Beiträge von Chaos Rising

    So!
    Erster Wettbewerb im neuen Jahr!


    Das Thema kommt diesmal vom letzten Gewinner bigbadwolf

    Es lautet:

    "Das schwarze Kleeblatt"


    viel Spaß :D

    Einsendeschluss : 12. Februar 2023

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Ende 2022: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus etwa 3500 - 10'500 Zeichen bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr könnt per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

    ---------------------------------------

    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


    ---------------------------------------

    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichten ausdenken wink.png



    LG Chaos

    Die Geschichte ist ja ziemlich ohne Innenleben und würde auf diese Weise wohl nie einen normalen Roman ersetzen.

    Ohne jetzt das schriftstellerische Können der KI verteidigen zu wollen (ich bin da schon auch der Meinung, dass Kreativität noch nicht wirklich im Reportoire einer KI ist), muss ich aber schon sagen, dass es auch einem menschlichen Autor nicht leicht fallen würde, mit nur 200 Worten alle klassischen Anforderungen an eine Geschichte zu erzählen :D


    Ich habe es jetzt auch einmal ausprobiert und den Bot gebeten, mir einen Orakelspruch über ein vom Mond gesegnetes Mädchen, das ihren Clan retten wird, auszugeben :D Da die ja ohnehin immer sehr ... offen und wenig spezifisch formuliert sind und selten sagen "Bob wird am 24.11.2023 im Lotto gewinnen" funktioniert das auch sehr gut :D


    nach ein bisschen Feinschliff kam folgender Spruch raus:

    "Ein junges Mädchen, gesegnet durch das Licht des Mondes, soll mit Mut im Herzen vortreten, um ihren Clan vor dem sicheren Untergang zu bewahren, denn sie ist die Verkörperung des gebrochenen Mondes, gezeichnet von den Sternen und geleitet von der Mondgöttin."

    Gefällt mir recht gut und für sowas kann man das denke ich auch ganz gut nutzen - zumindest für die ein oder andere Idee oder Anstoß

    Also.
    Große Werke lese ich in der Annahme, dass der Autor sich das dabei denkt, dass er Dinge schreibt wie er sie schreibt und die Fragen die zu einem bestimmten Zeitpunkt offen sind auch so gewollt sind.
    Das MUSS nicht immer stimmen, aber wenn ich von Anfang an alles hinterfrage etc, dann werde ich wenig Spaß haben beim lesen.


    So.

    Die großen Autoren/Geschichten haben und hier im Forum aber eine Sache voraus - sie sind fertig und veröffentlicht. Dann kann (sollte man zumindest) man davon ausgehen, dass das Werk oft genug korrigiert etc wurde, dass meine Annahme "das wird schon so passen" auch angebracht ist.
    Bei einer ersten/frühen Version hier im Forum ist diese Annahme erfahrungsgemäß nicht immer korrekt, da es eben manchmal vorkommt, dass die ein oder andere Frage auftritt, die NICHT so gewollt war und vielleicht einfach durch unklarheiten im Text zustande kommt. Das ist überhaupt nicht schlimm und ganz normal. Selbst WENN mal etwas hinterfragt wird, zu dem man sich sehr viele Gedanken gemacht hat und genau weiß, warum was wo wie steht - wenn man sich oben geschriebenes vor Augen hält, lassen sich diese Fragen oft erklären. Dinge die in einem "Normalen" (fertigen, ggfs sehr erfolgreichen) Werk mit "joa, klingt komishc, bin gespannt was es damit auf sich hat" führt, können hier eben mit einem "Hä? Verstehe ich nicht, bist du dir sicher, dass du weißt, wo du hinwillst?" werden. WIe gesagt, ganz normal und nicht schlimm.


    Und eine wichtige Sache, die man (du) unterscheiden können muss:
    Stellt der Leser diese Frage, weil sie ihm gerade im Kopf rumgeht und er hofft, sie im Laufe des Textes beantwortet zu bekommen? Oder hat er den Faden verloren und sich quasi im Text "verlaufen"?
    Nicht jede Frage, die ein Leser sich (oder dir hier im Forum) stellt ist schlecht und bedeutet, dass sie sofort beantwortet werden muss.
    Ich nutze das zb. oft um herauszufinden, ob es mir gelingt, die Gedanken und Fragen meiner Leser in die Richtung zu lenken, wo ich sie haben will.

