern und zu rauchen. Er zuckte mit der Hand zurück und ließ den Toaster fallen. Voller Wut auf ihn trat er ihn gegen die Wand und versuchte, seine verkohlten Finger mit starkem Wedeln abzukühlen.
    "Das hätte es nicht tun sollen!", knurrte er, schnappte sich eine Schaufel und holte weit aus. "Nun lieferte es mir noch mehr Gründe, es loszuwerden!" Dann schlug er zu. Aber anstatt Henk zu zerbeulen, prallte die Schaufel einfach von seinem harten Gehäuse ab und schnippte dem Piraten wieder entgegen und traf sie am Kopf.
    Amüsiert lachten beide, Kraki und ihr Begleiter, auf. "Hurchtes Migsicht!"


    "Halt dein hässliches Maul!", brüllte er und schlug ihr mit offener Hand hart auf die Wange.
    Kraki verspürte nur geringfügig Schmerz und musste daraufhin noch viel mehr lachen. "Schluppschwatz! Dunbraatbohrer!"
    "Noch ein son' Wort und ich werde den Toaster höchstpersönlich in den nächsten Stern schießen!"


    "Machst du doch eh nicht, du pretchwostiger Steenlokter!"
    Und er machte seine Drohung doch wahr. Mit großen Schritten stampfte er auf Henk zu, hob ihn auf und ging zur Tür.
    Kaum hatte er sie geöffnet und machte einen Schritt raus, ruderte Kraki schnell zurück.
    "Warte, warte! Ich hab's mir anders überlegt!"
    "Und jetzt lügst du, Denk..."


    "Nein, ich... ich arbeite für euch", lenkte sie unfreiwillig ein. "Was braucht ihr? Ich geb' euch alles! Helium, Wasserstoff, Titan."
    Ohne Skrupel äußerte er: "Uran."
    Kraki brauchte nicht lange drüber nachzudenken -eigentlich stand ihr Entschluss bereits sofort fest- und schüttelte mürrisch den Kopf. "Inakzeptabel. Keine radioaktiven Substanzen."
    Mit großen Augen, völlig empört, glotzte er sie an. "Du bist der erste Denk, der das verweigert."
    Sie schüttelte wieder den Kopf. "Das ist gelogen."
    "Wir bieten dir Schutz", kam er ihr etwas mehr entgegen. "Wir werden dich gut behandeln."
    "Pah!", spuckte sie belustigt augenrollend. "Ich brauche keinen Schutz, ein sicheres Leben ist mir auch ohne euch garantiert. Niemand misshandelt Denk."
    "Oh doch, wir werden." Und genau das taten sie dann auch die nächste halbe Stunde ununterbrochen. Kraki und Henk hatten ihnen genügend Gründe geliefert, sie zu hassen. Umso mehr Spaß bereitete es ihnen nun, sie mit verschiedensten Gerätschaften zu quälen und zu foltern. Unter anderem mit starken Stromstößen und Brandeisen. Aber die größte Folter war, Henk in frisch angerührtem Flüssigbeton zu versenken.
    "Arbeitest du nun für uns?"
    Kraki hielt stand. Sie blieb stur. "Niemals werde ich das!"
    "Du weigerst dich also immer noch?", fragte er vorerst ein letztes Mal nach und verpasste ihr zugleich noch einen Stromstoß, der ihren ganzen Körper zum Zittern brachte. Ihre Augen tränten, Sabber lief ihr aus dem Mund und ein ächzendes Stöhnen entglitt ihren Lippen.
    Aber so grausam es auch aussehen mochte, für Kraki war es nichts weiter als sinnlose Zeitverschwenung. Sie wurde sturer, je mehr man sie folterte. Ihr Leben war ihr nahezu egal. Sie wusste, oder ging zumindest immer noch davon aus, dass man sie unter keinen Umständen bewusst und freiwillig zu Tode foltern würde. Dafür war ihrer Spezies viel zu wertvoll.
