Beiträge von Sensenbach

    Liebe Rainbow, Lieber Etiam Lieber Der Wanderer Liebe jon


    Ich bin gerade dabei mich zu übernehmen und ziehe hier vorerst die Reißleine. Wenn ich weiß, wohin die Geschichte führen soll, schreibe ich vielleicht weiter dran. Im Moment hab ich zu viele Töpfe auf dem Herd:D


    Ich mach ein Pause-Schild an die Geschichte.

    Der ganze Flieger ist in Aufruhr. Nur Sara und ich starren uns an. Wir bemerken nicht, dass sich die Türen öffnen und die Leute herausströmen, um der Rakete nachzusehen.

    „Was war das?“, flüstert das Mädchen.

    Ich habe keine fucking Ahnung?“, denke ich.

    „So etwas sagt man nicht!“

    „Alles in Ordnung bei ihnen?“ Der graue Drache steht im Gang und mustert uns misstrauisch.

    „Alles in Ordnung. Wir kommen. Wir wollen ja nicht den ganzen Spaß verpassen!“ Ich nehme Sara bei der Hand und ziehe sie mit mir.

    Nicht ein fucking Wort zu irgendjemanden. Hast du mich verstanden?“

    Aber warum. Ich …

    „Ich habe so eine Ahnung. Ich kenne dich nicht und du magst mich nicht, aber darum bitte ich dich!“

    Unsere Blicke treffen sich für einen Moment. Sie nickt kaum merklich. Ich spüre den Atem des Drachens an meinem Rücken, als wir die Gangway hinuntergehen und uns zu den anderen gesellen.

    „Da oben. Jetzt verschwindet sie hinter den Wolken!“, ruft Ralf aufgeregt und mustert uns irritiert. „Das ging jetzt aber schnell!“

    Ich bemerke, dass ich Sara immer noch bei der Hand halte. Sie bemerkt es auch und zieht die Hand ziemlich hastig zurück. „Die Nutzlast der Rakete ist 45 Prozent größer, als bei einer herkömmlichen DeepSpace Rakete“, stellt sie nüchtern fest.

    Ralf, der Russenjunge Slawa, von Stetten und die Französin schauen sie an, als hätte sie ein neues Evangelium verkündet.

    „Die Booster-Raketen beim Start nicht gezündet“, ergänzt Slawa nachdenklich.

    „Das heißt nur, dass sie die beim Start nicht brauchen. Wohin fliegt das verdammte Ding?“, Ralf hüpft aufgeregt umher.

    „Es fliegt entweder sehr weit oder hat sehr viel geladen, wie Sara bereits bemerkte!“

    „Die Rakete hat Nutzlast von 750 Tonnen. Genug, um Gerät aus Sibirien zu bringen.“ Jetzt starren alle Slawa an, der deutet auf die riesenhaften Transportflugzeuge, die auf der anderen Seite der Rollbahn geparkt haben. „Der Start der Transportflugzeuge war vorgestern im russischen Fernsehen, kurz bevor Geheimdienst bei mir geklopft hat.“

    „Das macht Sinn“, sagt von Stetten und stellt sich neben Slawa.

    „Woran haben die da in Sibirien geschraubt“, schnaufe ich und ärgere mich, dass ich nicht mehr aus den den gehackten Satellitenbildern herausfinden konnte.


    Jetzt fahren einige Militärfahrzeuge vor und ein Typ im Anzug steigt aus. „Liebe Talente aus aller Welt!“ Schallt seine Stimme aus über das Rollfeld. Ich schaue mich um. Ja da sind einige Leute versammelt. Ich schätze mal fünfhundert werden es schon sein. Offensichtlich war unser Flieger nicht der einzige Nerdtransporter.

    Aber euch haben sie wohl vergessen!

    Ich bin kein Nerd! Mit wem redest du da eigentlich?“

    „Selbstgespräche!“

    „Na, das wird ja interessant.“

    Jetzt laufen überall uniformierte herum und verteilen Blumen und Süßigkeiten. Kein Scheiß!

