Beiträge von Kirisha

    Wow! Das hat mir mal wieder sehr gefallen!


    In Dunhaven heißt es, man könne durch die Augen die Seele eines Menschen sehen.

    Durch diese nicht. Sie glichen einem Loch in der Wand, in welches man hineinschauen konnte, doch nichts den Blick erwiderte.

    Das Blau in ihnen wirkte matt und verblichen, als hätten sie seit Jahren keine Sonne mehr gesehen.

    Sowas mag ich sehr.


    Und dann die Überraschung am Schluss. Aha - wir haben also gerade ein halbes Leben übersprungen (wenn Tjelvar vorher 16 war und jetzt ist er um die 30). Es ist ganz klar, dass aus ihm eine düstere Gestalt geworden ist, nach dem Schlimmen, was er durchgemacht hat. Das lässt Raum für eine Menge Fragen und Entwicklungen. Gefällt mir! Und ich bin sehr gespannt, wie das weitergeht und wie sich Tjelvar nun genau entwickelt hat!

    Auch die Fragen von Elina mochte ich, die sie dem "Zauberer" gestellt hat - sie waren interessant, auch wenn vielleicht etwas naiv, aber das ist sicher der Hoffnung geschuldet, die Elina einfach nicht aufgeben will und die ich auch verstehe.

    :nummer1:

    Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure Kommentare, die für mich wie immer sehr hilfreich sind!


    Etiam


    Rainbow

    Thorsten

    Litu

    Etiam


    Hier geht es dann weiter:

    37.2 Lügen haben grüne Flossen

    Allerdings hatte ich jetzt nicht die Zeit, über diese verwirrenden Ideen nachzudenken. Ich brauchte ein Versteck und das schnell. Auf den ersten Blick gab es nirgends eines, die vielen lauten Töne hier unten brachten mich auch ganz durcheinander. Überall um mich herum bimmelten Geräusche. Sie schienen von den drei Fischherren zu kommen, die sich mir zuwandten. Ihre grünen Algenhaare wogten im Wasser und sie schienen zu begreifen, dass ich in einer Notsituation war. Einer von ihnen kam auf die Idee, seine Riesenflossen auszustrecken und sie wie ein großes Tuch über mich hinweg auszubreiten, sodass ich gänzlich darunter versteckt war. Keine Sekunde zu früh, denn schon im nächsten Augenblick hörte ich lautes Geplatsche über mir, das vermutlich meine Peinigerinnen ankündigte, die mir nachgesprungen waren und mich gleich wieder an ihren hässlichen Baum nageln würden. Ich hielt die Luft an. Das Wasser wirbelte und wogte um mich herum. Ich drückte mich tief gegen den Boden, der etwas morastig war, und grub mich leise und mit ganz kleinen Bewegungen darin ein. Bald fühlte ich nicht mehr die Flossen meines Retters, sondern nur noch moorige Erde über mir. Atmen konnte ich trotzdem noch recht gut. Anscheinend filterten meine Kiemen die Erdkrümel alle hübsch zur Seite.

    Wie lange würde es wohl dauern, bis sie mich fanden? Ich meine, sie sahen doch, dass ich nicht entkommen konnte. Noch immer peitschten sie auch das Wasser auf, kurvten hierhin und dorthin. Zu meinem Erstaunen wusste ich ungefähr, wo sie waren, obwohl ich durch das Erdreich über mir natürlich nichts sah. Aber ich spürte die Richtung und Stärke der Wasserbewegungen und ich hörte sogar ihren ... Gesang. Wenn man das denn so nennen wollte, was ich hörte. Über mir rempelte jemand einen der Wasserherren an und blubberte ihn böse an. Der Fischmann antwortete mit eleganten, sehr melodischen Tönen, die unter Wasser hallten. Als wollte er ein Lied singen. Es klang atemberaubend. Wie Töne in einem Tempel, gigantisch und alles überschwemmend. Was genau er sagte, verstand ich nicht, aber ich hörte seine höfliche und freundliche Stimmung heraus. Die Hexen – es waren mehrere – gaben sich keinesfalls artig. Ihre Töne waren schroff und befehlend. Sie schossen sogar. Ich hörte die Fischmänner quietschen und spürte wilde, wirbelnde Wasserbewegungen. Nur mich fanden sie nicht. Sie kamen vermutlich nicht auf die Idee, mich so tief unten zu suchen.

    Bald wurde es wieder still um mich herum. Ich hörte die glockengleichen Töne, die die Fischmänner aus Luftblasen an ihren Kiemen produzierten. Vorsichtig lugte ich aus meinem sandigen Versteck nach oben. Tatsächlich, wir waren wieder allein. Vermutlich wollten die Drei mir etwas sagen, oder mich etwas fragen. Sie blubberten einer nach dem anderen. Es war frustrierend, dass ich auch diese Sprache nicht verstand. Irgendwo in einer sehr tiefen Erinnerung entsann ich mich, dass ich ein einziges Wort in Meerisch kannte, nämlich einen Namen, Falamusch. Dieser klang übersetzt ungefähr wie „Blu - Bel – Balupp“. Wer hatte mir das eigentlich erzählt? War das meine Mutter gewesen? Vermutlich. Alle meine wildesten Geschichten hatte ich doch von ihr. Ach, meine Mutter ... weit war sie weg, und wie sollte ich sie jemals wieder sehen können?

    Ich biss auf die Zähne. Jetzt war nicht die Zeit für Sentimentalitäten. Vielleicht hatten diese drei netten Herrschaften mal etwas von König Falamusch gehört? „Blu – Bel – Balupp“ – und wie sollte ich nun Luftblasen erzeugen, die genau diese Töne erzeugten? Ich versuchte es. Aber ich erntete nur fragende Blicke. Entweder hatte ich die Töne nicht getroffen oder Falamusch war eine Erfindung meiner Mutter. Wahrscheinlich beides.

    Vom Ufer her klang lautes Trampeln. Erstaunlich, dass ich das hier unten so gut hören konnte. Die Fische erschreckten sich, der eine schlang hastig wieder seine Riesenflosse über meinen Rücken – aber zu spät. Schon schleuderte ihn jemand zur Seite. Ich war ungeschützt. Verzweifelt schwamm ich in eine Ecke, drehte eine scharfe Kurve, wirbelte zwischen Fischmännern hindurch – und schon umhüllte mich ein dickes Fischernetz. Jemand zog mich nach oben. Hart landete ich auf dem trockenen Erdboden. Spuckend und prustend spürte ich, wie sich mein hübscher Meermädchenschwanz wieder in zwei magere Beine verwandelte und meine Lungen röchelnd nach Atemluft rangen. Vorbei der Traum. Ich war wieder ich.

    Wieder umringte mich eine gewaltige Menge dieser mörderischen Zauberinnen. Diesmal schlossen sie mich mit eisernen Ketten an einen Baum. In meinem Kopf begann es zu hämmern. Diese Fesseln konnte ich nicht sprengen. Hier käme ich nie wieder lebendig heraus. Vermutlich nicht mal mit der weltbesten Supergeschichte. Vor lauter Angst wollte mir sowieso kein einziger gescheiter Gedanke mehr kommen.

    Bis mich ein so wuchtiger Magiestrahl traf, dass ich beinahe davor in die Knie gegangen wäre. Nein, es war kein Strahl – es war eine Aura! Himmel, wie mächtig musste die Herrscherin sein, die solch ein kraftvolles Strahlenfeld umgab? Die Zauberinnen wichen zur Seite und machten ein Spalier frei. Durch dieses kam eine schmale, dunkelhaarige Gestalt geschritten. Ich erschrak bis in alle Nervenfasern. Selbst ihre Herrin war eine miese Skeff?

    Sie hatte pechschwarze, kurzgeschnittene Haare, die wie ein Kranz ein feingeschnittenes Gesicht von solcher Schönheit umrahmten, wie ich noch nie Vergleichbares gesehen hatte. Ihre dunklen Augen strahlten Wärme und tiefe Ernsthaftigkeit aus. Sie trug dieselben hellblauen Gewänder wie die anderen Frauen, aber bei ihr leuchteten sie derartig intensiv, dass mir die Augen weh taten.

    Keine Flügel. Also war auch sie keine echte Skeff. Lauter Mischlinge hier, oder wer sonst waren diese Leute?

    Etwas an ihr ließ mein Herz erzittern. Die Aura ... sie war die Person, der die mächtige Aura gehörte. Nun durchflutete sie mich durch und durch und legte sich so schwer über mich, dass meine Beine unter ihrem Gewicht einknickten. Mir war zumute, als ob ihre Strahlung in meinen Körper eindrang, meine Nerven bloßlegte und meine innersten Gedanken ausforschte. Sie musste eine Göttin sein. Mir brach der kalte Schweiß aus. Ich konnte mein Körpergewicht nicht mehr halten, fiel vor ihr auf die Knie, so weit es die Ketten erlaubten und spürte, wie ich am ganzen Körper zitterte.

    „Protoe!“, hörte ich die kräftige, befehlsgewohnte Stimme der Göttin über meinen Kopf hin rufen. Es folgte eine scharfe Frage, die ich wiederum nicht verstehen konnte. Die Zauberin, die neben ihr ging, antwortete ihr mit einem Wortschwall in demselben unverständlichen Dialekt. Ohne zu zögern sprach die Göttin ihr Urteil. Es hörte sich kurz, hart und brutal an. Wahrscheinlich: „Tötet sie.“

    Was sollte eine Todesgöttin auch sonst befehlen?


    O je, Freddy ... warum nur habe ich bei dieser Mission so gar kein gutes Gefühl?

    „Aber nur unter zwei Bedingung“

    Bedingungen



    Du gehst nicht unbewaffnet und beim ersten Anzeichen von Gefahr, wirst du uns umgehend ein Zeichen geben.“

    Ein Zeichen geben ist gut, aber wie soll er das machen, wenn er drinnen ist und die anderen draußen?


    „Wird schon schiefgehen“, hörte er Freddys Stimme an seinem Ohr, bevor sich dieser schnell wieder von ihm löste.
    „Hoffentlich nicht!“, antwortete Elias knapp und atmete hörbar aus.

    Das hier gefällt mir sehr gut! Ich denke, Elias kennt diesen Ausdruck nicht und glaubt, Freddy meint das ernst oder sei sehr ängstlich. (ist ja ja im Moment auch, aber er hat das nicht deshalb gesagt)


    Als die Reihe an Serafina kam, strich sie Freddy eine seiner widerspenstigen braunen Locken zur Seite, woraufhin sich eine leichte Röte auf seinen blassen Wangen ausbreitete. „Hab keine Angst, Freddy“, sagte sie leise. „Ich passe auf dich auf!“

    Und das ist irgendwie echt süß.


    Na dann mal los ... irgendwie habe ich da gar kein gutes Gefühl ... auch der dauernde Schneefall ist jetzt nicht gerade günstig und wird bestimmt noch stressen.


    Wie immer, eine sehr gelungene Szene! Bin sehr gespannt, was Freddy drinnen zu sehen bekommt!

    Mein Gott, es kommt mir vor, als wäre ich blind und müsste erstmal sehen lernen.

    Ich habe jetzt mal das ganze Kapitel umgeschrieben und versucht, alle die schlimmsten Logikschnitzer zu entfernen und es mehr verständlich zu machen.


