Beiträge von Rainbow

    Hey Kirisha ,


    ja, ich glaube, das gefällt mir so im Großen und Ganzen schon ganz gut. Das Szenario, das du hier schilderst hat mich zumindest mitgerissen.

    Dass Turris sich verändert, scheinbar mit dem Wassergeistern sympathisiert und sie sogar befehligt, seine Machtdemonstration, indem er diese riesen Welle erschafft...Murissas verzweifelte Flucht und ihre Gedanken dabei. Jepp, das war gut! :thumbsup:


    Dass sie abhaut so schnell sie kann, finde ich total nachvollziehbar. Wobei ich mich frage, warum er sie entkommen lässt. Ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber eventuell könnte sowas wie ein Wassergeschoss in ihre Richtung platschen...irgendwas, das ihr um ein Haar den Weg abschneidet oder sowas...damit man das Gefühl hat, er versucht es wenigstens. Muss aber nicht. Im Grunde funktioniert es auch so, schließlich hat er ja auch alle Hände voll zu tun, um die Hexen in Schach zu halten.


    Hier noch Kleinkram:

    „Wir sind wir am Ende der Märchenstunde angelangt.

    Ich glaub, hier stimmt was nicht


    Also würde ich sagen, es ist Zahltag und dann gehen wir alle wieder nach Hause.“

    Herrlich pragmatisch! :rofl:


    Mein Herz hammerte wie wild.

    hämmerte (?) Ich habe weiter unten gesehen, dass du noch mal hammerte geschrieben hattes. Scheint also beabsichtigt gewesen zu sein. Ich hätte zu "hämmerte" tendiert


    Sämtliche Meereskreaturen begannen ihn zu umhüpfen.

    umhüpfen klingt seltsam für mich... mehr lustig.


    Auch wenn mir verflixt das Gewissen schlug dafür,

    den Ausspruch kenne ich so nicht



    War das nicht exakt so, wie Turris eben ausgesehen hatte?

    Entsprach das nicht genau dem Bild, das Turris soeben abgegeben hatte... (nur so ein Vorschlag)



    Ich war wohl eher die Einzige aus unserer Truppe, die überhaupt keine Fähigkeiten hatte außer der, zu lügen wie ein Kobold, zu klauen wie eine Elster und ansonsten allen wie ein Klotz am Bein zu hängen.

    :rofl:


    Bin gespannt, wie es weitergeht :gamer:


    LG,

    Rainbow

    Hey Charon,


    ich habe auch mal reingelesen :)

    Also ingesamt gefällt mir das schon ganz gut. Einige der Dinge, die mir aufgefallen waren, haben die anderen zum Teil schon angesprochen.

    Zum einen diese sehr übertriebene Dartsellungsweise von Samuels ... ähm, ich nenne es mal "stiefkindlichem Dasein". Das war schon harter Tobak ... also diese Schikanen von Eldon und die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit mit dem falsch vermessenen Feld...dann die harte Strafe durch die Auspeitschung des Vaters und zu guter Letzt diese "Ober-Arschloch-Aktion" von Eldon, die in der Tötung des Katers endete. Da hast du echt so ziemlich alle schrecklichen Dinge zusammengeschmissen und auf wenige Seiten verteilt.

    Ja, das kann man so machen...aber es wirkt dadurch schon auch sehr überzeichnet. :hmm:

    Vor allem, weil sich mir die Frage aufgedrängt hat, warum zum Teufel der Vater und auch Eldon sich trauen, Samuel derart zu schikanieren und ihn zu bestrafen. Nach der letzten Aktion, als die Tiere alle getötet worden waren und der halbe Hof abgefackelt worden war, müssten sie eigentlich mit mehr Ehrfurcht agieren und ihm Respekt zollen, statt ihn permanent bis aufs Blut zu reizen, oder? Vielleicht kapier ich da jetzt auch irgendwas nicht, aber für mich ist ihr Verhalten nicht ganz nachvollziehbar.


    Anfangs war mir ansonsten noch aufgefallen, dass Samuel all seine Gedanken laut ausspricht, was mir etwas seltsam vorkam. Na schön, er ist alleine und spricht sonst nur mit der Katze, aber dennoch weiß ich nicht, ob man zu so einem Verhalten übergehen würde. :hmm:

    Alternativ kann man ja Gedanken auch über die kursive Schrift darstellen..aber ich glaube, das hast du inzwischen auch ansatzweise schon umgesetzt.


    Die Beziehung zu der Katze hast du, ganz nebenbei bemerkt, übrigens sehr schön beschrieben. Nur die Sache mit dem Skelett bleibt mir noch ein Rätsel, aber das ist wahrscheinlich von dir auch so gewollt.


    Ansonsten haben mir die Teile zum Ende hin immer besser gefallen. Vor allem das Erscheinen des Mannes, der das Portal öffnet und Samuel mitnehmen möchte, lässt die Spannungskurze ordentlich ansteigen. Man hat das Gefühl, dass die Story jetzt erst wirklich beginnt. ^^ (Dennoch könntest du dir später, im Rahmen einer eventuellen Überarbeitung überlegen, ob du dem Anfang nicht doch etwas mehr Zeit zuwenden möchstest. Es wirkt alles schon sehr stark komprimiert und so, als wolltest du den Leser auf die Schnelle mit der Nase darauf stoßen, wie schrecklich Samuels Leben ist. Ich denke, es könnte hier und da etwas subtiler sein ... ist aber vielleicht auch Geschmacksache.)


    Ansonsten bin ich gespannt, wie es weitergeht. :gamer:Ich versuche, dranzubleiben....


    LG,

    Rainbow

    Vielen lieben Dank an euch alle für eure tollen Kommentare. Hier kommt mein Feedback zu eurem Feedback:







    Hey KiddelFee,


    Gratulation zur Fertistellung! Ich finde es faszinierend, dass du es geschafft hast, das binnen so kurzer Zeit einfach runterzuschreiben und wenn ich da an mich und meine Geschichte denke, weiß ich nur zu gut, wie viel da letztlich noch nachbearbeitet wird. Im Grunde hast du hier schon ein supergeiles Grundgerüst abgeliefert. Natürlich kann das jetzt noch nicht 100%ig perfekt sein. Aber du bist schon ziemlich nah dran.

    Also tief durchatmen, den Moment genießen und dann ran an den Feinschliff :)


    Alles Weitere packe ich mal wegen Spoilergefahr ein:



    LG,

    Rainbow

    Hey Kirisha ,


    keine Ahnung warum, aber mein Internet funktioniert gerade nicht, weshalb ich auf dem Handy tippen muss.


    Also, insgesamt gefällt mir das so schon ganz gut. Wie Murissas Lügenkonstrukt zusammen bricht und dann Turris Enttäuschung ... das kommt gut rüber.


    Ich habe mich an der Stelle nur gefragt, was hier gerade mit Turris passiert. Kämpft er gegen irgendwas an und verliert den Kampf, als er sich los reißt und mit seiner Strahlung auf die anderen zu eilt. Oder checkt er das einfach nicht, wie gefährlich er für die anderen ist, oder ist es ihm vielleicht egal?


    Wahrscheinlich wird sich das noch klären, aber das waren halt so Gedanken, die mir beim Lesen kamen.


    Und wenn ich es mir jetzt so recht überlege: dafür, dass Murissa so wichtig für die gesamte Mission ist, hat sich Turris aber auch ganz schön naiv verhalten. Eigentlich hätte er schon viel früher mal überprüfen müssen, ob Murissa tatsächlich kann, was sie verspricht. Obwohl es natürlich kein Wasser gab... aber trotzdem... rückblickend betrachtet, hat er sich ganz schön leicht blenden lassen. Zwischendurch dachte ich sogar mal, dass er es vielleicht sogar weiß oder zumindest ahnt, dass Murissa nicht die ist, für die sie sich ausgibt und er eigentlich ganz andere Pläne mit ihr verfolgt. Aber so, wie sich das jetzt liest, war er offenbar doch ziemlich von ihr überzeugt :hmm:


    Nun denn. Mal abwarten, was die jetzt machen werden :gamer:


    Irgendwie muss es ja weitergehen... Entweder Murissa bekommt unerwartet die Kurve ( mit Hilfe der Hexe oder weil sie plötzlich doch irgendwas Magisches an sich hat) oder Turris wird sich einen anderen Weg überlegen. Bin schon sehr gespannt!


    LG,

    Rainbow

    Sensenbach , Thorsten , Kirisha , LadyK , Alexander2213


    Vielen Dank für euer Feedback. Dieses 16. Kapitel gehört nicht gerade zu meinen liebsten, wenn ich ehrlich bin. Als ich es neulich nach ewigen Zeiten wieder las, musste ich zuerst die Hände überm Kopf zusammenschlagen. Ich stand schon kurz davor, das alles zu löschen und es komplett neu zu schreiben, aber dann kam wieder die Nostalgikerin in mir durch und ich dachte, ich könnte es vielleicht hinbekommen durch ein bisschen "feilen" und "nachjustieren" doch noch was da rauszuholen :pardon:


    Wenn es jetzt also im Großen und Ganzen für euch einigermaßen annehmbar und verträglich ist, bin ich schon zufrieden. ^^ Was mich eigentlich am meisten gestört hat, war die Tatsache, dass es an der Stelle etwas plätschert, obwohl eigentlich Tempo rein müsste. Aber es war mir wichtig noch ein paar Infos fließen zu lassen und die Ruhe vor dem Sturm aufzubauen, bevor es dann im nächsten Teil endlich knallt.


    Na ja,... genug gelabert. ich zeig euch mal, wie`s weitergeht. (Ist vielleicht ein blöder Cut gewesen, weshalb man eventuell den vorherigen letzten Abschnitt noch mal nachlesen muss...)