    „Was geht denn hier für eine Scheiße ab“, ruft Ralf und nimmt eine Schachtel Pralinen entgegen.

    „Die wollen nur nett sein“, beschwichtigt von Stetten. Er hält einen Strauß Ringelblumen in der Hand.

    „Man echt, halt doch den Mund!“, schimpft Ralf. Ich habe das Gefühl, er und von Stetten werden noch echte Freunde ... Nicht.

    Inzwischen werden Gruppen von Nerds in Militärtransporter geladen und weggefahren. Der graue Drache diskutiert mit dem Anzugträger und zeigt in unsere Richtung. Der Typ nickt. Sie rufen Chen-Lu herbei. Diese stöckelt in unsere Richtung. Eine Hübsche, das muss man sagen und ich erwäge die Möglichkeit, mich mit ihr körperlich zu vereinigen.

    Ich glaub es nicht“, stöhnt Sara empört und zieht ihre Hand weg. „Wie man so etwas denken kann.

    Na komm, die ist doch niedlich.“ Versuche ich zu erklären.

    Sara verdreht die Augen.

    „Folgt mir bitte“, sagt Chen-Lu lächelnd, aber ihre Augen lächeln nicht.

    Sie hat Angst!“, flüstert Sara in Gedanken.

    Ja.“

    Chen-Lu führt uns zu einem der Gebäude am Rande des Flugfeldes. Während dessen reden von Stetten und der Russe ununterbrochen. Ralf hat beschlossen zu schweigen und die Französin, deren Namen Lucie ist, versucht sein Schweigen zu durchdringen. Ein schönes Chaos.

    Wir betreten das Gebäude. Ein Glaspalast, den wir durchqueren, ein Fahrstuhl, mit dem wir hinabfahren und eine noch eine Art U-Bahn. Jetzt begleitet uns auch ein bewaffneter Soldat.

    „Was ist hier eigentlich los, Chen-Lu?“ UhOoh. Ralf hat die Faxen dicke. Ich werfe ihm warnende Blicke zu. „Bisher war ja alles noch ganz interessant. Ein lustiges Stipendium in Fernost. Warum nicht. Aber was wird das jetzt?“ Ralf deutet auf den Soldaten. „Freiheitsberaubung ist nur ein Punkt, den ich an dieser Stelle diskutieren möchte.“

    Der Soldat kommt drohend auf Ralf zu. Ralf stellt sich in Position. Das kann jetzt blöd ausgehen. Mein Kumpel ist eine Seele von Mensch, aber man soll ihn einfach nicht reizen. Er ist ohne Erklärung von der Verköstigung des Augustgetränks weggezerrte worden. Und ehrlich gesagt, die eine andere Frage hätte ich so langsam auch.

    Ralf dreht sich wie beiläufig um sich selbst und ehe es jemand mitbekommt, hat er dem überforderten Wachsoldaten die Waffe entwunden. Dieser schimpft jetzt natürlich, aber Ralf grinst nur, nimmt die Batterie aus der Waffe und wirft sie dem verdutzt kuckenden Soldaten zu.

    Wow“, denkt Sara.

    So was magst du? Gewalt gegen die Staatsmacht?

    Na, das war schon beeindruckend!“

    „Also was ist hier los?“ Ralf wendet sich an Chen-Lu. Er will es wirklich wissen.

    Chen-Lu ist sichtlich mit der Situation überlastet.

    Och. Gleich weint die Niedliche!

    Man, bist du blöd!“, seufze ich.

    Jetzt öffnet sich die Tür der Bahn und wir blicken in einen Wald von Waffen.

    „Ich hab doch nur freundlich gefragt“, sagt Ralf beschwichtigend und weicht zurück.

    Der graue Drache betritt die Bahn, sie schaut sich um, seufzt und schüttelt missbilligend den Kopf. Die Soldaten schauen uns grimmig an und wollen uns an den Kragen. Der Drache pfeift sie mit einem Blick zurück.

    „Kommen sie“, sagt die Frau und all unser Widerstandsgeist erlischt. Allen ist klar, diese Frau möchte uns etwas mitteilen.


