Beiträge von Kirisha

    Schau mal, ich habe das Making of gestartet, beginnend mit dem Interview

    Vielen vielen Dank! Ich habe es schon gesehen. Das ist sehr schön geworden!

    Eine richtig tolle Idee!


    Noch zum Thema: Das Manuskript runterkürzen, damit es nicht so lang wird.

    Bei den Chronicles war das Manuskript des ersten Bandes ursprünglich mal über 900 Seiten lang. Da dachte ich schon, das geht gar nicht, das muss ich kürzer bekommen. Hab dann nach Möglichkeiten geschaut, ob ich irgendwo unwichtige Sätze finde, die ich strechen kann ... und habe dann erst gemerkt, dass da seitenweise leeres Geplapper, Wiederholungen und inhaltslose Floskeln herumstanden. Ich habe insgesamt satte 200 Seiten gestrichen ohne eine einzige Info wegzulassen. Das Manuskript hat extrem dadurch gewonnen, die Aktion war also absolut nötig.

    Das war schon peinlich. Ich hoffe, dass es so schlimm jetzt mit dem Meermädchen nicht ist, aber ich werde es auch nochmal darauf prüfen.


    Darf ich euch gerade nochmal nerven?

    Diesmal geht es um den Klappentext.

    Folgendes habe ich mir aus den Fingern gesogen:


    (Version 1)


    Die Chroniken von Amazonia 1

    Meermädchen

    ***Wenn nur die Magie des Wassers dich retten kann***


    Die heimatlose Straßendiebin Murissa kämpft gegen ihren Hang, sich um Kopf und Kragen zu reden – und um die Liebe eines Abenteurers, der ein dunkles Geheimnis hat. Ist er es wert, sich seinetwegen als Wasserhexe auszugeben und den gefährlichen Weg bis zum Nebelmeer zu wagen?


    Gleichzeitig zieht die männerhassende Königin Penthesilea von Amazonia mit ihrem Heer auf einen rituellen Feldzug aus. Diesmal soll ein Unterwasservolk ihr Gegner sein. Doch exotische Fischwesen, ein altes Trauma und ein magischer „Seelensprung“ legen ihr immer neue Steine in den Weg.


    Als die Königin und das Straßenmädchen aufeinandertreffen, verknüpfen sich ihre Schicksale, auf Gedeih und Verderb. Sie könnten alles verlieren, wovon sie je träumten – oder auch alles gewinnen!


    Band 1 Meermädchen

    Band 2 Kriegerkönigin

    Band 3 Zellenzauber

    Band 4 Traumtanz

    Band 5 Seelensprung

    Band 6 Dämonendesaster


    (Version 2)


    Die Chroniken von Amazonia 1

    Meermädchen

    ***Wenn nur die Magie des Wassers dich retten kann***


    Unbegabt, verachtet, verstoßen: Das Leben des Straßenmädchens Murissa ist eine einzige Katastrophe. Bis sie sich in den Seeprinzen Turris verliebt. Um sein Herz zu gewinnen, gibt sie sich als zauberkräftige Meerjungfrau aus, schwitzt fortan unter dem Druck, nicht enttarnt zu werden, und folgt ihrem Prinzen auf eine abenteuerliche Reise zum Nebelmeer. Doch auch Turris hat ein Geheimnis. Und seines ist weitaus gefährlicher.


    Die Amazonenkönigin Penthesilea, siegreich in neun Feldzügen, wird von ihrem Volk und ihrer Göttin umjubelt. Ihr neuester ritueller Kriegszug, bei dem sie unter Wasser kämpfen soll, droht jedoch ihr Heer zu vernichten. Die Rettung sucht sie in waghalsigen Experimenten mit Meeresmagie.


    Als die Königin und das Straßenmädchen aufeinandertreffen, verknüpfen sich ihre Schicksale, auf Gedeih und Verderb. Sie könnten alles verlieren, wovon sie je träumten – oder auch alles gewinnen!


    ---


    Was meint ihr dazu?

    Ist es zu lang?

    Version 1 oder 2?

    Oder lieber ganz anders?

    Das Making of zu den "Fantastischen Geschichten aus Utgard" hat mehrere tausend Leser. Ich habe eine Mailliste von über 200 Interessenten, die über die bevorstehende Veröffentlichung informiert werden möchten - weil sie das Buch kaufen wollen. Solche Aktionen bringen definitiv etwas. Man muss nur eben einiges an zusätzlicher Arbeit investieren.

    Oh das glaube ich dir und das macht mir auch Mut.

    Zusätzliche Arbeit investiere ich gerne und ohne Grenze. Ich habe für meine bisherige Serie, die veröffentlicht ist, extrem viel Werbung gemacht und hatte zu - keine Ahnung - vielleicht 50 Bloggern Kontakt, hab unzählige Leseexemplare vergeben, Interviews gegeben, Veranstaltungen, Lesungen etc, ich habe so viel Werbung gemacht, dass ich kaum zum Schreiben gekommen bin. Naja, ich denke, diese erste Serie hat halt so einige Schwächen und darum ist sie nie so richtig hoch gekommen. Ob das Meermädchen jetzt so viel besser ist, kann ich nicht beurteilen, ich stecke zu tief drin. Aber ich hoffe es natürlich.

    Und so schwer ist das gar nicht. Aus Interessenten Leser zu machen, bleibt ohnehin immer Aufgabe der Autors. Und was das betrifft, mache ich mir bei den Meermädchen keine Sorgen.

    DANKE!!!

    Oh, super, es geht weiter!

    Das ist wieder eine tolle Szene geworden!


    Was ist die erste Legion?“, fragte Freddy irritiert, während er den Blick von Elias abwandte und Silas kritisch musterte.
    „Die ´Gefallenen`, die sich Dagons Heer angeschlossen haben

    Besonders gut gefällt mir, dass du immer wieder Ausdrücke aus der Bibel oder aus religiösem Kontext einbaust. Das lässt es so authentisch wirken - einfach gut.


    In unseren Reihen wird Verrat noch immer mit dem Tode bestraft.“

    Yes - das ist richtig richtig gut.

    Du heizt hier sehr schön Spannung ein. Zuerst bringt Sirius Freddy in eine üble Lage, dann fängt er an Elias zu bedrohen und jetzt so ein Gerede, gefällt mir echt super.


    Das übermächtige Gefühl, etwas zu verlieren, das ihm noch nicht einmal gehörte,

    tolle Formulierung - so seltsam widersinnig und gleichzeitig auch wahr


    Er lügt! Er will dich nur provozieren …
    Elias straffte sich, bevor er seine undurchdringliche Miene erneut auf Sirius richtete. „Wo … ist … sie?“, fragte er in eiskaltem Ton, die Schwertspitze nach wie vor auf Sirius gerichtet.
    „In Sicherheit!“, entgegnete dieser knapp und rückte Freddy in seinem Arm zurecht, der unter Schmerzen aufstöhnte.
    „Nasrija ist wohl kaum ein angemessener Ort, um von ´Sicherheit` zu sprechen.

    Der Dialog ist auch richtig packend.


    aber ich werde mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen, Dagon den Auserwählten höchstpersönlich auszuliefern.“
    Die leichte Vibration des Bodens, kündigte das nächste Beben an und ein unheilverheißendes Rumoren zog sich durch den Altbau, wie das gepeinigte Aufstöhnen eines wilden Tieres.
    Dann ging alles ganz schnell. In dem Moment, da die Wände zu wackeln begannen und das flackernde Licht der Neonröhren den kleinen Raum in Dunkelheit tauchte,

    Einfach toll, wie du hier die Spannung immer weiter steigerst!

    Und wie du mich vor allem auf eine falsche Fährte leitest. Bei diesem Abschnitt dachte ich, erst wird Freddy abserviert und als nächstes ist Elias dran. Ich habe den schon quasi in die nächste Erdspalte fallen sehen.


    wich zur Seite aus und ließ ihn entkommen.
    „Lass ihn!“, rief Elias ihm zu, n

    Hier würde ich etwas ändern. Hat Freddy Sirius mit Absicht entkommen lassen? Der Satz klingt so, allerdings kann ich mir das nicht vorstellen.

    Und warum fordert Elias ihn dann noch auf, Sirius nicht zu folgen? Das hat Freddy doch gar nicht getan?

    Die Logik hat hier für mich nicht gepasst.


    anderen folgte und sie von der undurchdringlichen Schwärze des unterirdischen Gangs verschluckt wurden.

    Du schaffst es wirklich, die Spannung immer weiter anzuheizen.

    Ein enorm gelungener Abschnitt!

    aber sollte der Leser als eigentlicher Adressat und Endverbraucher des Ganzen nicht auch eine Rolle spielen?

    Ja, mein Problem ist - ich sehe das genauso wie du. Die Geschichte sollte man echt nicht teilen.

