Beiträge von Asni

    Es hat hier eine Diskussion stattgefunden darüber, ob "Show don't tell" grundsätzlich als Formel/ Hinweis/ Ratschlag ausgedient hat.

    Ich hab für mich beschlossen, ganz viele Ratschläge zum Schreiben eher als Werkzeuge abzuspeichern. Und Werkzeuge sind nie per se schlecht oder haben ausgedient, sondern eignen sich halt nicht für einen bestimmten Zweck. Ein Hammer hilft wenig, wenn ich aus einem Baumstamm Bretter sägen will. Und mit einem Küchenrührgerät Beton zu mischen ist irgendwie auch nicht gut. Aber deswegen zu sagen "Der Hammer und das Küchenrührgerät haben als Werkzeuge ausgedient" würde niemandem einfallen. (Dass bei Schreibtechniken und -stilen auch die jeweilige Zeit mit ihren typischen Vorlieben und natürlich der persönliche Geschmack eine Rolle spielt, fällt bei meinem Vergleich natürlich unter den Tisch. Nicht den Wortlaut verstehen und kritisieren, sondern den Sinn dahinter ^^ )


    SDT ist nach meiner Auffassung also ein Art wie man schreiben kann, die in manchen Situationen für manche Autoren hilfreich ist, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. SDT zeichnet sich dadurch aus, dass anstelle von zusammenfassenden Ausdrücken diese eher ausdifferenziert.

    Ich hatte das im Rahmen des Show-Don't-Tell-it-Spiels (Guggst du hier) mal versucht an Beispielen zu erklären. Das ist eigentlich leichter und führt vielleicht zu einem besseren Verständnis :hmm:



    Ich halte persönlich andere Formulierung für hilfreicher, ob nun "Kopfkino schreiben" oder "Mit Wörtern malen"

    Wenn dir eine andere Formulierung besser gefällt, dann nutze sie. Ist ja kein Drama.

    Zahnmedizinisches Wissen habe ich nicht, aber zum Bart sollte ich aus eigener Erfahrung eigentlich was sagen können...

    Für alle Männer hier folgende Frage: Wenn man ein normalerweise glattrasiertes Gesicht zwei Monate nicht rasieren kann, wie üppig wäre der Bart dann? Zugewuchert? Und: Wächst Barthaar schneller als Kopfhaar - hab ich mal gehört, stimmt das?

    Natürlich ist das ein bisschen Typsache, bei manchem wächst es einfach schneller. Aus dem Bauchgefühl heraus würde ich sagen, dass ein cm pro Monat für das Schreiben einer Geschichte ein ganz guter Richtwert sein könnte. Tendenziell vielleicht ein bisschen weniger. Der Eindrück dürfte aber sein, dass die Veränderung bis zu einer Bartlänge von 2-3 cm wesentlich mehr auffällt als danach. Hier spielt natürlich wieder der Haartyp mit rein. Wenn sich die Haare stark krausen, dann sieht die gleiche Länge kürzer aus, weil der Bart näher an der Gesichtshaut aufhört. Bei mir fühlt es sich so an, als würde der Bart nie länger als eine Handbreit wachsen. Keine Ahnung, ob da die Haare danach dann aufhören zu wachsen oder abbrechen (das passiert bei mangelnder Pflege relativ häufig) oder einfach der Unterschied erst nach einer sehr viel längeren Zeit festzustellen ist.


    Die Art und Dichte der Zuwucherung ist natürlich wieder absolut vom Typ abhängig. Da gibt es auch alle Bandbreiten, von fast nirgends wachsen Haare bis hin zu "Kannst froh sein, dass auf der Stirn kein Bart wächst" ist alles dabei ^^

    Ich greife mal zwei Typen raus:

    A) Der Bart wächst insgesamt eher spärlich und dünn. Am meisten wachsen die Haare auf der Oberlippe, am Kinn und als Verlängerung der Kotletten am Kieferknochen entlang. Wangen und Jochbein bleiben eher (bzw. gemessen am Alter am längsten) frei. Hier machen sich ein paar einzelne, lange Haare oberhalb des Kehlkopfs auch noch ganz gut. Soll heißen: Das passt gut ins Bild.