    Liebe Rainbow

    Sehr schöne Aktion, das gefällt mir gut. Susan ist ohne ihren Freund recht hilflos. Mal sehen, ob das so bleibt. Ich finde es gut, dass hier noch zwei sterbliche Akteure die Bühne betreten haben.


    Liebe Rainbow

    Wenn ich mir die vorherigen Abschnitte vergegenwärtige und die Andeutungen darin, dann ist es an der Zeit, dass es jetzt mal kracht. Zusätzlich sitzen die mir schon zu lange in der Wohnung rum. Also, auch vom Spannungsbogen her … Ich bin für den längeren Teil.

    Sonst nichts zu meckern. Von Nils hab ich noch kein rechtes Bild.



    Als der Flieger in den Sinkflug übergeht, erkenne ich unten nichts als Wasser. Ich bin schon beunruhigt, als ich doch noch Land erkenne. Von Stetten wacht auf und räuspert sich. „Eine Insel?“, fragt er.

    „Ja scheint so.“

    „Das ist Hainan“, behauptet er.

    „Ich dachte, die bringen uns nach Liangshan. Wie kommst du auf Hainan?“ Ralf runzelt die Stirn.

    „Dem Abflugwinkel nach und aufgrund der Kurskorrekturen während des Fluges schien mir die chinesische Südküste ein wahrscheinlicher Ankunftsort. Hainan ist eine große Insel mit Flughafen, aber einer gewissen Abgeschiedenheit.“

    „Du hast doch geschlafen, was redest du da von Kurskorrekturen?“ Der Typ nervt. Vor allem weil Sara ihn fasziniert anstarrt.

    „Nur weil ich schlafe, heißt es ja nicht, dass ich nichts mitbekomme!“ Er scheint beinahe eingeschnappt und ich beginne ein Muster zu erkennen. Von Stetten ist zwar ein Idiot, dem ich bei Gelegenheit mal zeigen werde, wer hier der Chef ist, aber er ist etwas Besonderes. Ich bin mir sicher, dass dies auf die meisten Passagiere in diesem Flugzeug zutrifft.

    „In Hainan ist die Startplattform der neuen DeepSpace Raketen“, sagt Sara nachdenklich.

    „Ich dachte, die wäre in Xichang.“

    „Nicht seit letztem Jahr, sie haben es verlegt oder einen weiteren Startplatz geschaffen. Ich bin mir nicht sicher.“ Sie streicht eine blonde Strähne aus der Stirn.

    „Das Kosmodrom Wenchang lag an der Nordspitze der Insel, bevor sie es 2040 eingemottet haben“, sagt eine weibliche Stimme mit französischem Akzent hinter mir. Ein schwarzer Lockenkopf beugt sich zu uns rüber. „Da. Schaut!“

    Ich mache wie befohlen und schaue raus. Überall im Flieger ertönen erstaunte Pfiffe und anerkennende Rufe.

    „Wenn sie Wenchang eingemottet haben, dann haben sie es aber jetzt gründlich ausgemottet“, sage ich trocken. Sara verdreht die Augen.

    Offensichtlich ist dies nicht der Flughafen von Hainan. Vor uns liegen die kuppelförmigen Gebäude des alten Raumhafens, aber dazwischen ragen neue Bauten in den Himmel. An einigen wird noch gebaut.

    „Meine Fresse. Schau sich das einer an“, raunt Ralf. Ich dränge nahe ans Fenster, selbst Sara legt ihr Buch beiseite.

    „Ist das eine DeepSpace Rakete?“

    „Sie sieht so ähnlich aus, aber die ist größer und an die Booster an den Seiten kann ich mich nicht erinnern.“

    „Booster sind russisches Fabrikat“, sagt ein kurzhaariger Junge, der im Gang steht und an uns vorbei nach draußen linst.

    „Häh?“

    „Die kenne ich aus Tschelabinks. Mein Name ist Slawa. Ich …“

    In diesem Moment geht ein leichtes Vibrieren durch den Flieger. Es wird schnell stärker. Ein plötzlicher heller Blitz erleuchtet das Flugfeld und eine Dampfwolke erhebt sich von der riesigen Rakete.

