Beiträge von Chaos Rising

    Einen schönen guten Tag Forengemeinde!

    Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

    Novize hat als Sieger des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:


    "Das Geheimnis der alten Mine"


    Ich bin gespannt!




    Einsendeschluss : 08. August 2021

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Juli/August 2021: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png



    LG Chaos :chaos:

    Halöööö
    ich fang einfach direkt mit den Zitaten an :D

    Kapitel 2 - Sira

    Verwirr mich nicht!
    Das ist Kapitel 1! xD Ich hab mich schon gefragt wie ich jetzt schon hinterher sein kann xDD

    Ihr war nie bewusst gewesen, dass einer von ihnen ein ebensolches Mal getragen hatte.

    Das steht mir hier etwas zu pentrant und dominant, als dass es nicht wichtig sein kann :D

    Ich gehe davon aus, dass sie es eben NICHT von ihren "Eltern" hat, sondern die Tochter von iwem Storyrelevantem ist :D

    (falls dem so ist und es eine Überraschung sein soll, würde ich mir alles weitere zu dem Muttermal hier sparen und es einfach bei der Erwähnung der Berührung lassen)

    Auch wenn sie immer prahlten, unabhängig zu sein, arbeiteten sie doch nur für der Regierung.

    "die" :)

    Eine unabhängige Regierungsbehörde :hmm: Was soll da schiefgehen xD

    Das taten sie alles, während sich eine Meute hungriger Krieger über das Essensangebot hermachte, welches genauso Abwechslung bot wie ihre Kleiderwahl: gar keine.

    :rofl:

    Es gibt nichts besseres um die Moral seiner Truppe zu senken als schlechtes Essen :D

    Ein scharfer Pfiff zerschnitt ihre Beobachtungen und sie riss den Kopf herum. Grinsend ging sie auf den Ursprung der Ablenkung zu und musterte ihren langjährigen Freund und Kamerad. Seine strohfarbenen Haare hingen ihm in Fransen im Gesicht, während wachsame Augen in die Welt blickten. Seine finstere Miene wirkte auf Fremde immer bedrohlich. Wie er mit überkreuzten an der Wand lehnte, sah er nicht groß aus. Doch als er sich aufrichtete, um ihr einige Schritte entgegenzukommen, überragte er sämtliche Krieger in diesem Raum. Seine Streitaxt hatte er sich mit einem Gurt auf den Rücken geschnallt. Für sie selber war diese Waffe im Umgang viel zu schwer. Harka konnte damit einhändig umgehen.

    2 Sachen:

    1. Kannst du Harkas Namen denke ich direkt am Anfang verwenden - er ist schließlich bekannt und kein Geheimnis. Also in Richtung "... langjährigen Freund und Kameraden Harka" <- Name genannt, passt :D


    2. Streitäxte sind nicht schwer :D Wie bei Schwertern auch wird das Gewicht einer Waffe oft überschätzt. Streitäxte bewegen sich so bei 0.5 bis 3 Kilo (das sind dann aber schon fast Stangenwaffen), sie sollte auch Sira noch bewegt kriegen :D

    Sie können auch nicht so schwer sein, weil man sonst auch schlicht nicht damit kämpfen könnte :D
    Man muss das Ding immerhin noch schnell genug bewegen können, um zu parieren oder den Schlag abzufangen, wenn er nicht trifft - sonst steht man schutzlos da, was im allegemeinen eher schlecht für die Lebenserwartung ist :D
    Zudem kann man eine Zweihandaxt zwar vom Gewicht her durchaus auch einhändig führen, aber das ist nicht praktikabel. Erstens ist sie durch den langen Schaft unhandlich und dafür auch einfach nicht gebaut und zweitens muss man sie aufgrund der Hebelwirkung dann mittig am Griff nehmen, was einem den größten Vorteil einer Zweihandwaffe nimmt - Reichweite. Dann kann man es auch gleich lassen und eine Einhandaxt und einen Schild nutzen :D
    Ja, ich weiß, das sieht nicht so cool aus, aber ich denke du findest andere Wege uns zu zeigen, wie gut Harka seine Waffe beherrscht :D

    „Die Nachtpatrouillen müssen abgelöst werden. Somit beginnen eure Aufträge.“

    Das klingt jetzt iwie nicht wie eine Nachricht die unbedingt während dem Essen verkündet werden muss :hmm: Also nicht wie ein Notfall oder so, eher nach Routine (wird ja auch so beschrieben dann), daher wieß ich nicht, ob der Zeitpunkt und die Art und Weise des "Vortrags" hier passt :hmm: Da würde ich eher eine "Besprechung" nach dem Essen erwarten, wo die Aufgaben verteilt werden, falls die überhaupt jeden Tag/öfter neu verteilt werden.

    Ansonsten würde ich mir hier den Luxus gönnen und noch ein, zwei Gruppen vor den Beiden nennen, die ihre Aufgaben erhalten. Erstens kannst du so sehr subtil noch Aufgaben der Krieger in die Geschichte einbringen und zweitens ist es weniger hektisch :)


    Auch Sira löffelte den Rest ihre Suppe auf und erhob sich. „Sei nicht so streng mit ihm, er macht doch gute Arbeit“, meinte sie versöhnlich, obwohl sie sich ebenfalls bei Dekals Anblick fragte, wie so jemand die Ausbildung eines Kriegers überhaupt hatte schaffen können.

    Er ist ja immerhin Schreiber! Das kann er doch auch fett xD
    Kann ich mir sehr gut vorstellen, den fetten Dude xD fehlt eig nur noch, dass er nebenher was isst :D




    Soooo ein neuer Anfang also :D
    Ich bin gespannt wo du uns damit hinführst, ich fand den alten direkt auf dem Marktplatz eigentlich sehr gut :hmm: Gibts einen Grund für die Änderung oder einfach nur fürs "flair"?

    Jedenfalls bekommt man schon eine gute Vorstellung von den Kriegern und deren Organisation, das war in der Originalfassung ja ein bisschen anders - aber auch nicht schlimm, man muss ja nicht alles von Anfang an wissen :D


    so, das wars erstmal :D
    Schön weitermachen!

