Beiträge von bigbadwolf

    Der unhörbare Gong
    Der unhörbare Gong ist ... nunja, für menschliche Ohren nicht hörbar. Sein Gong klingt in einer Frequenz, die Menschen nicht mehr wahrnehmen können, dafür aber jedes Mal, wenn er geschlagen wird, Scharen von Fledermäusen anlockt.
    Der einzige Mensch, der diesem Gong bisher einen Nutzen abgewinnen konnte, ist Batman.

    Der unhörbare Gong ist klein genug, um in die Handtasche einer Laus zu passen. Seine abgestrahlte Frequenz, nachdem er mit einem haargroßen Klöppel angeschlagen wurde, beträgt genau 37.134,35 Hertz, was auf Fledermausisch bedeutet "Ey, das Blutbier ist fast alle."

    Die in heller Aufregung heranbrausenden Fledermäuse dienen hauptsächlich als Untermalung eines heroisch-düsteren Auftritts, denn andere Verwendungszwecke für den unhörbaren Gong sind bislang nicht bekannt. Viele vergessen bei der Betrachtung von Batmans Grobschlächtigkeit leicht, wie viel Geschicklichkeit es bedarf, den Gong überhaupt zu treffen - geheime Qualitäten eines verstohlen agierenden Helden.


    Der Krisenstab

    Auf eine bekannte, unbestimmte Weise geschwungen erzeugt er furchtbare Krisen in der Umgebung.

    Auf eine unbekannte, bestimmte Weise geschwungen löst er alle Krisen in der Umgebung.

    60

    Maaan, so macht das echt keinen Spaß! Die zerplatzen ja schon bei der leisesten Berührung, regte sich die magische Waffe auf.

    „Tja, du bist eben ein meisterliches Schwert.“

    Und du – halt, das war ein Komplim… ach, dir geht nur mein Genörgel auf den Geist, oder?

    …rette mich…, erklang die fremde Frauenstimme zum wiederholten Male im Kopf des Helden.

    „So langsam geht sie mir auch auf den Nerv“, gestand er, „zumal: Wenn sie ihre Stimme einfach so entsenden kann, ist sie bestimmt magisch bewandert und kommt ohnehin selbst klar… hm, was ist das denn jetzt schon wieder?“, starrte der Held.

    Sieht aus wie… eine Fee.

    „… in einem Glas?“, ergänzte der Held irritiert. „Diese Monster hinterlassen wirklich seltsame Dinge.“

    Ja, ich schwöre dir, dieses eine Herz war viel zu groß für so ein kleines Was-auch-immer… vielleicht sind diese Geschöpfe nur Illusionen?, mutmaßte das Schwert.

    „Seit wann hinterlassen Illusionen Herzen oder Edelsteine?“

    Stille. Grübelnd und irritiert.

    Diese ganze Gegend hier erleidet wahrscheinlich gerade eine Art magischen Anfall, schloss die Stimme.

    „Solange du nicht anfängst zu niesen, mache ich mir keine Sorgen“, entgegnete der Held und schlug sich durch ein dichtes Gebüsch. Mit seinem Fuß stieß er schmerzhaft gegen etwas Hartes, Rundes.

    „Schon wieder?! Welcher alberne Alchemist versteckt eigentlich Sprengstoff in Büschen?“

    „Denk mal an den komischen alten Knacker in der abgeschiedenen Hütte gestern, der dir diese »Bomben« andrehen wollte. Ein heißer Kandidat, befand die Stimme.

    „Ich würde so ein Ding ja schon gern mal ausprobieren –

    Au ja!

    „…aber nicht ohne Unterweisung.“

    Das Schwert zog eine mentale Schnute.

    „Ich frag mich sowieso, warum der Kerl kein Gold annehmen wollte. Sowas habe ich ja noch nie erlebt. Du etwa?“

    Sieh mal da hinten!

    In einigen Schritten Entfernung konnte der Held eine sich schräg nach unten öffnende Höhle erkennen. Da er nichts Bedrohliches wahrnahm, ging er die in den Stein gehauenen Stufen hinab, bis er in einer kleinen, erleuchteten Höhle stand, die vom Lichtschein zweier Fackeln erhellt wurde.

    Ich glaube, der Bomben-Opa hat einen Zwilling, raunte das Schwert, als der Held den alten Mann im Fackelschein erkannte.