    Aber ich glaube, ich werde überhaupt keine Leser finden, wenn kein Blogger mein Buch liest.

    Meine bisherige Serie verkauft sich ausschließlich, wenn irgendein Blogger mal etwas darüber schreibt. Dann weckt das Aufmerksamkeit und meine Statistik geht hoch. Wenn ich keine Aktionen laufen habe, liest auch niemand. Wenn ich keine Blogger dafür interessieren kann, werde ich gar keine Leser haben.

    Ich bin ja halt eine unbekannte Autorin und habe nur ungefähr 16, oder vielleicht maximal 30 echte Fans, die vielleicht auch ohne Blogger die neue Serie lesen werden (vielleicht auch nicht?) - aber das wars dann ...

    und nein, ich rechne nicht damit, dass die Leute irgendwie aus der Luft, einfach so, nach meinem Buch greifen werden.

    Eine andere Möglichkeit effektiv Werbung zu machen, sehe ich nicht.

    (Lesungen fallen ja wegen Corona bis auf weiteres auch aus).

    Grundsätzlich ist mir schon klar, was du meinst. :rofl: Wenn man möglichst viele Leute erreichen will, sollte man alles, was den Leser irgendwie irritieren könnte möglichst minimieren. Das meine ich auch gar nicht abwertend oder so. Das ist einfach, wie das Geschäft so läuft: Sprachliche Kunst ist schön und gut,

    Also, sicher kann wohl alles Kunst sein, also auch die Kommasetzung - aber der Gedanke ist mir jetzt doch fremd. Fehlende Kommata finde ich einfach nur irritierend und würde nie auf die Idee kommen, dass dahinter eine künstlerische Absicht stecken könnte wie in dem Sinn, dass dann eine Pause wegfällt - besonders deshalb nicht, wenn ich diesen Fehler doch ziemlich häufig in Büchern finde. Gerade bei der wörtlichen Rede scheinen viele nicht zu wissen, wie sie da die Zeichen setzen sollen. Ja, für mich ist es dann einfach nur ein Fehler.

    Hallo ihr Lieben!

    Nun bin ich aus den Ferien zurück und freue mich, hier so viele Kommentare zu finden!


    Litu

    Rainbow

    Etiam

    Rewa


    Euch allen nochmals vielen lieben Dank fürs Mitlesen und Mitkommentieren!

    Wie ihr wisst, bin ich momentan am Überlegen, wie ich es mit der Veröffentlichung mache.

    Also, ich werde wohl noch ein paar Wochen (Monate?) für die Korrektur brauchen und werde mir da auch keinen Stress machen, vielleicht warte ich damit auch noch bis nächstes Jahr, mal sehen. Ich will einfach versuchen, es so gut ("perfekt" ... ähm) wie möglich zu machen.


    Nun hat sich folgendes Problem ergeben und da würde ich euch um eure Meinung bitten.

    Wie ich euch schon erzählt habe, hat die Story bis jetzt 650 Seiten und wie ich mich kenne, wird sie wohl noch etwas länger, wenn ich anfange zu korrigieren. Da können dann locker noch mal 20-30 Seiten dazukommen.

    Das ist ein Problem.

    Ich mache die meiste Werbung für meine Bücher über Blogger und die lesen nicht gerne so lange Bücher. Meine wichtigste Bloggerin hat mir deshalb geraten, die Story zu teilen und zwei Bücher draus zu machen. So hat es damals auch bei meiner anderen Geschichte der Verlag gemacht. (ich denke, aus demselben Grund) und eine Autorenkollegin hat es bei ihrer Story auch so gemacht.

    Nun, ihr kennt die Story und wisst, dass sie eigentlich erst am Nebelmeer rund wird, weil da Murissa und Penthesilea aufeinandertreffen und weil es die ganze Zeit darum geht, dass sie das Nebelmeer erreichen wollen. Wenn ich die Story teile, endet Teil 1 in der Mitte. Das wäre, naja, nicht optimal.

    Ich müsste den Cut bei dem Basar machen, nach der Kuss-Szene, vermutlich würde ich Penthesileas Kampf gegen die Wasserschlangen noch mit reinnehmen in den ersten Teil. Und beim zweiten Teil müsste ich am Anfang ein wenig ausholen und kurz erklären, wo wir stehengeblieben sind.

    Ich tendiere also tatsächlich dazu das Manuskript zu teilen, denke aber, dass einige Leser die Story dann vielleicht blöd finden, oder langweilig, weil ja die echt dicken Hammer dann erst im Teil 2 kommen.

    (Auf der anderen Seite ist die Story ja eh auch nach der Ankunft am Nebelmeer noch lange nicht zu Ende. Ich habe bis jetzt 6 Bände geplant - kann sein, dass es auch noch mehr wird, denn für Band 3 habe ich noch eine echt coole Idee, die die Länge des Bandes vermutlich verdoppelt, vielleicht bekomme ich dann dasselbe Problem wieder).


    Meine Frage an euch: Du bist Leser der Story und sie endet nach dem Kuss am Basar. Was tust du? Bist du enttäuscht und denkst, blöde Geschichte, da fehlt doch etwas? Würdest du dann Teil 2 auch noch lesen, um zu erfahren, wie es weitergeht, oder würdest du die Story weglegen? (Bitte ganz ehrlich sein).


    Also kurz gesagt, würdest du teilen oder würdest du mir abraten?

    Bei 37,5 Grad in der Sonne ist es Zeit für Urlaub! Wir fahren mit dem Wohnmobil zu unserem Sohn, Freundin und Enkelkind nach Piteå hoch. Das liegt 850 km nördlich von Stockholm. So weit im Norden waren wir noch nie! Ich werde die Eisbären von euch grüßen :D

    Oh, da hat sich meine Überarbeitung ja gelohnt. Ich hatte diesen letzten Text, bevor ich ihn gepostet habe, nochmal fast komplett umgeschrieben, da hättet ihr viel zu maulen gehabt. Freut mich sehr, dass es euch so gefällt!


    Sehr gut, Kirisha ! Das hat mir echt wahnsinnig gut gefallen! Es gibt von meiner Seite aus kaum etwas zu beanstanden. Der Teil war spannend und für mich soweit gut aufgebaut und nachvollziehbar.

    Penthesilea kommt überzeugend rüber, der Kampf unter Wasser ist toll in Szene gesetzt und am Ende hatte ich ein bisschen Gänsehaut, als sie Arixes Emotionen nachzuempfinden beginnt. Aus ihrer Perspektive muss die Königin ziemlich arrogant und anmaßend klingen. Das hast du toll geschildert!

    Danke :love: freut mich sehr!


    Hallo, ich finde deine beiden Überarbeitung richtig gut. Jetzt ließt es sich noch flüssiger und man bekommt einen besseren Eindruck von der ganzen Situation.

    Danke! Das freut mich sehr!

    An den metallischen Geschmack gehe ich auch nochmal ran.



    Na dann schicke ich mal gerade den letzten Teil los.


    42.3. Königinnenkampf

    Meine Augen öffnen sich. Mir wird bewusst, das ich in einem kräftigen, glatten Fischkörper stecke. Wasser umschmeichelt mich, durchströmt meine Poren und fühlt sich frisch und belebend an. Vor mir taumelt der Körper der Königin mit ihren stümperhaften Flossen; er wird von der Strömung hin- und hergerissen, während sie blicklos in die Tiefe starrt. Sie ist wehrlos wie ein Frosch. Wenn ich mich nochmal in einen Hai verwandle, könnte ich ihr einmal kräftig in die Flossen beißen. Oder in den Hals! Verdient hätte sie es. Schon bin ich über ihr. Wieso regt sie sich nicht? Langsam strecke ich Tentakel nach ihr aus und klebe diese an ihrer Schuppenhaut fest.

    He, was mache ich da? Denke ich etwa gerade darüber nach, mich selbst umzubringen? Mühsam versuche ich Arixes´ Gedanken abzuklemmen. Aber sie ist stark und ihr Hass auf mich durchflutet mich derartig, dass er mich zu überschütten droht. Mit großer Willensanstrengung gelingt es mir, Arixes´ Tentakel wieder zurückzuziehen.

    Kein Wunder, dass sie mich so hasst. Dass ich den Schwimmerinnen damals Brynea vor die Nase setzte, habe ich schon fast vergessen. Arixes hat Recht, das war eine Ungehörigkeit und Demütigung von mir, für die ich mich noch entschuldigen sollte. Aber habe ich meinen Fehler nicht bald eingesehen? Habe ich sie nicht in ihrer ersten Schlacht mehrfach ausgezeichnet und ihr nach einem herausragenden Manöver selbst die Würde einer Generälin verliehen? Ist sie so nachtragend, dass sie meine ersten ungeschickten Schachzüge nie verzeiht?