    LG Chaos :chaos:

    Erster!
    Ha, damit habt ihr nicht gerechnet, was? :D (wehe, ich blamiere mich, weil jemand schneller war! Ich bin Mod! Ich kann Beiträge löschen!)


    ehm ...

    ich meine

    Hi :D


    Also, erstmal das wichtigste: Schön, dass es losgeht :D Der Anfang ist dir gut gelungen :)
    Der Prolog baut Spannung auf und ich habe schon ein paar Fragen zu den Beziehungen der Chars untereinander :D Zu den Chars selbst oder dem Plot kann man da jetzt natürlich noch nciht viel sagen, aber das war ja in der ersten Fassung schon gut, also warum sollte es das jetzt nicht mehr sein xD

    Ich vertraue dir :D


    Ich habe auch mal geschaut, was ich in der ersten Fassung zum Prolog gesagt habe, und würde nur einen einzigen meiner damaligen "Meckerpunkte" nochmal anführen :D
    ein paar mehr Beschreibungen wären schön :)
    Wie sieht die Taverne innen aus, was haben die Leute an (das kann auch schon sehr viel über sie verraten), wie sehen sie überhaupt aus ... muss natürlich nciht für jeden ne halbe Seite Beschreibung sein, aber so ein paar Details ... :)


    2 Kleinigkeiten:

    Dies war ihr egal.

    Normalerweise mosere ich an Formulierungen nicht herum, aber hier würde ich ein "Es" statt dem "Dies" nehmen - dann wirkt der Satz weniger ... gewollt?

    Trotzdem ist sie sofort erkannt worden.

    Falsche Zeitform :)
    Entweder "... war sie sofort ..."

    oder "... bin ich sofort ..." und dann kursiv, weil "wörtliche" Gedanken :D


    Alles in allem, gibt es auch wieder einen Chaosdaumen :chaos: :thumbup: :chaos:


    LG Chaos :chaos:

    PS: Ich versuche aktuell zu bleiben xD

    Wenn du das gleiche weiterschreibst, kannst du das gerne hier tun :D
    Musst halt bedenken, dass du die alten Beiträge nicht bearbeiten kannst

    Bei einem anderen Thema bitte auch einen anderen Thread eröffen ^^

    So, nachdem ihr euch öffentlich beschwert, bekommt ihr auch eine öffentliche Antwort, weil wir irgendwie auch nicht einsehen, das immer alles privat zu regeln und dann öffentlich als die Bösen hingestellt zu werden.

    Das Forum-Team hat mich informiert dass englischsprachige Geschichten gegen die Nutzungsbedingungen verstossen und die Geschichte, wenn sie nicht auf Deutsch hier erscheint, aus dem Forum entfernt werden muss, und dass eine Erlaubnis sie hier auf Englisch weiterzuspinnen nicht erteilt werden kann.

    Es steht in den Nutzungsbedingungen, die du akzeptiert hast - wenn du sie vorher nicht gelesen hast ist das nicht unsere Schuld ;)

    Und wenn wir anfangen, Sondergenehmigungen zu erteilen, dann können wir uns die Nutzungsbedingungen auch gleich sparen, weil dann jeder eine Sondergenehmigung für irgendwas möchte. Die Regeln gelten immer für alle gleich (btw. auch für die Mods). Wir haben schon nichts zu den englischsprachigen Geschichten gesagt, die sich schon im Forum befanden - das fällt auch keinem auf, dass wir die auch alle hätten löschen können und es nicht getan haben. (Wäre vermutlich auch keinem aufgefallen, nachdem die Threads alle tot sind)

    Und bevor jetzt einer auf die Idee kommt, das wäre eine Diskussionsgrundlage: Nein, ist es nicht. Die Alternative ist, dass JEDER englische Text verschwindet, nicht dass doch noch der eine jetzt vielleicht dazukommt.

    Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie und warum dem Forum gedient ist wenn eine Geschichte an der (mindestens) zwei Leser interessiert sind hier rausgenommen wird, aber ich mag selbstverstaendlich nicht ohne Erlaubnis gegen die Nutzungsbedingungen verstossen, daher...

    Wir wissen ehrlich gesagt nicht, wie und warum dem Forum gedient ist, einen Text in einer Sprache zu verfassen, der einem Teil der Forennutzer gar nicht zugänglich ist. Wenn jemand einen Text auf einem afrikanischen Dialekt postet, den zufällig ein anderer User im Forum lesen möchte (und kann) würde sich auch keiner beschweren, dass es nicht erlaubt ist. Es ist ein deutsches Forum mit deutschen Texten.

    Und es tut mir leid, das jetzt so "stumpf" zu sagen, aber wenn der Text auf deutsch deiner Meinung nach nicht funktioniert, oder du ihn nicht übersetzen kannst/willst, dann gehört er halt auch einfach nicht in dieses Forum. In einem englischen Forum kommt ja auch keiner auf die Idee, einen deutschen Text zu posten. (Nein, ich möchte kein Gegenbeispiel, ihr wisst, was ich meine)


    Abgesehen davon: Nur weil die Geschichte zwei Leute interessiert, heißt das nicht, dass diese zwei Leute sie nicht lieber auf deutsch lesen würde - zumal du ohnehin angeboten hast, sie zu übersetzen.

    Nebenbei bemerkt, hätten wir den Thread auch einfach mit dem Verweis auf die Nutzungsbedingungen löschen können - ohne Diskussion.

    Diese Regel finde ich, ehrlich gesagt, auch etwas seltsam. Ich habe zwar kein gesteigertes Interesse Geschichten auf Englisch zu lesen, da mir Deutsch eigentlich ausreicht (Ich lese allerdings schon Bücher im englischen Original). Aber wenn es Leuten Spaß macht, Warum nicht? Gibt es die Befürchtung, dass wir jetzt alle nur noch auf Englisch posten?

    Nein, die gibt es nicht. Aber es ist nun mal - wie oben erwähnt - ein deutsches Forum für deutsche Texte und deutsch(sprachige) User

    Also auch kein Elbisch mehr, Klingonisch etc?

    Ihr könnt hier gerne über Fantasysprachen diskutieren etc, von mir aus auch Gedichte schreiben, oder einen Dialog, wie er im Buch vorkommt. Aber wenn jemand eine ganze Geschichte auf elbisch posten würde, würde er genau das gleiche zu hören bekommen ^^ Wenn ein (Groß-)Teil der User den Text nicht lesen kann bzw. versteht ...




    Für die Zukunft würde ich bitten, die Regelauslegung der Moderation zu überlassen und nicht mit verdrehten Tatsachen öffentlich einen Beschwerdepost zu setzen, wo wir als ahnungslose Trottel ohne Plan dastehen.
    Es ist nämlich nicht das erste Mal, dass das passiert, aber ich würde dazu raten, dass es jetzt das letzte Mal war. Unsere Geduld uns als ungerecht hinstellen zu lassen ist auch irgendwann erschöpft. Es muss nicht über jede Entscheidung diskutiert werden, manchmal - besonders wenn es schlicht und ergreifend in den Regeln steht, die man akzeptiert hat - kann man sie auch einfach akzeptieren.