    Danke euch allen für eure sehr hilfreichen Kommentare!


    was du dir für Cheneela vorstellst aber dieser Charakterzug muss im Hinblick auf die Handlung ja nicht unbedingt etwas schlechtes sein. Meiner Meinung nach bietet es sogar Potential für ihre Charakterentwicklung,

    Im Prinzip ja - nur dass sie hier auf eine Weise wirkt, die ich nicht gewollt hatte. Deshalb muss ich mir nochmal ernsthaft Gedanken machen, wohin ich mit ihr gehen will.


    1. Warum könne Leute über Raven fliegen, obwohl vorher nur von Segeln die Rede war?

    2. Warum kann man den Tempel nicht zu Fuß angreifen?

    Diese Fragen habe ich nun in dem Update versucht, etwas besser nachvollziehbar zu beantworten.


    Bei Raven hatte ich natürlich zuerst prompt an die Tochter von Penthesilea gedacht ^^ ... aber gut, jetzt ist es der junge Skeffkrieger und- Anführer, der so heißt.

    Ich finde die ganze Idee mit dem Besteigen des Vulkans eine coole Idee. Das hast du sehr atmosphärisch beschrieben mit der Hitze, den Ascheflocken, dem gefährlichen Untergrund.

    So, und Raven soll nun also die Prinzessin entführen. Aha! Keine Ahnung warum, aber ich hatte zu Beginn irgendwie angenommen, dass es Cheneela sein würde, die entführt wird

    Vielleicht sollte ich den Namen ändern, damit man nicht auf diesen Gedanken kommt. (ich überlege das mal)

    Tja, und was das Entführen von Prinzessinnen betrifft - warte mal ab.

    Deine weiteren Anmerkungen habe ich versucht zu entschärfen und habe den ganzen Text nochmal umgeschrieben. Ich hoffe, er ist jetzt besser verständlich, wer fliegen kann und warum es so viele nicht können und auch deine anderen Unklarheiten.


    Das habe ich tatsächlich nicht ganz verstanden. Das Ganze scheint eine ihm schon bekannte Prozedur zu sein, also kein Fehlstart. Zunächst ist mir nicht klar, warum er überhaupt in die Tiefe stürzt, obwohl er seine Flügel schon ausgebreitet hat. Wenn das wiederum schon beim Start nicht geklappt hat, dann ist es denke ich danach zu spät, denn während des Sturzes müsste es meiner Meinung nach viel schwieriger sein, die Flügel richtig auszubreiten / zu positionieren,

    Danke für deine technischen Ausführungen, sowas kann ich echt gebrauchen, wie du wohl schon gemerkt hast. Das nehme ich mir gerne zu Herzen und habe es jetzt versucht, in den Text einzuarbeiten. Ich habe den gerade mal upgedated. Auch deine übrigen Hinweise sind jetzt hoffentlich in dem erneuerten Text geklärt.


    (Kannst Du im Prinzip mit dem Badezimmerspiegel ausprobieren wenn Du zwei Spiegel genau gegenueber anordnest - der Blick in die Unendlichkeit der so entsteht wird immer dunkler je mehr Reflexionen dazwischen sind).

    Hey cool. Wieder was dazugelernt. Ich hatte es mir ganz anders vorgestellt. So hat es Novize wohl auch gemeint.



    Das gleiche habe ich mcih auch gefragt und überlegt.
    Vielleicht könnte man das "ziehen lassen" einfach weglassen.

    Ich habe die Erklärung jetzt geändert und hoffe, es ist besser verständlich geworden.



    Das finde ich interessant :hmm: Mich würde interessieren, ob Raven damit ein Einzelfall ist oder ob das ein gängiges öhm ... "Leiden" unter den Skeff ist, bzw. ob es einen Grund dafür gibt, dass Raven keine Flügel hat. Genauso der Sinn dahinter, wieso sie ihm aus erzähltechnischer Sicht fehlen ^^ Na, du wirst es uns im Laufe der Geschichte schon erzählen ^^

    Ja, es gibt einen Grund dafür, warum er keine Flügel hat, das wird später nochmal Thema. Da steckt eine ziemlich lange Geschichte dahinter.


    Cheneela ist ein bisschen Klischee - da wuerde ich mir wuenschen dass Du uns was Neues servierst, Prinzessin die den Leibwaechtern und dem Hofleben mal entkommen will kennt man irgendwie schon - das Thema aus Sicht der Leibwaechter koennte z.B. mal anders sein - aber okay, ich war gewarnt

    Oh jetzt bin ich aber echt geflasht, dass du doch dabei geblieben bist, danke! :love:

    Ja, Cheneela gefällt mir auch selber noch nicht so richtig. Ich hoffe immer, dass mir noch einfällt, was ich aus ihr machen kann. Ein paar Details habe ich ihr noch gegeben, die in den Folgekapiteln kommen, aber das Gesamtbild ist wohl noch nicht ganz stimmig. Ich hoffe da noch auf eine Eingebung.


    wenn Raven einen hohen Startpunkt braucht (was plausibel ist) dann kann er keine Mission planen bei der er landet - wenn er nach der Landung in einer Mission wieder starten kann, dann braucht er keinen Vulkan zum Start - da sollte sich doch irgend ein Erklaerung finden lassen die der Sache Sinn verleiht?!

    Ja, ich glaube dieses Problem haben bisher die meisten hier gehabt. Ich mache da was draus und hoffe es zu lösen. Habe gerade ein Update gemacht, in dem ich einiges umgeschrieben habe.

    Den Vulkan mag ich sehr, den finde ich sehr inspirierend. Bin gespannt was du später zu der Vulkanstadt sagen wirst. Mistborn kenne ich nicht, sollte ich vielleicht mal lesen.

    Diese Szene hat mir wieder sehr gut gefallen. Es kommt also noch eine neue Perspektive, Elina mag ich. Ich hoffe, du hast noch etwas mit ihr vor. Die ganze Szene konnte ich mir lebhaft vorstellen, als wäre ich dabei gewesen, das hast du alles sehr gut beschrieben. Es tauchen verschiedene Gäste auf, natürlich sind die beiden letzten die interessantesten. Ich hoffe, sie werden nicht das Grab such, das in der vorherigen Szene soviel Unheil angerichtet hat? Na mal sehen. Da braut sich ja was zusammen, die Draugar werden immer aggressiver und scheinen das Land zu erobern, also muss da wohl etwas passieren. Ich bin gespannt!


    das Haar struwweln - wäre das nicht eher strubbeln?

    Ihr Lieben,

    vielen Dank für eure Anmerkungen!

    weil das Licht ja nicht durch die häufige Spiegelung intensiver wird, sondern dadurch, dass es gebündelt wird.

    Ich dachte mir eigentlich, dass es zwar sicher gebündelt wird, aber auch in den anderen Spiegeln nochmal gespiegelt wird, was die Intensität noch mehr verstärkt (oder ist das falsch gedacht?)


    dafür dass Cheneela sich scheinbar als Rebellin gegen den Tyrann sieht, geht sie m.M.n ziemlich ruppig mit ihrer Untergebenen um.

    Du hast recht. Über den Charakter mache ich mir noch Gedanken und vielleicht ändere ich das auch nochmal um.


    Okay, dann geht es jetzt mal weiter mit dem nächsten Kapitel.

    Ich habe jetzt mal ziemlich weit ausgeholt, bin aber schon nicht mehr sicher, ob der Anfang so überhaupt spannend ist und ich diesen ganzen Teil nicht weglassen sollte. Aber hier ist er jetzt erstmal:


    1.   Überfall aus der Luft

    Dichter Ascheregen rieselte vom Himmel und hüllte die Umgebung in nachtschwarzes Dunkel. Obwohl Raven mit seinem Magiestrahler einen breiten gelblichen Lichtkegel erzeugte, konnte er unter den zahllosen herumwirbelnden schwarzen Flocken kaum den Weg erkennen, den er reiten wollte.

    Eine abrupt zunehmende Hitze alarmierte ihn. Er zügelte sein Pferd, drehte sich um und rief laut zu seiner Truppe:

    „Stopp!“

    Es war immer gefährlich, am äußeren Vulkanberg zu reiten, weil der Krater nie still war und jederzeit neu entstandene Lavaflüsse austreten konnten. Anfangs, solange die Lava noch rot glühte, übersah man sie nicht, aber sobald die oberste Magmaschicht zu schwärzlichem Gestein erstarrte, war sie kaum noch von der Umgebung zu unterscheiden. Wie eine Eisscholle auf einem Feuermeer konnte sie plötzlich abreißen und jeden ins Verderben ziehen, der gerade seinen Fuß darauf setzte.

    Die glühende Hitze, die Raven an dieser Stelle überfiel, sprach dafür, dass er sich in der Nähe eines solchen schwarz verfärbten Magmaflusses befand. Er horchte auf die Signale seines Pferdes, das auf das Erkennen unterirdischer Ströme dressiert war. Es tänzelte unruhig und schnaubte.

    „Das ist ja ekelhaft heute, ich sehe nicht die Hand vor Augen.“ Asmantjar schloss zu ihm auf, ein breitschultriger schwarzhaariger Skeff mit langen Fledermausflügeln. „Wir müssen doch bald die Westseite des Berges erreicht haben. Ich hoffe wirklich, dass die Sicht dort besser wird.“

    Skeptisch spähte er durch den andauernden wirbelnden Ascheregen. „Warum halten wir?“

    „Was glaubst du denn?“, knurrte Raven unwirsch. „Bodenfeuer voraus. Wie üblich.“

    Raven hielt seinen Strahler in die Finsternis und spähte nach Zeichen, die ihm verraten könnten, wie breit der Lavafluss vor ihm war. Doch das einzige, was er erkannte, war das verräterische rötliche Glühen von Magmagestein weiter unten auf seiner rechten Seite, das an drei winzigen Stellen aufleuchtete. Der Weg voraus war pechschwarz und von hier aus nicht sicher zu beurteilen.

    Am liebsten wäre er auf der Stelle losgeflogen, aber die Sicht war zu schlecht. Sie riskierten, auf Gestein zu stürzen.

    Der Weg aus der Vulkanstadt heraus oder in die Stadt hinein war immer beschwerlich. Dem König gefiel es, dass er es nicht nötig hatte eine Stadtmauer zu bauen und auch keinerlei Wachtposten aufstellen musste, außer ein paar Gestalten vor dem Haupttor, die da aber nur so pro forma herumstanden. Niemand kam lebendig nach Kalamachai herein oder heraus, der sich nicht mit den Tücken der Lava auskannte. Zwar erschwerte dies auch den eigenen Leuten ihre Unternehmungen, aber diese hatten sich daran gewöhnt, stets entsprechend dressierte Pferde mitzunehmen, welche vor Gefahren warnten, und auch nicht ohne Leitmänner auszureiten, die ein Gespür für unterirdische Ströme hatten. Von seinen eigenen Leuten war Raven selbst derjenige, der das am besten konnte.

    „Ich teste den Weg zu Fuß“, bestimmte er.

    Entschlossen stieg er vom Pferd und gab Asmantjar die Zügel in die Hand. Ohne sein Reittier hatte er weniger Gewicht, was sein Risiko verringerte, in das trügerische schwarze Magmagestein vor ihm einzubrechen. Er war oft genug schon über solche Felsbrocken gegangen und wusste, wie es sich anfühlen musste.

    Langsam und bedächtig ging er zu Fuß weiter. Er spürte die Hitze zunehmen, sie umwehte ihn, als näherte er sich einem Großfeuer. Dann fühlte er auch das leise Brodeln unter seinen Füßen. Entweder war er schon auf der erhärteten Magmadecke, unter der die Lava glühte, oder nur einen Schritt entfernt. Wieder tastete er sich einen Schritt vorwärts, bereit, schnell rückwärts zu springen. Doch kein Knacken war zu hören, der Boden schien stabil. Noch weiter ging er voran. Die Hitze nahm schon wieder ab.