    Kapitel 16.2


    „Elias hat recht“, sagte Jesaja schließlich. „Dagon ist kein gewöhnlicher Dämon. Den größten Teil seiner bisherigen Existenz hat er als Engel zugebracht – als einer von uns. Er hat Gott und den Menschen gedient, bevor er in Ungnade fiel und in die ewige Finsternis stürzte, was ihn schließlich zu einem ´Gefallenen` machte.“
    „Würde mich echt mal interessieren, was man tun muss, um bei Gott in Ungnade zu fallen“, schnaufte Freddy, bevor ihm klar wurde, dass er die Frage laut ausgesprochen hatte und alle Blicke in seine Richtung gewandert waren. „Ich meine ja nur, … ähm ... wegen der ´ewigen Finsternis` und so…“ Er räusperte sich und verschränkte schließlich die Arme vor der Brust, als habe er kurzzeitig beschlossen, seine Gedanken doch lieber für sich zu behalten.
    „Nun…“, Jesaja musterte Freddy einen Augenblick kritisch, bevor er sich wieder den anderen zuwandte und schließlich fortfuhr, „…wenn es stimmt, was ich den alten Überlieferungen entnehmen konnte, dann war Dagon einst ein Schutzengel und obwohl das jetzt vielleicht seltsam klingen mag, so war es seine Bestimmung, über die Menschen zu wachen.“ Die Ellenbogen auf die Knie gestützt beugte er sich nach vorne und verschränkte die Finger ineinander. „Bis zu dem Tage, da er die Sinnhaftigkeit seines Daseins in Frage stellte und meinte, ohne direkte Einflussnahme sei die Anwesenheit der Engel in der Welt der Menschen überflüssig. Er warf Gott Heuchelei vor und dass er sich an dem Leiden der Irdischen ergötzen würde.“ Jesajas Brauen hoben sich, als er einen tiefen Atemzug nahm und sein Blick zu Elias schwenkte. „Er stellte ihn schließlich vor die Wahl, die Befugnisse der Engel zu erweitern oder dem allen ein Ende zu setzen. Das war, wie man sich nur unschwer denken kann, sowas wie eine persönliche Kriegserklärung!“
    Elias kniff nachdenklich die Augen zusammen und runzelte die Stirn. Dieser Teil der Geschichte war auch für ihn neu und ließ Dagon in einem völlig anderen Licht erscheinen.
    Unweigerlich drängte sich ihm die Frage auf, wie jemand, der ursprünglich gute Absichten verfolgt hatte und ganz offensichtlich ein Freund der Menschen gewesen war, plötzlich völlig gegensätzliche Ziele verfolgen und deren Vernichtung einfordern konnte.
    Der Wunsch nach mehr Handlungsspielraum war durchaus nachvollziehbar und das Bestreben, den Menschen helfen zu wollen, konnte obendrein als ehrbare Absichten ausgelegt werden.
    Wie war beides zu vereinbaren mit Eigenschaften wie Rachsucht und blinder Zerstörungswut?
    Ein leiser Verdacht schlich sich in Elias` Gedanken. Es war nur eine vage Vermutung, doch fügten sich die Bilder wie von selbst in seinem Geist zusammen, ohne, dass er etwas dagegen hätte unternehmen können.
    Schließlich war ihm sein eigenes Aufeinandertreffen mit den Fürsten noch derart präsent, dass es ihm nicht sonderlich schwerfiel, sich auszumalen, wie Dagons ´revolutionäres Gedankengut` von ihnen aufgenommen worden war und mit welch kühler Überheblichkeit sie ihn mit seinem Anliegen hatten auflaufen lassen.
    Elias sah Metatron und Seraphiel förmlich vor sich, wie sie in gleichmütiger Ignoranz die Köpfe schüttelten, und sich auf den allseits bekannten Leitsatz beriefen, mit dem das selbstbestimmte Handeln der Irdischen über jede himmlische Einflussnahme gestellt wurde.
    Ein Totschlagargument, wenn man so wollte. Und Elias wusste, wie gut man daran tat, derartige Gesetze nicht zu hinterfragen-zumindest, wenn man nicht öffentlich des frevelhaften Ungehorsams bezichtigt werden wollte.
    Auch wenn sich jetzt gerade etwas änderte und man in den höheren Sphären anfing, in andere Richtungen zu denken, hatte die konservative Führung welche über Tausende von Jahren das Reich geprägt hatte, tiefe Spuren hinterlassen.
    Zwangsläufig stiegen die Erinnerungen in ihm hoch, die ihm vor Augen führten, wie oft er selbst am Rande des Abgrunds gewandelt war, weil er gegen veraltete Vorschriften verstoßen oder sinnlose Befehle verweigert hatte.
    Wie oft war er genötigt worden, sich ermüdende Beleherungen anzuhören, auf dem Boden knieend und in ehrfürchtiger Haltung ein ´Ich gelobe, die himmlische Ordnung fortan zu achten` herauszupressen, während er die Fäuste geballt und die Zähne zusammengebissen hatte.
    Mehr als einmal hatte er die Fürsten während dieser, ´der Läuterung dienenden Sanktionsmaßnahmen`, für ihre Starrsinnigkeit verwünscht, mit welcher sie auf die himmlische Ordnung schworen, und jeden aufkommenden Zweifel daran bereits im Keim zu ersticken versucht hatten.
    Dagons hilflosen Zorn, den er damals empfunden haben musste und seine Enttäuschung darüber, dass man ihm kein Gehör geschenkt hatte, konnte Elias deshalb nur zu gut nachvollziehen.
    Aber ließ sich damit auch sein Verhalten rechtfertigen? Und entschuldigte es die Grausamkeiten, die der Dämon nach seinem Fall heraufbeschworen hatte?
    Gegen ein marodes System aufzubegehren und sich für Neuerungen einzusetzen war die eine Sache, wie Elias fand. Den Schöpfer höchstpersönlich herauszufordern, um einen weltenübergreifenden Krieg anzuzetteln, war die andere.
    Es beschlich ihn das beunruhigende Gefühl noch nicht über alles im Bilde zu sein, was die damaligen Ereignisse betraf und er fragte sich, ob sich die Gelegenheit bieten würde, Dagon beizeiten selbst darauf anzusprechen.
    Wohl kaum! Schließlich erwarteten die Fürsten seinen Kopf auf einem Silbertablett serviert zu bekommen.
    Womöglich war aber gerade das der Grund, warum es Sinn machte, beide Seiten dieser Geschichte zu hören.
    „Irgendwie ist das doch paradox“, unterbrach Freddy in dem Moment seine Gedanken. „Dagon hat damals eingefordert, dass die Engel aktiv in das Leben der Menschen eingreifen dürfen, was aber abgelehnt wurde. Und heute seid ihr aufgrund der Bedrohung, die von ihm ausgeht soweit, genau das zu tun. Ihr werdet sogar noch einen Schritt weitergehen, indem ihr eure Existenz offenlegen und Seite an Seite mit den Menschen kämpfen werdet. Das … das ist doch verrückt, oder?“ Die nüchterne Betrachtungseise, mit welcher der Irdische die Fakten analysiert und schließlich exakt auf den Punkt gebracht hatte, entlockte Elias ein müdes Schnaufen.
    „Ja. Du hast völlig recht“, versuchte er nun zu einer Erklärung anzusetzen. „Aber besondere Umstände erfordern nun mal besondere Maßnahmen. Nun, da der Fortbestand der irdischen Welt und des himmlischen Reiches auf dem Spiel steht, müssen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, damit Dagon nicht die Oberhand gewinnen und die Herrschaft über das gesamte Universum übernehmen kann.“ Seine Augen wanderten zu Freddy, Susan und Nils. „Es war nie Gottes Absicht, die Engel aktiv in die Lebensverläufe der Menschen eingreifen zu lassen. Er hat euch etwas ganz Besonderes gegeben: Den freien Willen! Es steht euch insofern frei, euch für das Gute oder das Böse zu entscheiden. Eine göttliche Einflussnahme würde euch zu Marionetten zu machen und euch jeglicher Entscheidungsfreiheit berauben. Dagon hat das damals anscheinend nicht verstehen können.“
    „Mhh...“, erwiderte Freddy, und presste die Lippen aufeinander, während er Elias` Blick standhielt. In den Augen des jungen Mannes glaubte Elias deutlich erkennen zu können, dass er es ebenfalls nicht verstand.
    In der Tat, so dachte Elias, war es schwierig, den Menschen den tieferen Sinn himmlischer Enthaltsamkeit zu erklären, ohne die Engel als teilnahmslose Statisten dastehen zu lassen, die an den Schicksalen der Menschen keinerlei Anstoß nahmen.
    Wenn er ehrlich war, musste er zugeben, dass dieses Thema von ihm in der Vergangenheit nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit hinterfragt worden war.
    Es hatte schlicht und ergreifend keine Menschen gegeben, die ihm wichtig genug gewesen wären, als dass er sich darüber den Kopf hätte zerbrechen müssen.
    Das war nun anders!
    Alleine die Vorstellung Emilia nicht helfen zu können, wenn sie ihn brauchte, oder zusehen zu müssen, wie Freddy etwas zustieße, obwohl es ihn nicht mehr als ein Fingerschnippen kostete das drohende Unheil abzuwenden, ließ ihn an seiner Selbstbeherrschung zweifeln.
    Wahrscheinlich konnte er von Glück reden, dass er seine Bestimmung im himmlischen Heer gefunden hatte und nicht als Schutzengel eingesetzt worden war. Andernfalls, da war er sich ziemlich sicher, hätte er wahrscheinlich eine Audienz nach der anderen bei den Fürsten gehabt und seine Akte wäre garantiert um einiges dicker, als sie es ohnehin schon war.
    „Hört zu“, mischte sich Jesaja schließlich ein. „Leider bleibt uns nicht mehr genug Zeit, um das große Ganze zu hinterfragen. Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle. Das ist auch der Grund dafür, warum Erzengel Michael uns umgehend die Übergänge hat passieren lassen…“ Mit ernster Miene sah er Elias an, der Jesaja inzwischen gut genug kannte, als dass er die innere Anspannung seines Freundes förmlich spüren konnte.
    „Was ist geschehen?“, fragte er und spürte, wie sich eine düstere Vorahnung in ihm ausbreitete.
    „Nun, um es kurz zu machen: Die Wächter, die Maruth beschatten sollten, beobachteten ihn dabei, wie er ins Waffenlager einzudringen versuchte. Offenbar hatte er vor, die Siegel zu brechen und die Schilde zu deaktivieren.“
    „Er hat…?“, setzte Elias an, bevor er die Augen schloss und den Kopf schüttelte. Hörbar atmete er aus und sah Jesaja fassungslos an. „Das hätte bedeutet, dass der Großteil unserer Waffen mit einem Schlag unbrauchbar gewesen wäre“, brachte er hervor und spürte, wie es ihn bei der Vorstellung erschaudern ließ.
    „Ja“, bestätigte Jesaja mit einem Nicken. „Umso besser, dass wir ihn daran hindern konnten. Allerdings sind die Wachen anschließend nicht weit mit ihm gekommen. Bei dem Versuch, ihn in Sicherheitsverwahrung zu nehmen konnte er fliehen. Er … er hatte Unterstützung…“ Ein dunkler Schatten schob sich über Jesajas Züge und seine türkisfarbenen Augen, die sonst vor überschüssiger Energie nur so funkelten, wirkten trübe und abgekämpft „Es waren Engel aus allen Hierarchieebenen, die sich ihm urplötzlich angeschlossen haben. Offensichtlich hatten sie keinerlei Befehl, uns direkt anzugreifen. So haben sie lediglich die Wächter an den Übergängen überrannt und sind mit Maruth geflohen. Wahrscheinlich werden sie in einer von Dagons Zwischenwelten Unterschlupf suchen, bis sie sich mit seinem Heer vereinen…“
    „Dann werden wir in den nächsten Stunden mit einer Gegenoffensive rechnen müssen“, presste Elias hervor, während er Micah einen beunruhigten Blick zuwarf. Die Tatsache, dass sich das ursprünglich erhoffte Zeitfenster von drei Tagen binnen weniger Augenblicke in Luft aufgelöst hatte und es auf der Stelle ernst werden konnte, zerrte an seinem ohnehin schon dünnen Nervenkostüm.
    „Elias, du hättest sehen sollen, wie viele es waren“, setzte Jesaja kopfschüttelnd und voller abgrundtiefer Enttäuschung nach. „Einige kannte ich noch von meiner Zeit an der Akademie. Wir haben damals gemeinsam die letzte Weihe empfangen und während der Abschluss-Zeremonie feierlich geschworen, jegliches Unheil von den Menschen abwenden zu wollen. Kaum zu glauben, dass sie sich nun der dunklen Seite verschrieben haben.“ Er seufzte. „Auch im himmlischen Heer gab es Unmengen an Überläufern. Garantiert wirst du den einen oder anderen kennen.“ Hörbar ließ er die Luft ausströmen, während er Elias fassungslos ansah, der die Lippen aufeinander presste und ihm stumm zunickte.
    „Jeder Krieg zieht Verluste nach sich und zwar für alle Beteiligten“, sagte dieser schließlich nüchtern aber mit traurigem Unterton. „Das war so und das wird auch immer so sein! Dies werden nicht die letzten Freunde sein, deren Verlust wir am Ende zu betrauern haben.“ Sein Blick schweifte über die aus Engeln und Menschen zusammen gewürfelte Truppe. Ob er es wollte oder nicht, stellte dieser bunt zusammengewürfelte Haufen derweil seine Einheit dar.
    Der Gedanke, auch nur einen von ihnen zu verlieren, weil er im entschiedenen Moment nicht würde zur Stelle sein können, ließ ihn erschaudern und hinterließ ein beunruhigendes Gefühl tiefer Besorgnis.