    Wenn ihr euch von unseren Moderationsentscheidungen ungerecht behandelt fühlt dürft ihr das gerne IN DER ENTSPRECHENDEN KONVERSATION kundtun. Wir erklären dann auch gerne noch einmal was und warum. Wir lassen auch mit uns reden und manchmal verstehen auch wir Dinge falsch, aber es gibt keinen Grund solche Diskussionen an die Öffentlichkeit zu zerren in der Hoffnung, wir würden nachgeben, wenn es mehr Leute lesen. Tun wir nicht.

    Die Mühle bei der alten Eiche

    von Novize


    Ich wusste, dass ich am richtigen Ort war, als ich den massiven, hohlen Baumstamm sah, aus dem nur noch wenige dürre Äste hervorragten. Bei der toten Eiche wäre wohl ein treffenderer Name gewesen. Der bizarr geformte Baum war ähnlich heruntergekommen wie die Mühle selbst, deren morsche Bretter heftig unter dem kräftigen Herbstwind ächzten. Die Flügel waren so marode, dass ich mich wunderte, wie hier noch gearbeitet werden konnte.

    Unter einigem Kraftaufwand gelang es mir, die stark verbogene Eingangstür des verlassen wirkenden Gebäudes aufzuschieben. Das Geräusch des knarrenden Holzes musste meine Ankunft bereits verkündet haben, denn wenig später erschien eine alte Frau im schummrigen Licht, das die wenigen Fenster in den Raum herein ließen.

    „Hier soll es ein günstiges Zimmer für die Nacht geben“, rief ich ihr zu, während ich mich mühte, die Tür wieder zu schließen, um den unangenehmen Wind auszusperren, der wie zum Protest noch einmal laut aufheulte.

    Die betagte Gastwirtin nickte. „Zwei Taler für die Nacht und einen für die Mahlzeit am Morgen“, antwortete sie mit gleichgültiger Stimme. „Bei Sonnenaufgang seid ihr wieder verschwunden.“ Mit gebeugtem Gang bewegte sie sich hinter einen kleinen Tresen, ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen. „Maria zeigt euch das Zimmer. Das wären dann drei Taler.“

    Ich hätte mir ein wärmeres Willkommen vorstellen können. Aber bei diesem Preis konnte ich mich kaum beschweren. Während ich die Münzen aus meinem Lederbeutel hervorkramte, trat ich näher an den Tresen heran. „Ich bin auf dem Weg ins Dorf. In der Schenke soll es einen Mord an einem Dienstmädchen gegeben haben“, versuchte ich die Stimmung durch ein Gespräch zu lockern. „Mein Auftrag ist es, den Verdächtigen zu vernehmen.“

    Die Gastwirtin blickte kurz zu mir herüber. „Ein ehemaliger Knecht von mir“, fuhr sie mit ausdrucksloser Mine fort.

    „Er hat hier gearbeitet?“ Erstaunt zog ich die Augenbrauen hoch. „Das muss eine schreckliche Nachricht für euch gewesen sein“, antwortete ich betont mitfühlend. „Ich meine – was muss das für ein niederträchtiger Mensch sein, der ein Mädchen mit bloßen Händen erdrosselt. Seid unbesorgt – den werden wir zur Rechenschaft ziehen!“

    Die Frau musterte mich eine Weile kritisch, aber diesmal aufmerksamer. „Ich glaube kaum, dass wir verstehen können, was in ihm vorging und noch weniger, dass wir uns ein Urteil darüber erlauben sollten.“ Sie zögerte eine Weile, bevor sie fortfuhr. „Es liegt nicht in unserer Hand, welche Wege das Böse sich sucht.“

    „Das sehe ich anders!“, antwortete ich bestimmt. Viele Bewohner auf dem Dorf hatten eine seltsame Vorstellung von Moral. „Was unterscheidet uns vom Tier, wenn nicht die Fähigkeit, unsere Triebe unter Kontrolle zu halten? Wer dazu nicht willens ist, dem müssen wir uns entschlossen entgegenstellen!“

    Die alte Frau betrachtete mich noch eine Weile schweigend. „Maria!“, rief sie dann so unvermittelt, dass ich zusammenzuckte. Ein Dienstmädchen erschien, das mich mit einem ähnlich abweisenden Blick empfing.

    „Kommt!“, sagte das Mädchen knapp und begann die Treppenstufen in das Obergeschoss hinauf zu steigen. Ich folgte ihr mit dem Gefühl leichter Verärgerung über die Unhöflichkeit, die man mir hier entgegenbrachte. Das Zimmer, das sie für mich öffnete, war klein und einfach gehalten. Ohne ein weiteres Wort verschwand Maria wieder und ich beschloss sofort schlafen zu gehen, um in der Früh ausgeruht aufbrechen zu können.

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    Als ich mitten in der Nacht aufwachte, hatte ich das merkwürdige Gefühl, nicht allein im Zimmer zu sein. Mir war, als hätte ich ein Wimmern und Stöhnen gehört. In die Dunkelheit hinein lauschend nahm ich das Ächzen des Holzes im immer noch tobenden Wind wahr. Vielleicht war es das, was ich gehört hatte?

    Unruhig wälzte ich mich umher und fand keinen Schlaf. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass jemand mich unentwegt anstarrte. Leicht beschämt richtete ich mich auf, um auf dem Flur nachzusehen - erinnerte es mich doch stark an meine Kindheit, in der ich erst schlafen konnte, wenn ich sicher war, dass sich unter meinem Bett kein Unhold versteckt hatte. Ich öffnete die Tür und lauschte. Durch die Ritzen der Dielen pfiff der Wind in einem hohen, unregelmäßigen Ton. Das musste es gewesen sein. Als ich mich gerade zum Bett drehen wollte, hörte ich einen markerschütternden Schrei aus dem gegenüberliegenden Zimmer, bei dem sich mir die Nackenhaare aufstellten.

    Mit klopfendem Herzen durchschritt ich den dunklen Flur. Kurz meinte ich, einen rötlichen Schimmer durch den Türspalt der anderen Kammer zu erkennen. Ich hielt den Atem an, als ich die Tür einen Spalt weit öffnete und in den Raum spähte. Im fahlen Mondlicht, das durch die Ritzen der Fensterläden fiel, konnte ich erkennen, dass Maria aufrecht auf dem Bett saß. Sie starrte mit weit geöffneten Augen in meine Richtung. Doch es schien, als blickte sie an mir vorbei, ohne mich dabei wahrzunehmen.

    „Verschwinde – garstiges Vieh!“, flüsterte sie, während sie am ganzen Körper zitterte.

