Beiträge von RenLi

    Hi Rainbow

    Lg, RenLi:thumbsup:

    Fortsetzung:

    So, das war nun der letzte Teil der Geschichte in dieser Form. Richard ist gerettet. Die Priester, allen voran unser lieber Vater Justus, räumen auf, sperren die Dämonen zurück in ein Tongefäss und karren sie zurück an ihren Platz im Ducatus. Happy End. :) Nein, natürlich ist es dann noch nicht fertig, vielmehr beginnt es erst gerade.

    Auch wenn das gerade der letzte Abschnitt war, freue ich mich trotzdem sehr über eure Kommentare - und auch auf den Moment, wenn ich wieder zu der Stelle komme, vielleicht in ein paar Jahren ;( :dead:, um dann hier weiter zu schreiben.

    Die Geschichte kommt dann auf den Friedhof und ich starte im Mitgliederbereich den neuen Thread. Es würde mich ultral mega freuen, wenn ihr da weiterlest!! Bin gespannt, ob ihr meinen neuen Anfang mögt, oder ob ihr ihn zu langweilig findet...

    Hallo zusammen!!

    Yeah! Ich dachte schon, ihr würdet euch langweilen, wenn die Geschichte wieder von vorne beginnt. :D Aber wenn ihr dabei seid, dann bin ich Feuer und Flamme weiter im Forum zu posten.

    Ich bin superfroh, dass euch der neue Teil von Richard gefällt. Natürlich war das kein einfacher Einstieg. Ich hatte den einfach schon so lange im Kopf, dass er als erstes raus musste. Ein nächster folgt noch, ich kann Richard ja nicht in diesem Schlamassel sitzen lassen. Also schreib ich noch, bis er fürs Erste gerettet ist.

    Und dann geht's los. Ich hab mit dem neuen Anfang bereits begonnen und schreib jetzt tatsächlich mal ein Konzept auf, damit das mal nicht so chaotisch wird. Ob ich mich dann an meine Regieanweisungen halten kann, wird sich zeigen.

    Bin ech gespannt, was ihr von meiner neuen Herangehensweise haltet. Ich denk mal, ich werd einen neuen Beitrag eröffnen, damit es kein Durcheinander gibt...


    Edwin war übrigens richtig da. Keine Illusion des Dämons, was zwar auch cool gewesen wäre. Er ist mit Fait hergeflogen und konnte seinen Geist ausserhalb von Faits Körper verdichten, bis er sogar physisch anfassbar war, während sein Körper Meilen weit entfernt ist :) Das nenn ich mal cool. Aber mehr dazu im nächsten Abschnitt :D

    Hi Rainbow


    Danke für's Lesen und Kommentieren!!!

    Liebe Grüsse

    RenLi

    Hallo zusammen


    Ich hoffe, ihr seid gut im Neuen Jahr gelandet! Bin mal gespannt, ob ihr noch Interesse daran habt, die Geschichte weiter zu verfolgen nach der Pause. Ich hatte als Letztes bei Jakob aufgehört, nun hatte ich total Lust, bei Richard weiterzumachen. Ich konnte ihn einfach nicht mehr in Pulvis, dem von Dämonen besetzten Dorf, sitzen lassen. Dazu werd ich zwei Posts machen. Danach weiss ich noch nicht so genau, wie ich weiterschreibe. Die Version hier auf dem Forum ist so veraltet, dass ich eigentlich gar nicht wirklich daran weiterschreiben kann, ohne dass sich gröbere Logikfehler breitmachen...
    Also überlege ich, die Geschichte wieder von vorne aufzurollen... Was hält ihr davon?

    Aber zuerst mal muss ich die Sache mit Richard klären. Er ist ja mit Samuel, Sinister, dem Krieger Roland, dem Bauern Tridan und Sessilia unterwegs, um die Dämonen zu bekämpfen, die sich in Lux eingenistet haben. Dazu sind zuerst er und Samuel nach Aper gefahren, sind dort einem Eber-Dämon begegnet und haben ihn vorläufig vertrieben. Mit der Unterstützung der anderen sind sie dann nach Pulvis weitergezogen. Dort wurden sie von aufgespiessten Kaninchen und verrückten Dorfbewohnern begrüsst. Ein Dorf voller Männer, welche ihre Frauen und Kinder abgeschlachtet hatten. Bei einem gescheiterten Fluchtversuch von Richard, Sessilia und Roland, wurde Roland verletzt und Sessilia und Richard werden mit Sinister in eine Zelle in der Festung gesperrt. Dort versuchen sie sich gegenseitig umzubringen, weil sie durch den Einfluss des Dämons irre werden. Wir erfahren den Namen des Dämons: Legion (übrigens ein Dämon aus dem Neuen Testament).

    Und gerade, als Sinster Richard töten will, kommt Rettung! Die Weiterführung im Spoiler...

    Hi Az!!!


    Huuuhuuu, du bist schon up to date. Ja leider geht die Pause wohl noch etwas länger. Auch wenn ich mich grad diese Woche zum ersten Mal wieder an die Geschichte rangewagt habe... Aber nicht in der Fortsetzung - obwohl ich doch endlich mal in die Gänge kommen will mit dem ganzen Drama, das nun durch Shankars Vision eingeleitet wurde :evil::D - nein, ein neuer Anfang musste her. Aber er gefällt mir gar nicht.
    Hab grad Rainbow geschrieben: Das Ganze ist mir zu brutal. Ich wollte ja mal eine Kindergeschichte schreiben, aber das war wohl nichts...


    Na mal sehen, was noch alles daraus wird... Aber ich glaub, wenn ich da wirklich was draus machen will, brauch ich Zeit, mich richtig zu vertiefen, um herauszufinden, wie ich die Geschichte aufbauen will. Ich könnte tausende verschiedene Anfänge schreiben, ewig lange ausbauen, Nebengeschichten erzählen usw. Aber das wird ja dann auch langweilig...
    Das Projekt ist einfach ein bisschen zuuu gross...


    Ach, und das Studium, jaaa, klappt. Nur leider geht das noch eewig. In knapp zwei Jahren ist es fertig. Ich hoffe mal, dass die Geschichte nicht bis dahin auf Eis gelegt ist...

    Danke ihr zwei!! Ihr seid grossartig!! <3<3<3


    Beim Schreiben der Zusammensfassung konnte ich kaum mehr bremsen ^^ fertig ist sie zwar bei Weitem noch nicht... Habe erst die "Vorgeschichte" abgearbeitet...

    Den Spoiler hab ich nicht gelesen. Aber wow - meinen höchsten Respekt für diese umfangreiche Zusammenfassung hast du auf jeden Fall!!! Und es ist gut zu wissen, dass es ihn gibt, falls mir irgendwann mal ein Zusammenhang fehlen sollte oder ein Name ein Fragezeichen im Kopf verursacht.

    Ist vielleicht besser. Falls du mal gar nicht mehr durchblickst, wird sie dir sicher helfen, die Hintergründe (die in meinem Kopf rumschwirren, während ich die Leser-Version aufschreibe) zu durchschauen. Aber sonst verdirbt sie wohl auch viel vom Lesespass :) zuu viel gespoilert... Und wie gesagt, ich bin da noch nicht mal in der "Gegenwart" angekommen ^^


    Danke nochmals für euer Verständnis! Jetzt würd ich mich am liebsten wieder an die Geschichte setzen und so richtig in die Tasten hauen. Naja, die Zeit wird bestimmt wieder kommen :D:sarcastic: so schnell geb ich nicht auf :D


    Machts gut und bis zum nächsten Post....

    Hallo zusammen


    Ich hoffe, ihr hattet eine tolle Sommerzeit bis jetzt! Bei mir hat das Studium wieder angefangen und ich habe an meiner neuen Arbeitsstelle gestartet! Bis jetzt geniesse ich die Erkundung dieser neuen Welt.


    Eigentlich wollte ich ja in meiner kleinen Auszeit viel Schreiben, damit ich dann wieder ohne Druck posten kann. Aber daraus wurde leider nichts. Nun ist es das erste Mal, dass ich mich wieder an den PC setze. Auch wenn ich in meinem Kopf weiter an meiner Geschichte gebastelt habe, habe ich nichts zu Papier gebracht. Im Moment habe ich einfach andere Prioritäten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Geschichte über Kurz oder Lang wieder aufnehmen werde, aber nun scheint mir nicht die Zeit dazu. Das gibt mir auch die Gelegenheit, selbst noch zu wachsen, in die Geschichte hineinzuwachsen, da sie doch ziemlich hohe Ansprüche an mich stellt.


    Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu unbefriedigend für euch. Irgendwie sind bisher alle Geschichten, die ich zu lesen begonnen habe – bis auf die von Rainbow – nach und nach weggestorben. Ich fand das immer total schade, da man sich mit den Figuren vertraut macht und dann nie das Ende der Geschichte erfahren kann.