    Mich zwickt die Neugier, weiter in ihren Gedanken und Gefühlen zu kramen. Ich hätte schon gerne gewusst, ob sie immer noch wegen der alten Geschichten wütend auf mich ist. Aber das wäre niederträchtig und geht mich nichts an. Ich habe dieses Manöver begonnen, um zu gewinnen und nicht um die Seele meiner Generälin auszuspionieren. Deshalb zwinge ich mich nun, Penthesileas leblos herabsinkenden Körper zu ignorieren und ans Ufer zu schwimmen. Die Zeit tickt. Ich muss das hier gewinnen. Wie leicht sich dieser Fischkörper anfühlt, und wie wendig. Ich wirbele zweimal um die eigene Achse. Selbst das Atmen ist mit diesen echten Kiemen ein Erlebnis. Zielstrebig zische ich durch die Fluten, springe zweimal über die Wellen wie ein Delfin, gelange im Nu ans Ufer, wo ich den Fischzauber verschwinden lasse und aus dem Wasser heraus steige.

    Das geht schon wesentlich schwerer, denn Arixes´ klobigen flossenartigen Füße behindern mich jetzt beim Gehen. Ich muss sie fast bis zu den Knien hochheben, um nicht zu stolpern. Kein Wunder, dass sie es hasst, das Wasser zu verlassen.

    „Arixes!“, rufen links und rechts die Schwimmerinnen mir zu, blass vor Schreck, „warum gehst du denn aus dem See heraus? Du musst drinnen bleiben, wenn du gewinnen willst! Geh zurück, zurück!“

    „Ich beuge mich der größeren Macht“, sage ich so demütig, wie Arixes das niemals tun würde, und verbeuge mich nun tatsächlich. „Es war ein Fehler von mir, die Königin herauszufordern.“

    Dann falle ich auf die Knie, so als wollte ich einer unsichtbaren Herrscherin die Ehre erweisen. Das muss ich tun, um Arixes ihre Grenzen aufzuzeigen. Ich habe keine Lust, mich später noch einmal mit ihr messen zu müssen.

    Doch nun überfällt mich ein seltsames Ziehen und mein Herz beginnt wild zu schlagen. Ich kann den Zauber nicht länger halten. Muss zurück in meinen richtigen Körper.

    Vorher muss ich allerdings dafür sorgen, dass Arixes nicht auf die Idee kommt, wieder ins Wasser zu springen, sobald sie die Kontrolle über ihren Körper wieder bekommt. Also bleibe ich auf dem Boden liegen und schlage ihre Hände und Füße in einen Bann, der sie fesselt. Für unsere Zuschauerinnen muss es aussehen, als hätte Arixes den Verstand verloren. Wahrscheinlich hat sich noch nie ein vernünftiges Wesen selbst gebannt. Sie rufen und schreien über meinem Kopf wie wahnsinnig.

    Erledigt. Nun muss ich in meinen Körper zurückkehren. Ich schaffe es jedoch nicht, mich aus dem von Arixes zu lösen. Und begreife schlagartig, dass ich womöglich nicht nur Arixes, sondern auch mich selbst erledigt habe. Was, wenn ich nicht zurückkehren kann? Große Göttin, die Zeit ist fast um. Ein panischer Schrecken durchfährt mich. Was sagt das Lehrbuch?

    #Berühre das Smaragdzepter

    Haha, sehr komisch. Das Zepter hängt an Penthesileas Gürtel. Meilenweit von mir entfernt. Siedendheiß wird mir klar, dass ich es hätte mitnehmen sollen, als ich den Körper wechselte. Mir wird mulmig zumute. Nicht dass ich jetzt in Arixes´ Körper steckenbleibe. So gut hat er mir nun auch nicht gefallen. Was jetzt?!

    #Alternative: Suche Kontakt zum Zentralstab

    Der Zentralstab ist in meinem Zelt. Wie soll ich darauf Zugriff bekommen? Das geht wahrscheinlich wieder nur auf dem spiritistischen Weg – mit meinen Gedanken. Ich schließe die Augen und konzentriere mich. Schon umhüllt mich wieder die Dunkelheit. Eigentlich hatte ich erwartet, die grüne Mauer wieder zu sehen, aber ich schwebe allein in einem pechschwarzen Raum – in welchem hunderte bunte Strahlen in hunderte Richtungen flitzen. Mir hätte übel werden können vor Angst, allerdings bleibt mir das erspart, da ich momentan keinen Zugriff zu meinem Magen habe. Ich ahne, dass jeder dieser Strahlen irgendwohin führt und ich jetzt wählen sollte, welcher mich zu dem Zentralstab bringt. Eine unlösbare Aufgabe. Was mit mir passiert, wenn ich den falschen Strahl wähle, will ich gar nicht wissen. Angestrengt spähe ich von Licht zu Licht und versuche irgendwelche Zeichen zu erkennen, die mir etwas verraten könnten.

    Da. Weit, weit entfernt – dort steht eine grüne Mauer. Sie sieht von hier aus winzig aus wie eine Treppenstufe. Aber die Farbe stimmt. Und es gibt auch einen Strahl, der zu ihr führt. Entschlossen berühre ich ihn. Es gibt einen Ruck, etwas schleudert mich fort, ich spüre einen entsetzlichen Druck – und finde mich in meinem eigenen, dem von Tentakelrissen geschundenen Penthesilea-Körper wieder.

    Uh. Geschafft.

    Jetzt muss ich nur noch ans Ufer des Sees rasen – mir bleiben vielleicht drei kleine Augenblicke. Ich lasse einen Wirbelwind entstehen, der mich aus dem Wasser heraus und satte fünfzehn Meter weit nach vorne schleudert. Hart pralle ich in die Wellen und von dort direkt in das schon flacher werdende Ufer auf. Ein plötzlicher Schmerz, als wäre ich auf Stein geknallt. Mein Körper fühlt sich zerschlagen und ausgelaugt an, kaum eine Stelle, die nicht bohrt oder stechend pulsiert. Aber ich kann aufstehen und zum Ufer hechten. Keine Sekunde zu früh.

    Ein schriller Gong ertönt.

    Ich erhebe eine Hand als Zeichen meines Sieges und blicke mich um.

    Arixes liegt mit zornroter Stirn und bebenden Händen am Boden, noch immer unter ihrem eigenen Bann. Ich bin derartig erschöpft, als hätte ich einen stundenlangen Kampf hinter mir. Selbst das Gehen erscheint mir anstrengend. Vorsichtig bewege ich Beine und Arme. Scheint nichts gebrochen zu sein. Von meiner Stirn rinnt Blut, ich spüre die warme Feuchtigkeit. Vermutlich ist mein gesamter Rücken ein einziger blauer Fleck, durchsetzt mit Schnittwunden und den Brandblasen von der Berührung der Feuerqualle, aber da kann ich später mal eine Heilerin einen Blick drauf werfen lassen. Wahrscheinlich sehe ich aus, als hätte Arixes mich mit ihren Haizähnen filetiert und danach wieder ausgekotzt ...

    Aber egal.

    Gewonnen, nur das zählt.

    Ich beiße auf die Zähne und spaziere zu meinen Leuten. Die Gesichter sind sehenswert. Die meisten starren noch immer mit einem ungläubigen Ausdruck die am Boden liegende Arixes an, die tobt und an ihren Fesseln zerrt. Nun wenden sich die Blicke jedoch mir zu. Sie weichen zurück, um mir den Weg zu meiner Gegnerin frei zu machen, und verneigen sich dabei.

    Von hinten kommt Unruhe auf. Es kommt jemand.

    „Königin!“ Atemlos bahnt sich Zok einen Weg durch die Menge. Die Orka hat mich noch nicht ganz erreicht, als sie auch schon brüllt: „Die Gefangene is´ weg! Sie hat Euren Flieger geklaut und ist mit dem durch die Eiswand geflogen!“

    Wie bitte? Das hat sie gewagt? Ich kann es nicht glauben. Unsere Flieger sind wertvoll. Wir haben sie erst vor drei Sommern erbeutet und leider vermehren sie sich nicht so wie ich mir wünschen würde.

    „Sie hat meinen Flieger geklaut?“, wiederhole ich und hoffe inständig, ich hätte mich verhört. „Du meinst Takaj?“

    „Genau. Es hieß, wir sollen sie entkommen lassen.“

    Ich könnte sie erwürgen.

    „Entkommen lassen ja, aber von teuren Geschenken war keine Rede! – Ich bringe sie um! Wie hat sie den Eisberg zerschlagen?“, frage ich drängend.

    „Sie hat ein Loch hineingebohrt. Mit einem grünen Strahl aus dem flimmernden Baum in Eurem Zelt.“

    Sie hat meinen eigenen Magiebaum benutzt! Gedankenmagie ... Sie hat die Grenze aus Gedanken geöffnet mithilfe von Gedankenmagie! Bin ich mit Dummheit geschlagen, dass mir das nicht selber eingefallen ist? Es war doch naheliegend. Ich muss nicht einmal fragen, wie sie den Zauber gelegt hat, es wird mir nun von ganz allein klar.

