Beiträge von Chaos Rising

    Einen schönen guten Tag Forengemeinde!


    Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

    Kiddel Fee hat als Siegerin des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:


    "Glockenklang"


    Ich bin gespannt!



    Einsendeschluss : 07. Februar 2021

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Januar/Februar 2021: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png


    LG Chaos :chaos:

    Hallo und willkommen Traumschwingen :)

    Keine Sorge, hier gibt es mehr Geschichten, bei denen es auf jede erdenkliche Weise zur Sache geht :D

    Vielleicht findest du ja die ein oder andere, die dich interessiert ;)

    Sex (das Wort darf man hier btw schreiben :D ) ist hier auch nicht verboten :D Denk nur dran, dass es nicht der einzige Inhalt der Geschichte sein sollte, sonst könnte es sein, dass sie verschwindet ;)


    Die Zitate/Links unter den Posts sind die Signatur. Du kannst sie in deinem Profileinstellungen bearbeiten, wie deinen Avatar auch :)

    LG Chaos

    ich finde das Cover an sich voll super (danke LadyK :love: ) <3 und die Positionierung des Schriftzugs finde ich auch passend.

    Die Schrift an sich kann man zwar gut lesen, aber ich finde sie auch ein bisschen ZU ... :hmm: steril?
    vielleicht eine aussuchen, die ein bisschen (!) weniger "formal" ist? :)

    Ich persönlich mag Century Gothic sehr gerne (danke Kyelia xD) bin mir aber nicht sicher, ob die passt :D nur dass ihr wisst, was ich mit "weniger formal" meine :D

    Aber dafür war Chaos Rising auch fleißig und schmeißt Tag 8 direkt hinterher

    OKAY! O-kay.


    dann behaupte ich jetzt einfach, dass Etiam auch fleissig war und Tag 9 hinterherwirft! :P


    Tag 8: Geheimnisse


    Das fahle Licht der Lampe kroch über den staubigen Fußboden und entlockte der soeben freigelegten Ruine ihre Geheimnisse. Langsam, Stück für Stück, eroberte das Flackern der Öllampe den Raum, enthüllte, was Jahrtausende verborgen hatten.

    „Großartig!“, raunte Schauda ehrfürchtig. „Einfach großartig!“ Er quetschte sich durch die Öffnung, die seine Begleiter in den schwarzen Felsen geschlagen hatten. „Wartet hier!“, forderte er seine Helfer auf. Er wollte der erste sein, der die alten Hallen betrat. Euphorisch reckte er die Laterne in die Höhe, was weitere der dampfbetriebenen Apparate enthüllte, die er bereits weiter oben in den Ruinen gefunden hatte. Die zusätzlichen Ressourcen, die Schatzmeister Gönnedir … gefunden hatte, machten sich bezahlt! Schauda hatte keine Ahnung, was er da entdeckt hatte – oder wie es funktionierte –, doch … es war grandios, das wusste er. Es würde die Geschicke der Menschheit für immer ändern! Reiche gründen und zu Fall bringen! Und ihm würde es undenkbaren Reichtum und Ruhm bringen. Niemand konnte ihm diesen Fund streitig machen! Nicht einmal dieser elende Findevil, der schon so manche erfolgreiche Expedition geleitet hatte. Der Palast wusste bereits, dass Schauda diese Relikte aus längst vergangener Zeit gefunden hatte!

    Grinsend schritt er durch das Gewölbe, fuhr mit der Hand über die Patina der Kupferkessel, die unscheinbar dastanden. Was es wohl darstellte? Eine Mühle? Eine Schmiede? Oder gar eine Waffe? Vielleicht mechanische Lebewesen? Er vermochte es nicht zu sagen. Eine ganze Weile wanderte er durch allerlei Gerätschaften. Rohre, Kolben und mehr versperrte ihm den Weg, sodass er hindurchklettern musste.

    Ein brennender Schmerz an seiner Hand verriet ihm, dass das Rohr, an dem er sich festgehalten hatte eine scharfe Kante hatte. Fluchend zog er sie zurück und betrachtete den Schnitt, den er sich an der Handfläche zugefügt hatte. Wenige Tropfen Blut quollen hervor, woraufhin er sein Taschentuch in die Hand nahm und es fest umschloss. Das würde genügen.

    Vorsichtiger ging er voran, bis er plötzlich eine Lichtung im Wald der Maschinen erreichte. Erschrocken blieb er stehen und musterte das Bild, das sich ihm auftat. Es wollte nicht in die umgebende Technologie passen. Sechs in dreckige Bandagen gewickelte Körper lagen dort. Ihre Köpfe lagen aneinander im Mittelpunkt eines verblassten Kreises. Sie wirkten wie die Strahlen der Sonne, die vom Zentrum des Kreises in das Gewölbe glänzten.

    „Was bei Bobsol …“, murmelte er und näherte sich der seltsamen Anordnung von Körpern. Behutsam kniete er sich hin und strich sanft den Staub von dem Stoff, der das Gesicht des Verstorbenen bedeckte. Die Bandagen waren hart und brüchig und bröselten unter seiner Berührung, sodass er schnell die Hand wegzog. Ein roter Streifen seines Blutes besudelte den Stoff. Er hatte nicht bedacht, dass seine Hand verletzt war. Leise fluchte er, als er bemerkte, welchen Schaden er angerichtet hatte. Doch … das Loch auf der ebenso bandagierten Stirn des Leichnams stammte nicht von ihm. Dunkle Ränder um das kreisrunde Loch deuteten eine mögliche Ursache für den Tod an. Mit einem raschen Blick bestätigte er seine Vermutung, dass diese Wunde bei allen Körpern zu finden war. Wie gebannt starrte er auf das Loch in der Stirn des Toten. Wie hing dieser seltsame Fund mit den Maschinen zusammen? Welches Geheimnis verbarg sich hinter den Toten? So viele Fragen, auf die er eine Antwort finden musste! Aufgeregt rief Schauda nach seinen Helfern.

    Die dunkle Seite

    von Astrael Xardaban


    Man wird von jeglicher irdischer Last befreit und doch war es auf der anderen Seite dunkel und still.

    Seit jenem Tag, an dem wir uns kennenlernten, mochte ich Julius. Ich mochte ihn sehr. Es war im Winter vor drei Jahren. Ich spazierte durch den verschneiten Wald nahe unseres Dorfes. Am Abend zu vor begann es zu schneien und hatte seither nicht aufgehört. Ich mochte es sehr bei Schneefall zu spazieren. Es entspannte mich, wenn mich der Alltag mal wieder fest im Griff hatte. Ich schlenderte einen schmalen Pfad entlang und genoss die Waldluft. Kurze Zeit später sah ich die beiden Grabsteine, die hier vor zwanzig Jahren aufgestellt wurden. Die Liebenden Mirabel und Alfred sind damals in dieser Gegend tödlich verunglückt. Alfred war mein Onkel, aber ich lernte ihn leider nie kennen. Ich sah, dass jemand an Mirabels Grab stand. Es war Julius, ein junger Mann in meinem Alter. Er hatte feuriges rotes Haar und in seinem Gesicht sah man Sommersprossen. Scheinbar legte er zuvor Blumen auf das Grab. Es waren rosa Winterherzen, die mochte ich am liebsten. Er wirkte traurig, aber als er mich bemerkte, sah er mich an und lächelte. Ich sah noch nie so ein einladendes und herzliches Lächeln. Es war als ob er wusste, was passieren würde. Nachdem wir uns kennenlernten, unterhielten wir uns lange und gingen dabei weiter durch den Wald. Er war mir sofort sympathisch. Von diesem Tag an trafen wir uns bei jeder, sich bietenden Gelegenheit.

    Wir verbrachten sehr viel Zeit miteinander. Wir lachten gemeinsam und wir weinten gemeinsam.