    Typ B) Der Bart wächst insgesamt eher stark und gleichmäßig. Die Linie vom Ohr über das Jochbein bis hin zur Oberlippe ist gewissermaßen die Obergrenze auf der Wange. Darunter bis zum Hals auf Höhe des Kehlkopfes wuchert es. Auch auf der Oberlippe und am Kinn sprießen die Haare, dass es eine wahre Pracht ist. Hier passt gut dazu, wenn auch die Augenbrauen fast zusammenwachsen und auch auf der Nase ein paar Haare wachsen. Diese allerdings langsamer und wirklich dünn gesäht.

    Da fällt mir jetzt noch ein, dass sich die Barttypen meist auch in den Augenbrauen widerspiegeln könnten. Bei Typ B könnte es sich schon andeuten, dass die Brauen quasi um das Auge herumwachsen, also zumindest ein Stück weit in Richtung Jochbein (auf der Außenseite des Gesichts). Bei Typ A würde ich eher sagen, dass dazu gut passt, wenn die Augenbrauen eher etwas kürzer und dünner sind. :hmm:

    Nach zwei Monaten dürfte es jedenfalls nervig sein, Suppe zu essen, weil der Oberlippenbart dann lang genug ist, dass immer ein bisschen Essen daran hängen bleibt.


    Wow, jetzt hab ich wesentlich mehr dazu geschrieben, als ich wollte. Keine Ahnung, ob dir das was hilft oder ob es "akurat" ist. Bestimmt fällt mir später noch viel mehr ein, was hilfreich sein könnte.

    Auch wenn ich etwas spät dran bin.... Danke, Sensenbach für den Schreibkurs! Mir hat's viel Spaß gemacht und ich hab auch noch das ein oder andere gelernt. Unter anderem an der letzten Hausaufgabe der Mini-Kurzgeschichte, dass dieses Format und Vorgehen für mich überhaupt nicht funktioniert (hat). :pardon:
    Vielleicht probiere ich mich nochmal daran. Das dürfte ja kein Problem sein, wenn hier weiter immer neue Themen gepostet werden. Das finde ich eine gute Idee, btw. :thumbup:

    Hallo und herzlich willkommen, Tarani ! :hi1:


    Viel Spaß beim Stöbern, Lesen, Kommentieren, alte Geschichten ausgraben, neue Geschichten schreiben und was du sonst noch so im Forum findest ^^

    Hallo und herzlich willkommen, Moog ! :hi1:


    Bei deinem Namen muss ich unweigerlich an "Moog Island" von Morcheeba denken... und jetzt läuft's im Hintergrund :D


    Viel Spaß beim Einleben hier ins Forum. ^^

    Hausaufgabe:


    Ich würde jetzt allen Punkten zustimmen. Die "große Idee" einer Kurzgeschichte schlägt sich für mich fast immer in einem Effekt nieder, den ich gerne beim Leser erreichen möchte. Das ist für mich einerseits das Wichtigste an Kurzgeschichten, andererseits aber auch chronologisch häufig der Anfangspunkt im Planungsprozess vor dem Schreiben. Damit legt sich fast automatisch fest, was notwendig ist, um den Effekt zu errreichen und, dass nach dem Schlüsselmoment nicht mehr viel passiert und die Geschichte zuende ist oder irgendwie abgerundet wird.

    Immer gelingt mir das natürlich nicht, aber so in der Art gehe ich an Kurzgeschichten ran.

    Ich nehm mal einen meiner Lieblingsfilme... Deathproof von Quentin Tarantino. Im Prinzip zerfällt der in zwei Teile und hat zwei Wendepunkte. Zumindest würde ich das gerade so sehen :hmm:

    Die Grundidee des Films ist im Prinzip ein typischer Highschool Horror-/Slasher-Film, mit dem kleinen Unterschied, dass die Waffe des Mörders sein Stuntauto ist, daher auch der Titel Deathproof, weil das Auto halt deathproof ist, d.h. seinen Fahrer bei einem Crash eben vor dem Tod schützt (es ist nicht "todsicher", wie die schlechte deutsche Übersetzung behauptet, weil todsicher halt eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit oder Sicherheit des Eintretens eines Ereignisses ist... ich schweife ab).

