Beiträge von Rainbow

    Und weiter geht`s :) Wir schwenken zu Emilia...

    Kapitel 10.1

    Kaum hatte Elias die Tür hinter ihr geschlossen, presste Emilia die Lider zusammen und atmete erleichtert auf. Sie hatte es geschafft.
    Bis zuletzt war sie nicht sicher gewesen, ob Elias sein Versprechen wahrmachen würde und auch jetzt noch glaubte sie die Zweifel in seinem Gesicht ablesen zu können.
    Na schön!... Wir werden es versuchen, erinnerte sie sich an seine Worte, als sie ihm vor ein paar Tagen die Zeitung mit dem Stellenangebot über den Küchentresen zugeschoben hatte.
    ´Pädagogische Assistenz auf Aushilfsbasis im St. Anna-Stift gesucht`, stand in der Annonce, deren fette schwarze Buchstaben sich von dem zerknitterten Papier abhoben, als seien sie nur für sie dort platziert worden. Wie ein Licht in der Dunkelheit. Ein rettendes Seil, das ihr jemand zuwarf, um sie vor dem Sturz in den Abgrund zu bewahren.
    Nie im Leben war sie davon ausgegangen, dass Elias ihrer Bitte nachkommen würde, wieder arbeiten zu dürfen. Nachdem er sie in den vergangenen Wochen nicht mal einen Fuß vor die Tür hatte setzen lassen, glaubte sie den ellenlangen Vortrag bereits hören zu können, in dem er ihr erläutern würde, wie viele hunderttausend Gründe dagegensprachen. Doch statt der erwarteten Abfuhr hatte er sich zu ihr gebeugt, einen unendlich langen Moment verstreichen lassen und ihr dann mit einem ´Aber das Ganze läuft nach meinen Regeln!`, seine Bedingungen mitgeteilt.
    Der eindringliche Blick, mit dem er sie dabei bedachte, hatte sie kurz zweifeln lassen, ob sie bereit war, zu erfahren, wie genau ´seine Regeln` aussehen würden.
    Doch letztlich war die Freude über sein unerwartetes Zugeständnis so groß gewesen, dass sie nicht anders gekonnt hatte, als ihm in einem Anflug grenzenloser Erleichterung mit einem enthusiastischen Nicken zuzustimmen.
    Dass Elias ihre Begeisterung über das Vorstellungsgespräch, welches kurz darauf vereinbart worden war, nicht teilte, lag auf der Hand. Doch entgegen all seiner Befürchtungen schien er zu seinem Wort zu stehen. Und nur das war es, das zählte.
    Seufzend streifte Emilia sich den Rucksack ab, ließ ihn im Fußraum verschwinden und lehnte sich zurück. Kurz schloss sie die Augen.
    Der seltsam vertraute Geruch der ledernen Sportsitze ließ augenblicklich die Erinnerung an jenen Abend lebendig werden, da sie das letzte Mal in diesem Auto gesessen hatte.
    Es war der Abend des Kollegentreffens gewesen, an dem sie Elias etwas mehr als nur angeheitert, in der Innenstadt begegnet war, und er sie nachhause gefahren hatte. Obwohl die anschließende Rückfahrt lediglich eine vage und ineinanderfließende Bildabfolge darstellte, gab es eine Sache, an die Emilia sich noch sehr gut erinnerte. Es war Elias Stimme, die so deutlich in ihr nachklang, als würde er hier und jetzt neben ihr sitzen: Ich bringe dich sicher nachhause, Emilia....Du wirst keine Albträume mehr haben...ich passe auf dich auf .... hatte er ihr damals versprochen.
    Die Ironie, welche sich hinter diesen Worten verbarg, sorgte dafür, dass ein beinahe hysterisches Lachen in ihr aufsteigen wollte. Das Geräusch der sich öffnenden Fahrertür riss sie aus ihren Gedanken. Nur einen kurzen Augenblick später ließ sich Elias neben sie auf den Sitz gleiten.
    Umgehend hatte Emilia das Gefühl, dass der Platz im Wagen nicht mehr ausreichte für sie beide. Als schoben sich mit einem Mal die Wände der Karosserie zusammen und pressten ihr die Luft aus den Lungen, glaubte sie zu spüren, wie Elias Nähe sie regelrecht erdrückte. Oder lag es vielmehr an der Distanz, die zwischen ihnen herrschte? Sie wusste es nicht.
    Gelegentlich fragte sie sich, ob die göttliche ´Verbindung`, die einst zwischen ihnen bestanden hatte, noch immer existierte und ob das der Grund dafür war, dass sie sich in seiner Gegenwart fühlte, als müsste sie innerlich verdörren.
    Hätte Gott nicht, nun da sie ihren Auftrag erfüllt und Dagon in die ewige Verdammnis verbannt worden war, einfach Gnade walten lassen und sie freigeben können?
    Doch wer wusste schon, welch seltsames Spiel er mit ihnen spielte. Und ob das alles überhaupt einen tieferen Sinn hatte. Ungewollt stieß sie die Luft aus und schüttelte den Kopf, woraufhin Elias kurz zu ihr herübersah. Dann ließ er den Motor starten.
    Die Kälte ließ Emilia frösteln, weshalb sie die Jacke enger zog und ihre Hand nach dem Schalter ausstreckte, um die Sitzheizung anzustellen, als Elias sich ebenfalls vorbeugte und sich ihre Finger auf halbem Weg streiften. Ruckartig, als hätten sie sich aneinander verbrannt, zogen beide ihre Hände zurück. Elias war es schließlich, der einen neuen Versuch startete und den Regler betätigte.
    „Danke…“, sagte Emilia und durchbrach damit das unangenehme Schweigen, während sie ihn verstohlen von der Seite ansah.
    „Nicht dafür“, antwortete Elias und es dauerte einen Moment, bis Emilia begriff, dass er sie offenbar missverstand.
    „Ich meine, … weil du zugestimmt hast …, dass ich … dieses Gespräch heute führen darf. Es ist mir wirklich wichtig.“
    „Ich weiß“, entgegnete Elias. Seine angespannte Kiefermuskulatur verriet, dass ihm noch etwas anderes auf der Zunge lag, er es jedoch für sich behielt.
    „Ich verspreche, ich werde vorsichtig sein. Und … es wird ganz sicher nichts passieren“, schob Emilia hinterher, woraufhin der Engel ihr einen Blick zuwarf, dem die unausgesprochene Skepsis deutlich zu entnehmen war.
    „Vielleicht nehmen sie mich gar nicht mehr zurück. Ich meine, die gehen davon aus, dass ich fast drei Monate krankgeschrieben war. Gut möglich, dass ich mir gleich eine Absage abhole und dann … war`s das.“
    „Wir werden sehen“, antwortete Elias und wandte sich schließlich von ihr ab, um seine Aufmerksamkeit wieder auf die Fahrbahn zu richten. Emilia gab es auf, das Gespräch mit ihm künstlich in die Länge zu ziehen. Irgendetwas nahm offenbar seine volle Aufmerksamkeit in Beschlag. Und sie war es ganz eindeutig nicht. Zu gerne hätte sie gewusst, was in ihm vorging. Was er dachte. Doch seine Miene ließ keinerlei Rückschlüsse darauf zu. In den vergangenen Tagen hatte sie ab und an tatsächlich das Gefühl gehabt, seine harte Fassade bekäme erste Risse und der alte Elias, blitze darunter durch. Jener, der sie alleine mit seinem Blick und der Art, wie er sie ansah zu wärmen vermocht hatte und dessen schützende Umarmung voller Zuversicht gewesen war.
    Meist war dieser Eindruck aber nicht von langer Dauer, da er bereits kurz darauf wieder in seine eisige Starre verfiel, die ihn unnahbar und auf beinahe erschreckende Weise unverletzlich wirken ließ. Manchmal wünschte sie sich, es ihm gleichzutun zu können. Ihre Gefühle und das verwirrende Chaos in ihrem Inneren einfach auszuschalten, um den Schmerz erträglich zu machen. Doch war das offenbar ein Luxus, der ausschließlich den Engeln vorbehalten war.
    Den Engeln...
    In einem Anflug von Wehmut dachte Emilia daran zurück, dass Elias nie der typische Engel gewesen war. Seine Fähigkeit, menschliche Emotionen nachzuempfinden, genau wie seine kritische Denkweise hatten ihn besonders und zu einer Art Rebell gemacht, der Neuerungen und ein Umdenken innerhalb der strengen himmlischen Ordnung anstoßen wollte. – Was ihm letztlich durch die Vereinigung der Sphären und der anschließenden Allianz mit den Menschen auch gelungen war.
    Ganz sicher hatte er niemals so werden wollen, wie die Fürsten, die sich im Glanze ihrer göttlichen Erhabenheit sonnten und dabei so kalt und distanziert wirkten wie Wachspuppen, die streng nach ihren eigenen Regeln agierten. Wenn sie Elias nun sah, drängte sich ihr die bittere Erkenntnis auf, dass sie auf eine seltsam verquere Art beide bestraft worden waren.
    Einen tiefen Atemzug nehmend wandte sie sich ab und richtete ihren Blick zum Fenster hinaus.
    Häuser, Grünflächen, Reklametafeln, flogen auf der anderen Seite der Scheibe an ihr vorbei, wie ein Film, der im Schnelldurchlauf abgespult wurde. Dabei kam es Emilia so vor, als würde sie nach einem langen Urlaub wieder heimkehren. Irgendwie wirkte das alles auf sie fremd und ohne jeden Bezug, als sei sie der Welt entrückt und inzwischen kein Teil mehr von ihr.
    Stattdessen spürte sie die Anwesenheit der göttlichen Schwingungen um sich herum, wie ein pulsierendes Echo in ihren Gliedern widerhallen.
    Elias, der direkt neben ihr saß, Aragel, der sich, wenn auch unsichtbar, doch in greifbarer Nähe des Autos befand, selbst Anduriel- Elias Schwert, welches er auf der Rückbank abgelegt haben musste und das von dortaus feine Strahlen aussandte-, waren für sie so deutlich wahrnehmbar, wie ihr eigener monotoner Herzschlag. Sie schloss die Augen, lehnte den Kopf gegen das Fenster und versuchte, so gut es ging, die Eindrücke auszublenden.
    Normal! Der heutige Tag wird ganz normal!, betete sie sich wie ein Mantra vor und wusste doch zugleich, dass es ein frommer Wunsch war, anzunehmen, dass auch nur irgendetwas annähernd normal ablaufen konnte, wenn man in Begleitung von fünf Schutzengeln irgendwo auftauchte.
    Darum bemüht, sich auf das Gespräch zu konzentrieren, das sie gleich im Wohnheim erwartete, drängte sie den Gedanken beiseite. Sie kannte den neuen Abteilungschef, Dr. Gundlach, bereits aus Zeiten, als dieser noch der stellvertretende Leiter einer ambulanten Rehamaßnahme gewesen war, die auf dem Klinikgelände durchgeführt wurde. Doch die Erinnerung an ihr letztes Zusammentreffen lag bereits so weit zurück, dass Emilia keine verlässliche Einschätzung über ihn hätte abgeben können. Alles, was sich in ihrem Hirn abgespeichert hatte, war die Tatsache, dass er klein und dickbäuchig war und er über eine Halbglatze verfügte, die ihn locker zehn Jahre älter wirken ließ.
    Sie ahnte bereits, dass es ihr nicht leichtfallen würde, sich mit der neuen Situation zu arrangieren. Alleine die Vorstellung, diesem Mann gleich gegenüberzusitzen zu müssen in dem Büro, welches einmal Silas gehört hatte... Die Kollegen zu treffen, die nicht die geringste Ahnung hatten, was vorgefallen war... für die Silas und Melanies Tod nicht mehr war, als ein tragischer Unfall...
    Hör auf!, rief sie sich umgehend selbst zur Ordnung. Ihre Hände hatten sich in den Stoff ihrer Hose gegraben. Vergiss es einfach! Du musst es ausblenden. Denk einfach nicht darüber nach!
    Es war ein sinnloses Unterfangen. Doch sie würde lernen müssen damit zu leben, wenn sie irgendwie weitermachen wollte. Bei dem Versuch, ihre destruktiven Gedanken im Zaum zu halten, dämmerte Emilia dahin. Sie öffnete die Augen erst wieder, als Elias das Tempo drosselte, um auf den Parkplatz des Klinikgeländes abzubiegen.

    Hey Feron,

    Ich habe den Verdacht, dass hier das Pacing zu langsam sein könnte oder dass es vielleicht zu kitschig ist.

    Das empfinde ich kein bisschen so. Ganz im Gegenteil. Nach dem letzten Part, wo wir viele Infos bekommen haben und an den bösartigen Intrirgen der Vampire teilhaben durften, ist dieser "Wald-Jagd-Spaziergang" ein schöner Kontrast.

    Ich finde, die Nähe zur Natur hast du wunderbar eingefangen. Auch Lafayetts Wahrnehmung und seine Gedanken gefallen mir hier sehr gut. Die Art und Weise, wie die beiden miteinander umgehen. Teils herausfordernd, teils auch ein bisschen verspielt...das ergibt eine schöne Mischung.

    Ich habe nichts gefunden, was zu beanstanden wäre. Außer vielleicht eine klitzekleine Sache:

    „Ich hatte als Kind immer Angst, mich zu weit vom Waldrand zu entfernen.“ Gab er zu. „Unsere Mutter hat meiner Schwester und mir immer Geschichten davon erzählt, dass im Wald von Arvendorn Hexenzirkel leben, die kleine Kinder verschleppen.“

    Die nächsten Worte, die er hörte, zogen die Farbe aus seinem Gesicht und gaben seinen Alpträumen neue Munition.