    „Sie scheint zu starten“, bemerkt Sara mit einem Anflug von Interesse.

    „Ja verdammt. Ist das nicht geil!“ Ralfs Augen glühen vor Begeisterung.

    Ein tiefes Donnergrollen erfüllt die Luft. Selbst im Innern des isolierten Fliegers spüren wir die Macht der Rakete.

    „Sie hebt ab!“ Sara ist mir ganz nahe. „Das ist erstaunlich“, flüstert sie.

    „Ja“ Mir ist seltsam feierlich zumute. Warum? Ich weiß nicht … Es ist, als würde man unverhofft Zeuge einer großen Sache. Dann trifft sich mein Blick mit Saras.

    Das wird nichts mit uns beiden, du bist nicht mein Typ. Es ist, als hallen ihre Gedanken durch meinen Kopf.

    Manchmal ist es Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Denke ich spontan.

    „Was?“ Ihre blau-grünen Augen starren mich erstaunt an. Mir wird schwindlig. Was zum Teufel ist da gerade passiert?

    „Was für ein dickes Ding“, ruft die Französin und sieht der Rakete nach.

    Von Stetten kichert albern.

    „Von Stetten halt den Rand“, tadelt Ralf, aber der Pinneberger kriegt sich nicht mehr ein.


    Liebe Rainbow

    Der Abschnitt gefällt mir gut und die Interaktion der Protas ist recht lustig. Allerdings bin ich mir über Micahs Charakter noch nicht recht klar.


    Ein Kapitel, das ich ganz ok finde. Es ist ja nicht so zentral, aber das muss es auch geben. Witzig, dass der Engel im Internet recherchieren muss. Haben die kein Heavennet:D

    Ich fremdle immer noch ein wenig, dass sie nicht sofort losziehen um Emilia zu retten und sich erstmal auf den Sessel setzen, aber ich warte brav auf das was da kommt.

    Danke für die Anmerkungen Etiam

    Kurz musste ich meine Anschauung des Protas ändern, weil ich etwas überrascht war, dass er dem Mädel zugezwinkert hat.


    btw. Kennen wir schon den Namen des Protas oder ist der mir nur entfallen

    Ja. Er mag Frauen schon, aber macht sich nichts aus Beziehungen.

    Ups. Einen Name. Stimmt … Braucht der Gute ja auch noch.:D

    Ich bin mal gespannt wo die beiden hingeschleppt werden und ob die Cheerleaderin auch dabei ist :D

    Schon dabei: Heißt Sara. Siehe unten (oder das letzte Post, das ist oben)

    „Moin Ralf“, sag ich und lass mich in den Sitz neben ihm fallen. Ralf hat mir den Fensterplatz gegenüber des Cheerleaders freigehalten. Der Gute!

    Der Gelmensch schaut unschlüssig und steht im Gang rum.

    „Da bist du ja endlich“, grunzt Ralf. „Das ist Sara.“

    „Hallo Sara. Hab dich beim Test gesehen. Sehr erfreut.“

    Zu den Fachbegriffen.


    Ich erinnere mich an eine Science Fiction Geschichte, die ich mal im Forum gepostet habe. Dabei hab ich einige halb-plausible Annahmen zur Technik gemacht. Unter anderem eine Anti-Materie Superwaffe eingeführt. Solche Waffen werden ja andauernd in der SciFi genutzt. Streng genommen ist eine große vernichtende Wirkung solcher Waffen aber physikalisch kaum nachvollziehbar. Das ist mir damals angekreidet worden.

    Bei Science-Fiction ist der Anteil der Leser, denen solche Dinge wichtig, sind schon relativ groß. Es ist nützlich, dies zu wissen. Ich kann dann immer noch entscheiden, ob ich meine Geschichte dahingehend anpassen möchte, oder es so zu lassen.