    Deshalb habe ich beschlossen, euch wenigstens eine Zusammenfassung von den Abläufen der Geschichte zu schreiben -so weit ich bis jetzt einen Einblick habe. Das ist natürlich der super grösste Spoiler überhaupt, ihr könnt selbst entscheiden, ob ihr ihn lesen wollt oder nicht…


    Hier kommt der Spoiler:

    Hallo zusammen


    Ich seid wirklich zuu cool! :superman::mamba2: Danke euch! Ich freu mich schon, wieder posten zu können. Und bis dahin wünsch ich euch eine tolle Zeit, im Forum, draussen hoffentlich viel in der Sonne und was auch immer euch Spass macht!!
    Vielleicht komm ich ja auch mal dazu, was zu lesen :)


    LG, RenLi

    @Rainbow @Tariq


    Hey ihr zwei


    Im Moment poste ich seit Längerem immer stückchenweise, was ich grad vorzu schreibe. Hab gemerkt, dass mir das nicht so liegt, da ich mehr Zeit brauche, um das Geschriebene auch mal etwas liegen zu lassen und es dann nochmals zu überarbeiten. Da diese Semester an der Uni grade ziemlich viel fordert und ich nun in der Prüfungszeit stecke, kann ich auch nicht wirklich in die Geschichte eintauchen und schreibe dann ziemlich unreflektiert und einfach so aus dem Bauch heraus. Auch das passt mir nicht so ganz.
    Deshalb hab ich beschlossen, eine Pause mit Posten einzulegen. Ich hoffe, dass ich bis Anfang August oder September wieder etwas mehr geschrieben habe. Dann werd ich wieder häppchenweise und wöchentlich posten. Falls ihr dann noch immer im Forum mit dabei seid und euer Interesse an der Geschichte noch nicht abhanden gekommen ist, bin ich meega happy, wieder von euch zu hören, wenn es soweit ist!!!


    Bis dahin wünsche ich euch einen ultratollen Sommer und viel phantastische Einfälle!!


    RenLi

    Hi Rainbow
    Oh, da muss ich wohl noch etwas dran schrauben. Dass dir viele Namen nicht bekannt vorkommen liegt daran, dass manche noch gar nicht vorgekommen sind, weil sie für Jakob nicht wichtig waren und dass manche (Sheela und Shaukat) nur kurz erwähnt wurden.
    Dass Amma weitsichtig ist, erwähne ich hier tatsächlich nur nebenbei, das könnte ich noch deutlicher machen. Dadurch hat sie vom Kampf erfahren.
    Shankar ist nicht zurück, ist noch immer da. Kamal war urspr in der Truppe mit dabei, sie haben ihn dann wieder zurück geschickt, deshalb wissen sie von Shankars Vision.Vielleicht hab ich oben mal Shankar statt Shaukat geschrieben. Die Namen sind leicht zu verwechseln. Da muss ich nochmals durchgucken... Das mit dem Lied kännte ich noch besser einführen.
    Danke für deine Anmerkungen!! Ist superwichtig, eine Meinung von aussen zu haben.
    Ich wünsch dir einen tollen Tag!!
    Lg, RenLi

    Überraschung! Heute ein Teil aus Ganeshas Sicht :) Dummerweise schon wieder ein Junge. Eigentlich wollte ich ja aus der Sicht eines Mädchens schreiben...



    Ganesha, Folgenschwer (564 n. Rh.) Teil I

    Ganesha warf Kamal einen Blick zu. Der junge Vater saß wie auf heißen Kohlen. „Lasst mich zurückreiten“, verlangte er abermals. „Dieses Geschwätz macht mich verrückt!“
    „Du bleibst schön hier sitzen!“, donnerte Jagan, der Bruder Kamals. „Durch eure überstürzten Handlungen sind wir überhaupt erst in diese Lage geraten.“
    Mit hochrotem Kopf sprang Kamal auf die Füße. Ganesha konnte sich nicht erinnern, den seinen Onkel jemals so aufgebracht gesehen zu haben. Normalerweise drückte er sich vor Arbeiten und tat so, als ginge ihn die Welt nichts an, doch wenn es um seine kleine vierköpfige Familie ging, war er wie verwandelt. „Du hast mir nichts zu sagen! Nur weil du zu feige bist, bleibe ich sicher nicht untätig hier und warte darauf, dass Lal und Hari mit dem Kind umkommen!“
    Wütend standen sich die beiden Männer gegenüber. Erst sah es so aus, als würde die Sache gleich in einer Rauferei enden, als Jagan mit zitternden Nasenflügeln sagte: „Dann geh! Verfluchter Taugenichts! Dann geh und lass dich umbringen!“
    „Dich würde ich im Tod noch heimsuchen!“, schrie Kamal seinen Bruder an, dann machte er kehrt und verschwand in Richtung der Pferdeweide.
    Ganesha atmete pfeifend aus. Auch den anderen im Kreis stand die Anspannung ins Gesicht geschrieben. „Verflucht!“, rief Jagan aus und ballte die Fäuste. „Dieser Hornochse!“
    Unruhig sah er seinem jüngeren Bruder hinterher, in die Runde und wieder seinem Bruder nach.
    „Komm schon, geh ihm nach, wenn es dich so fertigmacht“, getraute sich Sheela zu sagen.
    Jagan warf ihr einen vernichtenden Blick zu. Dann stieß er einen verzweifelten Fluch aus und jagte Kamal hinterher. Ganesha konnte seine beiden Onkel gut verstehen. Auch er hätte sich nur zu gerne auf den Rücken seines Pferdes geschwungen und wäre seinen Freunden in gestrecktem Galopp zu Hilfe geeilt. Aber es können nicht alle kopflos durch die Gegend preschen, sagte er sich und blieb sitzen.
    „Nun gut“, durchbrach Chandan die Stille. „Nachdem das geklärt wäre, kommen wir doch zurück zu unserer Gesprächsrunde.“
    „Wir sollten mitreiten! Kamal mag ja unüberlegt handeln, aber wir können die anderen nicht allein lassen“, nahm Ravi das Gespräch wieder auf.
    „Wir kennen die Lage nicht gut genug. Wir wissen nur, dass sie sich in einen Kampf hineinmanövriert haben. Wir sollten warten, bis wir ein Lebenszeichen hören“, hielt Sheela dagegen.
    „Wie kalt“, schnaubte Ravi. „Es ist dir wohl egal, wenn Prema und die anderen umkommen.“
    Sheela verzog bitter das Gesicht. Es war im Lager allgemein bekannt, dass Sheela und Prema eine offene Beziehung führten. Die zwei Frauen verbrachten viel Zeit miteinander und Ganesha hätte es nie auch nur in Betracht gezogen, dass sich Sheela nicht um ihre Geliebte sorgte. Wie hatten sie es fertiggebracht, dass sie einander nun gegenseitig anfeindeten?
    „Dass ich meine Gefühle etwas besser im Griff habe, sehe ich als Vorteil, nicht als Kälte“, zischte sie. „Außerdem glaube ich nicht, dass mein Mädchen sich so einfach unterkriegen lässt.“
    Der Klang einer dumpfen Trommel unterbrach die Diskussion. Alle Augen blickten zu Amma, die mit untergeschlagenen Beinen dasaß und ein Bündel Räucherkräuter in den Händen drehte. „So kommen wir nicht weiter“, stellte sie fest. „Ich schlage vor, dass wir für einen Moment tief durchatmen und uns danach weiter unterhalten.“
    Ganesha sah einige nicken. Auch er war froh um den Vorschlag. „Wie wäre es mit einem Lied?“, fragte er in die Runde.
    Sofort hob Chandan seine Rassel. „Aho!“, rief er und grinste.