    „Es ist gefährlich, allein zu gehen. Nimm dies!“, sagte der Mann und deutete auf ein Schwert vor ihm.

    So eine Frechheit!, begann die Stimme sofort zu zetern. Ob der auch was hinterlässt, wenn wir ihn kalt machen?

    Nicht lustig, mahnte der Held still. „Ich bin nicht allein“, sagte er zu dem alten Mann, „und ich besitze bereits –“

    „Es ist gefährlich, allein zu gehen. Nimm dies!“, sagte der Mann und deutete erneut auf das Schwert vor ihm.

    Ob der auch zerplatzt?, orakelte das Schwert böse.

    „Lebt wohl!“, rief der Held und verließ die Höhle mit stoischer Miene.

    Der hat getan, als ob ich gar nicht dagewesen wäre!, regte sich die Stimme auf.

    „Alte Leute sehen eben manchmal nicht mehr so gut“, meinte er und trat ins Freie.

    Stimmt, du kennst das ja.

    Gerade wollte der Held seine Waffe samt Scheide gegen den Höhleneingang donnern, als wie aus dem Nichts ein seltsamer Elf mit rotem Haar und grüner Mütze erschien. Der Held hielt inne, doch auch der Elf blinzelte nicht einmal.

    Er sieht so verschwommen und… und irgendwie… hm… »eckig« aus, lenkte das Schwert den Helden weiter ab.

    Vielleicht ein Tarnzauber?, dachte der Held nach.

    Plötzlich setzte sich der Elf mit einer Reihe motorischer Zuckungen in Bewegung. Alarmiert zog der Held nun doch das Schwert und wich zurück. Der eckige Elf verschwand jedoch schnurstracks im Höhleneingang, ohne ihn auch nur im Mindesten zu beachten. Der Held entspannte sich wieder.

    Er hatte bestimmt einfach keine Lust uns sein wahres Aussehen zu enthüllen… oder er ist total hässlich.

    „Ach was, der hat mich gar nicht für voll genommen… und klar sind Elfen maulfaul, aber optische Faulheit…?“, zweifelte er.

    Du gibst dir auch keine große Mühe mit deiner Optik, gab die Stimme zu bedenken.

    „Mein Charme wird von meinen vielen anderen Talenten genährt.“

    Meine Scham auch… AU!

    Während das Schwert noch schmerzerfüllt vom Aufprall keifte und vibrierte, suchte der Held schleunigst den kürzesten Weg aus dieser obskuren Gegend.

    Artefakt "HEILIGES BIM BAM"

    Ein Glöckchen, dass am Morgen ziemlich laut glöckelt und so ganze Heerscharen zu wecken vermag. Auch jene, die schon mehrere Meter unter dem Erdboden schlafen...

    BONUS: +5 auf Zeitgenaues Agieren

    MALUS: +7 auf Schlechte Laune und Un-Ausgeschlafenheit

    Neben dem Heiligen Kanonenrohr und der Heiligen Handgranate nimmt sich das Heilige Bim Bam eher harmlos aus, wobei der Besitz aller drei Artefakte unleugbar einen gewissen Anspruch auf die Herrschaft über die umliegenden Landstriche verleiht. Da das Heilige Kanonenrohr nicht nachgeladen werden muss und auch die Heilige Handgranate nach ihrer Detonation wieder in der Hand des Werfers erscheint (natürlich gesichert), ist die ungemein verminderte Reaktionszeit auf feindliches Gesocks das beinahe sichere Todesurteil für alle Widersacher des Glöckchenbimmlers. Allerdings führt die magisch verstärkte Miesmuffligkeit des Besitzers auch in den Reihen der Alliierten gelegentlich zu einem RIP. (Rest in pieces)

    Dass bisweilen sogar die Gefallenen durch das Gebimmel wieder zu Sinnen kommen, verstärkt folglich das Geballer, die Menge der herumfliegenden Gliedmaßen und die schlechte Laune des Bimmelbosses noch weiter.


    "Blaubarts Seemannsgarn"

    Robustes, aquamarinblaues Netz, welches Fische anlockt und festhält.

    Ich finde die neuen Artefakte und ihre Historie äußerst lehrreich und genial.:D


    Nur mal am Rande: Es ist nicht vorgeschrieben, dass ein Gegenstand einen Bonus und einen Malus haben muss. Klar sollte er schon irgendwas können, aber diese rigide Einteilung erscheint mir etwas zu engmaschig für diesen potenziell höchstintellektuellen Thread.^^

    Na dann, herzlich willkommen im Forum, Charon.