    Die Zeit verstrich wie im Flug und ich fühlte mich geborgen in seinen Armen. Er war alles, was ich mir jemals erträumt hatte. Während jenes Winters, in dem es beinahe täglich schneite, bauten wir Schneemänner, rannten fröhlich lachend durch den Wald und genossen heiße Schokolade in meiner Hütte. Ich war sehr froh, dass wir zueinander gefunden hatten. Was hätte ich nur ohne ihn getan?

    Auch der nachfolgende Frühling war herrlich. Die Schneeglöckchen begannen zu blühen und bald schon auch die Buschwindröschen. Die Frühlingstage, an denen wir, wie so oft, durch den Wald spazierten, vergingen und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als für immer an seiner Seite zu sein.


    Im Sommer waren wir kaum im Wald unterwegs und verbrachten unsere Zeit lieber am See. Manchmal lagen wir einfach nur am Ufer, genossen die leichten Winde und starrten stundenlang den traumhaften blauen Himmel an. Jede Sekunde mit Julius war magisch und fühlte sich an wie ein wunderschöner Traum. Aber ich träumte nicht, so viel stand fest. Ich konnte ihn und auch alles andere in der Umgebung fühlen. Hin und wieder gingen wir im See schwimmen. Das warme Wasser war erfrischend.

    Jeden Tag stand eine bezaubernde Rose draußen in der Vase auf meinem Fensterbrett. Es war der schönste Sommer meines Lebens und das hatte ich Julius zu verdanken.

    Es fühlte sich so an als hätte ich nur kurz geblinzelt und plötzlich begann bereits der Herbst. Die Blätter verfärbten sich und fielen zu Boden, dies war die farbenreichste Jahreszeit. Die Kraft der Sonne war spürbar geringer in diesen Tagen und die Kälte nahm zu. In unserer Gegend nennt man den Herbst „Zeit der Vergänglichkeit“. Das war traurig, aber zu gleich schön, weil etwas Neues beginnen würde. Ich mochte keine Veränderungen und wenn es nach mir ginge, hätte alles so bleiben können, wie es war.


    Dann kam der Tag nach der Wintersonnenwende. Über das gesamte Fest des Vortages hinweg sahen wir uns nicht. Ich wusste nicht weshalb. Der Schnee lag wesentlich höher als in den Tagen zuvor, jedoch schneite es nicht mehr. Ich setzte langsam einen Fuß vor den anderen und schritt gemächlich durch den Wald. Ich hatte schon den ganzen Morgen so ein komisches Gefühl. Wenige Stunden später kam ich zurück ins Dorf und meine Schritten wurden schneller, als ich aus der Entfernung meine Hütte sehen konnte. Mittlerweile war der Schnee teilweise geschmolzen und man konnte an manchen Stellen den Boden erkennen. Und da sah ich ihn im Schnee liegen, neben meinem Kräutergarten. Scheinbar lag er dort schon seit einigen Stunden, aber es war weder mir, noch einem anderen Dorfbewohner aufgefallen, denn der Schnee lag über Nacht sehr hoch und hatte ihn eingeschneit. Ich wusste nicht was mit Julius passiert war, aber er reagierte nicht, egal was ich tat. Ich konnte die Tränen nicht zurückhalten, denn obwohl ich mir nicht sicher sein konnte, wusste ich doch, dass er nicht mehr unter uns war. Ich hatte dieses Gefühl schon den ganzen Morgen im Bauch. Das war der Grund, warum es so weh tat. Ich fiel auf die Knie und schluchzte. Wieso passierte so etwas? Ich konnte es nicht begreifen. Doch bald sollte ich verstehen.


    Alle zwanzig Jahre sollten sich jemand aus Julius‘ Familie und jemand aus meiner Familie ineinander verlieben. Es ist ihr unausweichliches Schicksal im verschneiten Wald zueinander zu finden. Sie würden eine schöne Zeit miteinander verbringen ohne zu wissen, dass es bald vorbei sein würde. Am Tag der Wintersonnenwende würde einer der beiden Liebenden dieser Welt entweichen. Der Geist des Winters würde denjenigen finden und ins Jenseits führen, während der andere zurückbleibt, mit Einsamkeit im Herzen, die niemals vergeht. Dies war eine uralte Legende, die niemand für real hielt und mir zuvor gänzlich unbekannt war. Ich konnte nicht akzeptieren, dass dies auch das Schicksal kommender Generationen sein würde. Ich wollte unbedingt dafür sorgen, dass niemand mehr so sehr leiden musste.


    Draußen hörte ich die Stimmen der vorbeigehenden Menschen, während ich in meiner kleinen Hütte saß. Einige von ihnen klangen als seien sie um mich besorgt. Andere schienen sich zu fürchten, weil ich mich seltsam verhielt und das Haus seit Wochen nicht verließ. Wohin sollte ich denn gehen?

    Die Stimmen vor meinem Haus schienen lauter zu werden. Ich konnte keinen dieser Menschen sehen. Die Fensterläden waren verriegelt. Mittlerweile hatte sich eine Meute vor meinem Haus gebildet. Ich konnte jeden einzelnen ihrer Rufe vernehmen, in denen sie mich eine Hexe und eine Mörderin schimpften. Sie konnten nicht verstehen, dass ich so handeln musste. Ich erhob mich von dem kleinen Schemel, auf dem ich immer saß wenn ich mein Gartenwerkzeug säuberte. Ich legte die vielen Messer beiseite, mit denen ich meine Pflanzen schnitt und schmiss die blutbefleckten Lappen ins Kaminfeuer. Da nun niemand mehr da war, der das gleiche Schicksal erleiden konnte wie ich, hatte ich beinahe meinen Frieden gefunden. Die wütende Meute vor meinen verriegelten Fenstern tobte, aber ich ignorierte sie. Sie konnten mir nichts mehr anhaben, denn mein Herz war vom eisigen Winter verschlossen worden.

    Nachdem ich mir Winterherzen-Tee eingoß, setzte ich mich in meinen gemütlichen schwarzen Sessel, der nahe des Kaminfeuers stand. Diese Einsamkeit war wirklich schwer für mich und ich dachte ständig an Julius. So auch in jenem Moment. Ich erinnerte mich an sein strahlendes Lächeln und sein feuerrotes Haar, durch das ich nie wieder mit meinen Fingern gleiten konnte. Der Moment in dem wir uns damals kennenlernten, war der magischste Augenblick, den ich je erleben durfte.

    Ich ertrug es nicht mehr. Ich brauchte ihn. Bald würden wir wieder vereint sein. Es hämmerte an der Tür und eine tiefe Männerstimme befahl mir zu öffnen. Nachdem ich einen letzten Blick auf die Rose auf meinem Tisch war, nahm ich meine silbrig-weiße Tasse, die Julius mir einst schenkte und trank zitternd einen Schluck Tee daraus. Es war der letzte Tee. Für immer. Ich hörte einen der Rufe von draußen und dann wurde es dunkel und still. In diesem letzten Moment erkannte ich, dass die Ewigkeit ein Segen war.

    Das letzte Aufgebot

    von Ralath


    "Es gibt Sagen, es gibt Mythen und Legenden – und genauso gibt es Lügen, Geschwätz und all jenes, was verwirrte Geister in ihrem Wahn von sich geben.

    Und so verschieden all die gesagten Dinge auch sein mögen, so vereint sind sie doch in einer Sache: Ihrem Ursprung. Dem Verstand der Menschen. Der Geist kann sich noch so eifrig bemühen zu Lügen, jede Unwahrheit grenzt am Ende ebenso an die Wahrheit, wie jede Wahrheit an eine Lüge grenzt. Das bedeutet, dass in jedem Gedanken, der durch unsere Worte in eine Form geboren wird, etwas Greifbares und Wahres steckt. Und diesen Kern zu erkennen, Junge, das ist die Kunst im Leben.“


    Es waren die letzten Worte meines Großvaters an mich und sie begleiten mich seitdem in jedem wachen Moment. Die Eindringlichkeit, die selbst kurz vor seinem Tod noch in den Silben lag, hatte etwas angestoßen. Etwas geweckt. Tief in meinem Inneren. Als wäre sein verlöschender Lebensfunke auf mich übergesprungen um ein neues Feuer zu entfachen.