    Das leuchtende Weiß ihrer unnatürlich geweiteten Augen ließ mich erschaudern. „Seid Ihr … in Ordnung?“, begann ich mit unsicherer Stimme.

    Etwas veränderte sich in ihrem Gesichtsausdruck. Sie blinzelte kurz und schien mich nun zu erkennen. „Ich … verzeiht, ich meinte nicht euch“, sagte sie mit zitternder Stimme. „Ich meinte ihn – ihn mit den glühenden Augen.“

    Unsicher, wie ich auf diesen Unsinn reagieren sollte, blickte ich zu Boden. „Beruhigt Euch! Ihr habt schlecht geträumt“, murmelte ich schließlich und verließ eilig das Zimmer, ohne eine Antwort abzuwarten. Rasch verriegelte ich die Tür zu meiner Kammer, legte mich aufs Bett und schloss krampfhaft die Augen.

    Es half nicht. Ich spürte, wie meine Arme unter der Decke zitterten und ein grässliches Kribbeln meine Beine empor kletterte. Wieder war es, als hörte ich ein Jammern. Der Sturm, es ist der Sturm. Doch da war immer noch dieses beklemmende Gefühl, beobachtet zu werden. Konnte es Marias Blick sein, den ich fühlte? Starrte sie mich noch immer an – in ihrem Zimmer, auf ihrem Bett sitzend? Da schabte es plötzlich deutlich hörbar an den Fensterläden.

    Ich riss die Augen auf. Wieder meinte ich, einen roten Schimmer durch die Bretter scheinen zu sehen. Mein Magen verkrampfte sich, als ich mich schließlich zwang, aufzustehen und das Fenster ein Stück weit zu öffnen. Als plötzlich ein Schatten ins Innere des Zimmers huschte setzte mein Herz einen Schlag aus.

    Umso größer war die Erleichterung, als ich feststellte, dass es eine kleine Katze war, die hilfesuchend wimmernd in meine Richtung schaute. Ich schloss rasch das Fenster – fast als würde ich dort draußen doch noch eine Gefahr vermuten - und streichelte das arme, durchgefrorene Tier. Ich genoss, wie es sein flauschiges schwarzes Fell an meinem Bein rieb. Die Zutraulichkeit des Tieres war wie ein Hoffnungsschimmer an diesem unheimlichen, unwirtlichen Ort. Aufatmend ließ ich mich in mein Bett zurückfallen, fühlte, wie sich die Katze an meinem Fußende zusammen rollte und sich mein Herzschlag langsam beruhigte.

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    Es war lange nach Sonnenaufgang, wie ich etwas verwirrt bemerkte, als ich am nächsten Tag erwachte. Der Wind hatte sich gelegt. Ich musste lang geschlafen haben, fühlte mich aber seltsam ausgelaugt. Widerwillig quälte ich mich aus dem Bett und presste die Hände an meine pochenden Schläfen. Die trockene Luft hatte mir wohl zugesetzt. Hoffentlich hatte mir die Belegschaft etwas zu Essen übrig gelassen.

    Das Knarzen der Treppenstufen verkündete meine Ankunft in der Stube, in der ich zunächst lediglich ein paar leere Schüsseln auf einem Tisch erblickte.

    „Ihr seid spät. Es ist nicht mehr viel übrig“, hörte ich die Stimme der Gastwirtin, die ich erst jetzt hinter dem kleinen Tresen entdeckte. Mit ihrer faltigen Hand deutete sie auf einen Platz mit einem Becher und einer Holzschüssel, in der ein paar Brocken trockenes Brot und ein winziges Stück Käse lagen.

    Ich schnaubte verärgert. War mir die abweisende Art der Frau gestern unhöflich vorgekommen, so schien sie mir heute feindselig. Ohne ein weiteres Wort setzte ich mich an den Tisch und spülte das Brot lustlos mit einem faden Schluck Bier hinunter.

    „Ich werde ihnen ein paar Fragen zu ihrem ehemaligen Knecht stellen müssen“, sagte ich in Richtung der mürrischen Alten. Über die Rauheit in meiner Stimme war ich kurz selbst etwas verwundert.

    Die grauen Augen der Gastwirtin musterten mich eine Weile lang auffällig besorgt. „Es ist besser, wenn ihr euch bald auf den Weg macht. Zum Dorf ist es ein langer Fußmarsch“, entgegnete sie schließlich.

    Was fiel ihr ein, mir zu widersprechen? Meinten diese Leute über dem Gesetz zu stehen? Verärgert knallte ich den leeren Becher auf die schmutzige Tischplatte.

    Maria betrat plötzlich den Raum und senkte beschämt den Blick, als sie mich erspähte. Sofort schauderte mir, als ich an unsere Begegnung vom Abend dachte. Etwas in ihrem Gesichtsausdruck wirkte seltsam abstoßend auf mich. Sie begann schnell das Geschirr abzuräumen und stieß in ihrer Eile einen Becher um, sodass ein Schwall des klebrigen Gesöffs auf meine Hose schwappte.

    „Pass doch auf!“, fauchte ich und versuchte erfolglos das ekelhafte Gebräu von meiner Kleidung zu streichen. Mir lag ein Fluch auf der Zunge, als ich ein angenehmes, bekanntes Gefühl an meinem Fuß spürte und das behagliche Schnurren meines gestrigen Besuchers vernahm. Unvermittelt legte sich ein Lächeln auf meine Lippen und ich kraulte das Tier behutsam.

    Ein entsetzter Schrei ließ mich hochschrecken und ich blickte in Marias hasserfüllte Augen.

    „Verschwinde - garstiges Vieh!“, brüllte das Dienstmädchen und packte die Katze unsanft am Nacken. Fassungslos starrte ich auf das Mädchen, als es das hilflos jammernde Tier durch die offene Tür schleuderte, wo es sich Schutz suchend auf den Boden duckte. Mein Körper verkrampfte sich mitfühlend, als ich sah, wie sie ohne jede Hemmung brutal auf das Kätzchen eintrat.

    Es muss in diesem Moment gewesen sein, als ich jede Kontrolle über meinen Körper verlor. Wie aus weiter Ferne vernahm ich mein eigenes Gebrüll, als ich aufsprang und durch die Tür hinaus auf Maria zu rannte. Vage kann ich mich an den entsetzten Gesichtsausdruck des Mädchens erinnern, als ich es zu Boden stieß und meine Finger fest um ihre Kehle krallte.