    Keine Gefahr, atmete er auf. Unter ihm schien nur ein kleines Rinnsal.

    „Der Weg ist rein, aber es ist besser nicht zu reiten“, rief er laut. „Sundor soll mit den Pferden zurückkehren, ihr anderen steigt ab und kommt mir im Gänsemarsch und mit einer Schrittlänge Abstand hinterher!“

    Er wartete ab, bis ihn die ersten Kameraden erreicht hatten und kämpfte sich dann durch die schwarzen Flocken immer weiter voran.

    Eine plötzliche Windböe entlockte ihm ein Grinsen. Endlich! Er hatte seinen Startplatz erreicht, die Wegbiegung, die auf die Westseite führte, wo ein ständiger Wind die Asche schnell davonblies, weshalb die Sicht hier deutlich besser war als auf der Nordseite, von der sie kamen.

    Tatsächlich trieben hier die schwarzen Flocken nicht so dicht vor seinen Augen und er konnte sogar ohne Strahler den Abgrund nahe des Weges erkennen. Hunderte Pferdelängen ging es hier in die Tiefe herunter. Die Abhänge darunter und die tieferen Wege hinten waren ebenfalls schemenhaft zu sehen. Der ideale Abflugplatz.

    Die Kameraden versammelten sich um ihn herum. Während einige von ihnen schon unternehmungslustig ihre langen Flügel ausstreckten, bildeten sie einen Halbkreis.

    „Geht´s los?“, rief Isert übermütig, dem die flockige Dauerberieselung solch eine Aschekruste über Wangen und Stirn geklebt hatte, dass Raven ihn nur an der Stimme erkannte.

    „Erst mal ´ne Runde Krum“, brummte Bernador und Raven hörte, wie die Flüssigkeit in seinem Weinschlauch gluckerte. Gelächter antwortete dem Kameraden, dann kursierte ein Becher. Dieses Ritual gehörte zwingend zu jeder Tour, die sie unternahmen. Bernador ritt nie ohne ausreichende Vorräte los.

    Der Kolchrum war stark, er brannte in der Kehle wie Feuer und mehr als einen Schluck nahm man besser nicht davon. Raven schätzte das Getränk, das das Blut in den Adern zum Brodeln brachte und ihn auch die magische Strahlung besser fühlen ließ.

    „Auf uns“, bölkte Bernador.

    „Schwert- und Flügelbruch!“, rief Isert.

    „Fertigmachen zum Abflug“, kommandierte Raven. „Die Segler zu mir. Jeder bindet sich an einen Flieger.“

    Da mehr als die Hälfte seiner Männer zum Volk der Skeff gehörten und deshalb von Natur aus über ausladende Flügel verfügten, hatten sie ihm schon mehrfach vorgeschlagen, einen Angriff aus der Luft zu planen. Aber er war dagegen gewesen. Er wollte als Anführer nicht auf ein Terrain gehen, das er nicht beherrschte. Diesmal bot es sich jedoch an. Einen Tempel während einer Zeremonie zu überfallen, das wäre auf dem Landweg schwer, weil das Gebäude sicherlich von einem großen Aufgebot Soldaten geschützt wurde. Mit einer Attacke aus der Luft rechneten sie dagegen sicher nicht.

    Zu seinem nicht geringen Verdruss war Raven selber ohne Flügel geboren und hatte daher nicht die Gabe, sich in die Luft zu erheben. Dieses Handicap gedachte er mithilfe von Segelflügeln zu überwinden. Das waren lange ledrige Schwingen aus Hirschleder, die er sich mithilfe magischer Energie um Arme und Rücken gewunden hatte. Richtig fliegen konnte er damit nicht, sie eigneten sich nur zum Segeln. Damit er trotzdem ans Ziel käme, würde ihn einer der Kameraden ziehen müssen. Isert, Bernador und Traskan hatte er ebenfalls mit solchen Behelfsseglern ausgerüstet, denn sie waren seine besten Männer und er wollte sie deshalb bei dem Angriff dabeihaben. Außerdem begleiteten ihn 16 Geflügelte. Die restlichen 90 Mann seiner Truppe, die entweder flügellos waren oder die schon nicht mehr in die Luft kamen, da die Flügel leicht einrissen und Feinde immer als erstes die Schwingen ihrer Gegner zerstörten, diese waren bereits voraus geritten. Er hatte sie an strategisch wichtigen Stellen in der Stadt positioniert, von wo er sie abberufen konnte, wenn er erst am Ziel ankäme.

    Raven trat an die Kante des Abgrundes, seine Segelhaut weit ausgebreitet. Mithilfe eines Seiles war er an seinen Kameraden Asmantjar gebunden, der gerade mit schnellen Flügelschlägen in die Luft aufstieg. Ein Ruck. Es zog ihn vorwärts, er fiel ins Leere. Kurz schaukelte er nach rechts, dann nach links, dann spannten sich die Lederhäute auf die richtige Weise und der Wind trug ihn. Wenig später flatterten schon die Kameraden um ihn herum, die Segler wie tote Blätter, die rasen müssen, wohin der Wind sie weht, während die Flieger wie Adler durch die Wolken jagten.

    Raven konnte es nicht ausstehen, nicht selber an vorderster Front zu fliegen. Es ärgerte ihn schon gleich nach dem Start, dass er hier zum Statisten degradiert war. Das würde sich aber ändern, wenn sie erst landeten.

    Wie oft hatte er schon davon geträumt, wie es wäre zu fliegen. Wenn er die Kameraden in der Luft herumkurven sah, konnte er sich lebhaft einbilden, um sie herumzujagen und bis zu den Wolken zu gelangen. Die Gurkerei mit seinen Ersatzschwingen, die er gerade trug, war leider von diesen Träumen so weit entfernt wie eine Schlange mit angenähten Beinen von einem Tiger gewesen wäre. Das einzige, was er steuern konnte, war die Höhe. Die Richtung und die Geschwindigkeit bestimmte der Kamerad, der ihm voransauste. Aber was ertrug er nicht alles, um diesen wichtigen Auftrag zu erledigen.

    Es ging auf Mittag zu. Der Himmel blieb dunstig und trübe, daher flogen Raven und seine Krieger eng beieinander, damit keiner den Anschluss verlor. Der Wind begünstigte sie, er schob sie fast mit Sturmgeschwindigkeit nach Süden und ihrem Ziel entgegen, dem Tempel der Stadt Karghena.

    Als in weiter Ferne schemenhaft die Stadtmauer auftauchte, tastete der junge Anführer mit dem Zeigefinger nach dem magischen Stab, den er sich um das Handgelenk gebunden hatte. Die Berührung ließ den Stab vibrieren. Er schwoll zu abnormer Größe an und schoss dann explosionsartig einen Schwall feinen dunklen Staub nach vorn, der sie in eine düstere Wolke einhüllte. Von unten musste es etwa aussehen wie der Aschestaub einer kleineren Vulkaneruption, dem niemand in der Stadt besondere Beachtung schenken dürfte, da sich solche alle paar Tage ereigneten. Zwar war auch ihre eigene Sicht nun wieder eingeschränkt, doch das spielte nun keine Rolle mehr, denn Raven konnte sich an der magischen Strahlung orientieren, welche der Tempel der Stadt aussendete, dazu war kein Tageslicht notwendig. Schon von weitem spürte er dessen raue Energie, die sich wie ein leichtes Kratzen auf der Hauf anfühlte.

    Über den Kontaktring an seinem Zeigefinger, welchen ein Totenkopf zierte, stand er mit allen Kameraden in Verbindung. Er brauchte nur den Ring zu berühren, jeder hörte dann seine Kommandos: „Nach rechts“, „Ich hab rechts gesagt, Mann!“

    In unvermindertem Tempo rasten sie weiter vorwärts und überflogen die Stadtmauer noch im Dunst der Staubwolke. Das Wenige, das trotz der schützenden Staubteilchen noch von ihnen zu erkennen war – ihre dunklen Uniformen mit den Flammen an den Seiten, ihre pechschwarzen Haare und die ledrigen Fledermausflügel – alles hatte fast denselben Farbton wie der Staub und dürfte deshalb fast gar nicht zu erkennen sein. Das Manöver schien gelungen. Niemand griff sie an oder stellte sich ihnen in den Weg.

    Eine Abordnung seiner Bodentruppen, die er vorausgesandt hatte, sollte plangemäß bereits jetzt zum Marktplatz geritten sein und würde dort in den nächsten paar Augenblicken Häuser in Brand setzen. Gleichzeitig sollte auch ein Waschhaus in einem anderen Stadtviertel in Flammen aufgehen. Das würde die Karghenaer glauben lassen, dort sei eine Gefahr aufgetaucht. Tatsächlich war das nur ein Ablenkungsmanöver. Wenn er Glück hatte, würde der Fürst Soldaten abziehen und zu den Brandherden schicken – und Raven hätte freie Bahn.

    Sie glitten hoch über den Häusern der Stadt dahin. Der fürstliche Palast lag fast genau in ihrer Mitte. Zum Tempel gelangte man von dort aus über die Hauptstraße, musste aber mehrere Straßenzüge durchqueren. Auf diesem Weg drängten sich unzählige Menschen, und der Tempelvorhof war geradezu überfüllt. Da der schützende Aschestaub der fliegenden Krieger sich langsam verflüchtigte, konnte Raven von oben immer hier und dort einen Bruchteil davon sehen, um sich ein Bild zu machen. Zahlreiche Schaulustige wurden von einer Hundertschaft Soldaten zurückgedrängt. Kutschen parkten dicht an dicht und an den Seiten standen angeschirrte Pferde. Rings um den Eingang in die heiligen Hallen spazierten die Gäste hinein, festlich gekleidete Herrschaften, und der etwas schrille, metallische Ton der Tempelmagie dröhnte über den Platz.

    Die Hochzeit der Prinzessin Kira von Karghena hatte zahlreiche Gäste angelockt. Die Palastwache sowie Truppen des Fürsten umringten die Festgesellschaft wie ein gewaltiger lebendiger Schutzschild, was Raven aus der Luft feststellte: Zu Pferd wären er und seine Leute nicht ohne lebensgefährliche Kämpfe in den Tempel hineingekommen.

    Die Idee mit dem Luftangriff gefiel ihm immer besser. Am liebsten würde er wie ein Adler herunterstürzen, die Braut packen und mit ihr durch die Luft davonjagen. Ganz so einfach würde es jedoch nicht gehen. Das Mädchen war nicht zu sehen, es befand sich wohl schon im Tempel. Doch damit hatte Raven gerechnet. Es würde ihr nichts nützen.

    Glückwunsch zu deinem Erfolg. Nimm dir die Zeit, die du brauchst!

    Wir harren hier ganz geduldig auf die Fortsetzung deiner schönen Geschichte, die wirklich das besondere Etwas hat :)

    Hallo ihr Lieben,

    ich habe jetzt mal ein paar Grundpfeiler neu gesetzt und beide Texte deutlich umgeschrieben. Dabei habe ich noch nicht alle eure Anmerkungen umgesetzt, sondern mich erstmal nur mit der Botanik beschäftigt (und mit der Malerei - danke für deine Hinweise Skadi ) und auch mit dem Charakter der Prinzessin, die doch etwas zu kindisch und egoistisch gewirkt hat. Ich hoffe, das ist jetzt besser.

    Mögt ihr euch das nochmal anschauen und mir sagen, ob das so besser und vielleicht auch interessanter geworden ist?