    Jedoch… anfangs war ich mir unsicher.

    Unsicher ob es nicht doch besser wäre die zarten Flammen gleich zu ersticken. Immerhin war er ein Ausgestoßener, schon sein ganzes Leben lang. Niemand gab je etwas auf sein Gerede. Man mied ihn so lange meine Erinnerungen zurückreichen. Sie nannten ihn einen Träumer, einen Wirrkopf und Fantasten. Nicht ganz ohne Grund, wie ich mir selbst jetzt noch eingestehen muss. Und doch… jemand, der bis ans Ende seiner Tage so gebannt und überzeug von soetwas wie den Winterherzen war und sich von nichts und niemandem überzeugen ließ, sie als Hirngespinste abzutun… so jemand kann nicht bis in die letzte Faser verrückt gewesen sein.

    Wahnsinn erstickt neben sich auch jede Gutmütigkeit und wenn mein Großvater eines hatte, dann war es ein gutes Herz.

    Vielleicht belgeiten mich seine Worte ja, weil die Verzweiflung nun kaltherzig jeden Augenblick damit droht, mich zu erfrieren. Oder weil meine Gedanken von der Hoffnung gewärmt werden, dass Großvater allen Zweiflern zum Trotz der Wahrheit auf der Spur gewesen war. Seine fanatischen Worte begleiten mich auch in diesem Moment – gerade jetzt, wo die einzige Wahrheit, die noch um mich herum zu existieren scheint, mit eisigen Kiefern nach mir beißt wann immer der Sturmwind schneidend zwischen die Nähte und Lücken meiner Kleidung fährt. Alles andere um mich herum ist schon vor Stunden in fleckigem Weiß und in einer Kälte ertrunken, die uns das Leben schneller aus dem Mark zieht als es natürlich hätte sein dürfen.

    Keiner weiß womit wir diese Eiszeit verdient haben. Doch stimmen wir überein, dass Götter, Dämonen, Hexen – sie alle zusammen – uns etwas Böses wollen und uns für die Verfehlungen der Vergangenheit strafen.

    Dabei waren die Lande nicht immer so feindlich…

    Die ältesten der Alten, die zu den Zeiten, als man noch auf die Gipfel gelangt ist, Jungspunde waren, berichten von einer sagenhaften Schönheit. Damals konnte man sich mit dem Blick in der Ferne verlieren, Bäume stachen aus der Schneedecke heraus und brachten einen Hauch von Leben in die trostlose Landschaft. Es soll sogar Tiere gegeben haben. Und Tage, an denen die Erde frei lag und nicht unter einer Decke aus kaltem, totem Schnee begraben war. Doch von Jahr zu Jahr gebärdete sich der Frost unbarmherziger. Bäume wurden allmählich zu Säulen aus Eis. Holz für Feuer zu schlagen, um sich auch an anderen Orten als den Eingeweiden der Berge aufzuhalten, wurde unmöglich.

    Damals bekamen unsere Alten selbst noch Geschichten von ihren Alten erzählt.

    Jene vom weißen Rudel zum Beispiel. Sie war nur eine der zahllosen Sagen um die Wölfe, die durch die Lande zogen und den Winter immer auf den Fersen hatten. Doch nun, Jahrzehnte später, scheint es sicher, dass das Rudel bei uns für immer Rast gemacht hat. „Schnee“ und „Eis“, „Frost“ und „Graupel“ und wie sie nicht alle heißen, heulen Nacht für Nacht zum Mond hinauf. Ihre Rufe mischen sich in die Stürme, sind furchteinflößend, markerschütternd und dennoch bereits so sehr vertraut. Doch am schlimmsten ist, dass von dem Heulen sogar allmählich das Herz des Berges vor Schrecken erlahmt. Wir können die Tunnel gar nicht so eilig in das Gestein treiben, wie die Kälte den Frost zu uns hinabkriechen lässt. Bei allen Gipfeln, wenn wir nicht bald -

    „Ralahr!“, ruft es irgendwo neben mir aus dem pfeifenden weißen Schleier, in dem das steifgefrorene Seil verschwindet, dass ein Jeder von uns Unbelehrbaren um die Hüfte geknotet trägt.

    „Ralahr!“, ertönt es erneut langgezogen, aber gedämpft vom heulenden Wind zu meiner Linken. Ein Ruck am Seil bewegt mich dazu, mich weiter durch den Sturm zu kämpfen.

    In Gedanken an unser letztes Aufgebot und daran, was überhaupt zu diesem aussichtslosen Unterfangen geführt hat, muss ich wohl stehengeblieben sein.

    Schwerfällig setze ich meine kältetauben Füße voreinander. Wieder und wieder.

    Der Frost ist uns vertraut, wir gehen langsam. Doch wir schreiten beharrlich durch den Sturm.

    Die kümmerlichen Reste unserer Ausrüstung besteht aus allem Nützlichen, was wir in den Höhlen noch zusammentragen konnten. Ich hatte das Glück, einen seltenen Augenschutz mit kleinen Glaslinsen zu ergattern. Von den sechs anderen Männern hatte das Schicksal nur Johron noch dazu bestimmt, ein zweites Paar davon zu bekommen. Deshalb und weil er der Kräftigste war, ging er zuvorderst – und ich, als einer der Schmaleren, zuletzt. Darüber hinaus ist unsere Kleidung, sind unsere Taschen und Säcke, kaum mehr als Reste und trotzdem noch das Beste, was aufzutreiben war. Wir tragen kaum Gepäck. Nur wenig Essen und Wasser haben wir dabei und das, was in unseren Köpfen vorgeht.

    Einzig der handgroße Richtungsweiser führt uns und erahnt, wo wir die Rettung für alle Ausharrenden im Berg finden könnten. Eine Rettung, von der wir nicht einmal wissen, wie sie aussieht. Wo genau sie sich befindet. Ob sie noch existiert oder überhaupt jemals existiert hat.

    Alles was wir von Großvater aus den Überlieferungen wissen, ist, dass man in Richtung des Sonnenaufgangs gehen muss, um die Winterherzen zu finden. Hindurch durch die Stürme und die Dämonen, die in ihnen hausen. Mehr nicht.

    Wieder mahnt mich ein Ruck am Seil zur Eile.

    Die Felle halten trotz der drei Lagen kaum noch warm, während meine Gedanken sich vor dem wütenden Sturm immer öfter in eine entfernte Ecke meines Geistes verkriechen wollen. Die Zeit drängt. Der Wind und die Kälte sickern erbarmungslos beharrlich durch jede Naht und jede Pore.

    Die Zeit ist neben dem weißen Rudel nur ein weiterer Feind, von denen sich schon viel zu viele gegen jede Hoffnung stellen.

    Träge stapfe ich durch die Furche aus Spuren, die vor mir liegt, beide Hände starr am Seil.

    Ich spüre deutlicher und deutlicher, wie mein Herz mit jedem Schlag mehr damit zu kämpfen hat, mein dickes erkaltendes Blut durch meine Adern zu drücken. Jeder Atemzug meiner brennenden Lungen schmerzt fürchterlich. Jeder Zahn scheint beim Luftholen von frostigem Sturmwind aus- und davongerissen zu werden.

    Meine Gedanken erlahmen zunehmend. Das Rad, auf dem sich Hoffnung und Zweifel in meinem Kopf umkreisen, dreht sich immer langsamer.

    Wieder ein Ruck am Seil.

    Doch diesmal folgt kein weiterer Schritt mehr.

    Mein Körper will nicht mehr. Kann nicht mehr.

    Die Muskeln versagen ihren Dienst und der Verstand bringt nicht mehr die Überzeugung auf, die Beine weitergehen zu lassen.