    Ich hörte die Katze noch einmal fauchen, bevor sie davon huschte und im Stamm der Eiche Schutz suchte. Aus dem Augenwinkel nahm ich noch wahr, wie die Augen des Tieres rot zu glühen schienen, doch ich war längst nicht mehr Herr meiner Sinne. Immer fester umklammerten meine Hände den Hals des sich hilflos windenden Mädchens. Ihr Gesicht schwoll rot an und ihre geschockten Augen weiteten sich, während in meinem Innern ein unbeschreiblicher Hass wütete und jeden klaren Gedanken verdrängte.

    Es war der fremdartige Anblick meines eigenen Gesichtes, der mich wieder in die Realität zurückholte. Die schwache Spiegelung meiner voller Mordlust bizarr verzerrten Fratze in den Pupillen meines Opfers ließ mich plötzlich erstarren. Maria nutzte geistesgegenwärtig diesen Augenblick, um sich zu befreien und röchelnd zur Seite zu drehen. Wie im Traum nahm ich die alte Frau im Türeingang wahr, die wie gebannt in Richtung der Eiche hinter mir starrte, während ihre Augen ein pulsierendes rötliches Licht reflektierten.

    Doch das abscheulichste, an das ich mich erinnern konnte, war das plötzliche Gefühl eines Blickes in meinem Nacken. Ein Blick, der so viel Macht auf mich ausübte, dass mir fast der Atem versagte. Ein Blick, der so viel Boshaftigkeit innehatte, dass mir die Knie zu versagen drohten. Wie ich viel später verstehen würde, war es ein lebensrettender Instinkt, der mich daran hinderte, mich zur alten Eiche herum zu drehen - der mich stattdessen aufspringen und davon rennen lies, ohne dabei nur ein einziges Mal zurückzuschauen.

    ---

    Es kostet mich jedes Mal einige Überwindung, meinen Schülern diese Geschichte zu erzählen, wenn sie fragen, wie man sich die Schattenwesen vorzustellen hat. Sie können nicht begreifen, dass der einfältige Mann in der Mühle und der ehrwürdige Meister vor Ihnen ein und dieselbe Person sind. Aber nur wenn sie das begreifen kann meine Überheblichkeit von damals vielleicht noch zu ihrer Weisheit von heute beitragen. Und vielleicht handeln sie eines Tages besonnener, wenn sie ihrer eigenen Mühle bei der alten Eiche begegnen.

    „Ahtze“

    von Kamar


    Mühsam kämpfte er gegen die Dunkelheit an. Stück für Stück eroberte…

    Gegen was kämpfst du an? Tauchte ein Gedanke auf. Gib doch endlich auf. Gib auf, wie alle vor dir. Dann hat es ein Ende.

    Etwas rasselte wie das Spielzeug eines Kindes. Es dauerte eine Weile, bis er begriff, dass es seine Lungen sind, die dieses Geräusch verursachen. Die Luft in den Minen, kam es ihm, der Staub, der Dreck, die Hitze, die Enge, in der es nur Kinder hinein schafften. Er versuchte, sich an die anderen zu erinnern. Waren es achtzehn oder zwanzig? Ihre Namen? Wie hießen sie? Aber da war nichts mehr, nichts. Sie waren verschwunden, vergessen, endgültig.

    Er öffnete die Augen. Es war schon dunkel. Nur schemenhaft, erkannte er den Ausgang der Höhle und das Gitter, das ihm die Freiheit verwehrte. Dann hatte er das Abendmahl verpasst. Ein bitteres Lachen entkam seinen Lungen. Er würde bis zum nächsten Abend hungern.

    Was macht das schon aus, du wirst eh sterben.

    Sein Blick wanderte durch die Höhle. In der Mitte, am Stützpfosten hatten sie eine Lampe von einer Kutsche angebracht. Ihr Licht strahlte nur die Wand an, erhellte aber durchs Streulicht einen Teil der Höhle. Ausgemergelte Gestalten in unmöglichen Verrenkungen, lagen oder saßen herum. Da kaum drei Schritte vor ihm, ein Napf. Und es war Essen darin. Er versuchte, sich zu erheben, nur sein Körper, verweigerte selbst die kleinste Bewegung. Langsam, keuchend und mit Schmerzen in jedem Körperteil, kroch er hinüber, schaffte es. Bis ihm seine Nase sagte, das es Erbrochenes war. Der Weg war umsonst.

    Friss oder stirb. Lass es, dann geht es schneller. Folge den anderen.

    Er entschied sich für Ersteres. Schloss die Augen, seine Finger ertasteten die Brocken und steckten sie in den Mund. Der erwartete Würgereiz, blieb aus. Das Zeug schmeckte nach nichts, der Staub der Mine überlagerte alles. Erschöpft lehnte er sich gegen den Futtertrog, des ehemaligen Schweinestalles.

    Ein lautes Knarzen, ließ ihn den Kopf drehen. Das Gitter öffnete sich. Gestalten mit Fackeln, schoben und traten neue Gefangene herein. Lachend verschlossen sie den Weg in die Freiheit.

    Einen Augenblick lang rührte sich nichts mehr, dann erhob sich jemand und hob ein Bündel vom Boden auf. Langsam Schritt für Schritt tastete sie sich vor. Es war eine Frau, wie er am Rock erkannte. Das Bündel entpuppte sich als ein Kind. Er schätzte es auf vier oder fünf Sommer. Der Rock der Frau bestand nur aus herabhängenden Fetzen. Das Oberteil war zerschnitten, sodass blanke Haut durchschimmerte. Ihr Gesicht, die Kleine. Das nicht möglich, Mutter?

    Nein. Er hatte gesehen, wie ein Reiter sie mit dem Schwert niederstreckte. Mitangesehen wie Amira von einer Lanze aufgespießt wurde und sie gut zwei Fuß über dem Boden, an die Bretterwand ihres Hauses genagelt wurde.

    Die Frau setzte sich auf den kalten Fels, lehnte sich an einen Pfosten, der sich etwas oberhalb der Wand befand. Das Kind wimmerte, fing an zu weinen. Mühsam richtete er sich auf. Die Frau sah ihn an, nein, sie mochte ihn ansehen, aber ihr Blick ging in die Unendlichkeit. Sie wippte die Kleine auf und ab. Versuchte sie zu beruhigen.

    Er rutschte auf den Knien zu ihr, kam näher heran, probierte zu lächeln.

    „Amira?“ Entkam es ihm krächzend.