    „Sie hat nicht völlig Unrecht.“

    Du nimmst hier seine Reaktion vorweg. Das nimmt ein bisschen die Spannung raus, weil man sich als Leser schon darauf einstellt, was Phillipe sagen wird. Man müsste mal ausprobieren, ob es eindringlicher wird, wenn Lafayett die Worte tatsächlich zuerst hört, und ihm dann erst die Farbe aus dem Gesicht weicht. :hmm: Das ist aber wirklich Kleinkram und schlägt bei diesem wunderschönen Text nicht wirklich ins Gewicht.

    Kann weitergehen :gamer:

    Danke, Sensenbach  Kirisha und Thorsten für eure Rückmeldungen :danke:

    Sensenbach

    Bin gespannt. Es wird Zeit, dass Emilia irgendwas abfackelt (Birke?).

    Äh, nein! Es wird keine Birke. Obwohl ich kurz mit dem Gedanken gespiel hatte :rofl:

    Show. betrachtete den frisch geharkten Weg und den ....

    Zuerst habe ich gedacht, dass du das irgendwie ironisch meinst...:rofl:so nach dem Motto: Oh Mann, Rainbow! Geh doch noch mehr ins Detail. Wen interessiert es, dass das Haus gepflegt ist... am besten beschreibst du gleich noch den frisch geharkten Weg und das Rosenspalier und die wunderschöne Fassadenfarbe. :lol:Aber dann habe ich gecheckt, dass du das womöglich ernst meinst. Im Sinne von "Show, don`t tell". :patsch:

    Also, ich schaue mal, ob ich das noch etwas ausschmücke oder das "gepflegt" einfach weglasse. Es hat ja nicht wirklich einen Mehrwert. :hmm:

    Das hört sich so Star-Trek mäßig an. ...die Sicherheitsvorkehrungen zu ignorieren?

    Stimmt. Gefiel mir auch noch so gut. ich überleg mir was anderes.


    Kirisha

    oder die des Schwertes (bezieht sich ja auf die Energie oder?)

    Stimmt. Jetzt, wo du`s sagst :patsch:


    Ich musste hier etwas schmunzeln. Denn das was Elias hier gerade macht ist genau das. Sein eigener Wille mit dem er sich über Beschlüsse hinwegsetzt ...

    Aber Elias hat ja menschliche Züge an sich und offenbar ist es gerade diese Eigenschaft die er besonders mag.

    Ich habe an der Stelle echt überlegt, ob ich das schreiben soll, weil der Widerspruch ja auf der Hand liegt. Vor allem an der Stelle, wo er selbst gerade dabei ist, sein eigenes Ding durchzuziehen und sich damit ja schon wieder von dem distanziert, was die Oberen seines Reiches für richtig halten.

    Im ersten oder zweiten Band hatte ich das damit erklärt, dass der Grundkonsenz in seinem Reich schon eher auf das Kollektiv ausgelegt ist und die meisten sich aus einem Urglauben heraus unterordnen und viele Dinge einfach nicht hinterfragen. Mir ist aber schon klar, dass ich das nicht konsequent durchziehe. Ich schätze, das sind so Feinheiten, die ich bei einer abschließenden Überarbeitung dann nochmal glattziehen muss, damit das einigermaßen stimmig ist. :hmm:

    Diesen Abschnitt finde ich einfach toll!

    Er ist so intensiv und ich werde ganz atemlos beim Lesen.

    Danke, das freut mich natürlich. <3

    Und ich frage mich was gleich passieren wird. (Ich weiß dass etwas passiert. Ich warte drauf!)

    Oh Mann. Ich bin selbst schon ganz gespannt, wie ihr es finden werdet. Ob es zu harmlos ist? Ob ich es übertrieben habe? Keine Ahnung. :pardon:

    Thorsten

    Ich finde das liest sich gut - ich wuerde mir etwas mehr Magie und etwas weniger Personenschuetzer-Team-Slang wuenschen, aber das sind Kleinigkeiten.

    Ja, ich denke, das ist jetzt erstmal so meine grobe Idee. Mein Gerüst, an dem ich mich langhangele und ich kenne das vom Schreiben meines ersten und zweiten Bandes noch sehr gut. Meine Urfassung war dermaßen chaotisch und noch völlig unfertig. Aber ich hatte erstmal einen groben Kloztz, bei dem ich dann nach die ganzen Feinarbeiten herausrabeiten konnte. So ähnlich will ich es jetzt auch wieder machen, weil ich merke, dass ich anders offenbar nicht schreiben kann. :pardon:Also. Vermerk ist an der Stelle gemacht: Mehr Magie, weniger Personenschutz. :)

    Mir ist - vom Konzept her - nicht ganz klar wie Du Elias' Gefuehle in der Szene schildern willst.

    Das ist in der Tat das Schwierige und inzwischen frage ich mich, ob ich mir damit einen Gefallen getan habe, diese beeinträchtigte Gefühlswelt von Elias am Anfang von Band 3 überhaupt mit reinzunehmen. Das ist soooo schwer zu schreiben. (Vor allem, weil mein Fokus ja eigentlich, wie wir wissen, eher darauf liegt, EMOTIONEN zu beschreiben :lol:) Aber ich fand es auch irgendwie reizvoll, dass nicht nur Emilia sich verändert hat, sondern Elias auch. Wenn auch nur temporär. Meine Idee war halt, dass er am Anfang komplett kühl ist und sich ihr gegenüber ja auch auch eher distanziert zeigt. Nach und nach soll dieser Zustand der Gefühlskälte dann Risse bekommen, sodass er zwischendurch immer mal von einem Gefühl heimgesucht wird, das er aber nicht lange greifen kann, weil es von jetzt auf gleich wieder abklingt (das hatte ich in der letzten Szene mit den Engel versucht, herauszuarbeiten) Und nun, einige Tage später, hat sich dieser Zustand verstärkt. Er reflektiert jetzt wieder über das Geschehene, die Emotionen blitzen bedeutend öfter auf, doch ganz der Alte ist er noch nicht. Es soll sowas wie ein zwischenzustand sein, wobei wir ihn hier in dieser konkreten Situation quasi in einem mehr oder weniger "schwachen Moment" erwischen.

    'das Risiko war existent' - da waere ich sonst versucht zu schreiben 'so denkt doch keiner', aber es ist ja ein Engel, vielleicht denkt der doch so bei Dir - nur steht das in Kontrast zu den emotionaleren Passagen.

    Ja, ich dachte vor allem, dass da der Krieger aus ihm spricht. :rofl:Natürlich spricht so keiner. Das ist eher eine Art nüchterner Risikoabwägung. Und ich fand es eigentlich auch ganz gut, dass sich das ein bisschen abhebt von den vorangegangenen eher emotionalen Gedanken. :hmm:

    (be-maechtigen meinst Du glaube ich)

    Stimmt. Danke :)

    Also, wenn ich Du waere, dann wuerde ich den Engeln mehr Emotion mitgeben, denn auf dem Feld kannst Du punkten - Emotionen kannst Du richtig gut schreiben, sowohl Drama als auch feine Nuancen - Dagon der seine Faust in ohnmaechtigem Zorn ballt oder Elias der sich hier als Versager fuehlt - das sind Passagen die machen echt was her.

    Wahrscheinlich ist das der Grund, warum es mir so schwer fällt, mit dem Schreiben dieses dritten Bandes voranzukommen. Ich merke immer, wenn ich mich in eine Richtung geschrieben habe, die es mir nicht mehr ermöglicht, einfach drauflos zu schreiben. Wenn irgendwas in mir blockiert, weil ich nicht so kann, wie ich eigentlich will. Das Problem ist wahrscheinlich selbstgemacht. Aber es lässt sich nur bedingt lösen. Ich fände es ja schon cool, wenn es mir gelingen könnte, meine Idee irgendwie umzusetzen (wenn ich auch noch nicht weiß, ob ich damit nicht vielleicht an meine Grenzen stoße) Aber es kann durchaus sein, dass ich bei meiner großen Überarbeitungsaktion-wenn ich mir alle drei Bände von vorne bis hinten noch einmal vornehme- an einigen Stellschrauben ordentlich nachjustieren muss. (siehe die Sache mit den Emotionen zum Beispiel) Vielleicht habe ich mir das anfangs auch leichter vorgestellt oder einiges nicht bis zu Ende gedacht...kann alles sein. Aber jetzt versuche ich diesen restlichen Batzen erstmal runterzuschreiben, um dann am Ende zu schauen, was ich daraus mache. ... (Team Gärtner :rofl:)

    Hey Feron,

    ein cooler Part, in dem jede Menge passiert und ein paar interessante Infos fließen.

    Meine Anmerkungen bzw. Gedanken, die mir beim Lesen kamen, packe ich mal in den Spoiler. Such dir raus, wa du gebrauchen kannst. :)

    Spoiler anzeigen

    Das Stadtzentrum war enger geworden. Im vergangenen Jahrhundert hatten mehr und mehr Menschen Rankental zu ihrem Zuhause gemacht. Viele waren hier geboren, andere hatten die freien Arbeitsplätze in den Fabriken angelockt, aber alle brauchten Raum für sich und ihre Familien. Die steigenden Grundstückspreise hatten die ehemals prächtigen Gärten nacheinander weggefressen. Effizienz war wichtiger als Schönheit und vermietbarer Wohnraum brachte viel Geld

    Das liest sich ein bisschen wie eingeschoben, um ein paar Infos loszuwerden. Eine Möglichkeit, das etwas eleganter einfließen zu lassen, wäre vielleicht das mehr aus Cedriks Perspektive zu schreiben. Wenn ihm diese Gedanken kämen, während er durch die Gassen läuft. Vielleicht erinnert er sich sogar noch daran, wie es früher einmal ausgesehen hat und vielleicht kommentiert er das eine oder andere auch gedanklich. Weißt du, was ich meine? (nur eine Idee)

    lag eine Bar, die keine sein durfte.

    So ganz verstanden habe ich das nicht. Meint er damit, weil dort Vampire ein und ausgehen? weil es dort einen verbotenen hinteren Teil gibt? Der vordere Teil ist ja, soweit ich das sehe schon eine normale Bar. Wenn sie auch nur für ausgewählte Menschen zugänglich ist, da hier offenbar krumme Geschäfte gedreht werden. Also, was meint er mit "Eine Bar, die keine sein durfte." Vielleicht meint er auch "Eine Bar, die nicht hätte sein dürfen..." (?) Keine Ahnung, vielleicht stehe ich auch gerade auf dem Schlauch. Dann ignorier mich einfach :rofl:

    Das Augenpaar, das ihn ansah, war blutunterlaufen und bereits jetzt genervt von dem Aufwand, sich mit dem ungeladenen Gast beschäftigen zu müssen.

    würde ich gefühlt streichen und höchstens ersetzen durch ein "ganz offenbar" . (ist aber nur ein Vorschlag :pardon:)

    Sein Geruchssinn war noch immer betäubt von dem stechenden Knoblauch, aber das Aroma der alten Eichenfässer vergangener Jahrzehnte hing hartnäckig zwischen den alten Steinen, überdeckt von künstlichem Lavendel und Zitrusnoten von einer parfümierten Kerze auf dem Tresen, ihrer Lieblingssorte.

    Das gefällt mir :thumbup:

    Es war Annas Brut, die sich hier über die Jahre angesammelt hatte. Kaum einer von ihnen erschien älter als zwanzig Jahre. Ihre Herrin war wählerisch, wenn auch nach völlig falschen Maßstäben. Sie alle besaßen atemberaubende, jugendliche Schönheit oder ein Talent für Kunst und Musik, das sie einfach nicht sterben lassen konnte. Sie musste sie besitzen. Wie die Bilder und Violinen, auf denen sie spielte.

    Die Idee dahinter finde ich gut. Man bekommt gleich ein bestimmtes Bidl von Anna. Kultiviert, an schönen Dingen interessiert, leicht dekadent und hält sich einen Harem bildschöner Vampire :)

    Einer der Knaben stand auf und trug offenbar einen Witz vor. Der Rest von ihnen lauschte aufmerksam, aber Cedrik würde die Pointe niemals hören.

    Das allerdings zerstört für mich ein bisschen dieses herrlich verruchte Bild, das du zuvor gezeichnet hast. Er soll tatsächlich einen "Witz vortragen"? :hmm:

    iner Frau, die erwartete, dass andere die Waffen trugen, die für sie bestimmt waren.

    was meinst du damit? Verstehe ich nicht so ganz.

    Seine Dekadenz ließ Cedrik wünschen, er könnte sich noch immer übergeben.

    Sehr cool! :thumbsup:

    hre feinen, dunklen Augenbrauen begannen erratisch zu zucken.

    "erratisch" musste ich tatsächlich googeln. Keine Ahnung, ob das jedem geläufig ist. Das Bild kommt mir auf jeden Fall etwas überzeichnet vor. ist aber vielleicht auch Geschmacksache. :)

    Ihre sonst kristallklare Stimme wurde undeutlich, weil ihre langen Zähne den Worten, die sie sagen wollte, im Weg waren.

    Ich weiß nicht warum. Natürlich ist schon klar, dass Vampire Fangzähne haben, von denen für gewöhnlich ja auch eine gewisse Faszination ausgehen. Aber derartige Beschreibungen, bei denen ich mir vorstellen soll, wie eine Vampirin mit ausgefahrenen Zähnen spricht...also undeutlich usw., die entzaubern für mich irgendwie das Ganze. Ich hätte jetzt irgendwie die Erwartung, dass die Zähne nicht ein derartiges handicap beim Sprechen sein sollten...das wirkt auf mich irgendwie unsexy :rofl:Aber auch das ist wahrscheinlich wieder ein bisschen Geschzmacksache.