    Diese Grenze wird sich uns noch öffnen!

    „Und wo ist sie jetzt? Ist ihr jemand gefolgt?“

    Zok nickt eifrig. „Natürlich. Zwar ging das alles etwas schnell, und unerwartet, aber Malok und Cornea haben sich auch Flieger geschnappt und sind ihr nachgeflogen.“

    Ich nicke grimmig.

    Gut. Diese freche Diebin nehme ich mir als nächstes zur Brust, sobald meine Leute sie zurück ins Lager bringen.

    Langsam fällt die Spannung von mir ab. Ein rauschendes Glücksgefühl spült sie einfach davon. Ich spüre schon, wie nacheinander alle Fallen zuschnappen werden, die ich ausgelegt habe. Dieser Feldzug wird meinen Ruhm auf ungeahnte neue Höhen katapultieren. Es kann nicht anders werden. Nicht wahr, Arixes?

    Mit gemessenen Schritten nähere ich mich meiner besiegten Gegnerin, deren Königinnenträume soeben in den Fluten zerronnen sind.

    Als ich bei der Schwimmergenerälin angekommen bin, werfe ich einen kleinen Strahl aus meinem Zeigefinger auf ihre Fesseln, die sich in Energie verwandeln und wieder in meine Finger zurückflutschen. Sie ist frei. Zitternd vor Wut kommt sie hoch, springt auf die Flossen und will wohl gerade zum See zurückrennen, doch da erkennt sie mich.

    „Wie ist das möglich?“, keucht sie.

    „Ich gebe zu, du hast es mir nicht leicht gemacht“, sage ich, ebenfalls noch etwas außer Atem. „Als Wasserkämpferin hast du meine Hochachtung. – Nun? Haben wir die Königsfrage geklärt?“

    Sie verknautscht ihren schnabelartigen Mund und glotzt mich ungläubig an. Nach einer halben Ewigkeit senkt sie den Blick. Dann streckt sie mir die Hand entgegen.

    „Ja“, murmelt sie. „Verzeih. Ich ... hatte das Gefühl, dass meine Leute und ich zu viel verlieren. Und die Göttin ...“

    „Die Göttin wünscht sich diesen Weg für uns. Und ihr werdet eure große Chance noch bekommen“, sage ich und schlage ein.

    Um uns herum fangen alle an zu jubeln und zu klatschen.

    „Vivat, vivat Königin Penthesilea!“, rufen die Kriegerinnen, die noch immer in gewaltigen Scharen rings um den See herum sitzen – nein, sie stehen, tausende Hände winken, aus tausenden Kehlen jubeln sie mir zu. Es klingt sogar noch lauter als bei der Verkündigungszeremonie im Tempel.

    Eine nach der anderen verbeugt sich vor mir. Ich glaube, so schnell wird mich nie wieder eine von ihnen herausfordern. Zum ersten Mal seit unserem Aufbruch kann ich freier atmen.

    Einen Etappensieg habe ich errungen: Ich weiß jetzt, wie der Seelensprung funktioniert, und meine Leute wissen, dass es richtig ist, mir zu folgen.

    Da wird sich alles andere auch in die passenden Bahnen lenken lassen.

    Ich werde meinen Flieger zurückholen und der respektlosen Diebin das Gehirn ausbrennen!

    Und dann gewinnen wir diesen Feldzug.

    Den verheißungsvollsten Feldzug unserer Geschichte!


    ENDE von Band 1


    Falls ihr euch jetzt wundert - denn das ist natürlich nicht das Ende der Geschichte) - wir sind mittlerweile ungefähr auf Seite 650 und der ganze Feldzug braucht auch nochmal ungefähr 650 Seiten. Ich muss hier Schluss machen, weil hier ein neuer Abschnitt beginnt. Band 2 "Kriegerkönigin" ist aber auch schon fast komplett fertig - ich bastele da nur noch am Finale - das heißt, ich mache da einen neuen Thread auf und dann geht es nahtlos weiter.


    Ich werde das gesamte Manuskript "Meermädchen" jetzt nochmal komplett überarbeiten und alle eure Anmerkungen einarbeiten, dann lese ich das alles nochmal durch und schau nochmal nach der Logik. Und vielleicht leiste ich mir auch noch eine Lektorin (kämpfe da aber noch mit meinem Geldbeutel) und dann werde ich dieses Manuskript veröffentlichen. Bis ich soweit bin, dauert das aber sicher noch ein paar Monate. Ich mache nichts, bevor ich nicht ganz sicher bin, dass es jetzt alles passt.

    Darf ich euch ( Rainbow Thorsten  Litu und Etiam im Vorwort erwähnen? Das würde ich sehr gerne machen.

    Also, ich habe ehrlich gesagt selbst noch nie Wert auf Bilder in Büchern gelegt. Wenn ich ein Buch lese, geht es um die Geschichte und irgendwelche Bilder interessieren mich da nur sekundär. In vielen Facebook-Autorengruppen habe ich allerdings den Eindruck, dass es viele Leser gibt, die Bilder zum Buch ganz toll finden - allerdings müssen die Bilder dann auch wirklich schön sein. Ich habe da auch schon einige Bilder gesehen, die ich selber ganz toll fand und die mir in einem Buch sicher gefallen hätten. Ich denke jetzt auch nicht, dass ein weniger hübsches Bild mich in einer tollen Geschichte stören würde.

    Deswegen meine ich, wenn du schöne Bilder hast, dann illustriere dein Buch. Ich glaube, die Pluspunkte, die du damit sammelst, sind immer höher als die Minuspunkte von Leuten, die es vielleicht irritiert.

    Also, ich finde, die Überarbeitung ist dir gelungen! Es liest sich für mich jetzt runder und stimmiger.

    Danke dir!

    Den folgenden Teil habe ich jetzt auch noch ein wenig überarbeitet.


    Hier geht es weiter:


    42.2 Königinnenkampf

    Arixes springt als erste ins Wasser, sie hechtet über die vordersten Schilfhalme hinüber. Beim Eintauchen erzeugt sie eine gewaltige Fontäne, die sternenförmige Platscher in den Himmel wirft. Das ist eine unnötige und deshalb alberne Vorführung, wird aber von unseren Zuschauerinnen eifrig beklatscht. Dann verschwindet sie und taucht erst in Seemitte wieder auf.

    Auch ich springe jetzt. Weil es solchen Eindruck gemacht hat, lasse ich meine Woge doppelt so hoch aufspritzen und die Tropfen in Form kleiner Vögel durch die Luft wirbeln.

    Schon tauche ich in das dunkle Seewasser ein. Es ist ein morastiger See, dessen lockeren Bodenteile schnell hochgewirbelt werden und die ihn fast nachtschwarz erscheinen lassen. Die sich durch die Wasseroberfläche hineinbohrenden Sonnenstrahlen versiegen schon nach kurzer Zeit und ich sehe gerade mal meine leicht rötlich schimmernden Hände vor mir – aber sonst nur Dunkelheit.

    Mit geübten Handbewegungen lege ich meine Kiemenketten und das Flossenband an. An das stechende metallische Gefühl beim Atmen und das Fließen des Wassers quasi durch den Hals hindurch habe ich mich inzwischen gewöhnt. Auch die Kühle des Wassers stört mich nicht.

    Wo ist Arixes? Ich rechne jeden Moment mit einem Angriff. Damit ich überhaupt irgendwas sehe, lasse ich aus den Fingerspitzen einen gelben Lichtstrahl entstehen, der kegelförmig ein weites Areal vor mir erhellt. Zwar verrate ich meiner Gegnerin dadurch, wo ich bin, aber sie würde das ohnehin durch die Strömungen spüren, die ich beim Schwimmen erzeuge, und für die sie ein feines Gespür hat.

    Mit zügigen Bewegungen lasse ich mein Licht in alle Richtungen streifen, um mir einen Überblick zu verschaffen. Der See ist an dieser Stelle vielleicht zehn Meter tief. Unten wachsen ganze Wiesen aus Algen und Seegras, wuchern dichtbewachsene Wälder aus Wasserpest und Hornblatt, zwischen denen ich eine dünne Seeschlange und einige kleine Forellen erkenne.

    Blitzschnell verschwinden sie plötzlich alle auf einmal. Was hat sie verscheucht? Ich fahre herum. Ein dickes Fischwesen rast aus der Tiefe hinter mir auf mich zu, es muss Arixes sein, obwohl ich ihr entenhaftes Gesicht in diesem Wesen kaum erkenne und sie offenbar ihre Hände entweder versteckt oder in Flossen umgewandelt hat.