    Nichts, die Kleine weinte, die Frau nahm ihn nicht wahr. Er sah seinen Schatten an der Wand. Erinnerungen tauchten auf. Er setzte sich auf den Boden und hob die Hände. Aber diese wollten nicht so, wie sie sollten. Es dauerte eine Weile, bis er es schaffte, den ersten Schatten eines Vogels zu bilden. Mühsam und träge flatterte dieser über die Wand. Das Mädchen sah hin, hörte aber nicht auf zu weinen. Also versuchte er es mit einem Hund, dem die Zunge heraus hing, einer Maus, die über den Boden huschte. Nichts. Bei seiner Schwester hatte das immer geklappt. Jetzt viel ihm nur noch die Katze ein. Es dauerte, bis seine Finger die richtige Form fanden. Das Mädchen hörte auf zu weinen, deutete auf den Schatten.

    „Ahtze?“, entkam es verwundert ihren Lippen, „Ahtze“, jubelte sie leise.

    Jetzt wurde sie munter, hörte auf zu weinen und befreite sich von ihrer Mutter. Sie torkelte zur Wand.

    „Ahtze, Ahtze“, schrie sie, lachte und versuchte, den Schatten zu fangen.

    Eine Weile spielte er mit der Kleinen, die seiner Schwester so ähnlich sah.

    „Danke“, krächzte eine dünne Stimme.

    Er sah die Mutter an. Ein erschöpftes Lächeln, verzogen zu einer Grimasse, ihre Augen aber leuchteten.

    „Wie heißt du?“, kam es ermattet von ihr.

    Ha, jetzt hat sie dich. Wie heißt du? Kannst du dich an deinen Namen erinnern? Genauso wie an den Namen deiner Freunde? Nein, du weißt ihn nicht mehr, gib es zu.

    „Ba…, Be…, Berold“, kam es schwer über seine Lippen.

    „Berold“, jetzt lächelte sie, „Bewahrer des Lichtes.“

    Fragend sah er in ihre Augen. Was meinte sie damit?

    „Wie alt bist du?“

    „Dies ist mein dreizehnter Sommer.“

    „Ah, ein Sommerkind. Ein Kind der Schatten“, für einen Moment entspannten sich ihre Gesichtszüge, „dann ist nichts verloren. Wir haben dich rechtzeitig gefunden.“

    Was redete sie da? Ihn gefunden? Kind der Schatten? Bewahrer des Lichts?

    „Versprichst du mir etwas?“, riss sie ihn aus seinen Gedanken.

    Er nickte nur.

    „Kümmere dich um meine Tochter, beschütze sie.“

    Ha, du willst jemanden beschützen? Du kannst dich ja selber nicht schützen, wie willst du dann sie… In der Früh treiben sie dich in die Minen. Was ist dann mit ihr? Sie werden sie töten und du kannst es nicht verhindern. Warum versprichst du etwas, das du nicht halten kannst?

    „Ich verspreche es“, sprachs und legte die rechte Hand auf sein Herz.

    Dankbar sah sie ihn an, dann brach ihr Blick. Langsam rutschte ihr Körper zur Seite. Als ihre Wange den Boden berührte, entkam ihr ein letztes Keuchen. Er strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht, sah die kleine Tätowierung unter ihrem Ohr. Den Kopf einer Katze.

    „Mutter?“

    Nein, das konnte nicht sein. Diese Frau sah ihr ähnlich und war doch so anders.

    „Ahtze, Ahtze?“, rief das Mädchen.

    Sie suchte die Katze, wühlte ihm Stroh nach ihr. Er blickte die Frau an, schob die Hand über ihre Stirn und schloss ihre Augen für immer.

    „Ahtze?“

    Er bildete mit den Händen die Katze und tat so, als würde sie neben dem Mädchen, aus dem Stroh erscheinen.

    „Ahtze“, schrie sie auf und klatschte mit beiden Händen auf den Schattenriss.

    Er kroch näher zu ihr heran.

    „Das ist keine Katze“, ein müdes Lächeln glitt über sein Gesicht, „das ist nur der Schatten einer Katze, meiner Hände. Eine Schattenkatze.“

    Fragend sah sie ihn an. Grinste und packte mit der rechten Hand seine Nase.

    „Ahtze“, jubelte sie.

    Er wollte etwas erwidern, schaffte es aber nicht. Genauso wie er sich nicht mehr bewegen konnte.

    „Athze“, flüsterte das Mädchen, in ihren Augen flammte es grünlich auf.

    Aus den Augenwinkeln sah er, dass seine Schattenkatze sich bewegte. Er wurde von der Hand des Mädchens aufgesogen. Ganz so, als würde man ein ausgebreitetes Tuch, in der Mitte packen und hochheben, so sog ihre Hand den Schatten auf. Er kroch über ihren Arm, verdunkelte ihr Gesicht.

    Panik ergriff ihn, da der Schatten über ihren Arm direkt auf ihn zu hielt. Er Erreichte ihre Finger, berührte sein Gesicht…

    “Ahtze“, hauchte das Mädchen.

    Plötzlich viel alle Last von ihm ab. Jede Faser seines Körpers brüllte vor Freude auf. Eine unbändige Kraft durchströmte ihn, wie er es noch nie gefühlt hatte. Der fade Geschmack im Mund verschwand, gierig sog er den Duft der Nacht ein, der so frisch und belebend war.

    Da öffnete jemand das Gitter ihres Gefängnisses. Sein Kopf schnellte herum. Er sah die Wärter und ehe sich ein weiterer Gedanke bildete, sprang er auf sie zu. Dem Ersten riss er mit den Krallen den Brustkorb auf, den Zweiten biss er in die Kehle. Dessen Blut tropfe über seine Lippen. Es schmeckte nach Freiheit.

    Eine sanfte Berührung, er drehte den Kopf. Die Kleine lächelte ihn an.

    „Ahtze“, ein stolzer Blick von ihr, sie kraulte seinen Hals.

    Er sah seinen Körper, staunte. Überzogen von einem glänzenden schwarzen Fell, durchzogen von grauen und weißlichen Flecken. Sein langer Schwanz peitschte durch die Luft. Eine Pranke krallte sich in den Boden. Amira kletterte auf ihn, schmiegte sich an seinen Hals und ihre Hände fuhren in seine Mähne.

    Mit langen Sätzen sprintete er hinaus in die Dunkelheit, in die Freiheit.

    Der Wind trieb einen Umriss von seinem Rücken, hauchte ein letztes „Ahtze“.

    Eine Silhouette löste sich vom Boden, stieg auf, bis das Licht einer Lampe, sie gänzlich auflöste.

    Ein Schatten der Nacht war geboren. Eine Schattenkatze.

    Nacht des Zorns

    von Stadtnymphe


    Katka wusste, dass sie sich vor den Männern in der Dunkelheit nicht fürchten musste.