    Hey Kirisha,

    Meine Idee war eigentlich, dass Penthesilea mit dem Herbeirufen der Göttin nicht wirklich die Göttin zur Rede stellen oder irgendwas besprechen will - sie weiß, die Göttin hat den Auftrag gegeben und der ist nicht zu diskutieren. Sie will das nur dem Heer demonstrieren, um dem Heer nochmal vor Augen zu rufen, dass das ein göttlicher Auftrag ist, den man auszuführen hat, damit das Gemurre aufhört. Sie ruft quasi die Göttin an, damit die den Befehl vor dem Heer nochmal wiederholt. Was sie dann ja auch macht.

    Ja, okay. Dann ist ihre Intention, dass die Göttin kommt, um quasi die Moral der Truppe aus dem Keller zu holen...das wäre zumindest nachvollziehbar.Aber das WIE gefällt mir hier nicht so gut, weil es so nebenbei passiert. Es wird so kurz abgehandelt, weshalb es mehr nebensächlich erscheint. Ach, ich weiß auch nicht, wie ich das beschreiben soll...vielleicht könnte man es etwas mehr ausformulieren...es zumindest ein bisschen magischer darstellen, mit ein wenig mehr Ehrfurcht? :hmm: (nur so Ideen...du kannst es auch so lassen. Ist vielleicht auch nur mein persönliches Problem ^^)

    Den „Verwandler“ vom Basar hatte ich dummerweise schon gegen den Drachen verballert.

    das "verballert" kommt mir hier eine Spur zu umgangssprachlich vor. ... vielleicht "eingesetzt"...(?)

    Wasser, soweit das Auge reichte und darüber Nebel bis zum Himmelsende.

    Das hier beschreibt kurz und knapp in einem Satz, was du daraufhin noch einmal ausführlicher beschreibst:

    Ein Ende des Wassers war weder zu den Seiten zu erkennen, wo sich der blaue Streifen bis in die Unendlichkeit hin zog, noch am Horizont. Denn hinter diesem erhob sich dichter, unwirklich aussehender Nebel, der den ganzen Himmel bedeckte.

    ... aber im Grunde kommt beides aufs Gleiche raus. :hmm:


    Nämlich um die Landesgrenze. Das war nicht einfach eine kleine Mauer. Sondern es handelte sich um eine Art ... Unendlichkeit. Eine unsichtbare Unendlichkeit zu beiden Seiten und nach oben. Die vollkommen aus Magie bestand.

    Das finde ich sehr interessant. Darüber hätte ich gerne etwas mehr erfahren. Wenn sie von Unendlichkeit spricht, dann assoziiere ich damit irgendwie sowas wie das Weltall...das grenzt aber nicht an ein Land, sondern befindet sich üblicherweise quasi rings um den gesamten Planeten. Offenbar hast du dir da aber was anderes überlegt. Die Idee finde ich ganz cool...da setzen bei mir gleich tausend Gedanken ein...


    Sie schlug nur ein paar Meter entfernt oben in den Nebel ein und blieb dort, hoch über unseren Köpfen, im wolkigen Nirgendwo stecken. Es hallte laut, als ob ein Stein auf einen tiefgefrorenen See aufprallt. Ein ohrenbetäubendes Zischen erklang, unter dem sämtliche Flammen erstickten. Der Stiel der Waffe verfärbte sich schwarz und zersprang in tausend Stücke.

    Okay, das kann ich mir nicht so gut vorstellen. Das Ding schlägt in den Nebel ein, würde bedeuten, es wird von ihm verschlungen oder eingehüllt...dann könnte man aber sehr wahrscheinlich nicht mehr sehen, was genau da jetzt passiert. Oder? :hmm:


    Hilfe! Hilfe! Hatte dieser Alptraum kein Ende?

    Ist vielleicht ein bisschen Geschmacksache, aber ich muss bei solchen gedanklichen Ausrufen immer an eine Art Comic denken ... vor allem das "Hilfe! Hilfe!" kommt mir seltsam vor, weil man das, glaube ich, nicht denken würde. Es wirkt ein bisschen aufgesetzt für mich an der Stelle. :hmm:


    „Ach du Scheiße“, keuchte Wisha. „Lasst uns abhauen, schnell!“

    Den Ausruf finde ich etwas zu modern. Hatten wir, glaube ich, schon ein paar mal. Irgendein anderer Hexenfluch wäre glaube ich cooler.


    Ich hatte mich schon die ganze Zeit gefragt, wo Turris steckt. Die Hexen veranstalten da quasi einen Eiertanz und auch Murissa will sich schon waghalsig in die Fluten stürzen, ohne, dass mal einer abwartet, was überhaupt Sache ist oder Turris irgendeinen Befehl gegeben hätte. Vielleicht könnte sich Murissa zu Anfang wenigstens mal kurz fragen, wo er steckt? Oder Turris könnte auch nach ihrer Ankunft erst mal sagen: Wartet hier! Ich bin gleich zurück!...oder sowas, damit er zumindest mal kurz in Erscheinung tritt. :hmm: (nur so vom Gefühl)


    Ansonsten bin ich natürlich tierisch gespannt, was es mit dieser magischen Grenze auf sich hat und wie sie es schafen wollen, das Hindernis zu überwinden :gamer:


    LG,

    Rainbow

    Hey Kiddel Fee,



    LG,

    Rainbow

    Ein frohes neues Jahr wünsche ich euch allen und mache auch gleich mal mit dem nächsten Teil weiter.  ^^