    Ich stehe nur noch da – mitten im tosenden Wind - und wundere mich, warum auf den letzten Ruck unserer Leine kein neuer mehr folgt. Unerträglich langsam ziehe ich meine tauben Hände samt des Seils auf mich zu, nur um zu erkennen, dass das dünne, steifgefrorene Tau abgebrochen ist. Abgebrochen. Ohne dass ich es gemerkt habe. Ungläubig starre ich auf das Ende, das kaum eine Franse aufweist und im dichten Schneegestöber Flocke um Flocke fängt.

    Das Bild vor meinen Augen verschwimmt.

    Die bleischweren Lider lassen dicke schwarze Balken am Rande meines Sichtfelds wachsen. Immer drängender drückt die Erschöpfung auf meine Augen, die Dunkelheit ersetzt das umhertreibende Weiß, mein Herz presst verzweifelt zähes kaltes Blut in Arme und Beine… bis es das nicht mehr tut.

    Ich stehe still.

    Mein Herz steht still.

    Das gefrierende Blut in meinen Armen und Beinen. Es steht still.

    Mein Atem auch.

    Der Sturm schafft es ohne meine Mithilfe nicht mehr, meinen steifen Körper zu stützen.

    Ich kippe vornüber. Doch der Aufschlag bleibt aus und der Schmerz lässt unvermittelt nach.

    Jeder Gedanke verblasst wie davonwehender Rauch und tiefe, vollkommen Schwärze umfängt meinen Geist.

    Ein einsamer Funke treibt darin umher, träge von unsichtbarem Wind geführt. Mein Geist folgt ihm eine Weile und als er ihn schließlich zu fassen bekommt, schießt noch einmal ein Bild durch meinen Kopf.

    Ich brauche einen Moment, um zu begreifen was ich erkenne.

    Meine beiden Hände sind zu sehen. Sie halten das Ende eines Seils, doch das Seil ist nicht einfach abgebrochen. Die Bruchstelle sieht nicht aus, wie die eines Seils, dass der Gewalt von Kälte und Frost nachgegeben hat. Plötzlich begreife ich… es ist an jener fingerbreiten Stelle nicht gefroren, als sich erster Schnee darauf niederlässt.

    Ein zerschmetternder Schlag aus scharfem, ungebändigtem Schmerz durchfährt meinen ganzen Körper.

    „Er lebt noch!“, ruft eine Männerstimme, zu der ich kein Gesicht erkennen kann während ich zu blinzeln und zu japsen versuche. Über mir nur eine gesichtslose Silhouette vor einem weißstrahlenden Kranz, darum herum ein Meer aus sattem Blau.

    Jemand packt meinen Kopf, zieht mich zu sich heran und drückt seine Stirn gegen meine.

    „Ralahr! Ralahr du verrückter Hund! Wir haben es geschafft! Dein Großvater hatte Recht! Es gibt sie! Die Winterherzen, es gibt sie tatsächlich!“

    Erleichtertes Lachen folgt den befreiten Worten.

    Jemand reißt mir die Felle vom Leib, den Sichtschutz ebenso.

    Meine Haut scheint urplötzlich in Flammen aufzugehen.

    Ich schreie, doch jemand schüttelt mich unablässig.

    „Öffne die Augen! Sieh dich verdammt noch mal um!“

    Als ich mit Mühe die Lider auseinanderziehe, bricht mein Schrei auf einmal ab und bleibt mir im Halse stecken. Um mich herum liegt kein Schnee. Es gibt keinen Sturm mehr. Keine Kälte. Keinen Frost, der mir in die Glieder beißt.

    Nur warme Helligkeit.

    Und satte, lebendige Farben.

    Einen wolkenlosen Himmel.

    Bäume und glitzernde Bäche und das, was die Alten in den Erzählungen Gras nannten…

    „Das hat er die ganze Zeit gemeint... eines der Winterherzen“, raune ich mit vor Ehrfurcht zitternder Stimme.

    Trotz der Pein und der darüberliegenden Taubheit heben sich meine Mundwinkel zu einem Lächeln, während mein tränenverhangener Blick über die fruchtbaren Ebenen schweift.

    Märchen vom Herbstdrachen

    von Theo-Drecht


    Wäre es nur nicht Herbst! Im ganzen Wald roch man ihn, von den kahlen Bäumen troff er und sammelte sich in Pfützen, von denen sich nachts der Raureif auf die stillen Lichtungen fraß, die einstmals so schön geblüht hatten. Huh, der große Drache, platschte mit seinen Tonnenfüßen durch eben diese Pfützen und nießte Erlenzäpfchen, während er sein trübes Schicksal bedachte. Immerhin war er für seine Misere zumindest mitverantwortlich.


    Seinen Schwanz ließ er heute schleifen. Wie eigenlebendig zuckte seine Schwanzspitze hin und her und verwischte die paar Bucheckern, die Huh zu dieser Jahreszeit beständig aus seinen Schuppen rieselten (wie anderen Leuten Schuppen aus den Haaren), zwischen den Wurzeltellern der Hainbuchen am Wegesrand. Seit er sein lapislazuliblaues Schuppenkleid für diesen rostrot-kirschigen Flickenteppich aus Bernstein abgetauscht hatte, gab er nicht mehr viel auf Stolz. Er war nämlich nicht immer Herbstdrache gewesen. Einmal hatte er sich sonnenspiegelnd durch das Himmelblau gewunden und Kirschblüten über das Land regnen lassen. Ach ja – einmal…


    Jetzt hätte man ihn aus der Ferne für einen umherirrenden Laubhaufen halten können. Vor lauter Scham nießte er gleich noch einmal. Ha-tschu! Drei fleckige Eichenblätter fanden diesmal ihren Weg aus seinem Maul und rieselten zu Boden. Scheiß Schnupfen. Dazu hatte er den ganzen Tag schon irgendwas tief im Rachen festklemmen, einen tierischen Frosch im Hals. Er fragte sich, was es diesmal sein würde. Wirklich nur eine Laubverstopfung?


    Zwei Elstern stieben zeternd aus einer Baumkrone, die sich über den Hohlweg neigte. Die Hörnchen an seinen großen Pergamentschwingen hatten sich in einer Astgabel verhakt, auf der ihr Nest gelegen hatte. Huh sah ihnen grimmig nach. Herbstdrache war eben mehr als nur ein Titel. Es war auch ein Haufen Drecksarbeit, das sollten die Viecher ruhig mal wertschätzen. Was dachten die denn, wo die Bucheckern herkamen? Wuchsen eben nicht auf Bäumen!


    Ja, Huh hasste den Herbst. Eigentlich paradox. Der er war es auch, der ihn verteilte, all die tausend Nüsschen und Zäpfchen und vor Allem die zahllosen bunten Blätter unter den Bäumen – was immer eben sein Waidchen in ihrem Schlummer ihm eingab, was immer sie brauchte, sie, der er einst sein Herz geschenkt hatte. Und die nun so schrecklich weit fort war – Und war sie doch rings um ihn, wie zum Hohn. Irgendwo in den spröden Fasern der kahlen, vor Feuchte schwammartigen Stämmchen musste ihre Frühlingswärme noch harren. Aber Huh empfand sie nicht mehr. Roch sie nicht in Honigblüten oder fühlte nicht ihre Berührung in den Sprenkeln des gurgelnden Bachs. Ihre Stimme aus lispelnden grünen Blättern war verstummt. Sie hatte ihn alleingelassen. So schrecklich allein. (Wenn er nicht zuvor schon seinen Kloß in der Kehle gehabt hätte, dann spätestens jetzt.)