    Der Flieger ist der allerneuste Scheiß. Trotzdem stapfen wir eine gammelige Treppe hinauf, während der Nieselregen meine Föhnfrisur versaut. Wegen des Augustgetränks und Chen-Lu, die mich immer wieder interessiert mustert, bin ich aber ganz gut gelaunt.

    Ich könnte langsam mal wieder pinkeln.

    Hoffentlich sind die Klos an Bord besser gewartet, als diese archaische Treppe. Sonst gibts ne Überschwemmung.

    Ralf und die anderen gehen schon vor, während ich zum Klo hin abbiege. Ralf kann stundenlang auf seinem Sessel sitzen und Bier trinken, während ich alle naslang pullern muss. Das Leben ist nicht fair.

    Als ich die zufriedenstellende Toilettenkabine verlasse, kollidiere ich beinahe mit einem gelackten Typen, der wohl direkt aus einem Fitnessstudio in Pinneberg entsprungen ist.

    „Geh mir aus dem Weg du Punk!“, raunzt der mich an. Irgendwie erinnert der mich an jemanden …

    „Natürlich eure Hoheit.“ Ich beherrsche drei Kampfsportarten. Ich hab es nicht nötig mich zu kloppen. Der Typ streicht die gegelten Haare zurück und geht in die Passagierkabine. Ich trotte hinterher.

    Überall sitzt Studentenpack auf den Sitzen und ich ahne, was hier los ist. Das Flugzeug hat wohl auf dem Weg noch weitere Champions aufgelesen. Tät mich nicht wundern, wenn die überall in Europa diese Tests durchgeführt haben und das hier ist die Ernte.

    Was für ein Aufwand! Aber für was?

    „Moin Ralf“, sag ich und lass mich in den Sitz neben ihm fallen. Ralf hat mir den Fensterplatz gegenüber des Cheerleaders freigehalten. Der Gute!

    Der Gelmensch schaut unschlüssig und steht im Gang rum.

    „Da bist du ja endlich“, grunzt Ralf. „Das ist Sara.“

    „Hallo Sara. Hab dich beim Test gesehen. Sehr erfreut.“

    „Warum?“

    „Wie bitte?“

    „Warum erfreut es dich mich zu sehen?“

    „Na weil du hübsch anzusehen bist und nicht so ein Idiot wie Malfoy hier.“ Ich deute auf den orientierungslosen Pinneberger.

    „Ah“, sagt Sara. Ihre Augen sind groß wie die Scheinwerfer eines 2030er BMW-Cabrio und von einem irritierenden blau-grün. Als könnten sie sich nicht für eine bestimmte Farbe entscheiden.

    „Du da. Malfoy! Setz dich endlich, ist ja nur noch dieser Platz hier frei.“

    „Mein Name ist Christian von Stetten und nicht Malfoy!“

    „Dann liegt hier ein Missverständnis vor. Na komm schon, neben Hermine ist noch Platz.“

    „Malfoy, Hermine. Das ist eine Referenz auf die Harry-Potter Reihe.“ Saras Augen fixieren mich fragend.

    „Ja!“, rufe ich erfreut. „Du kennst die Bücher.“

    Sara mustert mich interessiert wie ein Entomologe, der einen seltenen Käfer gefunden hat. „Nein“, sagt sie nachdenklich. „Ich lese keine Kinderbücher.“

    Damit scheint die Unterhaltung soweit beendet zu sein.

    Ist ja gut gelaufen. Da werde ich unseren Kindern später mal was zu erzählen haben. Alternativ schaue ich mich nach Chen-Lu um, aber da rollt der Flieger schon los und wir schnallen uns an.

    Ich schaue durch das Bullauge nach draußen. Aber außer einigen Blinkelichtern und Regenwolken ist da nichts zu sehen. Sara liest irgendein veraltetes Buch über Quantenmechanik und Ralf summt ein Lied von Rammstein. Etwas mit Engeln. Keine Ahnung was manchmal in seinem Kopf abgeht.

    Christian von Stetten hat die Augen geschlossen und scheint tatsächlich zu schlafen.