    Nicht jedes Mal, wenn dich jemand fragt, warum ein Charakter so und so handelt, muss diese Frage sofort (ob im Text oder nur in einem KOmmi) beantwortet werden - manchmal ist es nur ein Hinweis darauf, was der Leser sich eben denkt und kann mit einem "das wird im Text noch erklärt" gelöst werden. Wenn die Erklärung im Text dann zu spät kommt, nicht ausreicht oder wasauchimmer ... DANN musst du was ändern. Nicht direkt beim ersten auftreten der Frage.


    Und noch ein Wort zum Umgang mit Kritik:
    Nicht jede Kritik muss zu einem völligen Ändern des Textes führen (sowas in der Art hat Cory Thain auch schon gesagt)
    Ich persönlich mag keinen Ich-Erzähler und keine Präsens Erzählform. Das kann ich auch unter jede Geschichte schreiben, die so geschrieben ist, aber das macht die Geschichte (im allgemeinen) weder schlechter, noch erwarte ich, das das an meine Wünsche angepasst wird. Die Tribute von Panem sind auch eine gute Geschichte, wenn ich den Erzähler und Erzählzeit nicht mag (auch wenn sie mit dem falschen Dude endet!)

    Ich teile für mich jede Kritik die ich bekomme in eine von 3 Kategorien ein:


    1. Geschmackssachen:

    Wie oben geschrieben, Dinge, die der Leser persönlich nicht mag, die ich aber nicht ändern werde :pardon:
    Z.b. wenn bei Narak jemand sagen würde, er findet, dass in jeder Fantasygeschichte Elfen und Zwerge vorkommen müssen - das kann er/sie/es gerne so sehen, aber ich werde es trotzdem nicht machen :D


    2. Ja, aber nein

    Dinge, die prinzipiell ein valider Punkt sind, aber nicht zu dem passen, was ich vorhabe. z.B. Anmerkungen zu Charakteren, die aber eben nicht zu dem passen, wie ich mit dem Char in Zukunft plane.


    3. Berechtigt

    Darunter fallen natürlcih auf jeden Fall Rechtschreibung/Grammatik etc

    aber auch sachen, wenn Leser sagen sie VERSTEHEN etwas nicht. Nicht wenn sie sich eine Frage zu einem Part etc stellen, sondern einen Abschnitt einfach nicht verstehen, wil zu viele Infos (das hast du sehr oft, Meph) ungünstig formuliert oder auch zu wenig infos etc.

    Das können auch ganz kleine Sachen sein, es hat nichts damit zu tun, wie groß oder klein die Anmerkungen sind. Manche Sachen vermerke ich auch nur und lasse sie dennoch erstmal so stehen, weil ich wissen will, ob das Problem sich vielleicht mit Folgekapiteln von alleien löst, andere, die das Kapitel direkt betreffen, mache ich auch direkt.


    Vielleicht hilft das ja jemandem. (und wie gesagt, das ist nur wie ICH es mache. Nicht wie man es machen MUSS)

    LG Chaos :chaos:

    Naja, nach der Veröffentlichung im Internet ist so ein Text würde ich sagen halt leider verbraucht. Aber Du hast da sicher einen besseren Überblick. Welche Bucher, die hier vorab veröffentlicht wurden, wurden den noch von einem Verlag angenommen? Hast Du Beispiele? Ich wäre neugierig. (Ich meine aber kein self-publishing.)

    Ich würde sagen, das ist nicht richtig :D

    Zum einen ist die Leserschaft hier sehr überschaubar, zum anderen haben wir die Möglichkeit, Geschichten, die zu Verlagen gehen sollen nicht mehr zugänglich zu machen.

    Beispiele habe ich mehrere - unter anderem die Geschichte von mir und Jennagon
    Die war auch Jahrelang hier zu lesen (und wurde auch gelesen und kommentiert) und ist jetzt vom PIPER Verlag veröffentlicht worden, ebenso die Geschichte von Rael

    Glaub mir, kein Verlag stört sich daran, dass die Geschichte schon mal in einem Forum zu lesen war und von ein paar Leuten kommentiert wurde.

    Wichtig ist nur, dass er nicht mehr zu finden ist, wenn ein Verlag daran interesse hat, oder ein vorheriger Band veröffentlich ist (Folgebände etc sind dann etwas anderes, dafür haben wir den Betabereich)

    Verzeih meine Unwissenheit, aber wieso ist das keine Veröffentlichung? Es steht ja dann öffentlich zugänglich im Internet und ist somit veröffentlicht, oder? Ich kann ja auch die dort geposteten Beiträge lesen.

    Ja nach der definition "öffentlich zugänglich" ist es natürlich schon veröffentlicht. Wir verstehen hier im allgemeinen "Veröffentlichen" aber im Sinne von "Als Buch mit ISBN Nummer erhältlich" (ob nun in einem Verlag oder Selfpublish).

    Das hier ist primär ein Arbeitsforum, wir machen genau das hier - Arbeit an noch nicht "veröffentlichten" Texten; meist von Leuten, die den Text noch nicht kennen. Genau das was du suchst.

    Wie gesagt, dieser Thread hier ist eigentlich dazu gedacht, Betaleser für fertige Manuskripte von Büchern etc zu finden. Diese sind meist auch (mehr oder weniger) in und mit diesem Forum entstanden und es geht dann darum das Werk noch als ganzes zu lesen.
    Aber wie auch gesagt, du kannst es gerne versuchen, ob sich jemand meldet, ich wollte dir lediglich eine Möglichkeit zeigen, wie du schneller und mehr Feedback bekommst :pardon:

    Danke für den Tipp, aber leider hilft er nicht weiter. Der Sinn von Betalesern ist ja ein Feedback vor der Veröffentlichung zu bekommen, nicht es in einem Forum zu veröffentlichen und dann Feedback zu bekommen. 🤷🏻‍♂️


    Ich verstehe, dass der Wunsch besteht Community lebendig zu halten und zum Kennenlernen und Mitlesen zu animieren. Wir haben selber ein großes Forum, aber ich suche aber, wie im Vorstellungsthread bereits geschrieben Betaleser, die nicht viel von mir wissen und die Geschichte unvoreingenommen lesen.

    Du bekommst ja feedback vor der veröffentlichung - das im Forum ist keine Veröffentlichung. Mal davon abgesehen dass es primär um unvoreingenommenes Feedback geht, das bekommst du ganz genauso, nur erfahrungsgemä0ß mehr und schneller. Die Bereitschaft, etwas zu kommentieren, was im Forum gepostet ist, ist viel höher als sich auf einen Betaleser "deal" einzulassen :pardon:


    Und Leser die nicht viel von dir wissen bekommst du genauso - es sind schließlich die gleichen Leute :hmm:


    Aber mach wie du meinst ^^

    Salomo

    Schön, dass du hergefunden hast :D
    Dieser Thread ist auch grundsätzlich die richtige Anlaufstelle, aber eher für längere Geschichten gedacht - kann man aber natürlich auch für Kurzgeschcihten nutzen.

    Aber vermutlich hast du mehr und schnellere Rückmeldungen, wenn du einfach die Geschichte im Kurzgeschichtenbereich des Forums postest. Das setzt allerdings 10 (sinnvolle) Beiträge voraus, vorzugsweise in Diskussionsthemen oder bei Geschichten von anderen Usern. Erfahrungsgemäß erhöht ein solcher Einsatz auch die Bereitschaft der anderen User, bei dir zu lesen und kommentieren. Wir sind hier recht familiär also kennenlernen ist eine gute Idee :)
    Ist aber nur ein Hinweis, du kannst es auch hier versuchen :D

    Gerechter Lohn für ehrliche Mühen

    von kalkwiese


    Ah, das Drachenei!

    Ich öffnete das Paket auf meinem Küchentisch und hob das Ei sachte aus dem Styropor. Welch eine Schönheit! Diese dunkelgrüne Maserung: die reinste Landkarte voller Flüsse und Wälder. Das Letzte seiner Art ... Und es war all die Opfer, all das Geld und die Entbehrungen wert.

    Dann klingelte es an der Tür – ein penetrantes, schepperndes Sirren, das ich noch nie wirklich leiden konnte. Misstrauisch legte ich meinen Schatz wieder in das rieselige Meer aus Schaumstofffetzen, zog alle Vorhänge zu und drückte auf den Knopf der Gegensprechanlage: „Wer ist da?“

    „Paket für Sie.“

    Die Post war schon da gewesen ... vor nicht einmal zehn Minuten. Diese Raritätenjäger wurden auch immer schludriger, machten sich nicht einmal die Mühe, irgendeinen Akzent der unterbezahlten Paketboten vorzutäuschen. Ich wollte dieser Flitzpiepe gerade sagen, dass sie verschwinden soll, als zwei Schüsse fielen.

    „Wir wissen, dass Sie da drin sind. Öffnen Sie die Tür!“ Eine neue Stimme, diesmal seine Frau.

    Wenn sie den Typen davor schon erschießen musste, warum dann ausgerechnet vor meinem Plattenbau?

    „Hören Sie mich? Öffnen Sie sofort, sonst werden wir unangenehm!“

    Ältester Trick der Welt, in der Mehrzahl zu sprechen, um sich bedrohlicher zu geben. Ich tat das einzig Angebrachte und ging wieder in die Küche zu meinem wunderschönen Drachenei. Ob ich es polieren sollte? Das käme auf Social Media sicher richtig gut! Pff, „unangenehm“, ja klar, sollte die nur reden.

    Im Treppenhaus knallte es mächtig. Dann kam eine kleine Kaskade aus eiligen Schritten die Treppe hinaufgepoltert. Na gut, die Frau machte wohl doch ernst. Ich ging an meine Kommode und wühlte noch in der obersten Schublade, als sie bereits den Schließzylinder meiner Tür knackten.

    Als die Tür aufflog war ich bereit. Gut, für die erste Person hätte es auch eine Ladung Schrot getan, aber ich wollte eben auf Nummer sicher gehen. Die zweite Person ging im Hagel der dritten Patrone zu Boden. Schlimm sahen sie danach aus, man konnte sie nicht mehr richtig identifizieren, aber ich nehme mal an, dass die Frau von der Gegensprechanlage die dritte Person gewesen ist – die, deren Schritte ich gerade den Flur zum Treppenhaus entlang hallen hörte. Zumindest war ihre schulterlange Frisur ein Indiz. Na ja, mit der Flinte kam ich da natürlich nicht weit, aber zum Glück hatte ich meinen Revolver hinten im Hosenbund. Schlechte Angewohnheit, ich weiß. Dafür lag die Olle nach zwei Schüssen.

    Na?

    War jetzt endlich Ruhe?

    Leider nein. Als ich, über die beiden ausblutenden Leichen steigend, wieder meine Wohnung betrat, klingelte mein Handy. Mama. Ich atmete tief durch.

    „Ja, Mama?“

    „Junge, es ist furchtbar! Du musst sofort vorbeikommen!“

    „Ruhig, ruhig. Was ist denn los?“

    „Das Telefon ist kaputt!“

    „Aber – du rufst mich gerade an, Mama. Es funktioniert doch.“ Mich beschlich so ein Verdacht ...

    „Aber nicht mehr lange! Der Akku geht leer, da steht: vierundzwanzig, fünfundzwanzig, sechsundzwanzig ...“

    „Das sind die Sekunden, die zeigen die Gesprächsdauer.“ Vielleicht knurrte sich langsam etwas Zorn in meine Stimme, ich gebe es zu.

    „Gleich ist es kaputt! Tommi, du musst schnell herkommen!“

    „Nein, verdammte Scheiße! Das Telefon ist in Ordnung, du hörst jetzt sofort auf zu jammern und reißt dich zusammen oder du kommst ins Heim!“

    Ohne eine Antwort abzuwarten, legte ich auf.