    Heute Nacht hatte er von ihr geträumt. Vom Sommer. Seit er sich zum Herbstdrachen verwandelt hatte, passierte ihm das oft. Er wollte dann gar nicht mehr aufwachen. Ja, dann kam es ihm so vor, als wäre mit ihren Blüten auch all seine Freude dahingewelkt. An solchen Morgenden verstand er selbst nicht, weswegen er überhaupt die Augen öffnete. Nur, um den Wald abzuschreiten und Laub zu spucken und Kastanien zu kötteln? Gerade bei letzterem, was verständlicherweise höllisch wehtat (wegen der Stacheln), half nur noch der Gedanke, dass so eben der Lauf der Dinge sei; die Jahresuhr sich fortwälzt, die keiner zurückdrehen kann, nicht einmal er, so ein wichtiges Zahnrad er auch in ihr ausfüllte.


    Nur hatte der Traum sich anders angefühlt als sonst. Und Drache Huh war auch nicht wie sonst mit bleierndem Widerwillen erwacht, sondern mit pochendem Herzen (und besagtem Frosch im Hals). Es hatte sich ganz wie früher angefühlt: wenn er auf dem warmen Moos erwacht war und sie ihm grinsende Sonnenstrahlen durch ihre Buchenblättchen zulenkte, und ihm damit zum guten Morgen die Nüstern kitzelte.


    Heute hatte der Traum sich nämlich gar nicht erst die Mühe gegeben, ihm fantastische Luftschlösser auszudenken: Keine Farbenmeere von Blüten, keine Regenbögen oder fluoreszierende Algenkolonien (was immer seine Nestgefährten gerade für Abenteuer erleben mochten). Er hatte nicht mehr getan als dem schlafenden Drachen eine bloße Erinnerung vorzuspielen. Fast als als wäre es gar kein Traum gewesen: sondern ein – sanftes – Wachrütteln…


    Er sah sich wieder über das Land sausen, ein blauer Blitz. Seine Schuppen summten wohlig in der Sonne, und Sperlinge fochten in wagemutigen Liebestänzen um die Aufmerksamkeit des Herrn der Lüfte. Huh, der Sommerdrache, brüllte sein Wohlsein hinaus; weit öffnete er den Kiefer und spuckte Kaskaden von Kirschblüten über die tiefen Hügel. Erst als die zappelnden Blättchen sich lichteten, fiel sein Blick auf sie. Er hatte nur wie zufällig zurückgeblickt und zuerst war sie ihm gar nicht sonderlich aufgefallen. Sie lag ganz keusch da, im grünen Kleid, mit Veilchen und Mohn an den Säumen und an den runden Bühlen mit Goldruten bestickt. Erst jetzt stieg ihm, der doch bestimmt schon einige Minuten über ihr flog, ihr überraschend frischer Nektarduft in die Nüstern, die er weit aufblähte (er nahm an, dass sie die Mode aufgenommen hatte, ihn mit einigen Nachtschattennoten zu würzen). Gleich schoss er hinab, ein entzündeter Liebeskomet.


    War es zuerst, als freiheitsliebender (und vor allem an seinen blauen Schuppen hängender) Sommerdrache, nur sein erklärtes Ziel gewesen, am nächsten Tag mit einem Lächeln davonfliegen zu können, waren aus einer Nacht bald viele geworden. Sie hatten sich ineinander verliebt; er in das Lächeln ihrer duftenden Bosketts, sie in seine Onyxaugen, die anders als des Drachens wechselhaftes Schuppenkleid von der Schwärze hinter den Jahreszeiten sprachen, von Ruhe und unvergänglichem Schlummer.


    Es wurde ein orgastischer Spätsommer. Sie hatte sich ihm ganz in Goldflitter und Fruchtrot hingegeben und gemeinsam hatten sie die Schönheit eines ganzen Jahres zur Vollendung hingedrängt.


    Huh wusste also, dass er gewissermaßen selbst Schuld hatte am Herbst, und dann auch wieder nicht. Er hatte sie befruchtet, sie hatte ihn befruchtet – das war der Deal.


    Aber der Verfall war zu schnell eingetroffen. Morgens, wenn er die ersten braunen Schuppen an seiner Schwanzspitze entdeckt hatte. Abends, wenn sie immer früher als am Tag zuvor die Augen schloss und bereitwillig Uhus mit ihren zausigen Schwingen über ihre Ästelungen streichen ließ. Sie war müde geworden und verbraucht, er war kratzig geworden, sie waren beide gereizt voneinander und kälter wurde es noch dazu. Und irgendwann eines Morgens hatte er sie dann einfach nicht mehr gespürt. Es gibt diese Tage, da man hinausschaut und man weiß, dass die Jahresuhr sich ganz plötzlich um drei Stunden weitergedreht hat. Alle Farben sind anders, wie hinter einer neuen Folie, die Klänge und die Gesichter.


    Huh, der Herbstdrache blieb stehen, um zu nießen. Ein Schneeflöckchen tänzelte ihm vor Augen. Sein Herz flatterte. War die gerade aus seiner Nase herausgekommen? So weit war es also schon? Weit sperrte er seinen Kiefer auf und renkte seinen strängigen Hals nach oben. Als er spuckte, füllte seine Brunst aus feuerroten Ahornblättern binnen Sekunden den fahlen Novemberhimmel. Überall raschelte und flatterte es, als würde ein großer Libellenschwarm sich im ganzen Wald vom Boden aufheben und für ein paar Minuten sah man gar nichts mehr. Ja, das fühlte sich herrlich an. Als der Herbststurm sich endlich legte, lag der Wald übersät von Röte, wie ein sommerliches Mohnfeld. Aber natürlich blieb es bei dem Anblick nicht, so rührselig er auch war. Winde fuhren den Hohlweg hinan. Sie hoben die zum Liegen gekommenen Blätter an und häuften sie wie von Zauberhand unter die wenigen Ahornbäume, die sich jeweils einige Steinwürfe um den Schauplatz von Huhs Trotz gruppierten.


    Ja, so war sie, dachte Huh verbittert. Sie liebte die Ordnung. Aber ihn? Liebte sie ihn denn auch? Hätte sie ihn denn so bitter zurücklassen können, wenn sie für ihn im gleichen Maße fühlte?


    Und du? Fühlst du überhaupt noch für sie? zweifelte da eine Stimme in seinem Kopf. Bei all dem Fichtenharz, was da allein noch duftet, könnte sie ebenso gut eine alte Bruchwäldin sein…


    Da fing Huh an zu schniefen. Kahl und schwarz umringten ihn die schlanken Stämme der jungen Buchen und Ahorne und Kastanien. Auch die Vögel waren verstummt, wo sie am Morgen noch ein halbschläfriges Adagio hingeflötet hatten. Nur drüben, auf einer Nebelbank, saßen zwei Fichtel und rieben vertraulich ihre Nasen aneinander, indem sie sich auf den warmen Aufwinden eines Moorfleckens treiben ließen.


    Auf einmal fühlte er sich schrecklich kalt. So war es wohl. Die Kälte keimte tief in ihm. Gleich beim Herzen fing es an. In seinem Magen gärte schon der Schnee. Der Schnee, der den ganzen Herbst zudecken würde, aber auch den Abschied von ihr besiegeln würde wie ein weißes Leichentuch, das er selbst über die einstmals bunten Gestade decken würde. Und über die Gefühle, die sie einmal hier geteilt hatten. Nicht mehr lange, und er würde sich in den Winterdrachen verwandelt haben.

    Schließlich kam er an einen Teich, der schon vereist war. Der alte Hohlweg mündete darin. Huh lugte über die glatte, schwarze Fläche, in der matschige Blätter miteingefroren waren. Da sah er sich selbst, wie er sich im Eis spiegelte.


    Er musste still geweint haben – feine Eisblümchen rankten über seine Onyxaugenbälle. Verdutzt starrte er sich an. Blinzelte zweimal. Vielleicht hasste er ja noch nicht einmal den Herbst oder das Alleinsein so sehr, dachte er. Sondern sich selbst.