    Stammt dein Avatar aus einem deiner programmierten Spiele?

    Welchem Untergenre fühlst du dich denn am ehesten angehörig?

    Aus diesem Hobby/Beruf kommt es wohl auch, dass ich oft nicht nur versuche meine Geschichten einfach „nur“ zu Papier zu bringen, sondern oftmals auch kleine Spiele programmiere, um damit meine Geschichten mithilfe eines anderen Mediums auf eine weitere und andere Weise zu präsentieren.

    Das klingt sehr spannend. Geht das dann in Richtung RPG? Oder meinst du kleine Rätsel oder Minispiele als eine Art Nebenhandlung?

    Kirisha. Erstmal danke für die lieben Worte. Da ich nicht genau weiß, bei welcher Szene du aktuell bist, will ich natürlich nicht vorgreifen. Aber ja, ich halte mich an meine Zeilen aus dem Lexikoneintrag: Es kommen alle nur denkbaren Situationen vor... bzw. alle, die mir bislang eingefallen sind.:D

    Viel Spaß beim Weiterlesen.

    59

    Wie? Schon vorbei?, fragte das Schwert kummervoll.

    Der mutmaßliche Assassine rannte um eine Häuserecke außer Sicht und ließ die ihm nacheilenden Stadtwachen wie adipöse Funkelschnecken aussehen. Als der Held einen Versuch unternahm, wieder von der Straße aufzustehen, durchfuhr ihn ein heftiger Schmerz im linken Oberschenkel.

    „Bleibt liegen, Fremder!“, wies ihn sofort eine militärische Stimme an. „Schickt nach dem Hauptmann!“, brüllte es über ihn hinweg.

    Ein kurzer Blick auf seine aufklaffenden Beinkleider genügte, um dem angeforderten Hauptmann eine Priesterkutte des höchsten Ranges zu wünschen.

    Bis später, verabschiedete das Schwert ihn in die hereinbrechende Dunkelheit.

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    Der ihn empfangende Geruch ließ zunächst auf eine Mischung aus Kanalisation und Garnisonsküche schließen. Als nun Stimmengewirr sein Gehör flutete, zwang er mühsam ein Augenlid nach oben und wandte den Kopf ein wenig.

    Er schien einer von etwa einem Dutzend Verwundeten in einer Art Lazarettbaracke zu sein. Im trüben Schein einiger Kerzen sah er einige Heiler und ihre Gehilfen, welche zwischen den aufgereihten Pritschen standen und diskutierten. Als ihm die sonderbare Stille in seinen Gedanken bewusst wurde, sah er sich etwas genauer im Umkreis seiner Liegestätte um. Zu seiner Beruhigung erblickte er unter seiner neben der Pritsche drapierten Ausrüstung auch eine vertraute Kerzenspiegelung. Da die Schmerzen erfreulicherweise nachgelassen hatten, richtete er sich behutsam auf und betrachtete den dicken, stellenweise rotfleckigen Verband an seinem hochgelagerten Oberschenkel.

    Sofort eilte jemand herbei und drückte ihn bestimmt zurück auf die Pritsche. Der Held schloss erneut die Augen und wartete ab.

    „Ich werde es nicht dulden, dass ihr euch selbst ausbluten lasst“, erklang eine freundlich brummende Stimme über ihm. „Aber es ist gut, dass Ihr endlich wach seid. Ihr hattet Glück, dass Ihr nicht verblutet seid… wenn die Göttin es will, könnt Ihr das Bett in drei Tagen wieder verlassen.“

    „Chawww…“, wollte sich der Held bedanken und versuchte es noch einmal mit voller Konzentration. „Habt… Dank. Mein Schwert… bitte“, brachte er heraus und öffnete zur Bekräftigung seine Hand.

    Er konnte hören, wie der Mann kopfschüttelnd seufzte.

    „Halbtot und denkt bloß an seine Waffe, ts“, brummte er, wobei jedoch auch eine Spur wohlgesonnener Belustigung herauszuhören war. Einen Augenblick später spürte der Held das vertraute, schwere Metall auf seiner Brust und seine Hand schloss sich sachte darum.

    Das wird ja auch mal Zeit, Mann.