    Vielen lieben Dank!

    Schön, dass es jetzt wieder mit Tjelvar weitergeht. Der ist mir irgendwie ans Herz gewachsen nach allem Bösem, was ihm widerfahren ist. Ich finde den Namen auch ausgesprochen interessant und passend.

    Die Zwischengeschichte war ebenfalls interessant, aber auch ein wenig verwirrend. Vermutlich wird man erst später den Zusammenhang verstehen.

    „Niemand hat ihn je ohne Maske gesehen. Und ich würde empfehlen Tiron Haelon nicht danach zu fragen."

    Da hat er ja eine nette Gesellschaft getroffen und auch wieder sehr rätselhaft. Ich bin gespannt, wie es weitergeht! Die schwarzen Augen haben mich neugierig gemacht, auch die Templer sowie der Hinweis auf die vielen zerstörten Städte, da ist ja bereits einiges im Gange.

    Gefällt mir sehr gut!

    Der Beginn des Abschnittes ist auch sehr gelungen.

    Vielen lieben Dank für eure Anmerkungen!


    Rainbow


    Thorsten


    Litu



    Und hier geht es nun weiter:


    37. Lügen haben grüne Flossen


    Murissa


    Sie banden mich mit rot schillernden Bändern an einen Baum und mir war eiskalt vor Angst. Das Misstrauen und die Verachtung der Hexenversammlung um mich herum konnte ich ihnen an den Gesichtern ablesen. Hier war niemand auf meiner Seite. Ich war wie ein stinkender Schakal in ihr Lager gelaufen und sie würden mich schrecklich bestrafen. Oder mich loswerden – und zwar gründlich loswerden, ohne die Aussicht, dass ich sie eventuell nochmals belästigen könnte.

    Mehrere der Plattfüßler und der Graugesichter umringten mich und redeten wild gestikulierend auf mich ein. Ich verstand kein Wort von dem, was sie sagten. Vor lauter Angst brach mir der kalte Schweiß aus. Wenn ich nicht mit diesen Totenwesen reden konnte, war alles verloren! Aber vielleicht würden sie mich trotzdem verstehen? Die Dunkelhaarige, die mich aufgegriffen hatte, hatte es ja gekonnt. Bestimmt kannten die Toten alle Sprachen und alle Gedanken, die man nur haben könnte.

    „Bitte!“, schrie ich flehentlich in die Runde, „lasst mich am Leben! Ich habe mich verirrt und wollte euch nicht stören ...“ Verzweifelt versuchte ich, die Bänder abzustreifen, mit denen sie meine Hände gefesselt hatten. Aber sie saßen felsenfest. „Wusste ja nicht, dass ihr hier wohnt. Wirklich! Lasst mich doch bitte frei! Ich verschwinde auch und komme nie wieder zurück!“

    Zwei Hexen in blauen Umhängen kamen auf mich zu. Die eine erkannte ich gleich, es war jene Dunkelhaarige, die mich aufgegriffen hatte.

    „Was hast du hier zu suchen?“, fuhr sie mich streng an. Wie vorhin hatte sie einen harten Akzent. Es hörte sich an, als würde sie auf Steinen kauen, während sie sprach. „Ich werde dir jetzt ein paar Fragen stellen. Wag nicht zu lügen. Wir sehen es, wenn jemand versucht uns zu hintergehen.“

    „Ich lüge nie“, beteuerte ich eifrig und begriff im selben Moment, dass dies die gröbste Unwahrheit war, die ich je von mir gegeben hatte und dass demnach der Lügensuchzauber dieser Magierinnen wahrscheinlich gerade auf höchster Stufe jaulte.

    „Erste Frage. Wer bist du und warum kamst du hierher?“ Sie starrte mir grimmig in die Augen.

    „Ich bin eine Magd aus Aravenna“, stammelte ich und beschloss, diesmal möglichst nahe an der Wahrheit zu bleiben, um den omninösen Lügenfinder dieser Hexen nicht zu reizen. „Auf einer Reise habe ich einen sehr netten Expeditionsführer getroffen und hab ihm vorgeschwindelt, ich wäre eine Magierin so wie die anderen Hexen, die er angeheuert hatte, und ich habe ihm versprochen, dass ich für ihn einen verzauberten Ring suchen gehe, der von Dämonen bewacht wird. Das Problem ist, dass man das Schmuckstück nicht berühren kann. Angeblich sollt ihr verehrten Damen irgendeinen Schlüssel haben, mit dem wir an den Ring herankommen. Oder ihr habt ihn nicht und der Schlüssel liegt irgendwo hier in der Gegend herum ...“

    Die Blicke der Hexen veränderten sich. Die meisten glotzten mich an, als wäre bei mir mindestens eine Handvoll Schrauben locker.

    „Also eine Spionin?“, donnerte eine der Hexen, eine Große mit ledriger Haut wie eine Eidechse. „Wer ist unser Feind, und was sollst du über uns herausfinden?“

    Ich schüttelte heftig den Kopf.

    „Nein, nein! Ihr habt mich ganz falsch verstanden! Es weiß doch kein Mensch, dass hier überhaupt Leute wohnen und wir suchen nur diesen Schlüssel. Ehrlich. Es war keine Absicht, dass ich in eurem Lager gelandet bin, hab mich ja selbst gewundert...“

    Verwünscht. Ich sah sehr genau, wie die Blicke der Zauberinnen immer misstrauischer wurden. Erst jetzt bemerkte ich außerdem, dass das keine normalen Hexen waren, so wie ich schon welche gesehen hatte. Denn die meisten dieser Damen waren bewaffnet. Sie trugen Schwerter, Dolche, einigen hingen Köcher mit Pfeilen um den Schultern. Davon abgesehen sah ich genau, dass ihre mächtigsten Waffen vermutlich die gewaltigen Strahlen sein dürften, die ich in ihren Fingerspitzen schlummern sah.

    Was für Kampfbienen. Noch niemals vorher hatte ich solche gesehen, ja hatte mir nicht einmal vorgestellt, dass es sie geben könnte.

    Mich überfiel eine so schreckliche Angst, dass mir die Zähne zu klappern begannen und ich es kaum schaffte, das verräterische, ruckartige Aufeinanderschlagen meiner Kiefer zu unterdrücken.

    Sie werden mich töten!

    „Wie hast du den Magiebann überwunden?“, fauchte die Dunkelhaarige mich an.

    Magiebann? Sie meinte wohl die Nebelwand?

    „Der hat sich einfach plötzlich geöffnet“, stotterte ich. „Ich weiß selber nicht warum.“

    Eine der Platthändigen hielt mir drohend einen ihrer mit Häuten aneinandergeklebten Finger vor die Augen. „Wenn jemand den Bann um unser Lager überschreitet, egal wie, dann geht ein Alarm los. Aber du hast keinen ausgelöst. Wie hast du ihn ausgeschaltet? Das hat noch nie jemand geschafft!“

    Warum war ich auch so blöd und versuchte ehrlich zu sein? Das hatte noch nie funktioniert! Die Wirklichkeit ist viel zu langweilig und keiner will davon etwas hören – auch wenn sie es immer behaupten.

    „Nun?“, blaffte mich die Platthändige an – sie hatte übrigens einen leicht vorgewölbten Mund, der fast wie ein Schnabel aussah. „Raus mit der Sprache! Wer schickt dich und was will er uns antun? Antworte, sonst lernst du uns kennen!“

    Immer stärker fing es um mich herum an zu funken und zu blitzen, denn die Hexen zückten jetzt ihre Hände und richteten sie gegen mich. Wahrscheinlich waren sie gewohnt alles niederzumetzeln, was ihnen begegnet.

    Ich muss ihnen Angst einjagen!, dachte ich verzweifelt.

    Ja, genau. Ausgerechnet ich, die nicht mal einen einzigen Funken aus meinen Fingern bekommen würde und die gerade selber vor Angst fast im Erdboden versank. Ich spürte ja schon den Schweiß auf meine Stirn steigen und ihn am Nacken in Strömen herunterrinnen.

    „Also gut, ich sage es euch“, stammelte ich und hätte vor Anspannung fast die Zähne nicht auseinanderbekommen. „Habt ihr die riesige blaue Nebelwand da hinten gesehen? Da ganz oben auf dem Gipfel ...“, fieberhaft suchte ich nach dem ersten besten Bild, das mir in den Kopf kam, „da wohnt mein Volk. Wir halten uns eine Million von Killerhornissen, die euch bestimmt schon auf dem Schirm haben und wenn ihr mir nur ein Haar krümmt, seid ihr dran! Ein Signal von mir, und sie verarbeiten euch zu ...“ – Scheiße, zu was denn? – „... zu Nektar!“

    Lautes Gelächter scholl mir entgegen.

    „Du bildest dir also ein, wir hätten Angst vor Insekten?“, rief ein riesenhaftes Mordsweib mit baumdicken Armen und Beinen.

    Stimmt, vielleicht nicht meine beste Geschichte. Aber ich durfte mich nicht ergeben. Zurückschlagen! Schnell!

    „Und ihr haltet euch für Meisterhexen?“, konterte ich, während unter meinem Leinenhemd nun auch meine Arme in Schweißbächen zerflossen. Ich musste diese Kampfmagierinnen überbieten. Aber wie? Sollte ich mich vielleicht an meinen drei Freundinnen orientieren – Klymera, Eszella und Wisha? „Bei uns oben auf den Nebelgipfeln wohnen zu Hunderten Feuerzauberinnen, die mit einem Fingerschnippen diesen ganzen Wald verfeuern könnten. Und wir haben ganze Heere von Windhexen, bei denen fliegt der Erdboden unter den Füßen weg, wenn sie nur irgendwo langgehen, darum bleiben sie lieber in den Wolken – und wisst ihr, was unsere Meeresmagierinnen können? Wellen erzeugen, die euch in einem Schwung bis über den Gipfel dieser Nebelwand schleudern würden, direkt in den Rachen der Eismonster, die da wohnen!“

    Jetzt waren sie still. Atemberaubend still. Ungläubig warfen sie einander Blicke zu. Hatte ich sie beeindruckt? Hoffentlich verlangen sie keinen Beweis.

    „Hunderte Zauberinnen?“, wiederholte eine meine Worte in einem Ton, als wollte sie sie in Frage stellen. Wieder blickten sie einander an. Die magischen Funken aus ihren Fingern flogen unkoordiniert überall hin und mich durchzuckte ein kolossaler Taumel, als ich merkte, wie eine das Band durchbohrte, das meine Hände fesselte. Heimlich, sehr vorsichtig, ruckte ich daran. Es war lockerer als vorher. Nicht viel. Nicht genug. Aber ein wenig.

    „Ach was hunderte“, fuhr ich eilig fort, während ich nochmals an den Fesseln zerrte, „wir sind tausende! Sie stehen da oben und sehen euch zu. Bis jetzt fanden wir es recht interessant, euch zu beobachten und es gab keine Notwendigkeit einzugreifen.“ In diese Worte legte ich eine leise Drohung. Mein Herz donnerte allerdings bereits so laut, dass ich fürchtete, sie müssten es hören.

    Eine der Wuchtbrummen richtete ihren Finger gegen mich und ich blickte direkt in das bösartige schwarze Glühen eines Todeszaubers. Zum Glück schoss sie diesen nicht sofort ab, weil die anderen aufgeregt mit ihr zu diskutieren begannen. Ich hätte etwas darum gegeben, wenn ich wüsste, was sie sagten. Allerdings war mir nur allzu klar, dass meine Frist in rasantem Tempo ablief und es nur eine Frage der Zeit war, bis diese Meute mich zerhacken würde.