    In diesem Moment bekam er einen tierischen Krampf in der Kehle. Er musste würgen, fühlte, wie sich, was seit heute Nacht in seiner Kehle quergesessen hatte, langsam löste. Zentimeter um Zentimeter Atemnot, in dem ihm die Augen überquollen. Dann endlich spuckte er es aus. Einiges an Schneeharsch war mit herausgekommen, dessen feuchte Klumpen er sich unwillig mit der Zunge von Nüstern und Augen wischte. Als er sah, was es war, staunte er: Vor ihm auf dem Eis lag ein braunes duftendes Lebkuchenherz.


    Und als er daran roch, und ihm der Honigduft in die Nase stieg, war es ihm fast, als strichen ihm wieder weiche Weidenkätzchen über seine Rückenzacken und als hörte ihr feines Gluckerlachen widerhallen im verwaisten Wald. Sie war hier, bei ihm. Ein unsichtbares Liebesversprechen. Und da ahnte Huh, der junge Herbstdrache, zum ersten mal, dass der Winter noch nie ein Ende gewesen war.


    Auf einen Schlag färbte er sich tiefweinrot.

    Winterkind

    von Kiddel Fee


    Der Wind heulte über die blanken Zinnen der Zitadelle hinweg, trieb dichtes Schneegestöber vor sich her und ließ die Welt in einem taumelnden Weiß verschwinden. Schneidend kalte Böen pfiffen durch die hohen, steinernen Bögen des Eisigen Tors und bogen die schwarzen Äste des Baums, der auf dieser Terrasse gepflanzt worden war, nahezu bis zum Bogen. Es war tiefster Winter und kein Mensch ging bei diesem Wetter freiwillig vor die Tür.

    Dennoch hatten sich im Schatten des Toren sieben Menschenkinder eingefunden. Stumm knieten sie nebeneinander auf dem harten Boden, die Fäuste auf die Schenkel gestemmt und die Köpfe gebeugt.

    Vor ihnen schritt, angetan mit einer tiefblauen und mit Gold verzierten Robe, der Erzmagier des Winters auf und ab. Ihm schienen der Wind und das Schneetreiben nicht das geringste auszumachen. Gelegentlich blieb er stehen, atmete mit geschlossenen Augen ein und aus, als wolle er die Kälte um sich herum aufsaugen und Kraft aus ihr ziehen.

    Nio fror entsetzlich. Die dünne Kleidung, die sie deutlich als Bettelkind kennzeichnete, konnte das Mädchen nicht vor dem eisigen Wetter schützen. Sie wusste nicht mehr, wie lange sie und die anderen Kinder schon hier warteten, doch ihre Füße waren schon so kalt, dass sie sie nicht mehr spüren konnte. Schneeflocken umwirbelten ihre blauen Hände und vor ihren Knien hatten sich bereits kleine Schneewehen gebildet.

    Der Erzmagier blieb erneut stehen, wandte sich dem Wind zu und öffnete die Arme weit. Hektisch flatterten sein Haar und sein Mantel im Wind.

    “Ar-Men Gallach!”, donnerte er und seine Stimme dröhnte über das tobende Wetter hinweg. Es rauschte, als wolle der Sturm seine letzte Kraft auffahren, doch dann kehrte beinahe schlagartig Stille ein. Die Schneeflocken, die eben noch durch die Luft geschossen waren, tänzelten langsam zu Boden.

    “Schneemagie!”, bellte der Magier und fuhr zu den Kindern herum. “Richtig angewendet verleiht sie ihren Auserwählten unglaubliche Stärke. Doch es erfordert jahrelanges Training, gnadenlose Disziplin und einen starken Geist, diese Magie nach eurem Willen zu formen.”

    Er verschränkte die Hände auf dem Rücken und nahm seine Wanderung wieder auf. “Jeder von euch trägt ein besonderes Zeichen an sich, eine Spur der Magie des Ewigen Eises.”

    Zögernd öffnete Nio die rechte Hand. In der blassen Handfläche war ein kleiner Kristall eingraviert, umgeben von fünf Strahlen. Dieses Zeichen hatte sie schon immer, seit sie sich erinnern konnte. Sie starrte darauf hinab und bemerkte zu spät die Schuhspitzen, die in ihrem Sichtfeld aufgetaucht waren.

    “Nicht jeder, der von der Magie berührt wurde, wird diese auch nutzen können”, knurrte der Mann. “Ihr seid hier, damit wir herausfinden, wer von euch berufen ist - und wer nicht.” Mit einer ausholenden Geste wies er auf den Baum. “Das Winterherz wird uns den Weg zeigen.”

    Nio hob den Kopf und sah den Baum an. Obwohl tiefster Winter war, trug der Baum seltsame Blüten, geformt wie kleine Schneebälle aus Kristall, und Blätter, die dem sternenübersähten Nachthimmel glichen. Trotz der völligen Windstille raschelten diese leise und schienen in unverständlichen Sprachen miteinander zu wispern.

    “Der Baum ist doch tot”, sagte plötzlich ein Junge zwei Plätze neben ihr, ein älterer Junge auf dem Weg zum Mann in feinen Kleidern und einem warmen Mantel.

    “Genau, wie soll uns ein Baum dabei helfen, Magier zu werden?”, fragte das Mädchen zu Nios Linker, die in schlichtes, aber dickes Tuch gekleidet war.

    Mit ausdruckslosem Gesicht blickte der Mann auf sie herab. Dann schüttelte er den Kopf. “Ihr könnt gehen. Ihr seid nicht berufen. Das Winterherz spricht nicht zu euch.”

    Nio verstand nicht, was die beiden gemeint hatten. Während sich die Ausgemusterten erhoben und den Schnee von den Beinen klopften, blickte sie noch einmal zum Baum hinüber. Nein, er war nicht tot. Noch immer trug er Blüten und Blätter.

    Schweigend warteten alle, bis die beiden verschwunden waren.

    Dann hob der Magier seine Rechte und streckte sie dem Baum entgegen. Ein sanftes Leuchten begann auf seinen Fingerspitzen zu schimmern und schließlich lösten sich fünf kleine blaue Kristalle aus diesem Leuchten und schwebten sanft den schwarzen Ästen entgegen. Diese glommen ebenfalls auf und fingen an, sich zu regen. Langsam und untermalt vom Knarzen des Holzes umschlangen die Zweige einander zu dicken Säulen, umrankt von den zarten kristallenen Blüten, und formten schließlich ein mannshohes Portal, welches mit eisblauem Schein gefüllt zu sein schien.

    “Hinter diesem Tor wird eure Prüfung beginnen.” Der Magier klang bestimmt und sein kritischer Blick wanderte die fünf Kandidaten entlang. “Seid gewarnt. Wenn ihr diesen Weg einmal beschritten habt, gibt es kein Zurück. Das Winterherz wird eure Seele prüfen. Wer der Prüfung nicht standhält, dessen Magie kehrt zurück in die ureigenste Essenz des Eises und er wird Teil davon werden. Seid ihr dazu bereit?”

    Ein Schauder überlief Nio, obwohl sie nicht begriff, wovon der Alte sprach. Die Essenz des Eises? Das Winterherz?

    Zwei weitere Kinder waren aufgestanden und verließen die Gruppe. Sie wagten es nicht. Nio zögerte. Doch sie hatte nichts zu verlieren. Wenn sie jetzt ging, würde sie nur wieder auf der Straße landen, in den klammen Hinterhöfen schlafen und um ihre Nahrung betteln müssen.

    Die beiden übrigen nickten ebenfalls entschlossen.

    “Ihr werdet nacheinander gehen. Was euch hinter dem Portal erwartet, weiß ich nicht. Es ist immer anders, so wie ihr verschieden seid. Viel Glück!” Der Erzmagier nickte den drei Kindern zu.

    Der ältere Junge wagte es zuerst. Er trat durch das Portal aus schwarzen Ästen und das Licht schluckte ihn. Eine auffordernde Geste später verschwand auch der andere Knabe. Nun war Nio übrig. Zitternd vor Kälte stand sie vor dem Tor. Wieder schien es, als würden die Blätter des Baumes wispern. Es klang nicht bedrohlich, sondern seltsam vertraut. Tief atmete sie durch, dann ging sie los.