    Allerdings, pflichtete der Held kraftlos bei.

    Ein Moment der Stille schloss sich an.

    Oh… du warst aber auch schon mal besser in Form, stutzte die Stimme kurz. Der Säbel hat dich ja echt voll erwischt.

    Der Heiler meinte, das wird schon wieder, erklärte der Held.

    Seine Klinge hatte so einen vorzüglich eleganten Schwung, eine einmalige Waffe!

    He! Ich wäre fast draufgegangen!, beschwerte sich der Held matt. …Außerdem klingt das seltsam, wie du das sagst.

    Hach, er war ja sooo scharf, schwärmte die Stimme ungezügelt weiter. Aber das hast du ja selbst gemerkt.

    Der Held hüstelte eindringlich.

    Ein richtiger Feger… du erinnerst dich noch an die Bedeut-

    Ja, verdammt! Lass das jetzt!, verhinderte der Held weiteres Kopftheater.

    Zumindest hätte er es gern verhindert.

    58

    „Warum bist du Abenteurer geworden?“, fragte der Junge.

    Das Lösegeld könnte man glatt als Schmerzensgeld durchgehen lassen…, maulte die Stimme.

    Der Held tat sich innerlich schwer damit, die Befreiung des Jungen eine gute Tat zu nennen. Seit der Lösegeldübergabe an die Entführer vor ein paar Stunden hatte das Balg seinen Redebedarf für den Rest des Jahres bereits übererfüllt. Dass er mit seinem nervigen Anhang zudem morastiges Gebiet durchqueren musste, machte es nicht besser.

    „Nur so“, gab der Held schließlich als Antwort.

    „Echte Helden werden immer vom Schicksal gefunden“, schien der Junge zu zitieren.

    …oder heimgesucht…

    „Aber wenn man sich rechtzeitig anders entscheidet, kann einen das Schicksal nicht finden“, konterte der Held. „Ich bin ein waschechter Held und Abenteurer, glaub es ru –“

    „Was war das Tollste, das du je gemacht hast?“, unterbrach der Junge ihn.

    Die Tatsache, dass der Junge noch atmet, zählt nicht, oder?

    Nein, musste der Held bestätigen.

    „Das Tollste? Hm…“, überlegte er nun laut. „Ich habe bereits einiges erlebt und dabei –

    „Kann ich mal dein Schwert haben?“, fragte der Junge erneut dazwischen.

    Der Held blieb stehen und versuchte es mit einem maßvoll strengen Blick, aber die geschäftigen Kinderaugen waren mit tausend wichtigeren Dingen beschäftigt.

    „Nein“, antwortete er griesgrämig.

    Du hast was gut bei mir, bedankte sich die Stimme prompt.

    „Wieso denn nicht?“, wollte der Junge natürlich wissen.

    „Weil es MEIN Schwert ist und nur ich es benutze.“

    Das hast du aber schön gewettert, lobte ihn das Schwert eine Spur zu freundlich.

    Der zornige Blick des Helden galt nun beiden Nerventötern. Leider wurde er einerseits nicht wahrgenommen und andererseits vollends ignoriert.

    „Kannst du Monster aufspüren?“, fragte der Junge stattdessen.

    Sieht so aus…

    He, sei nicht so gemein, rügte der Held sein Schwert pflichtbewusst.

    „Naja“, wandte er sich nun an den Jungen, „ich schaffe es jedenfalls immer, dass ich sie früher bemerke als sie mich.“

    Allenfalls »manchmal«, korrigierte die Stimme. Meistens bemerke ICH sie.

    „Klappe!“

    „Was? Wieso?“, fragte der Junge und ließ sich etwas zurückfallen.

    „Hm?“, sah sich der Held irritiert um, ehe er begriff. „Oh, entschuldige. Nicht so wichtig.“

    Nach all den Fragen hatte die nun hinter ihm herrschende Stille etwas geradezu Unheimliches. Leider waren ihm lediglich einige Augenblicke unentschlossener Grübelei des Jungen gegönnt.

    „Führen alle Abenteurer Selbstgespräche?“

    Hat der überhaupt keinen Selbsterhaltungstrieb?!, dachten sie synchron. Im Geiste sahen sich Schwert und Held an und grinsten.

    „Warum hast du die Männer nicht einfach alle tot gemacht?“

    Als Zeichen der Anerkennung?, mutmaßte das Schwert.