    Manche schauten verärgert drein, aber die meisten griffen bereits zu ihren Instrumenten. Auch Ganesha griff nach seiner Flöte. Chandan gab einen gemächlichen Rhythmus vor, andere setzten ein. Musik ist die Stimme der Herzen, dachte Ganesha, als er seine Flöte an die Lippen setzte und ihr einen weichen Ton entlockte. Trauer erklang aus ihr. Neben sich hörte Ganesha Wut aus einer Trommel sprechen und Verwirrung und Sorge aus einer Stimme. Er stimmte in den sorgenvollen Klang mit ein, vernahm die beruhigende Sicherheit aus Ammas tiefem Trommelklang. Auch Chandan untermauerte das Lied mit seinem langsamen, unveränderten Rassellaut. Eine ganze Palette von unterschiedlichen Emotionen fand Platz in dem gemeinsamen Spiel und so gelang es ihnen, sich ohne Worte in harmonischem Klang zu verständigen, ohne jemanden zu vergessen oder übertönen zu müssen.
    Ganesha merkte, wie der Druck auf seiner Brust allmählich leichter wurde.
    Wir finden einen Weg, sagte er sich und fand Mut und Bestätigung im Spiel seiner Schwestern und Brüder.
    Als schließlich auch der letzte Trommelschlag verklungen war, blickte Amma aufmerksam in die Runde. Ein Lächeln lag auf ihren Lippen. „Ich würde sagen, nun können wir ernsthaft damit beginnen, nach einer Strategie zu suchen.“
    Mit sehr viel mehr Ruhe und gegenseitigem Verständnis gelang es den Spielleuten im folgenden Gespräch ihre Bedenken und Ansichten zu äußern. Ganesha verfolgte das Gespräch mit wachsender Zuversicht. Durch Ammas Gabe der Weitsicht hatten sie in Erfahrung bringen können, dass ihre Stammesmitglieder nach der Vision Shankars in einen Kampf verwickelt worden waren. Ob diese beiden Ereignisse miteinander zu tun hatten, konnten sie nicht beurteilen. Am meisten beunruhigte Ganesha, dass Amma von einem feuerspeienden Ungeheuer berichtet hatte. Wer konnte schon wissen, was sich da alles im Lande von Lux herumtrieb. In seiner Vorstellung sah er bereits, wie Jakob sich heldenhaft dem Ungeheuer entgegenstürzte. Das sähe ihm ähnlich. Er und Ajit wären bestimmt die ersten, die sich ohne viel nachzudenken in eine gefährliche Situation stürzen würden.
    Wenn ich doch nur mitgegangen wäre, dachte er und merkte, wie die Unruhe wieder in ihm aufzusteigen begann.
    Schließlich einigten sie sich darauf, ihr Zeltlager an die Grenze von Lux zu verlegen. Da dies jedoch ein großer Aufwand bedeutete, würden sie einen weiteren Reitertrupp direkt nach Lux schicken, um den Ausgezogenen zu Hilfe zu eilen. „Es mag töricht erscheinen, aber ich könnte mir selbst nicht mehr in die Augen sehen, wenn ich nicht alles Mögliche versuchen würde, um ihnen beizustehen“, sagte Ravi zum Schluss.
    „Diesmal werde ich mitreiten“, sagte Shaukat, der Schamane. „Über die Naturgeister kann ich mit Amma in Kontakt bleiben. So können wir auch über große Distanzen kommunizieren.“
    „Ich möchte auch mitreiten“, erhob Devi ihre Stimme.
    Schockiert schaute Ganesha sie an, doch Devi mied vorsorglich den Blickkontakt mit ihm. Stattdessen sah sie Amma an. „Du kannst nicht gehen“, setzte Ganesha an, doch Amma unterbrach ihn mit einer Handbewegung.
    „Du hast gerade eben deine Ausbildung begonnen. Willst du das nun in den Wind schlagen?“, fragte sie mit ernster Stimme.
    „Ich breche sie nicht ab“, widersprach Devi. „Ich übe weiter während ich unterwegs bin.“
    „Sei ganz ehrlich mit dir. Glaubst du, du kannst deinen Geist unter Kontrolle behalten, wenn du in dieses Land zurückkehrst, wenn du in einen Kampf hineingezogen wirst. Und siehst, wie Menschen, die dir nahestehen verletzt oder getötet werden?“
    Devi zog eine Grimasse. „Ich bin mir sicher, dass ich in diesem Moment tue was nötig ist. Ich kann sie beschützen.“ Zur Demonstration flackerte eine Flamme über Devis Schulter auf. „Ich habe mich im Griff.“
    Fassungslos verfolgte Ganesha das Gespräch. Wie konnte sie sich nur so sehr überschätzen? Es war noch nicht lange her, dass sie Jakob völlig von Sinnen angefallen hatte. Seither hatte er sich pausenlos um sie gekümmert, hatte mit Amma und Shaukats Hilfe ihren Geist beruhigt, sie in den Schlaf gesungen. Er war so erleichtert gewesen, als sie ihm gesagt hatte, sie wolle die Ausbildung als Schamanin bei Amma antreten, um einen Weg zu finden, den bösen Geist loszuwerden oder wenigstens zu besänftigen. Und nun wollte sie das alles aufs Spiel setzen?
    „Komm nachher in mein Zelt. Ich werde testen, ob du standhaft genug bist“, beschloss Amma und Ganesha atmete erleichtert auf.
    Als sich die Anchin zerstreuten, um sich vor dem Aufbruch wenigstens ein paar Stunden Ruhe zu gönnen, fing er Devi ab. Sie wollte ihm aus dem Weg gehen, doch Ganesha stellte sich ihr entgegen.
    „Willst du mich aufhalten?“, fragte sie, bereit zum Wortgefecht.
    „Ich mache mir Sorgen.“
    „Ich habe mich im Griff.“
    Ganesha hob eine Braue. „Ich kenne dich zu gut, Devi.“
    Sie seufzte. „Wie mühsam“, meinte sie. „Warum nur machst du dir die ganze Mühe? Ich bin es nicht wert“, setzte sie mit einer Spur Bitterkeit hinzu und wandte den Blick von ihm ab.
    „Du kennst die Antwort auf diese Frage. Du bist wertvoller für mich als alle Mädchen der ganzen Erde.“
    „Wie habe ich das verdient?“, fragte sie und fuhr sich mit den Händen übers Gesicht.
    Traurig blickte Ganesha sie an. „Warum bist du nur so stur? Du hast alles, was man sich wünschen kann, oder etwa nicht? Aber es liegt nicht an dir. Es liegt an diesem, diesem … Gäbe es irgendeine Möglichkeit diese Last von dir zu nehmen, dann würde ich es tun.“
    „Ganseha, es tut mir leid, dass ich so bin. Ich weiß, dass ich dir nie genug danken kann für alles was du für mich tust. Und ich möchte mich ändern. Deshalb habe ich Amma um Hilfe gebeten. Dass ich nun gehen will, heißt nicht, dass ich alle Warnungen in den Wind schlage und einfach abhaue. Im Gegenteil. Ich möchte mich meiner Vergangenheit stellen. Und auch meiner Gegenwart. Deshalb möchte ich nach Lux.“ Sie trat auf ihn zu. „Würdest du mich begleiten?“, fragte sie und die Hoffnung in ihrer Stimme zerriss ihm beinahe die Brust. „Wenn Amma mich gehen lässt, hilfst du mir dann? Wenn ich die Kontrolle verliere, dann bist du der einzige, der mich wieder zurückholen kann.“
    „Du bist wirklich unmöglich“, erwiderte Ganesha schwermütig. „Ich hoffe wirklich, dass Amma dich wieder zur Vernunft bringt. Aber falls sie dich gehen lässt, dann komme ich mit“, versprach er widerwillig.
    Ihr Gesicht leuchtete auf. „Du bist der Beste!“, rief sie und warf sich ihm um den Hals.
    Etwas überfordert tätschelte er ihren Kopf. „Sag das lieber nicht zu früh“, meinte er und schob sie wieder von sich. „Lass uns zu Amma gehen.“