    Das Licht streichelte ihr Gesicht mit sanfter Wärme und dann plötzlich trat sie ins Leere und fiel in die Tiefe. Erschrocken schrie sie auf, doch bevor die Angst übermächtig wurde, landete sie wieder auf Grund. Doch nein, es war kein Grund.

    Sie stand auf einem See. Ihre Füße sanken fingerbreit ein. Erstaunt riss sie die Augen auf. Um sie herum erstrahlten auf einem nachtschwarzen Himmel unzählige Sterne, die sich im unbewegten Wasser klar spiegelten. Als Nio an sich herabblickte, erkannte sie ihr eigenes Selbst unter sich im kühlen See, an der Wasseroberfläche verbunden, schwebend in der Unendlichkeit der Sterne um sie herum. Ihr Spiegelbild öffnete den Mund und das Wispern der Blätter erklang durch die Stille dieser Welt.

    Vorsichtig hob Nio einen Fuß, ein Kräuseln lief über das Gesicht unter ihr. Bedächtig wagte sie einen Schritt.

    Der Himmel um sie herum erlosch und es gab nur noch Finsternis. Dann strahlte ein Licht von ihren bloßen Zehen auf, leuchtendes Eis erblühte in der Nacht und kroch von ihr weg, fächerte auf der schwarzen Wasseroberfläche auseinander. und formte einen Weg durch das Dunkel.

    Komm zu mir!”, erklang es aus der Ferne und das Wispern um Nio herum wurde lauter. Gehorsam lief sie los, folgte dem eisigen Pfad. Um sie herum wurde es mit jedem Schrittt heller, die Sterne kamen zurück, gekleidet in das Licht des Eises. Sie führten das Kind zu einer kleinen Insel auf dem Meer aus dunklem Wasser.

    Auf dieser Insel stand ein gigantischer Baum. Seine dicken Wurzeln, die direkt in die schwarzen Fluten wuchsen, waren so dick, wie Nio groß war. Ein Stamm von der Breite eines ganzen Hauses, gekleidet in dicke Rinde, zeugte von den Jahrtausenden, die dieser Baum schon gesehen haben musste. Die Äste, mit Kristallblüten und Silberblättern gesäumt, erstreckten sich über den ganzen Himmel, bedeckt von weiß glitzerndem Schnee. Wispern erfüllte die Luft und wurde immer lauter, je näher Nio kam.

    Barfuß betrat sie die Insel und die weiche, weiße Schneedecke schluckte jeden Laut. Schließlich hatte sie den Baum erreicht und blickte in die schwindelerregend hohe Krone hinauf. Ein sanfter Wind war aufgekommen, strich ihr durch das Haar und ließ die Blätter rascheln.

    Zeig es mir, mein Kind!” Wieder erklang die Stimme, die sie vorhin schon einmal gerufen hatte. Sie klang weder wie ein Mann noch wie eine Frau, weder jung noch alt, nur - weise.

    Zitternd hob Nio die Rechte mit dem Zeichen.

    In der Rinde glomm blassblaues Licht auf, formte glimmende Linien, die exakt das Mal auf der Handfläche widerspiegelten.

    Ein seltsames Gefühl wuchs in Nio, ein vertrautes und bekanntes Gefühl, wie eine ferne Erinnerung. Ohne zu zögern legte sie ihre Hand auf das Licht des Baumes und es wurde stärker, umspülte sie wie mächtige Wogen und ließ alles um sie herum verschwinden. Sie fühlte ein Pulsieren, eine Art Herzschlag, der sie umgab und nach oben zog. Sie schwebte, ihr war nicht mehr kalt, das Licht hüllte sie ein und durch ihren Körper floss Magie, die Kraft der alten Zeit, die Uressenz des Winters.

    “Niemand berührt das Herz des ewigen Eises, ohne selbst zu Eis zu werden. Doch deine Seele liegt klar und rein vor mir. Dir ist es bestimmt, die Magie wieder in die Welt hinauszutragen.”

    Das Licht wurde noch stärker und Nio musste die Augen schließen. Langsam sank sie zurück und spürte wieder Boden unter den Füßen. Als sie aufsah, blickte sie in die erstaunte Miene des Erzmagiers.Wortlos sahen sie einander an.

    Ein Wispern. Es regnete Blüten und Blätter, die umeinander wirbelten, immer heller aufstrahlten und schließlich eine Krone aus Eis formten, welche sich sanft auf Nios Kopf niederließ.

    “Folgt ihr!” Die Stimme verwehte, dann blieb Stille zurück.

    Hallo Zusammen smile.png

    Die Bearbeitungszeit ist abgelaufen und nachdem ich gegen Ende noch 3 Geschichten bekommen habe, ist das hier jetzt auch wirklich ein Wettbewerb udn nicht nur das Verkünden eines Gewinners :D

    Um es nochmal allen ins Gedächtnis zu rufen: das Thema wurde von unserer letzten Gewinnerin Stadtnymphe vorgegeben und lautete:

    Winterherzen


    Die Geschichten werden in willkürlicher Reihenfolge geposted.

    .

    ACHTUNG: Beim Voten

    ist man nicht anonym. Somit wird Schummeln ausgeschlossen. Zudem dürfen

    einmal abgegebene Stimmen nicht mehr verändert werden. Bedenkt das bitte

    bei eurer Stimmenabgabe!

    Das Voting dauert bis 31. Dezember 2020 um 23:59:59 Uhr.

    Viel Spass beim Lesen und Voten! smile.png

    Euer Fantasy-Geschichten Forum

    PS: Sollte etwas fehlen, oder auf andere Weise nicht stimmen, bitte mir möglichst schnell per PN Bescheid sagen!

    So für Tag 6: Götter hab ich (beziehungsweise Etiam und ich) mal etwas völlig verücktes gemacht xD Viel Spaß xD


    Zufrieden beobachtete Bobsol die Menschen, die die letzten Momente der Feiertage genossen. Im Großen und Ganzen waren die Festlichkeiten gut verlaufen. Ruhig und entspannt, so wie er es vorgesehen hatte. Nur wenige hatten gemeint, sich anders verhalten zu müssen. Manchen hatten eine Wanderung unternommen, oder gar Sport getrieben. Einer hatte sogar eine Katze von einem Baum gerettet und …


    „Kannst du vielleicht mal aufhören, mir zu sagen, was ich zu fühlen habe? Und was sollen diese Anführungszeichen?“


    Was? Ich erzähle eine Geschichte! Ich bin der Erzähler und wenn du redest, kriegst du eben Anführungszeichen!


    „Das kann ich selbst erzählen! Ich war schließlich dabei!“


    Aber …


    „Kein Aber! Halt die Klappe und lass mich erzählen!“



    „Danke. Geht doch. Und jetzt lassen wir noch diese Anführungszeichen weg, weil ICH bin jetzt der Erzähler.“ Perfekt. Also seht ihr … ich habe die Menschen beobachtet, weil … übrigens ist es mir vollkommen egal, ob dieser Abzeichen sammelnde Kerl eine Katze von einem Baum holt oder nicht! Was dieser selbsternannte Erzähler sich immer ausdenkt! … Wo war ich? Ah, ja, danke. Ich habe die Menschen beobachtet, weil ich seit Jahrtausenden darauf warte, dass sie ENDLICH diese Ruinen finden UND verstehen, was sie da gefunden haben! Dieser Idiot vor dreihundert Jahren dachte, es wäre eine alte Mühle. Eine Mühle! Unter der Erde! Gut … zugegeben, es war eine Mühle. Aber keine wie er sie sich vorgestellt hat! Diese wurde mit der Technologie der Alten betrieben, seit Jahrtausenden …


    Ach was rede ich. Vor kurzem hat dieser Schauda sie auch gefunden. Habt ihr das mitbekommen? Ja, ich glaube, ihr habt einen Brief gelesen, in dem das erwähnt wurde. Egal. Auf jeden Fall kann es jetzt nicht mehr lange dauern, bis die Menschheit das Geheimnis entdeckt. Vielleicht etwas früher als die Idioten vor ihnen … drei Monate vor der Katastrophe! Pah! Was soll ich da noch groß machen? Irgendwann kann ich auch nicht mehr helfen!