    „Junge, wir sind hier mitten im Morast“, riss dem Helden nun der Geduldsfaden. Er sammelte sich kurz und erklärte möglichst sachlich die Situation. „Ich muss mich hier bei jedem Schritt konzentrieren, damit ich dich heil zurückbringen kann. Also hör bitte auf mit deinen Fragen.“

    „Gut“, antwortete der Junge prompt und wartete schweigsam, dass der Held weiterging.

    Das war ja einfach, dachte der Held erschüttert.

    Los, schnell weiter, drängte die Stimme, … und nein, nur weil ich dich ignoriere, bin ich nicht schlimmer als dieses Balg!

    Kirisha. Na da freu ich mich doch auch hier nochmal über eine neue Leserin.

    Ich hätte auch nie gedacht, dass ich hier mal auf Szene 60 zusteuere. Da es nach wie vor jede Menge Spaß macht, die beiden in spannenden, absurden und überspitzten Situationen zum Leben zu erwecken, wird es wohl weiter gehen.


    Danke für die netten Worte und viel Vergnügen. Tariq meinte, man liest hier am besten mit Kaffee in der Hand und Ruhe im Umfeld.:)

    57

    Der Morgen gebar glitzernden Nebeldunst, welcher durch den Frühlingswald und dem jungen Helden unter das Lederwams glitt. Gerade war er dabei sein Nachtlager abzubrechen und, wie es ihm sein Schwert nochmals eingeschärft hatte, seine Spuren abenteuererhaft zu verwischen.

    Hey, ich hab etwas Tolles gedichtet. Hör mal:

    Ich ging im Walde für mich hin-

    „Du kannst nicht gehen“, bemängelte er und bedeckte seine Feuerstelle mit feuchtem Gestrüpp.

    Ruhe! Das Schwert räusperte sich. Ich ging im Walde für mich hin, groß Ruhm und Kämpfen war mein Sinn.

    In einiger Entfernung ertönte ein lautes Knacken und der junge Held horchte still. Nichts regte sich.

    Und?

    Was »und«?, dachte er.

    Na, wie fandst du es?

    „Das war bloß ein Reim“, rief er verwundert.

    Pf!, entgegnete die Stimme pampig.

    Zufrieden mit seinem Abenteurertum orientierte sich der junge Held kurz und schritt auf den Weg zu, welchen er gestern zwecks Lagererrichtung verlassen hatte.

    „Was wohl aus dieser jungen Banditin geworden ist?“, beendete er nach einer Weile das allgemeine Schweigen.

    Vermutlich weniger.

    „Ein Eichhörnchen?“

    Ich hatte mehr in Richtung Verwesung gedacht…

    „Ich meinte ihre wiedergeborene Seele!“

    Kurzes Schweigen, dann ein irritiertes Seufzen. Also manchmal lese ich deine Gedanken und kapier dich trotzdem nicht.

    „Meine Eltern haben mir beigebracht, dass jedes Wesen wiedergeboren wird, wenn es stirbt“, erklärte der junge Held. „Und abhängig von seinen Taten wird es dann als Mensch oder als ein bestimmtes Tier wiedergeboren.

    Na, darauf würde ich ja lieber nicht wetten. Nutz lieber dein Leben, ehe die nächste Banditin mehr Erfolg hat, riet die Stimme. Dann wäre es ja auch nicht schade um dich, immerhin hab ich schon haufenweise Abenteurer überlebt.

    „Das ist keine nette Sichtweise.“

    Das ist keine Sichtweise, das ist »Denken«.

    „Vielleicht bist du ja so in das Schwert gekommen… zählt das als Bestrafung oder als Belohnung für dein früheres Leben, was meinst du?“, überlegte er.

    Endlich kam der schmale Pfad wieder in Sicht und eine kurze Zeit später mündete dieser in einen karrenbreiten Weg. Es dauerte noch eine gefühlte Meile, ehe die Stimme erneut ein Lebenszeichen von sich gab.

    Wer ist das eigentlich?

    Der junge Held stutzte und sah sich kurz um.

    „Wer ist »wer«?“

    Na, die Frau, an die du seit Stunden immer wieder denkst.

    „Hey, das geht dich nichts an! Wäre nett, wenn du nicht andauernd meine Gedanken liest.“

    Warum so böse, Bursche? Die sieht doch gut aus… oh… tut mir leid… äh, hm… ist das der Grund, warum du auf Abenteuer ausgezogen bist?