    Hi @Rainbow

    Jakob, Wahnsinn oder Schicksal? (564 n. Rh.) Teil IV
    Jakobs Schädel pochte noch immer, als er wieder zu sich kam. Wirre Träume hatten ihn gequält und einen seltsamen Nachgeschmack in seinem Innern hinterlassen. Da war ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust, das ihn auch nach dem Aufwachen noch nicht loslassen wollte.
    Sollte was trinken, dachte er und stützte sich auf. Es war dunkel um ihn herum. Befand er sich in einem Zimmer?
    Wo sind die anderen? Ajit! Wie ein Pfeil bohrte sich die Erinnerung durch seine Brust. Ich war in dem Haus und bin zusammengebrochen! Der Angreifer!
    Panisch schaute Jakob sich um, doch er musste feststellen, dass er sich an einem anderen Ort befand, als wo sein Erinnerungsfaden abriss. Er konnte einen kargen Raum ausmachen, jemand hatte ihn auf ein einfaches Lager gebettet. Die Banditen, sie haben mich erwischt!, vermutete er voller Schrecken. Aber nein, dann wäre ich gefesselt, oder längst tot.
    Jakob hörte Stimmen von draußen. Ist der Kampf bereits zu Ende?, fragte er sich.
    Er tastete die Wand ab, bis er eine Tür fand. Sie war nicht verriegelt und so gelangte er einen Wohnraum und von dort nach draußen auf die Straße. Mit Erleichterung stellte er fest, dass er sich noch immer im Dorf Alea befand. Die Morgendämmerung war bereits angebrochen, es roch nach verbranntem Holz und Schwefel. Das Haus, in welchem er aufgewacht war, befand sich im Dorfkern. Die Grube konnte er von hier aus nicht sehen, doch ein Stück des Drachen ragte über die Hütten hinaus. Nun im schalen Licht der noch nicht aufgegangenen Sonne sah er die Stangen, Stricke und Stoffbahnen, aus welchen der Drache zusammengezimmert war. Im anbrechenden Morgen stand er wie die abgestreifte Haut eines Insekts zwischen den Häusern, leer und tot.
    Jakob wandte sich ab und folgte den Stimmen zu einem Haus gegenüber. „Du kannst es nicht abschneiden! Er wird nie mehr reiten können!“, kreischte Verma, als Jakob eintrat.
    Sie beugte sich schützend über einen Menschen, der auf Decken auf dem Lehmboden lag.
    „Er verliert zu viel Blut, wir müssen es amputieren“, entgegnete Shankar müde aber bestimmt. „Du hast versucht, was du konntest, nun führt kein Weg mehr daran vorbei.“
    „Nein, es ist schon gar nicht mehr so schlimm!“, beharrte Verma.
    „Das ist unvernünftig von dir. Er stirbt, wenn wir es nicht amputieren“, entgegnete Shankar.
    „Verma, lass nur“, hörte Jakob Shivs gepresste Stimme.
    Jakob getraute sich kaum an Verma vorbei auf den Mann am Boden zu blicken. Er konnte Shiv kaum wiedererkennen, so abgekämpft sah er aus. Jakobs Blick wanderte an ihm herunter, registrierte etliche Verletzungen an den Armen, am Oberkörper und blieb schließlich an seinem Bein haften. Es war kaum mehr als ein Bein zu erkennen; blutiger Klumpen traf es eher.
    „Bringen wir’s hinter uns, Shankar“, forderte Shiv den Anführer auf.
    Prema stand neben Verma und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Du musst uns helfen, Verma. Sonst verblutet er während der Amputation.“
    Verma hatte Tränen in den Augen. „Vielleicht schaffe ich es noch…“
    Doch Prema schüttelte den Kopf. „Du hast es lange genug versucht. Du vergeudest deine Kraft.“
    Jakob starrte immer noch auf den Klumpen, der einstmals Shivs Bein gewesen war.
    Es wird auf beiden Seiten Verluste geben, hallte eine Stimme in seinem Kopf nach. Wer hatte das gesagt? Er wusste es nicht mehr. Konnte es sein, dass es noch mehr von ihnen erwischt hatte?
    Wie geht es Ajit und Ananda?
    Jakob wollte die Frage laut stellen, doch er brachte kein Wort heraus. Und wie geht es all den anderen? Hier im Raum sah er nur die vier, ansonsten war niemand da.
    „Jakob, du musst das nicht mitansehen“, sprach Shankar ihn an.
    Jakob merkte, dass er immer noch auf die Wunde starrte.
    „Du kannst ins Haus nebenan gehen und nachsehen, wie es Ajit geht“, schlug Shankar vor, um ihm einen Grund zum Gehen zu geben.
    „Ajit ist nebenan?“, fragte Jakob. „Und Ananda?“
    „Keine Ahnung wo der ist“, sagte Shankar. „Aber ihm geht es gut“, fügte er hinzu, als er Jakobs schockierten Blick sah. Dann bugsierte er ihn sanft nach draußen. „Da drüben“, sagte er und deutete auf das Haus zur Linken.
    Wie in Trance ging Jakob auf die besagte Hütte zu. Was für ein Anblick erwartete ihn dort drin? War Ajit noch viel schlimmer zugerichtet als Shiv? Er schob das Tuch vor dem Eingang zur Seite. Eine kleine Kerze erhellte den kargen Raum. Khanna saß daneben, an die Wand gelehnt und polierte ihren Säbel. Sie blickte auf, als Jakob eintrat und fixierte ihn mit ihren wachen Augen. Auch ihr stand die Anstrengung der Nacht ins Gesicht geschrieben. Wortlos schaute sie ihn an. Nahm sie es ihm übel, dass er Ajit im Stich gelassen hatte? Jakobs Magen verkrampfte sich. Er schaute weg und hielt nach seinem Freund Ausschau. Er entdeckte seine schlanke Gestalt in einer Nische, die als Lager für ihn hergerichtet war. Am liebsten wäre Jakob gleich wieder gegangen, doch er zwang sich, auf Ajit zuzugehen und sich neben ihn auf den Boden zu knien. Ajits Gesicht ließ keine Regungen erkennen. Er war blass und sah aus wie tot.
    „Wie geht es ihm?“, fragte Jakob steif.
    „Er lebt, falls du das meinst“, entgegnete Khanna.
    „Gibt es…?“, begann Jakob. „Ist jemand…?“ Er wollte die Antwort auf seine Frage nicht wirklich wissen. Aber es konnte nicht sein, dass jemand von ihnen…
    „Keine Toten auf unserer Seite“, antwortete Khanna knapp.
    Jakob atmete langsam aus. Keine Toten. Aber Verletzte. Er hob die Hand, um Ajits Wange zu berühren, zog sie jedoch wieder zurück. Er wollte ihn nicht wecken.
    „Was ist passiert, nachdem ich zusammengebrochen bin?“, fragte Jakob und brachte damit die schreckliche Wahrheit über die Lippen. Khanna direkt anzusehen wagte er jedoch nicht, stattdessen blickte er weiter auf Ajits Gesicht.
    „Ich wollte Verma holen, da sie von uns die besten Tricks auf Lager hat, um Menschen zusammenzuflicken“, erzählte Khanna. „Aber ich konnte sie nicht finden und bin in ein paar der Dorfbewohner hineingerannt, die gerade dabei waren eines der brennenden Häuser zu löschen. Dort habe ich mich Shiv angeschlossen, der die Dorfbewohner zu schützen versuchte. Doch die Banditen hatten Wolfshunde bei sich. Keine schöne Sache.“
    Wie um ihre Worte zu unterstreichen, drang ein gedämpfter Schrei zu ihnen herüber. Jakob grauste bei dem Gedanken, was mit Shiv gerade im Nebenhaus passierte.
    Jakob warf einen Blick zu Khanna hinüber. Er bemerkte die dunklen Schatten, die unter ihren Augen lagen und den Verband an ihrer Schulter. Anscheinend war auch sie nicht unverletzt geblieben.
    „Es hat etwas länger gedauert als geplant, bis ich Verma schließlich herbringen konnte“, sprach sie weiter. „Ajit war noch am Leben, aber dich konnte ich nirgends finden…“
    „Es tut mir wirklich leid!“, schwor Jakob und sah Khanna endlich direkt in die Augen. „Ich wollte ihn beschützen. Ich bin in eine Hütte gegangen, um ihn von da aus zu beobachten und dann dachte ich, da sei jemand. Ich wollte mich verteidigen, doch dann bin ich zusammengeklappt.“ Er konnte sich noch immer selbst nicht genau erklären, weshalb er eigentlich das Bewusstsein verloren hatte. Außer an seinem Ohr hatte er keine Verletzungen davongetragen.
    Khanna sah ihn unbeeindruckt an, kommentierte seine Geschichte jedoch nicht. Sie fuhr mit ihrer Erzählung fort: „Ich habe dich dann in dieser Hütte auf dem Boden liegend gefunden. Du hast im Schlaf gemurmelt und um dich geschlagen, als ich dich fortschaffen wollte. Wovon hast du geträumt?“
    Jakob war überrascht, dass sie ihn danach fragte. „Ich weiß es nicht mehr genau. Aber was soll’s es war nur ein Traum.“
    „Träume sind nicht nur immer einfach Träume. Ich dachte, das hättest du bereits gelernt“, sagte eine Stimme vom Eingang her.
    Jakob sah auf und erblickte den Turbanmann. „Bist du nicht verletzt?!“, fragte Jakob und stand auf.
    Ananda hob beschwichtigend die Hände. „Kein Kratzer.“
    Tatsächlich sah der Turbanmann frisch und unversehrt aus, als hätte er gerade einen gemütlichen Morgenspaziergang und nicht einen Kampf hinter sich.
    „Aber ich habe gesehen, wie der Bandit dich von hinten erwischt hat“, setzte Jakob nach.
    „Das wäre mir bestimmt aufgefallen“, versicherte Ananda und setzte sich zu ihnen auf den Boden.
    Auch Jakob setzte sich wieder hin und beäugte den Turbanmann ungläubig. Wie konnte er noch aufrecht gehen? Oder hatte er sich wirklich getäuscht?
    „Wie geht’s den Gefangenen?“, fragte Khanna.
    „Sie sind alle gut verschnürt und wohlbehalten. Prema hat sich bereits mit ein paar Freiwilligen um sie gekümmert.“
    „Und die Toten?“
    „Die werden wir mit ein paar der Gefangenen zurückschicken. Als Warnbotschaft“, erwiderte Ananda.
    „Hast du gesehen, wie jung einige von ihnen sind?“, fragte Khanna nach und Ananda nickte.
    „Ein paar sind jünger noch als Jakob und Ajit. Aber einige haben auch schon mehr Jahre auf dem Buckel als Shankar.“
    Jakobs Aufmerksamkeit driftete ab. Er war müde, fühlte sich geradezu erschlagen. Er wollte einfach nur noch schlafen und sich nicht um all die üblen Dinge kümmern müssen.
    Mit einem Ohr hörte er Khanna sagen: „Was treibt diese Menschen dazu, so zu handeln?“
    „Ich habe mit ein paar von ihnen gesprochen. Es ist vor allem die Not in dieser Gegend, welche die Menschen zu solchen verzweifelten Taten bewegt. Aber was mir mehr Sorgen macht, sind die Berichte von diesem Drahtzieher, den sie den Maskierten nennen. Es scheint so, als sei aus einem anfänglich unkoordinierten Banditenhaufen allmählich ein größeres Netzwerk entstanden.“
    „Ein Netzwerk? Worauf haben wir uns da nur eingelassen?“, fragte Khanna erschöpft.
    Jakob erhob sich und ging zur Tür. „Wohin willst du? Läufst du davon?“, fragte Khanna scharf.
    „Lass ihn“, ging Ananda dazwischen. „Er muss das erst verdauen. Das braucht Zeit“, beschwichtigte er sie.
    Jakob ballte die Fäuste und verließ die Hütte ohne zurückzublicken.
    Ich laufe davon, ja, dachte er verzweifelt. Aber was kann ich schon tun? Hätte ich doch nicht darauf bestehen sollen, dass wir helfen?
    Am liebsten hätte er seinen Frust laut hinausgeschrien. Doch er biss sich auf die Zunge, schluckte seine Gefühle hinunter und eilte lautlos über die Straße. Dass jemand auf ihn aufmerksam wurde, wollte er vermeiden, denn geredet hatte er für den Moment genug. Viel lieber wollte er sich verstecken, in einer dunklen Höhle, in welcher ihn das Leben nicht mehr erreichen konnte.
    Warum müssen solche Dinge überhaupt geschehen? Diese vermaledeiten Banditen! Wären wir doch im Stamm geblieben und hätten weiter Schafe gehütet. Aber ich musste ja ein Abenteuer haben. Das einfache Leben da war ja nicht spannend genug.
    Jakob stürmte in das Haus, in welchem er vor Kurzem aufgewacht war. Er fand seinen Weg zurück zu seinem Lager und verkroch sich unter den Decken. „Bitte lass mich einfach schlafen“, flehte er und versuchte weder an die vergangene Nacht noch an Ajits fahles Gesicht oder Shivs Schreie zu denken.