    Aber eins nach dem anderen … Ich hoffe, Schauda kann auch noch etwas damit anfangen, wenn er es ausgegraben hat. Bin ich denn der einzige, der jemals verstanden hat, wie man diese Apparate richtig verwendet? Es kann doch nicht so schwer sein! Ihr hattet zehntausende von Jahren Zeit, euch weiterzuentwickeln und jedes Mal kommen die gleichen … Affen raus! Vielleicht sollte ich das nächste Mal einen Schritt zurück machen und einen Fisch auf die Evolutionsreise schicken. Säugetiere haben bisher immer versagt. Naja, ich gebe euch mal noch eine Chance. Und glaubt nicht, dass ihr es schon geschafft habt, nur weil ich zu euch spreche! Ihr seid in einer ganz anderen Welt und … ach egal. Ihr seid ja doch nur Menschen.


    Zu sehr damit beschäftigt, sich darüber zu streiten, welche Hautfarbe die beste ist um zu erkennen, was wirklich eine Bedrohung ist. Aber ich halte mich raus, bis ihr bewiesen habt, dass ihr eine grobe Idee habt, was ihr da eigentlich ausgebuddelt habt!





    Oh, eine Sache noch: Welcher Vollidiot hat sich den Namen ‚Bobsol‘ für mich ausgedacht? Soll das ein Scherz sein? Wart ihr besoffen als ihr euren Sonnengott benannt habt? Das klingt wie ein Erfrischungsgetränk für Dreijährige! Und warum glauben immer alle, ich wäre ein Sonnengott? Habe ich Strahlen auf der Stirn? Leuchte ich im Dunkeln? Ja, ihr Idioten, ich weiß, dass die Sonne im Dunkeln nicht da ist! Ihr regt mich auf! Sonnengott! Bobsol! Pah!


    Mein Name ist … ach vergesst es. Was rege ich mich eigentlich auf. Bald werdet ihr genauso enden, wie die vor euch und die vor denen … Ich versuche es einfach im nächsten Zyklus nochmal.


    Bis dann, ihr Versager!

    Gefällt mir, was ihr euch alle so ausdenkt :D


    Tag 4: Erbstücke


    Wer immer dies findet, sei gewarnt. Wer immer dies findet, wisse, dass ihr ein grausames Erbe erfahren habt, wie wir einst von den Alten. Die große Katastrophe hat unsere Welt vernichtet, unsere Rasse [unleserlich] getilgt. Nur wenige verbleiben und auch wir werden den endlosen Winter nicht lange überstehen.


    Zu spät [unleserlich], dass die Welt das Übel, das wir nährten nicht akzeptiert. Die große Katastrophe war nur das Ende einer langen Reihe unserer Fehler und [unleserlich].


    Die vielen [unleserlich] und Vorkommnisse hätten uns [unleserlich] sein sollen. Doch wir sind seiner Macht erlegen, haben sein Angebot angenommen und ihm zuviele Opfer gebracht. Bis die Welt die Macht des Übels [unleserlich]. Sie spie Feuer und Flammen, Kontinente sind [unleserlich].


    Wir haben versagt und nun liegt es an euch – jene, die uns folgen –, das Übel und die Katastrophe aufzuhalten. Das ist euer Erbe. Die Pflicht, das Gleichgewicht zwischen dem Übel und der Welt zu bewahren. Das ist euer Verderben.

    • Inschrift auf einer zerbrochenen Steintafel, geborgen von Expeditionsleiter Schauda aus den Ruinen von Gorak Thor

    so für heute hab ich au mal was :D

    Meine und die von Etiam werden aufeinander aufbauen :D


    Der Tag der Sonne

    „Endlich“, murrte er, als er sich in seiner Hängematte niederließ. Seit Wochen hatte er diesem Tag entgegengefiebert: Der Beginn des dreitägigen Sonnenfestes. Für drei wundervolle Tage würde das Leben in der Stadt quasi stillstehen und sich alles nur um Bobsol, den Sonnengott, drehen. Niemand würde sich um Banditen scheren oder einen Krieg führen. Kein Drache würde die Stadt angreifen und kein Assassinenorden den Stadthalter ermorden.

    Er nahm einen tiefen Atemzug und schloss die Augen.

    Es dauerte keine fünf Herzschläge, bis der erste Störenfried seine wohlverdiente Ruhe störte.

    „Sir?“, fragte die hohe Stimme eines Kindes. „Könnt Ihr mir helfen?“

    Genervt seufzte er, regte sich aber nicht. Auch er hatte sich eine Pause verdient!

    „Sir, meine Katze ist auf den Baum geklettert und kommt nicht mehr runter …“, winselte das kleine Mädchen. „Außer Euch kann mir niemand helfen!“

    „Lebt außer mir niemand in der Stadt?“

    „Doch, aber die sind alle beschäftigt!“

    Nun schlug er doch die Augen auf und setzte sich hin. Musternd betrachtete er das kleine Mädchen.

    „Hör zu“, forderte er. „Es ist das höchste Fest des ganzen Jahres. Ich werde meinen Gott nicht kränken, indem ich dieses nicht feiere! Es wird doch noch irgendwen sonst geben, der irgendetwas zustande bringt! Ihr könnt nicht immer alle warten, bis ich zufällig vorbeikomme und eure Probleme löse!“ Missmutig beobachtete er, wie seine Worte dem kleinen Mädchen die Tränen in die Augen trieben und rieb sich über das Gesicht. Vermutlich wollte Bobsol auch nicht, dass er das Kind enttäuschte. Es musste einen Grund haben, dass die Leute so auf seine Hilfe pochten. Er seufzte. „Andererseits …“, begann er, woraufhin das Mädchen die Hände wieder aus ihrem Gesicht nahm und sich voller neuer Hoffnung die Träne von der Wange wischte. „Andererseits sollte am Sonnenfest niemand unglücklich sein …“

    „Genau!“, pflichtete die kleine ihm schniefend bei.

    „Na gut, ich helfe dir“, versprach er und kämpfte sich aus der Hängematte. „Aber erzähl es keinem! Die Orks vor der Stadt und die Trolle in den Bergen können warten, genau wieder Drache da oben!“ Er zeigte eindringlich auf die feuerspeiende Echse, die ihre Kreise am Himmel über der Stadt zog.

    „Versprochen!“, stimmte sie erfreut zu und nahm ihn an der Hand. Bestimmt zog sie ihn zu dem Baum, auf dem ihre Katze sich verirrt hatte.

    Er kletterte den Baum nach oben und während die Katze sein Gesicht zerkratzte, nahm er sich vor, das nächste Sonnenfest in den Bergen zu verbringen.


    Prinzessin Iouna und Halvar müssen unter den Augen ihrer Götter ihre Zukunft gestalten – Götterfantasy voller großer Gefühle


    Seit der schicksalhaften Nacht im Wald, in der Halvar an den Abgrund seiner Gedanken geführt wurde, ist kaum Zeit vergangen. Doch die Götter stehen an seiner Seite, und kurz darauf erfahren er und Iouna ihre wahren Aufgaben. Denn der Tod des Herzogs von Kosse hat schwerwiegende Folgen. Es gilt, einen Krieg zu verhindern – und ein ebensolcher braut sich unterdessen vor den Toren Schwarzbruchs zusammen ...




    Hallo zusammen!
    Unser zweiter Band ist jetzt vorbestellbar!


    (Link zur Leseprobe - wird eingefügt, sobald verfügbar)


    Piper

    Amazon

    Thalia


    uvm