    Ein gewaltiger silbergrauer Körper mit einer hochstehenden Rückenflosse - Ein Hai! Als er bis auf wenige Meter an mich herangeschossen ist, reißt er sein Maul auf und ich sehe seine gewaltigen Zahnreihen. Ich packe nach meiner Lanze, die ich in einem Tragegurt auf dem Rücken befestigt hatte, löse sie mit einer schnellen Bewegung und schwimme, diese vorangestreckt, dem Raubfisch entgegen. Seine Augen, es sind die großen Entenaugen von Arixes. Sie weicht aus, meine Lanze fährt ins Nichts.

    Sofort wirbele ich herum und lasse aus meiner freien linken Hand einen Wasserstrahl von unten auf den Bauch des Hai loszischen, mit dem ich Arixes in die Luft werfen will. Doch sie entweicht ihm geschickt, über ihrem Maul wächst ein hornartiges Ding heraus. Es gleicht der Waffe eines Schwertfisches und saust geradewegs auf mich zu. Ich pariere mit meiner Lanze, welche Arixes´ klingenscharfes Maul jedoch mit einer einzigen kleinen Bewegung in zwei Teile zerlegt. Geistesgegenwärtig erzeuge ich eine Mauer, um mich vor ihrem Schwert zu schützen, was aber unter Wasser nicht gut funktioniert, sehe, wie die lange Klinge meine Blockade eindellt und schiele aus den Augenwinkeln zu den bunten Feldern am Ufer. Unsere Zeit ist schon zu einem Viertel um. Das geht viel zu schnell.

    Wie bekomme ich den Fisch aus dem Wasser heraus? Es wäre leichter, wenn ich Arixes töten dürfte – bei der heiligen Göttin, diese eingebildete Ente hat mich auf diesem Feldzug schon verdammt Nerven gekostet und sie hätte es verdient, gerupft zu werden! Wenn ich ihr doch den Schädel spalten könnte, welche Genugtuung wäre das!

    Wütend zücke ich meinen Dreispitz. Keine Sekunde zu früh, schon durchbricht sie meine Blockade und greift ebenfalls an. Diesmal rasseln wir aufeinander, meine drei Zacken stoßen ihr auf der Nase ragendes Schwert nach oben. Ich ziehe sofort zurück, um ihren ungeschützten Bauch zu treffen, aber sie ist zu schnell, ich rase seitlich an ihr vorbei. Wenden! Nochmal! Ich muss sie erwischen!

    Wieder greife ich an, wieder knallen unsere Waffen aufeinander. Je länger das dauert, desto wütender werde ich, würde sie am liebsten zerhacken und ertappe mich, dass ich zu Schlägen aushole, die tödlich sein könnten. Nicht töten, ermahne ich mich eindringlich. Wir müssen den verdammten Feldzug gewinnen, nichts ist wichtiger. Welche unverzeihliche Dummheit wäre es, vorher meine beste Meereskriegerin zu eliminieren!

    Jetzt konzentrier dich!

    Ich werfe ihr einen Wasserstrahl entgegen, der sie aufwärts schleudern soll. Aber sie entweicht, bevor er sie erfasst hat.

    Nun geht sie zur Attacke über und erzeugt einen tosenden Strudel, der mich mitreißt. Eine unterseeische Schlucht eröffnet sich unter mir und zieht mich in solchem Sog abwärts, dass ich nicht dagegen anschwimmen und auch nicht seitlich ausbrechen kann.

    Ein plötzliches Summen und Sirren ertönt. Um mich her erleuchten rechts und links zu beiden Seiten die Felsen. Sie sehen aus wie Silbergestein, zwischen dem ich noch immer abwärts gezogen werde. Nur dass es jetzt nicht mehr dunkel ist. Das Wasser glänzt bläulich, fast durchsichtig.

    Bestimmt haben meine Kriegerinnen es erleuchtet, damit sie diese Blamage auch auskosten können, die ich ihnen gerade vorführe. In dem düsteren Morast vorher konnten sie uns wohl kaum sehen. Noch immer zieht es mich unerbittlich nach unten.

    Eine Harpune zischt auf mich zu – nein, meherere, wie ein Speerhagel regnet es auf mich herab. Unter Aufbietung aller Kraft vollführe ich mit meinem Fischschwanz mehrere gewaltige Schwünge, rase fast gegen den nächsten Felsen, der etwas herausragt, und suche unter ihm Deckung.

    Mein Herzschlag wummert und fühlt sich an, als polterte er bis zu den ekelhaften metallischen Kiemen hoch.

    So schlage ich sie niemals. Zwar sehe ich die rote Schlange von hier unten nicht, aber die Hälfte der Zeit ist sicher bereits vergangen. Sie versucht nicht einmal, die Schwäche meiner Kiemenketten auszunutzen! So sicher ist sie, dass sie gewinnt? Mir wird klar, dass es hier nicht allein um den Sieg geht. Wenn ich mit letzter Kraft ans Ufer krauche, wird das nicht reichen. Ich muss Arixes vor aller Augen mit den Füßen in den Staub treten! Nach Art einer Königin. Sonst habe ich morgen die nächste Herausforderung am Hals.

    Aber wie? Meine Wasserzauber sind zu schwach. Ich muss mir ein anderes Manöver überlegen, das ihrem überlegen ist. Etwas nicht-Fischiges.

    Der Seelensprung – vielleicht?

    Damit rechnet sie nicht. Wenn es mir gelingt ihren Geist zu unterjochen, hätte ich viele Möglichkeiten. Das muss ich ohnehin üben. Ich brauche diesen Zauber ja auch für den Kriegszug. Es ist verdammt wichtig, dass ich das jetzt endlich hinbekomme.

    Die Zeit tickt. Eilig öffne ich meine Kopfbibliothek und lese:

    #Markiere dein Zielobjekt

    Wohin ist Arixes verschwunden? Suchend tauche ich abwärts. Auf den Felsen wachsen korallenähnliche Büsche, solche mit dicken roten Stängeln und andere moosartig aussehende Geflechte. Am Grund des Sees wachsen hunderte von Algen, die hin- und herwogen. Aber keine Spur meiner Generälin. Sie kann sich doch nicht in Luft auflösen? Erst als ich beobachte, wie ein Schwarm kleiner Stichlinge ängstlich vor einem Algengebiet flüchtet, ahne ich, was Arixes gemacht hat: Sie hat sich am Boden hingekauert und ihre eigenen, langen Algenhaare als Tarnung benutzt, die in dieser Position tatsächlich den gesamten Körper verdecken. Vorsichtig, als wäre ich noch immer ahnungslos, trudele ich auf die verdächtigen blaugrün schimmernden „Gräser“ zu – und treffe meine Gegnerin mit einem kleinen Feuerstich direkt an der Stirn. Sofort fühle ich das magische Band zwischen uns entstehen.

    Sie reagiert schneller als ich dachte. Ihre Algenhaare mitsamt ihrem Körper schießen in die Höhe, umrunden mich und plötzlich ist sie über mir, wie eine gewaltige knallrote Qualle, aus der giftige Tentakel zu mir herunterfallen, die wie Feuer auf meiner Haut brennen.

    Ruckartig reiße ich mich los und schaffe es mitten in rasender Flucht, eine Tintenwolke zu erzeugen, die ihr hoffentlich die Sicht behindert, und gleichzeitig das Smaragdzepter an meinem Gürtel zu berühren. Den fürchterlichen Schmerz in meinen Gliedern versuche ich zu ignorieren.

    Der Zauber schlägt mich wie aus Zeit und Raum heraus und mit einem Schlag ist alles dunkel um mich herum. Nach einer Weile erkenne ich wie beim letzten Seelensprung die grüne Mauer vor mir, auf die ich hinauf gelangen muss. Wie zuletzt fühle ich meinen Körper nicht mehr, stattdessen eine tödliche Leere, die ich aushalten muss. Diesmal ist mein Ziel zum Glück sehr nahe. Ich sehe ein dickes grünes Band im Nichts auftauchen, und ich weiß: Dies ist mein Weg. Entschlossen lasse ich mich fallen und schon rutsche ich. Rasant schnell sause ich auf die gläserne Kugel an ihrem Ende zu. Sie ist weich, als stünde ich auf einem Ballon. Hastig rufe ich mein Handbuch zur Hilfe.

    #Durchbreche den Seelenschutz, leuchten die Buchstaben vor mir auf.

    Wie mache ich das? Ich bohre in das Weiche hinein – und tatsächlich platzt es unter meinem Druck. Schon bin ich drin. Eine Woge von Bildern, Stimmen und Gefühlen überfällt mich.

    Ich sehe mich selbst im Tempel von Femiterra – nein, das bin nicht ich – staunend stelle ich fest, dass ich auf zwei Flossen stehe und von den Schwimmhäuten meiner Hände Wasser heruntertropft.