    Jede Hälte des Films geht über je eine Gruppe befreundeter, junger Frauen, die sich sich in einer Bar / Restaurant treffen und sich über alles mögliche austauschen. In jedem Teil ist auch Stuntman Mike (Spoiler: der Killer) mit in der Bar. Als eine der jungen Damen - ich glaube, sie heißt Pat - nach einer Mitfahrgelegenheit nach Hause fragt, bietet Mike an, sie mitzunehmen. Etwas später...


    Wendepunkt 1:

    Pat und Mike fahren gerade vom Parkplatz der Bar und Mike fragt Pat, ob ihr Nachhauseweg nach links oder rechts führt. Pat möchte nach rechts, aber da Mikes Beute, die anderen Frauen, ist mit ihrem Aute eben nach links gefahren, daher muss auch Mike links abbiegen. Mike sagt da einen sehr schönen Satz: "You could just as easily have gone left, too. But since you are going right and I am going left, I am afraid you have to get scared immediately..." (oder so ähnlich) Untermalt wird das ganze von passender, spannungserzeugender Musik und danach wird's dann auch schnell blutig.


    Der zweite Teil läuft genauso ab, nur das es keine junge Frau gibt, die von Mike mitgenommen wird, stattdessen spielen die Frauen Shipsmast auf dem Autodach... das heißt, eine von ihnen - die Stuntfrau Zoe Bell - sitzt auf dem Auto und hält sich dabei nur an zwei, an den Autotüren befestigten Gürteln fest, während sie mit dem Auto über kleine Landsträßchen heizen. Als Wendepukt 1 1/2 würde ich jetzt mal sehen, dass Stuntman Mike mit seinem Auto im Rückspiegel auftaucht.


    Wendepunkt 2:

    Der wirkliche, zweite Wendepunkt ist für mich, als nach einer nervenaufreibenden Hetzjagd das Auto der Frauen im Straßengraben landet, Zoe in ein Gebüsch geschleudert wird und Mike sich freut und den Frauen zuruft, dass das doch alles ein großartiger Spaß gewesen wäre.

    Die Fahrerin sieht das allerdings anders und weil sie immer eine kleine Pistole mit sich herumträgt, ballert sie Mike damit in den Arm. Damit kehren sich die Rollen um und Mike wird vom Jäger zum Gejagten.


    So, jetzt habe ich viel geschrieben, vielleicht auch gespoilert, aber der Film ist so oder so relativ vorhersehbar und - wie die meisten Tarantino-Filme ist der auch nicht gut, weil die Handlung so spannend und unvorhersehbar wäre, sondern weil die Dialoge einfach (auf Englisch) genial sind und auch auf so viele unterschiedliche andere Filme etc. Bezug genommen wird. Ich feier das einfach ^^

    Hausaufgabe

    Gehen wir mal zurück zu unserer Geschichte mit dem sentimentalen Drachenjäger. Welche MICE Elemente könnt ihr in euren Anfängen entdecken?

    Bei Variante 1) bin ich mir ziemlich sicher, dass hier das Charakter-Element stark vertreten ist: es geht um die Wahrnehmung des Drachenjägers, sein Alter, etc. Das ist auch in Variante 2) präsent, allerdings etwas später. Ich würde fast vermuten, dass der Anfang sogar eher ein Milieu-Element ist, da ein Sprichwort ja auch in einem Lexikon der Drachenjäger stehen könnte und somit ist man schon recht nahe bei einem Reiseführer...


    Danke Sensenbach für diese Lektion. Mir hilft das, glaube ich. :hmm: ^^

    So, anbei meine Hausaufgabe(n):


    Variante 1:

    „Uuuuaaah!“, grunzte Gregor durch zusammengebissene Zähne. Einen Drachen zu töten, war schon immer harte Arbeit gewesen und die Last der Jahre, die er mit sich herumtrug, machten es nicht leichter. Hoffentlich war dies der letzte Drache, den er in seinem Leben erledigen musste.

    Gregor lehnte sich noch einmal mit seinem ganzen Gewicht auf die Lanze und stellte so sicher, dass das Biest auch wirklich tot war. Dann ließ er den Schafft los und atmete erleichtert auf.