    Trotzdem eilte sie geduckt über den Hof, dessen Steine unter ihren Sohlen alte Geheimnisse flüsterten. Laut waren die Stimmen der Vasallen, die durch die Nacht echoten. Hexenjäger. Einer von ihnen trug ein waschechtes Katzenfell um die Schultern, struppige Fellteile. Katka schauderte. Seit über sieben Jahren hatte sie keines dieser Teufelstiere mehr gesehen, und das hatte sie diesen bärtigen Männern zu verdanken.

    »He, Amme!« Wider besseren Wissens geriet Katka aus dem Tritt. Normalerweise machte die Nacht sie unsichtbar, aber der Wein bescherte den Jägern eine losere Zunge und fiebrigere Augen. »Leihst du mir auch mal deinen Busen? Bist ja im Grunde arbeitslos.«

    »Nur, weil du dich wie ein Säugling aufführst, macht dich das nicht zu einem.« Katka zwang sich, die Vasallen des Burgherren zu fixieren. Glücklicherweise folgte nur raues Gelächter.

    Gelächter – und Pferdewiehern.

    Eine Gestalt sprengte in den Burghof, selbst zu dieser späten Stunde von den Torwärtern hineingewinkt, und federte vom Rücken des schweißgebadeten Reittiers. Sekundenlang sah sich der Bote um, hin und her zwischen den betrunkenen Jägern und Katka, die unschlüssig den Schürzensaum zwischen den Fingern drehte. Dann –

    »Du da, Weib! Bring das dem Burgherren, sofort!«

    Katka wartete. Von den lärmenden Vasallen an der zinnengekrönten Mauer kam kein Protest, also trat sie mit gebeugtem Kopf näher. Das Pferd schnaubte, während der Bote ihr einen versiegelten Umschlag in die Hand drückte. Im Schimmer der Feuerschalen erkannte Katka das Wappen des Stadtrats.

    »Herr-«, fing sie an. »Seid Ihr-«

    »Es ist dringend«, fuhr der Bote sie an. »Graf Krysov muss es noch heute Nacht empfangen. Also beeil dich!«

    In einen Knicks versinkend, schluckte Katka ihre Bedenken hinunter. Wenn der Bote jetzt noch auf die Burg Karlštejn hinaufritt, hatte er seine Gründe. Und auch wenn Katka nur die – tatsächlich arbeitslose – Amme war, so hatte Graf Krysov ihr doch immer Freundlichkeit entgegengebracht, seit sie sein einziges Kind in den Armen gewiegt hatte. Selbst dann noch, als diese einzige Tochter mit zwölf blutjungen Jahren von bösartigen Hexenkreaturen aus ihrer Kemenate entführt worden war.

    Der Stadtrat konnte nur wenige Ansinnen haben, die spätnachts geboren wurden. Und die Herrscher der Nacht waren zweifelsohne sie – die Hexen.

    Katka spürte das Flüstern der Nacht, als sie ins Burggebäude hastete.

    Es war ein umständlicher, von Geheimtüren, Wendeltreppchen und hinterhältigen Steinschwellen gespickter Weg bis zum Wohnturm des Grafen, aber Katka hätte ihn selbst mit verbundenen Augen bewältigt. Sie fand sich auch in Abwesenheit von Licht bis hinauf in die schwindelerregenden Höhen des Palas'. Der Brief knisterte unter ihren Fingern. Normalerweise hielt sie sich in den Wirtschaftsgebäuden auf, arbeitete in der Küche und im Saal. Hier oben war die Luft merklich dünner. Die dicken Turmwände erdrückten jeden, der sich die Stufen hinaufwagte.

    Am obersten Treppenabsatz hielt Katka inne.

    Plötzlich wusste sie, dass sie sterben würde. Die Nacht hatte den Tod vorbeigeschickt.

    Da. Im hochgewölbten Turmfenster. Ein Schemen. Katka stellten sich die Nackenhärchen auf, während sie instinktiv zurückwich. Der Schrei, der tödlich gewesen wäre, blieb ihr im Halse stecken.

    Eine Katze. Ein Wesen aus Schatten und finsterer Magie. Aus unverwüstlich gelben Augen starrte sie Katka an. Als wollte sie Katka in Erinnerung rufen, was sie ohnehin bis in jeden Knochen wusste: Katzen bringen Hexen. Wo eine Katze auftaucht, folgt der Tod.

    Katka rannte los.

    Der Flur bis zur Kemenate des Grafen kam ihr endlos vor. Den Brief hatte sie genauso vergessen wie ihren niederen Stand, als sie die intarsiendurchsetzte Eichentür erreichte und dagegenhämmerte. »Graf Krysov!«, rief sie mit sich überschlagender Stimme. »Schnell! Ich habe gerade eine-«

    Ein ohrenbetäubendes Krachen schlug ihr entgegen. Das Türblatt vibrierte.

    Katka zögerte nicht, die Angst ließ sie die Klinke packen. Sie war nicht abgeschlossen. Der Raum dahinter lag in Schwärze gegossen da, ein Windhauch fuhr durch die Stoffbahnen des Himmelbetts. Doch das Gemach schien leer.

    Die Tür zum Nebenzimmer war offen. Stimmen wehten heraus.

    Wie festgezurrt blieb Katka stehen. Der Impuls, ihren Lehnherren zu warnen, erstarb unter einer Kaskade aus Schock und Erkenntnis.

    »Du bist es.« Ein raues Flüstern. Der Graf klang wie ein anderer Mann. »Das kann nicht wahr sein. Jehněda... meine Jehněda?«

    Katka fühlte, wie sie die Hand vor den Mund schlug. Jehněda. Das kleine Mädchen, an ihrer Brust gewiegt. Vor sieben Jahren von Hexen mitgenommen... für tot befunden. Die einzige Tochter des Grafen. Ihr Name war unwirklich. Er war vergangen.

    »Du weißt, warum ich hier bin«, erwiderte eine Frauenstimme. Kein Kind mehr, aber so vertraut. Katka keuchte unterdrückt. Näher, sie musste näher. Ihre Kleine, ihr blonder Wildfang – dort im Nebenzimmer?

    So kalt, sie klang so kalt.

    Dies ist ein Traum, durchpflügte es Katka, während sie zum Türrahmen schlich. Und doch – da war sie. Ihr kleiner Schützling, ehemals so vorlaut, mit schlammigen Rocksäumen, tagelang durch die Wälder streifend. Sie war verschwunden und hatte einer hochgewachsenen Gestalt Platz gemacht, das früher verschmitzte Gesicht von einer schwarzen Kapuze verborgen. Doch es war gar nicht nötig, ihr Gesicht zu lesen. Ihre Finger sprachen Bände. Sie bewegten sich in der Sprache der schwarzen Magie.