    Das Fluggerät nimmt Fahrt auf und hebt ab. Kurz spüre ich die Beschleunigung, dann kompensieren die Gravisorber die ansteigenden G-Werte und schon sind wir über den Wolken. Gleich wird das Staustrahltriebwerk auf vielfache Schallgeschwindigkeit beschleunigen. Was wohl unser Ziel ist? Ich schaue auf den schnarchenden von Stetten und bin mir sicher, Pinneberg ist es nicht.



    „Erwartest du jemanden?“, frage ich und habe ein seltsames Gefühl in der Magengegend.

    „Nee. Eigentlich nicht“, erwidert Ralf und erhebt sich unwillig aus dem Sessel. „Muss jemand aus dem Haus sein. Ohne Zugangs-ID kommt ja keiner rein, ohne sich anzumelden. Vielleicht hat Lisa wieder keinen Zucker im Schrank.“

    „Keinen Zucker im Schrank. So nennt man das also heutzutage!“

    Ralf winkt künstlich genervt ab und geht zur Tür, während ich am Augustgetränk nippe. Dann ertönen laute Stimmen im kleinen Flur der Wohnung und ehe ich mir nachschenken kann stehen drei Asiaten im Raum. Der graue Drache, die wir ja schon bei der Prüfung kennengelernt haben. Eine junge Frau, die aussieht wie ein Fotomodell und ein breitschultriger Hüne. Nennen wir ihn der Einfachheit mal Bodyguard. Alle tragen typgleiche schwarze Anzüge und schauen uns skeptisch an.

    „Liebe Freunde. Was soll das werden?“ Ralf ist nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen, schaut trotzdem etwas irritiert aus der Wäsche und kratzt sich am Kinnbart. Offensichtlich haben unsere Gäste nicht lange gefragt, ob sie eintreten dürfen. Das Augustgetränk steht auf dem Tisch, aber darum sind die sicher nicht gekommen. Ich schenke mir jetzt doch noch nach und proste dem Fotomodell zu. Dieses lächelt unverbindlich.

    „Wer hat sich das hier ausgedacht?“ Der Drache hält zwei Zettel in der Hand, die letzten Seiten des Tests. Reiks korrigierte Gleichung! Meine Schrift ist deutlich akkurater als Ralfs.

    „Also wer?“

    Ich zeige auf Ralf und er zeigt auf mich. Das ist so abgesprochen, falls uns jemand bei irgendwas erwischt. Hier entspricht es sogar der Wahrheit.

    Die Frau schnauft trotzdem unzufrieden.

    „Das ist ein Gemeinschaftsprojekt“, sage ich schließlich. „Wissen sie, dass Mathematik und Musik sehr viel gemeinsam haben?“

    Ralf verdreht die Augen. Aber ich hab doch nichts Falsches gesagt!

    Die Süße nickt mir sogar zu. Dann fasst sie dem grauen Drachen am Arm und flüstert etwas. Ich verstehe nur die Hälfte, dabei habe ich gute Ohren und spreche perfekt Mandarin. Aber ich verstehe, dass sie unter Zeitdruck sind und etwas von einem Flugzeug.

    Der graue Drache nickt und macht dem Bodyguard ein Zeichen. Dieser schlägt sein Jacket zurück und entblößt eine nagelneue Marbach-762. Solche Waffen tragen nur Elitesoldaten oder Gangmitglieder.

    „Sie brauchen nichts zu packen. Alles Notwendige wird den Stipendiaten vor Ort gestellt“, sagt die junge Frau lächelnd.

    „Aber. Was?“, bringt Ralf hervor.

    „Mitkommen!“, grunzt der Bodyguard.

    „Von mir aus“, sage ich spontan, schnappe mir den Kanister mit dem Augustgetränk und gehe in Richtung Tür. Der Bodyguard schaut ganz irritiert.

    „Echt jetzt?“, fragt Ralf.

    „Klar. Warum nicht?“ Ich habe schon lange darauf gewartet, dass mal etwas Aufregendes passiert.