    Wie zu erwarten blieb die Kernaussage ihre Antwort gleich. "Niemals werde ich euch, der Allianz oder sonst einer Fraktionen Uran liefern! Und wenn ich sterben sollte!" Das Letztere war keines Wegs ernst gemeint, aber sie versuchte, es ernst genug rüberzubringen. Bei Piraten und ähnlichem Gesocks gab es nur zwei Möglichkeiten. Entweder Zähne zusammenbeißen, stur und selbstbewusst genug auftreten und sich aller Folter hingeben oder sofor klein beigeben. Für sie als Denk kam zwar beides in Frage, aber sie entschied sich aufgrund der hohen Druckmittel für Ersteres.
    Dem Piraten war dies zuwider. Diesen erbärmlichen Anblick jener Denk wollte er nicht länger mit ansehen. Nur noch ein letztes Mal verpasste er ihr eine kräftige Schelle und ging dann zur Tür. "Du wirst noch kooperieren! Noch sind es einunddreissig Stunden bis Kutrazan. Bis dahin werden wir dich gebrochen haben!"

    Mitten im Nirgendwo auf einem Asteroiden stand die Fabrik von Kraki. Sie selbst war nur unweit von dieser entfernt mit dem Erzabbau beschäftigt. Sie war gerade so weit entfernt, dass der lange Kranarm sie noch erreichen konnte. Und hinter ihr standen zwei leere Loren bereit.
    In voller Montur und mit ihrem Bohrer ausgerüstet zertrümmerte sie seelenruhig die spitzen und schroffen Felsen und wühlte gelegentlich mit der Spitzhacke im losen Gestein herum, um noch zu große Schollen ausfindig zu machen. Das leichte Glitzern und Funkeln der Erzkristalle und Mineralablagerungen faszinierte sie immer wieder aufs neue und zeigte ihr, wie wundervoll doch diese Arbeit war. Ebenso beflügelten sie die Sterne und das Abstrakte dieser unwirtlichen Gegend. Aber so schön all das auch war, so gefährlich war das Leben auch. Das, was sie häufig daran am meisten störte, war die alles einhüllende Einsamkeit. Nur ein falscher Schritt, eine falsche Bewegung und man konnte schneller verloren sein, als es einem lieb war. Darum war sie auch mehrfach gesichert, nicht nur mit den harten Spikes an den klobigen Schuhen, sondern auch stets über eine Seilwinde mit ihrem Schiff verbunden, um im Notfall doch nicht in den Tiefen des Alls zu verschwinden.
    Es war ein Knochenjob, den sie sich regelmäßig, fast tagtäglich, zumutete. Aber es war auch ihre größte Leidenschaft. Sie genoss es, daraus andere Dinge und Materialien herzustellen.
    In all dieser Arbeit, eingehüllt in schwarzen Staub, ragte ein kleines metallenes Objekt gut zehn Meter über dem Boden aus dieser heraus. Das war Henk, der ebenfalls mit einem dünnen Drahtseil an ihr befestigt war und schwache Blinksignale von sich gab.
    Nachdem Kraki genug Fels zerrüttelt hatte, wandte sie sich ihrer Bedienkonsole am Gürtel zu und bediente einen Kranarm, an dem ein große Schaufel angebracht war, mit der sie das lose Gesteinsgut aufnehmen und in die Lore kippen konnte.
    Eine gute halbe Stunde verging und sie war gerade dabei, die zweite Lore anzufangen, als sie plötzlich ein unruhiges Licht-Schattenspiel über sich bemerkte, das unmöglich von ihrem Toaster stammen konnte. Sie schreckte auf, streckte den Hals und schaute sich aufgeregt um.