    Kapitel 16.1


    „Eli, schau, wer hier ist“, hörte er Micahs Stimme wie aus weiter Ferne und wandte sich träge zu ihm um. So musste sich ein alter Mann fühlen, schoss es ihm in den Kopf. Als hingen Gewichte an ihm, die ihm jede Bewegung erschwerten, hielt er sich mühsam auf den Beinen und streckte hilfesuchend seine Hand nach Micah aus.
    „Was ist mit dir?“, fragte dieser besorgt und legte ihm stützend den Arm um.
    „Keine Ahnung“, stieß Elias keuchend hervor. „Ich glaube, es ist irgendetwas mit Emilia. Ich … ich habe sie gesehen.“ Er rang nach Luft und ein schwerer Hustenanfall zwang ihn in die Knie, sodass Micah Mühe hatte, ihn aufrechtzuhalten. „Micah, sie stirbt!“, krächzte Elias verzweifelt und klammerte sich an seinem Freund fest. „Ich kann es spüren.“
    „Bei allen Erzengeln…“, erwiderte Micah leise fluchend und zog ihn näher an sich heran, um ihm Halt zu geben. „Komm, ich bringe dich rein. Alles wird gut werden“, versuchte er ihn zu beruhigen und schwankte mit ihm ins Wohnzimmer.
    Kaum hatten sie die Türschwelle passiert wurden sie von der warmen Heizungsluft eingehüllt und zwei weitere kräftige Arme schlossen sich um Elias` Hüfte.
    Taumelnd ließ er sich zum Sessel führen, bevor er schwerfällig darin zusammensackte. Sämtliche Muskeln zum Zerreißen gespannt, gruben sich seine Nägel tief in die Armlehne. Trockenheit breitete sich in seinem Mund aus. War das Sand, zwischen seinen Zähnen? Verzweifelt versuchte er, zu Atem zu kommen. Sein Blickfeld verschwamm.
    Nur schemenhaft erkannte er den weitaus kleineren Engel, mit den zerzausten kinnblonden Haaren und den türkisfarbenen Augen, der sich vor ihn hockte.
    „Jesaja“, stöhnte Elias. Mit einem Anflug von Wehmut fuhren seine Finger hektisch über das weiße Gewand mit der zurückgeschlagenen Kapuze, welches der Schutzengel trug, und das ihm so vertraut war.
    „Was ist geschehen?“, fragte Jesaja sorgenvoll und nahm Elias` Hände in seine.
    „Er hat Emilia gesehen“, antwortete Micah an seiner Stelle, da Elias nicht aufhören konnte zu husten und röchelnd die Luft einsog. „Und er spürt, was sie spürt. Das bedeutet definitiv nichts Gutes!“
    „Was ist mit Emilia“?, drang plötzlich eine aufgebrachte Frauenstimme an Elias` Ohr. Erst jetzt bemerkte er, dass Jesaja offenbar nicht allein gekommen war. Im Türrahmen standen Susan und Serafina, die Nils in ihrer Mitte stützten.
    Der Anblick der jungen Engelsfrau mit den hüftlangen braunen Haaren und dem schlichten weißen Kleid wirkte neben den beiden abgekämpften jungen Menschen wie ein äußerst unwirklicher Kontrast. Und dennoch teilten sie alle denselben beunruhigten Gesichtsausdruck, mit dem sie Elias ansahen.
    An Nils` rechter Schläfe, zog sich bis oberhalb des Haaransatzes eine Wunde, die offensichtlich versorgt worden war und bereits zu verheilen begann. Die eingetrockneten Blutflecken an seinem Hemdkragen zeugten von der Schwere seiner Verletzung und die Tatsache, dass er sich nicht selbstständig aufrechthalten konnte, ließ auf seinen desolaten Zustand schließen.
    Susans wilden Locken standen in alle Richtungen ab und ihre Jeansjacke war ebenfalls mit Blut verschmiert. Das zerrissene Hosenbein und die zerschundenen Handflächen erzählten Bände und Elias` benebelter Verstand kam zu dem Schluss, dass Susan und Nils irgendetwas zugestoßen sein musste, bevor sie von Jesaja und Serafina aufgegabelt worden waren.
    Schwer atmend erwiderte er den Blick der drei und kämpfte gegen die Schwere in seiner Brust an, die ihm das Sprechen unmöglich machte. Nachdem Susan sich durch ein flüchtiges Kopfnicken in Serafinas Richtung davon überzeugt hatte, dass sie Nils loslassen konnte, stürzte sie auf Elias zu, kniete sich vor ihn und schüttelte ihn unsanft an den Schultern.
    „Sag schon, was ist mit ihr geschehen?“, schrie sie ihn ungehalten an, während Elias ihren Ausbruch stumm über sich ergehen ließ. Der innere Schmerz über Susans unbändige Wut und ihre Verzweiflung, die einzig aus der Sorge um ihre beste Freundin rührten, trafen ihn mit voller Wucht. Es war offensichtlich, dass sie ihn für Emilias Verschwinden verantwortlich machte und ihm insgeheim die Schuld dafür gab, dass sie in diese Misere hineingeraten war.
    Obwohl Elias sich seit Bekanntgabe von Emilias Entführung in einer Endlosschleife aus Selbstvorwürfen befand und sich für seine eigene Unbesonnenheit zerfleischte, mit der er sie hatte ins offene Messer rennen lassen, hallte Susans hilfloser Ausbruch wie eine schallende Ohrfeige in ihm nach.
    Einen Augenblick lang herrschte betretenes Schweigen und niemand schien diesen Moment durch ein falsches Wort oder eine plumpe Floskel kommentieren zu wollen.
    Jesaja war es, der sich schließlich als Erster aus der Starre löste und Susan von hinten besänftigend über die Schulter strich.
    „Die Situation ist für uns alle nicht leicht“, sagte er in ruhigem Tonfall. „Wir sollten versuchen, Ruhe zu bewahren.“
    Mit dem Ärmel ihrer Jacke wischte sich Susan über das Gesicht, um die Tränen zu beseitigen, die ihr ungewollt über die Wangen gelaufen waren, während sie Elias` Blick auszuweichen versuchte. Erst jetzt bemerkte dieser, dass er wieder Herr seiner selbst war und das beklemmende Gefühl in seiner Brust nur noch in deutlich abgeschwächter Version nachhallte.
    „Es ist vorbei“, sagte er und stieß erleichtert den Atem aus, während sein Blick zwischen Micah und Jesaja hin- und herwanderte, die ihn ihrerseits fragend betrachteten. „Ich spüre sie nicht mehr, aber sie lebt. Ich bin mir ganz sicher. Sie lebt Susan“, sagte er nun eindringlicher und drückte ihre Hand, die auf seinem Schoß ruhte und versuchte ein zaghaftes Lächeln.
    Die Anspannung, die zuvor den gesamten Raum erfüllt und sie alle wie eine schwere Last zu erdrücken gedroht hatte, wich einem kollektiven Aufatmen und spiegelte sich in der neuen Hoffnung, die sich auf den Gesichtern ausbreitete.
    Wenn Elias auch nicht mit Sicherheit sagen konnte, was genau sich gerade zugetragen hatte, klammerte er sich an das Gefühl, welches in sanften Wogen über ihn hinweg schwappte, ihn bis in den tiefsten Winkel seines Körpers durchströmte und auf seltsame Weise ruhiger werden ließ.
    Obwohl der Schreck ihm nach wie vor in den Gliedern steckte, hielt er sich daran fest, dass dies offenbar noch nicht das Ende bedeutete. Weder für Emilia, noch für ihn.
    In dem Moment durchbrach das unerwartet laute Klopfen an der Wohnungstür endgültig die düstere Stimmung.
    „Das wird Freddy sein“, sagte Micah und machte sich bereits auf den Weg in Richtung Flur, um zu öffnen.
    Susan entzog Elias ihre Hand und rappelte sich mühsam auf. Der kurze Blick, den sie ihm hierbei zuwarf, sagte mehr als tausend Worte. Elias konnte darin lesen, wie in einem offenen Buch.
    Er wusste, dass sie ihm niemals vergeben würde, sollte Emilia etwas zustoßen. Auch, wenn sie derweil einen unausgesprochenen Waffenstillstand ausgehandelt hatten, so hingen ihr Zorn und ihre abgrundtiefe Enttäuschung wie ein Damoklesschwert über ihm. Nachdenklich blickte er ihr nach, wie sie an Nils` Seite trat, um ihn gemeinsam mit Serafina behutsam zu der Couch zu begleiten. Im Vorbeigehen warf Nils ihm einen nicht minder vorwurfsvollen Blick zu, bevor er sich schwerfällig in die Polster sinken ließ und erleichtert aufstöhnte.
    Na wunderbar, dachte er sich. Die Frau die er liebte, schwebte in größter Gefahr und Dagons vernichtender Angriff stand kurz bevor. Alles, was er bislang in seiner Rolle als ´Auserwählter` zustande gebracht hatte, war, in äußerst perfektionierter Weise, den Groll der Menschen auf sich zu ziehen.