    Kurz darauf sitzen wir im Fond eines Vans. Der graue Drachen sitzt vorne neben dem Fahrer. Hinten bei uns sitzt das Fotomodell, dass Chen-Lu heißt und der Name des Bodyguards ist Chang. Der graue Drache schüttelt immer wieder unwillig den Kopf, als wir das Augustgetränkt in Becher verteilen. Ich falle beinahe vom Glauben ab, den ich nicht habe, als sie sich auch ein Getränk reichen lässt.

    Dann biegen wir in den Airportring ein. Es geht allerdings nicht zum Terminal, sondern eine Seitenstraße entlang. Vor uns öffnet sich ein Tor. Ein Militär und ein Typ im Anzug nähern sich. Der graue Drache steigt aus und redet mit den beiden. Der Anzugmann unterschreibt etwas und die Wagentür öffnet sich. Kurz erhasche ich den Blick des Militärs. „Möge der Herrgott mit euch sein!“, ruft der Typ und bekreuzigt sich.

    Ich schaue fragend zu Ralf rüber, der kennt sich mit so etwas aus.

    „Der Typ im Anzug war der Verteidigungsminister.“

    „Echt jetzt? Und der andere? Der mit dem Herrgott?“

    „Den Streifen nach irgendein General.“ Ralf zuckt mit den Schultern.

    Chang beugt sich vor, holt einen braunen Aktenkoffer von der Ablage und öffnet ihn. „Den Arm nach vorne!“

    Zögernd gehorcht Ralf und reckt den Arm nach vorn. Chang aktiviert das PID mit einem Connector, solche Geräte haben nur Behörden oder Geheimdienste. Eine unheimliche Sache.

    „Das PID wird überschrieben und auf dem Flug mit den Stipendiatendaten neu konfiguriert“, erklärt Chen-Lu.

    „Aha“, sage ich. Das PID oder „Personal Identification Device“ ist im Unterarmknochen jedes offiziellen Weltenbürgers implantiert. Es ist stecknadelgroß, aber ein Computer mit beachtlicher Leistung. Darauf ist alles gespeichert. Name, Geburtsort, medizinische Daten, wie lange du letzte Nacht geschlafen hast. Ob du deine Frau noch liebst. Einfach alles.

    Bereitwillig halte ich meinen Arm hin. Das Gerät vibriert an meiner Haut. Jetzt bin ich eine Art Renegat. Außerhalb von Recht und Ordnung. Aufregend!

    Ralf schaut finster. Irgendwie hat er recht.

    Etwas unheimlich ist die Sache.

    Das Tor öffnet sich und wir fahren hindurch. In diesem Moment fängt es an zu regnen. Dunst steigt auf, als Tropfen auf den warmen Asphalt treffen. Wir fahren nicht weit. Summend öffnet sich die Tür des Vans. Wir haben direkt neben einem Airbus-Ramjet-201 geparkt. Die Dinger haben ein Staustrahltriebwerk neuster Konfiguration und bringen dich fix in jeden Winkel des Planeten und wenn man nicht aufpasst darüber hinaus.

    Was habe ich alles für Worte aus Walter Moers' "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" gelernt! Sowas wie "pittoresk" und noch ganz andere Scherze. Das hat mich nie gestört, im Gegenteil, ich fand immer, dass Lesen auch bildet.

    Allerdings ist dieses Buch eigentlich kein Kinderbuch, sondern richtet sich an Erwachsene. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_13%C2%BD_Leben_des_Käpt’n_Blaubär

    Ich selbst habe mich in meiner Kindheit und Jugend durch ziemlich viele Bücher gewühlt, die ich erstmal nur mit Schwierigkeiten verstanden habe und klar, das bildet. Das haben hier im Forum sicherlich einige genauso gemacht und gerade darum treffen wir uns im Endeffekt ja hier. Ich kenne allerdings viele, die ein Buch schnell beiseite legen, weil es ihnen "zu schwer" ist. Im Forum ist ja auch schon "Der Herr der Ringe", als schwieriges Buch genannt worden. Tatsächlich hat es mir bei jedem neuen Lesen neue Aspekte eröffnet, beim ersten mal war es mir einige Passagen schon anstrengend (Hab es mit 12 zum ersten mal gelesen, denke ich).