    Fieberhaft ruckte und zuckte ich nochmals an meinen Fesseln. Sie lockerten sich. Plötzlich war ich frei. Ja!

    Doch was jetzt? Ich war umringt von Zauberinnen. Unmöglich durch eine solche unüberschaubare Menge von Leuten zu rennen ohne von ihnen gleich wieder eingefangen zu werden, oder? Aber ... was sonst könnte ich tun? Also rannte ich. Mit den Ellenbogen schlug ich mich an den ersten drei Damen vorbei, dann kam ich in einer augenblicklichen Eingebung auf die Idee, auf die Knie zu fallen und wie ein Hund zwischen Dutzenden Beinen hindurchzukrabbeln – sprang dann wieder auf die Füße, versuchte verzweifelt die nächste Gruppe Hexen zu umrunden und nach einem Fluchtweg zu spähen.

    Der Tümpel? Nur ein paar Schritte entfernt glänzte das seidige hellblaue Wasser, das jetzt wieder wie vorhin nach mir „rief“ und eine kolossale Sehnsucht erzeugte, hineinzuspringen. Dorthin gehörte ich! Das Wasser konnte mich retten!

    Bevor ich anfangen konnte, diese absolut hirnrissige Idee zu hinterfragen, stürzte ich mich bereits in voller Absicht in das Gewässer. Sofort zog es mich unter die Wasseroberfläche. Panisch ruderte ich mit den Händen, doch das half überhaupt nicht, ich sank schnell tiefer. Himmel, ich war verrückt geworden, ich würde ertrinken! Schon ging mir die Luft aus. Meine Beine pressten sich aneinander, meine Brust schien zerreißen zu wollen und um mich herum trudelten Algen und flitzten winzige Fische davon.

    Noch schrecklicher, mein Körper dehnte sich seltsam aus, meine Beine verschmolzen ineinander, meine Füße zogen sich in die Länge und die Luft schmeckte plötzlich anders als vorher. Erfrischend und rein. Nein, nicht die Luft: Ich atmete Wasser! Ich konnte tatsächlich unter Wasser atmen. Nicht nur das, dieses nasse Element fühlte sich sehr natürlich an, ich schlängelte mich hindurch wie ein Aal in einer Geschwindigkeit, die mich eigentlich hätte schwindelig machen müssen.

    Versteck dich!

    Ja klar, wie wollte ich mich denn in dem glasklaren Wasser verstecken? Ich flutschte in eine Ecke und erst da sah ich meinen eigenen Schwanz ... der aus grünblauen Schuppen bestand!

    So fühlte sich das also an, wenn Träume wahr werden. Ich war ein Meermädchen! Als ob ich schon immer eins gewesen wäre! Als ob ich es immer tief in mir drin gewusst hatte. Ich war Zuhause. Irgendwo tief unten, wenn ich nur tief genug tauchte, würde ich meine Leute finden ... oder? Irgendwo mussten diese Fantasien doch herkommen, die sich in meinem Kopf tummelten? Das war mehr als nur Märchen meiner Mutter?

    Lieben Dank für alle eure Anmerkungen, die mir einiges zu denken gegeben und mich einen wesentlichen Schritt weitergeführt haben!

    Eigentlich wollte ich euch gleich den nächsten Part präsentieren, aber ich muss doch in den ersten beiden Teilen noch einige wichtige Dinge ändern und habe auch irgendwie das Gefühl, dass ich das nächste Kapitel nochmal durchforsten muss, bevor ich das zeigen kann. Darum hoffe ich, ihr habt noch etwas Geduld.


    Rainbow

    Etiam


    Jennagon


    Novize

    Ach, liebe Rainbow - das ist mal wieder göttlich geworden! Einfach der Hammer!

    Hey und ich glaube ich hab deine Erklärung wie das geht mit dem Spoiler jetzt endlich geschnallt. Danke!

    Hallo ihr Lieben :)

    danke für eure vielen netten und interessanten Anmerkungen. Ich merke schon, dass es irgendwie anders wirkt als ich dachte... bin daher sehr gespannt, was ihr zu dem nächsten Teil sagen werdet.


    Nochmal euch allen, vielen Dank fürs Lesen und Kommentieren!


    Und hier geht es nun weiter:


    1.2 Im Fürstenpark

    Die Balken der Holzbrücke knarrten unter ihren Füßen, als sie den kleinen Bach überquerte, der weiter hinten in einem See mündete.

    „Übrigens wird Vater bei dem Fest in dem See eine Fontäne aufstellen, die das Wasser in den Himmel schleudert“, wandte sie sich an ihre Zofe und zeigte auf das dunkle Gewässer, an dessen Ufer Schattenschilf in die Höhe ragte, das im Dämmerlicht wie ein Wald aus schwarzen Speeren aussah.

    „Das hörte ich“, bekräftigte Fefa, „hoffentlich wird der Himmel an dem Tag nicht von Staubwolken verdunkelt, damit wir das auch sehen können.“

    Sie erreichten das Spiegelrondell. Es war das Herzstück des Parkes und der einzige Bezirk, in welchem tatsächlich Blumen gezüchtet wurden. Durch ein ausgeklügeltes System von Spiegelgläsern, die auf dem Boden neben den Wegen, seitlich davon und auf Torbögen montiert waren, sammelten die Gläser das karge Tageslicht, warfen es sich gegenseitig zu und vervielfachten seine Intensität mit jeder Spiegelung. Der Oberhofgärtner war überzeugt gewesen, dadurch genug Helligkeit zu kumulieren, um anspruchslosere Gewächse wie Schneeglöckchen zum Wachsen und eventuell sogar zum Blühen zu bringen. Bis jetzt waren tatsächlich schon einzelne winzige grüne Stängel aus dem Boden herausgekrochen, die jedoch nicht den Eindruck erweckten, als wollten sie Knospen treiben.

    Cheneela kam gerne hierher, um nach dem Fortschritt der grünen Halme zu schauen und sich über die Helligkeit zu freuen, die diesen Platz aus dem Dämmerlicht des übrigen Parkes heraushob. Gleichzeitig konnte sie dabei so verwirrend ihr grünes Samtkleid und ihre blonden Locken in hundert verschiedenen Winkeln auf dem Fußboden oder über ihrem Kopf betrachten. Gerade waren vier Gärtner emsig damit beschäftigt, weitere Spiegelfelder aufzustellen, vermutlich um Lichtintensität noch zu erhöhen.

    „Meint Ihr, diese Halme werden blühen?“, fragte Fefa nachdenklich und musterte die kargen Schneeglöckchenstummel. „Die Gäste würden sicherlich staunen, wenn sie sich bis zum Fest entfalten.“

    „Ich glaube nicht, dazu brauchen sie grelles Licht, das wir nicht haben“, belehrte sie Cheneela. Sie blickte prüfend zu den dunklen Staubwolken am Himmel hoch, deren herumwirbelnden schwarzen und rötlichen Partikel nur ein dämmeriges Tageslicht spendeten. Leider wurde dieser Staub heute nicht nur vom Wind über den Park hinweggeweht, sondern rieselte auch auf Farnen, Büschen und Wegen wie winzige schwarze Schneeflocken herab.

    „Oh, wir hatten mal Licht genug, aber der Fürst hat ja fast alle Strahler abschalten lassen, auch in der Stadt!“, ereiferte sich Fefa.

    Anklagend zeigte sie auf den verblichenen Strahlstab, der an einem der Torbögen hing. Er war erloschen.

    Cheneela schmerzte es in der Brust, ständig diese Kritik über ihren Vater anhören zu müssen, die sie ihm auch schon selbst voller Zorn an den Hals geworfen hatte. Aber es war doch etwas anderes, mit seinem Vater zu streiten als zu sehen, dass andere ihn verachteten – und er diese Verachtung eventuell verdiente.

    „Wir leben in unruhigen Zeiten“, fuhr sie die Zofe an. „Du solltest begreifen, dass wir uns Magieverschwendung heutzutage einfach nicht mehr leisten können, wo wir doch unsere Energie für die Versorgung mit frischem Gemüse reservieren müssen.“

    Das waren exakt die Argumente, mit denen sie Fürst Koryelan zu belehren pflegte, wenn sie sich bei ihm über etwas beschwerte, das sie ärgerte. Und sie hasste es, wenn er dann anfing von höheren Pflichten oder der notwendigen Verteidigung der Provinz zu faseln.

    Das Strahlerverbot hatte der Vater vor zwei Sommern erlassen. Seitdem durften die Tempelhexen nur noch Strahler auf Beeten mit Gurken, Karotten oder anderem Gemüse entzünden. Da die Dichte der Staubwolken zunahm und deshalb immer weniger Helligkeit hindurchdrang, hatte der Fürst Angst vor einer Hungersnot und konzentrierte deshalb die magische Energie auf den Äckern der Stadt. Ziergewächse zu bestrahlen, betrachtete er als Magieverschwendung. Cheneelas Vorschlag, dann eben im Park Gemüsebeete anzulegen - was bedeuten würde, sie könnte grünen Pflanzen beim Wachsen zusehen und käme zusätzlich in den Genuss des unglaublich hellen Strahlerlichtes – hielt keiner der fürstlichen Berater für diskussionswürdig. Der Vater hatte sie streng getadelt, sie sollte sich nicht in Männergespräche einmischen.

    „Was können uns schon Strahler helfen“, ertönte eine Stimme hinter einem großen Spiegel, und ein Mann in schmutziger Arbeitsweste erhob sich, es war einer der Palastgärtner. „Hier würden alle Beete blühen, wenn nur die Sonne wieder scheinen würde.“

    Fefa rümpfte die Nase und sah den Gärtner verständnislos an. „Was ist eine Sonne?“, fragte sie.

    „Du erinnerst dich nicht?“ Der Mann hatte gerade seine Schaufel in das Erdreich gestoßen, aber nun hielt er inne. Er blickte zuerst die Zofe und danach deren junge Herrin herausfordernd an.

    „Doch, na klar“, beeilte sich Cheneela zu erklären und versuchte, in ihrer Erinnerung zu kramen, „das ist ein Riesenstrahler weit oben über uns, den es heute nicht mehr gibt, der aber früher große Lichter vom Himmel geworfen hat.“

    Schon als sie das erklärte, kam es ihr vor, als könnte es so nicht gewesen sein. Es war zu lange her, sie bekam kein klares Bild vor Augen. Nur dass die Helligkeit überwältigend gewesen war. Das sagten auch die Älteren, die es öfter gesehen hatten. Letztlich spielte es aber keine Rolle. Die Sonne war verschwunden und kam nicht wieder. Es war also eigentlich egal, wie genau sie ausgesehen hatte.

    Schweigend durchquerte Cheneela das Spiegelrondell, diesmal ohne Scherze zu machen über die Dutzendfachen Verdoppelungen aller anwesenden Personen, die in den Gläsern wie eine riesige Volksversammlung aussahen.

    Nun erreichte sie den Pfad, der sie zum Hinterausgang des Parkes führen würde. Sofort machte ihr Herz einen Sprung. Dort würde Zertá auf sie warten. Mit den Bildern.

    Schemenhaft sah die Prinzessin rechts und links an den angrenzenden Wegen ihre vier Leibwächter gehen, die wie Schatten hinter Rondellpfeilern und Toren umrankt von Schattenefeu huschten ... und ihre Stimmung fiel in den Keller. Ach! Und sie hatte geglaubt, ihnen entwischt zu sein! Aber nein, sie folgten ihr, als wären sie an ihr Kleid angenäht worden und würden gezogen, egal wohin sie ging. Niemals würde es ihr gelingen, ihrem Zugriff zu entkommen. Sie fand es hochgradig nervtötend, dass sie keinen Schritt tun konnte, ohne eine Begleitung an den Hacken zu haben. Als wäre sie noch immer ein Kleinkind, das nicht auf sich selbst aufpassen kann.