    Jakob, Wahnsinn oder Schicksal? (564 n. Rh.) Teil III
    Ananda rammte den Banditen, den er vor sich hatte, mit der Schulter und beförderte auch ihn durch den Feuerring in das Loch vor dem Drachen. Dann wirbelte er herum und stellte sich dem nächsten Gegner, als hätte sich nicht gerade eben ein Schwert in seinem Rücken versenkt.
    „Steh nicht rum!“, bellte Khanna, die wie ein Wirbelwind mit ihrem Säbel an Jakob vorbeirauschte, mitten in einem wilden Schlagabtausch mit gleich zwei Banditen.
    „Verdammte Scheiße!“, brüllte Jakob. Tränen der Wut brannten in seinen Augen, als er sich auf einen ihrer Gegner stürzte. Durch seinen Angriff abgelenkt, gelang es Khanna dem einen die Schwerthand zu verletzen. Er schrie gequält auf und seine Waffe fiel mit dumpfem Geräusch zu Boden. Im Schein der Flammen hinter ihm konnte Jakob das Gesicht des Fremden nur verzerrt erkennen. Panik zeichnete sich auf den jugendlichen Zügen ab, bevor Khanna ihn in die Grube stieß. Auch dem Zweiten erging es nicht besser. Er versuchte zu fliehen, doch Ananda stellte sich ihm in den Weg.
    Der ist nicht älter als ich!, schoss es Jakob durch den Kopf.
    Der Junge ließ seine Waffe fallen, hob schützend die Arme vor sein Gesicht und schon schickte Ananda ihn zu seinen Gefährten in den Abgrund.
    „Bist du nicht verletzt?!“, rief Jakob und versuchte einen Blick auf Anandas Rücken zu erhaschen.
    „Mein Herz fühlt sich an, als würde es in Stücke geschnitten, aber das wirst du wohl kaum gemeint haben“, antwortete ihm der rätselhafte Krieger. „Khanna und Jakob, ihr kümmert euch um Ajit, ich helfe den Dorfbewohnern beim Löschen!“, wies er sie an und Jakob wurde klar, dass er seinen Freund tatsächlich für einen Moment vergessen hatte.
    Bestürzt rannte er los, um ihn wiederzufinden. Von den Banditen sah er keinen mehr, aber er hörte noch immer Schreie. Von wem, wusste er nicht, doch er hoffte, dass es die Schreie der Gefangenen in der Grube waren.
    „Ajit!“, rief er und suchte die Umgebung ab.
    „Wo ist er, Jakob?“, drängte Khanna.
    „Er war hier! Neben dem Wagen“, versicherte Jakob verzweifelt. „Er sah aus wie tot.“
    „Suchen wir ihn, vielleicht ist es ihm gelungen, sich in Sicherheit zu bringen“, vermutete Khanna.
    Sie teilten sich auf und suchten die Umgebung ab. „Ajit!“, rief Jakob erneut und plötzlich packte ihn etwas am Knöchel. Ein spitzer Schrei entfuhr ihm und er befreite seinen Fuß mit einem Ruck. Eine Hand schaute aus dem Boden heraus, dann verschwand sie zwischen Ästen und Blättern. Jakob starrte auf die Stelle, bis ihm klar wurde, dass dies das Versteck war, in welchem Ajit auf die Ankunft der Banditen gewartet hatte. „Ajit?“, fragte er nun leiser und kniete sich neben die Mulde.
    Mit zitternden Fingern schob er ein Stück des schützenden Blattwerks weg und darunter kam tatsächlich das Gesicht seines Freundes zum Vorschein. „Verdammt, du hast mich zu Tode erschreckt“, wisperte er. „Du siehst furchtbar aus.“
    Ajit stöhnte. „Khanna! Er ist hier“, rief Jakob und wandte sich dann wieder an Ajit. „Ananda sagt, wir sollen uns um dich kümmern. Ich bin sicher, dass Shankar oder Prema dich wieder zusammenflicken können“, fügte er etwas hilflos an.
    Die Kriegerin kniete sich neben ihn. „Ich weiß nicht, ob wir ihn bewegen sollten, solange wir nicht wissen, wie schwer seine Verletzungen sind“, überlegte sie. Auch sie schien etwas ratlos. Vorsichtig schob sie die Blätter von seinem Körper weg, Ajit schien wieder in Bewusstlosigkeit versunken zu sein. „Verdammte Scheiße“, knurrte die Kriegerin, als eine große Blutlache unter dem Laub zum Vorschein kam. Wie ein schwarzer See breitete sich das Blut weiter über Ajits Brust aus, sein Hemd war aufgeschlitzt.
    „Bleib du hier und pass auf ihn auf.“ Khannas Worte drangen nur verzögert zu Jakob durch, der entsetzt auf die Wunde starrte. „Hörst du?!“, rief die Spielfrau und versetzte ihm einen Klaps an den Hinterkopf.
    „Ja“, stotterte Jakob. Er fühlte sich schwindlig und schwach. Er vermochte nicht einmal die Arme zu heben, um sich gegen die aufgebrachte Kriegerin zu schützen.
    Schnell deckte sie Ajit wieder mit Laub zu. „Aber sitz hier nicht einfach so rum, Jakob! Versteck dich und komm nur raus, wenn jemand auf ihn aufmerksam wird. Ich hole Verma.“
    Noch ehe Jakob protestieren konnte, war sie bereits davongestürmt. „Wir kriegen dich wieder hin“, versprach Jakob seinem Freund, auch wenn der ihn nicht hören konnte. „Bald bist du wieder in Ordnung.“
    Taumelnd kam er auf die Füße. Er fühlte sich speiübel. Mit wackligen Schritten erreichte er das nächste Haus. Das Tuch, das einst den Eingang bedeckt hatte, war heruntergerissen worden.
    Sind sie etwa hier drin?! Panisch kämpfte Jakob gegen die Übelkeit an und versuchte etwas im Innern der Hütte zu erkennen. Nur mit Mühe konnte er sich aufrecht halten und die schwarzen Flecken vor seinen Augen wurden immer größer und zahlreicher. Ich muss Ajit beschützen, kann jetzt nicht zusammenbrechen…
    Hustend lehnte er sich gegen die Wand. Wenn jemand hier war, dann hatte er ihn spätestens jetzt gehört. Reflexartig langte er nach seinem Stock und merkte, dass er ihn nicht bei sich hatte. Er ballte die Fäuste. Notfalls verteidige ich mich eben so, dachte er und presste die Hand gegen den pochenden Schädel. Dabei langte er in das Blut, das von seinem Ohr den Hals hinunterlief. Wann hat es mich denn erwischt?, fragte er sich.
    Eine Bewegung innerhalb des Hauses lenkte ihn ab. Plötzlich wurde es taghell um ihn. Das Licht blendete Jakob, sodass er sich schützend die Hand vor die Augen halten musste. Ein Mann trat aus dem Licht heraus. Sein Leib war mit einer einfachen Rüstung gepanzert, in der Hand hielt er ein Schwert. „Hör auf dich vor mir zu verstecken!“, rief der Fremde. In seinem Gesicht konnte Jakob Zorn, Trauer, Bitterkeit erkennen.
    Beim Anblick des Mannes schnürte sich Jakobs Kehle zu. Nun konnte er ihm nicht mehr aus dem Weg gehen. „Du willst dich wohl von mir persönlich hinrichten lassen!“, schrie Jakob und versuchte das Getöse der Schlacht um sie zu übertönen.
    „Hinrichten willst du mich also? Du bist so blind wie dein Vater, wenn du dich als Richter aufspielen willst!“, rief der Andere, der sich seinen Weg auf Jakob zu bahnte. „Dass es so weit kommen konnte ist deinem Haus zu verdanken.“
    „Tu nicht so, als wäre dies meine Schuld. Du bist es, der mich verraten hat!“, schrie Jakob bebend vor Wut. Er stieß seine Lanze nach vorne und schlitzte einem Gegner die Kehle auf. „Hier siehst du, was es bedeutet den König zu hintergehen.“ Nun stand er seinem ehemaligen Freund gegenüber.
    „Komm zur Vernunft, Joachim! Du bist nicht dein Vater, du kannst dich uns noch immer anschließen“, beschwor ihn Agrippa. „Du musst deinem verrückten Vater nicht nachfolgen!“
    Joachim lachte trocken. „Wenn er verrückt ist, dann bin ich es ebenso!“, rief er und führte den ersten Schlag gegen seinen neuen Feind aus.
    „Die Macht gehört dem Volk, keinem Einzelnen!“, hielt Agrippa dagegen und wehrte den Schlag mit dem Schild ab.
    „Die Zeit des Redens ist vorbei, Agrippa!“, schrie Joachim und deckte den Anderen mit weiteren Angriffen ein. Dieser wehrte sich verbissen, doch ihnen beiden war klar, wer diesen Schlagabtausch gewinnen würde. Zu viele Stunden hatten sie mit gemeinsamen Kampfübungen verbracht.
    „Dass du dich mir freiwillig stellst, zeigt mir nur, wie töricht du bist“, knurrte Joachim. Seine Lanze fand eine Lücke in der Deckung Agrippas und sie versenkte sich in seiner Schulter.
    Sein Freund schrie und Joachim verfluchte ihn dafür, ihm nicht aus dem Weg gegangen zu sein. Doch ein Angriff von der Seite lenkte Joachim ab. Es gelang ihm, das Schwert mit seinen Armschienen abzuwehren, doch ein zweiter Streich folgte bereits von der anderen Seite. Während er sich mit Agrippa beschäftigt hatte, hatten ihn die Verräter eingekreist. Joachim schnaubte. Er hatte sich zu sehr ablenken lassen.
    „Nein!“ hörte er Agrippas Stimme. Ohne hinzusehen, ließ er seine Lanze kreisen und führte einen Streich aus. Sehnen, Fleisch, Knochen wurden durchtrennt, die Lanze fraß sich gierig durch den Hals seines Freundes. Der Kopf fiel, der Körper schien noch eine Zeit lang in der Schwebe zu sein, bevor auch er zu Boden sackte.
    „Er wollte ihn retten!“, hörte Joachim jemanden keuchen.
    Es dauerte einen Moment, bis Joachim verstand, was eben vorgefallen war. Agrippa hat sich zwischen mich und den Mann da gestellt, um mich vor seinem Angriff zu schützen! Und ich habe ihn umgebracht!
    „Er hätte sich besser nicht auf die falsche Seite stellen sollen“, knurrte Joachim und fasste sein nächstes Ziel ins Auge.