    Ein merkwürdiges Objekt war zu sehen. Mit Krakis goldgelben Augen konnte sie selbst die dunkelsten Dinge recht gut erkennen, was ihr in diesem Moment auch zugute kam. Denn, wie es den Anschein hatte, handelte es sich um ein Schiff. Ein Kriegsschiff vermutlich. Es sind meistens Kriegsschiffe.
    Da Krakis Kenntnisse über fremde Spezies jedoch sehr beschränkt waren, konnte sie nur mutmaßen, welcher Fraktion es angehören würde. Für die junge Denk bedeutete aber allein schon die Tatsache eines fremden Schiffes, dass es verhasste Personen waren.
    Instinktiv murmelte sie sich in den Helm: "Scheiß Allianz zum Kotzen!"
    Das obligatorische Würgen durfte dabei nicht fehlen.
    Darauf hatte sie absolut keine Lust.
    Dennoch, sie war gezwungen, ihre Arbeiten schnell einzustellen und das gesammelte Gestein einzulagern. Sie hakte die beiden Loren an jeweils vier Stahlseilen ein und hob sie mit dem Kran an. Auf Henk musste sie dabei besonders Acht geben, dass der sich nicht dazwischen verhaken würde, sonst wäre er vermutlich schneller weg, als es ihr lieb war.
    Gemeinsam mit ihrer Beute stapfte sie schwerfällig aber gehetzt zurück zum Frachtraum, den Hals dabei abwechselnd immer langgestreckt und eingezogen.
    "Ein viertel Jahrtausend im meiner Heimat ging es gut! Aber dreißig Jahre allein im All und sie finden mich!"


    Doch in diesem Fall war es nicht die Allianz sondern Raumpiraten. Zwar wusste Kraki das noch nicht, aber es erklärte besser, warum sie in dieser unscheinbaren Gegend quasi mit Leichtigkeit gefunden wurde. Eine geläufige Methode von Piraten, sich in Gebieten zu verstecken, wo Frachter und Güterschiffe häufig anzutreffen sind. Eben dort, wo es seltene Rohstoffe gibt und zumeist nahe bewohnter Planeten.
    "Sklaventreiber! Knauzte Brotjesichter!", fluchte sie argwöhnisch. "Hejster Fluutenhalse! Kajtusstaude!"
    Zeitgleich mit den Loren erreichte sie den Frachtraum und Henk sauste ihr regelrecht entgegen. Ungebremst flog er ihr gegen das Visier, prallte ab und sank langsam zu Boden, je weiter sie ins Innere kam. Im Schiff herrschte künstliche Schwerkraft, die sich aber bei geöffnetem Frachtraum nur bedingt in diesem aufbauen konnte.
    "Pass doch auf!", brüllte sie ihn an, aber er konnte sie natürlich nicht hören, weshalb er ihr auch nicht antwortete.
    Während sich die große Luke schloss, war sie bereits die Treppe hinauf und in den nächsten Raum verschwunden. Auf dem Weg zum Cockpit legte sie ihr Arbeitsgerät ab und befreite sich vom sperrigen Helm.
    Die nächsten zwei drei Minuten waren für sie schweißtreibender als die vielen Stunden zuvor beim Steinezertrümmern. Die ständige Ungewissheit im Nacken, ob man vielleicht doch übersehen wurde und wenn nicht, ob man noch entkommen konnte.
    Im Cockpit angekommen startete sie unverzüglich den Antrieb und versiegelte alle Durchgänge auf dem Schiff. Henk stellte sie dabei einfach auf den Boden ab. Gerade wollte sie abheben, die Verankerungen waren schon gelöst, da hatte sich das gewaltige Piratenschiff bereits dicht über ihrem abgesenkt und hinderte sie so daran, noch weiter aufzusteigen. Kraki war völlig außer sich und trat in rasender Wut ihren Toaster durch den Raum, der sich daraufhin sofort beschwerte. "Lass deine Wut nicht an mir aus! Wäre ich ein fühlendes Wesen, hätte ich jetzt vor Schmerzen geschrieen!"