    Der Windstoß trug dem Wolfling die Witterung von Ruß zu, allerdings fehlten die Bindemittel, die daraus Tinte gemacht hätten. Was er roch, war der Rauch aus den Schornsteinen im Industrieviertel, Gift das wie Schnee auf die Straßen rieselte, genau an der Grenze zu jenem Gebiet, das sie zuletzt an Haus Sures verloren hatten. Der Meister der Stille patrouillierte dort besonders oft, daher kam ihm die Erkenntnis nicht überraschend.

    Das gefällt mir auch sehr gut. Ein schönes Detail. :thumbup:

    Sie drehte sich trotzig von ihm weg und ging auf ein freies Stück Mauer zwischen den Glasvitrinen zu. Als sie ihr Ziel erreicht hatte, zog sie ein Knie an und setzte ihren Fuß auf die senkrechte Fläche. Die Schwerkraft selbst gab nach und sie schritt die Wand empor, als wäre es der Boden. An der Decke angekommen, verschränkte sie die Arme und ging hin und her wie ein Tier in einem zu kleinen Käfig

    Das finde ich gut. So wird nochmal deutlich, dass wir es nicht mit normalen Menschen zu tun haben. Die Vorstellung, wie sie da an der Wand hochläuft finde ich ganz witzig.Vielleicht wäre es aber gut zu erwähnen, dass es hohe Decken gibt? Ich glaube, dann wirkt es imposanter. :hmm:

    Bis dahin würde er einfach nur Spaß haben.

    „Übrigens…“ äußerte sich sein neuer Stressball, ehe er ihn anspringen konnte.

    Ich weiß nicht. Gefühlt würde ich sagen, dass es für mich nicht passt, das derart ins Lächerliche zu ziehen. Das "neuer Stressball" kommt mir außerdem für einen alten Vampir ziemlich modern vor.

    Leander drehte sich Cedrik zu und ignorierte Anna, wie man Möbel ignoriert, die man gerade nicht nutzt

    vielleicht fällt dir hier noch ein schönerer Vergleich ein :hmm: (Irgendwas gemeines :D)

    Thorsten

    Ich glaube wenn Elias nach Band 2 tot waere, koennten wir den Punkt ernsthaft beackern... Silas... ist nicht ganz das Kaliber das Du hier brauchst um diesen Ruf als Autor zu bekommen, sorry. :)

    Okay. Einigen wir uns darauf, dass ich diesen Ruf als Autor nicht für mich beanspruchen möchte und meine Hauptcharaktere noch ein bisschen weiterleben dürfen :) Alles andere klingt für mich im Moment einfach nur abwegig.

    Sensenbach

    Der letzte Abschnitt passt soweit für mich, wobei ich mich Frage wozu Emilia Fähig wäre, wenn die Wandlung stattfindet und ob sie davon schon etwas spüt.

    Das ist gut. Es ist, wie gesagt, ja auch erstmal nur ein "Entwurf", der später sicher noch die eine oder andere Überarbeitung durchlaufen wird. Aber ich muss jetzt erstmal irgendwie weiterkommen...und zu Emilia: Keine Ahnung, ob es plausibel ist, was ich mir ausgedacht habe. Aber im nächsten Kapitel werdet ihr erfahren, welche Konsequenzen Emilias Freilassung haben und wie sich ihre neuen "Fähigkeiten" äußern. :)

    Sollte es heißen: „Bevor wir nichts etwas Näheres wissen,

    Ich werde den Satz anpassen. Danke.

    Ansonsten zeige ich euch mal den nächsten Part...Emilia darf raus :D (Wo genau sie hinfahren, erfährt der Leser erst im darauffolgenden Teil. )


    Kapitel 10

    Mit dem Rücken an die Fahrertür gelehnt, stand Elias vor dem gepflegten Mehrfamilienhaus, in dem Emilia wohnte, und wartete.
    Der heranbrechende Tag vertrieb soeben das Dunkel der Nacht und ließ die ersten kühlen Strahlen der aufgehenden Morgensonne über das Dach wandern. Elias angespannter Blick schweifte umher und blieb an dem Dachfirst hängen. Ein junger Engel balancierte darauf und nickte ihm von dort oben zu. Aragel.
    Glanzvoll hob sich die Erscheinung des Kameraden von dem dämmernden Himmel ab und zeichnete seine strahlende Silhouette nach, die dank seiner magischen Aura für die Menschen unsichtbar blieb.
    Etwas Silbernes blitzte in seiner Hand auf. Umgehend erkannte Elias den spitz zulaufenden handlichen Speer, der aus dem gleichen Material gefertigt war, das auch den göttlichen Klingen ihre Macht verlieh. Er war Aragels steter Begleiter.
    Im gesamten himmlischen Heer gab es niemanden, der dem drahtigen Engel mit dem zerzausten silberfarbenen Haarschopf und den ungewöhnlich türkisstrahlenden Augen im Umgang mit dieser Waffe das Wasser reichen konnte.
    Doch selbst der Umstand, dass Elias sich der Kampftauglichkeit des gut ausgebildeten Kriegers gewiss sein konnte, ließ seine Anspannung nicht weichen.
    Er fragte sich, was in ihn gefahren war, die Sicherheitsvorkehrungen herabzustufen und sich damit über das Wort der Fürsten hinwegzusetzen.
    Er musste den Verstand verloren haben.
    Nicht nur, dass sie ein Verfahren gegen ihn einleiten würden, sobald das durchsickerte. Je nachdem, wie das Ganze ausging, konnten sie ihn des Hochverrates anklagen. Diesmal würden ihm die Kalamatai den Prozess machen. Und er wagte zu bezweifeln, dass das für ihn gut ausgehen konnte.
    Doch es machte keinen Sinn, weiter darüber nachzudenken. Er hatte seine Entscheidung getroffen. Emilias Zustand erlaubte keinen weiteren Aufschub. Mit jedem Tag, den er verstreichen ließ, schwand die Aussicht darauf, dass sich irgendetwas an ihrer Verfassung wieder zum Guten wenden würde.
    Wie hoch der Anteil daran auf die dämonische Energie oder die des Schwertes zurückzuführen war, welche Emilia regelrecht das Leben aussaugten, vermochte er nicht zu sagen. Fest stand, dass es seine Aufgabe war, sie zu beschützen. Das hatte Seraphiel selbst gesagt.
    Doch was brachte das alles, wenn Emilia an den ´Schutz-Maßnahmen` zugrunde ging? Wenn sie sich dazu entschied aufzugeben, weil es sich in ihren Augen nicht mehr zu kämpfen lohnte?
    Der verwünschte eigene Wille der Menschen!, kam es Elias in den Sinn. Er erinnerte sich an den Unmut, welchen er den Irdischen früher entgegengebracht hatte. Sein absolutes Unverständnis für ihre tollkühne Arroganz, ihre Schwäche und die Anfälligkeit dafür, sich den Verlockungen des Bösen hinzugeben. All ihre absonderlichen Eigenarten, die ihm fremd gewesen waren und die er nicht im Geringsten hatte nachvollziehen können.
    Emilia hatte ihn gelehrt, dass die Menschen mehr waren als das, was er in ihnen zu sehen geglaubt hatte. Dass sie mutig sein konnten und stark. Dass sie liebten und bereit waren füreinander einzustehen.
    Und dass es der eigene Wille war, der sie zu freien Wesen machte. Um ein Haar hätte er das vergessen. Die vergangenen Tage hatten so einige Erinnerungen zurückgebracht und nicht alle davon hatte er willkommen geheißen. Meist waren es nur Sequenzen, das verschwindend kurze Aufblitzen eines Gefühls, oder eine angedeutete Ahnung. Stets traf es ihn unvorbereitet und von solcher Intensität, dass er glaubte, darüber ins Wanken zu geraten.
    Beizeiten hatte er sich den schützenden Mantel, bestehend aus Unwissenheit und emotionaler Kühle zurückgewünscht, von dem in den letzten Wochen sein Denken und sein Handeln bestimmt worden war. Doch mit jedem Tag, der vergangen war, hatten die überwältigenden Empfindungen, welche die Menschen als ´Gefühle` bezeichneten, mehr und mehr einen Weg zurück in seinen Geist gefunden. Inzwischen spürte er den Schmerz des Verlustes wie einen pochenden Splitter unter der Haut und die erschütternde Erkenntnis klang in stetem wiederkehrendem Rhythmus in ihm nach:
    Er hatte versagt!
    Nicht nur als ´Auserwählter`, sondern auch hinsichtlich seines Versprechens, das er Emilia gegeben hatte. Es war nicht alles gut geworden! Ihr jetziger Zustand war dermaßen weit entfernt von ´gut`, dass es ihm ein resigniertes Schnaufen entlockte.
    Sie ist mit ihm verbunden...
    Seine verfluchte Macht wird sie zerstören...
    Und wenn es nicht das ist, wird es das himmlische Feuer erledigen, welches nun durch ihre Adern fließt...
    Nein!
    Einen tiefen Atemzug nehmend fuhr er sich durch das Gesicht. Er würde nicht zulassen, dass sie im Convertium endete, oder als willenlose Dienerin der Seelenfresser. Es musste eine Möglichkeit geben, Emilias Schicksal abzuwenden.
    Ich will einfach wieder normal leben dürfen...
    Die Worte hatten sich in seinen Verstand eingebrannt, wo sie vor sich hin schwelten und nicht mehr von ihm abließen. Und nachdem er sämtliche Optionen wieder und wieder durchgegangen war, hatten ihn seine Überlegungen letztlich stets an denselben Punkt gebracht. So absurd es auch klang, gab es in seinen Augen nur eine einzige Chance im Wettlauf gegen Emilias Zerfall etwas Zeit zu gewinnen: Er musste ihrem Wunsch nachgeben. Ihr das Gefühl geben, dass nicht alles völlig hoffnungslos war. Wenn er auch nicht sagen konnte, wie hoch der Preis sein würde, den sie hierfür zahlen mussten.
    Das Risiko, dass die Seelenfresser sich ihrer bemächtigen würden, war existent. Noch dazu, wo er nur über eine Handvoll Engel verfügte, um ihren Schutz zu gewährleisten.
    Doch trotz der unkalkulierbaren Gefahren, die mit seinem Vorhaben einhergingen, gab es keine wirkliche Alternative. Zumindest keine, bei der sie Emilia nicht ohnehin verlieren würden.
    Es wird gutgehen ... Die Truppe ist hervorragend ausgebildet, redete er sich selbst ein und versuchte, damit das ungute Gefühl zu bekämpfen, welches sich nicht vollends ausblenden lassen wollte.
    Sein Gespür, unheilbringende Situationen vorherzuahnen, hatte ihn in der Vergangenheit zwar schon oft vor Katastrophen bewahrt. Nur diesmal standen die Dinge anders. Denn egal, wie er es drehte. Und egal, wie laut die Stimmen auch waren, die ihm zuriefen, dass das, was er hier tat böse enden konnte.
    Es gab keinen anderen Weg!
    Die Haustür öffnete sich und Emilia trat heraus. Wie immer trug sie eine viel zu dünne Jacke und unter dem Rucksack, welchen sie auf dem Rücken trug, schien sie regelrecht zu verschwinden. Die Arme um sich geschlungen kam sie auf ihn zu, während ihr Atem in weißen Wolken aufstieg.
    Sie war blass. Doch trotz der Tatsache, dass sie nur noch einen Schatten ihrer selbst darstellte, breitete sich heute ein zaghaftes Lächeln um ihre Mundwinkel aus.
    Ohne, dass er es hätte verhindern können, meldete sich dieses seltsam vertraute Ziehen in seiner Brust, das ihm fast die Luft abschnürte und ihm gleichzeitig einen wohligen Schauer den Rücken hinunter jagte.
    Wo seid ihr?, richtete er seine Gedanken an die Kameraden, welche er bereits vorausgeschickt hatte.
    Wir sind schon da. Hier ist alles ruhig, meldete sich Micah umgehend.
    Na schön, wir kommen jetzt, gab er zur Antwort, bevor er sich vom Wagen abstieß, um für Emilia die Tür zu öffnen.
    „Guten Morgen“, murmelte sie halb in ihren Schal, als sie sich an ihm vorbeischob, um auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen.
    „Guten Morgen“, erwiderte Elias und fragte sich insgeheim, wie ein Morgen, der mit einem vermeintlichen Fehler begann, tatsächlich gut sein konnte.

    Hier geht`s weiter:

    Rainbow
    12. April 2024 um 10:25

    Hey Feron

    Ein interessanter Part mit einigen Neuigkeiten. :)

    Bin gespannt, was Cedrik vorhat. Töten wollte er Lafayett offenbar nicht. Aber ihn einfach gehen lassen, wollte er auch nicht. Zwischendurch habe ich mich gefragt, wie der Part sich wohl hätte lesen lassen, wenn er aus Lafayetts Sicht geschrieben worden wäre. Ist mir schon klar, dass das nicht ging, weil du die Enthüllung hier an der Stelle ja brauchtest. Aber ich hätte gerne mal Lafayetts Gedanken gehört. Der muss ja den Schreck seines Lebens bekommen haben, der Arme.

    Ach ja, hier an der Stelle bin ich kurz hängen geblieben:

    Spielten seine Augen ihm Streiche? Er studierte sein Gesicht, während der Knabe sich nach Kräften wehrte und schrie.

    Der Bezug ist hier beim zweiten "sich" nicht ganz klar. Du meinst logischerweise den Jungen. Das könntest du an der Stelle dann auch nochmal schreiben.