    Muahahaa, ein bööser Cliffhanger :diablo:


    Jakob, Wahnsinn oder Schicksal? (564 n. Rh.) Teil II
    Jakob lag mit geschlossenen Augen da. Da es mitten in der Nacht war, hätte er auch so nichts gesehen und seine geschlossenen Lider verhinderten wenigstens, dass ihm Dreck in die Augen rieselte. Möglichst bewegungslos lag er in der Mulde. Mit jedem Atemzug sog er den Geruch von Erde und Laub ein und hoffte, dass man ihn tatsächlich nicht sehen konnte. Höchstens zwei Armeslängen von ihm entfernt lag Ajit, doch er konnte nicht das leiseste Geräusch von ihm vernehmen. Lebendig begraben, dachte er. Was für verrückte Ideen. Na wenigstens bekomme ich noch Luft…
    Ein Tag zuvor waren zwei Abgesandte der Banditenhorde im Dorf aufgetaucht, um die verlangten Kinder mitzunehmen. Mit Leichtigkeit war es den Spielleuten gelungen, die beiden gefangen zu nehmen und seither hatten sie auf das Anrücken ihrer Gefolgsleute gewartet. Nun war es so weit. Ananda hatte Alarm geschlagen und Jakob konnte nur hoffen, dass der Turbanmann mit geschlossenen Augen tatsächlich mehr sah als mit offenen – sonst lag er hier nämlich vergeblich in dieser Grube und atmete Dreck ein. Es juckte ihn in der Nase. Jetzt nur nicht niesen!, beschwor er sich. Etwas Dümmeres könnte mir wohl kaum passieren.
    Zu gerne hätte er sich nun gekratzt, aber er zwang sich bewegungslos liegen zu bleiben und zu horchen. Es war beinahe totenstill. Irgendetwas krabbelte über sein Bein. Ungeziefer!
    Angespannt versuchte er das sich immer höher tastende, vielbeinige Wesen zu ignorieren und strich mit einem Finger über den Stock, den er zur Seite hatte. Ich bin bereit, was auch immer kommt, redete er sich zu, doch seine Hände schwitzten und sein Herzschlag war eine Spur zu schnell.
    Vielleicht hat er sich doch geirrt, überlegte Jakob, als er ein leises Wispern in der Stille vernahm. Leise, rasche Schritte im Gras, das Reiben von Stoff aufeinander. Wie erstarrt lag er da. Wie viele sind es?! Er spitzte die Ohren, versuchte ihre Anzahl abzuschätzen. Jäger auf Beutezug und wir sind ihre Opfer.
    Es hörte sich an wie eine ganze Armee, die sich seinem Versteck am Rande des Dorfes näherte. Wie unzählige Füße, unzählige Leiber. Gleich ist es soweit! Jakob hielt den Atem an, es schien ihm nun beinahe unmöglich bewegungslos zu verharren. Der Boden erzitterte kaum merklich, als die ersten an ihm vorüberkamen und Erde rieselte zu ihm in die Grube. Ein lautes Knacken ertönte, gefolgt von einem gedämpften Ausruf, dann krachte der Boden unter den Füßen der Eindringlinge mit lautem Getöse zusammen.
    Das war sein Moment. Ohne abzuwarten, ob auch Ajit aus seinem Versteck hervorkam, sprang Jakob auf. Das Laub und die Äste, welche ihn bedeckt hatten, fielen von ihm ab. Den Stock in beiden Händen versuchte er sich zu orientieren. Der Mond schien gerade hell genug, um das Chaos vor ihm schemenhaft zu beleuchten. Mehrere Gestalten drängten rückwärts auf ihn zu, weg von dem großen Loch, welches sich vor ihnen auftat. Die erste Falle hatte scheinbar ihre Wirkung gezeigt, denn Jakob konnte Schreie und Rufe aus der Grube vernehmen. Nun war es an ihm, diejenigen von hinten zu überraschen, welche nicht auf den präparierten Boden getreten waren.
    Mit so viel Kraft wie möglich schwang er seinen Stock durch die Luft und traf hart auf den Schädel eines der Banditen. Selbst einen Moment erschrocken von der Wucht des Aufpralls, taumelte Jakob zurück, der Bandit stürzte. Ein anderer drehte sich zu Jakob um und hob fluchend seine Waffe. Jakob japste erschrocken und wich der Klinge aus, stolperte zurück.
    „Ruhig bleiben“, raunte Ananda ihm zu, berührte ihn kurz an der Schulter und sprang dem Angreifer mit einem Satz entgegen.
    Jakob bemerkte, dass er zitterte. Entschlossen packte er den Stock fester und biss die Zähne aufeinander. Mit unglaublicher Eleganz und Geschwindigkeit entwaffnete Ananda den Banditen und beförderte ihn mit einem Tritt gegen die Brust in die Grube hinter ihm, wobei der Fallende gleich einen seiner herauskletternden Kameraden, mit sich in die Tiefe riss.
    Ein Schrei ließ Jakob zusammenzucken. Er sah gerade noch wie Ajit seine Waffe fallen ließ und nach hinten stürzte. „Ajit!“, brüllte Jakob und preschte auf den Bewaffneten zu, der seinen Freund gerade abstechen wollte. „Du verdammter Monsterochse!“, rief Jakob, was den Banditen von Ajit ablenkte und ihn aufblicken ließ.
    Jakob ließ den Stock von oben auf den Mann herabsausen, doch dieser parierte den Schlag mit seiner Waffe und stieß Jakob zurück. Bei seinem nächsten Schwung zielte Jakob auf die Kniegelenke, doch der Bandit sprang blitzschnell zurück, um dann sogleich zum Gegenschlag auszuholen. Nur um Haaresbreite verfehlte seine Klinge Jakobs Scheitel. Jakobs Stock hatte zwar die größere Reichweite als das rostige Schwert seines Gegenübers, doch dieser war dafür flinker mit seiner Waffe. Der Bandit stach zu und Jakob gelang es nur mit Mühe, sich die Klinge mit seinem Stock fernzuhalten. Das Metall schabte über das Holz und Jakob war klar, was letztlich standhafter sein würde.
    Ich muss ihn ausschalten!, schoss es ihm durch den Kopf, doch er hatte weder keine Zeit zu denken noch um sich um Ajit Sorgen zu machen, denn der Bandit zielte bereits auf seinen Hals.
    Jakob lehnte sich zur Seite und schoss gleichzeitig nach vorne, den Stock auf das Kinn des Gegners gerichtet. Brennender Schmerz fuhr durch sein Ohr, die Klinge musste ihn erwischt haben. Er verfehlte sein Ziel, taumelte nach vorne. Etwas prallte seitlich in ihn hinein und Jakob wurde auf den Boden geworfen. Schwarze Flecken tanzten vor seinen Augen, als er wieder auf die Füße kam und sah sich von drei Männern umringt. „Ajit!“, rief er und versuchte gleich alle drei auf einmal im Blick zu haben. Wo bleibt dieser verdammte Drache?!
    Seine Glieder waren zum zerreißen gespannt, der Strom seiner Gedanken brach ab, nun gab es nur noch ihn und seine Gegner. Eine minimale Bewegung zu seiner Linken und sofort stieß er den Stock in diese Richtung. Dabei drehte er jedoch einem anderen den Rücken zu. Ob er es hörte, spürte oder einfach nur erahnte, wusste er nicht, aber Jakob ließ sich gerade noch rechtzeitig zu Boden fallen, als ein Schwert über ihm hinwegsurrte.
    Wie eine Katze sprang er augenblicklich wieder hoch und schwang den Stab in weitem Bogen durch die Luft, um die Banditen auf Abstand zu halten. Doch sein Angriff hatte keine Kraft. Scheinbar mühelos stoppte einer von ihnen den Stab und packte ihn am freien Ende. Völlig überrascht starrte Jakob den Banditen an. Damit hatte er nicht gerechnet!
    In dem Moment entflammte hinter ihnen ein Meer aus Flammen. Endlich!, stöhnte Jakob.
    Abgelenkt von der plötzlich aufwallenden Hitze verloren sie ihr Opfer einen Moment aus den Augen, wodurch Jakob sich aus ihrer Mitte retten konnte. Das Feuer zog sich rund um das Loch, in welchem noch immer einige von den Banditen gefangen waren. Ein ohrenbetäubendes Kreischen erfüllte die Luft und selbst Jakob, der auf das Kommende mehr oder weniger vorbereitet war, erschauderte bei dem zermürbenden Geräusch. Die Flammen qualmten und stinkender, schwarzer Rauch stieg hoch empor und sammelte sich in der Grube. Hustend flüchtete Jakob sich hinter einen Wagen und rieb die brennenden Augen. Mit Genugtuung beobachtete er, wie die Eindringlinge kopflos durcheinanderrannten und ihren gefangenen Freunden zu helfen versuchten. Und dann, mitten aus dem Rauch, stieg etwas empor, schob sich vor den Mond und seine riesenhafte Silhouette zeichnete sich gewaltig vor dem Himmel ab. Die Augen waren zwei glühende Punkte in der Dunkelheit und es riss sein gigantisches Maul auf. Schreie erfüllten die Luft, einige der Banditen ließen ihre Schwerter fallen und deuteten nach oben. „Es funktioniert!“, rief Jakob begeistert.
    Rote Funken stoben auf und dann ergoss sich ein Feuerstrahl aus dem Rachen des Ungeheuers. Die Banditen stoben auseinander, um dem tödlichen Angriff zu entkommen. Einige versuchten zu fliehen. Das würde euch so passen!, dachte Jakob und sprang mit neuem Mut hinter seinem Versteck hervor.
    Er wollte gerade auf seinen der Fliehenden losstürmen, als er über etwas stolperte und hinfiel. Verdammt!, fluchte er und schaute zurück.
    Ein regloser Körper lag da auf der Erde und bei dem Anblick drehte sich Jakob der Magen um. Er erbleichte, als er Ajits fahles Gesicht erkannte. „Ajit“, krächzte er und packte den Freund an den Schultern. „Ajit!“
    „Dafür hast du keine Zeit!“, rief jemand und Ananda tauchte neben ihm aus dem Nichts auf, einen Angriff auf Jakobs Rücken abwehrend.
    Er ist tot, er ist tot, er ist tot, leierte Jakobs Verstand vor sich hin. Mit starrem Blick sah er auf Ajits reglosen Körper und bemerkte nicht, dass das Haus neben ihm in Flammen aufging.
    Eine Hand packte ihn im Nacken und zog ihn hoch. Ihm entfuhr ein Schrei und er strampelte vergeblich in der Luft. „Du hast gewusst, dass das kein hübscher Mondspaziergang wird, also nimm dich zusammen. Er ist noch nicht tot“, knurrte Ananda und stellte ihn auf den Boden.
    „Er ist noch nicht tot?“, wiederholte Jakob.
    Doch Ananda hatte keine Zeit, sich weiter um ihn zu kümmern. Ein Mann mit einem brennenden Holzscheit bewaffnet stürzte sich auf ihn. Noch immer benommen verfolgte Jakob den Schlagabtausch. Es sah aus, als würde Ananda leicht mit dem Banditen fertigwerden, doch dann gesellte sich ein zweiter hinzu und attackierte den Turbanmann von hinten. „Ananda!“, rief Jakob, doch es war zu spät. Die Klinge drang durch den Körper des Kriegers.
    Jakob schrie auf, stürmte nach vorne und hieb mit seinem Stock auf den Rücken des Mannes ein. „Hinterhältiges Schwein!“, schrie er und der Mann brach zusammen.