    "Hab dich nicht so!", knurrte sie nur, stiefelte schnell zu ihm und hob ihn auf. "Ich hab dich gebaut. Ich weiß, was du aushältst."
    Über den Monitor checkte sie die Lage und erkannte, dass die Angreifer sich an einem bestimmten Punkt versammelten. Es war einer der oberen Räume. Offensichtlich hatten sie bereits eine Stelle gefunden, wie sie ins Innere gelangen konnten.
    Schnell eilte sie los, den langen Korridor entlang, eine Treppe hinauf und am Kran vorbei. Unterwegs stellte sie den Toaster dann auf einer Werkbank ab und ging in den nächsten Raum. Dort sollten und wollten die Piraten offenbar in ihre Fabrik eindringen. Schnell schob sie eine der leeren Loren vor die Luke und stellte sich in die Raummitte. Mit gezückter Betäubungspistole wartete sie ungeduldig mit starrem Blick geradeaus.
    "Wer auch immer dort ist, ich warne dich! Sobald du die Tür aufmachst, schieße ich!"
    Ob man sie in ihrer Muttersprache verstand, war ihr egal. In der Panik waren ihr auch keine passenden Schimpfwörter eingefallen, die sie hätte aussprechen können. Am liebsten wäre sie auch weggelaufen. Aber sie wusste auch, dass das ohnehin nichts gebracht hätte. Sowohl Piraten als auch Allianz nahmen sich immer das, was sie wollten und bekamen es auf kurz oder lang immer. Dennoch wollte Kraki sich nicht komplett kampflos ergeben.
    Die Tür sprang auf und die Denk drückte ab. Eine Gaswolke entstand und sie sah, wie die ersten beiden Personen in sich zusammensackten. Kraki drückte erneut ab und wieder fiel jemand um.
    Sie hatte Angst. Weniger um sich oder ihre Fracht, als um ihr Schiff und Henk. Sie glaubte zu wissen, dass man Denk niemals mehr Folter aufdrückte als wirklich nötig. Je mehr man sie auch zu quälen versuchte, umso weniger kooperativ waren sie auch.
    Nach dem zweiten Schuss blieb sie nicht länger dort und watschelte rückwärts von der Tür weg in den Vorraum und versiegelte dort schnell die Tür.
    Sie wollte dann auch gleich weiter, da meldete sich wieder Henk mit kratzender Stimme zu Wort: "KRAKI!"
    Schwungvoll und wenig elegant bewegte sie ihre Massen zurück zur Werkbank und klemmte sich ihren blechernen Kollegen unter den Arm.
    Henk war nicht erfreut. "Fast hättest du mich hier vergessen!"
    "Das wäre mir niemals in den Sinn gekommen", merkte sie augenrollend an, was aber der angespannten Situation geschuldet war.
    "Gib mir ein Fahrwerk und das Problem ist gelöst."
    "Bla bla bla!"
    Sie passierte zwei weitere Räume auf dem Weg zurück zum Cockpit und war gerade in einer Zweigstation angekommen, als sie plötzlich einige Stimmen aus den anderen Korridoren hörte. Offenbar waren die Piraten doch schneller eingedrungen als angenommen.
    Sie waren ihr einen Schritt voraus und stürzten urplötzlich aus allen Richtungen auf sie zu.
    In letzter Verzweiflung richtete sie die Pistole auf das nächstgelegene Ziel und verpasste diesem eine Dosis ungemütlichen Schlaf.
    Nur Sekunden später wurde auch sie überwältigt und von einem Taser am Kopf getroffen. Zwei weitere folgten unverzüglich, als die Invasoren merkten, dass diese Denk hartnäckiger war als vermutet.
    Mit einem letzten Augenzwinkern sah sie, wie man ihr den Toaster aus den verkrampften Fingern riss, bevor sie der Erschöpfung verfiel und bewusstlos wurde.