    „Teils“, maulte der junge Held trübsinnig.

    Nach einer langen Weile des Starrens und Schweigen gab das Schwert nach.

    Ist gut. Ich lass dir deine Privatsphäre.

    „Danke.“

    Und was ist das für ein Text gewesen?

    „Hey!“

    Das zählt nicht, das ist noch Neugier von vorhin!, verteidigte sich das Schwert sofort.

    Der junge Held wurde erneut sauer, gleichsam jedoch auch etwas wehmütig. Er konnte nicht verhehlen, dass er gern an diese Zeit zurückdachte, obwohl sie ihn schlussendlich mit großer Trauer erfüllt hatte. Der junge Held kramte in seinen Erinnerungen nach dem entsprechenden Papierfetzen, räusperte sich und begann gedanklich abzulesen:

    „Gallante Frau mit zahrter Haut,

    führ mich die aintzig Schöne,

    wilst du mich lieben wie ich dich?

    Nimm mich zum Mann, Helene!“

    Oh nein, entfuhr es der Stimme.

    „Was?“, schnappte der junge Held sofort.

    Hm? Oh, äh, ach nichts. Nettes Gedicht, beeilte sich das Schwert. Hätte ihr sicher gefallen… lass mich raten: Lesen und Schreiben haben dir auch deine Eltern beigebracht?

    „Ja, wieso?“

    Ach, nur so.

    Früchte des Zorns


    Unscheinbares Fallobst. Gibt beim Verzehr verlorene Lebensenergie zurück. Mögliche Nebenwirkungen : verbale Entgleisung, Raufereien und Messerstechereien, Malus Etikette, scheiternde Quests aufgrund fehlender Anschleichlust und ungestümen Wutanfällen.

    Die Wutesche nennt neben ihrer Hassrinde auch die Früchte des Zorns ihr eigen.

    Angeblich sind diese Früchte für einen Gutteil der Kneipenschlägereien verantwortlich, da die Konsumenten stupides Kräftemessen plötzlich Ruhm und Reichtum vorziehen.

    Einziger Grund für das Überleben der Wuteschen sind die hiesigen Adeligenhäuser, welche sich durch die heimliche Beimischung ihrer Bestandteile Vorteile gegenüber Kontrahenten erhoffen. Der Fall des Hauses Stahlstein gilt als ein Paradebeispiel der Anwendung. Eine Messerspitze zerriebene Hassrinde brachte die abendliche Audienz bei Herzog Voliri zu einem jähen, gewalttätigen Ende.

    Gelegentlich wird das Obst noch zur Behandlung schwerster Verletzungen genutzt, wobei stets auf eine Fixierung des Patienten geachtet und ein Gehörschutz aufgesetzt wird.


    "Alronds kurzes Gedächtnis", Wurfdolch:

    Die Verwendung dieses äußerst kurzen Wurfdolches erlaubt es dem Benutzer, sich zwei zusätzliche Zaubersprüche des zweiten und des dritten Grades einzuprägen.

    "Becher des Zinkers" :

    Ein zerknautschter, unscheinbarer Becher aus Leder, der auch als Trinkgefäß dienen kann. Vornehmliche Aufgabe des Bechers ist es jedoch, seinem Besitzer unauffälliges Falschspiel zu ermöglichen, da nicht die Würfel gezinkt sein müssen, die mit ihm geworfen werden - den Teil übernimmt der Becher. Mit der linken Hand benutzt, gewinnt der Besitzer jeden Wurf. Mit rechts verliert er. Darüber hinaus erkennt der Becher gezinkte Würfel die man in ihn hineingibt und neutralisiert sie.

    Der wohl berühmteste Besitzer dieses Bechers war Arnfried Egelblut, besser bekannt als der "Einarmige Bandit". Ein Spitzname, auf dessen Ursprung er wohl gern verzichtet hätte: Nachdem er in seiner Heimatstadt seit seiner Jugend bereits als absoluter Glückspilz galt, forderte er das Schicksal letztlich einmal zu oft heraus. Ein ansonsten genialer Coup endete damit, dass Arnfried beim Sprung aus einem Schlossfenster das Dach eines Schuppens durchbrach und sein rechter Arm Bekanntschaft mit einem scharfkantigen Schlagschild machte.