    Hoffentlich vermasseln sie mir nicht mein Treffen mit Zertà, begannen die Gedanken in ihrem Kopf zu kreisen. Zu sehr hatte sie sich auf diesen Tag gefreut, das musste ganz einfach funktionieren! Vielleicht konnte Fefa die Herren ablenken. Irgendwie.

    Sie drehte sich zu der quirligen Zofe um. Dabei bemerkte sie, dass fast direkt hinter ihr noch zwei bewaffnete Palastwächter marschierten sowie zwei weitere auf einem Pfad direkt nebenan. Unglaublich. Ihre Bewachung war anscheinend verdoppelt worden. Und die lästigen Herren hielten sich diesmal nicht so dezent im Hintergrund wie üblich, sondern schienen sie wie Wände umzäunen zu wollen.

    Sie winkte einen der Wächter zu sich heran.

    „Soll das heißen, ihr bewacht mich jetzt mit acht Mann?“, fragte sie verärgert.

    Der Soldat nickte. „Jawohl. Befehl des Fürsten.“

    Mein Vater wird paranoid. Cheneela griff sich an die Stirn. Vor einigen Wochen hatte Fürst Koryelan erst die Stadtmauer ausgebaut und die Wachttürme höhergelegt. Auf den Zinnen der Mauer leuchteten seitdem des Nachts Laternen – das war natürlich keine Magieverschwendung! Zusätzlich marschierten regelmäßig Patrouillen durch den Burghof und den Park. Tag und Nacht. Als müsste mein alter Herr mich vor einem Rudel Drachen bewachen! Dabei ist in unserem Palast nie etwas vorgefallen, was diese Maßnahmen rechtfertigen würde, und ich habe bald überhaupt keine Privatspäre mehr. Und alles nur weil Vater fixe Ideen hat!

    „Gibt es dafür irgendeinen vernünftigen Grund?“, fragte Cheneela verärgert.

    „Der Fürst möchte nicht, dass Ihr Kontakt zu Personen von außerhalb des Palastes habt. Er glaubt, Ihr könntet dadurch in Gefahr kommen“, erklärte der Leibwächter. „Ich muss Euch deshalb bitten, hier umzukehren und nicht bis dem Tor dort drüben weiterzugehen.“

    Er zeigte in die Richtung, in der sich der kleine Hintereingang befand, durch den Dienstboten oder die fürstlichen Lieferanten in den Park gelangten. Natürlich war das auch genau jener Eingang, vor dem Zertá wahrscheinlich schon jetzt stand und mit den drei Gemälden auf sie wartete.

    Cheneela spürte, wie ihr das Blut ins Gesicht stieg. Sie hatte es gewusst. Sie würde ihre Bilder nicht bekommen! Da explodierte etwas in ihr.

    „Bin ich denn neuerdings Gefangene in meinem eigenen Palast?“, rief sie erbittert. „Ich treffe mich mit Zertá, dem Maler! Den kennt ihr seit Jahren und ihr wisst, dass er ein ordentlicher und völlig unbedenklicher Mensch ist!“

    Der Wächter nickte ihr bekümmert zu.

    „Es tut uns leid.“

    „Kommandant Zogar, jetzt wird mir das langsam zu bunt“, erhob Cheneela die Stimme und merkte, wie ihre Arme vor Wut anfingen zu zittern. „Ich bin Eure Herrin und nicht umgekehrt! Darum sehe ich gar nicht ein, warum Ihr mir etwas verweigern wollt! Ich brauche diese Gemälde. Das sind keine gewöhnlichen Arbeiten ...“

    Sie brach ab. Natürlich durfte sie sich nicht so weit gehen lassen und auch noch öffentlich erklären, wie revolutionär die Gemälde waren. Der Trick war ja gerade, dass Zertá heimliche Botschaften in seine Bilder malte. Es ging auch nicht anders, sonst würde wohl ihr eigener Vater sich gezwungen sehen, sie zu verbrennen.

    Der Wächter salutierte höflich und verbeugte sich vor der Prinzessin. Dann sagte er entschuldigend:

    „Ich fürchte, wir können keine Ausnahme machen. Der Befehl des Fürsten lautete: Kein Kontakt mit Personen von außerhalb des Schlosses, die nicht durch ihn persönlich autorisiert worden sind.“

    „Das darf ja wohl nicht wahr sein“, entfuhr es der Prinzessin. „Sagt dem Maler, er soll warten. Ich rede mit meinem Vater und komme danach zu ihm.“




    Rainbow

    Litu


    Etiam

    Und hier geht es nun weiter:


    36.2 Im Reich der Toten

    Doch bevor ich danach greifen konnte, wurde ich mit einem Mal nach hinten gerissen, jemand hielt mir die Arme fest, dass es schmerzte und zischte mir etwas ins Ohr, was ungefähr klang wie:

    „Schkisera yi-koren?“

    Ich war vor Schreck wie erstarrt. Erwischt! Hilfe! Was hatte die Hexe gesagt? Ich hatte kein Wort verstanden und fand es auch nach angestrengtem Überlegen nicht heraus. Jetzt überschüttete mich die Fremde, die mich festhielt, mit einem ganzen Wortschwall von diesem Dialekt. Sie klang wütend. Anklagend. Noch immer blockierte die Angst mich vollständig. Hatte ich ein schlimmes Verbrechen verübt? Schlimm genug für ein Paar plattgewalzte Füße? Und wieso verstand ich sie nicht? Hatte ich die Sprache verloren oder sprach man im Totenreich anders? Sie packte mich fester. Ihr Tonfall wurde schärfer, gellend.

    „Bitte lasst mich los!“, flüsterte ich angstvoll. „Ich verstehe leider nicht, was Ihr sagt.“

    Eine Weile war es still. Aber dann ließ diejenige, die mich im Würgegrill hielt, mich etwas lockerer und drehte mich grob zu sich herum. Wir kamen einander gegenüber zu stehen und ich erschrak bis ins Mark.

    Eine Skeff. Schwarzhaarig und böse wie Klymera, oder sogar schrecklicher als sie, das erkannte ich auf den ersten Blick. Zwar war die Frau noch jung, vielleicht Ende zwanzig, und ihre hellblauen Gewänder hätten mich täuschen können, aber sie hatte diese schwarzen Augen und die pechschwarzen Haare wie alle Skeff und darum war ich sofort auf der Hut.

    Moment mal, aber wo waren ihre Flügel? Üblicherweise ragten sie weit über ihre Schultern, wenn sie zusammengefaltet waren, sodass es unmöglich war sie zu übersehen. Hatte diese Dame keine Flügel? Dann war sie also keine richtige Skeff? Vielleicht ein Mischling. Ich musste trotzdem aufpassen. Sie schien auch keine gefährliche Zauberin zu sein, denn ich bemerkte eine nur schwache Aura, etwa drei Handbreit umflirrte diese ihren Körper. Sie tastete mich damit ab und schien zu überlegen, was sie mit mir machen sollte. Ihre Miene war jedoch noch immer finster. Mein Magen zog sich immer stärker zusammen.

    „Ihr sprecht die sakrale Sprache“, stellte sie schließlich fest und glotzte mich an, als wäre ich eine Art böser Geist. Sie sprach die Worte scharf und kehlig aus, aber diesmal verstand ich sie. Die sakrale Sprache? Was meinte sie damit und warum störte sie sich an meiner Art zu reden?

    „Geht voraus. Dort entlang“, befahl sie und zeigte in die Richtung, die sie wünschte. Ich wagte nicht etwas zu entgegnen und gehorchte. Mir zitterten die Beine. Was hatte sie mit mir vor? Hatte sie gesehen, dass ich das Band geklaut hatte? Hackten sie Dieben die Hände ab?

    Die Wächterin führte mich an Geschöpfen vorbei, bei deren Anblick mir fast die Augen aus dem Kopf fielen. Eine Herde von großen, drachenartigen Geschöpfen, wie riesige Eidechsen mit sechs Beinen und Zacken auf dem Rücken, lag auf Felsen in der Sonne und wurde mit Fischen und Algen gefüttert. Zwei Hexen bestiegen gerade eins dieser schuppigen Tiere, worauf es sich zu seiner beachtlichen Größe erhob und an mir vorbei trabte. Auf seinem Rücken hätte womöglich Turris´ gesamte Truppe Platz gefunden. Ich hatte mich von dem Anblick noch gar nicht erholt, da kamen wir an anderen Reittieren vorbei. Pferde waren das nicht, denn sie hatten Flügel und Adlergesichter. Eines von ihnen breitete gerade die Seinen aus und schüttelte sie. Diese gewaltigen Schwingen erreichten eine Spannweite von drei Pferdelängen. Majestätisch. Ob sie wohl damit auch fliegen konnten? Schon waren wir an den Adlerpferden vorüber und marschierten nun durch die Zeltstadt.

    Wir passierten eine hölzerne Wand, an der Dutzende Schwerter, Lanzen und Bögen hingen. An einem anderen Gestell waren mehrere Hexen damit beschäftigt, ein seltsames Gefährt zu bauen – eine Art Bärenkäfig auf Rädern, der aber innen mit Wasser gefüllt war. Von dieser Sorte sah ich auf meinem Weg noch zwei andere. Ich konnte jedoch nichts Essbares darin entdecken und ahnte nicht, welchen Zweck sie erfüllten. Hoffentlich wollten sie mich nicht darin ertränken. Oder in dem nächsten Tümpel mit hellblauem Wasser, der sich zwischen den Zelten erstreckte. Wenn ich doch abhauen könnte! Aber daran war nicht zu denken – hunderte Zauberinnen umgaben mich und wahrscheinlich war jede einzelne von ihnen besser als ich. Mist, wo war ich hier gelandet?

    Eine Menge Hexen diskutierten lautstark auf einer Lichtung. Ich spürte die aufgeheizte, wütende Stimmung, hörte hitzige, aufgeregte Stimmen – und hatte nicht die geringste Ahnung, was diese Damen so erregte. Als sie mich erblickten, schraken sie auf und glotzten mich an wie einen Dämonen. Absolut jede dieser Hexen schien mich für eine Art Pest zu halten. Insofern war es doch nicht anders als daheim, versuchte ich mich zu beruhigen. Sie wichen vor mir zurück. Ich hörte die Panik in ihren Stimmen und obwohl sie seltsame Worte benutzten, die ich nicht verstand, begriff ich genau, dass ich hier nicht willkommen war.

    „Tötet sie!“, schienen hunderte Stimmen zu wispern. Alle meine Nerven begannen zu vibrieren. Ich musste weg hier. Fliehen. Sonst würde ich die nächsten Augenblicke nicht überleben.

    Mit einer Kraft, von der ich selbst nicht gewusst hatte, dass ich sie besaß, riss ich mich von meiner Wärterin los. Dann rannte ich davon. Meine Beine waren wie Gummi und wollten mich kaum tragen. Wohin ich mich eigentlich retten sollte, wusste ich selbst nicht. Ich lief zwischen den Hexen hindurch – ja, ich weiß, ein einmalig dämliches Unternehmen. Als ob ich vor hunderten von Feinden fliehen könnte, die mich umringten.