    In "Die Karte meiner Träume" von Reif Larsen fallen wie selbstverständlich Worte wie "Taxonomie", weil das zur Hauptfigur passt.

    "Taxonomie" wäre für mich kein Fremdwort. So unterschiedlich ist das im Einzelnen.

    In David Mitchells "Die Tausend Herbste des Jacob de Zoet" verwendet der Arzt Dr. Marinus andauernd Latein mitten im Satz.

    Das finde ich nicht gut. Ich kann ja ein wenig Latein. Aber trotzdem, worin besteht da der Mehrwert? Stell dir vor jemand liest ein Star Trek Buch und dann sind da überall Seiten auf klingonisch. Das mag für Nerds witzig sein, aber ich möchte nicht Google brauchen, um ein Buch zu verstehen.

    Einerseits: Wenn man jetzt zu stark etablierten Leitlinien (auch sprachlich) folgt, dann neigt man natürlich dazu, Genre-Traditionen eher zu vertiefen - und ich persönlich mag ein gerüttelt Maß an Innovation: sei es in puncto Sprache, Form oder Inhalt. Du musst variieren, damit etwas Lesenswertes rauskommt, der Mix aus Bekanntem und Unbekannten machts, Altes in neuem, Neues in altem Gewand. Wir alle kennen das sehr gefährliche "Anderswo schon besser gelesen"-Gefühl, das meistens das Todesurteil für einen Text ist.

    Das kommt für mich auch auf den Autor an. Wenn ich von mir selbst ausgehe. Ich habe kein Germanistik studiert und bin kein großer Autor. Ich stückle mir meist amateurhaft etwas zusammen. Bevor ich jetzt zu innovativ bin was den Schreibstil angeht, die Traditionen verlasse und Konventionen absichtlich verletze, möchte ich erstmal lernen wie Schreiben überhaupt handwerklich funktioniert. Ich halte es nur für Ausnahmetalente möglich, gleich im Erstlingswerk "Kunstwerke" zu schreiben. Erstmal kommt für mich das Handwerk. Aber das führt jetzt vom Thema des Stranges weg:)

    Kennen wir unsere Leser und wenn ja. Na und?


    Wenn ich etwas schreibe, habe ich manchmal eine bestimmte Zielgruppe im Auge. Dann passe ich meinen Schreibstil und die Wortwahl an. Dies ist teils dem Genre geschuldet, teils auch meiner Einschätzung des Lesers (Beides hängt allerdings zusammen). Zum Beispiel habe ich mal etwas für meine Tochter geschrieben, da habe ich die Sprache und die Wortwahl ihrem Stand angepasst.


    Wenn ich Science-Fiction schreibe, dann gehe ich davon aus, dass eher technikaffine Menschen dies lesen wollen. Etwas mehr „Wissenschaftsgerede“ kann also nicht schaden.

    In einer Fantasy-Geschichte fallen des Genres wegen einige Technikbegriffe weg. Ich lasse bei der Beschreibung der Pflanzen allerdings auch die Botanik-Fachbegriffe weg, obwohl ich diese kenne. Denn meine Leser kennen diese Begriffe eher nicht. Wenn ich einen Fachartikel schreibe, sieht das natürlich ganz anders aus. Da sind die Leser ja auch andere …

    Dieser Prozess ist bei mir allerdings eher automatisch und ich denke nicht bei jedem Wort nach, ob es jetzt passt oder nicht.


    Ein weiteres Beispiel. Ein Buch wie „Harry Potter“ zielt auf eine jüngere Leserschaft, „Im Namen der Rose“ eher nicht. Beide sind von der Sprache und der Wortwahl auf ihre Leserschaft angepasst.


    Macht ihr euch über solche Dinge Gedanken? Oder eher nicht?




    Anlass des Strangs: Die Suche nach dem Himmel [Arbeitstitel]

    Der Wanderer

    kalkwiese