    Ich bin Arixes! Eine sehr junge Arixes ohne Uniform und Rangzeichen, dafür in den gepanzerten Schutzgewändern der Novizinnen.

    Gemeinsam mit meiner Freundin Braxes stehen wir hinter einer Säule und betrachten das darauf eingemeißelte Bild. Es zeigt ein Schlachtfeld mit hunderten von Kämpfern und unter diesen eine einzige Kriegerin mit einer Flosse auf dem Rücken. Wir rätseln, ob diese Kriegerin vielleicht eine Berühmtheit war und deshalb hier verewigt wurde – die einzige Schwimmerin, die jemals einen Rang in der amazonischen Hierarchie errang – oder auch nicht.

    Schritte lassen uns zusammenfahren. Königin Penthesilea begleitet von der Veteranin Goplea und ihrer Schwester Protoe hasten mit lauten, eiligen Schritten durch den Tempel, die von allen Seiten widerhallen.

    „Ich soll tatsächlich diese Enten mit auf den Kriegszug nehmen!“, wettert Penthesilea gerade und wir sehen deutlich, wie sie die Fäuste ballt, während sie an unserer Säule vorbeifegt. „Die Ältesten sind doch nicht vernünftig! Die Küken können mit diesen Flossen kaum gescheit geradeaus gehen und nur weil wir keine anderen Kriegerinnen haben sollen wir sie nun kämpfen lassen!“

    Das ist der Moment, an dem ich beginne Penthesilea zu hassen.

    Sehr schöne Bilder!

    Ich bin schon sehr gespannt, wie ihr die Fantasy-Elemente des Rabenkönigs umsetzt, waren sie da nicht in der Anderswelt? Das ist schon etwas avanciert ... die Bilder möchte ich gerne sehen!

    Hi Lady,


    dieser neue Anfang gefällt mir gut, obwohl ich auch den alten (Sira und Harka vor der Kneipe) nicht schlecht fand. Aber man erfährt hier gleich so einiges über Sira und sieht ihr tägliches Umfeld, das finde ich interessant.

    Das Muttermal scheint ja eine besondere Bedeutung zu haben und garantiert nicht die, die sie selbst sich überlegt. Na mal sehen, worauf das abzielt.

    Bei der Vorstellung von Harka würde ich auch gleich am Anfang seinen Namen bringen. Sonst fragt man sich, warum es so lange dauert, bis wir ihn erfahren.

    Alles andere haben meine Vorredner schon angemerkt, so dass ich es jetzt nicht wiederhole.

    (P.S. Der neue Titel gefällt mir bis jetzt nicht so arg - Die Kriegerin von Catrellak fand ich besser. Na mal sehen, worauf du damit abzielst).

    Insgesamt ist es ein guter Anfang, bin neugierig, wie es weitergeht!

    Ah, jetzt geht es mit Elias und seiner Crew weiter. Sehr gut, darauf hatte ich gehofft. Da bin ich gespannt, was sie antreffen werden.

    Es ist wieder ein spannender Text und ich bin wahnsinnig neugierig, wie es weitergeht! Ob Elias denn nach Nasrija überhaupt gelangen kann? Wie er das wohl anstellt?

    Diesmal hab ich ein paar Anmerkungen (bitte nicht davon frustrieren lassen - die Story ist toll!)

    Also, ihr Lieben, vielen Dank für eure Anmerkungen!
    Ich habe diesen Teil nun nochmal überarbeitet und hoffe, dass es jetzt besser geworden ist!

    Shit ... ich hab ja sowas kommen sehen. Tu das nicht!

    Tu das nicht, ich krieg ja noch einen Herzinfarkt!

    Ich finde auch, du hast Dagon extrem gut hinbekommen. Diese Andeutungen, der er jetzt macht, zu dem Muttermal, lassen mich Böses ahnen. Den Gegensatz zwischen Elias und Dagon - der himmlische Engel und der gefallene Engel - finde ich faszinierend.

    Besonders schrecklich finde ich, dass Emilia sich zu Dagon hingezogen fühlt (vermutlich sinnlich-sexuell ... oder?), ich möchte sie die ganze Zeit an den Haaren ziehen und schreien: He, schalt mal deinen Verstand ein! Das zieht mich richtig mit. Ich habe wirklich Angst, dass er sie noch auf seine Seite bekommt, denn irgendwas hat er ja mit ihr vor und wenn es NICHT der Punkt ist, Elias anzulocken, wenn es vielleicht sogar eine magische Verbindung zwischen Dagon und Emilia gibt, was wird dann passieren?!!!


    An einer Stelle habe ich etwas gerätselt:

    Ich war der Meinung, dass Dagon sie zunächst angeguckt hat und dann aber offensichtlich ganz nah an sie herangekommen ist und ihr etwas ins Ohr geflüstert hat.

    Und eben aus dem Grund, weil sein Gesicht vor ihrem Ohr war, konnte sie seine Mimik danach nicht sehen.

    Danach wandte sie ihr Gesicht von ihm ab? Aber in dem Moment haben sie sich ja sowieso nicht angesehen, oder?

    Ich meine diesen Abschnitt:

    Dagons betörende Stimme direkt an ihrem Ohr und spürte die Gänsehaut, die seine geflüsterten Worte in ihr auslösten.
    „Aber eine Sache solltest du dir merken …“, fügte er in bittersüßem Ton hinzu. „So etwas wie eben …. Tu – Das – Nie – Wieder! Um ein Haar hätte ich dir deinen bildhübschen Kopf abgerissen!“
    Emilia konnte sein unterdrücktes Grinsen förmlich spüren, auch, wenn sie es nicht sah. Missmutig und unter Mobilisierung all ihrer Willensstärke, wandte sie ihr Gesicht von ihm ab. Seine Hand, die sie zuvor noch so zart berührt hatte, verharrte einen Augenblick in der Luft, bevor er sie schließlich sinken ließ.
    „Wenn du nicht vorhast, mich zu töten, … könntest du mich dann bitte wieder loslassen? Ich … bekomme keine Luft…“, presste sie hervor und versuchte, sich die Wirkung, die er auf sie hatte, nicht anmerken zu lassen.
    Dagons Brauen schossen in die Höhe, während er verdutzt auf sie herabblickte. Die Irritation, die ihre Worte in ihm auslösten war offensichtlich

    Oder? Verstehe ich das hier falsch?


    Davon abgesehen:

    Ein toller Abschnitt. Ich hasse Dagon!!! Und ich kann absolut nicht vorhersehen was zum Geier da läuft, was der Typ eigentlich vorhat und wie das weitergehen soll! :nummer1:

    Erst Mal vielen lieben Dank euch beiden für eure netten Kommentare.


    Skadi

    Rainbow


    Im Moment sieht es so aus, dass ich den Eindruck habe, das Anfangskapitel über Raven funktioniert überhaupt nicht und erreicht auch nicht die Zwecke, die es soll. Ich muss das irgendwie ganz anders machen. Ich habe mir jetzt überlegt, das Kapitel ganz zu streichen und direkt bei seiner Rückkehr in die Vulkanstadt zu beginnen. Das habe ich ja schon geschrieben, das Problem ist jetzt nur, dass ich sein Gefühlsleben nicht voreinander bekomme. Dadurch, dass dieses Kapitel, das ich streiche (aber das trotzdem passiert), sich geändert hat, stimmen die Voraussetzungen nicht mehr und ich muss es neu zusammenpuzzeln. Das klappt bis jetzt einfach nicht. Ich muss mir da mehr Gedanken machen und vermutlich die ganze Vorgeschichte nochmal durchgehen.

    Ich überlege außerdem, nicht mit Cheneela anzufangen sondern mit Raven. Nur den Einstieg bekomme ich einfach nicht auf die Reihe. Mein altes Konzept funktioniert jetzt irgendwie nicht mehr, ich muss das justieren. Weiß noch nicht richtig wie.

    Auch was Cheneela betrifft, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob mein Konzept so bleiben kann oder ich das nicht noch mehr ausarbeiten muss.

    Also, es tut mir leid, aber momentan kann ich hier einfach nicht weitermachen, weil ich erstmal einen gescheiten neuen Anfang finden muss. Darum habe ich die Geschichte auf pausiert gesetzt. Ich hoffe, ihr habt so viel Geduld, mir etwas Zeit zu geben. Ich werde nicht aufgeben, denn diese Geschichte liegt mir sehr am Herzen und da habe ich auch schon wahnsinnig viel geschrieben, (über 1000 Seiten, ich zähl lieber nicht nach ...) das muss ich also hinbiegen können, ist nur eine Zeitfrage.

    Danke!

    Danke euch für eure lieben Kommentare!

    Es fehlen jetzt nur noch zwei Abschnitte bis zum Ende, ich bin schon ziemlich gespannt, was ihr dazu sagen werdet, darum mache ich hier schon mal weiter.