    Er versuchte sich den Schmerz nicht anmerken zu lassen, konnte aber weder das Zittern seiner Hände noch die Tränen seiner Augen unterdrücken.

    Hier habe ich mich kurz gefragt, ob Lafayett so weich ist, dass er zittert und Tränen in den Augen hat. (Okay, vielleicht ist das auch nur die krasse Raubtierwahrnehmung von Cedrik, der sein Opfer ja eingehend studiert) Aber für gewöhnlich würde man nach dem Zusammenstoß mit einem Fremden und einem angestoßenen Arm vielleicht nicht unbedingt derartige Reaktionen zeigen :hmm: Immerhin hat Lafayett ja auch kein Problem damit, sich mal zu raufen. Vielleicht könnte man das hier etwas subtiler machen? Das "kaum merkliche Zittern seiner Hände" oder "obwohl er versuchte, es zu unterdrücken, spiegelt sich der Schmerz in seinen Augen"...irgendwie so. (nur ein Vorschlag)

    „Ich bin so krank geworden. Ich kann immer noch die Kohle-Tabletten schmecken, wenn ich daran denke.“

    „Ganz genau!“ schimpfte sie mit erhobenem Zeigefinger. „Und als Doktor Renee dich untersucht und dich gefragt hat ob du irgendetwas Unübliches gegessen hast, hattest du genau diesen Blick. In genau dem Moment, als du wusstest, dass dir die Konsequenzen deiner Blödheit über den Kopf gewachsen sind und du die Wahrheit würdest sagen müssen.“

    Der Vergleich mit der Situation, als Lafayett den Goldfisch heruntergeschluckt hat, ist super! Nicht nur, dass man als Leser wieder ein weiteres Puzzleteil seiner kindlichen Persönlichkeit erhält, verschafft es dem Gespräch mit der Mutter auch eine gewisse Authentizität. :thumbup: Das hast du wirklich drauf.

    Wie geht`s weiter? :gamer:

    Danke, Krisha und Thorsten für eure Rückmeldungen :danke:

    Ich versuche mal, meine Antworten in Spoiler zu packen. Gar nicht so einfach nach dem Update, das alles irgendwie zu durchblicken. Aber ich hoffe, das klappt jetzt, wie ich es mir vorstelle. :)

    Thorsten


    Die Engelsfuersten auf der anderen Seite sind bisher nicht durch besonders weise Entscheidungen aufgefallen. Noch haben sie bisher viel Sympathie des Lesers verdient. Noch traegt die unfreiwillige Untersuchung in der Szene dazu bei Sympathie zu empfinden.

    Ja, ich glaube, zu anfangs hatte ich die Fürsten mal so angelegt. Aber dann hatte ich nachträglich ja Vieles angepasst, um sie eben nicht mehr so komplett planlos wirken zu lassen. Da gab es die Abstimmung, die Diskussionen im Rat...eigentlich sollten die schon besonnen rüberkommen. Aber eben nach menschlichen Maßstäben kühl und eher berechnend. :hmm:

    Dass sie sich damit nicht unbedingt die Sympathie der Leserschaft erarbeiten ist schon klar. Aber ich finde das eigentlich nicht weiter schlimm.

    Ich weiß, du argumentierst damit, dass es einen Gegenpol zu dem Bösen geben muss und dass der zunehmend wegfällt, wenn der Leser sich auch mit dem Himmel nicht identifizieren kann. Aber wer weiß. Vielleicht bekommen die Engel ja noch die Kurve. :)

    Der voraussichtliche und erwartete Plot fuer die allermeisten Leser duerfte also sein dass Elias wieder Recht hat und Emilia frei sein muss und dass die Fuersten wieder danebenliegen. Es traut Dir aufgrund des bisherigen Textes vermutlich keiner zu dass Elias grotesk danebenliegt

    Hm. Keine Ahnung. Ich hatte es mir anders vorgestellt :) Eigentlich war meine Idee, dass (genau, wie Kirisha vermutet) von Elias aufgrund des Dilemmas, in dem er sich befindet, prompt die falsche Entscheidung getroffen wird. Wobei FALSCH relativ ist. Es stellt sich ja heraus, dass die Isolation für einen Menschen auch nicht so dolle ist. Insofern weiß ja keiner, was passiert wäre, wenn Emilia NICHT rausgelassen worden wäre. Womöglich wäre sie dann auch vor die Hunde gegangen. :pardon:Aber wäre es aus Lesersicht nicht komplett langweilig, zu erwarten, dass mit Elias Vorhaben, Emilia rauszulassen, tatsächlich alles gut werden würde? Ich würde dem Leser an der Stelle durchaus zumuten, den Spannungsbogen vorherzuahnen.

    (Du hast glaube ich bisher noch keine Hauptfigur sterben lassen ?)

    Ähm. Doch. Silas ist im 2. Band Hopps gegangen bei der Flucht durch die Kanalisation. Und ... naja... Melanie. Aber Letztere war keine wirkliche Hauptperson. Trotzdem sterben Menschen...mal ganz abgesehen von dem einen oder anderen Statisten, der Dagon zum Opfer gefallen ist :rofl:

    Wir erwarten irgendwie die Romanze zwischen Elias und Emilia - was bedeutet dass sie am Ende nicht zum Boesen ueberlaufen wird und er seine Gefuehlskaelte ablegen wird - und damit sind die Fuersten auf dem Abstellgleis, weil die das nicht erwarten (ich verwende jetzt hier keine Info ueber Plotplanung die ich anderweitig bekommen habe...)

    Na ja...aber die Geschichte ist ja noch lange nicht zu Ende. Der eigentlich interessante Teil liegt ja genau dazwischen. Der Fokus dieses dritten Bandes liegt garantiert nicht auf der Romanze...und die Fürsten sind noch lange nicht auf dem "Abstellgleis". Vielleicht liegt es daran, dass ich derzeit noch mehr Wissen habe, als der Leser ... aber mit allem, was bis jetzt geschehen ist, wollte ich eigentlich erst mal alle auf Position bringen. Die Voraussetzungen klarmachen, um dann Entscheidungen treffen zu lassen, die bestimmte Konsequenzen nach sich ziehen...Alles, was ich jetzt weiter dazu schreiben würde, wäre ein krasser Spoiler. Deshalb lasse ich das an der Stelle mal und würde dich darauf vertrösten, erstmal weiterzulesen, um dein Urteil dann vielleicht noch einmal zu überdenken. :)

    Oder ich weihe dich ein. Und lasse dich über die Konversation mal an meinem groben Plan teilhaben. Aber irgendwie ist das immer so eine Sache, weil man dann nicht mehr weiß, wie der unbescholtene Leser den Text auffasst. Allerdings haben wir uns hier im Forum blöderweise ja auch angewöhnt, durch das häppchenweise Lesen kurzer Abschnitte sehr schnell ein Urteil zu fällen. Manche Dinge klären sich ja oft innerhalb eines Kapitels oder zumindest nach kurzer Zeit, sodass sich viele Fragen beizeiten von selbst beantworten :hmm:

    Ich bleib' jedenfalls dran und ueberlege weiter... vielleicht kommt mir noch ein sinnvoller Gedanke.

    Gerne. :danke:

    Kirisha

    Und es ist genau diese Erinnerung die in mir die konkrete Erwartung auslöst dass Emilia nur einen Schritt aus dem Haus setzen muss und dann sehr schnell den Bösen in die Hände fallen wird. Und dass Elias dann genau wie bei dem Ereignis vorher händeringend versuchen wird Schadensbegrenzung zu leisten. Ich denke also dass Elias hier das Verderben noch provozieren wird. Daher finde ich die Szene so sehr spannend.

    Jepp. So hatte ich es mir gedacht :)


    Das ist richtig ungeheuerlich gut geworden. Seitdem ich die Vorversion davon gelesen habe hast du wohl nochmal bedeutend daran herumkorrigiert. Und das hat sich auch gelohnt. Der Text ist sehr dicht geworden und ich kann die Argumentation und die dahinterliegenden Gefühle extrem gut nachfühlen.

    Danke dir. Du kennst ja das Problem mit meinen Selbstzweifeln. Für mich ist es nie gut genug. :pardon:


    (Was ich mich jetzt frage: Elias will Emilia unbedingt rausbringen. Wird er das auch gegen den ausdrücklichen Befehl der Engelsfürsten tun? Wahrscheinlich hat er das vor ... sonst wäre diese ganze Diskussion nicht notwendig. Oder? Hat er vor sie rauszubringen und werden sie dann von Dämonen angefallen?) Oder vielleicht dreht Emilia ja vorher schon am Rad.

    Das ist ein bisschen der Dreh-und Angelpunkt. NATÜRLICH muss Emilia raus, sonst würde ja nichts passieren. Die Frage ist halt, ob es plausibel bleibt. Ob Elias Beweggründe nachvollziehbar bleiben und das Argument "Emilia geht in der Isolation vor die Hunde" stark genug sein kann, allen Alarmsignalen zum Trotz UND Entgegen des Ratsbeschlusses diese Entscheidung zu treffen. Deshalb wollte ich ja die Idee bereits anstoßen, dass sich dahinter eine durchaus realistische Chance auftun könnte, die Gegenseite aufzuscheuchen. Allerdings weiß Elias nun auch, dass er keine Unterstützung durch die Fürsten erfährt. Ich frage mich, ob das nicht etwas grob fahrlässig rüberkommt, wenn er jetzt auf eigene Faust diese Entscheidung trifft, einzig aus der Motivation heraus, Emilia helfen zu wollen. Vielleicht fällt mir das noch was ein. Oder wenn jemand eine Idee hat...immer her damit. :)

    LG

    Rainbow

    Hey Feron

    Jetzt melde ich mich auch nochmal zu Wort. Ich bin ja jetzt up to date und habe es bisher sehr genossen, deine Geschichte zu lesen. Ich hatte allerdings das Gefühl, dass du die ersten Parts bereits deutlich öfter überarbeitet hast und sich zunehmend mehr Fehler eingeschlichten hatten. ich würde sagen, im Anschluss an das Polo-Spiel war ein kleiner Qualitäts-Abfall zu verzeichnen. Kam aber vielleicht auch nur mir so vor :pardon:

    Alles in allem bleibe ich bei meiner ursprünglichen Meinung: Die Art und Weise, wie du Lafayett zeichnest, ist großes Kino. Die Beziehung zu seiner Schwester (die Aktion mit dem Ring war echt cool eingefädelt :)) ist sehr schön eingefangen. Und natürlich war das Polo-Spiel grandios. Seine Fechteinheit war äußerst unterhaltsam und das Gespräch mit seinem Onkel in der Bank ebenfalls. Man hat das Gefühl immer wieder etwas Neues über ihn zu erfahren, so ja jetzt auch wieder, bei seinem Museumsbesuch.

    Der Part mit Doktor Renee und der Verschleierung der Todesursache von Andrea hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Ich hatte quasi fast das Gefühl live bei diesem schrecklichen Szenario beizuwohnen. Der Mathis- Part hingegen hat sich für mich etwas verworren lesen lassen. Ich meine den Angriff der Wölfe. Vom Grundgedanken fand ich das okay, nur war die Lesequalität nicht auf dem gewohnten Niveau, fand ich. :hmm:

    Es bleit auf jeden Fall spannend, in welche Richtung du das alles weiterspinnen wirst. :gamer:

    Okay, ich mag nicht mehr länger an diesem Part herumdoktern, weshalb ich ihn euch jetzt erstmal unter Vorbehalt zeigen möchte. :)

    Bevor ich mich daran begebe, dieses Kapitel insgesamt noch etwas "erhabener" zu gestalten mit etwas mehr Magie hier und etwas mehr Engel-Mojo da, muss ich jetzt erstmal den groben Rahmen auf die Kette bekommen.

    Zu meiner Grundidee: Ich will die Engel hier nicht als "fies" darstellen, sondern ihre Beweggründe eigentlich plausibel machen. Unterm Strich entscheiden sie natürlich zum Wohle der Menschheit und des himmlischen Reiches, wobei das Einzelschicksal (Emilia) weniger zählt. Sie entscheiden rational, was ja irgendwie grundsätzlich nachvollziehbar sein sollte.

    Elias, der ihr helfen möchte (er bekommt ihren Verfall schließlich zunehmend mit), sucht nach Möglichkeiten, die Fürsten von einer Lockerung der Sicherheitsmaßnahme zu überzeugen. In meiner ursprünglichen Version habe ich ihn das einfach eigenmächtig entscheiden lassen, aber dann dachte ich, dass das keinen Sinn macht und ich seinen Konflikt noch etwas besser herausarbeiten müsste. Vor allem, weil er am Ende erfahren soll, was passiert, wenn er scheitert. Ich bin mir allerdings noch nicht so sicher, ob seine abschließende Idee, Emilia als Lockvogel zu benutzen, nicht vielleicht etwas über das Ziel hinausschießt :hmm:

    Und nochmal zu Jehoel: In meiner Fanatsie wollte ich ihn eigentlich gern ein bisschen herausfordernd, überheblich, fast schon arrogant zeichnen. (alles wieder ziemlich menschliche Attribute :rofl:) Ich habe es jetzt schon ziemlich heruntergefahren, aber ich möchte ihn auch noch ein bisschen so haben, um zwischen ihm und Elias etwas Reibung zu erzeugen :hmm:

    Keine Ahnung, ob das alles überhaupt brauchbar ist, was ich hier fabriziert habe. Ich sehe gerade den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr deshalb : Hiiiilfeee! :panik:

    Also, haut einfach mal raus, was euch so in den Sinn kommt. Ich bin für jede Hilfe dankbar. Kann man das so machen? Wie lässt es sich optimieren? Kann man das Ganze vielleicht straffen? Ich bin halt noch nicht wirklich zufrieden damit, kann es aber auch nicht richtig greifen.