    @Rainbow

    @Aztiluth



    Jakob, Wahnsinn oder Schicksal? (564 n. Rh.) Teil I
    Misslaunig stach Jakob mit der Nadel durch den rauen Stoff. Frauenarbeit!, schimpfte er innerlich und warf dem Mädchen neben sich einen Blick zu. Sie ging viel schneller und geschickter mit der Nadel um als er.
    „Wir können nur hoffen, dass das auch funktioniert“, murrte Jakob. Er hätte auf die Tricks der Spielleute lieber verzichtet und wäre den Banditen offen gegenübergetreten.
    „Mach dir da mal keine Sorgen. Wenn Verma sagt das klappt, dann wird es auch“, meinte Ajit, der ebenfalls zum Nähdienst verdonnert worden war.
    Jakob musste niesen. „Ah, hier ist es einfach zu staubig“, beklagte er sich.
    Es kam ihm so vor als würden sie bereits seit Stunden im Strohlager sitzen und an dem Ding rumbasteln. „Ich brauch mal ein bisschen frische Luft, kommst du mit?“, fragte er seinen Freund, doch der schüttelte den Kopf.
    „So langsam hab ich den Dreh raus, geh du ohne mich“, sagte Ajit.
    „Ist das dein Ernst?“, fragte Jakob ungläubig. „Du magst das?“
    Ajit zuckte mit den Schultern. „Ist mal was anderes“, meinte er nur und zog den Faden durch das Loch.
    „Dir hat der Staub das Hirn zerfressen“, entgegnete Jakob.
    Ajit zog eine Schnute. „Ich kann eben noch anderes als nur mit dem Stock auf Leute einzuschlagen“, sagte er beleidigt.
    Kopfschüttelnd ließ Jakob seinen Freund mit den anderen Nähenden zurück, kletterte die Leiter hinunter und trat hinaus auf den Platz vor dem Lagerhaus. Der Himmel draußen war bewölkt und ein kühler Wind strich zwischen den Hütten hindurch. Erneut musste er nießen, als er sich den Staub von den Kleidern klopfte. Nun ein kleiner Übungskampf mit Ganesha wäre gut, dachte Jakob sehnsüchtig. Oder ein Ausritt auf Venja…
    Doch da sie kein Aufsehen erregen wollten, waren die meisten Pferde nicht hier im Dorf untergebracht. Einige der Dorfbewohner und der Spielleute waren mit den kleinen Kindern ein Stück weitergezogen, um die Banditen weiter zu verwirren, falls sie ihr Lager entdeckt hatten.
    Die Dorfbewohner hatten die Anchin viel freundlicher aufgenommen, als Jakob gedacht hätte. Anscheinend dachten viele von ihnen ähnlich wie Perpetua. Konnte es doch sein, dass es ihr Schicksal war hier zu sein? Oder der Wille eines höheren Wesens?
    Jakob legte den Kopf in den Nacken und blickte zum trüben Himmel auf. Irgendwo dort oben saß seine Schwester und schaute hinunter zu ihm. Wie viel konnte sie beeinflussen? Konnte sie ihnen helfen die Banditen zu vertreiben? Und wenn sie da oben war, wie viele Verstorbene waren dann noch in dieser seltsamen Welt oberhalb des Weltenbaumes, an dessen Ästen die Sterne des Himmels hingen?
    „Vielleicht kann sie mich nicht sehen, wenn der Himmel bewölkt ist“, überlegte er und hielt vergeblich nach einem blauen Flecken in der Wolkendecke Ausschau.
    Ein raues Lachen holte ihn auf die Erde zurück. „Du stellst dir das alles zu weltlich vor“, grinste Ananda, der in gewöhnlichen Bauernkleidern neben einer Hütte saß.
    Jakob zog die Brauen zusammen. „Dich hab ich nicht gefragt“, sagte er, doch gleichzeitig beäugte er den Turbanmann neugierig.
    Er hatte Ananda in den beiden vergangenen Tagen beobachtet. Es kam ihm so vor, als hätte der seltsame Frauenheld zwei verschiedene Gesichter. Da war das eine, welches Jakob bereits vertraut war. Dann machte der Turbanmann kuriose Sprüche, grinste oft und erzählte seine fehlplatzierten Geschichten. Und da war auch seine andere Seite. Dann war er ernst und eher in sich gekehrt. Oft saß er mit geschlossenen Augen am Rande des Dorfes, ohne auch nur mit den Lidern zu zucken.
    „Kann es sein, dass zwei Menschen in einem Körper wohnen?“, frage Jakob geradeheraus.
    „Ich würde nichts ausschließen, nur weil ich es noch nicht gesehen habe“, gab Ananda zur Antwort.
    Genau diese Art von Ausreden war es, welche Jakob nicht leiden konnte. „Was machst du, wenn du dasitzt und nichts tust?“, fragte er weiter. „Wir haben viel zu tun, du könntest mithelfen.“
    Jakob war sich bewusst, dass er für eine solche freche Bemerkung von Prema bestimmt zurechtgewiesen worden wäre, doch Ananda gegenüber konnte er sich einfach nicht zusammennehmen.
    „Hinter den geschlossenen Läden eines Hauses kann so manches passieren.“
    Jakob verdrehte die Augen. „Und was machst du?“
    „Manchmal tue ich tatsächlich nichts. Manchmal beobachte ich die Welt“, rückte Ananda heraus.
    „Wie kannst du die Welt beobachten, wenn doch deine Augen geschlossen sind?“
    „Manchmal sieht man ohne Augen besser.“
    „Machst du das absichtlich?“, fragte Jakob genervt.
    „Was?“, fragte der Turbanmann mit Unschuldsmine zurück.
    Jakob setzte sich vor Ananda auf die Straße, stützte die Hände auf die Knie und schaute ihm direkt in die Augen. „Ich weiß nicht, ob du verrückt bist oder ob du mich absichtlich zur Weißglut treibst.“
    „Mir gefällt, dass du deine Anliegen so frei ausdrücken kannst“, entgegnete Ananda, woraufhin Jakob seinen Kopf hätte gegen eine Wand schlagen mögen.
    „Kein Wunder, dass du keine Freunde hast. Wer würde das aushalten?“, seufzte der Junge.
    Ananda lachte. „Ah, ich schätze deine Ehrlichkeit“, sagte er und lehnte sich an die Wand hinter sich. „Suchst du noch immer nach dem Sinn des Lebens?“
    Einen Moment war Jakob zu verdutzt, um antworten zu können. „Ich denke schon“, erwiderte er schließlich und überlegte, wann er dem Turbanmann von seiner Suche erzählt hatte.
    „Wo ist denn dein Enthusiasmus geblieben?“
    Jakob zog die Stirn kraus. „Der ist wohl irgendwo zwischen Ertrinken und Verdursten auf der Strecke geblieben“, gab er zur Antwort. „Ich bin auch kein Stück weitergekommen. Manchmal frage ich mich, ob das Ganze überhaupt einen Sinn ergibt. Aber dann…“ Jakob musterte den Turbanmann skeptisch. Rosalie hatte ihm geraten, Ananda zu vertrauen. Er gab sich einen Ruck. „Dann hatte ich diesen Traum, oder vielleicht war es auch kein Traum.“
    Jakob verstummte, doch Ananda unterbrach ihn nicht. Er schaute ihn nur aufmerksam an, lehnte entspannt an der Mauer. Ob nun der vernünftige Ananda da ist?, fragte Jakob sich.