    Er fragte sich, ob es irgendwo ein Handbuch gab, in dem er hätte nachschlagen können, wie er sich in dieser Situation zu behaupten hätte. Wohl eher nicht. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich auf sein Gefühl zu verlassen. War das nicht auch der Grund dafür gewesen, warum man ihn für diese Aufgabe bestimmt hatte? Weil er dazu in der Lage war, sich in die Irdischen hineinzuversetzen?
    Warum bloß hatte er nur den Eindruck, dass ihm das im Moment überhaupt keinen Vorteil verschaffte, sondern – eher im Gegenteil – die Situation für ihn erschwerte? Es blieb keine Zeit, seinen Gedanken weiter nachzuhängen, da Freddy in dem Moment hereinplatzte.
    „Hey, was ist denn hier passiert? Habe ich irgendwas verpasst?“, fragte er, als er das Wohnzimmer betrat. Seine feuchten Haare kräuselten sich und hinterließen Tropfspuren auf seinem frischen T-Shirt. Offensichtlich hatte er die Zeit genutzt, sich nach dem schweißtreibenden Schwertkampftraining mit Micah zu duschen und sich umzuziehen.
    Der Reihe nach sah er nun in die betroffenen Gesichter der anderen, wobei sein Blick schließlich an Jesaja und Serafina hängenblieb.
    „Ehm, Hi“, stammelte er und nickte den beiden zu, wobei er sich nervös eine widerspenstige Haarsträhne aus seinen Augen strich. Jesaja erwiderte seine Begrüßung mit einer angedeuteten Verbeugung während Serafina ihm freundlich und mit wohlwollender Neugierde zulächelte. „Ich … ich bin Freddy“, schob der junge Mensch mit belegter Stimme hinterher und Elias wäre jede Wette eingegangen, dass sein Herz gerade einen Schlag ausgesetzt hatte. Freddys Gesichtsausdruck nach zu urteilen, war die hübsche Engeldame, die auf der Armlehne der Polstergarnitur direkt neben Nils Platz genommen hatte, nicht ganz unschuldig daran.
    Ein unnatürliches Knistern hing in der Luft. Elias glaubte zu spüren, wie die göttliche Energie, die von den beiden Schutzengeln ausging den Raum erfüllte und sich wie ein feiner Schleier über das Geschehen legte. Ein ehrfurchtsvolles Staunen spiegelte sich in Freddys Zügen und er schien wie gebannt von der Faszination, welche die Begegnung in ihm auslöste.
    Elias stieß Micah unsanft in die Seite. „Sieh dir das an und lerne! So macht man das“, flüsterte er und deutete auf die Szene, die sich gerade vor ihren Augen abspielte.
    Micah stieß die Luft zwischen seinen Zähnen aus und schüttelte den Kopf, während er die Arme vor der Brust verschränkte und die Situation in einem Anflug fassungsloser Sprachlosigkeit beobachtete.
    „Vielleicht sollte ich das nächste Mal auch ein Kleid tragen …“, brummte er schließlich.
    „Ich glaube nicht, dass das Kleid an dir eine ähnliche Wirkung erzielen würde…“, gab Elias zu bedenken, bereute seine Worte aber noch im selben Augenblick, als er Susans wütenden Blick zur Kenntnis nahm, der eindeutig Micah und ihm galt.
    „Zumindest müssen die beiden niemanden einschüchtern um sich Gehör zu verschaffen“, stieß sie bissig hervor und erinnerte Elias mit ihrem ungebremsten Temperament mehr denn je an Emilia, die mit ihrer unverblümten Meinung ebenfalls nie lange hinter dem Berg halten konnte.
    „Kein Engel würde jemals einen Menschen einschüchtern“, meldete sich Jesaja daraufhin zu Wort, der gerade im Schaukelstuhl Platz genommen hatte. „Das verstieße gegen das himmlische Abkommen zum Schutze der Irdischen. Das ist oberstes Gebot und wird bei uns an der Akademie bereits im ersten Semester gelehrt“, schob er belehrend hinterher, ohne zu ahnen, was er damit lostreten würde.
    „Na dann kenne ich jemanden, der dringend nochmal nachsitzen muss, weil das offensichtlich noch nicht bei ihm abgekommen ist“, mischte sich jetzt Nils ein und warf Micah einen abfälligen Blick zu.
    „Wieso habe ich bloß das Gefühl, dass mir ein paar wesentliche Informationen fehlen?“, fragte Jesaja jetzt vorsichtiger und blickte irritiert zwischen den beiden Parteien hin und her.
    „Ja, na schön! Ich habe sie durchs Zimmer schweben lassen!“, platze es aus Micah heraus, während er entschuldigend die Hände hob. „Das war ein Fehler und ich werde es nie wieder tun. Wie lange wollt ihr noch darauf herumreiten?“
    „Du hast was getan?“, entfuhr es jetzt Serafina. „Bist du vom heiligen Geist verlassen worden?“, fügte sie hinzu und versetzte Micah damit einen weiteren Hieb.
    „Ja, genau. Deshalb hat er uns auch in diese Hölle da raus geschickt, um den Wagen vollzutanken …“, sprudelte es aus Susan heraus, als habe sie sich bislang krampfhaft zurückgehalten und als gäbe es jetzt kein Halten mehr. „Habt ihr eigentlich auch nur eine leise Vorstellung davon, was da draußen abgeht?“, schleuderte sie Elias und Micah entgegen und deutete eine Kopfbewegung in Richtung Fenster an. „Während ihr hier euren Kaffeeklatsch abgehalten habt, wären wir beinahe drauf gegangen, wisst ihr das? Wären uns nicht zufällig Serafina und Jesaja zur Hilfe gekommen, dann lägen wir jetzt noch immer in diesem gottverdammten Graben und Nils wäre … wäre …“ Ihre Stimme brach weg und Nils strich ihr beruhigend über das Bein, während sich eine bedrückende Stille ausbreitete. Erstaunlicherweise war es Freddy, der sich zu Wort meldete und für Micah und Elias Partei ergriff.
    „Was soll das bitteschön heißen, wir haben hier einen ´Kaffeeklatsch` veranstaltet? Die ganze Nacht haben wir uns um die Ohren geschlagen, um Emilias Kontakte durchzugehen und alle Welt abzutelefonieren. Wir haben uns das Hirn zermartert, wo sie sich aufhalten könnte und … ach ja, außerdem hatte ich das Vergnügen von einer perfektionistisch veranlagten, ziemlich erbarmungslosen und obendrein noch unermüdlichen Kampfmaschine in den Gebrauch der himmlischen Waffen eingeführt zu werden.“ Sein Blick wanderte kurz zu Micah, bevor er sich wieder Susan zuwandte. „Ich habe keine Ahnung, was euch passiert ist und es tut mir echt leid, dass ihr Probleme hattet, aber Susan … du kannst hier nicht einfach einen Rundumschlag machen. – Das ist nicht fair, okay?“
    „Dass wir Probleme hatten?“, echote Susan voller Entsetzen Freddys Worte. „Hast du sie noch alle? Wir könnten tot sein, Freddy“, schrie sie ihm entgegen. „Das ist wieder so typisch. Du hast keinen Plan, worum es geht und…“ Ein ohrenbetäubendes Pfeifen hallte durch das Wohnzimmer und schnitt Susan das Wort ab, die sich genauso irritiert, wie alle anderen nach der Quelle dieses Geräusches umblickte.
    Es war Elias gewesen, der sich seiner erst kürzlich erworbenen Fähigkeit des ´Auf-den-Fingern-Pfeifens` bedient hatte, um für Ruhe zu sorgen. Nun erhob er sich schwungvoll von dem Sessel und ging sich aufgebracht durch seine zerzausten Haare, die nur noch pseudomäßig von dem Haarband zusammengehalten wurden und ihm bereits wüst ins Gesicht fielen.
    „Sagt mal, merkt ihr eigentlich, was hier vor sich geht?“, fragte er wütend und sichtlich darum bemüht, die Beherrschung nicht zu verlieren, als er in die erschrockenen Gesichter seiner verdatterten Zuhörer blickte. „Glaubt ihr ernsthaft, dass wir Emilia oder sonst irgendeinem Menschen auf diesem Planeten helfen werden, wenn wir uns hier gegenseitig bekämpfen? Das kann unmöglich euer Ernst sein. Der Feind ist da draußen… “ Er deutete mit dem Daumen über die Schulter in Richtung Fenster, bevor er den Satz beendete „… und nicht hier drin.“ Keiner der Anwesenden gab auch nur einen Mucks von sich. Es schien, als denke jeder für sich über Elias` Worte nach und so sprach er in weitaus ruhigerem Ton weiter. „Zweifelsohne habt ihr alle einen triftigen Grund, auf irgendwen stinksauer zu sein…“ Der Reihe nach blickte er jeden einen kurzen Moment an. „ … dennoch müssen wir jetzt zusammenhalten! Merkt ihr nicht, wie er versucht, uns zu entzweien? Wir dürfen uns nicht von diesen niederen Gefühlen leiten lassen, sonst hat er schon so gut wie gewonnen!“ Angespannt rieb er sich den Nacken. „Dämonen seiner Art sind regelrechte Meister darin, Zwietracht zu sähen und sie zehren von dem Hass und dem Zorn, den er damit in den Menschen auslöst. Da er einmal ein Engel war, dürften ihm die Gedankengänge und die Motive der Irdischen vertraut sein, weshalb es ihm ein Leichtes sein wird, sie nach seinen Wünschen zu manipulieren.“ Unter gehobenen Brauen blickte er abwartend in die Runde, bevor er weitersprach. „Während wir uns hier also zerfleischen, wächst seine Macht von Minute zu Minute. Das … das dürfen wir einfach nicht zulassen“, beendete er seine Ansprache und atmete hörbar aus. Die drei Engel bestärkten ihn durch ihr zustimmendes Kopfnicken und signalisierten damit, seine Meinung voll und ganz zu teilen. Freddy, Susan und Nils hingegen sahen einander einen kurzen Moment betroffen, und mit einem Anflug von schlechtem Gewissen an, bevor ihre Blicke sich voneinander lösten und sie nachdenklich ins Leere starrten.


    Hier geht`s weiter

    Kapitel 16.2

    Grüß dich, Traumschwingen und herzlich Willkommen bei uns :)

    Schau dich erst mal in Ruhe um. Es gibt wahrlich viel zu entdecken.

    Wenn du ein Zitat o.Ä. am Ende deines Posts einfügen möchtest, kannst du das über deine Profileinstellungen vornehmen. Klick dich da doch einfach mal durch. Dann wirst du es schon finden.


    LG,

    Rainbow


    Huch, Chaos Rising und Jota waren schneller :D

    Kirisha , LadyK


    Ich beteuere auch ständig, dass sich meine Stimme grausam anhört und ich komplett talentfrei bin, was das Synchronsprechen betrifft, allerdings interessiert das keinen :rofl:


    So finde ich mich regelmäßig mit meinem Handy in der Hand wieder und breche mir einen dabei ab, ängstliche Atemgeräusche zu produzieren oder irgendwelche hochemotionalen Sätze einzusprechen, wobei ich mir jedes Mal wünsche, dass niemand dieses erbärmliche Schauspiel beobachtet :D Aber ich denke mir immer, wenn es Thorsten und Katharina irgendwie hilft, mit ihrem Projekt weiterzukommen, dann ist es ja für einen guten Zweck.


    Also, manchmal muss man sich ein wenig überwinden. Aber wenn das Ergebnis am Ende tatsächlich mal nicht zufriedenstellend sein sollte, müssen die beiden ja nicht darauf zurückgreifen. :pardon:


    Ich will hier niemanden bequatschen. Ich wollte euch nur sagen, dass ich mir auch jedes Mal wieder höchst dämlich dabei vorkomme und ich eure Bedenken gut nachvollziehen kann. ^^


    Im Übrigen mache ich das über die Sprachmemo-Funktion auf meinem Handy. Die Sprachmemo lässt sich ganz einfach teilen und zum Beispiel auch als Mail versenden.