    Das zweite und letzte Mal, dass Arnfried in seinem Leben Pech hatte, war, als er gegen den falschen Spieler sein übliches Glück hatte. Den Lederbecher, welcher ihm anschließend abgenommen wurde, hatte er angeblich nie verzaubern lassen. Gleichsam konnte sich niemand erinnern, dass Arnfried den Becher je benäht hatte, doch als der neue Besitzer die Innenseite betrachtete, fielen ihm die fein eingearbeiteten Worte auf: "Ein Leben lang Glück".

    Seither hat der Becher für viele glückliche, wenngleich kurze Leben gesorgt.

    Derzeit soll der Becher im Spielbereich eines berüchtigten Gasthauses eingesetzt werden, wo er Glück und Leben von Falschspielern enden lässt.


    "Ali'karaks Faustformel +1":

    Magischer Schlagring, der Kraft und Treffsicherheit erhöht, den Benutzer aber sehr reizbar und aggressiv macht.

    Drachenlady2001 Ich bin schon der Meinung, dass ich eine Art Ende ausformuliert habe. Die Ursache und der Grund der Seuche sind nun erkennbar und das war der Hauptinhalt meiner Geschichte.

    Den anschließenden Befreiungskampf könnte man dann natürlich noch auf 40 A4-Seiten ausschmücken, aber Asni schreibt ja auch nicht die gesamte Reisegeschichte, sondern nur eine von vermutlich vielen Etappen. Der weitere Verlauf beider Geschichten ist meiner Meinung nach nun vorgezeichnet.

    Fairer Weise: Ich fand Asnis Geschichte auch besser.^^

    Glückwunsch, Asni ! Deine Geschichte war so schön nicht-Happy-End-behaftet. Ich mag es, wenn Fantasy viel Grau und wenig Schwarz-Weiß beinhaltet.:thumbsup:

    Allerdings habe ich mich beim Lesen gefragt, ob es wirklich zum vorgegebenen Thema passt. Du hattest ja von seiner zersplitterten Seele geschrieben. Sucht er den letzten, fehlenden Splitter, um sich selbst zu reparieren oder hab ich was überlesen??(

    Da ich in letzter Zeit recht viel "Age of Empires 2" gucke und heute zur Entspannung etwas "Queen" gehört habe, hat sich mein Hirn dazu beflügelt gefühlt, größtmöglichen Unsinn zu entwerfen.


    Im Sinne des Thread-Namens ist es definitiv eine Auswirkung des Spiels.:D


    The game must go on (to the melody of Queen’s “The show must go on“)


    Building houses, killing all the sheep,

    scouting places, I guess we know the score.

    On and on, does anybody know, if there was just one boar?


    A failing quick wall, another source denied.

    Behind my stone walls, walling out the fight.

    Tower up! Does anybody want to lend me two more gold?


    The game must go on! The game must go on!

    Inside my vill’s are shakin‘, my drush was killed by wolves

    and I regret: Fast Castle.


    I tried to micro against four mangonels.

    My castle got up… to 99 percent.

    Monk is out. Does anybody know “Where have the relics gone“?


    I guess, I’m learning, I should have researched loom,

    while I get raided by four Men-at-arms.

    My lumberjacks are creakin‘, they want to drop their wood, but there are two more miles.


    The game must go on! The game must go on!

    My TC’s aren’t producing, my monks all died to scouts and

    I see rails… for ram trains.


    My treb’s are shooting palisades and mining camps.

    100 vill‘s or 50 more? Remember: “It depends!“

    I WILL DIE, MY FRIEND!


    The game must go on! The game must go on!

    I’ll face it with a grin, I’m never giving in, on with the game!

    Ooh, I lost a vill‘, need houses still!

    I have to make more vill‘s to carry on. (Background: “1 0 5 !, 1 0 5 !“)

    The game must go on!

    Die Mama kann Heldiwutzens Schwert hören? (Hier würde ich rein gefühlsmäßig noch zwei drei... dutzend Fragezeichen setzen.)

    Das erkläre ich damit, dass sie ihn ja mit sich fortzieht, also gibt es eine Brücke zwischen ihr und dem Schwert. Der junge Held ist außerdem nicht das erste Mal zu Hause, sodass seine Eltern das Schwert bereits kennen und sich nicht mehr darüber wundern.

    Alle Fragezeichen eliminiert?