    Litu


    Rainbow



    Und hier geht es jetzt weiter:


    42.1 Königinnenkampf

    „Was ist los?“, brüllt sie mich an. „Angst? Willst du dich drücken? Ich verlange einen Kampf im Wasser. Auf Leben und Tod, so wie üblich.“

    Verwünscht. Zwar bin ich eine gute Schwimmerin, aber gegen eine magisch hochbegabte Wassermagierin wie Arixes in ihrem Element zu kämpfen, fühlt sich nicht gerade verlockend an. Allerdings kann ich mir als Königin keine Schwäche leisten. Sonst glaubt nachher jede, sie könnte mich mal eben niederstrecken.

    „Gut, kämpfen wir“, sage ich also und nicke zustimmend. Innerlich wird mir flau im Magen. Hoffentlich finde ich in dem Gewässer ein Lebewesen, an dessen Kiemen ich mich andocken kann. Sonst bin ich auf die dämlichen Kiemenketten angewiesen, die Arixes mit Leichtigkeit aushebeln kann. Bestimmt wird sie genau das als erstes versuchen, weil sie diese Schwäche ja bereits gründlich beobachten konnte. Beinahe hätte ich laut geflucht. Gerade noch kann ich diesen Impuls unterdrücken. Stattdessen frage ich betont gleichmütig: „Wo soll der Kampf stattfinden?“

    „Hier in der Nähe gibt es einen See.“ Arixes winkt mir, sammelt ihre Dienerinnen und geht demonstrativ zu ihrem Pferd.

    Die Gedanken wirbeln in meinem Kopf. Zu viel Wasser in diesem Feldzug. Zu viel Dummheiten und Missgeschicke.

    Eilig suche ich nach einer Alternative, die ich Arixes schmackhaft machen könnte. Warum nehmen wir nicht einen der Tümpel hier? Dann müssten wir das Lager nicht verlassen – und in dem kleinen Gewässer wäre ihr Vorteil mir gegenüber nicht so groß.

    Aber ich sage nichts. Wie würde das denn klingen? Als hätte ich Angst zu verlieren.

    Die Schwimmerin und ihre Garde sitzen inzwischen zu Pferd und blicken zu mir herüber. Mir wird klar, sie ärgern sich darüber, dass ich hier noch immer stehe und mich nicht für den Kampf bereit mache.

    Demonstrativ wendet Arixes ihr Pferd, ich höre wie sie faucht: „Gottesverräterin!“

    „Hüte deine Zunge! Dafür zahlst du!“, zische ich zurück. Das kann ich nicht auf mir sitzen lassen.

    Gut. Dann soll es so sein.

    Ich überprüfe meinen Waffengurt. Das Schwert werde ich unter Wasser nicht brauchen können. „Bring den Dreispitz und ein Netz“, befehle ich den Dienerinnen in meiner Nähe und winke meiner Schwester Protoe, die mein Pferd bringen soll. Um mich herum kommt Bewegung auf. Alle starren mich an, ich sehe ihre erwartungsvollen Blicke, mit denen sie mich ganz genau mustern, vielleicht schon versuchen abzuschätzen, wie ich mich schlagen werde. Dann kommt Bewegung auf. Die Kriegerinnen eilen zu ihren Reittieren. Niemand wird sich dieses Schauspiel entgehen lassen.

    Schnell stelle ich noch ein paar Wachen auf, die das Lager und unsere Gefangene im Auge haben sollen, während wir kämpfen. Da kommt Protoe auch schon mit meinem Pferd, bringt die Dienerin mir ein Netz, groß genug für einen kleinen Wal, eine andere hält mir den Dreispitz hin, den ich an den Sattelgurt binde.

    Ich reite los. Hinter mir und um mich herum höre ich das Trappeln und Klappern hunderter Hufe.

    Protoe trabt an meiner Seite und redet hektisch auf mich ein. Ihre Stimme bricht immer wieder vor Angst, aber ich höre ihr nicht zu. Stattdessen setze ich ein heiteres Lächeln auf. So etwas kann ich gut, vor allem imponiert es jedem Gegner. Auch wenn Arixes mich nicht sieht, denn sie ist in ihrem Eifer schon vorausgeritten und ich sehe nur ihre Spuren im Sand. Aber mich umringt ja das gesamte Heer und alle Augen sind jetzt auf mich gerichtet.

    Eine eilige Reiterin drängt sich durch die Menge und kommt an meine Seite.

    „Königin, die Gefangene führt aufrührerische Reden. Ich glaube, sie brütet etwas aus!“, warnt sie mich.

    Die Gefangene! Mein Faustpfand für unseren Feldzug. Was wird sie wohl tun, wenn alle meine Kriegerinnen abziehen? Na was wohl, sie wird wilde Geschichten erfinden und meine Wachtposten versuchen zu überreden sie freizulassen. Und falls man ihr die Fesseln abnimmt, wird sie uns freiwillig und ohne Kopfzerbrechen ganz genau zeigen, wie wir die unüberwindliche Grenze knacken und in das Land ihrer Heimat hereinkommen. Wäre das nicht sogar besser als wenn ich sie zwinge? Unter Zwang könnte sie versuchen, mich hereinzulegen oder uns Fallen zu stellen. Wenn ich ihr aber das Gefühl gebe, sie sei klüger als ich und könnte aus eigener Kraft verschwinden, dann bleibt sie unbefangen und denkt nur an ihre eigene Sicherheit, nicht mehr an unsere Ziele. Sie kommt dann nicht auf die Idee, wir könnten Unheil über ihre Heimat bringen und sie müsste das ihrem König melden. Das wäre für uns ein großer Vorteil.

    Na dann ... lassen wir sie doch entkommen. Ich brauche nur ein paar Wächterinnen, die ihre Methode dabei ganz genau beobachten und mir nachher Bericht erstatten, damit wir es nachmachen können.

    Geschwind überfliege ich die Scharen der Kriegerinnen, die mit hochroten Gesichtern um mich herum auf ihren Pferden sitzen und voller Anspannung abwarten, wie ich mit Arixes´ Herausforderung umgehe. Inmitten der Menge fällt mein Blick auf die schüchterne Malaxes, meine unfähigste Novizin. Die würde sich von der kleinen Meerhexe ganz bestimmt kurz und klein reden lassen und ihr Ungeschick wird meine Gefangene sicher noch dazu bringen, ihre eigene Leistung zu überschätzen und unsere Absichten zu missdeuten. Ich winke sie zu mir.

    „Malaxes, du bewachst die Gefangene. Es ist deine Aufgabe, ihr dabei zu helfen zu fliehen. Falls sie mit dir redet, gewinnst du ihr Vertrauen und machst alles, was sie will. Es ist nur wichtig, dass es nicht zu schnell geht, damit wir ihren Weg nachverfolgen können. Verstanden?“

    „Fliehen?“, stottert die Novizin. „Ich soll sie wirklich flüchten lassen?“

    Ich nicke ihr bedeutungsvoll zu.

    „Ganz genau. Geh zu den anderen Wächterinnen, die ich schon eingeteilt habe, und erkläre ihnen den neuen Befehl.“

    Dann teile ich weitere Kriegerinnen ein, die Wachtposten spielen und sich an strategisch wichtigen Stellen im Lager verteilen sollen.

    „Ihr beobachtet jeden ihrer Schritte, aber lasst sie das nicht merken“, erkläre ich der Wächtertruppe. „Passt nur auf, dass sie nicht aus Versehen Heiligtümer zerstört. – Und ich will fortlaufend Bericht über die Lage bekommen. Sobald Murissa die Grenze überschreitet, jagt ihr ihr nach, fangt sie ein und holt sie zurück in unser Lager.“

    Wir setzen unseren Weg fort, reiten an hunderten Zelten vorbei durch das Lager bis zu seinem Ende. Dahinter erhebt sich ein dichtbewachsener Eichen- und Buchenwald, durch den ein ausgetretener Pfad hindurchführt. Hinter mir höre ich die Kriegerinnen laut und aufgeregt miteinander tuscheln. Protoe an meiner Seite kämpft mit den Tränen, beherrscht sich aber, als ich ihr einen warnenden Blick zuwerfe.

    Königinnenkampf. Zehn Jahre ist es her, dass ich die damalige Königin herausforderte. Sie stauchte mich damals vor der Ratsversammlung zusammen und brachte mich in eine Zwangslage. Ich sah keine andere Möglichkeit mich zu wehren als durch einen Angriff. Und war selbst überrascht, wie drastisch ich sie zu Boden zwingen konnte.

    Erst jetzt drängt sich der unangenehme Gedanke in mein Bewusstsein, dass ich mich noch nie mit einer Schwimmerin geschlagen habe – jedenfalls nie in einem ernsthaften Kampf. Ich werde diesmal nicht so überlegen sein wie ich gewohnt bin. Im Gegenteil könnte das sogar brenzlig werden.