    Blöderweise war der Cut am Ende vom letzten Part etwas doof gesetzt, weshalb ihr vielleicht noch einmal im vorherigen Post nachlesen müsst, wo wir stehengeblieben waren. Und los geht`s:

    --------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    Kapitel 9: Elias Berichterstattung (Teil 2)

    „Die Signatur des Irdischen wurde zerstört oder es existieren andere Einflüsse, die dessen Ortung unmöglich machen“, fuhr Jehoel ungeachtet von Elias vorangegangenem Einwand fort. Langsam schritt er die Stufen hinab und blieb am unteren Treppenabsatz stehen, bevor er erneut ansetzte. „Es handelt sich hierbei um ein Phänomen, das uns bekannt sein dürfte.“
    Elias horchte auf.
    Die Seelenfresser!
    Sie waren es, die Emilia durch die Manipulation ihres Geistes damals von der Bildfläche hatten verschwinden lassen, weshalb es unmöglich gewesen war, sie zu finden Konnte es sein, dass dies eine Spur war? Ein konkreter Hinweis, der Aufschluss darüber gab, was die schwarzen Teufel planten? Und wo sie sich aufhielten?
    „Wie lange liegt der Anschlag zurück?“, fragte Elias. „Der Arm sieht nicht so aus, als ob er lange im Wasser gelegen hätte.“
    „Das ist korrekt“, antwortete Jehoel. „Die bisherigen Analysen weisen auf nur wenige Tage hin.“
    Nur wenige Tage...
    Kurz schloss Elias die Augen und atmete hörbar aus. „Wenn das durchsickert ...“, setzte er schließlich an, ohne den Satz zu vollenden. Es war nicht nötig, das Desaster in Worte zu fassen, das mit dieser Entwicklung einhergehen würde.
    „Die Informationen wurden streng vertraulich behandelt“, versicherte Metatron. „Bevor wir nichts Näheres wissen, werden wir davon absehen, die Kongregation einzuweihen. Dennoch ist äußerste Vorsicht geboten.“
    Elias nickte, als Zeichen, dass er verstand.
    „Wir sollten außerdem verhindern, dass die Irdische von den Vorkommnissen erfährt“, fügte Seraphiel hinzu. „Wir wissen nicht, in welcher Verbindung sie zu den dunklen Mächten steht. Abgesehen davon würde es sie nur unnötig beunruhigen.“
    „Unnötig?“, echote Elias. „In Anbetracht der aktuellen Lage könnte man ihr eine gewisse ´Unruhe` wohl kaum verübeln.“
    „Die Untersuchungen sind noch nicht abgeschlossen“, stellte Seraphiel klar. „Und wenn wir eines im Moment ganz sicher nicht wollen, dann ist das eine junge Irdische, die womöglich kurz vor der Wandlung steht, in emotionale Erregung zu versetzen. Was sie derzeit braucht, ist eine geschützte und reizarme Umgebung.“
    Elias stutzte.
    „Im Moment ist sie vor allem anderen noch ein Mensch!“, gab er zu bedenken. „Eure Vorsicht in allen Ehren. Doch die Irdische von ihresgleichen abzuschotten und ihr die Grundlage für ein sinnstiftendes Leben zu entziehen, dürfte nicht sonderlich förderlich sein, wenn es darum geht, ihre Abwehr zu stärken, um dem Bösen zu widerstehen.“
    „Wir kannten die Risiken dieser Mission“, räumte Seraphiel unberührt ein. „Und der Beschluss der Kongregation steht fest: Schützen und Observieren. Es war nicht die Rede davon, ihr ein ´sinnstiftendes` Leben zu ermöglichen.“
    „Sperren wir sie noch länger ein, wird es womöglich bald nichts mehr geben, was es zu schützen gilt“, antwortete Elias. „Wie ich bereits sagte: Die Isolation entzieht ihr jeglichen Lebenswillen. Sie schottet sich mehr und mehr ab. Ihre Träume verzehren sie und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Ich befürchte ... sie entgleitet uns.“
    Schweigen breitete sich aus.
    „Was also schlägst du vor?“, verlangte Metatron zu erfahren.
    Ich will einfach wieder normal leben können...
    Emilias Worte hallten in Elias wider. Tonlos und ohne jeden Antrieb. Er dachte an ihre leeren Augen. Die Verzweiflung, die er darin zu sehen geglaubt hatte.
    „Nun...?“, drängte Metatron, nachdem Elias nicht prompt reagierte.
    „Ich schlage vor, die Ausgangssperre für die Irdische aufzuheben“, erwiderte Elias schließlich und fragte sich im selben Moment, ob er den Verstand verloren hatte. War er nicht vor wenigen Tagen selbst noch mit Micah aneinandergeraten, als er ihn auf die Unwägbarkeiten und nicht abzuschätzenden Risiken hingewiesen hatte, die mit einer Lockerung der Sicherheitsmaßnehmen einhergehen würden? Entgeistert sahen die Fürsten ihn an. Offensichtlich versuchten sie zu ergründen, ob er das Gesagte wirklich ernst meinte.
    Jehoels eisblaue Augen taxierten ihn. „Mir scheint, Ihr sprecht mit dem Herzen und nicht mit dem Verstand“, sagte der Kalamatai schließlich. „Ist es nicht so, dass Ihr auf besondere Weise mit der Irdischen verbunden seid? Könnte es sein, dass Eure Entscheidungen auf irrationalen Beweggründen basieren?“
    „War es das, was Ihr saht, als Ihr in mein Innerstes geblickt habt?“, entgegnete Elias und konnte nicht verhindern, dass es herausfordernder klang, als beabsichtigt. „Wenn dem so ist, dann seid Euch gewiss, dass Ihr Euch täuscht. Die Verbindung zu der Irdischen besteht nicht mehr. Mein Herz...“, er deutete auf die Stelle oberhalb seiner Brust, „ist so kalt und stumpf wie Eures.“
    „Womöglich kennt Ihr Euch weniger gut, als ich es tue“, antwortete Jehoel in nüchternem Ton.
    „Genug!“, unterbrach Seraphiel, bevor jemand noch ein weiteres Wort sagen konnte. „Wir alle verfolgen das gleiche Ziel. Ist es nicht so?“ Sein eindringlicher Blick wanderte von Elias zu Jehoel.
    Auch, wenn Elias nicht mehr auf sein Gefühl zählen konnte, glaubte er irgendwo tief in sich eine Stimme zu vernehmen, die ihm zurief, dass es besser war, diesem Kalamatai mit Vorsicht zu begegnen.
    „Wir vertrauen auf dich, Elias“, sagte der Fürst dann mit ruhiger Stimme. „Das haben wir immer getan. Wenn Vieles auch anders gekommen ist, als wir es uns erhofft hatten...“
    Elias wusste, worauf er anspielte. Natürlich wusste er es! Und es wäre gelogen gewesen, zu behaupten, die Erinnerung an das Geschehene würde nichts in ihm auslösen. Schließlich hatte man ihn zu Beginn des Krieges von höchster Stelle und mit einstimmigem Ratsbeschluss zu dem ´Prophezeiten` erkoren, ohne zu berücksichtigen, dass ihm dieser Titel rechtmäßig gar nicht zustand. Zumindest nicht ihm alleine. Die Fürsten hatten ihn ins offene Messer laufen lassen. Doch Elias war es leid, daran Anstoß zu nehmen. Schließlich gab es keine verwerflichen Taten, nur verwerfliche Absichten und die Fürsten hatten aus dem guten Glauben heraus gehandelt, all ihre Hoffnungen auf ihn zu setzen. Es fiel ihm schwer, ihnen für diesen fatalen Fehler einen Vorwurf zu machen.
    „Jedoch können wir deinem Vorhaben nicht zustimmen“, fuhr Seraphiel fort. „Es steht zu viel auf dem Spiel. Wir dürfen nicht riskieren, dass die Irdische in die Hände des Feindes gerät.“
    „Würden wir die Truppe aufstocken, könnten wir das Risiko minimieren und ihr ermöglichen, sich zumindest stundenweise außerhalb ihrer Wohnung zu bewegen“, argumentierte Elias, doch das erhabene Kopfschütteln des Fürsten ließ ihn bereits erahnen, dass es dazu niemals kommen würde. „Selbst, wenn das keinen Verstoß gegen den Entscheid des Rates bedeuten würde. An den Wachposten herrscht Ausnahmezustand! Der Schutz der Grenze hat oberste Priorität. Wir haben derzeit keine Kapazitäten, um der Irdischen einen Freigang zu ermöglichen.“
    Das Wort ´Freigang` klang aus dem Mund des Fürsten so, als handele es sich hierbei um ein Zugeständnis, dessen Nutzen in keinem Verhältnis zu den Kosten stand.
    Elias holte Luft, bevor er diese, begleitet von einem zischenden Geräusch, wieder ausstieß. „Was wenn...“ Er stockte. War er tatsächlich bereit, seinen Gedanken laut auszusprechen?
    „Ja?“, griff Seraphiel seine Worte auf. Die drei Engel sahen ihn abwartend an.
    „Wenn sich ... mit ihrer Hilfe die Chance auftun würde, die Gegenseite aus der Reserve zu locken“, sagte er schließlich und ließ seinen Blick auf jedem der Anwesenden einen kurzen Augenblick ruhen. „Welche Mächte auch immer hier am Werk sind, und welch finstre Absichten sie verfolgen mögen. Sollte es tatsächlich die Irdische sein, die sie wollen, ... dann könnten wir sie so dazu bringen, ihre Deckung aufzugeben. Mit den entsprechenden Vorkehrungen würden wir uns einen Vorteil verschaffen, statt nur abzuwarten, bis man uns die Schlinge um den Hals gelegt hat.“
    „Eine Falle?“, brachte Metatron den Vorschlag auf den Punkt und Elias war heilfroh, dass er nicht so etwas gesagt hatte wie ´Du willst die Irdische als Köder benutzen`? Denn das war es im Grunde. Und nichts anderes. „Nennt es wie Ihr wollt“, antwortete Elias deshalb und bemühte sich, es so beiläufig wie möglich klingen zu lassen. Er war sich sicher, dass Emilia mit ihrem Wunsch, in ihr altes Leben zurückkehren zu wollen, ganz sicher nicht gemeint hatte, dieses bei nächster Gelegenheit wieder auf`s Spiel zu setzen. Doch wenn dies die einzige Möglichkeit war, ihr zumindest einen Teil ihrer Freiheit wiederzubeschaffen, dann war er bereit, diesen Weg einzuschlagen.
    „Ich halte das für ein äußerst waghalsiges Unterfangen“, räumte Jehoel ein und musterte Elias dabei mit unverhohlener Skepsis. „Wer soll die Verantwortung dafür übernehmen? - Ihr vielleicht?“
    „Wenn es sein muss...“, entgegnete Elias und bemühte sich, dem durchdringenden Blick des Kalamatai standzuhalten.
    Seraphiel hob besänftigend die Hand. Es war nur eine kleine Geste, doch sie reichte aus, um jedwede Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. „Jehoel hat recht!“, sagte er dann ohne Umschweife. „Wir können und werden die Irdische nicht dieser Gefahr ausliefern. Sie bleibt, wo sie ist.“
    „Aber...“, wollte Elias gerade ansetzen, als er von dem Fürsten jäh unterbrochen wurde. „Und es obliegt deiner Verantwortung, dafür zu sorgen, dass ihr nichts geschieht“, rief er ihm in Erinnerung, als habe Elias auch nur einen Moment in Betracht gezogen, das zu vergessen. Den kurzen Moment des Schweigens nutzte dieser, um seine verbliebenen Optionen durchzugehen, doch er kannte die Fürsten gut genug, um zu wissen, dass der Teil ihres Gesprächs, in dem es um den Argumentationsaustausch ging, nun vorüber war.
    „Wir werden dich über die weiteren Untersuchungen auf dem Laufenden halten“, läutete Seraphiel, wie erwartet, das Ende der Zusammenkunft ein, bevor sich seine Miene verfinsterte und er ein Stück näher an ihn herantrat. „Und sollte die Irdische zu einer Gefahr werden ... sollte sie ... auch nur irgendein Anzeichen von dämonischer Aktivität zeigen, dann werden wir handeln müssen.“ Elias nickte, wobei es sich anfühlte, als hinge sein Kopf an Fäden, die von jemand anders gezogen wurden.
    „Was ... geschieht mit ihr, wenn sie der Macht nicht widerstehen kann?“, überwand er sich zu fragen, wobei er alle erdenklichen Maßnahmen bereits im Geiste überflog.
    „Sie wird nach Corderian gebracht werden. Die göttlichen Siegel im Destrubium werden ihre Kräfte für`s Erste im Zaum halten.“
    Metatrons Antwort hallte in Elias wider.
    Das Destrubium...
    Beim Klang des Namens zog sich seine Kehle zu. Er wusste, dass sich dahinter ein von kalten Steinmauern umgebener Zellentrakt verbarg, der sich tief unterhalb des Ratsgebäudes befand. Besonders widerstandfähige Dämonen, die sich aus welchen Gründen auch immer, nicht verbannen ließen, fristeten hier, in dem mit mächtigen Runen versehenen Gewölbe ihr Dasein. Dazu verdammt bis in die Unendlichkeit die Qualen der göttlichen Siegel zu ertragen, die ihnen bei jeder falschen Bewegung die Haut versengten, hallten ihre Klagelaute wie ein schrecklicher Kanon durch die finsteren Katakomben. Sich auszumalen, dass er Emilia hier würde hinbringen müssen, ganz gleich ob als Mensch oder als Dämon...
    Bei allen Plagen der Endzeit.
    Die Blicke der Fürsten schienen ihn regelrecht zu durchleuchten, als wollten sie seine Reaktion studieren. Auch der Kalamatai beobachtete jede seiner Bewegungen. Etwas in Elias drückte ihn nieder. Selten war ihm eine Verbeugung derart schwergefallen. Rasch richtete er sich wieder auf, wobei er sich bemühte, den forschenden Augen des Kalamatai auszuweichen und auf dem Absatz kehrtzumachen. Doch kaum hatte er den Fürsten den Rücken zugewandt, vernahm er Jehoels Stimme, die ihn dazu veranlasste stehenzubleiben und in der Bewegung zu verharren.
    „Da Eure Verbindung zu der Irdischen nicht mehr besteht, können wir wohl davon ausgehen, dass Ihr es übernehmt, sie in diesem Fall nach Corderian zu bringen...“ Elias spürte die Schwere, die sich auf seine Schultern legte, kaum, dass die Worte zu ihm durchdrangen. Einen Moment stand er reglos da.
    „So sei es“, antwortete er schließlich, bevor er sich in Bewegung setzte, um die Ratshalle mit schnellen Schritten zu verlassen.