    LG,

    Rainbow

    Hey Kiddel Fee



    LG,

    Rainbow

    Lieben Dank für euer Feedback. :)







    LG,

    Rainbow

    Hey Etiam,

    Freut mich, dass das funktioniert hat ^^

    Ich hab in meinem Post zu deiner Geschichte ja schon erwähnt, dass ich bei dir sehr gut nachvollziehen kann, dass sich x oder y genau so anfühlen. Umso schöner jetzt das Gleiche jetzt von dir zu hören

    Wenn man schon ständig das Haar in der Suppe sucht, sollte man sich auch nicht mit Lob zurückhalten :D

    Ich finde, solche Dinge machen die Geschichte erst lebendig und nachvollziehbar. Abgesehen davon habe ich ohnehin ein Fabel für Charaktere, die ein bisschen mehr Tiefe bekommen. Das ist aber sicher auch Geschmacksache. In diesem Fall hier hast du meinen auf jeden Fall getroffen!


    Den Kritikpunkt oder die Punkte hatte ich mir auch gestellt. Zuerst dachte ich, ich komm damit durch :P Dann habe ich aber doch kleine Veränderungen angefügt und dachte das reicht. Anscheinend nicht ^^; Aber lass mich kurz was zu den Punkten sagen. Sie sind nämlcih berechtigt. Aber wie du sagst vielleicht/hoffentlich nicht so tragisch.

    Oh, das kenne ich. Manchmal ahne ich die Kritik schon voraus, hoffe aber insgeheim, dass es den anderen vielleicht doch nicht auffällt. Aber wenn es dich beruhigt: "Tragisch" ist es ohnehin nicht. Vom Gefühl her würde ich sagen, dass du den Eindruck des "gestellten" kurzerhand ausräumen könntest, indem du hier und da ein paar Kleinigkeiten einfügst.


    Das hier zum Beispiel:


    Die sind tot :hmm: Ich weiß gerade nicht ob ich es in den Text geschrieben habe (wenn nicht hole ich das nach), aber die Toten in der Kirche sollen nicht nur aus Menschen bestehen. Da liegen Vertretter beider Fraktionen.
    Wie gesagt, sie haben gekämpft. Ich schau mir das nochmal an.

    Das kam für mich nicht so rüber. Liegt vielleicht an mir und ich habe nicht aufmerksam genug gelesen :hmm:

    Für mich klang es aber so, als ob da sowas wie ein Massaker stattgefunden hätte...also Zwerge rein...Metzel, Metzel...Zwerge raus. (Sorry, vielleicht etwas komprimiert dargestellt :rofl:) Dass da auch tote Zwerge liegen wäre natürlich ein guter Hinweis und würde verdeutlichen, dass der Kampf nicht komplett unausgewogen war...Ich weiß, Sigi erwähnt, dass die Menschen gekämpft haben, aber es erschien mir laut deiner Schilderung des Gesamtkontextes eher ein ziemlich aussichtsloses Unterfangen gewesen zu sein. Vielleicht kann man das Bild, das sich da bietet einfach noch etwas detailreicher gestalten und dem Leser damit verdeutlichen, was sich da abgespielt hat.


    Da steht er ja schon zwischen den Bänken. Vielleciht schreibe ich da, dass er sich auf die Tür zubewegt ehe er wieder durch Sigis Worte gestoppt wird.

    Ja, irgendwie sowas in der Art wäre sicher gut. Man müsste ihm seine Nervosität einfach noch ein bisschen mehr anmerken...er könnte sich in Bewegung setzen, dann wieder stoppen und sich seiner Schwester erenut zuwenden...der hektische Blick könnte zwischendurch zur Tür huschen...was weiß ich. Einfach ein bisschen mehr Hektik einbauen. Das fänd ich schon ausreichend. Denn wie gesagt, die Szene ist sehr eindringlich und ich kann auch verstehen, warum du dich dafür entschieden hast, es so darstellen zu wollen. Es fehlt meiner Meinung nach nur ein wenig der Feinschliff.


    LG,

    Rainbow

    Hey Kirisha :)

    Ich kann mir nicht helfen, aber das hier kam mir irgendwie so.... so... keine Ahnung, wie ich es beschreiben soll. Es kam mir so dermaßen komprimiert und kurz abgehandelt vor, dass ich den Stellenwert der Göttin gar nicht mehr so recht ernst nehmen kann :hmm:

    Welche Göttin kann man mal eben so nebenbei rufen durch ein wenig Gesang und alles, was sie dann sagt ist: Gute Arbeit, Mädchen! ...

    Das ist so wenig göttlich...ich weiß nicht, was du hier an der Stelle damit bezwecken wolltest Im Grunde gab es ja vorher schon genügend Situationen, in denen Penthesilea göttlichen Beistand hätte gebrauchen können. Man fragt sich, warum sie das hier an der Stelle tun muss und dann auch noch im Beisein des gesamten Heeres. Sie musste schließlich damit rechnen, dass sie vielleicht keine guten Neuigkeiten empfängt, oder? Wäre es nicht klüger, wenn sie alleine die Göttin anruft und das nicht vor dem versammelten Heer macht?

    Keine Ahnung, vielleicht ist das jetzt nur mein subjektives Empfinden, aber ich finde das nicht optimal gelöst. Ich versuche mal, das auf eine Alltagssituation zu beziehen:


    Ich bin die Chefin einer Abteilung und bekomme von ganz oben einen Aftrag, den ich mit meiner Crew umzusetzen habe...wenn sich nun Schwierigkeiten auftun, werde ich mit meinem Chef Rücksprache halten und seine Anordnungen, wie auch immer sie aussehen werden, in mein Team transportieren...und ich werde ganz sicher nicht den oberen Chef in meine Abteilung zitieren, damit er meinen Leuten erklärt, was Sache ist...das hat wieder was mit Hierarchien zu tun und einer gewissen Verantwortung, die man übernimmt. Oder nicht? :hmm: Das ist vielleicht der Grund, warum mir das hier seltsam vorkommt.


    Die Sache mit den Stammbäumen fand ich, ehrlich gesagt, gar nicht so störend. Okay, es ist jetzt nicht wirklich fantasymäßig, aber warum muss immer alles super magisch erklärt werden? Eigentlich hat es mir ganz gut gefallen, wie das geschildert wurde, vor allem, als deutlich wurde, dass diese Wesen so gut wie gar nichts Magisches an sich haben.


    Dass die Spiritistinnen so einfach verschwinden, sit natürlich äußerst seltsam. Ich meine, DASS es passiert, finde ich an der Stell gut. Es schafft Spannung, man fragt sich, was passiert sein könnte etc. Die Frage ist einzig, wie realistisch ist es, dass drei Leute (vor allem so wichtige) einfach ungesehen verschwinden? Vor allem, wo Penthesilea ja für sie verantwortlich war. Das hatte ich schon fast wieder vergessen. Vielleicht könnte man das auch anders einfädeln. Sie könnten mit einem recht ungefährlichen Auftrag losgeschickt werden und dann nicht zurückkehren, oder sowas. :hmm: Ist jetzt nur so ne Idee...ich weiß ja nicht, wie genau du dir das gedacht hattest. Aber so liest es sich halt nach der nächsten Pleite und einem weiteren Eingeständnis, als Heerführerin versagt zu haben.


    LG,

    Rainbow

    Hey Etiam,


    die anderen haben schon einige Dinge angeführt, die mir auch aufgefallen waren, deshalb verzichte ich jetzt mal darauf, das zu wiederholen.

    Was mir direkt zu Beginn sehr gut gefallen hat, war diese Beschreibung hier:

    Sein Blick fiel zuerst auf Erik und wanderte dann nach unten, auf die eigenen blutverschmierten und zitternden Hände.

    Das Gefühl, dass ihn ebenso beflügelt hatte, war vollkommen verflogen. Jetzt, da der Rausch erloschen war, kam Tjelvar alles so unwirklich vor. Von dem Kampf hatte er nur ein paar Bilder im Kopf und er schaute sogar noch mal zu dem entstellten Leichnam des Draugr, um sich zu vergewissern, dass er sich das nicht nur eingebildet hatte.

    Die letzten Sekunden, ja sogar Minuten fühlten sich an wie ein flüchtiger Traum.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es sich genauso anfühlt, wenn man aufgeputscht durch das ganze Adrenalin so einen Kampf überstehen muss und man plötzlich wieder klar im Kopf wird...ich finde es wichtig, solche Dinge einfließen zu lassen. Das ist für mich das Salz in der Suppe!


    Mein Kritikpunkt, wenn es denn überhaupt einer ist, wäre höchstens das Szenario in der Kirche. Es kommt mir ein wenig unwirklich vor, dass Tjelvar gerade kommt in dem Moment, wo alle niedergemezelt sind und augerechnet seine Schwester sich als einzige Überlebende gegen zwei übrig gebliebene Zwerge zur Wehr setzen muss. Man fragt sich, wo all die anderen Zwerge hin sind? Es werden wohl kaum nur diese zwei Zwerge gewesen sein, die die Leute in der Kirche angegriffen haben, oder? Also, es fällt mir noch etwas schwer, mir das vorzustellen, was genau da jetzt passiert ist. Und warum jetzt plötzlich alle verschwunden sind und Tjelvar mit seiner Schwester am Ende so viel Zeit hat diesen Dialog da abzuhalten. :hmm: Ich finde den Dialog an sich gut und es kommen wichtige Dinge zur Sprache, aber können die das nicht vielleicht auf dem Weg nach draußen besprechen? Oder würde man sich nicht zwischendurch zumindest öfter mal umdrehen...zum Fenster herausschauen...sich vergewissern, dass keine Gefahr mehr in Verzug ist? Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll, aber mir kommt die Szene dadurch so gestellt vor...


    Vielleicht ist das jetzt wieder überflüssige Meckerei, aber die Gedanken kamen mir so beim Lesen, weshalb ich dich einfach mal daran teilhaben lasse ^^


    Ansonsten hat mir der Teil aber sehr gut gefallen!

    Nach einer etwas längeren Pause zeige ich euch dann mal den nächsten Teil. Er ist ein bisschen umfangreicher geraten, aber vielleicht hat der eine oder andere ja über die Feiertage Lust und Zeit ein bisschen zu lesen. :)



    Kapitel 16

    „Ich kann nicht mehr“, keuchte Freddy, während er abwehrend die Hand hob, um sich mit der anderen die schweißnassen Haare aus der Stirn zu wischen. Das weiße T-Shirt klebte bereits an seinem Oberkörper, sodass sich darunter die Konturen seiner Bauchmuskulatur abzeichneten.
    „Freddy, du musst auf deine Beinarbeit achten!“, tadelte Micah ihn völlig unbeeindruckt von dessen Schwächeanfall. „Wenn du von der rechten Seite schlägst, dann musst du auch mit dem rechten Fuß nachziehen. Das Gleiche gilt für den Schlag mit der linken Seite. In diesem Fall ziehst du den linken Fuß nach. Ansonsten ist der Schlag viel zu flach und unwirksam. Außerdem musst du weiter runter gehen, das verschafft dir einen stabileren Stand.“
    „Ja Mann, ich versuch`s ja. Mein Kopf ist nur schon so voll von Infos über Beinarbeit, Atemtechnik und irgendwelchen Paraden und ganz abgesehen davon spüre ich meinen Arm schon fast nicht mehr.“ Anklagend deutete der junge Mann auf seine rechte Seite. Das Engelsschwert lag schlaff in seiner Hand und diente ihm derweil als Krückstock.
    Mit sicherem Abstand beobachtete Elias die Szene von seinem Posten am Fenster aus. Seit er vor gut einer Stunde eine Flammenbotschaft erhalten hatte, in welcher ihm Verstärkung zugesichert worden war, marschierte er ruhelos vor der Glasfront auf und ab, während Micah und Freddy das Wohnzimmer kurzerhand in einen Trainingsplatz verwandelt hatten.
    Obwohl Micah mit den Handicaps des Irdischen zu kämpfen hatte und sich ganz offensichtlich schwer damit tat, das eigene Tempo dem seines menschlichen Gegners anzupassen, erkannte Elias deutlich den guten Willen seines Freundes. Der unverwüstliche Enthusiasmus, mit dem der hünenhafte Engel Freddy nun schon seit geraumer Zeit durch das Zimmer scheuchte, um ihm die verschiedenen Hiebe zu erklären und wie er sie zu parieren hatte, rang Elias eine gewisse Anerkennung ab.
    Es stand außer Frage, dass Freddys Kampfkünste niemals ausreichen würden, um einem ´Gefallenen` entgegenzutreten. Doch um sich gegen jene schwerfälligen und wenig geistreichen Kreaturen zur Wehr zu setzen, mit denen Dagon seine Armee aufgestockt hatte, würde der Crash-Kurs allemal reichen.
    „Lass` uns eine Pause einlegen. Das hat so echt keinen Sinn mehr“, stöhnte Freddy gequält und riss Elias damit aus seinen Gedanken. Vorneübergebeugt stützte sich der junge Mensch gerade auf seinen Oberschenkeln ab, um zu Atem zu kommen, während Micah ihn mit vor der Brust verschränkten Armen aus schmalen Augen abschätzend ansah.
    „Kommt nicht in Frage!“, entgegnete er und schüttelte vehement den Kopf. „Der erste Schlag muss sitzen. Vorher lasse ich dich nicht in Ruhe. Also sag mir nochmal, worauf du achten musst!“
    Genervt verdrehte Freddy die Augen, stieß einen Seufzer aus und raffte sich erneut auf.
    „Na schön. Ich wehre deinen Angriff mit der Schmalseite meiner Klinge ab, ungefähr so …“, sichtlich bemüht, seine letzten Kraftreserven zu mobilisieren, brachte er sich in Position, „…und dabei achte ich darauf, dass die Klingenspitze etwas nach vorne zeigt, damit ich sie im Falle eines kräftigen Gegenschlags nicht selbst abbekomme.“
    „Korrekt“, nickte Micah. „Dann zeig mal …“ Blitzschnell holte er aus und attackierte Freddy mit einem unerwartet heftigen Hieb, woraufhin dieser reflexartig sein Schwert anhob und den Angriff so gut es ging parierte. Die Klingen trafen laut klirrend aufeinander und während Freddy verzweifelt darum bemüht schien, nicht ins Straucheln zu geraten, setzte Micah bereits den nächsten Schlag nach.
    Die andere Hand zur Hilfe nehmend, umklammerte der Irdische fest den Schaft seines Schwertes, um dagegenzuhalten, doch Micah trieb ihn weiter zurück.
    Freddy geriet ins Taumeln und rempelte ungelenk gegen den Zeitungsständer, welcher in der kleinen Nische neben der Couch stand. Die kurze Ablenkung reichte aus und kostete ihn das Gleichgewicht. Wild mit den Armen rudernd landete er unter lautem Gepolter auf dem Boden, während sich die Zeitungen wüst um ihn herum verteilten.
    Micahs Klingenspitze verharrte oberhalb seiner Brust, als er sich fluchend aufzurichten versuchte.
    „Du fixierst dich zu sehr auf die Waffe deines Gegners, Freddy!“, stoppte Micah seine Bemühungen hochzukommen. „Du darfst den Feind niemals aus dem Auge lassen! Nur seine Bewegungen verraten dir, was er als nächstes zu tun gedenkt. Jede Regung seiner Muskeln … jedes noch so unscheinbare Zucken. Wenn du seine Schritte vorausahnen willst, musst du lernen, dich von deiner Furcht zu befreien.“
    „Meine Furcht? … Ich … ich soll mich von meiner Furcht befreien?“, brachte Freddy noch immer um Luft ringend hervor und warf Micah dabei einen fassungslosen Blick zu. „Vielleicht ist es dir bisher entgangen, aber ich habe keine Furcht, Micah! Ich habe eine Scheißpanik, wenn du mit diesem … diesem Mordwerkzeug auf mich los gehst.“ Wütend feuerte er sein Schwert in die Ecke und stemmte sich ungelenk in die Höhe. Micah ließ von ihm ab und wich einen Schritt zurück.
    „Ich denke, das reicht jetzt erstmal!“, mischte sich Elias kurzerhand ein und bedachte Micah mit einem knappen Kopfschütteln, von dem er hoffte, dass sein Freund es richtig deuten würde.
    „Wir versuchen es noch ein letztes Mal!“, entgegnete Micah jedoch, hob das Schwert auf und hielt es Freddy abermals hin.
    Einen Moment starrte dieser unschlüssig auf die Waffe, bevor er sie unwillig entgegennahm.
    „Das wird niemals hinhauen!“, murmelte er und wischte sich die feuchten Hände an seiner Hose ab, woraufhin er sich erneut positionierte.
    „Niemals!“, schob er noch einmal hinterher, als er Elias` skeptischen Blick müde erwiderte.
    Dann stellte er sich auf, während sich Micah mit dem Schwert in der Hand langsam in Bewegung setzte. Lauernd, auf den richtigen Zeitpunkt wartend, umkreiste er Freddy beinahe lautlos, während dieser jeder seiner Bewegungen folgte.
    Elias hörte Freddys Herzschlag, der schnell und hektisch zu ihm herübergetragen wurde. Der Schweiß rann ihm die Stirn herab, doch unternahm er nichts, um die herab perlenden Tropfen aufzuhalten. Seine Konzentration galt voll und ganz Micah.
    Mit einer einzigen knappen Bewegung ließ dieser sein Schwert plötzlich herumfahren und zwang Freddy damit zu einem Ausweichmanöver. Kurz darauf riss dieser seine Klinge empor, um den nächsten Schlag, der nun von der Seite kam, abzuwehren.
    Angespannt und mit einer gewissen stillen Faszination verfolgte Elias das Geschehen, bis ein zartes Glimmen unter Freddys T-Shirt seine Aufmerksamkeit auf sich zog.
    Der wundersame Schein wanderte die Arme des Menschen hinauf und legte sich schließlich über seinen gesamten Körper. Es war nur ein verschwindend kurzer Moment und für das menschliche Auge wäre dieser kaum wahrnehmbar gewesen, doch Elias erkannte sofort, wie sich Freddys gesamte Haltung straffte. Die bis dahin schwerfällig wirkenden Bewegungen veränderten sich, wurden geschmeidiger. Alles an ihm wirkte eleganter, weniger abgehackt, als wüsste er mit einem Mal genau, was zu tun war, lag das Schwert nicht mehr länger in seiner Hand wie ein toter Gegenstand. Nein, es wurde lebendig. Es wurde eins mit ihm.
    Micah, setzte noch einen Schlag nach, doch anstatt Freddy damit in Bedrängnis zubringen, wurde auch diese Attacke von ihm geschickt abgewehrt, ohne dass er über seine eigenen Füße gefallen oder ins Straucheln geraten wäre.
    „Ja, das ist es!“, lobte Micah und ließ von ihm ab. Wohlwollend und mit unverkennbarem Stolz klopfte er Freddy auf die Schulter, der völlig perplex über seinen unerwarteten Trainingserfolg zu sein schien.
    Elias musste zugeben, dass er nicht minder verwundert war. Sprachlos beobachtete er, wie sich Freddy auf den Sessel zubewegte und sich schwerfällig darin niederließ.
    „Das habe ich dem Mal zu verdanken, stimmt`s?“, fragte er, wobei er mit den Fingern vorsichtig über seine Brust fuhr, genau an der Stelle, wo Micah ihn vorhin mit dem Sashanti versehen hatte.
    „Das Mal kann aus dir nicht machen, was du nicht bist, Freddy“, klärte Elias ihn auf und lächelte ihn wohlwollend an. „Es kann dir lediglich dabei helfen, deine innere Stärke zu finden.“