    Wortlos reiten wir den breiten Weg entlang, den wir selbst in diesen Wald geschlagen haben. Was ist mit dir denn los?, weise ich mich selbst zurück. Brenzlig? Für mich? Fang jetzt nicht an, dein Selbstbewusstsein zu ramponieren. Die schlägst du doch. Jede beliebige Kriegerin würdest du zu Boden stampfen. Ich glaube, diesen Spruch habe ich auch schon ein paarmal losgelassen. Die Armee muss Vertrauen in ihre Königin haben. Ja, auch in ihre Kampfkraft.

    Als der blau schimmernde See vor meinen Augen auftaucht, wartet an seinem Ufer bereits Arixes auf mich. Ihre Stirn glüht noch immer zornrot.

    Gleich darauf erreicht mich die nächste Botin.

    „Malaxes hat der Gefangenen die Fesseln abgenommen“, berichtet sie und starrt mich an, als erwartete sie, ich würde meinen Befehl sofort zurücknehmen.

    „Gut!“, kommentiere ich interessiert. „Und, ist sie direkt zum Eisberg gelaufen?“

    Die Wächterin nickt zögerlich. „Ich weiß nicht, ob dieses kleine Wassermädchen einen klaren Verstand hat. Sie lief gemeinsam mit Malaxes zuerst Richtung Berg, doch dann kehrten sie wieder um.“

    „So?“ Ich ziehe die Augenbrauen hoch. „Warum?“

    „Murissa redete von einem Magiestrahl, den sie erzeugen wollte.“

    Ich werfe Arixes einen scharfen Blick zu. „Den würde ich mir doch gerne persönlich anschauen. Höre, Arixes. Verschieben wir unsere Auseinandersetzung um einen Moment! Die kleine Diebin hat Priorität!“

    „Oh nein!“ Arixes stemmt ihre Flossenhände in die Seiten und funkelt mich mit blitzenden Augen an. „Verharmlose die Sache nicht. Du hast mir nichts zu befehlen, weil du nicht mehr meine Königin bist! Wir brauchen dieses Pferdemädchen nicht. Soll sie dahin verschwinden, woher sie kam. Wir werden das Selchenland angreifen, so wie unser Auftrag war! Wenn du dich vor dem Kampf drücken willst, hast du sofort verloren!“

    Ich drehe mich zu Parchemea um, der Panzerträgerin, die hinter mir geht.

    „Dann sei du so gut und analysiere Murissas Grenzzauber, falls die anderen Wächterinnen damit überfordert sind. Und erstatte mir Bericht sobald als möglich.“

    „Wird nicht nötig sein. Wir kämpfen um Leben und Tod, vergessen?“, faucht Arixes. „Wenn ich gewinne, ist der Bericht vollkommen überflüssig! Und ich werde gewinnen.“ Glühender Hass blitzt in ihren Augen. „Ich habe dich beobachtet. Unter Wasser bist du auch nicht viel besser als all unsere Kriegerinnen, die du nicht gegen die Selchen kämpfen lassen wolltest.“

    Das muss ich mir nicht bieten lassen.

    „Du wirst vor mir am Boden kriechen wie ein Wurm, das schwöre ich dir!“, gebe ich in hartem Ton zurück, während ich innerlich bebe. „Allerdings will ich als Königin keine meiner Kriegerinnen töten. Ich schlage deshalb vor, auf Zeit zu gehen. Wenn es dir gelingt, mich bis zum Ablauf einer festgelegten Frist unter Wasser zu halten, hast du gewonnen. Bringe ich uns aber beide aus dem Wasser heraus, ist es mein Sieg. Einverstanden?“

    Sie nickt grinsend. Offenbar ist sie sehr sicher zu gewinnen. Ich spüre auch den Eifer ihrer Begleiterinnen, die wahrscheinlich schon anfangen zu träumen, dies könnte der Beginn einer Ära der Schwimmerinnen werden. Kennt sie mich denn nicht? Ich hasse nichts mehr als zu verlieren. Schon bei dem Gedanken sträuben sich mir die Nackenhaare und durchfährt mich eine ungeheure Wut. Ich bin eine Siegerin. Und ich erlaube niemandem mich zu demütigen. Absolut NIEMANDEM. Schon gar nicht einer Schwimmerin, deren Watschelflossen uns bei den gewöhnlichen Kämpfen stets behindern und unter denen ich immer die größten Verluste einfahre, weil sie für die meisten Kämpfe einfach nicht taugen – so ist das nun mal!

    Vor uns liegt in einem breiten Oval, dunkelblau schimmernd und auf unserer Seite von Schilf umrandet, der See. An seiner linken Seite ist sein Ufer felsig und erhebt sich langsam, wobei es eine kahle, langgestreckte Steinpromenade bildet, die sich hervorragend als Tribüne für Zuschauerinnen eignet. Genau diesen Gedanken haben zahlreiche meiner Kriegerinnen, die kurzerhand ins Wasser springen, zur felsigen Seite hin kraulen und dort dichtgedrängt neben- und übereinander Platz nehmen. Arixes´ Leibgarde erreicht die Felsen als erste, doch ihr folgen Kämpferinnen aus allen Regimentern in großer Zahl. Als beim besten Willen kein Platz mehr frei ist, stellen sich die nachfolgenden Schaulustigen im flachen Uferwasser auf, im Schilf, überall verteilen sie sich, um den ganzen weiten See herum, was geraume Zeit beansprucht. Für das gesamte verbliebene Heer wird der Platz jedoch nicht reichen, noch immer reiten hinter mir scharenweise Kriegerinnen aus dem Wald, bis sich kein freies Fleckchen Erde mehr findet und die Kolonne gezwungen ist zu stoppen.

    Arixes und ich stehen nur ein paar Schritt voneinander entfernt vor dem Schilf. Ich fühle mich wie ein Kessel auf dem Feuer, in dem das Wasser schon zu kochen beginnt. Mein Blut brodelt, alle meine Nerven sind angespannt. Du wirst mir zu Füßen liegen, Arixes.

    Die stämmige Chelimea, genannt Chep, stellt sich zwischen uns und bietet an, in unserem Duell Schiedsrichterin zu sein. Sie lässt an der Uferlinie einen roten Farbpunkt entstehen, der sich wie eine bunte Schlange am Strand entlang bewegen wird.

    „Schaut her“, verkündigt sie. „Sobald das rote Licht den See einmal umrundet haben wird, ist der Kampf vorbei.“

    Ich strecke den Kopf zum Himmel und erhebe meine Hände.

    „Heilige Kamamé, seht uns an! Hier stehen Arixes und ich, wählt Ihr, wer von uns geeignet ist, Königin zu sein, und gebt ihr den Sieg!“

    Meine Stimme ist hart wie Metall und hallt verzerrt von den Felsen wider. Es klingt, als wäre ich nervös, was natürlich nicht stimmt. Aber ein wenig gute Stimmung zu erzeugen ist nie verkehrt. Also fange ich an, unsere Hymne zu singen. Bereits nach ein paar Tönen fallen die Kriegerinnen ein und schon donnert aus tausenden Kehlen der Refrain über den See: „Heilige, heilige Kamamé!“

    Die Wolken über unseren Köpfen öffnen sich und ich sehe die funkelnden Augen der Heiligsten auf uns – nein, ganz speziell nur auf mich – niederblicken.

    Das wird schon laufen. Ich gewinne. Ich MUSS gewinnen. Alle singen. Wir sind eine einzige große Gemeinschaft. Ein Geist, ein Körper.

    „Es gilt!“, ruft Chep, als der letzte Ton verklingt. „Seid ihr bereit?“

    Arixes hat bereits ihre Wasseraura aktiviert. Um ihre Haut herum fließen Wassertropfen, als stünde sie unter einer Regenrinne. Und sie nickt mit grimmigen Blicken.

    „Und wie ich bereit bin“, knurrt sie mir zu.

    „Gleichfalls“, zische ich zurück.

    „Los!“

    Chep richtet ihre Hand in Richtung des rotblinkenden Punktes am Seeufer. Sie beginnen am Schilf entlangzukriechen wie eine rote Schlange, in zügigem Tempo. Viel Zeit werden wir nicht haben.

    Mir hat es auch wieder super gefallen. Schon witzig, wenn man bei der Hitze im Schatten schwitzt und sich einen Winterfilm anschaut, wo die Leute durch den Schnee stapfen, echt surreal.

    Ich war auch ganz beeindruckt von euren schauspielerischen Leistungen, das ist wirklich gut geworden. Z.B. diese Szene in der Schankstube. Da habt ihr ja eine ganze Menge Volk rekrutiert und die alle so passend angezogen, bestimmt war das gar nicht so einfach.

    Ich hab den Film auch schon auf meiner Seite geteilt.

    Tolle Arbeit von euch! :nummer1: