Beiträge von Chaos Rising

    Wäre es nicht andersrum irgendwie sinnvoller? :hmm:
    Dass die Zeichner, die sich beteiligen wollen, sagen, was sie für eine Idee hätten? Und dann stimmen wir über die Ideen ab?
    (Oder über die fertigen, falls soviel Muse vorhanden sein sollte, dass jeder seine Idee einfach mal macht xD)

    Ich bin zwar kein Zeichner, aber ich stelle es mir relativ schwierig vor, die Vorstellungen von anderen umzusetzen xD

    Kesselreaktion

    von Kiddel Fee


    Gwendolin hatte die Nase gestrichen voll. Schlimm genug, dass sie trotz ihres Ruhestandes gezwungen war, am Hexeninstitut Sommerkurse zu geben, um ihre schmale Rente aufzubessern. Als Bonus hatte sie scheinbar auch noch die absolute Versagerklasse zugewiesen bekommen.

    Die alte Hexe rümpfte ihre vom Alter nach unten gekrümmte Nase und schnaubte verächtlich, während ihre knotigen Finger an den Buchrücken verstaubter Wälzer entlang glitten. Nicht, dass sie diese Bücher nötig gehabt hätte. All das Wissen dieser Werke war längst in ihrem Kopf gespeichert, erworben in harten Jahren der Ausbildung zur Hexe und während des Praktizierens verfeinert. Aber diese fünf Novizinnen, die man ihr aufs Auge gedrückt hatte, würden jede nur mögliche Stütze brauchen, um die Abschlussprüfungen zu bestehen.Sie waren nicht völlig unfähig, beileibe nicht, immerhin wiesen sie fünfhundert Jahre hexerische Familientradition vor. Trotzdem schien keine dieser blassen Bohnenstangen auch nur ansatzweise geeignet, eine richtige Hexe zu werden. Ihnen fehlte jeder Schneid, jemanden einen Fluch aufzuhalsen oder zu vergiften. Sie waren zu empfindlich, wenn es darum ging, Rattenhirn zu schneiden und Drachenspeichel mit dem Messbecher abzumessen. Die einfachsten Zaubersprüche verursachten, aus ihren Mündern kommend, die haarsträubendsten Katastrophen, einfach weil sie die Worte falsch aussprachen oder durcheinander brachten. Zornig rieb sich Gwendolin eine Stelle hinter dem linken Ohr, knapp unter der breiten Krempe ihres verschlissenen Hutes, wo sie eine fehlgegangene Beschwörung mehrere Büschel Haare gekostet hatte. Soviel Inkompetenz auf einem Haufen war schlichtweg gemeingefährlich und sie freute sich schon auf den Triumphtrank, den sich sich heute abend gönnen würde, sobald sie diese Stümperinnen ein für allemal losgeworden war.

    Die fünf Tränke, die Gwendolin für die Prüfung ausgewählt hatte, galten als derart simpel, dass selbst ihre Schützlinge diese ohne Probleme würden zubereiten können. Und tatsächlich, zwei Stunden später war der Raum erfüllt von bunten Dämpfen und interessanten Gerüchen. Bei ihren Kontrollgängen stellte Gwendolin erstaunt fest, dass in den kleinen Kesseln auf den Tischen wirklich die geforderten Substanzen zu blubbern schienen. Die Mädchen, alle derart fade Geschöpfe, dass die Alte ihnen einfach Nummern verpasst hatte, anstatt sich die Namen zu merken, waren heute außergewöhnlich aufmerksam und konzentriert, maßen mit Bedacht ihre Zutaten ab und arbeiteten rasch.

    Hinterher dachte Gwendolin, dass sie es hätte besser wissen müssen.

    Mit kritischem Blick beugte sie sich über den Kessel von Schülerin Nummer 1, die im Prüfungslotto den Sternensirup gezogen hatte. Es war weniger ein Zaubertrank als mehr Freude fürs Auge. Die dickflüssige Masse im Kessel schillerte in verschiedenen Blau - und Violetttönen und silberne Sprenkel durchzogen die wabernde Suppe, die aussah wie der Nachthimmel.

    “Bemerkenswert”, äußerte sie, obwohl diese Beschreibung sicherlich absolut übertrieben war. Doch Schülerin 1, außer sich über das unverhoffte Lob, stieß ein Jauchzen aus und dabei die Flasche Geckogalle um. Die gelbe Flüssigkeit ergoss sich über den Tisch und ließ das Feuer unter dem kleinen Kessel spontan hellgrün und heiß auflodern. Anscheinend bekam dem Sirup die Hitze nur bedingt, jedenfalls kochte der Trank, blaue Blasen spuckend über, fing Feuer und setzte den gesamten Arbeitsplatz in Brand.

    Nummer 1 sprang entsetzt zurück und stieß dabei gegen Nummer 2 , die zur Seite stolperte und dabei ihren Kessel umriss. Die Lyse-Lösung ätzte sich in atemberaubenden Tempo durch die hölzerne Tischplatte und setzte beim Eintreffen auf dem Fußboden ihr Zerstörungswerk umgehend an den ledernen Spitzenschuhen der Hexenanwärterinnen 1, 3 und 5 fort. Panisch hin und her hüpfend, streiften diese am gegenüberliegenden Arbeitsplatz den nächsten Kessel, der unglücklicherweise wirksames Wandelwasser enthielt.

    Gwendolins Warnruf verhallte wirkungslos, das Wandelwasser erwischte zwei der Mädchen und verzauberte sie. Ironischerweise wurde Nummer 2, die Zarteste der Gruppe, dabei ein zentnerschweres Wildschwein, während Nummer 4 plötzlich zum Stinktier mutierte.

    Beide Tiere versetzte der Anblick des brennenden ersten Tisches in helle Panik. Das Stinktier sprang schrill kreischend auf den Kopf der nächstbesten Schülerin, krallte sich in deren Haare und verspritzte sein Sekret in alle Richtungen. Das Wildschwein, völlig kopflos vor Angst, kollidierte mit mehreren Tischen, bevor der vierte Kessel zu Fall kam und wie ein Helm auf dem Wildschweinkopf landete. Das darin kochende Erstarrungselixier bremste das Tier zwar abrupt, ließ es aber gleichzeitig auch zu Stein werden und formte aus Schwein und Topf eine Skulptur ähnlich einem besonders hässlichen Wasserspeier.

    Derweil rotierte das Stinktier weiter, seine Duftnote vermischte sich mit dem Gestank des brennenden Sternensirups, während gleichzeitig alle versuchten, der auf dem Boden zischenden Lyse-Lösung zu entkommen und dabei panisch schrieen.

    Am lautesten aber schrie Gwendolin, sie schrie vor Zorn. Energisch packte sie den Henkel von Kessel Nummer 5 , schwang diesen über dem Kopf wie einen Morgenstern und schleuderte dessen Inhalt durch den ganzen Raum.

    Die Blümchenboullion tat ihre Wirkung erstaunlich gut. Nur Sekunden später starrte Gwendolin , bebend vor Wut, auf das, was von ihrem Klassenzimmer übrig geblieben war. Ein Tisch rauchte noch immer vor sich hin, einer hatte sich in Wohlgefallen aufgelöst und zwei weitere waren vom Wildschwein umgeworfen worden. Besagtes Schwein stand noch immer, mit einem steinernen Kessel gekrönt, leblos auf den Hinterhaxen, bedeckt von einer Vielzahl außergewöhnlich hübscher Stiefmütterchen. Dem Mädchen mit dem Stinktier auf dem Kopf wucherten zusätzlich Kletterrosen aus den Ohren. Schülerin 3 schwankte dank der Fesseln aus rotem Weinlaub, das sich entsetzlich mit ihrem natürlich rotem Haar biss. Und die letzte schien sofort eine Allergie auf die überall sprießenden Krokusse zu entwickeln, jedenfalls nieste sie ohne Pause und verteilte die zarten Blüten der auf dem Boden wachsenden Butterblumen im ganzen Raum.

    “Schluss!”, zischte Gwendolin. “Ihr habt bestanden. Geht jetzt! Mir egal, wie, aber geht! Und wenn ihr jemals einer Seele von dieser Prüfung erzählen solltet, werde ich euch finden und jede einzelne dieser Substanzen zu Schlucken geben. Raus jetzt!”

    Binnen Sekunden war der Raum leer, mit Ausnahme des Wildschweins und einer letzten Note Stinktieressenz. Kopfschüttelnd sank Gwendolin auf ihren Stuhl zurück.

    Sie war eindeutig zu alt für diesen Blödsinn.

    Am Feuer

    von Theo-Drecht


    »Kannst du auch bitte mal damit aufhören?«

    Missmutig rührte Elli im Zinnkessel über dem Feuer. Graue faserige Stückchen brachen sich nur widerwillig an dem entrindeten Stock, der heute Nacht zur Suppenkelle herhalten musste. Ein paar Schritte hinter ihr stand Josh, ihr Freund und Wachkamerad, der scheinbar wahllos Messer in in die Dunkelheit außerhalb des Lichtkreises warf. Tatsächlich kündete ein dumpfes thump – thump – thump davon, dass er etwas traf; und nicht nur irgendetwas, sondern den immergleichen verdammten Stumpf, der nach ihrer Rechnung längst in Häckseln über das Moos zerstreut liegen musste. Trotzdem kehrte Josh nach exakt sechs Würfen – so viele Messer besaß er – stets wieder in das Dunkel zurück, ließ sie für einige Momente allein, in denen ihr Herz unwillkürlich höher schlug. Sie hatte sich umgedreht, ihm mit Blicken hinter die schwarzen Äste zu folgen, aber die Suppe ließ sie jeden Moment der Unaufmerksamkeit mit Zischen und Schäumen büßen. Also rührte sie.


    Sie wäre gerne selbst einmal in die Nacht aufgebrochen, wenigstens für ein paar Schritte. Vielleicht würde sie eines der anderen Wachfeuer in den karstigen Bergrücken ausmachen können und einen stillen Gruß entsenden. Erst an diesem Morgen waren sie allesamt aus dem Heerlager aufgebrochen, in munteren Zweiertrupps, die sich die erste Strecke durch die harzigen hohen Wälder der sich langsam aufknitternden Hügel noch mit anderen geteilt hatten. Irgendwann, nach einigem Scheiden und Wiederscheiden waren sie und Josh dann allein geblieben und irgendwann war dann auch der Abend gefallen. Und da hatten sie beschlossen, dass hier, auf diesem Kamm, eben ab heute die Grenze verlief ihres Hoheitsgebiets, denn die eigentliche Grenze war ja, so behaupteten die Offiziere, sowieso schon durch die vorpreschende Kavallerie weit ins Landesinnere des Feindes vorverlegt.


    Für sie war es egal, in welcher Richtung des Flachlandes eigene oder feindliche Bauerngehöfte lagen. Die Bauern schliefen ohnehin, an warmen Herden, in trockenen Daunen, an murmelnden Kindern… Sie warf einen unwägbaren Seitenblick zu Josh. Eigentlich zählte für sie jetzt nur noch der Feuerkreis und der sich fast übergriffig hineinneigende Wald mit seinen düsteren ästeligen Kronen, die von der kleinen lebhaften Flamme des Feuers nicht erreicht wurden. Sie blieben Scherenschnitte vor einem blassen Sternenhimmel.

    Und doch war da irgendwo Unruhe drin. Dumpfes, graues Nachtgetier flatterte saumselig um die Flammen, manches stürzte sich hinein. Hohle Schuhus folgten ihnen aus der Waldkulisse nach. Äste brachen weit hallend irgendwo. Mit dem Sirren und Schmatzen von Joshs Messern mengte es sich hinter ihrer erschöpften Stirn, die zeitweilig von Fettspritzern getroffen wurde, zu einer ungreifbaren Bedrohung, und allezeit das wütende Blubbern der Suppe…


    »Sag mal, du bist sicher, dass das n Kaninchen war?«

    Sie schreckte auf, fiel beinahe von dem Baumstamm, auf dem sie saß. Josh beugte sich neugierig über den Rand des Kessels, der mittels zweier im Boden vergrabener Astgabeln über dem Feuer aufgespannt hing und glühte.

    »Also für mich sieht das eher wie ein Knäuel Eidechsen aus.«

    »Dann geh doch das nächste Mal selber Jagen, wenn dus besser kannst!« fuhr sie ihn an.

    »Bitte –« versetzte er trotzig und wandte sich wieder seinen Zielübungen zu. Sie bereute es augenblicklich. Sie wünschte sich doch, dass er bei ihr blieb, und ihr zuhörte. Sie hatte sich in diese Angstgedanken hineingesteigert und er hatte sie aufgeschreckt…


    Aber weiter tönte der Einschlag der Klingen und sie rührte beklommen im Kessel, mit einer Entschuldigung auf der Zungenspitze spielend… – thump – thump – […] –. ? Ihr Blick flackerte zurück. Wo blieb der dritte Einschlag? War da nicht eben einen Schmerzenslaut gewesen? Unterdrückt, gestöhnt, gezischt – Ihre Soldatenreflexe überschlugen sich und sie ließ den Rührklöppel fallen.

    »Josh!« schrie sie auf. Eine Bewegung im Unterholz! Josh war da draußen – er durfte nicht –

    Ungläubig wanderte ihr Blick nach oben. Vor die düsteren Kronen senkten sich langsam und geziert Strahlen aus den blankem Himmel. Einen Wimpernschlag zu spät realisierte sie, was es war. Dann schlugen die Pfeile mit schrecklichem Zischen und Knurren um sie ein. Auf sie. Das warme Flackern des Feuers brach sich auf ihren schmalen Weidenschäften. Dann steckten sie fest. Sie spürte sich Keuchen. Nass und warm suppte es in ihr Wams, in den Schurz, der zwischen ihre Knie reichte. Funken stieben aus dem Feuer und flogen scheinbar zu weit, viel zu weit –

    Da löste sich ein Gesicht aus dem rotem schummrigen Taumel – Josh – er war blass.

    »Oh Gott, Elli, oh Gott!« stammelte er. Er machte sich unmittelbar an ihrer Schulter zu schaffen, aber was machte er denn, da war doch gar keine Wunde? »Oh Gott, verdammte Scheiße, wir müssen weg!«

    Aber irgendein unfassbar sengender Schmerz hielt sie zurück. Ihrer beider Blicke wanderten zu ihrer Hand, die, absurd, fast gelassen, weiterhin auf den liegenden Stamm aufgestützt war – nur dass jetzt ein gerußter Weidenschaft durch sie hindurchführte, durch gekrampfte Sehnen, die wie Knochen aus der Haut stachen, und sie dort fixierte.

    Kurzerhand legte er seine Rechte um die Fiedern am oberen Ende des Pfeils. »Hier, Elli, schau, nein schau weg, ich zieh jetzt am Pfeil, ja? Und dann brechen wir auf.«


    Was dann folgte, beantwortete sie ihm nur mit einem Wimmern und großen kläglich bittenden Augen.


    »Scheiße!« fuhr er auf. Ein weiterer Pfeil steckte in ihrem Oberschenkel. Sie würde eh nicht laufen können.

    Er griff nach der kleinen Marschtrompete, die bisher unbeachtet an einer Eiche gelehnt hatte. Sie waren immer noch Soldaten, immer noch Grenzer… Er stieß das Notsignal mit brillierenden Oktaven in die Nacht hinaus, wo es zwischen den dunklen schlafenden Bergen widerhallte. Es klang trotz allem prächtig und für einen Moment schöpfte sie Hoffnung, ihre Offizierin könnte mit der ganzen vertrauten Truppe durchs Unterholz brechen und die feigen nächtlichen Angreifer wie Rehwild aus dem Dickicht scheuchen.

    Wie kindisch. Joshs Gesicht hatte alle Farbe verloren. Sicher machte er sich jetzt Gedanken darüber, dass auch der Feind nun wüsste, wo sie waren. Wie weit wohl das nächste Wachfeuer war? Sie hatten es nie gesehen – warum hatten sie nicht Ausschau gehalten?


    Josh setzte sich zu ihr auf den Baumstamm, wobei er seinen langen Parierdolch aus der Scheide am Gürtel zog. Er hielt ihn vor sie wie einen schimmernden Wall, einen Schild, der er nicht war, als könne er sie vor der zweiten Salve Pfeile schützen. Die Dunkelheit schien sich enger zusammenzudrängen um den kleinen, ach so kleinen Feuerkreis.

    Aber Elli fühlte sich müde. Sie schloss die Augen. Und lehnte sich endlich an seine Schulter. Sie roch gut. Leder und Tannenzapfen und Bär.

    »Solln sie ruhig kommen Elli, solln sie ruhig kommen.« murmelte er immer wieder, eine Litanei, die ihr Wiegenlied war.

    »Siehst du was?« flüsterte sie.

    Eine ganze Weile wohl starrte er in den Wald. Die Scheite knackten. »Ich sehe unsere Wachfeuer« kam schließlich zurück. »Sie leuchten noch… Und – und unsere Truppen. Man hört sie weit durch das Land heraufkommen…« All die Zeit hielt er ihre Hand fest. Sie glaubte ihm kein Wort.


    Hinter ihnen, während diesem geflüsterten Wortwechsel, kochte indes schweigend die Suppe über. Ungerührt ergoss sie all die aufgeschwemmten Eidechsenstückchen über die mürbe Zinnkante in das Feuer. Ein kleines Blutrinnsal hatte sich ebenso seinen Weg gesucht, die Borke des Stamms hinab, auf die roten Kohlen, und dort fingen sie an, Suppe und Blut, gemeinsam zu verdampfen. Bald schon würden sie ohnehin aufgehen im weichen, aber schrecklich kalten Morgennebel.

    Und die zweite!


    Vielen Dank den Autoren für dieses Werk


    Es war ein großes Vergnügen, denn dieses Werk begeistert. Allein die Entführung in die Welt der beiden Hauptfiguren, ist den beiden Autoren genial geglückt.

    Es liest sich gut und ist trotzdem anspruchsvoll geschrieben. Meine Fantasie wurde dermaßen strapaziert und aus der Versenkung geholt, wie ich es lange nicht mehr erlebt habe.

    Mit diesem Buch wertet man seinen Bücherschrank definitiv auf. An die beiden Autoren: Euch ist ein absolut lesenswertes Werk gelungen und ich kann die Fortsetzung nicht abwarten.

    (Klick aufs Zitat für die Quelle)

    Unsere erste Rezension ist auch da :panik:

    (Klick aufs Zitat für die Quelle)


    Herbeigesehnt von Göttern sollen zwei Menschen durch Blut vereinen, was durch Blut getrennt wurde. Ein mitreißender Fantasyroman für alle, die lebendige Welten, tiefe Gefühle und erbitterte Machtkämpfe lieben.

    „Dann hört auf, Euch aufzugeben!“ – „Und was soll ich Eurer Meinung nach tun? Einfach gehen?“ – „Ihr könntet mit mir kommen.“

    Halvar, ein Kopfgeldjäger fern seiner Heimat, erhält den Auftrag, eine junge Frau zu finden. Dass es sich dabei um Iouna handelt, die verschwundene Prinzessin der Nordleute, stellt ihn vor weitaus mehr Probleme als eine uralte Fehde zwischen ihren Völkern. Doch auch Iouna erkennt, dass der wortkarge Mann mehr ist als er zu sein scheint.

    Beide suchen ihren Platz in der Welt, ohne zu ahnen, dass sie dabei von ihren Göttern beobachtet werden.



    Autorenvita

    Jennifer Lehr, Jahrgang 1986, schloss 2007 eine Lehre als Friseurin ab. 2014 veröffentlichte sie beim Einbuch Buch- und Literaturverlag Leipzig ihren Sci-Fi Roman "Stranger 2905". Im Moment lebt sie mit ihrer Familie in Weilburg und plant eine Umschulung. Das Schreiben ist eine große Leidenschaft, weshalb sie 2018 auch die Adminrolle in einem Fantasy-Geschichten-Forum übernahm. Derzeit schreibt sie gemeinsam mit Patrick Hahmann als "P.J. Lehmann" in ihrer Freizeit an der "Wiederkehr der Götter"-Reihe.


    Patrick Hahmann wurde 1991 nahe Augsburg geboren und lebt dort noch heute. 2019 machte er seinen Abschluss in Materialwissenschaften an der Universität Augsburg. Schon immer faszinierten ihn fantastische Welten und Geschichten, weshalb er einen Posten als Moderator in einem Fantasy-Geschichten-Forum innehat. Zum Schreiben gelangte er erst 2017, als ihn eine Operation und die damit verbundene Freizeit in ebendieses Forum verschlug. Seither schreibt er gemeinsam mit Jennifer Lehr als "P.J. Lehmann" in seiner Freizeit an der gemeinsamen Reihe.


    P.J. Lehmann ist das Gemeinschaftsprojekt von Jennifer Lehr und Patrick Hahmann, das seinen Anfang in einem Foren-RPG fand. Nachdem dieses beendet war, wurden die Charaktere der beiden Autoren in Form von Iouna und Halvar zu neuem Leben erweckt. Das Projekt „Wiederkehr der Götter“ war geboren! Aus einer geplanten Erzählung wurde schnell eine ganze Welt und eine Geschichte, die sich nicht mehr in einem Buch erzählen ließ. P.J. Lehmann versucht durch gute Recherche sowie mit Hilfe ausgefeilter und glaubwürdiger Charaktere, den Leser in die Handlung zu ziehen und ihn durch diese zu führen.



    Leseprobe (Download Link)


    Erhältlich bei

    Amazon

    Thalia


    Uvm

    Einen schönen guten Tag Forengemeinde!


    Mit dem heutigen Tag startet unser kleiner foreninterner Schreibwettbewerb in die nächste Runde.

    kalkwiesehat als Sieger des letzten Wettbewerbs folgendes Thema vorgegeben:


    "Die Suppe kocht über"


    Ich bin gespannt!



    Einsendeschluss : 12. Juli 2020

    ‡ Die Geschichte muss in Form einer Konversation (PN) (NICHT per E-Mail oder auf meine Pinnwand!) an Chaos Rising geschickt werden. (Betreff: "Schreibwettbewerb Juni/Juli 2020: [Username]")

    ‡ Die Geschichte muss im Fantasy-Genre angesiedelt sein. Dh. Es müssen Elemente der Fantastik darin enthalten sein.

    ‡ Die Geschichte muss einen Titel haben.

    ‡ Die Geschichte muss mindestens aus einer A4-Seite und darf höchstens aus drei A4-Seiten (3500 - 10'500 Zeichen) bestehen.

    ‡ Die Geschichte muss formatiert sein (siehe auch -> Texte richtig formatieren)

    ‡ Die Geschichte darf keine farbige Schrift enthalten.

    ‡ Die Geschichte muss Absätze haben und darf kein reiner Textblock sein.

    ‡ Nur eine Geschichte pro Teilnehmer.

    ‡ Nur deutschsprachige Texte erlaubt, mit Ausnahme von Fremdwörtern, die zum Verlauf der Geschichte passen.

    Der amtierende Gewinner darf nicht am Wettbewerb teilnehmen, da er/sie das Thema vorgibt und sich so einen Vorteil erspielen könnte.

    ‡ Nach Einsendeschluss werden alle Geschichten anonym in einem Thread veröffentlicht und ihr habt einen Monat Zeit, per Umfrage eure Stimme abzugeben. Diese darf nicht an sich selbst vergeben werden.

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    Preise im Wettbewerb:


    Der Sieger:


    ‡ Darf das nächste Thema für den Schreibwettbewerb vorgeben.

    ‡ Wird in die Rangliste eingetragen.

    ‡ Bekommt für zwei Monate einen eigenen Rang und die Sonderrechte eines Super Users.

    ‡ Bekommt eine einzigartige Foren-Trophäe.


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    Wer noch Fragen hat, stellt sie bitte hier im Thread. smile.png

    In diesem Sinne viel Spaß beim Schreibwettbewerb und beim Geschichtenausdenken wink.png

    Euer Fantasy-Geschichten Forum[/align]

    Hallo zusammen,


    da ich mich von meinem Weinmarathon jetzt erholt habe, kann ich ja auflösen :D

    Ich freue mich, dass diesmal 5 Schreiberlinge teilgenommen haben! Ihr könnt jetzt auch bei den jeweiligen Geschichten sehen, von wem sie sind.

    Kommentare zu den Geschichten dürft ihr jetzt in diesem Thread posten :)

    Und gewonnen hat mit 6 von 13 Stimmen (46%) die Geschichte "Das Mondkäsefondue" von


    Herzlichen Glückwunsch!

    Du darfst dich über einen Usertitel und einen Eintrag in die Hall of Fame freuen :D


    Und mir bitte per PN das Thema für den nächsten Wettbewerb mitteilen ;)

    LG Chaos

    Hallo,


    ich geb mal kurz meinen Senf dazu :P

    Was verwirrend ist, ist dies, dass Widerwillen groß geschrieben wird. Daher freu ich mich darüber das du es ansprichst. Weil ich hätte es gerne klein geschrieben, wird aber immer von Menschen mit guter Rechschreibung immer wieder anderes korregiert.

    Es wird korrigiert, weil das Wort "Widerwillen" nunmal groß geschrieben wird :D Aber wie Tariq schon sagte, ist es einfach nicht der Ausdruck, den du brauchst.

    "Widerwillen" ist etwas anderes als "wider Willen". Du brauchst "wider Willen" - "gegen den Willen". Ronja ist eine Heldin gegen ihren Willen, also obwohl sie es nicht will.
    "Heldin Widerwillen" ist auch kein Neologismus oder künstlerische Freiheit, sondern schlicht falsch (und auch sinnlos^^)

    So nun zu meine Frage: Würdet ihr beim Titel diese Art der Autorenfreiheit anwenden?

    Oder schreckt es da schon den Leser ab?
    Weil mein Titel wäre dann viel klarer: Ronja - Heldin widerwillen

    Nein, würde ich nicht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich eine Geschichte, in der der Titel schon falsch geschrieben ist, nicht lesen - geschweige denn kaufen - würde.

    Und sorry - es ist einfach falsch. :pardon:
    Ich hatte als Kind mal ein Buch, das hieß: "Das Buch, das Wissenschaft" - technisch gesehen auch falsch, aber das ist ein Wortspiel aus "Wissenschaft" und "Wissen schaffen". Heute finde ich das cool, aber damals habe ich bestimmt 3 Jahre gebraucht, bis ich das Wortspiel verstanden habe und mich solange gefragt, warum da so ein Kauderwelsch auf dem Cover steht :pardon:

    Daher mal Eure Meinung dazu: Es gibt sowas wie "Eigene Wortschöpfung", es hat einen besondere Bezeichnung, die mir dazu derzeit nicht einfällt. Soll heißen, weil der Autor es ganz bewusst anderes schreibt wie eine Rechtschreibung ect. vorsieht, aber für einen z. B. gereimten Text dann aber nicht passt, kann der Autor es in diesem Fall "Flasch schreiben." So oder so in etwa war die erklärung.

    Eine "eigene Wortneuschöpfung" ist ein Neologismus - trifft aber nicht zu, wenn man ein Wort einfach nur falsch schreibt. Dann ist es falsch geschrieben und kein Stilmittel. Das bezieht sich eher darauf, wenn das neue Wort auch eine neue Bedeutung hat. Wie "verschlimmbessern". (Danke Etiam für das Beispiel :rofl: )

    Das andere was du (vermutlich?) meinst, ist dichterische Freiheit, wenn man ein Wort etwas anders schreiben kann (oder einen technisch gesehen falschen Satzbau verwendet) damit es poetisch ins Versmaß passt. Es klingt dann eben auch poetisch. Aber auch das trifft bei dir nicht zu, da du nicht poetisch schreibst. Daher ist es so, wie es dasteht einfach falsch und die Überlegung ob man es ausbessert stellt sich meiner Meinung nach gar nicht erst.

    Und dass es im Text klar wird, macht es nicht weniger falsch :pardon:


    Ehrlichgesagt höre ich dieses Argument halt auch immer als Ausrede. "Das muss so sein, das ist künstlerische Freiheit". Nein, es ist falsch :rofl: Künstlerische Freiheit ist, wenn man seine mittelalterlichen Chars mit Messer und Gabel essen lässt, weil es einem nicht gefällt, dass sie mit den Fingern essen - oder so. :pardon:

    Solange man keine Poesie schreibt, sollte man die Sprache schon ernst nehmen und richtig machen und nicht darauf verweisen, dass das eine Stil-/Geschmacks-/Sonstwassache ist. Falsch ist falsch und bei wirklichen FEHLERN gibt es imo auch nix zu überlegen oder nachzudenken. Man kann auch einfach mal eine Rechtschreibkorrektur annehmen, ohne darüber zu diskutieren ;)
    Gerade, wenn man sich selbst nicht sicher ist oder da eine Schwäche hat.

    LG Chaos

    Das Mondkäsefondue

    von kalkwiese


    „Was für ein rosiger Morgen!“, streckte sich das klitzekleine Kätzchen und gähnte. Der Sonnenaufgang tauchte den Himmel in Rosa und Orange und das weite Farbenmeer dazwischen. Über der ganzen Weite der Huggeligen Hügel verfing sich das Licht in Grashalmspitzen und Blätterdächern. Verzückt vom Anblick tapste das klitzekleine Kätzchen den Trampelpfad entlang durch den so rosigen Morgen.

    Es dauerte nur marginal müde Minuten, bis es die Katzenklappe erreichte und ins Haus eintrat.

    „Miau!“

    „Oh, guten Morgen kleine Mulle!“, gähnte Dr. Dalia Dunkeldussel am Küchentisch. „Ich hoffe, du hast besser geschlafen als ich.“

    „Guten Morden, Frau Doktor!“ grüßte das klitzekleine Kätzchen und leckte sich das Fell. „Ich habe den ganzen Tag Vögel gejagt. Ich hab gesungen, bin gesprungen, hab mit anderen Kätzchen gerungen, da war ich so müde! Geschlafen hab ich wie ein Stein. Aber Frau Doktor, was hat dich denn wachgehalten?“

    „Oh“, jammerte Dr. Dalia Dunkeldussel, „Ich möchte doch wieder zum Mond fliegen, um Käse für mein weltberühmtes Mondkäsefondue zu ernten. Aber ich habe keinen Treibstoff mehr und es kann keiner geliefert werden, weil die Wirtschaftsriesen gigantische Löcher in die Handelswege getrampelt haben. Schon wieder!“

    „Oh weh!“, klagte das klitzekleine Kätzchen, kuschelte sich an Dr. Dalias Knöchel und ließ sich kraulen. „Können wir nicht selber Treibstoff mixen? Du kannst doch Chemie machen und so!“

    „Das habe ich schon probiert, kleine Miez, aber Raketentreibstoff ist nicht so einfach zu machen. Die Komponenten dafür habe ich nicht zuhause, wir müssten schon …“

    Da wurde die Wissenschaftlerin ganz still und strahlte bald übers ganze mächtig müde Gesicht.

    „Warte kurz“, sagt sie, verschwand geschwind und wie ein flinker Wind kam sie mit dem Legendenlehrenden Lexikon zurück. „… ich habe eine Idee!“

    Eilig schlug sie die Seiten auf und blätterte und schmetterte und blätterte weiter. Währenddessen kletterte das klitzekleine Kätzchen auf den Küchentisch, wohlbedacht, nicht die Kaffeetasse umzuwerfen.

    „Wo ist er denn … Diedrichdrossel … Diels-Alder-Reh-Aktion … Dienstleistungszentaur … HIER!“

    Dr. Dalia Dunkeldussels Finger bohrte sich neben dem Bild einer schuppigen Echse ins Papier.

    „Der Dieseldraco“, las die Miez. „Habitat: Die Brüchigen Berge …“ Nun blieb einzig die Frage, wie man der exotischen Echse den Saft abluchsen konnte, ohne zu knusprigem Hähnchen gegart zu werden.

    Dr. Dunkeldussel machte dem klitzekleinen Kätzchen eine winzige Portion Taubenbrust und stellte ein Eierbecherchen mit Sahne daneben. Während des Frühstücks schmiedeten sie ihren Plan.

    „Ist das wirklich eine gute Idee, den Speichel einfach zu klauen, Frau Doktor? Das ist doch nicht nett“, gab das Kätzchen zu bedenken.

    „Aber aber!“, winkte sie ab, „Der Dieseldraco kann mit seinem Speichel sowieso nichts anfangen, also stehlen wir ihn eigentlich gar nicht. Und was sollen wir sonst tun? Einfach fragen und hoffen, dass der Draco nicht ‚nein‘ sagt? Ich will schließlich Mondkäsefondue essen!“

    Das leuchtete ein! Gestärkt gingen sie in die Werkstatt und Dalia Dunkeldussel warf sich, bewaffnet mit ihrem Werkzeugkasten, auf einen Haufen Ersatzteile. „Ich weiß schon genau, was ich dir für einen Apparat baue, ich habe es direkt vor Augen, das wird toll, du wirst staunen, die Teile müsste ich sogar alle dahaben, holst du mir meinen Kaffee?“ Das klitzekleine Kätzchen betrachtete seine pimpfigen Pfötchen, aber Dr. Dalia Dunkeldussel werkelte schon mit eisernem Eifer und hatte den Kaffee längst vergessen.

    Begeistert bastelten sie bis in die blaue Stunde und noch länger. Entwarfen, verwarfen, bauten auf und ab und hin und her. Noch müde von der letzten Nacht sank Dalia schließlich als erste zwischen den Bauteilen zusammen, schnarchte sanft, den schweren Schraubenschlüssel fest in der Hand. Hundemüde – eben noch mausewach – krabbelte das klitzekleine Kätzchen auf Dr. Dalia Dunkeldussels Rücken und rollte sich zum Reckenschlaf zusammen, dem rasselnden Rhythmus ihres Schnarchens lauschend.

    Am nächsten Morgen – der nicht rosig, sondern mächtig war, und eigentlich auch kein Morgen, sondern ein Mittag, denn Frau Doktor war wirklich müde gewesen – frühstücken sie Käse mit Kräckern. Beides kam nicht vom Mond, schmeckte nach einer Nacht wie dieser aber galaktisch. Sie packten Dalias Rucksack mit Wasser, Broten, Campingausrüstung und Keksen und dem klitzekleines-kätzchen-bedienerfreundlichen Spuckeklau-Apparat. Auf den Gepäckträger kam in einer Plane eingewickeltes Feuerholz. Das Kätzchen machte es sich in Dalias Brusttasche bequem und noch bevor der der mächtige Morgen, der ein Mittag war, endete, radelten sie mit dem rostroten Rennrad fort von den Huggeligen Hügeln, hin zu den Brüchigen Bergen.

    Die Brüchigen Berge waren schief und spitz und karg und krumm. Raue Felsen ragten riesenhaft in den Himmel. Dalia und das Kätzchen fuhren für einige Stunden einen schmalen Weg entlang. Am Himmel zogen Wolken wie nasse Wolle auf, bald fielen dicke Tropfen. Als die beiden die Höhle erreichten, waren sie nass bis auf die Knochen.

    „Also gut, Mieze, wir werden uns noch erkälten. Am besten beeilen wir uns, verschwinden dann ganz schnell nach Hause und legen uns vor den Kamin.“

    „Aber Frau Doktor, vielleicht ist das alles doch keine so gute Idee …“

    „Wenn man Fondue mit Käse vom Mond essen möchte, dann ist das eine wunderbare Idee!“, protestierte Dr. Dalia Dunkeldussel. „Es kommt nur ganz auf die Hingabe und den Willen an und dann kann man alles schaffen!“ Dalia setzte das Kätzchen auf dem Boden, wo es sich das Fell schüttelte, und wühlte in ihrem Rucksack. „Eine Pause müssen wir aber wohl doch machen … Es war schlau, das Holz einzuwickeln. Ich dachte nicht, dass es so bald regnen würde. So klein wie du bist, kannst du dich schonmal in der Höhle umsehen. Der Dieseldraco wird dich nicht mal bemerken. Ich mache uns ein Feuer, dann trocknen und wärmen wir uns.“

    Dem klitzekleinen Kätzchen war nicht wohl bei dem Gedanken, dass der Dieseldraco hier irgendwo war und vielleicht gerade sein Abendessen zubereitete. „Bist du sicher, dass wir auch in der richtigen Höhle sind?“, fragte das Kätzchen kläglich.

    „Ganz sicher“, antwortete Dalia, die gerade das Holz vom Gepäckträger nahm. „Ich habe Schatzsucherforen durchforstet und der Weg ist sehr genau beschrieben, viele haben bereits nach dem Goldschatz in der Höhle gesucht. Nur an der Bestie kam bisher noch keiner vorbei. Außer den Forentrollen natürlich.“

    „Wir wollen aber gar nicht den Schatz! Bestimmt können wir einfach mit dem Draco reden!“

    „Ach“, winkte Dalia ab, „die olle Echse ist Eindringlinge gewöhnt und würde uns wahrscheinlich nicht mal zuhören. Könnte ja alles ein fauler Trick sein. Nein, nein. Wenn wir halten uns an den Plan und gut ist.“ Der Holzhaufen war vorbildlich aufgeschichtet, jetzt ging Dalia an die Glut.

    Missmutig und ohne weitere Widerworte tapste das klitzekleine Kätzchen in die Höhle hinein.

    „Der Dieseldraco hält mich wahrscheinlich bloß für eine Ratte“, dachte es und war trotzdem nicht beruhigt. In der Höhle war es dunkel und obwohl sich klitzekleine Kätzchenaugen schnell daran gewöhnten, hüpfte das Kätzchen von Stein zu Stein, von Versteck zu Versteck, und lugte mit dem klitzekleinen Köpfchen in die Dunkelheit. Bereit, sich wieder Richtung Eingang zu stürzen.

    Die Höhle knackte in der Ferne. Das Kätzchen zuckte zusammen, Pfötchen überm Kopf, und blieb liegen. Als sich nichts tat, raffte es sich wieder auf und tapste leisen Schrittchens weiter. Langsam schwoll da ein Grummeln an, Pfötchen um Pfötchen wurde das rotzige Rasseln wurde lauter, bis der Gang sich in einen breiteren Raum aufweitete. Die Flammenechse lag dort mitten drin, der massige Körper mit dem mächtigen Schwanz reichte einmal durch den ganzen Raum. Ein Durchkommen war unmöglich. Trotz seiner Mühen wusste das klitzekleine Kätzchen nicht, ob es leise war oder nicht, denn das sägende Schnarchen ließ alle anderen Geräusche ertrinken.

    Hunderte Hummeln flogen durch des Kätzchens Bläuchlein, die Unruhe war nicht mehr auszuhalten, da nahm es Reißaus und tipptelte wie von tausenden Taranteln terrorisiert davon.

    „Frau Doktor!“, piepste es, als das Feuer ihres Lagers in Sicht kam. Dr. Dalia Dunkeldussel saß vor dem prasselnden Feuerchen und steckte gerade den Spuckeklau-Apparat zusammen.

    „Du kommst wie gerufen, kleine Miez! Ich habe dir gerade etwas Taubenkeule ins Schälchen gelegt.“ Quietschend wurde eine Mutter festgezogen.

    „Ich habe den Dieseldraco gefunden! Es liegt einfach da und schläft!“

    „Der hat auch den langweiligsten Job der Welt. Ist Türsteher in einer Gegend, in der es selten Besuch gibt … Ich habe übrigens ein kleines Handtuch dabei.“

    Ohne Umschweife rubbelte Dalia das Fell des Kätzchens so trocken wie möglich. Dann setzte es sich ans Feuer und putzte zur Beruhigung gründlich das noch feuchte Fell. Ohne nachzudenken schlang es seine Täubchenkeule herunter und soff Wasser aus einem Eierbecher. Gleich würde es wieder zu dem Ungeheuer in die Tiefe gehen, weder Essen noch Trinken konnten den Gedanken verdrängen.

    Schließlich ließ sich das klitzekleine Kätzchen den hauchdünnen Schlauch mit der Saugspitze umschnallen. Mit einem Klettverschluss konnte er einfach abgelöst werden und ein kleines Gestell erlaubte, ihn zum Absaugen günstig abstellen zu können. Dr. Dunkeldussel hatte sich, beflügelt von der Herausforderung, mit ihrer Ingeneurskunst selbst übertroffen. Der Schlauch war mit einer leisen Pumpe und einem kleinen Tank verbunden, gerade groß genug, um eine Ladung Supertreibstoff für ihre Ein-Frau-Rakete gewinnen zu können.

    Mit mulmigem Magen schlichen sie die Höhle hinab. Das klitzekleine Kätzchen zitterte am ganzen Leib, aber Dalia war entschlossen und ihre Entschlossenheit zerrte das Kätzchen hinter sich her.

    An der Kaverne angekommen positionierte sich Dr. Dunkeldussel am Eingang. Sie hatten Glück, der Draco schlief noch immer und ihm stand halb das mächtige Maul offen. Sie machte das Handzeichen für das Kätzchen, den Schlauch anzubringen. Im Dunkel konnte sie selbst kaum etwas erkennen, das Kätzchen hingegen sah ihre Signale klar und deutlich.

    Das kleine Herzchen pochte und hämmerte mittlerweile lauter in den kleinen Ohren als das Schnarchen der exotischen Flugechse. Das klitzekleine Kätzchen stolperte fast über deine Pfötchen, als es sich ans Maul anschlich und unter dem Gewicht der Vorrichtung auf seinem Rücken auf die Steine kraxelte, die der Draco als Kissen benutzte. Vorsichtig löste es den Klettverschluss … baute mit seinen Pfötchen das kleine, aber schwere Gestell auf … der Dieseldraco hob und senkte die Brust unverändert … so weit, so gut … das Kätzchen schob vorsichtig den Schlauch voran, Millimeter für Millimeter … die Spitze fuhr sachte in den offenen Mund … die Lippen bewegten sich mit der Atmung … der Schlauch legte sich neben die Zunge. Der Draco schlief. Alles unverändert.

    Das klitzekleine Kätzchen atmete auf. Jetzt noch zurück und Dalia das Signal geben. Erleichtert hopste es die Steine hinunter.

    „Was wird das, wenn’s fertig ist?“ Eine tiefe, tonnenschwere Stimme trampelte durch die ganze Höhle – überall gleichzeitig. Das klitzekleine Kätzchen erstarrte und begriff natürlich, dass es der ganz-und-gar-nicht-schlafende Dieseldraco war, der gerade mit ihm sprach.

    „Du … bist wach geworden?“, piepste es.

    „Wach geworden? Du hast doch nicht wirklich geglaubt, dass ich während meiner Schicht einfach einschlafe. Das wäre völlig unprofessionell!“ Die Pranke der Türsteherechse senkte sich über dem Kätzchen. Zwischen zwei kruden Krallen hob der Draco es vor sein Gesicht. „Für einen Schatzräuber bist du aber mal ein Winzling. Wo sind deine Komplizen?“

    „K-komplizen? Ich bin kein Räuber!“, jammerte das klitzekleine Kätzchen.

    „Ist das so? Und was sollte dann der Schlauch? Wolltest du mich betäuben? Oder gar vergiften? Jemand mit guten Absichten steckt keinem, ohne zu fragen, einen Schlauch in den Mund. Wenn ich dich hier und jetzt bestrafe …“, der Draco hob das Kätzchen über sein ledriges Echsenmaul, „… dann trifft es sicher keinen Falschen!“

    „Neineinein!“, quiekte es, „Bitte nicht!“

    „Das hättest du dir vorher überlegen sollen, kleiner Dieb! Ich kann dich jetzt nicht einfach laufen lassen, ich habe einen Ruf zu verlieren! Wenn du irgendwem erzählst, dass ich ein netter, angenehmer Geselle wäre, dann rennen mir die Schatzsucher hier die Bude ein.“ Die Echse öffnete das Maul weiter, als es möglich sein sollte, Dalia kam mit einem schweren Schraubenschlüssel in die Kaverne gestürmt und das klitzekleine Kätzchen schrie: „Wir wollten doch nur Mondkäsefondue kochen!“

    Da hielt der Dieseldraco plötzlich inne und schloss langsam sein Schlund.

    „Mond…käsefondue? Du meinst doch wohl nicht etwa … Dr. Dalia Dunkeldussels weltberühmtes Mondkäsefondue?! Achwas, du nimmst mich doch auf den Arm!“

    „Nein, gar nicht! Wir haben keinen Treibstoff und deine Spucke ist –“

    „Tatsächlich?“

    Dalia erstarrte irritiert und ließ ihren stumpfen Gegenstand sinken. Der lange Schwanz der Echse war längst zum Zuschlagen bereit. Da ließ der Dieseldraco das klitzekleine Kätzchen auf den Boden sinken.

    „Ich sag euch was“, sprach der Dieseldraco gelassen, „Ich helfe euch, aber dafür bekocht ihr mich.“

    „D-das wäre eine gigantische Portion und das nur für dich!“, protestierte Dalia.

    „Na aber!“, hielt die Echse dagegen, „Das ist doch das mindeste dafür, dass ihr mir so dummdreist die Spucke absaugen wolltet!“

    „A-aber …“, meldete sich das klitzekleine Kätzchen, „… was ist mit deinem Ruf? Musst du nicht den bösen Wächter spielen?“

    Der Dieseldraco lachte nur: „Aber doch nicht um jeden Preis!“

    Erneuerung

    von Indigo


    Obwohl es ein sonniger Tag war, drang nur wenig Licht durch die Fenster und tauchte den Salon, den sein Freund Matthew als Arbeitszimmer benutzte in diffuses Dämmerlicht. In den Ecken ballten sich dunkle Schatten zusammen. Ein kleiner rotglühender Punkt zog ihn zum Schreibtisch. Das Kontrolllämpchen am Laptop blinkte im Stand-by-Modus unermüdlich in regelmäßigen Abständen und wartete geduldig darauf, bis ihn endlich jemand wieder zum Leben erweckte. Er musste nicht lange nach dem Startknopf suchen. Surrend wurde das Gerät lebendig und kurz darauf erschien eine Textdatei am Bildschirm. Er scrollte hoch zum Anfang und sah, dass es sich um einen Brief handelte, der an ihn adressiert war.

    „Lieber Connor,

    bitte verzeih, dass ich dir so lange nicht geschrieben und ich mich in den letzten Wochen etwas rar gemacht habe. Inzwischen ist viel passiert. In meinem letzten Brief habe ich dir berichtet, dass es mir endlich gelungen ist, die wunderschöne viktorianische Villa im Norden der Stadt zu erwerben. Wenn ich an den Preis denke, verschlägt es mir jetzt noch den Atem. Aber damals dachte ich, dass es das Wert sei. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob es tatsächlich eine weise Entscheidung war. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht mal warum ich es tat. Als ich vor Wochen das Haus zum ersten Mal sah, zog es mich sofort in seinen Bann. Ich konnte über nichts mehr anderes nachdenken, als dass ich es haben muss. Du hättest es vermutlich eine Bruchbude genannt und gemeint, ich solle die Finger davon lassen. Ich war fasziniert von der großen umlaufenden Veranda, den Ecktürmchen und den verspielten Ornamenten an der Fassade. Obwohl der Garten total verwildert war, verlieh er dem Haus eine romantische Wildheit. Etwas Farbe hie und da, ein paar Renovierungsarbeiten und es würde wieder zu dem Schmuckstück werden, dass es einst war. Es war mir unbegreiflich, wie man ein solches Juwel so vernachlässigen konnte.

    Ich konnte es kaum erwarten, dort einzuziehen. In den ersten Wochen lief alles wunderbar, mit Eifer machte ich mich an die Renovierung und arbeitete jede freie Minute daran. Das Haus wurde mir mitsamt dem Inventar veräußert. Es waren ein paar wirklich außergewöhnliche Stücke dabei. Du wirst es kaum glauben, aber das meiste Mobiliar stammte noch von den ersten Besitzern des Hauses und ist zum Teil über einhundert Jahre alt. Durch den Makler weiß ich, dass das Anwesen bereits durch mehrere Hände gegangen ist, aber anscheinend wollte keiner was an der Einrichtung verändern. Irgendwie merkwürdig und auch etwas schräg. Ich beschloss auch erst mal, alles so zu lassen, wie es war, bis ich mich eingelebt habe und mit der Instandsetzung fertig bin. Was wirklich erwähnenswert ist, ist der riesige Spiegel, der in der Eingangshalle hängt. Er wirkt antik. Mitsamt dem goldenen barocken Rahmen erreicht er eine erstaunliche Höhe von über zwei Metern. Diese Art von Spiegel hätte ich eher in einem Schloss vermutet als in so einem Haus. Ich finde er passt nicht so recht zum Rest der Einrichtung. Vielleicht ein eigenwilliger Versuch von einem Vorgänger eine persönliche Note zu setzen.

    Wie ich schon sagte, war ich ziemlich beschäftigt und die Tage flogen nur so vorbei.

    Ich weiß nicht mehr, wann es mir zum ersten Mal auffiel. Dinge veränderten sich. Am Anfang waren es nur Kleinigkeiten. Gegenstände, die anders standen, als zuvor. Sachen, die ich kürzlich repariert hatte, gingen wieder kaputt. Ja, vermutlich runzelst du gerade die Stirn und sagst, sowas kann passieren und dass ich es vermutlich beim ersten Mal nicht ordentlich gemacht hätte. Ich schwöre dir, dass es nicht so war. Ich wiederholte die Reparaturen und ein paar Tage später, war alles wieder wie zuvor. Zuerst tat ich es als Zufälle ab und versuchte es zu ignorierten, aber irgendwann beschlich mich der Gedankte, ob sich das Haus gegen eine Veränderung wehrte, was natürlich absurd ist.

    Dann begannen die Träume. Zuerst nur gelegentlich, kurze Episoden, doch dann traten sie häufiger auf. Zuletzt passierte es jede Nacht. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr es mich fertig macht. Ich habe das Gefühl, als würde mir sämtliche Energie abgesaugt. Anfänglich konnte ich mich morgens an die Träume nicht mehr erinnern, doch dann wurden sie klarer. Ich stehe in der Halle vor dem Spiegel und höre ein Flüstern. Es scheint aus dem Spiegel zu kommen. Auf einmal greifen Hände heraus und packen mich, wollen mich hineinziehen. Ich wehre mich, kämpfe wie wild. Plötzlich dringen drei dunkle Gestalten in schwarze Gewänder gehüllt aus dem Spiegel und kriechen auf mich zu. Es ist grauenvoll. An diesem Punkt wachte ich meistens schweißgebadet auf. Der Traum wiederholte sich nächtlich in Abwandlungen. Jedes Mal, hatte ich den Eindruck nur mit knapper Not entkommen zu sein. Ich fühle mich immer kraftloser.

    Ich höre mich vermutlich ziemlich irre an. Mein Verstand und meine Ratio scheinen sich stückchenweise zu verabschieden. Ich bin so müde, dass ich nicht mehr klar denken kann. Ich sollte für heute schlafen gehen. Welche Ironie…

    Es wird schlimmer. In den letzten Tagen hörte ich immer wieder Schritte im Haus, ich konnte aber weder eine Person noch eine andere Quelle für die Geräusche ausmachen. Und immer wieder ein Flüstern. Es ist als würde ein Wispern und Raunen das ganze Haus durchdringen. Es kommt aus den Wänden, aus dem Boden, von überall her. Ich kann nicht verstehen was sie sagen. Es fällt mir schwer mich zu konzentrieren, kann kaum einen vernünftigen Satz schreiben. Gestern Abend, als ich durch die Halle ging hätte ich schwören können eine Person im Spiegel zu sehen, doch als ich genauer hinsah, war sie verschwunden. Sicher habe ich mich getäuscht, meine überreizten Nerven spielten mir einen Streich.

    Ich kann nicht mehr schlafen. Mein Kopf schmerzt. Die Farbe, die ich vor zwei Wochen auf der Veranda aufgetragen habe, beginnt wieder abzublättern. Wie ich schon sagte, das Haus mag keine Veränderung. Ich muss was tun, es geht nicht mehr und mir geht langsam der Whiskey aus. Den Single Malt, den du mir letztes Weihnachten geschenkt hast, war ein Lichtbringer. Er ließ mich die letzten Tage durchstehen. Ich werde morgen den Makler anrufen.

    Ich konnte diesen Kerl nicht erreichen, darum bin ich heute ins Stadtarchiv gegangen. Die Archivarin dort wusste erst nicht, was sie mit mir anfangen sollte, sie war wohl kurz versucht mich vor die Tür zu setzen. Ich hätte mich rasieren sollen. Vielleicht waren es auch die Flecken auf meinem Hemd. Als ich ihr von dem Haus erzählte, wurde sie aber schnell hellhörig. Ich bin anscheinend nicht der erste, der danach fragt. Sie erzählte mir, dass das Haus 1907 von einem Alastair Cromwell erbaut wurde. Er genoss einen gewissen Ruf in der Stadt. Die Leute hielten ihn für einen Okkultisten, er würde Séancen in seinem Haus abhalten und mit merkwürdigen Leuten verkehren. Es wurden auch öfters drei Frauen beim Haus beobachtet, aber niemand hatte sie je außerhalb des Grundstückes gesehen. Dann zeigte sie mir mehrere Vermisstenanzeigen von früheren Besitzern des Hauses. Über die Jahrzehnte waren es mehr als 10 Personen. Tot durch Unfall kam dort auch öfters vor, als laut Statistik üblich. Den Rest gab mir jedoch eine alte Fotografie. Das Bild zeigte Cromwell mit drei Frauen bei einer spiritistischen Sitzung im Salon, hier in meinem Haus. Connor, du wirst nicht glauben, wer mich da aus dem Bild anstarrte! Der Typ sah haargenau aus wie mein Makler! Ein Verwandter oder nur ein Zufall? Für meinen Geschmack inzwischen ein paar Zufälle zu viel. Ich will hier nur noch raus, muss das Haus los werden. Ich habe eine Scheißangst. Ich wünschte, du wärst hier und würdest mir sagen, dass ich mir alles nur einbilde und aufhören sollte zu saufen. Oh Gott, das Flüstern fängt wieder an!

    Mitternacht ist lange vorbei, ich sitze hier im Dunkeln. Kann mich nicht bewegen, will den Lichtkreis des Bildschirms nicht verlassen. Meine letzte Insel der Realität. Meine Finger zittern so stark, dass ich kaum schreiben kann. Das Flüstern wird lauter, ich kann jetzt verstehen was sie sagen. Ich will nicht hinhören, sie sagen schrecklichen Dinge. Ich höre wieder Schritte, sie kommen aus der Halle. Ich hätte gehen sollen, als ich es noch konnte. Sie kommen näher! Ich will davonrennen, bekomme keine Luft! Sie sind nun vor der Tür! Oh Gott! Connor, hilf mir! Ich muss… „

    Hier brach der Text ab. Connor starrte den blinkenden Cursor an, als könnte er ihm sagen, was mit seinem Freund geschehen war. Er schaltete den Computer aus und verstaute ihn in einer Notebooktasche. Er nahm ihn am besten mit zur Polizei, vielleicht half der Brief bei der Suche nach Matthew. Eine weitere Vermisstenanzeige. Als er gehen wollte stieß er mit dem Fuß gegen den Tisch und löste ein mittleres Chaos aus, als eine ganze Batterie von Flaschen ins Wanken geriet. Oh Matty, in welchem finsteren Tal bist du nur gewandelt? Als er in der Halle an dem großen Spiegel vorbei ging stockte er kurz. Was war das? Für einen kurzen Moment dachte er, er hätte Matthew im Spiegel gesehen. Connor sah zur Seite, aber da war niemand. Als er sich zum Spiegel zurück drehte war da nur er selbst. Er schnaubte und schüttelte den Kopf. Beinah hätte er sich von Matts Alkoholhalluzinationen beeinflussen lassen.

    Unbewusst atmete Connor befreit auf, als er die Villa verließ und ins helle Sonnenlicht trat. Halluzinationen hin oder her, das Haus hatte eine merkwürdige Ausstrahlung, die einem schon aufs Gemüt schlagen konnte. Verdammt Matty, warum musstest du nur um jeden Preis dieses verfluchte Haus besitzen?

    Der Makler, der ihn über das Verschwinden von Matt informiert hatte, wartete ungeduldig vor dem Haus auf sein Erscheinen und eilte sofort als er ihn sah, mit ausgreifenden Schritten zu ihm herüber.

    „Mr. Pearse, gut das sie gekommen sind. Ich bedaure es sehr, dass ihr Freund anscheinend keine sehr gute Zeit in dieser herrlichen Villa hatte und ich hoffe, dass sie ihn wiederfinden.“, biederte er sich mit einem falschen Lächeln an. „Sollte er oder auch sie, Mr. Pearse, das Objekt wieder veräußern wollen, würde ich mich sehr freuen zu Diensten sein zu können. Hier meine Karte.“ Nach einer kurzen Pause fügte er noch hinzu: „Wussten sie eigentlich, dass das Gebäude auf einer geschichtsträchtigen Kultstätte erbaut wurde?“ Dann dreht er sich abrupt um und ging mit einem sonderbaren Lächeln beschwingt zu seinem Fahrzeug.

    ‚Was für ein merkwürdiger Kerl.‘, dachte Connor und warf beiläufig einen Blick auf die Karte in seiner Hand.

    „Alan Stair, Makler – Salem VA 24153-4967“