    Ich schaffte nur wenige Schritte, dann riss mich etwas in die Luft und ich flog platschend in einen der Tümpel mit dem hellblauen Wasser. Hilfe! Die Wassergeister! Und ich konnte doch gar nicht schwimmen! Vor Schreck paddelte ich wild mit den Händen, sank jedoch immer tiefer unter Wasser. Das Band um meine Fußgelenke fing an zu vibrieren, jagte Strahlen durch meinen Körper, es fühlte sich an, als wollten sie meine Beine zusammenkleistern und meinen Hals auseinanderreißen.

    Doch dazu kam es nicht.

    Im nächsten Moment schlang sich ein Netz um meinen Leib, ich spürte einen heftigen Ruck und ehe ich es mich versah, wurde ich aus dem Tümpel gezogen und lag bald darauf unsanft auf dem harten Erdboden. Hektisch schnappte ich nach Luft, die irgendwie gar nicht richtig in meine Lungen zurückkehren wollte. Mein Körper zog sich in sich zusammen, einen Moment lang überfiel mich ein kolossales Unbehagen und mich überkam das irreale Gefühl, ich sei eigentlich ein Fisch und sollte so schnell wie möglich ins Wasser zurück platschen! So schnell kann man also den Verstand verlieren.

    Hunderte Hexen umringten mich. Wie ein Felsklumpen brach die nackte Angst auf mich nieder.

    Ich war verloren.

    Das gefällt mir sehr gut. Die Landschaft ist eindrucksvoll, winterlich und ein bisschen düster, die bewaffneten Männer, das ist eine leicht bedrohliche Atmosphäre und passt ja auch zu dem Titel

    Die Schrift mag ich sehr.

    Das Scheinwerferlicht - ich habe es im ersten Moment so assoziiert, als stünden sie in einem beleuchteten Hauseingang. Was aber in einer Fantasywelt doch wieder nicht so wahrscheinlich ist und außerdem würde das Licht dann ja auch auf den Boden fallen.

    Ich bin auch sehr gespannt auf den Film!

    Beobachtung von Zwischentoenen und ein Talent zu psychologischen Studien das nicht so haeufig geschrieben wird.

    Stimmt, das ist eher das Revier von Rainbow.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich mit dieser neuen Geschichte überzeugen kann. Aber die lässt sich gerade so gut schreiben, dass es extrem Spaß macht.

    Oh wow vielen Dank für euer Interesse, das freut mich aber sehr!:):):)

    Ja. Ist mir klar, dass ich in eine Grube voller Klischees trete.

    Über den Titel und Klappentext habe ich mir schon ziemlich den Kopf zerbrochen. Es ist nicht so leicht, das Wesentliche zu erwähnen, ohne dann gleich zu viel zu spoilern. Ich werde das auf jeden Fall noch umschreiben, weiß aber noch nicht wie. Auch das Cover ist nur ein Entwurf.


    es braucht nur besonders viel kreativen Input

    Das verunsichert mich jetzt gar nicht :blush:

    Ich denke, dass der Story noch so das I-Tüpfelchen fehlt, aber dass ihr mich vielleicht drauf stoßt, wie ich das setzen könnte.



    Also - hau raus und zeig mal, was du schon hast

    Okay, das mache ich!


    Moaah wie schön für dich. :love: Kann mich sowas auch mal überfallen? ;(8(

    Gut, ich bin ehrlich. Die Geschichte hat mich nicht mal eben so überfallen. Sie liegt schon seit mindestens 15 Jahren in der Schublade mit dem Etikett "Das wird eh nie was".

    Ursprünglich hatte ich mal eine andere Haupt-Protagonistin mit einem eigenen Plot und die Lovestory war nur der Subplot. Die beiden Plots berührten sich ab und zu, aber nicht in wesentlichen Punkten. Vor allem haben sie sich aber extrem gegenseitig aus dem Lesefluss gerissen und alles war ziemliches Kokolores.

    Die super-geniale Idee (:/), die mich überfallen hat, war, die störende Haupt-Protagonistin rauszuwerfen und an ihrer Stelle die unscheinbare Prinzessin (bisher nur Nebenfigur) zur zweiten Hauptprotagonistin zu machen. Und das scheint jetzt endlich zu funktionieren! Hoffe ich. Mal sehen. Ich wollte der Prinzessin sowieso schon die ganze Zeit eine größere Rolle geben, wusste aber nie wie ich es mache.

    Zwar brauche ich die alte Hauptprota eigentlich noch und ich weiß noch nicht, wie ich sie heimlich an den Parts, wo ich sie brauche, wieder aufkreuzen lassen kann :rolleyes: aber das ist jetzt erstmal ein späteres Problem, das ich hoffe bis dahin zu lösen.


    Der Unterschied zu deinem Aufriss ist für mich zunächst, dass er komplett Fantasy, nicht Urban Fantasy, zu sein scheint. Und das ist doch schon mal vielversprechend, weil doch irgendwie anders :D


    Der (Arbeits?)Titel schlägt natürlich auch ein bisschen in die Klischee-Kerbe ;) Weiß nicht, ob mir das fürs Lesen zu platt wäre.

    Ja, das ist komplett Fantasy. ich lese zwar sehr gerne Urban Fantasy, kann und will das aber nicht schreiben. Ich mag diese verwunschenen Märchen- oder Gruselwelten total gerne.

    Der Arbeitstitel, du hast recht, der ist platt. Ich hatte zuerst "Raub der Prinzessin" - das klingt auch nicht intelligenter. Hab bis jetzt keine Idee, wie ich es origineller machen könnte und trotzdem gleich klar ist, wo wir stehen. Ich hoffe, mit der Zeit komme ich auf etwas Besseres.

    Zu Twilight: Edward ist ja wohl nicht wirklich ein Bad Boy, oder? Er redet zwar die ganze Zeit davon, ein Monster zu sein, aber macht niemals etwas Böses, im Gegenteil. Er ist quasi der Gefährliche, den das Gefährliche cool macht, der aber im Grunde genommen sanft und nachgiebig ist (und reich, das darf da ja nicht fehlen) genau, was die Mädchen mögen.


    Du hast doch im Klappentext schon erzählt, was wie und wo. Du hast alles aufgezählt, was wichtig ist, alles, was ich (als Leser) jedoch erst im Laufe der Handlung erfahren möchte.

    Gut dass du es so sagst. Bedeutet, ich muss den Klappentext ändern. Das wird nicht so leicht ... Aber ich behalte das im Hinterkopf.

    So simpel wie es klingt, ist die Story aber dann doch nicht. Ich bin ganz gut darin, große (unüberwindliche) Hindernisse aufzustellen und der Vulkankrater ist nur ein kleiner Teil des Problems.


    wenn man den Klappentext noch ein wenig abwandelt, um die Alleinstellungsmerkmale deiner Geschichte etwas besser herauszustellen.

    Danke. Außer dem Vulkan fällt mir leider bis jetzt kein Alleinstellungsmerkmal ein, aber vielleicht komme ich ja noch drauf. :)


    Wenn ich eine glaubwürdige Liebesgeschichte schreiben will, müssen die beiden betroffenen Chars auch irgend eine Grundlage bieten, dass ich ihnen auch GLAUBEN kann, dass die sich verlieben :hmm: Wenn ich einen davon die ganze Zeit schlagen will, weil er scheiße zur/zum anderen ist, frage ich mich, wie es dem Gegenpart dabei geht xD
    Ich kann das einfach nicht nachvollziehen :pardon:

    Bin ganz deiner Meinung und ich denke, in dem Punkt werde ich dich nicht enttäuschen. Glaube ich habe das ganz gut hinbekommen. (werden wir dann sehen).

    Mein Problem ist eher nicht, dass das Mädchen den Prinzen schlagen möchte (möchte sie nicht!), sondern der Leser. Ich lasse euch etwas schmoren, die treffen sich nicht sofort. Ihr sollt die beiden erstmal kennenlernen. Und bin nicht sicher, ob das für euch so funktionieren wird. Aber nur wenn das funktioniert wie ich mir vorstelle, dann kommt auch die richtige Spannung in die Story.


    ist aber, warum ein Prinz ein Handlanger ist?! Ein Prinz ist ja eher auch eine höhere Person. Würde sich da ein General der Armee, ein Hauptmann oder ein guter Assassine nicht mehr anbieten?

    Hm, das ist ein guter Punkt. Allerdings gibt es dazu einen Hintergrund, der im Laufe der Zeit herauskommt. Vermutlich werde ich dazu am Anfang gleich schon etwas schreiben müssen.



    Wenn ich einen Charakter so düster und böse mache, dass der oberste Herrscher sein linkes Ei auf ihn verwetten würde, seine Vorgeschichte schon ahnen lässt, wie böse er ist, dann sieht er keine Frau und hinterfragt plötzlich all seine Taten. :pardon: Das ist ihm dann auch weiterhin egal.

    Shit

    Ja, ich glaube, da hast du den Punkt getroffen, der das größte Problem bei dieser Geschichte ist und auch der Punkt, warum ich dazu gerne eure Meinungen hören will.

    Also die Frage, wie mies kann ein Typ auftreten, und auch nach außen wirken, und trotzdem kein "Arsch-Arsch" sein, wie du es genannt hast?

    Ich hoffe, ich bekomme diese Balance hin und kriege auch den Dreh auf glaubwürdige Weise, aber da kommt es eben auf die Nuancen an und ob ich die gut treffe, weiß ich noch nicht.


    toxischen Beziehungen, in der der Mann immer der Arsch ist, aber trotzdem die Frau bekommt, weil Bodennebel ...

    Du bringst echt die Dinge total gut auf den Punkt.

    Diese Art von Stories (toxische Beziehungen) kann ich nicht ausstehen und hoffe sehr, dass ihr meine Story nicht so empfinden werdet.

    Da ich aber an der Kante kratze und doch Gefahr laufe, dort zu landen, ist das der Punkt, warum ich diese Geschichte, an der ich schon sehr lange schreibe, bis jetzt nicht gewagt habe mir ernsthaft vorzunehmen.

    Aber letztendlich brennt sie mir doch zu sehr unter den Fingern und deshalb will ich es jetzt mal versuchen.


    Ich selbst verwende ich meiner Geschichte ja auch ähnliche Elemente und habe mit meinem bösen Antagonisten offenbar einen Sympathieträger geschaffen :rofl: ... was aber natürlich ein Stück weit auch von mir beabsichtigt war.

    Hey Rainbow - dein Dagon ist einfach nur genial und den macht dir niemand nach! :love:

    Der ist so extrem anders als alle Bösen, die ich je gelesen habe, dass ich nur staune.

    Ich bin vermutlich deutlich näher an den Klischees dran. Hoffe aber, dass ich mich trotzdem davon abheben kann.


    Okay, na dann mache ich mal die Bühne frei.


    1.   Im Fürstenpark

    Es war früh am Morgen.

    Die Flure vor den Gemächern atmeten noch diese klamme Kühle, die sich in den Nächten breit machte, nachdem die Kamine erloschen.

    Wahrscheinlich schliefen noch alle. Hoffentlich. Prinzessin Cheneela stand mit klopfendem Herzen hinter einem dicken Samtvorhang an der Ecke zwischen zwei Gängen und lauschte. Ganz still war es leider nicht. Von unten hörte sie leises Rumpeln und Knarren. Von mehreren bestimmten Personen wusste sie genau, dass sie nicht mehr schlummerten, denn ihre Leibwächter ließen sie keinen Schritt alleine tun und waren ihr selbstverständlich auch zu so früher Stunde sofort gefolgt, als sie durch die Tür ihres Schlafgemaches in die Vorhalle schlüpfte. Aber dass sie sich einfach an der Flurbiegung beim Musiksalon hinter einem Vorhang verstecken würde – damit rechneten sie sicher nicht!