    Mit einem Blick erfasste Katka, was in der Kemenate vor sich ging. Offenes Fenster – ein zersplitterter Krug am Boden, der Graf musste ihn im Affekt geworfen haben. Er selbst stand gegen einen Wandvorhang gepresst, wild war seine sonst so gemächliche Miene. Ihm gegenüber – seine vermisste, geliebte Tochter.

    Mit Magie in den Händen.

    »Du bist eine Hexe«, presste Graf Krysov hervor. »Das... das kann nicht wahr sein.«

    Jehněda kehrte Katka den Rücken zu. »Natürlich kann das wahr sein. Meine Mutter war schließlich auch eine.«

    Katka hätte um ein Haar aufgeschrien.

    »Du wusstest das«, fuhr Jehněda unbarmherzig fort, zwischen ihren Händen tanzte eine wabernde Wolke, »und hast sie hinrichten lassen, nicht wahr? Ich war zu klein, um mich zu erinnern, aber meine Schwestern haben mir alles erzählt. Dass ihr das ganze Land nach Hexen durchsucht, du und deine Jäger. Dass ihr Tausende unschuldiger Frauen auf Scheiterhaufen verbrannt habt...«

    »Ich habe es getan...«, flüsterte der Graf und schien in wenigen Sekunden um Jahre zu altern, »um dich zu finden...«

    »Ich bin nicht entführt worden. Meine Schwestern haben mich gerettet. Vor meinem eigenen Vater, der mich sofort getötet hätte, wenn er erkannt hätte, wer ich bin.«

    Dieses Mal war es ein Schluchzen, das Katka mühsam unterdrückte. Die Ewigkeiten, vor denen sie Jehněda in den Armen gewiegt hatte, schrumpften zusammen. Wer war diese furchteinflößende Frau, verschleiert, voll finsterer Kräfte? Wie sollte Katka den Grafen vor einer Hexe beschützen, nur mit einem nutzlosen Stück Papier in der Hand?

    Eine Waffe. Fieberhaft flog ihr Blick durch den Schlafraum. Doch sie entdeckte nichts, was gegen die Kraft einer Hexe nützlich gewesen wäre.

    »Und jetzt... willst du mich töten?«, fragte Krysov mit einem Kratzen in der Stimme. »Deinen Vater? Weil du des Teufels geworden bist?«

    »Weil du ein Mörder bist«, spie Jehněda, mit einer Heftigkeit, die an das kleine Mädchen erinnerte. Katzengleich pirschte sie durch den Raum, auf den Grafen zu. Eine Truhe, die ihr im Weg gestanden hatte, überwand sie mit einem Sprung. »Weil du und deine hirnlosen Henkersknechte unzählige Unschuldige im Fluss ertränkt oder verbrannt habt! Meine Schwestern und mich würdet ihr niemals finden! Unsere Magie ist wertvoll. Sie ist eine heilende Kraft. Und sie kann für Gerechtigkeit sorgen.«

    »Dies ist keine Gerechtigkeit, Jehněda. Hexenwerk ist schwarze Magie. Sie kann nichts Gutes tun.«

    Katka stellte fest, dass ihre nervösen Finger den Brief so sehr umkrampft hatten, dass das Siegel gebrochen war. Wachskrumen tropften. Schwindelnd zog sie den Papierbogen aus dem Umschlag hervor, völlig gewahr, dass sie nicht die Befugnis hatte, einen Brief des Stadtrats zu öffnen. Lesen konnte sie ihn ohnehin nicht. Graf Krysov würde ihn vielleicht auch nie lesen.

    Sollte sie schreien? Hilfe rufen?

    »Hexenzauber retten jeden Tag Leben!«, konterte Jehněda. »Aber in einer Hinsicht hast du Recht, Vater: Heute Nacht wird der Hexenzauber nichts Gutes tun für dich. Sag mir nur noch eines: Wo hast du meine Mutter begraben?«

    »Jehněda ...« Der Graf spähte fieberhaft umher. Aber nichts würde ihm zu Hilfe kommen. Seine Tochter kam näher, geschmeidig, die Hände wie Krallen.

    Keiner von beiden hörte das Rascheln des Briefs. Katka fühlte sich wie eine Steinstatue, die Glieder zu schwer, um sich zu regen. Das knittrige Papier war leer – bis auf eine Zeichnung. Eine Schattenkatze.

    Die Warnung vor dem Tod.

    Katka stürzte zum Fenster, um in den Hof zu schreien.

    Etwas fauchte ihr entgegen. Sie kreischte auf, stürzte rückwärts, etwas Dumpfes krachte schmerzhaft lärmend gegen ihren Hinterkopf. Gelbe Pupillen setzten ihr heimtückisch nach.

    Die Katze im Fenster. Sie war hier. Sie gehörte zu Jehněda.

    Halb besinnungslos rappelte Katka sich hoch – doch etwas lähmte ihre Bewegung. Mit schwerem Atem fasste sie sich an den Nacken. Als sie die Hand herunternahm, war sie triefend rot, Flüssigkeit saugte sich durch den Stoff ihres Ärmels. Im gleichen Moment fühlte Katka, wie eine dunkle Woge sie hinwegnahm und sie wie ein Mehlsack zu Boden fiel.

    Etwas, zittrig wie Schnurrhaare, strich über ihre Wangen.

    Dann – Worte.

    »Katka... Katka, wach auf! Sie hat viel Blut verloren... sie wird sterben, nicht wahr? Die gute Amme...«

    »Meine Amme. Sie war wie eine Mutter für mich... Ich habe sie nie vergessen...« Eine Pause. »Vater – du weißt, dass ich das tun kann...«

    Eine Hand legte sich auf Katkas Schultern. »Ich weiß«, flüsterte der Graf. »Tu es.«

    Und Katka konnte spüren, dass es getan wurde. Wärme durchwälzte sie. Punktierte Sterne tanzten. Nach einer Zeitspanne, die sich wie mehrere Monde anfühlte, gelang es ihr, die verklebten Augen zu öffnen.

    Die Katze war das Erste, das sie sah. Zufrieden schnurrend saß sie auf dem Fenstersims.

    Über Katka knieten der Graf und Jehněda und starrten sich an. Magiedunst webte sich noch immer durchs Zimmer. Als sich ihre Blicke trafen, waren es nicht mehr Jäger und Hexe, nicht länger Mörderin und Opfer. Es waren Tochter und Vater, die stillschweigend die Hände sinken ließen.

    Und Katka gestattete sich ein Lächeln.