    Jetzt, da der Kampf vorüber war, war es still in der Höhle geworden. Während Gregor darauf wartete, dass sich auch sein Herzschlag beruhigte, kehrten seine grüblerischen Gedanken zurück, die ihn die letzten Wochen so häufig geplagt hatten.


    Variante 2:

    Um einen Drachen zu töten, braucht man drei Dinge: Glück, Glück und noch mehr Glück. So zumindest verkündete es eine alte Weisheit unter den Drachenjägern. Gregor, seines Zeichens einer der erfahrensten Drachenjäger, wusste, dass es auch Schnelligkeit, Kraft und eine sehr schwere Keule taten, mit der man einen Drachen mit dem ersten Schlag benebeln, dem zweiten betäuben und dem dritten ein für alle Mal erledigen konnte. Danach konnte man sich getrost gegen den Kadaver lehnen und darauf warten, dass sich das eigene, schnell pochende Herz beruhigte. Und das Dröhnen in den Ohren nachließ. Auch der Schwindel würde früher oder später verschwinden. Zumindest hoffte Gregor das.

    Wann war er so alt geworden? Kraftlos lehnte er den Kopf zurück und konzentrierte sich nun nur darauf, dass er nicht aus Versehen das Atmen sein ließ.




    Und ein bisschen Feedback für die bisherigen Hausaufgaben

    Was haltet ihr von den Gattungsmerkmalen? Findet ihr, dass sie sinnvoll sind, oder schränken sie die Kreativität ein?

    Für mich sind Gattungsmerkmale so lange sinnvoll, so lange sie auch hilfreich sind. :hmm: Das soll heißen, dass ich mir für fast jedes eine Kurzgeschichte vorstellen kann, die eben dieses Merkmal nicht erfüllt, aber trotzdem eine Kurzgeschichte ist (abgesehen vielleicht vom Merkmal "kurz", aber auch das ist relativ). Prinzipiell kann ich die Merkmale entweder zur Beschreibung und zum Reden über Kurzgeschichten heranziehen (deskriptiv) oder sie als Vorschriften interpretieren (präskriptiv). Ersteres hilft, wenn man sich gegenseitig Feedback geben oder verstehen möchte, wie eine Kurzgeschichte aufgebaut sein kann. Letzteres kann zum Schreiben von Kurzgeschichten herangezogen werden. Für Feedback eigenet sich das mMn nur, wenn der Schreiber offenlegt, dass er versucht, die Merkmale umzusetzen. Für mich ist das weniger eine Auffassung von "Kurzgeschichten als Kunst", sondern eher von "Schreiben als Handwerk" (auch im Unterschied zu angeborener Begabung). Die Kenntnis von Gattungsmerkmale kann beim Schreiben von Kurzgeschichten helfen, sie sind aber sicherlich nicht das einzige Hilfsmittel oder die einzige Voraussetzung zum Schreiben von Kurzgeschichten.


    Persönlich achte ich beim Konzipieren und Schreiben von Kurzgeschichten auf den Effekt, den ich beim Publikum erzielen möchte und versuche, alles möglichst gut darauf abzustimmen. Daraus ergeben sich eine ganze Reihe an Konsequenzen, etwa dass keine lange Einleitung - im Sinne einer Vorstellung der fantastischen Welt - möglich (oder sinnvoll) ist, weil damit nicht dem Erreichen des Effekts gedient ist. Genauso wären 20 Protagonisten vermutlich eher hinderlich. Allerdings bin ich da auch selten zu 100% konsequent.

    Spontan würde ich sagen, dass "The Fall of the House of Usher" von Edgar Allen Poe die Kurzgeschichte ist, die mich am meisten beeindruckt und für das Schreiben von Kurzgeschichten geprägt hat. Wenn ich das jetzt allerdings zu sehr erkläre, greife ich vielleicht vor. :hmm:

    Ansonsten wäre da noch "Made a Monster" von Joe Abercrombie, die mir vor allem deshalb gefällt, weil sie in Abercrombies typischem Stil die Vorgeschichte eines meiner Lieblingscharaktere - Logan Ninefingers - erzählt. Die Geschichte an sich lebt allerdings mMn sehr davon, dass man vorher die The-First-Law-Trilogie gelesen hat und Logan mag.