    „Meine innere Stärke ….“, schnaufte Freddy und stieß begleitet von einem freudlosen Lachen die Luft zwischen seinen Zähnen aus. Kurz darauf fasste er sich an die Schulter, das Gesicht schmerzhaft verzogen. „Ich fühle mich wie gerädert. So, wie ich das sehe, werde ich mich die nächsten Tage nicht mehr rühren können. Soviel zu meiner inneren Stärke.“ Er streckte sich und massierte dabei mit der Hand seinen Oberarm.
    „Sei unbesorgt, Freddy“, antwortete Elias, ging langsam auf ihn zu und legte ihm von hinten die Hand auf die Schulter. „So schnell wird dich deine Kraft nicht verlassen.“ Kaum hatte Elias die Worte ausgesprochen, schien seine Berührung in Freddy etwas auszulösen. Seine Gesichtszüge entspannten sich, während er einen tiefen Atemzug nahm, als würde er mit neuem Leben betankt. Mit offenstehendem Mund sah er Elias an und sein ungläubiger Blick wanderte zwischen ihm und der Hand auf seiner Schulter hin und her.
    „Wie machst du das?“, stieß er hervor. „Ich fühle mich wie neu geboren. Als ob ich Bäume ausreißen könnte. Warum haben wir das nicht schon viel früher gemacht?“ Schwungvoll erhob er sich aus dem Sessel und dehnte seine Glieder.
    „Na ja“, sagte Elias und warf Micah einen flüchtigen Blick zu, der nun seinen Platz am Fenster eingenommen hatte. „Für gewöhnlich schadet es nicht, wenn man eine gewisse Anstrengung aufbringen muss, um etwas Neues zu lernen. Findest du nicht auch?“
    „Das kann man sicher leicht behaupten, wenn man selbst keinerlei Vorstellung davon hat, was es heißt, sich anstrengen zu müssen“, konterte Freddy leicht verärgert. „Ich geh` mir mal ein frisches Shirt von drüben holen. Außerdem muss ich Milo füttern“, fügte er hinzu und machte sich bereits auf den Weg Richtung Ausgang. Kaum war er außer Hörweite beugte sich Micah ein Stück zu Elias rüber.
    „Er ist gut! Wenn er seine Energie nicht darauf verschwenden würde gegen uns zu arbeiten, könnte er noch besser sein!“, stellte er nüchtern fest.
    „Er muss sich mehr zutrauen…“, sagte Elias, während er Freddy nachdenklich hinterher sah. „Und er arbeitet nicht gegen uns. Er vertraut uns ganz einfach nicht. Ein Umstand, den man ihm wohl kaum verdenken kann …“ Sein missbilligender Blick haftete sich auf seinen Freund, während er mit dem ausgestreckten Finger auf ihn zeigte. „Du warst derjenige mit der brillanten Idee, die Menschen durchs Wohnzimmer fliegen zu lassen, um sie auf die Schnelle zu überzeugen, dass du ein Engel bist. Jetzt sieh auch gefälligst zu, wie du sein Vertrauen zurückgewinnst.“
    „Ich versuch`s ja, aber…“, setzte Micah gerade an, als sein Blick an der Fensterscheibe hängen blieb. „Was ist das denn?“ Sichtlich beunruhigt ging er auf die Balkontür zu, um sie zu öffnen. Elias folgte ihm und beide traten hinaus auf die kleine Loggia, wo sie umgehend von einer kräftigen Windböe erfasst wurden, die an ihnen zerrte und ihnen die Haare ins Gesicht wehte.
    Der wunderschöne blaue Himmel und der strahlende Sonnenschein von heute Vormittag waren längst von einem matschgrauen Wolkenmeer verschlungen worden. Gewaltige Blitze entluden sich über der Stadt und tauchten alles in ein surreales Licht. Lediglich an einer Stelle durchschnitt ein hell erleuchteter Strahl in einiger Entfernung die finstere Wolkendecke. Der übergroße Lichtkegel wurde auf die Erde geworfen und zigtausend glitzernde Pünktchen schwebten wie riesige Glühwürmchen in Richtung Erde. Elias beugte sich über die Brüstung, um das Spektakel genauer zu betrachten.
    „Noch auffälliger ging es wohl nicht“, schnaufte Micah verächtlich und verfiel in monotones Kopfschütteln. „Vielleicht habe ich die Taktik ja noch nicht ganz erfasst, aber lautete der Plan nicht, dass der Trupp unbemerkt die Übergänge passieren sollte? Militärkunde war echt nie meins, aber selbst ich weiß, dass eine Infiltration üblicherweise anders aussieht. Sollte unsere Ankunft hier noch irgendjemandem entgangen sein, würde das an ein Wunder grenzen.“ Micah lehnte sich neben Elias an die Brüstung und betrachtete seinen Freund mit ernster Miene.
    „Hast du das etwa angeordnet?“, fragte er ungläubig und sah Elias abschätzend an.
    „Mit Sicherheit nicht!“, antwortete dieser, ohne den Blick seines Freundes zu erwidern. „Es muss einen triftigen Grund dafür geben. Irgendetwas ist vorgefallen …“ Das Klingeln an der Wohnungstür schnitt Elias das Wort ab.
    „Ich mach schon auf“, sagte Micah und verschwand bereits im Wohnzimmer. Elias folgte ihm nicht. Er drehte sich wieder um, starrte in die dunkle Wolkenwand, die sich wie ein schwerer Teppich über den gesamten Himmel legte. Mit einem Mal war es als durchströme ihn wieder diese bereits bekannte Unruhe. In der Vergangenheit hatte sich dieses Gefühl stets als eine Art Vorbote für irgendwelche Katastrophen herausgestellt.
    In seiner körperlosen Gestalt war es lediglich eine Art Eingebung, als habe urplötzlich jemand einen Alarmknopf betätigt, um ihn vor drohendem Unheil zu warnen. Nun, da er sich in einem menschlichen Körper befand, glaubte er zu spüren, wie sich seine Nackenhaare aufstellten und die Gänsehaut schließlich seinen kompletten Körper überzog. Der eintretende Schwindel sorgte dafür, dass er wie ein Betrunkener zu taumeln begann und sich krampfhaft an der Balkonumrandung festhalten musste, um nicht gänzlich zusammenzubrechen.
    Sein Atem ging stoßweise und sein Schädel hämmerte, als würde er von einem niederschmetternden Hammer bearbeitet. Das schmerzverzerrte Gesicht in den Händen vergraben, massierte er verzweifelt seine Schläfen, um gegen die Folter in seinem Kopf anzukämpfen. Nur langsam ebbte die Übelkeit ab und die Benommenheit ließ nach, sodass er sich mühsam wieder aufrichtete.
    Plötzlich schien es, als würde ein Bild in den Himmel projiziert, wie auf eine riesige Leinwand. Anfangs flimmerte es wie bei einem falsch eingestellten Fernsehsender, weshalb er die Augen zusammenkneifen musste, um es genauer erkennen zu können. Zunehmend gewann es an Schärfe und er konnte deutlich die Konturen von Emilias Gesicht herausfiltern.
    Seine Hände umklammerten das Balkongelände so fest, dass die Knöchel weiß hervorstachen.
    Ungläubig betrachtete er die Großaufnahme von Emilia, die, soweit er das erkennen konnte, inmitten einer kargen Landschaft an einem Baumstumpf lehnte und in keiner besonders guten Verfassung zu sein schien. Trotz der dicken Dreckschicht, die sie überzog und den diversen blutverkrusteten Kratzspuren im Gesicht, bestand für Elias kein Zweifel. Das war sie und es handelte sich ganz eindeutig um eine Liveschaltung, denn für einen kurzen Augenblick war es ihm, als bliebe ihr Blick an ihm hängen – fast so, als könne sie ihn tatsächlich sehen.
    Ihre Augen waren so voller Schmerz und Verzweiflung, dass es ihm die Luft abschnürte und er hätte in diesem Moment alles dafür gegeben, die Hand nach ihr ausstrecken und sie an sich ziehen zu können. Ihre Lebensenergie rann aus ihr heraus, als habe jemand oder etwas ein riesengroßes Leck in ihren Überlebenswillen gerissen und ihren Kampfgeist hinfort gespült.
    Elias glaubte, seine eigenen Kräfte schwinden zu spüren. Er wusste, welche Folgen es nach sich ziehen würde, wenn Emilia etwas zustieße. Wenn sie sterben würde … Er erlaubte sich nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken, sondern fixierte sie mit seinem durchdringenden Blick, mit dem er sie einerseits anflehte, nicht aufzugeben und sie andererseits dafür tadelte es in Erwägung zu ziehen. Einen kurzen Augenblick schien es ihm, als breite sich ein zaghaftes Lächeln um ihre Mundwinkel aus, so, als schöpfe sie neuen Mut. Bevor sich der Eindruck aber weiter verfestigen konnte, löste sich das Bild vor seinen Augen bereits wieder auf, es verblasste zunehmend und wurde schließlich wie eine Rauchwolke vom Sturm verweht. Benommen starrte er in das trübe Grau der Wolken, betrachtete die Stelle, an der er zuvor noch Emilias Gesicht vor sich gesehen hatte und fühlte sich plötzlich wie betäubt. Obwohl der Wind an ihm zerrte und aus dem Inneren des Wohnzimmers lautes Stimmengewirr zu ihm nach draußen drang, glaubte er, sich keinen Zentimeter bewegen zu können, als gehöre dieser menschliche Körper nicht mehr länger zu ihm und verweigere ihm seinen Dienst. Die erschütternde Erkenntnis drang langsam zu ihm durch, ließ ihn erstarren.
    Er weiß, dass wir kommen und jetzt lässt er sie dafür bezahlen.


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    Kapitel 16.1