    Und das war wohl, was mir an diesem Tag am meisten leidtat: dass ich Mama angebrüllt hatte. Die Alte war vielleicht anstrengend, aber wenn ich es mit der Hüfte hätte und langsam dement würde, na ja, vielleicht wäre ich da auch wie ein großes Baby ... Ich nahm mir vor, sie später doch noch zu besuchen.

    Aber so konnte ich nicht einmal meinen Schatz wirklich genießen – das letzte Ei des letzten Drachen, in seiner atemberaubend gemaserten, dunkelgrünen Schale.

    Trotzdem: Es schmeckte köstlich.

    Dracheneier

    von bigbadwolf


    Der Eingang der Höhle wirkte, als hätte er seinem Bewohner nur widerwillig gedient. Die steinernen Wände waren an vielen Stellen von handbreiten Furchen und Rissen durchzogen, herausgebrochene Felsvorsprünge waren wie lästige Kiesel in den Boden gestampft worden und der junge Held konnte seine Furcht nur schwer im Zaum halten. Allein die Vorstellung, wie gigantisch die Zähne und Klauen sein mochten, welche –

    Hübsch hier.

    Die vertraute Stimme in seinem Kopf schien eine gänzlich andere Sichtweise zu haben.

    Das intelligente, magische Schwert an seiner Hüfte, mit welchem er erst vor wenigen Zehntagen schmerzliche Bekanntschaft gemacht hatte, war im gleichen Maße hilf- und lehrreich wie auch lebensgefährlich. Für gewöhnlich stellte sich erst in heiklen Situationen heraus, welcher Aspekt derzeit überwog und der junge Held hatte sich daran gewöhnt, hastig erteilte Anweisungen des Schwertes sofort und widerspruchslos umzusetzen.

    „Und du meinst wirklich, dass ich dieser Aufgabe gewachsen bin?“, fragte er erneut lautlos und schaffte es nicht einmal, das Zittern aus seinen Gedanken zu verbannen.

    Keine Sorge. Mach den Kopf leer, riet das magische Schwert mit fürsorglicher Stimme. Tu einfach, was ich sage.

    Der junge Held musste zugeben, dass diese Strategie ihn bisher stets am Leben erhalten hatte, obwohl die Aufträge der letzten Zehntage seine eigenen Fähigkeiten teils bei Weitem überstiegen hatten. Ebenso war seine Anwesenheit in dieser Drachenhöhle zustande gekommen. Seine Gedanken reisten einige Tage zurück.

    „Er bringe mir die Eier des Thix… Thilax… Thiaxil…“, hatte Fürst Eugen Theribor stotternd versucht einen Auftrag zu erteilen, doch keiner seiner prächtig behangenen Berater hatte Interesse daran gezeigt, den Fürsten aus seinem Silbenmartyrium zu erretten.

    Ich kenne den Namen Thilixantrodyon, war ein leises Grübeln in seinen Gedanken aufgetaucht…

    „Thilixantrodyon, mein Fürst?“, hatte der junge Held sofort die Chance ergriffen, diese hochwohlgeborene Peinlichkeit zu beenden.

    „Natürlich! Was erdreistet Ihr Euch, meine Worte dumm zu wiederholen?“, war dieser sofort aus der Haut gefahren.

    „Sollen wir nicht lieber gehen?“, hatte er mental mit seinem Schwert kommuniziert.

    Kommt gar nicht in Frage. Ich hab seit Äonen keinen Drachen mehr besiegt.

    „Bringt mir die Eier des Drachen! Nun geht mir aus den Augen!“

    Jetzt hör auf, darüber nachzudenken und konzentrier dich!, holte ihn die Stimme in die Gegenwart zurück. Ich habe keine Lust, jahrhundertelang von einem Drachenwanst platt gedrückt zu werden.

    „Musst du dich ständig in meinem Kopf breit machen?“, ärgerte sich der junge Held.

    Hey, ich wohne hier.

    „Aber doch nicht – “, setzte er an, aber schlagartig weitete sich der Durchgang zu einer immensen Höhle, sodass er ehrfürchtig verstummte.