    Hier geht`s weiter:

    Rainbow
    7. April 2024 um 18:35

    Nein, du hast einfach aufmerksam gelesen xD Die Auflösung kommt aber erst im nächsten Part ^^

    Gott sei Dank :rofl:

    Ich HABE jetzt weitergelesen und natürlich ergibt die Kette nun Sinn. Die Idee dahinter ist gar nicht so dumm von Frod. Mir vorzustellen, zu welchen Mitteln er greift, um sich vor dem Einfluss des Vykr zu schützen, verschafft dem ganzen einen zusätzlichen Gruseleffekt, finde ich. :thumbup:

    Ansonsten fand ich den neuen Part, wie auch die vorigen, gut geschrieben. Für mich liest sich das soweit nachvollziehbar.

    Ach ja. Hierzu nochmal:

    Also findest du das bei der Lyttra zu lang

    Nee. Aber mir würden nur so ein oder zwei zusätzliche Hinweise/Gedanken reichen, dass der Leser merkt, dass Frod ein wenig unruhig wird, weil Tjelvar außer sich sein muss vor Sorge. Kann sein, dass du das auch irgendwo andeutest, aber für meinen Geschmack darf das deutlicher werden. Zum Beispiel gleich nach dem Aufwachen, wie du vorgeschlagen hast.

    Und dass Tjelvar so weit vorgeht und deshalb Frods Verschwinden erst später bemerkt, hatte ich nicht auf dem Schirm. Kann auch an mir liegen. Ich lese ja gerade auf dem Handy, was nicht gerade super komfortabel ist. Ansonsten könnte man das tatsächlich noch etwas klarer machen. Ein Sätzchen würde ja reichen, um zu verdeutlichen, dass sich der Abstand zwischen ihnen vergrößert… vielleicht strömt auch eine Menschenmenge plötzlich an ihnen vorbei, in die Frod eintaucht, oder so. :hmm:

    Vielleicht hattest du das auch geschrieben? Ich weiß es gerade nicht mehr und ich bekomme hier die Krise, den Post wiederzufinden. Sag du nochmal, das sei in meinem Thread von HEAVEN krass gewesen mit den ganzen Kommis. Bei dir sucht man sich inzwischen auch einen Wolf, um deine Geschichten-Parts zu finden. :rofl:(zumindest in der Handyansicht)

    Danke, Thorsten und Sensenbach für euer Feedback und die Einschätzung.
    Ich bin gerade im Urlaub und das W-LAN ist grottenschlecht, weshalb ich auf dem Handy tippen muss, aber ich versuche mich mal an einer Antwort :)

    Zunächst mal hierzu:

    Nah - ich bin lieber bei #TeamDagon ... mir gruselt vor diesem linientreuen Verein..

    Der letzte Abschnitt bestätigt deutlich, dass Team-Dagon eigentlich auf der richtigen Seite steht.

    Diese Reaktionen waren zumindest das, was ich erreichen wollte. Also insofern ist es schon mal gut, dass mein Plan aufgegangen ist. :)
    Das „Team Dagon“ ( ich denke, das hat sich jetzt schon ansatzweise herauskristallisiert) gehört ja nun auch einem etwas anderen/ veränderten Dagon an. Es ist nicht mehr nur der Reiz des Bösen, der zuvor von ihm ausgegangen war. Sondern zunehmend auch ein gewisses Verständnis für seine Situation. Und die ist nunmal nicht so verschieden von der, in welcher Elias sich befindet. Beide kommen/kamen mit bestimmten Dingen im himmlischen Reich nicht klar. :pardon:

    Jetzt haben die "Engel" auch noch den Geheimdienst hinzugezogen. Lauf Elias lauf…

    Der himmlische Geheimdienst gibt sein Debut

    okay… dass die Kalamatai jetzt als „Geheimdienst“ rüberkommen, habe ich mir wahrscheinlich selbst zuzuschreiben :rofl:So ganz deckt dich das nicht mit meiner Intention. Vielmehr fand ich es ganz spannend, eine neue Interessengruppe einzuführen, quasi als Gegenspieler für Elias. Wie man sich vielleicht schon denken kann, wird er sich „gegen“ sein Reich und „für“ Emilia/Dagon entscheiden. Deshalb brauche ich jemanden, der die Verfolgung/Ermittlung gegen ihn aufnimmt. Es mag sein, dass ich mir zu Jehoel noch nicht ausreichend Gedanken gemacht habe. Das Ganze entsteht gerade erst in meinem Kopf und ist garantiert noch nicht bis ins Letzte ausgearbeitet. Ich bin mir sicher, dass ich da später noch ordentlich werde rumfeilen müssen, aber das hier ist erstmal die Grundidee.

    Ich bin mir hier nicht so sicher ob Du nicht an Deinen eigenen Praemissen ruettelst - in Band 1 war es Elias der in Gesellschaft der anderen Engel die Ausnahme war weil er so menschlich in seinen Ueberlegungen und Leidenschaften wirkte. Jetzt liest sich das eher so als waeren sie alle sehr menschlich...

    Das war auch mein Gedanke. Allerdings könnten sich die Engel wegen der Gefahr durch Dagon verändern und eine dunklere Färbung annehmen. So habe ich es ein wenig interpretiert. Ein

    Hm. Ich habe mir dazu beim Schreiben schon einige Gedanken gemacht und wie man sich vielleicht denken kann, ist es insgesamt nicht leicht gewesen, mit den Charakteren eine Szene zu schreiben. Elias, der aufgrund seiner Verletzung noch ziemlich desolat ist, was seine ursprüngliche Gefühlswelt betrifft, und dann die Fürsten, die eigentlich sein sollten wie immer (eher rational vorgehend und immer das große Ganze im Blick behaltend statt das Individuum) und jetzt auch noch Jehoel, der über zusätzliche Fähigkeiten verfügen soll und prompt anbeißt, als er auf Elias trifft.

    Ich bin wirklich dankbar für hilfreiche Tips, wie und wo ich da noch was verbessern könnte. Ich schlage aber vor, das Kapitel erstmal zu Ende zu lesen. :hmm:

    Bist Du echt sicher, dass das das Bild ist was wir jetzt von den himmlischen Heerscharen bekommen sollen???

    Es war von Anfang an so, dass ich die Fürsten und allgemein das ganze himmlische Reich mit seinen Regeln/Gesetzen ziemlich kontrovers dargestellt habe, denke ich. Meine Engel waren nie die Harfe spielenden Harmoniefanatiker und die oberen Abgesandten eher kühl und distanziert. Zumindest kamen die Elias immer so vor, denn wir erleben das ganze ja aus seiner Perspektive. Ich nehme aber an, du beziehst dich mit deiner Frage hauptsächlich auf Jehoel und die Kalamatai? Ehrlich gesagt, fand ich die Vorstellung, dass es solche Engel geben könnte, gar nicht so abwegig. Es gibt ja laut meiner Recherchen diese Hierarchie-Ebenen, in welchen zum Beispiel auch Engel für die Rechtsprechung verantwortlich sein sollen. Ich erinnere an das Tribunal ganz am Anfang, bei dem Elias zum Dienst als Schutzengel degradiert wird. Da liegt es nicht sehr fern, dass es eventuell auch Engel geben könnte, die sich auf die Wahrheitsfindung spezialisiert haben.
    Aber wir können das gerne über die Konversation nochmal ausführlich diskutieren. Ich bin da grundsätzlich offen für, nur möchte ich verhindern, dass uns dieser Thread hier später um die Ohren fliegt. :)

    Okay, ich hoffe, ich bin auf die wesentlichen Punkte eingegangen. Ach ja, hierzu vielleicht noch kurz:

    Verstehe nicht, warum er sich plötzlich anders fühlt

    In meiner Vorstellung reagiert Elias hier auf die kühle und berechnende Aussage der Fürsten, dass Emilias Isolation in Kauf zu nehmen ist zum Schutze der Menschheit und des himmlischen Reiches. Natürlich ist ihm das insgeheim zuwider und seine Gedanken folgen ja auch prompt. Trotzdem ist er noch gefangen in seiner eigenen Gefühlsstarre. Die beginnt aber zumindest ansatzweise zu bröckeln, als er dann zu drängen beginnt und leicht herausfordernd fragt, warum man ihn kommen ließ. (Ich bin mir halt manchmal nicht sicher, wie viel ich hier zusätzlich erklären muss oder ob der Leser das nicht vielleicht zwischen den Zeilen rausliest :hmm:) Deswegen finde ich deine Frage nicht ganz unwichtig. Es wär schon irgendwie gut, wenn es nachvollziehbar bliebe.

    Danke euch beiden für den Austausch :danke:(ich hab noch nie zuvor so einen langen Kommi über das Handy getippt :rofl:) und wie gesagt, wir können gerne eine ausführliche Diskussion in die Konversation verlagern.

    Mit "Monstern" meinte ich hier eigentlich nicht die Engel, sondern die Dämonen, die Emilia anziehen. Ich gehe doch mal davon aus, dass sie mit denen demnächst Bekanntschaft machen wird und dass dann die Engel, im Vergleich, doch als sehr sympathische Kerlchen erscheinen werden.

    Ah, okay. Das hatte ich falsch verstanden. Es las sich ein bisschen so, als beziehe ich das auf die Engel, weil du sie ja zuvor zitiert hattest. Dann bin ich erleichtert :)

    Hey Feron,

    ich hab auch mal bei dir reingelesen.

    Dein Konzept liest sich ganz interessant. Außerdem hat Kirisha ein bisschen Werbung für dich gemacht, weshalb ich dachte, ich schaue mal vorbei. :)

    Hier nur ein paar Gedanken, die mir beim Lesen kamen.

    „Mein Beileid für deinen Verlust“ flüsterte die Kreatur zu ihrem Komplizen. Die beiden Männer erschienen von Nahem und von Weitem wie Menschen, aber unter ihrer Haut waren sie beide Raubtiere. So greifbar wie ein halb vergessener Alptraum schlichen sie durch den verlassenen Park, mit Augen so lichtscheu, dass sie sich selbst gegen das Leuchten der Sterne verengten. Dunkle Wasser glucksten über das Ufer eines künstlichen Sees und winterkahle Kastanien säumten den Pfad. Auf der Kuppe eines flachen Hügels hatten die Arbeiten für einen neuen Pavillon begonnen, aber zu so später Stunde war die Baustelle still. Auch Bänke, Krocket-Felder und Picknickplätze lagen verlassen da. Die Abwesenheit der Menschen, die sich hier bei schönem Wetter einfanden, war beinahe spürbar, wie ein vertrautes Lied, das plötzlich in der Mitte gestoppt hatte. Dennoch gab es Bewegung. Winzige Pfoten huschten durch die Hyazinthenbeete, die getrimmten Rosenhecken und die Binsen am See. Rotfüchse, Waschbären und Igel waren auf der Jagd. Dies war auch ihr Paradies, ob es die Architekten vorgesehen hatten oder nicht.

    „Wer hat dir davon erzählt?“ verlangte die zweite Kreatur zu wissen.

    Ist vielleicht ein bisschen Geschmacksache, aber ich persönlich fand den Einschub zwischen dem Auftakt des Dialogs und seiner Fortsetzung fast ein bisschen sehr lang. :hmm: Wobei es natürlich einerseits wieder sehr schön für den Aufbau der Atmosphäre ist, sich ein genaueres Bild von der Umgebung zu machen. Aber man könnte ja vielleicht auch einfach erst mit der Kameraeinstellung beginnen und über den Park schwenken, bevor man dann mit dem Dialog anfängt. Dann wäre er nicht so zerhackt.

    Was mir sonst aufgefallen ist:

    Du startest als eine Art "allwissender Erzähler", der offenbar über diese Wesen Bescheid weiß und die Szenerie als eine Art Außenstehender schildert. Dann aber zoomst du an Raphael heran und tauchst ganz plötzlich in ihn ein. Ich bin deshalb ein wenig darüber gestoplert, dass er auf einmal einen Namen bekommt. Zuerst geht es um die Kreatur und dann um die andere Kreatur...dann nennst du sie die beiden Männer...und zack, plötzlich kommt der Name Raphael ins Spiel.

    Keine Ahnung, ob du verstehst, was ich meine. Aber daran bin ich auf jeden Fall hängengeblieben.