    Ich muss verrückt sein, fuhr es Cheneela durch den Kopf. Die einzige Prinzessin des Landes, die sich in ihrem eigenen Palast versteckt. Und alles nur wegen dreier Gemälde, die sie abholen wollte und wegen denen sie gewiss Ärger bekommen würde, wenn der Vater davon erfuhr.

    Mit einem gewissen Triumph hörte das junge Mädchen die harten Schritte der vier Leibwächter nacheinander an ihr vorbei poltern und um die Ecke wieder leiser werden. Jetzt! Eilig sprang sie hinter dem Vorhang hervor und huschte so leise wie möglich die Marmortreppe hinunter. Diese war glücklicherweise mit einem weichen roten Teppich belegt, der es ihr leicht machte, keine Geräusche zu verursachen. Schon war sie unten, hastete an den Zimmern von Kammerfrauen, Küchenmädchen und Knechten vorbei und erreichte die kleine hölzerne Hintertür, die in den Palastpark führte. Dort wartete zu ihrem Erstaunen ihre Zofe Fefa, ein noch sehr junges Mädchen, das ihr wallendes Haar zu einem Dutt zusammengeknotet hatte, um älter zu wirken. Aus ihren veilchenblauen Augen blitzte ein spitzbübisches Lächeln.

    „So früh schon wach, Hoheit?“, fragte sie ehrerbietig.

    Was machte die Zofe denn hier? Wusste sie etwas? Hatte Cheneela sich gestern verraten? Okay, sie hatte stundenlang davon geredet, dass sie den Maler Zertá damit beauftragt hatte, drei ganz besondere Kunstwerke anzufertigen, weil sie so aufgeregt gewesen war und sich so ungeheuer rebellisch gefühlt hatte ... oh ja, auch Kunstwerke konnten mutig und weltverändernd sein. Es war dumm von ihr gewesen, vor Fefa so leichtsinnig und so viel zu plaudern. Die Zofe war neu in ihren Diensten, sie war nett ... aber die Prinzessin kannte sie noch nicht gut genug um zu wissen, wie viel sie ihr anvertrauen konnte.

    „Äh ja, ich konnte nicht schlafen“, erwiderte Cheneela zögerlich. „Und da dachte ich, ich gehe ein wenig spazieren.“

    „In den Park? Soll ich Euch begleiten?“, fragte Fefa diensteifrig und knickste.

    Nein, das sollte sie am liebsten nicht. Aber wenn die Prinzessin ihre Zofe fortschickte, würde die sicher den Leibwächtern über den Weg laufen und petzen, wohin sie unterwegs war. Deshalb nickte sie dem Mädchen zu und öffnete die Ausgangstür nach draußen.

    Am Himmel türmten sich wie so häufig wallende dunkle Staubwolken, welche eine Menge Helligkeit verschluckten und den Park in ein trübes Dämmerlicht hüllten, als sei nicht etwa der neue Tag gerade erwacht, sondern schon wieder vorbei.

    Silberne Tautropfen glänzten auf dem Elfenbeingeländer der Treppe, die in den Palastpark hinunterführte, und irgendwo zwitscherte eine einsame Lerche.

    Prinzessin Cheneela raffte den Saum ihres Kleides hoch und lief leichtfüßig die Stufen hinunter, bis sie das Rosentor erreichte. Die an seinen eisernen Torbögen befestigten weißen und roten Blüten waren aus Seide und klebten im Morgentau so aneinander, dass sie mehr wie bunte Punkte als wie Pflanzen aussahen.

    Fefa folgte der Prinzessin fast geräuschlos wie ein Schatten.

    Hinter dem Tor führte ein Weg aus weißen Steinplatten durch eine weitläufige Anlage, in der sich Statuen von zarten Rehen, Adlern und Löwen auf einem Untergrund aus Schwarzmoos aneinander reihten. Dazwischen prangten einzelne Bäume in einem Schmuck aus grünen Seidenblättern, doch der letzte Sturm hatte vieles davon zerrissen und so standen die meisten kahl und stumm.

    „Freut Ihr Euch auf den Frühlingsball nächste Woche?“, fragte Fefa neugierig und trat an die Seite der Prinzessin. „Eure neuen Kleider sind ja so zauberhaft! Und solch eine Menge. Der Fürst scheint zu glauben, Ihr wolltet Euch jede Stunde einmal umziehen.“

    Von mir aus kannst du die Kleider anziehen, ich lege keinen Wert darauf, dachte Cheneela erbittert, schüttelte ihre langen blonden Locken und ging unwillkürlich schneller, als könnte sie vor dem Fest davonlaufen, wenn sie nur genug Geschwindigkeit bekam. Laut sagte sie: „Ja, wirklich. Ich habe sie noch gar nicht alle anprobiert.“

    Sie zwang sich zu einem Lächeln. Es war anstrengend, mit der neuen Zofe zu reden, weil sie deren Gesinnung nicht kannte und sich deshalb lieber vorsichtig ausdrückte. Ach, und erst dieser schreckliche Ball! Cheneela war ziemlich sicher, es würden wieder nur solche Herrschaften auftauchen, die beim König in der Gunst standen, die vor seinen Henkersknechten kuschten oder ihnen sogar hofierten. Bei dem großén Ball im letzten Winter hatte ihr Vater sie genötigt, mit diesen Verbrechern zu tanzen und vor allen den König zu loben, so als wüsste sie nichts über seine üblen Machenschaften. Sie ahnte, dass es bei dem kommenden Fest nur schlimmer werden konnte.

    „Ihr macht immer ein Gesicht, als hättet Ihr Magengrimmen, wenn ich den Ball erwähne“, sagte Fefa und lächelte ihr aufmunternd zu. „Ich hörte davon, dass manche Eurer Gäste raue Sitten haben ... aber es kommen sicher auch ein paar nette Prinzen. Und sagtet Ihr nicht, Ihr hättet die Prinzessinnen von Karghena und von Manika eingeladen und eure Verwandten aus Pallanthia?“

    „Natürlich.“ Cheneela beruhigte sich ein wenig bei dem Gedanken, ihre fernen Freundinnen und ihre Großeltern endlich wiederzusehen, und ihre smaragdgrünen Augen begannen zu funkeln. „Aus Karghena habe ich schon seit Wochen keinen Brief bekommen. Ich hoffe, es bedeutet nicht, dass sich Kira über mich geärgert hat.“

    „Habt Ihr geschrieben, dass bei uns die Rosen blühen, wie ich geraten habe?“, fragte Fefa spitzbübisch. „Dann kommt sie garantiert.“

    Die Prinzessin drehte sich zu ihr um und drohte ihr mit dem Finger.

    „He, ich bin keine Lügnerin. Hier haben schon seit so vielen Jahren keine Blumen mehr geblüht, als ob sie es nie getan hätten.“

    Sie passierten die Pflanzung der Schattengewächse, die auch bei Lichtmangel gediehen. Hier wuchsen knorrige dicke Nachtweiden, deren Stämme wie weißlicher Schimmel aussahen, außerdem Schattendisteln, und um drei abgestorbenen Bäume rankte sich der schwärzliche Schattenefeu. Das Rotmoos am Boden gab diesem Gelände zumindest ein wenig Farbe.

    „Hier haben früher bestimmt mal echte Rosen geblüht“, fabulierte Fefa und blickte zu dem kleinen dunklen Bach, den sie gleich über eine Holzbrücke überqueren würden.

    „Nicht Rosen allein, der ganze Park war ein Meer aus Tulpen, Nelken, Hyazinthen ...“, Cheneela verstummte, weil ihr die Namen aller anderen Gewächse, die es noch gegeben hatte, nicht mehr ohne weiteres auf die Zunge kommen wollten.

    „Wie haben die ausgesehen?“, rief Fefa neugierig und sah sie mit großen blanken Augen an. Bestimmt hatte die Zofe, die drei oder vier Jahre jünger war als Cheneela, nur schwammige oder gar keine Erinnerungen an diese Zeiten. Aber auch Cheneela bekam kein klares Bild vor Augen.

    „Oh, ungefähr so wie die Seidenblätter. Aber sie haben mehr gerochen“, erklärte sie.

    Die Prinzessin sog die kühle Luft ein. Sie wollte sich diesen Tag nicht durch Erinnerungen an Vergangenes ruinieren, das sie nicht zurückholen konnte. Heute würde sie ihre Bilder abholen, das zählte. Sie war so neugierig, was sie darauf sehen würde!

    Ich weiß, dass ich das nicht tun sollte. Eigentlich schreibe ich ja an einer anderen Geschichte, aber diese hier hat mich quasi überfallen und jetzt bin ich schon auf Seite 100.

    Gibt es denn hier Leute, die fantastische Liebesgeschichten mögen? Es geht hier nicht um Erotik, dazu habe ich keinen Hang, aber um eine sehr dramatische Story in einer gruseligen Welt, in der das Böse übermächtig ist.

    Meine große Unsicherheit betrifft den Protagonisten. Er ist, tja, extrem düster. Ich habe versucht, ihn so zu zeichnen, dass man ihm am liebsten ins Gesicht schlagen möchte, weil er so ist wie er ist, aber ihn trotzdem mag. Wenn das denn so möglich ist. Ich weiß nicht, ob mir das gelungen ist oder nur das mit dem Ins-Gesicht-Treten.

    Zweite Unsicherheit: Die Protagonistin. SIe war am Anfang furchtbar blass und hatte irgendwie gar keinen richtigen Charakter. Nun hoffe ich, sie etwas besser gezeichnet zu haben.

    Findet ihr die Idee überhaupt interessant oder nicht so sehr?

    Hier ist ein (seeehr simples) provisorisches Cover (oben links, ich weiß nicht, ob man das ganze Bild sehen kann).


    Klappentext:

    Dark Prince – Tödliche Liebe


    Mithilfe seines magischen Vulkans unterwirft König Wukur ganz Damarynth unter sein mörderisches Blutregime. Sein gefährlichster Scherge, Prinz Raven von Kalamachai, bekommt den Auftrag, die ahnungslose Patentochter seines Todfeindes, Prinzessin Cheneela, von einem Fest zu rauben und am Krater der Vulkanstadt der Göttin zu opfern.

    Unerwartet verliebt er sich in das rebellische und etwas weltfremde Mädchen.

    Es beginnt ein Drama der Gefühle: Seine Identität kann er ihr nicht verraten, denn sie würde ihn hassen. Seinen Auftrag zu kippen ist ihm unmöglich, also ist er gezwungen, ihn gegen all sein inneres Sehnen fortzuführen ...


    Was sagt ihr dazu? Klingt das interessant oder spricht euch nicht so an?

    Sehr cool.

    Ein wieder auferstandener Untoter, von dem man noch nicht weiß, wo er ist und was für ein Wesen das überhaupt ist. Dann die düstere Atmosphäre in dieser Grotte, das ist sehr spannend.


    meine Gleve halte

    was ist das? Vielleicht irgendeinen HInweis hinzufügen, was ich mir vorstellen soll


    Der Cut ist hier etwas abrupt und mein erster Eindruck ist, vielleicht hättest du die neuen Leute etwas ausführlicher vorstellen sollen oder erzählen, wie sie Dwart finden. Aber ich bin noch nicht sicher und warte dann erst mal ab, wie es weitergeht. Die Idee mit dem Grab insgesamt gefällt mir aber sehr gut.