    Da der nur trübes Licht abstrahlende Ring an seinem Finger kaum zehn Fuß vor ihm erhellte, war bislang nichts in Sicht gekommen, was ihm begründete Ehrfurcht hätte abringen können, doch allein die Vorstellung des im Dunklen lauernden Ungetüms ließ den jungen Helden erbeben.

    Merkst du irgendwas?, fragte das Schwert ungerührt.

    „Was meinst du?“, entgegnete er verwirrt. Er lauschte angestrengt, spähte in die undurchdringliche Dunkelheit, seine Nerven zum Zerreißen angespannt.

    Und dann fiel es ihm auf.

    Nichts.

    „Ist er vielleicht auf der Jagd?“, mutmaßte er lautlos.

    Diese Viecher jagen meines Wissens nur alle paar Jahre, selbst die Gefräßigeren nur alle paar Monate, gab die Stimme zu bedenken.

    Mit schier unendlicher Vorsicht wagte sich der junge Held weiter in die Stille hinein. Beinahe hätte er aufgeschrien, als etwas am Rand der Lichtsphäre auftauchte. Minutenlang verharrte er in Schreckensstarre.

    Wenn er dich bemerkt hätte, wärst du längst verdaut.

    Diese unerfreuliche, wenngleich zutreffende Bemerkung seiner Waffe befreite ihn aus seiner Paralyse und er schlich lautlos vorwärts. Voller Unbehagen musste er feststellen, dass die Luft mit jedem Schritt wärmer wurde.

    „Das könnte sein Hinterlauf sein“, dachte der junge Held angsterfüllt, da der Lichtschein nicht einmal genügte, den Bauch des Drachen zu beleuchten.

    Halt! Schau ihn dir genau an!, rief die Stimme plötzlich beunruhigt.

    Von der heftigen Reaktion seiner magischen Waffe wie gelähmt, blieb ihm nichts anderes übrig. Quälend langsam verstrich die Zeit und er rechnete in jedem Augenblick mit einem aus der Dunkelheit zuschnappenden mächtigen Maul oder einem sengenden Feuerstrahl, welcher ihn in glimmende Asche verwandelte.

    Das ist sooo ungerecht!, klagte die Stimme unverhofft.

    „Was denn?“, dachte er irritiert.

    Jetzt beweg dich schon, seufzte das Schwert missmutig, ich gehe mal wieder leer aus… und du vermutlich auch.

    Vollends verwirrt war der verängstigte junge Held gezwungen, auf weitere Erklärungen zu warten.

    Ist dir nicht aufgefallen, dass sich der Fleischberg nicht im Mindesten bewegt und keinerlei Geräusch von sich gibt?, belehrte es ihn ungeduldig.

    „Oh!“, entfuhr es ihm und er zuckte zusammen als er seine Stimme durch die gigantische Höhle hallen hörte.

    Na los! Wir haben die Spielverderber wohl knapp verpasst und wenn du mal wieder Glück hast, haben sie nur das Gold mitgenommen.

    Etwas weniger vorsichtig umrundete der junge Held den auf der Seite liegenden, frischen Drachenkadaver, musste jedoch feststellen, dass nirgends auch nur ein einziges Drachenei zu finden war. Ehrfürchtig glitt sein Blick die Umrisse des stachelbewehrten Drachenschwanzes entlang, welcher wie zum tödlichen Schlag erhoben dalag. Viele Schuppen waren gesplittert, das rote, von Waffen aller Art malträtierte Fleisch an vielen Stellen freigelegt.

    Das ist ja gar kein Weibchen!, rief die Stimme überrascht.

    Auch dem jungen Helden fiel plötzlich auf, wo er da gerade hinsah und er wandte den Blick ab. In seinem Kopf jedoch regte sich ein Optimismus, welcher nicht der seine war.

    Hey, wir sollen doch Dracheneier mitbringen.

    „Ja? Und was…? DAS IST NICHT DEIN ERNST!“

    Jetzt mach schon. Du bist jung und brauchst das Geld!