    Ansonsten finde ich den Einstieg super spannend! Vor allem der Wechsel in der Erzählweise, wenn du dann zu Lafayett springst. Ich finde, du hast echt ein Talent, solche Szenen zu schreiben und die Dialoge lebhaft wirken zu lassen. Man hat förmlich das Gefühl, als Zuschauer mittendrin zu sein. Die Charaktere bekommen schnell Tiefe und man kann sie sich sehr gut vorstellen. Also dafür schon mal ein großes Lob! :thumbup:

    Ansonsten werde ich versuchen, dranzubleiben. Ab morgen hab ich Urlaub. Also viiiieeel Zeit zum Lesen :D

    LG
    Rainbow

    Hey Kirisha,

    Ich durfte das Kapitel ja schon einmal lesen glaube aber du hast da noch ziemlich dran herumgebastelt.

    Ehrlich gesagt, habe ich daran jetzt schon so viel herumgebatselt, dass ich schon gar nicht mehr weiß, welche Version ich jetzt überhaupt online gestellt habe :rofl:Nein Quatsch. So schlimm ist es Gott sei Dank noch nicht. Aber dieses Kapitel hat mich schon ganz schön in den Wahnsinn getrieben und tut es auch immernoch. Aber ich muss jetzt einfach mal weiterkommen. Deshalb dachte ich, es ist reif für`s Forum.

    Ich finde ja diese Engelssphäre sehr faszinierend. Insbesondere weil die Engelsfürsten gar nicht so liebreizende Engelchen sind wie man sich von Statuen in Kirchen vielleicht vorstellt. :saint: Sondern im Gegenteil ganz schön engstirnige und regelverbissene Bürokraten.

    Ja. Das war mitunter eine Herausforderung an dem Kapitel, da ich die beiden Fürsten (Seraphiel und Metatron) auf jeden Fall von Jehoel abheben wollte, der noch eine Spur krasser sein soll von seiner Art her. So ganz 100%ig hab ich ihn auch noch nicht auf dem Schirm. Kann sein, dass ich an dem Charakter noch ein bisschen werde schrauben müssen...:hmm:

    Elias hast du auch sehr gut dargestellt. Man merkt schon die verdeckten Gefühle in seinem Inneren die noch irgendwie vorhanden aber halb eingefroren sind.

    Auch das fand ich nicht so einfach, da er ja einerseits noch unter dem Umfall und den Nachwirkungen leiden soll, die ihn ja irgendwie seiner Emotionen beraubt hatten. Und andererseits wollte ich ihn nach und nach wieder etwas spüren lassen, was natürlich durch das Auftreten der Fürsten begünstigt wird. Nur sollte es nicht Knall auf Fall passieren. Eher immer wie ein kurzes Aufblitzen...

    Klingt logisch und doch richtig eiskalt. Emilia kann einem schon leidtun diesen Monstern ausgeliefert zu sein.

    Na ja. Es bleiben halt schon irgendwie Engel. Ich hatte nicht vor, sie als "Monster" darzustellen. Im Grunde haben sie ja auch nicht ganz Unrecht. Sie handeln zum Wohle der Menschen und zum Schutz ihres eigenen Reiches...was ist da schon eine einzelne Irdische wert? Ich glaube, es wäre eher grob fahrlässig, wenn sie sich diese Gedanken NICHT machen würden. :hmm:

    Bin schon gespannt, was du zu dem nächsten Part sagst. Den habe ich wirklich nochmal ganz schön umgestrickt. :)

    Hey Etiam

    So, ich bin dann auch wieder up to date :)

    Hat Spaß gemacht, die letzten Parts am Stück lesen zu können. Ich muss ehrlich sagen, dass ich das sehr genossen habe. Vor allem, weil sich das alles schon ziemlich, ziemlich gut liest. :thumbup:

    Ich habe jetzt nichts gefunden, was ich groß beanstanden würde. Die einzige Sache, bei der ich kurz gestutzt habe war, als Frod diese Vision hatte, nachdem Tjelvar ihn aus dem Verlies geholt hat. Es kam mir seltsam vor, dass Frod dann von der Lyttra getrettet wurde (okay, das kann natürlich theoretisch sein, denn sie ist den beiden ja gefolgt) aber warum war Tjelvar nicht genauso schnell? Die beiden waren schließlich zusammen. Und da kam Tjelvar nicht hinterher? Das habe ich mich die ganze Zeit gefragt. WO verdammt nochmal bleibt Tjelvar???

    Und nach der Rettung geht Frod mit der Lyttra mit und lässt Tjelvar einfach im Ungewissen, was mit ihm geschehen ist? Das kam mir einfach irgendwie seltsam vor. Okay, die haben keine Handys und können nicht mal eben durchklingeln und Bescheid geben :rofl:aber ein etwas intensiverer Gedanke wäre an der Stelle schon angebracht gewesen. Oder eine Erklärung, warum Tjelvar unaufmerksam war und Frod deshalb in der Menge abtauchen konnte...irgendwas in der Art. :hmm: Vielleicht hat die Lyttra auch eine gewisse Anziehung und Frods Wunsch, schnell zu Tjelvar zu kommen, um ihm von dem Geschehenen zu berichten, wird dadurch gedämpft.

    Der Kampf zwischen Durin und Baleson hat mir gut gefallen. Die Sache mit der präparierten Axt war cool! Da habe ich kurz den Atem angehalten. Ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, wie du das ausgehen lassen würdest. Also wirklich sehr cool!

    Hier noch ein Fragezeichen über meinem Kopf. Bestimmt blamier ich mich jetzt wieder :sack:

    Die Kette um Frods Fußgelenk rasselte, als er sich an dem großen Schreibtisch in den Schneidersitz setzte. Während seine Tasche mit den Karten an seinem Stuhl lehnte, waren Dutzende Bücher zu kleinen Türmchen vor ihm aufgestapelt worden.

    Hab ich irgendwas nicht mitbekommen? Warum wird er in der Bibliothek angekettet? Es liest sich ein bisschen so. Bestimmt hab ich jetzt wieder irgendeine Schlüsselszene überlesen oder was komplett falsch verstanden. :rofl:Vielleicht trägt er auch neuerdings ein Fußkettchen? :grinstare:

    Ansonsten kann`s weitergehen. :gamer:Ich versuche jetzt wieder dranzubleiben.

    Es ist schon wieder ein Weilchen her, dass ich hier was gepostet habe, weshalb ich gar nicht weiß, ob noch jemand einen Kopf dran kriegt . Ihr wisst schon: Engelgeschichte...Elias... Dagon... Emilia...Seelenfresser...verschollenes Buch (Pentokrator) ... Klingelt da was? :rofl:

    Der Grund für mein nur sehr langsames Vorankommen liegt daran, dass ich Vieles sehr oft hin-und herdrehe. Während ich früher einfach drauflos geschrieben habe, meine ich jetzt tatsächlich, ein bisschen planvoller vorgehen zu wollen. Allerdings gestaltet sich das als nicht so einfach. :pardon:

    Dieses Kapitel hier hatte ich ursprünglich gar nicht geplant. Ich wollte eigentlich direkt nach dem letzten Elias/Emilia Part die ganze Sache eskalieren lassen und wäre dann logischerweise schneller im Plot vorangekommen. Dann kam mir aber die Idee, Elias Konflikt noch ein bisschen näher zu beleuchten. Abgesehen davon wollte ich noch einen neuen Charakter einführen, den ich im weiteren Verlauf brauchen werde.

    Und ob man`s glaubt oder nicht, bastle ich an diesem blöden Part jetzt schon diverse Wochen rum und habe ihn schon zig mal umgeschrieben, weil ich immer wieder auf etwas gestoßen bin, was letztlich nicht plausibel war. Nun bin ich an einem Punkt völliger Verzweiflung bereit, euch mit ins Boot zu holen. :)

    Also schaut einfach mal, ob ihr damit klarkommt. Mehr sag ich mal gar nicht, weil ich euch nicht irgendwie mit der Nase auf Dinge stoßen will, die vielleicht gar nicht ins Gewicht fallen.

    Los geht`s:


    Kapitel 9: Elias Berichterstattung (Teil 1)