    „Ich bin einen großen Baum hochgeklettert, an dessen Ästen alle Sterne des Himmels hingen und oben war eine andere Welt. Dort habe ich meine Schwester getroffen, obwohl sie bereits seit Jahren tot ist. Wir haben miteinander gesprochen und vielleicht kann ich wieder dorthin gehen, um sie zu sehen. Sie hat gesagt, dass sie dich geschickt hat, um mir zu helfen. Wie geht das? Wie kannst du mit ihr sprechen?“
    Angespannt wartete Jakob auf eine Antwort. Wenn er wieder mit einer Geschichte antworten würde, dann war das sein letzter Versuch gewesen, etwas Vernünftiges aus dem komischen Kauz herauszubekommen…
    „Was mich leitet ist der Pulsschlag der Erde, das Wispern des Windes und die Geister in den Baumkronen – und manchmal höre ich auch auf die Anliegen verstorbener Seelen. Getroffen habe ich deine Schwester nur einmal direkt, meist hat sie mir durch andere Wesen Warnungen zukommen lassen, wenn du in Gefahr warst. Sie ist wirklich sehr hartnäckig und hat nicht lockergelassen, bis ich nach Caput gegangen bin, um dich zu suchen. Du forderst dein Schicksal wirklich heraus, junger Krieger. Wärst du wie ein anständiges Kind in dem Waisenhaus geblieben, hätte ich nicht alle Hände voll zu tun, um dich aus misslichen Lagen zu befreien.“
    Jakob blieb der Mund offen stehen. „Warst du etwa die ganze Zeit hinter mir her?“, fragte er vollkommen perplex.
    „Werd mal nicht übermütig. Ich habe noch anderes zu tun, als immer auf dich aufzupassen. Aber deine Schwester hat ein Hänchen dafür, mich im richtigen Moment abzupassen.“
    „Hat sie dich auch jetzt geschickt?“, fragte Jakob aufgeregt.
    „Das hätte sie wahrscheinlich – schließlich bist du gerade dabei, dich heldenhaft dem Tod auszuliefern“, antwortete Ananda und fixierte Jakob mit seinen dunklen Augen. „Aber das war nicht nötig. Ich bin auch so gekommen. Die Anchin und die Menschen dieses Dorfes liegen mir am Herzen. Ich war selbst schon viele Male hier und kenne die Dorfbewohner gut, da würde ich nicht mitansehen wollen, wie sie alle niedergemetzelt werden.“
    Jakob schauderte. „Glaubst du, das mit dem Drachen wird funktionieren?“
    „Glauben kann man alles. Wie es kommt, das werden wir sehen, wenn es soweit ist.“
    Auf Jakobs Schnauben hin, lächelte Ananda und hob eine Braue. „Immer willst du fixe Antworten. Das Leben ist nicht in Stein gemeißelt, Jakob. Es gibt nicht einfach richtig oder falsch, gut oder schlecht.“
    „Jedes Kind weiß, was gut und was schlecht ist“, murrte Jakob.
    „Bist du dir da sicher? Hast du einmal über die Situation nachgedacht, in der du dich gerade befindest? Woher willst du wissen, ob du das Richtige tust? Nehmen wir einmal an, die Banditen überfallen dieses Dorf. Du hast mit eigenen Augen gesehen, was geschehen kann, wenn sie mit einem Dorf durch sind.“
    Jakobs Glieder versteiften sich. Daran wollte er bestimmt nicht denken.
    „Keine schöne Sache, nicht wahr? Stell dir also vor, der ganze Plan mit dem Drachen misslingt und nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch deine Freunde sterben bei dem Versuch, sie zu retten. Würdest du dich dann nicht selbst dafür verfluchen, auf deine tollkühne Heldentat bestanden zu haben?“
    „Sie werden nicht sterben!“
    „Das kannst du nie wissen.“
    „Aber Prema hat gesehen, dass das Pferd siegen wird. Wir sind das Pferd, anders macht es keinen Sinn. Und die anderen sind auch dafür zu helfen!“
    „Und schon weichst du der Frage aus… Es ist nicht immer einfach zu sagen, was nun die richtige Entscheidung ist. Was zum Beispiel willst du mit den Banditen tun, wenn sie kommen. Willst du sie töten?“
    Jakob war bereits versucht einfach mit Ja zu antworten, doch dann verschränkte er mürrisch die Arme vor der Brust. „Willst du nun etwa sagen, dass es falsch ist, diese bösartigen Kreaturen zu töten? Ich meine, sind das überhaupt noch Menschen? Das sind Bestien!“
    „Wie kannst du dir da sicher sein? Du kennst sie nicht, weißt nicht, was sie dazu treibt, so zu handeln wie sie es tun.“
    „Was gäbe es für eine Rechtfertigung dafür, dass sie Menschen töten und ausrauben?“, blaffte Jakob.
    „Du bist selbst nicht weit davon entfernt, so zu werden wie sie.“
    „Was?!“
    „Du sagst, du bist bereit zu töten und gestohlen hast du schon viele Male.“
    „Aber nie von armen Menschen. Und das sind keine Menschen, die ich töten würde“, rechtfertigte sich Jakob entschieden.
    „Der Mensch ist bereit Schlimmes zu tun, wenn die Not groß genug ist. Vielleicht wirst du noch die Gelegenheit bekommen, einen von ihnen näher kennenzulernen. Womöglich verstehst du dann, was ich meine.“
    „Ich glaube nicht, dass sie eine Chance gegen uns haben. Wir haben zu viele gute Kämpfer – und du wärst sicher nicht hier, wenn wir in deinen Augen schon so gut wie tot wären“, trumpfte Jakob auf.
    Ananda grinste. „Gut kombiniert. Aber lass dir eines gesagt sein: Die Zukunft kennt niemand. Nicht einmal die Lichtwesen kennen sie. Und sollte jemand etwas anderes behaupten, dann weißt du, dass du diesem Menschen nicht trauen kannst.“
    Ananda erhob sich und knotete seine Haare im Nacken zusammen „Erst wenn du frei bist, kümmert dich die Zukunft nicht mehr“, sprach er weiter, während Jakob ebenfalls auf die Füße sprang. „Sterben können wir jederzeit. Ob heute oder morgen, oder in zehn Jahren. Erst wenn du dich damit abgefunden hast, kannst du deinem Herzen wirklich folgen. – Bist du bereit, mir zu zeigen, was du bei Chandan gelernt hast?“
    Sofort spannte sich Jakobs Körper an und seine Wahrnehmung schärfte sich. „Für einen Kampf bin ich immer bereit“, entgegnete er. Im Kampf kann man nicht lügen, da zählt nur noch Sieg oder Niederlage. Schwarz oder Weiß…

    Hi Rainbow


    Hab mal wieder weitergelesen. Ich finde, du hast die Kapitel gut überarbeitet. Vor allem den Teil im Krankenhaus, als Silas zu Besuch kommt. Da war ich froh, als Elias weggerufen wurde, wäre sonst nur peinlich geworden ^^
    Schön, dass du die Akademie noch etwas mehr einbaust!
    Ich hoffe, ich hab bald Zeit, um weiterzulesen!


    Lg, RenLi

    Hi Rainbow


    Danke dir! Jap, bin wieder putzmunter und mit Bergluft gefüllt wie ein Ballon :)


    Meinst du, das geht so?
    Ich hoffe mal, ich brauch nicht allzu lange bis zum nächsten Abschnitt. Bin auch schon gespannt, wie sie sich mit den Banditen zurechtfinden werden :)