    Langsam senkte sich das Licht des Tages, als Elias die Pforte der Ratshalle passierte. Die Kühle, die aus den Jahrtausende alten Steinmauern kroch, verband sich mit dem vertrauten Geruch von Feuer und geräuchertem Persyn-Kraut.
    Schnellen Schrittes marschierte er den langen, mit lodernden Feuerschalen gezierten, Gang entlang, und kam vor dem Rednerpult im Zentrum des großen Saals zum Stehen.
    Leer und verwaist ragten die vielen Sitzbänke vor ihm auf. Lediglich zwei der unteren Plätze waren belegt.
    Metatron und Seraphiel blickten ihm abwartend entgegen. Ihren Mienen war zu entnehmen, dass sie keine guten Nachrichten für ihn bereithielten, als sie sich langsam von ihren Plätzen erhoben.„Ehrwürdige Fürsten“, setzte Elias zu einer Begrüßung an. „Ihr verlangtet mich zu sprechen.“
    „So ist es“, sagte Metatron und deutete eine knappe Bewegung mit dem Kopf an. „Es gibt einige äußerst beunruhigende Entwicklungen. - Wie steht es um die Irdische?“
    Obwohl Elias Empfindungen nach wie vor unter einer Schicht aus Eis begraben waren, spürte er deutlich die Unruhe in sich aufsteigen, welche die Worte des Fürsten in ihm auslösten.
    Die unheilverheißende Vorahnung, dass die ´beunruhigenden Entwicklungen` etwas mit Emilia zu tun hatten, ließ ihn kurz innehalten.
    „Ihr Zustand ist nach wie vor unverändert“, gab er schließlich zurück. „Sie zeigt keinerlei Auffälligkeiten. Zumindest nichts, was auf eine dämonische Einflussnahme zurückzuführen wäre. Jedoch zehren die Kräfte des Schwertes an ihr und die Isolation setzt ihr mehr und mehr zu. Ein Umstand, den wir womöglich nicht ausreichend bedacht haben.“
    Ihre Isolation garantiert unsere Sicherheit. Und die der gesamten Menschheit“, warf Seraphiel ein. „Ein vergleichsweise kleines Opfer, wenn man die Folgen bedenkt, die es nach sich ziehen würde, wenn sich unsere Befürchtungen bewahrheiten.“
    ... Wenn Dagons macht sie verzehrt und sie von der Finsternis verschluckt wird, präzisierte Elias gedanklich, was der Fürst nur vage angedeutet hatte. Bei der Vorstellung zog sich etwas in ihm zusammen.
    Er fragte sich, was die Oberen seines Reiches tun würden, wenn er versagte – wenn es ihm nicht gelänge Emilias Wandlung zu verhindern. Die Konsequenzen hatte er bislang in die hintere Ecke seines Verstandes verbannt. Doch etwas an der Art, wie Seraphiel ihn nun ansah, ließ ihn erahnen, dass sie ihm nicht gefallen würden.
    „Wie gesagt. Ihr Zustand ist derzeit stabil“, erwiderte er knapp, während er den durchdringenden Blicken der Fürsten standhielt. „Wäret Ihr nun so gütig, mir zu verraten, warum Ihr mich herkommen ließet?“ Das Drängen in seiner Stimme klang fremd in seinen Ohren und doch auf eine Art befreiend. Es war, als durchströme ihn plötzlich eine sonderbare Kraft, der Hauch eines Gefühls nur, der ihn streifte, wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Er versuchte, daran festzuhalten. Für einen Moment ließ die Enge in seiner Brust nach und er glaubte, seit ewigen Zeiten wieder durchatmen zu können.
    Seraphiel schien den Wandel in seinem Verhalten zu bemerken, da er kurz in der Bewegung innehielt und Elias abschätzend anblickte. Dabei sah er aus, als habe er einen alten Bekannten wiedergetroffen, von dem er noch nicht recht wusste, ob er sich über das Wiedersehen wirklich freute.
    „Wie du weißt, melden die Wächter an den Übergängen verstärkte Dämonenaktivitäten“, sagte er dann. „Es bleibt schwierig, die genaue Herkunft zu lokalisieren. Alleine in den vergangenen Stunden ist der Alarm an den Grenzposten zur irdischen Welt so oft angeschlagen, dass wir Mühe hatten, allen Hinweisen nachzugehen.“
    „Die Auffälligkeiten sind inzwischen überall auf der Erde zu verzeichnen“, meldete sich Metatron zu Wort. „Vor Ort jedoch ließen sich keinerlei Spuren finden, die Rückschlüsse zuließen. - Bis jetzt.“
    „Bis jetzt?“ Elias wurde hellhörig. „Heißt das, wir haben eine Spur?“
    „Nun, heute Morgen wurde etwas gefunden...“, setzte Metatron an und deutete auf den Tisch, der ein Stück abseits neben dem Podest stand. Ein dunkles Tuch verdeckte, was sich darauf befand.
    Langsam trat Elias näher. Dann hob er das feine Leinen an und warf einen Blick darunter. Mit erhobener Braue blickte er zu den Fürsten herüber. „Ein menschlicher Arm?“
    „Ja“, bestätigte Metatron. „Bei einer Patrouille fand man ihn im Abwasserkanal in einem Vorort von Marseille. Er hatte sich in einem Sperrgitter verfangen und ist getränkt mit so viel dämonischer Energie, dass sich damit ein gefallener Zyamon wiederbeleben ließe.“
    Elias zog das Tuch nun vollends zur Seite und streckte die flache Hand über das verstümmelte Körperteil. Dieses erhob sich daraufhin und schwebte vor ihm in der Luft, sodass er es aus der Nähe betrachten konnte. Selbst ohne weitreichende pathologische Kenntnisse hinterließ das zerfranste Gewebe mit den heraushängenden Sehnen und den zersplitterten Knochenteilen, die aus der Wunde ragten, ein deutliches Bild.
    Nachdenklich besah Elias die verkohlte Haut und ließ seinen aufmerksamen Blick über die Stelle wandern, an welcher der Arm, vermutlich unter hoher Krafteinwirkung, vom Rest des Körpers getrennt worden war.
    Dann schloss er die Augen. Er versuchte, sich auf den Menschen dahinter zu konzentrieren, dessen Seele zu ergründen.
    Doch es war nur ein trüber, undurchdringlicher Schleier, den er sah. Kein Name. Kein Gesicht. Kein noch so kleiner Anhaltspunkt, der Aufschluss über den irdischen Besitzer gegeben hätte. Genauso gut hätte es sich um den verfaulten Kadaver eines Tieres handeln können.
    „Weiß man, von wem er ist?“, fragte er schließlich und wandte sich wieder den Fürsten zu.
    „Nein. Jemand hat offensichtlich ganze Arbeit geleistet“, meldete sich in dem Moment eine Stimme, die er zunächst nicht zuordnen konnte. Ein Engel, der bislang im Schatten einer der hohen Säulen gestanden hatte, trat hervor.
    Das kurzgeschorene helle Haar gab den Blick auf die Runen preis, die seine Kopfhaut zierten und sich gleichfalls den Hals hinunterzogen, wo sie in dem Kragen seiner weißen Robe verschwanden. Erfüllt von einem stechenden Blau blitzten seine Augen in dem trüben Dämmerlicht hervor wie scharf geschliffene Diamanten.
    Ein Kalamatai.
    Elias war sich nicht sicher, ob er jemals einem dieser Engel begegnet war. Es hieß, sie bewachten das Orakel und waren somit die Wächter über die göttliche Weisheit. Nach allem, was Elias gehört hatte, gab es nur eine Handvoll von ihnen und die Tatsache, dass sie sich so gut wie nie außerhalb der heiligen Hallen zeigten, ließ ihn einen Moment irritiert innehalten.
    „Darf ich erfahren wer Ihr seid?“, fragte er und ließ den Engel nicht aus den Augen, der ihn mit einer Art reserviertem Interesse ansah. Die Kälte, die von ihm ausging, erinnerte Elias an die Kühle, die er selbst in sich trug.
    „Das ist Jehoel“, antwortete Metatron. „Wir haben die Kalamatai in die Ermittlungen einbezogen, da wir hofften, mit ihrer Hilfe könnten wir zu neuen Erkenntnissen kommen.“
    Jehoel schenkte Elias ein kaum wahrnehmbares Nicken, während sich sein durchdringender Blick in ihn hineinbohrte. Eine sonderbare Aura umgab den Engel. Elias glaubte die Energie förmlich spüren zu können, die von ihm ausging. Es war nicht mehr, als die Wahrnehmung eines Lufthauchs, der ihn streifte und ein plötzliches Unbehagen in ihm auslöste.
    Elias reagierte nicht schnell genug und der Versuch sein Innerstes vor den mentalen Schwingungen abzuschotten, die der Kalamatai aussandte, lief ins Leere. Sie drangen in ihn ein, tasteten ihn ab, durchleuchteten ihn.
    Was zum ...?
    Mit Mühe gelang es ihm den Blick abzuwenden. Augenblicklich ließ die Intensität nach und es gelang ihm die Kontrolle über sich zurückzugewinnen. Nur das eiskalte Prickeln, welches sich in ihm eingenistet hatte, klang noch immer in ihm nach.
    Die Kalamatai sind wahre Meister darin, Dinge, die im Verborgenen liegen, ans Tageslicht zu bringen, erinnerte sich Elias. Zwar war er selbst nie Zeuge ihrer außergewöhnlichen Fähigkeiten geworden, doch hatten die Legenden, welche sich um die ´göttlichen Ermittler` rankten, stets ausgereicht, seine Fantasie zu beflügeln.
    Nach allem, was er wusste, bedienten sie sich der magischen Quelle, aus der das Orakel seine Energie bezog- dem unerschöpflichen Brunnen allen Wissens. Ihre mentalen Fähigkeiten überstiegen die ´gewöhnlicher` Engel bei weitem, weshalb es hieß, ein kurzer Blick von ihnen reiche aus, um tief verwurzelte Geheimnisse aufzudecken oder unausgesprochene Wünsche zu erahnen, noch bevor man selbst davon wusste.
    Ihrer Bestimmung folgend stand für die Kalamatai die Wahrheitsfindung über allem anderen, ganz gleich welcher Mittel sie sich hierfür bedienen mussten, weshalb ihre Methoden in der Vergangenheit schon oft kontrovers diskutiert worden waren.
    Absolut linientreu, galten sie als die ´Vollstrecker des himmlischen Gesetzes`, von denen man weder Gnade, noch Güte erwarten konnte, wenn sie einen einmal ins Visier genommen hatten.
    Nachdem, was Elias gerade erlebt hatte, verspürte er keinen Zweifel daran, dass dem wirklich so war.„Gehört das Durchleuchten unserer eigenen Leute inzwischen auch zu der ´Gewinnung neuer Erkenntnisse`?“, fragte er nun gerade heraus und bemerkte wie sich die Mienen seiner Zuhörer verdunkelten.
    „Der Weg zur Wahrheit verläuft weder geradlinig, noch unbeschwerlich“, belehrte Metatron ihn. „Jeder von uns wird seinen Teil beitragen müssen. Dazu gehört auch die bedingungslose Zusammenarbeit mit den Kalamatai.“
    Zusammenarbeit...
    Irgendetwas in Elias regte sich und er kam zu dem Schluss, dass laut seines Verständnisses eine ´Zusammenarbeit` auf gegenseitigem Einverständnis beruhte und nicht darauf, dass jemand unaufgefordert in seinen Geist einzudringen versuchte.
    Die verständnislosen Blicke, mit denen ihn die drei Engel bedachten, riefen ihm in Erinnerung, dass er sich schon früher an diesen Dingen gestoßen hatte.
    Trotzdem drang das Gefühl nicht zu ihm durch. Es ließ sich nicht fassen, so sehr er sich auch darum bemühte, es festzuhalten.
    Als gehe es ihn nicht wirklich etwas an, nahm eine reservierte Gleichgültigkeit von ihm Besitz, die jeden missbilligenden Gedanken im Keim erstickte.
    Reglos stand er da und ließ den Moment verstreichen, der ihn hinab zog in die Tiefe, ihn in eine Schicht von erkaltetem Wachs hüllte.
    Starr ... und unberührt ...

    Hier geht`s weiter:

    Rainbow
    2. April 2024 um 21:09

    Danke, liebe Dinteyra für dein Feedback. :danke:

    Dinteyra

    wobei die Geschichte eine andere Richtung nimmt, als ich erwartet hatte. Auch wenn ich keine konkreten Erwartungen hatte.

    Ist das nicht irgendwie ein Widerspruch in sich? :rofl:

    Ich finde es wirklich schade, dass Elias so distanziert auftritt und nicht mal merkt, wie sehr er Emilia damit verletzt. Da fragt man sich, ob in Wirklichkeit er derjenige ist, der von einer dunklen Macht besessen wurde und deshalb sein Einfühlungsvermögen verloren hat.

    Ja, ich denke, es war von mir so gewollt, dass man mit Emilia leidet und diesen Kummer, den sie erfährt, am eigenen Leibe spürt :) Für mich war das wichtig, da ich eine Kluft zwischen den beiden schaffen wollte/musste. Der Grund für seine Veränderung wurde ja bislang nur angedeutet, wird aber hoffentlich im weiteren Verlauf noch deutlicher werden. Ich dachte ja, dass seine Veränderung von der Verletzung herrührt... zum einen wurde er von diesem Holzbalken aufgespießt, als er vom Kirchendach gestürzt ist und zum anderen wurde er ja quasi von der gleichen Verletzung gezeichnet wie Emilia und Dagon. Ich fand es angebracht, dass das auch an ihm nicht spurlos vorbeigehen darf. :hmm: Aber vielleicht tröstet es dich ja, dass er wieder der Alte werden wird. Nach und nach.

    Eine kleine Ungereimtheit ist mir aufgefallen: Emilia bietet Elias an, sich zu setzen, aber die einzige Sitzgelegenheit ist das nicht gemachte Bett. Sie besitzt jedoch auch einen Schreibtisch, an dem sie zeichnet. Müsste dort nicht auch ein Stuhl sein?

    Ja, es gibt einen Stuhl, aber ich meine, irgendwo erwähnt zu haben, dass der vom Klamotten behangen ist. :hmm: Emilia hat ja ein ganz schönes Chaos in ihrem Zimmer veranstaltet. Ich schaue aber nochmal nach. Wenn das nicht deutlich wird, muss ich das auf jeden Fall noch besser rausarbeiten.

    Ich werde dann mal weiter lesen und melde mich wenn ich fertig bin, es sei denn mir fällt vorher noch etwas auf.

    Ich danke dir. Viel hast du ja jetzt nicht mehr :)

    LG

    Rainbow

    Lieben Dank, Novize für dein Feedback :danke:

    Novize

    Nachdem ich jetzt ein bisschen mehr gelesen habe, kann ich sagen, dass ich nicht nur den Plot und die Charaktere sehr faszinierend finde, sondern dass ich auch die Beschreibung der Stimmung sehr genieße.

    Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr mich das freut. :)

    Auch wenn ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, kann ich der Handlung weiter gut folgen.

    Das finde ich in der Tat faszinierend. Ich hatte so meine Zweifel, ob man in die Geschichte ohne weiteres hineinfindet. Super, wenn das für dich funktioniert hat.

    Ich denke im groben kommt man schon ganz gut mit, wie sich z.B. die Welt der Engel von der der Menschen unterscheidet. Schwieriger wird es schon wenn es um die Fähigkeiten der einzelnen Charaktere einschätzen will. Da habe ich mich z.B. zwischendurch gefragt, als Emilia ein paar Engel durch einen Türspalt belauscht hat: was sind das denn bitte für Engel, die sich von Menschen bei einem vertraulichen Gespräch belauschen lassen? Aber um das in seiner Sinnhaftigkeit beurteilen zu können müsste ich tatsächlich wissen, welche Fähigkeiten Engel im Vergleich zu Menschen haben oder wo sie vielleicht auch im Nachteile gegenüber den Menschen sind.

    Hm. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich das in den ersten beiden Bänden so ausführlich beschrieben habe. Zumindest fiele mir jetzt auf Anhieb kein "Kapitel" ein, das ich dir empfehlen könnte. Doch, vielleicht ... wenn ich so genau darüber nachdenke. Vielleicht die Flucht durch die Kanalisation am Ende von Band 2 ... oder das Ritual, in dem Elias Emilia im ersten Band mit einer Art "Schutzzauber" versieht und dann sein Energiewesen heraufbeschwört-den Menturos. Da wird zumindest deutlich, welcher Art von Magie sich die Engel bedienen :hmm: Ansonsten gibt es natürlich hier und da immer wieder Hinweise, aber die will ich hier jetzt nicht alle verlinken. Also hier nur zwei Beispiele:

    Band I Kapitel 22.1

    Band I Kapitel 22.2

    Band II Kapitel 24

    Band II Kapitel 24.1

    Dass Emilia in der Lage ist, die Engel zu belauschen, finde ich jetzt nicht so ungewöhnlich. Abgesehen davon brauchte ich diese Szene :rofl:... wäre jetzt irgendwie doof gewesen, wenn Elias und Micah sich in Schweigen gehüllt hätten. Ich hoffe natürlich dennoch, dass das jetzt nicht total bitte aufstößt beim Lesen.

    Der ist wirklich toll. Die Sprache ist reich gefüllt mit Bildern und Metaphern und die Gefühlswelt der Charaktere wird eindrucksvoll beschrieben

    Danke. Ich bin eine hoffnungslos emotionale Schreiberin :pardon: Es freut mich, wenn man in die Gefühlswelt der Charaktere eintauchen kann und sie nachvollziehbar bleiben.

    Was ich mich da einzig frage ist, ob du da noch genug Luft nach oben für die großen Höhepunkte der Geschichte hast. Aber da lasse ich mich mal überraschen

    Ich habe noch ziemlich viel vor und meine Ideen sprudeln quasi über. Wenn mein Plan aufgeht, wird das noch richtig geil und ich bin mir fast sicher, dass (wenn ich irgendwann mal die Zeit und die Ruhe finden sollte, mein Werk zu vollenden), genug Luft nach oben bleiben wird, um die richtig coolen Szenen zu schreiben, die mir gerade im Kopf herumfleuchen. :D

    Ich danke dir vielmals, dass du dich durch diesen ganzen Text gelesen hat. Dein Feedback motiviert mich, daran weiterzuarbeiten. Im Moment fehlt mir halt leider die Zeit, was ich sehr schade finde. Aber ich bleibe am Ball und hoffe, demnächst vielleicht auch mal wieder etwas abliefern zu können. :)

    Danke auch noch an dich Sensenbach für deinen letzten Kommi. :danke: Ich war zuletzt gar nicht mehr darauf eingegangen. Sorry.

    Ich bin gerade noch dabei, mich neu zusortieren und ich merke, dieser dritte Band ist doch um einiges komplexer, als die anderen beiden vorherigen. Aber ich versuche dranzubleiben.

    Danke euch allen noch einmal für eure tolle Unterstützung bis hierher Thorsten  Kirisha  Sensenbach  LadyK  Etiam  Alexander2213  Dinteyra  Rippersteak und wen ich sonst noch vergessen habe. Ohne euch wäre ich niemals so weit gekommen <3